I i I t t Dienstag, 7. Mai 1935 Nr.^106 IS. Jahrgang Etatiinlt 70 Hitltr (•iiMchlleSIIeh 5 Heller Fort») IE NTRALORGAN M„ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xh.,fochova«. Telefon 53077. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Liste H Berufs» Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent gesunken Von 804.794 auf 736.188 i ^trtreten find. die läp- daß. di« i Prag. Auf Grund der Erhebungen des Ministeriums für Sozialfürsorge ergab sich bis Ende April ein Äückgang der nichtuntergebrachten Arbeitslosen um 68.606 auf 736.188, nachdem die definitive Zahl der Arbeitslosen Ende März mit 804.794 ermittelt worden war. Gegen April des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen Heuer hauptsächlich durch den Einfluß der Slowakei und Karpathorußlands um etwa 32.000, d. i. um 4,5 Prozent höher gewesen, relativ ergibt sich gegen den verangegangenen Monat dieses Jahres ein Rückgang um 8,5 Prozent, während im Vorjahre der Saisonrückgang im April etwa 10.8 Prozent betragen hatte. Der Rückgang gegen den Vormonat beträgt in Böhmen 8.8, in Mähren-Schlesien 7,6, in der Slowakei 9,5 und in Karpathorutzland 5,1 Prozent. Die Erhöhung gegenüber dem April 1934 ist ' darauf zurückzuführen, daß Heuer stärkere Nachfrage nach ausgesprochenen Saisonarbeitern vorlag(d. i.Beschäftigung in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und in der Gruppe der Taglöhner). Der Vergleich mit den Ziffern des vorangegangenen Monates(März 1933 gegen März 1934) zeigt einen Gesamtzuwachs der unbeschäftigten Personen um 15.005, während die Zahl der unbeschäftigten Saisonarbei, ter um 22.254 höher war, so daß also in den übrigen Beschäftigungszweigen, hauptsächlich i n der i n d u st r i e l l e n. P r o d u k t ion ein Rückgang um 7249 Personen e i n g e t r e t e n ist. Aehnliche Einflüsie machten sich auch im April dieses Jahres bemerkbar. Bei den Arbeitsvermittlungsstdllen melden sich infolge der angekündigten Jnvestitionsarbeiten mehr Bewerber um Saisonbeschäftigung. ncnlclns Reichstagsbrand Dir Zahl 800.000 spielt im Leben des Herrn Zentraldirektors Doderer eine große Rolle. Bor wenigen Tagen erst hat die«Bohemia" verraten, daß Doderer tatsächlich Fndustriellengelder für die Sudrtendeutsche Partei gesammelt hat. Bisher wurde bekannt, daß er 800.000 Kronen für ihren Wahlfonds zusammengebracht hat und es wird von niemandem bestritten, daß diesen Riesenbetrag Dr. Rosche übernommen hat, welcher ihn als Mitgift in die Henlein^artei bekam. Für 800.000 Kronen lohnt es sich, den Mann zu schützen, der dir Bevölkerung von Rothau-Neu- dek brotlos gemacht und ins Elend gestürzt hat. Genau denselben Betrag hat Doderer für seinen Henkersdienst verlangt und erhalten! Es war in einer der Sitzungen, welche über die Verlegung der Rothauer Eisenwerke nach Karlshütte und damit über die Vernichtung des ganzen Industriegebietes entschiede«. Doderersprach sich für die Verlegung aus. Die entsetzlichen Folge« für die gesamte deutsche Bevölkerung waren allen klar und es wurde gefragt, wer die moralische Verantwortung übernehmen wolle. Da meldete Indicllnic: sich wieder Doderer und erklärte, er werde die Verantwortung tragen. Dafür verlangte er aber eine entsprechende Erhöhung seiner Bezüge. Es wurden ihm 80 0.0 00 Kronen bewilligt! HenleinS Partei kennt die Schuld DodererS. I» der Sudetendeutschen Partei entscheidet aber Dr. Rosche und der Jndustriellenverband, die an Doderers Tätigkeit nichts auszusehen haben. Deshalb darf die„Rundschau" nur behaupten, daß die SHF kein Doderer-Geld bekommen hat— denn das Geld bekam Dr. Rosche. Deshalb aber mutz die„Bohemia" des Dr. Rosche den Doderer verteidigen. Die Herren haben eine schöne Arbeitsteilung eingeführt. Henleins„Rundschau" ist voll von Volksgemeinschaft, Rosches„Bohemia" empfiehlt die Henleinpartei als Vertreterin der Jndustriel- leninterefsen. Die Kapitalisten geben das Geld, die Arbeiter— sollen die Stimmen geben. Dann Kann irgendein Doderer mit ganz Deutschböhmen tun, was er mit Rothau-ReudeK gemacht hat. Ja, wer kommt denn da? Die chrlstllchsozlalen Adabeis des antlmarxlstischen Rummels Die Christlichsozialen, voran ihr Parteivorsitzender Hilgenreiner, haben sich um die Verbreitung der Hitlerpest, deren Wüten in Deutschland ihnen in jüngster Zeit selbst auf die Nerven zu fallen beginnt, allerhand Verdienste erworben. Z» Wiederholtenmalen hat Hilgenreinex im Senat und in Versammlungsreden für das „neue Deutschland" also für den Fascismus, für die Diktatur des Bankkapitals geworben,, immer wieder hat die klerikale Presse für den deutschen, den italienischen, den österreichischen, den spanischen Fascismus Stimmung gemacht. Das Ergebnis ist ngtürlich ein scharenweises Ueberlaufen der eigenen Leute zu der aufgepäppelten Konkurrenz, das den Christlichsozialen jetzt vor den Wahlen viel Kopfzerbrechen macht. Wie sich aus solcher Situation retten? Vor allem, indem man kräftig lizitiert und den Nazifascismus zu übertrumpfen sucht. Nun ist es für die Christlichsozialen, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht leicht, die „Radikalen" zu spielen, aber sie versuchen es doch, wie ihre Wahlaufrufe an die einzelnen schichten beweisen. Die Christlichsozialen machen sich pische fascistische Behauptung zu eigene W,i.r t schaftsk r i.s t nicht auf düs Versagen der kapitalistischen Wirtschaft und auf die Borniertheit der Wirtschaftsführer zurückzuführen sei, sondern auf das Versage» der deutschen Regierungsparteien. Wie S a n d- n e r und die übrigen Henlein-Agitatoren, so behaupten auch die Christlichsozialen, daß es an dem politis ch e n System liege, wenn die Folgen der Wirtschaftskrise einseitig auf das sudetendeutsche Volk abgewälzt werden. Sie zitieren— selbst vermutlich zu bequem, sich eine Statistik anzulegen— die Zahlen, die der Genosse Meißner dem Parlament über die prozentuelle Arbeitslosigkeit vorgelegt hat, wobei die Bezirke Graslitz, Sternberg, Rumburg, Neudek, Friedland, Freudenthal, Elbogen, Karlsbad führen. Natürlich kann man dem Dummen Weismachen, daß hier eine Tücke der Tschechen, ein Versagen der deutschen Regierungsparteien schuld ist. Jeder Wähler, der das Bedürfnis bat, nach Beweisen und nach den wahren Ursachen einer Erscheinung zu fragen, wird aus der Statistik ersehen, daß von der Krise eben am ärgsten die Gebiete betroffen werden, in denen unsere E x- portindüstrien ihren Sitz haben. Es ist sicher ein Verhängnis unseres Volkes, daß es vor allem deutsche Arbeiter sind, die von der Krise heimgesucht werden. Aber es ist eine Tatsache, die älter ist als die christlichsoziale Partei, älter auch als die ganze Arbeiterbewegung, daß der Sitz der Exportindustrien der Sudetenländer die überwiegend deutschen Randgebiete sind. Weil die kapitalistische Wirtschaft bankrottiert, weil der Weltmarkt zu arm geworden, die Konkurrenz der überseeischen Länder zu stark geworden sind, finden unsere Textilien, unser Glas, unser Porzellan, unsere Me- tallwaren keinen Absatz im Ausland. Darum leiden die auf Weltmarktproduktion eingestellten Gebiete soviel mehr als die tschechischen, die für den Jnlandsmarkt erzeugen. Aber was geht daraus hervor? Daß gerade die deutschen Gebiete das größte Interesse an einer grundsätzlichen Wendung unsererWirtschaftspolitik haben, daß gerade f ü r d a s südeten- deutsche Volk der Sozialismus eine Schicksalsfrage geworden ist, denn im Kapitalismus bleibt ihm nichts übrig als zu verhungern! Die Christlichsozialen plappern dem Henlern- fascismus das Märchen von dem„Versagen" der dorischen Sozialdemokraten bei der Margarineverordnung nach, als ob sie nicht wüßten, daß es auf unser Einwirken zurückzuführen war» daß die Verordnung revidiert, daß kein deutscher Arbeiter durch die Verordnung brotlos geworden ist. Die Christlichsozialen erzählen von der„einseitigen Anwendung der staatlichen Jnvestierungspolitik zugunsten der tschechischen Wirtschaft", obwohl sie sehr gut wissen, daß es nur der Sozialdemokratie zu danken ist, wenn die ehedem, zuMayr-Hartings Zelle« Herr Doderer hat Rothau-Neudek am Gewissen! In Genf Sozialdemokraten erfolgreich Genf.((SDA.) Am Sonntag fanden in ^enf Gemeindewahlen statt, die zugleich Wahlen m die städtische Legislative darstellten. Die städti- >lh« Legislative umfaßte bisher 26 Sozialisten und ^6 Angehörige der bürgerlichen Parteien. Mit Rücksicht auf den Bevölkerungszuwachs wurden msgesamt 64 Mitglieder gewählt, wovon die Sozialisten 27 Mandate und die bürgerlichen Parteien 37 Mandate erhielten. Die kommuni- stischr Partei erlangte kein Mandat. Schiedsgericht im Fall Jacob Bern. Das deutsche Autzenamt teilte der -.mweizerischen Gesandtschaft in Berlin mit, daß **e deutsche Regierung mit der schiedsgerichtlichen Regelung im Falle Jacob einverstanden ist. Venedig— eine groBe Enttäuschung für Ungarn Venedig. Nach der italienisch-österreichisch- ^Mgarischen Konferenz, an der die Leiter der i*ußenressvrts der drei Staaten teilnahmen, wurde Mn Kommunique ausgegeben, in welchem eine absolute Identität der Ansichten und viele der beteiligten drei Regierungen festgestellt toird; sie seien der Ansicht, daß es gelingen werde, tot Situation zu klären, und daß das Einverneh, Men zwischen den an der Donaukonferenz inter- . rsfierten Ländern erleichtert werden wird. L lieber den Verlauf der Besprechungen er- whrt man, daß Ungarn mit hochgespannten Forderungen auf dem Gebiet der Aufrüstung, °er R e v i s i o n und des Minderheit« n- > 4 u tz e s herausrückte und drohte, sich an der ^Mischen Konferenz nicht zu beteiligen, wenn seinen Wünschen nicht Rechnung getra len werde. Italien, das derzeit mit der Kleinen Entente Hute Beziehungen wünscht, ließ Ungarn aber ziemlich abfallen.(Suvich soll erklärtchaben, Jta- uen wünsche, daß Ungarn Genugtuung zuteil ivcrde, doch habe er gleichzeitig Ungarn g e- o r n t, durch einen ablehnenden Standpunkt tot mitteleuropäische Rekonstruktion zu gefährden. Konzentrationskabinett Lerroux Madrid. Der Staatspräsiident hat die von " e r r o u x eingereichte Liste über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts genehmigt. Die- setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident L e r r o u x(Radikal), Äußeres R o ch a(Radikal), Kriegsminister il Nobles(Ceda), Marine Roya Rillano va(Agrarier), Justiz Casa- u u v a(Ceda) Finanzen C hypaprieta (Unabhängiger Republikaner), Inneres P o r- k e l a Valladares(Unabhängiger, den Radikalen nahestehend). Unterricht Dualde(Liberal-Demokrat), Arbeiten D a- '«»itin(Ceda) Verkehr Lucia(Ceda), Öffentliche Arbeiten M a r r a c o(Radikal), Landwirtschaft V e l a y o s(Argrarier), Handel Rizpun(Ceda). Die neue Regierung ist ein auSgesproche- ues Konzentrationskabinett. Das Kabinet verfügt über 240 von 439 Stimmen des Parlaments. Gegenüber der früheren Koalitionsregierung bedeutet die jetzige Lösung einen Erfolg für die von Gil Nobles geführte katholische Volksaktion(Ceda), ba diesiim jetzigen Kabinett mit fünf Ministern,! tot Radikalen dagegen nur mit'vier Ministern! Henlein:„Und wer an das Attentat nicht glaubt, der kann sich hier am M o ‘ dell von den Einsdiußlödiern überzeugen.. Seife 2 DienStag, 7. Mai 193S Nr. 10« übliche Einseitigkeit gerechteren Zu» ständen gewichen ist. Ueberhaupt scheinen die Christlichsozialen zu glauben, daß die Zeiten Mayr-Har- t i n g s so lang zurückliegen, daß niemand mehr an die Erfolge solchen MitregierenS denkt, die er selbst, der»stumme" Minister auf die schöne For» mel gebracht hatte:»Mir genügt es, daß wir in der Regierung sind". Obwohl man im Hause deS Gehenkten nicht vom Strick reden soll, spricht der christlichsoziale Wahlaufruf, als wäre nichts geschehen, von der»einseitigen Wirtschaftspolitik im Dienste deS Agrarkapitalismus". Gerade das hat eS unter dem Bürgerblock ge» geben, wo die Klerikalen gegen die K o n g r u a alles verkauft haben, was sie zugunsten der Ar« beiter und Angestellten hätten durchsetzen sollen. Begann nicht die Bürgerblockpolitik mit der Erhöhung der Zölle, also mit einer einseftig agrarkapitalistischen Maßnahme? Aber eS gibt darüber hinaus noch einige bemerkenswerte Momente in der Politik des Bür« gerblockS. Der Bürgerblock regierte in drei fetten Konjunkturjahren. Was haben denn die Christlichsozialen getan, um die Arbeiter