I 15. Jahrgang Nr. 111 Sonntag, 12. Mai 1935 Einzelpreis 70 Heller (•imchllaSlich 5 Haller Porto) IENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK f ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiupochova«. Telefon«77. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, PRAG. M I r 1 1 Wählt sozialdemokratisch I Die Rothauer Arbeitslosen an die Arbeiterschaft: Als die mehr aIs fünftausrnd Männer und Franen der Arbeit auf dem Ber- sammlungsplatz aufmarschiert waren, eröffnete rin Fanfarenstoß und»in trotziges Kampflied die ergreifende Kundgebung. Genosse Banmgartl begrüßte dir Teilnehmer, besonders Genossen Tr. Czech, dem langanhaltendr Ovationen dargebracht wurden. Genosse Dr. Czech war übrigens schon an der Grenze des Bezirkes, wohin ihm Bezirlshaupt- mann Krpalek zur Begrüßung entgegengekommen war, mit stürmischem Jubel empfangen worden. AlS erster Redner sprach Genosse Katz, der dir ungeheuere Bedeutung her bevorstehenden Wahl hervordob und in scharfen Worten dir Schwindrlbrwegung Henleins geißelte. Genosse Dr. Czech, der nach ihm das Wort ergriff, sprach davon, wir daS Unglück und der Hunger über Rothau gekommen ist. Er stellte dir Arbeiterfeindr, denen das Verbrechen zur Last fällt, denen gegenüber, die mit letzter Aufopferung sich bemüht haben, d 0 r t zu helfen, wo die Verräter der deutschen Arbeiter- klasse zerstört haben. Minutenlanger, brausender Beifall dankte der Rede des Genossen Dr. Czech. Hierauf verlaS der arbeitslose Lokalvrr- trauensmann von Rothau, Genosse K ü n z l, folgende Rothau.(Eigenbericht.) Die deutsche so- sialdemokratische Partei hatte für Samstag ihre Anhänger zu einer Kundgebung nach Rothau 'Rfgrrufen. Die flaffenbrwußte Arbeiterschaft des •’n der Werksstillegung am härtesten betroffenen Teiles des Erzgebirges wollte gerade an der Stelle, der von„deutschen Volksgenossen" das fluchwürdige Verbrechen der Stillegung drS Betriebes langen wurde, ihre Stimme erheben gegen 'ir Zerstörer der Heimat. DieS ist ihr in einem Ausmaß gelungen, das ^le Erwartungen übertroffen hat. Sowohl aus N*thau selbst als auch aus den Orten der Um- trbung war die Teilnahme an der prachtvollen ÜRadgebnng ungemein stark. Bon Rosenthal, w^sich die Teilnehmer formierten» zogen dir «lassen in schier endlosem Zug nach R 0 t h a« zur Turnhalle. Stumm, voll Erbitterung über das an ^nrn begangene Verbrechen, zogen sie an Stätten ^tdri, an denen einst ihre fleißigen Hände für ülund ihre Familien Brot geschafft hatten, ehe Henleins Kompagnon« sie zu Arbeitslosig- lslt und Hunger verurteilt hatten. Aufschriften» stt an den nun wie tot daliegende« Fabrikstätten ^Erbracht waren, und Transparente» die dir -ltbriter im Zug trugen, trachten die erbitterte Etüumnng zum Ausdruck. Die Kaufleute und Ge- warßetreibrnden der Stadt hatten während des und der Kundgebung ihre Läden geschloffen. Rothau, Schindelwalde, Neudek in den Jahren 1929/30 zu entscheiden gehabt über Doderer und seine wenigen Aktionäre, so schwören wir, dieses Verbrechen an unserer Heimat wäre n i e m a l s begangen worden. Obwohl wir soviel verloren haben, lassen wir uns eines nicht rauben: unsere sozialistische Gesinnung und Einigkeit! Wir belegen diesen Hinweis nut dem Ergebnis der G e m e i n d e w a h- l e n in Rothau am 9. Dezember 1934, wo wir dem fascistischen Ansturm der SHF mit der Erhaltung der sozialdemokratischen Mehrheit in der Gemeindestube mit w e i t e r e m Stimmengewinn antworteten. veutrcke Arbeiter! Arbeitslose! Seid einig in diesem Wahlkampfe gegen die Feinde der klaffenbewußten Arbeiter, schäft in diesem Lande! Errichtet mit uns gegen die Front der Reaktionäre, der Unternehmer und der faszistischen SHF die Aufbaufront des Sozia- l i s m u s, schließt euch in die Reihen der s o z i a l i st i s ch e n Volksfront der Arbeiter. Arbeiter! Arbeiterinnen! Arbeiterjugend! Kleinbauern! Hört die Parole von Rothau, Schindlwalde, Graslitz, Neudek: triebe in Neudek wurden im Jahre 1932 bis 1933 von dem gleichen Schicksal getroffen. Durch diese Besitztransaktion wurde dieser Teil des Erzgebirges von Graslitz bis weit über Neudek zu einem dauernden Elends« und Notstandsgebiet. ‘ Hier wurde unter Führung des Generaldirektors Doderer unsere Erzgebirgsheimat vernichtet, verlor der deutsche Arbeiter seinen Arbeitsplatz. 3000 Arbeiter mit mehr als 8000 Angehörigen wurden das Opfer des Jndustrievernichters Doderer, der für die SHF Wahlgelder sammelt. Arbeiter! Schicksalsgenossen I Als wir damals, nur auf die Unter st ützung unserer sozialdemokratischen Paria- mentarier angewiesen,einen schicksalsschweren Kampf um unsere Existenz und damit um unsere Heimat führten, habm uns weder Henlein noch Sandner in dem verzweifelten Ringen um Arbeit und Brot unterstützt. Nichts wurde von Dr. Czech Mittwoch im Rundfunk Unser Parteivorsitzendcr, Minister Genosse Dr. Ludwig Czech, spricht Mittwoch, den 15. Mai, von 18.25 biS 18.45 Uhr in der Prager Deutschen Arbeitersendung über das Thema: Fünf Jahre wirtschaftlicher und sozialer Arbeit Genossen, Genossinnen, sorget dafür, daß möglichst viele diesen Bortrag hören! Bildet Hörergemeinschaften! Proklamation der Arbeitslosen von Rothau, Schindiwald und Neudek an die sozialdemokratische Arbeiterschaft ArbeiterI Leidensgenossen I der Heimat entfernt verlegt^ Die B«' In diesem Wahlkampfe wird viel Kampfe um die Heimat und den Zutschen Arbeitsplatz gesprochen. Hiezu sollen auch wir das Wort ergreifen, da gerade darin praktischen Anschau- ^igSunterricht genoffen haben. Wer vernichtet die Heimat des sudetendeutschen Arbeiters? Wer entzog dauernd dem deutschen Arbeiter seinen Arbeitsplatz? $, Die Arbeiterschaft der beiden Erz- Mrgsbezirke Graslitz-Neudek erteilt Amtlich die Antwort. L Wir, unsere Väter und Vorväter, toben die Rothau-Neudeker Eisenwerke tosgebaut. Nur durch die Leistungen der ^erksarbeiter haben die Erzeugnisse die- •to Waren Weltruf erlangt. Bom Jahre 1923 bis 1927 hatte das Unternehmen 68 Millionen Kc Reingewinn erzielt, die Produktion wurde um mehr als das Doppelte gesteigert! ^dtz dieser unwiderlegbaren Tatsache Mrde das Unternehmen als lebensunfä- Wdezeichnet und im Jahre 1930 sirr ^ner in das tschechische Gebiet, weit von Henlein kneift aus Herr Henlein und Herr Doderer waren mittels rekommandierter Briefe zu der Kundgebung i ringelnden worden. Sie hatten sich aber vor der Rothauer Arbeiterschaft gedrückt und es vorgezogen, nicht zu erscheinen. Die Versammlung guittierte dir Mitteilung über das„vorsichtige" Fernbleiben der beiden Herrn mit stürmischen Pfm-Rufen. dieser Seite für die Errichtung einer Er satzindustrie getan. Diese unwiderleg baren Tatsachen unterbreiten wir der Arbeiteröffentlichkeit des ganzen Lan des, weil wir wissen, daß hunderttansende Arbeitslose das gleiche Schicksal erleiden wie wir. Unser Ruf gilt der gesamten Arbeiterschaft und dem Heere der Ar beitslosen: Nur sozialistische Planwirtschaft kann dir bestehende Wirtschaftsanarchie ab lösen! Wir Arbeitslosen von Graslitz, Rothau, Schindelwalde, Neudek. bezeu gen feierlichst im ganzen Lande, daß uns in dem schwersten Stande der Not nur die sozialdemokratische Partei beigestanden hat. Durch die Krisenfürsorge der Sozialdemokraten in Gemein de, Bezirk und Staat wurden wir Ar beitslosen bei Beginn der Wirtschafts krise auf das weitestgehende unterstützt, unsere Notlage gemildert, während die Herren, die die Errichtung der sudeten deutschen Volkshilfe betreiben, sich e r st kurz vor den Wahlen daran erinnerten, daß die Volksgenossen Arbei ter hungern und darben müssen, daß un sere Kinder hungernd zur Schule gehen. Die SHF will das Genter- S y st e m beseitigen! Wir sagen: Hände weg von dem letzten Stück Brot der Arbeitslosen, wenn wir nicht im Bettlertum unterge-- hen wollen! Wir haben erkennen gelernt, daß das Kapital, das Unternehmertum, keine Milde kennt, daß es sich dorthin wendet, wo die höchsten Profite sind, wo die größte Ausbeutung der Arbeiter möglich ist. Solange die Gesellschaft des Kapitals andauert, wird das arbeitende Volk keine gesicherte Heimat haben, die sie so sehr liebt. Hätten die Arbeiter von Wählt die sozialdemokratische Liste Nr. 6! »»* Mit einem flammenden Appell, alles für den Sieg i der deutschen Sozialdemokratie bei den Wahlen! rinzusctzen, schloß Genosse Banmgartl die Ver sammlung, in der die am, härtesten betroffene Arbeiterschaft des Erzgebirges wieder den Beweis erbracht hat, daß sie kampfcntschloffen, trrq und j unerschüttert zum Sozialismus steht.( Seit« S Sonntag. 42. Mai 1935 Nr. 111 I» seiet«in» Ganzei Dr. Czechs Rede vor den Bodenbacher Arbeitern In der von uns gestern gemeldeten riesigen sozialdemokratischen Kundgebung in Bodenbach hielt Genosse Dr. Czech folgende Rede: Ich überbringe Ihnen herzlichste Grüße unserer Gesamtbewegung und innigsten Dank für ihre herrliche Arbeit, die in der heutigen grandio» sen Manifestation ihren Höhepunkt findet. Die Frage, die wir uns heute zu stellen haben, lautet: Was ist der Sinn des Kampfes, den wir in dieser Stunde führen? Niemand von uns, der in jahrzehntelanger demokratischer Tradition erzogen ist, wird die große Bedeutung des Wahlkampfes verkennen. Der Neuzusammensetzung des Parlamentes, der neuen Kräftekonstellation als Unterläge für die Regierungsbildung kommt eine ganz außerordentliche schicksalsschwere Bedeutung zu. Und darum die äußerste Krästeanspannung unserer ganzen Bewegung. Aber wer die Augen offen hat, wer in den Tiefen des jetzt in schwerster Gärung befindlichen Wirtschaftsprozestes zu schürfen versteht, wer die verzweifelten Anstrengungen des Kapitalismus und der kapitalistischen Bourgeoisie versteht» sich um jeden Preis und sei es auch unter den größten Opfern und unter Aufgebot von Gewaltmitteln an der Macht zu erhalten, wer das Aufgebot der kapitalistischen Avant-Garden, der faseistischen Söldnerscharen richtig zu deuten versteht, weiß, wieviel es geschlagen hat. Dazu kommt aber noch die Entwicklung der Verhältnisse im Nachbarreich in allen ihren Phasen— Saarabstimmung, Re- kor daufrüstung, stehendes Heer-— und andererseits die psychologischen Auswirkungen des Geschehens im Nachbarreich auf die nationalistischen Kreise unseres Landes. Wahrlich, man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, daß da- Land«nd seine Bevölkerung augenblicklich vor den schwerste« Schicksalsfrage« stehen und daß es in dem großen Ringen zwischen Kapitalismus und Sozialismus, zwischen Fascismus und Demokratie ums Ganze geht und daß die Ar- beiterklafle und mit ihr alle demokratischen Kräfte des Landes das Aeußerste aufbieten müssen, das Land vor dem faseistischen Einbruch-zu- bewahren, die Demokratie und ihre Einrichtungen vor dem faseistischen Zugriff zu schützen, jeden Versuch eines feindlichen Ansturms im Keim zu ersticken und wenn es notwendig sein sollte, rücksichtslos niederzüschlagen, und so den Staat, der dem Ansturm der internationalen Reaktion so herrlich zu trotzen vermochte, die Mög» lichkeit zu geben, seine schon zur Tradition gewordenen Friedensmission zu vollenden und dem Lande und seiner Bevölkerung Frieden, Freiheit und Brot und eine gedeihliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu sichern. Darum kann ruhig gesagt werden, daß der Dahlkampf, den unsere tapferen sozialistischen Arbeiter mit großer Begeisterung, Leidenschaftlichkeit und Hingabe führen, nur eine Etappe in unserem großen Kampfe ist. Er ist eine Fortsetzung des schweren Kampfes, den wir seit vielen Jahren, besonders aber in den letzten harten Monaten gegen den Fascismus führen und der auch nach Abschluß des Wahllampfes neuerlich mit elementarer Gewalt entbrennen und fortgeführt werden wird bis die fascistische Gefahr ausgerottet und der fascistische Gegner niedergeworfen ist. Die sozialistische Arbeiterklasse hat es in ihrem kampfreichen Leben niemals leicht gehabt. In der Auseinandersetzung mit den Klassenfeinden wurden an das sozialistische Proletariat unseres Landes immer die größten Anforderungen gestellt. Die jetzige Stunde erheischt aber von ihm heroische Leistungen von gigantischem Ausmaß. Die großen Schwierigkeiten, unter denen wir den Kampf in unserem Lande führen müssen, liegen vor allem auch darin, daß wir es nicht mst einem Gegner zu tun haben, der sich uns unter offener Flagge entgegenwirft, sondern den Kampf durch offenkundiges Falschspiel und unter Anwendung aller möglichen Tar- nnngSkünste auf ein Nebengeleise zu schieben sucht. Man spiegelt einen Kreuzzug gegen die Zerrissenheit des sudetendeutschen Volles vor und rollt daS Banner der„Einigkett" und„VollSge- meinfchaft" auf, hinter dem sich in Wirklichkeit die Fratze des Fascismus verbirgt, dessen sudetendeutsche Nationalgarde man für den entschiedenen Augenblick bereitstellt. Der Kampf um die Einigung des deutschen Volles und die Volksgemeinschaft ist nur ein Aushängeschild des Ascher Kramladens, während der eigentliche Kampf der Heimatfront auf die Verwirklichung der fasci- stischen Ziele gerichtet ist. Und nun zum Kampfe um die „Bolksgemeins chaft". Noch in Böhm.-Leipa beteuerte Henlein, daß es ihm um nichts anderes als um die Einigung des deutschen Volkes in unserem Staate km Sinne lebendiger Volksgemeinschaft zu tun sei. Seüher wiederholt er immer und immer wieder, daß er nur dem«inen, dem einzigen Gedanken der Ver- wirllichung der Volksgemeinschaft diene. Noch am 14. April d. I. schrieb einer der ersten Berater Henleins, Herr Sebekowsky, daß die SHF tatsächlich die Partei der VollSgemeinschaft sei, daß Wohl auch schon früher viele Männer die VollSgemeinschaft gewollt haben, daß aber erst Henlein die Sehnsucht wahr gemacht habe. Di« SHF glaubte, durch eine Totalität-Kampagne«ach reich-deutschem Muster alles unter einen Hut und unter das Diktat Henleins bringen zu können. Dieser Versuch schien ursprünglich zu gelingen, da das ganzeBür» gertum den Kopf verloren hatte und panikartig auseinanderstob, nachdem Henlein die Bürgerparteien kunstgerecht dezimiert hatte. Doch die Herren um Henlein hatten den"Bogen überspannt. Langsam trat wieder bei einem Teil der deutschen Parteien die Besinnung ein und daS Fazit war, daß am 3. Mai, dem Tage der Einreichung der Kandidatenlisten statt der Eudrtendrutschen Heimatfront, di« das gesamte deutsche Bürgertum totalitär ver» körpern sollte, 13 deutschbürgerliche Parteien Kandidatenliste» einreichtrn, die Heimatfront und die christlich- soziale Partei, die Karpathen« d e u t s ch e P a r t e i, die trotz des Anschlusses an Henlein ihre Selbständigkeit nicht aufgeben wollte, der BundderLand Wirte und die Deutschsozialen, der Sudetendeutsche Wahlblock, in dem sich die„Partei der deutschen Arbeiter" mst F a h r n e r an der Spitze, der Sudetendeutsche Landbund Han- re i ch S, die deutsche Gewerbepartei, die deutsch-demokratische Partei, Bruchtelle der Deutschnationalpgrte i, die Wirtschaftspartei der Schuldner, die deutsche Freisoziale Partei Simon Starks und die funkelnagelneue Realsoziale Partei zusammenfanden, wozu natürlich noch die deutsche Sozialdemokratie und die deutschen kom- munisstschen Arbeiter kommen. Noch«ie zuvor haben fich so viele deutsche Partei«« zum Wahlkamps gestellt. Wie ein Elefant im Porzellanladen hat die SHF gewütet und alles, was sich vor ihm im deutschbürgerlichen Lager nicht beugen wollte, krumm und klein geschlagen. Tie Herren um Henlein haben uns auch schon für die sudetendeutsche Totalität einen Anbruch, Ausbruch«nd Umbruch versprochen. Sie haben den Durchbruch angekündigk, in Wirklichkeit war es ater ei« vollkommener Zusammenbruch. Politisch hat also Henlein, der seinen ganzen Kampf ausschließlich auf die Idee der Einigung eingestellt und daS deutsche Lager in den paar Wochen deS Wahllampfes in Scherben geschlagen hat,«ine katastrophale Niederlage