IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG Xll., FOCHOVA 62. TELEFON 63077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•inschliufilich 5 Heller Porto) 15. Jahrgang Sonntag, 5. Mai 1935 Nr. 105 kür die Arbeitslosen In den letzten Tagen hat das Mini- s-errnm für soziale Fürsorge weitere Betrage in der Gesamthöhe von Kc *344.900.— für p r'o duktive Ar» öeitslosenfürsorge bewilligt. Weitere 266 Gesuche von Gemeinden und Bezirken um einen Staatsbeitrag mr Notstandsarbeiten konnten günstig erledigt werden. Dadurch wurde für 10.129 Arbeitslose eine direkte Arbeits» Selegenheit geschaffen. Der Gesamtaufwand dieser Arbeiten betragt rund 26 AiMonen. Dank der produktiven Arbeits» 'vsenfürsorge find Heuer bisher Außerhalb des Budgets Investi- aonsarbeiten im Gesamtbeträge von 'ast 770 Mllllonen Kronen ermöglicht Morden!. Göring will die Sowjetunion angreifen ^/Berlin.(Eigenbericht.) Vor 20 Offizieren Mt Göring einen Vortrag über einen eventuellen Luftangriff auf die Sowjetunion. Dabei letzte er voraus, als ob ein festes Militärbündnis Uiit Polen und Japan vorhanden wäre. Er legte "u Hand von Karten und Zahlen über Stärke W Aktionsradius der drei Luftstreitkräfte dar, M es bei solchem Angriff durchaus möglich sei, ^ßland zu vernichten. Ein derartiger Angriff ^ücde bei Ausbruch eines Krieges die Entfaltung J* Infanterie des Gegners unmöglM machen, ^'iser Vortrag, der in Döberitz, dem bekannten Truppenübungsplatz, gehalten wurde, gelangte iur Kenntnis einiger Generäle des Reichswehr- uunisteriums, die äußerst scharfe Formulierungen Wen diese Wahnsinnstheorien, gegen diese ^äne und unrichtigen politischen Voraussetzun- W gebrauchten. Bor Industriellen und Exportguten äußerte Göring, er könne nicht sagen, wie 'M die deutsche Luftflotte sei. Wenn er heute Zahl nenne, so sei sie morgen überholt, und "*un er morgen eine Zahl nenne, so sei sie über- "wrgen überholt. Man muffe sich darüber klar g>n, daß Deutschland die stärkste Luftflotte der Welt besitze. O-Lootdau in Deutschland . Berlin.(Eigenbericht.) Es ist bekannt, daß Mits.seit längerer Zeit im Ausland, u. a. in Spanien und auch in Abo in Finnland, U-Boote sür deutsche Rechnung hergestellt werden. Dazu fahren wir, daß in der letzten Zeit von deut- Agenten U-Bootteile in norddeutschen Ersten bestellt worden sind, angeblich für aus- Mdische Mächte, wie Holland, Schweden, Spa- Uicn und Finnland. Diese Agenten waren aber frühere deutsche Marineoffiziere und ihr Auf-, guggeber nicht das Ausland. Charakteristisch für neuen U-Boote ist, daß sie mit einer neuen !'kktrischen Steueranlage ver- gtzen sind, die vom Kommandoturm aus bedient g>kd. Diese Steueranlagen werden in Hamburg ^gestellt. Es handelt sich um ein Schaltbrett, fun dem sämtliche Schiffsmaschinen bedient wer, können. Auch von diesen Anlagen sind grö- *2* Bestellungen fürs„Ausland" abgeschlossen gorden, ohne daß eS möglich war, die betreffen- z” Auftraggeber festzustellen, so daß auch hier ggrimdeter Anlaß besteht, das Reich als Auf, g^ggeber anzunehmen. Der Bau der in der ^ksse bereits erwähnten 12 U-Boote bleibt tat- Mich weit hinter dem U-Boot-Programm Mtschlands zurück und ist heute längst Lber- Mt. Es kann sich höchstens um zusätzliche ^Boote handeln, die man zur„Beruhigung der "amtlichen Meinung Englands" zugegeben, hat. jukstand auf den Philippinen unterdrückt . New Nork. Der kommunistische Aufstand " der Umgebung Manilas wird als unterdrückt gesehen, nachdem mehrere Takdal-Führer ver- ,'M werden konnten, während andere geflüch- sind. Kommunisten kehren in den Schoß der sozialdemokratischen Einheitspartei zurück Die wahre Einheitsfront Eines der traurigsten Symptome diese r Zeit sind die häufigen Uebertritte von Kommunisten zur Hitlerpartei. Sie beweisen, daß sehr viele Proletarier, die durch die Schule der KP gegangen sind, ihr Klassenbewußtsein, ihre Ehre, ihren gesunden Menschenverstand eingebützt haben und zu Verrätern an der Sache des Sozia lismus, der Sache der arbeitenden Menschen geworden sind. Um so erfreulicher ist es, wenn ehemalige Kommunisten über alle Verhetzung durch den Apparat der KP hinweg sich das Klas senbewußtsein, die Erkenntnis und die soziollistische Begeisterung bew ahrt haben, die sie auf den in dieser Zeit einzig richtigen Weg führen. Tas ist der Fall bei den Funktionären und Mitgliedern der ehemaligen kommunistischen Organisation von Alten d o r f, die sich entschlossen haben, zur Sozialdemokratie zuruckzukehren und so ein Stück Einheitsfront zu verwirklichen, indem sie die Einheitspartei der sozialistischen Arbeiter schaffen helfen. ' De Genossen von Altendorf haben sich entschloffen, ihren Schritt in einem A u f r u f an die I Arbeiterschaft zu begründen. Dieser Aufruf der klaffenbewußten Sozialisten von Altendorf stellt zugleich die beste Antwort aufdie Roßtäuscherkniffe dar, mit denen die bankrotten Apparatschik! der KP in den letzten Wochen die Arbeiterschaft zu bluffen und für ihre Spaltungsarbeit zu gctvinnen suchen. Hier der Aufruf: Wir gefertigten ehemaligen Mitglieder und Funktionäre der kommunistischen Partei sind der sozialdemokratischen Partei beigetreten. Zu diesem Schritte haben uns folgende Erwägungen bestimmt: Wir waren vor der Spaltung Sozialdemokraten. Wir haben uns seinerzeit der kommunistischen Bewegung angeschlosien, weil wir geglaubt haben, daß wir damit den Interessen der Arbeiterschaft dienen. Wir haben in der kommunistischen Partei und in ihr trotz mancherlei Enttäuschungen über zehn Jahre ausgeharrt. Aber immer mehr mußten wir erkennen, daß die k ommunistische Politik absolut fruchtlos blieb, daß all das revolutionäre Wolle« der Arbeiter sich in dieser Partei infolge der starren bürokratische« Leitung nicht entfalten konnte. Wir sahen auch die verderbliche« Folgen der Spaltung und erkannten, daß es der kommunistischen Partei trotz des Einheitsfrontgeredes nicht um eine wirkliche Herstellung der proletarischen Aktionseinheit z« tun war. Dem gegenüber sahen wir, daß die sozialdemokratische Partei ungebrochen und aktionsfähig dasteht. Wir sahen, daß diese Partei sich im Krisensturm aufs beste bewährt hat, daß sie eine wirkliche Sachwalterin der Interesse» der Arbeiter war und ist und sich auch erfolgreich der Arbeitslosen angenommen hat. Wir sahen, daß die Sozialdemokratie, während rings um uns der Fascismus siegte, den Arbeitern in diesem Staate ihr höchstes Gut, die politische Freiheit erhalte» hat und daß sie dafür eingetreten ist, daß die ESN gemeinsam mit Sowjetrnßland in die Weltfront zur Abwehr des Fascismus eingegliedert wurde. Wir haben aus unseren Erwägungen und Erkenntniffen nach reiflicher Aeberhegung dieeinzigerichtige Konsequenz gezogen: Wir sind zur sozialdemokratischen Mutterpartei zu» rückgekehrt. Wir wollen in den Reihen der Sozialdemokratie f ü r die Befreiung der Arbeiterklasse und für den Sieg des Sozialismus kämpfen. Wir wollen durch unseren Schritt daz« beitragen, die so notwendige E i n- Heilder Arbeiterklasse z« verwirklichen. Arbeiter und Arbeiterinnen, die ihr noch in der kommunistischen Bewegung steht, wir appellieren an euch, unserem Beispiel z« fol- gen. Vergeudet nicht bei der bevorstehenden Wahl euer kostbares polttisches Recht, sondern wähtt die Partei des Kampfes und der Einheit, die S o z i a l• demokratie! Freiheit! Die Mitglieder der ehemaligen kommunistischen Organisation in Altendorf: Karl Trampisch, Schmid Richard, Ludwig Konrad, Karl Demus, Franz Scholz, Gustav Weis, Siegel Josef, Franz Müller, Falk Ott». Jüdische Spenden werden zurücksewiesen Berlin. Der Gauleiter Bürckel veröffentlicht eine Anordnung, in der es u. a. heißt:„In dtn in der Preffe bekannt gegebenen Zeichnungslisten für die Beseitigung der Elendswohnungen befinden sich mehrere Spenden von Juden. Ich weise alle politischen Dienststellen darauf hin, daß es unanständig ist, von Juden Geld zu nehmen, wesin aus völkischen Gründen zur jüdischen Raffe, eine gegensätzliche Stellung eingenommen wird. Bereits vereinnahmte Beträge sollen unverzüglich zurückgezahlt werden.". Der sestohlene „Arbeitersonntag“ eingestellt Wien. Der gleichgeschaltete„Arbeitersonntag", der in den Diensten der Aktion Winters für die Versöhnung des gegenwärtigen Regimes mit der Sozialdemokratie stand, hat zu erscheinen aufgehört. Ein anderes Blatt Winters/„Die Aktion", verfiel wegen eines Artikels über den Prozeß gegen die Führer des Republikanischen Schutzbundes der K o n f i s k a t i o n. Neue Bewegung? Nur eine Auferstehung I In einer seiner jüngsten Reden hat Konrad Henlein in echt führermäßiger Bescheidenheit seine Partei als die einzige bezeichnet,' die nicht schon aus der österreichischen Vergangenheit in unsere Republik, herübergerettet worden, sondern etwas wirklich„Neues" sei. Fragt man sich nach der Wahrheit dieser Behauptung, so kommt man auf recht intereffante Vorgänge. Solange die Arbeiterklasse in der altösterreichischen Politik noch rechtlos war und nur—• seit 1869— das Koalitionsrecht hatte, kümmerten sich die nichtsozialistischen Parteien nicht um die Proleten, die als Wähler nicht in Betracht kamen. Das änderte sich, als 1896 den vier Wählerklaffen des Großgrundbesitzes und der Höchstbesteuerten, der Handelskammern, der Städte und der Landgemeinden die Fünfte Kurie angeslickt wurde, in der das Wahlrecht nicht mehr an eine direkte Steuerzahlung gebunden war. Immerhin war das Interesse der bürgerlichen Parteien noch nicht allzugroß, zumal die Fünfte Kurie im ganzen weiten Reiche nur 72 Mandate zu besetzen hatte, die alten vier Wählerklassen aber 353. Besonders in den Sudetenländern war man zunächst geneigt, die Mandate des allgemeinen Wahlrechtes den Arbeitern, das hieß der Sozialdemokratie zu überlassen. Ihr gelang es denn auch, im ersten Ansturm, mit sehr wenig Geld und einer kleinen Anzahl von Wochenblättern di: meisten Wahlkreise der Industriegebiete zu erobern. Zwar saßen im Abgeordnetenhaus nur I t Sozialdemokraten, aber sie waren die erste internationale Partei im Reichsrat, die Vertrc-- ter des fordernden und gefürchteten Proletariats und so galten sie ungleich mehr als viele wett stärkere Fraktionen. Das Auftreten dieser Vierzehn— von denen nur noch wenige leben, so Ignaz D a s z h n s k i in Polen und Eduard Rieger in Wien— war die wirksamste Agitation für ihre rasch aufstrebende Partei, der große Erfolge bei der nächsten Wahl sicher zu sein schienen. Das machte die Kapitalisten stutzig. Man suchte nach einem Mittel, solches zu vermeiden und man f and es: Die Arbeiter mußten für den Nationalismus gewonnen und'dadurch ihrer eigenen Sache entfremdet werden! Eben ist in Prag das Andenken Jos.-f Steiners geehrt worden, des Vorkämpfers dec freien Gewerkschaften im tschechischen Proletariat. Der neuerbaute Saal im„Lidovh düm" trägt seinen Namen. Auch Josef Steiner gehörte dem 1897 gewählten Parlament an. Wie in jedem neugewählten Abgeordnetenhaus seit der Einführung der direkten Wahl durch die Wähler anstatt der Delegierung der Abgeordneten aus den Landtagen(1870) traten auch jetzt die tschechischen bürgerlichen Mitglieder unter Abgabe ein-r Rechtsverwahrung ein, die sich auf die „vernewerte" Landesordnung aus dem 16. Jahrhundert berief und allein die Landtage von Böhmen, Mähren und Schlesien gemäß dem„böhmischen Staatsrecht" als rechtmäßige Vertretung der Sudeten-Länder.gelten ließ. Selbst der Jungtscheche Dr. Gregr, Leiter der„Narodni list:;"- hatte einst erklärt, das ganze böhmische Staatsrecht sei nicht eine Pfeife Tabak wert. Die nun zum erstenmal ins Parlament gekommenen tschechischen Sozialdemokraten sähen in den Kurien- landtagen das Bollwerk bürgerlicher Klassenherrschaft; deshalb und als Partei der Zukunft und nicht der Vergangenheit lehnten sie in einer Gegenerklärung jene Rechtsverwahrung ab und proklamierten im Einvernehmen mit den Genoffen der anderen Zungen die Umwandlung Oesterreichs in einen demokratischen Nationen- Bundesstaat als das Ziel. Gegen Steiner und Genoffen aber wurde- daheim ein wilder Sturm entfeffelt und eine nationalistische Arbeiterpartei zur Niederkämpfung der Sozialdemokratie ins i Leben gerufen. Nach diesem Vorbild wurde nun auch in den deutschen Gebieten der Sudetenländer eine„völkische Arbeiterbewegung" aufgezogen. Mit ihrer selbstverständlichen, weil bestimmungsgemäßen und zweckbewußten Hilfe würden viele nordböhmische Mandate der Sozialdemokratie abgejägt, wobei auch der Terror eine nicht geringe Rolle spielte, was durch die Methode der öffentlichen und mündlichen Wahstnänncrwahl begünstigt wurde. Seite 2 Sonntag, 8. Mai 1938 Nr. 105 der dann erst di« Wgeordnetenwahl