und Angestellten, die Beamten und Kleinbauern, die kleinen Gewerbetreibenden und den Mittelstand an dem Ertrag der Konjunktur zu beteiligen? Die Antwort lautet schlicht und kurz: nichts. Nicht das geringste haben sie dazu getan, um von dem Milliardenertrag der Konjunktur die Schichten zu beteilen, die arbesten und Werte schaffen, an die sie sich um Stimmen wenden. Statt in einer Zeit wachsender Unternehmergewinne die Sozialversicherung(die in einer Zeit der Krise Gesetz gewor- den war) zu verbessern, haben sie dieses wichtige Gesetz verschlechtert. Statt die Unternehmergewinne wenigstens zum Teil in die Staatskasse zu lesten und dem Volke diestbar zu machen, haben sie durch die Steuerreform und das Gesetz Wer die Stabilisierungsbilanzen den Banken, Konzernen und Großunternehmen hunderte Millionen Steuernachläffe und Abschreibungen gewährt, ihnen Bilanz- schwindel größten Stils ermöglicht. Die Kapitalisten haben das Geld verpluvert, verspekuliert oder zur Rationalisierung verwendet, von 1930 an konnte die Arbeiterschaft der rationalisierten Betriebe ernten, was die weise Wirtschaftspolitik des Bürgerblocks gesät hatte. Den deutschen Gebieten geht es schlecht? Wer ist für den Ruin der Selbswerwaltung, wer ist für die wirtschaftlichen Katastrophen der deutschen Gemeinden und Bezirke vor allem verantwortlich? Die Schöpfer der B e r w a l- tungsreform und des Gemeindefinanzgesetzes. Es ist unS gelungen, die ärgsten Härten dieses Gesetzes in zwei Novellen zu beseitigen, aber weder konnten wir die Versäumnisse der Konjunkturperiode wieder einbringen, noch das Gesetz ganz beseitigen, da wir ja nur ein Fünftel der Abgeordneten des Parlament- stellten. Die Christlichsozialen wenden sich an die Beamten. Sie reden ihnen ein, nur s i e, die Christlichsozialen, seien die wahren Vertreter ihrer Interessen, die Sozialdemokraten hätten die Kürzung der Beamtengehälter auf dem Gewissen. Warum haben denn die Christlichsozialen zur Zeit der vollen Kassen keine Gehaltsaufbesserungen der Beamten durchgesetzt? Einen Quark haben sie den Beamten geboten. Wir haben in härtester Krisennot, als in den fascistischen Ländern— 8. 95k im christlichsozialen 12 Roman von Emil Vnrhrk ' 1^' Deutsch von Anna AurednKek In der Küche seiner Wohnung saß Bein- steller Und bemühte sich vergebens, unschuldsvoll vuszusehen. Herr Holina, von der Hetzjagd durch Prag verärgert, trat zu ihm und hielt ihm die geballt« Faust vor die Nase. Zwei Schritte vor ihm blieb er über stehen und sein« Züge veränderten sich in maßlosem Staunen. »Aber Franz(Herr Holina nannte alle sein« Diebe Franz), Du schaust ja wie ein Mörder aus!" Beinsteller wußte genau, daß er nicht nur wie ein Mörder, sondern wie ein überführter Mörder aussah, dennoch sagte er mit unschuldsvoller Miene:»Sapperlot, das sind Gäste! Schön willkommen, Herr Holina und Herr Sach, schön willkommen!" Herr Holina übersah die Freundlichkeit und fragte barsch:»Was hast du denn auf der Stirn, Franz?" »Auf der Stirn, Herr Holina" DaS ist nur ein Tröpfchen Blut. Ich bin ausgerutscht und hab' mich ein wenig angeschlagen." »Wer, aber!" spottete Herr Holina in unverschämter Weise.»Hast dir dabei auch daS Knie zerschlagen und bedreckt?" »Ja, so geht'S einem, Herr Holina, wenn man ohne Frauenzimmer dasteht. Das Knie habe ich mir gestern zerhaut, heute bin ich gar nicht vor die Tür gekrochen." »Franz", sagte Herr Holina drohend,»du Schmierfink, wenn ich dich heul' nicht schon zum drittenmal sehe, so wA ich nicht avancieren. Zum Oesterreich— die Gehälter bis u m 27 Prozent gekür zt wurden, den Beamten. und- Pensionisten trotz steter Budgetsenkung 86 Prozent der Bezüge erhalten können, die sie in der Konjunüur hatten. Wir haben noch sozialpolitische Leistungen durchgesetzt, als die Krise und das versagen der vom Bürgerblock gehätschelten und reich beschenkten Wirffchaftführer den Staat arg bedrängte. Die Christlichsozialen haben in drei Jahren Mitregierung einer einzigen besoldeten Schichte eine Errungenschaft gebracht: den Pfaffen die Kongrua. Im übrigen haben sie für die Doderer und Rosche und Preiß und Hodä! gearbeitet. Am Sonntag, den 5. Mai, einem schönen Maientag, strömten wiederum viele Täusende Menschen nach Offegg. Aus allen Straßen drängten Menschen hinauf gegen das Erzgebirge, in dessen Schatten das Denkmal steht, das vom Ministerium für öffentliche Arbeiten und vom Schulministerium den am 8. Jänner 1934 bei der gräßlichen Grubenkatastrophe am Neksonschacht ums Leben gekommenen Bergarbeitern gewidmet wurde. Zwei einfache Menschen aus dem Volke, Vater und Mutter, von Schmerz gebeugt über den Tod ihrer Angehörigen, stellt das Denkmal dar. Dieses Denkmal hat seine eigene Sprache. Wer eS sieht, versteht dies. Der Wanderer, der hier vorbeikommt, wird tief ergriffen seine Schritte inne halten. Dieses Denkmal verkörpert die Majestät aller menschlichen Verbundenheit. Die Feierlichkeiten wurden durch eine Kranzniederlegung beim Denkmal am Nelsonschacht durch eine Abordnung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten mit dem Minister Dr. Ludwig C z e ch eröffnet. Gegen 10 Uhr bewegten sich dann große Massen hinauf zur Enthüllung des zweite» Denkmal-. Man sah im Zuge uniformierte Bergknappen mit einer Musikkapelle, deutsche und tschechische Arbeiterturner, Feuerwehr, die Freiheitscharen der tschechischen Sozi a l i st e n usw, ES war da- arbeitende Volk des ReviereS, das zur Ehrung seiner toten Kameraden nach Ossegg wanderte. DaS Ministerium für öffentliche Arbeiten war durch den Minister Genossen Dr. Ludwig Czech und eine Abordnung vertreten, dann nahmen Vertreter deS Schulministeriums, deS Ministeriums für soziale Fürsorge und deS Innenministeriums an der Trauerfeier teil. Der Bezirkshauptmann von Dux. eidBürgermeister von Ossegg und Dux und die Mitglieder der beiden Stadlvertretungen waren ebenfalls erschienen. Als Vertreter der Union der Bergarbester nahm Genosse Emil H a a s e, für unsere Partei nahmen die Genossen Dr. Carl Heller, Richard Lorenz, und Otto Pichl teil. Als Vertreter der tschechoslowakischen Bruderpartei war der alte erstenmal hab' ich dich mütagS gesehen, da bist du mitsamt deinen Bälgern beim RepräsentationS- hauS gestanden, das zweitemal, etwa vor einer Stunde, warst du bei der Steinernen Brücke, von dort hast du mich durch halb Prag gejagt, und jetzt sehe ich dich zum drittenmal. Beweise mir, d»ß ich dich jetzt nicht sehe— dann glaub' ich dir." »Ich wäre vor Ihnen davongelaufen, Herr Holina? Haben Sie, Herr Holina, oder Sie, Herr Sach, je gesehen, daß ich von Ihnen ReißauS genommen habe? Komm' ich nicht immer auf den ersten Wink gelaufen? Glauben Sie, daß ich auf die allen Tage meinen Stil umkrempeln will?" »Das ist alle» wahr, Franz, man kann mit dir— bi» auf den gestrigen Tag— ganz zufrieden sein. Du wirst mir aber doch nicht einreden wollen, daß es in Prag noch einen solchen Affen gibt, mst dem ich dich verwechseln könnt'! Du bist es gewesen, Franzi" Nach diesen Worten hellte sich das Gesicht Beinstellers auf. Sein verhör war beendet. Er wußte, was er wissen wollte— daß die Detektivs niöHs wußten und er sich diese ganze Verfolgung nur mst seiner unüberlegten Flucht über die KarlSbrücke zugezogen hatte. Das gab ihm wieder frischen Mut und er sagte schnippisch:»Wozu die langen Reden, ob ich dort gewesen bin oder nicht. Die Steinerne Brücke ist mir doch nicht verboten worden." »Die Steinerne Brücke ist dir also nicht verboten worden", sprach Holina voller Strenge.»Tu wirst mich wohl jetzt gar vom Kollegen Sach festnehmen lassen, weil ich dich gejagt hab'? Sach, bin ich noch frei?" »Das müssen Sie nicht so ernst nehmen, Herr Holina, jeder wehrt sich seiner Haut. Sie sind auch gar zu scharf auf mich losgegangen, haben gleich einen Mörder auS mir gemacht. Hätten Sie mich doch im guten gefragt:»Warum bist du denn gar so gerannt, Ferdl?" Ich hätte es Ihnen gewiß gleich gesagt." Die Christlichsozialen, Herr Hilgen» reiner voran, wollen unS heute lehren, wie man sich in der Regierung durchsetzt. Wir können den Wählern unr erzählen, daß wir es leichter gehabt hätten, wäre nicht das Mitregieren einer deutschen Partei durch die klägliche Ministerschast des Mayr-Harting kompromittiert gewesen. Wir mußten, ehe wir arbeiten konnten, wirklich erst beweisen, daß nicht jede deutsche Partei eine christlichsoziale und nicht jeder deutsche Minister ein Weichling ist. Und dem deutschen Boll, den deutschen Arbeitern könnte nichts übleres widerfahren, als daß sie aufs neue angewiesen wären auf eine Vertretung, wie sie Mayr-Harting darstellte l Freund der nordweftböhmischen Bergarbeiter, Genosse Dr. Franz Soukup, erschienen. Um 10 Uhr begann die Feier vor dem Denkmal das von Kränzen umgeben war. Zu beiden Seiten wehten die Trauerfahnen, vor dem Denkmal die Staatsflagge. Die Hinterbliebenen der Opfer der Grubenkatastrophe umgaben das Denkmal. Die Feier würbe durch den Chor ,Qraö" der tschechischen Säuger unter Leitung ihres Dirigenten Alfred Forst, eingeleitet. Die Deutsche Arbeiter trugen die »Hymne an dieNacht" von Beethoven unter Leitung ihre» Dirigenten H a d r a w a vor. Hieraus bestieg Genosse S o u Le k die Rednertribüne und eröffnet« die Feier namens des Revierrates in Brüx. Rach ihm sprach Genosse Franz Demel für den Revierrat: „DaS schöne Denkmal, das zur Enthüllung bereit steht, tvurde von dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und dem Unterrichtsministerium gewidmet. ES ist eine Schöpung der akademischen Bildhauers Karl Pokorny und deS Architekten Josef Gruß aus Prag unter Mitwirkung de» Vereine» der bildenden Kunst.MäneS" in Prag. Wir drücken unseren innigsten Dank den Spendern wie Schöpfern aus. Wir begrüßen auf da» herzlichste alle Anwesenden, besonders den geehrten Herrn Minister für öffentliche Arbeiten, Dr. Czech, weiter den Vertreter des Unterrichtsministerium», den Vertreter des Ministeriums für soziale Fürsorge, Wetter den Bertteter des Mi- nisteriums deS Innern. Wir begrüßen weiter die Bertteter der Revierbergämter, die Vertreter der Bezirke und Selbstverwaltungskörper und besonders den Vertreter der Stodtgemeirche Offegg. Wir begrüßen auch den Bertteter der Revierräte- zenttale in Prag, die der gewerkschaftlichen Bergarbeiterorganisationen und die Vertreter der übrigen Vereine und Organisationen. Wir begrüßen besonder» auch die Hinterbliebenen, welch« dem heutigen Gedenkakt in tiefem Schmerz bei- wichnen und ihrer auf so tragische W«se umS Leben gekommenen Angehörigen gedenken. Wir begrüßen die gesamte Bergarbeittrschast und insbesondere die Bergarbeiett des Nelson- 3» Schachtes, welche hierher gekommen sind, dem »Warum bist du also gar so von der Steinernen Brücke gelaufen?" grinste Holina. »Also, Herr Holina, wie ich über die Brücke gehe, krieg' ich auf einmal Bauchschmerzen. Ich lauf, so schnell ich kann, aufs Häusl. Wie ich mich umschau, seh' ich, der Herr Holina ist hinter mtt her! Da hab' ich noch ein schnelleres Tempo genommen, damü mir kein Malheur passiert." Das war mehr als Holina ertragen konnte. »Du buckliger Kerl» du", brüllte er und seine Faust fiel auf Beinsteller nieder,»ich werde dir zeigen, was die Polizei ist, du hast sie bisher nicht kennengelernt..." Herr Sach schloß sich der Belehrung fachmännisch an. Im Nu erkannte Beinsteller, was die Polizei ist, seine Frechheit war verflogen. Trotzdem konnte man weder im guten noch im bösen von ihm erfahren, was er auf der Karlsbrücke gesucht hat. Schließlich war er ebenso müde wie die Agenten. Um Holinas Blamage zu bemänteln, fragte Sach:„Kollege, hat der Lauser die Bälger mitgehabt? Nein? Dann war er nicht an der Arbeit. Ohne die Buben macht der Ferda keinen Schritt." »Und das Blut auf deiner Sttrn? Und das zerschlagene Knie? Warum ist er vor mir davongelaufen, das tut er doch sonst nie?" „Da hast du wieder recht", sagte Sach,„er war ohnehin lange nicht auf der Direktion, der Ferda." „Wirst mit uns gehen, Franz", enffchied jetzt Holina,„es wird sich schon zeigen, warum du vor mir Reißau» genommen hast." .'Heißt da», daß ich verhaftet bin?" fragte Beinsteller.