Einzelpreis 70 Hiller (•inKhli*6lich 5 Hallar Fort«) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. MD AKTION und Verwaltung HAO r»., fochova«l telefon 0077. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR* WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICH BI REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Sonntag, 19. Mai 1935 Nr.117 Wahlen im sechsten Krisenjahr Im tschechischen Lager siegt die Demokratie Im deutschen Lager siegt der Rassismus Henlein als Geburtshelfer einer alltschechischen Koalition Unser erstes Wort nach diesem folgenschweren Wahltag ist ein Gruß an die Treuen und Aufrechten, ein Gruß andieUnüber- kindlichen. Wir sind schwer geschlagen, aber nicht besiegt. Die Gegner triumphieren, Ihr Siegesjubel hallt durch die Städte und Dörfer, doch wir dürfen stolz erhobenen Hauptes unseres DtegeS gehen. Unterlegen ist nicht die Sache des Sozialismus, weil sie ewig und unbesieglich ist. Unterlegen ist die Vernunft des D o I1 e s. Kein Makel haftet an den Fahnen der Partei. Besudelt ist die Ehre jener, bie jahrelang die Früchte ihrer Leistung genossen und die ihr in der Stunde der Gefahr die Treue gebrochen haben. Die Geschichte wird der deutschen Sozialdemokratie dieses Landes noch doppelt Und dreifach jene Anerkennung für die geleistete Erbest zollen, die ihr am Wahltage versagt wor- den ist.' Die Partei Henleins bucht einen gewdl- ügen Erfolg. Was wird, was kann sie damit an- fangen? Unverdiente Siege können eine Partei niehr gefährden als. unverdiente Niederlagen. Kann Henlein nach dem Wahltage die Macht übernehmen, wie cS seine Anhänger erträumt bähen? Er soll es probieren. Kann Henlein die Ausfuhrschwierigkeiten unserer deutschen Exportindustrien befestigen und die Arbeitslostgkest abschaffen? Er soll sein Können unter Beweis stellen. Kann er die leeren Kassen unserer Gemeinden und Bezirke füllen, ohne Umlagen ein- luheben? Er möge das Zaubcrstück vollbringen. Indem Henlein in seinem Lager nun alle wirtschaftlichen Gruppen und alle sozialen Gegensätze innerhalb der Sudetendeutschen vereinigt, sind seine Hände gerade für die wichtigste Aufgabe gebunden: fiir die Bekämpfung der Krise, für die Linderung der Not. Auch in einer Partei ver- bunden können sich Arbeiter und Unternehmer nicht über die Arbeitszeitverkürzung versiän- bigen, Schuldner und Einleger nicht über das Schuldcnproblem, Großgrundbesitzer und Häusler nicht über die Fragen der Agrarpolüik. Vor den verschlossenen Toren der Regierungsmacht stehend, wird Henlein verurteilt sein, eine Phrasenhafte Agstationspolitik zu betreiben und seinen bunt zusammengewürfeltenAnhängern den llnterschied zwischen den Worten und den Taten des Fascismus vorzuführen. Er wird dabei nicht alle Schuld an der Wirtschaftskrise in den deutschen Gebieten dem Staate und den tschechischen Parteien zuschieben können. Wer am Sonntag Henlein wählte, der hat bewußt die Brücken zu der demokratischen Mehrheit des tschechischen Volkes abgebrochen. Der hat stillschweigend in Kauf genommen, daß mst der Schwächung der deutschen Regierungsparteien und bei der Regie- ningsunfähigkeit der fudeteudeutschen Fascisten- partei die Konturen einer neuen alltschechischen Koalition wieder am innerpolitischen Horizont austauchen. Wird es dann in nationaler und sozialer Hinsicht besser werden?Dasmußten dieWähler wissen. Sie haben alles auf eine Karte gesetzt. Noch nie hat eine deutsche Partei in diesem Staate soviel Stimmen auf sich ver- einigt. Nun muß sie zeigen, was sie kann, was sic ä u S e i g e n e,r K r a f t zuwege bringt. Wir werden Herrn Henlein nicht aus der 8ange der Verantwortung entschlüpfen lasten. Denn der sudetendeutsche FasciSmuS ist in der eigenartigen Lage, gesiegt zu haben, ohne zugleich bie Macht im Staate zu erobern. Daß beides, der Sieg und die Macht, nicht zu haben war und ohne Krieg nicht zu haben sein wird, daß nmßte der Generalstab Henlein- wissen. Wenn er trotzdem in der. Bevölkerung die. ver- rücktesten Erwartungen weckte— und das ist von Mund zu Mund geschehen— dann möge er zusehen, wie er sie nun erfüllen kann. Hier geht eö um einen Fascismus, der in der fatalen Lage ist, ohne das unentbehrliche Requisst des totalen Staates auskommen zu müssen. Er kann keine Arbeiterheime besetzen lassen, keine öffentlichen Stellen verteilen, keine Kerker und Konzentrationslager füllen, er kann seine Gegner nicht mundtot machen. Die demokratischen Grundrechte auch'der deutschen Bevölkerung bleiben gewahrt. Das Organisationsrecht und die Meinungsfreiheit der sozialistischen Arbeiter kann nicht ernstlich gefährdet werden. Wir werden davon Ge- , brauch zu machen wißen. Der sudetendeutsche Fascismus bleibt auch westerhin an die Grundregeln und Gesetze der demokratischen Republik gebunden. Das d a n ken wir dem Wahlsiege der tschechische nDemokratie. Man mag an der tschechischen Politik vom deutschen Stand- punkte vieles auszusetzen haben, nicht zu leugnen ist, daß das tschechische Volk am Sonntag einen imponierenden Beweis seiner politischen Reife abgelegt hat. Das Geschrei der Stkibrnh und Gajda hat keinen tschechisch-sozialdemokratischen Arbeiter oder republikanischen Bauern an seiner demokratischen Ueberzeugung irre machen können. Die erfolgreiche Behauptung der tsche- chischen Sozialdemokratie ist zugleich einer der größten Siege, die die mitteleuropäische Arbei- terbewegung im Kampfe um die Demokratie erfochten hat.' Unser Vertrauen in die tschechische Arbeiterklasse ist nicht enttäuscht worden. Sie hat nut ihrer Festtgkeit den freien Kampfboden für die Wiederanfrichtung der Demokratie und des Sozialismus im deutschen Lager gesichert. Denn so sehr wir uns hüten, den ganzen tragischen Ernst dieser Wahlentscheidung, zu-verkennen, so wenig wird es einen Sozialdemokraten geben, der den Henleinsieg vom 19. Mai als Schlußpunkt der sudetendeutschen Entwicklung anerkennen möchte. Es soll kein falscher Trost sein, sondern der Schlüssel zur notwendigen Orientierung, daß nicht nur der Landbund,' son- dcrn auch die oppositionellen Christlichsozialen und sogar die deutschen Kommunisten von der sascisttschen Welle schwer in Mitleidenschaft' gezogen wurden. Ohne der nottvendigcn gründlichen Klärung aller Ursachen des Nesulrates vom 19. Mai vorzugreifen, darf wohl heute schon gesagt werden, daß die Partei Henleins weniger durch eigenes Verdienst, sondern durch die vergängliche Anziehungskraft des reichsdeutschen Fascismus zur Höhe ihres Erfolges emporgetragen wurde. Wie lange ihr Stern leuchten wird und wie rasch er verlischt, das liegt weit- gehend bei der tschechischen Politik und der europäischen Entivicklung. Tie Entscheidung wird aber von der Wiedererweckung der demokratischen und sozialistischen Kräfte im deutschen Volke abhänge«. Das ist die Aufgabe. Das ist unser neues Kampfziel. Heute triumphiert der Nattonalsozialis- mnS. Morgen wird die soziale Frage wieder auf der Tagesordnung stehe«. Ter neue sozialistische Wellenschlag soll sich mit der Pcndel- • schwingnng zum Fascismus messe« können* Daß der 19. Mai nicht Schlusipunkt hinter das Schicksal der Partei war, sonder« A«s- ga«gspnnkt einer neuen Aufwärtsentwicklung der sudctcndeutschen Arbeiterbewegung sein wird, das danken wir der herrliche» Treue nnserer sturmbewährte« Kaders, die am 19. Mai die Fundamente neuer Siege aus dem Schlachtengetümmel gerettet haben. Ihne« gilt unser heißer Dank, ihnen gilt unser brüderlicher Grnß. Verbunden in Freud und Leid kämpfen die Manner und Frauen der sudr» tendeptscheu Arbeiterbewegung weiter bis zur Vernichtung des Fascismus, bis zum Siege des Sozialismus! Das vorläufige Wahlergebnis Die KramaF-Stribrnftront verliert noch ein Mandat Wir bringen nachfolgend die vorläufigen Gesamtwahlzlffern für das Abgeordnetenhaus. Die sich daraus ergebenden Mandatszahlen für die einzelnen Parteien beruhen nur auf vorläufigen Schätzungen: Republikaner......... Tschsl-Sozialdemok raten. Tschsl. Nationalsozialisten.... Kommunisten........ Tschsl. Volkspartei...... Auton. Block Hlinkas..... Tschsl. Gewerbepartei..... Fascistengemeinde...... Rationale Vereinigung der Beamten und Angestellten...... Schuldnerpartei....... Rationale Vereinigung K r a m ä i— ibrnh......... Deutsche Soz.»Dem..... Bund der Landwirte..... Deutsche Christlichsoziale..... Angarn u. sudetendeutsch. Wahlblock Sudetendeutfche Partei(Henlein). * 1 Tus Wahlergebnis vom 19. Mai ist vor allem charakterisiert durch eine deutliche Zwiespältigkeit. Während im tschechischen Lager keine wesentlichen Veränderungen statthaben, hat sich im d e u t s ch e n Seüor ein Erdrutsch vollzogen. Die Verschiebungen im tschechischen Lager scheinen vorwiegend durch den verschieden großen Anteil der einzelnen Parteien an dem Wähler- n a ch w u ch s bedingt zu sein, Diesmal rückten ja sechs neue Jahrgänge in die Front der Wähler ein und obendrein noch die letzten starken Vorkriegsjahrgänge. Erst vom nächsten Jahr ab wird der Wählernachwuchs abnehmen, und die Zahl der Wähler sich. stabilisieren. Während der Stimmenzahl nach die meisten tschechischen Parteien zugenommen haben, verlieren einige etwas von ihrem Mandatsbestand. Tie tschechischen Agrarier haben ihre Stimmenzahl, um rund 70.000 steigern können, aber trotzdem ein Mandat eingebüßt. Sie sind stimmenmäßig durch Henlein überholt worden, in den Mandaten um eines stärker als er. Nach den Gemcindewahlsn vdni Herbst hatte man mtt einem kleinen Mandatszuwachs der Agrarpartei gerechnet..Es scheint, daß ihnen die rigorose Handhabung der Steuereintreibung in der Slowakei und in Karpathorußland Abbruch getan hat und daß diese Gebiete ihnen entglitten sind. Sie haben dort an die Kommunisten und an Hlinka Stimmen abgeben müssen. Tie tschechische Sozialdemokratie folgt den Agrariern in demselben Abstand von Anzahl der 1935 Stimmen 1929 Mandate 1,176.517 1,105.429 45+1 1,034.804 963.312 38—1 755.931 767.571 28—4 849.485 753.444 30 615.851 623.522 23—3 564.267 425.052 22+3 448.004 291.238 17+ 5 167.440 —.— 6 10.212 1 10 1■ 5.961 —.— — 456358 1359.533 l 70.857 17— 1 299.925 506.750 11—10 142.388 396383 5—8 162.797 348.097 6—5 291.828 257.231 8—1 1,249.497 —.— 44 142.000 Stimmen wie im Jahre 1929. Auch für die tschechischen Genossen brachte der Osten der Republik nicht ganz das erwartete Ergebnis, so daß sie ein Mandat verlieren, während man vor der Wahl mit einem kleinen Zuwachs gerechnet hatte. Trr Gewinn an Stimmen beträgt 70.000. Die tschechischen Nationalsozialisten sind von 32 auf 28 Mandate, von 767.571 auf 755.931 Stimmen zurückgegangen. Sie verlieren den dritten Platz und rücken hinter die Kommunisten, die mit rund 100.000 Stimmen Gewinn ihre Dkandatszahl gerade behaupten konnten.Das Ergebnis bei den Kommunisten ist zwiespältig. Während sie im Osten stark, in den historischen Ländern bei den Tschechen mäßig gewinnen, verlieren sie in den deutschen Bezirken 50 Prozent und mehr. Bis zu,einem' gewißen Grade ist der Wahlausfall bei den Kommunisten eine Ueberraschung. Sie haben augenscheinlich von ihren ehedem organisierten Parteigängern einen sehr großen Teil an die Sozialdemokratte verloren, dagegen aus den Reihen der Nichtorganisierten, vermutlich vor allem aus den Reihen der ausgesteuerten Arbeitslosen uncr« warteten SukkurS erhalten, der in der Wahlkampagne selbst nicht sichtbar geworden war.. Die tschechischen Klerikalen verlieren 8000 Stimmen und drei Mandate. Ihr Verlust wird für den katholischen Block einigermaßen eingebracht durch den Erfolg HlinkaS, der allerdings durch das Bündnis mit Kurtyakund R ä z u s, den beiden Autonomisten, drei Mandate gewinnt. Dagegen ist der katholische Block durch den Seite 2 Dienstag, 21. Mai 1935 Nr. 118 »Jetzt hab ich gerade genug von Ihren Keckheiten," sagte der Vorsitzende.