u>!' Einzelpreis 70 Heller (elnschliaBlich 5 Hellte Porto) fjU IENTR ALOE GAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg»upochova«r. Telefon sjotf. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Nr. 119 Mittwoch, 22. Mai 1935 15. Jahrgang * Has wohlcrütncn der Massen! 7"7 z«'«»« Benin Zu den Wahlen In die Landes* und Bezlrksvertretunsen die 1 der der Landes Böhme« infolge der Politik der so- ^»iistischen Parteien in der Landcsverlretting Deute.einen größeren Prozentsatz aus, als in i•. dem Jahre, da die Landesvertretung ihre Tätigkeit begann. Die sozialpolitische und sozialhygienische Wirksamkeit der Landesverwaltung ist umfassend. Dank der Unterstützung des Landes ist die K r a n. kenhausfür sorge bedeutend erweitert worden und es besteht der Plan ein ganzes System wohlausgebauter großer Krankenhäuser ryit Unterstützung des Landes ins Leben zu rufen. Die Ausgaben für die Siechenfürsorge sind seit 1929 um fast 100 Prozent gestiegen. Dank der Wirksamkeit der ersten Landesvertretung von Böhmen wurde eine neue An st alt für Geisteskranke ins Leben gerufen und eine An st alt für tube r k u löse Kinder in Zwickau ausgebaut, deren Förderung und Erweiterung der Tatkraft des deutschen sozialdemokratischen Landesausschußbeisitzers und Li- stenführers in Böhmen Bruno Grund zu danken ist. Ebenso ist eine Landesheilanstalt für t u- berkulöse Kranke geschaffen worden, ein Institut für taubstumme Kinder wurde in die Verwaltung des Landes^übernommen. Ebenso viel wurde getan, um die Wirtschaft im Lande zu heben Und in der Zeit der Krise durch öffentliche Arbeiten die Zahl der Arbeitslosen herabzumindern. Das Land Böhmen hat^in den Jahren des Bestehens seiner ersten Landesvertretung 5 30 Millionen für öffentliche Arbeiten ausgegeben. Da sich darunter Beiträge an Gemeinden und Bezirke zwecks öffentlicher Arbeiten befinden, kann man sagen, daß mit Hilfe des Landes wenigstens für zwei Milliarden öffentliche Arbeiten unternommen wurden, wodurch Tausende von Arbeitslosen Beschäftigung gefunden haben. Bei diesen öffentlichen Arbeiten wurde auch dafür gesorgt, daß die Beschäftigten ordentliche Löbne erhielten. Die Landesvertretung hat beschlossen, daß Lieferungen nur an jene Unternehmer vergeben werden, welche die, Kollektivverträge einhalten, so-; daß ein Abbau der Löhne durch jene Unternehmer,\ die Arbeiten zugewiesen erhielten, verhindert worden ist. Hunderttausende von Lohnkronen sind so der Arbeiterschaft erhalten worden. Ebenso ist auf kulturellem Gebiete Außerordentliches geleistet worden. Am meisten Aus einer schweren Schlacht um unsere große und heilige Sache, um Freiheit und Demokratie, um Arbeit und Brot sind die Vorkämpfer des So- WÄismus und der Menschlichkeit zurückgekehrt — um am nächsten Sonntag nochmals unsere Reihen s«m Kampfe zu sammel». Unsere Arbeit geht Wester und die Vereinigung unserer bürgerlichen Gegner, die mit dem alten Lkockruf des Nationalismus auch viele proletarische l Elemente zum Ueberlaufen bewogen haben, heißt s für uns, mit verdoppelter Kraft uns dem Fascis- l UluS und der Reaktion entgegenstellcn und zu zei- ! km. daß einvorübergehenderErfolg unsexes Klassengegners unser« s'lesen Glauben an de»Sozial is- jUillSund die Befreiung der Arbei- L^trklasse nicht erschüttert hat. Nach den Wahlen in das Abgeordnetenhaus Und i« den Senat haben wir am kommenden,Sonn- l üg noch in die Landes- und Bezirksvertretungen ! iu wählen. Es wäre ein arger Fehler der Bevöl- s lkriing zu glauben, daß es vor allem auf die Zu- fümmensetzung der gesetzgebenden Körperschaften i fjfittmmt, in denen die entscheidenden Fragen der | Eolkrmassen zur Beratung kommen und die maß- ! Iibend sind für die Bildung der Regierung. 2m demokratischen Staat maß nicht nur die Negierung, sondern auch die öffentliche Berwal- tmig unter dem Einfluß und der Kontrolle des AolkeS stehen. Wen nicht die besten Gesetze durch eine volks- fttmbe Bürokratie in ihr Gegenteil verkehrt wer- ftn. Gerade die Landes- und Bezirksvertretun» «en geben den Vertretern dar Bevölkerung die Gelegenheit, in die Verwaltung Einblick zu nehmen dafür zu sorgen, daß auch in der Verwaltung *•8 Ideal verwirklicht werde: sulus rei publici •°Prema le*— dasWohl des Ganzen Iti daS oberste Gesetz! Die Gesetze, welche die Grundlagen der heuigen Verwaltung bilden, sind von einer rein bür- «trlichen Regierung 1927 beschlossen worden und in Kraft getreten. Sie haben die Wirksam- "st der gewählten Volksvertreter herabgemindert jenen der Bürokratie gestärkt. Wenn die Be- «>cks- und Landesvertretungen nicht jenen Einfluß Dm, den sie haben könnten, dann ist dies den % ! ile Bevölkerung auch erkannt und den Bürgerblock |^seligen Angedenkens beseitigt. Tie Sozialdemokratie hat deswegen seit 1929, da der Zusammentrftt der neuen Selbstvrrwal- üingskorpcr erfolgte, für die Erweiterung der Rechte der Volksvertreter diese Körperschaften erkämpft D ez ist ihr in den Landesvertretungen auch genügen durchzusehen, daß nicht Beamte, sondern [9«wählten Landesausschuß» ^isitzer die Referate erstattet so ständig Einblick in die Alten und in die ^ldesverwaltung gehabt haben.■•• «, Die größten Selbstverwaltungskörper der ^dublik sind die Länder. Ihre Bedeutung geht S~Mn schon daraus hervor, daß die Landesverwal- Böhmens ein Gebiet von mehr als sieben Millionen, die Mährens ein solches von mehr als Wieinhalb Millionen Menschen zu betreuen hat. Wöetreuen im wahrsten Sinne des Wortes, denn .'^Landesvertretungen haben vor allem sozial- * s o r g e r i s ch e, wirtschaftliche d kulturelle Aufgaben. InBöh- Wt entfallen von den ordentlichen Ausgaben des ^»des im Gesamtbetrag« von 466 Millionen ^35). 168 Millionen auf Sozialfürsorge und ^ksundheitswcsen, 161 Millionen auf Schulwesen M Kultur und 33 Mlllionen auf öffentliche Ar- Dies« sozialen, wirtschaftlichen und Kul- .Aon Wert wir ihre Unterschrift unter irgend eine besonder« Paktsormulierung, oder diese könnte sonst nicht mehr wert sein, als die erste feierliche Erklärung. Des längeren läßt sich Hitler dann über den Begriff der kollektiven Verpflichtung aus. Er polemisiert weiter gegen die Siegerstaaten und schildert, wie Deutschland den Friedensvertrag„fanatisch" erfüllt, während die Sieger ihn gebrochen hätten. Di« Abrüstungskonferenz, führte er weiter aus, sei nicht an Deutschland, sondern an Frankreichs Wider- stand gescheitert. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ist nach Hitler nichts anderes als die Zurückführung Deutschlands auf einen niemand bedrohen den(I).aber Deutschlands Sicherheit garantierenden Stand gleichen Rechtes!" Deutschland werde an keiner Konferenz mehr teilnehmen, an deren Progranunaufstellung es nicht von vornherein mitbeteiligt gewesen sei. Damit sokw nicht gesagt sein, daß es sich nicht die Freiheit Vorbehalte, Verträgen die Zustimmung und Unterschrift nicht noch nachträglich zu geben. Mit Ausnahme dem Memelgebietes— solange dort nicht das Memelstatut eingehalten werde, sei Deutschland zu Nichtangriffs- und Gewaltanschließungspakten bereit, nicht aber durch Beistandspakte, die sich nichts mehr von militärischen Allianzen unterschieden. Zum Schluß fixierte er die Stellung der Reichsregierung in nicht weniger als 13 Punkten. trag zum Frieden, der größer ist als manche Unter- -----. Wenn die deutsche Reichsregierung versichert, namens des deutschen Volkes nichts andere? als den Frieden zu wünschen, dann ist diese Erklärung entweder genau so viel Hitlers Rede zur Außenpolitik Die alle Walze /SEIN Wort mehr als ein Vertrag ER will den Frieden Berlin. sDNB.) In seiner Rede vor dem Reichstag schilderte der Reichskanzler zunächst die Aufgaben im' Innern, vor deren Lösung der nationalfozialistische Staat in Deutschland gestellt worden ist, Aufgaben, von denen jede fiir sich ein Jahrhundert(I) zu erfüllen vermöge. Von zwei Voraussetzungen, von dem Ausmaß der vorhandenen Ruhe und von der Dauer der zur Verfügung stehen- d e n Zeit hänge es ab, ob man alle diese Auf gaben des staatlichen und wirtschaftlichen Neuauf baues zur Verwirklichung bringen könne. Deutschland, sagte Hitler, braucht den Frieden. Wenn ich nun aus dem Munde eines englischen Staatsmannes höre, daß solche Versicherungen nichts sind, und nur in der Unterschrift unter kollektive Verträge die Gewähr der Aufrichtigkeit liegt, so bitte ich Mr. Eden dabei bedenken zu wollen, daß es sich in jedem Fall um eine„Versicherung" han- Ht. Wenn ich als Führer und Beauftragter der worden. Seit dem Bestehen der' Tschechoslowakischen Republik hat sich im Schulwesen in Böhmen kein solcher Fortschritt und Aufstieg vollzogen, wie in diesen Jahren, ein Teil der Schäden, die das deutsche Schulwesen nach dem Umsturz erlitten hatte, konnte dadurch wieder gutgemacht werden. Diese segensreichen Beschlüsse der Landesvertretung entsprangen d e r I n i t i a t i v e der. d e u t s ch e n s o z.i a I d c m o k r ä t i s ch e y Mitglieder der Landesvertretung, welche hiebei von den tschechischen sozialdemokratischen Landesvertretern unterstützt wurden. Die Zusammenarbeit der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten hat hier für das deutsche Schulwesen reiche Früchte getragen. Auch in nationalen Dingen blieb das Wirken der deutschen sozialdemokratischen Landesvertreter nicht ohne Erfolg. Es konnte durchgesetzt werden, daß die deutschen Referenten in der Landesvertretung nicht nur in tschechischer, sondern auch in deutscher Sprache ihre Berichte erstatten können, ebenso wie die wichtigsten Vorlagen den deutschen Landesvertretungsmitgliedern in deutscher Sprache zugekommen sind. Das hat den deutschen Landesvertretern ihre Arbeit im Interesse der Bevölkerung wesentlich erleichtert. Auch b e i den Landessubventionen konnte — wir verweisen da insbesondere auf die Jugendfürsorge—r- durchgcsetzt werden, daß die Verkeilung nach dem Bevölkerungsschlüssel erfolgte, so daß z. B. auf die tschechische Jugendfürsorge zwei Drittel, auf deutsche ein Drittel entfällt. So wurde auch auf diesem Gebiete Selbstverwaltung— trotz der Einschränkung Kompetenz der Landes- und Bezirksvertretungen durch die Verwaltungsreform— in sozialer und kultureller Hinsicht Bedeutsames getan, Arbeit für das Volk geleistet. Gleich den Abgeordneten und Senatoren fühlen sich Landes- und Bezirksvertreter als nichts anderes als die Sachwalter der Interessen der breiten Massen.' Sie werden diese schwere Arbeit auch weiterleisten und dafür sorgen, daßinden Ländern und Bezirken das Wohl derBevölkerung der Leitgedanke aller Verwaltungbleibe. Wer nicht der Phrase nachlänft, für den die Politik die hohe Aufgabe bedeutet, das Wohlergehen und Glück der ärmeren Volksschichten zu fördern, der wähle am Sonntag in die Landesund Bezirksvertretungen die Sozialdemokratie, die $ und Prag Henlein kriecht Ins trojanische Pferd „Wir haben keine Lust mehr zu weiteren Loyalitätserklärungen." Dr. Brand in Reichenberg. „Bis zu den Wahlen werden wir uns die Demütigungen, die der Sudctendeutschen Partei zugefügt wurden, gefallen lassen. Nachher ist es aber Schlußdamit." Dr. Rosche in seiner Prager Wählerversanunlung. „An mir ist es. Ihnen als dem nach der Verfassung zuständigen Faktor die eindeutige Erflärung abzugeben, daß ich rückhaltlos an meinen Erflärungen vom 21. Oktober 1934 in Böhmisch-Leipa feschalte und daß die in der gleichen Richtung laufenden