Einzelpreis 70 Heller (etnichlioSllch 5 Haller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MUT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH, wo Aktion und Verwaltung präg xii., fochova a. telefon son. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Dienstag, 14. Mai 1935 Nr. 112 Henlein wirbt für die Herrenfront Im Hutu non Mich zu Mich... non zahllosen Gendarmen bemadit 1 L' Daß Henlein inNiemes vom umkränzten ^chloßbalton des reichsdeutschen GrafenHar- 8 auS gesprochen und daß er dann im Straßäser Forsthaus des Grafen Waldstein übernachtet hat, von fünfzehn Hegern bewacht.wie M österreichischer Erzherzog, ist durchaus keine Pinzette AuSnahmserscheinung im Aolkswallen Konrad UntrrhitlerS. ^enn jetzt tvir>T ns gemeldet, daß Henlein a m ' I. M a i« J)eun tlhr vormittags bis vier Uhr Mittag. eine kosrbäre Zeit im Dienste der Mksgemeinschaft beim Großgrundbesitzer Tr. Wajak in Groß- Tschochau-Hlinri auf dessen Schlosse als Gast verbrachte. ^tt a chf Autos kam der schlichte Turnlehrer, den Kampf gegen daS Bonzentum auf seine Wurn geschrieben hat, ins Schloß gefahren! Und Ehrend er dort seinen proletarischen Sejour hielt, "tnd das Schloß auf allen Seiten ®( n d armerie- Bewa ch u n g. Y® selbst auf dem Bahnhof von Gtoß-Tscho- ?®u waren zwei Gendarmen postiert, die "den Ankömmling peinlich beobachteten. Zunächst wundert man sich, daß Henlein, der W bereits an dem Umgang mit G r a f e n ge- Wnt ist, zwar wieder bei einem Großgrundbesit« abstieg, aber sich dazu nur einen reichen Mann dem einfachen bürgerlichen Namen WaZak aus, JWe. Dann aber wird man auch über diesen ’toft beruhigt: dir Ehegemahlin des Groß-Tschochauer Grund- und Schlotzherren ist eine hochgeborene ungarische Gräfin.'\ Man darf wohl annehmen, daß sich diese neue feudale Gastrolle für den armen Konrad gelohnt hat! Wir wissen aber nur über die .ideelle" Seite dieser Visite näheren Bescheids um halb fünf Uhr nachmittags sah man nämlich aus dem Schloß etwa ein Düsten d Arbeiter marschieren, die sich als bezahlte Ordner zur Bahn begaben, um zur Kundgebung nach Aussig zu fahrenl Diese Arbeiter— es waren die bei WaZet beschäftigten Professionisten— dürften die Lohnaufbesserung im Dienste der Volksverhetzung notwendig gebraucht haben, denn diese braven deutschen Volksgenossen des Turnlehrers’ und des Großgrundbesitzers rühmen sich eines- Stundcnlohnes von KE 1- 50. Mit solch fürstlicher Honorierung der Handvoll deutscher Professionisten glauben aber der Germane Majak und seine gräflich ungarische Gräfin das Ihrig« zum siegreichen Kampf um den d e u t s ch e n A r b e i t s p l a tz beigetragen zu haben. Venn 61« Feldarbeiter, die der Wafek beschäftigt— etwa dreißig an der Zahl— sind Slowaken Kann man die„Volksfront" des Henlein sinnfälliger konterfeien? — e" merta~ mit zwei Gendarmen vor der Schlafzimmertür! Nach Le itmeritz kam Henlein auf seiner Tour« um v Uhr abends. Auffahrt wie es einem zMM Diktator geziemt. Ein Kordon von Gen« ^Wen, die ihn vor'der Liebe des Volkes schütz- / n' vor Henleins Auto ein Wagen mit Gendar« i e”, als Nachhut ein zweiter. So zog der Führer 'n di« Stadt ein. », In der Versammlung zog er vor allem gegen ^epek los, Bürgermeister von Leitmeritz ist. ^gen die Sozialdemokraten sagte er nicht viel, im Saale eine starke Gruppe sozialdcmokra- 'icher Arbeiter war. », Die Versammlung dauerte lange und Hen- ^iibernachtete in Leitmeritz im Hotel Johan« "ehof. Box seinem Schlafzimmer mußten sich Und nun gar bei - Die uns auS Saaz gemeldet wird, war P e n ein Montag vormittags, um sich von den st'ntägigen Strapazen des Kampfes für die I""Sgemeinschaft zu erholen, inSchloß Ro« e n h a u s bei dem ehemaligen Fürsten r? 51 n I o ö e zu Gast. Er speiste dort und begab von RothenhauS mit der Autokolonne nach ^ßnitz, wo die Fabrikanten die 8a« ’ ken still stehen ließen, damit die Ar« . den Führer hören können. Vorsichtshalber ^Urden L i st e n aufgelegt, in die sich die c^iter eintragen und zum Besuche verpflichten Jkn. Der„Volksgenosse" Arbeiter, der es vor- ^4en sollte, den Schützling der Hart! g. ^ldstein, Wajek, Hohenlohe und deutschen Kapitalisten nicht anzuhören, muß °^° gewissermaßen selbst i n die 'h>v a r z e L i st e e i n t r a g e n I _ Aus allen Teilen des Landes kommen Nach- darüber, wie gut sich Henlein mit den fen- k«tEn Grundherren steht. In Haid bei Tachau ist zwei Gendarmen aufpflanzen, vor dem Hause hielten vier weitere Gendarmen und zwei städti» sche Polizisten Wache. Anders tuts der Führer nicht. Am sichersten schläft es, sich unter dem Schutz von Bajonetten, das haben Hitler und Goeripg auch schon gemerkt. Der Abmarsch erfolgte ähnlich wie der Ein« zug. Wieder nahmen AutoS mit Gendarmen HeN« leinS Wagen in die Mitte und geleiteten ihn zur nächsten Vorstellung. Das kostet zivar die Steuerzahler viel Geld, es hat aber auch seine guten Seiten. Wenn Henlein auf Schritt und Tritt unter den Augen der Gendarmerie ist, kann es nicht wieder passieren, daß der liebe Gott ihm ein „Attentat" schenkt, mit dem die Henlein-Partri in der Welt hausieren gehen kann. einem Fürsten! es der reichsdeutsche Fürst L ö w e n st e i n, der seine Arbeiter unter Terror setzt, damit sie zur SHF gehen. I And dieser Herr Henlein reist also weiterhin wie ei« Fürst durchs Land, mit einem Gefolge wie ei« Mttglied des kaiserlichen Hauses, mit acht Autos wie ein gekröntes Haupt; nimmt LogiS, ist Ehrengast bei de« reichste« Männern des Lan des, bei Aristokraten des Bluts und des Geldsacks, und befindet stch dabei immer unter uniformierter Bewachung wie seinerzeit die Repräsentanten der Monarchie, die stch gleich Henlein durch Gewehre und Bajonette vom geliebten Volk und von besten allzngroßer Liebe sondern und sichern liehen. Sollten weite Teile der sudetendeutschen Be völkerung wirklich so vernagelt sein, daß sie es mit ihren Stimmen dem Henlein ermöglichen, in unseren Gebieten ein feudales Scheinregiment zu etablieren, nachdem man Jahrhunderte gebraucht hatte» um die Aristokratie loszuwerden? Ist in her Tschechoslowakischen Republik Platz für eine Pseudo-Bolksgemeinschaft, in der. mit Hilfe der Scharlatane. die reichsdcutschen, die altösterrcichischen und die ungarischen Grafen wieder hochkommen? Noch ist es Zeit, dem Spuk zu wehren! Unter der Führung der Arbeiter gebt der dunklen Gesellschaft am 19. Mai eine unzweideutige demokratische und republikanische Antwort! Ein nordischer Edelins aus Polen Ei« Lieblingsargument der Han- leinleute ist der Hinweis ans den Geburtsort unseres Genosten Dr. C z e ch, der— einer alten Brünner Familie entstammend— durch den Zufall, dah seine Eltern bei einem Bahnba« beschäftigt waren, in Lemberg zur Welt gekommen ist. Wie lächerlich ei« derartiges Argument ist, wie kindisch es ist, einem Menschen seinen Geburtsort vorzuwerfen und aus dem Geburtsort auf den Mensche« zn schließen, zeigt der Fast des Herrn Dr. Walter Brand, des jugendlichen geistige« Vaters der Hen- leinfront und Mitarbeiters Konrad Henleins. Herr Dr. Walter Brand, der nordische Ebeling, der neulich die deutschen und tschechischen Arbeiter als „Gesindel" beschimpft hat, ist nicht vielleicht am Hardangerfjord geboren, nicht auf Helgoland oder im Sachsenwald, nicht einmal in Braunau am Inn, sondern ganz einfach In tlrandov bei Warschau Im damaligen Russisch-Polen Und während unser Genoste Czech, obwohl in Lemberg geboren, immer den deutschen Namen Ludwig geführt hat, heißt der Val erdes Germanen Waller Brand in der Ge- burtsmatrik Ludwig,recteLouis Brand. Das klingt schon sehr nach dem ferneren Osten«nd könnte ameri- koinisch recht gut„Lewis Brand" heißen. Wir wollen aus dem Geburtsort des Herrn Brand nichts ableiten. Wir wiffen, daß er wahrscheinlich— mag auch die Herkunft aus Pole« in dem teutschen Jüngling Verdrängungen erzeugt haben—-auchdanneinDe- magog und Unternehmerknecht geworden wäre, wenn er im Teutoburger Wald statt in Zirandov geboren worden wäre. Aber wir wollen doch zeigen, daß es gegen„Argumente" wie sie die SHF gebraucht, noch recht gute Gegenargumente gibt, wenn man die Polemik schon auf diesem Gebiet füh- re« mutz! Ein Diktator tritt ab PlIsudsKi gestorben Warschau. Sonntag um 20.45 Uhr ist Marschall Josef P i l s u d s k i, gerade am neunte» Jahrestage des mit seinem Namen verknüpf-. ten Staatsstreiches gestorben. Nach dem ärztlichen Gutachten trat der Tod des Marschalls an den Folgen eines Magen» und Leberkrebses ein. Dir Leibärzte des Marschalls waren über diese Krank" heit schon seit längerer Zeit Unterrichtet. Die Agonie dauerte fünf Stmrden. Am Sterbebett des Marschalls, der im 67. Lebensjahre stand, waren äußer' den Familienmitgliedern alle Kabinettsmitglieder versammelt. In einer Montag nachmittags stattgefundenen Ministerratssitzung wurde beschlossen, daS Leichenbegängnis PilsudskiS auf Staatskosten zu veranstalten. Die sterbliche Hülle PilsudskiS wird am Samstag in der Gruft der Könige und Helden auf dem Wawelfchlotz in Krakau beigesetzt werden. Der Ministerrat hat ferner, beschlossen, eine allgemeine Rätionaltrauer für die Dauer von sechs Wochen anzuordnrn.: In der Hauptstadt und auch in den übrigen Städten wurden nach Bekanntwerden der Trauernachricht alle Unterhaltungen und Vergnügungen sofort abgebrochen. Im ganzen Lande herrscht Ruhe. Ueberraschend kommt die Nachricht, daß der polnische Kriegsminister und Diktator P i l s n d- ski in seinem 68. Jahr einem Krebsleiden, das seit langem an ihm fraß, erlegen ist. Joseph Piksudski ist unter den europäischen Diktatoren insofern eine Ausnahme-Erscheinung gewesen, als ec nicht wie Mussolini und Hitler persönlich an die Spitze der Regierung oder des Staates trat, sondern seine Herrschaft mittelbar ausüüte. Er diss- dete weiter an der Spitze des Staates einen Präsidenten, er duldete andere Ministerpräsidenten — freilich meist Obersten aus seinem engsten Kreis— und er blieb nur. Kriegsminister, Herr der Armee, als des wichtigsten Machtmittels im Staate. Tatsächlich diktierte er aber und hatte wahrscheinlich eine größere Macht als Hitler, bei dem der Fall umgekehrt liegt,- der viele Würden hat, aber auf keinem Gebiet der Regierung wirklich selbst führt. In Polen geschah nichts ohne PilsudskiS Willen. Neben den offiziellen Neprä» sentanten war er der u n g e k r ö n te K ö n i g. Gestützt auf seine Popularität in den kleinbürgerlichen Kreisen und auf d.ie Armee konnte er es sich leisten, die legalen Machtpositionen an andere abzugeben. Noch im März aber wurde sein Namens, tag. wie es sonst nur bei Monarchen üblich war, in ganz Polen als Staatsfeiertag begangen.. PilsudskiS Tod schafft für Polen eine schwierige Situation. Dje S ch w ä ch e der Diktaturen wird sofort offenbar, wenn der Diktator abtritt. Der Kurs des Bündnisses mit Deutschland, der ja eigentlich wider die Tradition und das nationale Empfinden des polnischen- Bolles geht, war auf der Autorität und' Macht PilsudskiS basiert. Nun fehlt ihm diese wichtige Grundlage. Wird Oberst Beck ihn hal« ten können? Auch die neue, sehr komplizierte p o I- nisch«Verfassung. bekqm Leben nur dadurch, daß sie die Form sein sollte, in der Pilsud« ski die Diktatur des Säbels übte. Wessen Waffe wird die Verfassung jetzt werden? Die Regenten Polens waren Marionetten an des Marschalls Seite 2 Dienstag, 14. Mai 1938 Nr. 112 Hand. Wird unter ihnen nicht ein wilder Kampf um das Erbe, um die Alleinmacht auSbrechen? Das alles sind Fragen, die Polen heute bewegen und deren Auftauchen die große Gefahr zeigt, in der jede Gewaltherrschaft, jede Diktatur schwebt, die auf den Namen und die Faust eines Mannes gegründet ist. * Ein Kenner polnischer Verhältnisse schreibt unS: 68 Jahre alt und genau am 9. Jahrestag seines gelungenen Staatsstreiches ist Joseph Pil- sudski zu Warschau gestorben. Er war einer von der Gattung jener, die es verstanden haben, die revolutionäre Bewegung zum Schemel ihres eigenen Ruhms zu machen. Ebenso wie Mussolini hat Pilsudski im Besitz der Macht seinen einstigen Kampfgenossen schnödeste Untreue erwiesen. Sein Vorgehen übertrifft aber noch sein Vorbild, denn anders als der Marsch auf Rom ist der Maiputsch Pilsudskis nur durch die aktive Mitwirkung dec sozialistischen Massen und der frei organisierten Eisenbahner gelungen. Als ganz junger Mann schloß Pilsudski, der Sohn einer Wilnaer Grundherrenfamilie, sich der illegalen P. P. S.(Polska Partya Soczialistycz- na) an, die den Kampf gegen die zaristische Fremdherrschaft mit geheim gedruckter Literatur, aber auch mit Streiks und Attentaten führte. Bier Jahre Verbannung nach Sibirien mußte er bald auf sich nehmen. Einige Jahre später gelang es der Ochrana, die Geheimdruckerei des „Robotnik" in Lodz auszuheben und Pilsudski mußte wieder sitzen, diesmal in Petersburg. Aber während deS russisch-japanischen Krieges 1904 biß 1908 konnte er in Tokio Hilfe zur Losreißung Polens suchen, die er freilich nicht fand. Seitdem lebte er in Galizien, unterstützt von den Sozialisten und— der k. k. Regierung, die ihn die Schützenvereine organisieren ließ, aus denen bei Welt- kriegSbegiyn die Polnische Legion unter Pilsudskis Führung wurde. Konflikte mit den Okkupationsmächten, die Polen sich selbst angliedern wollten, brachten ihn vor das k. u. k. Divisionsgericht in Marmaros-Szigeth. Dort verteidigte ihn der Oberstleutnant Dr. Hermann Liebermann— heute Emigrant I— erfolgreich gegen die schwere Anklage des Hochverrates. Die Preußen internierten nachher Pilsudski auf Kriegs- dauer in Magdeburg. Einst war er als Delegierter seiner Partei auf österreichischen und reichsdeutschen sozialdemokratischen Parteitagen erschienen und hatte unter einem Pseudonym für die unterdrückte polnische Arbeiterschaft gesprochen. Dr. Hermann Di am and, der leider schon vor einigen Jahren gestorben ist, erzählte dem Schreiber dieser Zeilen einmal: „1908 war Pilsudski lange Mein Gast. Wir alle schätzten ihn hoch wegen seiner Art und Energie. Aber als er einmal im Gespräch ganz überraschend seine uneingeschränkte B e- wunderungfürdenpreußis ch-d rutschen Militarismus äußerte, da konnte ich kein Vertrauen mehr zu ihm haben." Diamand freilich schwieg darüber und so blieb Pilsudski weiter in den Augen der polnischen Spiellisten das Vorbild ihres Kampfes. In den ersten Jahren des wiedererstandenen Polens galt er stets als Mann der Linken und— der Minderheitsnationen. So haben die Arbeiter den Militärputsch des 12. Mesi 1926 gegen die als korrupt verschrieen« Regierung Witos begeistert begrüßt und aktiv mitgemacht. Die von Krakau und Posen, den Zentren der Rechtsopposstion herbeigerufenen Truppen wurden von den Eisenbahnern nicht befördert. Damit war der Sieg Pilsudskis entschieden. Nach Jahren der Zurückgezogenheit im Schloß Sulejuwek übernahm Pilsudski die Regierung. In grusiger Abwechsiung lösten sich die Legionsobersten Prhstor, Slawe! und andere auf dem Platz des Ministerpräsidenten ab, er selbst beherrschte alles vom Kriegsministerium aus. Seine innerpolitischen Absichten äußerte er in Zeitungsartikeln und Interviews, die nicht nur durch ihre fascistische Tendenz, sondern noch viel mehr durch die darin mit Vorliebe gebrauchten Ausdrücke in der ganzen Welt Aufsehen machten: der Marschall schrieb und sprach besonders gern Worte aus einer Sphäre, die sonst auch nur Halbwegs gebildete Menschen geflisientlich vermeiden. Psychologen schloßen bereits damals auf eine nicht unbeträchtliche geistige Erkrankung des Verfassers. Die Linke wehrte sich gegen Pilsudskis Beschimpfungen des Parlamentarismus und der Demokratie. Die Regierung antwortete mit Unter-' drückungsmaßnahmen. Ein wilder Bandenterror von Anhängern Pilsudskis, die die P. P. S. verließen rmd auf das Gehäffigste bekämpften, setzte gegen Versammlungen, aber auch gegen mißliebige Einzelpersonen ein. Ueberfälle auf bekannte Politiker und Publizisten der Linken häuften sich. Dann aber folgte der offene Regierungsterror. Vor den Parlamentswahlen von 1929 wurden die bekanntesten Führer der Opposition— Sozialisten, Bauernparteiler und Christliche Demokraten — unter Todesdrohungen nachts in vielstündiger Bei der machtvollen Kundgebung in R o- t h a u, über die wir bereits in unserer Sonntagsnummer berichteten, hielt Genosse Dr. C z e ch eine Rede, in der er zunächst der Versammlung die herzlichsten Grüße und den innigsten Dank der Arbeiterbewegung überbrachte. Genoffe Dr. Czech führte dann in großen Zügen folgendes aus: Von der ersten Stunde an, da das