„Kein solches Wort Mehr. Benehmen Sie sich anständig und bleiben Sie bei der Sache. Die Frage lautet» warum treiben Sie die Lumpereien?" «Ich habe Ihnen, Herr Vizepräsident, soeben teilweise erklärt, daß ich das Opfer verschiedener Krankheiten bin. Sollte sich noch jemand wundern, so will ich ihm sagen: Was bleibt einem so unglücklichen Menschen übrig als Stehlen? Weil ich so unglücklich war..., weil mich noch nie die Sonne des Glückes beschien..." Jetzt war es kein Spiel mehr, jetzt ein Schmerzensschrei, der alle Anwesenden erschütterte:„Ein Lump? Vielleicht, aber ein Unglück' licher Lump... Ich bin äin Kind der Finsternis..." „Da schau her," entschlüpfte es dem verschwitzten Vorsitzenden, und er überlegte, ob er tatsächlich nicht übermäßig streng gegen Beinsteller gewesen war. Nicht er allein war in seiner inneren Sicherheit erschüttert. Der Staats- v anwalt, der bis jetzt mit feiner Nagelfeile gespielt hatte, legte diese beiseite und betrachtete mit grenzenlosem Staunen das Kind der Finsternis. Zum erstenmal im Leben dachte er: Dieser Beinsteller ist auch ein Mensch. Auch die Votanten härten auf, sich an den Mißerfolgen des Vizepräsidenten zu belustigen, und mußten plötzlich an di« große Zahl der Menschen denken, die st: verurteilt hatten, wobei ihnen nur die Paragraphen maßgebend gewesen waren. Sogar die berühmten Diebe im Auditorium wurden senti- Derlust von 8 Mandaten der d e u t s ch e n Klerikalen absolut geschwächt. Die tschechische Gewerbepartei bedeutet im tschechischen Lager den einzigen Ueberraschungscoup. Sie hat ohne große Anstrengungen als einzige demokratische Oppositionspartei bei den Tschechen 187.000 Stimmen und fünf Mandate gewinnen können. Ihr Aufstieg beweist, daß der tschechische Wähler, auch wenn er oppositionell stimmte, doch Wert darauf legte, demokratisch zu wählen. Während die Gajda-Fascisten wider Erwarten in Mähren einen ansehnlichen Erfolg zu verzeichnen haben und sechs Mandate ausbrin- gen, ist die selbständige Angestelltengruppe kläglich geschestert, desgleichen die Schuldnerfront de» Herrn Weinlich, die nur etwa 6000 Stimmen im Staate aufbrachte. i Die größte Enttäuschung erlebte die ZI a- tostiibrnäfrontader Herren Kramäk und Stkibrny, die als stärkste Partei au» de« Wahlen hervorgehen wollte und statt deffen mit einem Verlust von einem Mandat abschließt. Unter den Deutschen sind die kleinen Parteien vernichtet. Die Mittelparteien sind zu Keinen Fraktionen herabgedrückt. Der L a ti d- b u n d wird fünf Abgeordnete, di« Christlich« sozialen werden sechs zählen, die Landbünd« ler aber keinen Senator mehr haben. Die Henlein« front, von den Herren. Spina, Hilgenreiner und Konsorten aufgepäppelt, hat ihre Nährväter erschlagen. Um so mehr bleibt die deutsche Sozialdemokratie trotz des schmerzlichen Verlustes von 10 Mandaten der demokratische Fel», der allein der Flut des FasciSmuS entgegengestellt werden kann. Wahlkreis Vü, Karlsbad Wahlzahl 29.151 1. Tschech. Agrarier 3.744 (1.881) 2. Tschech. Soz.-Dem. 4.633 (2.974) 3. Tschech. Rat.-Soz. 4.751 (3.908) 4. Kommunisten 20.638 (37.377) 8. Tschech. Volkspartei 451 (372) 6. Deutsche Soz.-Dem. 57.115 (106.483) 8. Bund der Landwirte 21.542 (49.017) 9. Deutsche Chr.-Soz. 13.847 (40.698) 10. Tschech. Gew.-Partei 569 (670) 11. Ungarn und Sudeten deutscher Wahlblock 1531 12. Henlein 218.005 15. Schuldner 909 16. Rat. Vereinigung 2.083 (1.531) Wahlkreisergebnisse Wahlkreis I A, Prag I. Tschech. Agrarier 86.087 (88.120) 2. Tschech. Soz.-Dem. 85.714 (79.981) 3. Tschech. Rat.-Soz. 91.676 (104.771) 4. Kommunisten 72.416 (58.905) 5. Tschech. Volkspartei 49.949 (45.715) 6. Deutsche Soz.-Dem. 2.040 (2.295) 7. Slowak. Bolkspartei —- •— 8. Bund der Landwirte 816 — 9. Deutsche Chr.-Soz. 1.155 (1.702) 10. Tschech. Gew.-Partei 47.738 (29.638) 11. Ungarn und Sudeten- deutscher Wahlblock 1.654 — 12. Henlein 6.400 — 13. Fascisten 10.816 — 14 Beamtenpartei 2.481 — 15. Schuldner — — 16. Rat. Vereinigung 90.485 (71.275) 548.122 (496.166) Wahlzahl 22.838. Wahlkreis 1 v Prag Wahlzahl 22.850. 1. Tschech. Agrarier 96.020 (95.531) 2 Tschech. Soz.-Dem. 98.002 (92.911) 3' Tschech. Rat.-Soz. 103.536 (117.641) 4. Kommunisten 77.517 (57.998) 5. Tschech. Bolkspartei 54.539 (52.262) 6. Deutsche Soz.-Dem. 2.181 (2.376) 7. Slowak. Bolkspartei — — 8. Bund der Landwirte 1.968 (7.588) 9. Deutsche Chr.-Soz. 802 (1.432) 10. Tschech. Gew.-Partei 56.888 (32.974) 11. Ungarn und Sudetendeutscher Wahlblock 896 13. Henlein 7,100 .— 18. Fascisten 21.089 — 14. Beamtenpgrtei'' 3.878 ■__. ■15. Schuldner —' 16. Rat. Vereinigung 92.894 (67.863) Wahlkreis n, Pardubitz 1. Tschech. Agrarier 57.139 (57.654) 2. Tschech. Soz.-Dem. 48.873 (49.863. 3. Tschech. Rat.-Soz. 87.953 (41.756) 4. Kommunisten 18.937 (15.955) 5. Tschech. Volkspartei 39.247 (41.213) 6. Deutsche Soz.-Dem. 7.116 (9.030) 7. Slowak. Volkspartei — — 8. Bund der Landwirte 8.596 — 9. Deutsche Ehr.-Soz. 4.119 ■(7.032) 10. Tschech. Gew.-Partei 25.423 (16.861) ■ 11. Ungarn und Sudeten- deutscher Wahlblock 964 —* 12. Henlein 11.996 —— 13. Fascisten 11.802 14. Beamtenpartei — — 15. Schuldner 493 — 16. Rat. Bereinigung 14.464 (11.907) 287.062 (267.897) Wahlkreis M, Köntggrdtz Das endgültige Wahlresultat diese» Kreises liegt bei RedaktionSschluß noch nicht vor. Die Deutschen Sozialdemokraten erhielten in diesem Kreise 15.180 Stimmen. Wahlkreis V, 1. Tschechische Agrarier Dfthm. Lelpa 3365 (2.656) 2. Tschech. Soz.-Dem. 12.815 (10.501) 3. Tschech. Nat.-Soz. 14.137 (12.093) 4. Kommunisten 24.475 (42.016) 5. Tschechische Bolkspartei 1467 (1.433) 6. Deutsche Soz.-Dem. 49.829 (90.131) 8. Bund der Landwirte 20.890 — 9. Deutsche Chr.-Soz. 20.418 (50.555) 10. Tschechische Gew.-Partei 2.854 (1.643) 11. Ungarn Und Sudeten deutscher Wahlblock 3.525 12. Henlein 226.842 — 13. Fascisten 1.002 — 16. Nationale Bereinigung 1.919 (3.468) 884.458 Wahlzah 29.573. Wahlkreis n Laun 1. Tschech. Agrarier 44.252 (88.579) 2. Tschech. Soz.-Dem. 65.207 (60.824/ 3. Tschech. Nat.-Soz. 56.526 (63.263) 4. Kommunisten 70.587 (.74.488) 5. Tschech. Bolkspartei 10.654 (10.228) 6. Deutsche Soz.-Dem. 39.223 (66.090) 7. Slowak. Volkspartei — — 8. Bund der Landwirte 10.813 (81.294) 9. Deutsche Chr.-Soz. 8.466 (25.049) 10. Tschech. Gew.-Partei 27.908 (18.128) 11. Ungarn und Sudeten deutscher Wahlblock 1.914 12. Henlein 137.690 — 13. Fascisten 2903 — 14. Beamtenpartei — — 15. Schuldnerpartei — — 16. Nat. Vereinigung 29.666 505.309 (25.716) Wahlzahl 29.573. Wahlkreis X, Iglau 1. 2. 8. 4. 6. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 18. 14. 18. 16. Tschechische Agrarier Tschech. Soz.-Dem. Tschech. Narionalsoz. Kommunisten Tschech. Vollspartei Deutsche Soz.-Dem. 80.104(44.404) 24.658(25.787) 17719(18.129) 12.881(16.010) 39.288(42.324) 5.871(9.911) Slolvakische Volkspartei— Bund der Landwirte 7.038 Deutsche Christlichsoz. 14.468 Tschech. Gewerbepartei 18.008 (19.232) (28.078) (11.027) Ung. Parteien u. Sude tendeutscher Wahlblock 1838 Sudetendeutsche Partei 44.802(14.981) tlrüher DNSAB. u. LNP.) Fascistische Partei 1083 Rationale Vereinigung d. Beamten u. Angestellten 12.058 Schuldnerpartei— Nationale Vereinigung 36.086(31.037) Wahlkreis XI, Bronn 1. Tschechische Agrarier 77.175 (56.454) 2. Tschech. Soz.-Dem. 60.078 (56.597) 3. Tschech. Nationalsoz. 73.280 (70.000) 4. Kimmunisten 43.120 (42.555) 5. Tschech. Bolkspartei 72.564 (83.016) 6. Deutsche Soz.-Dem. 17.440 (24.840) 7. Slow. Bolkspartei — — 8. Bund der Landwirte 5.655 (18.828) 9. Deutsche Christlichsoz. 13.893 (19.829) 10. Tschech. Gewerbepartei 32.813 (19.553) 11. Ung. Parteien u. Sude - tendeutsch. Wahlblock 4.022 — 12. Sudetendeutsche Partei 41.447 — (18.116 DNAlP. u. DRP.) 18. Fasciftische Partei 13,945 14. Nation. Bereinigung d. Beamten u. Angestellten 2.251 15. Sckuldnerpartei ,—' — 16. Rat. Vereinigung 15.022 (13.046) 457.205 Wahlzahl 26.894 Wahlkreis xn, Olmfltz 1. 2. 3. 4. 8. 6. 7. 8. Tschech. Agrarier Tschech. Soz.-Dem. Tschech. Nationalsoz. Kommunisten Tschech. Bolkspartei Deutsche Soz.-Dem. 68.819 58.980 31.484 30.316 64.685 28.674 Slowakische Bolkspartei Bund der Landwirte 16.632 9. Deutsche Christlichsoz. 23.505 (88.088) (64.314) (28.687) (28.611) (68.861) (42.319) (32.744) (45.608) 10. Tschech. Gewerbepartei 81.800(20.160)' 11. Ung. Parteien u. Sude lendeutscher Wahlblock 8986 12. Sudetend. Partei 103.695 18. Fasciftische Partei 2133 14. Nation. Vereinigung d. Beamten u. Angestellten•— 15. Schuldnerpartei 16. Nation. Bereinigung 19,482(15.001) 480.491 Wahlzahl: 26.499 Wahlkreis xm, Cng. nradlsdi 1. Tschech. Agrarier 52.020 2. Tschech. Soz.Dem. 31.722 8. Tschech. Nationalsoz. 21.744 4. Kommunisten 21.503 5. Tschech. VollSpartei 63.205 6. Deutsche Soz.-Dem. 551 7. Slowakische VoUspartei— 8. Bund der Landwirte—- 9. Deutsche Christlichsoz. 233 10. Tschech, Gewerbepartei 17.825 11. Ung. Parteien u. Sudetendeutscher Wahlblock— 12 Sudetend. Partei 941 18. Fascistische Partei 11.874 14. Nation. Bereinigung d. Beamten u. Angestellten— 15. Schuldnerpartei— 16. Nation. Vereinigung 9.317 231.035 (85.487) (27.190) (18.501) (22742) (68.240) .(823) (462) (11.950) (7.842) Wahlzahlr 28.879 Wahlkreis XIV, Mähr. Ostrau 1. Tschech. Agrarier 42.406(35.122) 2. Tschech. S-z.-Drm. 93.523(95.786) 3. Tschech. Nationalsoz. 53.942(42.275) 4. Kommunisten 67.128(52.218) 5. Tschech. Volkspartei 65.858(55.994) 6. Deutsche S-z.-Dem. 23.255(36.984) 7. Slow. Bolksp.(Polen) 28.580( 66.039) 8. Bund der Landwirte 7.489(19.265) 9. Deutsche Christlichsoz. 20.886(35.644) 10. Tschech. Gewerbepartei 25.480(14.834) 11. Ung. Parteien u. Sude tendeutscher Wahlblock 2.820— 12. Sudetend. Partei 111.023 (61.163 DNSAP. u. D?M 18. Fascistische Partei 8.425— 14. Nation. Bereinigung d. Beamten u. Angestellten—— 15. Schuldnerpartei—— 16. Nation. Bereinigung 80.464(25.512) 580.999 Wahlzahl: 30.579 Slowaklsdie Wahlkreise 1. Tschechische Agrarier 286.789 2. Tschechische Sozialdemokraten 184.390 3. Tschechische Nationalsozialisten 51.999 4. Kommunisten 210.676 5. Tschechische Volkspartei 37.514 6. Deutsche Sozialdrmokr, ten 5.409 7. Slowakische Volkspartei 489.588 8. Bund der Landwirte 256 9. Deutsche Christlichsoziale— 10. Tschechische Gewerbepartei 42.005 11. Ungarn und Wahlblock 230.701 12. Sudetendeutsche Partei 27.576 13. Fascisten 32.602 14. Beamtenpartei— 15. Schuldnerpartei 546 16. Nationale Bereinigung 25.490 24 Roman von Emil Vachek DieÄnerstöse Deutsch von Anna AurednKek mental. Kurz, alle unterlagen einer rührseligen Stimmung, mit Ausnahme des Geheimdetektivs, der neben Fräulein Sophie saß. Dieser Mann hatte vor einigen Minuten Fräulein Magdalena bemerkt und ließ sie seither nicht aus den Augen. Er dachte mit solcher Konzentration daran, wie gut die Küste dieses feschen Mädels wären, daß er weder sah noch hörte. Es entging ihm sogar, daß Beinsteller, von seinen eigenen Worten am meisten ergriffen, in sich zusammensank wie ein Gebäude, über das der Sturm hinwegfegt. Es war bemerkenswert, daß der schneidige Kvech, der Schrecken aller Diebe, nicht wagte, die Stille mit einem scharfen Angriff auf Beinsteller zu unterbrechen. Er wartete geduldig, bis der Angeklagte wieder das Wort ergriff. Endlich ließ sich Beinsteller vernehmen:„Es hat bei meiner Geburt schon angefangen, eigentlich vor meiner Geburt. Hoher Gerichtshof, meine Mutter hat mich als Ledige zur Welt gebracht. Damals war es nicht eine so große Ehre wie heute, wenn ein kleiner Bastard geboren wird." „Beinsteller", sagte der Vorsitzende, der sein Gleichgewicht teilweise wiedergewonnen hatte,„ich möchte nur wissen, wie die goldene Uhr in diese Geschichte kommt." «Wäre ich damals nicht geboren worden» hätte ich die Uhr nicht stehlen können." Gelächter. Der Vorsitzende wurde feuerrot, fühlte sich aber so geschlagen, daß er weder das Publikum noch den frechen Angeklagten zu verdonnern vermochte. Er sagte nur:«Zur Sache". „Meine Sache, hohes Gericht, ist nicht die Uhr. Meine Sache ist mein ganze- verfehltes Leben. Es ist meine Mutter, die mich nicht einmal so liebhaben konnte, wie sie wollte— die Aermste , weil sie meinethalben zuviel leiden mußte. Meine Sache ist es, wie ich auf die Welt gekommen bin, ein armes, schwaches— mit Erlaubnis auSgekotzte» Geschöpf. Ich habe mich damals so geschämt, daß ich nicht einmal atmen konnte. Die Frau Hebamme mutzte nachhelfen und mich ordentlich in den Rücken puffen. feo geschah eS, daß ich auf meinem Lebensweg von den Menschen zuerst immer Schläge bekam. Als die Hebamme dann Geld verlangte, hat ihr mein Mutter! gesagt:„Ich hab' keins, warten Sie, bis ich wieder arbeiten kann, Gott wird's Ihnen vergelten." Darauf hat die Hebamme gesagt:„Dann soll's der liebe Gott, liebes Fräulein» statt meiner tun..und ließ meine Alte im Fieber liegen." Das Publikum atmete kaum. Einer der kleinen Diebe war so gerührt, daß er zu pfeifen anfing:»Wer will unter die Soldaten", bis ihn Herr Hala beim Kragen packte und aus der Tür sckob. Einige Frauen weinten bereits. Am meisten weinte die Loisis, weil sie wußte, daß Damen unglückliche Menschen stets bedauern. Fräulein Sophie faß mit geröteten Augen da und starrte Beinstellers Rücken an, als wollte sie bis zu sei« nem Herzen gelangen und ihn trösten. „Dann habe ich", fuhr der Angeklagte fort, „alle möglichen und unmöglichen Krankheiten verkosten müssen. Keuchhusten, Scharlach, Blattern, auch die, die man Englische Krankheit nennt. Hohes Gericht! Ich habe damals alles mitgemacht, was so ein armer Wurm mitmachen kann, und die Mutter hat mich getröstet:„Wein' nicht, mein Rotköpfchen, wein' nicht, nie!» Feueksalamander- chen"— ich habe nämlich zu allem