15 Jahrgang dir. 110 Samstag, 11. Mai 1935 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER 1SCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova a. Telefon soft. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Einzelpreis 70 Heller (.imchli.Slich 5 Hell« Forts) Der Gipfel der Verlumpuns Das sudetendeutsche Arbeitervolk müßte das Denken verlernt haben und geistig unter dem Niveau eines chinefischen Kuli stehen, wenn es diese« Betrug nicht durchschaute! So wird verleumdet: Als Gegenstück zu der noblen Gastfreundschaft, die Herr Henlein bei den nordböhmischen Großgrundbesitzern genossen hat, und als Beweis der moralischen Verlotterung der deutschböhmischen Schriftleiterpresse zitieren wir nachstehend Übernachtete Henlein mit seinem engeren Gefolge— es sind dies nicht lveniger als zwölf Personen— in dem Straßdorfer Forsthaus des E x- grafen Waldstein, von dem die »Lidovs Noviny" berichte«, daß er seine Angestellten in die sudetendeutsche Fascistenpartei hineinzwingt. Insgesamt fünfzehn Heger wurden aufgeboten, um das Forsthaus in weitem stmkreis zu bewachen, da- mit der Schlaf des wahrlich„teueren" Führers und seiner Trabanten nicht gestört werde. V Jeder Arbeiter- oder Bauernführer, für den Großgrundbesitz auch nur einen winzigen vruchtejl eines solchen GetueS aufwenden würde, W beim Besuche eine? Erzherzogs, wäre am Ochsten Tage bei der Bevölkerung unmöglich. c' 1' Fascisten aber dürfen sich solche Provokationen hungernden Volkes bieten und sie haben noch 'E Stirne, in ihrer Presse eine schändliche Hetze Henleinordner bedroht Sozialdemokratischen Funktionär In Trauten«» steht eine Gllde Dorischer Trunken- und Raufbolde im Dienste der SHF, die allein schon di« L^rtei charakterisiert, für die sie Listig" Einer von ihnen, namens Arant, ?g»n Mittwoch abend vor die Fenster 7* Wohnung des Genossen!l« g e r, weres langjährigen Kreis vertrauens, v^nnes, der am 1. Juni als leitender ^amter nach Römerstadt geht, und rief N z«, daß man ihm die Fenster einklagen und vor. seinem Weggange Trautenau noch zeigen werde, wie- es nunmehr geschlagen habe. Das wie gesagt, laut und für alle De- ^buer der umliegende« Häuser die„St. Joachimsthaler Zeitung" vom 8. Mai: „Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben noch nie etwas für die deutschen Fabriksarbeiter getan. Das was getan wurde, haben die Abgeordneten anderer Parteien in hartem Ringen erkämpft. Als es aber erkämpft w-P:, haben sich die sozialdemokratischen Bonzen, die nie Arbeiter waren, mit den Errungenschaften anderer gebrüstet. Sie haben nichts anderes getan, diese roten Bonzen, als Euer sauer verdientes Geld verpraßt, haben sich Billen und Automobile gekauft, haben die vornehmsten Kurorte besucht, tragen die teuersten Toiletten, Pelze, und Brillanten, um die deutsche Arbeiterschast aber haben sie sich den blauen Teufel gekümmert." So wird eß gemacht: Die Autos Henleins die Billen seiner Geld- und Ona^tiergeber die Brillanten, die Göring seiner Braut und und schenkte, sie werden einfach den roten Bonzen angedreht. Die Leistungen der Sozialdemokratie für die Arbeiterschast werden dem „harten Ringen" der bürgerlichen Abgeordneten zugeschrieben. Das wagt man nach der fünfeinhalbjährigen übermenschlichen Leistung unseres Dr. Czech und seiner Mitarbeiter dem Volke horzusetzen. Das ist kein politischer Kampf mehr, das ist bis zum Irrsinn gesteigerter Haß gegen die Arbeiterbewegung, das ist der s cham- loseste V o l k s b e t r u g, der je auf unserem Boden verübt wurde! Henlein reist wie ein Fürst durch das Land, verkehrt In Grafenschlössern, läßt sich noch im Schlaf von Hegern bewachen— und seine Presse treibt verleumderische Bonzenhetze Und diesen schamlosen Betrug soll sich das Volk gefallen lassen? Frauen kämpft für euer Lebensrecht! Die Frau hatte stets gegen eine Welt von Vorurteilen zu kämpfen. Sie hat es noch. Frau in der Demokratie bedeutet heute noch immer nicht: unabhängige, auf sich selbst gestellte, nur sich selbst verantwortungsbewußte Frau. Solange Demokratie den Wirtschaftsformen des Kapitalismus unterstellt ist, ergeben sich— und nicht nur für die Frau—- jene zwangsläufigen ökonomischen Abhängigkeiten, die zugleich mit einer Kette von intellektuellen und seelischen Abhängigkeiten verbunden sind. Trotzdem muß festgestellt werden: die Demokratie hat wesentlich zur Menschlichkeits- und Persönlichkeitsentwicklung der Frau beigetragen. Vieles ist im Ansatz stecken geblieben. Doch erst jetzt, da wir Bergleichsmöglichkeiten zwischen demokratisch und diktatorisch regierten Staaten haben, erkennen wir den grundlegenden Wesensunter- schicd. Die Demokratie will die Befreiung der Frau. Sie will ihr die Möglichkeiten geben, sich nach Begabung, Charakter und Veranlagung hin zu entfalten. Sie will sie aus Enge und Unpersönlichkeitssphäre herausnehmen. Die Demokratie kämpft um Neuformungen politischer und gesellschaftlicher Institutionen. Der Faseismus— gleichzusetzen mit Reaktion— will in allem das Gegenteil! Die. Frauenfrage in Hitler-Deutschland wird vom Rasse- und Zuchtgedanken beherrscht. Ebenso wie in den anderen, teils vom Kleriko- teils vom monopolkapitalistischen Faseismus beherrschten Staaten, gesteht man. der Frau noch rein biologische Funktionen zu. Sonst nichts. Trotz diesem unverhüllten Willen zur schlimmsten Reaktion ist eö dem FasciSmuS gelungen, einen Teil der Fräuen für sich zu gewinnen. Eine interessante Feststellung, die anregt, sich mit den Ursache» näher zu beschäftigen. Sie sind jedoch leicht zu ergründen. Denn: noch immer wird ein Teil der Weiblichkeit von dem Sklavinnen-Gedanken, Magd und Dienerin zu sein, beherrscht. Viele Frauen und Mädchen fühlen sich auch von der verschwommenen Mystik, dem un- stlaren Heldengeschwdrme, von gewisser äußerer Prachtentfaltung, von den Schaustellungen und dem Gepränge angezogen. Bei einer anderen Kategorie steckt auch sehr viel reale Sehnsucht dahinter. Da ist z. B. die Büromüdigkeit, Unlust am ausgeübten Beruf, dessen Erlernung nicht dem eigenen Wunsch entsprach, Enttäuschungen im alltäglichen Erwerbsleben, der fest unzähligen Generationen eingepflanzte und vererbte Wunsch nach dem„eigenen Heim", dem das fascistische Denken so sanft und einlullend entgegenkommt wie ein beruhigendes und beglückendes Opiat. Und dem wie diesem— Ernüchterung und Erwachen mit' Katzenjammer folgt. Schon heute beginnt sich bei den Frauen fascistisch regierter Staaten die Erkenntnis zu regen, daß politische Macht, wie sie u. a. den Geschlechtsgenossinnen in demokratischen Ländern durch das Wahlrecht gegeben worden ist, weitaus mehr bedeutet als eine Phrase: nämlich eine höchst wesentliche und wichtige Realität zur Vertretung weiblich-menschlicher Interessen. Politische Macht und wirtschaftliche Macht sind zur Zeit zweierlei. Jenes Prinzip, das eigentlich selbstverständlich sein müßte— gleiche Arbeit, gleicher Lohn— hat sich auch in der Demokratie, so wie sie sich uns im Augenblick vorstellt, noch nicht durchzusetzen vermocht. Nach mehr, als einem Jahrhundert Erwerbsarbeit, ist die Frau noch heute in der Festsetzung des Lohns, Dauer der Ar-» beitszeit und des Urlaubs nicht gleichberechtigt mit dem Mann. Noch heute wird die arbeitende ver- heiratete Frau als Mitverdienerin und nicht als Ernährerin angesehen, was am deutlichsten in der; Entlohnung ihrer Arbeit, zuitt Ausdruck kommt. Wobei die Verhältnisse der augenblicklichen Wirt-- schastskrise bpllig unbeachtet bleiben,.die. alle Theorien und Gevflogenheiten über den Haufen rennen und gerade mitunter die Frau— im Fall der Arbeitslosigkeit ihres Mannes— oft genug zur einzigen Ernährerin imd Erhalterin der Familie machen- Und somit gerade die Verfechter jener Ansicht widerlegen, die behaupten, daß Frauenarbeit — das Familienleben z e rst ö r e. Unleugbarer Verdienst der demokratischen Jdeer Idie gerade in Mjerer Zeit jo sehr von der' ' Sind in der sudetendeutschen Politik die Begriffe wie Moral, Anständigkeit, Wahrhaftigkeit schon vor die Hunde gegangen? Stehen die Deutschen dieses Landes aus der geistigen Stufe der Tulukaffern, daß sie sich jeden, auch den schäm- ' o s e st e n Betrug einfach bieten lassen? Diese Aragen muß man stellen angesichts der Wahl- stimödie der Henleinpartei. ' Es ist einfach zum Kotzen. Seitdem eS auf wdetcndeutschem Boden Wahlen gibt, hat noch 'eine Partei solchen Pflanz getrieben, solchen HührerluxuS zur Schau gestellt und soviel Millionen zum Fenster hmausgeworfen, wie die Eintvpfpartei des Ascher Turnlehrers. Dieser Turnlehrer, der den Kampf gegen di« "trnfspolitiker und Bonzen eingeleitet hat, indem ? in Asch aus einer Erkerstube der Turnhalle Übersiedelt ist und in der Villa deS Groß-Fabri- 'üyien Hering eine Siebenzimmerwohnung bezo- Kcn hat, fährt mit nicht weniger als fünf Kraftwagen durch unser Notstandsgebiet, läßt seine» Reisewcg durch Radfahrerstafetten säumen und seine Versammlungen durch Hunderte von