profilhungrige deutsche Kapital daran ging, das Rothau- Neudeker Gebiet wirtschaftlich abzutöten, hat die sozialdemokratische Arbeiterklasse des ganzen Staates alle Phasen der Rothauer Rationalisierungstragödie mit angehaltenem Atem verfolgt und ist an der Seue der vom Schicksal so hart heimgesuchten, von der Profitgier des Kapitalismus in schwerstes Unglück gestürzten Proletariats gestanden. Bewundernd haben wir alle zu dem Heroismus aufgeschaut, den die Albeiter der unglücklichen Gebietes bei der Verteidigung ihrer Recht« bekundeten, und zu dem einzigartigen elementaren Lebenswillen, den sie während der fünf zurückliegenden Unglücksjahre an den Tag legten. Darum hat die Rothau-Nrudeker Arbeiterklasse in der klare« Erkenntnis, daß nur der Kapitalismus an ihrem Unglück schuld sei, in keinem Augenblicke den Glauben an den Sozialismus und ihre Partei verloren, die in ihren schwersten Stunden ihr treuester Berater, ihre Zufluchtsstätte gewesen ist. lind als dann die tapferen Rothauer Genoffen bei oen Gemeindewahlen im Dezember 1934 einen so h e r r- l i ch« n Sieg an die Fahne unserer Partei h:f- teten, indem sie nicht nur ihre Positionen behaupteten, sondern der Partei darüber hinaus auch noch neue Stimmen und ein Mandat eroberten, da wurde Rötha« zum leuchtenden Beispiel, zum FaNal für die ganze Bewegung. Autofahrt, unterbrochen durch Erschießungskomö- dien, nach Brest-Litowsk gekarrt und dort in den urallen Kasematten einem Regime körperlicher und geistiger Mißhandlungen unterworfen, wie es den sadistischen Gelüsten des Kommandanten entsprach. Dieser, Oberst B i e r n a c k i, hat unter dem Kriegsnamen„Oberst Kotek" schon traurigen Ruhm erlangt, als er 1914/18 in Südpolen maffenhaft unschuldige Bauern ohne Gericht und Urteil als„russische Agenten" erschießen ließ. Sein Komplice in Brest-Litowsk war der Staatsanwalt Michalowfti, der dann zur Belohnung einer der höchsten Richter wurde. Justizminister war ein Mann mit dem bezeichnenden Namen Car. Der hob die Unabsetzbarkeit der Richter auf und schmiß alle Demokraten ebenso hinaus, wie es die Heeresleitung in der Armee mit den Offizieren besorgte. Die Wahlen selbst wurden durch Kassierung von Oppositionslisten und Vernichtung von Stimmzetteln im Großen gefälscht. Auf diese Weise hat man schließlich eine Mehrheit des Regierungsblocks zusammengebracht, nachdem der Exsozialist seinen Frieden mit den Großgrundbesitzern gemacht hatte, der ihnen Verschonung von der versprochenen Bodenreform sicherte. Aus den Verwaltungen der Krankenkaffen, Arbeitsämter usw. wurden die Sozialisten entfernt und durch vollkommen sachunkundige„Sanatoren"' (Anhänger der Regierungspartei„Sanacia") ersetzt. Eben jst all diese gewaltsame Reaktion durch die neue„Verfassung" vollendet worden. Als einmal die belgischen Genossen in ihrem Wahlrechtskampf durch ihre kühne Tat dei Sieg erzwangen, da wurde das Wort vom„Belgisch reden" zum Kampfwort der gesamten internationalen Arbeiterbewegung. So wollen auch wir wünschen, daß die sozialdemokratische Arbeiterklasse unseres Landes am kommenden Wahltag durch kühnes Zugreifen einen vollen Sieg erringe, indem sie am 19. Mai nut unseren Feinden„roth auerisch" a brech- n e t. Genoss« Dr. Czech kam dann auf die Tragödie des Rothau-Neudeker Gebietes zu sprechen Und erinnerte an die einzelnen Phasen des Kampfes. Er berichtete über den Verlauf seiner Verhandlungen mit dem Generaldirektor Doderer und erinnert in diesem Zusammenhänge an eine für die deutschen Arbeitgeber und den Herrn Doderer charakteristische Episode: Als die Uehertragung des Rothauer Betriebes nach Karlshütte bereits entschieden war, versuchte das .FÄrsbrgemimsteriuMii: die: Fortzahlung der Svzurl- versicherungsbciträge für die Rationalisierungsopfer zu retten. Dieses Ansuchen wurde aber, obwohl d'r Rothau-Neudeker Aktiengesellschaft damals einen Gi» wina auswies, von Herrn Doderer schro f f ab- g e lo i e s e n, der aber, da es um die Beschaffun r von Wahlgeldern für die Heimatftont ging, in die Westentasche griff und ohne einen Augenblick zu schwanken, 800.000 KJ auf de« Tisch legte I Ob sie direkt der Heimatftont zugezählt wurden oder vom„Kameraden" Rosche übernommen und an dir Heünarfront flüssig gemacht wurden, bleibt dabei ohne Belangt An dem Schandgeld, das hier direkt oder indirekt in die Wahlkaffen der Heimatfront floß, kleben die Tränen der vielen Tausende pon Doderer vernichteten Arbeiterexistenzen- In diesem Zusammenhänge besprach Genoffe Dr. Czech das von unbändiger Verlogenheit strotzende Hilferuf Abessiniens an Genf Genf. Tie abessinische Regierung hat bei« Generalsekretär des Völkerbundes erneut Bk- schwerde erhoben gegen die militärischen Meß' \ nahmen der italienischen Regierung, besonders ■ gegen die Entsendung zahlreicher Truppen I größerer Mengen Kriegsmaterial nach den italienischen Kolonien. Die Rote bemerkt dazu, daß die offiziell« Reden, die diese Vorgänge begleitet haben, bin« Zweifel an den feindlichen Absichte» der italienischen Regierung list seil. Dagegen sei Abessinien zu keiner Mobilisierung geschritten uns bekräftige seine friedlich« Absichten. Ohne Vorbehalt verpflichte es sich, fW dem Schiedsspruch unparteiischer Richter zu unterwerfen. Der neue Appell schließt mit der dringlich« I Aufforderung an den Bölkerbundsrat, nach Arli' kel 18 eine friedliche Regelung der Streitfrage r> | sichern, damit die politische Unabhängigkeit ttit> | Unversehrtheit des abessinischen Staatsgebietes<<- achtet und gegen jeden Angriff auftecht erhalt« werde. Rothau-Flugblatt der Heimatftont. Es ist in M Zeile eine wahre Gipfelleistung d<" niedriger Gesinnung und hat bei Kl Rothau-Neudeker Arbeiterschaft nichts als tieft' Verachtung für das moralische Niveau der HeilllÄ' front ausgelöstz Denn die Arbeiter dieses UnglüK-' ! gebietes sind sich darüber keinen Augenblick im Zwei' fel daß, wenn ihnen irgend jemand in den zurök- liegenden bitteren Jahren beigestanden ist, er v«' allem die deutsche Sozialdemokrati' war. deren sämtliche Zweige, die Partei, die pal' lamentarische Vertretung, die Gewerkschaft, die G' noffenschaften und die„Arbeiterfürsorge" das M«' schenmöglichste aufboten, um die Pein zu linder«, die kapitalistische Raffgier über die Familien diew Elendsgebietes gebracht hat. Allein die Gewerksihests ten haben 33 Millionen K£ für das Gebiet siüfts gemacht, von den Leistungen der..ArbeiterfürsoNl' und allen anderen charitativen Korporationen W Partei gar nicht zu reden. Di« sozialistische Hilfsbereitschaft hat sich gerade b diesem Falle ingeradrzu leuchtender Weis« bck«n' det. Dagegen hat sich gerade in der Zeit des 0' st en Notstandes niemand ans den Reihen heutigen Heimatftont nach Rothau verirrt,«ie- mand den unglücklichen RationalisierungSopst« Beistand geleistet«nd auch niemand Lebens mittelpakete nach Rothau geschickt. ' Winoffe' Dd. Czech schldß-sekne Darlegungen«** einem Appell an die Versammelten. de« Wahltag$ Abrechnung mit dem Kapitalismus, aber auch«7 allen Hassern der Arbeiterklasse zu benützen. Uns«- gesamte Arbeiterbewegung ist überzeugt, daß*3 Arbeiter von Rothau. Neudek und Graslitz in Stunde der Entscheidung ihre Pflicht erfüllen werden- wie es die Rothauer bei der Dezember-Wahl gck« haben, deren herrliches Ergebnis der Partei in W* Kampfe als hell lodernde Flamme voranleuchtet. sozialdemokratische Arbeiterschaft versteht eS, daßff diesmal nicht um einen landläufigen Wahllos geht, sondern um eine schichsalsschwere Entscheids für den Staat und für die Arbeiterllasse. werden sie in diesem Wahlkampf, aber auch in.Jj weiteren schweren Kämpfen alle Kräfte für«fff Sieg der Arbeiterklasse anspannen. Wir sind ÄA zeugt, daß die Kämpfe, die wir jetzt auSzufE, haben, die ganze Bewegung um ein weiteres vcrwärtstragen und dem sozialistischen Endziel gegenführen werden! Am 19. Mai- jothaucrisdi abrcdmcn‘1 f Aus der Rede des Genossen Dr. Czech vor den Rothauer Arbeitslosen 18 Roman von x' Emil Vachek—i Deutsch von Anna Aurednltek * Endlich gelang es ihm doch, das Jnsett auszuhusten, und er schöpfte Atem. Da er aber keine Sekunde verlieren wollte, fuhr er eilig fort: „Mich wird der Krebs aber nicht erwischen!" Das Lächeln, das diesen Ausspruch begleitete, sollte bedeuten: Den hab' ich drangekriegt, was? „Was meinen Sie?" ftagte Sophie und verspürte dabei ein Gefühl der Erlösung.„Sie können Krebs heilen?" „Das nicht, Fräulein, dazu sind wir alle zu klein, aber ich werde ihn bemogeln." „Wie wollen Sie das ferftgbringen?" „Ganz einfach, ich werde vorher verschwinden. Kurz, mein Magen ist nicht in Ordnung. Noch ein paar Jahre, und dann schwups, auf den Operationstisch. Von zehn Operationen an Magengeschwüren sind sieben tödlich." Sophie erschauerte in neuem Entsetzen. Sie sah ihn unter dem Operationsmesser. Er war der siebente. Die war der Augenblick, da in Sophies Herzen die Liebe zu Lazarus erwachte, den sie vor einer Viertelstunde kennengelernt hatte. Sie ahnte den Augenblick, da sie ihren Körper den Aerzten anbieten würde: Nehmt und schneidet, aber rettet ihn! Als sie sich etwas gefaßt hatte, flüsterte sie: „Vielleicht werden Sie einer von den Dreien sein, die gerettet werden." LazaruS machte eine Gebärde», als wollte er sagen:„Machen Sie sich keine Hoffnungen, bei meinem Pech..." Und bieder sprach er:„Mich interessiert es nicht einmal besonders. Und entgeht unsereiner einem so blöden Tod, so bleibt ja noch dje Tuberkulose. Oder Vergiftung infolge dec Gifte, die man bei der Arbett einatmet,^und schließlich der Krebs." Der geschlossene Kreis der Todesarten bewirkte, daß Sophie alle Selbstbeherrschung verlor. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie sagte: „Sie tun mir so leid, so furchtbar leid." Lazarus war starr vor Staunen.„Wissen Sie, daß Sie die erste sind, die so zu mir spricht? Gewöhnlich lachen inich alle aus, wenn ich ihnen erzähle, was ich Ihnen jetzt erzählt habe. Insbesondere die Damen. Die heutigen Damen haben anscheinend kein Herz." Er erhob sich von dem Baumstamm.„Aber Sie, Fräulein, Sie sind anders... Sie sind ein gefühlvolles Fräulein... kurz... ich heiße Anton Foltr." Sie flüsterte:.„Es fteut mich." Hierauf nahm Foltr ihre Hand und blickte ihr lang und bedeutungsvoll in die Augen.„Ich bin ftoh, Ihnen begegnet zu sein", sagte er lyrisch. Das alles steigerte ihre jungftäuliche Verwirrung. Zum erstenmal näherte sich ihr ein Mann, der ihr nicht eine Arbeit befahl. Sie wollte den Zauber festhalten, der neue Lebenswege öffnete, die anders waren als alle, die sie bisher gegangen war. Aber ihre Furcht war größer und stärker. Sie flüsterte einige unpassende Worte die den ganzen Zauber verscheuchten:„Wir müssen uns beeilen, damit wir die andern einholen..." Foltr, der im Begriffe war, noch etwas zu sagen, etwas, was ihn später am meisten überrascht hätte und einer Liebeserflärung gleichkam — er empfand in diesem Augenblick Liebe für diese unbekannte Frau— Foltr zitterte und schwieg. Er seufzte nur und machte eine mutlose Bewegung. Der Augenblick war vorüber. Aber etwas war dennoch hängen geblieben. Sein Interesse für diese Frau war geweckt. Er wollte jetzt über die sonderbare Sache nachdenken,, die ihn überrumpelt Hatte. Nachdem er sich wieder' auf dem Baustamm niedergelassen hatte, sagte er: „Eilen Sie den andern nicht nach, es ist nicht nötig. Es sind Spötter, denen nichts heilig ist. Kräutler! Jungfrau Maria mit den sieben Schwertern! Toni, das Herbarium! Das bin nämlich ich. Lassen wir die Gesellschaft ins Wirtshaus segeln und plaudern wir lieber— von Ihnen... Ich möchte gern wissen, wie Sie heißen." «Ich heiße Sophie, Herr Foltrn." „Foltr, nicht Foltrn", berichtigte er sanft. „Ich werde Sie, wenn Sie erlauben, Sophiechen nepnenl Weil Sie so gut sind. Weil Sie ein so weiches Herz haben. Darf ich." Sie senkte die Augen und gab ihm so gut zu verstehen, daß sie bereit sek, ihm noch viel mehr zu gestatten. Und sie wartete. An eine Flucht dachte sie nicht mehr. Sie wartete auf die Fortsetzung-der süßen Musik, die sie zum erstenmal im Leben gehölt hatte. Und sie schloß die Augen, um von dem, was jetzt kommen müßte, nicht zerschmettert zu werden. Nach der Pause, die sich unerträglich in die Länge zog, vernahm sie endlich wie aus weiter Ferne, seine Stimme.„Schade, Soph'.e- chen, daß ich nicht früher von Ihnen wußte." Pause. Weiter, nur weiter, dachte Sophie. Jetzt kommt das Große, Befreiende— cs wird mich doch nicht töten? Foltr hüstelte und schloß seine Rede:„Denn in diesem Falle hätte ich Ihnen mein Herbarium gezeigt," Sophie schlug die Augen auf und blickte Herrn Foltr maßlos erstaunt an. Ihre Pupillen erstarrten, als stürbe sie, und sie ftagte sich selbst: Bin ich oder er wahnsinnig geworden? Foltr faßte neuen Mut, hüstelte wieder und plapperte mit verlöschender Stimme:„Sophiechen, Fachleute versichern, mein Herbarium sei nicht das schlechteste in der Republik." Mit fester Stimme, die bezeugte, daß er die Situation beherrschte, fügte er hinzu:„Ein großes Wort, daß ich da»'', ausspreche l Ich arbeite aber auch schon jd j lang an der Sammlung und vollende hiermit Erbe meiner Mutter. Mein armes Mütterch^ Das Herbarium ist mein Stolz und meine nung." Die vcrzweifell aufgerissenen Aul' Sophiens verwirrten ihn wieder, und er seine Rede mit hoffnungslosem Gemurmel:„8-^ Sie einmal was brauchen sollten, Sophiechen alle möglichen Krankheiten—, ich stehe natürlich mit Freuden zu Diensten. Ihnen“ und besonders. „Bitte, danke", sagte sie aus angeboren Artigkeit. Sie verstand jetzt, daß Herr Foltr ixbeliebiger Mensch, sondern ein Mann-unerfor licher Möglichkeiten sei, der spielend von Liebeserflärung zum Herbarium herübervolE ren konnte. Sie begriff allmählich, daß Foltr über sich selbst erfchrocken war und 'energischen Rückzug angetreten hatte., Ich nicht so aus, daß sich die Männer auf ben. eE, Blick in mich verlieben, dächte sie, und die Ergebenheit in ihr Schicksal umgab sie mit der' bekannten Atmosphäre. Sie seufzte und n' melancholisch hinzu:„Ich bin niemals krank- N Es gab nichts, was Herrn Foltr so seine Haltung wiedergeben konnte wie so ein»U spruch.*„Ich bm niemals krank" war ein ins Wespennest. Foltr regte sich wirklich auf, persönlich beleidigt, und wieder erschienen Flecke auf seinem unmännlichen Gesicht. Er verzweifelt die Hände zusammen und rief:« gab Zeiten, da mich so unvernünftige Worte, Zorn bringen konnten, aber der Mensch sich auch an Unwissenheit und Leichtsinn, morgen sterben soll, tanzt heute und schreit voller Kehle:„Schaut mich nur an, Freunds« lohnt si-ch hin ein Mensch, der noch nie war!" Teures Sophiechen! Sie tun mir in vr Wahn leib!" (Fortsetzung folgte «r. 112 DienStag, 14. Mai 1938 Seite 3 SNE-Banden überfallen wandernde sozialistische Jugend Der christlichsoziale Ständestaat Die Lasten trügt der Arbeiter der Versammlung abgesehen und deshalb mutzten die besseren Kleider geschont werden. Den Großteil der Henleinleute bildeten aber aus entfernten Orten zusammengeholte Verbrecher. Es wurden Leute aus Ebersdorf, aus Gross- wählen, Niedergrund, Böhmisch-Kamnitz und anderen Orten erkannt, unter den später Verhafteten sind Leute aus Tetschen. Henleins Apachen Ein sozialdemokratischer Vertrauens* mann schwer verletzt Als in der Nacht vom Samstag zum Sonntag einige Genoffe« von Haida aus einer Sitzung heimgingen, bemerkten sie auf der Gaffe gegen Arnsdorf eine Gruppe Henleinfascisten bei ihrer nächtlichen Beschäftigung. Dio Genoffen blieben in der Nähe von „Tscheppers Hofe" stehen, um die Dur» schen zu beobachten. Plötzlich kamen die Kerle aus dem Friedrichschen Hause auf unsere Genoffen zu und einer von ihnen leuchtete unserem Lokalvertrauensmann, Genoffen Emil Braun mit einer Taschenlampe ins Gesicht. Genoffe Braun schob die Hand mit der Ta» schenlampe des Henleinfaseisten zur Seite und erhielt in demselben Augen» bliche mit einem Schlagring einen furchtbaren Schlag auf das Nasenbein und daS Auge, so daß er blutüberströmt nachhause gebracht werde« mußte. Wie «ns mitgeteilt wurde, ist ihm daS Na» senbei« zertrümmert worden. AlS Täter wurde der bekannte Kurt M a S l o, Inhaber eines Radiogeschäf» tes in Haida fichergestellt und von der Gendarmerie verkästet, k u. n., daß ein gewisser Henleinmann namens Pieke aus Ullrichstal durch Schläge und Mes- ■B serstiche so schwer verletzt worden sei, daß er ins Krankenhaus— in welches verschweigt das - I Blatt— gebracht werden mußte, wo er im Laufe des Montag seinen Verletzungen erlegen sei. Wir haben bei den Krankenhäusern in Tetschen, Böhm.