„Warum werde ich verhaftet?" Holina sah ihn höhnisch an und winkte lässig mit der Hand. Die HabeaSkorpuSakte gilt nicht für Menschen wie Beinsteller; diese stehen außerhalb deS Gesetzes. Dir olizei verhaftet sie ohne Beweise, sobald sie«inen Täter sucht. Sucht sie einen Lumpen, dann greift sie fünfzig Beinsteller auf, da sie glaubt, unter ihnen immer den richttgen zu finden. Herr Holina war, was seine Berantwor- Enthüllung eines Nelsonsthadit-Denlfinals Zur Erinnerung an die Opfer der dubenkatastrophe feierlichen GeDenkakt für ihre guten treue» Kameraden beizuwohnen. Dann ergriff Minister Genosse Dr. Czech das Wort. Die Hülle um das Denkmal fiel und alle Augen richteten sich auf dieses Symbol menschlicher Trauer. Genosse Dr. Czech sprach in beiden Sprachen folgendes: Ich überbringe Ihnen die herzlichsten Grütze des ArbeitenministeriumS und als erstes den Dank andie Grubenbelegschaft des Nesscm- GchachteS, die in Betättgung brüderlicher Solidarität ihren auf dem Schlachtfeld« der Arbeit gefallene» Mitarbeitern auf dem Unglücksort ein Denkmal errichtet hat. Das Arbeitenministerium hat heute auf dieses Denkmal mit Blumen geschmückt, um auch an dieser Stelle dem Andenken an die Opfer der fürchterlichen Grubenkatasttophe zu huldigen. DaS Denkmal, das wir heute enthüllen, versinnbildlicht in packender Weise den ttefen Schmerz, der in uns allen auch heute noch bei jeder Erinnernnl an diese Grubenttagödie nachzittert und ist in Aufdruck und Darstellung von ergreifender Tragik. Es spricht eine stumme, aber doch beredtt Sprache und ist ttotz seiner Schlichtheit von geradezu aufwühlender Wirkung. Es wird so zum bleibenden Symlwl der unauslöschlichen Trauer, die sich unser aller angesichts der grauenhaften Katastrophe bemächtigt hat. Es wird aber auch zum Ehrenmal für Vie großen Helden und Märtyrer des Grubenproletariates» das auch in den zurückliegenden Jahren«inen so namenlos schweren Tribut an die Grubenarbeit zu leisten hatte. Das Denkmal steht an jener Stelle, an der der größte Teil der Katafttophenopfer auch heute noch liegt und ist dadurch Ehren- und Grabmal zugleich, zu dem die kommenden Generattonen immer und immer wieder pilgern werden, um sich in sti.ller Andacht vor dem Bergarbeiterschicksal zu beugen. Das Denkmal ist der Zusammenarbeit des Arbeiten- und Schulministerium- entsprungen. Es ist eine geniale Schöpfung des akademischen Bildhauer- Karl Pokorny unter Mitwirkung de- Architekten Gruß und in seiner heuttgen Gestalt eine kiinftlerisihe Leistung der staatlichen Bildhauerschule in Hotttz Auch der Verein der bildenden Künstler„Mänek* trog durch seine Initiative zur Entstehung des Denk« kals bei. Doch mit der Ausstellung des Denkmal» erschöpfte sich die Lrbett des Ministeriums für öffentliche Arbeiten nicht, vielmehr hat es sofort nach de» tragischen Unglücksfall als seine erste Pssicht angesehen, angesichts dieser fürchterlichen Grubentra- gödie alle Kräfte anzuspannen, um, soweit dies i" 1 Bereiche menschlichen Könnens liegt, der Wiederholung solcher Katastrophen vorzubeugen. DaS Arbenenministerium ist glücklich, durch daS G 1‘ setz über die Gruben aufsicht, durch Erweiterung der Jnspektionsbe- fugnisse der Betriebsvertrauensmänner und die Eingliederung des Arbeiter« elementS in den GrubeninspekttonSdienst die erstes Voraussetzungen hiefür geschaffen zu haben. ES'P sich aber bewußt, daß damit nur ein Anfang geta" ist, aber es wollte den ersten Schritt so rasch als wte* lieh machen und damit seinen Willen bekunden, dura tung betra, ganz ruhig. Er sagte:„Ferdinand Beinsteller, ich verhafte dich im Namen des®*« setzes. Jetzt weißt du es und vorwärts marsch»' Beinsteller negte den Kopf. Obwohl er mit schwt- rer Schuld belastet war, spürte er, daß dieser Detektiv einen Uebergüff an ihm beging. Aber<« war Beinstellers größte Stärke, Gewalt zu ertrügen, wenn er ihr nicht enffliehen konnte. „Wenn dem so ist, Herr Holina, dann saö ich kein Wort mehr. Ich komme halt mit, M e» Ihnen soviel Spaß macht." „Endlich ein vernünftiges Wort", erwidert der Geheimagent,„aber vorher wollen wir un- hier, wenn du es erlaubst, ein wenig umschauen- Ohne die Erlaubnis abzuwarten, musterte Htt^ Holina die Stube und erblickte sofort den Küchcu- ttsch, auf dem verschißene Leckerbissen lagen: eint Pischingertorte für die Cherubinen und k’£ Frauen, Sardellenringe, Essiggurken, Herings Sprotten und eine Flasche Kontuszowka. Au« Allasch, das Lieblingsgetränk der LoisiS, geräucherter Lachs und, als Gipfel aller Genüsse, ei»* Flasche eigenhändig zubereiteten EierkognakS. „Da schau her", rief Herr Holina,„hast anstrengen müssen, Ferda, bevor du das alles zu« sammengetragen hat." In Erkenntnis, daß er all diese Dinge nE mehr retten konnte, prahlte Beinsteller mtt seines Jubiläum und flötete liebenswürdig:„Wollen d" Herren nicht kosten? Wir gehören ja zueinandtt- wie der Flesscher zum Kalb gehört." „Wenn's vom Herzen kommt", erwidert Holina, der außerdienstlich kein Kostverächter Er stopfte sich auch schon den Mund voll und Ry eben daran, die Falsche mtt Eierkognak zu entkorken. „Selbst gemacht?" fragte er Beinsteller, na^- dem er gekostet hatte.«Nicht schlecht, kannst fl’** kosten, Kvllega!" .(Fortsetzung folgt.« Nr. 10« Dienstag, 7. Mai 1935 Seite 3 r rasches Zugreifen die weitestgehende vorbeugende Vorsorge zu treffen. . Schon haben die erste» 17 ArbeiteriuspÄtorm ihre» Dienst angetrctrn. Eie werden nicht nur dafü sorgen, daß die Gruben» üchrektion intensiviert wird, sondern sie werden— und da- ist da- Entscheidende— jene- Element de- Grubeninspektion-dienstes bilden, in dem sich di« Selbstverwaltung der Bergarbeiter verkörpert. Damit werden fie gleichzeitig die Der» trauensträger der gesamten Bergarbeiterschaft sein. An di« Einrichtung der Bergarbeiterinspektoren kniipft sich für immerwährende Zeiten die Erinnerung an die entsetzlich« Grubentragödie in Offegg, di«, wir wir alle Heid ersehnen, die letzte gewesen sein möge. Und nun sage ich Allen herzlichsten Dank, die zum Zustandekommen diese- Ehrenmal- beigetragen haben. Darin sind auch die Spender de- Grundstückes eingeschlofsen und die Gemeinde Ojsegg, der ich das Denkmal übergeb«. Sie wird es von nun an in ihre Obhut nehmen und in Ehren halten. Da- Andenken aber an die Märtyrer de- Relsan» Schachte- bleibt für immerwährende Zeiten in unseren Herzen eingeschreint. Im Namen der Gemeinde Ozeff sprachen dann Bürgermeisterstellvertreter Sipel(tschechisch), Bürgermeister Franzel(deutsch). Der Bürgermeister übernahm das Denkmal in die Obhut der Gemeinde. Die Gemeinde Ossek hat durch einen Beschluß der Gemeindevertretung den 3. Jänner für einen allgemeinen Trauertag erklärt. Der Bürgermeister dankte schließlich dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und allen Mitwir- ienden an diesem Denkmal. Nach Schluß der Ansprachen intonierte die Bergmannskapelle die Staat-Hymn«. Mit einer Defilierung der Teilnehmer vor dem Denkmal war die schlichte, aber eindrucksvolle Keier zu Ende. Sitzung der Zentralwahlkommission Tschechische Partei protestiert gegen den Wahlterror der Henleinbanden Sonntag, den 5. Mai, um 10 Uhr vormittag- fand im Ministerium de- Innern unter Vorsitz des Sektionschefs B o b e k die Sitzung der Zentralwahlkommission statt, um die Berichte der einzelnen Wahlkreiskommissionen zu überprüfen und die Kandidatenlisten zu genehmigen. Mitglieder der Kommission sind zwölf vom Minister des Innern ernannte Parteienvertreter, worunter sich für unsere Partei Genosse Hugo Gehorsam- Prag befand. Zunächst hatte sich die Wahlkommission mit dem Protest der Nationalen Bereinigung der Angestellten und Beamten gegen den Titel der kandidierenden Partei„Nationale Bereinigung" (Dr.Kramckk) zu befassen. Der Vertreter der erstgenannten Partei führte aus, daß die Gleichheit de» Namens geeignet sei, die Wähler irrezuführen. Nach abgefithrter Debatte wurde jedoch beschlossen, über dies« Beschwerde zur Tagesordnung überzugehen, weil eine Täuschung der Wähler uicht angenommen werden könne. Sodann protestierte der Vertreter der tschechischen Bolkspartei gegen den NamenStitel„Sude- tendeutsche Partei". Der Vertreter der Tschechischen nationalsozialistischen Partei legt« im Anschluß daran schärf st« Verwahrung gegen den Wahlterror derSen- leinleute ein und verlangte, daß daS Ministerium deS Innern Maßnahmen dagegen ergreife. Solche Agitationsmethoden seien vielleicht in anderen Staaten möglich, dürfen aber in der Tschechoslowakischen Republik nicht geduldet werden. Der Antrag auf Aenderung des Namens Sudetendeutsch« Partei wurde mit der Motivierung obgelehnt, daß die Zentralwahlkommission nicht kompetent sei, die Benennung einer Partei, die einer anderen nicht ähnle, zu ändern. Ebenso wurde der Protest der Lhristlichsozia- len Partei gegen den Namen„Christlichsoziale Landespartei in der Slowakei" abgelehnt. Hierauf schritt die Zentralwahlkommission hur lleberprüfung der Kandidatenlisten, die nach Abänderung einiger formaler Fehler genehmigt wurden. Nur die Kandidatenliste der Schuldner« Partei in Karpathoruhland wurde gestrichen, da biese Partei die Kosten für di« Kandidatenliste zum 6. Mai, 12 Uhr mittags, nicht erlegt hatte. Sodann verteilte die Kommisiion di« Nummern an die einzelnen Parteien. Jene Parteien, welche bereits in der letzten Nationalversammlung bertreten waren, bekamen die Nummern nach der Anzahl der für sie abgegebenen Stimmen im Jahre 1929. Es sind dies die ersten elf Parteien. 4" der Zwischenzeit neugegründeten Parteien wurden die Nummern durch das LoS bestimmt. Bei dieser Verteilung protestierte der Vertreter btt Nationalen Bereinigung(Kramäk) dagegen, baß man der nationaldemokratischen Partei als alter Partei nicht die gebührende Nummer 9 zu« fotife, welche ihr nach ihrer Stärke gebühr«, da die Nationale Bereinigung nur eine Fortsetzung der alten Partei sei. Die Zentralwahlkommission tntschikd jedoch, daß die Nationale Bereinigung, welche sich aus mehreren Parteien zusammensetze, eine neugegründete Partei sei und daher le tten Anspruch auf diese Nummer habe. Hierauf wurde lur Verlosung geschritten, w>'k'?i vg- i»»ci"">te Detail vermerkt sei, daß die Lose von Frau Äajda gezogen wurden. Wer vertritt den IndustrleTenverband? Zwei Parteien sichern Mandate führenden Funktionären del Industrie!» len-Derbandes: Die Sudetendeutsche Partei Henlein- und der Sudeten» deutsche Wahlblock. Es kandidiert: Dr. Alfred Rosche, Fabrikant, Führer der Sektwn Industrie in der Henleinpartei und heute eigentlicher Herr der Henleinbewegung als Spitzenkandidat in das Abgeordnetenhaus. Dr. Gustav PeterS, Sekretär der Zentrale der Verbände der I n d u st r i e, der G r o tz- grundbesitzer und der Gewerbeorganisationen al- Kandidat ins Abgeordnetenhaus hinter einem Universitätsprofessor, der das Mandat nicht annehmen wird. Bride werden als Vertrauensmänner Doderers und der Industriellen von der Sudetendrut- Nichts als Tatsachen Düe»Brüxer Zeitung" veröffentlicht in ihrer Folge vom 4. Mai einen Leitaufsatz, in welchem sie die Weisungen des Ministeriums des Innern beti ffend den Schutz der Versammlungsfreiheit bespricht und in welchem sie behauptet, daß an den schweren Ausschreitungen, die sich in der letzten Zeit im deutschen Gebiet der Republik begeben haben, die Sozialdemokratie schuld sei. Was von bürgerlicher Seite behauptet wird DaS Brüxer Matt schreibt: Angesicht- der neue» HaßauSbrüche, dir in der letzte» Zeit zu verzeichnen waren, muß frstge- stellt werden, daß die Erreger der Unruh« von heute im marxistischen Lager stehe». Statt jeder Polemik gegen das Henleinblatt wollen wir einfach die Tatsachen feststellen. Was Ist die Wahrheit? Wildstem: Sonntag, den 14. April hatte der Keramarbriterverbaich eine öffentliche Versammlung auf dem Marktplatz in Wildstem einberufen, um dort über eine-r e.in g c!v e r l s ch a f t- liche Angelegenheit zu berichten.' ES hatte nämlich die Gefahr bestanden, daß durch eine Verkürzung des Kontingentes für die Tonwaren« auSfuhr im Wildsteiner Gebiete Hunderte Tonarbeiter arveitlos werden. Die Henleinleute aber hatten beschlossen, diese Versammlung, in der berichtet werden sollte, daß die brechende Entlassung der Tonarbeiter verhindert worden ist, zu stören und marschierten dort 600 Mann stark auf. Gleich bei Beginn begannen sie zu schreien und als Genosse Hüttl vom Keram- arbeiterverband zu sprechen begann, setzte ein derartiges Gebrüll ein, daß der Regierungsvertreter die Versammlung