bezahlten Prügelbelden von der andersgesinnten Wählerschaft, beschützen! Aber das ist noch nicht alles: Zn dem nordböhmischen Städtchen Riem es hat Henlein von dem umkränzten Schloßbalkon aus gesprochen, den ihm der Schloßherr, ein reichsdeutscher Graf H artig, bereitwilligft zur Verfügung gestellt hat! Es war. rin erhebender Anblick für ausgehungerte Arbeitslose und zusammengerackerte Kleinbauern, als die Auto-Karawane Henleins mit Motorgetöse durch das.Schloßportal brauste. HanS Kudlich würde sich im Grabe umdrehen ob diesen Schauspiels, wie sich die Bauern wieder in die Fangnctze jenes Großgrundbesitzes begeben, der ihre Vorväter bis anfs Blut gepeinigt hat!. Schlechtbezahlte Heger müssen Nachtwache halten Rach der Riemeser Versammlung I gegen die Vertrauensmänner der Arbeiterschaft zu Übernachtete Henlein mit seinem inszenieren! Seite 2 SamStag, 11. Mai 1935 Nr. 110 Abessinien wird sich wehren Der Njegus droht mH Mobilmachung Abessinischer Protest gegen römische Frechheiten Parteien Haß und Gunst verwjrrt, in ihrem geschichtlichen Charakterbild zu schwanken, weil nämlich willkürlich verzerrt zu'werden beginnts-sie hat die ersten Ansätze zur Befreiung der Frau getan. Begonnen in der großen Tradition der Grundsätze: Gleichheit, Freiheit, und Brüderlichkeit. In allen Ländern mit demokratisch en Staatsformen hat sich das Kultur» und Bildungsniveau der Frauen gehoben, ihr Selbstbewußtsein für das Gefühl der menschlichen Würde gestärkt und schöpferische Begabung reifen lassen. Frauen von starkem Intellekt, kritischen Fähigkeiten und objektivster Betrachtungsweise—- und dabei doch immer Frauen aus i h r e besondere und kraftvolle Art, find ohne die Grundsätze der Demokratie einfach undenkbar. Der Fascismus hätte ihnen niemals die Möglichkeit zur Entfaltung gegeben. Es ist kein Wunder, daß wir aus diktatorisch regierten Staaten nichts mehr von spezifisch fraulichen Leistungen hören. Geist und Individualität brauchen zur Entwicklung, zur Produktivität Freiheit des Denkens. Sie müssen in den engen, star- ren gebundenen Formen diktatorischer Willkür verkümmern und ersticken. Alle Ansätze, die mft so großem Erfolg zur geistigen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Befreiung der Frau von der Demokratie getan worden find, hat der Fascismus— diese reaktionärste Ausdrucksweise, des Kapitalismus-- zerstört. Er hat die Frau in die Position der Sklavin zurückgedrängt. Die Frau im fafciftischen Staat wird nach dessen Zertrümmerung wieder am Anfang aller Dinge stehen, und ihre neuerliche Befreiung muß das schwere Werk der eigenen unermüdlichen Mitarbeit werden. Das Beglückende für uns, die wir in einem demokratischen Staat leben: wir haben die Hoffnung, daß Dinge, mft denen wir unzufrieden sind, durch Einsicht und Erkenntnis einer Besserung unterzogen werden. Denn Einsicht und Erkenntnisfähigkeit, Wandlung im Sinne von Erneuerung und Verbesserung, sind ja das eigentliche tiefste Wesen der demokratischen Gedankens, zu dem wir Ansätze ebenso in der Antike, über die Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit finden. Unsere Zeit: in der eS darum geht, ob der Geist oder die Willkür, organisierte menschliche Vernunft oder armseligste, gewissenloseste Brutalität, Krieg oder Frieden, Sozialismus oder Kapitalismus das Schicksal der Welt und damit auch das Schicksal der Frauen entscheiden werden. Bedeutet staatsbürgerliche Gleichberechtigung auch noch nicht Gleichberechtigung der Frau in der menschlichen Gesellschaft, so hat doch die Frau in der demokratischen Staatsform die Möglichkeit, für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen. Niemand wird sie daran hindern. Und es hängt von ihr allein ab, was sie mft diesen Möglichkeiten beginnt. Die Verfassungsurkunde der Tschechoslowakischen Republik- sagt, daß UfttepWede be^'Ge- schlechter nicht anerkannt werden. Kein diktatorisch regierter Staat hat seinen Frauen bisher gleiches verkündet. Deshalb ist es unsere wichtigste, Aufgabe, die Demokratie zu verteidigen» für ihren Bestand, für ihren Ausbau einzutreten. Es geht darum, die politischen Rechte der Arbeüer und damft auch die der Frauen zu wahren. Nur so bleibt die Möglichkeit zu weiteren Kämpfen. Zu Kämpfen für den demokratischen Sozialismus, dem die Zukunft gehört. Und sowohl beides— Sozialismus wie Zukunft— in erster Linie dem Arbeiter und der Frau! Darum, Frauen, kämpft für die Sozialdemokratie! Ihr kämpft damit für ein besseres Los! London.(Tsch. P.-B.) Der Berichterstatter de-„Daily Telegraph" in Addis Abeba meldet: Der Kaiser von Abessinien, der am Donnerstag abends nach der befestigten Stadt Harrar abgereist ist, teilte mir vor seiner Abreise in einer Unterredung mit, dass er, wenn Italien sein« kriegerischen Vorbereitungen fortsctze, die a l l gemeine Mobilmachung anordnen werde. Dem Berichterstatter zufolge erklärte der Njegus, er hab« seine Politik, die trotz der milttärischen Vorbereitungen und der feindseligen Propaganda Italien- stet- daraus gerichtet war, eine schiedsgerichtlich« Entscheidung herbeizuführen, noch nicht aufgegeben. Abessinien habe viel auf- Spiel gesetzt, indem es auf eine allgemeine Mobilmachung als Gegenmaßnahme gegen Italiens Borgehen verzichtete. Er hoffe immer noch, daß auf der Sitzung des Bilkerbundrate- vom 20. Mai ein entscheidender Fortschritt in Richtung auf«ine friedliche Lösung erfolgen werde. Der Kaiser fügte hinzu:„Wenn dies aber nicht der Fall ist, und wenn Italien seine militärischen Vorbereitungen fortsetzt, dann müssen wir mobil machen. Artho« pien wird sich niemals mit einem Zustand, inoffiziellen Krieges abfinden, wie er vorhanden war, al- Japan seine Operationen in Mandschukuo durchführte. Wir werden von vornherein Wider» stand leiste n!" Wie der Berichterstatter»etter meldet, haben di« Reden in der iwlieuische« Kammer, die sich gegen die Regierung Abessiniens richteten und besonder- die Rede de- llnterstaatssekrrtärs für dir Kolonien, L e s s» n a, der Abessinien ein Land der Nätrberei und Slaverei nannte, in Addi- Abeba die Ueberzeugung Hervorgerufe«, daß Italien zum Krieg« entschlossen ist. ** Rom.(Tsch. P.-v.) Der abessinisch« Außenminister hat in einem Telegramm an de« hiesigen Geschäftsträger gegen die beleidigenden Ausführungen des Kolonialsiaatssekrctürs Leffona in der Ualirnischrn Kammer Berwahrung eingelegt. In dem Protest wird erllärt» daß Abessinien, dem von Lessona der Borwurf gemacht werde, den Beitrag von 1928 nicht ringehalten zu haben, sich im Gegenteil an den Völkerbund wenden mußte, um die Einleitung des in diesem Vertrage vorgesehenen Schlichtungsverfahrens zu erlangen. Abessinien habe trotz der kriegerischen Loriereituugen Italien- eine fiedliche und korrekte Haltung eingenommen: aber mehrmals ohne Erfolg das Schlichtungsverfahren verlangt. Der Protest schliesst mit der Erklärung, daß die Brrvflichtun- gen, die Italien auf Grund des italienisch-abessinischen Vertrages wie auch als BölkerbundSmit- glied in bezug auf die Wahrung der politischen Unabhängigkeit und der territorialen Unversehrtheit AbessinienS obliegen, von Staatssekretär Lrs- sona mißachtet würden. Vertragsbrecher appellieren an Verträge Rom.(Tsch. P.-B.) Zu der Beschuldigung, daß einige europäische Staaten nach Abessinien Waffen liefern, schreibt die Freitag-Ausgabe des halbamtlichen Blates„G it o r n a e d'J.t alia": Deutschland hat Gewehre, Maschinengewehre. Flugzeugabwehrgesckützen. Panzerautos und JunkerS-Masckinen nach Abessinien geliefert, und zwar größtenteils per Bahn über Dschibuti. Weiters wird gesagt, daß seit Jänner bis April aus verschiedenen europäischen Ländern nach Abessinien 10.000 Maüsergewehre. zwei Milio- nen Schuß Munifion und 200 Maschinengewehre transportiert wurden. Diese Lieferungen werden laut Vertrag im Lause von neun Jahren durch abessinische Waenausfuhr, insbesondere durch Kaffee, bezahlt werden. In einem gewissen europäischen Staat ist dem abessinischen Kaiser in einer Bank auch ein Kredit eingeräumt worden. Am Schluß des Artikels wird bemerk, es existiere ein Abkommen über Waffenhandel, dessen Anrufung wichtig sei. Wachsender Henlein-Terror Wer sozialdemokratisch bleibt, fliegt auf die StraßeI 3« einer schlesischen Landge« I meinde hab ein Bauer der Mutter I eines jungen Sozialdemokraten ge- I sagt, daß sie hener keine Rüben bc- I komme, wenn der Junge nicht I Henleinmann wird. Der junge I Sozialdemokrat hat es a b g e> I lehnt, feine Gesinnung an den I„Volksgenossen" Bauer z« I verkaufen! • In einer Gemeinde in der I Nähe Iägerndorfs wurde eine« I Sozialdemokraten am 2. Mai die iWohuung gekündigt. 