I Donnerstag, 23. Mai 1935 15. Jahrgang 1 Unverzagt zu neuem Kampf! IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Hdlu («inschliaftlich 5 Haller fort») ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg»i., fochova»r. TELEEON 5»077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Wertung unserer Arbeit . Mittwoch abends fand in der Prager Lurerna ?* e überfüllte Wählerversammlung der tschechi- Sozialdemokraten statt, in welcher der Par- kworsitzende Genosse Hampl die Bedeutung . et Wahlen in die Nationalversammlung würgte. Er quittierte dabei sehr anerkennend dir .^rit der deutschen Sozialdemokratie in der Re» E'.erung, was von der gesamten Versammlung begeistertem Beifall ausgenommen wurde. 5** Beifall wiederholte sich, als Hampl erklärte, die deutschen Sozialdemokraten weiterhin ,^ch einen Minister in der Negierung vertreten -eiben müssen und daß auch die deutschen Agra- "kr in der Regierung bleiben müssen. Mit großer Zustimmung wurde auch Hampls fitere Mitteilung ausgenommen, daß über eine Mitnahme HenleinS oder deS Sjednoceni an der T^Sierung überhaupt nicht verhau- . klt wurde und auch nicht verhandelt werden wird. Nur, was zerfällt, vertretet ihr! Seid Kasten nur, trotz alledem! 'Wir sind das Volk, die Menschheit wir, sind ewig drum, trotz Medern! Trotz alledem, trotz’, alledem;;„■ so kommt denn an, trotz alledeml ihr hemmt uns, dogh ihr zwingt uns nicht; unser die Welt trotz gliedern! Fr ei li grath. Demission der Regierung erst nach Feststellung der endgültigen Wahlresultate Prag. Mittwoch vormittags fand ein Eiinisterrat statt, der sich u. a. auch mit der Trage befaßte, wann die Regierung die nach Neuwahlen übliche Demission geben wird. Wie iiezu amtlich gemeldet wird, wurde die Mit- lrilung des Ministerpräsidenten zustimmend zur Rmntnis genommen, wornach der Demissionsbe- schlust der Regierung erst dann gefaßt«nd dem Präsidenten der Republik vorgelegt werden soll, sobald die Ergebnisse des zweiten«nd dritten Ekrutiniums sestgestellt sein werden.(Das wird kämmenden Montag nach der Sitzung per ZentralwahlloniMission der Fall sein.) ' Inzwischen werden die Berhandlungen der koalierten Parteien über die künfttge Parla- dtentsmehrhett fortgesetzt werden. Rach dem Ministerrat erstattete Malypetr o«n Präsidenten der Republik in Lana einen Erricht. Schlußabkommen Ober den modus vivendi In der Sitzung des Ministerrates erstattete sfrner der Minister des Aeußern einen detailalten Bericht über die Berhandlungen zur Durchführung des Modus vivendi und aber das Endabkommen, zu welchem es m letzten Tagen zwischen dem Vatikan und der tschechoslowakischen Republik in dieser Angelegenheit gekommen ist. Dem Bericht wurde zuge- Mnnnt und in diesem Sinne die entsprechenden Erschlüsse gefaßt. Weiter- wurde über einige mit den handelspolitischen Vereinbarungen mit Italien und Österreich.zusammenhängend« Fragen Br- Aluß gefaßt und die Ernennung der tschechoslowa- üschen Delegation für die 19. Internationale nach *^nf anfangs Juni l. I. einberufene Arbeitskon- 'Elenz durchgeführt. . Zugestimmt wurde den Regierungsverordnung *U über die Durchführung einiger Bestimmungen Novelle des Militärdisziplinargesetzes und über '0 Einteilung des Staatsgebietes in 34 I n» soektionSbezirke für die Amtierung de: ^lwerbeinspekt 0 r a t e sowie der Kundmachung des Ministeriums für Landwirtschaft über ee Verkaufspreise und Verkaufsbedingungen für Futtermittel und Schrote, und zwar für ^Nen weiteren Zeitabschnitt vom 1. Juni 1935 ab. Srite 2 Donner-tag, 23. Ma! 1933 Nr. 120 Soziale Arbeit in den Bezirken Die Masse der deutschen Wähler ist am Sonntag der inhaltslosen Phrase erlegen. Sie unterzog vor der Entscheidung weder die Personen noch die Leistungen der Parteien einer ernsten Prüfung, sondern fiel den Schlagworten von»Brot und Arbeit für alle",»Sicherung deS deutschen Arbeitsplatzes",»Wiederinbetriebsetzung der Fabriken in den deutschen Gebieten",»Verbilligung der Leben-mittel",»mehr Rechte für die Deutschen" usw. zum Opfer. Normale Menschen pflegen, wenn jemand etwas Unfaßbares verspricht, zu fragen: »W i e willst du das machen?" Die Wähler der SHF vom Sonntag wichen dieser Frage aus, weil sie ihre Illusionen zerstört hätten, die sie an die »Volksgemeinschaft" vom Sonntag anknüpfen. Es ist daher auch nicht anzunehmen, daß sich die Denkart der Masse inzwischen geändert hat und sie mit etwa- größerer Vorsicht zur Wahl gehen wird. Wer denkt, erfährt dieWahrheit, und die ist oft sehr bitter, also bleibt der Durchschnittsmensch bei der Phrase; der ernste Mensch dagegen, der den Wiederaufbau der Wirtschaft und die Gesundung der Gesellschaft will, prüft erst und untersucht, bevor er entscheidet. DaS gill besonders für die Wahlen in di« Bezirke. Hier muß die sachliche Arbest, die geleistet wurde, zur Richtschnur der Entscheidung für den einzelnen Wähler gemacht werden. Die Verwaltungsreform vom Jahre 1928 hat die Autonomie der Bezirke stark eingeengt, die Finanzgesetze für die autonomen Körperschaften haben deren Handlungsfteiheit weiter beschnitten. E- genügte deshalb der W i l l e, für die Gemeinschaft zu arbeiten, allein nicht, sondern es mußten auch die Wege für diese Arbeit gesucht und gangbar gemacht werden. Es mußte der Widerstand der Bureaukratie, der mit aller Gewall ausgestatteten Bezirksbeamten und der Aufsichtsbehörden gebrochen werden, bevor man zur Lösung irgend eines im Interesse der Bevölkerung gelegenen ProblemeS übergehen konnte. Trotz allen diesen großen Schwierigkeiten aber ist in den deutschen Bezirken Großes geleistet, find Werke geschaffen worden, die man noch in Jahrzehnten bewundern und-reisen wird. Das trotz der Finanznot der Bezirke» die infolge der Finanznovelle vom Jahre 1927 und dem Einbruch der Wirtschaftskrise geradezu katastrophal geworden ist! Immer und immer wieder haben di« Sozialdemokraten in den Bezirken ihre Forderungen aufgestelft und vertreten, haben aber auch dafür gesorgt,\ daß alle Hindernisse, die stch der Erfüllung der-' selben entgegenstrllten, überwunden werden. Niemand kann hente leugne«, daß die Initiative für die einzelnen Projekte in den Bezirken von Sozialdemokraten kam, die Borarbeiten für die Durchführung derselben von diesen geleistet und auch die notwendigen Schritte für die Beschaffung der Mittel von ihnen unternommen wurden. Es muß in diesem Zusammenhänge auf die wichtigsten Tätigkeitsgebiet« der Bezirke hingewiesen werden. Das ist einmal die Arbeitsbeschaffung, die Betreuung der Kranken- Häuser urw di« soziale Fürsorge. Die A r b e itsbeschaffung war wohl in der vergangenen Verwaltüngsperiode das wichtigste Problem, das zu bewältigen war. Ohne Sozialdemokraten» das darf mit aller Entschiedenheit gesagt werden» hätten keine fünfzig Prozent der jetzt vollendeten Arbeite« in Angriff genommen»erde« könne«! Das Bürgertum» da- heute in so hohe« Töne« von der „Volksgemeinschaft" spricht, hat durch seine Vertreter in de« Bezirke« durchaus nicht immer de« Geist dieser»»Volksgemeinschaft" erkenne« lasse«» wen« es gatt» die Mittel für Notstandsarbeiten und andere