erlitten, da er alles auf diese eine Karte gesetzt hatte und den Einsatz restlos verlöre n hat. Allerdings— und damit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt unserer Darlegung— geht eS der SHF nicht um die Verwirklichung der VollSgemeinschaft, sondern um jene Kampfziele, die wir an früherer Stell« charatterisiert haben und deren Bekämpfung und Niederschlagung eine Schicksalsaufgabe der Arbestcrklasse, die Mission aller demokratischen und freiheitlich denkenden Menschen ist. Genosse Dr. Czech beschäftigte sich dann eingehend mit den Kampfmethoden der SHF. und demonstrierte an einzelnen Beispielen die Niedertracht der Gesinnung, di« au- jedem Flugblatt und aus jedem Zeitungswort, das aus dieser Richtung kommt, in geradezu aufreizender Weise spricht. Die Herrschasten scheinen zu vergessen, daß sie mst ihren niederträchtigen per- ln Prag— Sudetendeutsche Partei, In der Provinz— Sudetendeutsche Heimatfronti In der DAWG-Bersammlung, welche Freitag in Prag stattfand, verstreuten Henlein-Studenten Klebezettel, welche für die Liste Henleins Propaganda machen sollten. Nach alten Mustern erklärt die Henlein-Partei, daß sie für die Studenten nicht verantwortlich sei und Auftrag gegeben habe, die Versammlung nicht zu stören. Das W a h l m a.t e r i a l sei nicht für Prag, sondern für die Provinz bestimmt gewesen. Diese Erklärung ist außerordentlich interessant und aust'chlußreich. Die Klebezettel haben nämlich den Aufdruck: Wählet SHF! Nun ist bekanntlich offiziell aus der Sudetendeutschen Hri- matfront eine Sudetendeutsche Partei geworden. Die Henlein-Leitung gibt jetzt aber in einer ofsi- zicllen Auslassung selbst zu, daß diese(äußere) Wandlung von faseistischen zu demokratischen Formen nur für diePragerBehördenbe- stimmt ist. In Prag nennt man sich Heimatpartei, in der Provinz ist man Heimatfront. Nun, je deutlicher, desto besser... sönlichen Angriffen nur die gegeMeilige Wirkung erzielen und sie vergessen, daß daS Leben nach dcM Wahllag weitergeht. Sie werden es dann noch p spüren bekommen, waS sie durch ihre barnumartige» Kampfmethoden innerhalb der ganzen deutschen Bi> völlerung und auch in gewissen deutschbürgerliche» Schichten angerichtet haben. Herr Henlein kann stä dann bei seinen Beratern dafür bedanken. Zum Schluß richtete Genosse Dr. Czech eine» warmen Appell an die Versammlung: Und nun Genossen lassen Sie mich Ihne» nochmals für die herrliche Kundgebung Da»! sagen. Wir haben nur noch einige Tage zur Beifügung. Unsere Arbeiter wissen, was auf de»> Spiele steht. Sie wissen, daß wir in einer Ze» der Schicksalswende stehen. Sie haben in solchs» Stunden immer bewiesen, daß sie würdig sind, i» einer bedeutenden geschichtlichen Epoche zu lebe» uns zu kämpfen. Sie haben in keiner Lebenslage versagt, wie erst in den Stunden so bedeutsamer historischer Entscheidungen. Setzen wir als» in den letzten Stunden unser ganzes Können, unser Hirn und unser Herz, unsere Hingabe und unsere Tatkraft ein. Lassen wir im letzten Augenblick eine neue Flamme der Begeisterung hell aufleuchten- Entfallen wir unser Banner klar zum Gefecht u»? lassen es west und stolz in die Lüfte flattern. Setzen wir alle unsere Kräfte daran, dem fascifti- schcn und nationalistischen Gegner die Opfer, du er sich auS den Arbeiterreihen herauSzuholeN versucht, zu entreißen. Das ist unsere wichtigste Aufgabe, das ist das Ziel» das wir uns heute stecken müssen. Die Arbeiterklasse hat e- in der Hand, dem Fascismus de« tödlich« Schlag zu versehe«, sie wird e- i« füllung heiligster Pflicht«m- der sion heran-, die ihr gestellt ist, vollbris' gen. Dan« aber ist die Bah« frei am dem Wege zur Erfüllung der Hoff' «ung-träume der sozialistische« Arbeiterklasse, ans dem Wege zum««--880 gen Sieg de- internattonalen, völkerbefreienden Sozialismus! —MW——„KB,MMBMBMMBB^ 17 Roman von Emil Yirhric~*1 Deutsch von Anna AurednKek Ihre weibliche Niederlage trat ganz in den Hintergrund angesichts dieser Sorge. Plötzlich und unertvartet trat aber der erste Mann in chr Leben, auf den sie Eindruck machen sollle. Er saß am Weg auf einem Baumstamm und betrachtete Pflanzen, die auf seinem Schoße lagen. Es war einer der Ausflügler, erkannte sie und sagte:»Fürchten Sie nicht, Ihre Gesellschaft zu verlieren, Fräulein?" Sie war höchst überrascht, daß sie ihm, ohne zu stottern, sogar mit einer gewissen Koketterie zu antworten vermochte:»Wenn Sie sich nicht fürchten!" Der Mann blickte mst saurer Miene der Gesellschaft nach:„Für mich sind es Narren! Ich bin froh, sie los zu sein."— „Warum sind Sie dann auf den Ausflug mitgekommen?" ftagte Sophie und wunderte sich neuerlich über die Leichtigkeit, mit der sie sich auf diesem gefährlichen Wege bewegte. Der Nachzügler schien auf diese Frage gewartet zu haben, denn er antwortete rasch:»DaS ist nichts Besonderes, Fräulein. Ich lasse keinen Ausflug unserer Gruppe aus, weil ich.die Natur liebe und inmstten von Giften lebe. Ich arbeite nämlich in einem zinkographischen Atelier. Unser Leben ist elend, ich unternehme aber Ausflüge. Wie leicht es sich im Walde atmet, eine Last sälll einem vom Herzen... Geht's Ihnen auch so?" Sophie war aber auf einmal erschrocken und pipste:„Ich weiß nicht." Der Mann lächelte sehr angenehm, als hätte ihn gerade diese Antwort erfteut und seüu Worte, die ihm sichtlich Freude bereiteten, flössen wie Oel von seinen Lippen,» Sie sehen, ich bin ganz anders geartet als andre Menschen. Die andern" er wies mit dem Daumen auf die sich Entfernenden, er bog den Daumen merkwürdig weit nach rückwärts, „die andern... aber wozu Worte verlieren. Für die ist die Natur gar nichts— das Kino, das ist das Richtige. Was ist die Natur? Ein Schmarrn? Ein Hihi, Haha? Herumjagen und wie eine Herde kreischen? Wie denken Sie darüber?" Sophie dachte gar nichts. Sie hatte nur den Eindruck, wie alle unselbständigen Menschen, daß er ihr auS der Seele sprach. Dennoch sagte sie:»Na, ich weiß nicht..." Der Mann leckte an seinen Lippen und sprach weiter wie ein geborner Redner:„Natürlich ist dies nicht die Natur. Das ist ein Narrenhaus, keine Natur. Natur ist: der Wald, die Bäume, die Pflanze, die Sonne, das Bächlein, das Reh, ein Brünnlein und— vernünftige Beine", fügte er unerwartet hinzu.„Wir haben Beine, um zu gehen, nicht, um zu laufen— sonst würden sie ja Läufe heißen, wie beim Hasen. Ich verstehe die Natur, Fräulein, und gehe bedächtig. Sie auch?" »Ich hab' es immer eilig", gestand Sophie und wußte jetzt, daß dies falsch war und sie immer bedächtig gehen sollte. »Sie dürsten«inen besseren Atem haben als ich", sagt« er zu ihrer Entschuldigung in galanter Weise.„Ich bin diesbezüglich etwas strapaziert. Bei unserer Beschäftigung hat die Jugend nur eine kurze Dauer. Für wie all hallen Sie mich?" „Fünfunddreißig", sagte sie, glaubte aber, daß er vierzig Jahre alt sei. »Na, sehen Sie", sagte er mtt tiefer Befriedigung,»ich bin aber erst dreißig Jahre all." Dann lachte er über ihren Jrrtmn und sein Gesicht mit den verschwommenen, ausdruckslosen Zügen sah dabei greisenhaft und kindisch aus. Er lachte lange und siegreich. Als er wieder ernst geworden war, beklopfte er Bauch und Brust und fuhr Wetter fort:»Lunge und Magen! DaS ist die Steuer fiir unsere Arbeit. Unsereiner hat die Lunge oder den Magen kaputt." Sophie erschrak und ftagte:„Wo fehlt's Ihnen?" Er blickte sie streng an, besann sich äber und lächelle wieder ganz unerwartet. Er sah ganz zu» frieden aus, als er erklärte:„Bei mir, bei mir ist beides hin." Sophie erbleichte. DaS schmeichelt« ihm außerordentlich. Er weidete sich eine Weile an ihrem Leid und sagte dann mit Feinschmeckermiene:»In unserer Werkstatt bin ich der einzige, dessen Lunge und Magen kaputt sind." „Aber das ist ja entsetzlich", flüsterte Sophie. »Sie sollten sich schonen. Kurieren Sie sich doch!" Dieses Interesse schmeichelte dem Weichling. Er band die Leberblümchen auf seinem Schoß zu einem Sträußchen und erklärte:„Selbstverständlich kuriere ich mich." »Beim Krankenkassenarzt?" Er winkte betrübt mit der Hand.»Krankenkassenarzt? Kuriert denn überhaupt eüt Krankenkassenarzt? Haben Sie, Fräulein, jemals einen wirllichen Kranken gesehen, den ein Krankenkaffenarzt behandelt? Mich hat er davongejagt l" Eine haßerfüllte Pause folgte.„Jawohl, da» vvngejagt, wie Sie mich hier sehen! Jedesmal» wenn ich komme, jagt er mich davon! Er lacht. Manchmal ist er böse. Eö sei gar nichts. Die Pest auf diese Aerzte! Stechen und Druck auf der Brust, Krümmen in den Gedärmen, Krämpfe im Magen, Surren im Kopf, Schluckbeschwerden, Schlaflosig» kett und schlechte Verdauung, Angstgefühl, Husten, Atemnot und— mit Verlaub zu sagen— trüber Urin find angeblich nur subjektive Gefühle!" Der Lazarus glühte. In seinem grauen, langweiligen Gesicht glühten einige krankhaft rote Flecke. Er sah durchgeistigt aus. Mit geballter Faust droht« er allen Aerzten der Krankenkasse. „Subjektive Gefühle! Mord unter dem Deckmantel der Wissenschaft! Bis ich einmal auf dtm Wege von so einem sogenannten Doll« sterbe, so wird eS wahrscheinlich— auch ein subjektives Gefühl sein." »Vielleicht sind die andern., piepste sie. „Gehupft wie gesprungen. Vielleicht find etwas sanfter. Ich bin längst schon von dem Glauben an die Wissenschaft dieser Menschen geheilt.^ „Von wem lassen Sie sich also behandeln? Der Lazarus antwortete feierlich, als spielst er auf einer Orgel:„Bon dem besten Spezialist^» der Welt— von der Mutter Natur!" Jetzt crsch»" in der Ferne ein Geschrei, aus dem ein Wort<» unterscheiden war.„.Kräutler!" „Haben Sie gehört? Kräutler! Damit bi» ich gemeint. Jawohl, ich kuriere mich mtt Kräutern, die mir Mutter Natur bietet." Er blickte Sophie triumphierend und herausfordernd an und verstummte. Die Stille wirkst feierlich. Nur ein Eichhörnchen erschien, wagt» i' c zu unterbrechen und schwang sich vom Zw^ig herab. Der Lazarus blinzelte mit den Augen. war selbst auf'S Höste von den Worten«rgrik- fen, die er aussprechen wollte:„Meine Krankt» kann kein irdischer Arzt von mir nehmen." „Was für eine Krankheit ist eS?" fragst Sophie, schwer nach Worten ttngend. Er machte ein« neue Kunstpause. Dann sagst er mit Wollust:„Meine Hauptkrankhett wird Krebs genannt." C Sophie blickte den armen Lazarus an, als er ein Leichnam, und war überrascht, daß er>»"- leere Augenhöhlen hatte. Das gehörte zu iW Vorstellung der Krebskrankheit. Ganz erschütstst seufzte sie:„Krebs!...", »Krebs! Da schauen Sie, Fräulein, In unserer Familie ist er erblich. Mitte Fünft? kommt der Krebs und basta! Mein Later, westst Großmutter, sogar mein Urgroßvater... all« n»» an Krebs gestorben." Ein« verirrte Mücke flog LazaruS in Mund, der sich noch nicht geschloffen hatte. folgte ein heftiger Husten, LazaruS verschlug sich, wurde knallrot und übertrieb alle- in solch^ Maße, daß Sophie fürchtete, der erbliche Krcb- habe ihn schon gepackt. ^Fortsetzung folgt. Seite 3 Nr. 111 Sonntag, 12. Mai 1935 Was ist mit den Fabrikantengeldern k Wo sind die von Doderer gesammelten 800.000 Ki! Antworten Sie, Herr Konrad Henlein! Antworten Sie, Herr Dr. Rosche I Die„geheime** Wahlparole der Henlein-Partei: Probeabstimmung für den Anschluß! j Neue Loyalitätserklärungen hält Henlein j nicht für nötig. Seine letzte war das Abolitions-■ gesuch. Denn nur ein loyaler Staatsbürger erbittet Niederschlagung eines Prozesses. Einem Feinde würde sich doch ein tapferer„Ritter" offen stellen! L'. Neue Loyalitätserklärungen würden wählend desWahlkampfes stören, vor allem jene Henlein-Agitatoren, die mit den„geheimen", aber Kahren Parolen der Heimat-Partei hausieren gehen: „Stimmt für Henlein, dann Kommen wir zu Deutschland!" „Achtzehn Gemeinde« des Reuerner Gerichtsbezirkes kommen bestimmt zu Deutschland!" „Die Wahl ist eine Probeabstimmung für den Anschluß an Deutschland!" „Mag die Wahl ausfallen, wie sie ■ will— wir kommen doch zu Deutsch- land!" Das wird selbswerständlich n i ch t in Flugblättern und n i ch t in Versammlungen verkündet,— das wird„vertrauli ch", wird von Mann zu Mann weiterverbreitet— undwird geglaubt! Und dieses Deutschland-Argu- tnent ist sehr wirksam! Denn viele, die sonst nicht für Henlein stimmen würden, viele Dorsleute be- sonders, bekommen Angst: wenn wir gegen Hen- lein sind— weh unS, wie es uns dann ergehen dird, wenn wir doch zu Deutschland kommen! ES ist wahrhaftig frevelhafte Wahlagita- iion, diese Agitation mit der Anschluß-Parole! Gipfel der Gewissenlosigkeit! Denn die Henlein- Leute wissen sehr genau, daß die sudetendeutschen Gebiete n i ch t zu Deutschland kommen! Daß der Versuch ihrer Loslösung vom tschechischen Staate nur in einem furchtbaren Kriege gemacht werden könnte, in einem Kriege, der gerade die sudetendeutschen Gegenden in Wüsteneien und Leichen- selber verwandeln würde! Wer in Kenntnis die- ser Tatsachen mit der Anschlutz.Parole zu agitie- ren wagt, begeht ein Verbrechen am sudetendeut- schen Volk! Und es ist ein Dabangue-Spiel! Denn die Ernüchterung folgt— und die Wut der Betröge- uen muß sich dann gegen die Betrüger wenden. Und den Schaden trägt das sudetendeutsche Volk, das jetzt in einen wilden Taumel des Na- lionalismus hiyeingehetzt werden soll. Denn es ist klar, daß es den Sudetendeutschen wahrlich nicht dum Vorteile gereicht, wenn die Wahl als eine Probeabstimmung des Jrredentismus dargestellt wird. Auch nach diesen Wahlen werden fte im, tschechoslowakischen Staate leben— und dann I svird es nicht gleichgültig sein, ob die Tschechen ws uns wirkliche Bürger der Republik oder Jrre- bentisten sehen. Aber was kümmert die Chau- dinisten das wirkliche Wohl des Volkes! Noch ünmer und allezeit war es der Nationalismus, ber der eigenen Nation die schwersten Wunden schlug. Die Henlein-Agitatoren wissen es sehr wohl aber der deutschen Bevölkerung unseres Staates, den deutschen Wählern und Wählerinnen Muß es immer wieder eindringlich gesagt werden: Die Wahlen am 19. Mai find keine zweite Saar-Abstimmung! Sie ent- scheiden nicht über den Anschluß an Deutschland, der gar nicht zur Diskus- fion steht und nicht zur Diskussion gestellt werden wird. Aber fie entscheiden über die künftige Stellung der Deutschen in der Tschechoslowakei— und wer will, daß sie nicht verschlechtert wird, daß sie sich günstiger gestalte, wer also sein Volk liebt, der muß die Anschluß-Agttatoren, die An» schluß-Lügner zum Teufel jagen, der muß für die Demokratie stim-, men und damit gegen die Henlein-Partei! Investitionen kür künk Milliarden im heurigen Jahrei Der Minister für soziale Fürsorge, Genosse M r i tz n e r, bat Freitag im Rundfunk einen Vortrag aehalten, in dem er sagte, daß außer dem Betrag von zwei Milliarden XL für öffentliche «uvrstitionen, die im Staatsvoranschlag für 1935 borgesehen sind, heuer noch außerdem für drei Milliarden öffentliche Arbeiten werden vorgenom- Men werden. Insgesamt werden also Investitionen für fünf Milliarden XL dnrchgeführt nnd so aehntansende von Arbeitern wieder zu Verdienst kommen, Wir haben vor einigen Tagen festgestellt, daß der Generaldirektor Doderer, der Ver- derber von Rothau-Neudek, unter den Jndu- striellen 800.000 Kronen gesammelt hat. Unsere Nachricht wurde von der„B o h e m i a" b e st ä- t i g t, dem Blatte des Jndustriellensekretärs Dr. Kotrba, der es doch wissen muß, die schrieb: „Die sozialdemokratische Presse hat rin Trommelfeuer gegen Doderer eröffnet, weil er die Aufgabe übernommen habe, die finanzielle Unterstützung der Wahlen durch die Industrie bei sich zu konzentrieren." Für die Sudetendeutsche Heimatfront kandidiert aber an führender Stelle Doderers Kol- lege Dr. R o s ch e, der politische Bevollmächtigte der Industrie. Es ist zweifellos, daß das Geld für die politischen Mandatare der deutschen Industriellen bestimmt ist. Das gibt auch die„Bo- hemia" zu, indem sie weiter