8 Gleichzeitig verlangte der Haus' I besitze«, daß das K l e i n t i e r, das I sich der sozialdemokratische Arden » ter ausgezogen hatte, sofort weg' | geschafft werde. Der Grund I für diesen brutalen Schritt des I Hausherren ist lediglich in der «Teilnahme des sozialdemokra- I tischen Arbeiters an dem Mal' I umzugzu suchen. $* In einer holzverarbeitenden I Firma in der Rühe Iägerndorfs | wurde drei sreigewerk' Ischaftlich organisierten I Holzarbeitern bedeutet, sie I mögen, wenn sie den Arbeit-' «platz nicht verlieren wolle«, | der SHF beitreten. Eine Iügerndorser Firma, die 8 eine„christliche" Leitung hat, ent» I ließ einen fähigen Arbeiter. Ih« v wurde mttgeteitt, daß die E n 11«f* Isung erfolge, weil er sich in der »sozialdemokratisch enBe» Iwegung als Vertrauens' » mann betätigt. -* So versuchen die Dolksgemei«' I schaftler, die Üeberzeuguns | der einzelnen Arbeiter zu kau' Isen. Fügen sich die Arbeiter nid)*' 0 so wirft man siekaltenDlüte- lauf die Straße.— Die äst' I sinnnngsterroristen in der Henkels' I front würden erst richtig wüte», I wenn ihnen der IS. Mai eine naw' I haste Position schaffte. Darum' I wer gegen den Gesinnungsterror I der Dolksgemeinschaftler ist, wähl* I sozialdemokratisch! Kemal betont«Sie türkisch-russische Freundschaft Ankara.(Tschsl. P.-B.) Anlälich des vierten groen Parteitages der republikanischen Volks- Partei hielt der türkische Staatspräsident Kemal Atatürk eine bemerkenswerte außenpolitische Rede. Der Parteitag wurde am, Donnerstag durch den türkische» Ministerpräsftenten Ismet I n y n ü eröffnet, der die 600 Parteivertreter und die anwesenden Vertreter der ausländischen Staaten begrüßte. Dann ergriff Kemal Atatürk, der schon beim Betreten der Präsidententribüne mit langanhaltendem Beifall empfangen wurde, das Wort. Er erklärt« u. a„ daß der vierte Parteitag mit einer Zeit aufstrebender Entwicklung im ganzen Lande zusammenfalle und zählte di« Erfolge auf, die auf allen Gebieten erzielt worden seien. Zur Außenpolitik übergehend erklärte«r, die Türkei verfolge das Ziel, den internationalen Frieden zu erhalten und gute Freundschaft mit allen Nachbarn zu bewahren. Unter starkem Beifall hob Atatürk die dauerhafte und ehrliche Fr^.un d sft»zwisch e n derLür- ffi UP tr S v w j e t u rr^csiE hervor und erinnerte hör allem an die Unterstützung, l die Sowjetrußland den türkischen Forderungen in der M e er« nge n f r a g e gewähr«. Die türkisch-sowjetrüsfische Freundschaft werde auch weiterhin dem' internationalen Frieden' dienen. Den Balkan-Pakt berührend. unterstrich der Staatspräsident die Bedeutung dieses Paktes, der di« Aufgabe, habe, die Unruhe auf dem Balkan zu beseittgen. Nach einer Bezugnahme auf die Freundschaft zwischen der Türkei und Iran und die freundschaftlichen Beziehungen zu Afgha- nistan und zu allen übrigen benachbarten imd! entfernter liegenden Ländern, versicherte Atatürk, I daß die tiirkische Republik nichts weiter erstrebe, I als ein nützliches und friedfertiges Mitglied der großen Bölkerfannlie zu fein. 16 I'■.‘ u Roman«m Emil Vachek —— Deutsch von Anna Aurednitek Ich werde ihnen jetzt sagen, daß ich's gemaust hab'. Und man wird mich dafür einsperren. Und dann kommt der Krach mit dem Offizier. Ich hab' doch beide nicht auf einmal bestchlen können. Das haben zwei verschiedene Menschen angestellt. Man wird den zweiten suchen und Fräulein Sophie wird gar nichts Böse- einfallen, weil sie denken wird, daß ich die Uhr mit-er Kette gekrabscht habe, weil sie wirllich von mir eine Uhr mit einer Kette in Aufbewahrung hat. Alle» wird in Ordnung sein. Ich werde oben ein paar Monate für die tschechisch-pvlnischen Beziehungen absitzen und indessen hat matt an die Mobilisierung vergessen. War ich ein Rindvieh, daß ich nicht gleich darauf gekommen bin. Verschiedene Umstünde bestärkten seine Annahme. Herr Slama zum Beispiel, der Aufseher seiner Abteilung, brachte ihm nicht das Mittagessen. In allen Zellen ringsum klapperte es lustig, der Gang war voller Dust, über ihm brachte man nur einen Krug Wasser. „Herr Slama-— das ist alles, einen Dissen krieg ich nicht?" „Ferdl", sagte der Wachmann,„du tust mir leid, aber du hast heute hier im Hause eine merkwürdige Stellung. Wie soll ich e» dir nur sagen? Ich sehe dich nur zur Hälfte. Der Chef hat gesagt, ich soll an dein Mittagessen vergessen. Du weißt ja, bei der Polizei heisst'» parieren— da gibt's nichts." Ich soll also mit Hunger gefoltert werden I Ein Hilfsmittel, das in der Regel nur gegen Mr« der angewendet wird. Die Sach« war sehr ernst. Beinsteller hatte sich hier ein« Ausnahmestellung geschaffen, er war ja Stammgast im Hause. Man kam gegenseitig sehr gut miteinander auS. Jetzt sollte das Ganze Zusammenstürzen. „In GotteS Namen, ich werde die polnisch« Uhr auf mich nehmen", entschloß sich Beinsteller, „man soll mich halt einmal unschuldig verurteilen." Er rief den Herrn Slama.„Es nützt alles nichts, Ferdl", sagte Herr Slama,„ich darf dir nicht einen Brocken geben, nicht einmäl Vogelfutter. Und gerade heute hat's so ein gute- Beuschel gegeben mit saurer Soßl" .Heben Sie mir«ine Portion auf, Herr Slama, ich geh' jetzt ein Geständnis macken." »Die Polizei ist eine famos« Jnstitufion", meinte Herr Slama,„sie hat dich vor dem Hungertod bewa^t. Wärst du beim Gericht der Zivilisten, so wurdetS Ihr euch noch einen Monat herumstreiten und für nichts und wieder nichts die Republik aufstessen. Geh nur, Ferdl, und gesteh'!" „Unter uns gesagt, Herr Slama, ich hab' es wirklich nicht gemacht." „Tut nichts, Ferdl, gesteh' nur. Jemand hat die Uhr geschnipst. Es handelt sich ja gar nicht darum, daß der Betreffende gestraft wird, e» handelt sich nur darum, daß die Leute es glauben. Heut' sitzt du für ihn und morgen er für dich." Der Kommissär Pitha war im Begriff Wegzugehen, empfing Beinsteller daher nicht allzu liebenswürdig.„Beinsteller, wenn ich Sie anschau -— so hebt sich mir der Magen." „Mir auch, Herr Kommissär, ich habe nichts zu essen bekommen." „Das ist ein Mißverständnis, Beinsteller; ckber— möglicherweise wird es einige Tage dauern." „Gerade deshalb bin ich htvgekommen, Herr Kommissär." Kommissär Pitha runzelte die Stirn:„Sie glauben wohl« ich bin neugierig und will wisse», was Sie sich dort unten auSgedackt haben? Keine Spur! Wollen Sie«» auf einen Schier Kameraden schieben, dem halb Prag das-Alibi beweist...?" „Nein, Herr Kommissär", rief Beinsteller feierlich,„kein Kamerad ist eS gewesen, ich selbst habe den Pellen abgeräumt." Der Kommissär war etwas überrascht.„Schön, aber warum haben Sie es nicht gleich gestanden?" „Das war wegen dem Jubiläum, Herr Kommissär, ich habe gestern gerade mein Jubiläum gchabt— fünfzig Jahre— und wollte nicht mit solchem Pech die neue Fünfzig antreten. Ich habe Ihnen halt etwa» vorgeflunkert, habe mir es aber jetzt überlegt... Sie sind so gut zu mir gewesen, ich mochte beinahe sagen, so väterlich, da habe ich halt Gewissensbisse bekommen." Der Kommissär schnitt eine Grimasse: er schrieb es mehr der Hungerkur als dem Gewissen zu, war aber dennoch zufrieden.„Dann geben Sie es kurz zu Protokoll, sagen Sie, wo Sie die Uhr versteckt haben, damft wir sie dem Polen zurückgeben können." ,,Wa» für eine Uhr?" sagte Beinsteller. «DaS wftd schwer gehen, Herr Kommissär." »Keine Spur, Beinsteller; wir werden Ihre Wohnung durchsuchen und fall» wft nichts fin- den— das ganze Hau» ausheben. Wir waren ohnedies schon lange nicht dort. Irgendwo im HauS werden wir's finden.". „Aber Herr Kommissär, Sie halten mich doch nicht für so einen Ochsen, e- dort zu verstecken! Ich bin ein gehautes Luder; al- Herr Holina hinter mir her war, bin ich zu einem Kollegen gelaufen, und der hat alle» sehr gut aufgehoben." «Welcher ist e- gewesen?" »Ich möcht's Ihnen ja sagen;«cher er feiert heut« auch gerade ein Jubiläum und jch hab' nickt da» Herz, es ihm zu verderben. Ich hab' ja selbst verkostet, wie da- schmeckt." DaS sechste Kapitel beweist, daß der Mensch auch dann vom Schicks" erreicht wird, wenn er ganz friedlich von Terpeüm" pflastern erzähl:. Weiter führt eS eine wichtige Per' son in den Roman ein, Herr» Toni Foltr, Besitzt eine» außerordentlichen Herbariums. Als der sonntägige Touristenzug in Tsck"' noschitz anlangte, teilten die Mitglieder der kcver Gruppe Polygraphische Arbeiter die auf und konstatierten, daß viel zu wenig weibE Teilnehmer anwesend waren. Die Gesellschds' wanderte bereits auf der Landstraße und Fräul«" Sophie Ehalupa gedachte gedrückt: wieder einmH sitzengeblieben. Niemand beachtete sie, nicht einmie Polizei hat sechs an dieser .Demonstration beteiligte Personen festgenommen, lieber sie wurde eine mehrmonatliche Verwaltungsstrafe gefällt, nach deren Verbüßung sie sich vor dem Wiener! Landgericht wegen Hochverrat zu verantworten haben werden. Wahrscheinliches Wetter heute: Vorwiegend heiter bis wechselnd bewölkt, wärmer.