auflöste. Reufattlr Mittwoch, den 24. April, hatten die Henleinleute eine Wählerversammlung nach Neusattl einberufen. Gegen 200 Arbeiter gingen ebenfalls in die Versammlung und warteten vor dem BersammlungSlokal. Sie schickten eine Deputation in den Saal, Mn zu fragen, ob sie Zutritt hätten. Das wurde bejaht. Als aber die ersten Arbeiter sich anschickten in daS Lokal zu gehen, wurden sie noch draußen auf dem Gang von Hen- leinordnern überfallen und mit Stuhlbeinen und anderen Gegenständen blutig geschlagen. Neudek: Donnerstag, den 25, April, mittag, traf Rudolf Sandner mit einer großen Anzahl gemieteter Ordner in Neudek ein. Um 1 Uhr mittags versammelte sich die fragivürdige Gesellschaft in der Turnhalle, wo auch Arbeiter in großer Anzahl angesammelt waren. Als plötzlich ein Gewitter loSbrach, suchten die Wartenden i n d e r Turnhalle Schutz. In diesem Augenblick begannen die Henleinordner plötzlich ohne jeden Grund mit Zaunlatten, Stöcken, Eisen st ücken und anderen Waffen auf die Arbeitereinzuschltagen. Es entwickelte sich eine große Schlägerei, in der es eine ganze AnzahlvonBerletzten gab, und der erst die Gendarmerie ein Eiche machte. Nochmals Neusattl: Samstag, den 27. April, konnte in Neusattl festgestellt werden, daß „Ordner" der SHF mitGaSpistolenaus- gerüstet sind. Der Gendarmerie gelang es bei dem Obmann der SHF in Neusattl, Lode, eine solch« Gaspistole zu beschlagnthmen. Außenminister Dr. BeneS spricht In Aussig Wir wir zuverlässig erfahren, hat sich über di« Initiative deS Aussiger Bezirkstildungsaus- fchnffeS Außenminister Dr. Benes bereit erklärt, am Dienstag, dem 14. Mai, in Aussig zu sprechen. Die Veranstaltung wird im Aussiger Volks» h a« S statlfindc». Die Vorbereitungen, die der schen Partei in das Abgeordnetenhaus geschickt. ES kandidiert weiters: Dr. MiltiadeS Kotrba, Sekretär des Jndu» striellenverbandeS als Listenführer ins Abgeordnetenhaus. Dr. Carl Kostka, Handelskammersekretär als Listenführer in den Senat. Dr. AloiS Knötig, Syndikus des Industrie!« lenverbandeS als Kandidat ins Abgeordnetenhaus. Gustav Pleskarz, Direktor der Mühlig- Union als Kandidat in die Landesvertretung. DaS sind die hervorragendsten Kandidaten des Sudetendeutschen Wahlblocks. Heinzendorf: Denselben Samstag, den 27. April, fand in Heinzendorf bei Braunau eine SHF-Versammlung statt, zu der die sozialdemokratischen Arbeiter eingeladen waren. In dieser Versammlung wurde unser Kreisvertrauensmann Genosse RambauSkeüberfallen und als ihn unsere Genossen schützten, drangen die SHF- Leute mit Gummiknüppeln, Schlagringen, Stahlruten und Messern auf die Arbeiter ein. Eine Reihe von sozialdemokratischen Arbeitern, darunter auch Genosse Rambauske, wurden verletzt. Dem Arzt» T>r. Girsch in Halbstadt, der zu Hilfe gerufen wurde, wurden die Autoreifen zerschnitten, damit die verwundeten Arbeiter nicht ärztlich behandelt werden können. Schnobolin: Ebenfalls am Samstag, den 27. April, wurde der Spitzenkandidat unserer Partei im Olmützer Wahlkreis, Genosse Rudolf Z i s ch k a, in Schnobolin bei Olmütz, in einerBer- sammlung von SHF-Leuten tätlich insultiert. Ein SHF-Mann hat ihm einen Stuhl überden Kopf geschlagen, so daß Zischka erhebliche Verletzungen davon trug.'Dafür hat dann Zischka den bei einem Autounfall verletzten SHF-Musikern beigestanden. Sozialdemokratische Menschlichkeit und Henleinsche Barbarei! Neuern: Sonntag, den 28. April, sand in Neuern eine SHF-Bersammlung statt, zu der die sozialdemokratische Arbeiterschaft ausdrücklich eingeladen war und wobei unserem Gegenredner eine Stunde Redezeit zugesichert war. Als nun die ersten unserer Genossen durch den Hausflur des Gasthauses Alünann zum Versammlungslokal gehen wollten, wurden sie von Henleinordnern ohne jeden Wortwechsel überfallen. Sechs unserer Genossen erlitten schwer« Kopfverletzungen, die von Schlagringen und Totschlägern herrühren. Auch Schlachtmefler, Gummiknüppel und Holzscheite lourden verwertet. Sternberg: Sonntag, den 28. April, kamen 50 SHF-Ordner auf Fahrrädern zum Arbeiterheim in Sternberg mit Steinen in den Taschen. Ein Arbeiter, der vor dem Heim stand, wurde überfallen und niedergeschlagen. Am 1. Mai wurde an mehreren Orten versucht unsere Maifeier zu stören, die Henleinpro« vokateure wurden aber raich zur Ruhe gebracht. Tnschkau: Für Freitag, den 3. Mai, hatte die SHF eine Versammlung in Tuschkau einberufen, zu der bereits am Borabend die Knüppelgarden Henleins eingetroffen waren. Die Gendarmerie erwartete die Helden auf dem Bahnhof und nahm eine Durchsuchung bei ihnen vor, welche eine ganze Reihe von Hieb- und Stichwaffen zu Tage förderte. 19 dieser Burschen wurden verhaftet und dem Bezirksgericht Tuschkau eingelie- fcrt, da sie besonders schwer bewaffnet waren. Stein grub: Als unsere Schönbacher Maidemonstranten auf dem Heimwege durch Steingrub marschierten, wurde auf sie ein Steinhagel eröffnet, wobei der 53jährige Genosse Fischer eine Kopfverletzung erlitt. Die Wunde ist drei Zentimeter sief. Außerdem wurden noch vier Genossen leichter verletzt. So viel vorläufig. Man braucht dieser Tatsachenschilderung kein Wort hinzuzufügen, um zu erkennen, wo die Terroristen in diesem Wahlkampf sind. BezirksbildnngSausschuß treffen wirb, werben in den nächsten Tage« bekannt gegeben«erde». Oesterrelchlsches Wien.(Tsch. P.-B.) Der gewesene Sicher« heitsministerimDollfußkabinett B a ch i n g e r, der wegen Mitschuld am natjo- nalsozialissischen P u t s ch im Juli 1934 im Gefängnis saß, wurde vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Henleins„Ordner" I 60 Messerhelden gegen einen sozialdemokratischen Arbeiter Aus Tachau wird uns berichtet: Unsere HesselSdorfer Genossen marschierten nach der Maikundgebung nachhause. In* Purschau verließ Genosse Johann P u tz l o- ch e r den Zug, um seine Pate zu begrüßen. Er beeilte sich, den Zug wieder einzuholen und benützte daher einen kürzeren Weg. Als er aus Purschau hinauSkam, bemerkte er, daß Wegelagerer der Heimatfront ihm auflauern. Als er näher kam, verlangten dies« Banditen von ihm, daß er seine rote Nelke entferne. Als er dieser Aufforderung nicht nachkam, schlug der Klempnermeister R a n d a aus Roßhaupt mit einem Stock auf ihn ein. Putzlocher rief um Hilfe. Seine Geschwister, die am Schlüsse des Hesselsdorfer Zuges gingen, eilten nun herbei, um ihn den Banditen zu entreißen. Die Henlein» banditen warfen darauf mit großen Steinen nach den Geschwistern des Johann Putzlocher, rissen Baumpfähle aus und hieben blindwütend auf sie ein. Rudolf Putzlocher erhielt einen Steinschlag, der ihm das Stirnbein zertrümmerte,«nd mehrere Messerstiche in den Kopf. Die Verletzungen sind sehr ernster Natur und er mußte sofort ins Be- zirkskrankenhauS in Behandlung gegeben wer den. Johann Putzlocher erhielt außer Schlägen mit Stöcken mehrere Messerstiche am Kopfe. Franz Putzlocher erhielt Arm- und Kopfstiche, Josef Putzlocher trug Stichwunden an Kopf, Rücken«nd Hand davon. Di« Braut deS Genossen Rudolf Putzlocher, Katharina Baumgart ner, erhielt einen Schlag mit einem Baumpfahl. Ihr wurde hiebei daö Auge ernst verletzt. Erst als auch die übrigen Hesselsdorfer herbeieilten, ergriffen die Straßenräuber die Flucht. Der Ortsführer Hatzbach aus Roßhaupt, der Bierverleger der Pilsner Aktienbrauerei ist, hat dis Obergauner zu ihrer blutigen Tat angeeifert. Besonders hervorgetan haben sich: Ra n d a, Klempnermeister, Keim, ein bekannter Messerheld, der vor nicht allzulanger Zeit sein Geschwisterkind erstochen hat, Wagner Franz» ein gefürchteter Messerheld und ein gewisser Rasch! a, Trafikant. Die Verletzten befinden sich all« in ärztlicher Behandlung. Die Gendarmerie hat die Messerhelden bereits verhaftet und dem KreiSgerichte in Eger eingeliefert. Der geistige Urheber dieser Bluttat sitzt aber noch zuhause. Die Arbefterschaft ist über diesen feigen Ueberfall auf das heftigste erregt. Wir können für daS, was folgt, keine Berantwor- V tung mehr übernehmen. Die Arbeiterschaft wird mft diesem Gesindel Abrechnung halten! Mit Eisenstangen In die Wühler« Versammlung 200 Henlein-Ordner aus dem Bezirk Teplitz «nd Du, wurden nach Langugest in di« am Sonntag, dem 5. Mai, nachmittags 5 Uhr, stattsindende Wählerversammlunq kommandiert. Ausgerüstet mit halbmetrigen Brech st angen, kamen di« Ordner der SHF nach Langugest. Wegen der erdrückenden Mehrheit der sozialdemokratischen Arbeiter von Langugest konnten sie mit ihren Brea»- stangen in der Versammlung nicht- ausrichten. Nach Schluß derselben haben die SHF-Ordner, und zwar Tandler, Oberkellner au- Brüx, K ö h l e r t auS OberleutenSdorf und Schreyer aus Brüx unfern Genosse» Riha überfallen. Di« Gendaremrie hat darauf die Verfolgung ausgenommen und die Täter verhaftet. Den drei genannten SHF-Ordnern wurden Eisenstangrn«b- genommen«nd die Helden selbst noch am selbe» Abend dem Bezirksgericht Dur eingeliefert. Der Aufmarsch der Parteien 16 Parteien kandidieren inS Abgeordneten haus, 15 in den Senat. Entsprechend den Beschlüssen der Zentralwahlkommission, die am Sonntag getagt hat, kandidieren ins Abgeordnetenhaus nachstehende Parteien: 1. Republikanische Partei der Landwirte, 2. Tschechoslowakische Sozialdemokraten, 3. Tschechoslowakisch« Nationalsozialisten, 4. Kommunisten, 5. Tschechoslowakische Bolkspartei, 6. Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, 7. Autonomistischer Block(Hlinkas Volkspartei, Slowakische Nationalpartei, Polnische Par tei), 8. Bund der Landwirte, 9. Deutsche christlichsoziale Volkspartei, 10. Tschechoftowakische Gewerbepartei» 11. Sudetendeutscher Wahlblock, magyarische Christlichsoziale und magyarische Nationalpartei. 12. Sudetendeutsche Partei(Henlein), 13. Nationale Fascistengemeinde, 14. Nationale Vereinigung der Beamten und Angestellten, 15. Wirtschaftsfront der Schuldner, 16. Nationale Vereinigung(Dr. Kramäk). In den Senat kandidiert um eine Partei weniger, uiw zwar ist dies die Nationale Vereinigung der Beamten und Angestellten. Arbeiter«nd Angestellte, glaubt ihr, daß der Jndustriellenvertand seine Leute inS Parlament schickt, um euere Interessen zu vertreten? Glaubt ihr, daß die Parteien des Jndustriellenvrrbandes, die Sudetendeutsche Partei Henleins und der Sudetendeutsche Wahlblock, euere Interesse« vertreten werden? Kein Arbeiter«nd kein Angestellter kann eine Partei wählen, welche von Sekretären des JndustriellenverbandeS geführt wird! Wer sind die Terroristen? Seit« 4 DienStag, 7. Mai 1935 Nr. 10$ Massenkundgebung ans dem Becherplatz in Karlsbad am 1. Mai 1935 Geschichte und Gesenwart Die Maifeier ans dem historischen Marktplatz in Mies. Tagcsncuigkcltcii Sechs Tote bei einem Bootsnnglück Wien. Am Sonntag hat sich nächst der Ortschaft Mitter-Arndorf, unterhalb Spitz in der Wachau auf der Donau» eine Bootskatastrophe ereigent, der sechs Menschenleben zum Opfer fielen. Eine Gesellschaft von 10 Personen, darunter 6 Wiener, wollte mit einer Zille den gegenwärtig infolge des Hochwassers sehr reißenden Donaustrom überqueren. Das Boot kenterte ulötz- lich und alle Insassen stürzten in das eiskalte Wasier. Vier von ihnen konnten gerettet werden, während die übrigen s echs Personen ertranken. Bisher konnte nur eine Leiche geborgen werden. Der gerettete 13ährige Gymnasiast Josef Schauer aus'Wien, hat beim Unglück Vater und Mutter verloren. Autounfall Flandins Paris. Der französische Ministerpräsident erlitt am Samstag, bei einem Autozusammen- swß einen dreifachen Armbruch. Der Ministerpräsident wurde in eine Klinik nach Neuilly gebracht. Das Auw, das denZusammenstoß verursachte, gehört dem Bürgermeister von Auxerre, dem Deputierten der Unabhängigen Linken R e- n a i t o u r, einem politischen Gegner Flandins in seinem Wahlkreis Donne. Das Auw, in dem der Deputierte Renaiwur saß, wurde von seinem Freunde gelenkt. Renaiwur brachw dem Ministerpräsidenten Flandin die erste Hilfe. Er befand sich auf der Reise zu einer Wahlversammlung, wo er eine Rede gegen die Politik Flandins halten wollte. An der vorgesehenen Versammlung nahm der Deputierte nach dem Unfall zwar teil, hielt aber seine Rede nicht. Dem Ministerpräsidenten Flandin kamen zahlreiche Kundgebungen der Anteilnahme aus dem Auslande zu, so u. a. auch vom tschechoswwakischen Außenminister Dr. Benes. Blutiger Streit Ujhorod. In der Gemeinde C h l u m e e, bei U z h o r o d traf der Gemeindeheger Georg gebot auf den Gemeindewiesen vier Pferde des Landwirtes Paul L e s k o an und wollte diese Wegführen. Lesko wollte dies nicht zugelassen, ent«riß dem Heger eine Hacke»nd streckte ihn mit zwei Hieben auf den Kopf nieder. Der Heger, der bereits zur Erde gesunken war, riß den Revolver hervor, erschoß den Landwirt. Der Heger wurde in das Krankenhaus nach Ujhorod gebracht. Grubenexplosion in Japan Tokw. In einer der Kohlengruben auf der Insel Hokkaido ereignete sich eine schwere Ex- pwswn. 