folgte. Mähren-Schlesien und Wien-Niederösterreich brachten zwar Gewinne, doch war die neue Fraktion nur 11 Mann stark. Unter den Siegern waren eine Anzahl Gesellen, die sich alsbald in ihren Wahlkreisen nicht mehr sehen laffen durften, dafür aber auch den griechischen Saal am Franzensring zu Wien ängstlich mieden. Die funkelnagelneue, befreiende, nationale Bewegung der Alldeutschen hatte nämlich Ehrenmänner besonderen Kalibers auf Eroberung ins Sudetenland geschickt. Geradezu ein Exempel wurde an dem Riesenwahlkreis G ab- l o inz-Trautenau-Grulich-Lands- k r o n statuiert. Der dort gekürte Sieger Herzog, Herausgeber eines Winkelblättchens in Baden bei Wien, wurde alsbald als Denunziant seiner Freunde entlarvt, der ebenfalls neue Eroberer des Gablonzer Stadtbezirks Rudolf Berger mutzte aus weniger politischen Gründen, aber wegen nicht weniger peinlicher Affären fort- tan darauf verzichten, sein Volk wiederzusehen. Doch lieft er die Diäten nicht. Man könnte noch mehr solche Heldenlieder anstimmen, wenn es nicht schade um den Raum wäre. So wollen wir es mit dem Hinweis auf des bejubelten Führers K, H. Wolf höchsteigene Skandale bewenden lassen» von den Zuwendungen des Zuckerkartells an die korruptionstötende„Ostdeutsche Rundschau" bis zu der deutsckiesi Treue gegen einen teuren Freund, an dessen Frau mannhaft be- bewährt. We Freude der 1901 gewonnenen Wähler trug zu dem grossen rotenSieg im Mai 1907 unter dem endlich errungenen gleichen Wahlrecht bei. Mit 88 Abgeordneten statt der nur 11 im letzten Kurienhaus zog die Sozialdemokratie ins Parlament ein, nur von den Christlichsozialen übertroffen, die sich zu diesem Zwecke rasch mit den Katholisch-Konservativen vereinigt hatten. Die geschlagenen Bürgerlichen schlossen sich zu jenem Nationalverband zusammen, dessen häufiges Auseinanderfallen alsbald den neuen Liedestext erzeugte: Der eine fass, der andre stand der Dritte fehlte wieder— Das ist der Nationalverband: Stimmt an das Lied der Lieder! Besser hielt die Einigung der Bürgerlichen gegen die Arbeiter in den Städten und Dörfern der deutschen Sudetenländer und 1911 sah man die ganze Reaktion wieder stramm für die»völkischen Arbeiter" an die Urnen treten. Wie 1901 glichen allerdings Gewinne in den Alpenländern die Einbussen im Norden des Resches aus. Das eben ist einwichtiger Unterschied des Heute vom Damals: In Altösterreich regierte noch nicht das Parlament, soweit es aber mitbestimmte, konnten die Arbeiterinteressen bei Wahlniederlagen in einem Teilgebiet durch Siege in einem anderen noch herausgepaukt werden. Heute kommt es ganz anders auf Stimmen und Mandate an und der 19. Maientscheidei für das Ganze! Wo aber ist ein Unterschied jener sudetendeutschen Vergangenheit von dem Hen'einbetrieb? Fehlen ihm die antisozialistischen Unternehmer und Scharfmacher als mindestens heimliche Förderer? Ist nicht der reaktionäre„A n ti- marxismu s"sein Um und Aus?„Reu" ist allenfalls der militärische Banden- betrieb mit Aufmarsch, Heilgeschrei und Einzelterror. Aber das ist kadavergehorsame Nachahmung des Vorbildes jenseits der nahen Grenze. 11 Roman von Emil Vnrhrlc Deutsch von Anna Aurednltek Jetzt sah er wirklich wie ein fliehender Mörder aus, weit aufgeriffene Augen wie Kain, die blutige Stirn, zerrissene Hosen, und Blut an der Brusttasche. Er fühlte, dass ihm jetzt sein bester Freund nicht glauben könnte, wenn er erzählte, dass er nur durch einen unglücklichen Zufall in den Besitz des Mobilisationsplanes gekommen war. Im Galopp gelangte er zu dem Trümmerhaufen, der wie ein Wall den„Nordpol" umgab. Er atmete auf, aber nur kurz war die Freude. Vor dem Hause erblickte er eine bekannte Gestalt, die auf und ab ging. Der Detektiv Sach! .Herrgott noch einmal!" stöhnte er,„man weih es schon, man wartet auf mich; jetzt komm ich hinters Gitter, falls sie mich nicht gleich niederknallen!" ■ Das Schlimmste aber war, dass ihm der Eingang in das Haus, wo er seine einzige Rettungsmöglichkeit wähnte, abgeschnitten war. Da der Mensch im Alter nicht vergisst, was er in der Jugend gelernt hat, so duckte sich der gehetzte Beinsteller in den Graben, pfiff schrill durch zwei Finger, das Signal, mit dem die Polizei herbeigerufen wird. Nach einem Augenblick hörte man die Schritte Sachs, der weiterlief. Er wird gewiss bis zur nächsten Gasse rennen. Der Trick war gelungen und Beinsteller schwang sich auf die andere Seite des Grabens und schielte nach dem' Haustor. Was er erblickte, liess sein Herz stillstehen. Am Rande des Feldes erschien— Herr Holina, begegnete Herrn Sach, urtt» beide gestikulierten lebhaft. Die Falle war geschloffen. Es mag für das Proletariat ein sehr ernst zu erwägendes Problem sein, ob es sich lohnt, die persönliche Meinungsfreiheit und das Mitbestimmungsrecht durch politische Wahlen gegen die doch nicht von der ganzen Klaffe auszuübende Alleinherrschaft des Proletariats im entkapitalisierten Staat herzuqeben. Proletarier jedoch, die dem Die„R u n d s ch a u" vom 21. April schreibt; „Mag Herr Doderer sammeln!** „Wir finden cs begreiflich, baß den raten Genosse« der Kampf gegen die Sndrtendentfche Heimatfront argeS Kopfzerbrechen macht. Womit soll man den Arbeiter auch schrecke«, nachdem sich bi« „zagkräftig st en Schlager" als jämmerliche SensationSmache entlarvt habe«. Da holt man de»» ei« aears Re- gaisit a»S der Gerümpelkammer sogenannter geistiger Argumente hervor:„Geireraldirektor Doderer sammelt sür den WahlfonbS der SHF." Ma« spekuliert darauf, daß dieser Rame aus die Arbeiterschaft wie rin rotes Tuch wirft und vergißt bei den weiteren Kombinationen wie schon so»st, daß Lügen eben kurze Beine haben. Wen« Herr Doderer stch entschlossen haben sollte, für irgendetwas zu sammeln, so ist daS sein« Sache. Dir SHF hat damit nicht bas Geringste zu tu». Herr Doderer hat von der SHF weder den Auftrag zum Sammeln erhalten noch ist die SHF gewillt, ihre Wahlagitation von Herrn Doderer finanziere» zu lasse». Auch dann nicht, wen« ihr diese Gelder augetragoa werde»." Fascismus auch nur zu einem Scheintriumph verhelfen— wie es sein Sieg in einer Minderheitsnation dieses Staates wäre— verrieten ihre Klasse und opferten sich sellbst und zu ihrer Klaffe im Endeffekt auch noch ihre Rationalität, die als Minderheit auf Verständnis und Freundschaft der Staatsnation angewiesen ist. Die„B o h e m i a" vom 30. April schreibt: Der pensionierte Zentraldirektor der Eisenwerke Rothaa A.-G., Jng. Doderer, ist seit läu- gerer Zeit Gegenstand heftiger Angriffe. Die sozialdemokratische Presse hat ein Trommelfeuer «egen ihn eröffnet, weil er dir Aufgabe übernommen habe, die finanzielle Unterstütz»»« der Wahle« durch dirJa- dustrie bei sich z« konzentrie- re«. Heber die Tatsache, daß die Wahl jeder Partei Hunderftauftube kostet, daß ste das Geld aufbringe« müssen, n»d daß sie dieses naturgemäß»ei den Angehör i- gen jener Stände suchen, bereu Interessen sia vertrete«, ist ebenso selbstverständlich, wie Gewerkschaften und Konsumvereine mittelbar und unmittelbar, sichtbar und unsichtbar zur Unterstützung der Wahl der sozialistische» Parteien her- angezogen. Aus dieser Tätigkeit kann man dem Z e» t ra l d i r e k t» r Doderer als» gewiß nicht den geringstenBorwnrfmachea." Die pollflsdic Wodic Die zurückliegende Woche stand ganz im Zeichn der Maifeier, die sich zu einer gewaltigen Krsd gebung des sozialistischen Proletariates gestaltete in ihrem Gesamtbild im deutschen Gebiet die«nvw geglichen Manifestationen vom 4. November noch vtt übertraf. Trotz der Ungunst der Verhältnisse, tut nie dagewesener Kälte und Schneegestöber hat«» hunderttausende Proletarier den mühevollen Sfl nicht gescheut und dann stundenlang ausgeharrs^w ihr Treuebekenntnis zum Sozialismus vor aller W zu bekunden und ihrer Kampfentschlossenheit gegei den feindlichen Ansturm wendigen Ausdruck 5 geben. So waren die Maifeiern Heuer. eine A« Musterung vor der grossen Entscheidung des 19. Nei eine Musterung, die zu den besten Hoffnung« cho rechtigt. Wie stark der Eindruck unserer Kundgebung^ selbst bei den Gegnern war, ergibt sich am deutlichst» aus der Tatsache, dass diesmal die obligaten MeÜH gen über den zahlenmässigen„Rückgang" unst«! Kundgebungen ausblieben, ja vielfach auch von böo gerlicher Seite die imponierende Stärkt unserer Demonstrationen eingestanden wurde. Ja Die lleberreichung der Kandidaftnlisten an dir Vorsitzenden der Kreiswahlkommiffionen hat mittlw weile über die Kampffronten Klarheit geschaffen. tschechischer Seite gab es kaum Ueberraschungen, deutscher Seift dagegen gibt sich ein Wirrwarr eine Zerriffeicheit kund, wie bisher noch in keiner dr> abgelaufenen Wahlperioden. Aus der allumfasseodv Totalität, die dft SHF anstrebft, ist ein wahrrt Mosaik von Parteien und Gruppen geworden, tri der deutschen„Einigkeit" eine Zerrissenheit wie sie bisher noch nie da war. Rund ein Dutzw deutsch« Parteien und Parteigrüppchen sind auf dv verschiedenen Listen zu fi>st>cn: kein Wunder,',wev man sich namentlich im tschechischen Lager über d» merkwürdige„Volksgemeinschaft" lustig macht.■" Der deutschen Sozialdemokratie kann es recht sein, wenn die Herrschaften, die ausgezogeit um den Marxismus in der Lust zu zerreissen, sich>•’ gegenseitig zerfleischen werden. Dreiste Lügen haben Doderer hat doch für Henleins If lIN'Vfi DaIHA Wahlfondtgesammelt IlllifcU DwIllV Wir unterbreiten der Oeffentlichkeit folgende Gegenüberstellung: Die„B o h e m i a" verbindet diese Erklärung mit einer Entschuldigung der Rolle Doderers bei der Stillegung der Rothau-Neudeker Betriebe. Sie gibt zugleich die T a t s a ch e, dass Doderer bei der Industrie für Wahlzwecke gesammelt hat, öffentlich zu. Ja sie erklärt, dass man Doderer aus dieser Tätigkeit„nicht dengeringsten Borwurf" machen kann. Die Er« klärung der„B o h e m i a" ist zweifellos im Einvernehmen mit Herrn Dode- r e r abgegeben worden, offenbar deshalb, weil der pensionierte Generaldirektor und Industriezerstörer den Ableugnungsversuchen der Henleinpreffe entgegentreten will. ks ergibt sich somit folgender Sachverhalt: Herr Doderer ist der finanzielle Vertrauensmann der Gruppe Dr. Rosche. Die Gruppe Dr. Rosche ist laut Uebereinkommen vom 24. März, geschloffen zur Henleinpar- tei Lbergetoetan. In einem offiziellen Rundschreiben der damals noch SHF benannten Eintopfpartei vom 12. April, wird das bestätigt. Dr. Rosche interveniert täglich bei den Prager Regierungsstellen im Aufftagr Henleins» zumeist in Begleitung feines Pressechefs Dr. Debrkovskh. Wo sind die Wahlspenden der Industrie geblieben? Dft„Bohcmia" gibt bekannt, Laß Doderer die finanzielle Unterstützung der Wahlen durch die Industrie bei sich konzentrftrt hat. Die»,Rundschau" behauptet, dft Henleinpartri hätte mit den Sammlungen Doderers nichts g« tun. Run fragen wir die breiteste Oeffentlichkeit, wir fragen Herrn Doderer, wir fragen den Henlein-Trabanten Dk. Roscher Wo find die Wahlspenden der Industrie hingebommen? Sind die in der Oeffentlichkeit genannten Beträge(1. Rater 800.000 Kronen) in den Wahlschatz Henleins geflossen oder find auf dem Wege vom Spender zum Empfänger verloren gegangen? Herr Doderer, Herr Henlein, Herr Dr. Rosche, wir verlangen Aus- Kunst über den Verbleib dieses Volksvermögens! Mittlerweile hat der Wahlkampf scharfe FoW angenommen. Herr Henlein, der sich höchste«^ händig die Märtyrerkrone aufs Haupt gesetzt N zieht nrit seinem Zirkus von Dorf zu Dorf und mos" auch unterwegs Huldigungen der ehemaligen Haw' steuzler und der sonsttgen ihm zugelaufenen büftU' lichen Gruppen entgegen. Nur schade, dass zu&R verunglückten Autobus, in dem Henleins MiisiLafll^ fass, ausgerechnet ein bekannter Sozialdemokrat erster Samariter dazukommen muhte. Wie hätte man den Unfall, besonders wenn er gar r* Nachtzeit und ohne Zeugen sich ereignet hätte, n einem neuen heimtückischen„Ueberfall" durch sW xistische Untermenschen ausgcstalftn können, der bekannten—Schüsse" gegen das Henleinauto noch in den Schatten gestellt hätte. Um diesen Schlag der sich so schön in dft eigenhändig angestiE Märtyrerkrone des Herrn Henlein eingefügt hatte, der Führer— Pardon: Vorsitzende— der^ deftndeutschen Partei somit leider gekommen, charakterisiert den Geisteszustand der mit SlMPS geschlagenen nationalistischen Bürgerkreise, das*] sich derartige nur für die Allerdümrn^, geschaffenen AgitattonS- und Kampfmethoden gefallen laffen! Beinsteller wusste, dass iljm kaum fünf Minuten blieben. Mit rasender Schnelligkeit lief er durch die Einfahrt, den Hof und stürzte ins Stiegenhaus, das zur Hühnersteige führte. Er wusste eigentlich nicht recht, warum er dahinlief