— Wetteraussichten für Sonntag: Wetterlage wieder unsicher, später neuerlich Abkühlung von Norden her nicht ausgeschlossen. Mar Reinhardt«nd'Helene Thimig zeigen ihre in Nevada stattgefundene Trauung an. Der neue Stratosphären-Ballon des belgischen Professors Piccard„Zürich III", der, wie bekannt, in polnischen Fabriken hergestellt wurde, ist Freitag aufgestiegen. An Bord befand sich Professor Piccard, der Schweizer Flieger Tilgen- kamp und vier polnische Flieger, darunter auch Kapitän Hynek, der zweimal im Gordon-Bennet- Wettflug Sieger war. Der Ballon ist nach vierstündigem Flug um 13.45 Uhr, ungefähr 100 Kilometer von Warschau bei R a d z y n, gelandet. Der Start des Ballons in Warschau war sehr sAvierig wegen der ungünstigen atmosphärischen Bedingungen. Die Ballongondel wurde beschädigt. Die deutsche Hebamme muß keusch sein. Das preußische Oberverwaltungsgericht hat in letzter Instanz entschieden, daß einer Hebamme aus dem Hannoverschen die Ausübung ihres Berufes untersagt worden ist, weil sie— Ehebruch getrieben habe, und zwar ,Me sie selbst vor dem Kreisarzt eingestanden habe", nicht nur einmal, sondern mehrfach. Die Voraussetzungen für die Ausübung der Hebammen« berufeS aber, sei Zuverlässigkeit und Unbescholtenheit, die bei einem Menschen der. Ehebruch treibe, nicht mehr vorhanden sei. Wird dieser Grundsatz künftig in Deutschland überall, besonders aber bei den nationalsozialistischen Führern angewandt, dann müßte ihnen ebenso wie der Hebamme die Ausübung ihrer Tätigkeit verboten werden— es sei denn, daß für die Ausübung des Führerberufs im Dritten Reich Zuverlässigkeit und Unbescholtenheit nicht so erforderlich sind. Volkswirtschaft and Sozialpolitik Zuckerverbrauch«nd Zuckergewinne Im Jahresbericht des Verbandes der Zuk- kxrgrotzhändler wird ausgeführt, daß der Zuckerkonsum von Jahr zu Jahr zurückgegangen ist. In Böhmen wurden 1933/34 je Kopf nur 27.2 Kilogramm gegen 29.S Kilogramm 1928/29, in Mähren-Schlesien 24.2 Kilogramm gegen 27.5 Kilogramm, in der Slowakei 13.4 Kilogramm gegen 15:8, Kilogramm und in Karpathorußland 5.6 gegen 7.2 Kilogramm Zucker verbraucht. Die Tschechoslowakei steht in der internationalen Statistik des Zuckerverbrauchs an fünfzehnter Stelle. * Trotz des beträchtlichen Rückganges des Zuckewerbrauches schließt die zum Konzern der Agrarbank gehörende Zuckerfabrik Trebisov A.-G. 1934 mit einem mehr als achtfachen Gewinn gegenüber dem Vorjahre ab. D e r G e- winn hat sich von 158.600 KL auf 1,315.570 Kc erhöht. Die Aktionäre erhalten auf ein Kapital von 15 Millionen 5 Prozent, obwohl sie nur 9 Millionen Kapital eingezahlt haben. Tschechoslowakischer Handel mit Bulgarien steigt Im vorigen Jahre wurden unter Mitwirkung der bulgarischen Regierung mit mehreren Ländern Verträge über umfangreiche Lieferungen im Rahmen eines großen Kompensationsgeschäftes abgeschlossen, Auch die Tschechoslowakei ist an den Lieferungen nach Bulgarien beteiligt. In Auswirkung des Kompensationsgeschäftes hat sich die tschechoslowakische Ausfuhr nach Bulgarien im ersten Vierteljahr 1935 gegenüber der gleichen Zeft des Vorjahres erheblich erhöht. Es wurden in den ersten drei Monaten 1935 für 10.1 Millionen KL Waren aus der Tschechoftowakei nach Bulgarien eingeführt, während es 1934 nur für 3.4 Millionen KL waren. Die bulgarische Warenausfuhr nach der Tschechoslowakei hat sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig gehoben. "O Mutter!“ Deutsche Lüge und deutsche Wirklichkeit Die deutschen Zeitungen veröffentlichen, zu- messt in kleinem Druck und an unauffälligem Platz, folgende Mitteilung der Justizpresse Berlm: Der Landwirt Graeber wurde wegen fortgesetzten Sittlichkeitsverbrechens, zum Teil in Tat- ; einheit mit fortgesetzter Notzucht und wegen Mißhandlung Pflegebefohlener zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Der Angeklagte hatte sich an einer ihm zugewiesenen 17- jährigen Landhelserin unsittlich vergangen und fie bei ihrer Entlassung noch roh mißhandelt. Der deutsche-Hakenkreuzspießer wird darüber hinlesen—„sowas kommt eben vor"— und seine Augen werden zur nächsten Seite weitereilen, auf der der kommende Muttertag gefeiert wird: „O. Mutter, was alles warst du mir doch in deinem Leben Völler Opfer und Liebe und Sorge für mich! Der Nährboden warst, du für mein werdendes Leben unter deinem Herzen, und unter Schmerzen hast du mich geboren und mich dann umhegt und gepflegt, mir das erste Lächeln und den ersten Wonnelaut auf die Lippen gezaubert und den ersten Schritt mich gelehrt..." Dies Zitat ist einem Kölner Blatt entnommen, und so oder ähnlich beginnen viele Aufsätze in diesen Tagen.„Ö Mutter^ o deutsche Mutter. Daran haftet das Auge des Lesers, und die kleine, unangenehme Meldung der Justizpressestelle ist bald vergessen. Hinter dieser Meldung aber birgt sich eine ungeheure Schuld des Hitlerregimes, birgt sich ein Mutter- und Kindeselend, wie es grauenhafter kaum gedacht werden kann. Jener Landwirt Graeber ist bei weitem licht der einzige seiner Art, er ist nur einer, der just ertappt wurde und dessen Verbrechen sich nicht geheim halten ließ, weil die Empörung zu groß war. Achnliche Prozesse sind voranoegangen und werden folgen, von vielen wird die deutsche O,f- fentlichkeit nichts erfahren, noch mehr Geschehniss- gleicher Art werden vertuscht, ehe sie vor, Gericht kommen, und die Zahl der„unkontrollierbaren" Vergehen, die Zahl jener Fälle, in denen Jugendliche verdorben und ssrlisch verseucht ans dem Landjahr heimkehren, ist viel größer, als die Welt ahnt. Die Arbeitereltern werden nicht gefragt, ob ihnen die Verschickung ihrer Kinder recht ist, die Arbeiterkinder müssen sich fügen, wenn sie nicht für, die Zukunft aus der Arbeitsvermittlung ausgeschlossen werden wollen, und so wird wahllos draMos vermittelt, ohne daß Zeit bleibt', dit Lanvfiellen üor-j her genau zu prüfen, ohne daß die Verantwortlichen sich die Mühe nehmen, wenigstens in den ersten Wochen an Ort und Stelle eingehende Beobachtungen anzustellen. Wenn nur die Land« jahr-Statistik nette, runde Ziffern aufweist, schwimmt höheren Ortes alles in Wonne. Wer vor dem Umsturz in der deutschen Jugendfürsorge gearbeitet hat, der weiß, daß damals halbwüchsige Mädchen nur ungern„zum Bauern" geschickt wurden und daß die Erfahrungen immer wieder lehrten, wie vorsichtig Landstellen zu behandeln seien. In seltenen Fällen nur sind sich die Arbeitgeber bewußt, welche Verantwortung sie mit der Einstellung einer jungen Helferin auf sich nehmen, lassen es zumindest an Aufsicht und erziehlicher Fürsorge fehlen, und du strenge Ueberwachung galt schon in der Republik, wo die Zahl der Landpflegerinnen größer und das Aufsichtswesen unoleich besser geregelt war, als schwierig.— Heute verschickt man schulentlassene Kinder so wahllos auf's Land, als sei jeder Bauer ein geborener Jugenderzieher. Die Folgen?-Der Fall Graeber, den sogar die Justizpreffestelle zugeben muß, vermittelt eine ungefährte Ahnung davon.. Am Sonntag ist Muttertag. Die Hitlerjugend hat ihren Mitgliedern großmütig„diu st« frei" gegeben, und für viele Frauen, die in der Woche schwer arbeiten müssen, wird dieser Sonntao wohl wirklich seit langer Zeit der erste Tag fein, an dem sie mit ihren Kindern beisammen sein können. Wenigstens mit denen, die noch nicht verschickt sind und bei denen die Mutter im Augenblick nicht zu fürchten braucht, daß-in Landwirt Graeber sich ihrer Obhut widmet. Aber auch die I ü n g e r e n— das wird mehr als-ine Mutter gerade an diesem Tage schmerzlich fühlen — sind durch das Landsknechtsleben, das jed:r Dreikäsehoch im Dritten Reiche rührt, gefährd-t genug. Bei den„richtigen" Hitlersungen, wie die Bonzen um Baldur von Schirach sie sich wünschen, ist die kindliche Aufgeschlossenheit verschwunden, wurde jungenhafte Harmlosigkeit durch rohem Landsknechtsmanieren ersetzt. Die Mutter ist ja„nur eine Frau", wägt keine Uniform, kann nicht schießen, hat keinen Füh- rerrang, ist vielleicht nicht einmal in der NS- Frauenschaft, man muß sie mit entsprechender Geringschätzung behandeln. Deutsche Lehrer, Pfarrer, Jugendfürsorger haben über das„Aufblühen des deutschen Familienlebens", oas in den Parteiblättern hoch gerühmt wiöd, längst ihre eigne Meinung. Täglich finden sich in ihren Sprechstunden Mütter ein, di- über Verhärtung und Verrohung der kindlichen Seelen klagen und angsterfüllt um Rat bitten. Die Pfarrer wissen z« allem Ueberftuß noch z« berichten, daß unter den vierzehnjährigen Konfirmandinnen in diesem Jahre eine erschreckend hohe Zahl-— schwanger war. Nicht nur die Pfarrer wissen es, die Tatsache ist im Dritten Reich ein offenes Geheimnis, das von Haus zu Haus geflüstert wird und das die Mutier an ihrer Aufgabe verzweifeln macht. Wohl wird ihnen die Verantwortung aufoebürdet, wenn die Kinder für's Leben verdorben sind, aber Hitlerjugend und BDM sorgen dafür, daß die Einflußmöglichkeiten des Elternhauses in unerträglichem Maße beschränkt werden, daß Elrern und Kinde?