schreibt, daß das Geld„bei den Angehörigen jener Stünde" gesucht wird, deren Interesse die geldempfangende Partei vertritt. Die Aildusttiellen haben also dem Doderer für jene Partei Geld gegeben, die Herrn Rosche kan- Seltsame Volksgemeinschaft Treffende Charakterisierung Henleins durch die„Prager Presse“ Die„Prager Presse", welche bereits in der Freitagnummer an leitender Stelle die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins charakterisiert und dargetan hat, daßdie-Sudetendeutsche Heimatfront den Marsch des sude- tendeutschen Volkes in dieWüfte'bedeutet, be- ’"faßt sich auch in ihrer SamStagaüsgabe mit Henlein und schreibt:" Was das Wort V o l k in den Aufrufen und Mahnungen der Sudetendeutschcn Partei betrifft, so wollen wir fragen: Welche Volksgemeinschaft meinen Konrad Henlein und die Seinen? I st es jenes Volk, das er in seinen Flugblättern an rempelt, indem er dessen Vertreter „Bonzen und volksfremde Parteisekretäre" nennt, indem er in unzweideutiger Weise dieses Volk für eine Masse von Hirnlosen hält, die auf die dümmsten aller dummen Agitationen hereinfallen, nämlich auf den billigenAntisemitismus, indem er dieses Volk, das er so sehr unterschätzt, daß er seine Führer als„Spießbürger und Deutschenfeinde" bezeichnet, in seine Unmrmungen lockt, d. h. diese demo- didiert, d. i. also die„Sudetendeutsche Partei" des Herrn Konrad Henlein. Henlein führt also seinen Wahlkampf mit dem Geld der Kapitalisten. Wir haben diesen Vorwurf erhoben. Die Heimatfrontler haben behauptet^ sie hätten mit dem Gelde Doderers nichts zu tun. Herr Dr. Rosche, reden Sie: Haben auch Sie mit dem von Doderer gesammellen Industriellengeld nichts zu tun? Antworten Sie! H e r r K o n r a d Henlein! Warum werfen Sie den Rosche, der das Doderergeld hat, aus ihrer Partei nicht hinaus? Wenn Sie nicht antworten, sind Sie gerichtet, denn jeder Sudetendeutsche weiß dann, daß Sie Ihren Wahlkampf mit Kapitalistengeldern führen, mit dem Sündengeld jener,die Rothan- 9k e u d e k zugrundegerichtet haben. kratischen Arbeiter angleichen, gleichschalten und seiner Führung unterstellen will, die nicht anders denn als gefährlich bezeichnet werden kann? Seltsame Volksgemeinschaft, die volksverbundene Menschenmassen so von oben herab behandelll In diesem Zusammenhang eine Bemerkung, fast in Paranthese. Dian kümmert sich im Henlein-Lager ungemein um die Emigranten aus Deutschland. Warum kümmert sich Henlein und sein Lager um deutsche Emigranten, wenn er bindend erklärt, von den Dingen in Deutschland nichts zu wissen? Wenn er die Hemmt re- spettiert,. äuf. deren Boden er seine Partei organisiert, so möge ex auch das Recht dieser Heimat auf Asylgewährung respektieren.— Ueberhaupt sollte die Henlein-Gruppe mit der Frage der Emigration an sich zarter umgehen. Es gibt auch gewisse Emigranten aus der Tschechoslowakei in Deutschland! Henlein kennt sie gut oder sehr gut! Und da wir eben bei den Emigranten aus der Tschechostowakei in Deutschland halten, deren Volks- und Arteigenheit gewiß von niemandem besttttien werden kann, wollen wir auch an gewisse Verhaftungen und Urteile erinnern, welche gegen Mitglieder der SHF gefällt wurden, die sich Konrad Henleins loyale Kundgebungen samt der Liebe zur Heimat, die nicht anders als Tschechoslowakei heißt und nie anders heißen wird, wahrscheinlich nicht zu Herzen genommen haben. Fascismus bedeutet Zerstörung Sozialismus bedeutet Aufbau Wählt Liste 6 „Die einzige demokratische deutsche Partei” Was ein ehrlich bürgerlich-freiheitliches Blatt über die deutschen Sozialdemokraten schreibt Das demokratische, unvoreingenommene, aber durchaus bürgerliche Blatt„Die Wahrheit" bringt in seiner letzten Ausgabe eine Uebersichi über den Aufmarsch der Parteien zu der kommenden Wahl. In dieser Zusammenstellung schreio: das Blatt über die deutschen Sozialdemokraten: Dieser Partei muß auch ein bürgerliüeI Orgau wie„Die Wahrheit" zuerkennen, daß sie sich als einzige deutsche Partei offen, rückhaltlos und ohne Rücksicht auf die sudetendeutsche Provinz als demokratische Partei voll bewährt hat. W> hl fanden und finden sich auch in deutichbürgerlicken Parteien Männer, die bedingungslose Demokraten und Gegner des Hitlerismus sind; aber'eit dem Aufkommen der Henleinbewegung ist und bleibt die deutsche sozialdemokratische Partei dir Partei, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt und das braune Kind beim richtigen Namen nennt. Auch die Bedeutung unserer tschechischen Genossen wird in diesem Ueberblick voll gewürdigt. Ueber sie schreibt die„Wahrheit": Diese Partei hat sich— gleichgültig ob aus Sorge um die eigen« Existenz oder aus ideellen Gründen— von allen tschechischen Parteien auf daS energischeste und kompromißloseste gegen den fascistischen Ansturm zur Wehr gesetzt. Diese Partei hat ihren Mann gegen die Hitler von drar- ßen und drinnen gestanden. So sprechen Bürgerliche, denen die Freiheit und die Demokratie, die Kultur und die Menschenwürde wirklich am Herzen liegt. Henleinredner kopieren Ley und Streicher Aufschlußreiche Beobachtungen eines Reichsdeutschen Man schreibt uns: „Ein Bekannter aus Deutschland, der beruflich in der Republik zu tun hatte und im sudetendeutschen Gebiet aus Neugier eine Versamm- l u n g der„S udeten deut scheu Partei" des' Herrn Henlein besuchte, teilte mir sehr aufschlußreiche Beobachtungen mit. Schon die„Aufmachung", berichtete der Reichsdeutsche, war so, als ob sie direkt auf Grund der A n w e i s u n g e n des,deutschen Propagandaministeriums erfolgt sei. DaS'gleiche Primi- tiv-aufpeitschende Zeremoniell, der gleiche Appell an Radauinstinkte, die gleiche Methode, den Verstand einzuschläfern und die Sinne zu kitzeln. Als aber die Redner zu sprechen begannen, so sagte mein Bekannter, rieb ich mir e r st a u n t die A u g e n. Träumte ich? War ich in Hitler- deutschland?Es war nicht nur die gleiche G r u n d e i n st e l l u n g der Redner, es war auch das gleiche Schlagwort-Vokabularium, das die hitlerdeutschen Berufspropagandisten in ihren Versammlungen anzuwenden pflegen. Ich habe viele nationalsozialistische Kundgebungen besucht und mir so gewisse stereo- type Redewendungen der braunen Bonzen gemerkt. Daher war es mir möglich, festzustellen, daß bestimmte phraseologisch eEigen- tümlichkeiten der Herren G o e b b e I s, Dr. Ley und— Streicher in der sudetendeutschen Henlein-Hitlerei fröhliche Urständ' feiern." Zum mindesten ein Beweis dafür, daß die Hcnleinleute die nationalsozialistischen Propagandisten— die sie angeblich nicht kennen und von denen sie nichts wissen— sehr eifrig und auch mit Erfolg studiert haben. Ole AffSre Kut Bestürzung bei den KramaF-Leuten Erst in der gestrigen Ausgabe haben sich die nationaldemokratischen„N ä r o d n i 2 i st y" entschlossen, zu der Beschuldigung gegen den Stribrnh-Redakteur und Parlnmen sland.da en Kut Stellung zu nehmen, welcher von der italienischen Gesandtschaft Geld für die politischen Ziele der Liga verlangt hat. Dieses lange Zögern der Nationaldemokraten ist bezeichnend für die Wirkung, welche die Enthüllungen des Sen. Vranh im„Benkov" hervorgerufen haben. Der „Venkov" hat gestern seine Anklage noch einmal in präziser Form wiederholt und die Ligisten ziehen sich anscheinend auf den Standpunkt zurück, daß eine Geldforderung n i ch t s Strafbares ist, solange mit Geld keine strafbare Handlung finanziert wird. Innerhalb der tschechischen Bevöllerung denkt man jedoch anders. Kut mußte, wie der Telegraf" meldet, von acht Versammlungen, in welchen er sprechen sollte, sechs absagen, weil die Stimmung gegen chn immer erregter wird. Die Affäre Kut hat zu einer weiteren Verschärfung des Verhältnisses zwischen den zwei Hauptgruppen des„Närodnt sjednocent" geführt, weil die Angehörigen der friiheren Nationaldemokratie in Massen der neuen Einheitspartei den Rücke« kehren. Seite 4 Sonntag, 12. Mai 1838 Nr. 111 Ein Fehlschuß und ein Schufi aus der Verleumderkanone „Die Rote Wehr organisiert den Bürgerkrieg!" NiHt zum erstenmale versucht die Nazi- Heimat-Partei unsere Republikanische Wehr zu denunzieren, nicht etwa nur bei leichtgläubigen Spießern, denen das Gruseln vor den roten Pe« trvlards beigebracht werden soll, sondern auch und vor allem bei den Behörden. Jetzt aber schoß die Henleinsche Verleumderkanone besonders kräftig, feuerte jetzt eine Stinkpombe größten Kalibers ab. In balkendicken Lettern erzählt ein Naziflugblatt, die Rote Wehr organisiere den Bürgerkrieg unter Anleitung reichsdeutscher und österreichischer Emigranten (die werden besonders gern denunziert), treffe im geheimen militärische Kampfvorbereitungen, und bei einer Scharfschießübung, wie solche seit langem an bestimmten Tagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit im Wigstadtler Arbeiterheim stattfinden, sei unser Wigstadtler Parteisekretär verwundet worden. Der Beweis für die roten Rüstungen ist erbracht l Und nun müssen doch die Behörden einschreiten! Nicht gegen die Nazi, die sich hier so offensichtlich als Staatsretter zeigen, sondern gegen die roten Umstürzler. Die Behörden haben sich um die Sache gekümmert, selbstverständlich. Und sie haben festgestellt, was jeder wahrheitsliebende Journalist, wenn es in Henleins Gefolge einen gäbe, unschwer von ihnen erfahren könnten daß unser Wigstadtler Parteisekretär einen Waffenpaß besitzt, ausgestellt am 6. Oktober 1933 in Trop- pau. von der dortigen Bezirksbehörde, und daß er eine Waffe benötigt, weil er auch Kassier der Union der Textilarbeiter ist und manchmal größere/ Summen in Verwahrung hat, außerdem aber auch, weil er wiederholt von politischen Gegnern Drohbriefe erhielt, anonyme selbstverständlich, denn andere schreibt ein Nazi-Held nicht. Ain 5. Mai hatte unser Genoffe den ganzen Tag im Parteisekretariat, das im Arbeiterheim untergebracht ist, ge- arheitet. Als er eben nachhause gehen wollte, klopfte ein Besucher an die Tür. Unser Genoffe griff nach dem Revolver, um ihn in der rechten Hosentasche zu bergen. Dabei entlud sich die Waffe. Er erlitt eine harmlose Fleischwunde. Zeugen: der erwähnte Besucher und die Erhebungen der Gendarmerie, welche ebenso wie der ärztliche Befund über Einschuß und Verlauf des Schußkanals die Richtigkeit unserer Darstellung bestätigen/. Das ist alles, was von der„Sensation" des Henlein-Flugblattes übrig bleibt. Es genügt, um daraus eine gigantische Verleumdung zu konstruieren. Und wer die Henlein-Methoden des„ritterlichen" Kampfes kennt, weiß, daß dieser schmutzige Denunziationsversuch nicht gutgemacht werden, daß die Lüge nicht widerrufen werden wird! Denn man erfindet doch Lügen zu dem Zwecke, daß sie wirken! „Ritterliche" Kampfesweise? Ach, man weiß doch, wie gegen Ende des ritterlichen Zeitalters das Rittertum eütärtete, wie aus den Rittern Raubtiere wurden, Wegelagerer, die im Hinterhalte lauerten! klebrig blieb nur das Gerede von der„Ritterlichkeit"— jeder Buschklepper, jeder Strauchritter gebärdete sich als—„Ritter". Nur mit jenem Buschkleppertum haben die„Ritter" von heute einen geistigen Zusammenhang und Gemeinschaft des Charakters. Aber so wie die Strauchritter nur eine gewiffe Zeit lang ihr Unwesen treiben konnten, die anständigen Menschen schließlich ihrer Herr wurden, so werden die Arbeiter der modrrnn Wegelagerer trotz ihrer Verleumdungskanonen Herr werden! 5HF*Reklame in den Schichtwerken! Von einem Gewerbetreibenden erhalten wir nachstehende intereffante Mitteilung:. „Als ich am vergangenen Donnerstag am Schreckensteiner Bahnhof stand und auf den Zug wartete, machte mich ein Kollege auf die Schicht- Werke aufmerksam, an denen ich aber nichts Ungewöhnliches bemerkte. Ein Fingerzeig des Kollegen aber in der Richtung des Kesselhauses belehrte mich einer befferen, denn dort war ganz deutlich ein SHF-Wappen kunstgerecht in die Mauer«ingemeißelt,«ine Arbeit, die sicherlich einige Stunden in Anspruch nahm. Anscheinend hatten die dort beschäftigten Maurer unter Duldung der Aufsichtsorganes dies« Reklame für Henlein besorgt. Interessant ist, daß solche Dinge ausgerechnet bei der Firma Schicht geschehen, die durch die Hilfe der sozialdemokratischen Partei eine für sie äußerst günstige Zuteilung der Margarinekontingents erreichten. Es bewahrheitet sich, so schreibt der Gewährsmann unter anderem weiter, auch bei Euper Partei in diesem Falle das Sprichwort:.Indank ist der Wetten Lohn"! Da gar kein Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung unseres Gewährsmannes besteht, muffen wir schon bemerken, daß es sicher im Interesse der Firma Schicht liegt, wenn sie Vorsorge trifft, daß die politisch anders eingestellten Verbraucher nicht zu der Auffassung gelangen, im Betriebe werde die Züchtung der SHF geduldet. Volksentscheid I Offizielle Wahlparole der Sudetendeutschen Partei I Die raffiniertesten Lügen und die pathetischesten Lonnlitätsdctrnrrnngcu können de« wirklichen Charakter der Henlein-Bewegung nicht mehr verbergen. Was den deutschen Arbeitern vom ersten Tag der Existenz der SHF klar war, wird der breiteste« Oeffentlichkeit im Verlaufe des Wahl- kampfes deutlich vor Augen geführt. Die Partei Henleins läßt die Maske fallen. Vor«ns liegt ein Flugblatt, welches im Selbstverlag der Hauptstelle der Sudetrndeutsche« Partei, Eger, Bahnhofstraße, hrrausgegeben wurde und zeigt, wie sich die Agitation Henleins entwickelt. Sett Wochen wird in der Provinz den Wählern eingehämmert, daß die kommenden Wahlen für die Deutschen iu der Tschechoslowakei die-1 selbe Bedeutung haben werden wie die Abstim-1 mung an der Saar. Die Worte„Volksentscheid",! „Plebiszit",„Eingreifen des Völkerbundes" wurden erst leise und vorsichtig, dann immer lauter und sicherer von Mnnd zu Mund, von Versammlung zu Versammlung getragen. Jetzt wagt man sich auch nach Prag damit. In dem Flugblatt, welches Samstag auf derDeutschenUni- versität«erteilt wurde, heißt es schon unverhohlen: „Das Sudetendeutschtum tritt diesmal nicht zu Wahle« im getvöhn» lichen Sinne an. Es geht nicht um die Erringung von ein paar Mandaten mehr oder weniger, es geht um die Zukunft unserer Heimat! Darum wird der 19. Mai für dasSudetendeutschtum zu einem Volksentscheid." Es ist nicht das erstemal, das gewissenlose Verbrecher große Teile der deutschen Bevölkerung in Abenteuer hineinhetzen, welche für die Leichtgläubigen verhängnisvolle Folgen hatten. Niemals haben diese Demagogen die Verantwortung für ihr Tun übernommen, schmählich haben sic stets die von ihnen Verführten im Stich gelassen und sich selbst in Sicherheit gebracht. D i e P o- litik der„Volksentscheide" und „Plebiszite" treibt demselben Ende zu. Niemals wird die Henleinbewrgung stark genug sein können, um nnr ein Tausendstel dessen zu erfüllen, was sie heute verspricht. In der Nationalversammlung wird sie ein Grüppchen bilden, welches nicht mehr bedeuten wird als ehedem die kommunistische Partei auf dem Gipfel ihrer Macht. Ihren Anhängern aber, welchen vorgegaukelt wird, der Staat zittere vor ihnen, werden die Augen übergehen, wenn es auf die Probe ankommen wird. Die Verantwortung dafür werden Henlein und sein Stab tragen, sie tragen auch die Verantwortung dafür, daß das Deutschtum in der Tschechoslowakei in eine Sackgasse getrieben wird, anS welcher es nur mit schwere« Opfern herauskommen könnte. „Heimatfronten“ sehen dich an... Ein Bericht von„Führern** und Geführten Von Alexander Brunner Henlein spricht:„Die Sudetendeutsche Hel» matfront ist eine vollkommen neu« Bewegung, sie hat nicht- mit irgendeiner Partei der Vergangenheit zu tun. Die Einigkeit aller Sudetendeutschen, der Arbeiter, Bauern, Unternehmer, in unserer Heimatfront wird die Erlösung des sudetendeutschen Bottes bringen." Eine vollkommen neue Sache? Wir veröffentlichen hier ein paar außerordentlich zeitgemäße Berichte über»Heimatfronten", die