- Leipo W n n d B ö m i s ch- K a m n i tz, die allein in Frage kommen» sofortangrfragt. In ms k e i n e m der drei Krankenhäuser wurde Sonntag oder Montag ein Mann namens I Picke eingeliefert. Inkeine m der drei Krankenhäuser ist Montag jemand W gestorben. Der Bericht des„Nordböhmischen Tagblatts" ist also, wie a«S diesen amtlichen Mitteilungen hervorgeht, vom Anfang vis zum Ende erlogen! Die Vorbereitungen waren, wie die bisherigen Erhebungen ergaben, bei- Jng. Bayer, dem Führer der Bensener Henleinleute, konzentriert. Nach DayerS Adresse erkundigten sich auch die auS Grotzwöhlen kommenden Rowdies. Der B ü r» germeister von Bensen, ein Mann von absoluter Wahrheitsliebe, sah aus dem Haus Jng. BayerS einen Trupp von Henleinleuten kommen. Einer der Strolche, der beim Entfernen aus dem Saal eine Verletzung abbekommen hatte, wurde rasch zu Jng. Bayer gebracht und verlieh kurz dar auf das Haus mit einem kunstgerechten Kopfver band. Jng. Bayer selbst hielt sich vorsichtshal ber fern. Die Gendarmerie verhaftete einige von den Banditen, welchen die Beteiligung an dem vorbereiteten Urberfall nachgewiesen wurde. Einige von den Burschen sind der Bensener Gendarmerie schon von früher her bekannt, einige sind ortsfremd und wurden für den Ueberfall b e- zahlt. Ei« feuriger Schlager auf jede« Fall! SeidaufderHut! ten. Doch sie kamen nicht dazu. Als die Jugendlichen, anständig sind, durch Babitz marschierten, rotteten sich etwa 20 Bauernkerle zusammen, stietzen Pfuirufe und wilde Drohungen gegen sie aus und folgten ihnen, bewaffnet mit dicken Stöcken und schweren Steinen. Drei Führung der. SJ-Gruppe gab die Weisung heraus, auf die provozierenden Zurufe nicht zu antworten und ruhig weiterzuziehen. Als die Gruppe aus dem Dorfe kam, wurde ein Genosse zurückgeschickt, um sich zu erkundigen,'ob die Meute ihnen folge. Tatsächlich folgten etwa 30 fanatisierte Henleinan- hänger der SJ, teilten sich aber hinter Babitz, um unseren Jugendlichen den Weg nach Sternberg abznschneiden. Die eine Gruppe ging auf die Felder gegen Sternberg die andere nach Krokersdorf, wo sie die ganze fascistische Meute alarmierte. Die Jugendlichen sollten in die Zange genommen Der Terror der SHF gegen Andersdenkende wird von Tag zu Tag gewalttätiger..In erschrek- kender Weise häufen sich die lleberfälle auf sozialistische Arbeiter. Wie weit die moralische Verlotterung der SHF-Fascisten schon gegangen ist, beweist ein ebenso feiger- als auch heimtückischer Ueberfall, der am Freitag abend in Krokersdorf und K o m a rn auf wandernde sozialistische Jugendliche verübt wurde. Die Stcrnbcrger Gruppenleitung der SJ setzte für Freitag abend eine Wanderung in die Umgebung Sternbergs fest, an der sich etwa 20 Juendliche, meist 16 und 17jährige, beteiligten. Bei Eintritt der wärmeren Jahreszeit Pflegt die SJ des öfteren Ausflüge und Wanderungen zu veranstalten. Die Jugendlicken sammelten sich um 8 Uhr beim Arbeiterheim und zogen singend gegen Babitz, von wo sie über Krokersdorf zurück nach Sternberg woll- Bauernkerle ihre Gesinnungsgenoffen auch aus Rietsch verständigt. Auf die Jugendlichen stürzten von alle» Seiten mit Stöcken schwerbewaffnete Burschen und warfen aus ihrer Mitte Steine gegen unsere Jugendlichen. Ein Ibjähriger wurde am Kopfe getroffen. Genoffe Schön schickte, als die Situation immer bedrohlicher wurde, zwei Jugendliche nach Komarn, um die Gendarmerie zu verständigen. Diese zwei Jugendlichen trennten sich von der Gruppe, wurden ccker von der Meute gesehen und verfolgt, sodatz sie in einem Bauernhöfe Zuflucht suchen muhten. Nach vielem Ueber« reden erklärte sich der Bauer bereit, zur Bahnstation zu fahren und Hilfe zu holen. Unverrichteter Dinge kehrte er zurück, da inzwischen alles von demMob besetzt worden war.Jn dieser gefährlichen Lage—-- immer zahlreicher flogen die Steine— leitete Genoffe Schön die Gruppe zum Bahnhof. Nach der Ankunft in Sternberg alarmierte Genosse Schön sofort die Polizei und, Gendarmerie, die sofort, an Ort und Stelle Erhebungen cinleitete. Ans den Betten wurden' die Kerle geholt. Beim Verhör benahmen sie sich nicht so tapfer. Biele versuchten abzuleugnen, mutzten aber dann doch ihre Mitschuld zugeben. Diese verhetzten Burschen werden schwer an den Folgen ihrer Handlungsweise zu tragen haben. Sie haben friedliebende Jugendliche überfallen und sie lebensgefährlich bedroht. Darauf steht schwere Strafe. Sie werden für ihre matzlosen Beschimpfungen und wilden Drohungen zur Verantwortung gezogen werden. So fragten die Raufbolde die zwei nach Komarn gegangenen Jugendlichen, wer von ihnen der Zischka sei, den wollen sie totschlagen. Die Vorfälle am Freitag abend zeigen Wohl am allerdeutlichsten, wie tief die moralische B e r l o t t e u r u n g der von der SHF verhetzten Jugend geht. Sollte der Staat hier nicht mit eiserner Faust durchgreifen, wird die Arbeiterschaft zur Selbsthilfe schreiten müssen. Wir können und werden nie dulden, datz unsere Jugendlichen von Rowdys überfallen und an ihrem Leben bedroht werden. „Die Volksgemeinschaft in Reinkultur** Laval in Moskau 9 Moskau. Der französische Außenminister ?•»it I ist mit seinen Begleitern Montag um Uhr 45 m. e. Z. in Moskau eingetroffen. Dem Zuge wurden Sowjetflugzeuge ent- «ßengrfandt. Auf dem Moskauer Bahnhofe be» Müßten Laval der Außcnkommiffar Litwinow, Ehrs des Protokolls Krrstinsiki, der Vorsitzende Moskauer Sowjet Bulganin, der Kommandant Moskauer Militärkreises Kork sowie die vcr» ^bvortlichen Mitarbeiter des Außenkommissariats Jjb der übrigen Volkskommissariate. Auch das in ^»skau akkreditierte diplomatische Korps war streich vertreten. Eine Ehrenkompagnie war wit Empfang des französischen Außenministers ^Marschiert. MS der Zug einlirf, ertönte die "mrseillaise und die Sowjethymne. > Am Nachmfttag fand zwischen Litwinow und ^dal eine Unterredung statt, bei der Krestinski, «er Generalsekretär des Auhenministeriums, Le- ?. et< der Sowjetbotschafter in Frankreich, Potem- I?• der französische Botschafter in Moskau, 5vhand, und der Kabinettchef des Autzenmini- k^rs, Rochat, anwesend waren Die Unterredung ,"8 herzlichen Charakter und dauerte über mst>erthalb Stunden, Vie Lüge als Wahlhilfe für Henlein Sensationelle Lügenmeldungen des„Nordböhmischen Tagblattes**: ein Totschlag wird erfunden! Kv* Für Sonntag war in das Schützenhaus in Deusen eine sozialdemokratische Wählerversammlung einberufen worden, in welcher Genoss« ö g l e r-Bodenbach referierte. Der Saal war dicht gefüllt, viele drängten sich stehend an den Eeitenwänden und bei den Eingängen. Im Saal Zerstreut waren nur einige Henleinanhänger, in der angrenzenden Gaststube versammelten sich jedoch schon vorher ungefähr 40 Personen, die als Angehörige der Henlein-Partei bekannt sind. Der Wirt, dem dies bekannt war, schloß daher jedesmal, wenn er ans der Gaststube in den Saal ging, die Tür hin» ter sich ab. Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als ungenügend. Als die Strolche sahen, daß sie auf normale Weise nicht in den Saal gelangen kön- nen, überfielen sie von rück» ivLrts den Wirt, drückten ihn zu Boden und sprengten die Berbindungs» Gr,«m den Saal zu stürmen. Brerglä- >er, Birkenknüppel und Billardstöcke flogen durch die zertrümmerten Scheiben in den Versammlungssaal. Gleich w» ersten Augenblick gab es unter den Arbeitern eine Reihe von Verwundeten. Wit Hieb- und Stichwaffen drangen die Verbrecher auf die überraschten Anwesenden ein. M Der Saal glich bald einem Trümmerfeld, »rr Fussboden war meterweit mit Glassplitteru übersät, unter den Tischen lagen zerbrochene Gläser und Flaschen. Wie die Kellnerin Gertr. Münzberg bei der Einvernahme durch die Gendarmerie b»r Zeugen erklärte, haben die Henlein-Strolchbolle Biergläser, welche auf dem Schanktisch ftan.- ben, gestohlen. Die leeren Gläser warfen sie dann M den Saal. Die Verwirrung dauerte aber nur tsensge Sekunden. Gegen die mit Dolden, Schlagringen, Gummiknüppeln u«d den mtt Blei gefüllten Hälften der verbrochenen Billardstöcke bewaffneten Henlein-Strolche setzten sich die Sozial» bemokraten mitdenblotzenFau» »en zur Wehr. Die eindringenden Henleinleute wurden ausdemSaal binausgeprügelt! In kurzer Zeit hatten die Ordner und Ber- lommlungstellnehmer die Ruhe wiederhergestellt bsld die unterbrochene Versammlung konnte zu Ende geführt werden. Nur an die Vorführung des politischen Kabaretts war in der allgemeinen Er-! begung und Empörung nicht zu denken. Genoffe danke gab bekannt, datz bei der Schlägerei folgende genossen, soweit es festgestellt werden konnte, blutte Verletzungen erlitten hatten: . Emil Bittner, Johann W i ß n e r, Albin » r e n z, Wenzel K a st a n e k, Josef Schiff, b e r, Franz D o b i a s ch, Franz Phillip, manz Meißner, Berthold Bartel, Ernst Dollinger, Rudolf Eckert, Franz ? k h hart, Ernst Kusebauch, Ernst o ü r t j g, Helene Hayek. Alles planmäßig vorbereitet! ' Den Bensener Henleinleuten hatte schon vor biütagz ein gewisser Gaube die Parole übermit llt: Nachmittags halb zwei in alten Klei kr» gestellt! Es war also auf die Sprengung Kommt vor dem 19. Mal ein Reichstagsbrand? Organisierte Verbrecher überfallen eine Wählerversammlung Blutige Saalschlacht In Bensen/ Messerstecher in Diensten der Henleln*Partel/ Die Eindringlinge aus dem Saal geprügelt Bodenbach, 13. Ma,.(EB) DaS h e«t i g e„Rordböhmische Tagblatt«, bezw. Ue werde«. Als sie das merkten, wollten sie sich auf «Sudetendeutsche Tageszeitung" berichtet über den Ueberfall der Henle,»-Band,ten in B en. dem Wege, der nach Rietsch führt, gegen Stern, s.n und stellt in gewohnter We,se d,e Tatsachen auf den Kopf. So schreckt das Raz,blatt^erq znrückziehen. Inzwischen hatten aber einige Seite 4 DienStag, 14. Mai 1935 Nr. 11« er« Auch Henlein macht dem Kaiser Maximilian Beinamen„der letzte Ritter" nicht streitig. ge« ge kracht. Die Sachwalter des Bankkapitals in Heiden nationalen Lagern wirken zusammen, um den großen Bolksbetrng durchzuführen. Der deutsche Arbeitsmensch wird seine Folgerungen daraus rechtzeitig ziehen müssen. Was eine MinisterschaftStktkbrnhs bedeutet, zu der Henlein dem Mann der„goldfilber- nen" Front verhelfen will, bedeuten würde— das kann man heute kaum noch ermessen. Es wäre schlimmer als man eS sich ausmalen kann. Darum schlagt Henlein, so schlagt ihr Stkivrnh: alles bisher Dagewesenen, es übersteigt aber a»" bei weitem die Grenzen des Anstandes, die wa» auch im Wahlkampf nicht ganz außer acht lasst» darf, auch dann nicht» wenn man zum erstenmal im politischen Kampfe steht. Das ist nicht iwj* männlich oder, richtiger gesagt, das ist noch ni®: männlich, sondern eben Lausbüberei. Oder ist Wort dafür zu scharf, wenn behauptet wird, greise Mutter Spinas, die man gestern zu trug, war eine Tschechin, Spinas Frau, in ffii 1*' lichkeit die Tochter des altösterreichischen Bauern' führerS und LandSmannmimsters Peschka, sei Tochter eines tschechischen Ministers, seine£in^ c und Enkelkinder sprechen nur tschechisch und bist' chen tschechische Sulen, der Minister soll Beßtzts eines Hofes in Augarten bei Leitmeritz sein, an! dem er nur tschechische Arbeiter beschäftigt us»»-' DaS ist nur ein kleiner Auszug jener giftigen W tation, die in gleicher Weise auch gegen unseres Parteiobmann Kaiser, gegen Gustav Hacker uN" gegen andere geführt wird und die geeignet, dick' leicht sogar auch darauf angelegt ist,Berstimmu»' gen zu schaffen, die sich in Zukunft nur f# 1®? überwinden lassen, dies um so mehr, als gar lck» Zweifel mehr daran bestehen kann, daß auch düst sauberen Wahlkampfmittel von einer Ze»' trale aus geliefert werden, weil t* sonst nicht möglich wäre, daß man ihnen da W** dort, einfach Werall« begegnet. Man kann sich leicht vorstellen, welche Wirkung diese nationalistische Wahnsinnspolitik, die nicht das Geringste mit den nationalen Interessen der Sudetendeutschen, sondern bloß mit den demagogischen Bedürfnissen des«Führers" zu tun hatte, auf die Gemüter der Tschechen machte. Und mancher Deutsche, der es sich nicht vorstellen konnte, hat eS nach dem Umsturz am eigenen Leib erfahren müssen. Ganz besonders tat sich in dieser radikalen patentdeutschen Gesinnung Schönerers„Unterführer" für Böhme», Herr Karl Hermann Wolf hervor, der— in Böhmen erst viel später durchschaut, als sein„Osaf" in Wien— sich besonders viel auf seine„Arbeiterfreundlichkeit und sein« .sozialrevolutionäre" Gesinnung zugute tat. Al- erster rührte er in seiner Zeitung der«Ostdeutschen Rundschau" die Trommel für die Schaffung einer.sudetendeutschen völkischen Einheitsfront der Arbeiter, Bauern und Bürger". In seinen Reden dröhnte eS nur so von sozialifttschem Kampfesmut, gemischt mit deutscher Zucht und Sitte. Die Sudetendeutschen fielen bereitwillig den Oder gehören vielleicht Lüge und Verleumdung zu den Waffen der alten Rttter, warfen sie wirklich mit Kot und Schmutz nach ihren Gegnern, den Freunden von gestern, oder bleibt nicht vielmehr trotz aller Erneuerung doch die Tatsache bestehen, daß Kot eben ein Kampfmittel unreifer Buben ist, bei denen eine kräf- tige väterliche Hand fehlt, die Henlein nicht zu besitzen scheint. Hätte er sie oder wollte er wirklich den Wahlkampf ritterlich führen, wie er stolz verkündet hat, dann könnte es nicht möglich sein, daß gegen die führenden Persönlichkeiten des Bundes der Landwirte mit derart schmutzigen Mitteln arbeitet wird, wie es auf fetten der SHF schieht. In einem Wahlkampf ist gewiß manches laubt, es wird viel geredet und geschrieben und das Wort wird dabei nicht immer auf die Waagschale gelegt. Wir haben schließlich im Wahlkampfe auch schon manches erlebt, aber was uns nun zu Gesicht oder zu Ohren kommt, das läßt sich nicht mehr entschuldigen. Das übersteigt die Grenzen Die„Deutsche Landpost" charakterisiert die Kampfesweise der„Sudetendeutschen Partei" wie folgt: In einem früheren Arttkel haben wir die Geschichte der ersten„Heimaffront" erzählt, die vor zwei Menschenaltern mit dem gleichen Reklamegeschrei, den gleichen Phrasen, der gleichen Demagogie gegründet wurde wie die heutige Henleinpartei. Die erste„Heimaffroni" ist nach der Desertton ihres Führers zur Futterkrippe unter Verrat und Skaiwal aufgeflogen.