ü feine Zeit bleibt, einander nahe zu sein. Es mutet fast wie ein Symbol an, daß im Dritten Reiche kurz vor dem Muttertag ein Lump zu hohen Würden emporstteg, der seine tote Mutter des Ehebruchs zieh, um sich emporzudienen. Arnolt Bronnen, Sohn eines Wiener jüdischen Professors und neugebackener Reichsfernsehdramaturg, erMrte: „Ich bi« nicht der Sohn meines Vaters. Ich wurde in einem ehebrecherischen Verhältnis von der Mutter mit einem Bauernsohn gezeugt." In Hitlers Land berechtigt eine solche Gemeinheit zu jedem Avancement. Wenn die Fernsehkunst rasch genug fortschreitet, wird Arnolt Dron- Ein Polarschiff wird Ehrenmal Das norwegische Pokarschiff„Fram" wird zurZeit in Oslo an Land gebracht, um dort mit seinen 30 Meter hohen Masten in einer noch zu erbauenden Halle als Ehrenmal für die Helden norwegischer Polarforschung aufgestellt zu werden. Die„Fram" hat auch in Laienkreisen eine außerordentliche Volkstümlichkeit erlangt. Auf ihr unternahm Fridtjof Nansen, nach dessen Angaben sie erbaut war, eine berühmte Polarexpedition von 1893—1896. Von 1898 bis 1902 ging S v e r drup mtt der„Fram" auf Forschungsfahrt westlich von Grönland, wo er 300.000 Quadratkilometer Land entdeckte,«nd schließlich benutzte Amundsen die „Fram" von 1910 bis 1912 zu seiner Südpolexpedition, bei der er kurz vor Scott die norwe- gische Flagge am Pol aufpflanzen konnte. Rat und Belehrung finden unsere Gemxindevertreter in reichem Mäße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. nen vielleicht schon am Muttertag 1936 ein Sehspiel von deutscher Muüerehre und deutscher Sohnestreue in die Hütten und Paläste send-n. Und dann wird hinter den Bildern das wahre Gesicht des Hakenkreuzstaates hervorgrinsen, dal Gesicht, in dessen Zügen sich Sadismus und honigsüße Sentimentalität, Blutdurst, Verlogenheit und Eigenliebe, Verbrechertum und Rührseligkeit zu einer scheußlichen Fratze vereinen. Gcrkhtssaal Die Dame im Skikostüm Die vielfältigen Gaunereien einer„nordisch" abgefärbte» Hochstaplerin. Prag. Die 36jährige Franziska Bo dura, geborene Schmidt, die dem Senat Petiik v>l der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, nahm l'M in dem von der warmen Frühlingssonne erhellten Verhandlungssaal recht, sonderbar aus. Sie steckte in einem sehr eleganten Skikostüm, ihre Füße waren mit schweren Skischuhen bekleidet und ihr seinerzeit auf blond entfärbtes, ursprünglich braunes Haupthaar spielte in den merkwürdigsten Farbtönen, tue» sich in der Untersuchungshaft, während welcher aller« dings keine kosmettsche Behandlung zur Verfügung stand, die ursprüngliche Haarfarbe zu ihrem Recht meldete. Die Angeklagte, deren Beruf als Erzieherin angegeben ist, wurde vor einigen Wochen in Gotte s g a b verhaftet, noch zur Zeit der Wintersaik»»- woraus sich auch ihr Kostüm erklärt. Das Sündenregister, das die Anklageschrift verzeichnet, ist bunt und reichhaltig. Die Angeklagte war beschuldigt, in BrLx, w« si- als Erzieherin angestellt war, ihren DienstgeberU einen Photoapparat, eine silberne Zigarettendose und 110 KL in bar gestohlen zu haben; dann lockte sie der Firma„La Facon Kleider im Werte von 1500 KL heraus unter bet Vorspiegelung, sie sei eine„Gesellschafterin deS Kohlenbarons Petschek". Freilich hat die Angeklagte zuk Firma Petschek keinerlei Beziehungen gehabt uni war nur seinerzeit bei einem Direktor dieses Unternehmens angestellt gewesen, Dieser Betrug ging nur deshalb glimpflich aus, weil irgendein vermögender Herr, der mit der Angeklagten, die sich inzwischen vermutlich auf den KriegS- pfad der„Liebe" begeben hatte, mit ihr einige Unannehmlichkeiten in Nachod erlebte und, um einen Skandal vorznbengcn, diese Schulden bezahlte. Des weiterem prellte die betriebsame Dame de» Hotelier Konge in GotteSgab um 772 KL, sie ihm für Logis und Verköstigung schuldig blich. Einer alten Frau und einem Kellner lockte sie unter verschiedenen falschen Vorspiegelungen zusamt» 750 KL heraus. Dann hängte sie sich an eine» reichsdeutschen Juden, mit dem sie nach Berlra fuhr und dem sie vorspiegelte, als„Teilhaberin der Firma Petschek von Hitler. ur.» Göring empfangen worden zu sein und dem w weiter vorgcnckelt«, durch ihre Fürsprache ihm kew schweres Los als Jude im Dritten Reis erleichtern zu können. Aufgrund dieser Borspiegelung lockte sie ihm 250 Matt! heraus l Nach Durchführung des umfangreichen Dc- weisverfahrens erkannte der Gerichtshof die Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte sie zu vier Monaten Kerkersunbedingt. Sie ist zwar bisher nicht vorbestraft, genießt aber, nach Auskunft der zuständigen Amtsstellen, ein** sehr üblen Ruf. Sie erbat sich und erhielt| i»'» einen dreimonatigen Strafaufschub, weil sie legenheit habe, eine Stellung anzutreten. rb. Marie KryStof vor dem Strafgericht Eine Nebenfigur aus dem BylekälÄprozeß unter doppelter Anklage. Prag. Freitag wurde vor dem Strassen»» Studnihka eine Gesellschaft von Ladendiebinnen abgeurteilt, unter der sich auch die Sljährig» Marie KryStof befand, die seinerzeit mit ihrer Mutter Anna KryStof ein« Nebenrolle in dnn sensationellen Batermordprozeß gegen die Ehegatte» Bylekälek gespielt hat; indem sie mit ihrer Mutter den Leichnam des ermordeten und über es» Jahr in einer Mauernische verborgenen VaterS»s einem mit Kalk gefüllten Trog übersiedelten, wobei sie die Leiche in der rohesten Weise behandelten. Samstag werden sich Mutter und Tochter W* gen Leichenschändung zu verantworten haben. AP» Tage vor dieser Verhandlung war die bisher unbescholtene Matte K r y S t o f deS mehrfachen Dieb- stahls angeklagt. Die Angeklagte war. als Arbeitslose und. vergeblich Stellung Suchende in die Gesellschaft dreier gerichtsbekannter Ladendiebinnen geraten, Herr" Strafregister insgesamt 102 schwere Strafen1■ Der Prager Wahlkampf ist im vollen Gange. Häuserwände und Plakattafeln bedecken sich «ir Papier, gereimt und ungereimt, berechtigt und hnberechtigt wird um die Gunst der Wähler geworben. Die Parteien zeigen in ihrer Plakatpropaganda einen eigenen Stil. Dir tschechischen Agrarier, die da? illustrierte Plakat bevorzugen, arbeiten mit Idyllen; eine ährenumgränzte 1 oder ein umfriedeter Mrgerhäuschen symbolisieren die Agitation dieser Partei, die die Erhaltung des Bestehenden derteidigt. Die tschechische Sozialdemokratie bringt wirkungsvolle, aus dem Leben gegriffene Sujets, die den Kampf ums tägliche Brot zum Gegenstand haben. Auf einer Montage sieht man rin Arbxiiecknd, das seine Mutier mahnt, Liste 2 zu wählen. Der fascistischr Block ’btr Herren Stkibrny und Kramäi wiederholt sein Schlagwort.Nichts als die Ration" bis zum Ucber- druß. Sachlich haben die tschechischen Hitlerianer nicht- zu sagen, aber an plumper Demagogie sind sie .jedem Konkurrenten weit voraus. Den Ideenreichtum ihrer Propaganda kann man an einem rotfarbigen k s e l ermessen, den fie überall ankleben und der den .marxistischen Wähler" darstellen soll. Dieser Esel ..ist allerding» schon zweckentsprechend.korrigiert" worden und hat überall ein„R" als Wappen erhalten. Die Kommunisten ^befleißigen sich, die Plakate der anderen Parteien mit ihren Schlagworten zu versehen. Ganz leicht haben er sich die tschechischen Klerikalen gemacht, sie kaffen das Kreuz über dem Parlament erstrahlen und glauben mit diesem.Programm" allen irdischen Problemen gerecht geworden zu sein. Zum großen' Aerger der Stkibrny-Kramäk-Leute tauchen überall im Stadtbild Zettel und Plakate der Liste 14, der »Rationalen Bereinigung der Beamten und Angestellten" auf, jener brüderlichen Konkurrenz des tschechischen Faseistenblocki, die ihm das Erstgeburtsrecht d«S Stamme- streitig macht. Völlig in den Hintergrund gedrängt ist der Pvtschgenerat Gajd», dianchmal sieht man ein verlorene?.F" an den Hau« serwändcn der Vorstädte—, da- ist alle-, was man don der propagandistischen Tätigkeit der Fascisten» Prmeindc merkt. Bor wenigen Tagen fand in den Weinbergen eine Versammlung der Gajda-Fascisten statt, auf der Dominik und Gaida selbst sprachen und stie den Wahlkampf in Prag einleiten sollte. Die Stimmung war kläglich, der Besuch miserabel, der General sprach, wie Propheten mit Sprachfehlern zu Hrechen pflegen. > Während im Prager Zentrum von der bevorstehenden Wahlentscheidung noch wenig zu merken ist, hat die Agitation den Borstädten bereit- ihren Gtempel aufgedrückt. Die.Beiseln" sind zum Teil Wtaiionslokale der Parteien geworden, an den Gcheiben der Gastzimmer kleben die Wahlaufrufe, besonders tatkräftig rührt die tschechische So- iialdemokratie in Zijkov und in anderen Wahlbezirken die Werbetrommel. In weithin leuch- >«nden, viele Meter langen Stirnbändern wird zum stampf gegen fasristische Korruption und kapitalistische Mi ß w irtschaft anf- httufen und an das Volk appelliert, der Krise ein Ende zu machen und sich für den Sozialismus in entscheiden. Rote Leuchttransparent« mit der Auf- faüerung„Wählt Liste 21" erregen in den Abendstunden stärkste Aufmerksamkeit. Auch die Parteiluser in der Hhbernska sowie da- Hotel„Monopol" find mit Transparenten, Plakaten und Leuchtziffern geschmückt. Zu diesen modernen Propagandamitteln haben auch die tschechische» Nationalsezialiste» Begriffen, die in Prags Arbeiterbezirken beträchtlich 'n Erscheinung treten. Die.Nationale Bereinigung" htrschwindet