es vor seit zwei Menschenaltern gegeben hat, die sich alle als„vollkommen neue Ideen" bezeichneten, die alle der Sudetendeutschen Heimatfront glichen wie ein Hähnlein dem anderen und die alle in Schmutz, Verrat und Korruption zusammenbrachcn. Der Leser, wird rasck> merken, wie wenig sich die„Ide« über uaL" des Turnlehrers Henlein von den»Ideen" unterscheidet, mit denen geriebene politische Geschäftemacher schon unsere Großväter hineinzulegen versuchten. Ein Führer geht verloren— ein Führer wird verkauft Am Stammtisch der Studentenverbindung „Orion" gings um das 67igcr Jahr des vorigen Jahrhunderts hoch politisch zu. Die blutig Schlappe, die Oesterreich gegen Preußen im Jahr zuvor erlitten hatte, war noch nicht überwunden, Oesterreich war aus dem großen Deutschen Bund ausgeschieden, in den Köpfen aller Deutschen der Habsburger Monarchie herrschte vollkommene Ziellosigkeit und Verwirrung, niemand wußte, was werden, was geschehen sollte. Es war also wirklich gar nicht verwunderlich, daß die Frage des Schicksals der österreichischen Deutschen nebst zahllosen anderen Stammtischen auch den der deutschen Verbindimg in Graz erhitzte. Und doch sollte gerade dieser, der Geburtsort eines Schlagwortes werden, unter dessen Klang seither immer und immer wieder Deutsche r— mochten sie wohnen wo immer— betrogen und genas- führt wurden. ES war ein„alter Herr" der Studentenverbindung„Orion", Emil Strohall, der das Wort von der Gründung der„Deutschen Volksgemeinschaft" unter seine Jünger warf. Das Wort kam in Schwang, wurde nicht nur in d(n alten Gebieten, sondern auch in Deutschböhmen ausgenommen. Das Schlagwort von der neb-l- hasten, nicht weiter erklärten„Vottsgemeinschaft", hinter 1>er angeblich alle Klassengegensätze, jeder Unterschied zwischen Not und Ueberfluß auf geheimnisvolle Zauberarbeit verschwindet, war geheimnisvolle Zauberart verschwindet, war gebaren. Eine ernstliche Vorstellung verband wohl sein Entdecker damit genau so wenig, wie seine heutigen Nachbeter, aber das tat auch damals schon nichts zur Sache. Zu einer richtigen Volksgemeinschaft gehört aber ein richtiger„Führer". Dar stand für die Stamm tischler der 60iger Jahre nicht weniger fest, als für die heutigen. Wer sollte zum Führer geeigneter sein, als der Entdecker des Schlagwortes? Und so wurde bald in ganz Oesterreich die Trommel für den„Führer der Deutschen Vottsgemeinschaft" gerührt, den Grazer Rechtslehrer Emil Strohall.(Heutzutage ist man bescheidener worden— heute tutS zur Not auch schon«in Turnlehrer.) DaS Trommeln gelang prächtig: in Massen strömten politisch interessierte Deutsche dem neuen„Führer" zu. Bald hatte er in Graz sein eigenes Blatt, den„Telegraf", bald fanden sich auch in den übrigen Kronländcrn Blätter, die eifrig für ihn und die von ihm entdeckte Volksgemeinschaft warben. Wer je weiter sich die Volksgemeinschaft vom Stammtisch wegln- wegte und sich in der wirklichen Politik bewähren wollte, desto merkwürdigere Erfahrungen machte man mit ihr. Aus der politischen Bühne zeigte eS sich bald, daß hinter dem Schlagwort der Volksgemeinschaft weder eine vernünftige Idee, noch ein Programm steckte, daß aber die Zahl der Unter» fiihrer, die hofften, mit Hilfe der Volksgemeinschaft eine auskömmliche politische Karriere zu machen, von Tag zu Tag wuchs. Die Zahl der „Deutschen Vottsgemeinschafter", die sich gegenseitig wie Hund und Katz besetzten, wuchs beäng- gigend. Besonders schlimm war es in Deutschböhmen, wo die Volksgemeinschaft der„After." unter dem'Führer Dr. Herb st und die BöM- gemcinschaft der„Jungen" unter Führung der Strohallschüler Knoll und P i ck e r t einander in der wüstesten Art beschimpften. All das war um so verhängnisvoller, als in diesen Jahren— wie auch öfters nachher— die kaiserliche Regierung nationale deutsche Bewegungen so ungern sah und es ihr deshalb bloß w ll» kommen sein konnte, wenn die verschiedenen „VottSbewegungen" einander den Boden abgruben. Ein Versuch, die diversen deutschen, nationalen Parteien wenigstens zu einem Parlamentaschen Verband zusammenzustrflen, scheiterte an der Frage, ob dieser Verband—„Deutscher Klub" oder„Deutschösterreichischer Klub" heißen sollte. Als aber schließlich doch das politische EhaoS über die deutsche Partei hereinzubrechen drohte, entschloß man sich— es war am 21. Juni 1885—, zu einer gemeinsamen Parteienversammlung, um zu leimen, was noch zu leimen war. lind in dieser Parteienversammlung war eS, daß immer lauter der Rus nach dem gemeinsamen rettenden „Führer" laut wurde. Nun, wer sollte zur Kit- tung der jämmerlich zerbrochenen Volksbewegung geeigneter sein, als ihr Erfinder und ärgster Trommler Emil Strohall, von dem man allerdings merkwürdiger Weise schon seit Jahren nichts mehr in der Politik gehört hatte. Eine Delegation wurde ausgesandt, den erlösenden Führer einzuholen. Wer siehe da: der zierte sich und lehnte bescheiden ab, mft dem Hinweis darauf, daß er sich seit estrigen Jahren von der Politik zurückgezogen habe. Als man aber weiter und weiter in ihn drang, blieb ihm schließlich nichts übrig, als sein lange gehütetes Geheimnis preiszugeben. Er hatte aus Anlaß seiner Ernennung zum Univer- sitätSprofcffor dem Unterrichtsminister Stremayr die Erklärung abgegeben, daß er seine Gesinnung geändert und alle nationalen Bestrebungen vollständig ausgegeben hatte. Die erste„Volksgemeinschaft" war damit unter Schimpf und Schande aufgeflogen, der erste „Führer" hatte sich— ein mustergültiges Beispiel für sein« Nachfolger—>. um einen Posten verkauft... Von Schönerer zum Hakenkreuz Ein Führer war futsch, aber der nächste stand schon hinter der Tür« Bon der hochtrabenden Parteiversammlung zur Reparatur der VottSge- meinschast, die in Stank aufgeflogen war, al» mau erfuhr, daß der Führer heimlich zur Krippe defer- tiert war, hatte sich ein Mann kerne gehalten, der Jahrzehnte lang von größter Bedeutung für die deutsche Politik in Oesterreich sein sollte— Georg von Schönerer. Unter all den„Führern", die bei den Deutschen der verschiedenen Staaten Verwirrung und Unheil angerichtet haben, ist er zweifellos der merkwürdigste. Als er 1873— während schon Der Henlein-Terror Bei einer Propagandakundgebung der so» zialdemokrattschen Partei auf dem Ringplatz in Trautenau am Samstag vormittag kam es zwischen den Sozialdemokraten, die dort versammelt waren, und Henleinleuten zu heftigen Auseinandersetzungen, die hart daran waren, in eine offene Schlägerei auszuarten, deren Ausbruch aber durch das Einschreiten der Gendarmerie verhindert wurde. Die Genossen Schäfer und Krejki intervenierten sofort bei der Bezirkshauptmann« schäft in Trautenau gegen den maßlosen Terror, den die Henleinfascisten in den Straßen von Trautenau ständig entfallen, und verlangten A b- Hilfe. der Postenkrieg zwst'chen den verschiedenen Stro- hallschen Volksgemeinschaften tobte— ins Parlament gewählt wurde und sich dort dem Fortschrittsklub anschloß, ahnte noch kein Mensch etwa» von der stürmisch bewegten Lmifbahn, die diesem jüngsten Parlamentsmitglied bevorstand. Seine engeren Parlamentskollegcn nannten ihn dcn „streitbaren Georg", weil es im Klub mit ihm ständig Krach gab und er allzu oft die Parteidiszi- plin bei Abstimmungen brach. Wer eigentlich ernst wurde er in den ersten Jahren seiner Polstischen Tätigkeit kaum genommen. Richtig ausmerksam auf ihn wurde die Oeffentlichkeit erst, als er sich mft der Förtschrstts- und nachher mft der Berfaffungspartei endgültig zerscklagen hatte und dann— zwei Jahre ehe der Skandal des Führers Sttohall aufflog— seine eigene Botts-.- meinschaft gründete und sich gleich selbst zu ihrem Führer ernannt«. War die studentische Grazer Tafelrunde der Geburtsort des Schlagwortes der„Nationalen Vottsgemeinschaft" und ihres„Führers", so kan» man— mit mancherlei Einschränkung freilich den 1. Dezember 1882 als den Geburtstag des Nationalsozialismus bezeichnen. An diesem Tag wurde das später berühmt gewordene„Linzer P r o g r a m m" der Deutschnationalen Vottspar« tei Schönerers, die sich später Alldeutsche Partei nannte, veröffentlicht. Es war das erste Mal, daß in einem nationalen Parteiprogramm von Arbeiterfragen die Rede war, das erst« Mal, daß in einem solchen Programm soziale Reformen gefordert wurden. Daß gerade dieser soziale Teil-eS Programmes mit wirtticbem Ernst und ttefem Verständnis für die Arbeiterschaft ausgearbeitet war, ist nicht verwunderlich, war doch der Verfasser gerade dieses Programmteiles m-.- mand anderer als— Dr. Viktor Adler. Um diese seltsame Arbeitsgemeinschaft zu verstehen, muß man sich daran erinnern, daß es zu dieser Zeit in Oesterreich noch keine sozialdemokratische Partei gab.,.(Diese wurde erst sieben Iah« später voii Vlsior Adler und seinen'GesmnungS- genossen gegründet.) Viktor Adler, um die Zeit des Linzer Programms noch ohne jede organisierte Arbeiterpartei hinter sich, aber schon erfüllt von dem brennenden Wunsch nach der Befreiung der Arbeiterklasse, hoffte in der neuen Parier Schönerers, der in dieser Zeit noch ein unbeschriebenes politisches Blatt war, einen Kampfbode» für sein großes Zukunftsziel zu gewinnen,.vj Wer die Erwartungen Viktor Adlers und seiner Genossen wurden bald bitter enttäuschst Immer deutlicher trat zutage, daß die Parier Schönerers den sozialen Inhalt des Programm^ nur als Aushängeschild zur Heranlockung von Arbeitermassen verwenden wollte und den„Sozialismus"— ganz nach dem Vorbild ihrer haken- kreuzlerischen Itachfolger— nur brauchte, um Anhänger für ihre„Vottsgemeinschaft" und de» „Führer" Schönerer zu gewinnen, denen beide» in Wahrhett das Schicksal der Arbeiter recht gleichgültig war. Als Viktor Adler das erkanvte- wandte er sich selbstverständlich mit allen, die de» Sozialismus ehrlich meinten, von dieser„Voltsgemeinschaft" ab und trat der sozialdemokratische» Arbeiterpartei in Oesterreich bei. Nun erst konnte sich die BöttSbewegung des „streitbaren Georg" richtig auStoben, nun erstunbehindert von der Konttolle wirklicher Sozialisten, konnte sie ihr wahres Gesicht zeigen, ein Gesicht, das schon deutlich den Stempel des Hakenkreuzes trug, daß vor wenigen der sudetendein- sche Patentnaziführer Rudolf Jung schreibe» konnte: „Die Forderungen Schönerers haben eine Heimstätte in unserer Bewegung(der seither aufgelösten sudetendeutschen Hakenkreuzpattei) gefunden, deren ehemals österreichischer Zweig seine unmittelbare Hettunft von Schönerer herleite» kann... man dachte sich die Sache als getrennte Ettaffung der drei„Stände", Arbeiter, Bauer» und Bürger, und deren Zusammenfassung zu einer BöttSbewegung." Herr Jung, der Platzhalter des Herrn Hi»- lem. welch letzterer von Schönerer nicht nur das Hakenkreuzlertum, sondern sogar das ständische Ideal übernommen hat, hatte recht. Wahrschew- lich viel mehr recht, als ihm und seinem Nachfolge Henlein lieb sein dürfte. Er hat es leider unterlassen, seinen Lesern auch mitzuteilen, welch»»* denkliches Unglück die„BöttSbewegung", der-» Abkömmling zu sein er sich rühmt, über daS deutsche Voll Oesterreichs gebracht hat, er hat es unterlassen mttzuteilen, wie bitter heute noch, da» sudetendeutsche Bott unter der Politik dieser Volksgemeinschaft Schönerer- zu leiden hat, er hat unterlassen mitzuteilen, wie die Volksgemeinschaft Schönerers, gleich ihren Vorgängern und Nachfolgern in Schmutz. Korruption und Skandal zugrunde gegangen ist. Nr. 111 Sonntag, 12. Ma! 1835 Seite 5 Protest In verlln überreicht Berlin.(Tfch. P.-B.) Samstag mittags lat der tschechoslowakische Gesandte in Berlin Dr. N a st n h persönlich im Auswärtigen Amt den Protest der tschechoslowakischen Regiernng wegen lcs Grrnzzwischenfalles in Eisenstein dem Staatssekretär von Bülow überreicht. Heute Stichwahl«» in Frankreich Paris. Die heutigen Stichwahlen in die Gemeindevertretungen haben im Gegensatz zu den Wahlen vom vorigen Sonntag einen auSgespro- gcnen politischen Charakter, insbesondere in den Städten. Die Wahlplakate und die Presse der Kandidaten der Linken fordern zur Einigung der Republikaner gegen den FasciSmuS auf. Die Rechte und das Zentrum verlangen die Bereinigung der Trikolore gegen die Internationale ufto.. Die Sozialisten haben überall mit den Kommunisten eine gemeinsame Front gebildet. Demgegenüber sind die Gruppen des Zentrums und der Rechten vielfach zersplittert und statt zwei Kandidaten gehen ost drei bis vier in die engeren Wahlen. Die radikalen Kandidaten sind ziemlich desorientiert. In zahlreichen Städten, wo sie keine führende Stimmenzahl hatten, werden die Radikalen die Sozialisten statt der gemäßigten Kandidaten vnterstützen, in andern Fällen haben sie jedoch Abkommen mit der demokratischen Allianz(Partei Flandin) getroffen. Sie lehnen es jedoch ab, die Rechtspartei MarinS zu unterstützen. immer mehr Geistliche Im Konzentrationslaser r Berlin. Wie der Berichterstatter des Reu- ierbüros erfährt, wurden zwei weitere Pastoren der Bekenntniskirche verhaftet und ins Konzenstationslager eingeliefert. Es sind demnach 21 sächsische Pastoren interniert. Todesurteil In Wien gegen einen Nazi Wien. Das Wiener Schwurgericht beritt« nilte am Samstag den Nationalsozialisten I. e i m e r l e wegen Vecheimlichung von Sprengstoffen und Teilnahme an Bombenatten- stn zum Tode. Vom Rundfunk Sinter, Fronen, guseudlltze! Höret! Erna Ferrh vor der Ak NM«MA MeiterlrAW sendet in der mit h e u t e beginnenden Woche folgendes Programm: Sonntag(14 bis 14.20 Uhr): I. S ch i m m e l-Tetschen: Jugend Entscheidung.. Montag(18.45 bis 19.05 Uhr): Haberzet tl-Bischofteinitz: Die Frau als Trägerin deS Friedensgedankens. Mittwoch(13.45 bis 13.55 Uhr): ArbritS- ■ markt. Mittwoch(18.25 bis 18.45 Uhr): Dr. Ludwig Czech: Fünf Jahre wirtschaft- kicher und sozialer Arbeit. Mittwoch(18.45 bis 18.50 Uhr): Ein Wort an die Kriegsbeschädigten(Soziale Infor» mationen, Dr. I. W. Brügel). Donnerstag(18.45 bis 19.05 Uhr): Dr. RobertWiener: Aufbauarbeit im Krisensturm. nr e i t a g(18.35 bis 18.45 Uhr): Dr.Emil Franzel: Die europäische Bedeutung unserer Wahlen. Empfehlenswertes aus den Programmen: Montag: Prag, Sender L: 10.05 Deutsche Presse, 10.40 Mrsche, 12.11 Leichte Musik, 14.05 Deutsch« Aachrichten, 17.25 Violinkonzert, 18.10 Deutsche ?tndung, 18.45 Urbeitersendung: Erna paberzettrl: Die Frau als Trägerin der Frie- ^Nsgedankens, 19.05 Deutsche Presse. 20.45 Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.15 Konzert setzen. Musik, 23.00 Deutsche Nachrichten.—©en« ? et©: 14.40 Klavierkonzert, 15.05 Deutsche Sen« Aug: Soran: Zauberer Mai, Hörfolge, 19.00 ^dernarien auf Schallplatten.— Brünn: 17.45 Atschx Sendung, 18.20 Reue Bücher in der tsche- Uchen Literatur, 20.45 Salonquartett.— Mähr.» ®ftrou: 15.55 Orchesterkonzert, 18.15 Deutsche Sen« *W: Arbeiterfunk: Kamler: Die arbeitende Frau, i».50 Schallplatten.— Preßburg: 12.85 Orchester« 17.05 Russische Romanzen, 19.80 Tiere in d« Musik. Dienstag: - Prag, Sender L: 10.00 Deutsche Presse, 11.05 deutscher Schulfunk, 12.10 Lpernfantafien, 18.40 Jugendfunk, 18.10 Deutsche Sendung: Kompost« «onen von Willner.— Sender S>: 14.35 Musik aus ^uraguav, 15.00 Deutsche Sendung: Wannemacher: Wirtschaftlicher Relief, 15.15 Schallplatten: auS ^uccini-Opern.— Brunn: 10.15 Salon Orchester, *3.45 Chansons. 17.5Ü Deutsche Sendung: Arbeiter« wnk: Leo Lederer: Sachre in der Arbeiterdichtung. -0.00 Streichorchester.— Mähr.-Ostrau: 15 55 Mbesterkonzert.— Preßburg: 17.00 Fröhlich zu und Gesang, 19.10: Unterhaltungsmusik.