und nicht lieber an einem andern sicheren Ort Zuflucht suchte, als es seine Wohnung war. Wo wollte er, um Himmels willen, in seiner Behausung diesen Gegenstand verstecken? Soll er auf den Dachboden lckstfen und sich in den Hof hinabstürzen, falls ihm die beiden folgen? Soll er bei der Loisis Zuflucht suchen? Als er unter der Last des Bewusstseins, verloren zu sein, seine Schritte verlangsamt, erblickt er eine Möglichkeü, die ihm in keiner seiner blitzschnellen Kombination eingefallen war. Vor der Tür Nummer 5 auf der Hühnersteige sitzt auf einem Schemel Fräulein Sophiechen. Sie ist die solide Tochter der Frau Chalupa. Beide Hände im Schoss, das Gesicht der Sonne zugekehrt, sitzt sie mit geschlossenen Augen und geniesst ihren Sonntagnachmittag. Sie ist ahnungslos, unbekümmert, ihr Gesicht strahlt Zufriedenheit aus. Der Verfolgte starrt sie an, er bleibt stehen. Ein ganz absurder Gedanke, vielmehr«ine Eingebung erleuchtet ihn: Soll er— bildlich gesagt — sein Schicksal in den Schoss dieses Mädchens legen? Ein ganz toller Einfall. Er kannte von all den Bewohnern der Hühnersteige dieses Mädchen am allerwenigsten. Er kannte Sophiechen beinahe gar nicht. Dieses alternde^Fräulein, das den ganzen Tag ausiväcts arbeitete, war ihm von den Bewohnern der Hühnersteige die Fremdesft. Sie verkehrte mtt niemandem und schftn als tugendhafte Jungfrau das ganze Gesindel, mit dem sie wohnte, zu fürchten. Beinsteller hatte in den acht Jahren, da sie hier hauste, keine hundert Worte mit ihr gewechselt. Er hatte sie nur etwa hundertmal gegrüht, wenn er ihr zufällig begegnete, und sie war den Begrüssungen immer in eiliger Flucht ausgewichen. Falls Beinsteller irgendein «Gefühl für sie empfand, so war es die beschämende Erkenntnis seiner Schuld und Kleinheit, die ein Sünder angesichts einer moralisch über ihm stehenden Person empfindet. Trotzdem zog ihn jetzt Sophiechen, ehrbar von Scheitel bis zur Sohle, in diesem schwersten Augenblick seines Lebens an. Es war, als riefe ihm eine mächtige Stimme zu:„Hier findest du sichere Zuflucht!" Beinsteller empfand deutlich, wie unbegreiflich es war, dass er sich mtt seinem fürchterlichen Geheimnis dieser alten Jungfer ausliefern wollte. Aber eine unüberwindliche Gewalt zwang ihn dazu. Jetzt schlug Fräulein Sophiechen die Augen auf und schaute ihn überrascht an. In der Ferne waren Stimmen vernehmbar und in Beinstellers Gesicht malte sich gewiss grenzenloses Entsetzen, denn Fräulein Sophiechen fragte plötzlich voll gespannter Aufmerksamkeit:„Was ist Ihnen, Herr Beinsteller?" Beinsteller erwiderte ganz verwirrt:„Ja, Fräulein Sophie, ist habe morgen Geburtstag!" Fräulein Sophie sagte ebenso verwirrt: „Aber Sie sind ja ganz blutig!" „Ach was, blutig, ich habe das da bei mir, Fräulein Sopherl", sagte er und zog die verhängnisvolle Tasche, samt der Uhr und der Kett« heraus. Er war von der seltsamen Gewissheit erfüllt, dass er es nicht vergebens tat. Sophiechen erschrak beim Anblick der goldenen Kette mehr als beim Anblick der Tasche. „Eine goldene Kette!" «Ach, um die handell es sich gar nicht", sagft Beinsteller» schon ganz vertraulich,„ftber diese Tasche! Und sie sind hinter mir her!" Sophiechen bebte wie Espenlaub.„Wer?" „Die Polypen! Der Holina und der Sach — vielleicht sogar das Militär." Bei dem Wort„Militär" erschrak Sophie noch mehr.„Um Gottes willen— das ist entsetzlich!" bei mir si^ A geworden:-• „Jawohl, Fräulein Sophiechen, und wird mich hängen, wenn sie mich damit£ wischen. Mir scheint, sie reden schon mit Hausmeisterin. Und ich bin ganz unschuldig' die Patsche gekommen.""jH „Unschudig hängen?" fragte Sophie. geht doch nicht." „Wenn sie den Krempel bei mir W« dann rettet mich nicht einmal geweihtes vor dem Galgen." Sophie war leichenfahl gciovroen. geben Sie schon her, Herr Beinsteller, ich 151 aufbewahren, aber tun Sie es nie wieder!". „Sie, Fräulein?", stotterte Beinsteller, Jahre statt. Es kandidieren u. a. acht Minister-’| die grösstenteils Bürgermeister waren, 173 Sen»- I toten und 219 Deputierte. Autounfall Flandlns Paris. Ministerpräsident Flandin ist Saatt- tag im Auto nach Nonne abgereist, wo er sich»» den morgigen Gemeindewahlen beteiligen Sein Auto hatte aber auf dem Wege untve» Auxerre einen Unfall. Der Ministerpräsident brach sich hiebei die Hand und wurde ins Kran- kenhaus überführt. Seine Frau, die ihn liegst'- tete, kam unversehrt davon. Es ist«le zu spat Zur gleichen Zeit, als die Glocken von Wien ihren üblichen Karfreitagausflug nach Rom machten, erreichte ich die Stadt an der Donau. Meine Stimmung war so trüb wie die Wellen dieses Sttomes. Ich wusste schon lange, dass die Donau nur in Liedern blau ist; auch das Verstummen der Glocken war nicht schuld an meiner bedrückten Stimmung.— Ich erinnerte mich an den Jubel der Arbeiterolympiade, in dem ich die Stadt zuletzt verlassen habe. Mein zweiter Eindruck von Wien: die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung würde die Sozialisten herzlicher und lieber begrüben als das Wiedererklingen der Glocken. Zu dieser Tatsache gtsellte sich bald ein« dritte Festttellung: in Wien gibt es zwar keine Partei mit Abgeordneten, Stadträten, Sekretären usw., aber viele, sehr viel« Genossen. Man sieht keine Abzeichen, aber man f ü h l t die Nähe der Genossen, das Leben einer Bewegung: Einer Bewegung, die wirkt, die sogar noch neue Anhänger wirbt. Am Ostersonntag lud yrich ein FaRenhelfer zu einem Ausflug ein. Nach Rom? Nein, näher, in den Wiener Wald. Bon d«r Endstation der Strassenbahn folgte uns ein Herr mit einem Melonenhut.„Voukka", würden wir Prager sagen. Ich wollte ihm schon meine Fahrkarte vorzeigen, denn„bourka" ist doch die ttadittonelle Kopfbedeckung der Prager Sttatzenbahnkontrolleure. Der Wiener war jedoch nicht meiner Meinung. Auf einmal sagte er laut:».Schau den Platz dort hinter dem Weg, dort ist der Treffpunkt der Versammlungsteilnehmer". Der Melonenhutherr kam noch näher an uns heran. Mein Begleiter interessierte sich plötzlich für den Gesundheitszustand des schechoslowakischen Tormanns Plänikka, der im Wettkampf gegen Oesterreich verwundet worden war. Ich kenne meinen Freund als einen feinfühlenden Menschen, der ost echtes Mitleid fühlt, aber diesmal schien mir das Mitleid für einen Sportsmann, der als Professional ganz nette Summen verdient, doch nicht ganz am Platze. Ich wollte jedoch meinen Freund nicht kränken— Plänikka ist ja sonst ein sympathischer Bursche— und gab deshalb ausführlichen Bescheid. Als mein Begleiter merkte, datz die Melone zur Statton zuriickgekehrt war, fing er zu lachen an. Sein Lustigsein überraschte mich noch mehr, als sein Mitleid. Solche Sttmmungssprünge pflegen nur Hysteriker zu machen. Sollte die Untersuchungshaft solche Folgen für meinen jungen Freund haben? Es wäre leider nicht zum erstenmal der Fall, aber in seinem Altern? Der gute Falkenhelfer war jedoch ganz normal. Ich lacht« bald mtt, als es mir Uar wurde, höchstwahrscheinlich dass der Ausflügler mtt dem Melonenhut mit anderen Geheimpolizisten den Platz dort hinter dem Weg umzingeln und durchforschen würde. Ein nettes Geländespiel! - Nach einer Weile mertte ich, wie mein Begleiter mit einem jungen Mädchen kokettterte. Na ja, die Wiener! Sie war hübsch, lachte uns an, kam näher, reichte uns die Hand und sagte „Freundschaft". Der Grutz ist in Wien noch beliebter geworden, seitdem er verboten ist... Das Mädchen erklärte uns den Weg zu einem der„entzückendsten Plätzchen im Wiener Wald". Als wir ihn fanden, war ich unangenehm überrascht. Ich steute mich auf Raturschönheiten» stille Einsamkeit, ein wenig Wolkenschauen und Träumen— und sah einen übervölkerten Platz. An sechzig junge Burschen und Mädchen standen dort und sangen. Ein schriftlicher Pfadfinderbund? Nein, Wiener Rote Falken! Ich kannte das Lied. Habe eS in Prag gehört, auch schon selber gesungen. Aber erst jetzt fasste ich voll und ganz den Sinn. Ich schreibe hier den Text nieder, damtt auch du, Leser, mein Erlebnis miterlebst: Lerne daS Einfachste! Für die, deren Zett gekommen ist, ist eS nie zu spät. Lerne das ABC, es genügt nicht, aber lerne eS, Latz eS dich nicht verdrietzen, lerne, du mutzt alles wissen. Du mutzt die Führung übernehmen. Lerne, Mann im Asyl, lerne, Mann im Gefängnis. Lerne, Frau in der Küche, lerne, Sechzigjghrige, Du mutzt die Führung übernehmen. Suche die Schule auf. Obdachloser, verschaffe dir Wiffen, Frierender! Hungriger, greif' nach dem Buch, eS ist eine Waffe, Du mutzt die Führung übernehmens Scheue dich nicht zu fragen, Genosse, Latz dir nichts einreden, sieh selber nach; Was du nicht selber weisst, weitzt du nicht... führte| Prüfe die Rechnung, du musst sie bezahlen!&& den Finger auf jeden Posten, Frage, wie kommt er hierher? Du musst die Führung übernehmen! Nach dem Lied sprach ein Junge. Er j der Versammlung zu Bewuhtsein» datz ein Dr»- tel der Anwesenden im Feber dieses Jahres nst- nicht in der Bewegung stand. Dreiundztvanö'i neue verlähliche Kämpfer, und nur in eins» Bezirk! Plötzlich ertönte ein leiser Pfiff. Der cher rief begeistert aus:„Und merket euch, kommt noch der Tag. an dem die Oesterreichs siegen werden, an dem auch die Wiener ih»*» Feind zerschmettern werden!" J Zwei unauffällig gekleidete Ausflügler,>» — natürlich nur„zufällig"— vorbeiginge»- hörten nur noch den Schluss seiner Rede: Sieg in dem Sport, der uns interessiert,( denen zufallen, die imstande sein werden, eins» hart trainierten Nachwuchs heranzubilden. 3», die, deren Zeit gekommen ist, ist es nie zu späu dann gingen die begeisterten Sportter ausei»' ander. Als ich Wien verlieh, ward mir eines fr’ wuht: DaS rote Wien lebt weiter, eS hat M' nur Mimicry anlegen müssen. In den. klangen mir symbolische und doch so Kare Morst' „Der Sieg in dem Sport, der u n s interessier' wird denen zufallen, die imstande sein werde»- einen hart trainierten Nachwuchs heranzubllde»'; Für die, deren Zett gekommen ist, ist es nie l; spät. Auch Holland erhebt wegen Menschenraubes Protest Deutscher Kriminalbeamter legt Geständnis ab Rr. 105 Seite 5 Sonnte#, 8. Mai 1938 Der Kampf Internationale Revue, Prag Das Mai-Heft, das soeben erschienen ist hat folgenden Inhalt: W. Jaksch: Tie Schlacht des Arbeiter« um sein Recht und sein Brot Emil Franzel: Die Bedeutung der Wahlen für die Außenpolitik Josef Hofbauer: Bon deutscher Bolts» gemeinschaft I. W. B r ü g e l: Unser sozialpolitisches Werk Emil Strauß: Rassismus"und Wissenschaft Otto Bauer: Um die Einigung des Wett- proletariatS Theodor Dan: Zur inneren Entwicklung der Sowjetunion Weltpolitik. Internationale GewerkschaftS- !, bewegung. Bücherscha«. Preis des HrfteS XL 5.—, Jahresbezugs- hrris XL 50.—. Redaktion und Verwaltung: Prag II, Lützowova 37. Knflppcl und Doldie ans dem Dritten Peldi Das„E e s K ö S l o v o" meldet, daß unsere GrenzflnanzLmter in de« letzten Tagen große Sendungen von Knüppeln und Dolche» beschlagnahmen, die aus Deutschland an Funktionäre der Heimatfront in der Tschechoslowakei angesendet werden. An dieselbe» Adressen gehen mit der Dost auch unzulässige Drucksachen, Flugblätter und Propagandabroschüren. Eine Probe aus dem «ritterlichen 0 Wahlkampf Die„Freiheit" erhielt folgenden anonymen Pries: Ihr roten Hunde! Wer ist schuld da« das Volk hungern ums'? Wer ist schuld da« die Löhne abgebaut wurden? Wer ist schuld da« die Lebens- Mittel Preise so hoch stnd? Wer ist schuld das wir s» hohe Miet« vür Wohnungen zahlen müssen? Wer ist schuld das der WafferzinS gesteigert wird? Wer'ist schuld da« di« Proletten Ziegerette teurer geworden ist? und noch viel anderes. Schuld find »ur die roten Bonzen samt der Regierung Warum ist dir Regierung bei tat genante« nicht ringt- ' schritten, darum weg mit Euch Weg mit den Juden Weg mit den Pfaffen Weg mit der Elenden Planwirtschaft ES kommt der Tag der Abrechnung wir fürchten kein« roten, keine Tschechen einerlei ob dk« Partei ob di« Partei ES lebe daS Hakenkreuz E S lebe Hi Iler ES lebe Henlein Weg mit der Elende« Wirtschaft Wen der Dr. Tfchech wieder nach Teplitz komt soll er fich gleich ei« Sarg mit bringen und der Benesch kan eine Reise machen den Tschech in Sarg legen Es lebe die sudetendeutsche Partei ei« Bertraucnömann. Heil Henlein. L Das sind die Früchte Henleinscher Er- ^chunqsarbett. Wer ist so blind, hinter diesem bar, "arisch«« Analphabetismus nicht die planvolle Hetze zu erkennen?! Vom Rundfunk Ae AM Dt* AbelleM« bringt in dieser Woche: Heute Sonntag(14 Uhr bis 14 Uhr 20): Adolf Schmidt- Prag: Die Kleinbauern und der 19. Mai. «tag:(18 Uhr 45 bis 19 Uhr 05): Franz Rehwal d-Reichenberg und Gust. Mül» l e r: Ein Zwiegespräch: Verfall oder Auf- bau? Mittwoch(18 Uhr 25 bis 18 Uhr 45): Willy W a n k a-Pilsen: Das Dorf in der Demotratte. Mittwoch(18 Uhr 45 bis 18 Uhr 50): Doktor Otto' Frey: Arbeiter als Inspektoren (Soziale Information). Donnerstag(18 Uhr 45 bis 19 Ubr 05):. Wilhelm Nießner: Ter politische Aufstieg des Arbeiters »reitag(18 Uhr 35 bis 18 Uhr 45): Aktuelle zehn Minuten. EmpfehlcuSwertcS aus den Programme«: Sonntag Prag, Sender L.: 6.30: Konzert au? Karlsbad. ’15: Cembalokonzert. 