hier völlig auS dem Straßenbild und agitiert mit Versprechungen, Verdächtigungen und Schlagworten auf der Hintertreppe. Die kommunistische Außenpropaganda beschränkt sich einzig und allein auf einig« VerkehrSlokale, aus keiner Privatahnung wird für die Liste 4 geworben. Der Wahlkampf innerhalb der deutschen Bevölkerung Prags Vielt sich naturgemäß mehr unter der Oberfläche ab. stnter dieser Oberfläche aber wird heiß und teil« deise bedenkenlos gerungen. Die Demokraten, die Mcheütend aus GrotzkaufmannSkreisen freigebig un« strstützt werden, machen verzweifelte Anstrengungen, chre ehemaligen Wähler bei der Stange zu halten, J’t Miene machen, soweit sie nicht zum Henlein- ichirmuS übergegangen sind, Liste 0 zu wählen. Besonder- die demokratischen Angestellten zeigen wenig Neigung, sich von Herrn K o t r b a noch einmal überS Ohr hauen zu lasten. Daß das ausgesprochene Bürgertum deutscher Rationalität faseistisch verseucht ist, versteht sich am Rande. An den früher nationalsozialistischen und deutschnationalen Stammtischen d«S„Goldenen Kreuzt" und des„Deutschen Hauses" delektiert man sich an der schmutzigen Wahlhetze des Henleinschen ..Wahlruf". Di« Propaganda der deutsche» Sozialdemokratie stößt allgemein auf Aufmerksamkeit. Die erste Rümmer der Prager Wahlzeitung„Volksfront", die Die offenkundige Unfähigkeit der DAWG, eine Versammlung zu veranstalten und zu führen. hatte das größte Ergebnis, daß die gestrige Wählerversammlung im kleinen Saal des „Deutschen Hauses" von den Einberufern gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Henlein- Leuten gesprengt wurde. Schon während der Einleitungsworte des Vorsitzenden Professor Schmidt machten sich die zwanzig Nazistudenten, die nicht ganz ein Zehn« tel der Anwesenden bildeten, durch Zwischenrufe und Ausstreuen von Klebezetteln bemerkbar.» Während der Referate verstärkten sich die Störungen, welchen das Präsidium und die Versammlung nicht entgegenzutreten vermochten. Nicht einmal als die Henleinleute eine Frau in rüdester Weise niederbrüllten, rafften sich die Ein- berufer zur Verteidigung ihrer Rednerin auf. Schutzlos überlieen sie die Frau den Anpöbelungen der Lausbuben. lieber den Referaten schwebte unausgesprochen daS Wort, welches vor den letzten Par« lamentswahlen Dr. Rosche in einer Prager Wählerversammlung der DAWG gesprochen hatte:„Wir wollen von den Wähler eine Blankovollmacht!" DaS sollte die Entschuldigung dafür sein, daß die DAWG kein konkretes soziales oder politisches Programm vorlegen konnte. Gestern wiederholt« sich dasselbe Spiel. Keiner der Redner nahm zu den dringenden sozialen untzepoliti» sehen Problemen in einer Weise Stellung»'welche Klarheit über die Absichten der Partei hätte schafen können. Ja, es ging sogar soweit, daß nach Dr. Kostka, welcher seine Ausführung zum großen Teil der Propaganda für den bargeld« losen Verkehr gewidmet hatte, der ander« Kandidat der DAWG, Dr. K o t r b a, aufstand und der eBrsammlung während seines Referates zurief:„Es gibt immer noch Träumer, die sich über die Möglichkeit einer bargeldlosen Verkehrs Illusionen machen." Und während Kostka die 2ö« sung der Krise„von der Geldseite her" forderte, hält Kotrba die Exportförderung für das Allheilmittel, ohne freilich zu sagen, wie die Forderung in die Wirksamkeit um» gesetzt werden soll. Es sei denn, er ist der Meinung, daß die von ihm geforderte„Billigkeit der Produktion" durch Herabsetzung der Löhne und Gehälter erzielt wird. Ganz einig sind die Herren der DAWG auch nicht über die Sozialpolitik der letzten Jahre. Kostka findet, daß in dieser Richtung überhaupt nichts geschehen ist.(Leider unterließ er eS die Forderungen des Industriellen» Nicht vordrängen! Das letzte Wahlflugblatt der DAWG zeigt daS Bild d«S Landeswahlkandidaten Dr. Bacher auf der ersten Seite, während das Bild des Spitzenkandidaten für die Wahl ins Abgeordnetenhaus, des Herrn Dr. Kotrba, verschämt auf die Rück feite des Blattes verwiesen würde. Ebenso erscheinen die Kernworte, die Dr. Bacher der Ration auf ihren Weg mitgibt, vor denen abgedruckt, die Dr. Kotrba in den Sturm der Zeit rüst. Also, bitte, immer hübsch der Reih« nach. Denn was wird Herr Szüllü dazu sagen, wenn man dem jüdischen Herrn, den er sich auf der Kandidatenliste verbeten hat. nun vor der Wählerschaft so den Vorzug gibt! Die Wahlen ins Ab- geordnctenhauS finden früher statt und sind poli- tisch weitaus wichtiger als die in die Landesvertretung. daher gehört der raffenreine Jndustriel- lensekretär Dr. MiltiadeS Kotrba auf die erste Seite und an die erste Stell«, auch wenn das vor der Wählerschaft nicht ganz angenehm sein mag. Denn: auch im politischen Leben gilt der Grund» für die Liste 6 der DSAP warb und von den unermüdlichen Prager Parteifunktionären umfassend verbreitet wurde, ist ausnahmslos lebhaft diskutiert worden. In der noch vor uns liegenden Kampfwoche wird weiter mit aller Kraft um die Seele der Prager Deutschen gerungen werden. Auch hier wird unter den Losungen: Für Freiheit. Arbeit und Brot! FürdasBolk! erfolgreich gekämpft werden! Nonidg, den 13. Mal um 8 Uhr abends, im Messe, gebäude in Prag VII, B&sk&ho- (Französischer Saal) öffentliche Wöhler und W&hlerinnen-Versarc mung Redner: Emma Riedl und Dr. Robert Wiener Verbandes, dessen Sekretär Herr Kotrba, und der Handelskammer, deren Sekretär selbst, ist vorzulegen, um der Versammlung ein Beispiel von den„sozialpoltischen" Forderungen dieser Körperschaften zu geben.) Dr. Bacher hingegen erklärt immerhin:„Wenn wir auch den Klaffenkampf ablehnen, müssen wir doch den Sozialdemokraten zugeben; sozialpolitisch haben die Leute etwas geleistet." Und so ging es fort, immer um den Brei herum. Kein Wort über die Bankangestellten, kein Wort über die Privatangestellten— nur den Staatsangestellten war das Referat Dr. Weis- mayrS. dafür aber zur Gänze gewidmet— kein Wort über die freien Berufe, kein Wort über di« Gewerbetreibenden, da man je bei dieser Gelegenheit über ihrer größten Feind das Großkapital hätte reden müssen. Das ist weiter kein Wunder, denn die DAWG hat ja als sie auS der Regie« ÄffgNÄrheit,.wegen der.Steuer..für die Aktiengesellschaften austrat, bewiesen, daß nur die Banken und Aktiengesellschaften ihr wirklich am Herzen liegen. Rach den Ankündigungen sollte Dr. Bacher besonders über die Judenfrage sprechen. Man hatte mit Spannung erwartet, daß er Auskunft darüber geben werde, warum er nicht mehr ins Abgeordnetenhaus, sondern bloß in die Landesvertretung kandidiet wurde. Aber auch auf diese Antwort haben die Versammelten vergeblich gewartet, was um so verwunderlicher ist, als Dr. Bacher selbst mit Ruhm für sein« Verdienste nicht sparte. Die Versammlung mutzte sich mit der „Aufklärung" bescheiden, daß Spitzenkandidat zwar ein Jude sein kann, aber nicht ein Jude sein muß. Zum Aufstiegen dieser eBrsammlung, aus der mit besten Willen kein Mensch Kug werden konnte, kam eS. als zum Schluß«in Jüdischnationaler sich zu Worte meldete. Kaunr hatte er einige Sätze gesagt, als die organisierten Deutsch- Demokraten, welche knapp vorher eine Frau hatten njederbrüllen lassen, auf einmal lebendig wurden und zu schreien begannen. Diese Gelegenheit benutzte das Henleinhäufchen, um Sprechchöre zu veranstalten. Die Versammlung löse sich in allgemeinem Wirrwar auf. was nachträglich auch vom Präsidium in aller Form festgestellt wurde. Alles in allem hat«S sich gezeigt, daß die Prager DAWG nicht mehr imstande ist, eine Versammlung in Anwesenheit von zwanzig Hen- leinstudenten abzuhaften. satz: pacta sunt servanda— technische Wahl- Kompromisse sind einzuhalten. 60 Kandidaten weitaus mehr als selbst ganz groß« Parteien— stellt die DAWG auf ihrer Liste fiir di« Lander» vertretungSwahlen auf. Nach menschlicher Voraussicht. werden diese Herren und Damen nicht alle gewählt werden. Tödlicher Sturz. Am Donnerstag mittag scheute bei einer Marschübung des Genie-Regünents Nr. 8 etwa«inen Kilometer vor der Ortschaft Mochov da- Pferd des Leutnant- L o k v e n e. Da- Tier dürste wahrscheinlich durch«in entgegenkommerch«- Lastautomobil erschreckt Wortzen sein, E- warf seinen Reiter ad und dieser geriet vor die Räder de- Lastkraftwagen-, die über seinen Kopf hinwegfuhren. Bei der Ueberführuna in da- DivisionSkrankenhauS Rr. 1 ist Leutnant Lowene seinen Verletzungen erlegen. Achtung auf L»-Verkäufer! Gestern vormittags kam«in unbekannter, etwa 40jähriger Mann, anscheinend ein Ausländer, in die Verkaufsstelle der Klassewlotterie der A. Häberle in Prag I.» Skorepla Rr. 7 und verlangte Marken. Während die Verkäuferin ihn bedient«, trat ein anderer, etwa gleichaltriger Mann ein, der ein in der Auslage befiud- licheS Los verlangte. Während er di« Verkäuferin mit langen Verhandlungen aufhielt, stahl der erste 3450 Kc in bar und vier Rote-Kreuz-Lose auS dein Laden, deren Fehlen erst längere Zeit nach dein Weggang der beiden bemerkt wurde. Vor dem Ankauf der Lose, die die Nummern 21. 