wichtig« Projekte-» bewilligen«nd zu beschaffe«. Wie wäre es möglich gewesen, die großen Straßenbauattionen der Bezirk« durchzuführen, wenn nicht die Sozialdemokraten als Vertreter der Arbeiter alles aufgeboten hätten, um diese gigantischen Pläne zu verwirllichen. Wo immer Notstandsarbeiten durchgeführt wurden, sind sie von Sozialdemokraten eingelettet worden. Hunderte Millionen Kronen sind von den Bezirken in den letzten Jahren für Straßenbauten aufgewendet worden und man hat durch sie nicht nur den Verkehr modernisiert, sondern— was eben so wichtig ist— der Wirtschaft aufgeholfen und den Arbeitslosen Brot gegeben. Bon ebenso unschätzbarer Bedeutung ist die Arbeit, die von Sozialdemokraten in de« Bezirke« für de« Ausbau der Kranke«-««d Siechenhäuser geleistet wurde. Bis zum Jahre 1919 gab es in unseren Bezirken fast keine Siechen« und nur erbärmlich eingerichtete Krankenhäuser. Die Menschen betrachteten die Unterbringung in einer solchen Anstalt gleich einer Strafe und waren überzeugt, daß sie im Spital nur den Tod, nie aber die Heilung zu erwarten haben. Seither ist vieles anders geworden. Der Andrang zu den Krankenhäusern steigt von Monat zu Monat. Sie sind Heilanstalten gewor- den. Bevor sie es wurden, mußten in fast allen Bezirken, die ein Krankenhaus verwalte», schwere Kämpfe um den Ausbau derselben einerseits mit der Bureaukratie, andererseits mtt den bürgerlichen Vertretern geführt werden. Heut« können wir auf eine Reihe mustergülttger Krankenhäuser Hinweisen, die dies einzig und allein durch die Arbeit der Sozialdemokraten geworden sind. Wir nennen hier nur Aussig, Teplitz Einem Teil der Schriftleiterpresse scheinen bereits die Grausbirnen ob des allzugroßen Sieges der Henleinfront aufzusteigen. Besonders ängstlich scheint dem Leitartiller der.BrüxerZeitung" zumute zu sein, die doch wahrhaftig alle- getan hat, um die Einnebelung von drei Vierteln der sudetendeutschen Bevöllerung zu unterstützen. Man höre nur, wie dieses Matt nun, da eSgeschehen ist, nicht weiß, waszugeschehenhat: „Zunächst erfordert die Lage ruhig« Besinnung auf beiden Seiten. Für die Regierung und für die tschechische Oeffentlichkeit, di« durch ihre und«inen Teil der Prager deutschen Presse konsequent falsch unterrichtet wurde, be» deutet dieser Wahlausgang ein Eleme^tarereig- niS. Ater auch bi« Deutschen find von brr Größe beS rrrungem« Tiegel innerlich erschüttert nnb müsse» mit stch erst in- Klar« komme». Für du alten Patteien und füruisereganzeher« kömmliche AuffassungSweis« von Politik ist die plötzliche und fast vollständige Städten, sondern auch in ganz kleinen Bezirken haben wir heute erstklassige Krankenhäuser, die auS der Arbett und dem Kampf der Sozialdemokraten in den Bezirken hervorgegangen sind. Wir erinnern an die Alter-Heime der Bezirke Teplitz und Karlsbad, die Spitzenleistungen auf dem Gebiete der Aüer-fürsorge der Bezirke darstellen und von sehr vielen Bezirken nachgeahmt wurden. Damit ist aber der Wirkungskreis der Bezirke in sozialer Hinsicht noch lange nicht erschöpft. Wir erinnern nur an die Schulzahnpflege im Bezirk Tetschen, an den schulärztlichen Dienst im Bezirk Teplitz und anderen fortschrittlichen, von Sozialdemokraten stark durchsetzten Bezirken. Dir erinnern an die Ferien« fürsorgeder Bezirk«, an iHv« Heime in Dtt- tersbach und Rodisfort, an Werke also, die ausschließlich Sozialdemokraten ihren Ursprung verdanken. Wenn wir außerdem noch an den Ausbau der Bezirksarbeitsvermittlungsanstalten denken, dann vermögen wir ein Urteil über die gewaltige Arbest der Sozialdemokraten in den Bezirken abgeben. Gewiß, die andern werden auch hier mehr versprech e n, als wir geleistet haben. Sie werden damit sicher die Urteilslosen, die polstisch indifferenten Menschen gewinn««. Aber das Werk auSbaucn, da- in den Bezirken begonnen wuÄ>e, werden sic damü nicht! Dar«» mutz jedem, der die Stellung der Deutschbürgerlichen zu den Forderungen der Sozialdemokraten tn den Bezirke« kennt, klar sei«, daß jede Stimme für die SHF eine Stimme gegen die Arbeiterschaft, eine Stimme gegen de« Fortschritt, eine Stimme gegen die soziale Fürsorge, eine Stimme gegen den Arbeitslose» ist. Der denkende Mensch, dem die HSherentwicklung der Menschheit Sinn jeder Handlung ist, der der Rot und dem Hunger ei« Ziel sehe« und vor allem de« deutsche« Arbeitsplatz und den deutsche« Bode« sicherstellen WM, der «ntz sozialdemokratisch wühle«! Ablösung der früheren Vertrauensträger des Volke- durch«inen einzigen— und noch dazu ganz neuer»— gewiß ein Vorgang von katastrophalem Charakter und nach jeder Katastrophe gibt'» einen Trümmerhaufen. So auch jetzt. Dieser mußaufgeräumt werden. Die Leitartikel der Parteiblätter stellen den Beginn dieser Arbeit dar, die geraume Zeit beanspruchen wird. Den Zeitung-leuten werden die Parteiführer und Parlamentarier folgen und— wenn sie ihr Metier ernst nehmen— gewissenhafte Urberlegungen darüber anstelle«, was nun zu geschehe« habe..." Wie man sieht, windet sich Henleins Schrift- leiterpreffe schon in- einiger Qual nach der Wahl. Sieht sich dadurch aber keineswegs behindert, sofort wieder in den hundertprozentigen Httlerstll zu verfallen, indem neuerdings die Wahlen als »volk-entscheid" an« und ausgesprochen werden. Auch ein zwester Artikel der»Brüxer Zeitung" beschäftigt sich mst dem, was„nach dem Volksentscheid" zu geschehen habe. Fürwahr,«in einzig dastehender VolksentscheiS, dessen Hintermänner nicht wissen, was sie mst ihm anfangen sollen! Im leiste des„Christentums* Sechs Monate politischen Kerker für eine Siebzehnjährige! Wien.(Tfch. P.B.) Die 17jährige tsche» choflowakische Staatsangehörige Katharina& wurde dabei betreten, wie sie Exemplare der»» Brünn erscheinenden„Arbeiterzeitung" nach Oesterreich schmuggelte«nd wie sie dieses Blast im 19. tWiener Bezirk kolportierte. Sie wurde von der Bezirkshaupttnannschaft in Hollabrunn z« sechs Wochen Art« st«nd bald darauf vom Jugendsttaffenat beim Kreisgerichst Korneuburg z u sechs Monate« Kerker verurteilt. Klagenfurt.(Tsch. P.-B.) Die hi«' fige Polizei hat die Zentrale der Sozialrevolutionäre ausgehoben, die«ist der Brünner Emigration in Verbindung standen. Mehrere Personen wurden verhaftet, darunter der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Fall«. Italien sträubt sich gegen Völkerbund-Intervention Genf. Mittwoch früh traf hier der französische Außenminister Laval ein. Beiläufig widmet er sein Hauptaugenmerk ausschließlich dem abessinisch-italienischen Konflikt. Die Verhandlungen über die friedliche Äsung des Konfliktes sind sehr schwierig. Die italienische Delegation beharrt weiterhin auf der Ansicht, daß der Konflikt im Rahmen der zwischen Abessinien und Italien bestehenden gültigen Verträge gelöst werde» müsse» event. im Rahmen der Verträge» die Italien» England und Frankreich unterzeichnet haben. Es ist möglich, daß der Völlerbundrat zwungen sein wird, die Session bis Anfang nächster Woche zu verlängern, falls kein Kompromiß für die Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes gefunden werden wird. koosevelts Veto vom Kongreß abgelehnt Washington. Präsident Roosevelt sagst in seiner Rede vor dem Kongreß, in der er sei» Beto gegen die sofortige Auszahlung von Unterstützungen an die ehemaligen Kriegsteilnehmer begründete» die Ausgabe neuer Banknoten in der geforderten Höhe von 2.2 Millionen Dollar würde eine unkontrollierbare Preiserhöhung zur Folge haben. Roosevelt fügst hinzu, jedes Boll, das bisher zu dieser Methode seine Zuflucht nahm, um seine Verpflichtungen erfüllen zu können, habe katastrophale Folgen erleiden müssen. Einzig die Wiedererneuerung des ganzen Landes werde das Schick- sal der Frontkämpfer bessern. Das Repräsentantenhaus lehnte hierauf das Veto des Präsidenten mst 322 gegen 98 Stimmen ab. Nazl-Nachtmanöver bei Graz Graz. Am Montag verhaftete die Polizei etwa 100 junge Nationalsozialisten, die in der Umgebung von Graz militärische Uebungcn abhielten. und K o m o t a u. Wer nicht nur in den großen Innerlich erschüttert I I 2« komm VON km« Vachek__. 