Bekundungen in diesem Wahlkampf ausschließlich auf dem Boden der Verfassung, dem Staate und meinem Volle zur Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt und dem Frieden zu dienen, so weit es von mir abhängt, konkretes politisches Programm bleiben sollen." Aus Henleins Telegramm an Malypetr, Wen will Henlein betrügen? Seine Wähler oder die Träger der Staatsgewalt? Oder beide? lseberraschend schnell wird der Wahlzirkus der Sudetendeutschen Parrei zur Schaubühne- für eine politische Schmierenkomödie umgebaut. Vor den Wählern donnerte Dr. Brand, daß man es satt habe, weitere LoyalitätSerflärungen abzugeben. Reicher Beifall belohnte dieses Gelöbnis. Und in den ersten Tagen nach der Wahl fabriziert Henlein schon wieder Loyalitätsschwüre am laufenden Band. Er nimmt die Rolle des gekränkten und verkannten Demokraten wieder auf. Ja, er hat die Stirne, an Malypetr zu drahten: „Durch die Anmaßung unverantwortlicher und zur Verantwortung auch gar nicht berufener Elemente kann dem Staate nicht gedient werden." Die Anmaßung unverantwortlicher Clemente — damit hat sich Henlein und seine Partei trefflich charakterisiert. Er, der sich nach dem Muster Hitlers von der Arbeit und Verantwortung eii'es Parlamentariers gedrückt hat, ist in Wahrheit die personifizierte Verantwortungslosigkeit in der sudctendeutschen und in der gesamtstaatlichen Politik. Anmaßung und Verantwortungslosigkeit, da? , sind die Kennzeichen auch des ganzen Stabes von Unterführern im Hauptquartier des sudetendeutschen Fascismus. Nun soll wohl plötzlich vergessen sein, mit welchen Mitteln die Sudetendeutsche Partei ihren Wahlkampf geführt und gewonnen hat? Daß die Wähler mit Lebensmittelpaketen, Geldspenden, Versprechungen, die von Deutschland herüber kamen, gekauft wurden, daß das ganze Requisit des hakenkreuzlerischen Volksbetruges gegen die demokratischen und sozialistischen Elemente deS deutschen Lagers eingesetzt wurde, das will man plötzlich nickit wahr haben? Wörtlich haben die Sandners und Sebekovskys den Goebbels-Schlager, auf ihren Flugblättern übernommen: Die Bonzen im Speck, Die Arbeiter im Dreck. Wörtlich hat Henlein den stereotypen Satz Hitlers von den 14 Jahren schädlicher Parteiherrschaft übernommen, nur daß er aus den 14 Jahren 16 Jahre gemacht hat. Die ganze Aufmachung seiner Wahlkundgebungcn, alle Formen seiner wüsten Agitation von der persönlichen Bedrohung des Gegners angefangen bis zur Erpressung durch die Arbeitgeber hat der sudetendeutswe Fascismus von der reichsdeutschen Nazibeweguug übernommen. Nach der Wahl werden plötzlich die Schlagringe und die Schlagworte in der Garderobe abgegeben, die Helden des Schauspiels haben sich umgefleidet und erscheinen in Steifhemd und Gebrock des bürgerlichen Demokraten, um möglichst ministrabel zu erscheinen! Die Sandners und Dr. Brand treten in den Hintergründ und der biedere Rosche, der glatte Dr. Peters anticham- brieren wieder in den Vorzimmern der tschechischen Politiker. Wer also soll betrogen werden’ Ausgaben haben 1929 73 Prozent, 1985 aber deutschen Nation vor der Welt und meinem Volk die "er 78 Prozent der'Gesamtausgaben betragen. Versicherung abgebe, daß es mit der Lösung der Efe°!??ie Gesamtausgaben infolge der so"ist die^'ew'Äi- ,*nse eingeschränkt werden mußten, machen die gum graben, der größer ist als manche Unter- '°Kalen, wirtschaftlichen und Kulturansgaven unter manchem Pakt. ?wen, den sie haben konnten, dann rst dies den ^erlichen Parteien zu danken, welche die Ver« ^altungsreform beschlossen haben. 1929 hat das ivuiuuu»..>«»iiw««• vo ~ im Volksschulwesen. Durch die Herab« I Liste S. Seite 2 Mittwoch, 22. Mai 1935 Nr. 119 Die Presse zum Wahlaussans Das deutsche Wehrsesetz beschlossen Einjährige Dienstzeit Berlin,(dns.) Vor der dien-- tägigen ReichstagssiHung fand eine Mi» nifterbesprechung unter dem Vorsitz des Führers«nd Reichskanzlers statt, in der das vom Reichswehrmimster eingebrachte Wehrgesetz beraten und beschlossen wurde. Es wird, wie Frick in der Reichstagssitzung erklärte, am Mittwoch veröffentlicht werden. Die Dauer der aktive» Dienstpflicht bei den drei Wehrmachtsteilen wird einheitlich auf«in Jahr festgesetzt. Die jugendlichen Wähler HenleinS schwören Stein und Bein darauf, daß der Wahlsieg der Sudetendeutschen Partei ein Schritt zum bevorstehenden Anschluß an das Dritte Reich war. Man weiß schon und erzählt es ungeniert weiter, wo die zukünftigen Grenzen laufen werden. Tuschlau bei Pilsen kommt noch zu Deutschland, da- benacki- barte Tschemin bleibt bei der Tschechoslowakei. Bom Neuerner Bezirk, so hieß eS, werden 23 Gemeinden ins Dritte Reich einverleibt. In Nordböhmen kann man auS Eisenbahngesprächen hören, daß die Grenzpfähle künftig bei Leitmerih stehen werden. Die Gerüchte find im ganzen Grenz- 'land so einheitlich, daß ihr gemeinsamer Ursprung in einer Propagandazentrale keinem Mensch-n zweifelhaft sein kann. Die Anhänger der H-n- leinpartei blicken hoffend nach Berlin und die Führer erweisen dem demokratischen Prag die respektvollste Reverenz. Wofür haben sich also fünfvierielmillionen Sudetendeutscher am Sonntag entschieden? Für den Dr. Brand, der keine Lohalitätserklärungen mehr abgeben will, oder für den HenleiN, der neue Treuschlvürr als tschechoslowakischer Patriot ablegt, der so rührend besorgt ist, daß»unverantwortliche Elemente" dem Staate schaden könnten? Wofür haben eigentlich die Sudetendeutschen am Sonntag entschieden? Daß Herr Dr. Noschin Prag Minister wird oder daß die Henlein und Dr. Brand als Paladine des Dritten Reiches möglichst bald durch die Berliner Siegesallee einziehen? Sind die Ergebenheitstelegramme Henleins schon sein beginnender Verrat an den Wählern, oder wird eben das trojanische Pferd aufgezäumt, mit dessen Hilfe sich die sudetendeutschen Faseisten durch die Tore der Staatsgewalt schmuggeln wollen? So viel ist gewiß: Der Weg der Katastro- -» phenpolitis, den am 19. Mai die Mehrheit der Deutschen dieses Landes beschritten hat, hat sein vorbestimmtes Gefälle. Er führt die Partei Henleins entweder in die Katastrophe des Selbswer- rats oder er mündet in einer inner- oder außen- polttischen Katastrophe. Die Führer werden bald die Geführten sein. Die Geister, die sie riefen, werden sie beherrschen. Die Sudetendeutschen werden eines kommenden Tage? vor die innere Entscheidung zwischen neuer Selbstbesinnung und mörderischer Selbstvernichtung gestellt sein. Für diesen Tag rüsten wir mit ungebrochener Kraft und mit dem grimmigen Entschluß, den Totengräbern der Heimat die Karten ihres Hasardspieles aus der Hand zu schlagen. »Prävo Lidu«: „Aebermaß an überfWssiger Toleranz." Das.Prävo Lidu" schreibt: „Ein positives Ergebnis der Wählen ist der Sieg der Koalition»Politik, die wir mitgeführt und mitbegründet haben. Hier hat es sich nicht gehandelt um die Verteidigung des guten Namens dieser Arbett, die in langen und so schweren sechs Jahren geleistet worden ist. Gegenstand der Prüfung war die sittliche Grundlage der Koalitionspolitik, die gewesen ist»nd ist, die Demokratie... Richt einmal ein gewisses Wachstum von Gajdas FasciSmus kann etwas an der Tatsache ändern, daß die Republik unseren Fascis- muS auf» Haupt geschlagen und politisch erledigt hat... Allerdings ein ernstes Geschehnis ist das jähe Wachstum der Heimatfront auf die stimmenmäßig stärkste politische Partei unseres Parlaments. Diesen Machtanstieg HenleinS können wir nicht als natürlich und gesund anfehen, denn die Heimatfront arbeitete mit dem größten polüischen Terror und wir müssen den Verantwortlichen Faktoren das Uebermaß an überflüssiger Toleranz einer ausgesprochen autoritären und auf de« Gedanken der antidemokratischen Totalität gegründeten Bewegung auSsetzen... Henlein wird sich bald überzeugen, daß er unsere Demokratie und noch weniger unsere Republik terrorisieren kann." »Ceski Slovo«: „Prager Dilettantismus in der Nationalpolitik" Das„Ceskö Slovo" schreibt über die Ursachen von HenleinS Erfolg: „WaS geschah in diesen Wahlen zur Unterstützung des deutschen AkttvismuS. Der deutsche Sender, den zeitgerecht zu errichten» Staatsinter- effe war und der ein Mittel hätte sein können, der httlerischen Ansteckungsgefahr unter den Deutschen zu begegnen, wurde als eine Schändung und als nattonale Feigheit hingestellt. Den deutschen Sender haben wir nicht, aber wir haben den Henlein mit einer polittschen Macht, wie sie bei uns noch kein Deutscher hatte. Das find schwere Folgen deS unseligen, wir möchten am liebsten sagen Prager Dilettantismus in der Nationalpolitik, welche wir um so schwieriger wegräumen können, je mehr man Vergessen und gesündigt hat." »Lidovi Noviny«: „Schaffung der neuen Koalition sehr schwierig" Auch die^llidovt Noviny" befassen sich mit dem Wahlausfall im deutschen Lager. „Dort", so schreiben sie,„hat die Ansteckung durch den wilden Nationalismus und die soziale Reaktion im HitleriSmu» gezüchtet und von Deutschland auS verbreitet, die Mehrheit deS deutschen Volles erfüllt. Der Sieg der Henlein-Partei, welche die meisten Stimmen von allen Parteien in der Republik erreicht hat, hat alle Erwartungen übertroffen. Die Stärke der deutschen attiviftischen Parteien ist auf die Hälfte verringert. Den Henlein-Leuten ist es allerdings nicht gelungen die aktivistischen Parteien zu vernichten und daS ist bei der gegebenen Siwation schon eine Erleich terung. Dennoch haben die Henlein-Leute zwei Drittel de» deutschen Bolle» unter ihren Fahnen gesammelt. Diese Vereinigung stellt ein schwere» Problem für unsere Politik dar. Dir dürft« uns ihren Ernst nicht verheimlichen,... Die schweren Verluste der deutschen Regierungsparteien haben bewirkt, daß der Verlust an Mandaten für die bisherige Regierungskoalition bedeutend ist. Sie verlieren insgesamt 31 Mandate, von denen 9 auf die tschechischen und 22 auf die deutschen Parteien rnttallen. Damit hat die gegenwärtige Koalition im Abgeordnetenhaus die Mehrheit verloren: sie hätte nur 149 Abgeordnete. Selbst wenn es keine anderen Gründe dazu gäbe, müßte schon deshalb die Koalition erweitert werden. Es wird als selbstverständlich angenommen, daß in die neue Regierung die Gewerbetteibenden eintreten, man wird aber auch mit den Slowakischen Vollsparteilern und den deutschen Christlichsozialen verhandeln. Daweil wissen aber nicht einmal die führenden Polittker, welcher die Zusammensetzung der neuen Regierungsmehrheit sein wird. Man rechnet nicht mtt dem„Närodni sjednoceni", den Faseisten, den Henleinistea und den Kommunisten. Die Schaffung der neuen Regierung und Koalition wird sehr schwierig sein." »Lidovt Listy«: „Tschechische Agrarier sind schuld" Bemerkenswert ist die Stellung der ,L i d o v k Listy", welch« darauf Hinweisen, daß dem zersplitterten Lager der tschechoslowakischen Parteien ein einheitliches Lager der deutschen Minderheit gegenübersteht. „Diese» Ergebnis", so sagt da» Blatt wörtlich,„ist das Verdienst der führenden Regierungspartei und hauptsächlich des Pressechefs der Partei. des Senators Vranh... Die Presse der Agrarpartei hat unter Führung des Senator» Vranh die Kommunisten geschont, den Henlein geschont, die Faseisten protegiert— aber sie hat sich im Eifer übertroffen, die tschechoslowakische Volkspartei zu zerschlagen... Der Pressechef der ersten Regierungspartei hat sich so in die Parole verliebt„teile und du wirst herrschen", daß er schließlich selbst in die Grube geflogen ist, die er einem andern gegraben hat. Er hat stets erklärt, daß ihm der Primat seiner Partei höchstes Interesse sei und daß dieser klar und sichergestellt sei— bis er diesen Primat verloren und ihn dem Henlein übergeben hat. Das haben wir gerade noch gebraucht... Der Wett zu zeigen, daß der Exponent des HitlerismuS in der Tschechoflowakischen Republik den Primat über die Partei deS Ministerpräsidenten, die erste tschechoslowakische errun- ” gen hat."" »Venkov«: Die„unorganische" Henkeinpartei Dar Haupwrgan der Agrarier, der ,V e n» kov" nimmt zu den durch die Wählen entstandenen Verhällnissen noch keine klare Stellung ein. „Die Zunahme ist bedeutsam", schreibt daS Blatt,„allerdings muß man bei seiner Beutteilung die unorganische Organisation vor Augen haben, welche sich unter dem Namen eines einzigen Führers vorstellt... HenleinS Wachstum ist allerdings auch eine ernste Warnung an das zersplitterte Patteienwesen auf tschechoslowakischer Seite." Ein Hinweis auf die kommende Regierungsbildung ist lediglich in den Dorten des Blatte» z» finden, des „der Kern der tschechoflowakischen Koalition genuz stark und widerstandsfähig sein wird für die W< rung einer energischen und zielbewußten Etaati- politik." »Volkswille«: „Was daS Schmerzlichste ist...