— «aschlw: 20.00 Orchesterkonzert. Arbeiter, hört! Die Heimatfrontier wollen mit StHbmf In eine Rechtsresleruns Wie uns von zuverlässiger Seite mftgeteilt wird, hält ein Referent der„Sudetendeutschen Partei" im Podersamer Gebiet Versammlungen ab, in welchen er erzählt, daß die tschechischen Agrarier, sowie Stttbrnh der Sudetendeutschen Heimatfront versprochen hätten, sie in eine nach den Wahlen zu bildende Rechtsregierung mithineinzunehmen. Wiewohl hier der Wunsch der Vater des Gedankens ist, zeigt es doch, was die Henleinleute am liebsten täten: M nach den Wahlen eine Regiernng zu Hilden .mit dem Herrn Sttibrnh, d. h. mit der Par- Ml tei deS Finanzkapitals, der Zivnostenskä I banka und mit den extremsten tschechischen Hä Nationalisten. Diese Rechtsregierung hätte M die Aufgabe, alle sozialpolitischen Errungen- H schäften der Arbeiterbewegung abzubauen ! und alle demokratische« Freiheiten zu ver- | nichten. Damit haben sich die Henleinleute PH als das bekannt, waS sie find: die ärgsten KSt Reaktionäre, die nur darauf warten, alle politische« und sozialen Rechte der Arbeiter Mi zu vernichten. Wie übrigens ein sein« Verantwortung fühlender tschechischer Agrarier über das Verhältnis seiner Partei zu Sttibrnh einerseits, zur Sozialdemokratie andererseits denkt, lehren die nächste« henden Ausführungen des Sekretärs der Agrarpartei Andrlik in einem Vortrage im Aka» demickh düm in Prag. Der erwähnte Sekretär führte aus: Die Republikanische Partei schützt die Demokratie gegen jede Diktatur von rechts und links und hat ein positives Verhältnis zur Arbeiterschaft und zur Sozialdemokratischen Partei, denn neben dem Landwirt bildet der Arbeiter den Hauptpfei- ber des tschechoslowakischen Staates. Das Verhältnis der Republikanischen Partei zu den übrigen Koalitionsparteien ist ebenfalls positiv, in den Reihen der Ovofitton zur Gewerbepartei. Der „Nationalen Vereinigung" jedoch hat die Republikanische Partei Kampf angesagt, weil diese Bewegung auf der beleidigten Eitelkeit einzelner Per« sonen aufgebaut wurde und von oben ins Werk gesetzt ist. Die Republikanische Partei lehnt entschieden den groben Nationalismus dieser Bewegung ab und wird sich niemals mit Jitt Stktbnh an einen gemeinsamen Tische setzen. Die Tschechoslowakei braucht eine Regierung der Arbeiter und Bauern, nicht eine Regierung des Großkapitals und verkrachter Polltischer Größen. Das ist die beste Antwort, welche die Agrarpartei den Henleinleute« auf deren Anbiederungen erteilen konnte. Da sich die Agrarier nicht mit Stkübrnh an einen Tisch setzen wollen, wird wohl auch Herr Konrad Henlein die Hoffnung fahren lassen müssen, mft Stisiwnh und den Agrariern an einem Tisch zu fitzen. Paris und London für ein Schiedsverfahren London.(Reuter.) Wie verlautet, wurden zwischen der britischen und der französischen Regierung Verhandlungen eingeleitet, di« den Zweck verfolgen, denitalienisch- abessinische« Konflikt zu bereinigen. ES hat den Anschein, daß beide erwähnten Regierungen die italienische Regierung davon verständigen werden, daß es im Interesse deS allgemeinen Frieden- gelegen wäre, wenn auf raschestem Wege ein Schiedsgericht ins Leben gerufen würde, mit welchem beide Streitpar« teien übereinstimmen. Frankreich und England sind Signatare des Vertrages auS dem Jahre 1906, durch den die territorial« Unabhängigkeit Abessiniens garantiert wird. Im abessinischen Konflikt Italien will ein Mandat für Abessinien? Die Nachricht des italienischen Blattes -Nota Quotidiana", daß Italien den Böllerbund um ein Mandat über Abessinien ersuchen wolle, um dort die Ordnung wieder herzustellen und die Sklaverei zu beseitigen, wurde von den Pariser Abendblättern mit allen Vorbehalten wiedergegeben. An halbamtlichen Stellen wird aber bezweifelt, daß Italien ein derartiges Ersuchen an den Völlerbund stellen wolle, weil dieses Ersuchen sowohl dem Berttage aus dem Jahre 1906 als auch dem Geiste des BöllerbundeS widersprechen würde, da Abessinien ordentliches Mitglied des Böllerbundes ist. Warschau— ein Erfolg? Warschau, lieber bi« Beratung deS französischen Außenminister- Laval mtt dem polnischen Außenminister Beck wurde folgende- Kommunique au-gegeben: Bei den Beratungen«ar de» beiden Außenministern die Möglichkeit gegeben» Ansichten über dir hauptsächlichsten aktuellen Fragen allgemeinen Charakters und über diejenigen Fragen, welche die beiden Regierungen besonders interessieren, in aufrichtiger und herzlicher Weise auszutauschen. Sie behandelten sie im Geiste gegenseitigen Ber» trauenS und aufrichtigen Verständnisse-. Beide Minister stellten die gemeinsamen Bestrebungen bei der Verfolgung de- gleichen Ziele- fest: der Wahrung dr- Frieden- und der Sicherheit in Europa durch Organisierung der internationalen Zusammenarbeit auf breitester Grundlage. Der französische und polnische Minster beglückwünschten sich, daß sie dir enge Solidarität, welche dafranzösisch-polnische Bündni- znm Au-druck bringt, in die Dienste dieses Willen- zur Siche-■ rung des Friedens stellen können. Nach Informationen aus polttischen Kreisen gewährte Laval dem polnischen Minister des Aeußeren die erwünschte Aufklärung über Ziel und Sinn deS Pariser Paktes vom 2. Mai. Es verlautet, daß die diesbezügliche Mitteilung Lavals die von der polnischen Regierung gehegten Zweifel, ob der französisch-russische Patt mit dem polnisch-französischen Bündnisvertrag in Einklang gebracht werden könne, sowie die Befürchtungen, daß derselbe in seinen eventuellen künftigen Auswirkungen die Interessen Polens gefährden könnte, zerstreut habe. Im allgemeinen herrscht in Warschauer polittschen Kreisen in Beurteilung der Ergebnisse der Warschauer Besprechungen eine o p t i m i- stische Stimmung vor. und an zuständiger Stelle wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Resuttate der Begegnung Laval—Beck das polnisch-französische Bündnis im vollen Umfang a u f r e ch t e r h a l t e n bleibt. Schuschnigg del Mussolini Rom. Am SamStag erfolgte in Florenz die Begegnung zwischen Mussolini und dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg. Dir Aussprache dauerte zwei Stunden. Eine amtlich« Mitteilung über die Unterredung war um 17 Uhr noch nicht ausgegeben. Bon unterrichteter Seite wird erklärt, es seien alle Fragen, die die beiden Länder interessierten, durchgesprochen worden. Dabei habe sich volle Übereinstimmung der Auffassungen ergeben. Die Begegnung häbe die große Herzlichkett der Bc-iehun- gen zwischen beiden Ländern bewiesen. Balkan-Entente gegen Revision und Aufrüstung Bukarest. Die Vormittagssitzung des Ständigen Rates der Balkan-Entente dauert: am Samstag bis 14 Uhr, die Nachmittagssitzung begann um 16L0 Uhr. Das abschließend- Kommunique der Beratungen wird am Sonntag mtttags veröffentlicht werden. Es wird nach dem»Adeverul" eine Erklärung betteffend die Solidarität der Balkanländer enthalten und die Rolle darlegen, welche die Ballan-Entente im Interesse des Friedens bei den kürzlich:» Ereignissen in Griechenland gespielt hat. Was dieAufrüstungBulga- r t c n 6, Ungarns und Oesterreichs betrifft» so wird in dem Kommuni- qus betont werden» daß man einer Situation nicht beipflichte» könne, die darnach angetan wäre, die revisionistische Agitation auf ein noch gefährlichere- Terrain zu verlegen. Die Balkan-Entente wird Verhandlungen über Revi- sioniSmu- und über Aufrüstung, ohne daß die Sicherheit wirksam erhöht würde» nicht zulassen. Schuschnigg-Razzia auf„Arbeiterzeitungen” Wien.(Eigenbericht.) Mangels anderer Regierungserfolge brüstet sich die Regierung Schuschnigg mit einem»großen Erfolg", den sie angeblich gegen die illegale sozialdemokratische Bewegung errungen hat. Die öster- rcichischen Gendarmen hatten vor einigen Tagen unweit der tschechischen Grenze bei Lundenburg einen Mann verhaftet» der im Rucksack einige »Arbeiterzeitungen" bei sich trug. Auf Grund dieser Verhaftung wurde dann der Spitzelapparat in Bewegung gesetzt» dem e- schließlich gelang, ein Zimmer in der Mariahilfer« st r a ß e in Wien zu entdecken, in dem ein paar hundert alte Arbeiterzeitungen aufgestöbert werden konnten. DaS nimmt die Regierung zum Anlaß, nun auszuposaunen, daß es ihr gelungen sei, die »Zentralexpedition" der Arbeiterzeitung für Wien aufzudecken, zu der sie sich noch weitere 14 »Filialen" dazu erfand. In Wahrheit handett eS sich um nichts anderes als eine Stelle, an der alte»Arbefterzeitungen" deponiert wurden. Vielleicht wird die Tatsache, daß in den nächsten Tagen die kommende Nummer der„Arbeiterzeitung" allen Wiener Lesern zugestellt werden wird, die Regierung darüber aufklären, wie weit eS mit chrem„sensationellen" Fang her ist. UMMSM^WWWWWnWWWWUWWMWWWWWWWWWWWWWWWV Ausnahmezustand in Belfast London. Infolge der polftischen Unruhen am Donnerstag und Freitag hat die nordttische Regie- | rung über das Hasenviertel vonBel- f a st in Irland den Ausnahmezustand verhängt. Die Polizei mußte am Freitag morgen erneut mit Gummiknüppeln gegen die Ruhestörer einschreiten. Bewaffnete Schutzleute in Lastwagen fahren Tag und Nacht durch die Straßen der Stadt. Angesichts des bevorstehenden Jubiläumsbesuches des Herzogs von Gloucester sind die Vorsichtsmaßnahmen besonders verschärft worden. Panzerwagen stehen in Bereitschaft, um neuen Ruhestörungen vorzubeugen. Auch aus Neufundland werden schwere Unruhen berichtet. In der Hauptstadt St. Johns kam es zu einem schweren Zusammenstöße zwischen 3000 demonstrierenden Arbeitslosen und der Polizei. Die Arbeitslosen griffen die Schutzleute mit Steinen und Essenstangen an und die Polizei ging gegen sie mit Gummiknüppeln vor. 20 Personen, darunter sechs Schutzleute, wurden verletzt. Tie Regierungsgebäude werden von bewaffneter Polizei, die mit Stahlhelmen ausgerüstet ist, bewacht. Unruhen im Irak London. Wie aus Bagdad gemeldet wird, ist es bisher unmöglich gewesen, die irakischen Aufständischen ausfindig zu machen, die am Freitag, wie gemeldet, einbritischesKriegs« flugzeug abgeschossen haben. Tie Untersuchungen werden vielleicht mehrere Monate in Anspruch nehmen. Unbestätigten Berichten zufolge setzen die Aufständischen ihren Plünderungsfeldzug fort. Sie sollen Tausende von Eisenbahnschwellen entfernt haben. Die irattsche Polizei hat einen umfangreichen Feldzug gegen die irakischen Aufständischen eröffnet und bereits mehrere strategische Puntte besetzt» ohne dabei auf Widerstand zu stoßen. Gleichzeitig wild ern zweites schweres Flugzeugunglück im Irak gemeldet. In M o s u l stieß ein brittsches Bombenflugzeug auf einen Tank auf, der auf dem Flugplatz manövrierte. Tvs Flugzeug zerschellte an dem Tank vollkommen. Der Anprall war so heftig, daß der Pilot des Flugzeuges undderLenkerdesTanks auf der Stelle tot waren. Tter Beobachter des Flugzeuges wurde schwer verletzt. Förderkorb stürzt in die Tiefe Lüttich. In der Kohlengrube»ÖL Barbara" in Eyden ereignete sich beim Hinablasstn des För- derkorbes in eine Tiefe von 700 Metern infolge PersagenS der Bremse der Fördermaschine ein Unglück. Der Förderkorb stürzte mit riesiger Geschwindigkeit ab und stieß so heftig auf dem Schachtboden auf, daß alle Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. 17 Bergleute trugen schwere Verletzungen davon. Ziehung der Klassenlotterle (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 8. Klasse der 82. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden folgende Treffer gezogen: 10,000 Kd die Lose Nr. 40002 24282 93886 47980 5000 K5 die Lose Nr. 24028 97768 12579 6825 5305 6664 18838 106429 59138 87910 34946 19772 67824 20231 85753 16305 56784 92939 2000 Kö die Lose Nr. 52961 89048 98456 85704 90782 43538 101826 86202 80793 97911 43097 102008 72430 22643 28561 75386 78239 101072 80587 3031 61638 42094 16677 30753 15843 52230 10222 53093 2767 9755 84030 43077 88195 91935 52169 53467 70632 18155 1134 40859 57696 91891 73178 106746 89313 49630 60668 84750 46390 16398 32769 19458 100779 100975 85240 95735 80581 57422 30294 3950 22334 74527 69440 65208 11205 70780 7624 78629 94674. Der politisch gebildete Druckfehlerteufel hat gestern den Christlichsozialen und ihrem sympathischen„Altminister" Mayr- Harting einen netten Streich gespielt. Dieser Herr begann nämlich seine von der„B o h e m i a" veröffentlichte Antwort auf die Frage„W a s w i l l d i e Deutsche christlichsoziale Volkspartei?" mft folg enden klaren Sätzen: „Die Zeü vor den Wahlen ist die Zeit der Versprechungen. Man verspricht, waS nur irgend daS Herz des Wählers verlangen mag. Eine Parte(soll wohl heißen: Partei) versucht eS der anderen an Versprechungen zuvorzuttin, ohne zu vergessen, die anderen möglichst schlecht zu machen. Doch solche billige Art wäre wohl kaum die rich« tige Antwort auf die Frage eines ernsten Blatter, nach den Zicken einer großen Partei." Also just an der Stelle, wo der komische Mayr- Harting der„Bohemia" taxfrei den Tftel eine- »ernsten" BlaüeS verleiht, ymßten die Leser noch aus einem anderen Grunde in vergnügtestes ! Lachen ausbrechen: über dieZicken der großen , Partei," mft der hier natürlich die Christlichso- zialen gemeint sind. Zicken statt Ziele! Herr Ex- ministerMayr-Harting, daS hätten selbst wir nicht ! tteffender zur Charakteristtk Ihrer Partei sagen können! Seite 6 Sonntag, 12. Mai 1825 Nr. 111 Naturfreunde! Am 19.«nd 26. Mai werdet Ihr zu einer wichtigen Entscheidung aufgerufen! Bon dein Wahlen in das Parlament, in die Bezirks- und Landrsvertretungen hängt das künftige Schicksal unseres Staates ab! Ihr habt cS in der Hand, darüber zu entscheiden, ob unsere Republik in demokratischer Freiheit vom Volk oder mit brutaler Gewalt vom Fafeismus regiert werden soll. Die Wahlen fallen in eine Zeit furchtbarster wirtschaftlicher Rot. Wenn die Feinde der Arbeiterklasse siegen, dann wird die Not noch weiter ins Nngemeffewe steigen, aber zu ihr wird sich auch politische Unfreiheit, Terror und Sklaverei gesellen! Die„Naturfreunde" haben doppelt Anlass, wachsam zu sein und in diesen cntscheidondrn Tagen ihre Pflicht zu erfüllen. In Oestorreich «nd in Deutschland wurde zugleich mit der Demokratie unsere Bewegung vernichtet! In Polen und in Ungarn droht ihr das gleiche Schicksal! Hunderte geraubte Naturfreundehäusrr, Einkerkerungen. Persekutionen unserer Brrtrauensmän- ner zeichnen in diese« Staaten den Weg des FasciSmus. Soll es bei«ns auch so werden? Nein! Für«ns muss die Parole am Wahltag lauten: Vernichtet den drohenden Faseismus! Räumt auf mit den Verfälschern der Arbeiterbewegung! Wählet die Kandidaten dar sozialdemokratischen Arbeiterpartei! Naturfreunde! Bergeffet nicht, waS ans dem Spiel steht! Agitiert für die Kandidaten der sozialdemokratischen Arbeiterpartei! Wählet Liste 6. Reichsausschuß der„Naturfreunde". Todesurteile in Griechenland Athen. Das Marinekriegsgericht verurteilte nach IStägiger Beratung 33Aufständische zum Tode. Von den Verurteilten waren nur zwei anwesend; die anderen sind nach Italien geflüchtet. Das Gericht verhängte ferner gegen 36 Personen lebenslängliches Gefängnis, 126 Angeklagte kommen mit geringeren Freiheitsstrafen davon. Der griechische Staatspräsident Zaimis hat bei zwei zum Tode verurteilten griechischen Offizieren die Strafe in Zwangsarbeit umgewandelt. Doppelmord nach 10 Zähren aufgeklärt Der Täter verhaftet Böhmisch-Budweis. In der Gemeinde Sla- v o s o v i c e im Gerichtsbezirke Lisov wurde vor zehn Jahren, am 29. Oktober 1925 ein Doppelmord verübt. Damals brannte in den Nachtstunden ein Bauernanwesen aus und am Morgen fand man nach Wegräumung des Schutts z w e i L e i- (üen vor, nämlich die des 24jährigen Alois Lax aus Brünn, des neuen Pächters des Anwesens, und seiner Verlobten, der 20 Jahxe alten Anna Kugler. Beide Personen waren zuvor erdrosselt worden, worauf der Täter seinen Opfern noch andere Verletzungen bcibrachte; schliesslich hatte der unbekannte Täter das Bauernanwesen in Brand gesteckt, worauf er verschwand. Nunmehr fand nach zehn Jahren die Gendarmerie der Budweiser Fahndungsstelle gemeinsam mit den Ledenicer Gendarmen einige neue Spuren. Eine alte Frau in der Gemeinde sagte unter Eid aus, daß ihre Schwiegermutter vor ihrem Tod den Täter verraten habe; es ist dies der 54 Jahre alte JanNovotny, Bezirksstraßenmeister und Häusler in Slavosovice, der bereits zweimal wegen Rauferei gerichtlich verurteilt wurde. Die Tat habe er bei einem Einbruch in das Anwesen vollbracht, wo er das Vermögen des Lax entwendet hatte. Die Gendarmerie konnte bei der neu durchgeführten Untersuchung dieser Tage tatsächlich eine Reihe von verdächtigen Tatsachen in den Aussagen sowohl des Novotny als auch des 83jährigen Franz Svächa, eines Witwers und Ausgedingers feststellen, der früher Inhaber des Anwesens gewesen war. Svächa soll damals mit dem Vorgehen seines Sohnes unzufrieden gewesen sein, der das Anwesen ohne seine Zustimmung an Lax aus Brünn verpachtet hatte. Heute tourden nun Novotny und Svächaver- haftet und in die Gerichtshast des Bezirksgerichtes in Lisov eingeliefert, von wo sie in die Hast des Böhm.