— Heute soll von einer zweiten.Heimatfront" berichtet werden, die die direkte und legitime Großmutter der Henleinfiont ist— der alldeutschen Partei Georg Schönerer-. Die Geschichte kaum einer zweiten Partei der Vorkriegszeit ist so voll innerer Skandalaffären, so voll von Demagogie, Bolksbetrug, Verrat und unglückseliger Verhetzung, wie die Geschichte jener .Volksgemeinschaft", die an den Namen Georg von Schönerer geknüpft fft, die Geschichte der Alldeutschen Partei, die mehr Spaltungen erlebt, mehr Zwist und Unglück unter die Deutschen gebracht hat, als je eine Partei. Zur ersten Spaltung kam es schon, als um die Mitte der Achtzigerjahre die wirklichen Ar- . beiterführer, die sich anfangs zu Mitarbeit bereitgefunden hatten, erkannten, daß die Arbeiter- freundlichkeit Schön ererS nur Phrase war, gerade gut genug, um die Arssettermassen als Stimmvieh zu gebrauchen. Wer der entlarvte„Führer" wußte sich nach einem Rezept zu helfen, das sich seither bei gleichgesinnten„Führern" noch oft bewährt hat: in seinem berühmten Mai-Aufruf erfand er als Ersatz für das soziale Schlagwort, das beretts zu sehr durchschaut war, um noch seine Wirkung zu tun, das Schlagwort vom Antisemitismus, den später der große deutsche Arbetterführer Bebel mit Recht den„Sozialismus des dummen Kerls" genannt hat. Hatten nun schon vorher die ehrlichen Sozialisten dieser sonderbaren„Volksgemeinschaft" den Rücken gewendet, so folgten ihnen nun auch die Halbwegs anständigen bürgerlichen Nationalen. Heilsberg, Pickert— einer der verdienstvollsten deutschnationalen Politiker— und ihr Anhang traten aus— ja selbst der ultranational«„Deuffche Schulverein" verbat sich jede Gemeinschaft mit der demagogischen Volksgemeinschaft Schönerers, die so bald nach ihrer Gründung zu einem Häuslein zankender Mandatare zusammenschmolz. So wie an dieser Volksbewegung nach und nach alles zu ßljnd^r Demagogie wurde, wurde eS auch die Außenpolitik,!., die, der Führer trieb.: UnN Wenn er nut wnenden Worten den Anschluß der Monarchie an das Deutsche Reich fordert, so glaubte er natürlich nicht einen Augenblick selbst an den Ernst und die Durchführbarkeit dieser Forderung. Mer es fanden sich immer wieder Dumme, die sich durch solche phantastischen Phrasen heranlocken ließen, und daS Einfangen von Dummen war ja seit je die traditionelle Taktik der Volksgemeinschaft, jedenfalls waren Schöneres Anhänger, die sangen „wir schielen nicht, wir schauen, wir schauen frei und frank, wir schauen voll Vertrauen ins deutsche Vaterland", zumindest ehrlicher, als ihre Nachfolger, die sich zwar vor Hinüberschielen ins Dritte Reich schier die Augen verrenkten, aber gleichzeitig schmalzig patriotische Loyalitätserklärung e n abgeben. Wahrhaft Verhängnis aber wirkte sich die bedenkenlose Hetze SchönererS erst Jahrzehnte später auf das sudetendeutsche Volk aus. Und wenn die Deutschen in dieser Republik seit der Gründung des ffchechoslowakischen Staates oft unter Verständnislosigkeit der tschechischen Bevölkerung und unter Haß und Verfolgung blindwütiger Chauvinisten zu leiden hatten und haben, dann dürfen sie sich dafür nicht zuletzt bei dem gefeierten Vorbild der Führer Krebs, Jung und Henlein, bei Herrn Georg von Schönerer bedanken. Wie ost hört man von Natkonalffchechen» dir kein Verständnis für die nationalen Bedürfnisse unserer Deutschen aufbringen wollen, das Schlagwort:„Wir behandeln Euch so, wie Ihr uns vor dem Krieg behandelt habt." Daß aber tatsächlich die nattonale Wut und Empörung der Tschechen in der alten Monarchie allzu ost bis zum Siede- puntt gereizt wurde— was sich nachher gegen die Deuffchen dieser Republik schmerzlich ausgewist hat— das ist zum gut Teil dem demagogischen Bedürfnis Schönerers und seiner Volksbewegung zuzuschreiben. Während alle ehrlichen deutschen Politiker immer wieder für die Autonomie und Selbstver- waltung Deutschböhmens eintraten(Heinrich Prade erklärte in den 80iger Jahren:„In Tschechisch-Böhmen sollen sie machen, was sie wollen, in Deutsch-Böhmen machen wir, was wir wollen."), stellte sich Schönerer auf den Boden des blindwütigen Zentralismus. Er trat scharf gegen jene Selbstverwaltung Deutschböhmens auf, weil „das ganze Kronland Böhmen zum Deutschen Reich geschlagen werden muß" und erklärte seine Gegnerschaft gegen die deutsche Selbswerwaltung in Deutschböhmen«in anderes Mal damtt, daß dadurch„der völligen Germanifierung der Tschechen, die unumstößliches Ziel ist, nur Schwierrg- leiten in den Weg gelegt würden". Herren der Volksbewegung auszuliefern. Deutlicher als jede Theorie zeigt das die Geschichte jener„Volksfront", die die Sckönerer-Bewegung abgelöst hat, die Geschichte der famosen„deutschen Arbeiterpartei", die mit den Namen Burschowsky und Knirsch verknüpft ist. ' Will man etwas über das währe Wesen einer„völkischen Einheitsfront" erfahrest,'dann wendet man sich am besten um Auskunft an eine zweite«völkische Einhettsfront". Denn auch darin unterscheidet sich die Vergangenheit keineswegs von der Gegenwart, daß es immer nebeneinander gleich ein paar alleitzsÄig- machende Heimatftonten gab, die einander an Speichelleckerei vor den Unternehmern und an Betrugsmanövern gegen das Volk zu übertrumpfen suchten. Ueber di? „Großmutter" der«Sudetendeutschen Heimat- ftont", die„Deuffche Arbeiterpartei", und den „Großvater" Konrad Henleins, Herrn Burschowsky, erfährt man nun aus dem ultradeutschnationalen Wiener Blatt„Der Holzarbetter" vom 1.„Hornung"(Feber) 1910 folgende erbauliche, aber für völkische Führer aller Zeiten bezeichnende Dinge: „Der Gründer und Führer der„Deuffchen Arbeiterpartei" in Mähren, Herr Ferdinand Burschowsky ließ sich vor der Wahl vön den Abgeordneten Dr. Stefan Licht und Groß dahin bestechen, daß er entgegen den Beschlüssen der Kon- Wer für Henlein stimmt wHhlt Strfbrnf! Ans Saaz wird«ns gemeldet, daß ein Pro- paganda-AutodcrHcnlcinpartri, das den ganzen Sonntag über im Saazer Gebiet Flugblätter verteilte, nicht nnr Werbematerial der Hrnleinpartei ausgegeben, sondern auch Flugblätter desNärodniSjedno- e e n k verteilt hat. Damit ist em«euer Beweis für die im Wahlkampf immer deutlicher hervortrrtenhe Bun- dcsgen offen schäft zwischen Henlein und Stibrnh, dem deutschen und der« tschechschrn FasriSmns, der Zivnokank und dem Jndustriellenverband er-\ Schönerer-ZwisteS, welche dem ersten Gesamwer« bande der völkisch gesinnten Arbeiterschaft das Leben kostete, beschleunigte die Entwicklung. Am 1ö. August 1904 kam eS in Trautenau zur Gründung der selbständigen deuffchen Arbeiterpartei. Sie ist u. a. an die Namen der heute noch(geschrieben 19LÜ) tätige« Patteigenoffen Burschowsky und Knirsch geknüpft." Nun, der Hakenkreuzler Jung, der große Verehrer seines Vorbildes Schönerer, muß es ja wissen und hier schreibt er einmal ausnahmsweise wirklich die Wahrheit: Die bombastisch ausgetrommelte Volksgemeinschaft Schönerers, auf die viele ehrlich gesinnte Deuffche ihre Hoffnung gesetzt hatten, hat sich bald als „Künstlerische",„rückschrittliche", kleinbürgerliche" Partei entlarvt, von der schließlich selbst den völkffchest gesinntesten Arbeitern dasGrausen ankam. Wohlweislich hat es Herr Jung fteilich unterlassen hinzuzufügen, daß seine Ktttik ungeschmälert auf jede Volksgemeinschaft zutrifft. Es liegt ja, wie eben dieser Bericht zeigen soll, im Wesen dieses stets von neuem aufgewärmken alten Schwindels, daß den Werftäffgen Klassen ein fauler Zauber von „völkischer Einheitsfront" vorgemacht wird, der nur dazu dient, sie desto gewisser der schrankenlosen Ausbeutung und Willkür der eigentlichen auf seine tönenden Phrasen hinein und bald gab es eine recht stattliche Schönerer-Wolffch« fudetondeutsche Volksbewegung, die gewiß zu großen Taten berufen gewesen wäre, wenn— wenn nicht vorher die ganze Sacke, ebenso wienlle Volksgemeinschaften dieser Art, mit Krach und Schande aufgeflogen wäre. Jmnter unaufhaltsamer sicketten selffame Gerückw über dunfte Konkurrenzskandale zwischen den Führern Schönerer und Wolf durch. DaS Bild deS ManneS, der für denffche Zucht und Sttte zu poltern pflegte, bekam peinliche Flecken, als man von schmutzigen Weibergeschichten horte, in die er verwickelt war. DaS dicke Ende aber kam erst nach. Und als eines schönen Tages im Gerichtssaal der Beweis dafür erbracht wurde, daß der große„Deutsche Arbeite^ührer" und Schöpfer der sudetendeutschen Volksgemeinschaft Karl Hermann Wölf fett Jahre« vom Zuckrrkattell bestochen und gekauft war, daß sein Blatt, die„Ostdeutsch; Rundschau", von der Großindusttte ausgehalten wurde, da war die ganze Herrlichkeit zeim Teufel. Im Jahre 1901 kam es zwischen Schönerer und Wolf zum endgültigen Krach, die sudetendeutsch- Volksgemeinschaft zerstob in Schmutz und Korruption, die Alldeutsche Partei spaltet« sich in«ine macht- und anhanglose Schönerergruppe, die sechs Jahre später schon nur noch aus drei Abgeordneten besteht und die schmutztriefenden„Freialldeutschen" des blamierten Führers Wolf, der fortan nur noch der„Zuckerwolf" genannt wurde und sichs gefallen lassen mußte, daß er, wo immer er sich in einer Versammlung zeigte, höhnisch mit Zuckerstücken beworfen wurde. Wieder war die Blase einer Volksgemeinschaft geplatzt, was übrigblieb, war kaum mehr als schmutziger und recht übelriechender Schaum. „Die Idee über unS..." Leute, die diese Darstellung des typffchen Ablaufs einer„Volksgemeinschaft", di« immer noch als Allheilmittel begründet wurde und als schWiger Schwindel entlarvt geendet hat, für eine marxisffsche Böswilligkeit halten, seien auf das Zeugnis eines Mannes verwiesen, der gewiß nicht im Verdacht nmrxistffcher Gesinnung steht— auf das Zeugnis des abgetakelten sudetendeutschen Patentvolksbewegers Rudolf Jung. Dieser Mann, der Schönerer als den„Erwecker des völ« ftschen und sozialen Gewissens", die Schönererscke Volksgemeinschaft als die„Heimstätte unserer Bewegung, die ihre unmittelbare Herkunft von Schönerer herleiten kann", preist, schreckt ein anderes Mal Mer diese Volksbewegung: «Freilich kam es im Laufe der Jahre anders, als Schönerer und manche seiner Mitarbeiter es sich gedacht hatten. Rückständiger Zünftlergeist setzte sich durch und machte au» der Volksbewegung schließlich eine fleinbürgerliche Pattei. Die Arbeiterschaft fühlte sich bald zurückgesetzt und gehemmt. Früher oder später mußte eS zu ihrer Loslösung kommen. Die Auswirkung des Wolf- ferenz der Arbeiter die Arbeiter übettölpttte imt die Wahl der Vorgenannten durchsetzte. Hiefiik erhielt er GeschästSaufträge deS Witkowitzck' Eisenwerks. Im Jahre 1906 erhielt er von d«a Industriellen Hermann Braß 25.000 Kronen aui- bezahlt. 1906 gründete Burschowfly den Dort deutscher Arbeiter Mährens, an die Fabrikant^ wurden Bttefe auSgesandt, in denen verlangt wir), daß jeder Fabrikant für jeden Arbeiter, der t« Burschowsky organisiert ist, per Jahr eine Krönt zu bezahlen habe., Und als ein zweiter Führer dieser sauber« völkffchen Einheitsftont, der bekannte Herr Franst Stein, im Jahre 1910 zu einer Versammliwl nach Bielitz reiste. versendete die Einladungen z« dieser nationale» „Ardetter"- Versammlung niemand anders ess der— Verband der Industriellen. In dieser Einladung heißt es wörtlich: „Der deuffche Arbeiterbund für Bielitz W 1 anstaltet Sonntag im SchießhauSsaal die Monatv Versammlung. In derselben wird der Obmann M Reichsverbandes, Herr Franz Stem, emen SM' trag über Arbeiterfragen halten. Es ergeht dal dttngliche Ersuchen, an dieser Versammlung teil' zunehmen, da eine Unterstützung deS Arbeiterbundes in hervorragendem Jntereffe der In»«' stricllen gelegen ist. Hochachtend der Verband der Industriellen, Bielitz und Umgebung." Wie man sieht, war bei den Vorläufern des Volksgemeinschaften Jungs und Henleins die „Idee Wer uns" in guter Hand. Es gab kau» einen Tag, an dem sie die Idee nicht in schmutz!»' stem Zynismus verraten und verkauft hätte»- Mer schließlich wurde das saubere Geschäft ve» den Sudetendeutschen» die" ja immer wieder st durch Schaden am eigenen Leck flug werden wck' len, durchschaut. In Sckaren verließen die betrogenen Arbeiter enttäuscht die Volksgemeinschast- die schließlich nur noch aus einer Stammtischrundr streitender Korruptionisten bestand und nun, da sst keinen Einfluß mehr auf die Arbeiter hatten, au» die fetten Subventionen der Jnduftttellen eing" schränft bekamen. Die letzten'jämmerlichen Triu»' mer dieser Volksbewegung hat der Weltkrieg und der Umsturz hinweggeschwemmt. Die alte Katz im neuen Sack— 1935 Aber das nationale Geschäft schien doch 3» lukrativ, als daß die Geschäftsführer sich denM' ten Bissen ruhig hätten entgehen lassen. JnV wiffem, nicht gerade mustergülffgen GesckästSprw gilt es als beliebter Tttck, eine Firma, die durtz unsaubere Machenschaften mit dem Gesetz in Ko»' flskt. geraten ist,. unter.neuem Namen wieder auf' zumachen. Warum sollte der Tttck, der sich schmutzigen Handelsgeschäften bewährt hatte,!» politischen Geschäft versagen? DaS Bedürfnis d«k sudetendeutschen Fabttkanten und Unternehm« nach einer neuen„Heimatfront" war ja wirkliS nicht zu leugnen, alle anderen„Heimatfronteu< mit deren Hilfe man gehofft batte, die Arbeite dumm zu machen, und sie zu willfährigen, kuscht»' den Sklaven zu erziehen, die sich statt mtt W» mit völkffcken Belangen abspeffen lassen, wa«» bereits bis in die Knochen blamiett— auf birgt» oder brechen, eine neue„völftsche Einheitsfront Mußte her. Der Weg, auf dem sich das Geschah schieben ließ, war bald gefunden: man Hattos nichts notwendig, als auf die Firmentafel blamierten„völkischen Einheitsfronten" eint» neuen Namen zu setzen. Ein neuerGeschästsfühtt» in der Person des Herrn Turnlehrers Henlein wak bald gefunden, den neuen Firmennamen bra^ er als Mitgift mit und bald konnte das alt« Et» schäft wieder eröffnet werden. Die Teilhaber»». Profitmacher waren die gleichen, nur draußen»» dem Schild der Firma prangt ein neuer Nam«: „SHF." vor künkiz Jahren Des Turnlehrers Oberlehrer— Georg von Schönerer Lüge, Verleumdung, Kot Deutsche Agrarier Uber Henleins Kampfesweise Nr. 112 DienStag, 14. Mai 1935 Seite 5 Wer kandidiert für die Herrenfront? Reaktivierte Nazis, Unternehmersekretäre, Millionäre... die Nazi, sondern an andere Parteien u. a. auch an uns um Intervention. Dazu sind Marxisten nach Meinung der Herren ja gut. Henleins Kandidatenlisten sind zum Zwecke IS ch m i d t aus Dauba. Er war Landbündler, doppelten Betruges sehr geschickt getarnt. Einmal aber zugleich Korrespondent des nationalsoziali- sollen die Behörden nicht erfahren, daß zahlreiche stischen„Tag". Als er versetzt werden sollte, weil frühere Nazis, die eigentlich politisch J er nicht tschechisch kann, wandte er sich nicht an nicht tätig sein sollen, den Kern der Henleinpar-~ tei bilden, zweitens soll die„Volksgemeinschaft" darüber getäuscht werden, daß die Henleinpartei eine wahre Herrens ront ist und zahl reiche Vertreter des Kapitalsauf ihren Listen hat. Wir wollen für heute einige dieser Tarnungen aufdecken und ein paar Volksgenossen aus der Herrenfront einmal näher besehen... Da kandidieren z. B. im ostböhmischen Wahl kreis Königgrätz: Ein Max Strecker, Porzellanarbeiter iw Schatzlar. Dieser Porzellanarbeiter ist zunächst einmal auch Hausbesitzer. Er ist aber außerdem das willfährige Werkzeug seines Arbeitgebers des Fabrikanten Theodor Pohl, ein verläßlicher Unternehmervertreter und ganz und gar kein Mann der Arbeiter. als der er an' der Liste cr'cb-'üien soll Außerdem war er vor der Auflösung der DNSAP natürlich bei dieser Hakenkren zpartei. Ein ganz besonderer Fall ist der Dr. Adolf K e l l.n e r, Advokat in Trautenau und Listen« ftihrer.er Herrenfront. Kellner war Nationalsozialist. Er wurde von der DSNAP in den Ortsschulrat entsendet. Daß er dort nicht arbeitete, ist ein anderer Fall, aber er war Vertreter der Nazipartei. Desgleichen hat diese ihn in die Rechts- und BerwaltungSkommission entsandt. Kellner ist Mitteilhaber der Fa. Etrich in Jungbnch, also ein Mitglied des»Unternehmerstandes". In der Trautenauer Bevölkerung besteht die Ueberzeugung, daß Kellner gute Verbindungen ins Dritte Reich besitzt und schon verschiedene Demokraten, die von drüben her Verbindung mit tschechoslowakischen Freunden suchten, den Nazis ans Messer geliefert hat. Auf der Liste der Landesvertreter steht Doktor Ernst Stade, Trautenau. Auch er ein besonders interessanter Fall. Dieser Kämpfer gegen Bonzentum und für die Volksgemeinschaft ist Billenbesitzer, ist verschwägert und verwandt mit zahlreichen Fabrikantenfamilien und ist selbst Syndikus deS deutschen Jndustriellenverdandes, ein Scharfmacher erster Ordnung. Wie dieser Mann Interessen der deutschen Arbei«. ter vertreten soll, das ist eine jener Fragen, die nüc im Zauberreich des Fascismus gelöst werden kann, wo dem Arbeiter das Reden verwehrt 'st. Volksgenosse Stade hieß früher Zemlikka. Vermutlich war er tz u d e und ist, als er den germanischen Namen Stade annahm, zipn Protestantismus übergetreten. Ob er unter der Koalitionsdiktatur Stfibrnh-Henlein beim Stade bleibt oder wieder zum Zemlikka wird, könnte die Zukunft lehren, wenn nicht die Wähler am 19. Mai den Zukunftsträumen der Zemlikas, Stkibrnhs, Ho- i dacs und Henleins ein Ende setzt! Ein Nazi, der durch die SHF wieder um ein Mandat wirbt, ist auch der Jng. Bruno Richter aus Trautenau, Bauunternehmer und pensionierter Staatsbeamter, also Doppelverdiener— denn auch diese von Henlein bekämpfte Einrichtung findet sich praktisch in der Herrenfront recht häufig. Sie wird nur übe'rbo- ten von den Dreifach- und Vielfach-Berdienern. Richter ist natürlich Hausbesitzer und war für die DSNAP in verschiedenen Funktionen tätig. Einen besonders heftigen Kampf führen die Herrenfrpntler gegen die Krankenkassenangestellten, von ihnen als„rote" Krankenkassen Konzen bezeichnet Das hindert sie nicht, jene Kas- fenbediensteten, die sich zu ihnen bekennen, auf die Listen zu setzen. So kandidiert für sie der Doktor Degenhart Nase aus Groß-Schönau. Er war Nationalsozialist. Sein Einkommen bei der Krankenkasse, in deren Gebäude ft wohnt, wird auf 50.000 Kü geschätzt. Natürlich hat er auch P r i v a t p r a x i S. Er besitzt cin Aut o, wie jeder richtige Henleinfunktionäc. Er ist sicher geeignet, den Kampf gegen die„Bonzengehälter" bei den Kassen zu führen! In Nordböhmen kandidiert für die Henlein« Partei der pensivnierte Staatsbeamte Rudolf Das Paradies des Dritten Reiches Lebensmittelpreise In Deutschland und in der Tschechoslowakei in KL (Die tschechoslowakischen Preise nach den Angaben des Genfer Internationalen Arbeitsamtes.) Deutschland CSR Weißbrot(Kg.). 6.60 2.20 Schwarzbrot.. a 8.04 2.— Rindfleisch., 13.55 8.05 Butter..., 28.70 17.70 Weizenmehl.» 