* Unser Karlsbader Patteiblatt beginnt sein» Leitartikel mit folgender Bettachtung: „Unsere Partei hat bei der sonntägige« Pao lamentSwahl eine schwere Einbuße an Stimm« und Mandaten erlitt«. Und WaS daS Schmerzlichste daran ist: Es hoben auch viele tau« sende Arbeiter gegen die Partei gestimmt, der sie da» Bürgerrecht, die politische Freihett, die Sozialgesetzgebung, kurz akck WaS sie an Rechten und Freiheiten und Schutzmaßnahmen besitzen, zu verdanken haben. Es habe« all« gegen sie gestimmt, denen eine halbwezt gründlich« polittsche Schulung mangelt, die sich tu» der Schwere unseres Kampfe» al» deutsche Arbeiterpartei in diesem Staate kein« VorsteüM machen, und denen die Fähigkeit mangelt, die Le- deutung dieser Wahl für sich selbst als Arbeüel und' al» Sudetendeutsche zu erkennen. Tausende Arbeiter und Frauen haben auf die gewaltig Arbett unserer Pattei für sie vergesse«, Hobe« unsere Leistung mißachtet, die ihnen au» diestm Staate 2700 Millionen Ai an Unterstützt brachte, haben vergessen, daß wir den Abbau der Sozialgesetzgebung verhindett, daß wir Schutzmaßnahmen gegen den weiteren Lohnraub herbei- gefühtt, daß wir ungezählte Menschen vor de» völligen Zugrundegehen im Hunger bewahrte«,»d wir gegen eine gewaltige Uebermacht hier eine wahrhaft grandiose nationale, kulturelle und soziale Schutzarbeit geleisttt— sie haben alle» vergessen, sie haben alle» mißachtet, sie haben sich für ein paar leere, inhaltslose und zu nichts verpflichtende Phrasen und für einige elende Tüten vol Lebensrnitteln kaufen lassen; von demselben Großkapital kaufen lassen, bad sie voher in ihrElend hineingestoßen hat, und das si« nun auch um ihre» polittschen Einfluß als Arbeiter und, wenn irgend- möglich, auch noch um ihre bürgerlichen Rechte betrügen will." »Ooutscks Presse«: „Täuscht Henlein, dann wird sein« Schuld riesensroß" Das Haupwrgan der deutschen ChnstsichsozialN schreibt: „So unwahrscheinlich er ist, daß die führenden tschechischen Parteien ihre polittsche und nationale Linie Henlein zuliebe raschest ändern werde«, so glaubten doch Tausende und Tausende den Versprechungen geschickt gewählter Schlagworft Henleins, weil er ja ein neuer Mann mit einer neuen Pattei ist, ein Mann, dem noch niemand nachsagen kann, daß er den Tschechen etwa» abgetrotzt hätte, aber auch nicht, daß ihm di« Tschechen etwa» versagt hätten. Dazu war noch kev» Gelegenheit. Und darauf— auf diese eine Jta 1" — setzte ein großer^ ein sehr großer Teü de- Sudttendeutschtum» bei der Wahl am Sonntai- ... Damit ist die Verantwortung für die weiter Gestaltung des sudttendeutschen Schicksal»& Staate auf Henlein und seine Pattei übergeg«»' gen. Es ist eine gewaltige Verantwortung. Wenn er, der an allen und jedem, die Hetzer im Dienste de» deutschen Bolle» im gearbeitet haben, unnachsichtigste und streng 25 Roman von Emil Vachek^i * Deutsch von Anna AurednKek „Vielleicht darf ich aber doch noch sagen", bat das Kind der Finsternis,„daß mein unglücklicher Buckel meiner Mami die Hochzeit verpatzt hat!" Der Vorsitzende erschrak, fühlte wieder seine Ohnmacht und beantwottete Bejnstellers Frage nur mit einem Brummen. Der erste Votant ermutigte Beinsteller mit lustigem Augenzwinkern: »Nur Wetter, Hallodri. «Das war so, hoher Gerichtshof. Mein Alter war ein Braubursche. Die sind furchtbar mißtrauisch, daß ja niemand das Bier pantscht. Der Vater betrachtet mich, mustett meine Haare, mein armseliges Körperchen, schaut sich an und sagt zur Mami:„Das soll mein Gebräu sein? Das bind' einem Kalb an die Nase. Weiß Gott, wem er ähnlich sieht, mir gewiß nicht. Ich bin gottlob gesund und kann für meine Arbeit einstehen. Sag' mir» mit wem du's hast..." Schließlich hat er sich aber doch erweichen lassen und gesagt:„Ich fahre jetzt auf ein halbes Jahr nach Belgrad. In ein neuerrichtetes Brauhaus; bis ich heimkomme, haben wir Hochzett." Während dieser Zeit bin ich aber auS der Wiege gefallen, und als der Vater zurückkam, hat man meinen Buckel schon gesehen. Der Vater hat ihn bewachtet und dann der Mami gesagt:„Bedaure sehr, Fräulein, aber jetzt soll dich der heiraten, nach dem der Bastard die Kasse geerbt hat." Und die arm« Mami hat keine Hochzett gefeiert." „Ihre Lebensbeschreibung ist so lang wie die des Julius Cäsar, brummte der Vorsitzende.„Machen Sie's kürzer." „Ich bitw sehr um Verzeihung, gnädiger Herr, das geht aber jetzt nicht, weil jetzt da» Wichtigste kommt: Acht Jahre bang laufen einem die Buben nach und schreien:„Buckliger, Ferdl mit dem Buckel..." Und Sie wollen, daß ich's kürzer mache! Oder meine Kollegen rufen:„Es brennt!" Der Lehrer hat kein gutes Wort für unsereinen. Er sagt höchstens:„Junge, dir schaut der Galgen aus den Augen und den Haaren!" Die Mütter warnen ihre Fratzen:„Pepperl, weich' dem Beinsteller aus, du siehst ja, wie ihn der Herrgott gezeichnet hat!" Die Kinder werden mit unsereinem geschreckt, als wär' man der Rauchfangkehrer, und Sie, gnädiger Herr, sagen jetzt schlicht:„Machen Sie'S kürzer!" Der Vorsitzende brummte Nur, der Staatsanwalt war nicht mehr böse, aber hantierte wieder mit seiner Nagelfeile, und die lustigen Augen des ersten Votanten lachten Beinsteller noch aufmunternder zu. Der Detiktiv neben Fräulein Sophie entschloß sich endlich, sich auf den leeren Platz neben Magdalena zu setzen, doch wurde er daran gehindert, da in demselben Augenblick ein junger Mann sich neben sie setzte, den er als den famosen Taschendieb Hanslitschek erkannte. Das Kind der Finsternis setzte aber seine Rede fort:„Befehl ist Befehl, ich will es also kürzer machen und zu meinem vierzehnten Lebensjahr hinüberspringen. Ich bin also vierzehn Jahre alt, habe die Schule hinter mir und komm« in die Lehre. Mein erster Meister war Schlosser. Ich wurde von ihm aus der Lehre hinauSgewatscht. Ein Buckliger und Rothaariger kriegt in der Lehre mehr Haue als ein Gesunder; das scheint Gesetz zu sein. Darauf sagt die Mami:„Wirst Handschuhmacher, Junge, daS ist bei uns in ZiZ- kov eine national« Beschäftigung." Ich komme zu dem Meister, der guckt meine Haare, dann meinen Buckel an und sagt:„Warum bist du aus deinem Posten davon, mein Söhnchen?" Darauf sage ich: „Ich bin nicht davon, ich konnte«S nicht mehr aushalten. Alle haben mich geprügeft, der Mei ster, die Meisterin, die Bälger und die Gesellen." Der Handschuhmacher lacht und sagt:„Ich habe die größte Lust» mit dir gleich die Tür einzurennen, aber deiner Mutter wegen will ich's mit dir versuchen." Ich habe schwer gelitten. Mein erster Meister schon hat mich schlecht behandelt, aber beim zweiten ist eS mir noch hundertmal schlechter ergangen. Als dann eines TageS ein Beutel mit Tabak verschwand, hat er mich halbtot geprügelt und davongejagt. Am nächsten Täg ist er gekommen, weil der Beutel gefunden worden war. Die Alte hatte ihn in den Kaiserrock gesteckt und er sagt«: ich soll mich nicht wundern, weil ich wie ein Räuber aussehe, und ich kann ja wieder zu ihm zurückkommen. Was blieb mir andres übrig, als dem Flegel ins Gesicht zu spucken. Vierzehn Tage lang konnte ich nach seiner handfesten Gerechtigkeit nicht auf den Beinen stehen, und der Kerl kommt und sagt, ich sehe wft ein Räuber aus... So habe ich mich denn nach Arbeit umgeschaut, zu der man kein« Lehrjahre braucht. Ich klopfte hier und dott an. Man schaut mich an, als hätte ich Wälder in Brand gesteckt, und ein Kerl flüstert seinem Kollegen zu: „Schauen Sie nach, ob der Lump nicht meinen Stock auS dem Vorzimmer mitgenommen hat." Darauf habe ich den Stock gepackt und, obwohl ich ein Knirps war und er ein handfester Kerl, ihm ein paar versetzt, daß ihm Hören und Sehen verging. Wir gehen zur Polizei, wo er verhütt wird. Ich datt den Mund nicht einmal aufmachen.„Wir kennen dich, du Gassenbub l" schreit der Kommissär.„Dir steht auf der Sttrn geschrieben, daß du ein sauberer Bogel bist!" Ich habe drei Tage bekommen, durste mich nicht mucksen, außerdem haben mich di« Wachleute windelweich geprügelt. Im Kotter habe ich über alles nachgedacht und eingesehen, daß di« Welt nichts von mir wissen will, mich mtt den Füßen stoßen wird, auch ^Fortsetzung folgt.)! wenn ich ein Heiliger wäre. Ich will den H«^ Staatsanwalt hier nicht wieder aufbringen frage nur im allgemeinen, wer in meiner LE nicht ttefer gesunken wäre? Ein anderer Fu»' Mir gefällt ein sauberes Mädel. Ich gehe zu w“ mache ihr Komplimente, wie die anderen e» tE Si« aber wirst mir über die Schuller die zu:„Schieb ab, Buckliger!" Ich versuche e»“ einer andern.