diese blöde rote Perücke bekommen—,„bis du Soldat bist, wirst du pumperlgesund sein." Bei diesen Worten kehrte sich Beinsteller dem Publikum zu und sagte mit unbeschreiblichem Hohn:„Hier sehen Sie den Soldaten! Ich habe sogar die Hoffnung aufgeben müssen, ein normaler Mensch zu werden. Al» ich mich aus all dem Unglück herauSgekratzt hatte, fiel ich so unglücklich au» der Wiegt, daß ich eirte krumme Schulter bekam. Und damit war alle» zu Ende, hoher Gerichtshof! Damit war alles vorbei. Bald war mein Buckel größer als mein Kopf." Beinsteller verstummte, die Zuhörer atmete« kaum. Der Vizepräsident, der di« Hoffnung schon aufgegeben hatte, die Verhandlung zu beherrschen und mit seinem Geist zu Ritzen, war ergriffen. Rur der Detektiv neben Fräulein Sophie sah und härte nicht-, wußte nicht-, al- daß Fräulein Magdalena reizvoll war. Beinsteller ober stand mit brennenden Augen da, es sehlte nid’t viel und er wäre in Tränen au-gebrochen. Jetzt fiel sein Blick auf das Gefickt de- StaatSanwal» teS. Ihm schien, daß dieser lächelte. Das bewahrte Beinsteller vor der Demütigung deS unmännliche» Weinens. Seine Rührung wich dem Haß, de» Beinsteller stets für Staatsanwälte empfand und der sich nun besonders stark fühlbar machte. „Der Herr Staatsanwalt lacht", fuhr er gift tig auf,„er soll sich nur vorstellen, selbst ein Bastard zu sein und eine Kasse auf dem Rücken zu tragen. Ich will niemanden beleidigen, abtt es ist möglich, hätten wir bei der Geburt getauscht- so säße der Herr Staatsanwalt jetzt auf meinen Platz und ich auf dem seinen." Jemand lachte auf. Ein ganzer Chor folgte dem Beispiel. Der Vorsitzende erwachte au» seiner Lethargie und brüllte:„Das ist keine zulässige Verteidigung, Beinsteller, noch eine ähnliche Be» merkung und Sie sollen mich kennenlernen I" „Ich werde also den Herrn Staatsanwalt nicht mehr mit meinen Sachen in Verbindung bringen", versprach Beinsteller. Er war sonst wie ein Lämmchen.„Ich darf aber vielleicht so» gen, wenn Christus, der Herr, an seiner Stelle säße, würde er die Anklage hinschmeitzen, bie Arme au-breiten und sagen:»Leute noch wüst du, Ferdinand..." „Im Dunkelarrest sitzen!" schrie wieder der Vorsitzende.„Ein Jubiläum ist ein JubiläüiN, aber bis hierher und nicht weiter." Leinsteller krümmte sich wie der Paragraph deS erzürnten Staatsanwalts. Wortsetzung folgt.)j Nr. 118 DienStas, 21. Mai 1938 Seite 3 Wahlen der Illusion Genossinnen und Genossen! Was Henlein depeschiert Der Ständige Ausschuss hält am Freitag. ter angestrebt wird. Rich beherrscht jetzt Regime-reist Sitzung ab. die tschechischen Machthaber vor dem Anwachsen der Henleinbewegung nicht zu erschrecken, dennoch sollten sie sich die Frage vorlegen, ob tms Ausland darin eine Konsolidierung des Staates erblicken wird, wie sie bei einer manchmal weniger engherzigen Staatsführung sicher eingetreten wäre. Zusammengefaßt: die Wähler, die sich eingebildet haben, durch Abgabe des Stimmzettels für die Sudetendeutsche Partei einen wuchtigen Streich gegen nationales und soziales Unrecht geführt zu haben, werden bald merken, daß es ein Schlag war» der das gesamte Sudetendeutschtum schwer getroffen hat. Di« Erwartungen, welche die Wähler Henleins hegen, sind infolge der vor keiner trügerischen Verheißung zurückschreckenden Agita- Ein schwerer Wahlkampf ist vorüber. Tausende treuer, begeisterter, opferbereiter Vertrauensmänner, Männer und Frauen, Junger und Alte, haben Tag und Nacht für di« Ide« des Sozialismus und für unsere Partei gearbeitet und gewirkt, haben dem Haß, der unS entgegenschlug, getrotzt und der Unvernunft und hohlen Phrase die Aufklärungsarbeit, den Appell an die Vernunft der Massen, entgegengesetzt. In hunderten und aberhunderte« Versammlungen haben wir zu den arbeitenden Menschen gesprochen und Zehntausende für daS große Werk begeistert, dem wir dienen. Wir haben in diesen Kundgebungen ebenso wie am 4. November 1934 und am 1. Mai 1938 daS Beste, waS im Proletariat steckt an Treue und an Idealismus, um unS geschart— eine Masse, die durch jahrelange AuftlärungS- und Kulturarbeit der Sozialdemokratie mit den Männern und Frauen ihrcS Vertrauens unauflöslich verbunden ist und von der nur der Flugsand der Halben und der Lauen weggeschweinmt wurde. Genossinnen und Genossen! Keiner von nnS darf und wird verzagen. Wir find alle durch eine harte Schule gegangen. Die Aelteren von unS Haven manch stolzen Sieg, aber auch manche schmerzliche Niederlage der sozialistischen Arbeiterbewegung mitgrmacht, di« Jüngeren find in ein« harte Zett hineingeboren worden, di« Mut tion seiner Partei groß, er wird dagegen nicht ein Quentchen dieser Hoffnungen zu erfüllen imstande sein. Da ihm auch nicht wie Hitler die Möglichkeit geboten sein wird, diejenigen, die ihn an die Einhaltung seiner Versprechungen erinnern, in«in Konzentrationslager sperren zu lassen und sich unbequeme Mahner vom Leibe zu halten, werden es die demokratischen Spielregeln bald dahin bringen, daß die Giftblase des heimischen Fascismus ebenso rasch wie sie gefüllt wurde, wieder zerbirst. Bis dahin kann der durch Henlein neu zum Leben erweckte nationalistische Radikalismus dem sudetendeutschen Volke schwersten Schaden zufügen, doch es scheint, daß auch Massen wie ost genug der Einzelne erst durch Schaden klug werden. Die Zusammenkunft In Tabor „Neberetnstimmende Auffassung über die Ziel« T ä b o r. In Sezimova Dstt bei Tckbor hat eine Zusammenkunft zwischen Außenminister Dr. Benes und dem österreichischen Außenminister Berger-Walden egg stattgefunden. Gegenstand der mehrstündigen Unterredung waren zahlreiche politische und wirtschaftliche die beiden Staaten betreffende Fragen, wobei besondere Aufmerksamkeit der beschleunigten Vorbereitung der Römischen Konferenz gewidmet war. Die im Geiste aufrichtiger Freundschaft geführte Unterredung zeigte, daß beide Minister alle Ziele übereinstimmend auffassen, di« di« politische und wirtschaftliche Beruhigung Mitteleuropas sowie die Mittel, die auf diese Ziele gerichtet sind, im Sinne haben. und eisern« Nerven, Standhaftigkeit ebenso wie Entschlossenheit verlangt. Ei« Sozialdemokrat wird nicht übermütig im Siege und kleinmütig in der Niederlage. Sowohl Sieg als auch Niederlage waren«ns stets Aufgabe. Eine Aufgabe liegt auch jetzt vor unS■— jetzt et ft recht! Wir werden für den Sozialismus, für denFrieden, für die Demokratie, für das größere Stück Brot, für mehr Kultur mtt aller Energie, mit verdoppeltem Trotz weiterkämpfen. Am Sonntag find die Wahle« in die Selb st Verwaltung. Wir habe» in den Ländern und Bezirke« fruchtbare wirtschaftliche, soziale und kulturelle Arbeit geleistet, haben getrachtet durch öffentliche Arbeiten die Rot zu lindern. ES gibt keine Atempause im Kampf des Proletariats um seine Befreiung. In dem Jubelge« heul der verbissenen Gegner deS proletarischen Aufstieges ertönen aufS neue die Fanfaren, die unsere Reihen zu neuem Kampfe rufen. Wir sind alle Soldat« deS Kampfes um die Befreiung der Menschheit. Eine Schlacht ist ge- schlagen, der Krieg geht weiter— ein Krieg, der nicht anders enden kann alS mit dem Siege deS Sozialismus. Die kapitalistische Welt bricht zu- sammeu, kein Hitler und Henlein werd« sie retten. Schließt die Reih« und vorwärts für daS große Ideal der MmfchheitSbesteiung! Ein Leser unseres Blattes teilt uns folgendes mit: ."„Unter den Passagieren deS D-ZugeS, der mittags von Bodenbach nach Prag fährt, befanden sich einige Leute mit SH F- Abzeichen, sichtlich Studenten, die im Siegestaumel allerhand große Reden führten. Sie unterhieüen sich mtt r« ichS« deutschenPassagieren(dieser Zug wird von Tschechen wenig benützt).und erklärten u. a.: Vie tschechische Presse zu den Wahlergebnissen Da die vollständigen Resultate noch nicht Vorlagen, konnten die tschechischen Montagsblätter nur den ersten allgemeinen Eindruck wiedergeben, welchen der Wahlausgang Hexvorgerufen hatte. Während die Zeitungen des NärodNt sjednoceni sichtlich enttäuscht zurückstecken, stellen die Blätter aller anderen Richtungen übereinstimmend fest, daß der Sonntag der Partei Kramät und Stribr» nhS nicht Nur keinen Erfolg, sondern— wenn man die Hoffnungen der tschechischen Rechten berücksichtigt,— eine Niederlage gebracht haben, während die sozialistischen Parteien das Feld behauptet haben. Ganz deutlich zeichnen sich die Auswirkungen der d c u t s ch c n Wahlergebnisse auf die Haltung der tschechischen Oeffentlichkeit ab. Das Närodni sjednoceni hat die glückliche Chance, welche ihr Henlein bietet, sofott richtig erkannt und fetzt schon in den zweiten Ausgaben ihrer Zeitungen den Ruf nach der Einigung de« tschechischen Volkes verstärkt kort. Aber auch in den volkspartei« lichen„Lidovi Lisch" wird der Gegensatz zwischen dem Ergebnis im deutschen und tschechischen Lager in dieser Richtung betont. Die bürgerlichen Parteien reagieren auf den Erfolg Henlein- so, wie zu erwarten war: Mit Mißtrauen und Feindseligkeit gegen alle Deutschen. Die Linksblätter heben die Gefahr für die demokratische« Grundsätze und für die staatliche Sicherheit hervor. Pravo Lid«: Die deutsche Sozialdemokratie hat allein den schweren Kainpf gegen da- Henleinsch» Hakrnkreuzlertum geführt, einen ungleichen, ad;r ehrenvoll« Kampf. Sie kennte die Schlammflut von Lügen nicht aufhalten, noch die Kraft, welch« au- den überreichen Geldquellen floß. ES standen hinter ihr die Scharen ausgehungerter Arbeiter, per Arbeit-losen. der arm« Gebirgsbewohner und dennoch hat sie sich bi- zum letzten Augenblick geschlagen. Sie hat für unsere Republik geblutet, ja für«User« Republik, sie, deren Wahlplakate von allen am Meisten zeugten von der ehrlichen Liebe zu dem Lande, in dem der deutsche Arbeiter schwer ringt« müh um einen Bissen Brot. Die deutsche Sozialdemokrat io hat sich um den Staat verdient gemacht toi« wenig«. Wenn sie inS Parlament geschwächt zurückkehrt, mtt einem von Narben bedeckten Körper, der viele Gefechte hinter sich hat, kehrt sie ehrenvoll hotthin zurück, denn der Kampf, den sie geführt hat, war«in tapferer Kampf um die höchsten Güter der Menschheit, um die Freiheit, um daS Recht, um Sittlichkeit und soziale Gerechtigkeit. Der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft darf dies« ehrenvolle Arbe.t nicht vergessen werden! Lidove Roviny: Für die prakttsche Politik sind die Stimme«, welche für die extremen Parteien abgegeben wurden, für die Fascisten, die National« Vereinigung, d'« Kommunisten und die Henlesn-Leute verlort«: st« sind zur politischen Nichtigkeit verurteilt. E- sind ihrer allerdings nicht wenige. Die Regierungsmehrheit wird sie nicht außer Acht lassen können. Es ist eine staatliche Notwendigkeit, paß die neu« Koalition innerlich konsolidierter sei, und daß zwischen ihre« Parteien größere Loyalität und größere» Vertrauen sei, als«» bisher der Fall war.... Der groß« Erfolg Henleins, die andauernde soziale Unzufriedenheit, welche in prr Zahl der Kommunisten und durch den immerhin großen Teil offener und getarnte? Fascisten-um Ausdruck gekommen ist— da- alle» sind genügend warnende Anzeichen, welche nicht unterschätzt werden dürfen. Di« neue Koalition muß ein konkrete» Arbeitsprogramm haben, sie muß ihre Arbeit und ihre Produktivität erhöhen. Der Aufgaben sind nicht wenige. Einige Schwierigkeiten find gewachsen. Nur eine arbeit-same demokratisch« Koalition, innerlich geeinigt und entschlösse« zu positiver zielbewußter Tätigkeit, erfüllt mit dem Pe« wußtsein politischer und sittlicher Verantwortlichkeit, wird iasstande sein, die schweren Aufgaben zu bezwingen, die ihrer warten. Ceste Slovor Der Erfolg Henlein- wird für di« Deutschen weitgehend« Folgen haben und wird große Vorkehrungen erfordern— solche, die auf den deutschen Geist und den deutschen Charakter Eindruck machen —, welche die Nationalsozialisten lange vor den Wahlen verlangt haben. Diese Reserve erwie- sich jetzt al- Te-el, den man lo-gelafsrn hatte. Nnd wenn auch$ mlein mit seinem Riesenerfolg die Verhältnisse in der Republik nicht an» dem Gefüge bringen kann, so ist er doch eine Tatsache, welche ohne erwste- Nachdenken nicht übergangen werden darf ... Zögern und Schwanken kann man da nicht. Schachte erster Schritt zur Inflation Berlin. Die Golddiskont-Bank, rin der Reichsbank angegliedertes Finanzinstitut, gibt Wechsel aus, die in 90 Tagen fällig find. Die ReichSbank bringt diese Wechsel bei verschiedene» Banke» und Kredttinstttuten unter. Die Berliner Finanzkreise sehen dies« Entscheidung der ReichSbank als erste JnflationS- Das bedeutungsvollste Ergebnis der sonn- f, tägigen Wahlen ist unzweifelhaft die große Politische Umschichtung im deut« ■ scheu Sektor. Während auf tschechischer Seite die Verschiebung im