4.40 2.90 Margarine*■ 16.10 10.60 Schweinefett., 19.85 12.10 Milch(1 Lfter).. a 2.20 1.85 Obwohl det B. d. L. ihm augenscheinlich die Pension erwirkt hat, lief er zu Henlein über. Ein echter deutscher Mann, wie man sieht! In Schlesien wird ein Kaufmann Göbel kandidiert, der sicher weiß, wie hart die Not des sudetendentschen Volkes ist. Er beschäftigt fünf Personen, die selbswerständlich im DHB sind, und wird von seinen Mitbürgern als Millionär Element vertreten ist, erscheint auf derselben Liste auch ein Rann namens Zwirner aus erfolg der Linksparteien Paris. Ueher die sonntägigen Stichwahlen in die Gemeindevertretungen veröffentlicht das Innenministerium eine Statistik, die 818 von insgesamt 858 Gemeinden über 8000 Einwohner umfaßt. Die Mehrheit haben erzielt, die Kommunisten in 83 Gemeinden, die Sozialisten in 165, die Neusozialisten in 15, die Sozialrepublikaner in 31, die Radikalsozialisten in 215, die Unabhängigen Radikalsozialisten in 42, die Linksrepublikaner in 137, die Volksdemokraten in 7, die Rechtsrepublikaner(Marin) in 96, die rechtsstehenden Konservativen in 9; unbestimmt ist die Mehrheit in 15 Fällen, außerdem haben die Unabhängigen Sozialisten im Seine-Departement drei Mehrheiten erobert, tzn Lyon wurde der radikalsozialistische Staatsminister Herriot im zweiten Wahlgang wiedergewählt. Die Verlust- und Gewinnrechnung stellt sich, wie folgt: Die Kommunisten haben sich in 38 Gemeinden behauptet, in 15 einen Gewinn und in sieben einen Verlust zu verzeichnen. Altsozialisten: behauptet 133, Gewinn 82, Verlust 39. Neusozialisten: behauptet 12» Gewinn 3, Verlust 4.' Sozialrepublikaner: behauptet 25, Gewinn 6, Verlust 15. Radftalsozialisten:...behauptet, 162, Gewinn 53, Verlust 58.--■ Unabhängige Radikalsozialisten: behauptet 100, Gewinn 37, Verlust 15. Volksdemokraten: behauptet 4, Gewinn 3, Verlust 1. Rechtsrepublikaner(Marin): behauptet 8, GeNzznn 1, Verlust 1. Unbestimmt: behauptet 0, Gewinn 18, Verlust 1. Unser HaidaCT Lokalvertrauensmann von einem Henleinmann verwundet! Samstag nachtö beobachtete«ns« Loknlver- trauensmann in Haida, Genosse Brann«, auf dem Heimwege NaziS» die sich damit beschäftigten, unsere Wahlplakate h«unterzureihen. Genosse Brawn« stellte die Leute,«hielt ab« dabei von einem d« Kerle mit einem Schlagring Berlohun- gen am Auge und an der Stirn. Da Genosse Braun« dem Angreif« mit d« Laterne inS Gesicht geleuchtet hatte, weiß«, um wen eS sich handelt, so daß die am nächsten Tage bei der Gendarmerie erstattete Anzeige wohl Erfolg haben wird. Deserteure Sie lassen das Volk Im Stich Konrad Henlein und seine Agitatoren erzählen in zahllosen Versammlungen, sie kämpften uneigennützig für Volkstum und Heimat. Das gleiche haben ihre Vorgänger, die Führer der aufgelösten Nazipartei immer wieder erklärt. Wo sind sie jetzt? In Berlin, wo sie gut bezahlte Pfründen besitzen. Der frühere Chefredakteur des Duxer Naziblättes Karl V i e r e r b l ist Schriftleiter des„Völkischen Beobachter". Der Generalsekretär der„Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" Abgeordneter Hans Krebs ist Prefferefekent im Reichsinnenministerium. Der nationalsozialistische Bergarbeitersekretär und Landesvertreter Proske ist Abteilungsleiter im Berliner Filmnachweis. Diese Deserteure waren nur solange Sudetendeutsche, als sie in Böhmen noch ihre Parteisiellungen innehatten. Als sie ihrePosten verloren, wurden sie Reichsdeutsche, ihr persönliches Wohlergehen war ihnen lieber als der Kampf für Volkstum und Heimat. Henlein und seine Unterführer haben die politische Nachfolge der Krebs, Proske und Konsorten angetreten. Sie werden gegebenen Falls die Sudetendeutschen ebenso verraten wie jene Helden, die jetzt als Emigranten in Berlin sitzen. T r o p p a u, d« bei der Firma Langer als— Streikbrecher tätig war. Bon Nazis wimmelt es nur so auf den Listen der Henleinpartei. So kandidiert sie einen gewissen Otto Liebl aus Görkau. Der Mann hat noch 1931 als Listenführer für die Nationalsozialistische Vartei in-die Gemeindevertretung Görkau kandidiert und war auch Stadtrat der Nazis. Auf dergleichen Liste wie Liebl kandidiert für die SHF ein N e- m e tz aus Komotau, der ebenfalls eingeschriebener Nazi gewesen ist. Dies nur eine Leine Blütenlese! Die Beispiele ließen sich vermehren. Unter den Hunderten Kandidaten der Herrenfront findet sich fast kein Volksgenosse, der nicht früher ein Nazi war oder zumindest als Angehöriger der oberen Zehntausend ein sicherer Vertreter des kapitalistischen Besitzes ist. Wenn es nicht anders geht, tarstt man die Leute so, daß man aus einem Ingenieur Andreas Biedermann einen schlichten„Tonarbeiter aus Wild st ein" macht! Unabhängige Sozialisten des Seine-Departements: behauptet 2, Gewinne 1, Verlust 1. In Paris haben die gemeinsame Linksfront und hauptsächlich die Kommunisten Stimmen und Mandate gewonnen. Die gemäßigten Parteien haben in Paris ihre Position behauptet— 1 die extreme Rechte gewinnt vier Mandate— und hie Majorität bleibt in den Händen der Mitte und der Rechten, die 56 von 90 Raissitzen haben werden. In den Vorstädten von Paris erlangte die gemeinsame sozialistisch-kommunistische Front in zwölf bis fünfzehn dieser Stadtvertretungen die Majorität. Die konservativen Parteien haben jedoch im Pariser Stadtrat auch weiterhin die Mehrheit und die führenden wiedergewählten Ratsmitglieder erklären, daß sie für die künftige Periode zum Vorsitzenden des Pariser Municipalrates den ehemaligen Polizeipräfekten C h i a p p i wählen werden, der sich in der Wahlkampagne nicht nur gegen die Sozialisten und Kommunisten, sondern auch gegen die Radikalen gestellt hat. In den Bezirken haben die verschiedenen Parteien ihre bisherige Position beibehalten, bei einigen Verschiebungen nach links(in Marseille, Dijon, Nantes und Perpignan), oder nach rechts (in Grenoble und Brest), je nachdem ob sich die Radikalen mit der Linksfront oder mit den Zentrumsparteien vereinigt hatten. FnElsaß-Lothrin- geN, wo die Wahlen einen etwas anderen Charakter hatten, erlitt die autonom istische Volksfront eine Niederlage. Sie verliert die Mehrheit in 20 von 36 großen Gemeinden und Städten. An Stelle der Butonomisten wurde überall die Koa- litionsliste von der Rechten bis zu den Sozialisten gewählt. In Straßburg besitzt die frühere kom» munistisch-aiitonomistische Majorität von dex Gesamtzahl von 36 nur 15 Mandate. Kommunistische Wahlpropaganda Daß dieser Wahlkampf für jeden Sozialisten vor allem ein Kampf gegen den sudetendeutschen Fascismus ist, ist klar. Wie Unsere Kommunisten diesen Kampf gegen den Fascismus, der doch im Lebensinteresse des Proletariats gelegen ist, führen, davon zeugen die nachstehenden Zitate, die wir dem Leitaufsatz der„Roten Fahne" vom 12. Mai 1935 entnehmen. I. „... an d« Schwächung der Arbeiterklasse, an der Stärkung deS FasciSmuS ist die Spaltung schuld. Ater nicht die Kommunisten, sondern di» Sozialdemokratie hat die Arbeiterschaft durch ihre Koalitionspolitik gespalten." Bekanntlich ist die sozialdemokratische Partei 1921 gespalten worden und erst 1929 in die Regierung eingetreten. Die Koalitionspolitik von 1929 stnm also nicht die Spaltung von 1921 hervorgerufen hüben. II. „In diesem Augenblick ist die Kritik an der Verwerflichkeit und Gefährlichkeit der sozialdemokratischen Koalitionspolitik notwendiger denn ft." Entspricht das der von den Kommunisten inuner wieder geforderten Einheitsfront? Hl. „Die sozialdemokratischen Koalitionspolitiker habe« auch kein Recht, an die Disziplin ihrer Anhänger z» appellieren, weil diese... eine Disziplin»um Schutze der kapitalistische« Interessen ist." Die Treue und Aufopferung, mit der unsere Genossen den Wahlkampf führen, nennt der kommunistische Schmierfink, der vielleicht morgen Lei den Fascisten sein wird,„eine Disziplin zum Schutze kapitalistssckier Interessen". Diese drei Proben angeblich proletarischer Journalistik werden genügen. Lesemsnn— „geeichter Marxist! Urteil eines Südslawen über den Präser Spitzenkandidaten Henleins In dec„Prager Presse" veröffentlicht N. Stefanoviö einen Artikel über ein Buch des Prager UniversitätsprofefsorS Dr- Gesemann, das dieser über Montell e g r o geschrieben hat. Es heißt da: Gesemann ist freilich ohne Marx anzurufen, in seiner Methode geaichterMarxist. Er weiß, daß es das gesellschaftliche Sein der Menschen ist, was ihr Tanken und Fühlen,bestimmt. Er weiß ebenso» daß der„ideologische Ueberbau" einer Gesellschaft noch bestehen kann, wen» sich der soziale Umbau schon umgewälzt hat. So sind ihm die seelischen Eigenschaften des Montenegriners nur ein Reflex der sozialen Verfassung, in der er lebt oder doch lebte, der Gens, des Clans, des Stammes, des Pleme. Die Crno- gorcen bezeichnet er treffend als„eine Volksgemeinschaft von der Ungebrochenheit ihrer kämpferischen Instinkte abhing, und die das Kämpferische, das etwas rein Biologisches ist, zum Heroischen, also zur Weltanschauung, hinaufstilisiert und aus der natürlichen Lebensweise zur festen Lebensform verewigt hat, so sehr verewigt, daß diese Lebensform auch dann noch weiterlebt, wenn der natürliche soziale Untergrund, auf dem sie wuchs, schon ins Wanken geraten ist". Mit andern Worten, die sozialen und ökonomischen Bedingungen, 'unter denen der Montenegriner in einem armen Lande zu leben gezwungen war, Stammesvex- fassung und Hirtentum, brachten es mit sich, daß er sich oft, gegen Viehräuher, gegen einen Nachbarstamm, gegen die Türken, seiner Haut zu wehren hatte. Waffentüchtigkeit war für ihn also eine Lebensnotwendigkeit, und da der Mensch aus der Not eine Tugend zu machen pflegt, wurde Waffentüchtigkeit mit dem rituellen Drum und Tvan am Ende für den Crnogorac zum Maß aller Dinge. Ties der G r u n d g e d a n k e der Studie und dieser Grundgedanke ist m a r x i st i s ch, vielleicht mit einer Messerspitze Freud versetzt. Ein solches mittelbares Bekenntnis zum Marxismus wirkt in einer Zeit, da mancher Gelehrte ohne eigenes Schwergewicht vom Wind der Zeit— es ist wirklich nur Wind!— in andere Richtung getrieben wird» doppelt erfrischend. Korn lenkt ein! R 8 m. Havas) Die italienische Regierung teilte der Regierung von Abessinien mit, paß sie zwei Delegierte ernannt habe, welche alb Mitglieder der Schiedskommission bestimmt sind, wie sie der italienisch-abessinische Schiedsvertrag festsetzt. Endlich Friede im(hacogeblet? Buenos Aires. Unter Vorsitz des argentinischen Außenministers trat Samstag abeüds die Vermittlergruppe für die Friedenskonferenz iin Gran Chaco-Konflikt zu ihrer Gründungssitzung zusammen. Der Vermittlergruppe gehören an: Argentinien, Brasilien, Chile, Peru, Uruguay und die Bereinigten Staaten. Per Hord an Macelis „Du dreckiges litauisches Schwein...“ Bor einigen Wochen ist in Gottesbergen bei Hammer der litauische Staatsangt- hörige Macelis von einem Polizisten getötet worden. Die nationalsozialistische Ptesse behauptete, Macelis, der als jähzornig bekannt gewesen sei, habe sich in Erregung zu einem tätlichen Angriff auf den Pplizei- beamtru verleiten lassen, der dann»in berechtigter Notwehr" zur Waffe gegriffen habe. Die litauischen Blätter bringen jetzt eine sehr detaillierte Schilderung des Dramas, die beweise, daß hier ein brutaler Mord an einem Unschuldigen begangen worden ist. Macelis lebte seit mehr als zwanzig Jahren in Gottesbergen und erhielt, kurz nach dem Kaunaser Urteil gegen die Nazi-Fememörder, einen kurzfristigen Ausweisungsbefehl. Er ging auf die Gendarmeriestation, um die Zurücknahme der Ausweisung zu erwirken. Der dort stationierte Beamte ließ ihn jedoch nicht zu Wort kommen und schrie ihn an:„D u dreckiges litauisches Schwein, sei froh, daßmandir und deinem Wörde r b o l k nicht die Knochen zusammenschlägt. Es kam zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der bewaffnete Gendarm über den litauischen Arbeiter herfiel und ihn Niedermachte. Ein zufälliger Zeuge der blutigen Szene, ein Deutscher, sagte in großer Bewegung zu dem Mörder:„Wenn ich jetzt ein Messer bei mir hätte, würde ich Ihnen wegen dieser grundlosen Ermordung den Hals ab- schneiden." Dieser Zeuge wurde seiner für den ermordeten Litauer sehr günstigen Aussage wegen in ein Konzentrationslager gebracht. In Gottesbergen hat die Bevölkerung eine Sammlung veranstaltet, durch die dieBegräb- niskosten für den erschlagenen Arbeiter zusammengebracht wurden. Gcmcindcwalilcn in frankrcldi Seite 6 Dienstag, 14. Mai 1935 Nr. 112 TlAesimügkelten Anfall beim Prager Flachbahnrennen Prag. Im Verlaufe des Flachbahnrennens am Sonntag im Masaryk-Stadion auf dem Stra- hov kam es zu einem scharfen Wettkampf zwischen S i x t a und C a c a k. Plötzlich scheint Sixta durch einen Motordefekt die Herrschaft über sein Rad verloren zu haben. Er wurde mit voller Geschwindigkeit aus der Kurve getragen und r a st e in die dichtgedrängte Zuschauermenge. Glücklicherweise blieb das Motorrad an einem Eckstein hängen. Es durchbrach ihn zwar, konnte jedoch nicht weiterfahren. Der Zuschauer bemächtigte sich eine Panik. Alles stob auseinander. Hilferufe wurden laut. Fünf Menschen blieben auf der Unfallstelle liegen. Schwerverletzt wurde der Fahrer Sixta. Die Aerzte stellten eine ernste Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen fest. Sein Mitfahrer Franz S l e i s trug ebenfalls eine Gehirnerschütterung davon. Vier Zuschauer, darunter ein Soldat und ein kleiner Junge, erlitten leichte Hautabschürfungen; sie konnten nach der ersten Hilfe der häuslichen Pflege überlassen werden. Schweres Autounglück bei Friedland Friedland. Auf der Staatsstraße zwischen' Friedland und Seidenberg ereignete sich am Sonntag ein schweres Autounglück. Ein gegen Friedland fahrendes Personenauto mutzte eine Bahnüber;ctzung überqueren und stietz mit einem G ü te rzu g zusammen. Das Auto wurde etwa 40 Meter fortgeschlendert. Der Motor explodierte und das Auto ging in Flammen auf. Einer der Insassen, Heinrich Hamauschka aus Littau in Mähren, wurde auf der Stelle g e t ö t e t, die beiden anderen, Alfred E i s e l t und Julius Herrmann, beide aus Schönlinde, starben auf dem Wege ins Krankenhaus. Sie waren Vertreter einer Blitzableiterfabrik. Herrmann hinterläßt zwei unversorgte Kinder. Der Bahnübergang war ungeschützt! Räuber überfallen einen Eilzug Breslau. Durch einen Ueberfall auf den Blocklvärter der Blockstelle Rothwaster auf der Strecke Kohlfurt-Penzig gelang es am Samstag kurz vor Mitternachtdrei,rnaskierlen Räubern den von KoAfitrt kommenden Eilzug'an- zuhälten. Sie erkletterten den Postwagen, gaben mehrere Schüsse ab und hielten die Postbeamten mit vorgehaltenen Schußwaffen im Schach. Es wurden mehrere Kisten mit insgesamt 48.000 Mark geraubt. Verheerender Sturm in Ostchina Shanghai. Ostchina wurde am Wachende von einem schweren Sturm heimgesucht, der 20 T o t e forderte. Am schwersten betroffen wurde die Hauptstadt der Provinz Kiangsu Tschönnkiang, wo 12 Personen getötet wurden und drei Dampfschiffe, fowie 200 Dschunken untergingen. Ein britisches Kanonenboot wurde losgerissen. Viele Häuser wurden zerstört. Auch in Sutschu ist der Sachschaden sehr groß. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen sind außer Betrieb gesetzt. 700 Häuser sind eingeftürzt und tausende von Bäumen entwurzelt. Das„notleidend:" Deutschland baut... Berlin. An dem neuen Riesenbau des Reichsluftfahrtminifterium in Berlin wird Tag und Nacht gearbeitet und selbst am Sonntag werden die Arbeiten nicht unterbrochen. Der kolossale Bau erhält ein Beton- stahlgersist mit sehr tiefen und umfangreichen Betonkellern, in denen sich modern ausgestaltete Luftschutzräume befinden werden. Auf dem Rache des Riesengebäudes soll ein richtiger Flugplatz geschaffen werden, der zahlreichen Flugzeugen zugleich das Landan und den Start ermöglichen wird. Das Gebäude, das inmitten der Stadt, an der Leipziger- und Wilhelmstratze gelegen sein wird, soll bis zum 1. Oktober fertiggestellt werden. Ziehung der Klasfenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der 6. Klaffe ver 32. Tschechoslowakischen Klaffenlotterte wurden folgnwe Treffer gezogen: 90.000 Kd Los Nr. 29753 70.000 Kd Los Nr. 6268 30.000 Kd Los Nr. 48668 20.000 Kd die Lose Nr. 85069 30361 , 10.000 Kd die Lose Nr. 84096 84964 103840 63741 13229 95880 77106 86491 6238 I 5000 Kd die Lose Nr. 74193 92329 89012 182984 30748 36511 36775 39501 7075 70250 1 87927 97786 5573 70538 83183 74987 45326 2000 Kd die Lose Nr. 4037 71112 61675 104110 71454 53254 5903 64009 38247 105634 47263 186541 25349 50284 85059 33522 8400 58026 |15376 12049 51465 46033 33103 59479 11654 7731 8216 91597 75994 78530 65479 102286 108563 46507 84041 56704 12358 103400 34517 ! 