„Dich möcht' ich nicht einmal raten. Junge," sagt sie. Die dritte weicht mir Bogett aus. Eine vierte habe ich gar nicht gesucht, weil sie alle müeinander ein Gtsin"' sind. Hohes Gericht! Können Sie sich daS E vorstellen? Die Mutter bewachtet mich al» Unglück, der Vater will mich nicht anerkenn^ kein Mädel mag mich. Freunde hab' ich überall begegne ich nur Verdächtigungen,, und Spott... Ein armer Kerl, dec bucklig tät am besten, schnurstracks in die Moldau gehen. Bucklige sollen nur in reichen Fawiu^ geboren werden. Biel Geld deckt den Buckel zu- „Mäßigen Sie sich, Beinsteller," der fitzende erwachte aus seiner Lethargie,„und“ enden Sie lieber Ihre Rede." „Mn gleich fertig, gleich, gnädiger Hett- will nur noch sagen: Als ich zum erstenmal A war, wegen einer Sache, in die mich alle Mens-« mit vereinten Kräften getrieben haben, und ich sagte, ich bin nur einmal von der Polizei straft, so hat der Herr Rat Schwarz mirabs^ nicht glauben wollen. Vorige» Jahr hat ihn seinem Spaziergang ein Schlager! gerührt, ich damals vor ihm gestanden bin. hat er in" Papieren gekramt, meine Strafen gesucht. U Kopf geschüttell und gesagt:„Sie find noch vorbestraft? So ein Galgengesicht hab' ich nie gesehen. Sie sind gewiß unter fremden men schon gesessen." Rr. 119 Mttwoch, 22. Mal 1988 Seite 3 llcnleln, der Staat und die Tsdiedicn Sfaafskunsl oder Dilettantismus? braucher. Kritik geübt, all ihr Mühen und ihre Anstrengungen als müßig und zur Erfolglosigkeit verurteilt erklärt hat und auf dieser Kritik seine Partei aufbaute ohne festes Programm, aber mit freigebigsten Versprechungen, dann muß er sich bewußt sein: erfüllt er nicht, wa» er verspricht— und vorläufig sind kaum Anzeichen, daß ihm di« Lösung der Riesenaufgabe gelingen wird—, dann wird das Volk, da» ihm di« Stimme gegeben, nicht mir enttäuscht sich von ihm wieder atmenden, sonder» unbarmherzig Rechenschaft verlange»... Henleins Partei war nicht wählerisch in den Mitteln ihrer Wahlpropaganda. Run ist der Wahlkampf geschlagen; sie hat ihre Mandate erreicht, ist zur stärksten deutschen Partei geworden, ja zu einer der stärksten Parteien im Staate überhaupt. Wir nehmen das als Tatsache hin, weit entfernt, Wahlerfolge geringer zu machen, als sie sind. Rach dem Wahlerfolg beginnt für sie aber erst und zum erstenmal die öffentliche Arbeit in der gesetzgebenden Körperschaft. Hier wird sie das Vertrauen zu rechtfertigen haben, das ihr in so reichem Maße das Voll vorgeschossen hat. Täuscht Henlein dieses Vertrauen, dannwirdseineSchuldvordersude- tendeutsch en Geschichte riesengroß." betreffen müßte. Gegen diesen diese«nverantwortlichen Becher, die dabei nur eigennützigen Zwecke muß sich die gesamte aufgeklärte Henlein-Presse: „Henlein vollgültiger Verhand lungspartner" Für die Haltung der Henlein-Preffe scheint der Eiegesartikel der„Egerer Zeitung" charakteristisch zu sein, die für die R e g i e r u n g S b e« teiljgung der SHF plädiert. Das genannte dlatt will „jeden Zweifel beseitigen, daß Henlein als v o l l• gültiger Verhandlungspartner im Sinne einer Demokratie zu gellen hat... Da» sudetendeutsch« Voll hat mit aller Entschiedenheit vor allem zum Ausdruck gebracht, daß es auf eine Marxistische Vertretung in der Regierung keinerlei Gewicht legt. Die Demokratie fordert gebieterisch, daß die nötigen Konsequenzen gezogen werden... Die sudetendeutsche Oeffentlichkeit wartet darauf, daß in der entscheidenden bevorstehenden Stunde einer un- -weifelhaft notwendig gewordenen Neubildung der Regierung der grundlegend geänderten Verhältnisse im deutschen Lager gebührend Rechnung getragen wird." Die Berufung gerade diese» Henleinblatte», das >«i zwei Jahren nicht nur mll Henlein gleichgeschal- ist, auf die D e m o k r a t i e. ist ein« der ersten "Mseqenzen der grandiosen sudetendeutschen Groteske von IvSS. »Deutsche Landpost«: „Wat kommt, ist ungewiß" Da» Hauptblatt de» B. d. L. schließt seine erste Betrachtung des WahlauSfalleS also: „Was kommt, ist ungewiß, gewiß ist nur, daß wir einer Zeit schwerer Spannungen entgegengehen, für di« alle diejenigen die Verantwortung zu tragen haben werden, di« sie heraufbeschworen haben. Das sudetendeutsche Boll hat . mit ganz überwiegender Mehrheit die SHF mit der Rolle eine» Treuhänders seines politischen Geschickes betraut, der nun auch die ganzeVer» antwortung zukommt. Die Zukunft wird erweisen, inwieweit eine Einheitspartei die Erwartungen erfüllen wird, di««ine durchschlagend« Agitation aufgezeigt hat, oder ob sie nicht dar Gegenteil bewirkt. Das Streben »ach nationalem Zusammenschluß ist jedenfalls quf tschechischer Seit« bereits deutlich erkennbar und es dürste in einer allnationalen Koalition seinen Ausdruck finden." „Heu' Henlein, damit werden Sie niemanden fangen** Die Pilsner„Novä D o b a" druckt das Telegramm Henleins an den Staatspräsidenten unter dem Tttel ab:„Herr Henlein, damit werden Sie niemanden fangen! und bemerkt dazu: Herr Henlein wird mit dieser vor Loyalität triefenden Zuschrift niemanden in der tschechoslowakischen Oeffentlichkeit irreführen. Wir hoffen, daß die amtlichen Stellen und die verantwortlichen Organe den Brief so werten werden, wie er es verdient, und daß sie ihm weder Gewicht beilegen noch Glauben schenken werden. Das ist nur die schlaue Taktik Henleins. Genau dasselbe hat in Deutschland Hitler gemacht. Dem Präsidenten Hindenburg versicherte er brieflich und mündlich seine Ergebenheit zum Staate und zu seiner Person, aber dann, als er seiner Macht schon gewiß war, zeigte er sich in seiner wahren Gestalt, schob Hindenburg auf ein Nebengeleise ab und machte als wirklicher Herr über Deutschland was er wollte. Daher Achtung auf Henlein! Caveant consules! begrüßt, daß die„Rundschau" in der Prager Straßenkolportage die„Emigrantenpresse" verdränge, auch deragrarischeLnnenmini« st e r hat nichts getan, um Henlein die Straße zu versperren, dabei ist di« Betrachtung wiederum insofern einseitig, als sie von Prag spricht und nicht von der Provinz. Daß am Graben eine „Zwölf" hing und am Wenzelsplatz der„Wahlruf" ausgerufen wurde, ist das geringste Uebel gewesen. Daß in der Provinz Henlein von der Staatsgewalt beschützt, und die treuen Republikaner dem Terror und. der schamlosen Brrlenm- dung ausgesetzt wurden, das ist dir Wurzel des Nebels. Daß andererseits gerade tschechische Kreise und insbesondere wieder die Bürokratie noch nichts gelernt hat, beweist die Behandlung der Henk«intelegramm« an Masa- ryk, Cerny und Malypetrin der tschechischen Presse. Das Preßbüro teilt aller Welt diese Stilübungen des Herrn Henlein mit. Statt daß ihm bedeutet würde, sich wie andere Politiker auf den normalen Weg der Willensäußerung zu begeben, wird mit den Telegrammen noch Staat gemacht, als handle es sich um einen Notenwechsel und als sei Henlein schon der Präsident einer„Sudetendeutschen Republik", die i,n den Köpfen seiner Anhänger spukt. Henlein wagt es, von staatserhaltenden Parteien als von unverantwortlichen Elementen zu reden und die publizistischen Zentralbehörden der Republik geben diese Meinungsäußerung kritiklos weiter. Ist man im tschechischen Lager so wenig informiert, so kurzsichtig und so gedankenlos, daß man in Henleins Loyalitätserklärungen den Hohn und den W i l l e n, z u r Täuschung übersieht, den jeder Deutsch«— ob Freund oder Feind— auf den ersten Blick merkt? Es gibt keinen Sudetestdmtschen, der nicht wüßte, was Henlein unter„Demokratie" versteht, was er wirklich bezweckt und warum er Loyalitütstelegrammr aussendet. Der d e u t s ch e N a z i l äch e l t v e r- ständnisinnig und fteut sich über die „naiven Tschechen", die seinem Führer auffitzen. Der deutsche Demokrat ballt die Fäuste und fragt sich, welchen Sinn es noch hat, für eine Sache einzutreten, die offensichtlich von ihren berufensten Verteidigern aufgegeben wird. Und die Tschechen sollten das wirklich nicht merken? Nicht den ganz anderen Tonfall in Henleins Schreiben an Maly- petr und in Henleins Aufruf an seine Wähler hehauÄören? M»»tzDort speicht er vom„Geist derDemolratie", hier redet er weiter von der„Kampffront'. Dort fordert er die Hilfe des Staates für seine Bewegung, hier redet er davon, daß nunmehr das ganzeParlamentregieren müsse. In Prag tobt die Gasse. S t k i h r n t zieht alle Register der demagogie, um Henleins Wahlsieg zur Stimmungsmache gegen alle Deutschen auSzunützen. Rur die tschechische Linke hat den Mut, auch in dieser Stunde, wie eS besonders deutlich da»„E e s k t S l o v o" und die„LidovöRoviny" tun, das Richtige zu sagm und ausznsprrchen» wa» ist. Wird auch dietschechischeMitte, werden die verantwortlichen und entscheidenden Lenker des Staates endlich wissen, was zu tun ist?! Es ist vielleicht der letzte Augenblick, in dem es möglich ist, die demokratischen Deutschen— sind sie auch heute eine Minderheit— mit dem Staate und mit den Tschechen zu einer festen und unzerreißbaren SchicksalSgemeinschast zu verschmelzen. Aber ein Fehler in dieser Situation konnte auch auf lange und für die schwersten Zeiten, die uns noch bevorstehen, die Möglichkeit der Verständigung zerstören. Opfert man seht die deuffche Demokratie im Staate, dann opfert man vielleicht ein Stück Zukunft der Republik k Strelle In belgischen Gruben Brüssel. Der Streik auf den Gruben bei Eh ar le rot hat sich auf 16 Schächte ausgedehnt, in denen 5000 Bergarbeiter beschäftigt sind. Bei Eharleroi drangen Streikende in vier Schächte ein, um die Arbett unmöglich zu machen, dagegen hat bei Borinage ein Teil der Streikenden die Arbeit wieder ausgenommen. Unverantwortliche Gerüchtemacher Die gegenwärtigen, politisch bewegten Zeiten geben einer gewissen Sorte von Menschen den besten Nährboden für allerlei Gerüchte ab. Je widerspruchsvoller und je unsinniger die mit der Methode„Wissen Sie schon? Er soll..." konstruierten Gerüchte sind, umso eher hoffen die böswilligen Verbreiter, daß sie bei einer gedankenlose» Masse Glauben finden. So wird z. B. in Rordwestbähmen und im Erzgebirge daS Gerücht verbreitet, daß die Auflösung der Konsum vereine unmittelbar bevorstche. Diese Gerüchte werden offensichtlich von den Konkurrenten der Konsumvereine auSge- streut, die auf diese Weise die wirtschaftlichen Srlbsthilfeorganisationen der breiten Massen der Verbraucher zu ihrem eigennützigen Vorteil z« schädigen trachten. Bei einer Panifftimmung hoffen diese Konkurrenten ihr Ziel zu erreichen, daS sie sonst ver«blich anstrrben. Wie r ifinnig das Gerücht dieser«nverantwortlichen Mensche« ist, geht allein schon daraus hervor, daß»ine allgemeine Auflösung der Konsumvereine» wie sie die Gerüchtrniacher geflissentlich kolporfieren, auch die tschechische« Konsumvereine Unsinn, gegen r ü ch 1 e m a ihr« sehr verfolgen, Berbraucherschaft zur Wehr setzen. Im Karlsbader Gebiet wird wiederum das Gerücht verbreitet, daß der Geschäftsführer deS Konsum- und Sparvereins„Vorwärts" in Karlsbad, Genosse Wenzel Lorenz, mit zwölf Millionen AL in die Schweiz durchgebrannt fei. Eine Rundfahrt des Genossen Lorenz durch daS Verbreitungsgebiet der Karlsbader Konsumgenossenschaft belehrte die Oeffentlichkeit eines Besseren. Die Gerüchtemacher wurden Lügen gestraft. Die Konkurrenten unserer Konsumvereine werden bei ihrer BerleumdnngSarheit auf den enffchiedensten Widerstand aller Vernünftigen toßen. Stellt die Grrüchtever- vreiter sicher! Legt Ihnen ihr dunkleS Handwerk und steht est zu den Selbsthilfeorgani- sationen der deutschen Bern »Prager Tagblatt«: Undurchsichtiger Zustand Unter dem Tttel„Umgruppierung" beginnt da» „Prager Tagblatt" seinen Leitaufsatz mit der Feststellung de» sensationellen Erfolg«» Henleins und fährt dann fort: ,Ln weitem Abstand bleiben di« anderen Parteien hinter der Henleins. Am erfolgreichsten bet«» die Sozialdrmoftatm Widerstand geleistet. Der Bund der Landwirt«, die Christlichsozialen— obwohl bk letzteren gehofft hatten, aus ihrer oppositionellen Haltung Nutzen zu ziehen,— retten weniger als die Hälfte des früheren Besitzes... Die Ziffern lehren, daß zwei Drittel der tschechoslowaki- fchen Deutschen für die von Henlein und seinen Freunden vorgetragenen Ideen gewonnen sind. Ein Drittel ist außerhalb dieser Bewegung— deswegen aber keineswegs außerhalb der DollSgemeinschaft— geblieben... Ehe nicht geklärt ist, waS die Su- detendeutscheParteimitden hohen Ziffern, die ihr zugefallen sind, b e g i n n e n w i r d, wie sich die Tschechen zu ihr verhalten werden, bleibt der Sestern geschaffene Zustand undurchsichtig." Koalitionsbesprechunsen Prag. Die„PragerPresse" von Mittwoch meldet über die einsetzendcn Koalitionsbesprechungen u. a.: losBungsßux-ervre tions ß,, ,.: „Mit Rücksicht auf die bloß geringen Verschiebungen in den Machtpositionen der tschechoslowakischen Koalitionsparteien gehen die Besprechungen von dem Prinzip auS, an der bisherigen Zusammensetzung der Regierungsmehrheit, soweit die Republikaner, tschechoslowafi- schen