1 Deutsch ton Anna AurednKek Als das Publikum, das stumpfe Publstum» ohne Rücksicht auf die Folgen, in Gelächter auS- brechen wollte, ließ sich im Auditorium lautes Schluchzen vernehmen. Dieses Schluchzen durchzuckte Beinsteller wie der Blitz. Das ist Sophiechen, dachte er. Er setzte sich so gerade, als er sich setzen konnte, und schloß mit lauter Stimme seine Rede: „Damals habe ich zum zweiten Male ohne Ge« wiffenbiss« gestohlen, um mich zu ernähren, habe gestohlen, um mich zu rächen und weil ich todunglücklich war. Und ich werde so lange stehlen, bis sich ein edles Wesen meines Unglücks erbarmt und mich erlöst." Sekundenlange Stille herrschte. Jetzt war dem Publikum das Lachen vergangen. Die ursprünglich lustige, warme Atmosphäre war dahin. Die Verhandlung entrollte sich jetzt wie eine Trauerzeremonie. Als das Gerichtstribunal das Urteil verlas— es waren drei Monate schweren Kerker-— waren alle unzufrieden. Ihre Unzu- friedenheit war anderer Art als die des Marcell Pirko, der sagte:«Drei Monate sind zuviel, da er sie so schön gefoppt hat." Der Detektiv benützte die Pause, um Fräulein Magdalena zu fragen: „Fräulein, wissen Sie, wer eS gewagt hat. Sie zu belästigen? Der Hanslitschek. Sollten Sie die Firma nicht kennen, so will ich Ihnen sagen, daß dieser Vogel nur von mir schon dreimal hoppgenommen worden ist." Dann zu Hanslitschek gewendet:„Tracht' zu verschwinden, Falott, falls es dir nicht paßt, kannst du wegen Einmischung in Amtshandlungen verhaftet werden." Infolge diese» energischen Vorgehen- beherrschte er die Sstuation, hatte aber nicht Zeit, seiner Nachbarin gebührende Aufmerksamkest zuzuwenden. Sophiechen, die gute Seele» befand sich von Beginn der Verhandlung an in grenzenloser Aufregung. Die Verlesung de- Urtefl- bracht« ihr eine gewisse Erleichterung. Sie hatte erwartet, Beinsteller werde zumindest auf fünf Jahre«ingesperrt werden. Und durch ihren Kopf zog ein Gedanke. Sie wird e- ihm geben» er wird eS dem Gericht zurückerstatten, und so wird ihm das Gericht die Straf« vielleicht herabsetzen. Mit dieser Msicht drängte sie sich trotz ihre- furchtsamen Charakters durch di« Menge, die Beinsteller bei seinem Wgang umringte. Es war die DiebSgesellschast» deren Mitglieder ihm Zigaretten, Schokolade, Gardinen und Geld in die Hände und in die Taschen stopften. Niemand hinderte jetzt Fräulein Sophie. Sie stand plötzlich vor Beinsteller, der ihr sofort seine ganze Aufmerksamkeit zuwendete. „Fräulein Sophiechen, ich büte Sie um Gottes willen, verzeihen Sie mir," flüsterte er flehend. „Ich habe Ihnen längst verziehen," antwortete sie und schlug die Augen nieder, an deren Wimpern große Tränen zitterten. Ehe sie von dem Päckchen sprechen konnte, flüsterte er ihr zu, so leise, daß nur sie«S hören konnte:.„Behüten Sie... Sie wissen schon, was." Sie antwortete in derselben Weise:„Ich hab'«S bei mir. Vielleicht würde man Ihre Strafe herabsetzen, wenn ich's abgäbe." „Das wäre mein Tod und der Ihre," flüsterte Beinsteller und wurde leichenfahl, als sähe er ihren Tod schon vor sich. „Vorwärts," befahl der Aufseher. So kam es, daß Beinsteller nicht aussprechen konnte, was ihm auf den Lippen schwebte. Er konnte ihr nicht mehr sagen:„Jetzt, da ich zum erstenmal liebe, will ich nicht..." Alles drängte zum Ausgang. Da gelang eS endlich dem Kadetten Karl, sich an Fräulein Sophie heranzuschlängeln. In einer Sekunde» die gerade genügte. um da- Wort Amen auSzusprechen» zog er das Päckchen au» Sophien- Handtasche. Sie hatte es gerade sorgfältig hineingelegt. Dann huscht« er durch die Menge und verschwand. Das neunte Kapitel beschreibt Ruhm und Fall de» Cherub» Karl und den Ursprung einer neuen HochverratSaffäre, die nebst ander« zur Verhaftung eine» Rottmeisters von den Fliegern führt. Al- der Cherub Karl den Justizpalast verließ, verspürte er die Wollust eine» Kirchenräuber-. Ihm lief ein Schauer über den Rücken, wenn er an die gefahrvolle Herrlichkeit seines Griffe» dachte, den er vor den Augen ganz Prag-, de» Gerichtstrtbunal» und in Gegenwart eine- halben Dutzends berühmtester Prager Diebe au»geführt hatte. ES ist zu wenig gesagt, wenn man versichert, Karl sei überglücklich gewesen. Er verkostete alle Lust eines Buben, der eben zum Manne gereist ist und herausfordernd der Gerechtigkeit die Zunge zeigt. Er wußte, daß er sich einmal mit seiner Tat werde brüsten können, daß sie von Mund zu Mund gehen werde. Der Bericht von diesem Meisterstückchen würde sich von Geschlecht auf Geschlecht vererben und al- ewig grüne» Blatt im Kranz der berühmtesten Diebereien wetterleben. Ein Zwecken im Diebsstiefel. So nannte ihn sein Entdecker und Lehrer der geliebte und berühmte Meister Ferdinand Beinsteller. Er erinnerte sich diese- Ausspruches, als er sein falsche» Schnurrbärtchen abnahm. Ja, er war«in Zwecken, und wa- für ein Zwecken! Sein Mäzen Ferdinand Beinsteller, der jetzt auf drei Monat« lebendig begraben wurde, hätte gewiß nie den Mut zu ähnlichen Unternehmungen aufgebracht. Tatsachen sprechen! Und Karl zündete sich«in Zigarettchen an und betastete selig da- Päckchen in seiner Tasche. Was wird wohl Ferdl sagen, bis ich ihm davon erzähle? Er wagü eS, seinen Meister vertraulich Ferdl zu nennest. Um so mehr fühlte er sich beleidigt, als ihn ein alter Herr stellte und ihn erregt ermahnte: Säugling, die Milch rinnt dir noch LberS Kinn und du rauchst schon? Weg mit dem Stummel!, „Der Doktor hat mir'» verschrieben! quietschte Karl und nahm ReißauS. Nach dieser Episode fühlte er sich noch gewachsen. Am liebsten wäre er vor Glückseligkeit in die Luft geflogen Wenn er jetzt mit einem Purzelbaum in der Elektrischen erscheinen oder einen Wachmann einen Schabernack spielen könnte! Er war nahe daran, einen jungen Hund zu stehlen, der hinter seinen! Herrn trottete. In seinem Wonnerausch tauchte das für- sorgliche Gesicht Ferdl Beinstellers vor ihm aus Er sah dessen warnend erhobenen Finger un» hörte seine eindringlichen Worte:„Bor allein. Jungens, vergeßt nie, daß es nur ein Glücken gibt, und daß man Gott niemals versuchen solu Schuster bleib bei deinem Leisten, und Buben, bleibt nur bei der Elektrischen und den Volksfesten." Der Cherub lächelte überlegen und dachte:„Ich bin eben ein größeres Talcns als der Ferdl, der es zu nichts bringen wird.