84 Bergarbeiter werden vermißt. Ihre Rettung erscheint aussichtsws. Todesurteil gegen Venizelos Athen. Das Kriegsgericht hat am Sonntag Venizelos, Plastiras, Kundu- ros und Canakis in contumaciam d. h. in Abwesenheit) zum Tode verurteilt. Großer Fabriksbraud in Hohenelbe Hohenelbe. Einem Riesenbrande ist Sonntag nachmittags in Hohenelbe ein Großteil der Fabriksanlage der Firma Friedrich Stastny zum Opfer gefallen. Das Fabriksobjett ist eine ehemalige Eisengießerei und wurde später in eine Jutespinnerei und Weberei umgewandelt, die gegenwärtig in drei Schichten arbeitete und 330 Arbeiter beschäftigte. Der Brand wurde gegen dreiviertel 5 Uhr nachmittags bemertt, als aus dem hinteren Fabrikstrakt dichter Rauch aufstieg. Die sofort alarmierten Feuerwehren bemühten sich um die Eindämmung des Brandes und es gelang, den großen Spinnsaal und die anschließenden Gebäude sowie den vorderen Trakt und die Kesselanlage in letzter Minute vor den rasch um sich greifenden Flammen zu retten. Im rückwärtigen Trakt brannten die Spinnerei, die Schlichterei, die Appreturanstalt, Erdbeben auf Formosa Tokio. Aus der Provinz Schintschik, auf Formosa, werden neue heftige Erbeben gemeldet, die 19 T o d e s o f e r gefordert haben. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der 5. Klaffe der 32. Tschechoswwakischen Klaffenlottette wurden folgende Treffer gezogen: 20.000 K<5 die Lose Nr. 95498, 12647; 10.000 Kö die Lose Nr. 38237, 12438, 2382, 3628; 5000 K5 die Lose Nr. 97089, 84622, 62669, 82953, 70182, 72351, 9855, 44757, 12959 99683, 41815, 89917, 37824, 27589, 10789 29460, 78988, 102374, 13965, 71163; 2000 Kd die Lose Nr. 10708, 30, 76473, 85072, 90742, 47710, 75354, 89225, 70968, 73308, 40201, 67911, 771, 74877, 31420, 42046, 80821, 6650, 54767, 87898, 72052, 38924, 34080, 56391, 49694, 70533, 60064, 98488, 75993, 95914, 51474, 108859, 85679, 2709, 29091, 42258, 623, 8064, 91837, 18751, 7371, 20320, 54650, 65383, 77218, 71552, 102470, 98859, 89318, 11632, 87430, 28730, 31197, 32731, 19076, 95136, 57363, 46776, 724, 51683, 103968, 48461, 22568, 53215, 28922, 64836, 12104, 97637, 65138, 102782, 56860, 17080, 73460, 95629, 102374, 13965, 71163, 6135; Der„Führer" denunziert! Nach seiner Brünner Wählerversammluug„gewährte"— denn ein„Führer" teilt immer Gnaden aus— Henlein einem Mitarbeiter der„Sudetendeutschen Presse-Briefe", also einem Angestellten seiner Korrespondenz, eine Unterredung über„die Znai- mer Vorfälle", den bekannten heimatfascistischen Reichstagsbrand, das erdichtete Attentat auf ihn und seine Gefolgschaft. So wenig originell Henlein in seinen Reden, in seinen Versprechungen ist— das alles ist Made in Germany, so wenig originell in seinen Kampfmethoden gegen die „Marxisten". Auch das ist die Methode des„Dritten Reiches": den Nichtnazi zu denunzieren! Und so wie Hitler haßt auch sein sudetendeutscher Abklatsch vor allem die Emigranten. Also denunziert er bei dieser so gnädig gewährten Unterredung die Emigranten.„Nach zuverlässigen Meldungen" seien an den Znaimer Ereignissen, an der stürmischen Begrüßung Henleins durch die Antifascisten, „auch hervorragende Mitglieder der Znaimer Emigrantenkownie und noch dazu als Anführer und Instruktoren" beteiligt gewesen.„Nun, wir werden ja sehen", so denunzierte der Herr„Führer",„ob ich(Ich groß gesprochen) und meine Anhänger selbst landfremden Elementen ausgeliefert sind, die programmatisch den gewaltsamen Umsturz auch unserer gesellschaftlichen Zustände und der derzeit geltenden Verfassung wollen". Die „zuverlässigen Meldungen" sind natürlich so „echt" wie die Schüsse gegen Henleins Auto und wie des viel, aber nichtssagenden„Führers"Liebe zur Verfassung. Vorsichtshalber sprach er ja auch nur von der„derzeit geltenden" Verfassung— er wagt also an eine Aenderung der Verfassung zu denken, zu hoffen! Aber welche Vornehmheit des„ritterlichen" Nazihäuptlings, Emigranten zu denunzieren, mit aus der Lüft gegriffenen Behauptungen!„Landfremde Elemente" be- .schimpft einer, dem solche„Landfremde" gar nicht die Mangel, das Expedit und die Maschinen im ersten Stock die Näherei nieder. N i ch t d as Geringste konnte gerettet werden. Die Maschinen, Halbfabrikate und Fertigwaren sowie ungeheure Rohstoffvorräte nmrdrn ein Raub derFlammen. In derMangelei wurde erst vor drei Wochen ein neuer Kalander aufgestellt» der eine halbe Million Kronen kostete. Auch er wurde vernichtet. Die Decken sind ein- gestürzt» nur die Umfassungsmauern stehen noch. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt.. Der Materialschaden geht in die Millionen KL. Mehrere Feuerwehrleute erlitten Rauchvergiftungen und wurden in bewußtlosem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. so unbekannt sind! Der Hans Krebs zum Beispiel, der Lehrer Langhans, die heute im Dritten Reich gegen die Tschechoflowakische Republik hetzen, sind der Henlein-Partei gar gute Bekannte! Verwaltet doch die Partei das fascistische Erbe, das ihnen diese Helden, ehe sie sich als„landftemde Elemente" im Dritten Reich niederließen, zu tteuen Händen Übergaben! Wessen Partei so brüderliche Beziehungen zu solchen„Landfremden" hat, der sollte mtt Denunziationen gegen Emigranten nicht so bedenkenlos herumwerfen! Und ivenn er ein wenig an die Geschichte jenes Staates denkt, dessen Verfassung er als eine nur noch„derzeit geltende" wertet, könnttz ihm vielleicht zum Bewußtsein kommen, daß mitunter.„Landfremde" dieGe- stalter des künftigen Schicksals ihrer Heimat sind! Auch Präsident Masarhk und Minister Benes waren einmal„Landfremde Elemente" und waren es in manchen Ländern. Es kann aber auch Situationen geben, die zu„landfremden Elementen" Leute machen, die sich einbildeten,„Führer" von Völkern zu sein! Autounglück Jackie CooganS— sein Vater getötet. In der Umgebung der amerikanischen Stadt San Diego kam es zu einem Auwmobilunglück, das 3 Menschenleben forderte. Der Schauspieler Robert H o r n e r aus Los Angeles, der Filmschauspieler D u r k i n un. und der Vater des bekannten ugendlichen Filmschauspielers Jackie Coogan, John Coogan, wurden getötet. Jackie Coogan selbst wurde verletzt. Selbstmord. In Böhmisch Budweis verübte am Sonntag vormittag, im Lokal der städtischen Hauptwache, der 25jährige ledige Karl C e r- m ä k, Mitglied des Korps der.Sicherheitswache, Selbstmord. Er erschoß sich mit der Dienstpistole durch einen Schuft in den Kopf. Die Ursache des Selbstmordes wird itntersucht. Eifersnchtsattentat. Der 32jährige erwerbslose Hüttenarbeiter Peter Novobilsky aus der Misteker Gegend gab mehrere Revolverschüffe aus seine frühere Geliebte M. Moral und den sie begleitenden K o Z u s n i k ab, als sie Sonntag abends von einem Kirchweihfest in Staiik zurückkehrten. Beide wurden getroffen und sanken zu Boden, während Novobilfly in den Wald flüchtet. Die Gendarmerie nahm die Verfolgung auf. Novobilfly verschwand jedoch und kehrte gegen 22 Uhr in seine Wohnung zurück, wo er sich nieder- Belgrad. Die sonntägigen Wahlen haben der Partei des Ministerpräsidenten I e v- ti c den erwarteten und von allen amtlichen Stellen auch entsprechend vorbereiteten Erfolg gebracht. Bei einer Wahlbeteiligung von rund 73 Prozent erhielt die Liste Jevtik 1,738.400 Stimmen, die oppositionellen Listen Makek-Davi- d- v i k 1,063.250, L j o t i r 23.800 und M a- r i m o v i ü 32.700 Stimmen. Die Liste Jevtik erhält als relativ stärkste Partei von voniherein drei Fünftel aller legte. Als in der Nacht Novobilfly horte, daß sich Gendarmen seiner Behausung nähern, um ihn zu verhaften, schoß er sich in die Schläfe. Er wurde mst einer schweren Verletzung in das Krankenhaus in Mähr.-Ostrau gebracht, wo inzwischen auch die beiden lckengcnannten Personen eingeliefert worden waren. Die Verletzung der Hora! ist lebensgefährlich, da sie Schußwunden im Halst und im Gesicht aufweist, auch der Zustand Novo- bilskys ist ernst, während Kozusnik an der Schulter nur leicht verletzt wurde. Schreckenstat eines Irrsinnigen. In der Nähe von Janoshalka hat ein seit mehreren Jahren geistesgestörter 35jähriger Landwirt namens Georg Miskolczi eine furchtbare Tat verübt. Der Wahnsinnige erschlug beide Eltern und zerstückelte dann die Leichen. Der zum Besuch ein-, treffende Bruder benachrichtigte die Gendarmen, die den Irrsinnigen in eine Zwangsjacke steckte und abführte.. Marie Kaufmann-Hanl in Prag. In Begleitung ihres Anwaltes Dr. Zavkel ist Sonntag die im Mittelpunkte der Affäre des Scheckfälschers Kaufmann stehende Marie Hanl in Prag einge- troffen. Sie wurde Montag auf der Polizeidirektton einem zweistündigen Verhör unterworfen. Wenn der Reifen platzt. Am Montag fuhr kurz nach Mittag der 34jährige Handlungsvertreter Wolfgang Peter S i n g o w aus Prag aus der Staatsstraße von Deutsch-Brod in der Richtung gegen Prag. Bei der raschen Fahrt platzte ihm bei der Gemeinde Roznak die vordere Pneumatik seines Motorrades, die Maschine geriet dadurch ins Schleudern und Singow schlug m i t d e m K o p k an einen Baum, so daß er tot am Platze Rieb. Ehrung der Opfer der Kriegspersekutu«. Im Juni findet in Slawikowitz, bei Brünn, die festliche Enthüllung einer Gedenttafel für den Helden des tschechischen Abwehrkampfes, Lehrer Zikmund T r n k a statt, der am 10. Dezember 1914 vom Kriegsgericht in Vadovice zur Todesstrafe verutteilt wurde. Trnka wurde am selben Tage hingerichtet und auf dem Felde vor der Kaserne begraben. Trnka gehört mit Krawchvil und Kotek zu den ersten Opfern des tschechischen Abwehrkampfes. An dem Schulgebäude in Slawikowitz, die Trnka als Schüler besucht hat, wird eine Gedenktafel enthüllt werden. Das Befreiungsmal in Prag hat zugestimmt, daß die sterblichen Ueberreste Trnkas von der Stätte ihrer Erniedrigung in Badowitz exhuminiert und in feierlicher Weise im Mausoleum auf dem Friedhof im Cacoco bei Zborov beigesetzt werden. Vom Rundfunk tmplehleMwertes aus«len Programmen! Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Press«. 12.10: Leichte Musik, 15.55: Blasorchesterkonzert, 16.40: Jugendtheater: Die Roseninsel. 18.10! Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher, 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Willi Wanka! Das Dorf in der Demokratie, 18.40: Sozial« informattonen, 20: Dvokäk: Die Erben des Weißen Berges, Hymnus. Sender S: 14.20: Kon« zett des Musiksalonquattetts, 15: Deutsche Sen« düng: Kinderstunde, 15.35: Deutsche Presse.—• Brünn 12.15: Arbeitsmarkt und Sozialinforma» tionen, 17.45: Deutsche Sendung: Wenzel Hanisch! DaS Adlergebirge, 20.40: Glazunow: Ballettsze« neu.— Mährisch-Ostra« 19.40: Schallplatte»: Beethoven.— Preßburg 17: Klavier-Trio. Mandate«nd nimmt, da sie auch die absolutt Mehrheit erreicht hat, außerdem noch an der Verteilung der restlichen Mandate teil. Infolge dieser Brsttmmungen wird Jevtik etwa 315, di« Liste Makek dagegen nur 55 Mandate erhalten, während die beiden kleinsten Patteien überhaupt ausfallen. Dr. Makel erhielt in Agram 86 Prozent der Stimmen; in den übrigen größeren Städten schnitt die Opposition schlecht ab. Regierungssieg bei den Jugoslawischen Wahlen Är. 106 DienStag, 7. Mai 1935 Erite 5 Gerichtssaal Kampf«m das Staatsbürgerrecht ^’”e-emerken-wortt Entscheidung des Odersten B erw al tungsgerich les h. Prag. Montag erging vor einem Senat'es JJ?£li«n Verwaltungsgericht-(Vorsitzender Senats» ^lident Dr. Ehlich) eine bemerkenswert« Ein» 11.