Kräfteverhältnis der k. einzelnen Parteien nicht sehr wesentlich ist, find die Veränderungen bei den Deutschen grundlegender Art und können nicht ohne polittsche Folgen r bleiben, die allerdings in ihrem Wesen und ihrer ? Tragweite noch nicht abzusehen sind. Was sich— eine Wertung des Wahlergebnisses in anderer Richtung bleibe Vorbehalten— als erstes Urteil über die Wahlen sagen läßt, das ist: die Henlein-Gruppe hat Erfolg zu buchen, die alle Erwartungen, wie alle Befürchtungen Lber- * treffen, doch ebenso groß wie dieser Sieg des HenleinfascismuS ist der B e r l u st, der dem t Sudetendeutschtum zugefügt wurde, was jenen, die ihren Wünschen und Sehnsüchten am besten durch die Abgabe deS HenleinStimmzettelS Ausdruck zu verleihen glaubten, bald zu schmerzlichem Bewußtsein kommen wird. Dem ungewöhnlichen WahlauSfall im deutschen Lager entspricht durchaus die ungewöhnliche Atmosphäre, in der diese Wahlen sich vollzogen haben. Seit gut fünf Jahren lastet die Wirtschaftskrise mit ungeheurer Wucht besonders auf den Menschen in den sudetendeutschen Gebieten deS Staates und alle Anstrengungen, die vor allem von den deutschen Sozialdemokraten mit grenzenloser Hingabe fortgesetzt wurden, um die Elendszustände zu lindern, konnten nicht verhindern, daß Unzufriedenhett, Verbitterung, ja sogar Verzweiflung sich einnisten und Spannungen hervorriefen, die im politischen Denken großer Massen sich ausdrücken mußten. Biele der in wartervolle Existenzunsicherheit in das Inferno einer hoffnungslosen Erwerbslosigkeit gestoßenen Menschen verfallen sehr leicht Werbungen, die ihnen eine rasche und radikale Veränderung der ' Verhältnisse vorgaukeln, von der sie auch ein« Wendung des eigenen Schicksales erwarten. Es soll anders werden, ganz gleichgültig wie— so i empfindet mehr oder minder instinftiv die Ungeduld der mit Recht Unzuftiedenen. Das bürger- liche Sudetendeutschtum ist zudem wieder einmal tvie in den Zeiten der Triumphe der Ritter von ; Schönerer und K. H. Wolf der nationalistischen Psychose verfallen und glaubt, erwartungsvoll gebannt durch das Austrumpfen Hitler-Deutschlands, auch hier„erwachen" zu müssen, um seine„Erlösung" zu finden. Oberflächlich« Betrachtung mag dielleicht dazu neigen, als Ursache der Einbußen, tvelche die deutschen Landbündler und die deutschen Sozialdemokraten erlitten haben, in deren Regie« nmgSteilnahme zu suchen, doch dem widerspricht, baß die deutschen, Chrisrlichsozialci^. die seif fast ttchS Jahren nicht mehr in der Regierung find und deren Parteiführer in Opposition und nationalem Radikalismus wahre Purzelbäume geschla- gen haben, verhältnismäßig noch schwere«Berluste erlitten haben, als die deutschen Sozialdemokra- ien. Das beweist, daß das Wahlergebnis weniger eine Absage an die Frage der Teilnahme deut-' scher Parteien an der Regierung ist, al» der Ausdruck wirtschaftlicher Unzu« sriedenheit und nationalistischer Illusionen. Das deutsche Bürgertum und bie seinen Lockungen gefolgten Mitläuferschichten, st« glauben— und nicht zum erstenmal in der britischen Geschichte— nationales Kraftmeier- ium werde unter der Rückendeckung durch Hitler bst Verhältnisse weit besser meistern und die tschechischen Machthaber ganz anders zu Paaren treiben, als eS auf der Linie der von den deutschen aktivistischen Parteien bettiebenen Verständigungspolitik geschehen ist. Kann man die Sonntagswahlen zutreffend Es I l l ü s l o n s W a h l e n bezeichnen, so sollten sie von den Verantwortlichen im Staates ouch als Wahlen einer ernstenWar» " u n g angesehen und eingeschätzt werden. Denn bar sind sie in der Tat: Symptom einer tiefge» «nden Mißstimmung in den sudetendeutschen Volksmassen, emporgewachsen auf dem Boden der Wirtschaftskrise, aber durch sie nicht allein zu erteil. Es wird wohl niemand behaupten wollen, baß der Staat stet» nach den Leitsätzen der rein- sten Weisheit und des größten Weitblicks regiert *®irb. Ein solcher Weitblick hätte verhindern müs- sen, daß im deutschen Gebiet, wo der Hunger öanz ander- grassiert als es irgendwo in den üchechjschen Landesteilen der Fall ist, um jede Brotkarte ein erbitterter Kampf gefühtt werden Musste, daß dem Minister für soziale Fürsorge daS Wehr an Mitteln, das naturgemäß für die deutschen Randgebiete aufgewendet werden mußte, gehässig vorgezählt wurde, noch dazu von der Partei, die das Privileg der Bestellung des Regierungschefs für sich in Anspruch nimmt. Weisheit Und Weitblick verrät eS auch nicht, daß ein Mini« Uer dieser selben Staatspartei einen Erlaß hin« Ekusgibt, der nichts weniger bezweckt, alS bei Ver« Rbung staatlicher Lieferungen den Unternehmern b« Entlassung deutscher Arbeiter und Angestellter uuzuordnen, wobei gleichgültig ist, ob dieser Er» ?uß nur Wahlagitationszwecken diente und in der Praxis nicht zur Anwendung gelangt. Er beweist Mießsich«ine beklagenswerte Kur-chtigkeit, daß °kN deutschen Parteien trotz fast zehnjähriger blkgierungSteilnahmen kein größerer sichtbarer Zonaler Erfolg gegönnt worden ist und daß Überhaupt wenig Verständnis dafür bewiesen s^ttde, den deutschen Regierungsparteien ihre schwere Aufgabe zu erleichtern. Sicher brauchens Wir haben den ersten Teil de» Kampfes schon gewonnen. Henlein ist«nser Führer, der wird eS de» Tschechen schon beibringen! Hierauf folgten! r r e d e u t i st i s ch e Aeußerungen, die wir mit Rücksicht auf KonfiskationSgefahr nicht im Wortlaut bringen können, die aber darauf hinausliefen, daß eben die Randgebiete von der Repu blik losgelöst werden mühten, wobei eine konkrete Anspielung aus Leitmexitz gemacht wurde. Dann sagten die Herrchen: Und weil das ohtte Krieg nicht geht, wollen wir den Krieg..."" Schließlich erklärten sie den reichsdeutschen Passagieren noch, an wessen Seite sie, die Henlein-Leute, in diesem Krieg kämpfen würden. In einem gewissen Gegensatz zu diesen Aeußerungen steht ein.Telegramm, da» Henlein an den Präsidenten der Republik gerichtet' hat und dessen Wortlaut das amtliche Tschechoslowakische Preß-Büro mitteilt. ES lautet: r .«sch. 80. Mai 1988. An den Herrn Präsidenten der Cechoslovaki« schcn Republik, Läny. Herr Präsident! Der gestrige Wahltag hat der Dudetendeut- schen Partei«inen Wahlerfolg beschieden, wie er in der jungen Geschichte d«S öffentlichen Lebens unseres Staate- einzig dasteht. Wenn mich über haupt ein Gefühl de- Stolze- und der Freud« er füllen darf, dann nur deshalb, weil diese» Ergeb nis lediglich die Antwort der Wähler schaft auf den Appell zur Verant wortung(!) darstellt. In dieser Stunde, Herr Präsident, drängt eS mich. Ihnen als dem Präsidenten des Staate- und dem Garanten der verfassungsmäßigen Grundlagen unsere Gefühle der Hochachtung und Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen. Seien Sie überzeugt, daß ich selbst daS Ergebnis de- gestrigen Tage- nur als Auf gabe empfinde, deren Lösung entgegen allen Unter stellungen von patteigegnerischer Seite von mir nnd meinen Mitarbeitern nur auf dem Bo», den der Verfassung unseres Siaa- Maßnahme an, zu der daS nattonalsozialistischeI den 84. Mai, um halb 11 Ähr' vormittags eine nur ein Gedanke: der historischen Verantwortung, die mst und, meinen Mitarbeitern vom,.Schicksal aufettegt worden ist. gerecht zu werden. Möge diese WahlentscheiduUg auch von jenen, di« nach Verfassung und Geschichte als unsere Partner in der Verantwortung(?) stehen, al- erste Voraussetzung für die Sicherung eines harmonischer Zusammenleben» der Völker unsere- Staate- im Geist« der gegenseifigen Achtung, des Friedens und der menschlichen Wohlfahrt empfunden und praktisch gewer- tet werden. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner besonderen Verehrung und Ergebenheit. Konrad Henlein al- Borsitzercher der Sudetendeutschen Partei." Gewisse Bürokraten scheinen auch durch die Wahl nichü gelernt zu haben. Es mutz doch recht sonderbar anmuten, wenn das amtliche Preßbüro dem Henlein Reklame macht und das Telegramm veröffentlicht, dessen Ton die Sprache von Macht zu Macht darstellt, und das überdies doch ein f v i v o l e S Loyalitätsmanöver ist. Wie ost hat nicht H i t l e r. dieselbe Sprache gesprochen! Eine Partei, die sich ihren Wahlerfolg durch die schamloseste Agitation gegen die Integrität des Staates— eine freilich unterirdisch und inoffiziell, aber darum nicht weniger wirkungsvoll betriebene Agitatton— erkämpft hat, maßt sich an, dem Staatsoberhaupt in einem Ton zu schreiben als ob hier«ine besondere Vertraulichkeit am Platze wäre. Der Zweck ist durchsichtig: Fortsetzung des TarnungS» manöverS nach der Sette des Staates hin, Fort- setzung der Täuschungsmanöver gegen die eigenen Wähler, di« durch Henleins Telegramm den Eindruck gewinnen sollen, er stehe mit dem Präsidenten in einem intimen Verhältnis und bereit« jetzt die Erfüllung der Versprechungen vor, die er gemacht hat. Es ist traurig und für di« Kurzsichtigkeit gewisser Aemter kennzeichnend, daß ein Telegramm, das solchen Zwecken dient,' offiziell publiziert wird, als handle eS sich um das Handschreiben eines stem«' den Staatsoberhaupts! Seite 4 DirnStag, 21. Kal 1936 Nr. 118 Die Katastrophe des,Maxim Gorkij" Moskau, lieber die Katastrophe des Flugzeuges„Maxim Gorkij" wurde folgende amtliche Nachricht ausgegcben: Am Samstag um 12 Uhr 45 Minuten havarierte in Moskau im Bereiche des Zentralflugfeldes das sowjet- rusfische Großflugzeug„Maxim Gorkij", und zwar unter folgenden Umständen: Das Flugzeug flog unter der Führung des Piloten Zurow und des zweiten Piloten Michejew mit 36 Mitgliedern der Stoßbrigade des Aerohydrodynamischen Zentral in st itutes als Passagieren an Bord. Das Flugzeug„Maxim Gorkij" wurde auf diesem Fluge von einem Nebungsflugzeugc des Acrohydrodynamischen Institutes begleitet, das von dem Piloten B l a- g i n gelenkt wurde. Obwohl die Ausführung irgendwelcher akrobatischer Flngleistungen bei einem solchen Begleitfluge untersagt worden war, übertrat der Pilot Blagin dieses Verbot und vollführte in unmittelbarer Nähe des Großflugzeuges in 700 Meter Höhe akrobatische Uebun- g e n. Nach Beendigung der sogenannten„Todesschleife" stieß der Pilot Blagin mit seinem Apparat gegen den Flügel des Großflugzeuges, das sich durch die Wucht des Zusammenstoßes in der Luft in seine einzelnen Bestandteile aufzulösen begann, die im Bereiche des Flugfeldes zur Erde stürzten. Bei dem Sturz kamen sämtliche 11 Mann der Besatzung des „Ma x i m G o r k i j" und alle 36 Passagiere ums Leben. Unter ihnen befanden sich Ingenieure, Techniker und Arbeiter des Acrohydrodynamischen Institutes und auch einige Familienmitglieder derselben. Auch der Pilot B l a g i n kam bei dem Zusammenstoß«ms Leben. Die letzte Heldentat der Piloten ' Moskau..Die beiden Piloten des Flugzeuges„Maxim Gorkij", Zurow und Michejew, haben im Augenblick der Katastrophe, da das Flugzeug bereits in Stücke zu zerfallen begann, den Motor ausgeschaltet und dadurch eine Explosion der Benzinbehälter verhindert. Sie beugten dadurch einem Brande der Ortsschaft Sokol vor, in die das Flugzeug abstürzte. So be- lvicsen die beiden Flieger angesichts des Todes eine wahrhafte und einzigartige Selbstbeherrschung. Die Bestattung der Opfer Moskau, Am Sonntag wurden die irdischen Neberreste der Opfer der Katastrophe eingeäschert. Die Bestattung erfolgte auf Staatskosten...Die Leichen der Opfer, dir züm Teil bis Arr Unkenntlichkeit verstümmelt sind, waren im städtischen Krematorium aufgebahrt. Die Moskauer Bevölkerung nahm schweigend Abschied von den Opfern des furchtbaren Unglückes. In Ansprachen bekannter Flieger und Militärpersonen wurde besonders hervorgehobem daß der Verlust des Flugzeuges eher zu verschmerzen sei als der Verlust so vieln: Mitglieder des hervorragend geschulten Flugbau- Personals. Die Sowjetregierung hat beschlossen, den Familienmitgliedern der Opfer dieser Katastrophe eine Unterstützung von je 10.000 Rubeln auS- zuzahlen und ihre Pensionen entsprechend zu erhöhen. Aus aller Welt treffen Beileidskundgebungen ein. Die meisten der in Moskau beglaubigten diplomatischen Vertreter haben im Austenkommissariat ihr Beileid ausgesprochen. Der tschechoslowakische Gesandte Pavlü sprach dem Volks- kommifsariat des Aeutzern das Beileid aus. „Maxim Gorkijs und sein Pilot Das abgestürzte Flugzeug„Maxim Gorkij" Thp Ant-20 war ein Großflugzeug für 70 Passagiere neben Besatzung und Kapitän.