> Wer eines machte ihm Sorgen. Das rinett" sah absolut nicht wohlhabend aus. Wenn das Päckchen nur ein Schmarren wäre, ein Schund, der seine Tat hcrabminderte... seine Oual zu beenden, stürzte er in die erste Tram. Er wollte seinen Raub in Beinstellen- Wohnung besehen. Er stellte sich auf die hintere Plattform— vor ihm auf dem nächsten Sitz et* blickte er die Bestohlene. Sie schaute ihn unverwandt an. „Diesen Buben sollte ich kennen," da«» Fräulein Sophie.»Was ist denn los mit ihm« Der Cherub starrte sie mit offenem Mund an ust" hatte entsetzliche Angst: Sie erkennt mich schon•• Soll ich davonlaufen, falls sie Skandal mach!' .(Fortsetzung folgt.). Nr. 120 Donnerstag, 23. Mak 1933 Seite 3 Die Ergebnisse der Senatswahlen Deutsche Sozialdemokraten: 270.298 Stimmen und sechs Mandate Henlein sät— Sfflbrnß erntet! Der erste sichtbare Erfolg der Henleinbewe« gung nach ihrem Wahlsieg ist ein— mindestens agstatorischer— Aufschwung des tschechischen Fascismus, der möglicherweise schon in den Wahlergebnissen des kommenden Sonntag zahlen« mäßig Ausdruck finden wird. Sieht man von der aus einzelnen Orten gemeldeten Lüge ab, die Lebensmittelaktion für die Arbeitslosen, eine seit langem bestehende und von uns erstrittene Notaushilfe, sei ein Erfolg des HenleinsiegeS, so bleibt von dem großen Sieg wirklich nichts bestehen als die gute Laune StkibrnhS. Mit dem Plebiszit, mit der Fahrt Henleins nach Genf, von der in Nordböhmen die Flugblätter der SHF zu melden wußten, hat es gute Weile. Sttibrnhs Auftrieb aber ist ein Faktum, ein greifbarer Erfolg der SHF, den Henlein nicht so schamhaft verschweigen sollte. Der tschechische FascismuS hat vorigen Sonntag eine klägliche Niederlage erlitten. Seine Hoffnungen sind auf der ganzen Linie gescheitert. Verfügten die Gruppen des Närodni sjednoceni im frühren Parlament über 18 Mandate, so müssen sie sich seht mit nur 17 bescheiden. Der ungeheure Geldaufwand war umsonst, die Banken und der Andustriellenverband haben ihr Geld in ein schlechtes Geschäft investiert. Für die Sttibrny-Preff«, die ihren Gefolgsleuten, der Prager Gasse, einen großen Sieg versprochen und ihnen auf einen Zuwachs von mindestens 80 Prozent das Maul wässerig gemacht hatte, bestand am Montag eine schwere Situation.»Wie sage ichS meinem Kinde?" war das Problem. Was nun? Da erwies sich Henlein als rettender Engel. Sribrnh begann das»Volk" im Zeichen der neuen Gefahr aufzurufcn. Extra-Ausgabe auf Extra-AuSgabe verkündete den Sieg des deutschen Fascismus und forderte— dieEinigungderTschechen als Antwort auf die»Einigung" der Sudetendeutschen. Seither ist diese Agstation nicht abgerissen. Sttibrnh macht seine Gegner im demokratischen Lager für den Sieg Henleins verantwortlich, er hämmert den Tschechen ein, daß eS nur einen Ausweg gebe, der nationalen Konzentration der Deutschen eine stärkere der Tschechen entgegenzusehen. Erst der Sonntag wird zeigen, wieweit diese Agitation bei den Tschechen verfängt, aber schon heute läßt sich sagen, daß sich Sttibrnh, solange Henlein mit 44 Mandaten im Parlament vertreten ist, um Agitationsstofs nicht sorgen muß. Sind auch die Tschechen, wie der 19. Mai bewiesen hat, den Sudetendeutschen an politischer Urteilskraft weit voraus, so wird auf die Dauer bei gewißen Kleinbürgerschichten das Argument von.der Einigkeit doch verfangen und Sttibrnh(oder sein Nachfolger) wird aufHenleins Feldern ernten können. Dabei ist cs mit der Feindschaft zwischen den tschechischen und den deutschen Fascisten nicht weit her. Mü Recht verweist die tschechische Linkspresse darauf, daß gerade Sttibrnh sich zum Anwalt der Hakenlreuzler aufgeworfen hat. Nicht nur, daß er und seine Preße in Prag den Ruhm Hitlers verkünden und zur Nachahmung seiner Methoden auffordern, hat Sttibrnh sich seinerzeft auch für die Zulassung Henleins ein« arsetzt und den Außenminister Dr. Benes ange« kriffen, weil er strengere Maßnahmen gegen die hakmkreuzlerische Agstation forderte. Auch jetzt noch zeigt sich unverkennbar die Sympathie der tschechischen Fascisten für ihre deutschen Gesinnungsgenossen. Die Sttibrnh-Preße bringt Henleins Bild und weidet in Balkenlettern die Ankunft des»Führers" in Prag. Aber auf derselben Seite findet sich unten wieder die Mahnung:»Als Gegengewicht »egen die Einigung der Deutschen— die n ati o- uale Einigung(Närodni sjednoceni) der Tschechen und Slowaken!" 4 Wenn nächsten Sonntag tatsächlich der tschechische Fascismus und damit der nationale Chau- dinismuS, die Unduldsamkeit und der Haß gegen alles Deutsche einen Erfolg erringen, so haben die Deutschen das ausschließlich Konrad Hen» s e i n und seiner Hitlerpartei zuzuschrei« v e n. Wenn die Regierungsbildung durch solch kinen denkbaren und in Erwägung zu ziehenden Erfolg Sttibrnhs zuungunsten der Deutschen be« -influßt wird, so danken die Sudetendeutschen dies als nächsten großen Erfolg dem Führer Konrad Henlein und seiner tollen, Hemmung-» wsen demagogischen Propaganda. Würde gar Henleins Stimmenanteil am nächsten Sonntag noch wachsen, so sind bei der Stimmung der Prager Gasse unmittelbare Folgen mit Sicherheit zu erwarten, schwere Nachtelle für die Deutschen auf weste Sicht unvermeidlich. ’e- Dagegen würde ein merkbares Rückfluten der Wähler von der SHF zu den demokrafischen Partien, eine unverkennbare Abkühlung der deutschen Wähler im Sinne einer demokrafischen Realpolitik we Situation der Deutschen im Augenblick beffern we Lage des tschechischen FasciSmuS wieder schwieliger gestalten. Die deutschen Wähler haben es in der Hand, nächsten Sonntag die katastrophale Fehlentscheidung des 19. Mai wenigstens zu einem kleinen Dell wieder gutzumacken.'Können sie auch nicht wrmittelbar die Verhältnisse in dem neugebildeten Parlament ändern, so sind sie doch in der Lage, ^urch ein Zeichen der Ernüchterung dir Hosfnun» Ken des tsckeckiscken Fascismus abzuschwächen, die deistische Situafion der Sudetendeutschen zu der» Essern. Sie könnten aber auch durch ein zweites ■ Persagen das Unheil ins Unabsehbare steigern! Tschechische Parteien: Stimmen 1935 1. Agrarier.... ' ♦ ♦ b 1,042.836 2. Sozialdemokraten. . ♦ • 909.581 3. Nationalsozialisten • » 671.621 5. Klettkale... a 1 557.410 7. Hlinka.... ■ • » 495.300 16. Kramäk-Stkiirnh, 0 i 410.108 10. Gcwerbepartci.-, Deutsche Parteien: n 393.613 6. Sozialdemokraten. 270.298 9. Christlichsoziale, ■ 'M. » 154.506 12. Henlein..,. 1 ■ . 1,083.721 4. Kommunisten■. 737.635 11. Ungar. Parteien u. Wahlblock Ohne Mandate: 259.707 8. Bund der Landwirte ♦ ♦ « 128.916 13. Gajda-Fascisten. 