83008 87006 78411 75388 14749 81018 22080 ! 69977 56617 67890 11198 15549 87748 71904 106790 95508 81364 105175 26968 70187 96185 57576 78409 21587 59440. NSchtlicher Raubüberfall auf de« Kaffier Le» Stadtkinos in Dux Sonntag nachts wurde der Kassier des Stadtkinos Josef Hartig, als er mit der Handkaffe, in der sich die Tageseinnahme befand, nach Hause ging, bei seüiein Hause von zwei Burschen angefallen, di»:hm die Handkaffe entreißen wollten. Hartig weh^e jedoch die beiden Angreifer ab, worauf der eine, von beiden einen.Revolver, zog und auf- Hartig schoß. Derselbe chrlit't einen Rückensteckschuß. Auf die Schüsse eilten mehrere Passanten hetbei, die die Täter verscheuchten. Die Frau des Hartig, die ihren Mann begleitet hat», konnte das Geld in Sicherheit bringen. Der Mann selbst mutzte schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Grüßende Hände, nach fascistischer Art grüßende Hände recken sich dem„Führer" entgegen, ivenn er den Geführten die Gnade erweist, sich zu zeigen.„Heil Henlein!" rufen sie, und jeder Rufende weiß, daß das nur ein Ersatz-Ruf ist für einen verbotenen Sehnsuchtsschrci, und der„Führer" weiß, daß er zwar sehr geliebt wird von denen, die unbedingt geführt sein wollen, aber doch vor allem deswegen, weil er Ersatz eines anderen Führers ist, und gerade als des deutschen Land an der Grenze II. Ihr lauscht gläubig den Liebeserklärungen, die von drüben schallen? Was aber hat das Tritte Reich für die„sudetendeutschen Brüder und Schwestern" getan? Es hat die Grenzen gesperrt! Immer haben im Grenzgebiet enfle Beziehungen zwischen hüben und drüben bestanden. Besonders lebhaft waren sie längs der sächsischen Grenze, wo im stark industrialisierten sächsischen Erzgebirge und in den Fabriksorten der sächsischen Lausitz tausende sudetendeutscher Arbeiter ihr Brot fanden. Freilich hat schon die Weltkrise viele dieser „Sachsenjäger" zur Erwerbslosigkeit verurteilt, aber völlig unterbunden hat ihnen den Broterwerb drüben erst das Dritte Reich. Nicht nur aus wirtschaftspolitischen Gründen— auch wenn heute eine Blütezeit der deutschen Wirtschaft anbräche, könnte das Dritte Reich die„sudetendeutschen Brüder" nicht über die Grenze laffen, denn sie kämen ja als freie Arbeiter aus einem freien Lande— sie kämen mit Gedanken, wegen denen man drüben die Arbeiter in Gefängnisse sperrt und in Konzentrationslagern martert. Jeder sude- tendeutsche Arbeiter- den man heute noch über die Grenze ließe, könnte die Worte Heinrich Heines zitieren:„Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest von konfiszierlichen Büchern". Drüben aber gilt ein anderes Wort:„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!" Doch nicht nur den Sachsengängern hat das Mitte Reich den Weg versperrt. Auch der Zugang von drüben her ist so erschwert, daß es einer Grenzsperre nahekommt. Aus Sachsen, aus Schlesien, aus dem weiteren Deutschland kamen die Fremden nicht als Arbeiter ins Land, sondern als Gäste. Es kamen nicht nur die Wohlhabenden, die als Kurgäste in Marienbad, Karlsbad, Fran zensbad ihr Geld verzehrten. Lebhafter noch und über das ganze Jahr sich erstreckend war der Grenzverkehr der„kleinen Leute", die als Sonn- tagsivanderer, als Sommergäste, als Wintersportler gern die böhmischen Berglandschaften auffuchten. Auch das ist vorbei. Die Kurorte tvar- ten, die Gastwirte, die Geschäftsleute» die Vermieter von Sommerwohnungen warten— alles „sudetendeutsche Brüder", die man drüben angeblich so liebt. Von alterSher sind sie eingestellt auf reichsdeutschen Besuch— aber sie warten vergeblich, ihre Gaststuben und Fremdenzimmer stehen leer, und sie selber haben reichlich Zeit, den Liebeserklärungen zu lauschen, die ihnen der Leipziger Sender spendet. Und das Wunderbare ist: Sie tun es! Natürlich„darf" man von drüben herüber — wenn einem nicht aus irgendwelchen Gründen der Reisepaß verweigert wird oder weggenommen worden ist, wenn es nicht an Mvisenschwierigkei- ten scheitert, wenn es einem nicht durch bürokratische Schikanen und lästige Fragereien verekelt wird, wenn, wenn...!„Wer auf Tagsausweis über die Grenze geht, hat damit zu rechnen, daß ihm der Ausweis bei der Rückkehr abgenommen und der heimatlichen Polizeibehörde zugestellt wird, die dann nachzusorfchen hat, ob er den Ausflug nicht etwa in„staatsfeindlicher Gesinnung" unternommen hat. So ist auf vielerlei Weise dafür gesorgt, daß der„sudetendeutsche Bruder" nicht fett von reichsdeutschem Selbe werde. Man muß wiffen, mit Welchem Raffinement in ungezählten Einzelfällen die Devisenbewilligung zum Beispiel für eine Reise nach Marienbad Woche um Woche verschleppt wird, bis der Gesuchsteller die Lust verliert und die Reise aufgibt oder statt nach Marienbad in die Schweiz fährt, wohin auf Grund wirtschaftspolitischer Bindungen die Devisenbewilligung glatter von statten geht. Es hat Methode, und es kommt Gottes Stellvertreter heimst er alle die Ehrungen ein, die man dem eigentlichen„Führer" nicht er- weisen kann. Grüßende Hände! Fascistisch grüßende Hände! So ist es in allen Henlein-Ver- sammlungen. Und'es-ist in jeder dieser Versammlungen so, als wären sie Appelle der PG. im Dritten Reich. So sind sie auch gemeint. Man versucht nicht einmal mehr, die Oeffentlickkeft zu täuschen. Auch nicht die geduldigen Behörden des demokratischen Staates. In den Reichenberger Papierhandlungen werden Photographien ver- kauft, die zeigen, wie sich zum Fascistengruß er- hobene Hände Henlein entgegenstrecken, wie sie dem überzeugendsten Henlein-Argument, den der Versammlung vorgestellten Eltern des„Führers", entgegeysttecken. Wir sind Hakenkreuzler, wir sind deutsche Fascisten, wir sind Anhänger des Dritten Reiches, sagen Henleins Anhänger durch diesen Gruß. Was der Mund verschweigen muß, sagt die erhobene Hand. Wir verstehen die Sprache der Hände. Auch die Arbeiter wissen die Hände zum Gruß zu gebrauchen— aber dann sind ihre Hände nicht flach ausgestteckt als Zeichen sklavischer Ergebung, dann ballen sie die Fäuste, und dem kriecherischen„Heil Henlein!" dröhnt entgegen ihr donnerndes„Freiheft!" Der japanische Flieger Katsua Roano startete Sonntag früh zu einem Soloflug von London nach Tokio Über Brüssel, Wien. Belgrad, Istanbul und Bagdad. Zweck seines Fluges ist die Auffindung einer neuen und sicheren Flugstrecke zwi- fchcn England und Japan. Blutige Familicntragödie. In Basel erschoß der 45jährige Ingenieur des Baudepartements Froehli feine Frau und seinen 13jähri- gen Sohn, verletzte seine 12jährige Tochter lebensgefährlich und verübte sodann Selbstmord. Die Ursache der Schreckenstat ist nicht ganz klar, es scheint aber, daß Froehli dazu durch finanzielle Sorgen getrieben wurde. Während der großen amerikanischen Flottenmanöver haben sich zwei tödliche Unfälle ereignet. Bei einem Zusammenstoß von zwei Zerstörern, der am Sonntag früh bei völliger Dunkelheit erfolgte, fand ein Marinesoldat den Tod. Beim Absturz eines Marineflugzeuges wurde am Samstag ein Mann getötet. Schwerer Fabriksbrand. In München entstand in der Gummifabrik Metzelei A. G. am Sonntag vormittags ein Brand, dem ein großer Teil der Fabrik zum Opfer fiel. Bei den Löscharbeiten wurden 26 Personen verletzt. Tas Erdbeben auf Formosa hält an. Nach einer Meldung aus Taiwan(Formosa) ereignete sich auf der Insel Formosa ein neues Erdbeben, das über 20 Tote und Verletzte fordert«.- Motor gegen Mensch. In Stuttgart fuhr ein Motorradfahrer in eine marschierend« Reichsheerabteilung. Vier Mann der Abteilung erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Motorradfahrer trug eine Gehirnerschütteung davon.— Bei Antwerpen fuhr ein Automobil in«ine Gruppe von Personen. Zwölf Personen würden verletzt, darunter einige schwer. Ein Smetana-Denkmal wurde am Sonntag im Kurpark inPodebrad enthüllt. Es ist ein Werk des Bildhauers Wagner und des PodLürade r Archftekten Kerhart.— Die Smetana-Gesellschaft in Prag will versuchen, das Jägerhaus von Jablynice, in dem Smetana gelebt und geschaffen hat und das jetzt zum Verkauf kommen soll, zu erwerben und hat bereits informative Verhandlungen angeknüpst. einem sehr schlau getarnten Boykott der deutschböhmischen Kurorto gleich. Wo die sonstigen Vorkehrungen nicht genügen, da hilft eine geschickt versteckte Propaganda nach— alles aus Liebe für den„sudetendeutschen Bruder"! Nur einer Gattung von Reisenden stellt das Tritte Reich Pässe und Devisen großzügig zur Verfügung—• das sind Hakenkreuzagitatoren, Gestapospitzel und Fememörder mit oder ohne Damenbegleitung! Und doch— trotz allen Erschwerungen, Schikanen und Gefahren kommen noch Ausflügler von drüben herüber. Wer sich eine sonntägliche Autogrenzfahrt leisten kann, hat es noch gut; vor allem darf er drüben nicht im geringsten einer .stattsfeindlichen Gesinnung" verdächtigt sein Die anderen kommen als Skiläufer im Winter, als Sonntagswanderer im Frühling, Sommer und Herbst. Sie steigen an weit entfernten Bahnstationen aus, um nicht aufzufallen, sie fahren mit dem Rad, sowett sie es wagen können, und stellen es irgendwo ein. Und dann wandern sie stundenlang zu Fuß und gehen auf verborgenen Wegen über die Grenze— für einige Stunden in ein freies Land, wo sie fragen und antworten dürfen, wo sie sich begierig in die Zeitungen vertiefen, um zu erfahren, was in der Welt und was in Deutschland vorgeht, denn sie wiffen die Wahrheft nicht mehr. Und sie atnen beglückt für einige Stunden die Lust der Freiheit, die mancher von ihnen erst nun in ihrem unschätzbaren Wert erfaßt, nachdem sie ihm verloren ging. Sie alle aber erleben ein unfaßbares Wunder, das ihnen als eine Groteske der Dummheft erscheint: Das ist der Anblick jener Sudetendeutschen, die als freie Bürger eines fteien Landes mit allen Fasern ihres Herzens jenem Lande der Knechtschaft zustreben, dem für einige Stunden zu entrinnen sie selber alles riskieren! Manfred. Dr. Czech morsen im Rundfunk Unser Parteivorsitzender, Minister Genoffe Dr. LudwigCzech, spricht morgen, Mittwoch, von 18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40(n i ch t, wie Sonntag gemeldet, von 18 Uhr 23 bis 18 Uhr 45), in der Prager Deutschen Arbeitersendung über das Thema: Fünf Jahre wirtschaftlicher und sozialer Arbeit Genossen, Genossinnen, sorget dafür, daß möglichst viele diesen Vortrag hören! Ein meitschenfressendrr Tiger treibt im indischen Fürstentum Haiderabad in der Umgebung des Torfes Arikola sein Unwesen, wo ihm 'allein in den letzten Tagen, eine Frau, drei Männer und zwei Kinder zum Opfer fielen. Da der Tiger sogar am hellen Tage Menschen überfällt, hat die Dorfbevölkerung, die sich nicht ans den Wohnungen wagt, die Erntearbeiten eingestellt, bis die Polizei den Tiger erlegt haben wird. Meuterei im Gefängnis. In Huntsville (Texas) ist am Freitag einige Stunden nach der Hinrichtung des„öffentticken Feindes Nr. 1" Raymond Hamilton in der Strafanstalt ein Revolverscharmützel ausgebrochen, wobei ein Aufseher und Sträfling getötet und ein weiterer Auffeher und Sträfling verwundet wurden. Drei Sträflingen gelang es, zu entfliehen. Die Unruhen auf den Philippinen halten noch immer an. Die Polizei in Manila nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Unter den Verhafteten sollen sich gegen 100 Sakdalistenführer befinden. Auch der Schriftleiter der Sakdalssten- Zeitung und der Sekretär der Sakdal-Partei wurden verhaftet. Tie kalte Luft, welche mit dem Rordwestwind vordringt, hat bereits einen großen Teil Mitteleuropas überschwemmt. Nur im Südosten des Erdteils ist «s noch warm. Samstag um 14 Uhr meldete Aberdeen in Schottland plus 8 Grad, Prag 10 Luöenes 20 und Bukarest 27 Grad. Auf den Kämmen des Erz» und Riesengebirges herrscht Frost und zeitweise leichter Schneefall. Säuft wär. die Kältewelle bei uns nicht von wesentlichen Niederschlägen begloi- tet und der Himmel heitett sich zeitweise aus. Der kühle und im allgemeinen unbeständige Wetterchrrak- ter dürft« noch anhalten. Auch in den Niederungen kann es sich nachts wieder vereinzelt etwas unter den Gefrierpuntt abkühlen, besonders dort, wo der Wind vorübergehend abflaut.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bewöltt, strichweise Schauer, im allgemeinen jedoch keine erheblichen Niederschläge. Nordwestwind. Im Falle nächtlicher Aus- heiterung auch in den Niederungen vereinzelt leichter Morgenfrost.— Wetteraussichten für Mittwoch: Noch immer unbeständiges und ziemlich kühl. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programm««' Mittwoch Prag, Sender 2.: 1(105: Deutsche Nachrichten. 10.15: Salonorchester. 12.10: Leichte Musik am Schallplatten. 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt. 16.40. Theater für die Jugend. 18.45: Deutsche Sendung: Dr. Maras: Aus dem tschechoslowakischen Kulturleben. 18.20: Arbeitersendung: Dr. Wiener: Fünf Jahre im Krisensturm. 18.40: So« zialinformaiionen. 19.25: Iazzorchester. 20.1.0: Lieder aus allen Enden Italiens. 22.15: Tanzmusik- — Sender S.: 14.20: MulikS Salonquartett, lot Deutsche Sendung: Oberlehrer Scholz, liest Märchen: 18.45 Aus Verdi-Opern.— Brünn. 12.10: Schallplatten. 12.15: Arbeitsmarkt und Sozialinsor« mationen, 13.40: Arien aus ruffischen Opern. 17.4o: Deutsche Sendung: Gisela: Kabine 76. Funk- skettch. 19.25: Mai-Orchesterkonzert.— Mähr.- Ostrau. 18.10: Ostrauer Schrammeln.— Pressbär-, 15.55: Orchesterkonzert, 20.10: Klavierkonzert. Neue Bücher Julius Deutsch: Kontinent in Gärung, geb. KL 42.-" Karl Heinz: Nacht über Oesterreich brosch. KL 5.-* Kurt Doberer: Prolet, das bist du. Gedichte kart KL 8- Zu beziehen von der.. Zentralstelle für das BHdungswesen> PRAG XII., SI e z s k a 13.^1 Nr. 112 Dienstag, 14. Mak 1935 Seite 7 Eine neue Mordwelle rast durch Deutschland Ueber die neue Welle von Verfolgung und Mord, die im Dritten Reich tobt, veröffentlicht der„Manchester Guardian" die folgenden grauenvollen Einzelheiten: „ In diesem Jahr, besonders nach der Saarabstimmung, ist es wieder schlimmer geworden, und heute ist dereTerror ebenso hemmungslos wie in den ersten Wochen der Diktatur, wenn nicht noch schlimmer. In einer Stadt in Nord- Deutschland werden politische Gefangene wie folgt behandelt: Diejenigen, die in das betreffende Gefängnis genommen werden, werden gewöhnlich derart ins Gesicht geschlagen, daß ihnen das Blut aus Mund und Ohren flieht. Die Zimmer und Korridore sind ost mit Blut bespritzt. Ein verhaftetes junges Mädchen(bte meisten der Gefangenen sind Jugendliche) wurde von einem zum anderen Ende des Zimmers gestoßen und geschlagen, wobei es. dauernd gegen die Wände geschmettert wurde. Sein ganzer Körper war zerschlagen, der Kopf wurde so schwer getroffen, dah es das Bewußtsein verlor. Ein anderes Mädchen, 18 Jahre alt, wurde in den Unterleib getreten und verlor das Bewußtsein. Es wurde in eine Zelle geschafft und dort in schrecklichen Schmerzen einen ganzen Tag und eine ganze Nacht liegen gelassen. Am nächsten Tage kam der Gefängnisarzt. Er sagte:„Dies kann nicht so schlimm gewesen sein." Weil es dem Arzt Mitteilungen gemacht hatte, wurde das Mädchen erneut mißhandelt. Manche der Gefangenen sind erst 16 und 17 Jahre alt. Ein LOjähriger Gefangener liegt seit zwei Wochen in Ketten. Das Nasenbein ist ihm durch Schläge gebrochen worden, seine- Hände wurden mit einem Messer abgeschnitten. Mehrere Frauen wurden nachts in Ketten gelegt. In einer westdeutschen Industriestadt wurden zwei Arbeiter beobachtet, als sie ein illegales Nugblatt lasen. Sie selbst waren nicht Mitglieder einer politischen Partei. Sie wurden verhaftet und gefoltert, bis sie die Namen von Personen, die derartige Flugblätter verteilten, nannten. Das führte zu neuen Verhaftungen, neuen Folterungen. Ein Gefangener schlug zurück, als er von einem Polizeibeamten geschlagen wurde. Er wurde daraufhin zu Tode geprügelt. Zwei junge Kommunisten wurden so gefoltert, daß einer von ihnen ins Krankenhaus geschafft werden mußte, während der andere seinen Verletzungen erlag. (Die Namen einiger Beamten, die die Mißhandlungen anordneten oder an ihnen teilnahmen, sind im Besitz ihres Korrespondenten.) Schreckliche Mißhandlungen hat es in Essen und Dortwund gegeben. I» einem LrtHwelt Li^PoMi die Köpfe der Gefangenen in Wolldecken, um ihre Schreie zu ersticken. In Dresden wurde ein Sozialist verhaftet. Er wurde von einem Beamten, desien Name ihrem Korrespondenten bekannt ist, furchtbar geschlagen. Er wurde ein zweites Mal vor den Beamten gebracht, worauf er, ein guter Boxer, dem Beamten einen Schlag versetzte. Zwei andere Beamten sprangen hinzu, wurden aber auch zu Boden geschlagen. Darauf kamen noch andere hinzu und schlugen den Mann tot. In Leipzig wurden die Mißhandlungen der Gefangenen so stadtbekannt, daß eine Anzahl Bürger eine gemeinsame Protesteingabe machte(die Schreie der Mißhandelten konnten ost gehört werden). Eine Untersuchung wurde angestellt; über das Ergebnis ist nichts bekannt. In der ersten Periode deS NationalsozialiS- wuS waren die Gefängnisse geradezu eine Zu- stuchtsstätte— ein Vcvhasteter war glücklich, wenn er nicht in die SA-Kaserne oder ein Konzentrationslager, sondern ins Gefängnis gebracht wurde, wo die Wärter noch die Grundsätze beachteten, die unter der Republik gallen. Aber seitdem sind viele Gefängnisbeamte ausgewechselt worden, andere wurden brutaler." * Un diese Zustände, die hier von dem objektiven englischen Blatte geschildert werden, sind Vom Aufbruch einer Nation Fascistlsche Großkorruption Wie die Fascisten die Korruption bekämpfen, lehrt die Tätigkeit des Handelsministers der kleriko-fascistischen, autoritären Regierung Oesterreichs, Herrn Stockinger. Dieser Herr ministriert im Ständestaat für seine eigenen Taschen ganz ausgezeichnet. Das Reffort Handel und Verkehr gibt ihm dazu die beste Möglichkeit. Kontrolle gibt es keine, ein Parlament auch nicht, nur gleichgeschaltete Zeitungen, die nur das schreiben dürfen, was die Usurpatoren genehm ist. So kann Herr Stockinger sein korruptes Treiben ungeniert fortsetzen und noch vermehren, da er in jüngster Zeit sich dem Starhembergflügel verschrieben hat. Hat Herr Tr. Kienböck zur Abwicklung seiner Geschäfte den De. Foglar-Deinhartstein als Kanzleikollegen, so hat Herr Stockinger^seine Delikatessen- und Kolonialwarenfirma Gabler, mit deren Hilfe er alle seine korrupten Handelsgeschäfte besorgen läßt. So verdient der Handelsminister Stockinger lustig weiter mit der Firma Gabler, aber auch mit Hilfe des Direktors der Oesterreichischen Zuckerindustrie A.