„Maxim Gorkij" hatte seine eigene Druckerei, eine automatische Telephonverbindung, eine Radiostation, eine Lesehalle und ein photographisches Atelier. DaS Flugzeug gab während des Fluges seine eigene Bordzeitung heraus. Der Kommandant und Kapitän des Flugzeuges, der Pilot I. Michejew war ursprünglich Schuft er. Im Jahre 191A sah er zum erstenmal ein Flugzeug. Seine erste Mas^^ t^rschaf^te. er sich ln der Weise, daß er Vom Rundfunk bnpiaMuiwerlM au* du Prosumaui Mjttwoch: Prag, Sender L.: 10,05: Deutsche Presse, 10.15: Salonorchester, 13.35: Arbeitsmarkt, 15.55: Militärblasmusik, 17.25: Schallplatten: Lieder von Frieinl, 17.45: Schallplatte»: Franz Schubert, 18.45: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Zinn 50. Todestag Victor Hugos, 18.20: Deutsche Arbei- tersendnng: Diplomkaufmann Schwab» Wegstädtl: Landschaft, Mensch und Politik, 18.40: Sozialinformationen, 19.25: Orchesterkonzert,21.30: Sonaten für Violine und Klavier, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 14.20: MuZiks Salonquartett, 15. Deutsche Sendung: Irma Stößinger liest Märchen, 18.45: Boskovec urw Werich.— Brünn 12.35: Orchesterkonzert, 13.40: Schallplatten aus Verdi- Opern. 17.45: Deutsche Sendung: Dr. Obrist: Allerlei' Wissenswertes über die Stratosphäre, 21.30: Mendelssohn-Bartholdy, aus Ellias.— Mährisch-Ostran: 13.45: Schallplatte«: Mozart.— Kascha«: 21.30: Streichquartett. I während der Nacht vom sogenannten„Flugzeugfriedhof", auf dem die im Kriege zertrümmerten Flugzeuge deponiert waren, einzelne Bestandteile forttrug, aus denen er dann ein eigenes Flugzeug zusammensetzte. Seine Bekannten verschafften ihm dann einen Motor und Michejew lernte insgeheim fliegen. Die Flugplatzverwaltung verbot ihm aber seine Versuche. Dieses Verbot.wurde jedoch im Hinblick auf seine Fähigkeiten später wieder zurückgezogen. Im Jahre 1925 erhielt er ein amtliches Piloten-Diplom. Michejew unternahm Flüge nach Sibirien, von wo er Pelzwaren beförderte. Er war dann Pilot der Großflugzeuge „Änt-9" und„Ant-14" und hat sich wiederholt ausgezeichnet, u. a. auf dem Langstreckenflug Moskau—Peking und auf Eismeerflügen. Er war zeitweilig auch auf der deutsch-russischen Strecke der„Deruluft" tätig. Schließlich ernannte ihn die Sowjetregierung zum Kapitän des größten Flugzeuges der Welt«Maxim Gorkij". * Dreimal Thp„Maxim Gorki!" Moskau. Der Rat der Volkskommissäre und der Zentralausschuß der kommunistischen Partei Wirbelstürme und Wolkenbrüche 20 Menschen getötet Rew Aork. Katastrophale Wirbelstürme verbunden mit schweren Wolkenbrüchen richteten in ganz Nord-Texas und auch in Oklahoma, wo erst vor kurzem heftige Sandstürme wüteten, schweren Schaden an. Zwanzig Menschen wurden bei den Stürmen getötet. Infolge starker Regenfälle sind die Flüsse über die Ufer getreten und haben die niedriger gelegenen Gebiete überschwemmt. Der durch das Unwetter angerichtete Materialschaden beträgt etwa 3 Mil- lionen Dollar. Houston(TexaS). Beim Einstürze einer großen Brücke wurde ein Privatkrastwagen in die Fluten gerissen. Die vier Insassen er- tranken. Dreifacher Flug-Weltrekord Tie Konkurrenz um den Deutsch de la Meurthe Pokal Paris. Am Sonntag um 9 Uhr vormittags erfolgte der Start zur Flugkonkurrenz um den Deutsch de la Meurthe-Pokal. Es beteiligten sich fünf Flugzeuge, von denen vier bei den Prüfungen eine Stündengeschwindigkeit von über 400 Kilometer erreicht hatten. An dem Wettbewerb konnten nur Flugzeuge teilnehmen, deren Zylinderinhalt 8 Liter nicht übersteigt. Die konkurrierenden Flugzeuge find durchwegs französischer Herkunft. In beiden Etappen des Flugwettbewerbes, also auf einer Strecke von 2000 Kilometern, siegte der Flieger Delmotte auf dem Flugzeug„Bodron Renaud" mit einer Geschwindig- kett von 443 Stundenkilometern. Er stellte damit einen neuen Weltrekord für diese Distanz auf. Im Verlaufe der Flugkonkurrcnz überbot er auch auf der Strecke von 100 Kilometern 35mal den Weltrekord, wobei er eine Durchschnittsstundengeschwindigkeit von 469.367 Kilometern erreichte. Desgleichen stellte er einen neuen Weltrekord auf der Strecke von 1000 Kilometern, indem er eine Durchschnittsstundengeschwindigkeit von 446 Kilometern erzielte. Jur Zeichen der Seelensanierung Eine Bestie von Mann Graz.(Tsch. P.-B.) Auf dem Berge Kreker bei Bruck an der Mur überfiel Sonntag der Oberlehrerssohn Siegfried Sprantschnigg seine hochgradig schwangere Geliebte, die 22jährige Augustine Schmid l. Erbitzihr die Nasenspitze ab undversuchte, ihr die beiden Augen heraus- z u d r ü ck e n, was ihm bei dem einen Auge wirklich gelang, während das zweite ernst verletzt wurde. Dann legte er die Unglückliche in ein Auto und überführte sie in das Krankenhaus in Bruck an der Mur, worauf er mit blutgetränkten Kleidern die Flucht ergriff. Die Aerzte operierten das verletzte Auge und hoffen, das Mädchen vor vollständiger Erblindung retten zu können. Die Schmidl hat auch sonst ernste Verletzungen davongetragen. Allzeit getreu. Tas war härteste Erprobung der Treue unserer Vertrauensmänner/ unserer Genossinnen, unserer Parteiangehörigen, daS Leben in diesen Wochen des Wahlkampfes I Denn er war ein Wahlkampf ohnegleichen. Sind auch die fudetendeutschen Sozialdemokraten gewöhnt an Bekämpfung durch Lüge und Verleumdung, durch Terror verschiedener Art— ein solcher Orkan stumpfsinnigsten Hasses hat sich nie gegen sie erhoben wie diesmal, und nie noch wälzten sich gegen sie solche Fluten einer phan- tastischen Messiasgläubigkeit. An. der Gesinnungstreue unserer Genossen brach sich die Welle haben abSTrsatzfürdasverunglückte Flugzeug„Maxim Gorkij" den Bau von drei großen Flugzeugen gleich en Typs wie„Maxim Gorkij" angeordnet. Die Flugzeuge werden die Namen„Wladimir Lenin",„Josef Stalin" und„Maxim Gorkij" tragen. *** Wieder eine Katastrophe Flint(Staat Michigan). Bei der Feier der Eröffnung des neuen Flugplatzes am Samstag stürzte ein großes Berkehrsflugzeng ab. Drei Personen kamen«ms Leben. * Kleinflugzeug — auf der Straße gerammt N e w?) o r k. In der Nähe von New Jersey ereignete sich ein eigenartiges Brrkehrsunglnck. Auf einer belebten Landstraße wurde rin privates Kleinflugzeug, das eine Notlandung vorgenommen hatte, von einem Kraftwagen gerammt und zer- st ö r t. Die beiden Insassen des Flugzeuges wurden schwer verletzt, während der Kraftwagen mit leichten^Verletzungen davonkam. des Terrors, und inmitten des nattonaltstischen Rausches blieben ihre Köpfe klar. Dem Terror standhalten und dem Rausch nicht erliegen— welche Leistung, welche Tat heroischer Treue! Terror— das ist ja nicht bloß Schlagring und Prügel dcS Henlein-Ordners, das ist vielmehr und ist vor allem die Drohung mtt dem Verlust des Arbettsplatzes, die Drohung, für ungewiß lange Zett dem Hunger ausgeliefert zu werden! Wie viele solcher Berschte kommen zu uns, daß Arbeiter von den Volksgenossen Unternehmern aufs Pflaster geworfen wurden, weil sie sich gegen die zwangsweise Eingliederung in die Hülersche»Volksgemeinschaft" wehrten! Zu wissen, daß Entlassung droht, daß Aechtung und Verfolgung droht— und doch treu bleiben— welche Seelengröße ist dazu notwendig l Und inmitten einer vom Rausch erfaßten, auf das Wun- der der Rettung durch den selbsternannten Messias Henlein wartenden, fest an dieses Wunder glaubenden Kleinbürger- und Bauernbevöl- gerung Kühle und Klarheit des Denkens bewahren— welche Schulung setzt das voraus! Es ist die tradittonelle Gesinnungstreue, es ist die alte sozialisttsche Schulung der sudetendeutschen Ar- bester, die sie diesmal wie so oft schon früher dem feindlichen Ansturm standhaften ließen. Ja, wir haben Wähler verloren! Ja, wir haben eine Niederlage erlitten! Ein beträchtlicher Teil jener Wählerschichte, die wir nicht organisatorisch zu erfassen und deshalb auch nicht zu schulen vermochten. ist der nationalistischen Demagogie er- legen. Doch unerschüttert blieben unsere Genossen und Genossinnen, blieben die Sozialdemokraten! So war es diesmal, wie zu den Zei- ten S ch ö n e r e r s, wie zu den Zeiten Karl H e r m a n n W o l f s, als fast das ganze sude- tendeutsche Bürger- und Kleinbürgertum sich diesen Eintagsgöttern zugewendet hatte und nur die Sozialdemokraten dem Nationalismus Widerstand leisteten. Und so wie ihre Treue Recht behielt, so auch diesmal. Das wird der Lohn der Treue sein, daß sie den Rausch der anderen wer-- den verfliegen, ihre Ernüchterung und Enttäuschung werden aufsteigen sehen. Und das wird der Lohn der Treue sein, daß sie triumphieren werden über allen Terror, triumphieren durch ihre Treue. Und sie find deshalb allzett getreu, unsere Genossen, weil die Idee nicht als etwas Mysttsches, UnklarbareS, Unverständliches un^ Nebelhaftes„über" ihnen steht, sondern i» ihnen lebt, die Idee des Sozialismus! M Eine Frau zum Tode verurtellt. Aus Agram wird gemeldet: Nach sechstägiger Ber- Handlung wurde am Samstag in Belovar das Urteil gegen die Giftmischerin Milka Pav« l o v i c gefällt. Die Angeklagte wurde wegen 6 Giftmorden und 10 Giftmord- versuchen zum Tode durch de» Strang verurteill. Die Verurteilte nahm das Urteil zur Kenntnis, beteuerte aber neuerlich ihr? Unschuld. Bom Starkstrom verbrannt. Der 34jährige Monteur der Westmährischen Elektrizitätswerke' Franz Rezäc aus Nämest nad Ofl. reparierte Gajda-Fascisten.. ■ 4.801 Nat.-Ver. d. Beamten. 4.135 Nationale Vereinigung • 140.107 106.448 Wie man dieser Uebcrsicht entnimmt, ist in Prag nunmehr die größte tschechische Partei die Nationale Vereinigung, die allerdings einen größerenWahl- sieg erwartet hat, als sie erreichte. Daß der Fortschritt nicht sehr groß ist, merkt man daraus, daß im Jahre 1929 Sttwrnh und die Nattonaldemokraten zusammen 24.6 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigten, 1935 aber nur um weniges mehr, nämlich 27.6 Prozent. Die zweitgrößte Partei sind die Tschechischen Nationalsozialisten, die früher die größte Partei der Reichshauptstadt waren, deren Verlust aber auch geringer ist, als man allgemein geglaubt hat. Sie verlieren rund 10.000 Stim- men, freilich sinken sie von 27.2 auf 21.1 Prozent aller abgegebenen Stimmen herab. Die drittgrößte Partei bilden die tschechischen Sozialdemokraten, welche einen Stimmengewinn von rund 5000 aufzuweisen haben, ihnen folgen die Kommunisten mtt einem Stimmengewinn von über 19.000, dann die Gewerbepartei mit einem Gewinn von rund 15.000, die Volkspartei mtt einem Zuwachs von ungefähr 5000 und die Agrarier, die eisten kleinen Verlust von rund 500 erlitten haben. Gajda und die Nationale Vereinigung der Beamten habe» nur eine geringe Stimmenanzahl auf sich verein" gen können. Was das deutsche Lager betriftt, hat sich eine völlige Umschichtung de» Wähler vollzogen. Seit vielen Jahrzehnte» war die größte Partei des Prager Deutschtums die altlibcrale Partei, welche in den letzten Jahre» unter den verschiedensten Namen Deutsch' demokraten, Deutsche Arbeüs- und Wirt' schaftsgemeinschaft, in den verschiedensten Liste»' kombinationen vor die Wähler getreten sind. Das vorige Mal kandidierten sie gemeinsam mtt dcM Landbund, diesmal im sogenannten sudetendeur» scheu Wahlblock gemeinsam mit den Magyarc». Die Partei istfastaufeinFünftel ihre? Besitzstandes von 1929 einge' schrumpft. Während sie bei den letzten Wah' len von 19.883 Stimmen 11.668 auf sich vereint' gen konnte, also 58.7 Prozent aller deutsche» Stimmen, entfielen diesmal auf sie nur 2690 vo» 18.155 deutschen Stimmen, das sind also 14“ Prozent. Die einst das Prager Deutschtum beherr' schende Partei ist diesmal zum erstenmal von de» deutschen Sozialdemokraten über» flügelt worden, die zwar rund hundert Stimme» verloren haben, deren Anteilandendeut' scheu Stimmen jedochinfolge des Rückganges der Gesamtzahl del deutschen Stimmen von 17.5 P r»' zent i m Jahre 19 29 auf 18.5 P r o* zent im Jahre 1935 gestiegen ist- Die deutschen Christlichsozialen haben einen Rü»' gang von rund 400 Stimmen oder in Prozente» von 9.8 auf 8.4 zu verzeichnen, während die S»' detendeutsche Partei diesmal 10.589 Sttmmc» auf sich vereinigte, das sind 58.3 Prozent allel in Prag abgegebenen deutschen Stimmen. Insgesamt weisen die deutschenStiM' men in Prag seit 1929 einen Rückga»s auf. Während 1929 von allen in Prag abgegeb«' nen Stimmen 4.3 Prozent auf deutsche Partei«» entfielen, waren es-diesmal nur 3.6 Prozent- Zweifellos sind frühere deutsche Wähler ZU M tschechischen Parteien abgewandert.