145.043 15. Schuldnerpartei» ■ • 972 wäret! Herr Albin Sch önPflug» Beamter der BezirkSkrankenversicherungSimstalt in Trplitz- Schönau, hat vom Jahr 1919 bis in das Jähr 1921 hinein jenes Jnsfitut, bei dem er angestellt war, also die Teplitzer Bezirkskrankenkassa, um Hunderttausend« betrogen! Der Mann hat in raffinierter Weis« Krankengeldanweisungen, Vegräb- nisgeldanweisungen und Spitalskostenanweisungen gefälscht und der Teplitzer Krankenkassa einen festgestellten Schaden von 493.580 Kronen verursacht! Der Mann wurde natürlich Ende Mai 1921 entlaßen, verhaftet und zu zwei Jahren schweren London. Die mit Spannung erwartete Aussprache im Unterhaus über die Luftrüstungen wurde mit einer Erklärung B a l dw i n 8 eröffnet, der tereitS auf die Hitler-Rede Bezug nahm und erklärte» sie würde die vollste und fairste Erwägung seitens der britischen Regierung erfahren, die sie als sehr bedeutungsvoll ansehe. England werde nicht verabsäumen, daS Aeutzer- ste zu tun, um in jeder möglichen Richtung rin in- trrnafionales Abkommen zustandezubringen. Baldwin bezog sich insbesondere auf Hitlers Erflärung, daß Deutschland beabsichttge, die deutschen Luffitreifiräfte auf den Stand der anderen Westmächte zu begrenzen, und sagte, das sei eine Bestäfigung der Grundlage, von der die britischen Luftpläne ausgingen. Auch die Bereitwilligkest Deutschlands zur Erörterung und zum Abschluß einer Luftkonvention in Ergänzung des Locarnopaktes quittierte Baldwin mit Befriedigung: ES sei jetzt die Hoffnung einigermaßen begründet, daß durch die gemeinsamen Bemühungen der betroffenen Länder ein Ergebnis erzielt werden könne. In seinen weiteren Ausführungen erklärte Baldwin u. a., daß die britische Regierung zur Zeit den Plan einer Koordination der englischen Wehrministerien prüfe. Man solle jetzt Panikstimmung vermeiden. Die Schleier, die über den Handlungen der drei autoritären Staaten liegen, seien in Deutschland zum Teil gelüftet' worden. Hoffentlich werden sie ganz gelüftet.■. Stimmen Mandate Mandate 1929 1935 1929 (978.291) 23 (24) (841.331) 20 (20) (666.607) 14 (16) (559.700) 11 (13) (377.498) 11 (9) /(325.023) 9 /(8) i(51.617) l(1) (274.085) 8 (6) (446.940) 6 (11) (313.544) 4 /(6) l(2 Gewerbcpart.) — 23 — (644.895) 16 (15) (233.772) 5 (6) (359.002) — /(8) i.(1 AWG.) Kerker verurteilt! Dem Herrn wurde auch da? Wahlrecht.für Jahre aberkannt^- Herr Konrad Henkeln aber hat den Herr« Albin Schönpflug für würdig gefunden, in die Duxer Bezirksvertretung zu kandidiere«! Schaut Euch in Dux Liste Rr. 21 an! Dort prangt der Name Albin Schönpflug! Diese Partei soll das Volk wählen!? * Der Bruder dieses Herrn, also Herr Edmund Schönpklug, war wiederum Beamter der D« r 11 Krankmkassa. Der hat etwas weniger Schaden verursacht, aber immerhin auch den ansehnlichen Betrag von 71.449 XL unterschlagen! Das war im Jahre 1925» damals, als der H a k e n k r e« z l r r JosefHensel noch Direktor war! England beabsichtige, seine Luftflotte innerhalb von zwei Jahren auf 1500 Frontflug- zcnge zu erhöhen. Der Luftpakt und die Begrenzung der Luftrüstungen seien viel seichter zu erzielen, wenn Deutschland, Frankreich und England von demselben Anfangspuntt ausgingen, d. h., wenn die Luftparität dieser drei Staaten vorhanden fei. Mit der englischen Industrie seien Verhandlungen im Gange,«m die E r p a n- sion der Industrie für militärische Produktionszwecke zu erzielen. England wolle auf diesem Gebiete hinter keinem anderen Lande zurück st ehe«. Im Unterhause hatte Totenstille geherrscht, als Baldwin gegen Schluß seiner Ausführungen erklärte: Ich hatte einen besonderen Redeschluß vorbereitet, aber ich habe ihn zerrissen, nachdem ich die gestrige Rede Hitlers im Reichstag geprüft hatte. Ich' halte Ausschau nach Licht, wo immer ich es finden kann. Ich glaube in der Rede, die am Dienstag abend gehalten worden ist, einen Lichtblick zu erspähen. Wir alle müßen versuchen, dieses Lichtes habhaft zu werden. Wir müßen einen neuen Entschluß fassen. Ich glaube, daß eS uns sogar noch in elfter Stunde gelingen werde, aus dieser Welt zu bannen, was für die Menschheit entsetzliches Grauen und furchtbarste Selbstverwüstung bedeuten würde." vS5 Parlaments-Wahlergebnis in den Ländern Es ist nicht uninteressant, daS Wahlergebnis geordnet nach den einzelnen Ländern zu betrachten. Im folgenden handelt es sich um eine Uebersicht der Stimmen, welche für die einzelnen deutschen Parteien in den vier Ländern abgegeben wurden. Deutsche Sozialdemokraten.■■■■ Bund der Landwirte Deutsche Christlichsoziale.,,,, Wahlblock(mit Magyaren)■■■ w Henlein Schuldner,,, Böhmen Mähren^Zchkflvr Slowakei klary.-Ruhl. . 217.851 75.991 5.408 1.175 . 105.319 36.814 255 — . 90.317 72.480 .— — . 14.262 12.616 230.703 34.247 » 918.363 302.006 27.575 1.553 . 4.517 —. 546 898 Verbrecher und Betrüger als Henleinkandldat Solche Herren wollen das Volk regieren, seine Institute verwalten, die Arbeiterschaft In bessere Zeiten führen I? Neue Illusionen: Baldwin hont doch ani Abrüstung In Hitlers Rede„ein Udithllch zu erspähen“? Gegen die Dreistigkeit der Henlein-Partei die in den Sudetendeutschen Preßebriefen eine »moralische und nun auch schon politische Berechtigung" aufstellt,»als die Partei des Sudeten- deutschtums zu sprechen und zu handeln", wendet sich mst verständlicher Schärfe das christlich- soziale»Volk" in Jägerndorf. DaS Blatt schreibt unter anderem: »Dies« AuSlaffungen der SPB kann man verstehen, da ja die SPH noch in ihrem Siegesräusche schwelgt. Auch an die Methoden der SPH ist man schon gewöhnt, Forderungen in alle Welt hinauSzuschreien, noch bevor man die Partner an den Verhandlungstisch lädt. Wir können und wollen nicht der Entschei- dung vorgreifen, die di« von den SPB als Splittergruppen bezeichneten Parteien treffen werdrn. WaS die christlichsoziale VolkSpartei anbelangt, können und müssen wir unS jedoch gegen die Hw« absehcnde und wegwerfende Art einer solchen Behandlung verwahren." DaS Blatt schreibt weiter, daß die Christlichsoziale Partei nicht Lust hat, „eine KaheimSackzu kaufen. Noch weniger können die Chfistlichsozialen sich einer Pattei verschreiben oder deren Gleichschaltungswünschen bedingungslos ausliefcrn, über deren Ziele und Ideen man noch so gilt wie gar nichts weiß und deren praktische polifische Arbeit erstdieProbs bestehen mutz." Schließlich sagt das Blatt den HenleinS rundheraus, daß eine„Gleichschaltung" mit ihnen nicht in Frage kommt. Konrad diktiert schon 1 Er macht den anderen'deutschen Parteien Vorschriften über ihre Politik Die Sudetendeutschen Pressebriefe verbreiten einen Artikel, der natürlich die Runde durch die gesamte kapitalisfische und hitlerisfische Provinzpresse macht und in dem es u. a. heißt: Es würde von einer völligen Verkennung der politischen Lage im Sudetendeutfchtum zeugen, sollten jetzt einzelne Exponenten der Splitterparteien meinen, mit dem Mandat eine« politischen Freibrief für weitere sechs Jahre Zeitgeschehen erhalten zu haben, auf weitere sechs Jahre dem Ur« teil des Volkes entrückt zu sein. Wmn jema-s politische Vertretungen den allerengsten Konräkt mit dem Volke halten müssen, dann gerade von heute an. Denn das ist das eigentliche Ergebnis des 19. Mai im sudetenveütschrn Sektor: daß ' darVölkei nmütig etn e'Jckteress«n« p ö l i t i k a b g e l e h n t hät^ die nür einer Par- - tei oder Klaffe dient und auf Kosten aller übttgen Stände und Klaffen im parlamentarischen Spiel nach kleinen Vortellen hascht. Alle künftige