Sozialdemokraten, Nationalsozialisten und die tschechoflowakische Volkspartei als Grundstock in Betracht kommen, nichts zu ändern und diesen Grundstock durch die tschechoslowakische Gewerbepartei zu erweitern, welche unter den ffchechoflowaki» schen Parteien den größten Wahlerfolg bucht. Prinzipiell ist auch die Erweiterung der parlamentarischen Regierungsmehrheit durch die slowakische Volkspartei H l i n k a s Gegenstand von Erwägungen, doch sind in dieser Richtung bisher kein« konkreten Verhandlungen über einen Eintrttt dieser Partei in. die Regierung in Fluß gekommen. Soweit di« bisherigen deutschenRe- gierungSpartei«. n in Betracht kommen, welche in den Wahlen mit Rücksicht ans de« Erfolg der Sudeten deutschen Partei schwere Stimmeneinbnßrn erlitte« haben, find die tschr- choslowakischen Koalitionspartrirn darin einig, daß die deutsche« Regierungspartei«» in de»Koalition zu verbleibe« haben. In dieser Richtung gehen dir Republikaner nnd die Tschechoslowakische» Sozialdemokraten, die am Dienstag eine von den Intention«» weiterer konstruktiver Zusammenarbeit getragen« Aussprache mit den Vertretern der Deutschen Sozialdemokraten hatten, vollkommen solidarisch vor. ES hängt von de» deutsche« Regierungsparteien allein ab, ob die Koalition i« ihrer gegenwärtige« Zusammensetzung aufrecht bleibt." WaS Henlein betrifft, so meldet daS Blatt weiter, daß das Mißtrauen gegen ihn, das heute in der ganzen tschechoslowakischen Oeffentlichkeit anzutreffen ist, durch Loyalitätstelegramme überhaupt nicht zu beseitigen ist. Auch eine Regierungsbeteiligung deS Narodni Sjedno- ceni kommt n i ch t in Frage. In der nächsten Woche dürste die Demission des Kabinetts erfolgen; die Bildung der neuen Koalition und der neuen Regierung soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. * Minister BradaC beim Präsidenten Läny. Amtlich wird gemeldet: Der Präsident der Republik empfing Dienstag in Läny den Ministerpräsidenten für Nationalverteidtgung B. Bradat. In seinem Telegramm an den Innenminister Cerny, das von jedem vollsinnigen Menschen nur als eine Frozzelei großen Stils verstanden werden kann, rühmt Henlein dem berufenen Hüter der Verfassung und der demo« krattschen Grundsätze nach, er habe diese erfolgreich verteidigt und so der SHF zu ihrem Wahl- erfolg verhalfen. Ein fragwürdiges Lob. Das neue Parlament sollte also zunächst beschließen, eine bronzene Gedenktafel anzubringen mit dem Worten: Der Innenminister Cerny hat sich um die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins verdient gemacht Das Tragischeander Sacke ist nur, daß Henlein den Innenminister mit gutem Grunde dantt und daß der Hohn, den die Staatsführung in Empfang nehmen muß fand der noch in der Presse verkündet wird, damit ja ganz Europa lache) berechtigt ist. Die Verwaltung hat, mit wenigen Ausnahmen, tatsächlich zum Siege Henleins wesentlich beigetragen. Bon deut Augenblick an, da Behörden und Zmsur ruhig-»sahen, wir die Henleinpaetei ihre„BolkSabstimmun-Skam- p a g» e" durchführte, war HenleinS Sieg entschieden und ein gewaltiges Stück Staatsautorität verwirts haftet. ' Was die deusschen Aktivisten, was insbesondere diedeutscheSozialdemokratie für die demokratssche Staatside« getan hatten, wurde von den Organen der Staatsgewalt selbst zerstört. Die hakentreuzlerische Bewegung wurde aufgepäppelt. Die deutschen Arbeiter, dieAbend für Abend ihren Schädel hinhielten, um die demokratische Agitation gegen den Terror der Hakenkreuz- ler zu schützen, die buchstäblich ihr Blut für die Sache des demokratischen Staates vergossen haben, mußten es mit ansehen, daß Henlein in Begleitung von 80 Gendarmen reiste, daß seine Versammlungen von Gendarmerie und Staatspolizei geschützt wurden, ja man erlebte den grausamen Treppenwitz der Geschichte, daß in Leitmeritz zwei Gendarmen vor Henleins Schlafzimmer postiert wurden! Mußten da nicht Zehntausend« den Glauben an den Lebenswillen der Demokiatie ver- lieren, m u ß t e n nicht die Sudetendeutschen glauben, daß die Tschechen selbst es apfgegeben hätten, ihre Republik länger;u verteidigen?. Tatsächlich ist dies« Stimmung bei den Deutschen die Hauptursach« des hakenkreuzlerischen Sieges. Wenn die tschechische Oeffentlichkeit sich endlich einmal bemühen wollte, die Mentalität der Sudetendeutschen zu verstehen, so müßt« sie merken und begreifen, daß die Feigheit der Behörden, die passive und auch tätige Unterstützung HenleinS durch die Bürokratie, die Duldung einer von Mund zu Mund und mit mehr minder großer Deutlichkeit auch in der Presse betriebenen irredentistischen Agitationen den Sudetendeutschen die Ueberzeu« gung beigebracht hat, man sei mit Henlein auf dem rechten Wege und die Tschechen seien bereits eingeschüchtert und bereü, den Staat selbst zu opfern. Wer Freitag oder SamStag vor der Wahl durch Eger» Teplih oder Reichenberg ging— um Namen herauszugreifen die alS typische Beispiele für viel« andere geltm können— hatte dm Eindruck, sich i m D r i t t c n R e i ch zu bewegm. Die Schulbuben Pfiffen an allm Ecken den„Hohenfriedberger", dm preußischen Nationalmarfch, jeder zweite Jugendliche trug die Henleinuniform(weiße Wadenstrümpfe und Jägerhut), die Agitation der SHF beherrschte das Stratzmbild. Als vor Jahren die sozialistischen Parteien den Kampf gegen die Berwaüungsreform führten, wurde alle- konfisziert, was dieses Gesetz nicht einfach kritisiert«, sondern etwa mit einem derben Ausdmck benannte. Die Henleinpartei durfte die gesetzgeberische Arbeit der letzten fiinfIahre als verbrecherischhin st eilen und die deutschen Regierungsparteien wegen ihrer Mitregierung als Schufte, Verräter und Verbrecher beschimpfen, ohne daß«in Zensor eingriff. Es scheint, als sollte jetzt, sehr spät, in gewissen Kreisen die Erkenntnis aufdämmern, was man da angerichtet hat. Der agrarische„Veter" schreibt in seiner Dienstagausgabe: „Die deutsche Industrie hatte sich völlig in Henleins Dienste gestellt. Henlein fuhr von Schloß z» Schloß, rr hatte reich« Fonds zur Verfügung. Unsere Teilnahmslosigkeit ging so weit, daß i« Prag seine Presse frei kolportiert und anSgrmfm wurde. Ans dem Graten, neben der Zivnobank, gleich gegenüber der Kaozlei de» Rärodni sjednoceni«ar durch einige Tage Henleins„Zwölf" ausgehängt. Dir Rechte und die Linke stttttm und ranften, Henlein agitierte. Die Parolm der Parteien wurdm umgetragen, aber Henlein wurde dir Straße geöffuet. Wenn Henleia nicht dm Rückhalt in der Judnstrir, bei de» Ban- kenundimHandel hätte, wäre er niemals so gewachsen. Di« deutsche Filiale de» In- dustricllenverbandrS hat ihrm Einsatz gewönne»." Alles sehr richtig! Aber wen klagt der „Peter" da an? Nicht nur Hatte der„Venkov" es Seitt 4 Mittwoch, 22. Mai 1935 Str. 119 Weitere Wahlkreisresultate Wahlkreis III, Königgrätz l. Tschech. Agrarier 51.379 (49.146) 2. Tschech. Soz.-Dem. 37.528 (38.990) 3. Tschech. Nat.-Soz. 39.075 (41.742) 4. Kommunisten 20.716 (18.600) 5. Tschech. Volkspartei 29.825 (30.743) 6. Deuffche Soz.-Dem. 15.180 (25.960) 7. Slowak. Volkspartei .— — 8. Bund d. Landwirte 10.477 (20.221) 9 Deuffche Chr.-Soz. 9.010 (21.088) 10. Tschech. Gew.-Part. 26.868 (20.306) 11. Ungarn u. Sudetendeut- scher Wahlblock — .—- 12. Henlein 51.841 — 13. Fascisten 11.090 — 14. Beamtenpartei — — 13. Schuldner 617 — 16. Rat. Vereinigung 17.474 (17.382) Wahlkreis IV, Jnngbunziau 1. Tschech. Agrarier.. 73.395 (71.696) 2. Tschech. Soz.-Dem.. 49.896 (46.907) 3. Tschech. Nat.-Soz.. 61.987 (73.555) 4. Kommunisten... 49.155 (57.406) 5. Tschech. Volkspartei. 26.076 (27.269) 6. Deuffche Soz.-Dem.. 10.590 (22.122) 7. Slowak. Volkspartei. — — 8. Bund der Landwirte. 5.485 (26.764) 9. Deutsche Christl.-Soz. 9.293 (27.361) 10. Tschech. Gew.-Partet. 37.974 (25.280) 11. Ungarn und Sudeten deutscher Wahlblock. 2.301 —• 12. Henlein...» 120.212 — 13. Fascisten..■■ 7.063 — 14. Beamtenpartei■. — — 15. Schuldner..,, 347 — 16. Nat.-Vereinigung» 30.413 (23.811) Die Wahllehre fUr die Kommunisten: Die Sozialdemokratie weiterbeschimpfen Die Kommunisten wissen in der„Roten Fahne" aus dem Wahlergebnis keine andere Lehre zu ziehen, als— die Sozialdemokratie anzugreifen. Schuld an dem Sieg der Fascisten sind natürlich nicht die Kommunisten, welche seit Jahren die Kraft des sozialistischen Proletariates geschwächt und vielen Proletariern den Glauben an den Sozialismus genommen haben, sondern die Sozialdemokratie. Man erinnere sich doch gegenüber diesem dummen Gerede der kommunistischen Presse, welch schwere- Kamps die deuffche Sozialdemokratie seit Jahren gegen die fascisti- schen Bestrebungen im sudetendeutschen Volke sührt. Wie schaute es heute im sudetendeutschen Volke aus, wenn die Sozialdemokratie sich nicht mit aller Kraft gegen den Fascismus gestemmt und die Arbeiterschaft zum Kampf um Freiheit und Demokratie aufgerufen hätte! Man betrachte nur, wje groß die sozialdemokratischen Massen waren, die am 4. November 1934 und am-1. Mai 1935 aufmarschiert sind und was die Kommunisten an Massenkundgebungen gegen den Fascismus aufgeboten haben. Wenn die Kommunisten behaupten, gerade sie hätten den ersten Ansturm des Fascismus erfolgreich abgeschlagen", so mögen sie sich nur die Wehlresultate im deutschen Gebiete anschauen. Sie sind im Wahlkreis Böhm.-Leipa von 42.016 Stimmen auf 24.475, im Wahlkreis Karlsbad von 37.377 auf Vom Rundfunk M Prager OeMe MiteMW bringt in dieser Woche folgendes Programme M i t t w o ch, 22. Mai(von 13 Uhr 45 bis 13 Uhr 55): Arbeitsmarkt. Mittwoch, 22. Mai(von 18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40): Bruno Schwab- Wegstädtl: Landschaft, Mensch und Politik. M i t t w o ch, 22. Mai(von 18 Uhr 40 bis 18 Uhr 45): Soziale Informationen: Donnerstag, 23. Mai(von 18 Uhr 45 bis 19 Uhr 05): Leopold Pölzl- Aussig: Die Bedeutung der Wahlen in die Landesvertretung. Freitag, 24. Mai(von 18 Uhr 35 bis bis 18 Uhr 45): Aktuelle zehn Minuten. Empfehleuswertcs aus deu Programmen: Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Salonorchester, 12.35: Konzert 13.45: Chansons, 17.45: Mannheimer: Der Fenstersturz, heimatgeschichtliches Hörspiel, 18.45: Arbeite r- s e n d u n g: Leopold P ö l z l, Bürgermeister aus Aussig: Die Bedeutung der Wahlen in die Landes- Vertretung, 19.05: Deutsche Presse, 19.35: lieber» tragung aus dem Nationaltheater„Aida" von Verdi. Sender S: 14.30: Salonguartett, 15: Deutsche Sendung: Bayer: Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakischen Republik, 15.15: Opern-Arien, 19.05: Ballettmusik.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.45: Deutsche A.r beitersendung: Perlsee: Erziehung und Sozialismus.— Mährisch-Ostra« 17.50: Deutsche Sendung: Ettinger singt hebräische Kantoralgesänge, 18.25: Chansons.!— Preßburg 15.55: Nachmittagskonzert, 17.15: Konzert Nr. 1 von Joh. Seb. Bach. 16. Nat. Vereinigung. 26.677(22.956) Wahlkreis vm, Pilsen i. Tschech. Agrarier.. 62.148 (55.975) 2. Tschech. Soz.-Dem.. 110.691 (115.219) 8. Tschech. Nat.-Soz.. 51.091 (42.956) 4. Kommunisten... 14.659 (17.902) 5. Tschech. Volkspartei. 17.766 (17.404) 6. Deutsche Soz.-Dem.. 22.136 (41.985) 7. Slowak. Volkspartei. — — 8. Bund der Landwirte. 14.348 (43.261) 9. Deutsche Christl.-Soz. 8.638 (23.341) 10. Tschech. Gew.-Partei. 25.797 (15.753) 11. Ungarn und Sudeten- deuffcher Wahlblock. 1.196 12. Henlein.... 99.278 13. -Fascisten..,. 