- Nr. 118 DienStag, 21. Ma! 1935 Seite 5 UntMSÄur Krieg oder Zusammenbruch Die Wahrheit über die deutsche„Konjunktur" Der Matrosenstreik in Le Havre beigelegt. Die Angestellten der DampfschiffahrtSgescllschaft „Transatlantic" haben die Vermittlungsanträge angenommen, die ihnen vom Minister für Hau« delsschiffahrt unterbreitet wurden und haben die Arbeit wieder ausgenommen. Der transatlanti-! sche Dampfer„Champlain", auf dem der Streik ausgebrochen war, fuhr nach New Jork ab. Großfener in Tientsin. Ein Brand, der am Samstag in der Allerheiligenkirche in der Nähe der britischen Konzessionsgebietes ausgebrochen Ivar, sprang auf das Gebäude der Kailan-Berg- baugesellschaft Wer und wütete in der Nacht unvermindert fort. Dem Feuer sind die Allerheili- genkirche, der Beamtenklub, die Druckpresse und mehrere Gebäude der Kailan-Gesellschaft zum Opfer gefallen. Gefaßt« Einbrecher. Der Gendarmerie gelang eS jetzt, den Urheber der zwei Einbrüche in das Filiallager der Firma„Rolny" in T re- bit s ch zu fassen. Es ist dies der 26jährige beschäftigungslose Arbeiter Friedrich Kurzweil aus Trebitsch. Ein Teil der gestohlenen Kleider Ivurde bei ihm vorgefunden. Kurzweil hat die Diebstähle eingestanden. Der Firma Rolnh Ivurde durch die beiden Einbrüche ein Schaden von etwa 9000 XL zugefügt. Thomas Moore— heilig gesprochen. In der vatikanischen St. Peter-Basilika in Rom würben am Sonntag der selig gesprochene Kanzler bei englischen Königs Heinrichs VIII., Thomas Moore, und der selig gesprochene Kar» binal und Bischof von Rochester, John Fisher, die beide hingerichtet worden waren, in feierlicher Weise heilig gesprochen. Der Balkan Asama in der Nähe von Ka- euizava begann nach einer Meldung aus Tokio mn Montag früh wiederum unter großem Gelöse Feuer zu fpeien. Die Ausbrüche dauerten vier Minuten, verursachten aber den bisherigen Berichten zufolge keine großen Schäden. Noch keine dauernde Erwärmung. Im Südost- ickl des Binnenlandes ist es noch immer relativ Ivarm. Auch in Karpathorußland wurden Montag nachmittags wieder 23 bis 24 Grad verzeichnet. Im übrigen Gebiet Mitteleuropas ist die Temperatur um wnd 8 Grad niedriger, trotzdem sich der Himmel vielfach aufgeheitert hat. In der Slowakei traten wt Grenzgebiete bei verschieden warme Luftmassen Einzelne Gewitter auf. Die allgemeine Wetterlage stellt noch keine dauernde Erwärmung m Aussicht, lieber dem Polarmeer lagert ein mächtiges Druckhoch, aus welchem später dem Festland tvieder kalte Luft zugeführt werden dürste.>— Wahrscheinliche? Wetter von Dienstag: Im ganzen schön, nachts kühl, auch im Kar- Vaihengebiet nach eingetretener AuZheiterung stär- kere Abkühlung. In den westlichen Ländern tagS- Äer Erwärmung.— Wetteraussichtenfür W i t t wo ch:- Zunächst keine..größere Aenderqng. später im Westen allmähliche Verschlechterung. kit„Zauberdung" behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang* nicht Hexerei t Paket n Ki 5*60 durch die Verwaltung der •biBBimlt“, Frag XIL, Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich — Einer unserer gelegentlichen Mitarbeiter hatte während einer längeren Reise Gelegenheit, mit einer Reihe von reichsdeutschen Industriellen und Großkaufleuten Wer ihre Meinung zu dem angeblichen WirtschcrftSauffchwung in Deutschland zu sprechen. Im Folgenden geben wir das Ergebnis dieser Unterhaltungen wieder: Ich habe auf meiner Reise durch eine Anzahl großer deutscher Städte, darunter Berlin, Gelegenheft genommen, mit Dutzenden von kleinen Geschäftsleuten und mit leitenden Männem großer Werke zu sprechen. Nicht in einem einzigen Falle ist mir ein uneingeschränktes: Ja! zu de« heutigen Wirtschaftsverhältnissen zu Ohren gekommen. Di« Meinung der Leinen Gewerbetreibenden war in allen Fällen überaus kritisch und ablehnend, aus allen sprach die große Enttäuschung, die diese Leute erlebt haben. Die einen größeren Ueberblick besitzenden Industriellen hegen besonders große Befürchtungen für die zukünftige Entwicklung. Die kleinen Geschäftsleute klagen, wie ja bekannt, noch immer über den fortlaufenden Umsatzrückgang und beschweren sich sehr ungeniert darüber, daß weder den Warenhäusern, noch den Einheitspreisgeschäften ernsthaft zuleibe gegangen worden ist. Besonders laut wird die Klage im Hinblick auf das vergangene Oster- und das letzte Weihnachtsgeschäft. Die Umsätze der Großgeschäfte des Einzelhandels seien eher"noch gestiegen, als gesunken, wohingegen die der kleingeweMichen Ladengeschäfte im Durchschnitt um 6 bis 8 Prozent gefallen seien. Die Käufer, so wurde immer wieder versichert, wandern infolge der geringen Löhne und der noch immer gewaltig großen Arbeitslosigkeit, zu den billigen Qualitäten ab und die können sie in den Warenhäusern und Klein» preisgeschästen vorteilhafter einkaufen, als in den kleinen Spezialgeschäften. Die Haltung der Kleinhändlerkreise und des HandwerksmeistertMs zum Regime wird immer kritischer. Sehr kritisch ist aber die Meinung der Großkaufleute und der Industriellen. Sie lassen sich natürlich über die politische Seite ihrer Auffassungen noch weniger aus, ÄS die kleinen Leute, die in ihrem Aerger aus ihrem Herzen keine Morder- grube machen. Ueber die wirtschafllichen Fragen sprechen sie jedoch ganz ungeniert und offen. So sagte mir— es wird verständlich sein, wenn ich sowohl Orts« wie Personennamen verschweige— ein leitender Angestellter, eines, bedeutenden, von Amerika abhängenden OelimportunternchmenS, daß von dort aus zur Zeit bereits ein merllicheS Abstoppen deS deutschen Geschäfts erfolge. Während noch vor wenigen Monaten, im Herbst der deutsche Markt auS Quotengründen stark forciert wurde, ziehe man sich jetzt auf daS laufende Tankftellengeschäft zurück und vernachlässige alle anderen Kunden. Bor allem stoppe man jede Neuinvestition, auch auf dem Tankstellengebiet. Grund: Die Amerikaner bemühen sich, daS deutsche Geschäft glattzustellen, nicht nur weil die Devisenbewfttschaftung sie dazu zwinge, sondern auch weil sie in Deutschland keine großen Guthaben offen halten wollen. DaS Vertrauen in die deutsche Wirtschaft sei zu sehr erschüttert. Man glaube nicht an einen Anschluß Deutschlands an die Weltkonjunktur, sondern an einen baldigen Zusammenbruch. Das ist die Stimme eines Kaufmannes, der die Meinung seiner amerikanischen Freunde wie- dergab, aber er hielt sie auch selbst für richtig. Auch in den Kreisen des innerdeutschen Geschäfts ist man schon dabei, die»Konjunktur totzureden". Und das ist immer ein sehr bedenkliches Zeichen. Die kritische Stimmung ist ganz allgemein. Natürlich ist sie zuerst in den Branchen zu finden, die an der Rüstungswirtschaft keinen Anteil haben. Besonders schlimm ist die Stimmung im Bekleidungsgewerbe. Hier ist lediglich die Uniformbranche gut beschäftigt. Ein Mann aus dieser Industrie erzählte, die Firmen hätten auch allen Anlaß gut zu verdienen, nachdem die „braune" Konjunktur, gemeint ist die vergangene Hausse in SA-Bekleidung, mit schweren Verlusten geendet habe. Dir beteiligten Firmen hätten di« SA-Uniformen fast durchgehend auf Kredit liefern müssen und wären nach dem raschen Abba« der SA nicht mehr zu ihrem Gelde gekommen. Zudem säßen sie noch heute auf großen Posten brauner Ware fest, di« unverkäuflich sei und erst umgefärbt werden müsse. Zur Zeit sei große Hausse in den laubenblauen Fliegerunifor- men. Mer wie lange? Ansonsten sei das Geschäft völlig tot. Die Herren» und Damenkonfektion liege gerade in der guten Ware fast still, die billige Stapelware, an der nicht viel zu verdienen sei, gehe nur schwach. Gegen die behördlich angeordneten Mischstoffe herrsche bei der Kundschaft schweres Mißtrauen. In der Herrenwäschefabrikation bestünden große Schwierigkeiten bei der Verarbeitung der mft Vistra gemischten Popelin- und Perkalstoffe. Reine Baumwoll- öder Leinenware sei Werhaupt nicht mehr zu haben, außer zu hohen Ueberpreisen und reine Vistrastoffe seien unbrauchbar. Sie können nur nach besonderen Verfahren gereinigt werden, weil sie bei gewöhnlicher Behandlung schon nach wenigem Waschen auseinandergehen. Auf die Frage nach den Zukunstsaussichten zuckte der Mann mit den Schultern: „Schlecht, sehr schlecht!" war sein« Antwort. Das Uniformgeschäft kann die Verluste auf den anderen Seiten auf die Dauer nicht ausgleichen und d^mj..tzie sang« gehe.dieses Geschäft floch? Man sei jedenfalls gezwungen sehr vorsichtig zu disponieren. Genau die gleiche Meinung hört man in der Textilindustrie. Der Repräsentant einer großen ostdeutschen Tuchweberei klagte:„Am besten ist noch das Geschäft in feinen Uniformtuchen für Cxtrauniformen, aber dessen Umfang sei nur klein. Gut beschäftigt sei man auch in reinen Militärtuchen. DaS ganze andere Geschäft fei ungeheuer erschwert durch den Mangel an Qualitätsgarnen und dem Mischungszwang. Kein Verarbeiter wolle sich die Mischstoffe in größeren Mengen auf Lager legen. Der Msatz sei sehr schleppend, die Verbraucher der Massenware haben durch die Bera r», der Erzählung„Meine schwarze Legende" Von Fredrik PareliuS k Ich lieg« in meinem Zelte und höre den "tytn auf das Blätterdach des Waldes hoch Wer J* 1* herabprasseln. Dann klatschen schwere Trop- FJ auf dar Zelt nieder. Ilnd fern im Osten Löhnen Donnerwollen aufeinander. . Dera fitzt in einer Ecke. Sie fürchtet sich vor .svi Boot und vor Unwetter. Sie sieht zu mir und lächelt süß-sauer: ..Es ist viel Regen unter dem Himmel, ’Wji!“ i....Hast du Angst?" frage ich mutig. Und doch Vein Wolkenbruch in den Tropen kein Kinderei. Erst vor ein paar Tagen wurden dicht vor zwei Träger vom Blitz erschlagen. Der eine ?*yhc zerrissen und fiel ihr vor die Füße, o.r u»dere blieb starr, wie in die Erde gerammt, khen. Wie tausend geballte Fäuste trommeln die a^engüsse gegen das Zelt, und der Donner tobt. halte es nicht länger aus, flach dazuliegen, ub habe nicht Mut zu stehen, deshalb setze ich auf. Ich weiß, daß der nächste Schlag ge- Wer unseren Köpfen losbrechen wird, und zu mir selbst, wie schon so ost in solchen "allen:- »Ruhe jetzt! Denke an etwas anderes. Kopf .. Da geht es los, erst abgehackt wie ein Hustenell, her nicht recht zum Ausbruch kommt, dann -/t dröhnt eS in langen Schwingungen wie ein ^hnamitlager, das in die Luft fliegt. Dichter heißer wird der Sumpfdampf, der das Zelt ?™Ii, und mir ist, als drehte es sich im Kresse " tanze auf und nieder. Der Luftdruck, den der ^vner verursacht, und der verbrannte Geruch der ^UwPferde, die urplötzlich in Schlamm aufgelöst wird, betäuben mich halb. Blinzelnd liege ich auf dem Bette und halte mich fest. Und endlich schleicht sich rin frisches, kühles Lüstchen durch den Türvorhang herein. Denn dt:- ser Donnerschlag war der letzte, mit dem daS Unwetter uns schrecken wollte, ehe es weiter nach Westen zog. Und verwundert entdecke ich, daß ich die kleine Dera in meinen Armen halte, die kleine Dera mft den zarten Gliedern und der schweren Brust.->«.,. Sie kachelt:.Bist du böse, Judchi, weil ich zu dir gekommen bin? Sei wieder gut! Ich habe es so satt, immer allein auf der Matte zu liegen!" Ich sehe, daß sie die geflochtene Schnur, die für sie die eigentliche Bekleidung ihrer Nacktheit bedeutet, abgelegt hat, und ich sage: „Willst du nun doch meine Frau sein?" „Ich babe solche Angst vor dem Blik, Judchi!" entgegnete sie und schmiegte sich an mich mit ihrem Jungfraucnleib, der wie Waldhumus duftet. So wurde Dera also meine Frau. Mer unsere Flitterwochen vergingen nicht ohne Streitereien. Schon in der allerersten Zest legte die Verschiedenheit unserer Ansichten uns bittere Worte des Hohns und Spottes in den Mund. Wenn Dera geflochtene Schnüre über ihre jungen, festen Brüst« spannte, um sie zum Fall-n zu bringen— denn daran erkennt man erst eine reife Frau—, schalt ich laut Wer Unverstand und Barbarei. Aber Dera schämte sich ihrer Mädchenbrust— wie sie sie höhnisch nannte— und verbarg sie vor dm Augen ihrer StammeSgenos- sinnen, damit sie nicht merken sollten, daß ihr Mann sie zwang, allen Modenkünsten zu ent- sagen. Ich untersagte ihr mich, ihre Nasenflügel dünn zu Waben und die Stim mft der erbabenm Bazandentätowierung zu verunstalten. Dafür gelang«S ihr aber dann, mir beizubringen, daß sie wenigstens die drei Striche unter jedem Auge— die eine verheiratete Frau kennzeichnen— an bringen müßte. Ohne das würden wir beide das Gelächter aller lebenskräftigen Männer und Frauen heraufbeschworen haben. Und deshalb einigten wir uns dahin, daß sie die sechs Striche ziehen durfte, aber ganz fein nur— und daun aber weiter nichts! Ich hatte vielerlei Schwierigkeiten in dieser Zeit. Denn die Arbeit macht einem in diesem Lande, wo die Natur den Menschen von Ewigkeit her schon zu süßem Nichtstun bestimmt zu haben scheint, oft große Beschwerden. Schwer wie schtm- lendeS Gift legen sich Sumpfdämpfe und Sonnenhitze zuzeiten Wer das Gemüt des Weißen. Aber Dera war mir in den bösen Stunden stets ein Trost und ein« Freude. Das ist mir jetzt vielleicht erst so recht klargeworden, aber schon damals fühlte ich volles Verständnis dafür, daß Beretio Amala nicht vergessen konnte, wenn Dera die echte Tochter ihrer Mutter war. Einer gewöhnlichen Negerin Liebe ist wie eine lange Nacht, in der man nichts weiter vernimmt als ein schwaches, eintöniges Brausen. Ja, ihr« Liebe ist ohne Feuer, und doch besitzt sie«inen Körper, der für den Sinnenraujch wie geschaffm