-Budweiser Kreisgerichtes eskortiert werden. Eine Mineralquelle entdeckt Mähr.-Ostrau. Auf der der Berg- und Hüt- tenwerksgesellschäft gehörenden Grube in Mähr.» Ostrau-Marienberg wurde ist einer Tiefe von 520 Meter bereits etwa vor 12 Jahren eine Quelle von Mineralwasser entdeckt, deren wohltätige Wirkungen die Bergleute bereits lange kannten. Im Ostrauer Gebiet wurde das Wasser dieser Quelle„Hungerwasser" genannt, da man nach dem Genüsse desselben alle Speisen gut verdaute. Unlängst wurden auf diese starke Quelle die Beamten der Bergbaubehörde aufmerksam gemacht, die ffe ärztlich prüfen ließen. Das Urteil der Aerzte und Universitätsprofefforen lautete dahin, daß man die Quelle unter diejenige der besten Mineralwässer I reihen könne. DaS Mineralwasser ist-ein hervor», | ragend wirksames Heilwaffer bei Magen-, Nierenbeschwerden und GaUensteinen, bei Appetitlosigkeit, bei Krankheiten der Atmungsorgane, Asthma usw. Die Verwaltung der Quelle erhielt von dem Staatlichen Geologischen Institut in Prag eine Analyse der chemischen Zusammensetzung dieses Heilwassers, in der ausgeführt wird, daß das Mineralwasser auf der Grube„Jguät" in Marienberg die höchste Konzentrierung und den höchsten Inhalt von Soda-Kohlensauerstoff von allen bisher bekannten einfachen alkalischen Mineralwässern aufweist, die in der Therapie angewandt Werden. Das fremdrasiige Saatgut „Die forstliche Wissenschaft hat schon seit langen Jahren erkannt, daß die r a s s en- mäßige Zusammensetzung unserer heutigen Waldbestände nicht einwandfrei ist. Die Verwendung fremdrassigen Saatguts hat weite Flächen deutschen Kiefernwaldes verseucht..." (Aus dem„Hakenkreuzbanner", Mannheim.) Bergrutsch im Salzkammergut Salzburg. Im Gebiete derJmperger Platte bei Taxenbach ist eine Waldstrecke im Ausmaß von sieben Hektar mit einem Holzbestand von ungefähr 150.000 Kubikmetern in Bewegung geraten. Der drohende Bergrutsch könnte insoforn gefährlich werden, als eine Aufstauung der Salzach und eine Verschüttung der Bahnlinie zwischen Land und Taxenbach zu befürchten ist. Flugunfall i« Böhmisch-Budweis B.-Budweis. Am Freitag abends kam es auf dem provisorischen Flugplatz in Ctyry Dvory bei B.-Budweis zu einem Unfall eines Militärflugzeuges. Auf dem Flugzeug QKPC, das Eigentum des Aerollubs und der Zweigstelle der Masaryk- Flugliga in B.-Budweis ist, vollführte der Zugsführer Feldpilot in der Reserve Jan Steinbauer mit dem Beobachter Dr. Jng. Vlad. Dioboda einen Flug. In der Höhe von etwa 150 Metern bemerkte der Pilot, daß der Motor an Geschwindigkeit verliere. Daher trachtete er, rasch zu landen. Tus Flugzeug stellte sich jedoch in zirka 50 Meter Höhe über dem Erdboden steil auf und wurde durch den Absturz auf ein Feld beinahe vollständig zertrümmert. Die Flieger kamen ohne Verletzung davon. Das Flugzeug befand sich erst eine Woche im Besitz der Budweiser Fliegerkorporation. Erdbeben in Japan und auf den Antillen Tokio. Die Einwohnerschaft Tokios wurde Samstag früh durch eine Erdbebenerschütterung erschreckt. Es handelte sich um einen schweren Erd» bcbenstoß, der in der ganzen Stadt wahrgenommen wurde. Irgendwelche Sachschäden sind durch die Erschütterung nicht verursacht worden. Antigua(Leewardse Inseln). Auf der Insel Montserrat wurde ein weiteres schweres Erdbeben verspürt. Es wurden das Kerichtsgebäude sowie zahlreiche andere Häuser vernichtet. Die Residenz des Gouverneurs wurde schwer beschädigt. Strassen-Ausstellung in Prag. Der erste flawische Straßen-Kongreß, veranstaltet von der Tschechoslowakischen Straßen-Gesellschaft.in Prag vom 20. bis 25. Juni 1935, wird eine Reihe ausländischer und inländischer Gäste aus Fach-, Un- Land an-er Grenze T. Wie von einer natürlichen Grenzmauer ist Böhmen von Gebirgen umzogen, die es deutlich gegen Deutschland abgrenzen. Von Südosten her streichen die Sudeten, die nicht nur dem Wohngebiet der Sudetendeutschen den Namen gegeben haben, sondern nach denen auch alle in gleicher Südost-Nordwest-Richtung gelagerten Gebirge Mitteldeutschlands als der„sudetischen, Richtung" angehörend bezeichnet werden, während alle wie das Erzgebirge von Südwest nach Nordost streichenden Gebirge der nach dem Harz benannten„herzynischen Richtung" folgen. Genau dort, wo die sudetische in die herzynische Richtung umknickt, ist wie ein vielteiliges Gelenk das ElbsandsteiNgebirge eingefügt. Von dort her erstrecken sich die langen Rücken des Erzgebirges nach Südwesten, begleitet von den heroisch gestalteten Vulkankuppen des Böhmischen Mittelgebirges und über das Vogtland heranreichend an das Fichtelgebirge, das wiederum ein Bindeglied zwischen Erzgebirge, Böhmerwald, Franken« und Thüringerwald bildet. Der Böhmerwald setzt, die sudetische Richtung wieder aufnehmend, die Gebirgsgrenze gegen Deutschland nach Südosten fort, und von seinen südlichen Ausläufern her stellt als Parallele zum Erzgebirge das Böhmisch-Mährische Hügelland die Verbindung mst den Sudeten her. So liegt Böhmen eingefügt in einen nahezu regelmäßig viereckigen, gleichsam auf der Spitze stehenden Rahmen— ein Land mit natürlichen Grenzen, wie sie so deutlich selten gezogen sind. Und so vielfältig sich auch im Laufe eines Jahrtausends die politischen Zusammenhänge Mitteleuropas gewandelt und gestaltet haben— Böhmen lag fest inmitten seiner Grenzen. Wo sie sich verschoben, war das nicht von Dauer. Es haben meißnische Markgrafen in Teutschböhmen Burgen gebaut und Städte, Dör- ternehmer- und Beamtenkreifen, vereinigen,- für die im Rahmen des Kongresses eine Ausstellung der Straßenbautechnik veranstaltet werden wird. Diese Ausstellung ffchechoswwakischer Straßenarbeiten wird eine Exposition von Straßenecken veranschaulichen. Anmeldungen zur Teilnahme nimmt spätestens bis 20. Mai die Tschechoslowa- kffche Straßengesellschaft Prag I., Haus der tschechoslowakischen Ingenieure, entgegen^ Telephon 619-51—53. Im brennenden Walde umgekommen. Bei Aschaffenburg am Main entstand am Freitag in einem Waldstück ein Brand, dem etwa 1 Tagwerk Kiefernwald zum Opfer fielen. Bei dem Brande wurde der 68 Jahre alte Rentner Georg Schraut ein Opfer der Flammen. Die Leiche war stark verkohlt, wies aber auch einen Bruch der Halswirbelsäule auf. Nach Aussage seines Sohnes hatte sich Schraut eine Pfeife angezündet, und das weggeworfene Streichholz soll die Ursache des Brandes gewesen sein. Bei dem Versuch, das rasch um sich greifende Feuer zu ersticken, sei Schraut von den Flammen erfaßt worden. Seine Leiche wurde beschlagnahmt. Der Sohn wurde vorläufig in Haft genommen. Seilbruch im Kohlenschacht. In der südlim- burgischen Ortschaft stürzte auf einer Kohlenzeche infolge Turchreißens eines Seiles plötzlich ein mit 40 Bergleuten besetzter Förderkorb ab. Elf Bergleute erlitten schwereVerletzun- g e n. Explosion auf einem Oeltanker. Aus Shanghai wird gemeldet: Auf einem Oeltanker entstand am Samstag aus bisher unbekannten Gründen eine Explosion, durch die von der elfköpfigen chinesischen Besatzung zehn auf der Stelle getötet wurden. Der elfte konnte sich schwimmend ans Ufer retten. Ein Uebergrei- fen des entstandenen Feuers auf die naheliegenden Hafenanlagen wurde verhindert, da das brennende Schiff von einem starken Wind aus dem Hafen getrieben wurde. Waldbrand in Windsor. Im königlichen Parkgelände bei Windsor in England ist ein großer Wald- und Heidebrand ausgebrochen, dem bereits Tausende von Bäumen zum Opfer gefallen sind. 400 mit Gasmasken und Stahlhelmen ausgerüstete Soldaten sind zur Bekämpfung des RicsenfeuerS eingesetzt worden, das am Freitag abends in gefährliche Nähe des Schlosses des Herzogs von Connaugth vorrückte. Soldaten und Feuerwehrleute sind fieberhaft mit. Ausheben von Gräben beschäftigt, um das Feuer einzudämmcn. 15 Kinder ihrer Ernährer beraubt. Wie aus Kiel gemeldet wird, ereignete sich auf dem „Krummen See" bei Malente Samstag vormittags ein schweres Bootsunglück. Drei Männer, Angestellte und Arbeiter der Deutschen Werke in Kiel,- die in dem Erholungsheim Bruhns wohn- ten/und dort erst Freitag, bzw. Samstag morgens ängekommen wären, waren mit einem stark beschädigte Boot, das schon lange unbenutzt am Ufer gelegen hatte, auf den See hinausgefahren. Als Ruder bedienten sie sich dabei eines einfachen Brettes. Etwa 60 Meter vom Ufer entfernt, lies das lecke Boot plötzlich voll Wasser und sank mit der Besatzung ab. Die Hilferufe verhallten schnell. Zuschauer am Ufer glaubten anfangs an einen. Scherz, bis auch ihnen das Unglück zur Gewißheit wurde. Alle drei Männer im Alter von 46, 50 und 52 Jahren sind ertrunken. Um sie trauern die Ehefrauen und 15 Kinder. Einer der Verunglückten hat sieben, einer fünf und der dritte drei Kinder, Bisher konnte nur eine Leiche geborgen werden. fer und Klöster„besessen"; umgekehrt war lange Zeit hindurch das sogenannte„Meiner Hochland" um Schandau und elbabwärts bis Pirna böhmischer Besitz und später böhmisches Lehen, und die sächsische Obcrlausitz mit Zittau, Löbau und Bautzen unterstand bis 1635 der böhmischen Krone. Aber von diesen Verschiebungen vorübergehender Herrschaftsverhältniffe abgesehen sind die Gebirge immer die natürlichen Grenzen Böhmens gewesen, innerhalb derer Deutsche und Tschechen miteinander und nebeneinander gewohnt und gelebt haben. Um die Deutschen in Böhmen hat man sich in Deuffchland nie sehr gekümmert. Sie wohnten ja auch vor dem Weltkriege als Bürger eines anderen Staates„hinter den sieben Bergen". Und so wenig hat man drüben von ihnen gewußt, daß heute noch die Propagandaredner fiir das„Deutschtum im Auslande" ihr Publikum eindringlich darüber belehren müssen, daß jenseits der Grenze„unsere sudetendeuffchen Brüder und Schwestern" wohnen und daß in Aussig und Leitmcritz, in Auscha und Komotau deutsch gesprochen wird. „Unsere sudetendeutschen Brüder und Schwestern"— das ist heute ein gängiges Propagandaschlagwort. Das braune Deuffchland entsinnt sich ihrer, und es gibt Sudetendeuffche genug, die entzückt den Liebeserklärungen der reichsdeutschen Rundfunkredner lauschen und wirklich meinen, da habe sich ihnen das reichsdeutsche Bruderherz erschlossen— sie würden ihr braunes Wunder erleben, wenn sie plötzlich in diesem Zuchthaus- und Kasernenstaat, der Deuffchland heute ist, leben müßten! Die plötzliche Liebesleidenschast für den „sudetendeuffchen Bruder" ist zweideuffg wie alles, was das braune Regime sagt und tut. Es geht ihm gar nicht um„Brüder und Schwestern", die es, wenn es über sie zu gebieten hätte, genau so knechten würde wie das eigene Volk, ja— eher noch schlimmex, da der Sudetendeutsche erst Lieber Krieg als Boykott! Einen bemerkenswerten Beitrag zur Kennt- nis der internationalen Fabrikanten-Moral vermittelt ein Aufruf, den vor wenigen Tagen dir englische„Nationalvereinigung der Fabrikanten' wider die in England immer mehr anwachsende Boykottbewegung gegen Hitler-Deutschland errai- sen hat. Diese von den Sozialisten und Pazifist?» des Landes geförderte Boykottbewegung beruft si es also offenbar moralischer, einen Menschen-» töten als ihm nicbts zu verkaufen, weil sie«ni Krieg verdienen könnten, am Boykott aber mA- Und es scheint, als ob diese Moralphilosophu nicht nur von den englischen Fabrikant:» vertreten wird. Verkebrflugzeug ins Meer gestürzt. Das britische dreimotorige Flugzeug, das Samstag früh in Le Bourget zum Fluge nach London ausgestiegen war, lourde von einer französische» Schaluppe auf dem Meere treibend aufgefunden. Staatlicher Lehrgang zur Ausbildung der öffentlichen Buchwarte. Das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur veranstaltet den diesjährigen dreiwöchigen Lehrgang vom 8. bis 2N Juli in Teplitz-Schönau. Unbemittelte Teilnehmer erhalten bei regelmäßigem Besuche der Vorlesungen und erfolgreich abgelegter Schlußprüfung kleinere KurÄbeiträge. Wer eine größere fachliche Ausbildung als Buchlvart erhalten, wtl das Amt eines Gemeindebuchwartes in Gemeinden von 2000 bis 10.000 Einwohnern ausübt» oder als Hilfskraft in einer Gemeindebücherer t» einer Gemeinde von mehr als 10.000 Einwohner» tätig sein will, muß nach den gesetzlichen Bestimmungen einen solchen Lehrgang durchgemackt haben. Es können nach Möglichkeit auch Buchwarst kleinerer Gemeinden Aufnahme finden. Anmeldungen und Anfragen sind an das Referat für das staatliche Volksbildungswesen(Fachlehrer Heinrich Herget) in Teplitz-Schönau, Schulgaffe 1s, zu richten. Die Eismänner kommen erst? Trotzdem die Bewölkung strichweise etwas zugenommen hat, ist das Wetter in Mitteleuropa im allgemeinen noa schön und die Erwärmung macht Fortschritte. L» der Nacht auf Samstag haben die Fröste auch au! den Bergen/aufgehört und Samstag nachmittags wurden in den Niederungen Böhmens 21 bis 2^ Grad erreicht. Demgegenüber hat es sich in d<» letzten zwei Tagen in Mittel-Skandinavien stellenweise um mehr als zehn Grad abgekühlt. 8» Lappland schneit es, und auf den Inseln des Palarmeeres wurden—5 bis—8 Grad verzeichnet- Die kühle Luft dürfte in unsere Gegenden zwar erst am Montag eindringen, doch dürfte da? Detter am Sonntag bereits allmählich unsicheren Charatter annehmen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Zunächst noch schön und untertags ziemlich warm, später allmählicher Ueber- gang zu unsicherem Wetter.— Wetteraussichte» für M o n t a g: Unbeständig, strichweise Schaue»- allmähliche Abkühlung, Nordwindgründlich„preußisch" erzogen werden müßte- Nein— in seiner Machtgier trachtet das braust Deutschland aus ganz anderen Gründen den» aus Liebe über die Grenzen: Es möchte w» liebsten auch dieses sudetendeutsche Randgebiet haben, und die„Brüder und Schwestern" gelte» ihm nur als Bevölkerungszahlen, die Macht-»' wachs bedeuten würden. Da es aber den Nachbarn nicht durch offenen Gebietsraub schwäche» kann, tut es doch wenigstens alles, um Zwietracht ins nachbarliche Haus zu tragen. „Unsere sudetendeutschen Brüder und Schwestern"— ach, jene Sudetendeutschen, die heute st sehnsüchtig nach dem braunen Deutschland b>»' überblicken und Henlein als den Statthast'» Hitlers bejubeln, täten gut, sich daran zu erinnern, wie abfällig jene gleichgeschaltete u»» plötzlich so sudetendeutschfreundliche Presse drüben von ihnen gesprochen hat, als sie währe»» der deutschen Inflation mit ihren valutastarke» Tschechenkronen' nach Plauen, Chemnitz, Dresden, Zittau fuhren und„das verarmte Deutsch' land aufkauften". Sie täten gut, sich daran 4» erinnern, mit welch unverhüllter Geringsch»' tzung gerade jene von nationaler Ueberhebliw' leit strotzenden Deuffchen, die heute die überzeugte Gefolgschaft Hitlers bilden, immer uw von jeher auf den Sudetendeutschen herabg^ blickt haben.„Das ist so ein böhmischer Nazi- — so sagten sie drüben nicht etwa von ei»e>» Tschechen, von dem sie nicht viel mehr wußte» als den Namen; nein— damit meinten sie eint» Böhmen schlechthin, auch den Deutschböhme»- Nur hatte der Ausdruck„Nazi" gar nichts w- seinem heutigen Sinn zu hin, sondern war ab' geleitet von dem Vornamen Ignaz. Und: ist eine Böhmische!"