22, 88 und 89 der Serie 2279 tragen, wird gewarnt.. Der erste Mann war glattrasiert, Helles Haar und grauer Anzug, der ander« ebenfalls glattrasiert, mittlerer Statur, mit einer auffallend großen Nase; er trug dunkeln Anzug und Hut. Die ErholnngSreise» der Staatsbahnen von Prag nach Karlsbad und Marienbad sind gesichert. Abfahrt nach Karlsbad am 12. Mai um 7.02 Uhr von: Masarykbahnhof und nach Marienbad gleichfalls ani 12. Mai um 8 Uhr 22 vom Wilfonbahnhof. Anmeldungen für restliche Plätze und Ausgabe der Fahrkarten am Samstag, den 11. Mai von 8 bis 13 Uhr im Bazar neben dem Wilfonbahnhof. Telephon Nr. 883.32. Die Ergebnisse deS internationalen WohnnngS- wrttbewerbeS der Bakawerke. 288 Einfendimgen— 94.500 Kt Preise. Zu Beginn dieses Jahre- hatte die Bauabteilung der Bakawerke einen intetmatio- nalen Wettbewerb für die besten Lösungen von billigen und zweckmäßigen Wohnungen für Angestellte ausgeschrieben. Ter Wettbewerb fand bei den Architekten in ganz Europa großes Interesse. ES liefen insgesamt 289 Vorschläge ein, davon 14 auS Jugoslawien, 9 auS Deutschland, 7 aus Holland, 6 auS Oesterreich, je 4 aus Frankreich und Schweden und je einer auS der Schweiz und Dänemark. Die Jury bestehend auS bekannten Architekten des In- und Au«, landes(unter anderem auch der weltberühmte französische Architekt Corbusier), nahm 27 Bauborschkäge und 14 Einrichtungsvorschläge in die engere Wahl. Der erste und zweite Preis wurden nicht erteilt, lvril kein. Projekt völlig den gegebenen Bedingungen ent- prach, dafür wurde aber der ausgeschriebene Betrag um 7250 KL erhöht und insgesamt 94.500 KL an weiteren Preisen verteilt. Die eingelaufenen Pro- ; ekte werden in einer Sonderausstellung, die am 15. Juni eröffnet wird, bis zur Beendigung deS am 27. und 28. Juni dieses JahreS in Zlin stattfindenden Kongresses für Wohnungsfürsorge der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bon den prämierten Vorschlägen werden einige unter Mittätigkeit der Autoren als Mustertypen' hergestellt werden. 2810 VcrcinsnadiridittR Unsere Wanderung am Sonntag entfällt. Wir stellen uns alle der Partei für die Wahlaroeft zur Verfügung. Die Turngc- nosfinnen und Turngenossen wenden gebeten, sich Sonnwg früh zwischen 8 und halb 9 Uhr im Parteiheim, Narodni ttida Nr. 4. einzufinden. Erfülle jeder seine Pflicht! © Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 12. Mai: Um halb 8 Uhr bei der Endstation der 7«r Elektrischen in Podbaba. Wanderung: Suchdol, Lcvy Pradec, Zalob, Roztoky, Troja. Führer Winternitz.— Voranzeige: Pfingstfahrt in Rübezahls Reich. Wanderung unter Führung Einheimischer in die schönsten Teile deS Riesengebst- geS. Standquartier NatursreundehauS im Riesen« gebirge. Anmeldungen werden in der Geschäftsstelle, Prag II., Rarodni 4, 2. Stock, jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr gegen Einlage von 20 KL bis längstens 24- Mai entgegengenommen. Für später« Anmeldungen kann keine Haftung übernommen werden. Allgemeiner Angestelltea-Verbanp Reichenbrrg, Gruppe Rrag. AmtSstunden Mittwoch. 6 bis 8 Uhr, Narodni!•!. 4/llI.— Sektion der Jungan- gestellten: Zusammenkunft Mittwoch, den 15. Mai, 8 Uhr, im Heim. Besprechung der Fahrt zum Angestelltentreffen zu Pfingsten in Brüx.— Aufnahme von minderbemittelten Angestellten inS ErhölungSheim in Hirschberg.— Führungen durch Alt-Prag.— Meldet freiwerdende Posten telephonisch 21321 dem Kollegen Strnad, Wer ist stärker: Ich oder ich? DAWG besiegt DAWG Dentschdemokraten sprengen gemeinsam mit Nazistndenten di« eigene Bersammlnng— Ein« Partei, di« ein« Arm» von 20 Lauobnben ungestraft niederbritllen lätzt! PRAG Seife 8 „Sozialdemokrat" «am-tag, 11. Mak 1938. Nr. 110 Der Socken des Sparsamen, der das Beste kauft, was für wenig Geld zu haben ist. BAUMWOLLE. Modesocken. Baumwolle mit Waschseide. Hübsch gemustert. Kunst und Wissen „Die Herren der Welt" Hat der Prager Autor Oscar Singer seinen dramatischen Versuch genannt, der in den.^Jüdischen Kammerspielen" am Donnerstag seine Uraufführung erlebte und von den zahlreich erschienenen Zuschauern mit viel Beifall ausgenommen wurde. Es handelt sich um den Versuch, die jüdische Tragödie im Dritten Reich zu besuchten,— in einer,(nicht ungeschickt aufgebauten, aber viel zu lang geratenen) Folge, von Diskussionen, deren Hauptwortführer ein vom Deutschtum enttäuschter und nur noch jüdisch fühlender Rechtsanwalt ist, der seinen deutsch-patriotischen Binder mit Sarkasmus zu bekehren versucht, wobei ihn die Argument« der Wirklichkeit wirksam unterstützen, denn der Patriot(der eine Erfindung gemacht hat, die dem deutschen. Generalstab den Sieg im Luftkrieg garantiert)- muß.von der Leitung seines Unternehmens zurücktreten, wird um seinen Erfinderruhm betrogen, von feiner arischen Frau beinahe im Stich gelassen — und soll, als er schließlich emigriert ist, von der Gestapo entführt werden. Daß der Autor die Fragen, die er drei Akte lang zur Debatte gestellt hat, am Ende unentschieden läßt, brauchte noch kein Fehler seines Dramas zu sein. Aber daß er sie in einem fidelen happy end mit.Verlobung untergehen läßt, stellt den Ernst der borangegangenen, auch schon allzuoft mit Bonmots gewürzten Auseinandersetzungen in Frage. Die Begabung des Verfassers scheint, nach diesem Zeitstück zu urteilen, eher aufs Konversationsstück zu weisen,— und die Aufführung, deren Stützen die Herren Klein-Lörk und Julius Unruh waren, betonte diese Tatsache auch noch.—eis— „Kuiha ö plamenech!"— aus technischen Gründen verschoben. Karten behalten Gültigkeit. Dienstag neuinfzeniert„DantonS Tod" von Büchner(AI). Dieses große Drama der französischen Revolution behandelt Probleme, die auch noch nicht an Aktualität verloren haben und gipfelt in den leidenschaftlichen Szenen der Parteiversamm- lung im Jakobiner-Club, der Parlameatssitzung in der Nationalversammlung und.der RevolutionStri- bnnals. 150 Mitwirkendel 26 Bilderi Regie: Gellner. SamStag Erstaufführung„ServnS! ServuSk", Revue-Operette von Georg Burkhard, Musik von Robert Stolz(C2). Montag RezitationSabend Lilli Freud-Marls in der Kleinen Bühne. Europäische und asiatische Dichtkunst! 6. 12, 18 KL. Wochenspielpla« des Neuen Deutschen Theaters. SamStag halb 8 Uhr: Madame Butterfly, D 2.— Sonntag halb 8: Die Fledermaus, A 2.— Montag 8: Tanzabend Trudi S ch o o p.— Dienstag, halb 8: D a n t o n s Tod, neuinszeniert, A 1.—' Mittwoch halb 8: Madame Butterfly, B.2.— Donnerstag halb 8: Gräfin M a r i z a, C 1.— Freitag halb 8: F a l st a f f, D 2,— SamStag halb 8: Servu s! Servus!, C 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8 Uhr: Charlehs Tante.— Sonntag 3 Uhr: P i n g- P o n g, 8: M e i n e Cousine aus Wa rschau.— Montag 8: Rezitationsabend Lilli Freud- M a r l£— Dienstag 8: CharleysTan t e.— Mittwoch 8. M ä d- chen fLr alles.— Donnerstag 8: Meine Cousine aus Warschau.— Freitag 8: CharleyS Tante, Kulturverbandsfreund« und freier Verkauf.— Samstag 8: Meine Cousin.« aus Warschau. Rheumatisch« Schmerzen,Neuralgien u. gicht. Ablagerungen heilt die aufsaugende Kraft der Thermen. Ausk.: Pistyan- btiro, Praha I, Pfikopy(Cedok) Der Film Flucht aus dem Paradies Da der Regisseur dieses Films Ernst Lubitsch heißt, ist es nicht überraschend, daß es ein außergewöhnlicher Film ist,— ein Film, der mit Witz unterhält, mit Einfällen vergnügt und die hundertmal dagewesenen Situationen des Spielfilms in eine ironische Beleuchtung rückt, die sie neu— und beinahe ernst erscheinen laßt. Was die Handlung betrifft, so ist es ein K r i» minal- und Gesellschaftsfilm, eine Gattung also, um die der schwergeprüfte Filmbesucher wohlweislich einen weiten Bogen zu machen pflegt. Aber Lrckitsch zeigt, wie man das Unmögliche möglich macht: er verzichtet darauf, uns mit der Frage nach dem Täter spannen zu wollen, und er lehnt es ab, die Gesellschaft mit Gesängen und feenhaften Festlichkeiten zu verherrlichen. Er zeigt statt deffen, daß dem Einbrecher sein Handwerk genau so selbstverständlich werden kann wie dem Fabrikanten die Bilanzfälschung—- und daß sich die beiden nicht sehr unterscheiden, wenn der Einbrecher durch dir Gunst der reichen Dame(die den Dieb ihrer Tasche für den Finder ihrer Tasche hält) erst einmal Zutritt zu den oberen Zehntausend erhalten hat. Da sitzt er dann—• als„Sekretäk" der reichen Madame— im Paradies, in dem er zwischen der Liebe und dem wohlgefüllten Safe der Dame zu wählen hat. Er wählt die Liebe urck seine Komplizin das Safe,—- und beide entschließen sich zur Flucht, als ihr Vorleben bekannt wird.