ist. Man kann sie höchstens als gutgeölte Maschine loben, sie ist ein LiebeSinstru- ment, aus dem kein Bogen volle Tön« locken kann. Doch Dera bot mir selbst noch im schmerzlichen Jammern rin leises, demütiges Willkommen, gleich einem in die Knie gesunkenen Krieger jubelte sie den roten Fahnen der Begierde noch zu, bis alles verzehrende Flammen ihre Seele erfaßten und mit einem Regen von Funken übergossen. Ich hatte vor Dera schon zwei schwarze Frauen gehabt und war ein recht geübter Ehemann. In diesem Lande muß man beinahe verheiratet sein, und daher nehmen sich di« meisten Weißen eine fest« Frau. Das bringt viele Vorteile mit sich. Ein schwarzer Diener ist meist einer der geringsten Männer seines Stammes. Seine Ausbildung hat er bei dtn Weißen erhalten, bei denen er von Hand zu Hand zu gehen pflegt. Und da- Hst und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. tief abgesunkenen Löhn« und die große Arbeitslosigkeit ohnedies kein Geld und seien zudem gegen die neue Ware äußerst mißtrauisch. Er fügte hinzu: Und mit Recht! Die Ersatzstoffe sind unerhört teuer und allein oder innerhalb der Gemische gar nicht verwendbar. Auf den Einwand, daß die Arbeftsbeschaf« fung und die doch immerhin merkbare Mehrbeschäftigung besonders in der Metallindustrie, schließlich eine Belebung deS Absatzes nach sich ziehen müsse, sagte der Mann wörtlich:„Lassen Sie sich doch nicht bluffen! Die Löhn«, dir heut« z. B. kn der sehr gut beschäftigten Auw- und Motorenindustrie zahlt werden, liegen 30 diS 40 Prozent unter den Löhnen von 1930. Bei uns in der Textilbranche ist das gerade so. Die ganze Arbeitsbeschaffung ist doch— soweit nicht reine Rüstungsarbeiten in Frage kommen, oder der leidige Straßenbau— nur eine Umgruppierung der Arbeitsberichte. Wir müssen die jungen Leute, Männer und Mädels, entlassen, sie kommen in den Arbeitsdienst oder ins Landjahr und an ihre Stelle treten verheiratete und ältere Arbeitslose. Die bekommen aber doch nicht mehr Lohn, wie vorher die Jungen. Wo sollen wir denn daS Geld hernehmen? Außerdern sind die meisten dieser älteren Leute ja froh, nach langer Arbeitslosigkeit Werhaupt erst wieder einmal in einen Betrieb zu kommen. Nach dem Lohn wird bei der Einstellung jetzt überhaupt nicht mehr ge» fragt. Die Leute nehmen was sie bekommen. Di« Gesamtlohnaufwendungen der Industrie sind trotz der Neueinstellungen eher geringer, als höher geworden. DaS ist ja doch der Krebsschaden und deshalb kommen wir nicht vorwärts. Die Einkommen sind so gering, daß die Leute sich nur auf den allerdringensten Kleidungsersatz beschränken und auch darin noch sehr behindert sind. Daß der Mann nicht Wertrieb, bestätigten viele andere Unterhaltungen mit Geschäftsleitern. Immer wieder wurde der schweren Sorge für die nahe Zukunft Ausdruck gegeben. Die Militärkon- junktur imponiert selbst den daran teilhabenden Firmen nicht, weil sie deren baldiges Ende vor- auösehen. .„Entweder kommt Krieg", erklären sie,„und in diesem Falle ist das Schicksal Deutschlands von vornherein besiegelt, oder diese Arbeiten gehen zu Gide, sobald die Industrie genügend auf den Kriegsbedarf umgestellt und die Ausrüstung fertig ist. Dann kommt der grauenhafte Wirt« schaftSzusammentruch, dessen Folgen garnicht abzusehen sind." So ist Wereinstimmend, fast ohne Ausnahme die Meinung aller Gewährsleute, und unter ihnen befinden sich Leute, die aus ihrer beruflichen Ta- ttgkeit, als leitende Männer großer Werke, Wer dies« Dinge einen genügend loeiten Ueberblick haben. So liegen die Dinge in Deutschland in Wirklichkeit. bei seht er seine Zuverlässigkeit meist zu. Auf eine schwarze Frau kann man sich dagegen meist verlassen, wenn man sie nicht gar zu sehr mißhandelt. Und in bezug auf ihre Treuansprücke dem Manne gegenüber wird sie jeden europäischen Ehemann angenehm überraschen. Sie hält es sogar für ihre Pflicht, den Mann mit schönen Mitschwestern zu erfrischen. Nur muß er ihr di.-s wirklich voll und ganz überlassen, sonst kommt eS zu Eifersuchtsszenen. Natürlich kann man sich auf die Dauer nicht darein finden, daß seine Frau allen Umgang vorschreibt und heranzieht. Deshalb ging ich, wie schon immer, nach kurzer Zeit meine eigenen Wege, wenn die Lust dazu mich überkam. DaS Sonderbare war, daß Dera mir fte Vorhaltungen machte, wenn sie davon erfuhr. Sie steigerte nur den Zugang von Weibern zu meinem Hause. Und bald kam die Zeit, wo alle Frauen außer Dera mich nur ermüdeten und langweilten. Ich sagte ihr gerade heraus, daß ich diese dauernde Einquartierung nicht mehr haben wollte.— Mer trotzdem geschah es eims Nachts, als fch mich zur Ruhe begeben wollte, daß ich im Schlafzimmer auf der Matte eine fremde Frau fand. Ich plauderte ein wenig mit ihr und schickte sie dann ohne wettere Zeremonien heim. Dies war das erstemal in meiner neuen Ehe, daß jo etwas geschah. Als dann Dera kam, schmiegte sie sich unter dem Moskitonetz hindurch, nahm meinen Kopf ttr ihre Hände, die wie eben entknospete Palmenblatter dufteten, und senfte ihr Antlitz ganz langsam auf das mein« herab. Ihr« Augen wurden zu Wassern voll leuchtenden Irrlichtern, die mich in Bann schlugen. Ihr Mund brach auf und ihre Lippen legten sich Wer die meinen. Ich fiihlte ihr Blut pulsen, und eS war, als wollte sie mir ihr Leben schenken und daS meine dafür nehmen, als fesselt« sie uns durch dies« Liebkosung, die sie erst seit wenigen Monaten kannte, unlösbar zusammen. Seite 8 „Sozialdemokrat* D^TnStag, 21. Biai 1835. Nr. 118 bin Kind«nd rin Greis überfahren. Gestern früh überfuhr der Chauffeur Bohumil Janousek aus Lieben, der mit seinem Auto P—27.007 durch die Straße Na Pankraci in Nusle firhr, vor dem Hause Nr. 024 die zehnjährige Zdenka Valenta aus Rusle. Der Chauffeur ist unschuldig, da ihm das Mädch-n direkt in die Fahrbahn lief. Sie erlitt einen Bruch des rechten Fußes; nachdem sie im tschechischen Kinderspital rmtersucht worden war, wurde sie in häusliche Pflege entlassen. Zur gleichen Zeit wurde der 81jährige Arbeiter Frantisek Jungr aus Prag l.. als er die Straße überqueren wollte, vor dem Hause Nr. 13 in der Revolucni von einem Motorwagen oer 11er Lime erfaßt und aufs Pflaster geschleudert. Mir einem Schädelbruch und einer schweren Gehirn- erschiiiterung wurde er auf die Klinik Jirasek gebracht. Seine Verletzungen sind tödlich. Bier Finger ahgehackt. Gestern vormittags arbeitete der taubstumme Arbeiter Franz Kolar auS Ziskov in einer Möbelfabrik in Vysocäny mit einer Gürtelsäge, wobei er sich so ungeschickt benahm, daß die Säge ausglitt und ihm vier Finger abschnitt. Er wurde ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht. TaS erste Telephongespräch zwischen Prag«nd Japan. Montag um 11.40 Uhr Prager Zeit, d. i. 17.45 Tokioter Zeit, wurde das erste Telephongespräch Prag—Tokio geführt, und zwar zwischen dem Direktor dos TelegraphenamteS in Tokio und dem japanischen Geschäftsträger in Prag Herrn Noboru Ogada. Hierauf wurde die Direktion des Tsch. P.-B. mit Tokio verbunden. Das erste Telephongespräch ist ausgezeichnet gelungen und war auf beiden Seiten vollkommen verständlich. Der regelmäßige Telephondienst wird in naher Zukunft eröffnet werden. ’WliilliMiliillihlilliHlill 3tvMon t. D. Leitender Arzt Dr. A. Laub«. Phys-diiitet. Heilanstalt für alle inner«» und Etoffwechsel- krantheiten, rheumatisch« Erkrankungen, Ischias, Nerven- krankheite». Prospekte 8 und Auskünfte durch die Ber» walmng. Telefon SL. 2888 Heeicktssaat Volkszugehörigkeit und Muttersprache (Oberstes BerwaltungSgericht.) Prag. Im Hultschiner Gebiet, das durch den Friedeusvertrag von Preußen losgelöst und dem Territorium der Tschechoslowakei angegliedert wurde, herrschen vielfach recht unklare nationale Verhältnisse. Der Grundstock der Bevölkerung spricht seit altersher einen tschechischen Dialekt, der als„m ä tz- risch" bezeichnet wird und hat sich seine slcttvische Muttersprache seit der preußischen Okkupation der ehemals österreichisch-schlesischen Gebiet« durch nahezu 160 Jahr« bewahrt, obwohl diese Hultschiner ,,M ä h r e r" keinerlei eigene Schulen hatten und ihre Muttersprache nur im Familienkreis gebrauchten. Dabei fühlten und fühlten sich viele dieser slawisch sprechenden„M ä h r e r" als Deutsche. Ein Senat des Obersten Verwaltungsgerichtes unter Vorsitz des Senatspräsidenten§ a p e k hatte in einem für die Hultschiner nationalen Verhältnisse sehr bezeichnenden Fall zu entscheiden. Beschwevde- führer war«in gewisser Josef K a s ch n tz aus dem Dörf K o b e r i c e bei. Hultschin. Bei der Volkszählung von 1930 hatte Kaschnh in der Rubrik 15 des Volkszätzlungsbogens sein« Nationalität als deutsch eintragen lasten. Die Bczirksbehövde in Troppau und in zweiter Instanz mich die Landesbehörde in Brünn erkannten diese Eintragung aber nicht an, sondern sprachen ihm die tschechisch« Volkszugehörigkeit zu, unter Berufung auf Paragraph 2 der Regierungsverordnung vom 26. Juni 1930 (Zahl 86), in welchem ausgesprochen ist, daß als Merkmal für die Volkszugehörigkeit regelmäßig die Muttersprache anzusetzen ist. Es wurde festgestellt, daß Kaschny in seiner Familie sich der„mährischen" Sprache bedient, die nur ein Dialekt des Tschechischen ist und daß daher die tschechisch« Sprach« als seine Muttersprache angenommen werden müste, woraus aber im Sinne der erwähnten Verordnung auch seine tschechische Volkszugehörigkeit tzervorgehe. Gegen diese Entscheidung brachte Kaschny die Beschwerde an das Oberste Verwaltungsgericht«in. Dieses hat nun die Beschwerde äbgewiesen. In den Entscheidungsgründen wird u. a. ausgeführt: Im Sinne des ersten Absatzes des Paragraph 2 der Regierungsverordnung Zahl 86/30 ist die Nationalität bei der Volkszählung regelmäßig nach der Muttersprache der gezählten Person zu beurteilen.. Eine andere Volkszugehörigkeit, als die durch die Muttersprache bezeichnet«, kann nur unter zwei Voraussetzungen angenommen werden, uird zwar: 1. daß die betreffende Person sich auch im Familienkreis« jener anderen Sprache bedient und 2. daß er-dies« andere Sprache vollkommen beherrscht.. Gerade die erste Bedingung aber fehle in diesem Fall, denn«S sei verläßlich nachgewiesen, daß der Beschwerdeführer im Familienkreis„mährisch"(also tschechisch) spreche. Ebenso wurde festgeftellt, daß sein.Vater die deutsche Sprache nur schlecht beherrscht und seine Mutter überhaupt nicht. TaS Oberste Verwaltungsgericht konnte also in den angefochtenen Entscheidungen keine Mängel finden, die deren Aufhebung rechtfertigen könnten. Bedeutungslos sei auch die Tatsache, daß der Beschwerdeführer Angehöriger der deutschen christlichsozialen Partei und Mitglied des Kulturverbandes ist. rb. Servus! Servus! Das Prager Deutsche Theater hat nun wieder ein Zugstück. Die Operetten-Revue„Servus! Servus!" hat von GeorgBurkhardso viel Erfolgsicheres an Volkstümlichkeit, leichtem Ton. ständiger Abwechslung und sympathischem Milieu, von Robert Stolz eine so geschickte Mischung von netten Einfällen und Erinnerungen mitbekommen, daß von diesem Dreimäderl-Dreibuben-Haus beim Wilden Mann im Weißen Rößl unbedingt leichte vergnügliche Wirkung ausgehen muß. obwohl oder weil von Logik der Handlung gar nicht di« Rede sein kann. Im Prager Deutschen Theater hat man alles angewendet, um dem neuen Schlager Gehör zu verschaffen. Die Drehbühne, eine«ingebungsvolle Regie (Mordo), reizende Bühnenbilder(Kotulan), bunte Kostüme, ein paar gute Darsteller, Humor, Gesang. Tanz, ja sogar Artistik— hier scheint der Wettlauf mit Film und Variete gewonnen zu sein. Vor allem dem Auge wird so erstaunlich viel und dies in einem so flotten Tempo geboten, daß die innere Armut, der stellenweise Leerlauf überholt werden. Das E n s« m b l e ist zu beglückwünschen. Unter den Exponierten fiel Fräulein Coty, die Stellvertreterin Frau Walters, durch Sicherheit und Routine auf. unter den drei Brüdern erzielte(neben Schmerzenreich und Göllnitz) Herr Dörner den stärksten Komiker-Erfolg. Dudek war schlicht der„wilde Mann". Stadler ein drastischer I Portier. Padlesak«in sympathischer Filmregis- l seur. Unter den Damen(neben der Coty noch Car- pentier. Rahn. Marschner, Sommer) führte die gastierende Ljuba Hermannovä, eine ungemein temperamentvolle Darstellerin und Tänzerin. Tosenden Beifall fand ihre Hauptszene, ferner drei goldige tanzende Kinderchen, die aufsehenerregenden Tanzkünste des Paares Mariä und Fox, die urkomische Parodie der Rostinischen„Tell"-Musik und mancher überraschende Blick auf plötzlich auftauchende Szenen. Das Gesangliche weist etliche Schönheitsfehler auf, auf das Herren-Quartett oder-Quintett im Proszenium könnte man füglich verzichten. An dem großen Applaus hatte auch Kapellmeister Rieger verdienten Anteil. L. G, Die Zuckerbäckerin Daß eine Molnär-Premisre selbst in der Kleinen Bühne den Saal nur halb zu füllen vermochte, war^auch am Abend des Wahlsonntags eine Ueberraschung. Als aber die fünf Bilder dieser Komödie vorüber waren, hatte man den Eindruck, daß sich das ferngebliebene Publikum über das Stück bereits informiert hatte, das— wenn es nicht vom Autor des„Liliom" und des„Spiel im Schloß" signiert wäre— kaum eine Bühne gefunden hätte. Die. Dialoge, die hier um das unschuldige(vom biederen Gatten erst tragisch genommene und dann gütig verstandene) Abenteuer der Zuckerbäckerfrau mit dem arbeitslosen Jüngling gesponnen werden, sind nicht mehr als die Skizze zu einer Ehe-Komödie. Und erst in den letzten beiden Bildern verdichten sich die Hauptgestalten zu greifbaren Typen und die Dialoge zu pointierten Auseinandersetzungen, die des Autors bewährte Wichtigkeit zum Vorschein kommen lasten. Immerhin hat der-alt« Theater-Routinier Mol- när auch in dieser Skizze für Regie und Darstellung brauchbares Material geliefert. Aber die Inszenierung der Kleinen Bühne erschien noch skizzenhafter als das Stück: die Regie Walter Taubs deutete nur die Möglichkeiten des Aufführung an. ohne sie herauszuarbeiten, und die Darsteller schienen in ihren Rollen noch nicht ganz fest zu sein. Die ficherste und eindruckvollste Leistung-bot der gastierende Paul Morgan, der den aus der Reihe gebrachten und wieder ins Gleichgewicht kommenden Ehemann mit schlichter Komik, volkstümlichem Ton und behutsamer Herzlichkeit spielte. Egon von Jordan (der als einziger in diesem Budapester Stück nicht wienerte) war mehr ein Bonvivant als ein Schwärmer. Und Marion Wünsche ließ in ihrer Weinerlichkeit nur selten erkennen, daß um ihrer Rolle willen das ganze Stück geschrieben ist.