— so nannten sie verächtb" eine aus Böhmen stammende Frau, auch we»» sie eine Sudetendeuffche war. Es lag— und" liegt noch trotz allem brüderlichen Gerede— Wj* selbe Geringschätzung darin wie in dem Schisst Wort„Mackes", mit dem der Preuße den Elsaß' Lothringer bedachte..(Schluß folgt.).' Nr. 111 Smmiag, 12. Mak 1935 Seite 7 Frauen! Kommet alle in die Wählerversammlung am Montag, den 13. Mai, acht Uhr abends in Prag-AoleSoviee, Französischer Saal im Meffege» bände. Bringet auch eure Bekannte« mit! Die nächste Ausgabe des„Wahlruf-" meldet:' Max Baer von der RW angeschoffen! Wir können unseren Lesern mitteilen, daß die nächste Folge des Henlein-Wahlrufs sie mit folgenden Neuigkeiten überraschen wird: Unsere Enthüllungen über daS Scharfschießen der Roten Wehr, welche einen marxistischen Parteisekretär erschossen hat, hat unter unseren Kameraden und Volksgenossen allgemeine Befriedigung au»gelöst. Unsere Kameraden, welchen die Eerwarmerie Revolver, Schlagringe, Dolche und Gaspistolen weggenommen hat, mit welchen wir unseren ritterlichen WahUampf führen, sehen, daß Wir den Marxisten nichts schuldig bleiben. Wir Verden in unseren Enthüllungen fortfahren und in einer der nächsten Folgen aus die Verstecke der roten Moldau-Unterseeboote aufmerksam machen. Wir warten nur ab, bis unsere Hauptleitung be» schlossen haben wird, wo dieses marxistische Kriegsmaterial zu entdecken sein wird. Eine sensationelle Nachricht wird uns aus London übermittelt. Bor einigen Tagen wurde der Boxer Max Baer angeblich bei einer Tonfilmaufnahme durch einen Schutz verletzt. Es stellt sich heraus, daß auch an diesem Unfall die Rote Wehr schuld ist, welche aus Angst vor unseren scharfen Äugen ihre Manöver ins Ausland verlegt hat. Luch Max Baer» der in Wirklichlest marxistischer Parteisekretär ist— der Verdacht lag fest jeher nahe, da er Jude ist und unseren Max Schmeling niedergeboxt hat— wurde bei einem derartigen Scharfschietzen angeschossen. In London ist der Mohre Sachverhalt bekannt und das Gerücht geht von Mund zu Mund. Genau so hie es in Wig- stadtl war. Wir aber werden nicht ruhen und nicht rasten, bevor nicht der letzte Papierdrachen als sozialdemokratisches Bombenflugzeug entlarvt sein lvstd. Kameraden, auch ihr dürft nicht ruhen und rasten. Noch ist es Zeit, unsere Stimmen zu erheben. Nützet sie! Nach den Wahlen wird eS zu spät sein, denn dann werdet Ihr darauf kommen, datz alle, welchen unsere VollSbewegung nicht Sieben- zimmerwohnungen und AutoS mit zerschossenen Fenstern oder wenigstens Mandate gebracht hat. von den vielen Stimmen nichts haben werden. Wir können also nicht den Wunsch jener Kameraden erfüllen, die aus Liebe zu unserem Führer den »Dahlruf" in„Wahlheiserkeit" umtaufen wollen. Nein, im Gegenteil! Der„Wahlruf" wird von nun an in verstärkter Auflage mit dem Titel„Wahlgeschrei" erscheinen. Kameraden, schreit mit, noch ist es Zeit! Nach dem 19. Mai sind euere Stimmen doch nichts mehr wert! Herr Houigfütz Bon G. Rykli« Sein richtiger Name ist Dmitrij Arkade« srstsch— die Leute nennen ihn aber Herr Honig« süß..) Er ist widerlich sütz km Verkehr mit seiner ldngebung— im Dienst, auf der Straße, im Theater, in der Straßenbahn. Es gibt Menschen mit rüden, unerträglichen llmgangsformen, die einen reizen, aus der Fassung bringen. Aber eS gibt auch so etwas wie eine abstoßend« HöfliOeit— eS wird einem übel davon, io als hätte man eine übergroße Portion Syrup geschluckt. Im Amt sprach er etwa folgendermaßen: — Klaudija Sergejewna! Hären Sie, bitte, meinen Gedankengang an. Haben Sie vielleicht einen Tintenstift? — Nein. -— Ich danke Ihnen. Verzeihen Sie, freund- lichst die Störung. — Semjon Michailowitsch! Gestatten Sie, bitte, eine ergebenste Frage. — Bitte schön. —- Falls es Ihnen nicht schwer fallen sollte, so sagen Sie mir, um Gottes willen, wie spät eS fetzt sein kann? — Meine Uhr steht. — Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden, Cemjon Michajlowitsch... Unser Amtskollege Gajadow ist Witwer und kinderlos. Nichtsdestoweniger aber fragt ihn Herr Honigsüß bei der täglichen Begegnung mit einem bezaubernden Lächeln: — Wie geht eS der Frau Geauchlin und den Kinderchen? Und fährt dann, ohne eine Antwort abzu- tvartcn, jortr PBAGER ZtITBMO Der Sozialpolitiker Dr. Milto Kotrba und das Arbeitslosenproblem In einem Flugblatt, in dem das demokratische und freisinnige Deutschtum, also die DAWG, zur Wahl der Liste 11, also der ungarischen Christlichsozialen, deS ehemaligen Nationalsozialisten Fahrner, des ultra-agrarischen Heißsporns Hanreich und der gewerbsparteilichen Zünftler aufruft, ist auch ein Forderungsprogramm der DAWG enthalten, in dem der 21. Punkt lautet: „Berbeffarnng der Arbeitsloßmfürsorge." Da ist eS doch von Interesse, festzustellen, wie sich der Spitzenkandidat der DAWG in Prag und angeblich aussichtsreiche Mandatsanwärter praktisch für die Verbesserung der Arbestslosenfürsorge betätigt hat. Kn Jahre 1982 legte die Regierung auf Betreiben der Sozialdemokratie einen Ges^entwurf vor, durch den die Arbeitgeber zur Beitragsleistung für die Arbeitslosenfür- sorge Verhalten werden sollten. Die Vorlage wurde von den kapitalistischen Kreisen sabotiert und ist daher bis heute nicht Gesetz geworden. Zu den aktiven Saboteuren gehörte auch H e r r D r. Milto Kotrba, der am 7. Jänner 1982 kn der„Bohemia" über„Die Mängel der Vorlage" schrieb. Datz er die vom Ministerium für soziale Fürsorge vorgeschlagene Art der Mittelaussbringung bekämpfte, wollen wir ihm gar nicht weiter Übelnehmen. Dazu ist er ja kn seiner Eigenschaft als Sekretär des Industrielle n v e rband e s geradezu verpflichtet. Mer eS ging Wohl über die Amtspflicht hinaus, wenn Dr. Kotrba fortfuhr: „Demsezeniiter euttilt der karze Gesetze»' «trag und dessen sehr dürftig«, Mvtiventrttchl kein Wert»ter diedri»se»d«etwe»dkze Festsetzung der ArteitSpflicht für «ntrrstiitzte Arbeitslose." Dem großen Sozialpolitiker ist gewiß nicht entgangen, datz das Gesetz über daS Genter System die Verpflichtung der Arbeitslosen festsetzt, eilte ihnen angebotene Arbeit gegen Tariflohn Die„Bohemia" DaS Berbalten der„Behemia" in diese« Wahlkampf. Man glaubte annehmen zu dürfen, datz daS durch seine Vergangenheit so schwer kompromittierte Blatt während deS Wahlkampfes ein« gewisse Vorsicht an den Tag legen würde, um seiner durch die Vorgeschichte der Kandidatur und die Auswahl der Kandidaten ohnehin reichlich belasteten Partei die WahlauSfichten nicht noch mehr zu schmälern. Diese Annahme erweist sich als falsch. Die Haltung der.Bohemia" ist auch mitten im heißesten Wahlkampf derart, daß die DAWG, hätte sie noch einen Rest von politischem Jnstirckt bewahrt, darin jenes letzte und entscheidende Moment erkennen müßte, das zu ihrer endgültigen politischen Ausschaltung führen muß. Aber die Partei läßt es sich eben nicht nehmen, Selbstmord zu begehen. Der Bericht, den die„Bohemia" über die von den Henleinleuten gestörte Wählerversammlung der zu übernehmen. Er kann also nschts andere- meinen, als die Pflicht der Arbeitslosen, ihre Unterstützung ab zu arbeiten, etwa so, wie die Unternehmer die ihnen gewährten Subventionen abarbeiten, nicht wahr? Das ist also das soziale Ideal eines freiheitlichen Spitzenkandidaten: für di« Fabrikant«« Handlungsfreiheit, für di« Erwerbslose« Zwangsarbeit! Dem Angriff auf die Rechte der Arbeitslosen folgt die Verdächtigung: „Es fehlen in der Vorlage vor allem Borschristen für eine zweckmäßige und wirksame Kontrolle zum Schuh der wirklich Unterstützungsbedürftigen und zur Vermeidung des bisherigen Zustandes, daß die sehr schwer zusammengebrachten Unterstützungsmittel zuweilen wahllos auch an Arbeitslos« gelange«, die der Unterftitzung Eigentlich nicht bedürfen.» Wenn man einen Fascisten einen Fafeisten nennt, ist man ein Denunziant. Wenn man aber die Arbeitslosen deS UnterstützungKschwindelS beschuldigt, ist man ein deutschdemokrattscher Sozialpolitiker. Im Wahlflugblatt schreibt der W a h l- werber Kotrba: „Der Werstätige zieht Arbeitslohn der Arbeitslosenunterstützung vor, die doch immer nur «in Notbehelf sein kann." Mer in seiner sozialpolitischen Betätigung kämpft der Unternehmersekretär Kotrba mit dem Argument, datz viele Arbettslos« der Unterstützung„eigentlich" nicht bedürfen, gegen die Verbesserung der Arbeitslosenfürsorge. Da kann man nur sagen, datz di« DAWG in die reaktionäre Gesellschaft, in die sie sich begeben hat, ganzauSgezeichnethinein- paßt. Sie gehört aus die Lifte 11 und die Liste II kn den Papierkorb. Zn die Arne gehört die Liste 6 DAWG veröffentlicht, und den ihre deutschdemokra- tischen Geldgeber sie veröffentlichen lassen, ist gleichermaßen der Beweis für die widersprechende Gesinnung de» Blatte» wie für die der Führung der deutschdemokratischen Freiheit-Partei. Da dar Blatt ja, kn enger wirtschaftlicher Bindung mit der Partei steht, macht es also für sie Propaganda; die Reden der Herren Kotrba, Bacher, WieSmeyer erscheinen in großer Aufmachuittz, der Bericht füllt drei ganze Spalten. Aber in diesem selben Bericht bringt die„Bohemia" eS fettig, nicht nur die Henleinleute zu entlasten, di««in« Versammlung zerschlagen haben, die sie ja als die ihre ansehen mußte, sondern auch die Angttffe zu eskamotteren, die einige zu gutgläubige Demokraten während der Versammlung gegen die Henleinsche Demokratie richteten, und sich mit dem Verhalten der Störer und ihren Motiven zu identifizieren. Sine Rednerin hatte in der Versammlung, nach dem Bericht de»„Prager Tagblatt", erklärt,„Henleins Partei habe keine einzige Frau kandidiert und wolle die Frauen wieder zur mittelalterlichen Barbarei zurückführen. Sie fordere deshalb die Frauen aller Weltanschauungen auf, di« Htttlein-Liste zu boykottieren. Dieser Passus sieht in der„Bohemia" so guS: „ES sprach noch Frau Freiberger, die die Frauen aufforderte, für die Demokratie zu stimmen/ die ja bekanntlich Henlein auf seine Fahne geschrieben hat..; In der Versammlung ttat dann ein Zionist al- Gegenredner auf, der die übliche und dem Hen» leinfasciSmuS so willkommene These aufstellte, Juden hätten in det deutschen Polittk nichts zu suchen. Wie nicht ander- zu erwarten, erhoben sich bei dieser Aeußetting die in der Versammlung anwesenden Henleinleute und klatschten demonstrativ Beifall, während einige naive Demokraten im Auditorium ihrer Verwunderung über diese Einheitsfront zwischen Zionisten und Henleinftontlern Ausdruck gaben. Die„Bohemia" schildett nun diesen Vorfall so, daß sie sagt, der Vorsitzende habe nach wiederholten Ermahnungen dem Redner daS Wort entziehen und die Versammlung schließen müssen, da„die Versammlung keine Krittk der deutschen Politik von einem Züdischnationalen hören wollte". „Die Versammlung", das sind also die randalierenden Henleinanhänger, und nicht die paar ahnungslosen freisinnigen Demokraten im Saal, die, im Glauben, die DAWG sei auch eine Gegnerin Henleins, nicht nur dem jüdischnationalen Redner, sondern auch den ihm applaudierenden Hen- leinstontlern entgegentraten. Die„Bohemia". gibt al» Grund für die Schließung der Versammlung die Einmischung deS zionistischen Redners in die deutsche Politik an die doch nur Anlaß zu einer Ablehnung im Schlußwott bieten konnte), und nicht die offensichtliche Unterwerfung des Vorsitzes unter den Hen« leinterror. „Bor dem Gebäude", so berichtet die„Bohemia" weiter,„kolportierten zwei Burschen jüdischnationale Flugblätter, was einen Auflauf verursacht^ und die Polizei zwang, gegen die Flugblattbetteiler einzufchreiten." Und sie fähtt fort: ,;Junge Leute, zumeist Studenten",— also beileibe keine„Burschen"—„warfen am Anfang der Versammlung von der Galerie Sudetendeutsche Pattei- Vignetten." Von einem „Zwang" für die Polizei, einzugreifen, ist hier wahrlich keine Rede, die„Bohemia" legt darauf keinen Wett. Unter dem von den„jungen Leuten" verteilten, aber von der„Bohemia" verschwiegenen Wahlmaterial befand sich mich ein an die Studenten ge- richtetcs Flugblatt, das das Präger,Karo- linum in brauner Farbe(während der Text in schwarzer Farbe ausgeführt ist), glso sozusagen alsdashierländischeBrauneHaus zeigt, das erklärt, die' Wahl vom!9. Mai habe die Bedeutung eines Volkseatsch-ktzds und baden uneingeschränkten Totalitätsanspruch der Partei verkündet, für die es wirbt, die Sudetendeutsche Partei, Führer Konrad Henlein. Das Flugblatt ist ja nun wohl nicht direkt von der„Bohemia" zum Druck befördert worden,(daS besorgte die„Hauptstelle der Sudetendeutschen Partei" in Eger), aber gelesen hat sie es zweifellos; die„jungen Leute" sorgten schon für die Verbreitung. Dennoch erwähnte der„Bohe- mia"-Bericht das Flugblatt mit keinem Wort.' DaS Interessanteste aber ist, daß die„Bohemia" auch in diesem Falle in der Lage ist, einen Kommentar zu den Vorgängen aus erster Quelle zu veröffentlichen, wie sie dies ja auch bei Ereignissen im Dritten Reich immer zu tun vermochte. Noch in — Freut mich sehr, fteut mich ganz ungemein! Meine herzlichsten Grüße. Er lächelt immer freundlich und zuvorkommend. Wie auf einer MaSke klebt ständig ein Lächeln auf seinen Lippen. Dor etwa einem Jahr pumpte er bei Pjetr Ignatjewitsch fünf Rubel auf ,^wei, höchstens drei Tage".— Bis heute hat er ihm aber daS Gell» noch nicht zurückgegeben... Mit seiner Höflichkeit und Zuvorkommenheft hat er aber den armen Pjetr Ignatjewitsch ganz kränk gemacht. Jedesmal, wenn er feiner ansichtig wird, stürzt er auf ihn zu, drückt ihm dankbar die Hand und flötet: — Ich bin Ihnen sehr verbunden— Tie sind ein wahrer Freund und Kollege. In zwei— drei Tagen zahle ich meine Schuld zurück.. Bor einchaar Tagen bemerke Pjetr Ignatjewitsch im AmtSgebäude den ihm entgegenkommenden Honigsüß. Blitzschnell, wie auf der Flucht, stürzte Pjotr Ignatjewitsch in die nächste Toilette. Der lächelnde Herr Honigsüß blieb vor der Toilettentür stehen, wich eine Viertelstunde nicht von der Stelle und erwischt« endlich sein Qpfer. Wieder drückte er seinem Gläubiger die Hand und dankte ihm inbrünstig... Sich bedanken ist ihm di« liebste Beschäftigung im Leben. Tritt man ihm in der Straßenbahn auf die Hühneraugen, schreit er auf und sagt darauf mechanisch: Ich danke Ihnen... ES gibt Menschen, von denen man sagt, sie „kömften keiner Fliege etwa- zuleide tun". Herr Honigsüß wird nicht nur der Fliege nicht wehtun, sondern wird ihr, wenn sie ihn sticht, lächelnd sagen: — Ich bin Ihnen sehr verbunden, Frau Fliege... Bor kurzem ereignete sich ein Straßenbahn» Unglück. Ein Anhängewagen hatte sich loSgeris- sen und rollte die abschüssige Bahn zurück. Herr Honigsüß hatte nicht sofort begriffen, worum er sich handelte und wandte sich an einen der Mit» fahrenden; War ist denn loS?< — Ein Unglück...wir sausen zurück... — Ich danke Ihnen— sagte Herr Honigsüß freundlich lächelnd und erschrack erst darauf. Ein fürchterlicher Mensch! ♦ Eines TageS wurde ihm während der Dienststunden schlecht. Dir legten ihn in einem leeren Zimmer aufs Sofa und gingen weg. Er schlief bald darauf ein. Während der Pause kamen wir um nachzusehen. Er erwachte plötzlich und sprang auf. Mit wilder Stimme schrie er uns an: Was strolcht ihr hier herum? Ihr Idioten. Raus aus dem Zimmer, Gesindel! Keiner von uns hatte Zeft bös zu werden. Wir waren so paff, daß unS die Zunge versagte, und wir die Fähigkeit verloren, beleidigt zu sein. Ein große» Erstaunen herrschte in unseren Reihen. Pertzow, unser Buchhalter, pflegte nachher, wenn wir auf diesen merkwürdigen Fall zurückkamen, zu sagen: — Wenn man Soll und Haben vertauschen würde und die„Laufenden Rechnungen" zu tanzen begonnen hätten, würde ich nichr so perplex geworden sein.