in» detendeutsche Politik, gleichgültig, welche politisch« Gruppe sie betreibt, wird Matz und Grenze'n der Entscheidung ttagen: für die VolkSgcmein« schäft— oder gegen das Volk! Man beachte den unverblümten T o i«11• täts- undDiktaturanspruch in diesen Worten! Während Henlein nach Lana und Prag demokratische Loyalitätsphrasen drahtet, unter« nimmt er cs in der Provinz, den nichtfascistischcn deutschen Patteien ihre Politik vorzuschreiben. Wenn fünfviertel Millionen Deutsche Henlein gewählt haben, so haben immerhin 700.000 Deut« sche ihn nicht gewählt und diese»Volksgenossen" haben allein daS Recht zu bestimmen, welche Politik die Männer ihres Vertrauens zu tret« ben haben. Daß Henlein darüber hestimmen wird, welche Politik die deutsche Sozialdemokratie macht, soll er sich jedenfalls aus den Kopf schlagen! Um diese Diktatur zu verwirklichen, fehlt ihm noch eine Kleinigkeit, die Macht nämlich, mii der sein Kollege Adolf die Minderheit der Nation unter seinen Stiefelabsatz gebeugt hat! „Zuvlc] gesiegt“ Das Urteil Jungs über den Henleinsieg In verschiedenen Kreisen der Henleinfront, u. zw. vor allem bei den reiferen Menschen ihre» Apparats, die schon in der DSNAP einige politische Erfahrung gesammelt hatten, machte sich gleich nach der WaA eine gewisse Besorgnis wegen de» Umfanges des Sieges geltend.. Man erkannte, daß der ganz große, mit Hilfe einer verlogenen irredcntistischen Propaganda erzielte Sieg viel Nachteile hat. Er ist zuleichterkämpft, er erweckt bei den eigenen Leuten gefährlich« Illusionen und vor allem, er läßt Henlein fürdieTschechen nicht al» geeignc-en Partner erscheinen. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat sich auch Rudolf Jung, HenleinS Vorgänger als »Führer", zu seinen Parteifreunden von der Henleinfront geäußert:»Zuviel, meine Herren, zuviel!" Daß ein so erfahrener und geübter Fascist wie Jung das Wahlergebnis al- verhängnisvoll für den Erben seiner Partei ansieht, bestätigt nur, daß die Henleinfront durch ihren, mit den flrupellosesten Mitteln erfochtenen Sieg in eine arge Verlegenheit geraten ist. Der augenblickliche Gewinner ist gär nicht Henlein, sondern Sttibrnh, dem die 44 Henleinmandate mehr nützen, al» wenn er selbst den erwünschten Erfolg errungen hättg, Seite 4 Donnerstag, 23. Mai 1985 Nr. 129 Der Nebel um Henlein Unter dem Titel„Wohin mit Henlein?" schreibt das„Prävo Lidu" u. a.: -Das Problem liegt eigentlich nur darin, daß Henlein glatt wie ein Aal ist. Leset seine Kundgebungen,. alles ist glatte Phrase, welche eine dreifache Auslegung zuläßt. Programm hat Henlein keines. Er sagt, daß danach noch keiner seiner Anhänger gefragt hat. Er hat kein wirtschaftliches, kulturelles, soziales, landwirtschaftliches, kein Kommunalprogramm, ja er hat nicht einmal seine nationalen Forderungen klar formuliert... Kurz, um Henlein ist ein undurchdringlicher Nebel. So hat es auch Hitler gemacht, ehe er zu Macht kam. Erst dann hat er sich in seiner wahren Gestalt als Vollstrecker der Weisungen der Industriellen und Großgrundbesitzer entpuppt, die vor allem die Zerschlagung der Arbeiterbewegung, die Beseitigung der proletarischen Errungenschaften, die blutigen Exekutionen an den Arbeiterführern anstreben. Der Nebel hat sich erst geteilt, als der Diktator die Macht errang. Warum der Nebel um Henlein? Für sein Ausweichen vor jeder klaren und eindeutigen Meinungsäußerung gibt es nur eine Erklärung: seine Sache ist es nicht, in unserem Staate die deutsche Politik zu b e st im men, er soll sie nur durchführen, entsprechend dem, was ihm aus dem Palais des tschechoslowakischen Jndustriellenverbandes in Prag oder aus Berlin befohlen werden wird. Und so lange er keine klaren Weisungen hat, so lange wird er nichts Bestimmtes und Klares sagen. In den„Lid o v e N o v i n y" schreibt Dr. I. Stränskh: Henlein wird niemanden im parlamentarischen Präsidium und niemanden in der Regierung haben und die für ihn abgegebenen Stimmen haben die deutsche Position in diesem Staate nicht gestärkt, sondern geschwächt. Es wird gar nicht notwendig sein, Henleins Partei, wenn sie sich nicht durch nachgewiesene Jrredenta kompromittiert, aufzulösen, denn die demokratische Wirklichkeit wird sie durch natürlichen Wettbewerb der Interessen zersetzen. Ich erkühne mich Vorauszusagen, daß diese neugebak- kene Eins, wenn wir in der nächsten Wahlperiode wieder solange beisammen bleiben wie in der verflossenen, zerrinnen wird und das, was von ihr übrigbleiben wird, sich wieder wird neue Wahllistennummern auslosen müffen. Methoden von Ncndiclntördcrn Tückischer Anschlag von Henlelnbandlten auf einen sozialdemokratischen Vertrauensmann Unser Genosse RemigiusLeiter, Sekretär des Kleinbauern- und Häuslerverbandes in Mährisch-Schönberg, schreibt uns: „Am 17. Mai hatte ich in einer Versammlung des kleinen Landvolks inAlt-Moletein im Bezirk M ü g l i tz zu sprechen. Da ich an meinem Motorrad schon öfters Schaden erlitten hatte, den mir offensichtlich Hakenkreuzler in böser Absicht heimtückischerweise zugefügt hatten, stellte ich mein Motorrad in der Scheune der Fra i G i e ß e l ein, in deren Gasthaus die Versammlung stattfand und deren verstorbener Gatte ein alter und treuer Kämpfer für unsere Sache gewesen war. Die Scheu newurdea-gesperrt. Wie war ich aber erstaunt, als mir am Morgen des 18. Mai l. I. das Motorrad im Zeichen der Hcnleinftont vor Augen kam. Das Motorrad war über und über mit Zetteln»Liste 12" beklebt. Die 12 zeigte fich mir aber später als das Zeichen von Meuchelmördern. Denn ich hatte nur einem glücklichen Zufall mein Leben oder mindestens die geraden Glieder zu danken. Obwohl der Motor schwer zündete, lief er nach Antrieb mit Hilfe der Genossen Heckerle und Schmied wie wahnsinnig. Bei der ersten Umschaltung vom dritten auf den zweiten Gang am Berg gegen Grundorf mußte ich wahrnehmen, daß die Kupplung zerrissen und der Motor auf Vollgas g e st e l l t war. Selbst der Motor war nicht aufzuhalten, weil der Kompressor zum Motor auch verstellt war. Obwohl mir schlimm zumute war, war ich doch soweit geistesgegenwärtig und sperrte den Benzinzulauf ab. Bevor«s bergab ging, brachte ich den Motor mit Hilfe der Hand- und Fußbremse zum Stehen. Nun stand ich hilflos da und schob das Motorrad bis in den nächsten Ort Grundorf(Bezirk Hohenstadt) zum Gasthaus Pavlitsch-k. Die beiden Brüder des Gastwirtes waren mir behilflich, den Schaden wieder gutzumachen. Bei der Untersuchung der Ursachen über den Riß derKupplung mutzte fcstgestellt werden, daß diese knapp bei der Linse, in welche der Draht eingelötet ist, bis auf einig« Drahte abgefchnittenwar. Ja, wäh- rend des Baues konnte auch frstgestellt werden, daß die Strolche auch die Leitung zur Z ün d k e-rz-e bu» ch g esch n i tt en halten. Wenn nun. die Kupplung beim Umschaltei bergab gerissen wäre, so wäre ich einem schweren Unglücksfall'nicht entronnen, weil der Motor mit Vollgas ohne Ausschaltung nicht zu erhalten gewesen wäre, was die Strolche gewußt habenmußten,' Werl nach dem Schnitt, die Brüder Vavlttschek Grundorf feststellen konnten,-daß diesen Mordanschlag