10.00: Konzert des Mwiik- mlonorchefterS. 11.06: Orchesterkonzert. 13.80: She Arbeitersendung:' Adolf Schmidt: Die auern und der 19. Mai, 13.50: Deutscher AmdwirtschaftSfunk. 18.^0: Deutsche Presse. 22.25: Deutsche Presse und Sport. 22.30: Konzert des Weinberger JazzorchesterS.— Sender S.: 14.30: Zeutsch« Sendung: Knigge^ auf Schallplatten. 15.00: W® neue Firma— das alte Kreus Welch ein Heidi Die„Rundschau"— auf der ersten Seite das ungeheure politische Ereignis des 3 7.(!) Geburtstages Konrad Henleins würdigend, begeilt sich weiter an der Autorund- reise des Vizehitlers. Da heißt es: Die Autokolonne der SHF setzt ihre Fahrt durch das deutsche Schlesien fort. Unter den Klängen des Fehrbelliner Reitermarsch e s ziehen Konrad Henlein und seine Mn» arbeite! in daS Versammlungslokal in Freiwal- dau ein. Ohne die preußischen Märsche tut er es nicht. HohenkriAb.crgkr, Dadexweilkr, Fehrbelliner, preußisch und hitlerisch muß eS klingen! Auf der Weiterfahrt besichtigt der Führer den mngestürz- ten Autobus. Serenissimus verweilt in stummem Schmerz: Einige Zeit bleibt Konrad Henlein an der Unglücksstelle, dann fährt der Wahlwerbezug der SHF durch Schneegestöber über den Kamm des Gebirges wieder gegen Süden zurück. Häufig müssen die Ordner aus dem Wagen springen und die Räder am Abrutschen verhindern. Wahrlich ein großer Held, der es wagt, im Schneegestöber in einem LuxuSauto auf einer Gebirgsstraße einherzufahren. Die Räder waren am Abrutschen, man bedenke doch! Warum man da nicht eigentlich meldet: Marxistisches Attentat auf Konrad Henlein— Straße künstlich v« reist!? Cs würde den Helden doch noch interessanter machen. Lieder.— Brünn: 17.50: Deutsche Sendung: Orchesterkonzert.— Mährisch-Ostrau: 20.35: Populäres Orchesterkonzert.— Prrßburg: 12.15: Mittagskonzert.— Kascha«: 16.00; Ein bunter Nachmittag. Montag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 12.40: Jazzorchesterkonzert. 13.35: Arheitsmarkt. 13.45: Leichte Musik. 16.50: Kinderstunde. 17.30: Schallvlatten: Volkslieder. 18.10: Deutsche Sendung: Hedwig Schulhof: Unsere Charakterbildung im Strome der Zeit. 18.85: Redakteur Goldschmidt: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslo« wakischen Sender. 18.45: Deutsche Arbeitersendung: Franz R e h w a l d: Zwiegespräch über Planwirtschaft. 19.05: Deutsche Presse. 22.15: Tanzmusik. 22.80: Deutsche Nachrichten.— Sender S.: 15.05: Deutsche Sendung: Peters geistiges Verhältnis zu Marlene. 15.85; Deutsche Presse. 19.05: Opernszenen auf Schallplatten.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Jnnerhuber: Die Zeugniskatastrophe. 19.30: Offenbach: Die Prinzessin von Trapezunt.— Mährisch-Ostrau: 18.10: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Haas: Die Pensions- ansprüche eines Privatangestellten. 21.15: Orchesterkonzert. DieuStag Prag, Sender L.: 9.50: Deutsche Presse. 11.05: Deutscher Schulfunk. 12.10: Chansons. 13.45: Szenen aus Verdiopern. 18.10: Deutsche Sendung: Wannemacher: Wirtschaftlicher Relief. 22.15: Tanzmusik.— Sender S.: 14.20: Schallplatten- 15.00: Deutsche Sendung: Dr. Kinsky: Die moderne isländische Literatur. 15.10: Chansons und Tonfilmschlager. 19.15: Wir lernen russisch.— Brünn: 17.45: Deutsche Arbeitersendung: Sozialinformationen. 17.50: Dr. Rother: Wandlungen des Rechtes. — Mährisch-Ostrau: 12.35: Mittagskonzert.— Kascha«: 17.00: Flötenkonzert. 20.00: Leichte Musik. Ablenkungsmanöver In einer als Flugblatt verbreiteten Rede oes christlichsozialen Parteivorsitzenden Hilgenreiner heißt es: ES geht nicht um«ine AuSoinanhersetzung zwischen Tschechen und Deutschen Das Verhältnistvahlrecht sichert jedem Volke den ziffernmäßigen Anteil an Parlamentsmandaten. Die Auseinandersetzung geht nur zwischen deutschen Wahlwerbern und Wahlparteien vor sich. ES geht bei diesem Wahlkampfe nicht um FasciS- muS»der Demokratie Meines Wissens gibt es unter den deutschen Parteien keine Fascistenpartei. Alle Deutschen im Staate stehen auf dem Standpunkt der Demokratie und müssen darauf beharrens wett ihnen nur ein« demokrattsche Staatsverfassung die gebührend« Vertretung in den gesetzgebenden Körperschaften sichert. Die Demokratie kommt auf deutscher Seite bei diesem Wahlkampfe nicht in Frage, man müßte denn Demokratie gleichsetzen mit Sozialdemokratie, mit Marxismus. Und es geht bei diesem Wahlkampfe zwischen uuS Deutschen nicht um DtaatSbejahung oder Staatsverneinung nicht um Akttvismus und dergleichen Dinge, die deutschen Parteien von heute sind samt und sonders aktivistisch eingestellt, sie wollen nicht nur dem Staate geben, was des Staates ist, sondern sind auch bereit, an der Staatsregierung teilzunehmen, natürlich immer unter der Bedingung, daß es ihre nationale Ehr« erlaubt. Hier sieht man wieder, wie auch die C h r i st- lich sozial en versuchen, den Sinn d- r Wahlentscheidung zu verfälschen und an der Tarnung der Henleinbewegung mitzuarbeiten. Wir werden diesen Trug zerstören. Jeder Wähler muß am 19. Mai wissen, worum es geht. Natürlich um Fasrismus oder Demokra- tir, um Bejahung oder Verneinung des demokratischen Staates. Kein Hilgenreiner wird diese Tatsache wegeskamotieren können. Trade-Unlons von Nazis bespitzelt Der überparteiliche Antinazi-Rat in London erneuerte soeben die Aufforderung zum Boykott httlerdeutscher Waren, Verkehrsmittel usw. In dieser Versammlung erklärte der Vorsitzende des britischen freien Gewerkschaftsbundes, Walter Citrine, daß die Leitung der Gewerkschaften bereits seit einiger Zeit eine systemattsche Bespitzelung seiner Büros und der dort ihre Unterstützung abholenden Emigranten beobachtet und das gesamte Material der Regierung vor- legen wird, sobald es vollständig ist. Die Frechheit der Agenten ging so weit, daß sie sogar in den Büros Auskünfte über Emigranten erbaten! Neuwahlen In Spanien? Madrid. Nach der Demission des Kabinetts Lerroux erwartet man, daß die neue Regierung sich aus dem Block der Radikalen, der agrarischen Volkspartei, den Agrariern und liberalen Demokraten zusammensetzen wird. Es geht das Gerücht, daß die neue Regierung nur UebergangS» charakter haben, die Kammern auflösen und Neuwahlen ausschreiben wird. Tngcsnculglfcltcn Aeber 500 Tote Bei dem Vrdbeben im Kaukasus Ankara. Nach den neuesten Meldungen über das Erdbeben in der Provinz Kars an der sowjetruffischen Grenze sind bisher an 500 Tote und 1200 Verwundete gezählt worden. Die Personen, die fich an den Rettungsarbeiten in der Nähe von Kars beteiligten, teilen mtt, daß durch die Katastrophe 28 Dörfer vernichtet wurden. Ein Dorf versank ganz in einer Erdspalte. Dreimal: Tod auf den Schienen Karlsbad. Donnerstag abend wurde der 14- jährige Bürgerschüler BrunoLorenz auf der Strecke Karlsbad—Marienbad von einem Motorzuge erfaßt und buchstäblich in zwei Hälften zerschnitten. Der Knabe erlag auf der Stelle den furchtbaren Verletzungen. Lorenz hatte mtt mehreren Kameraden Nägel und kleine Steine auf die Schienen gelegt, um sie durch den nächsten Zug glatt drücken zu lassen. Hiebei wurde Lorenz von dem Motorzuge überrascht und gerädert. Karlsbad. Freitag Nachmtttag stürzte sich unweit der Station Schlackenwert eine etwa 30jährige Frau voreinenPersonenzug. Sie erlitt schwere Schädelverletzungen und starb während des Transportes ins Karlsbader Krankenhaus. Die Identität der Frau ist noch nicht zweifelsfrei festgestellt. Rkan fand bei ihr einen Taschenkalender, in dem der Name ResiSie« g e l, Karlsbad, eingetragen war. * Graz. Bei der Bahnübersetzung in Feldkirchen bei Graz raste Freitag abend der 30- jährige Bauernsohn Franz Kren mit seinem Motorrad, auf dem sich auch sein Freund Karl N e u h o l d befand, in einen Personenzug. Beide Fahrer wurden gräßlich zugerichtet. Neuhold erlag kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen, Kren ringt mit dem Tode. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 5. Klaffe der 82. Tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden folgende Treffer gezogen: 1,000.990 KC auf das Eos Nr. 31710. 40.000 KO Los Nr. 63363. 20.000 KL Los Nr. 57975. 10.000 KL die Lose Nr. 51940, 25587, 93796. 80605. 5.000 KL die Lose Nr. 97516, 69954, 92203, 108687, 39502, 80572, 32578, 86932, 30737, 16858, 65339, 45692, 30861, 7149, 29291, 100116, 57187, 104969, 28407, 4057, 46201, 41929. 2000 KL die Lose Nr. 66858, 94619, 7243, 11884, 7662, 97232, 6736, 98630. 46160, 3302, 90625, 72114, 12794, 58155, 4248, 7123, 54345, 96798, 38602, 12221, 17729, 93778, 20941, 15102, 44417, 39184, 2722, 63410, 84937, 98226, 74256, 98055, 77028, 85248, 20255, 7288, 32447, 59840, 92772, 6970, 94625, 102076, 78708, 75511, 37512, 79471, 87242, 40096. 94984, 10617, 75389, 4715, 9363, 57644, 107641, 38616, 64012, 30940, 74935, 67706, 57376, 52350, 23073, 14160, 13463, 28222, 75629, 10882, 64552, 4019, 88605. Das Wahlgulasch feiert Auferstehung« Genosse H. M. schreibt uns: Als ich davon las, daß Henlein auf seiner Rundreise vor den Versammlungen den Arbeitslosen Lebensmittel und Geld austeilen ließ, um die Notleidenden für seine Partei zu kapern, fühlte ich mich in die Zeit der Wahlvollmachten, der Wahlgulasch, der Wahlwürstel und des Wahlfreibiers zurückversetzt. Während der Zett deö Kurienwahlrechtes war es Mode, daß die Unternehmer alle Vollmachten, deren sie habhaft werden konnten, in ihren Besitz brachten und dann durch, nach ihrer Meinung, verläßliche Leute die Stimmabgabe für die bür° gerlichen Parteien durchführten. Nach jeder Stimmabgabe gab es ein Gulasch und Freibier. Auch dursten die Vollmachtsmänner an diesem einen Tage in den Kutschen und Equipagen ihrer Ausbeuter fahren. Ein Gulasch für eine Stimme, dazu noch ein Bier als Zugabe. Wir können ja heute zugestehen, daß wir den Herren auf unserer Weise bei den Vollmachtswahlen „mttgeholfen" haben. Es ging eben ein Teil unserer Leute mit den Vollmachten der Bürgerlichen für die Sozialdemokraten wählen. Immerhin waren Wahlgulasch und Stimmabgabe ein Zeichen der Unmoral der bürgerlichen Parteien. Herr Henlein, der vom Kameradschaftsbunde in die Politik geschubste neue Apostel, macht die Sache großzügiger. Er benützt die Not und den Hunger der deutschen Volksgenossen, um ihre Wahlstimme zu erschachern, sie dazu zu bewegen ihren Wahlzettel entgegen ihrer Ucberzeugu^ig für die hiesige Hitlerftliale abzugeben.