* Ul1,8 e’ net Staatsbürgerschaft-- k S- ist au- zahlreichen Angelegenheiten d'e» sL«rt hinlänglich bekannt, datz gerade in solcher Er“’’ die starre, auf dem Wortlaut de- Gesetzes Muhende Recht-auSlegung zu sonderbaren Konk<- ^»zen führt. I Im vorliegenden Fall hatte sowohl die L a n» ^fibehärde als auch da- Jnnenministe- «”m dem 41jährigen Prager Dozenten Dr. Josef ysi’ter die tschechoslowakische StaatÄürgerscha’t ruerkennen wollen, obwohl Dr. Hutter al- einer tschechischen Güterbeamten in Prag ge» wurde, hier auch die Volks», Mittel» und Das Regierungsjubiläum des englischen Königs l. London. Zu den mit ungewöhnlichem Glanze Zeremonien begangenen Nationalfeierlichkei- Maus Anlaß des silbernen Regierungsjubiläums britischen Königs Georg V. brachten schon Sj Sonntag, dem Bortage der Hauvtfeier, un» !^^e Autobusse, Züge, elektrische Straßenbah» > Ungeheure Massen von Zuschauern aus der I J’Wng rind der näheren Umgebung Londons s Hauptstadt. Die Straßen der inneren Stadt ! Aken im wahrsten Sinne des Wortes überfüllt. K 8 Fußgänger stauten sich besonders vor dem L^ülgshampalast zu Zehntausenden. Die Beratung in den Londoner Straßen vergrößerte üM^noch durch Manifestationen linksgerichteter ^-wnstranten, die mit einer mehrtägigen Ber- Wmg erst am Sonntag in der Umgebung des s Aöeparks den 1. Mai feierten und in geschlossen Reihen durch die Stadt zogen. Am Mon- i Al fuhr das Königspaar nach einem Dankgottes» I Mst in der St. Pauls-Kathedrale im Salon- ^?en langsam durch die Hauptstraße von West- .«ndon und durch die City, die alle von Fahnen, s Öligen, Guirlanden und BlunenarrangementS t Atzten und in denen sich die Menschenmassen ^.Unabsehbaren Spalieren drängten und wo sie den ersten Morgenstunden standen. Auf dem k Wege wurde der Festzug mit dem Königswar enthusiastisch begrüßt. i Bom Mann, der in Ronsperg«ine Woche frü- nr Kugeln pfeifen hörte, als sie in Znaim fielen; «der: Ballade aus den mährischen Wäldern Finster war's, der Mond schien helle, Schnee bedeckt die grüne Flnr, Als ein Wagen blitzesschnelle Langsam«m die Ecke fahr. Durch die Masten Weg sich bahnend Fuhr von Znaim er einsam los. Drinnen Männer, znkunftsohnend, Da sie völlig ahnungslos. Daß die Menschheit ganz entartet, Henlein wnßt'S im vorhinein. Ueberraschend wie erwartet Stellt sich da- Ereignis ein. Eine Kugel kam geflogen, Henlein sank beinah ins Grab, Davon legen stnmme Wälder Höchst beredtes ZengniS ab. Blitzschnell langsam vorwärtSgleitrnd j Kommt der Wagen niemals an: Da die Strecke«nbedentend. Man di»S leicht verstehen kann. Finster war'S, der Mond schien eben, And die Kngeln deS Verrats Treffe« wohlgezielt daneben, Weil dies Zweck des Attentats. Und im Dankten ist's gnt munkeln Schöpf'risch schöpft man bei Rächt, Wen« die Sternlei» trübe funkeln Unverdächtig den Verdacht. Eine Einschlnßöffmtng ründet Sich zum trefflichsten Beweis, Daß man, was man vorher kündet, Nachher z« erleben weiß. .(Aus der„B o l k S f r o n t", her Wahlzeitung “ fT Prager deutschen sozialdemokratischen Bezirks- Wlauisation.) . Giftige Cremeschnitten. Die zehnjährige i des Bauern Enzinger in St. Zeno fand Sonntag nachmittags auf der Straße ein gut i T^chnürtes Paket mit Kuchen, das sie mitnahm l 7^ zu Hause verzehrte. Nach kurzer Zeit zeig- k l? faG heftige Vergiftungserscheinungen, denen Kind Montag früh unter fürchterlichen I schmerzen erlag. Der ältere Bruder des Mäd- [?’’# und der 65jährige Großvater, die beide nur I bon dem Gebäck genossen hatten, erkrankten »'kichfalls schwer, sie befinden sich jedoch außer 5wensgefahr. Die Herkunft des Gebäcks— eS jubelt sich um sogenannte Cremeschnitten— ist M nicht bekannt. Auch steht bisher nicht fest, i es sich um verdorbene oder verfigtete Ware «adelte. Hochschule absolvierte und nach dem Umsturz als Reserveoffizier in den Verband der tschechoslowakischen Arme« ausgenommen worden war. Dr. Hutter war ferner anstandslos als Beamter des Minister» ratspräsidiumS angestellt worden und hatte eine Dozentur an der Karls-Universität erhalten. Als er aber zum besoldeten außerordentlichen Professor er- nannt werden sollte, fanden die Behörden, datz er eigentlich gar k.ein tschechoslowakischer Staatsbürger sei. Diese Anschauung der zuständigen Amtsstelle" stützte sich darauf, daß sein Großvater, der Militärarzt der österreichisch-ungarischen Armee war in Niederösterreich geboren wurde und seine letzten Dienstposten in der galizischen Garnison Pilzno befleidet hatte. Der Vater des Dr. Hutter haue zwar im Jahre 1912 das Prager Heimatrecht erworben, aber sowohl die Landesbehörde a.S auch daS Innenministerium beriefen sich darauf, datz solche Einbürgerungen nur bis zum Jahr« 1 9 1 k> den automatischen Erwerb der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft für die Nachkom- men begründen. HeimatSrechte, di? nach dem Jahre 1910 ans dem Gebiet der heutigen Tschechoslowakei verliehen wurden, seien nicht von selbst rechtS- wirkstnn, sondern hätten durch ein besonderer Gesuch-nach dem Umsturz erworben werden müssen. Ein solches Gesuch hat Dr. Hutter freilich nicht eingebracht und so stand er auf einmal, zehn Jahre nach dem Umsturz, trotz aller befleideten Staats- äntter und-Würden, als„Ausländer" da. Nach Erschöpfung des Instanzenzuy»S brachte der Anspruchsteller schlieUich die Beschwerde an das Oberste Verwaltungsgericht ein, daS mm endlich, nach achtJahre«, die Entscheidungen der Landesbehörde und deS Innenministeriums als ge-I setzwidrig aufhob. In den Gründen der| Entscheidung ist ausgesprochen, datz einzig und allein der Umstand maßgebend ist, datz der Anspruchsteller (bzw. dessen Ellern) am 16. Juli 19 20 das Heimatrechtin einer auf dem Gebiete der CSR gelegenen Gemeinde hattei, rb. Dr. Wien-Claudi unter Anklage nach dem Schutzgesetz Prag. Auf dem montägigen VerhandlungSpro- gramm deS Senates N e b u s k a stand eine Anklage gegen den bekannten Prager Rechtsanwalt Dr. Franz Wien-Claudi wegen Schmähung der Republik im Sinne des 8 15 des Schuhgesetzes. Dr. Wien-Claudi vertrat seinerzeit bei Durchführung der Bodenreform die Interessen der enteigneten adeligen Großgrundbesitzer gegenüber dem Botenamt. In einer Eingabe an das»Gemischte t s ch e ch o s l.o wakisch-ungarische Schiedsgericht" im Haag, in welcher di« Interessen des in mehreren Nachfolgestaaten reich be, güterten Herrn Alexander Pallavicini gegenüber dem Bodenamt verfochten wurden, waren Redewendungen«Mhalten, die die Prager Staatsanwaltschaft zum Anlaß nahm, gegen Dr. Wien-Claudi die Auflage wegen Schmähung der Republik zu erheben. Zu der für Montag anberaumten Verhandlung hatte sich Dr. Wien-Claudi nicht eingestellt uist> sein Vertreter legte ein ärzflicheS Zeugnis vor, mit dun Bemerken, datz der angeflagte Anwalt Wert darauf lege,"h selbst zu verteidigen, was ihm derzeit aus Gesundheitsrücksichten nicht möglich sei. Dit Verteidigung bewegt sich in der Richtung, datz die inkriminierten Ausdrücke die Grenzen berechtigter Krit'k, wie sie jedem Rechtsvertreter zustehen müsse, nickst überschritten habe. Di« Verhandlung wurde vertagt. Wir werden zum nächsten Verhandlungstermin ausführlicher über diese Sache referieren, rb. Panoptikum der gereimte« rmd ungereimten Ungereimtheiten Von Emil Machet Also, nur hereinspaziert, meine Damen und ; Herren! Das, was Sie in unserem Raritätenkabi- nett zu Gesicht bekommen werden, daS können Sie noch gar nirgends sonst gesehen Haden, wefl e- diese Dinge einfach— überhaupt nicht gibt! O lassen Sie mich in Anlehnung an den guten alten Goethe sagen: DaS Unbegreifliche— hier wird's Ereignis, daS llnwahrscheirüiche— hier wird' getan— das ewig Peinliche— hier sieht's dich an! Jawohl! Für ewig peinlich, weil nimmer gutzu- inachen. sind die von künstlerischer Schöpferkraft oft mit unfehlbarer Treffsicherheit inS Schtvarze treffenden Fehlleistungen, deren unvergängliche Deot- mäler Sie bei uns bestaunen, können,--.. DaS RaSober» Also, gleich hi«r am Eingang erblicken Sie, gewissermaßen al- modelliertes Motto unserer Schaustellung, die Plastik eines äußerst seltsamen Fabelwesens: überall da, wo andere Halbwegs ordentlich konstruierte Tier« ihre Gliedmaßen sitzen haben, sehen Sie an diesem Monstrum hier statt jedes Fußes eine— Ras«. Sein Vater ist der unsterbliche, aber trotzdem schon verstorbene Zauberpoet Christian Morgenstern, geboren wurde eS von dessen etwas hysterisch veranlagter Muse, und Geburtshelferin war daS bekannte, aber in Anbetracht seiner vielfach verpönten Eingriffe in den gesunden Menschenverstand nicht eben am besten beleumundete Fräulein Licentta Poetica. Gucken Sie«- nur an, das niedliche Geschöpfchen— ich meine das Rasenvieh da—, das der aufhorchenden Mitwelt von seinem Erzeuger folgendermaßen vovgesteklt ward: »Auf seinen Rasen schreitet einher da- Rasobcm, von seinem Kind begleitet. Es steht noch nicht im Brehm, «S steht noch nicht im Meyer und auch im Brockhaus nicht: es ttat aus meiner Leier zum erstenmal ans Licht." Aber, jener leider zu frühzeitig unter dem Horizont deS poettschen Firmament» untergegangene.Morgenstern" einer ultravioletten Musendämmerung hat sich seinem Publikum gegenüber vielleicht doch bloß einen ungebührlichen Scherz erlaubt, indem er sich darüber im flaren war, datz kein lebender Mutterleib je«in derartige- Nasenungeheuer zu gebären imstande wäre. Während also dieses Rasobem hier «inen beabsichtigten und darum gar nicht so üblen poettschen Eiertanz darstellt, bei dem man ja allerlei zoll- und straffreie Gedanken durch seine löbliche Schüsterkugel ziehen lassen darf, haben andere Gei- steShekden von Oktav-, von Quart- und sogar von Großformat, nicht minder wunderlich« Leistungen zuwege gebracht, ohne indes del halsbrecherischen Purzelbaumes ihrer verflixten Mus« gewahr geworden zu sei«. Schiller» Giftnattern Sehen Sie sich z. B. gleich diese Gruppe merkwürdiger Repttle hier an, über denen ballonartig aufgetriebene Leiber uns der geniale Schöpfer de- aparten Raubzeugs, nämlich kein Geringerer als ein gewisser Herr Johann Christoph Fttebttch v. Schiller, in seinem millionenmal auswendig gelernten Gedicht„Die Kraniche des JbhkuS" folgende Aufklärung gibt: „Da fieht man Schlangen hier und Ratter« die g i f t geschwollnen Bäuche blähn." Also, meine sehr Verehrten, das hat die Raturforschung bis zu der Schiller'schen Entdeckung nicht gewußt, daß die Schlangen ihr Gift im Bauch aufbewahren! Und wenn Sie»IS junge Menschen in der Schul« während einer gewissen Natur» geschicht-stunde nicht gerade gefehll hoben sollten, so werden Sie sich erinnern, damals gelernt zu haben, daß Rattern überhaupt ungiftige Schlangen sind, und nur die Vipern«der Ottern die ft gefürchteten Giftzähne und-Drüsen, allerdings nicht im Bauch, sondern im Oberkiefer, tragen. AeineS Zurbererbsen Hier habe ich eine besonder» sinnige Ueber- raschung für brave Hausfrauen, und zwar einen ganzen Waggon voll Zuckererbsen, die unser allgerneiner Freund Heinrich H ein e für die darbend« Menschheit.angesardert hat-^ Diese.Erbsen find deshalb so ungemein interessant, weil'sie, ganz entgegen allem naturwissenschaftlichen Anstand, rn Schoten stecke«, indom der Dichter sie in seinem „Renen Lied" ausdrücklich in solcher Gewandung mit den Worten verlangt hat: „Ja, Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen!" In diesem Zusammenhang müssen Sir nämlich, oder sollten Sie wenigsten- wissen, meine Herrschaften, daß in Wittlichleit Erbsen sowie Bohnen und alle übrigen, eben darum io benannten Hülsenfrüchtler ihre Samen nicht in Schoten, sondern in H ü.lsen zur Welt bringen. Ich bitte, da ist gar nichts zu lachen! Denn ein« Hülse ist eine einfächrige Springfrucht, wie Sie sie eben von Erbsen und Bohnen her genau kennen, während demgegenüber eine Schote zwei Fächer besitzt, die durch eine die Samen wagende Scheidewand voneinander getrennt sind, und etwa so ähnlich sich öffnet wie ein Regenschirm im Längsschnitt gedacht; solche Schotenfrüchte haben z. B. die Kreuzblütler, in deren Ordnung der bekannte Goldlack unserer Ziergärten gehört, dann daS als lästiges Unkaut sehr verbreitete Hirtentäschel, ferner unser Gemüsekohl, der bei unS Karfiol genannte Blumenkohl, der Rettich und noch so manche» andere mehr oder minder sympathisch« Gewächs. Bitte, meine Damen von der gastronomischen Fakuttät, legen Sie doch zur Reifezeit einmal Hüffen« und Schotenfrüchte nebeneinander und vergleichen Sie die beiden; Sie werden über die Unterschiede nur so staunen! Jede Rose ohne Dornen Und wett wir gerade bei den Pflanzen find, so zeige ich Ihnen hier auch gleich die, allerdings schon ziemlich abgegriffenen Rosen aus dem Sprichwort„Keine Rosen ohne Dornen", die in unserer