3.961 — 14. Beamtenpartei,, — — 15. Schuldner..,, 1.223 ■— Wahlkreis IX, Dudwcls 1. Tschech. Agrarier 63.615 (63.334) 2. Tschech. Soz.-Dem. 38.184 (37.086) 3. Tschech. Nat.-Soz. 31.119 (34.055) 4. Kommunisten 15.180 (17.690) 5. Tschech. Volkspartei 25.402 (29.238) 6. Deuffche Soz.-Dem. 13.024 (20.584) 7. Slowak. Volkspartei — — 8. Bund d. Landwirte 11.519 (22.648) ,9. Deutsche Chr.-Soz. 15.301 (23.680) 10. Tschech. Gew.-Part. 22.965 (14.950) 11. Ungarn und Sudetendeut- scher Wahlblock 1.345 12. Henlein 41.631 13. Fascisten 17.318 — 14. Beamtenpartei 314 — 15. Schuldner 419 — 16. Nat. Vereinigung 14.843 (15.919) 20.638 Stimmen zurückgegangen. Noch bezeichnender ist der Rückgang in ihren Hochburgen. So im Reichenberger Bezirk, wo sie in allen Jndu- strieorten Verluste aufzuweisen haben. In Reichenberg selbst haben sie nur ein Drittel der Stimmen erhalten können, die sie 1929 auf- gebracht'haben, nämlich von 2442 nur 823. Es wäre also viel besser, wenn die Kommunisten nicht vom Zusammenbruch der Sozialdemokratie redeten, sondern mit uns die Aufgabe erkennen würden, die aus dem Erfolg des sudetendeutschen Fascismus für jeden klassenbewuhten^lrbeiter und für jeden Sozialisten hervorgehen muß: die gegenseitigen Beschimpfungen undVerdächtigungeu, die nur Wasser auf die Mühle des Fascismus find,' z u unterlassen und den Haupt- feind der Arbeiterklasse zu bekämpfen, den Fascismus. Im Angesicht des fascistischen Vormarsches aber die Sozialdemokratie zu bekämpfen, heißt den Fascisten Schützenhilfe leisten und Verrat begehen an den Lebensinteressen des Proletariats. SHF-Rollkommando schmählich abgeblitzt Karlsbad.(E.-B.) Dienstag nachmittags drang ein Trupp von fünf SHF-Leuten in das Haus des Keramarbeiterverbandes in Karlsbad ein und verlangte dort im Sekretariat der Bergarbeiter vom Sekretär Blob, daß sein Sohn in der Wohnung eines dieser Leute ein Plakat entferne, das er dort angeblich angebracht habe. Genosse Blob erhielt auf die Frage, wozu die anderen vier mitgekommen seien, die Antwort, das sei die ,A ss i st e n z" des Wortführers. BlÄb verlangte die Namen dieser anderen und schloß, als sich die Herrschaften weigerten, den Namen zu nennen, die L e u t e i m Z i m m e r ein und verständigte die Polizei. Die eingeschlofsenen Helden riffen das Fenster auf und schrien um Hilfe, worauf ein zweiter Trupp ins Haus stürmte; einer der elden bedrohte den Hauswart mit einem Messer. Inzwischen war die Polizei erschienen. Eine Untersuchung der ersten Terrorgruppe förderte einen Dolch, einen Gummiknüppel und zwei Totschläger zutage. Auf der Wachstube redeten sich die Helden aus, sie hätten sich bei Blob nur über seinen Sohn „beschweren" wollen. Der Anführer war ein gewisser Lill, der vor nicht zu langer Zeit noch der Union der Bergarbeiter angehörte. Ihm hatte jemand ein Plakat mit der Aufschrift„Judas" vor seiner Wohnung angebracht. Lill hatte die „Strafexpedition" tags vorher einem Genossen angekündigt mst der Drohung:„Dem Bürscherl werden wir es morgen schon zeigen!" Falsche Gerüchte. Die in der Oeffentlichkeit verbreiteten Nachrichten über Unruhen und Angriffe auf tschechische Objekte in A s ch, D u x und K a r l s bad sind nach den Feststellungen bei den zuständigen behördlichen Stellen vollkommen unrichtig. In diesen Orten herrscht absolute Ruhe.| Sagesnuiigfceiten Fabriksbrand in Moskau 30 Personen umgekommen? Moskau. In einer hiesigen Fabrik für Chemikalie« brach ein Brand aus, bei welchem 30 Personen»ms Leben gekommen sein sollen. In der Gaskammer zusammengebrochen Verunglückte Gasschutzübungen in Chemnitz Im Chemnitzer Gymnasium wurden in der Vorwoche Gasschutzübungen angeordnet, an denen sich etwa 250 Schüler beteiligten, die unter Führung ihrer Professoren mit aufgesetzten Gasmasken eine Gaskammer passieren mußten, welche unweit der Stadt errichtet wurde. Bei dieser Uebung brachen plötzlich 14 Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren zusammen. Die Polizei schasste die vergifteten Studenten sofort aus der Gaskammer weg und leitete Wiederbelebungsversuche ein. Zehn Burschen gelang es wieder zu sich zu bringen, vier mußten ins Krankenhaus befördert werden, wo eine eitrige Vergiftung der Lungen, der Auge« und der Haut festgestellt wurde. Durch die Untersuchung wurde erwiesen, daß die SchutzfLter einiger Masken beschädigt waren, so daß sie nicht den genügenden Schutz vor den Giftgasen bieten konnten. Die Polizei glaubt, daß die Masken von unbekannten Tätern absichtlich(?) beschädigt wurden. Die vier schwer vergifteten Studenten ringen im Krankenhaus mi! dem Leben, einer von ihnen dürfte erblinden. Brandstifter auf der„Normandie"? Paris. Zwei Anstreicher, die an Bord des neuen Riesendampfers„Normandie" arbeiteten, find von der Polizei verhaftet worden, weil in einem Waschraum, den sie gerade verlassen hatten, eine Benzinkanne inBrandgera- t e n war. Wie verlautet, wird ein eingehendes Verhör den Vorfall erst genau klären. Katastrophale Wirbelstürme New Aork. Nachdem in Nordtexas und Oklahoma 20 Personen durch Wirbelstürme getötet worden waren, wurden am Montag auch Teile der Staaten Arkansas, Tenneffes, Alabama, Louisiana und Mississippi von Wirbelstürmen verheert. Ans den betroffenen Gebieten werden bis- hcd'drei Todesopfer und zahlreiche Verletzte sowie ungeheurer Sachschaden gemeldet. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten verschiedene Ortschaften. Vier Brüder als Eisenbahnräuber Brieg(Schlesien). In der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1935 wurde auf einen Eilzug der Strecke B r e s l a u—D reSden an der Blockstelle Rothwaffer ein schwerer Raubüberfall verübt, wobei den Verbrechern 32.0 00 Reichsmark in die Hände fielen. Die Fahndung nach den Verbrechern hat zu der Festnahme des aus Brieg stanunenden Haupttäters Fritz Schueller auf seiner Flucht in Strehlen in Niederschlesien geführt. Die weiteren Mittäter sind seine Brüder Willy, Erich und Hermann Schneller, nach denen noch gesucht wird. Wird sich Stribrny ins politische Ausgedinge zurückziehen? Das„Narodni Osvobozeni" er-n- nert den Herrn StMrny daran, daß er zu Beginn der Wahlkampagne in einem Leitartikel des„Po- ledni list" versprochen hat, er werde sich aus o.m politischen Leben zurückziehen, falls das„Narodni Sjednoceni" in den Wahlen keinen durchgreifenden Erfolg erzielen sollte. Rech am Samstag hatte Stiibrny bei der Versammlung auf der Slawischen Insel dem Regierungskommissär, der ihn zur Mäßigung mahnte, erwidert, er solle mit ihm nicht schreien, denn nach den Wahlen würden im Staat s i e, die Sjed.io- ceni, befehlen. Das Blatt konstatiert» daß das „Narodni Sjednoceni" nach den Wahlen nichts zu befehlen hat, sondern eine kleine Partei geblieben ist, und stellt dänn die Frage, ob Stribrny sein öffentlich gegebenes Versprechen selbst erfüllen wird oder ob ihn dazu seine Verbündeten zwingen werden, die so viel Hoffnungen auf chn gesetzt haben. Neues Sowjet-Lustschiff. Dieser Tage hat nach einer Meldung der„Prawda" auf der Moskauer Werst des sowjetrussischen Luftschiffbaues die Zusammensetzung der fertiggestellten Teile eines neuen Kleinlu ftschiff e 8 begonnen, Das neue Luftfahrzeug, das die Bezeichnung „USSR-W 7" erhält, ist ei« Luftschiff halbstarrer Konstruktion von 9500 Kubikmeter Rauminhalt. Die Fertigstellung soll in einem Monat beendet sein. Furchtbares Autobusunglück. Aus Buenos- Aires wird gemeldet: In der Ortschaft Aguilares(Provinz Tucuman) stürzte ein vollbesetzter Autobus mft Besuchern eines Fuhballwellspieles in voller Fahrt um. Sechs Insassen wurden g e« töte t und siebzehn zum Teil schwer verletzt. Tabakschmuggel im Flugzeug. Die französische Gendarmerie verhaftete Montag einen französischen Flieger, der mit Hilfe seines Flugzeuges große Mengen von Tabak aus Belgien nach Frankreich schmuggelte. Beim Verlassen Belgiens unterzog er sich der üblichen Revision, landete jedoch sodann nochmals auf einem Privatflugplatz, wo er die Schmuggelware in sein Flugzeug aufnahm. In Frankreich landete er zunächst in Etamp-s, wo er die Konterbande ablieferte; sodann flog el nach Le Bourget, wo er sich mit seinem leer-n Flugzeug zur französischen Zollrevision einstellte. Der Gendarmerie, der bereits fest längerer Zeit die Landungen in Etampes aufgefallen waren, gelang es nun Montag, den Flieger und seinen Komplicen, einen englischen Journalisten, auf frffcher Tat zu betreten. Beide wurden verhaftet. Bei dem Journalisten handelt ti sich um den Pariser Korrespondenten einergroßenbritischenZeitung. Der Bulkan Asama(nordwestlich von Tokio)! befindet sich wieder in Tätigkeit. Es finden heftige Ausbrüche statt. Die Gebiete, die von den Lavamassen bedroht sind, wurden abgesperri. Schreckliche Explosionen. Aus Buenos- Aires wird gemeldet: In der Nähe der Ortschaft Jngeniero Jacobacci im Territorium von Rio Negro explodierte ein Eisenbahnwagen, der 5000 Kilogramm Sprengpulver enthielt. Dabei wurden fünfArbeiterge« tötet und sechs schwer verwundet.— Im Piräus(Griechenland) flog der P e t r o- leum-Tankdampfer„Katherina"(3000 Tonnen) in die Luft. Die 22 Mann starke Besatzung konnte sich schwimmend retten. Mehrere Seeleute haben schwere Brandwunden erlitten. In wenigen Sekunden glich das Schiss einer gewaltigen Feuersäule. Da die Explosion in nächster Nähe großer Benzinlager erfolgte, bemächtigte sich der Einwohner der umliegenden Ortschaften eine Panik. Richtigstellung. Durch ein unliebsames technisches' Versehen wurde unsere gestrige Ausgab- irrtümlich von„Sonntag, den 19. Mai" statt richtig von„Dienstag, den2 1. Mai" datiert. Eine zwanzigjährige— dreifache Kindesmörderin. In Newel im Kreise Trier, wurde eist 20jähriges Mädchen unter dem Verdachte des dreifachen Kindesmordes verhaftet. Auch die Mutter und der Bruder des Mädchens wurden wegen Beihilfe festgenommen. Es stellte sich heraus, daß das 20jährige Mädchen im Laufe der letzten Jahre drei neugeborene uneheliche Kinder auf bestialische Weise ermordet und in die Jauchengrube geworfen hatte. Der französische Staatsminister Eduard Herriot wurde zum Bürgermeister der Stadt Lyon wiedergewählt. GaSrohr birst. Im Keller deS Grazer Käufer« vawrimns brach ein Brand aus, der ein Bersten der Gasrohrleitung zur Folge hatte. Die Feuerwchr versuchte, um eine Gasexplosion zu verhindern, die Gasleitung zu verstopfen. Hiebei erlitten acht Feuerwehrleute teilweise Vergiftungen, so daß sie in 2as Krankenhaus gebracht werden mußten. Alte Wandmalereien werden übertragen. Aus dem Masarhk-Platz in I g l a u wird soeben eine alt« Apotheke niedergerissen. an deren Stelle Bakas Verkaufshaus errichtet werden soll. Damit die künstlerischen Denkwürdigkeiten des alten Gebäudes nicht drr Vernichtung anheimfallen, sind zur Zeit Kunstfachleute an der Arbeit, die Wandmalereien zu übertragen. Im ganzen werden 30 Quadratmeter Malereien übertragen. In dem Haus«, das zur Zeit abgetragen wird, fand man auch einen alten Holzplafond, der reich mit Bildern geziert ist und die Jahreszahl 1739 trägt. Ein Teil der Plafonds wurde sorgfältig abgenommcn und gelangt in Verwahrung. Die Wandgemälde, tvelche in das Gebäude des Gymnasiums übertra? gen werden, müssen in ganz kleinen Flächen im Ausmaße von etwa einigen Dezimetern von der alten Tünche abgemeißelt werden. Die Malereien werden sodann retouchiert, so daß ihre künstlerischen Wert« wiederum voll zur Geltung kommen. 