„Brot und Spiele",„Lebensmiüelpakete und Stimmenfang" und das ganze nennt man„Einhett, Rein- hett und Recht", Seite 6 Sonntag, 5. Mai 1935 Nr. 105 Leichenfund jN der Reichenberger Talsperre Reichenberg. Aus der Reichenberger Tal» sperre wurde am Freitag die Leiche eines Mannes gezogen, in dem nach den Vorgefundenen Dokumenten ein gewisser Eduard W u r st, zuletzt wohnhaft in Reichenberg, festgestellt wurde. Nach verschiedenen Anzeichen scheint die Leiche längere Zeit im Wasser gelegen zu haben. Das Gesicht der Leiche wies blutunterlaufene Stellen auf. Wegen des Verdachtes eines gewaltsamen Todes wurde die Obduktion angeordnet. Nacktheit in christlichem Efeu Der österreichische Kleriko- s. as cismus hat eine Tat vollbracht, die an- eekannt werden muß. Er hat den Wiener Seelenfrieden endgültig gerettet. Nicht von den Seelen der österreichischen Freiheitskämpfer ist hier die Hede, die man henkte oder in den Zuchthäusern verderben ließ. Sondern von den Seelen der Müller, die es zwar nicht in Wallung bringt, wenn höchst christliche Kanonen die Arbeiterwohnungen zerschießen, die aber in fiebernde Erregung geraten, wenn etwas Nacktes ihren Weg kreuzt. Tie Wiener Blätter bringen es als richtige Sensation: Das Grabdenkmal der S e l m a K u r z- H a l- bau auf dem Wiener Zentralfriedhof, das bisher. unter einer Holzhütte verborgen war, ist wieder freigegeben worden. Das Denkmal zeigt eine ruhende, nackte Frauengestalt und hatte die Ehre, direkt neben der Grabstätte des ehemaligen Bundeskanzlers Seipel zu stehen. Nachdem die Kleriko- Fascisten das rote Wien niederkartätscht hatten, gaben sie dem toten Prälaten auch in sittlicher Beziehung den notwendigen seelischen Frieden und nagelten den nackten Grabstein zu. Nun haben sie das Denkmal aus dem„Konzentrationslager" entlassen, aber so kunstgerecht mit Efeu umgeben, daß die Schuschnigg- hörige Presse aufatmend feststellt, daß die nackte Frauengestalt„einen fast bekleideten Eindruck macht"! Hosiannah! Das Ei des Columbus ist gelegt. Geht auch sonst in Mussolinis Kolonie alles vor die Hunde, der efeubekleidete Marmor ist eine Leistung, mit der das Regime in die Geschichte eingehen wird!! Das verschollene deutsche Flugzeug aufgesunden Alle Insassen tot Berlin. Das am 30. April von Stuttgart aus gestartete deutsche F lugzeu g, das seitdem verschollen war, ist am Samstag in den Morgenstunden bei Wundsiedl imFich- telgebirge(auf reichsdeutschem Gebiet) aufgefunden worden. Sämtliche Insassen' des Flugzeuges wären tot. Nähere EinzethLiten sind noch nicht bekannt geworden. Erhängt aufgefunden. In einer Baude bei Berzdorf bei Reichenberg wurde der 29 Jahre alte Franz Friedrich erhängt aufgeflmden. Schwermut dürfte ihn in den Tod getrieben haben. Leiter der Gablonzer Theater- Arbeitsgemein- schäft bestiehlt seine Kollegen. Schon seit vielen. Wochen wurde in Gablonz ganz offen darüber gesprochen, daß in der Geldgebarung der ArbestS- Gemeinschaft des Städttheatcrs etlvas nicht in Ordnung sei. Vorige Woche hat nun eine lieber- Prüfung der Bücher ergeben, daß der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, der reichsdeutsche Schauspieler Ernst Seidl, sich Malversationen zuschulden kommen ließ, wodurch er die Mitglieder des Stadt- rheaterS, die Ohnehin schwer durch die Krise zu leiden hatten, um viele Tausende Kö schädigte. Bis zum 1. Mai wurde eine Schadensumme von. Maifeier in Braunau 17.000 XL festgestellt und sollte Seidl bis Fre'- tag einen großen Teil des Betrages erlegen. Jedenfalls ist die Schadensumme größer; doch gestalten sich die Ueberprüfungen der Bücher sehr schwierig. Seidl, der mit Hakenkreuglerkreisen in Deutschland gute Beziehungen unterhielt, vom Gesandten Dr. Koch bestens empfohlen wurde und auch in der städtischen Amtskanzlei-großes Ansehen genoß, war immer gut bei Kasse, was allgemein ausgefallen ist. Nun"ist das Rätsel gelöst. Die Schauspieler und das Chorpersonal muß.en noch etwas mehr hungern als es nötig gewesen wäre, weil der reichSdeutsche„Volksgenosse" st ts propagierte, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht Verurteilter Grabschänder. Vom Kre-s- gericht I g l a u wurde der 36jährige Tischler Fr. Bilek aus Zborik zu sechs-Monaten schwer a Kerkers unbedingt verurteilt. Dem Angeklagt n wurde zur Last gelegt, daß er in der Nacht des 26. November in La-5kov bei Proßnitz am katholischen Friedhof viele Grabsteine, Kreuze und Denkmäler, umgeworfen, daß, er aus der Totenhalle die'Tragbahre und das Inventar über die Friedhofsmauer geworfen hat. In der Nacht tes 12. Dezember verwüstete er in ähnlicher Weise den evangelischen Friedhof in Olesnä bei Nove Mösto. Der verursachte Gesamtschaden beträgt 24.000 XL. Bilck ist bereits wegen Beschädig gung.fremden.Eigentums mit einem-Monss't vorst bestraft. Er ist geistig gesund. Beim Verhör gab er an, er wundere sich selbst, daß er so etwas| ausführen konnte. Die Strafe nahm er an. Motorrad" gegen Trlegraphenstange. Freitag abends fuhren der 29jährige Kaufmann Leovold Sal-berger aus Wels und der 29jährige Tischlergehilfe Leopold Hacker aus Linz ans einem Motorrad gegen Enns. Plötzlich fuhr Hacker, der das Motorrad lenkte, in voller Fahrt an eine Telegraphenstange. Tic Beiden wurden auf das Pflaster geschleudert und blieben mit zertrümmertem Schädel tot liegen. Antisemitisches Attentat in Warschau. In dem Warschauer Vorort Grocholo schossen unbekannte Täter während des Unterrichts in die Fenster einer jüdischen landwirtschaftlichen Schule, wobei eine Schülerintödlich verletzt wurde. Gleichzeitig explodierte auf dem Hof dec Schule eine Bombe, die Sachschaden anrichtete. Die Motorisierung der Armem. Die Motorisierung der Armeen. macht rapide Fortschritt. Frankreich hat bereits motorisiert: vier Kavalleriedivisionen(von 5), fünfJnfanteriedivisio- nen und die mittlere und schwere Artillerie. Die teillveise Motorisierung der gesamten Infanterie ist im vollen Gange. In E n g l a n d hat man sich für den geländegängigen Sechsradwagen und für das Raupenfahrzeug entschieden. In der Sowjetunion bestehen bereits sechs motomcchanis.be Brigaden. Der Aufschwung der staatlichen Kraft- .Ivagenindustrie kommt dieser Entwicklung entgegen. Für Italic n. kommt aus geographischen Gründen nur eine beschränkte Motorisierung(Gebirgskrieg!) in Frage, die sich auf den Troß, die schwere Artillerie, einige leichte Batterien, Kampfivagen und Motorrad-Maschinengewehrkompagnien erstreckt. In Deutschland und auch in O e st e r r e ich machttdie Heeresmotorisierung erhebliche Fortschritte. Wenn auch einer völligen Motorisierung der Heere durch den Mangel an Geld und an greifbaren Kraftfahrzeugen, durch die beschränkte Geländegängigkeit, durch die Rücksicht auf Straßen, Witterung, Gerät, Betriebsstoff und Bereisung überall noch Grenzen gezogen sind, so ist die steigende Bedeutung dieser Frage und das Bestreben aller Staaten nach Vervollkommnung auf diesem Gebiete doch unverkennbar. Km^kaiMsifchen" Gcmcindewahlen. Von der nationalen Einheitsfront der bürgerlichen Parteien,, die zur Zeit in Frankreich regiert, wird bei den Gemeindewahlen, die an den ersten zwei Sonntagen des. Mai stattfinden, nichts zu merken sein. Die einzelnen Parteien treten als Gegner auf. Die Vereinheitlichungstendenzen zeigen sich I eher in einem Linksblock, der außer den beiden marxistischen Parteien teilweise auch die Radikalsozialisten umfaßt. Anderseits hat die äußerste Linke die Losung ausgcgeben, bei einem zweiten Wahlgang nötigenfalls für die Radikalen zu stimmen. Tie Gruppen der Mitte, deren Vertrauensmann Flandin ist, haben sich gleichzeitig gegen oie extreme Rechte zu wehren, die heftige Angriffe gegen die Regierung richtet, Die Hauptfi'chrer sind Oberst delaRocque von den Feuerkreuzlcrn und D o r g e r-e s, richtig Marquis d'Halluins, der Leiter der„Grünen Front", des bretonischen und wcstfranzösischen Bauernfascismus. Sie werden bei den Wahlen ihre Feuerprobe bestehen, und Kabarett zum„Weltgewiffen" Der Bildungsausschuß der Aussiger Lokalorganisation DSAP hat seit längerer Zeit mit bestem ErfÄg vle politische Satire in den Dienst der Unterhaltung und der Propaganda gestellt. Tie veranstalteten Kabaretts mußten wegen ihres durchschlagenden Erfolges meist wiederholt wer- d.m. Die Darbietungen wurden von den. Besuchern mit großem Interesse und stürmischem Beifall äuf- qcnommen. , Ein ganz besonders ausgewähltes, künstlerisch hochstehendes, dem Kamp.fcharakter der Maifeier augepaßtes Programm bot das Kabarett„Zum ^deltgewissen" zur Ausgestaltung künstlerischer Maifeiern. In Lerchenfeld rollte das reichhaltige Programm am Vorabend des Maientages vor einem ausverkauften Haus ab. Entflammend war l-e Wirkung. Begeisterti die Teilnehmer der Ver- a• staltung. Am Abend des ersten Mai gelangte d,rs Kabarett in der Abendveranstaltung der Au>- sizex Genossen zur. Aufführung. Auch hier begeisterte Zustimmung des übervollen Hauses. Ein Beweis, daß die Regie'Vasa Hochmanns c-»en glücklichen Griff mit dem gebotenen Stoff getroffen hatte. Aufrüttelnd, aufpeitschend, Be- g' isterung erweckend wirkten' die künstlerisch ein- i-andfreien humorvollen und satirischen Darbietungen.- Künstlerisches Empfinden, ehrliches, künstlerisches Schaffen und Wollen, proletarisches Fühlen, sozialistische Ueberzeugung, flammender j" ,«pfgeist schlingen unsichtbare Bande- um die Mitwirkenden und so kommt ein Werk zustande, diS als künstlerisch hochstehende proletarische Fest- knltur gewertet werden muß. Und das ist das Wertvolle dieser Kabaretts, die nicht nur der Unterhaltung dienen. wollen, die die Aufklärung fördern, das sozialistische Gewissen schärfen, die Erkenntnis der ungerechten Zustände wachrufen, den Trotz und Widerstand organisieren und den Kampfesmut her Proletarier stärken wollen. Das zuletzt gebotene Programm ist von Anfang bis zum Ende durchglüht von dem Bestreben, den Unterdrückten die Gegensätze in dieser Welt zu zeigen, ihnen die Wege zu weisen, die sic einschlagen müssen, um die unerhörten gesellschaftlichen Zustände zu beseitigen. Am Ende steht die Aufforderung: Du Proletarier, du Kamerad! Komm, reihe dich ein in die Kämpferschar, komm, kämpfe mit, es lohnt sich zu leben, wenn du ein Kämpfer bist!" Ganz gleich, ofc die Mitwirkenden den Besuchern ihr„Willkommen" bieten, ob der„Sonü .von den zwei Menschenklassen" angestimmt wird oder festgestellt wird,„Der Wind weht scharf von äußerst rechts" oder das Lied ertönt„Vom werklosen Heer und der Krise" oder„Drei gezeigt werden von dreißig Millionen", die ein Opfer des Elends der Arbeitslosigkeit wurden, sofort ist die Verbindung zwischen Darstellern und Besuchern hergestellt, jeder Besucher hört und fühlt es, die da oben auf der Bühne das Leid illustrieren, das sind Menschen von unserem Geist, das sind Künstler, die uns im schweren Daseinskampf unterstützen wollen. Die da den Song anstimmen:„O hört, die ihr uns lehrt, wie man brav leben"... oder die uns eine Lehrsz^ne vorsühren, die u> s auffordern,„Gib acht, Kamerad, auf die Zeit", diesen Menschen spricht der ehrliche, ausrechteI Wille, das Gedankengut der Proletarier zu bereichern, sie aufzurichten, ihnen Helfer zu sein in der Seelennot. Und gar manch köstliche satirische Angelegenbeit, voll beißendem Sarkasmus, voll Spott und fröhlichem Hohn wird da behandelt. Da wird jemand von der hochwohllöblichen— Schriftleiterpresse— interviewt, da steigt der Son« von dem „Gefreiten Anton Bitler" und dann sehen wir einen„Nacht-Spuk", eine heroische Szene aus dem Schlafzimmer eines. Führers und schon rollt ein Kontrast ab zwischen„Hamburger Dock und Schanghaier Dock", lernen wir kennen, wie -reundlich die Arbeitslosen von ihren Ausbeutern eingeladen werden und müssen feststellen, daß„Dl, Abrüstung" eine längst vollzogene Tatsache ist. Parodien, ein Puppenspiel, das sich abspielt 'n unserem braunen Nachbarlande, ein Intermezzo vom„Kleinen Kohn", ein„Trost- und Streitgespräch zwischen Süd und Nord, soweit die deutsche Zunge reicht..." vervollständigen das Programm, das immer wieder neue Beifallsstürme auslöst. Große Wirkung exzielte bu chorische Szene mit dem Song:„Von der Gemeinschaft der Werktätiges". Die Regie des Kabaretts ftihrte Basa H o ch m a n n, dem am Schluffe der Veranstaltung >inter Worten des Dankes Blumen überreicht wur> den. Ncben^Dede Walz und einer Reihe Schauspieler des Aussiger Stadttheaters wirkten bei der Aufführung mit die sozialistische Veranstaltungsgruppe Aussig, S. I. K l e i s ch e, A t u s L e r. chenfeld, Atus-Girls und Jazzkapelle Wölfl, Anffig. Die Musik kompo- und dirigierte E r n st H i r s ch e vom Stadttheaterorchester und die Dekorationen führte Erich Jungwirth aus. Der allen Mitwir» lenden gespendete dankbare Beifall war wohlverdient. heutige das ist Fleisch von un'erem Fletsch, aus I nierte es muß sich zeigen, wie weit nach den relativ nicht unerheblichen Erfolgen des FascismuS in Holland und Belgien jetzt auch die fascististde Phraseologie in Frankreich Erfolge einheimst. Dai sie eine größere Anzahl jugendlicher Wähler ain ihre Seite bringen wird, wird kaum bezweifelt» In der Machwcrteilung der französischen Innen». Politik wird sich freilich für den Augenblick wenig ändern, und die Kammer würde eine VerstärkuiW der Extreme durchaus überdauern. Beleidigung-' Hitlers— Ehescheidungsgrund! Erst jetzt wird eine bemerkenswerte Entscheidung des Reichsgerichtes vom November veröffentlicht, die dahin lautet, daß die Beleidigung des Reichskanzlers durch eine Ehefrau eine schwere Eheverfehlung und einen gröblichen Verstoß gegen die ehelichen Pflichten(!) darstellt und den Mann berechtigen kann, aus diesem Grunde auf Scheidung der Ehe zu klagen. Angesichts der Bedeutung des Reichsgerichtes kann dies zur Folge haben, daß damit ein neuer Ehescheidungsgrund in das deutsche Bürgerliche Recht eingeführt wird. Allerdings hat das Reichsgericht gleichzeitig es für möglich erachtet, daß eine solche Beleidigung des Reichskanzler von dem anderen Ehegatten verziehen wcrdenkann» irz welchem Falle ebenso wie bei Ehebruch nicht mehr mit Erfolg auf Scheidung geklagt werden kann. Für 125 Millionen Lei Wertpapiere geiälM. Tie Warschauer Polizei hat eine Bande dingfest gemacht, deren Mitglieder rumänische Wertpapirrc fälschten, und außerdenr eine lithographische Werkstätte entdeckt, in der sich gefälschte Wertpapiere im Minimalwert von 125 Millionen Lei befanden, die die Fälscher noch nicht auf dem Markt unterbringen konnten. Neun