nur ein Fachmann vorbereitet haben konnte. Denn der Einschnitt war so vollzogen, daß die Kuppelung beim zweitenmal Ilmschalten reiße« mußte und da kam nach seiner Berechnung die Fahrt schon von dem hohen Berg hinunter; sie stellten daher Vollgas ein mtt dem Bewußtsein, daß von mir der Motor nicht auszuhalten und ein Anglück für mich unvermeidlich gewesen wäre, well ja ein Motor ohne aus- zuschalten mit Vollgas durch die Hand- und Fußbremse nicht ohne Gefahr für das Lebe» oder mindestens für Körperteile, zum Stehen gebracht werden kann. Dadurch haben mir diese Leute den Beweis gebracht, baß die H e n l e i n f r o n t Mitglieder zählt, die vor raffiniertem Meuchelmord nicht zu- rückschrecken. Das bestätigen die vielen Zwölfer auf dem Motorrad und bezeugen werden es die Herren Pavlitschek(Grundorf), die keine Sozialdemokraten sind, sondern bestimmt dem Bund der Landwirte angehören werden." Henlein-- Hitler Aus Deutschland kommende Reisende berichten von sehr bezeichnenden Rückwirkungen der H e n l e i n-W a hl en im sudetendeuffchen Gebiet auf da»,„Dritte Reich":.Danach fanden am Montag und Dienstag in ganz Deutschland Mitgliederversammlungen der NSDAP und ihrer Untergruppen statt, in denen über das Thema„DerSiegdesSu- detend rutscht ums und die Folgen" gesprochen wurde. In zahlreichen Versammlungen lautete das Thema noch weit eindeutiger: „Der nationalsozialistische Sieg in der Tschechoflowakei— ein Sieg des gesamten Deutschtums I" Hier wird also offen zugegeben, was die reichsdeuffche offiziöse Presse bei aller Triumphstimmung zu verbergen sucht, daß nämlich Henlein gleich Hitler ist und der Erfolg der „Sudetendeutschen Hitlerfront" als Erfolg der Goebbelspropaganda gewertet werden kann! Der«Bund für das Deuffchtum im Ausland", eine fest Hitlers Machtergreifung ausgesprochen expansiv-nationalistische Organisation, hielt mehrere interne Versammlungen ab, die sich mit dem sudetendeuffchen Wahlergebnis beschäftigten. In einer dieser Versammlungen soll der Nazi-Emigrant Viererbl gesprochen haben, der noch heute mancherlei Querverbindungen zur SHF unterhält. Dr. Beneä nach Genf abgereist Prag. Außenminister Dr. Benes ist Mittwoch um 13 Uhr 30 in Begleitung des Legations- ratts Dr. Kucera nach Genf abgereist. Vom Rundfunk Ompfehlenswertes au*«len Programmen! Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.45: Schulfunk, 11: Schallplatten, 13.35: Ar- bcitsmarkt, 13.45: Italienische Chansons, 16.40: Tschechisch für deutsche Hörer, 16.55: Konzert des Ondricekquartetts, 18.10: Deutsche Sendung: Sport- voffchau, 18.15: Kiesewetter: Die Kreditgenossenschaften und ihre Aufgaben, 18.35: Arbeitersen» düng: Aktuelle zehn Minuten, 19.05: Deutsche Presse, 20.15: Frauenchöre, 21.10: Uebectragung des Konzertes aus dem Lucernasaal, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 14.35: Hawaische Lieder zur Gitarre, 15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 18: Chansons.— 19.05: Burian singt Opernarien auf Schallplatten.— Brünn 13.40: Opcrnarien, 15.55: Orchefterkonzert, 16.40:• Pfadfinderfunk, 18.10: Deutsche Sendung: Kleptomanie, Hörspiel, 19.30: Saxophonsolo.— Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Liederkonzert, 18.45: Leichte Musik.— Pretzburg 19.30: Orchesterkonzert. Drel Todesopfer eines Autorennens New Nork. Auf der Autorennbahn von Indianapolis ereigneten sich bei den Ausscheidungsrennen für das am 30. Mai l. I. stattfindende Große 500 Meilen-Automobilrennen zwei schwere Unfälle, die drei Todesopfer forderten. Der Rennwagen des berühmten Rennfahrers W. H. Stubblefteld raste in voller Fahrt gegen eine Grundmauer. Stubblefield und sein Mitfahrer, der Mechaniker des Wagens, waren auf der Stelle tot. Das gleiche Schicksal traf den Rennfahrer Johnny H a n n o n. Sein M e ch a- niker wurde schwer verwundet. Dieser Dienstag war damit einer der schwersten Unglückstage seit Eröffnung der Rennbahn im Jahre 1909. Insgesamt sind bis jetzt 30 Personen auf dieser Bahn tödlich verunglückt. Von tschechoslowakischen Schmugglern schwer verwundet Uzhorod. In der Vorwoche hielt eine dreigliedrige rumänische Grenzpatrouille vier tschechoslowakische Schmuggler an, die auf das Gebiet der Tschechoslowakischen Republik insgeheim 30 Liter Sliwowitz-Branntwein sowie Mais und Mehl einschmuggeln wollten. Die Wache eskortierte die Schmuggler zur rumänischen Gemeinde Bockowa, wurde aber unterwegs von den Schmugglern angefallen. Zwei Soldaten wurden die Gewehre entrissen, welche dann die Schmuggler gegen die Wachsoldaten in Anschlag brachten/ Der Soldat des rumänischen Grenzregimentes Michael Ian wurde durch ein Geschoß am Kopfe schwer verwundet. Er mußte ins Militärspital nach Satu Mare eingeliefert werden. Die rumänische sowie die tschechoslowakische Gendarmerie untersuchte diesen Zwischenfall und durch die erfolgreiche Zusammenarbeit beider Gendarmeriekorps gelang es, die Angreifer zu verhaften. Es sind dies Iiki Rozpapa und Stefan Ilnicky, Bewohner der Gemeinde Gudi, weiter die beiden Brüder Alexander und Paul O l a h, Bewohner der Gemeinde Tekcvä im Bezirk von Sevljus. Die eruierten Täter wurden festgenommen. Ein dem rumänischen Grenzposten entwendetes Gewehr wurde auf tschechoslowakischem Gebiet beiseite geworfen aufgefunden, ein zweites Gewehr fand man bei Paul Olah, der es zu Hause versteckt hielt. Die Verhafteten wurden in das Kreisgericht von Bere- hobo eingeliesert. t Das blutige Deutschland Hinrichtung— lebenslänglich— Selbstmord im Gefängnis Mittwoch früh ist in Berlin der durch rechtskräftiges Erkenntnis des Schwurgerichtes' I in Berlin vom 19. Juni 1934 wegen gemeinschatf- lichen Mordes zum Tode verurteilte M a x M a- tern hingerichtet worden. Er soll ebenso, wie der gleichfalls zum Tode verurteilte Michael Klause, an der Ermordung der Polizeihauptleute Anlauf und Lenk mitgewirkt haben, die am 9. August 1931 in der Nähe des Bülowplatzes, des jetzigen Horst-Wessel-Platzes, „von Kommunisten erschossen" wurden. Die gegen Klause erkannte Todesstrafe wurde im Gnadenwege in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt, weil Klause durch sein offenes Geständnis den Behörden wertvolle Hilfe geleistet und die Aufklärung der Tat bis in alle Einzelheiten ermöglich habe. Der im gleichen Verfahren ebenfalls zum Tode verurteilte FriedrichBroede hat im Gefängnis Selbstmord verübt... Raubmord Budapest. Der Vorsteher des Budapester Ordenshauses des Hl. Benediktus, Oberschul- direktor Kassian Mattyasovszky wurde Mittwoch ftüh in seiner Wohnung ermordet tot aufgefunden. Sein Kopf weist zahlreiche Axthiebe auf und die Axt steckt noch in einer klaffenden Wunde. Es liegt zweifellos ein Raubmord vor. Der Tat dringend verdächtig ist der D i e- n e r des Vorstehers, der geflüchtet ist und bisher nicht eruiert werden konnte. Bon Arme» im Geiste weiß unser Karlsbader„Volkswille" beachtenswert Aktuelles zu berichten. So von komischen Henleinwählern in Maierhöfen und Puffchirn, die sich rasch vor der Wahl noch in Karlsbad ferffge Anzüge kauften, „weil in Deutschland die Stoffe teurer sind, als in der