-.. Das wahnsinnige Schreien des Herrn Honigsüß wähtte nur eine einzige Minute, worauf sein rundeS Mondgesicht wiederum in einem Lächeln erstrahlte. — Verzeihen Sie, bitte, um Christi willen. Ich hatte«inen schrecklichen Traum. Bielen Dank. Bin Ihnen sehr verbunden. Verstehen Sie— ein schlechter Traum... Wir erfuhren bald, um welchen Traum es sich gehandelt hatte. Ihm träumte, er befände sich... in seiner eigenen Häuslichkeit. Wir erfuhren bald, daß dieses weichherzige. Nein« Menschlein überall höflich war— zu Wasser und zu Lande— überall, außer in feinem kleinen Territottum. Kaum tritt er über die Schwelle seiner Woh- UMg. als er jich schon»»ine« Leujel,-inen orientalischen Despoten, einen Pascha verwandelt. Im Nu fällt aller Stuck von seiner äußeren Fassade ab und aus allen Spalten kriecht wie ein unübersehbare» Wanzenheer die Unkultur hervor. Auf der Treppe zu seiner Wohnung nimmt er daS Lächeln von seinem Antlitz herunter und steckt d in die Tasche. Er klingelt. Die Tür wird augenblicklich geöffnet. Schreiend stürzt er ins Zimmer: — Ihr seid wohl eingeschlafen, zum Teufel noch einmal! Eine geschlagene Stunde stehe ich an der Tür und Ningle. Faule Bande.., Frau und Kinder schlveigen und zittern, zittern und schweigen. Wagen cs nicht, auch nur ein Wort zu sagen. Trauen sich nicht zu niesen, husten oder gähnen. Beim Essen kommen aus seiner Kehle, sei- warum wackelnder Nagel?! Beim Waschtisch schimpft«r: warum liegt die Seife nicht an Ott und Stelle?! Bei Tisch brüllt er: warum dieser Fleck auf dem Tischtuch? Beim Essen komme n au» seiner Kehle, seinem Münd und seinen Lippen wilde Töne. Mit den Fingern greift er ins Salzfaß, in die gemeinsame Schüssel, wischt sich mft dem Tischtuch Hände und Lippen ab. Plötzlich springt er auf, wirst seinen Stuhl um und befiehlt das runde Tischchen auf einen anderen Platz zu stellen. Die Frau erwidett schüchtern und stottert vor Auflegung. Schreiend unterbttcht er sie: Wer bezahlt hier Wohnung, Wasser und Licht?! Nun aber verläßt er die Wohnung. Bereit» auf der Treppe beginnt er zu lächeln. Beim HauStor trifft er den Hausmeister: — Guten Tag. Afanasji Michajlowitsch! Wie gehts der Frau und den Kinderchen? Ich danke Ihnen... Danke sehr... dem Russischen von E. Brauner.), Seite 8 „Sozialdemokrat" Sonntag, 12. Ma! 1935. Nr. 111 später Nacht verschafft sie sich Kenntnis von der 1 Stellungnahme der Sudetendeutschen Partei zu diesen Vorfällen bei der Versammlung: Die Sudetendeutsche Partei erklärt, dlltz die Störer mit der Partei nichts zu tun haben, daß sie„unkontrollierbare Elemente" seien, die„sowohl Rufe ausgestoßen als auch Propagandamaterial abgeworfen haben, das mir für die Provinz bestimmt ist."(Wo haben die ,'.unverantwortlichen Elemente" das Wahlmaterial eigentlich her?) Man Hat einen solchen politischen LapsuS selten gelesen: Tas Material, erklärt die Henlein-Partei, ist echtes Material, aber in Prag ist es zu gefährlich, Braune Häuser, Volksentscheide und Totalitätsansprüche zu propagieren. In der Provinz bedient man sich dieses Materials, in Prag aber„wird der ausdrückliche Befehl ausgegeben, daß die Versammlung der DAWG nicht gestört werde", weil man deren demokratische Betätigung für gänzlich ungefährlich hält. Und die„Bohcmia", das Organ der Deutsch-demokratischen Freiheitspartei, gibt der Eudetendeutschen Partei Raum für die ausdrückliche Bestätigung, daß Henlein die Herren Bacher«nd Kotrba nicht als Gegner betrachtet. ES wird sich kaum ein Parallelfall in der politischen Geschichte zu solcher Gewandtheit und Anpassungsfähigkeit finden lassen. Die Bereitschaft der„Bohemia", gleichzeitig vor den Wahlen das heilige Feuer der Demokratie zu hüten und vor Herrn Henlein Kratzfüße zu machen, ihre Fähigkeit, sowohl den altbewährten Traditionen des deutschen Freisinns als auch den modernen Bedürfnissen der Henleinschen Volksgemeinschaft Rechnung, zu tragen, stellt wohl die Gipfelleistung journalistischer Geschmeidigkeit dar. Die Führung der DAWG, die das Blatt finanziell in der Hand hat, die in ihm auch personell vertreten ist, und die solche Exhibitionen nicht abstellt, dokumentiert ihrerseits einen Grad von politischer Vielseitigkeit und dabei — wie die Tinge liegen— politischem Unverstand, die ihresgleichen suchen. Hitler als Kronzeuge tschechischer Fascisten! In einem Automaten der Prager Innenstadt kam es dieser Tage mittags zu einem hitzigen Disput zwischen Anhängern der„Nationalen Vereinigung", offenbar Funktionären, und tschechischen Arbeitern. Die Fascisten argumentierten mit den alten, inhaltslosen„antimarxistischen" Schlagworten, zu denen man immer zu greifen pflegt, wenn die Argumente fehlen; die Arbeiter schenkten ihnen jedoch nichts und trieben ihre Gegner immer mehr in die Enge. Die Diskussion erregte allgemeine Aufmerksamkeit, die* Gäste des Lokals sammelten sich zahlreich um den Tisch, an dem diese Wahlschlacht im Kleinen ausgefochten wurde.• Als die Fascisten gar nicht mehr weiter wußten, beriefen sie sich auf— Hitler und seinen Konrad Henlein! Dieses seltsame„Argument" kehrte zur allgemeinen Erheiterung um so häufiger wieder, je mehr sich die Fascisten sachlich geschlagen geben mußten. Am Ende der Diskussion waren die Stribrnh- Fascisten k. o. geschlagen und zogen, von einem ironischen„Heil H i t l e r" der Hörer begleitet, ab... Ein kleines, aber charakteristisches Beispiel dafür, wie das Prager Volk denkt! Ist Goebbels der Propagandachef Stkibrny-Kramärs? Ein Naziplakat an Prags Anschlagtafeln! Tie„N ationale Vereinigung" lies; am Samstag früh Plakate anschlagen, die vielfach Empörung hervorriefen und von den Pragern erregt diskutiert wurden. Sie zeigten in bekannter Demagogie im. Vordergrund die verzweifelte Familie eines Arbeitslosen und im Hintergrund verödete Fabriken, um die eine„rote Spinn e" ihre Netze zieht. Im Text liest man in Fettdruck„15 Jahre sozialistisches Regime!" Tic Erbärmlichkeit und Verlogenheit einer solchen Argumentation bedarf keiner polemischen Kennzeichnung; sie charakterisiert sich selbst. Aber etwas anderes ist weit interessanter. Wie uns Mitgeteilt wird, hat die R e i ch s p r o p a g a nl» a l e i t u n g der reichsdeutschen„N ationalsoziali- stis chen deutschenArbeiter-Par- t e i" lvährend der deutschen Wahlkämpfe des Jahres 1932 ein antim arxi st isches H e tz p l a k a t herausgebracht, tdas nicht nur im Motiv dem Plakat, der chauvinistisch-tschechischen„Nationalen Vereinigung" der Herren Kramäk und Stkibrnh ähnelte wie ein faules Ei dem anderen, sondern auch in der Ausführung fast hundertprozentig dem am Samstag angeschlagenen Werbeplakat der.„Nationalen Vereinigung" glich. Handelt es sich vielleicht um eine K o p i e des Goebbels-Plakats? Haben sich die Herren der„Nationalen Vereinigung", die ja auch finanziell das Ausland in Anspruch zu nehmen pflegen, die Propagandavorlagen vom ReichZpropaganda» niinister des„Dritten Reiches", Herrn Goebbels, liefern lassen?! Dje baldige. Antwort auf diese Frage dürfte sehr notwendig und aufschlußreich sein! Die landwirtschaftliche Ausstellung, seit dem. Bestandes deS Staates die fünfzehnte, ist' mm Samstage auf dem Alten Ausstellunggelände im Baumgarten eröffnet worden. Der Echloßtzartcn. auf der Prager Burg wird der breijeren Oeffentllchkeit vom 18. bi» 19/ Mai lrJ7oon 8 ms 18 Uhr zrjganglich fern: Eintritt Kö 1.—, Kinder Hie-Hälft«.. Zugana in den Schiqß» garten vom PxaSich most.(Staub-Brücke.) Das Friedrich Smetana-M«sr"m in Prag als selbständiges öffentliches Institut geht nun rasch seiner Verwirklichung entgegen. Nach dem Beschluß der Prager Zentralvertretung wegen leihweffer Ueberlassung des ehemaligen Alfftädter Wasserwerkes auf der Novütueho lävka für Zwecke des Museums hat am Freitag die Generalversammlung der Smetana-Gesellschaft Maßnahmen getroffen, um die finanziellen Mittel zur Adaptierung des Gebäudes und der inneren Einrichtung des Museums sicherzustellen. Kunst und Wissen Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Sonntag, halb 8 Uhr: Die Fledermaus, A 2.'■— Montag 8: Tanzabend Trudi S ch o o p.— Dienstag halb 8: Dantons T o b, neuinszeniert, A 1.— Mittwoch halb 8: M a d a m.e B u t t e r f. l y, B 2.— Donnerstag halb 8: G r ä f i n Mariza, C 1.— Freitag halb 8: F a l st a f f, D 2,— Samstag halb 8: Serv u sl Servus!, C 2.— Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3 ilhr: Ping-P o n g, 8: M e i n e Cousine aus Warschau.— Montag 8: Rezitationsabend Lilli Freud- M a r l i.—Dienstag 8: Vorträge Vortrag über französische Plastik. Der.vorbereitende Ausschuß der Ausstellung, für französische moderne Bildhauerkunst und die Alliance Francaise veranstalten gemeinsam am Donnerstag, den 16. Mai um. 20. Uhr im Großen Saale des Französischen JustitutL- in Präget-, Stipänsta 37 einen Vortrag des Kunstkritikers Claude-Poger-Marx über mo- deine französische Plastik. Der Vortrag wird- durch" Lichtbilder'ergänzt, die Pxöben von Werken fran- zösischer Bildhauer'darbieten.' Oer Film Bosambo Es ist wenig bekannt,' daß der verstorbene Edgar Wallace nicht nur Kriminalistisches, sondern auch Patriotisches geschrieben hat, Die Erzählung, der dieser englische Film seine Handlung entnimmt, beweist es: sie.Heißt,(wie auch der Film im Original)„Sanders of the viver" und verherrlicht einen englischen Distrifts-Kommissar in Inner-Afrika, einen treuen Diener' des britischen Königs auf einem der äußersten Vorposten des Welt- und Kolonialreiches, auf dem dieser Kommissar Sanders mit Weisheit, Kühnheit und Gerechtigkeit. für das Wohl der Eingeborenen und das Ansehen seines Königs wirft. Die Regerhäuptlinge respektieren ihn, einer von' ihnen, Bosambo mit Namen, liebt den „Lord Sandy" sogar wie einen Vater, und als während des Hochzeitsurlaubs des Kommissars Sanders die Krieger des grausamen„alten Königs"(von verbrecherischen europäischen Kaufleuten betrunken und wild gemacht) den mühsam errichteten Frieden zerstören und Bosambo nebst Frau am Marterpfahl für ihr« Treue zu England büßen lgffen wollen, rettet der gerade zurückgekehrte Sanders seinen schwarzen Freund im Augenblick höchster Gefahr und macht ihn zum Negerkönig von Englands Gnaden. Diese Handlung(die wie ein Plagiat an Karl May wirft) läßt erkennen, wie es um die Realistik dioses Afrika-Films bestellt ist. Der Regisseur Z o l- tan Korda(der.Bruder, des bekannten Alexander Korda) hat offensichtlich auch nicht den Ehrgeiz gehabt, durch Wirklichkeitstreue zu wirken: die naiven Witze, die er eiüstreut, das wahllose Durch- ' einander von Englisch und Eingeborenendialeft, CharleysTante.— Mittwoch 8: M ä d- chen für all e s.— Donnerstag 8: Meine C o u sine aus War sch a u.— Freitag 8: C h a r l e y s T a n t e, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Meine Cousine aus Warschau. das er sprechen, und die herziunigen Gesänge, die er anstiuunen läßt, reinigen ihn von dem Verdacht, mehr als einen Unterhalrungsfilm nut patriotischem Ausklang beabsichtigt zu haben,— wobei freilich die Tatsache, daß die englisch« Kolonisation nicht nur mit Güte, und Gerechtigkeit, sondern im kritischen Moment mit Maschinengewehren siegt, schließlich doch noch zum Vorschein kommt. Die bewußt betonten Höhepunkte des Films sind die malerischen Massenszenen kriegstanzender -und'festefeiernden-Kongo-Neger, die immer wiederfesseln,. auch wenn, sie noch so arrangiert find, weil Uns hier im Rhythmus Her Bewegungen und Melo- dien, in der Exotik der Masken und Gesichter immer noch Ursprüngliches und Echtes gegeiiübertritt. Ein weiterer Höhepunkt des Films ist der athletische Negersänger Paul R o b e s o n, ein schwarzer Schaljapin mit. gewaltig-schmiegsamem Baß und einem darstellerischen Temperament, das ihm, obgleich er mehr Amerikaner als Afrikaner ist, im Ein» geborenen-Milieu hinreichend echt erscheinen läßt. Während v.on seiner'Partnerin, einer-Revue-Mulattin namens Mae MacKinney, daS gerade Degenteil gilt.-—eis— Im schwarzen Walfisch Um dem.(noch immer) großarfigen Schauspieler E m i l J a nnings eine Rolle zu geben, hat die reichsdeutsche Filmindustrie eine geistige Anleihe in Frankreich machen müssen; sie hat die Handlung von Marcel PagnolS lyrisch getöfttem Volksstück „Fanny" erworben, um sie zu verfilmen. In güte Hände ist sie freilich nicht geraten, sondern dem plumpen Literaturverhunzer Fritz W e n d h am* sen zum Opfer gefallen, der die Geschichte vom durchgebrannten Seemann und seiner Braut mit Rührseligkeiten, Albernheiten und Unappctitlich- keiten nahezu ungenießbar gemacht— und aus Marseille in«ine norddeutsche Hafenstadt verlegt hat, in der selffamerweife alle, soweit sie überhaupt sprechen können, ein' farbloses Hochdeutsch reden. So hatte Hannings die kaum lösbare Aufgabe, eine gründlich verdorbene.Sache durch seine. Dar- steltung der Baterrolle zu retten, in der er seine robuste Gutmütigkeit, seine verhaltene Herzlichkeit und seinen bärbeißigen Humor wieder wirkungsvoll zur Geltung bringt, wenn auch manches heute schon wie routinierte Selbstwiederholung wirkt. Neben ihm kann sich allenfalls die alte Margarete Kupfer behaupten, während, die krasse Anfängerin Angela, Sällo k e r(die schon den Forster-Film.„Hobe Schule"-nahezu.-lächerlich machte), die'Hauptgestalt der Fanny zu einer fortgesetzten Störung des Films gemacht hat.—eiS— Montag, den 13. Mal um 8 Uhr abends, im Messe, gebäude in Prag VH, Belskeho- (Französischer Saal) öffentliche Wähler- und Wählerinnen-Versammluns Redner: Emma Riedl und Dr. Robert Wiener Ans der Partei Prager Genossinnen und Genosse«! Diejenigen Genossinnen und Genossen, die bereit sind, für die Partei in der Wahlzeit fchrist' liche Arbeiten zu leisten, ersuchen wir, sich jeden Tag nach 5 Uhr nachmittag im Partriheim einz»- finden. Tue jeder seine Pflicht! Sozialistische Jugend, Kreis Proi- Diese Woche entfallen die Gruppenabende. Alle Genossen und Genossinnen beteiligen sich an der Wahlarbeit. Beachtet die Ankündigungen dek Partei! Mitteilungen der»Urania« Heute 10 Uhr:„Die unbekannte Burg". Führung: Dr. L. Kreitner. Treffpunkt: S. Burghof. „Riemanslands". Regie: Victor Trivas. Ernst Busch, Duglaß, Sokoloff in den Hauptrollen. Montag halb neuen Uhr. Arania-Kino „Ferien vom Ich. Entzückendes Lustpiel. Ausgezeichnete Besetzung: Spelamnns./f'-nkels, Schlei« tow, Steinbeck. Großer Publikumserfol^niHeute: s, 6, halb S Uhr. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Der Filmfanatiker". A. Harold Llopd- —Alfa:„Flucht aus dem Paradies", st- Regie: E. Lubitsch.— Beranek:„Ein Kind fällt vom Himmel"", A. M. Ehevalier.— Flora:„Barbara rast..Tsch.— Hvkzda:„M ickey-Programm".— Kinema: Journale, Groteske, Repor« tage.— Koruna:„Bezahlte Schuld". A.— Kotnn: „Bosambo". A.— Lucerna:„Bosambo". A.■" Metro:„Liebling". A. Shirley Temple.— Radio: „Ein Kind fällt vom Himmel". A.— Staut:„E-" Kind fällt vom Himmel". A.— Bajkal:„Barbara rast...". Tsch.— Belvedere:„Barbara rast.. Tsch.—Beseda:„Die hohe SchuleD. D. Rudolf Forster.— Carlton:„Ball im Savon". D. Älpar.— Favorit:„Die Rothschilds". A.— Li»^ „C a v a l c a d e". A.— Louvre:„Barbara rast Tsch.— Baldek:„Barbara rast..." Tsch. Shirley Temple ist der Liebling der ganzen Welt. In Prag, stellt sich Shirley Temple mit dem Film„Liebling" vor- VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen 445 sind die allerbesten! Paul Robeson und ferne Partner Nina Mae McKinney und Leslie Banks in dem englischen Film'„Bosambo". Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oDei bei Bezug durch die Poft monatlich Kä 16.-—. vierteljährig KC 48.—. halbjährig Kd 66.—. ganzjährig Kd 162—— ömerme werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Reiourmarken— Die Zeitunasfrankatur wurde von der Post, und Tele« graphendirLktioq mit Erlaß Nr. 13,800ZVlL'i930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis".' Druck». Verlags» und Zeituugs»L.-G., Prag.