-G. Bloch-Bauer, der ihn ganz.in der Tasche hat. Trotz ständig zurückgehenden Zuckerkonsums zahlen die Zuckerfabriken heuer weit höhere Dividenden. Die Errichtung der achten Zuckerfabrik, die im Vorjahre den landwirtschaftlichen Genossen- schasten verweigert wurde, ist jetzt dem Verband der Zuckerfabriken bewilligt worden, also dem Trifolium Stockinger, Bloch-Bauer und Gabler. Das ist noch nicht alles. Herr Stockinger hat auch das ganze ReiSgeschäft an sich geriffen. Um Italien ein Reismonopol zu verschaffen, wurde Reis zum „bewirtschafteten" Artikel erklärt. Die Stockinger- Gruppe, die an der Produktenbörse„Reismaffia" genannt wftd, fuhr nach Italien und schloß dort ein Uebereinkommen, wonach sich der Preis auf 80 Lire stellt. Die Maffia erhält aber eine geheime Refaftie(Vergütung) von 10 Lire, so daß sie in der Lage ist, den offiziellen Preis zu unterbieten und damit praktisch den Alleinverkauf für Reis zu haben. So betrügt Herr Stockinger seine Branchenkollegen.— Während eines verheimlichten Urlaubes Stockingers auf der italienischen Insel Capri schloß Vaugoin zwischen den Bundesbahnen und den Spediteuren einen Vertrag, wonach die neu zu gründende Rollfuhrdienstgesellschaft m. b. H.„Rona" dar Monopol für den Zustreifdienst erhält. Die Genoffenschast der Fuhrwerker machte bei Pockinger einen großen Krach, er mußte von der Blauen Grotte auf Capri zurückgeholt werden. Die ganze Sache ist nun völlig verfahren, weil man sich offenbar noch nicht einig ist, wem der größere Provisionsknochen zufallen soll: Herrn Vaugoin oder Herrn Stockinger. das Ideal der„Sudetendeutschen Partei" Kon rad Henleins. Zuchthaus für Illesale Agitation Opfer des Dritten Reiches Berlin. Der Volksgerichtshof verurteilte drei führende Funktionäre der kommuni st ischen Jugendbewegung Deutschlands, die bis zum Frühjahr 1934 illegal weiter gearbeitet haben, zu Zuchthausstrafen. Die schwerste Strafe von 10 Jahren erhielt der 29jährige frühere preußffche Landtagsabgeordnete Ewald Kaiser aus Herne in Westfalen, da er„seine hochverräterische Wühlarbeit gegen das Deutsche Reich nicht nur im Jnlande sondern auch in Paris betrieben" hecke. Der Berichterstatter des Reuterbüros meldet aus Berlin: Im Kloster des hl. Karl von Borromäus in Trebnitz in Sachsen starben ihre A e b t i s s i n und einige a.ndere Nonnen unter der Beschuldigung, in illegaler Weise Geld ins Ausland geschickt zu haben, v er- ywxdtzn waren.... Mazda Schneider in„Die Sünde des Frl. Liselott" ticrlchtssaal Zwei Männer und eine Daterschaft Ungleiche Bewerber Prag. Ein beträchtlicher Prozentsatz der vor Gericht verhandelten Prozesse wegen falscher Zeugenaussage oder gar wegen Meineides wurzelt in Auseinandersetzungen um die uneheliche Vaterschaft, sei es, daß die uneheliche Mutter in Verdacht geraten ist, die Vaterschaft einem Unbeteiligten zügeschoben zu haben oder daß der Kindesvater versuchte, seine Vaterschaft einem anderen zuzuschieben. Ganz aus dem Rahmen der üblichen Schablone fällt jedenfalls diese Sache, in welcher zwei Männer wetteiferten, eine gewisse Vaterschaft auf sich zu nehmen. Im Mittelpunkt dieser Sache steht ein junges, hübsches und reiches Mädchen aus der Melniker Gegend. Sie war von klein auf befreundet mit einem gleichfalls jungen und hübschen, aber, zum Unterschied von ihr, sehr armen Mann, einem Handlungsgehilfen. Sie gingen gemeinsam spazieren, machten Ausflüge und dergleichen. Eines Tages stellte sich heraus, daß das Mädel in anderen Umständen war.-Woichzeing aber wurde sie merkwürdig kalt geqen den Jugendfreund. schlug ihm jedes Zusammentreffen ab und schloß sich um so enger an einen andern jungen Mann an, einen vermögenden Kandidaten der Medizin, der vor dem Doktorat stand und dem sich dank seiner Geldmittel eine baldige auskömmliche Existenz eröffnete. Als das Kind zur Welt kam. eilt« der arme Jugendfreund zum Vormundschaftsgericht und bekannte sich als Kindesvater. Zum Erstaunen des Vormündschaftsgerichtes zeigte sich aber das DLidchen keineswegs erbaut von diesem Bekenntnis und erklärt« im Gegenteil mit Entrüstung, niemals mit dem jungen und hübschen aber armen Handlungsgehilfen etwas zu tun gehabt zu haben. Er habe sich zwar um sie bemüht, aber niemals sei zwischen ihnen etwas vorgefallen. Das Kind habe sie von ihrem Freund, dem wohlsituierten Mediziner empfangen und der Handlungsgehilfe maß« sich nur aus selbstsüchttgen Gründen di« Rolle als Kindesvater an. Der Dtediziner bestätigt« gewisse intime Details und so endete die Sache damit, daß gegen den Handlungsgehilfen die Anklage wegen falscher Aussage erhoben wurde. Gegen die Verteidigung des Angeklagten, der beharrlich Anspruch auf di« Vaterschaft„seines" KindeS erhob, stand die Zeugenschaft der Mutter und ihres offiziellen Freundes. Damit war die Angelegenheit prozessual entschieden und der Handlungsgehilfe wurde verurteilt— zu zwei Monaten K e r k er. bedingt auf drei Jahre. rb. IttaMtenkfadß-fiauttu väAtßHiuuidä mfcAfe Erzeugnisse der Fa. SANA! Eine Hausfrau, die einmal Sana versucht hat, greift nie wieder zu einer anderen Margarine. Achtzehn Monate Kerker für ehemaligen Pächter der»Alhambra* Veruntreute Kautionen— schwer geschädigte Angestellte I Prag. Der seinerzeitige Pächter des bekannten I Prager Nachtlokals„Alhambra", der 81jährige I Oskar B l u m e n t h a l hat bereits vor verschiedenen Gerichten eine recht unrühmliche Rolle gespielt. Er hatte dieses luxuriöse Lokal in den Jahren 1932 bis 1933 in Pacht und seine Tätigkeit endete damit, daß er unter Anklage des Betruges und der V er- untreuung in die Untersuchungshaft des Prager Kreisgerichtes wanderte. Verschiedene Großsirmen (Lippert, Krohn, Mattoni) hatten Strafanzeige wegen Nichtbezahlung gelieferter Ware erstattet und der Schadensbetrag belief sich auf etwa 50.0ÖÖ Kc. Da aber diese Sachen Inzwischen arrangiert wurden, kam die Betrngslniklag'e. in Fürtfast MH es blieb die, vom sozialen Standpunkt weit schwerer wiegende Beschuldigung wegen Veruntreuung hoher Kautionsbeträge, die er von seinen, durch Inserate gesuchten Angestellten eingetrieben hatte. Tatsächlich hat eine ganze Reihe Stellensuchender ihr Vertrauen schwer büßen müffen, denn dieser Oskar Blumenthal hob von verschiedenen Anwärtern (vom Kellner bis zum„Direktor") Kautionen im Betrage von 15.000 bis 81.000 KL ein, die die Erleger niemals.zurückerhielten. Seinerzeit klagte das bedauernswerte Kollektiv der Angestellten des Herrn Blumenthal vor dem Ar- beitSgericht, das sich für unzuständig erklärte, sodaß eine neue Klage beim Zivilkreis- g e r i ch t eingebracht werden mußte.(Wir haben seinerzeit über diese Verhandlungen eingehend berichtet.) Daneben ging freilich das Verfahren gegen den Herrn Blumenthal weiter, der sich, wie erwähnt, beeilte, seine kommerziellen Schulden abzuzahlen, wogegen er den geprellten Angestellten ihre erlegten Notgroscheck schuldig blieb. Montag kam nun vor dem Senat T r o st die Sttafverhandlung gegen den gewissenlosen Unternehmer zum Abschluß. Der Gerichtshof erkannte Oskar Blumenthal s ch u l d i g und verurteilte ihn zü acht- zehn Monaten schweren und verschärften Kerkers Der Verurteilte wurde zu seiner peinlichen Ueberraschung sofort in Strafhaft genommen und ins Gefängnis abgeführt. rb. Zum Lache« oder zum Weine«? Von Ernst Mache! In gewiffen Zeitabständen werden einzelne Stadtteile Prags zu Schauplätzen jahrmarktähn- licher Veranstaltungen: auf einfachen Holzgestcllen und st, primitiven Buden, die sich entlang der Geh- sieige hinziehen, bieten armselige Händler allerhand billige Waren feil. Süßigkeiten, Ansichtskarten, Gablonzer Glasschmuck, Gipssiguren, Kämme, Obst, Krawatten, Handschuhe, Spielzeug und andere teils nützliche, teils unnötige Kleinig- keüen kann man bei diesen ambulanten Kaufieu- ken erstehen, und alles für wenige Heller. Man wundert sich nachgerade, wie eS denn überhaupt möglich ist, daß irgendjemand— sei es der Er- Kuger oder der Händler— beim Verkauf dieser «aren auch nur den kleinsten Nutzen erzielen kann. Dabei gibt eS viele Buden, deren Inhaber kange, ost sogar stundenlang, warten müffen, ehe «h«n ernsthafter Jntereffent für ihren Krimskrams findet und ein Geschäftsabschluß in der Hohe von füfzig Hellern oder einer Krone zustande kommt. Unter diesen Standen sind aber stets welche, deren Eigentümer sich nicht nur nicht Aber mangelnden Zuspruch zu beklagen haben, sondern obendrein in der glücklichen Lage sind, ihre Ein- üahmen fast zur Gänze als Reingewinn buchen du können. Das sind die Wahrsager, Handliniendeuter und Planetenverkäufer. Ihr„Handwerk" ich noch das einzige, das sich eines goldenen Bodens rühmen kann, und daß dem so ist, ist leider nur allzu begreiflich: denn ihr Kunde ist weder der Bedarf noch die Sehnsucht nach bescheidenem Luxus, sondern— die menschlich: Dummheit. Und ob wir— im Jahre 19351— es glauben wollen oder nicht: „Wenn Dummheit täte weh, oh, welch entsetzlich Schrei'» Müßte in aller Welt in allen Häusern sein!" Sehen wir uns nun die Stände dieser Leuchten„geheimer Wiffenschaften" etwas näher an: Da ist ein kleines Tischchen, auf dem ein paar abgegriffene orangefarbene Mappen liegen. An dem Tischlein steht eine ältere Frau mit ihrem Gehilfen. Der Gehilfe sucht mit schreiender Stimme die Vorübergehenden anzulocken, indes die Meisterin diejenigen, die der Lockung nicht widerstehen können und sich mft ihrem Schicksal näher bekanntmachen wollen, wie folgt, bedient: sie wirft einen Blick(ich bitte: einen einzigen flüchtigen Blick!) auf die Hand des betreffenden Kunden, worauf sie einer ihrer Mappen ein bedrucktes Blatt Papier entnimmt, es dem Kunden hinrricht und dafür eine Krone in Empfang nimmt. Daß die gute Frau nur zehn Mappen vor sich hat, also bloß zehn verschiedene Schicksale„vorherzusagen" in der Lage ist, darum flimmert sich kein Mensch.— Ein anderer Stand: Hier wird schon etwas sorgfälttger gearbeitet, und die Leute treten auch mit mehr Ehrfurcht an das Tischlein, an dem ein bärttger Mann sitzt, vor sich eine Petroleumlampe und ein rotes Buch mit der Aufschrift „Astro-Chiromantie". Streckt sich ihm eine Hand entgegen, greift er nach einem Stückchen Papier und beginnt— den Handteller des Kunden genau studierend—, es mit sonderbaren Zeichen und Zahlen zu bemalen. Tvs dauert ungefähr eine halbe Minute, dann bekommt der Kunde den bemalten Zettel und kann ihn, gegen Erlag von zwei Kronen, bei dem am anderen Ende des Tischchens stehenden Gehilfen gegen einen bedruckten Bogen eintauschen. Daß der gute Mann zufälligerweise auch nur zehn verschiedene Schicksale auf Lager hat, die allerdings nicht in orangefarbenen, sondern in grünen Mappen verstaut sind, spielt natürlich gar keine Rolle.— Und ein dritter Stand: Hier bedient man sich von Haus aus anderer Regeln der Kunst, hier arbeitet der „Meister" unter Zuhilfenahme einer großen Tafel, die mit astronomffchen Bildern, astrologischen Zeichen, farbigen Glühlämpchen und allerlei geheimnisvollen Symbolen über und über bedeckt ist. Der wiffensdurstige Kunde braucht bloß seine Personalien anzugeben, worauf der Herr Asttologe an der Tafel wie an einem Schalckrett zu manipulieren anhebt, um endlich eines der farbigen Lämpchen auflechten zu lassen. Damit ist die magische Prozedur beendet und der Kunde bekommt ein zusammengefaltetes Blatt eingehändigt, das gute Ratschläge und Prophezeiungen in so reichlicher Auswahl enthält, daß man unwillkürlich an die Speisekarte eines Nobel-Restaurants erinnert wird. Und nun, da wir verschiedene Meister bei ihrer Arbeit belauscht haben, wollen wir uns den Genuß nicht entgehen lassen, uns auch ein bißchen an den von ihnen verzapften Weisheiten zu delektieren, von denen einige nachfolgend festgehalten seien: „Hüten Sie sich vor melancholischen Neigun gen, denn sie machen ttaurig." „Gehen Sie nicht an Ihrem Schicksal vor- Lber!" „Ketten Sie Ihr Leben nicht nur an gute Menschen, denn die Bösen wollen Ihnen nicht gut." „In den kommenden Jahren wird manche Frage an Sie herantteten, die unter Umständen einen einschneidenden Eingriff in Ihr Leben bedeutet." „Trachte, an ungeraden Tagen möglichst nichts zu beginnen." „Springen Sie nie von. einer fahrenden Straßenbahn oder aus einem in Fahtt befindlichen. Flugzeug, weil sonst in diesem Fall Unglück für Sie in den Sternen geschrieben steht." „Denken Sie, wie Ihr Schicksal sich weijxr. gestaltet, kurz gesagt, nicht blindlings weiter leben!" Tableau! Mit solchen und ähnlichen Weisheiten, Lebensregeln und Prophezeiungen werden Menschen in einer Großstadt des zwanzigsten Jahrhunderts bedient. Oh, Götttn der Weisheit,, verhülle dein Antlitz und— weine. Seite 8 „Sozialdemokrat" DienStag, 14. Mai 1835.«r. 112 VK-UGL» ZEITUNG Prager Blitzdemonstrationen für Liste 6 Ein Autobus erregt Aufsehm Sonntag qhends gegen 9 Uhr, in der Zeit des stärksten Straßenverkehrs, stand das Prager Zentrum im Banne einer sehr kurzen, aber eindringlichen, wenn auch nicht beabsichtigten Demonstration für die Liste 6 derdeut- schen Sozialdemokratie. Ein Autobus, der aus der sudetendeutschen Provinz kam und in seine Prager Garage fuhr, war über und über mit sozialdemokrati- schenWerbeplakaten bedeckt.