Kuriositätensammlung deshalb nicht fthlen dürfen, weil sie in sonst keinem Garten, Treibhaus, Herbarium oder Museum vertteten sind. Und zwar au» dem Grunde, weil die Rosen— und dies sei zum Trost für die ewig bangenden Schmoller feier- lichst festgestellt— in Wirklichkeit samt und sonders dornenlos sind! Keine Ros« mit DorNenl O, glauben Sie beileibe nicht, datz ich Sie mit dieser Pflanz« pflanze! Mit Nichten! Denn das Gebilde, daS beim Brechen einer Rose sich heimtückisch in Ihren Finger bohrt, das ist kein Dorn, sondern rin — Stachel. Bitte, ich tteibe hier keine müßige Spielerei mit Dorten, vielmehr ist eS die Botanik, die die grundlegende Unterscheidung zwffchen Dorn und Stachel fordert. Der Pflanzenstachel ist nämlich ein Auswuchs der Blatt», Stengel- oder Stamm- oberhaut, wie z. B. ein Haar, und läßt sich darum von seiner Unterlage ganz leicht ablöse«. Probieren Sie eS einmal an der Rosei Dornen da« übler Mundgeruch wirkt abstoßend; mißfarbiae Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen schimmernden Elrenbeinalanz, ohne den Zahn» , schmelz zu beschädiflen.Tube K2 4*-. Inl. Erzeugnis. ' gegen find entweder umgewandelte Zweige, wie z. B. die Astdornen der Schlehe,»der aber umge- I bildete Blätter, wie etwa die Rebeichlattdornen | der bei uns fälschlich Akazie genannte Robinie; richtige Dornen lassen sich, weil sie aus dem inneren Hosz körper herauSwachsen, nur sehr schwer abbrechen oder ausreißen: bitte, sich auch hievon durch den Versuch selbst zu überzeugen! Ein ordnungswidriger Polyp Allein, ich bemerke, daß viele von Ihnen, immerfort ängstlich nach jenem monströsen Seeungeheuer dort hinübergucken; bitte, fürchten Sie sich nicht, eS tut Ihnen nichts. Affo, das ist em sogenannter Krake oder Seepolyp, der sich im höchsten Matz ordnungs- und polizeiwidrig benommen hat, nicht allein deshalb, weil man»Polizei" mit i schreibt, während der Herr Polyp anmatzenderweis« für sich ein Apsilon in Anspruch nimmt, sondern auch wegen seiner Länae von mehreren tausend Kilometern— nein, ich habe mich nicht versprochen—» und den wir dieserhalb einer ganz tüchtigen Abmagerungskur unterwerfen mutzten, um chn hter überhaupt unterbringen zu können. Aber, die’: unwahrscheinliche Rieftngrätze— ausgestreckt reicht der Kerl von England bis Brasilien—, die ihm sein Erzeuger, nämlich der Dichter Detlev v. Lilien» c r o n, wohl nur„honoris causa" verliehen h rr, hätte uns an sich noch nicht bewogen können, dieses Unikum in unsere Sammlung aufzunehmen, da wir uns um die Schlafzimmergeheimnisse, die die Her« ren Poeten mit ihren launenhaften Musen verbinden, grundsätzlich nicht zu bekümmern pflegen, solange die beiden ehrlich unter der Flagge der sogenannten dichterischen Freiheit ihren Pegasus retten. Wenn Sie indes die Fangarme dieses sonderbaren Kraken hier näher besehen, so finden Sie an deren Enden illegalerweise ungeheure Krallen, die narb der ministeriell approbierten Naturgesj/chte, Seiie 167, gar nicht zu den dortamtlich zugelassenen Bestandteilen eines anständigen Kraken gehören, und dieser bedauerliche Tatbestand ist es, der uns veranlaßt hat, jene- ausgewachsene Prachtexemplar von gereimter Ungereimtheit zu erwerben. Die wirflichen, zu den Kopffüßern gehörenden Kraken unserer Erdenmeere besitzen also, wie bereits verraten, keine Krallen, dafür aber eine ganze Menge von Saugnäpfen, die ihnen für ihre ethischen und sonstigen Zweck? vollauf genügen. Aber unser guter Deflev, der in Kiel am Mt«,das Nachts ' licht dieser Welt eblickt,"in Altona, Wenfalls am Meer, seinen späteren Wohnsitz hatte, und während seines Daseins somit sicherlich sehr viele Kraken zu Gesicht bekam, war eben nicht mit überragender zoologischer Beobachtungsgabe auSgestattet; über . dies war er von Beruf ein bewaffneter Soldat und darum wohl dürfte er unbewußt seinen Kraken über Gebühr bewaffnet haben. Also schrieb er in dem ansonsten ergreifend schönen Gedicht„Trutz, Blanke HanS": „Und wie sie drohend die Fäuste ballen, zieht leis aus dem Schlamm der Krake die Krallen." Mörchenlogik Jetzt kommen wir in die Abteilung»Unsinn im Märchen", wo wir all« jene Merkwürdigkeiten au-- stellen, die nicht gewollte Dichtung, sondern vielmehr der Wirllichkeit entnommen sein sollen. Hier stelle ich Ihnen gleich die berühmte Taube dec ehrbaren Jungfer Aschenbrödel vor; dieser Vogel besitzt die sicherlich lobenswerte Charaktereigenschaft, die schlechten Erbsen in sein Kröpfchen zu dm, während jede andere Taube aus Fleisch und Vlur die schlechten Samenkörner jeder Art unberührt lie- gen läßt und ausschließlich die guten frißt. Da wieder haben Sie sämtliche bekannten Bohnen arten, die deshalb eine Sehenswürdigkeit darstellen, weil sämtliche Stücke eine schwarze Bauchnaht aufwrisen. In dem Märchen, aus dem wir diese- Schaustück bezogen haben, wird nämlich erzählt, wie eine Bohne aus irgendeinem nichtigen und auch gar nicht so lächerlichen Anlaß derart unbäichig lachen mußte, datz sie platzte. Zufälliger- und ebenso glücklicherweise war der im holden Märchenlande Ehrenbürgerrechte genießende Deux ex machina, der die verdattert« Situation doch irgendwie retten mutzte, gleich zur Stelle, und zwar in der Gestalt eine- braven Schnetderleins, das der Aermütig gewesenen Bohne die geborstene Wampe wieder zurechtflickte. Wefl aber der gute Zwirn» fritze einen schwarzen Faden verwendet hatte, so haben mit zwingender Märchenlogik„sett jener Zeit alle Bohnen eine schwarze Naht", wohl al- sichtbaren Stempel ihrer Erbsünde.— Bitte, meine Damen, verlangen Sie doch mal bei Ihrem GreiSler c>d r in einer Samenhandlung solche Bohnen mit schwarzer Naht, aber tu» Sie ja Hein Gelübde, von nun ab nur mehr Schwarznahtbohnen zu genießen, denn Sie müßten dann wohl oder übel zeitlebens. ilf jeglichen Bohnengenutz verzichten, well«S derartiges Zeug in Wirllichkeit nichtgibt und bis nun auch keine Brücke aus unserer realen Wett der Taffachen nach jenen obskuren Bohnenspeichern deS Märchenlandes geschlagen ist. ,(Schluß folgt.) Seite 6 DienStag. 7. Mai 1935 Nr. 10« PRAGER ZEITUNG was noch und Der die um habe, daß die Kabine in einem oberen war und so in den sechs Meter tiefen gestürzt sei. Er, der Portier, habe ihn eines in der Pension beschäftigten Ma- Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit? Wollen Sie Ihren Urlaub schön und billig verbringen? In den Liftschacht gestürzt. Gestern erschien um 7 Uhr früh der Portier der Pension„Zum goldenen Weizen" am Wenzelsplatz, im Polizeikommissariat in der Krakauergaffe und gab an, daß der seit zwei Jahren in der Pension wohnende, 47jährige Goldschmied Isidor Frostik, der Sonntag um 3 Uhr nachmittags mit dem Lift habe in sein Zimmer hinauffahren wollen, beim Oeffnen der Aufzugstür übersehen Stockwerk Liftschacht Mit Hilfe schinenschloffers herausgezogen und aufs Zimmer geschafft, von wo er erst in den Abendstunden ins Sanatorium Dr. Borüvka gebracht worden sei. Er habe eine Gehirnerschütterung und mehrere Quetschungen erlitten. Nik im Dresdner Gefängnis Bon dem Prager Boxer NiL, deffen Verschwinden in Dresden gemeldet wurHe, ist endlich eine Nachricht gekommen. Auf die Anfrage des Konsulats in Dresden antwortete die dortige Polizei, daß Nie wegen einer Kriminalsache verhaftet wurde. Welcher Art sein Delikt ist, wurde nicht angegeben, es scheint sich jedoch um keine politische Angelegenheit zu handeln. Der Wechsel auf 1,800.000 Kronen Sonntag verhaftete, nach einer Nachricht des „Expreß", die Polizei einen Mann, der in Trunkenheit einen Exzeß verübt hatte. Auf der Wachstube wurde er einer Durchsuchung unterzogen, bei welcher di« verblüfften Wachmänner einen ord- nungsgemäß gestempelten Wechsel auf 1,800.000 Ak fanden, der die Unterschriften von Angehörigen einer bekannten Prager Familie trug. Ta dir Polizei der Sache begreiflicherweise nicht recht traute, holte sie sofort Erkundigungen ein. Zu ihrer neuerlichen Ueberraschung erwies sich, daß der Wechsel echt und der angeheiterte Herr im Arrest sein rechtmäßiger Besitzer ist. Nicht einmal für die Aufregung und die überflüssige Arbeit der Wachleute kann man ihn haftbar machen. Deutschdemokraten und Jndustriellenverband Dr. Wiltiades Kotrba, der»neue Mann* So wurde der Prager Spitzenkandidat der mit Müh und Not doch endlich zur Kandidatur gelangten DAWG von einigen Blättern genannt. Ganz zu Unrecht. Der Herr Dr. Kotrba nimmt im öffentlichen Leben unseres Landes eine solch« Stellung ein, daß sein Name sich längst weiten Kreisen eingeprägt hat. Er ist Sekretär des Hauptverbandes der Industrie. Dieser Verband entfaltet eine recht umfangreiche Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten und beschäftigt Sekretäre in jedem seiner Arbeitszweige: da gibt es Spezialisten für die Behandlung aller Probleme der Produktion, für steuertechnische, verkehrstechnische, für Kartellfragen usw. Die Wirksamkeit des Herrn MiltiadesKotrba liegt auf keinem dieser technisch-organisatorischen Gebiete. Er ist vielmehr viel mehr, nämlich der Sekretär der sogenannten Ar- beitgeber-Hauptstelle, der Fachberater des Jndustriellenver- bandes für alle Fragen des Arbeitsverhältnisses, hat also die ganz spezielle Funktion, den Verband in seiner Eigenschaft als Ausbeute rorganisation auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Dieser seiner hauptberuflichen Tätigkeit ganz gemäß, gibt Herr Dr. Kotrba auch schon in einem Ein guter Zweck! Am Sonntag mittag verteilten die Gajda-Faseisten am Wenzelsplatz und in den anliegenden Gaffen eifrig Flugblätter, in denen für eine Versammlung der Fascisten-Gemeinde Propaganda gemacht wurde. Tter Putschgeneral persönlich wurde als Redner angekündigt. Die Reklamezettel waren jedoch wenig begehrt und ein wahrer Papierregen ergoß sich auf die Straßen. Im Stadtpark konnte man kurz darauf drei, vier Leute beobachten, die das auf den Wegen liegende Papier des Generals Gajda sorgfältig wieder aufsammelten. Zuerst konnte man annehmen, daß die Gajda-Leute ihr verschmähtes Werbematerial wieder einsammeln ließen. Das war jedoch ein Irrtum. Es waren Arbeitslose, die auf die gute Idee gekommen waren, die fascistischen Flugzettel für ein paar Heller den Verwaltern der Bedürfnishäuschen anzubieten.— Und so kam es, daß selbst die Fasci- stenbMter wider alle Absicht einen gutem Zwecke dienstbar gemacht wurden I Selbstmord eines StaiSrottmeisters. Am 8. Mai entleibte sich im Divisionskrankenhaus in Prag II., Karlsplatz, durch einen Schuß aus seinem Dienstrevolver, der gegen den Kopf gezielt war, der Stabsrottmeister des Rechnungsdienstes Vaclav S e f l vom Artillerie-Regiment Nr. 151. Stabs- rottmeister Sefl befand sich seit dem Monate Jänner d. I. in der Pflege des Divisionskrankenhauses und litt sichtlich an der fixen Idee, an einem KrebS- leiden erkrankt zu sein. Trotzdem er mehrmals röntgenisiert wurde und der Röntgenbefund negativ wat und ihm auch die Anstältsärzte ausdrücklich versichert hatten, daß er nicht an Krebs leide, ließ sich Stabsrottmeifter Sefl nicht überzeugen und verbarg sich am Sonntag morgens hinter eine kleine Mauer bei der Totenkammer, wo er etwa eine Stunde nach der Tat. tot aüßgefunden wurde-% Scheinkandidatur Professor Gesemauus Unter den zahlreichen merkwürdigen Kandidaturen, die die verschiedenen bürgerlichen Parteien der Prager Wählerschaft präsentieren, findet sich eine besonders merkwürdige: die des Herrn Prof. GerhardGesemannander Spitze der Liste der Sudetendeutschen Partei(SHF). Herr Prof. Gesemann wurde von Henlein als Listenführer für Prag aufgestellt, obwohl— oder besser weil— er wußte, daß Gesemann nicht gewillt ist, ein eventuelles Mandat au chtat sächlich anzunehmen. Wir entnehmen der„Volksfront", Zeitung für die Deutschen Prags, den Wortlaut des Briefes, mit welchem Gesemann sich mit Henlein über Sinn und Zweck seiner Kandidatur verständigt hat. Der Brief ist auf dem Briefpapier der Deutschen Universität geschrieben und stammt aus dem April dieses Jahres(nicht, wie es in der Veröffentlichung, offenbar infolge eines Druckfehlers, hieß, aus dem Jahre 1934). Er enthält somit die Stellungnahme Prof. Gesemanns unmittelbar vor seiner Aufstellung. Der(Pro) Rektor der Deutschen Universität in Prag. 10. IV. 1935. Sehr geehrter Herr Henlein! Das Vertrauen, das Sie in meine Person setzen, rührt