-eis- Panl Dnkas gestorben. Aus Paris kommt die Trauerbotschaft, daß dort der bedeutende französtsche Komponist Paul D u k a s gestorben ist. Am 1. Oktober dieses Jahres wäre Paul DukaS stebzig Jahre alt geworden. Neben Debuffy und Ravel gehörte er zu den Hauptrepräsentanten der neueren französischen Komponistenschule und des französischen Musik-Impressionismus. Schüler des Pariser Konservatoriums, machte er schon in ganz jungen Jahren auf sein großes.tondichterisches Talent aufmerksam. Der Musiklehranstalt, der er seine musikalische Ausbildung verdankte, gehörte er vom Jahre 1927 mrch als Lehrer an. Dukas' Tonsprache' ist jener Debussys verwandt; sie zeichnet sich vor allem durch Farbenreichtum und höchste Klangkultur aus. TaS erste Werk, durch das DukaS auch im Auslande Beachtung fand und das auch in Prag wiederholt zu hören war. war das symphonische Scherzo„Der Zauberlehrling"(nach Goethes gleichnamigem Gedicht). das neben seiner ganz impressionistischen Art auch die Einflüste des Programm-Symphonikers Richard Strauß erkennen läßt. Andere bedeutende Tonschöpfungen Dukas find: Eine dreisätzige Symphonie, ferner die Variationen über ein Thema von Ramean, di« Ouvertüren zu„König Lear".„Götz von Berli- chingen" und„Polyeuct", eine große Klavier-Sonate, ein Ballett„Die Peri" und schließlich die 1908 uraufgeführte Oper.Arian« und Blaubart*(nach einem Libretto von Maeterlinck). Auch als Bearbeiter aller Musikwerke hat sich Dukas einen Ijgmen gewacht; insbesondere durch die Neuausgabe der Oper „LeS Indes galantes" von Rameau. Schließlich dürfen auch seine musikschriftstellerischen Verdienste nicht übersehen werden, die er sich als Musikkritiker verschiedener französischer Blätter erworben hat. E. I. Deutsche Mufikakademie. Interner Abend dec SchauspieMaffe- Donnerstag, den 23. Mai, 20 Uhr, im Saale des Lyzeums, Prag II. Szenen aus Werken von Goethe, Shakespeare, Klochund, Wedekind, Wild«, Möllere, Goldoni und Schnitzler. Wochenspielplau des Neue« Deutschen Theater-. Dienstag^8: Hoffmanns Erzählungen, A 2.— Mittwoch J48: Dantons Tod. B 1. — Donnerstag halb 8: Die deutschenKlein« st ä d t« r, C 2.— Freitag halb 8:Dantons T o d, D 1.— Samstag halb 8: ServuS, Ser- vuSl AI.— Wochenspieplan der Kleinen Bühne. Dienstag 8: Die Zuckerbäckerin.— Mittwoch 8: Meine Cousine aus Warschau.— Donnerstag 8 Uhr: I ch habS getan, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8 Uhr: Die Zuckerbäk- kerin, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf. — Samstag 8 Uhr: Meine Cousine aus Warschau. Wenn ich eine Mllion hätte... Bernard Shaw hat einmal so ernsthatt, wie es ihm möglich ist, das schwere Problem erörtert, das sich für Milliardäre ergibt, di« ihr Vermögen vernünftig und segensreich anwenden wollen. Der Milliardär, der in diesem amerikanischen Film erscheint, hat die Lösung des Problems dem Zufall überlasten: er verschenkt fieben Dollar-Millionen an sieben Unbekannte, um ihnen eine Chance zu geben — und in sieben filmischen Kurzgeschichten wird nun berichtet, wie die'überraschten Erben ihre Chance ausnützen. Gesetzt den Fall, es gäbe jenen Milliardär, der seine Erben im Adreßbuch sucht, so wären die Folgerungen. die dieser nachdenklich-witzige Anekdoien- Film zieht, gar nicht so uMvahrscheinlich. Manchen nämlich, so erzählt der Film, würde der Millionen- Scheck überhaupt nichts mehr nützen; dem gehetzten Bankräuber zum Beispiel, dem niemand die Echtheit des Schecks glauben will— und der am Ende glücklich sein mutz, für seine Million in einem Obdachlosen-Asyl eine einzige Nacht ausschlafen zu dürfen. Andere wieder— und das sind die meisten— werden die Macht des Reichtmns zur Verwirklichung ihrer Wunschträume benützen,. die aber nur darin bestehen, fich endlich einmal für die Schikanen zu rächen, aus denen ihr Schicksal bestand: sie werden dem Chef den Laden zerhauen, dem Direktor ihre wahren Gefühle zeigen, dem rücksichtslosen Mitbürger auf den Leib rücken. Und—» das ist die Poesie und die Weisheit des Films— vielleicht werden nur zwei Frauen einen Weg zum Gljlch finden: die Dirn« aus der Matrosenkneipe, die endlich einmal in«in«m reinen Bett eine einsame Nacht verbringen kann und die Vereinsamte aus dem Altersheim, die ihren Schicksalsgefährten ein neues Heim voll kindischer Freuden bereitet. Wenn man nicht wüßte, daß dieser einfallsreiche, skeptisch-witzige Film von einem Regie-Kollektiv unter Ernst Lubitschs Führung geschaffen wurde, dann würde man sagen: er könnte von Lstbitsch sein, von diesem Filmschöpfer, der die Fragwürdigkeit, der heutigen Gesellschaft mit den unrevolutionärsten, spielerischsten, witzigsten Mitteln zu enthüllen versteht. Hätt« er all« sieben Anekdoten, aus denen der Film besteht, selbst inszeniert, dann wären die Ungleichheiten verschwunden, die der Zusammenarbeit der sieben Hollywood-Leute anhasten, und alles wäre so einfach, so treffend und so heiter überzeugend geworden, wie der Besuch, den der Millionär gewordene Buchhalter seinem Chef abstattet. Chaües C a u g h- t o n. den wir als Heinrich der Achte kenn«nlernten. ist in der knappen, stummen Rolle dieses Buchhalters eine Sehenswürdigkeit. Und noch zwei eindrucksvolle Leistungen gibt es neben der seinen: Wynne G i b- son als Dirne und Mae Robson als Frau im Altersheim.—eis— Vor der letzten Ligarunde Die am Sonntag ausgetragenen Ligaspiele endeten zum großen Teil mit dem Siege der Favoriten. Nur in Kladno wurden die Heimischen von den Bohemians geschlagen. DFC holte sich nach einer Serie von Niederlagen in Teplitz die Punkte, die nun seinen Ligaverbleib garantieren. Wer mit Kolin endgültig absteigen wird, wird erst in der letzten Runde entschieden werden. DF« gegen TFK 2:0(1:0) Der Sieg des DFC war vollauf verdient; er spielte diesmal bester als in vorhergehenden Kämpfen. Die Teplitzer haben nur noch in der Hinter, Mannschaft vollwertige Spieler, die übrigen ersetzten zum Teil ihr Können durch Roheiten und ein Opfer, der DFC-Verteidiger Dreßler, mußte ins Spital geschafft werden. Es ist dies nun schon der zweite Fall, wo ein Prager Spieker„spitalsreif" gemacht wurde. Der Verfall des TFK wird immer deutlicher, sogar ihr Vertreter in der Ligastrafkommission hat auf seine Stelle verzichtet: BohemianS gewinne« Die Prager errangen in Kladno über den SK einen 8:1(2:1)»Sieg durch die bester« Leistung. Ob dieserGewinn aber ausreicht, dieTragfähigkett zu erhalten. wird sich erst in der letzten Runde erweisen. Kladno hatte viel Glück, besonders der Dormann. AFK Kokin doch Abstiegskandidat In Pilsen wurden die Koliner nach«iner gute» ersten Halbzeit von der Vikwria verdient mit 1:3 (1:0) geschlagen. Slavia siegt in Brünn Einen verdienten 3:1-Sieg nach einer iorlosri Halbzeit errang die Slavia über Zidenice. Di Brünner erzielten ihr einziges Tor aus einem Strest stoß. SK Prosnitz gegen SK Pilsen 3:2(2:1) Ein hart erkchnpfter, jedoch verdienter Erfoll der Heimischen. Die Pilsener hatten wähl Chancei vergaben dieser aber in der Aufregung. Sparta gegen Cechie Karlin 5:1 In diesem Samstag-Spiel blieb die Sparst überlegener Sieger. Die Karliner zeigten ein auf« opferndes, aber unzweckmäßiges Spiel, Divisionsmeisterschaften vor dem Finale Mittelböhmen: Vikwria Zizkob gegen EAF» 4:3, Cechoslovan Kosik gegen Liffa 8:2, Raudnl gegen Listen 2:1, Cechie VIII gegen Meteor VIII 2:0, Sparta Kladno gegen Rapid 4:1. Böhmen-Land: Nacbod gegen Olympia PW 8:3, Königinhof gegen Kopisty 6:1, Rokitza-i gegtt Horowitz 3:1, CSK Budweis gegen Pettin 3:1 Jungbunzlauer SK gegen Pardubitz 1:0, Rakoais gegen Königgrätz 2:2. Mähren-Schlesien: Polonia Karwin geg. Baü Zlin 2:1, Han. Slavia gegen Huffowitz 1:1, Mol. Slavia gegen Prerau 4:3. Sonstige Futzballergebnisse. Karlsbad: Saaz gegen4:2.— Brüx: DSK gegen DA? Bilin 5:2.— Aussig: DFK Komotau gegen DFÜ 2:1.— Lobositz: LFK gegen VfB Teplitz 4:0.-* B-Leip a: Warnsdorfer FK gegen DSV 7:2. Reichender g: SpVg Bodenbach gegen RFK W — Budapest: Preßburg gegen Budapest 3:3 (2:2).— Wien: Rapid gegen Vienna 1:1, 8^ mira gegen Sportklub 4:1, Hakoah gegen WAT 2:1, Fav. SC gegen Wacker 2:2, FAC gegen FC Wst> 1:1.— Paris: Frankreich gegen Ungarn H- 1 (1:0)!!— Amsterdam: England gegen Ho!' land 1:0(0:0), Samstag.— Bern: Everts gegen FC 2:2.— Zürich: Manchester City gefl»* Aoung Fellow und Grashoppers kamst. 3:2. Ein Zwei- Stundenlaufen fand Sonntag in Ko' schau statt, das Malejko(Riga) vor GalambZ (Budapest) gewann. Der Sieger legte 32.840.li Meter zurück. Ter Lrichtathletik-Klubkampf ESK Preßburg-, WAC Wie« am Sonntag in Pretzburg endet« 74.33 zu 31.66 Punkten zugunsten der Wiener. Di< gebotenen Leistungen waren schwach. Neuer Weltrekord. Der amerikanische Neger? Owens verbesserte bei einem Meettug über 20<* Meter Hürden in 22.9 Sek. den bestehenden Rekord DaviScup. In Prag endete die BegegnuN! Tschechoslowakei—Jugoslawien 4:1 und in Scheine« ningen gewann Japan gegen Holland 5:0. Vereinsaackrickten Deutsche BolkSfinggrmeinde, Prag. Heut* Dienstag Frauenchor% 7 Uhr, Männerchor% 8 istr Leiftungsprüftrngen. Genosst" und Genofiinnenl Beteiligt®jl alle an dem am Samstag, W] 25. Mai, stattfindenden stich-' athletischen Meettng auf Hetzinsel. Ausgeschrieben fw Fünfkampf der Sportler W Dreikampt der Sportlerinnen Deginn um 4 Uhr nachmittags. Gäste herzlichst I®*®* kommen! Filme In Prager Lichtspielhäusern • Urania-Kino:„Ferien vom Ich", Speelman»§ Deutsche Premiere.- Adria:„Der Filmfanatistkz A. Harold Lloyd.— Alfa:„Flucht aus des P a r a d i e s". A. E. Lubitsch.— Avion:»D» blonde Venus". A. Marlene Dietrich.— L'eranck- „Aus dem Regen in die Traufe". A. Laurel^u^ Hardy.— Fenix:„Wenn ich eine Million hätte". E. Lubitsch.— Flora:„Suzanne Lenox". A. ÄW Garbo.— Hvkzda: Mickey-Programm.^ Julis:„Eine Frau vergißt nicht..." A.— Kinewo- Journale, Groteske, Reportage.— Koruna: Held der Arena". A.— Kowa:„Bosambo". Eni- — Lucerna:„Bosambo". Engl.— Metro: ,2', ling". A. Sh. Temple.— Passage:„Eine 8s" vergißt nicht..A.— Praha:„Salto in die©*!*£ leit". D.— Radio:„Sein Schatten". A.— Sk«o'' „Nana". A. Anna Sten.— Svktozor:„Die blon-" Venus'. A.— Alma:„Laurel u. Hardv und L-» Chaney". A.— Bajkal:„Suzanne Lenox". A.® t{!4 Garbo.— Belvedere:„Barbara rast..Tsch. A M Ä IWl Ml? I Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder W eine Frauenkrankheit? M Wollen Sie Ihren Urlaub schön und K billig verbringen? W total den tat W«! Bei erstkl. Einrichtung, Fürsorge und W Bedienung sind wir wirklich billig. H In Bohdaneö erwartet Sie Genesung E Und Erholung. 3000 K Saison 2. Mai bis 30. September I Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch Vie Post monatlich KL 16.—, vierteljährig Kd 48—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig K4 192.—.— Inserate werden laÄ Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Post- und Test' graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI l/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.