„2B ählet nurListe 6!" las man in meterhohen Lettern und„Unser Sieg— Euer Brot!" So bekamen die Prager Deutschen die wuchtigen Wa^lplakate der Sozialdemokratie zu sehen. Das Auto, das in langsamem Tempo, von der Revolukni tkida kommend, über den Graben zum Wenzelsplatz fuhr, erregte riesiges Aufsehen. Hunderte blieben stehen und sahen sich den Wahlautobus an, da in den Straßen, die der Wagen durchfuhr, zahlreiche Deutsche zu vromenieren pflegen, dürfte die improvisierte Blitzdemonstration auch sachlich nicht ohne Wirkung geblieben sein. Der Wahlkampf im Prager Landkreis Die tschechische Sozialdemokratie führt Eine Fahrt durch die Dörfer und Landstädtchen rund um Prag gibt recht interessant« Aufschlüjse über die Stimmung unter der tschechischen Landbevölkerung im engeren Umkreis der Hauptstadt. Von einer Propagandatätigkeit der fascistischen „Nationalen Vereinigung" ist im äußeren Bild nur an ganz wenigen Orten etwas zu spüren, tschechische Sozialdemokraten, Nationalsozialisten und Kommunisten kämpfen um das Propagandabild der Straße. Während die Kommunisten meist nur ihre Vier anmalen und die Nationalsozialisten fast ausnahmslos durch Bildplakate zu wirken versuchen, hämmern die tschechischen Sozialdemokraten den Wählern immer wieder kurz«, bildhafte Parolen ein, die auf aktuellste soziale und tagespolitische Dinge Bezug nehmen. Daß solche Agitation, die an di« brennenden Nöte der Dörfler und Kleinstädter anknüpft, sehr zugkräftig ist, beweist die Anteilnahme, die die Bevölkerung dieser Art der Werbung entgegenbringt. Unsere tschechische Bruderpartei Hai MrigenS auch Bildplaräke angeschlagen, die auf die gemeinsamen Interessen der Arbeiter und Kleinbauern Hinweisen und die auf viel Verständnis stoßen. In manchen Dörfern stellen die Bauern ihre Hausflächen, wohl gegen Bezahlung, allen Parteien zur Verfügung, so daß von vielen Hauswänden wie von einer Plakattafel, drei, vier Parteien gleichzeitig zur Wahl ihrer Liste aufrufen. Von den tschechischen Agrariern ist in der näheren Umgebung Prags nur wenig zu merken. Ms Kdriosität registriert und so auch von den Einheimischen angestaunt sei ein Zbraslaver Plakat der Stkibrny-Fascisten, das die berufsmäßigen fascistischen Korruptionäre al? die allein zuverlässigen Kämpfer gegen die— Korruption anpreist—I• Der Esel, der die Wahrheit sprach Ein fascistischer Propaganda-Betriebsunfall Die„Nationale Vereinigung" der Herren Stkibrnh und Kramak hatte in Prag-ZiZkov ihr zentrales Propagandaquartier neben anderen geschmacklosen Emblemen mit jenem Esel geschmückt, der angeblich den„marxistischen Wähler" darstellen sollte. Dieser Esel, der in überlebensgroßer Ausführung an der Giebelwand befestigt war und die Krönung der Propaganda-Aufmachung dar- stxllen sollte, ist nun heimlich und über Nacht wieder abgenommen worden. Weshalb wohl? Das EselStvanSparent war zwar sehr wirkungsvoll, erzielte aber«ine völlig andere Wirkung, als becckssich- tigt war. Eine vernünftige alsol Die Beschriftung des braven TiereS war von der Straße her kaum zu erkennen; die Passanten sahen nur den riesigen Esel, das Symbol der Dummheit, am Dachfirst und nur wenig darunter in metergroßen, weithin leuchtenden Buchstaben die verständliche Esels-Losung, nur Liste 16, die Liste der fascistischen „Nationalen Bereinigung" zu wählen. DaS Gelächter der Passanten war groß und so mancher wunderte sich, daß die Fascisten mit so viel ungewohnter Ehrlichkeit gegen sich selbst Propaganda machten. Es war aber keine Selbsterkenntnis, sondern nur«in Betriebsunfall. Und als den EselS- anbetern ein Licht aufgegangen war, nahmen sie ihr Wappentier herunter und warfen eS in die Rumpelkammer. Wohin ihm'feine fascistischen Anhänger am 19. Mai hoffentlich nachfolgen werden I Brand aus dem Obstmarkt am Havlikekplatz. Am Sonntag vor 7 Uhr früh entstand aus bisher unbekannter Ursache in einem Obststand auf dem Havlikekplatz ein Brand, der, durch den Wind begünstigt, auch die benachbarten Stände, die meiste^ mit Leinwand bedeckt sind, ergriff. Von der Gesamtzahl von 35 Ständen wurden 25 teilweise oder vollkommen vernichtet. ES verbrannten auch die Geschäftsbücher und Aufzeichnungen. Der Schaden, ist bedeutend und ist bis auf einen Fall nicht durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehr konnte binnen einer Stunde das Feuer löschen. Zwei Personen wurden bei den Rettungsarbeiten leicht verletzt. Unbekannter Schwachsinniger. Gestern mittags wurde auf dem Wenzelsplatz ein unbekannter, etwa 28jähriger Mann mittlerer Statur, vollem Gesicht und braunen Augen und Haaren angehalten, der durch sein merkwürdiges Benehmen auffiel, da er um alle Bäume herumging und die Rinde beroch. Er wurde vom Polizeiarzt untersucht und auf Grund des Befundes in die Bohnitzer Irrenanstalt gebracht. Dokumente hatte er keine bei sich; sein weicher, dunkelgrauer Hut trug die Initialen I. B. Der Unbekannte trug einen hellen Trenchcoat, einen dunkelgrauen Sakkoanzug, schwarze Halbschuhe, ein weißes Hemd mit weichem Kragen und eine dunkelblaue. blau und rot gewürfelte Krawatte. In bar hatte er nur Kö 3.— bei sich. Vorträge Fraurnliga für Friede« und Freihett in der Tschechoslowakischen Republik. Ueber Bedeutung und Wert der Demokratie sprechen: E. G. Balch- Washingwn(englisch). Clara Ragatz-Zürich (deutsch). Mittwoch, den 15. Mai 1935, halb 8 Uhr im Zensku Klub Cesky, Smeckagasse 26. Gäste willkommen! Kunst und Wissen Gastspiel Trudi Schoo». Die blonde Züricher Tänzerin Trudi Schoop(deren erste Erfolge übrigens mit jenem Berliner Kabarett„Katakombe" verknüpft sind, das man kürzlich, obgleich es längst gleichgeschaltet war verhaftet hat) zeigte mit ihrem gestrigen Gastspiel im Neuen Deutschen Theater abermals, daß sie unter den hervorragenden Tanzkünstlerinnen unserer Tage die beste Komikerin ist. Nicht grotesk sind ihre Tänze, wie die der Valeska Gert und der Lotte Goslar und nicht neckisch, wie die so- vieler tanzender Damen, sondern von jener Heiterkeit. die sich vom Lächerlichen des Lebens nährt, das die Schoop in ihren Bewegungen nachzeichnet. Daß ihre Kunst(die das Technische so beherrscht, daß sie es schon überwunden zu haben scheint) unnachahmlich ist. bewiesen alle Nummern des Programms, bei denen sie selbst nicht in Erscheinung trat, sondern nur ihre Gruppe der„tanzenden Komikerinnen", die nichts als braves Können und humoristischen Schtvuna zeigten und dort, wo sie ernst werden sollten, ein bißchen banal wirkten. Wo aber die Schoop selbst im Mittelpunkt stand, wie bei den Männern in Schwarz und bei der getanzte» Spießerkomödie„Fridolin unterwegs". wo ne Sportler und Volksredner. Geschäftsgauner und Ehemänner karikierte oder— als Fridolin— eine Chaplin-Gestalt durch die Welt der Mucker. Kleinbürger und noblen Damen wandeln ließ, wurde ein Vergnügen erweckt, das für einen ganzen Abend zwar zu harmlos sein mag, aber sich anständig und anmutig über die bei allen Schrecken auch noch lächerliche Zeit erhebt.—eis— Madame Butterfly.(Neueinstudiert im Neuen Deutschen Theater). Dieser Neueinstudierung wurde man nicht sehr froh. Denn sie stand im Zeichen der Langeweile. Kapellmeister Hans Georg Sch i ck, der für sie verantwortlich war, gerät in der Sucht, möglichst originell in seiner Interpretation zu sein, ins Schleppen und ins dynamische Tüfteln.' Das hat zur Folg«, daß die langsamen Zeitmaße bis zur Unerträglichkeit gÄehnt werden und die spärlichen dramatischen Momente der„Butterfly"-Musik im übertrieben betonten transparenten Klangbild verloren gehen. Dies isi um so mehr zu bedauern, als die Mühe und Sorgfalt anzuerkennen ist, die Schick an die musikalische Erneuerung des Werkes gewendet hatte. Vera Mansingerin der Titelrolle, eine mehr passiv-phlegmatische als aktiv-tempera- mentvolle Sängerin, paßte zum resignierten Charakter der Aufführung. Stimmlich bewies sie neuerdings, baß sie wohl sehr kultiviert zu singen versteht, daß ihrer Stimme aber die Durchschlagskraft fehlt und die Fähigkeit freier Tonenffaltung; auch die Wortdeutlichkest der Künstlerin ließ alles zu wünschen übrig. Ihr Partner Kurt Erich P r e g,e r war ein Linkerton von iniponierender stimmlicher Kraft und Schönheit und der Rolle angepaßter Frische und Leichtfertigkeit der Darstellung. An Neubesetzungen wies die Oper noch auf: den lebendigen Goro Herrn L i b a l s, die tüchtige Suzuki Frl. W a n k a s und den gesanglich nicht sehr repräsentativen kaiserlichen Kommissär Herrn GerlandS. HagenS warmherziger und gesanglich nobler Konsul war die einzige der Oper von früher her Der tägliche Zusammenstoß. Der Glasschleiferlehrling Anton Strnad aus Libeznitz bei Prag, stieß gestern früh, als er auf seinem Rade durch die Straße Na Slupi fuhr, mit dem Auto des Privatbeamten Jaroslav Schneider aus Branik zusammen. Strnad wurde hiebei vom Rad geworfen und von Schneider selbst auf die Klinik Schlosser gebracht, wo festgestellt wurde, daß er zwei Ouetschungen in der Hüftgegend erlitten hat. Richt abspringen! Samstag vormittags sprang aus einem fahrenden Straßenbahnwagen der 15er- Strecke in der Plzenska in Smichow der 42jährige Angestellte der Wasserwerke Jan Chalupa aus Smichow ad, wobei er auf dem nassen Pflaster ausglitt und zwischen den Motorwagen und den Schleppwagen geriet. Mit Hilfe der Passanten wurde er befreit. Auf der Klinik Schlaffer wurde festgestellt, daß er das Rückgrat gebrochen hatte. Mittellungen aus dem Publikum. Enffernung des häßlichen Zahnbelags? Ganz einfach: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Chlorodont-Zahnpafte und spült dann mit Chloro- dont-Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube Kö 4.—. Versuch überzeugt. 2861 verbliebene Besetzung. Die Spielleitung des Abends hatte Max L i« b l, der die Szene durch stimmungsvoll Details vorteilhaft ergänzt hatte. E. I. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen ThratrrS. Heute Dienstag halb 8 Uhr: D a n t o n s Tod, neuinszeniert, AI.— Mittwoch halb 8: Madame Butterfly, B 2.— Donnerstag halb 8: G räfin Mariza, C 1.— Freitag halb 8: F a l st a f f, D 2,— Samstag halb 8: Servus! S.e rvusl, C 2.— Wochenfpielplan der Kleinen Bühne. Dienstag 8: CharleysTante.— Mittwoch 8: M ä d« chen für er 11 e Z.— Donnerstag 8: Meine Cousin« aus Warschau.— Freiwg 8: Charleys Tante, Kulturverbandsfteunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Meine Cousine aus Warf ck-au. Siwt•{fiel» Kfirpaniflege Liga im Endspurt Die Staatsliga nähert sich langsam ihrem Ende und die Kämpfe— besonders der in Wstiegsgefahr befindlichen Klubs— werden härter, einerseits um sicherer Mitropacupteilnehmer zu sein, andrerseits um dem Abstteg zu entgehen. Und so ergibt sich von Sonntag zu Sonntag fast immer für den einen oder anderen Verein eine unangenehme Ueberraschung. DieseSmal war eS die Niederlage deS DFC, welcher als Favorit gegen CechieKarlin anttat und dann mit 2:1(0:0) verlor. Zwei sicher gewesene Punkte, die dem Liga-Bestand des DFC eine fester« Grundlage gegeben hätten, sind nun dahin. Mit Recht! Eine Mannschaft, die mit ihrem Können so hasardiert, verdient daS erniedrigende Schicksal! Fünf Spieler rackerten sich ehrlich ab, aber die konnten sich gegenüber der Indolenz der übrigen sechs nicht durchsetzen- Die Karliner haben den Erfolg verdient. Slavia gegen Viktoria Pilse« 2:1(1:1). Beide Mannschaften zeigten eine schwache Leistung. Slavia hatte wohl mehr vom Spiel, doch versagten die Stürmer im Schießen. Die Pilsener arbeiteten ohne Kraft und Willen. Der Karlsbader Pfützner wurde bekanntlich in die Reihe der internationalen Schiedsrichter ausgenommen; seine Leistung in diesem Spiel war kein Beweis dafür. Auch die Teplitzer geschlagen Wer die derzeittgen Verhältnisse beim TFK kennt, den wundert es gar nicht, daß er in K o l i n vom AFK eine Niederlage von 1:3(1:2) bezog. Die Koliner, welche mit Alaska(ehemals Karlsbader FK) antraten, kämpften mit Energie und errangen einen verdienten Erfolg über die interesselos spielenden Teplitzer. Kolin ist damit vom allerletzten Platz weg, jedoch noch nicht außer Gefahr. Zidenice gegen SK Pilsen 2:1(1:0) In Pflsen konnten di« Brünner über die sich hart wehrenden Heimischen einen knappen, aber glücklichen Sieg erringen. SK vladno schlägt SK Proßnitz 3:2(3:1) Die Kladnoer errangen einen glücklichen Sieg über die besseren Proßniber. die großes Schußpech hatten. Bohemians— Tabellenletzter In dem am Samstag in Wrschowitz auZgetra- genen Ligaspiel wurden die Platzbesitzer von Sparta knapp mit 2:3 geschlagen, wobei das Siegtor ein— Elfmeter war. Bohemians haben in letzter Zeit gewalffge Anstrengungen gemacht, um aus der MstiegSzone herauszukommen; sie traten Freitag, den 17. Mai, um 8 Uhr abends, Heinesaal, Prag-Weinberge, Fochovä Redner: Die Kandidaten TUeodor HaSenverg und Dr. Sftovert Wiener diesmal mit dem Heimkehrer Silny an— es hass nichts. Ein Tag der Länderspiele. Am Sonntag wurden im Ausland vier internattonale Lärwerspte!« ausgetragen- Ungarn siegte in Budapest über Oesterreich mit 6:3(3:2), Oesier reich P in Wien über Polen 5:2(3:1), Holland:n Brüssel über das mit Braine(Sparta Prag) antte- tende Belgien 2:0(1:0) und Spanien ia Köln über Deu tschlan R2:1(2:1). Das letzte Spiel war ein einziger Skandal, da die Zuschauer in äußerst fanatischer Wette gegen die besseren und überlegenen Spanier Stellung nahmen. Ja, Niederlagen verträgt man derzeit im Dritten Reich nicht.,. Die Meister der Divisionen sind nun zum großen Teil ermittelt. Im DFB ist eS bekanntlich DSV Saaz, Mittelböhmen: B i k« toria Zijjkov, Böhmen-Land: SK Nachod, Mähren-Schlesien: Mor. Slavia Brünn und in der Slowakei wird er wohl CSK Preßburg heißen. Die sonntägigen Spiele in dermittelböh« mischen Division brachten folgende Ergebnisses Viktoria ZiZkov gegen Raudnitz 3:1, Rapid*-aert Libeü 1:1, Liffa gegen CAFC 6:0!, Meteor ll! gegen Sparta Kosik 2:1!, Sparta Kladno gegen Cechie VIII 5:0, Cechoflovan Kosir gegen Nuseffh SK 4:2! Böhmen-Land: Nachod gegen Rokitzaa 1:0, Petrin gegen Jungbunzlauer SK 2:2, Kopist? gegen Rakonitz 8:1, Pardubitz gegen Horowitz 2:2, CSK Budweis gegen Königgrätz 2:1. Mähren-Schlesien: Schles.-Ostrau geg. Pölonia Karwin 5:1, Prerau gegen Kral. Pol« 4:3, Bata Zlin gegen Han. Slavia 4:1, Mor. Slavia gegen Hussowitz 3:2. AuS der Slowakei wären als wichttgsteErgebnisse zu bezeichnen: FC Brutky gegen VAs Pretzburg 3:0, TTS Trenffchin gegen Ligetti Pressburg 5:0. Sonstige Fußballergebniff«. Laune TSV Saaz gegen Cechie 4:0.— Karlsbad: DSK Brüx gegen KFK 5:21 Die Folgen deS unfreiwilligen„Abbaus" l— Komotau: DFK gegen DFK Aussig 2:0.— Bilin: DFK gegen Sportbrüder Prag 6:1.— Gablonz: Bohemians Prag gegen BTK 1:1(1:1).— Reichenberg: RFK gegen DSB B.-Leipa 4:1.— Warnsdorf: WFK gegen SpVg Bodenbach 4:1.— Brünn: WAC Wien gegen Mor. Slavia 5:4(1:2), Eine Tagung deS DHA, der Spibenorganisa« tton des deutschbürgerlichen Sports, fand in Karlsbad statt. Zu vermerken wäre, daß u. a. Beschwerde über die mangelhafte Zusammenarbeit der einzelnen Verbände erhoben wurde, welche nun ein Arbeitsplan" beheben soll. Zum Vorsitzenden wurde wieder Wilh. Wilhelm gewählt. Am Sonn« tag gabs eine„Festversammlung", wohl zu dem einzigen Zweck, um dem Nazi-Gesandten für Olympiade-Angelegenheiten Dr. D i e Ni(Berlin) ein Forum für einen Werbevörtrag zu geben. Daß sich seine Ausführungen versteckt mit den im Dritten Reich herrschenden Anschauungen urst> Anmaßungen befaßte, versteht sich von selbst. Einen neuen tschechoflowakische« Schwimmrekord erzielte WeleS(Hagibor Prag) über 50 Meter Brust in 35.8 Sek. Der Film Fräulein Liselott- Sünde. Die Handlung dieses reichsdeutschen Films, in dem Bohemiens mit Lift und Liebe gezähmt werden, könnte man höflicherweise als„von Problemen unbeschwert" bezeichnen, wenn man sie nicht ehrlicherweise unsagbar albern nennen müßte. Die Darstellung hält sich an die hinreichend bekannte deutsche Lustspielfilm-Schablone, und die Sing-Schauspielerin MagdaSchneider in der Hauptrolle versucht durch neckisch betonte Koketterie zu ersetzen, war, ihr an natürlicher Heiterkeit und schlichter Innigkeit im Laufe der letzten Jahre verloren gegangen— und von plumpen Regisseuren ausgetrieben worden ist—ci-5 1— Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Der Filmfanatiker". A. Harold Llovd. —Alfa:„Flucht aus dem Paradies". A. Regie: E. Lubiffch.— Beranek:„Ein Kind fällt vom Himmel"". A. M. Chevalier.— Flora:„Barbara rast...". Tsch.— Hvkzda:„M ickey-Pro- gramm".— Kinema: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna:„Bezahlte Schuld". A.— Kotva: „Bosambo". A.— Lucerna:„Bosambo". A.— Metro:„Liebling". A. Shirley Temple.— Radi«: „Ein Kind fällt vom Himmel". A.— Skaut:„E>n Kind fällt vom Himmel". A.— Bajkal:„Barbara rast..Tsch.— Belvedere:„Barbara rast.. Tsch.—Beseda:„Die hohe SchuleA. D. Rudolf Forster.— Carlton:„Ball im Savoh". D. Alpar.— Favorit:„Die Rothschilds". A.— Liv«: „Ca v alca d e". A.— Louvre:„Barbara rast..“ Tsch.— Baldff:„Barbara rast.,Tsch. Wollen Sie M nrtu? 9 Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder H eine Frauenkrankheit? k Wollen Sie Ihren Urlaub schön und M billig verbringen? ÜB Heg Sie leg M WM! Bei erstki. Einrichtung, Fürsorge und Bedienung sind wir wirklich billig. In Bohdaneö erwartet Sie Genesung und Erholung. t- MM Saison 2. Mai bis 30. September I Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Ki 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst beredet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Pott- und Tele« graphendireltion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-. Verlags- und ZeitungS-L.-G.. Prag.