(Die deutsche > Schlußszene, die das unglückliche End« dieser Flucht i andeutet, scheint nachträglich hinzugefügt zu sein). Das ist freilich nur der Umriß, den Lubitsch mit einer Fülle unaufdringlich satirischer, elegant karikierender, spielerischer und nachdenklicher Einfälle ausgefüllt hat. Wie gleich am Anfang der falsche- Baron und die nickt minder falsche Komtesse das nötige Verständnis füreinander finden, wie der. Flirt der reichen Erbin mit zwei trottelhaften Verehrern zu einer treffenden Gesellschastsparodie wird,— oder wie der herrschaftlich« Diener weniger von der neuen Leidenschaft seiner• Herrin verwirrt wird als von der Ungewißheit, hinter welcher Tür sie sich jeweils befindet(hinter ihrer oder seiner?), das sind klassische Beispiele einer spielerischen Filmkunst, die nie geschmacklos, nie witzlos und somit nie sinnlos wird. Die Darsteller fügen sich ausnahmslos in den unaufdringlich heiteren Sfil des Ganzen: die blonde Miriam Hopkins und die dunkle Kay F r a n- c iS, der jugendlich-intelligente Kavalier Herbert Marshall und der senile Everett Horton. •—eis—- Kreditanstalt der Deutschen r. g. m. b. H., Prag. Durchführung aller Geldgeschäft«. Verwaltungs-Kapital 800 Millionen KL Haftungs-Kapital 80 Millionen KL 81 Niederlassungen. filme in Prager Lichtspielhäusern Nina Mac McKinney ist die Partnerin des bekannten Neger-Baritons Paul Robeson in dem englischen Film„Bosambo" Lus der Partei Prager Genossinnen und Gen offen! Diejenigen Genossinnen und Genossen, die bereit sind, für die Partei in der Mahlzeit schriftliche Arbeiten z« leisten, ersuchen wir, sich jede« Tag nach 5 Uhr nachmittag im Parteiheim einzu- finden. Tue jeder seine Pflicht! Mitteilungen ans dem Publikum. Speisesoda«der Mineralwasser. Die Antwort kann nur dahin lauten, daß daS natürliche Mineralwasser in seiner Wirkung auf die gesamten Verdauungsorgane weit vor die Speisesoda zu stellen ist. Speisesoda wirkt einseitig in dem Sinne, daß sie nur die überschüssige Magensäure neutralisiert; sie bleibt in größerer Menge an den Magenwänden sieben und verursacht die bekannten Unannehmlichkeiten, wie Ausstößen, Magendrücken und dadurch oft Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, schlechten Geschmack im Munde. Dagegen enthält besonders^„Krondorfer Sauerbrunn" nicht nur alle in der Speisesoda enthaltenen Stoffe, sondern eine noch größere Menge in einer gewissen wechselseitigen Zusammensetzung aufgelöst. Krondorfer hinterläßt an den Magenwänden keinerlei Ansatz, nachdem er als Flüssigkeit diese Stoffe nach Auflösung auf natürlichem Weg« in den Darmtrakt abschwemmt, wogegen seine Salze für den Körperaufbau oder zur regeren Tätigkeit der Organe bestimmt sind. Es ist demnach auch dem Laien siar, daß die Wirkung des Krondorfer Sauerbrunn weitaus markanter ist als die der Speiesoda. Adria:„Der Filmfanatikcr". A. Harold Lloyd. —Alfa:„Flucht aus dem Paradies". A. Regie: E. Lubitsch.— Beranek:„Ein Kind fällt vom Himmel"". A. M. Chevalier.— Flora:„Barbara rast..Dich.— Hvözda:„Mickey-Pro« gramm".— Kincma: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna:„Bezahlte Schuld". A.— Kowa: „Bosambo". A.— Lueerna:„Bosambo". A.— Mete«:„Liebling". A. Shirley Temple.— Radi«: „Ein Kind fällt vom Himmel". A.— Staut:„Eia Kind fällt vom Himmel". A.— Baikal:„Barbarä rast...". Tsch.— Belvedere:„Barbara rast.. Tsch.—Beseda:„Die hohe Schule?). D. Rudolf Forster.— Carlton:„Ball im Savoy". D. Alpar.— Favorit:.Die Rothschilds". A.— Lid«: „C a v a l c a d e". A.— Louvre:„Barbara rast...' Tsch.— Baldek:„Barbara rast...* Tsch.. Stellenausschreibung. Zum baldigen Antritt wird ein GewersichaftS» sekretär gesucht. Derselbe muß die erforderlichen Erfahrungen auf allen Gebieten der gewerkschaftlichen Betätigung besitzen, guter Redner und Organisator sein, sowie die notwendigen Fähigkeiten zur administrattven Arbeit haben, und in jeder Beziehung selbständig arbeiten können. Antrittstermin und Gehalt nach Uebereinkommen. Die diesbezüglich eigenhändig geschriebenen Gesuche sind nebst einet schriftlichen Whandlung über die gegenwärtigen Aufgaben der^ewMschaften, spätestens bis 25. Mai an das Sekretariat des Bekleidungsarbeiterberbandes in der CSR., Sitz Reichenberg, Luftgaffe 10, zu 'zu senden. Jene Bewerber, die in einem dem Verbände zuständigen Beruf tätig waren, werden bevorzugt. 8011 Bertanb der BesieidungSarbeiter, i. d. CSR., Sitz Reichender-. EMPFEHLENSWERTE HOTELS UND GflSTHgUSERs Wir empfehlen allen Parteigenossen und Freunden in Trent Teplice die Restauration„International“(Partei-Lokal) Billiger Mittagstisch, ff. Biere und Weine 2966 Emmerich Ehn, Restaurateur Wir empfehlen das HOTEL DAX, Bratislava Stefanikstraße 31. 3 Minuten vom Bahnhof. Btirgl. Haus, Menüs Kd 6- Fremdenzimmer von Kd 12® n Wollen!ik Mil werden? Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit? Wollen Sie Ihren Urlaub schön und billig verbringen? Literatur Sieben Wissenschafter behandeln in einer Keinen im Verlage der Prager Zeitschrift„Wahrheit" erschienenen'Schrift„Raffe in Wiffenschaft und Politik". Dr. Hugo Iltis schreibt über das Thema „Der Rassismus im Mantel der Wissenschaft", Prof. Dr. Frant. W eyr, Prof. Dr. Jan Belehradek, Prof. Dr. med. et phil. B. S u k, Dr. Alfred Fuchs, Dr. Hans Reiner und Dr. Wolf*B o d a n s k y behandeln verschiedene Seiten des Rassepcoblems. Wer die Beiträge der sieben Wissenschafter zmn Rasseproblem gelesen hat, unvoreingenommen, nicht als Rassegläubiger, sondern als Mensch, der sich unterrichten will, der also der Stimme der Wissenschaft noch zu lauschen vermag, der kommt zu dem Urteil, das Bodänfly seinem Aufsatz als Titel voransetzt:„Rassismus— geistiges Giftgas I" Um dieses geistig« Giftgas zu- verdrängen, um die Verpestung der sudetendeutschen Bevölkerung durch den Raffentrug zu« verhindern ist unablässige Aufklärungsarbeit notig. Die Verbreitung dieses Heftchens trggt mit dazu.bei..Leider ist ein Preis nick: angegeben! Man wende sich an den Verlag der „Wahrheit" in Präg I., Revolukni 3. „DaS braune Retz«m die Welt." Unter diesem.Tfttl erscheint demnächst ein Buch, das das Interesse der breitesten Oeffentlichkeit in. allen Ländern, auf', sich ziehen wixd.„Das braune Netz um die Welt" ist die erste zusammenfaffende Darstellung der legalen und illegalen nationalsozialistischen Geheimorganisationen in allen Ländern. Das Buch erscheint gleichzeitig englisch, französisch, holländisch und schwedisch. Die deutsche Ausgabe erseint bei Editions du Carrefour, Paris. Im selben Verlag erscheint von Dorothy Woodman, der Herausgeberin des Buches„Hitler treibt zum Krieg", ein Buch unter dem Titel'„HitlerS Luftflotte startbereit". „Tas Wirtschaftsjahr 1934 in der Tschechoslo- wakischen Republik." Das Bankhaus Petschek bzw. deffen wissenschaftliche Abteilung gibt jedes Jahr ein wirtschaftliches Jahrbuch heraus, das wegen seiner genauen Angaben, seiner Verläßlichkeit und seines reichen Inhalts Beachtung verdient. Die heurige Ausgabe bringt u. a. eine-Darstellung der Entwicklung der tschechoslowakischen Wirtschaft im Jahre 1934, eine Ucbersickt Wer den Staatshaushalt und die Finanzen der Selbstverwaltungskörper, eine Darstellung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen, di» im Jahre 1934 getroffen wurden, wichtige Angaben aus dem Geld-, Bank- und Versicherungswesen, Angaben über Industrie und Gewerbe, über Außenhandel und Zahlungsbilanz.. Das Büchlein stellt ein wertvolles Nachschlagebuch dar. E. St. In den Editions Mötfiore, Paris, ist soeben die Fibel der Zeit„Mit uns die Sintflut" von Ä l e x a n erschienen. In den nächsten Tagen erscheint„B o r- kriegsimperialismus" von Hallgarten.—„Die Brücke nach Apfilon", der vor kurzem in unserem Blatt.abgedruckte Roman von Fritz R o« senfeld, erschien soeben in.tschechischer Uebertra- gung im Verlag„Bolna Myslenka", Prag.— Josef Hofbauers österreichischer Kriegsroman „Der Marsch ins ChaoS" ist vor kurzem inita- lienischer Uebersetzung erschienen. Die italienische Ausgabe wurde von der Polizei beschlagnahmt. Eine Ausgabe in slowenischer Sprache erscheint im Juni dieses Jahres. „Junge Welt", so nennt sich die einzige deutsche Arbeiter-Kinder-Zeitung. Sie erscheint im Auftrage des Arbeitervereines„Kinderfreunde" als Beilage zur Elternzeitschrist„Der Kinderfreund" und findet außerdem in Sondernummern eine beachtliche Verbreitung unter Arbeiter- und Angestelltenkindern. Die„Junge Welt" ist ganz auf das Kind zugeschnitten: Kurzgeschichten, Gedichte, Lieder, Berichte aus den Gruppen der„Roten Fallen", Aufsätze und Zeichnungen von Kindern, eine Rundschau über die Ereignisse in der Welt, eine lustige Ecke, Rätsel, Besprechungen von guten Büchern für die Jugend und, was vor allem wichtig ist: viele Bilder. Die Zeitung pflegt den Gemeinschaftsgeist in der jungen Generation und fördert vor allem die proletarischen Tugenden: soziales Empfinden, gegenseittge Hilft, Kameradschaftlichkeit und Völlerversöhnung. Daneben verbreitet sie Allgemeinwissen über Naturkunde, Technik, Geschichte und Literatur. Sie fördert die sportliche Betätigung der Kinder und die Gesundheitspflege. Bei erstkl. Einrichtung, Fürsorge und Bedienung sind wir wirklich billig. In Bohdaneö erwartet Sie Genesung und Erholung. 3000 Saison 2. Mai bis 30. September OPTIK u. 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