80V getötete Bergarbeiter... 3000 arbeitslos Schanghai. Rach Angaben der Zeitung„Srhun-Pao" hat sich nunmehr die Zahl der ums Leben gekommenen Bergleute bei dem schwere» Grubenunglück bei Tszetschuan auf 800 erhöht. Eine Rettung der noch im ersoffene» Schacht verbliebenen Bergleute ista« sgeschlossen, da die Rettungsmannschaften in die vergasten Schächte nicht Vordringen können, zumal die Stollenzerstört und die Pumpen ausier Betrieb gesetzt worden sind. Durch die Grubenkatastrophe sind Z0V0 Bergleute arbeitslos geworden. Nr. 119 Mittwoch, 22. Mai ISN Seite 5 Weiß^Zähne machen Jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahn« paste. Schon nach kurzem Gebrauch erhalten die Zähne einen wundervollen Elfenbeinglanz. Tube Kc 4'—. Inland. Erzeugnis. VolhswlrtsdiaK und soziainoiwiK den tschecho- eine- « nach veröffentlichten Ziffern hervorgeht, der tschecho- ' slowakische Außenhandel günstig entwickelt. Zu der Steigerung des Gesamtumfanges hat insbesondere die Besserung der AuS» fuhr beigetragen. Sie hat sich seit Jänner d. I. bis April ohne Unterbrechung fortgesetzt und ist in diesen vier Monaten von 478 Millionen Kronen auf 623 Millionen gestiegen. Damit bleibt sie nur um 8 Millionen Kronen hinter der Ausfuhr im März des vorigen Jahres zurück. Gegenüber dem Vormonat ist die Spezialausfuhr um 31.5 Millionen Kronen gestiegen. Der Altteil der einzelnen Jndustrieerzeugnisse an der Ausfuhrsteigerung ist sehr verschieden. Im ganzen ist die Ausfuhr der Jndustrieerzeugnisse gegenüber dem Vormonat um 41 Millionen Kronen gestiegen. Es ist nun bemerkenswert, daß die Eisenindustrie allein einen Zuwachs von 41 Millionen Kronen aufweist, daneben haben auch die Exporte der Maschinenindustrie um 7 Millionen Kronen zugrnommen. Dagegen hat die Ausfuhr der Textil-, der Seiden- und Konfektionsindustrie eine Verminderung erfahren, und zwar der Textilwarenexport um 18, der Woll- und Seidenwarenexport um je 6 und der Konfektionswarenexport um 4 Millionen Kronen. Im Vergleich zum April 1834 hat die Ausfuhr von Jndustrieerzeugnissen um insgesamt 81 Millionen Krone« zugenommen. Es wird aus dieser Entwicklung deutlich, daß der Vorteil der Exportaufschwunges fast ausschließlich der Eisen- und Maschinenindustrie zugute kommt und zweifellos im Zusammenhang mit ausländischen Rüstungsaufträgen unserer heimischen Industrie steht. Auf der E i n f u h rseite zeigt die Rohstoffeinfuhr im April gegenüber dem März eine Zunahme um 17.5 Millionen Kronen, während die Fertigwareneinfuhr um 16.5 Millionen Kronen z u r ü ck g e g a n g e n ist, Soll die Ausfuhrhesserung zu einer stabilen Er-, scheinung unseres Außenhandels- werden, fo ist das Abstoppen der Fertigwareneinfuhr dafür eine Voraussetzung. Einen Vergleich über die Gestaltung der Ein- uild Ausfuhr in den ersten vier Monaten 1835 mit der gleichen Zeit des Vorjahres ermöglichen die folgenden Tabellen. Es sind nur die wichtigsten Warengruppen unseres Außen- chischer Waren nach der Tschechoslowakei. Bon dec Tschechoslowakei ist in den langen Verhandlungen wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Zahlungsbilanz für Oesterreich viel gün- sttger sei, als es die Handelsbilanz erscheinen lasse, da durch den Fremdenverkehr erhebliche Zahlungen aus der Tschechoslowakei nach Oesterreich gehen. Mit der versprochenen Förderung des I Fremdenverkehrs hat sich die österreichische Regierung nicht zufrieden gegeben, sondern sie bestand auf einer größeren Einfuhr österreichischer industrieller Erzeugnisse. Bon der Tschechoslowakei sind schließlich auch in diesem Punkte Konzessionen gemacht worden. Der tschechoslowakische Gesandte in Wien, Fierlinger, erklärte, daß die Tsche- choflowakei bereit sei, für bestimmte österreichische Warenbesondere Vergünstigungen bei der Einfuhr zu gewähren, vorausgesetzt, daß dadurch der tschechoslowakische Handel mit anderen Staaten nicht geschändigt werde. Trotz des tschechoslowakischen Entgegenkommens sind die WirtschaftSverhandlungen jetzt abgebrochen worden. Nach den Mitteilungen, die del Oeffentlichkeit unterbreitet werden, haben die österreichischen Vertreter ihre Forderungen von Tag zu Tag gesteigert. Sie seien bald über das hinausgegangen, was unter den gegebenen Verhältnissen als vernünftige Konzessionen von tsche- choflowakischer Seite gewährt werden loimtc. Der Wider st and gegen eine Neuregelung, die die Ausfuhr der Tschechoslowakei nicht allzu schwer geschädigt hätte, soll besonders vondenö st erreich ischen Textilindustriel- l e n ausgegangen sein, die sich besonders gegen die Einfuhr tschechoslowakischer Textilwaren gewährt haben. Der vorläufig noch in Kraft befindliche alte Handelsvertrag ist bis jetzt noch nicht gekündigt worden. Die österreichische Regierung hat aber angekündigt, daß sie Maßnahmen vorbereite, um eine ganze Reihe von Produkten, die gegenwärtig vorzugsweise aus der Tschechoflowakei bezogen werden, als AustauschSobjekte im Handelsverkehr mit anderen Ländern zu beziehen. Sie denkt dabei in erster Linie an Italien, Deutschland und die Türkei. So sollen aus Deutschland künftig in größeren Mengen Kohlen bezogen werden, die bisher noch die Tschechoflowakei liefert. Es ist gar lein Zweifel, daß'der Handels-'^ konflikt mit Oesterreich die Gefahr einet empfindlichen Schädigung einzelner Zweige der tschecho- flowakischen Exportindustrie heraufbeschwört. Infolge der erheblichen Ausfuhrüberschusses zugun» ten der Tschechoflowakei befindet sich die österreichische Regierung in den Verhandlungen in der günstigeren Position und hofft wohl eben darum, daß von den tschechoflowakischen Unterhändlern noch größere Konzessionen zu erreichen sind. Jedenfalls zeigt der Verlauf der Verhandlungen, daß die jetzt bei allen Ländern zu beobachtenden Bestrebungen, im gegenseitigen Handelsverkehr unbedingt auf einen Ausgleich der Han« delsbilanz zu drängen, nicht zu einer Ueberwin- dung der bestehenden Schwierigkeiten im Welthandel führen, sondern nur zu ihrer Vermehrung. Wird daran auch fiir die Zukunst festgehallen, so wird ein weiteres Zusammenschrumpfen des Welthandels die unausbleibliche Folge sein. •) Bruttogewicht. Im reinen Warenverkehr war die flowakische Handelsbilanz in den ersten vier Monaten 1835 mit 337 Millionen Kronen aktiv, während sie im Vorjahr noch mit 1 Million Kronen passiv war, Handelskonsiikt mit Oesterreich Seit länger als einem Jahr wird an der Neuregelung dsi!^tschechoslowakisch-österretchischen Handelsbeziehungen gearbeitet. In den'letzten Jahren hat sich zwar der Ausfuhrüberschuß zugunsten der Tschechoflowakei erheblich vermindert, doch hält ihn die österreichische Regierung immer noch für viel zu hoch.(In den ersten vier Monaten 1835 betrug er.rund 140 Millionen Kö.) Sie drängt auf einen Ausgleich der Handelsbilanz und fordert eine stärkere Einfuhr österrei- nachhcr ab", erscholl jemandS krächzende Stimme. Aus dem Dünkel schob sich ein düsterer Schatten vor. „Sind Sie unser guter Genius?" fragte Stenly. Der nächtliche Ankömmling nickte bejahend. In diesem Augenblick riß das Lakengebinde auseinander, und Waffilij plumpste weich auf die Erde hinab. „Pstl Leiser...* sagte der Unbekannte. „Gehen wir doch lieber durch die Hintertür, so kann man sich auch das Genick brechen. Kommen Sie, junger Mann." „Ist eS bald so weit?" fragte von oben eine ungeduldige weibliche Stimme. „Gleich, gleich, Njurotschka. Fassen Sie mich an, meine Herren, Sie können ja gar nichts sehen..." Die kleine Veronika wartete auf ihren Reginald mit unverhüllter Ungeduld. In der Linken hielt sie einen kleinen Korb, unter dem rechten Arm eine Strumpfstrickmaschine. Waffilij Sajetz drückte dem Unbekannten kräftig die Hand. „Sie haben mir das Leben gerettet. Sie sind mein Gönner." „Das stimmt schon", lispelte der Unbekannte, „wer soll denn der eigenen Tochter Schlechtes wünschen? Ich meinerseits schenke euch die Maschine. Und eine fast neue Kommode. Sie ist wirklich fast neu. Lebt nun in Frieden. Ist ja halb fo schlimm! Ich habe nichts dagegen. Heutzutage ist eS nun einmal nicht anders... Kein Mensch will heiraten... Ja, wo willst du denn eigentlich hin? Hall!" Im Garten wurde Wassilij Sajetz wieder erwischt. Dort wehrte sich der furchtlose Kapitän gegen den alten Zerberus mit Händen und Füßen. Er versuchte sogar, den ergrimmten Vater der kleinen Veronika zu beißen. Es half ihm nichts. „Nun kommst du mir nicht mehr davon!" sagte der alte Mann vorwurfsvoll. „Heirate sie, du Lauselümmel!" Wassilij führt jetzt das stille Leben Pflanzers. An die Sünden der Vergangenheit bemüht er sich nicht zurückzudenken. Die Nacht der Abenteuer näherte sich ihrem Ende. ES stand aber noch das schwierigste und verantwortungsvollste Unternehmen bevor: die Entführung Njurkas von ihren despotischen Eltern. -„Beeilen wir uns!" rief Wassilij Sajetz. „Die kleine Veronika erwartet uns wahrscheinlich schon mit großer Ungeduld. Und bis zum Lause- berg find es noch mindestens fünf Knoten." „Gemacht, Kapitän!" erwiderte der treue Stenly. Als man sich dem Hause näherte, in dem Beronika-Njurka wohnte, sagte Waffilij: „Schwöre mir, Stenly» daß ein Geheimnis sich um die Entführung der kleinen Veronika legen wird und keine sterbliche Seele die Wahrheit erfährt. Du mußt nämlich wissen, daß sonst der Zerberus von einem Vater zu mir gekauft Mordbuben schicken und dje kleine Veronika im Kloster umkommen lassen wird." „Ich schwöre, Kapitän." „Schwöre bei der Insel der Schätze!" forderte Wassilij. „Ich schwöre auch bei der Insel." „So ist es besser. Und nun laß uns gehen." An der Mauer, über die unsere beiden Freunde einem im voraus zurechtgelegten Plan zufolge hatten heimlich klettern wollen, stand eine Letter. „Der Himmel begünsttgt unser Vorhaben", rief Wassllij Sajetz.„Die Leiter kommt uns wirklich sehr gut zustatten." Durch das Dunkel der Nacht leuchtete nur ein einziges Fenster im zweiten Stockwerk. „Dort ist sie. Wo ist der Strick?" »chol'S der Teufel! Den habe ich zu Hause vergessen." Aber in diesem Augenblick fiel zu den Füßen der Entführer das Ende einer auS Bettlaken'zusammengebundenen Leine. „Irgendein bekannter, aber edler Freund scheint uns unterstützen zu wollen", flüsterte der energisch« Stenly.„Ans Werk!" Wassllij ergriff die Bettlaken, tat einen Sprung, blieb ungeschickt in der Lust hängen und begann zu strampeln. „Stellen Sie doch eins Ihrer Füßchen auf meine Schulter, junger Mann. Schadet nichts, wenn mein Anzug schmutzig wird, ich bürste ihn Die Sünden der Bergangenhett Groteske von Jewgenij Petrow. Der zwanzigjährige Jüngling Waffilij Sajetz schlug den Abenteuerroman zu und verließ das Haus. Die dunkle Nacht schien eine ganze Menge von Empfindungen, Erlebnissen von Geld und Ruhm für ihn bereit zu haben, und dies war sein Plan: zunächst wollte er den steinreichen Bankier überfallen und ausplündern, dann in ein Auto springen, den rasenden Verfolgern entwischen und sich schließlich an die Entführung des geliebten Rädchens Rjurka Bryffhejko heranmachen. Das Wettere spiegelte sich in der Phantasie deS energischen jungen Manne» nicht mehr ganz hat. Einerseits lockte ihn die Möglichkeit, sich mit Rjurka heimlich trauen zu lassen, sie vor dem Zorn ihrer Eltern zu retten, mit ihr nach den Salomoninseln zu fliehen und dort das Leben eines Pflanzers zu führen, der mit aller Sorgfalt seine „Sünden der Vergangenheit" zu verbergen sucht. AnderersettS eröffnete sich ihm die nicht minder verlockende Aussicht, das Leben auf dem elektrischen Stuhl zu beschließen. Waffilij legte sich mit dem Bauch auf den staubigen Bürgersteig und kroch wie eine Schlange einige Meter vorwärts. NaPiein er die Straßenkreuzung erreicht hatte, sah er sich nach allen Seiten um und stieß einen leisen Pfiff aus. Sofort erscholl ein ebenso leises Antwortspfeifen. Gleich darauf löste sich der Schatten seines Kumpanen Titjta Slowunow von der grauen Mauer und glitt ihm entgegen. .