Mitglieder der Bande wurden verhaftet. Ihr Führer war der internationale Betrüger Victor C a l i f aus Bukarest, der von den französischen Behörden b» Jahre 1928 in contumaciam zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Schwere Sturmschäden. In Arkansas hat ein Sturm 16 Menschenopfer gefordert. Erheblicher Schaden wurde in sechs Staaten verursacht. TÄegraphenmasten wurden geknickt, ganze Bezirke sind ohne Verbindung. I» Lomsville wurden 150 Häuser abgedeckt. Heuschreckenplage in Spanien. Die Pro-, vinz Andalusien wurde von H e u s ch r e ck e n io einem Ausmaß heimgesucht, dessen man sich seit 20 Jahren nicht mehr erinnern kann. TäglÄ werden einige Tonnen Heuschrecken vernichtet- Die Heuschrecken haben viele Störche angelockt, deren Nahrung sie bilden. In dem Dorfe Billa Mandrique allein wurden ca. 200s i Störche gezählt. Ein« Kirchenglocke in Verbannung. Im Tomsker Archiv find verschiedene Schriftstücke über die vm> der zaristischen Regierung durchgeführten Kolonisationen in Sibirien gefunden worden. Bald mri der Eroberung Sibiriens wurde dieses Gebiet i" einem Vcrbannungsort. Als einige der ersteu wue- den mehre Bewohner der Stadt Uglitsch nebst der 12 Pud schweren Kupferglocke des Uglitscher> Kreml nach Sibirien verbannt. Diese Berbamnwl’ hatte folgende Geschichte: Am 15. Mai 1591, nach der Ermordung des Zarensohnes Demetrius, läo-- tete die Uglitscher Glocke Sturm, um den Anhängern des Zarensohnes das Zeichen zum Ausstande zu geben. Dafür schickte der Zar 1593 mehrere’ Uglitscher nebst der Glocke in die Verbannung- Nunmehr ist die Glocke von Sibirien nach Moskau transportiert worden. Siebenter Deutscher Juristentag. Die Tiladungen für den zu Pfingsten in Gablo«t stattfindenden Juristeirtag wurden bereits versand!, da aber die Einladungsverzeichniffe unvollständig^ sind, werden jene Juristen, die keine Einladung ek- halten haben, ersucht, Einladungen beim Generalsekretariat des Deutschen JuriftentageS, Prag k Abgeordnetenhaus, anzufordern. Der amtliche Sommerfahrplan 1935 für die Tschechoslowakische Republik ist erschienen. Er eat- hält die Fahrpläne aller Eisenbahnstrecken un- ftaaüicher Automobil-Linien in der Republik, die inländische Dampfschiff- und Lufffchiffahrt, Reifekurst ins Ausland, Eisenbahnvcrkehrsordnung, Tarifvor-■ schristen und andere. Preis eines Exemplar»; 10.80 XL. Bestellungen bei jeder Buchhandlung wie im Verlage Alois WieSner, Prag kl., Soukenit- kä ul. Der Fahrplan aller konzessionierten Auto- linien für die Sommerperiode 1935 sowie für Winterperiode 1935/36 wird als selbständiger Dru» Ende Mai zum Preise von 6 Xi erscheinen. Die Wetterlage ist nunmehr ziemlich günstig: Unter dem Einflüsse eines Druckhochs über dem äst-- liehen Teil des Binnenlandes hat die Bewölkung st' j unseren Gegenden weiter abgenommen und reichlichem Sonnenschein macht die Erwärmung Fortschritte. In Böhmen erreichte die Temperas] Samstag nachmittags bereits 16 bis 17 Grad. Relativ am kühlsten ist er nunmehr in Bulgarien, Druckstörungen über West- und Südweft-Europ»; dürsten zunächst keinen wesentlichen Einfluß auf d>e Witterung bei uns erlangen.— Wahr schein- j liches Wettervonheute: Im ganze»! schön, nur im Westen des Staates später etwas verstärkte Bewölkung. Nur noch vereinzelt leicht^ Nachtfrost, untettags mäßig bis ziemlich warm. Wetteraussichten für Montag- Im Westen des Staates ganz vereinzelt Gewitterneigung, sonst noch schön und im Karpathengebi» weitere Erwärmung. Sonntag, S. Mai 1938 Seite 7 Nr. 105 Schwere WetterschLden in Ungarn und Polen Budapest. Die für diese Jahreszeit ungewöhnliche Kälte, die in der Nacht zum Donnerstag in zahlreichen Gegenden des Landes diele Frostschäden verursachte, hat sich in der Nacht auf Freitag in noch stärkerem Matze wiederholt. In sämtlichen Gebieten des Landes gab es Nachtfröste, und zwar fiel die Temperatur in der Bodennähe im allgemeinen auf minus 2 Grad, an vielen Stellen aber auch bis minus 7 Grad. Das Ausmaß der Frostschäden lätzt sich noch nicht überblik- !en, doch steht fest, datz sie bedeutend sind. Besonders namhaften Schaden haben die Obst- und Weinkulturen sowie die Gartengewächse erlitten. Der Schaden an den Weinkulturen wird in einzelnen Gebieten bis 50 Prozent, stellenweise noch höher angesetzt. In der Umgebung von K e c s k e- m e t, das durch seine Obst- und Weinkulturen berühmt ist, versuchte man gegen die Frostschäden durch Anzünden von Scheiterhaufen anzukämpfen. Obwohl viele tausende solcher Scheiterhaufen die ganze Nacht hindurch brannten» konnte ein grotzer Teil der Wein- und Obstkulturen nicht mehr gerettet werden. Auch aus dem weltberühmten To- kayerWeingebiet werden erhebliche Frostschäden gemeldet. Bei Getreide ist der Schaden besonders dort grotz, wo es, wie bei Roggen, bereits m die Halme schotz. Warschau. Die heftigen Schneeftürme, die dom Dienstag bis Donnerstag in ganz Polen wüteten, haben grotze Schäden verursacht. Die Landwirte find hauptsächlich um die Roggensaat besorgt. Besonders schwer haben durch die Schneemassen die Obstkulturen gelitten. Biele Obstbäume wurden vernichtet und die übrigen dürsten kaum Früchte tragen, da die Blüten erfroren sind. Auf der Bahnstrecke Warschau—Bromberg ereignete sich infolge der Schneestürme eine schwere Eisenbahnkatastrophe. In der Nähe von Lowicz stietz auf einer Eisenbahnüberfahrt ein Personenzug mit einem Lastauto zusammen. Der Chauffeur des Wagens und sein Begleiter fanden hiebei den Tod. Gewalttat gegen amerikanische Kommunistenführer. Wie aus Galup in New-Mexiko berichtet wird, zeigte der Redakteur des kommunistischen Plattes»Daily Worker" Robert Minor an, datz er und Levinson Hommelei aus Phlladelphia Donnerstag abends von 15 maskierten Männeri' entfilhrt und mit Peitschen verprügelt wurden, bis sie das Bewutztsein verloren, worauf sie einige Meilen weit in die Einöde verschleppt und dort gelassen würben. Aus zahlreichen Wunden blutend» irrten fie die ganze Nacht und teilweise auch die nächste Nächt' Umher," bis sie Indianer begegneten, die für Äs Spital brachten. Dort wurden sie entdeckt. Robert Minor war kommunistischer Kandidat bei den letzten Wahlen auf den Bürger- tnersterposten in New Aork. Schweres Brandunglück. In B o u r o n bei Perpignan brannten sämtliche Gebäude einer Kor- kenfabrik sowie zehn Wohnhäuser nieder. Ob auch Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht bekannt. Vorsicht beim Genuß selbstbereiteter alkoholischer Getränke! 4 Die zunehmende Verelendung breiter Volksschichten und der in unzähligen Streitgesprächen be- tründeie und widerlegte, jedenfalls aber vorhandene Trick, Freud« wie Schmerz durch Rauschzustände zu Erhöhen bzw. zu mildern, führten dazu, datz man sich alkoholische Getränke aus Körnersorten, Früchten. Hagckutten mit und ohne Zuckerzusatz— der den silkohohzrab erhöht—, mit und ohne Hefe(»Cham« hagnerhefe") selbst bereitet. ' Run wäre gegen«inen Genuß von sölbstberei- teten Beerenweinen u. ä. alles das zu sagen, was gegen den Alkohol im allgemeinen zu sagen ist. Und: bei unterernährten Menschen, wie es heute auf den statistischen Papieren viele hunderttausende— in Wirklichkeit wohl kleine Millionen—, vor allen» vnter den Deutschen des Landes— sind, wirken alkoholische Getränk« besonders stark. Es ist aber noch eine Sache da, die nicht bedacht wird. Bei kalter Destillation wie beim.Brennen" von Schnaps, durch Gärung wie in anderer Weise entsteht neben dem Alkohol(der durch Zucker- Krfall sich bildet)«in Produkt, das man in der Ge- tränke-Jndustrie einigermaßen, bei Luxusgetränken öum grötzten Teil beseitigt— mittels wiederholten Prennens bzw. Lagerns und weiterer Verfeme- EiwgSmerhoden—, das sich Fuselöl nennt und wonach die gewöhnlichen Getränke den Namen Fuiel bekommen. Dieser.Fusel" hat noch schliinmere Falzen als der über ein kleines Matz hinaus gelassene Alkohol. Dieses Fuselöl kann aber mangels Kenntnissen und Einrichtungen aus den selbsckerei- teten Getränten nicht entfernt werden: fie kosten iwar viel weniger als gekaufte, aber— siehe ob«! kommt noch, datz sich bei den selbstbereiteten ^ärungSgetränken schädliche Bakterien und Bazillen kinfiitden, wie z. B. beim Herstellen der s o g e« n r» t e n Kombucha, bis der Forscher Dozezt Dr. ?iegwart Hermann sie nach seinen Anweisungen als Komtbuchal-Rorgine rein herstellen ließ und bedeutsame Entdeckungen machte. Einigermaßen ver- stüchtet sich der Fuselgehalt durch Aufkochen. Man hört von Bestrebungen halboffizieller stellen, einen reinen Volksbranntwein zu bereiten und älz eine Art Monopol zu betrachten. Nun, die unterrichteten wiffen ja, daß Alkohäl auch der größte ^nergientörer ist. Womit alles gesagt ist. K. B, kln Abstecher nach Canada r sozialistische Bürgermeister und Farmer verbünden sich form und das Ziel eine planmäßige sozialistische Wirtschaftsordnung. In der Stcft>t Winnipeg haben wir vor ein paar Monaten dadurch eine Linksmehrheit erzielt, als unsere Organisation zusammen mit zwei Kommunisten im Stadtrat die Kontrolle ausüben kann. Verbessernd für unsere Situation- kommt hinzu, datz meine Stimme als Bürgermeister den Ausschlag geben kann. Das Zusammenarbeiten mit den zwei Kommunisten hat sich bisher sp gut wie reibungslos vollzogen. In den wenigen Monaten unserer Tätigkeit haben wir schon einige sehr durchgreifende Maßnahmen treffen können. So haben wir als erstes eine gründliche Aenderung des Steuerwesens durchgeführt. Banken, Versicherungsgesellschaften, Kreditinstitute und Groß-Warenhäuser wurden mit hohen Steuern belastet: die von uns durchgeführte Aenderung wird drastisch an folgendem Beispiel: Eine Bank zahlte vor der C. C. F.-Verwal- tung in Winnipeg$ 2400.-— Steuern. Sie mutz nach unserer Reform jährlich zahlen$ 50.000.—! Das gleiche gilt für die Versicherungsgesellschaften. Wir wollten damit alsbald zum Ausdruck bringen, datz wir nicht die Sachwalter des Kapitalismus find. Austzerdem haben wir eine großzügige Kampagne entfaltet für die Einführung eines wirklich allgemeinen Wahlrechts: denn bisher war das Wahlrecht für die Gemeinde noch imMet daran gebunden, datz der Betreffende Besitzer oder Pächter von Grundeigentum war. Damit wollen wir aufräumen. Eine zweite Matznahme unserer neuen Verwaltung war, den Gemeindeangestellten einen Teil des Gehaltes zurückzugeben, das ihnen unter der alten Verwaltung gekürzt worden war. Wir haben bereits beschlossen, datz wir 1885 den Angestellten die Gehälter wieder um 10 Prozent erhöhen. Der nächste Schritt galt den Erziehungsproblemen. Auch hier galt es zunächst, di« Kürzungen der Ausgaben wieder rückgängig zu machen. Sodann haben wir die unentgeltliche Abgabe der Lehrbücher eingeführt. Biel Unrecht ist wieder gutzumachen in der Behandlung der Opfer der Krise. Wir habest sofort eine gründliche Enquete über die Lage der Arbeitslosen angeordnet und find entschlosien, alle möglichen Verbesserungen durchzuführen. Eine besonders wichtige Aufgabe gerade für unsere Gruppe bildet das Problem der Verkürzung des Weges der Nahrungsmittel vom Farmer zum städtischen Verbraucher. Denn wir haben natürlich gar kein Interesse daran, jene Handelsgesellschaften zu unterstützen und von ihnen zu kaufen, die ihre Angestellten nicht mal mit anständigen Standard-Löhnen bezahlen. Und außerdem wollen tyir lieber direkt dem Erzeuger bessere Preise zukommen lassen. Besonders ambitiöse Pläne haben wir quf dem Gebiete des sozialen Wohnungsbaues. Es liegen schon die ausgearbeiteten Pläne für drei verschiedene ganz großzügige Baukomplexe vor, die die arbeitende Bevölkerung mit vollkommen modernen und dennoch billigen Wöhn- gelegenheiten versorgen sollen. Diese Blocks sollen auf einer Gemeinschaftsbasis begründet sein, Ex- holungshallen, moderne Bäder/ eingebaute elektrische Eisschränke, elektrische Oefen— kurz alle modernsten Einrichtungen aufweisen und dennoch dem Arbeitereinkommen zugänglich sein. Unter den Aufgaben, die in der kürzest Zeit noch nicht in Angriff genommen worden sind, aber es bald werden, sollen, gehört di« Verstadtlichung der Straßenbahnen, die bisher Noch in privatem Besitz sind. Mit den bürgerlichen Parteien hätten wir bisher keine Schwierigkeiten. Schon in kurzer Zeit unserer Tätigkeit hat die Arbeit der neuen Verwaltung von Winnipeg eine gute propagastdistische Wirkung auch auf' andere Teile des Landes ausgeübt und wir hoffen bestimmt, daß dies nicht ohne Wirkung auf den Ausgang der diesjährigen Wahlen sein wird." Wir können leider unsere sehr angenehme Unterhaltung nicht länger ausdehnen, da mich eine wichtige Verpflichtung noch in die Stadt ruft. Bürgermeister John Queen, heute angesehener Stadtvater von Winnipeg, hat nicht vergessest, daß er vorgestern noch Arbeiter war und fühlt sich auch als Bevollmächtigter. Er bringt mich, sechst am Steuer sitzend, zu meinem Versammlungsort und bittet mich, die unbekannten Kameraden drüben auf dem alten Kontinent zu grüßen, mit denest er sich verbunden fühlt. VolKswlrtsdiaH und Sozlalpollflh Kapitalismus ist Arbeitereleud! - Der niedrige Lebensstandard, auf den ein erheblicher Teil unserer Bevölkerung durch den Kapitalismus und die Krise herabgcdrückt ist, wird erneut bestätigt durch den Bericht der Zentralsozialversicherungsanstalt über die Bewegung des Standes der bei allen Krankenkassen in der Tschechoslowakei Verstcherten. Danach betrug im Jahre 1834 die Durchschnittsanzahl der in den einzelnen Lohnklaffen Versicherten: L-vnll. Tageslohn in Xi• absolut in% I von 0 bis 6 207.435 11.04 II über 6 bis 10 434.849 23.14 HI über 10 bis 14 321.443 17.10 IV über 14 bis 18 237.573 12.64 V über 18 bis 22 188.841 10.05 VI über 22 bis 25.50 124.869 6.65 VII über 25.50 bis 28.50 76.281 4.06 VIII über 28.50 bis 31:50 63.323 3.37 IX über 31.50 bis 34.50 54.158 2.88 X über 34.50 170.400 9.07 Und nur noch nicht ganze 12 Prozent verdienen über 190 Kronen wöchentlich! Wollen denn die Unternehmer noch immer nicht erkennen, welch unermeßlichen Schaden an der Gesamtheit dieser Menschen der weitgehende Lohnabbau anrichten mutz? Veranlassen auch diese Festellungen sie nicht, ihre noch weitergehendcn Lohnabbaupläne zurückzustellen, die in noch größerem Ausmatze durchgeführt worden wären, wenn nicht der Widerstand der freien Gewerkschaften und der sozialdemokratische Einflutz einen Riegel vorschöbe! Eben erst haben die Sozialdemokraten in der Regierung die Verlängerung der Kollektivverträge durchgesetzt, der einen Schutz gegen dkn weiteren Lohn- und Gehaltsabbau bringt.'