mich sehr. Es macht mich von Herzen glücklich, mit Ihnen für unser sudetendeutsches Volk zusammenarbeiten zu können, aber die Gründe, die zu meiner ersten Ablehnung eines A b- geordnetenmandates geführt haben, bestehen weiter. Wenn ich nach meiner Rückkehr von der Oesterreise die Freude haben könnte, Sie auch persönlich kennenzulernrn, so möchte ich Ihnen diese Gründe noch einmal persönlich anseinandersetzen. Ich bin aber gern« be reit, mich von Ihnen als Wahlwerber führen zu lasse«, und stelle Ihnen für diesen Zweck künftig meinen guten Willen und meine Gesinnung voll zur Verfügung. Ich bin mit aufrichtiger Hochachtung und deutschem Gruß Ihr Gerhard Gesemann. Der Grund für diese Scheinkandidatur liegt auf der Hand, wenn man weiß, daß in der Kandidatenliste der Henleinpartei auf Prof. Gesemann Dr. Gustav Peters folgt. Peters ist erst vor kurzem von der DAWG zu Henlein übergelaufen, weswegen er sich bei der Prager Wählerschaft recht' geteilter Beliebtheit erfreut. Sem Frontwechsel vollzog sich unter so merkwürdigen Umständen, daß die„Bohemia" ihn, ihren langjährigen politischen Redakteur und Lestartikler, seit einiger Zeit zur journalistsschen Betätigung nicht mehr zuließ. Offenbar bestanden aber auch bei den Henleinleuten selbst— wie das ja Neophyten gegenüber der Fall zu sein pflegt— Einwände gegen Dr. Peters, den man daher nicht an auffallender Stelle kandidieren wollte. Das Unglaubliche ist nun, daß Herr Prof. Gesemann„seine Arbeitskraft, seinen guten Willen und seine Gesinnung voll zur Verfügung stellt" nicht etwa, um Herrn Henlein in seinen hehren Zielen zu unterstützen, sondern um ihm bei der Verschleierung einer etwas peinlichen Kandidatur behilf- lichzusein, während Herr T«r. Peters, der sich einst zur Führung einer durch ihn erneuerten sudetendeutschen Politik berufen fühlte, nun noch froh ist, durch ein Hintertür! in sie hineingeschmuggelt zu werden. Es sind wirklich etwas sonderbare Wege, auf denen sich der Aufbruch der Nation vollzieht. Sport• Spiel• Körperpflege Liga beinahe„fotmgemSfc* Sparta schlägt DFC 5:1(2:0) Dem DFC„liegt" die Sparta nicht und diese Meinung bestätigte sich wiederum. Das sollte aber nicht AiÄaß sein, sozusagen kampflos die Punkte zu liefern. Sparta war wohl Favorit und hat auch verdient gewonnen, doch der DFC machte es ihr sehr leicht, denn eine Formation nach der anderen baute mit fortschreitendem Spiel in den Leistungen ab. Jedenfalls bewies die Mannschaft des DFC, daß sie kein Selbstvertrauen hat und solche Teams sind schließlich kein Hindernis für den Gegner, jedoch schadet es sich selbst— und das zeigte das„Gespiele" des DFC diesmal fast ausnahmslos. Slavia gegen TFK 3:0(2:0) In Teplitz ging der Punktekampf dieser beide« Vereine unter lauter„Anteilnahme" der Zuschauer vor sich und das Fazit war, daß der Slaviaverteidi- ger Zenisek zur Strecke gebracht wurde. Bei einem Kampf um den Ball mit dem Teplitzer Pally zog Artikelchen in einem Prager Blatt bekannt, ihm als die Hauptaufgabe des Parlamentarismus erscheint: „Die schwer verschuldeten Unternehmen und ihre kurzarbeitenden oder feiernden Mitarbeiter stellen eine auf Tod nmd Leben befundene Gemeinschaft dar... Man gebe der freien Berein- barung zwischen den Beteiligten den Vorzug vor bürokratischen.Verordnungen, die niemals den so verschiedenartigen Verhältnissen des Einzelfalles gerecht werden können..." Man gebe! Man gebe die gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitszeit auf, über Arbeiterschutz, über Kündigungsfristen, Remunerationen und was es sonst noch an bürokrattschen Machwerken gibt, die den Verhältnissen des Einzelfalles nicht gerecht werden! Man gebe Ruhe mit Kollektivverträgen und Angestelltenurlaubenl Der Herr Kotrba wird in gerechterer Würdigung der Umstände des Einzelfalles lieber selber verhandeln. Bürokrattschen Uebereifer auf diesem Gebiete hält er für schädlich und er ist dagegen. Wäre er es nicht, so verstieße er ja auch gegen seine Berufspflicht, er bezieht ja sein Gehalt für solche Gegnerschaft. Die DAWG gibt gerade ein Wahlflugblatt mit der Parole„für ehrliche Politik" heraus; man kann ihrem Kandidaten die Ehrlichkeit nicht absprechen, der so treuherzig in den Aufgaben seines privaten Berufs den Sinn der parlamentarischen Berufung erblickt. Die Sicherheit des Blicks, mit der da die Herren aus dem Umkreis des Deutschen Hauses der in ihrer überwiegenden Mehrheit aus Angestellten bestehenden deutschen Wählerschaft Prags den geeignetesten Kandidaten ausgesucht haben, kommt nur noch der Sicherheit des Mandats gleich, auf das der Herr Sekretär reflekttert. Uebrigens ist das eine Mandat, das sie nicht haben werden, auch schon umstritten; es ist neben dem Herrn Kotrba noch ein zweiter Anwärter da: Herr Dr. Alois Knötig, Bürgermeister von Warndorf und— Ehrlichkeit steht der DAWG über allem— Stu dikus des Judu- striellenverbandesl das waren eben die Brüimer. Bohemians— weiter Abstiegskandidat In Proßnitz konnten sich die Prager infolge^ Weichheit ihres Sturmes nicht durchsetzen. Die PrH nitzer Mannschaft zeigte ein ausgeglichenes und gewann verdient mit 3:1(1:0). AFK Kokin schlägt Cechie Karlin 2:1(2:0) In diesem Samstag-Spiel hatten die Karlins noch dazu auf eigenem Platz, arges Pech. Eiirl ihrer Verteidiger verletzt« sich selbst und mußte& treten. Die Koliner kämpften verbissen um den S'H. der ihnen zwar zufiel, aber sie doch noch nicht bH f Abstieg wegbrachte. Kunst und wissen Wagner-Zyklus. Als dritter Abend des vom Prager Deutschen Theater zur Zeit veranstalte- ten Wagner-Zyklus ging Samstag abend die roman- ttsche Oper„Tannhäuser" in Szene. Bei dem notorischen Kapellmeister-Mangel, an dem unser Theater leidet, mußte ein Gastdirigent die musikalische Leitung der Oper übernehmen: Herr Dr. Robert K o l i S k o, der vor Jahren am Prager Deutschen Theater als Kapellmeister wirkte und zuletzt in Zürich tätig war. Koliskos Stabführungskunst ist während seiner Abwesenheit von Prag reifer und sicherer geworden; vor allem ihre Gewandtheit, Ruhe und Routtn« imponiert, die auch gefährlichen Situationen so gewachsen ist, daß es zu keinem wirklichen Unfall kommt. In der Rolle der Venus sah und hörte man als Gast Frau Fine R e i ch-D ö r i ch, eine Göttin der Liebe, deren illusionsvollkommenes, lebendig um Tannhäusers Besitz bemühtes Spiel durch den blühenden Glanz der Stimm« und deren in Aussprache. Tondynamik und Tonkultur vorbildliche Führung wirksamst unterstützt wird. Sehr schöne und vor allem stimmlich bedeutende Leistungen boten in dieser .Tannhäuser"-Aufführung noch: Frl. Hilde Kone tz n i als Elisabeth und Adolf F i s ch e r als Tannhäuser. Den am Sängerkrieg auf der Wartburg beteiligten Minnesängern empfehlen wir besseres Studium ihrer Partien, damit sie die Bewegung der Hand beim Harfenspiel in entsprechenden Einklang mtt der Begleitmusik bringen. E. I. „Die Jungfrau", eine Komödie von FrantiZrk Z a v r e l, wurde im Ständetheater am 4. Mai ur- ausgeführt. Bor mehreren Jahren hatte Zavtel einige Dramen geschrieben, in denen er die Idee d:Z »starken Mannes" vertrat; durch Mißerfolg verärgert, schwor er, nie mehr für die Bühne zu schreiben. Er hätte sein Wort halten sollen. Denn seine Komödie„Die Jungfrau", die die Prager gute Gesellschaft geißeln sollte, ihre Geldsucht und moralische Verkommenheit, blieb auf der Oberfläche haften. Wäder. die maraltsterWiM Tiraden» noch der iai Meilen Akte angeschlagene leichte Ton, noch M3 durchsichtige Ende, an das niemand vom Anfang an zweifelte, konnten die Ideenlosigkeit des Stückes verbergen. Ein junges, nicht gänzlich unverdorbenes Mädchen(von Frau Schejbalovä gespielt) will sich zweier Freier erwehren und erklärt, sie fühle sich Mutter. Doch weder die Freier, die Familie(Großmutter, Mutter, Vater Cousine) nehmen diese Erklärung tragisch. Kellner Hilst— spioniert aus, weshalb Freier so beharrlich waren— es geht GoÜifelder in Südböhmen— und gewinnt die Hand dieser körperlichen Jungfrau. Der drei Aste lang gepfändet« Vater ist gerettet, die Bösewichte be- strast und die Gesellschaft unterhält sich weiter. Das anspruchslos« Publikum hat die meist geschmacklosen Witze unterhaltend gefunden. Die Regie der Ausstattung war nicht allzugroß, die Aufführung hochsommerlich. m. i. Spielplan des Deutschen Theaters. Dienstag 148: Das unbekannte Mäd ch.en, A 2.— Mittwoch halb 8: Die Fledermaus, Bl.— Donnerstag halb 8: WagnerzykluS IV, Der fliegende Holländer, C 2,— Freitag halb 8: DieKleinstädter, D 1.— Samstag halb 8: Madame Butterfly, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag 8: Nacht vor dem Ultimo, volkstümliche Vorstellung.-— Mittwoch halb 8 Uhr: Meine ' Cousine aus Warschau, neuinszeniert. ,— Donnerstag 8 Uhr: Charleys Tante. .—' Freitag 8 Uhr: Meine Cousine , aus Warschau, Kulturverbandsfreunde und • freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Charleys . Tante. der Prager den kürzeren und wurde mit einN doppelten Schienbeinbruch ins KranNs Haus geschafft. DaS Pilsener Derby torlos Viktoria war wohl die technisch bessere und ind überlegene Mannschaft, aber ihre Stürmer bann kein Glück. Sogar ein Elfer wurde vergeben. SK war die Verteidigung sowie der Tormann$ gut. Zideuicr gegen SK Kladno 2:0(2:0) Die Brünner kämpften um die Teilnahme dem Mitropacup und ihr Sieg über die Kladnoer I* 1 diese gefestigt. Es war ein ziemlich ausgeglichen!! Kampf, in dem die glücklichere Mannschaft gewH und Bei erstkl. Einrichtung, Fürsorge und U Bedienung sind wir wirklich billig. S In BohdaneC erwartet Sie Genesung■ und Erholung. 3000■ Saison 2. Mai bis 30. Septetaber I M„.M„ah*hlnannaen*«ei Zustellung in» Saus oder bei Bezug durch die Bost monatlich US IS.—, vierteljährig Kd 48.— halbjährig Kd SS—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden «ti öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskrwten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wurde von der Post- und Teie Tarrf billigst berechnet,«ei oberen iz,s00/viMS30 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag, Aus der Partei j Prager Genossinnen und Genosst Diejenigen Genossinnen und Genossen, bereit sind, für die Partei in der Mahlzeit sch/", liche Arbeiten zu leisten, ersuchen wir, sich Tag nach 5 Nhr nachmittag im Parteihcim eWK finden. Tue jeder seine Pflicht! An» de« Divisionen DFB: In Brünn gewann der DW8 über sei"s? Troppauer Namensvetter 4:0(2:0). TroppaU V I damit Tabellenletzter geworden. Mittelbihmen: Viktoria Zizkov gegen LibestöH NusÄsky SK gegen CAFC 3:1, Sparta Kosit Sparta Kladno 0:1, Meteor VlII gegen CcchosloeH I Kosik 2:0, Rapid gegen Cechie Vlll 5:0, Räuden! I gegen Liffa 1:1.\ Böhmen-Land: Nachod gegen Horowitz CSK B.-Budweis gegen Kopisty 5:0, Königs^ gegen Jungbunzlauer SK 2:1, Petrin gegen dickitz 4:3, Rakonitz gegen Olympia Pilsen i* Königinhof gegen Rokitzan 3:0. Mähren-Schlesien: Mor. Slavia gegen Da Zlin 5:1, Schles.-Ostrau gegen Han. Slavia 8A Polonia Karwin gegen Kral. Pole 5:2, Prerau Huffowitz 8:1. Der DFB-Meister TSB Saaz wurde Samstag in B.« Leipa vom dortigen DSB M 2:3(1:2) geschlagen, dagegen gewannen die SatW am Sonntag in Lobositz gegen den neuen WH gaumeister Lobositzer FK 6:0. iS Sonstige Fußballergebniffr. Karlsbad: gegen Cechie Karlin 4:1(0:0).— Brüx: gegen DFK Aussig 4:0(2:0).— Komota^ DFK gegen Schwach« Brüx 6:3(2:1).— Ga" l 0 nz: BSK gegen DSV Trautenau 3:1(2:1)-'' Reichenberg: RFK gegen Sportbrüder BeM 3:1(1:1).— Jglau: DFC gegen Brünner W 0:0.—- Budapest: Ujpest gegen Soroksar der Sieger ist nun Meister; FerencbaroS gegen V Bezirk 6:2, Hungaria gegen Budat 1:0.— W iW in der neuen Rekordzeit von 32:32.8 vor Kos-'i (Slavia) in 32:57.8 Min. gewonnen. jR Die Tennismeisterschaften der Tschechossowa" wurden am Sonntag in Prag beendet. Im ÄS ner-Einzel blieb R. Menzel siegreich, der im kampf den Italiener Palmieri 6:2, 6:2, 6:1 WZ Das Männer-Doppel gewannen Menzel—E gegen Malekek—Artens. Bei den Frauen siegte A Einzel Hein-Müller(Karlsbad) und im Doppel M Paar Svbotka—Graus. Das gemischte Doppelt? an Walter—Gabrovits. BezirkSfrauenkomttee Prag. Heute tag, den 7. Mai. um 7 Uhr abends im Partei^, wichtige Sitzung. Erscheinet alle! Sozialistische Jugend, Kreis S'Ä Mittwoch, den 8. Mai, 8'M abends: SJ Zentrum: Kampf gegen Henlein.—•-.4 Holleschowitz: Unser Kampf