„Hau du-du?" begrüßte Witjka seinen Pa tron.„Es gibt Neuigkeiten, Kapitän?" »Sprich, Stenly, ich höre." „Ich habe den ganzen Tag den Bankier be obachtet."- „Nun, und?" „Er hat seine Barschaft zu Hause." „Olrait, der alte Satyr wird der strafenden Hand Reginald Smiths nicht entgehen. Hahaha! ».. Sind die Revolver in Ordnung?" ..„Jawohl, Kapitän. Ein guter Liter Maschinenöl schüttz sie vor unerwünschten Versagern." „Olrait. Wir werden heute nacht schön ar- betten, lieber Stenly... Hast du schon meinen Brief der kleinen Veronika überreicht?" .jawohl, Kapitän. Rjurk... die kleine Veronika will Sie um ein Uhr nachts in ihrem Zimmer erwarten." „Olrait. Und der alte Zerberus von einem Vater?" „Ahnt nichts." „Und die Mutter?" «Die alte Ledy vertraut in allen Stücken ihrer Zofe. Diese habe ich bestochen!" ..Aravo, Stenly. Du bist ein fähiger Bursche. Jetzt aber wollen wir in die Taverne„Neubayern" Sehen und dort die Kehle mit einem guten Schluck Absinth anfeuchten. UnS steht eine Arbeit bevor, die beileibe nicht leicht ist." » Der Bankier I. M. Tantonschik, Ehef deS Erikotagenhauses„Eigene Arbett", hatte eine eigene kleine Wohnung im Hofe desselben Hauses, in dem auch die beiden Freunde wohnten, vor der Tür seiner Gemächer stülpte sich jeder der Uebeltäter eine aus Turnhosen angefertigte Maske über die Nase. Dann tat Wassilij Sajetz einen tiefen Seufzer und klopfte an. „Wer ist dort?" ließ sich hinter der Tür eine erregte Stimme vernehmen. „Haussuchung", antwortete Waffilij heiser. Die Tür tat sich auf, und auf der Schwelle ersckjjen der vor Freude strahlende I. M. Tanton- schtt in fliederblauen Unterhosen. »Bitte schön! Treten Sie näher! Und ich hatte schon einen so furchtbaren Schreck bekommen. Ich dachte, es sei wieder jemand vom Finanzamt.... Frauchen! Kinderchen! Weint nicht! Das ist nur eine Haussuchung." »Hände hoch!" befahl Stenly. „A-a-ah! Banditen?" rief Tantonschik ganz «glückt. „Das sind wir!" donnerte Stenly. „Frauchen, Kinderchen, kommt rasch her! Rasch! Banditen sind gekommen! Schaut, schaut ne euch nur an, das sind lebendige Banditen! Seht >hr? Sieh mal her, Adolf, das sind die Leute, von denen ich dir so.oft erzählt habe... Der Kleine ist mein jüngster Sohn. Er wurde gerade zwischen dem fünfzehnten und sechzehnten Banditenüber« säst auf meine Wohnung geboren... Mach dem ^nkel euren Diener! Sr soll später einmal Geiger Werden... Aber nehmen Sie doch, bitte, Platz..! «stauchen, setz doch den Herren etwas vor..." „Wo haben Sie Ihr Geld?" fragte Waffilij nervös. Tantonschik sah die nächtlichen Besucher bestübt an und machte mit der Hand eine breite Einladende Geste. «Bitte, überzeugen Sie sich selbst." Die Freunde blickten sich im Zimmer um und stellten entsetzt fest, daß alle Einrichtungsstücke der Mahnung, vom Schreibtisch bis zum Grammo phon, mit Siegeln des Gerichtsvollziehers versehen daren. 7- „Heute kann ja kein Mensch mehr die Steuern «zahlen", kicherte der Wohnungsinhaber.„Was sagen Sie dazu?... Aber wo wollen Sie denn hin? Bleiben Sie doch einen Augenblick hier... stir können uns ja so schön unterhalten..." Der abessinische Kaiser an den Völkerbund Genf.(Reuter.) In einem Schreiben an das Bölkerbundsekretariat ersucht der Kaiser von Abeffinien, daß der Bölkerbundrat die Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes übernehme und besonders gründlich alle Zwischenfälle prüfe, die sich seit dem 23. November vorigen Jahres an der Grenze von. Abeffinien und Italienisch- Somali-Land ereignet haben, und über dieselben ihre Meinung zu äußern. Politische Hochzeitsreise Görings Das Sofioter Blatt„Utto" meldet an leitender Stelle aus Berlin, daß Göring auf seiner Hochzeitsreise am 6. Juni nach Sofia kommen werde. Am 23. Mai werde Göring in Belgrad eintteffen, dort werde er sich drei Tage aufhatten und dann mit seiner Gemahlin zum Sommerauf- enthalt nach Dalmatien gehen, wo in Dubrovnik eine Villa für ihn reserviert sei. Bon Dubrovnik werden die Hochzeitsreisenden ihren Weg mittels Flugzeug nach Athen fortsetzen, wo sie Anfang Juni eintteffen. Neber Sofia kehrt das Ehepaar auf dem Flugwege nach Deutschland zurück. Französisches Memorandum Ober Sanktionen Genf. Wie mitgeteilt wttd, wird Frankreich ein Memorandum über Sanktionen gegen eine neue Verletzung der Friedensverträge dem Ausschuß der Dreizehn vorlegen, der entsprechend dem Beschluß der Resolution des Völkerbundrates, der im Hinblick auf die Erklärungen in Strefa gefaßt wurde, gebildet worden ist. Ansteigender Außenhandel Günstige Entwicklung des Eisenwarenexports— Hohes Aktivum in ersten vier Monaten 1935 Im April hat sich, wie aus den bereits 1 Handels der M e n betrug die Einfuhr in Tonnen Nettogewicht: 1935 JSnner- MS» 1934 Jänner» MS» acöpleti■• i| 467.508 420.044 Eisenerze,,,, 00.408 59.074 Mineralöle,, 108.110 99.927 Oelreiche Samen •« 55 Ri5 Mais«,,,, ■.■ 48.026 54.980 Kochsalz,,,, 35.014 18.244 Hols ■.■ 24.955 29.904 Baumwolle,,, •. V 21.543 31.622 Getreide«»,, ■■ 24.436 56.346 Reis...,, ■■ 18.013 10.124 Unedle Metalle, roh a■ 11.970 14.843 Wolle..... ■• 8.303 12.801 Dungmittel,,, ■■ 10.241 14.001 Roheisen.... ■■ 7.002 14.747 Felle, ynd Häute, roh a v 8.002 14.747 Die A u S f u h r in Tonnen Nettogewicht zeigt folgendes Bild: 1935 1934 Jänner- Jänner» MS» MS» ■■■■ I V 1,110.227 1,169.985 »■■■• ■ V 467.600 403.557 Zucker,,,, V■ 58.424 43.928 Baustein«,,, ■ I 17.864 11.975 Eisenerze,,, ■■ 81.025 22.464 Eisenwaren,,, ■ I 83.973 81.567 Papierzeug,,, ■■ 25.628 80.198 SJtalö*•■■■ a a 23.423 25.487 Tafelglas'),. ■■ 16.722 18.977 Stäbeisen,,, ■ I 20.640 5.661 Hohlglas').-. 0 a 10.111 9.267 Eiserne Bleche u. Platten, 16.549 12.115 Mehl 10.857 22.751 Papier■«■■ • a 9.901 9.047 Getreide, ■■ 9.708 20.470 Seite 6 „Sozialdemokrat" Rittmsck, 22. Mai 193Z. Nr. 118 Ein Filialk"ankenhauS ohne Zentralheizung, dafür mit Heizungsverbot ab April, dürfte, so wird uns geschrieben, kaum zum Heile der Patienten beitragen. In der Nähe von Prag, klimatisch kälter als dieses, am Nordrande der Scharla- Gegend, schön gelegen, in reiner Luft, seit d-'ei Jahren aufopfernd von dem jetzt leitenden Primär Dr. L. Riedl ausgestaltet, liegt das Filialkrankenhaus des Allgemeinen Krankenhauses zu Prag-Tuchomilice, in der Provinz noch wenig bekannt. Ehemals nur Rekonvaleszentenheim, ist es heute eine modern ausgestattete Heilanstalt. Die Heizung— durch Kachel- und Füllöfen versehen— ist d er wunde Punkt. Hier scheitert der Bürokratie gegenüber alles Bemühen. Das heurige abnorm kalte Frühjahr machte sich auch in diesem Heil- und Genesungs-Institut nicht nur unangenehm, sondern bei manchem Leiden auch in Rückfällen bemerkbar, die bei Heizung kaum erfolgt wären. Es grenzt an Schwachsinn, die Kohlen auf den Halden quasi verfaulen, Kranke aber frieren zu lassen. storben ist, einen Film zu machen, den man sich bis zum Ende ansehen kann. Es ist eine Leistung der Regie, nicht minder aber eine Leistung der Hauptdarstellerin Margaret S u l l a v o n, die hier ein ganzes Frauenleben mit soviel Sicherheit und Echtheit sichtbar macht, daß st« nach dieser einen Rolle schon zu den Größen der Film-Schauspielerei zu zählen ist.—eis— In den Krallen des Teufels. DaS.ist.kein schlechter Name für einen Film der Ufa. hie.sich in den Krallen des Berliner Propagan^aministeriums befindet. Und wenn die Handlung dieses Films auch einer Tüdsee-Novelle des englischen Erzählers Stevenson entnoinmen ist, die von einet Teufelsflasche'phantasiert. deren geheimnis-»nd- verhängnisvolle Macht ar. E. T. A. Hoffmanns„-Elixiere des-Teufels" erinnert, so verleugnet das exotisch« Ufa-Werk doch nirgends seine Herkunft aus dem Dritten Reich. Denn daß man dort aus Furcht. Vox irgendwelcher Realistik und Aktualität zur exotischen Phantastik flüchtet, ist ebenso bezeichnend wie die Unfähigkeit, diese Phantasiewelt zu gestalten. Die Südseekulissen dieses Films wirken wie eine billige Dekoration zu, einem Berliner Atelierfest— und Käthe von Nagy wirkt im exotischen Milieu wie ein- schlechter Witz.«eis» - Hencktssaat Ehemaliger Rechtsanwalt als Berufsbetrüger Ein gefährliches Gaunerkonsortium Prag. Der heute 60 Jahre cüte ehemalige Doktor der Rechte und Rechtsanwalt Rudolf R e i- man n ist seit langen Jahren als durchtriehener und skrupelloser Betrüger gerichtsbekannt. Sein Doktorat ist ihm bereits vor langer Zeit aberkannt worden. Dienstag saß dieser gescheitert« Mensch wieder einmal unter Anklage des Betruges vor dem Strafsenat Trost in Gesellschaft dreier Spießgesellen, von denen jeder„eine Nummer für sich" ist. Das Sündenregister dieses Gaunerkonsortiums wurde dadurch aufgerollt, daß eine freche Betrugsaffäre aufflog, die von dieser Kumpanei gegen den Landwirt Josef B l e ch a ins Werk gesetzt worden war. Der Sohn dieses Landwirtes saß wegen eines Militärvergehens im Theresienftädter Militärgefängnis. Der- 39jährige Richard Kafka besucht« den Vater des Häftlings und erzählte ihm, daß er ihm die Bekanntschaft eines Oberst vermitteln könne, der die Diöglichkeit habe, in der Sache des Strafgefangenen erfolgreich einzugreifen. Richard Kafka war aber nur der Zutreiber Rudolf Reimanns, der sich bei einer Zusammenkunft im Prager Kyffee» Haus„PH- kni als„LDerst 5es Jusnrdlenstes Dr. Reiner" vorftellte, sich vom Vater des Häftlings die Sache gründlich erklären ließ, Notizen machte und sich schließlich 1000 flc„zur Deckung seiner Auslagen" verlangte und auch bekam. Im weiteren Verlauf der Komödie mußte der opferwillige Vater weitere 1000 KL erlegen, wobei ihm der„Herr Oberst Dr. Reiner" vorschwindelte, es sei ihm gelungen, die Akten vom Obersten Militärgericht herauszubekommen und er werde nun die Sache des Häftlings energisch betreiben und diesen in kurzer Zeit sreibekommen. Der schon erwähnte Vermittler Richard Kafka schtvindelte dem vertrauensseligen Vater auf eigene Faust einige hundert Kronen ab, die angeblich zur Ausbesserung der Sträflingskost seines Sohnes dienen sollten, aber natürlich in den Taschen des Betrügers hängen blieben. Als schließlich die Betrügereien zutage kamen, wurden zwei weitere interessante Herren als Mithelfer der Betrüger eruiert. Der ein« von ihnen war der 36jährige ehemalige Chemiker Ferdinand F i s e r aus Z i s k o v, im Hauptberuf Kassenknacker großen Formates, den die Polizei seit längerer Zeit sehnsüchtig suchte. Der andere war der 28jährige Wenzel Z v o n ä t, ein gleichfalls polizeibekanntes Individuum. Bei der Verhandlung kamen auch verschiedene andere Uebel« taten der Kumpane zur. Sprache; Einbrüche, Hochstapeleien, Betrügereien aller Art. Der Schadensbetrag belauft sich auf viele tausend Kronen. Der Gerichtshof verurteilte den Kaffenknacker F i§ e r zu drei Jahren schweren und verschärften Kerkers, den Exadvokaten Rudolf Reimann zu acht Monaten, Wenzel Z v o n& i zu z e h n«n