- So ergibt sich aus der aufschlutzreichen Statistik der Zentralsozialversicherungsanstalt für dir Arbeiter- und Angestelltenschaft die Verpflichtung» den Einfluß der Sozialdemokratie und Der erst Arbeiter (T. S.) Unendliche Flachen Flachlandes füh« ren von dem Staate Montana hinein nach Kanada — in die weiten fruchtbaren Ebenen des Weizen- gäbietes von Manitoba. Immer wieder beeindruckt den Europäer die Unendlichkeit des Gebietes, das auf weite Strecken hin keine Siedlung, oft nicht einmal ein Farmerhaus erblicken läßt. Je näher wir der Grenze kommen, desto kälter lvird es, trotzde n wir bereits Frühling haben und nach der strengen Kälte die ersten warmen Frühlingsstrahlen Herbeisehnen. Statt dessen wird die Kälte immer erbarmungsloser und wir kommen in einen der berüchtigten»Blizzards" hinein— jener furchtbaren Schneestürme, die streckenweise den ganzen Verkehr lahmlegen. Wir haben noch insofern Glück, als wir bis Winnipeg gelangen— der Hauptstadt des kanadischen Weizenhandels. Aber der Himmel bleibt umwölkt und es ist schwer, sich in der Stadt vorwärts zu bewegen, selbst mit dem Wagen. Hohe Berge Schnee wirbelt der Wind zusammen und man kann kaum etwas vor den Augen sehen, außer den dichten, tanzenden Flocken. Aber als sturmgewohnter Geselle arbeitet man sich schon durch Winnipeg hat eine sozialistische Verwaltung Das hat man mir an der Pazifischen Küste schon gesagt und darum bestand ich darauf: Ich mutz den sozialistischen Bürgermeister sehen. Das heißt freilich, datz die Partei Nicht den Rainen Sozialistische trägt, sondern»Co-opcrative Commonwealth Federation" genannt wird und sich neben Arbeitern auch aus Farmern zusammensetzt. Auf den telephonischen Anruf erhalte ich sofort eine Aufforderung zum Besuch und kämpfe mich durch den Schnee zum Rathaus durch. Trotzdem jede Minute der Arbeitszeit des.Stadtvaters" durch Besprechungen in Anspruch genommen ist, werde ich sofort empfangen. Ein ruhiger, beherrschter Mann tritt mir mit aller Herzlichkeit eines Gesinnungsgenossen gegenüber. Aber natürlich können wir in seinem Amtszimmer nicht so eingehend und ungestört plaudern, wie wir dies beide wünschen. John Queen, der Bürgermeister, schlägt mir darum vor, daß er mich besuchen wird, wenn er am Wend mtt seiner Berufsarbeit fertig sein wird, sollte es selbst spät werden. Und allen Stürmen zum Trotz. Und er hat sein Wort prompt gehalten.- In später Abendstunde, seinen Wagen mit eigner Hand steuernd, fuhr er bei mir vor und erzählte mir.... Oie Looperatlve Lommonwealth Federation Aehnlich wie in den Bereinigten Staaten hatte auch in Kanada di« sozialistisch« Bewegung ein mühevolles, schweres Ringen. Besonders schwer noch in einem Lande wie Kanada, das bei so ausgedehnter Bodenfläche außerordentlich dünn bevölkert ist und immer wieder für die städtische und einwandernde Bevölkerung Möglichkeit bestand, Farmerarbeit zu leisten. »Die Einwanderer aus England, Schottland I und anderen Teilen der allen Welt"— so fährt John Queen fort—»kamen in unser Land und brachten von dort ihre Ideen mit, mit denen sie aber hier nur geringen Fortschritt machen konnten. Wir hatten eben hier ganz andere Lebens» bedingungen. Erst vor einigen Jahren begannen wir mit der neuen Form unserer Organisation, die als Provinzorganisation gestartet wurde. Die Verhältnisse begannen für uns zu arbeiten, fortschrittliche Farmers Unions wurden gebildet, die alle das Prinzip der»Cooperativen Gemeinschaft" aufnahmen, es setzte gleichzeitig ein Aufstieg der fortschrittlichen politischen Bewegung ein. So kamen wir denn vo« 2^ Jahren zusammen und konnten die»C.C.F." bilden, die Cooperattve Commonweaüh Federatton, die, wie ihr Name sagt, eine Foederation selbständiger Organisationen ist und deren wichtigsten Gruppen die Unabhängige Sozialistische Partei und die Progressive Farmers Union sind. Alle hccken das Prinzip an-! erkannt, daß nur durch die Verwirklichung des Sozialismus eine Verbesserung der Lage aller Arbeitenden möglich ist. Alle sind einig in der Berurteiluirg des Kapitalismus. Natürlich gibt es auch in unserer Bewegung Nuancen und ich selbst rechne mich zum linken Flügel unserer Federation." »Sofort hat unsere Gruppe sich mit einem Appell an das Volk gewandt und ein erstaunlich gutes Echo gefunden. Zwölf Abgeordnete des»Dominion House"(Parlaments) find mit unserer Federation verbunden und in den noch in diesem Jahre fälligen Neuwahlen rechnen wir bestimmt damit, datz sich dieses Bild noch günstiger gestalten wird— denn die enge Zusammenarbeit zwu scheu Bauern und Arbeitern hat in unserem Lande sicher eine besondere Bedeutung. Die Beschlüsse und Aeutzerungen unserer jungen Organisation erhalten mindestens so viel Publizität, als die der beiden alten bürgerlichen Parteien, der Konservativen und Liberalen. Dabei entstehen fortgesetzt neue Organisationen, die meist in Form von Klubs gebildet werden und denen sich die Menschen anschließen, die mit den bestehenden Parteien unzufrieden waren. Und so strömen zu uns sehr viele Angehörige der freien Berufe, Aerzte, Lehrer, Geistliche usw. Aber das wesentliche ist: Die Plattform der Bewegung bleibt eine Labor-Platt-. Im Jahresdurchschnitt waren demnach bei allen Krankenversicherungsanstalten 1,878.372 Versicherte gemeldet, das sind 8278wenigerals im Jahre 1836. Davon waren 1,140.801 Männer und 738.471 Frauen. Während die Zahl der versicherten Männer gegenüber des Borjahre um 11.200 abgenommen hat, ist die Zahl der versicherten Frauen um 2871 gestiegen. Die schon in den Borjahren zu beobachtende Erscheinung einer Verschiebung aus den Höheren Lohnklaffen in die niederen, ist auch im Jahre 1334 festzustellen. So waren in der Lohnklaffe VUl. 1934 1488, in der Lohnklaffe IX 6982 und in der Lohnflaffe X 14.242 weniger Versicherte vorhanden als im Jahre 1933! In welch starkem Ausmaße die Senkung der Lebenshaltung der breiten arbeitenden und arbeitslosen Bevölkerungsschichten schon unter die Grenze des erträglichen Lebensniveaus vorgeschritten ist, geht daraus hervor, datz über II Prozent der Versichert«» riu wöchentliches Einkommen von weniger als 36 Kronen, mehr als ei« Drittel von weniger als 60 Krone« und 51 Prozent von weniger als 84 Kronen hatten. Z« dieser rund einer MUlion Beschäftigten mtt einem Wocheneinkommen komme» dann noch die Arbeitslosen, deren Zahl Ende 1934 über 755.000 betrug! In der vierten und fünften Lohnklaffe mtt einem Wochenverdienst von 84 bis 132 Kronen waren über 22 Prozent versichert, oder beinahe 75 Prozent oder fast Dreiviertel aller in der Tschechoflowakei beschäftigten Arbeiter beziehen ein Einkommen von weniger als 132 Kron«» in der Woche! der freien Gewerkschaften noch mehr zu stärken. In je größerem Maße dies geschieht, desto wirksamer können die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeiter und Angestellten von ihnen wahrgeiwmmen werden; desto rascher kann aber auch der Um- und Neuaufbau der Wirtschaft vorgenommen werden, bei dem der Kapitalismus fällt, der, solange er besteht, Arbeiterelend bedeutet. Ronald Colman in dem amerikanischen Film»Sein Schatten", in welchem er eine Doppelrolle spielt. Seite 8 Sonntag, 5. Mai 1938 Nr. 105 PftAftER ZEITBMe Mord imd Selbstmord in Smichow . Die Gegend an der Grenze von Smichow und Koschirsch wurde binnen wenigen Tagen zum zweitenmal Zeugin eines Eifersuchtsdramas. Freitag nachts erschoß nach einer längeren Auseinan- detsehung der Bankbeamte M. Odlozilik die Sekretärin der Handelsschule Madera, Marta Fatkovä, welche die zwischen ihnen seit längerer Zeit bestandene Bekanntschaft lösen wollte. Odlozilik hatte seine Tat mit Ueberlegung vorbereitet. Bevor er das Mädchen aufsuchte, schrieb er einige Briefe an seine Angehörigen und traf auch Anordnungen über fein Eigentum. Odlozilik selbst brachte sich eine lebensgefährliche Schutzver- l.tzung bei. Prager Boxer in Dresden verschwunden Auf der Rückfahrt von einer Sportveranstal- tung in Kopenhagen hielten sich einige Mitglieder von Prager Box-Sportklubs Dienstag in Dresden auf. Bor Abfahrt des Zuges nach Präg suchten sie vergeblich ihren Kollegen NiL, einen Kellner im Prager Repräsentationshaus, welcher einige Minuten vorher sich ohne Gründe von ihnen entfernt hatte. Da NiL bis Freitag nicht nach Prag kam, tourde die Polizei verständigt, welche durch Vermittlung des tschechoslowakischen Konsulats in Dresden Nachforschungen nach dem Verschwundenen einleiten wird. Brand in Prag. Freitag abends brach in der Soukenickä in Prag II in dem in der Mansarde befindlichen Lager pharmazeutischer.Präparate der Firma Jules Meyer aus bisher nicht festgestellter Ursache Feuer aus. Tie Rcttungsarbeiten der Feuerwehr waren durch Gase und Qualm erschwert, so das; ein« Hilfsmannschaft zugezogen werden mutzte. In dem hinteren Lager, in dem sich photographische Platten befanden, wurde der Brand lokalisiert. Ein Feuerwehrmann wurde durch Gas betäubt. Die Masaryk-Bolkssternwarte in Prag ist im Mai täglich, außer Montag, um 9 Uhr abends, für Massenbesuche von Schulen und Vereinen um 8 Uhr abends zugänglich. Sonntag ist sie vormittags von 10 bis 11, nachmittags von 15 bis 16 und abends von 20 bis 22 Uhr geöffnet. Schulexkursionen zur Besichtigung der Einrichtung, die aber vorher ange- meldet werden mögen, sind willkommen, auch während der Tagesstunden, außer Montag. Programm der Besichtigung, während des ganzen Mai an klaren Abenden Venus und Mars, vom 7. bis 18. der Mond. Piers ist in sehr vorteilhafter Position zu be-, obachten. Sonderzügr. Die Staatsbahndirekiion in Prag verunstaltet folgende Sonderzüge: Vom 8. bis 30. Mai nach Sliai zum Preise von 1100 Kd, vom 12. Mai bis 2. Juni nach Karlsbad 1100 KL, Nach Marienbad 1000 KL. Vom 20. Mai bis 11. Juni nach LuhaLovice 960 KL, nach Trens. Teplice 1040 KL, nach Piestany 1000 KL. Vom 29. Mai bis 2. Juni ins Gesenke 265 KL. Anmeldungen mit Angabe beim Ausflugszug-Reserat täglich von 8 bis 17 Uhr im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Tel. 883—35. Kunst und wissen Um die nächste Spielzeit des Prager Deutschen Theaters Freitag abends fand im Heinesaal eine Vollversammlung des Lokalverbandes des Prager Deutschen Theaters statt, in welcher über den derzeüigen Stand der Verhandlungen betreffend die Verträge Bericht erstattet wurde. Die Vollversammlung nahm den Bericht zur Kenntnis und sprach dem Ausschuß des Lvkalverbandes sowie dem Bühnenbund Tunk und Vertrauen aus. Gleichzeitig wurde dem Ausschuß Vollmacht zur Führung der weiteren Verhandlungen erteilt. Einstimmig und unter großem Beifall tourde der Bühnenbund beauftragt, dem Vizeprä- sidenteN.T a u b für seine Bemühungen um das Zustandekommen der heutigen g ü n st i g e n Situation den herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. „Charlrys Tante".(K l e i n e B ü h n e.) Ter meistgespielte Verkleidujngsschwank— eine Art klassisches Muster auf dem besonderen Gebiet— bewahrte erstaunlicherweise auch in der neuesten Neueinstudierung seinen alten Zauber, durch sehr prichitive Spässe• eine harmlose und übermütige Heiterkeit'zu entfesseln. Man hat den guten Brandon Thomas«in klein wenig modernisiert, ohne dabei Wesentliches zu verändern (das beliebte Couplet von der Tante fällt freilich aus)' und nach Ueberwindung der toten zehn Minuten zu Beginn wird eS recht lustig und stimmungsvoll im Hause.— Das Meiste dazu trug Herr Götz bei, der sein Komikertalent an der „falschen" Tante übte und nicht nur Lachstürme entfesselte, sondern auch wiederholt Beifall bei offener Szene bekam. Er setzte der Rolle aus eigenem sehr nette Pointen auf und war erfolgreich bemüht, die Komik auch aus anderen Bereichen als der bloßen Verkleidung zu holen. Dudeks liebes- und geldtoller Spettigue, Stabiler» Diener Brasett, die„echte" Tante Lucia der Frau Lotte Stein ergänzten wirkungsvoll das komische Ensemble, während sich die Herren Volker, Sch merzenreich und Padlesak, die Damen Schneck und Carpentier mit den Rollen begnügen mutzten, die bei allem Textaufwand leerlaufen. Mit der kleinsten Rolle erschien Marion Wünsche bedacht, die aber auch bei bescheidenem Text durch den adeligen Liebreiz des Spiels und der Erscheinung eine Bereicherung der Szene bleibt. Regie: Liebl. E. F. Wochenspirlplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute Sonntag, halb 8 Uhr: Die Fledermau s, C 1.— Montag halb 7:Polenblut, Theatergemeinde der Jugend.— Dienstag halb 8: Das unbekannte Mädchen, A 2.— Mittwoch halb 8:DieFledermaus, B 1.— Donnerstag halb 8: Wagnerzyklus IV, Der fliegende Holländer, C 2,— Freitag halb 8: DieKleinstädter, Dl.— Samstag halb 8: Madame Butterfly, D 2. Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3 Uhr: Sensationsprozeß, 8 Uhr: Ich Habs getan, volkstümliche Vorstellung.— Montag 8 Uhr: Mädel für alles, volkstümliche Vorstellung.— Dienstag 8 Uhr: Nacht vor dem Ultimo, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch halb 8 Uhr: Meine Cousine aus Warschau, neuinszeniert. — Donnerstag 8 Uhr: Charleys Tante. — Freitag 8 Uhr: Meine Cousine aus Warschau, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Charleys Tante. Der Film Sein Schatten Das englische Theaterstück, nach dem dieser Hollywood-Film gedreht ist, hat es verstanden, das gar nicht mehr originelle Doppelgänger-Thema interessanter zu machen als es ist: es läßt an die Stelle eines dekadenten Parlamentariers(der, wie das in England nicht selten ist. mit dem Namen des Vaters auch dessen politischen Einfluß geerbt hat) im kritischen Augenblick einen unbekannten Vetter treten, der dem durch Trunk und Nervenstrapazen erledigten Abgeordneten nicht nur lächerlich ähnlich sieht, sondern ihn in der ehrlichen Frische seiner politischen Leidenschaft auch noch bei weitem übertrifft. Während der Erledigte in der Ntansarde des Doppelgängers unbemerkt stirbt, stürzt der Neuling mit einer erfolgreichen Qppositionsrede die Regierung, und da er sich auch noch auf den ersten Blick in die Frau dessen verliebt, den er ersetzen mutz, ist für die nötigen Privatkon- flitte gleichfalls gesorgt. Gewiß eine unwahrscheinliche Handlung, die nur durch geschickte Konstruktion halbwegs annehmbar wird,— und durch die sprachliche Eigentümlichkeit des Englischen, das keinen Unterschied^ zwischen dem »Sie" und dem„Du" macht, so daß die Frau des Abgeordneten Chilcoat mit seinem Doppelgänger Loder sprechen kann., ohne zu merken, daß sie für diesen Mister Loder eine Unbekannte ist. Ta auch der Regisseur Richard W ä llä c e erfolgreich bemüht war. das Gänze in einem sehr seriösen(und doch nicht humorlosen) SH! zu verfilmen und der Hauptdarsteller Ronald Colman iy seiner Doppelrolle eine sehenswerte, eindrucksvolle, von Uebertreibungen freie Leistung bietet, ist es ein Film geworden, der über dem Durchschnitt steht.—eis— Großreinemachen Die(dem Prager Theaterpublikum nicht unbekannte) Komödie des Engländers L. Huxley ist in Berlin von der Firma OrMra-LamaL verfilmt worden. die seit einiger Zeit den Ehrgeiz hat, ihre Späße mit sehr viel moralischer Rührung zu mischen. So ist es geschehen, daß die Schwanksituationen dieses Großreinemachens im Hause des reichen Jünglings, der um einer schlichten Schönen willen zum Fensterputzer geworden ist, nur einen Teil des Filmes ausfüllen und daß die durch ihre exzentrische Drolligkeit berühmt gewordene Anny Ondra nur selten Gelegenheit hat, ihr bewegliches Temperament zu zeigen. Ehe die wirklich komischen Effekte kommen, vergeht sehr viel Zeit,— und diese Zeit ist weder mit Witzen noch mit Spannung, sondern mit kindischen Dialogen, langweiligem Singsang und einer Poesie ausgefüllt, die an Lehs„Kraft durch Freude" erinnert und in dem Vers gipfelt:„Hat man auch noch guten Kaffee, fühlt man wohl sich wie ein Affe": Der Witz des Regisseurs L a m a k scheint im Dritten Reich erheblich gelitten zu haben. Es ist ihm selten so wenig eingefallen wie in diesem Film, der erst in Fluß kommt, wenn der handfeste letzte Theaterakt beginnt, mit dem(von Ernst Dumck« vortrefflich markierten) Kammerdiener, der pedantisch Unordnung macht, mit dem Hausherrn, der sich die Schürze umbindet, und dem Polizeidetektiv, der Mühe hat. sich in dem Gewirr der Verkleidungen und Ver- wechslungen zu orientieren, die schließlich mit der Gewißheit ihr Ende finden, daß— zum wievielten Male eigentlich?— das arme ehrliche Mädchen den durch Liebe veredelten Sohn des reichen Vaters bekommt. AnnhOndra. wie gesagt, mutz auf die Reize ihrer Lustigkeit weitgehend verzichten und bemüht sich ohne überzeugenden Erfolg, ein engelhaftes Wesen aus dem Volke darzustellen. Und Wolf Albach- R e t t h versucht noch erfolgloser darüber hinwegzutäuschen, datz er außer einer vorteilhaften Erscheinung keinerlei Talent besitzt.—cis— Aus der Partei Sektion der sozialdemokratischen Bankbeamten. Dienstag, den 7. Mai, um halb 7 Uhr abends im Parteiheim. Prag II. Närodni tr. 4, wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Mttwoch. den 8. Mai. 8 Uhr abends: SJ Zentrum: Unser Kampf gegen Henlein.— SJ Holleschowitz: Unser Kampf gegen Henlein.— SJ Weinberge: Unser Kampf gegen Henlein. Verelnsnadirifflten Allgemeiner Angestellten.Lrrtand Reichenbrrg, Gruppe Prag II. Amtsftunden: Mittwoch 6 bis 8 Uhr im Heim, Närodni ti. 4, 3. Stock.— Monatsversammlung am Mittwoch, dem 8. Mai, 8 Uhr abends, im Gewerkschaftshaus- Reftaurant. Parterre, Perstyn. Redner: Kolleg« Schönfelder.— Ausschutzsitzung: Mittwoch, den 15. Mai. im Heim.— Jugenderholungswoche für unsere Jungangestellten vom 23. Mai bis 29. Mai im Erholungsheim Hirschberg am See. Anmeldungen bei uns sofort. Zuschuß.— Meldet unsfreiwerdendePosten sofort telephonisch 51351.— FürPfingsten Vereinsausflug(eintägig) in das Daubaer Land. Fahrpreis 20 KL. ,Uro"-Prospekte im Heim zu haben. Sport• Spiel• Körperpflege Atirs-Bereirrsleiter! Unsere„Arbeiter-Turn- und Sportzeitu-ig" Nr. 5(Juni-Zeitung), wird bereits am 10. Mu: in Eurem Besitze sein. Die Zeitung ist unbedingt in allen Vereinen an: 11. Mai zur Verteilung zu bringen. Jedes Mi- glied muß an diesem Tage seine Zeitung haben. Ueberzählige Exemplare find zur Werbung zu verwenden. Der Bundesvorstand. Finanzieller Erfolg deS schweizerischen Arbeiter- Turn- und Sportfestes.' Der sportliche und propagandistische Erfolg, des letztjährigen Verbandsfestes des Satus in Luzern ist bekannt. Nun liegt auch das finanzielle Ergebnis vor. Am letzten Verbanistag in Luzern wurde die Schlußabrechnung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der Reingewinn beträgt nahezu 23.000 Franken, wovon 7060 Franken als Anteil des Verbandes bereits ausb:- zahlt wurden. Als besondere Anerkennung für das OrganisationÄomitee wurde dessen Vorsitzender, Nationalrat Genosse I. Weibel zum Ehrenmitglied des Satus ernannt. Satus-Brrbandsfrft-Film im Ausland. Der Film vom Verbandsfest des Satus in Luzern ha: auch über die Grenzen der Schweiz' hinaus Inter- esse und Beachtung gefunden. Der Arbeiter-Turn- und Sportverband in Polen hat sich ihn für den Monat Mai reservieren lassen. Auch di« Verbände' der Tschechoslowakei sowie Belgien und Ho- land interessieren sich für diesem Film. Welch groß« Werbekraft der Film von Luzern besitzt, beweist die Tatsache, daß er bis heute in der Schweiz selljt mehr als dreimal so oft gezeigt wehren konnte. DaS BundeSfrst der holländischen Arbeitersportler adgl'agt! In Arnheim sollte zu.Pfingsten daS Bundesfest des holländischen Arbeitersp'ortbundes aboehalten werden. Durch die Sabotage der Bürgerlichen in der Stadtvertretung, die gegen die Vergebung der städtischen Sportanlagen stimmten, sah sich die Bündesleitung gezwungen, Las Fest abzusagen. Dafür wurde die Parole auSgegeben: „Alles nach Brüssel zum belgischen Arbeitersportfest anläßlich der Weltausstellung!" Lauf der 800.000 Sportler. Ab 18. Mai werden in allen großen Städten Sowjetrußlands Quer- feldeinläufe veranstaltet. An diesen Läufen werden rund 600.000 Sportler teilnehmen. Di« Männer laufen über eine Strecke von zwei Kilometern, die Frauen einen Kilometer. In Moskau wird dieser Lauf schon am 6. Mai unter Teilnahme von zirk-r 3000 Wehrsportlern abgehalten, welche bei den Bezirkswettkämpfen als Sieger hervorgingen. Der Fußball-Länderkampf Holland gegen Belgien findet, wie wir schon berichtet haben, zu Pfingsten in Harleem statt. Das Rückspiel wird erst Sobcn erschienen: Karl Heinz: Nadit Ober Ocstcrrctdi Preis Kü 5.—. Bestellungen sind zu richte« an die Zentralstelle für das Bildungswesc», Prag XII., Slezskä 13/V. am 25. Dezember d. I. in Antwerpen ausgetragcn werden. Um die Box-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht kämpfte Samstag in Paris der TschechoslowÄ Jaks gegen den Titelverteidiger T h i l einen au?- sichtslosen Kampf. Jaks mußte fünfmal zu Boden, einmal bis acht und in der 14. Runde wurde de: Kampf durch technisches k. o. zugunsten Thils beendet. Witterungen üsr»Urania« Heute 10 Uhr:.Der unterirdis^r H r a d s ch i n." Führung zu den Ausgrabungen an dritten Burghof. Romani'che Funde. Erklärunger.: L Kreitner. Treffpunkt: Dritter Burghof. Heute halb 11 Uhr:„PalosBrautfahr." Raßmuffens Grönland-Film Für Jugendliche eignet. Masaryk-Delks Hochschule „Menschenkenntnis." Dr. B. Fürst. Besprechung und Vorführung des Reuroskops. Einzelk:'- ten: 6 KL. Montag, 8 Uhr. „Keinen Tag ohne Dich." Premiere. Herrliches Lustspiel mit Paul Hörbiger, Oskar Karlw'iL Carla Carlen. Ab heute täglich. Vorführung:«' 4, 6,%9 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Ter Filmfanatiker"(A.— Harold Lloyd)— Alfa:„Der Held einer Nacht"(Tsch.-* Bl. Purian)— Avion:„Sein Schatten"(A.)— Beranel:„Abdul Hamid, der rote Sultan* (Engl.— Kortner)— Fen ix:„Großreinemachens (D.-- Anny Ondra)— Flora:„Das Hohelied" (A.— M. Dietrich)— Hollywood:„D iehellen Nächte von Petersburg"(Russisch) HvLzda: Mickey-Programm, halb 3, halb 5, halb 7, halb 9— Julis:„Der Wagen Sr. Majestät" (A.)— Kinrma: Journale, Groteske. Reportage (halb 2 bis halb 7 Uhr)— Koruna:„Der König dcd Dschungels"(A.)— Kowa:„Marocco"(A.— V>- Dietrich)— Lucerna:.Susanne Lenox"(A.-* Greta Garbo)— Metro;„Tschapajew" (Russ.)— Olympier„DiehellenNächtevon Petersburg"(Ruff.)— Passage:„Die Liebe der Königin Karoline"(Engl.)— Radi»:„Abdul Hamid, der rote Sultan"(E.— Kortner) -— Skaut:„Abdul H a m i d, der rote Sultan" (E.—Kortner)— Svitozor:„Sein Schatten?(A.) —- Alma:„Die ganze Welt lacht"(Nuss) — Bajkal:„Das Hohelied"(A.— M. Dietrich)■" Belvedere:„Tas Hohelied"(A.)— Beseda:„Menschen im Hotel"(A.)— Carlton:„Skandal in Rom"(A.)— Favorit:„Abdul Hamid, der rote Sultan"(E.— Kortner)— Illusion:„Abdul Hamid, der rote Sultan"(E.— Kortner) — Lido:„Mein Freund der König"(A.)— Louvre:„Das Hohelied"(A.)— Roxy:„Skandal in Rom"(A.)— Sport:„Der unsichtbare Mann' (A.)— Baldek:„Eine ausgelassene Nacht"(Tsch); Radiumbad St Joadilmsf hal Stärkste Radimneuellen der Welt. Idyllische Lage inmitten des waldreichen Erzgebirges am Friste des NeilbergeS. Bäder-, Trink- u. Jnbalationskuren, sc wie Bestrablung mit Radtumvräparaten. Amsgezeichnete Heilerfolge bei: GelenksrheumaNsmuS, Neuralgien, NeuriNS, Tabes dorsalis, Nervosität und Neurasthenie, Arteriosklerose, chronischen Entzündungen des Herzmuskels und der Blutgesätze, chronischen Eiterunyen, sowie Gelenks» und HSblenersudaten. Auskunft und Prospekt« durch die Kurkommillion. 3007 Billige Kuren— an den heißen, hochrad. 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