Tschechoslowakei", und die geschwind noch vor dem 19. Mai ihr Geld in Sachwerten anlegten,„da man vielleicht bei der Umwechslung in Reichs» markzugroßeVerlusteerlei- den könnte". Sie sind so arme Narren, wie die Heimzieher von der Elbogener Henleiversamm- lung, die in den Schlaggenwalder Konsumver- einsladen hereinriefen,„nach dem Wahltag sind w i r da im Konsum und nicht mehr ihr Gau- ner l", oder die Henleinschwärmer im Preßnitzer Bezirk, die nicht nur die Anstellungen in der Weiperter Krankenkasse und alle Gemeindestel, len, sondern— auch die Gendarmerieposten unter sich aufgeteilt hatten. Das sind die Leute, die da glaubten, eL werde hier alles so gehen, wie es drüben im Reiche gegangen ist und für die es eine wür- i digere Form der Bekenntnis zum Deutschtum ! eben nicht gibt, als die Aufteflung von Aemtern, Stellen und fremden Besitz untereinander, und' zur Krönung der„nationalen" Fesffvftät schließlich die Folterung der Andersdenkenden. Sie hätten es nicht beim Reden bewenden lassen, sie hätten schon die Tat gesetzt— wenn ihnen nicht das tschechische Volk einen so gründlichen Strich durch ihre Rechnung gemacht hätte! Fliegertod— vierzig Verwundete. In der Nähe von Kanton stürzte ein chinesisches MM- tärflugzeug bei Vorführungsflügen ab und landete im letzten Augenblick auf dem Dach einer Kaserne. Bei dem Anprall fand der manövrierende Pilot den Tod. Die Kaserne wurde teilweise schwer beschädigt. Durch einstürzende Mauerteile und Gesteinsmaffen wurden 40 von den in de» Ubikatonen untergebrachten Offizierskadettea verwundet. Liedrsmord und-Selbstmord. Der 24jährige Leutnant des Artillerie-Regimentes Nr. 3 AntonDvotakin Leitmeritz, aus Pisel stammend, effchoß Mittwoch in seiner Wohnung seine 25jährige Geliebte Milva Bradak, Inhaberin eines Lederwarengeschäftes, und brachte sich sodgnn selbst einen tödlichen Kopfschuß bei. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Ein« mörderisch« Fabrik. In einer Gummifabrik in Moskau ereignete sich eine Explosion. Das Fabrikgebäude wurde vernichtet. Nach den bisherigen Feststellungen sind achtAr« beiter ums Leben gekommen, zahlreiche andere werden vermißt. In dieser Fabrik haben vor einiger Zett bei einem Brande über 2 9 Personen den Tod gefunden. Der antikatholffch« Münchener Nazisturm am Samstag voriger Woche hat auch den britisch?» Vizekonsul Mr. Philipps betroffen. El hatte einem der Caritassammler ein« Spende gegeben und dafür die Rosette erhallen, die er ins Knopfloch steckte. Daraus entnahm ein hoffnungsvoller Hitlerjunge das Recht, dem Rosettenträgel die Entfernung des Abzeichens zu befehlen. Der Engländer aber rief einen Polizisten herbei und bestand darauf, mtt dem braunen Friedensengel zusammen der Polizei Vovgeführt zu werden. Dort waren die Beamten zuerst vorschriftsmäßig schneidig, was sich fteilich mächtig änderte» als Mr. Philipps seinen Diplomatenausweis vorwies. Er wurde himmelhoch gebeten, doch um Gottes Wllstn kein Wesen aus der Sache zu machen. Dazu erklärte sich der Vizekonsul unter der Bedingung bereit, daß der Angreifer um Verzeihung bitte. Dies geschah sofort und dabei lieh es der Konsul bewenden. Schwarze vor Braunen. Bor dem Berliner Schnellschöffengericht begann Mittwoch der zweite Prozeß aus dem Gesamtkomplex derDevis enverbrechenkatho- l i scherOrden. Diesmal haben sich zwei Angehörige des Augustinerinnen-Ordens, die bö Jahre alte Generaloberin Marie Menke und die 57jährige Generalschaffnerin Gertrud D o h m zu verantworten. Es wird ihnen zur Last gelegt, daß sie rechtswidrig und ohne Bewilligung im Jahre 1932 bei niedrigem Kuffe Anleiheobligationen gekauft haben, welche Anleihe ihr Orden 1929 in Amsterdam zwecks Baues eines Krankenhauses angekauft hatte. Das Geld für diese Transaktion beförderten einzelne Ordensschwestern, unter dem Schutze ihrer Ordenskleidung, in Teilbeträgen von 6000 und 10.000 RM in Briefumschlägen heimlich über die belgische Grenze. Die angekauften Wertpapiere würden in dem belgischen Kloster St. Vith niedergelegt. Dieser Effcktivbestand im Auslande hätte der Deutschen Reichsbank angeboten werden müssen. Die AngeklagteMenke hat imVer- laufe der Untersuchung ein volles Geständnis abgelegt und auch erklärt, daß sie sich über die Tragweite ihrer Handlungen bewußt gewesen sei- Erweiterung des Prager allgemeinen Kran- kenhauses. Der gesttige Ministerrat hat dem Programm des Umbaues und der Erweiterung des allgemeinen Krankenhauses in Prag sowie der ängeschlossenen Kliniken prinzipiell zugestimmt. Im Zusammenhang damit wurden die mit der Durchführung des Baues des Masaryk-Militär- krankenhauses in Prag notwendigen Beschlüsse gefaßt. Der Fremdenverkehr im April d. I. war hinsichtlich der Zahl der Reisenden, die die Staatsgrenze mit einem Reisepaß überschritten haben, zwar reger als im März d. I.(infolge der Oster- feiertage) und auch in der gleichen Zeit des Vorjahres, doch ist die Aufenthaltsdauer eine kürzere. Im April d. I. kamen insgesamt 125.700 Ausländer zu uns, während 120.700 fremde Staatsangehörige unser Staatsgebiet verließen. Von unseren Staatsangehörigen reisten ins Ausland 90.100 Personen und 88.200 kehrten zurück. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Ausländer bei uns betrug im April d. I. annähernd 1,76 Tage, im März d. I. 1,81 Tage, im April des Vorjahres dagegen 2,22 Tage. Im ganzen verbrachten die Ausländer bei uns im diesjährigen April ungefähr 227.000 Tage(im Vorahre 278.000 Tage). Es gingen namentlich die Besuche aus Deuffchland zurück. Der heurige April weist eine Aufenthaltsdauer der Reichsdeutschen bei uns von ungefähr 91.000 Tagen gegenüber 195.000 im vorjährigen April aus. Demgegenüber hat sich der Besuch aus den übrigen Staaten etwas gebessert, u. zw. haben namentlich die Bade- und klimatischen Kurorte, zum Teil auch die größeren Städte gewonnen. Der Besuch Prags war jedoch geringer. Unsere Staatsangehörigen verbrachten im April d. I. im Auslande annähernd 57.000 Tage und im April des Vorjahres 60.000 Tage Nr. 120 Donnerstag, 23. Mai 193” Seite 5 Victor Hugo 3« seinem fünfzigste« Todestag Bon Hermann Wendel. Als Victor Hugo vor einem halben Jahrhundert, am 22. Mai 1888, starb, sprach der Nachruf eine- sozialistischen Blattes von -dem Abgrund, der auf immer das Boll von dem letzten grasten Dichter der hü rgerlichen Klasse trennt". Erschöpfte dieses Urteil den Tatbestand? Sicher erscheint Hugo, dessen gewaltiges Lebenswerk— Lyrik, Romane, Dramen— ein brausendes Orchester für sich ist, in vielem als Wortführer des Bürgertums. Da er 1802 ge- boren war, füllte sein Dasein nicht nur zeitlich das Jahrhundert, das recht eigentlich das Zeitaster des Bürgertums, seiner Entfaltung, seiner Bereicherung, seines Machtaufstiegs genannt zu lvrrden verdient, sondern als einer der aufgeschlossensten Geister erlebte er auch diese ganze Entwicklung eindringlich mit; nicht umsonst heisst R e n a n ihn„cymbalum saeculi", das '.Schalwecken des Jahrhunderts". Ein Poet des bürgerlichen Lebensgefühls war Hugo auch insofern, als er im Namen der auflommenden Romantik das Recht des Ich gegen die unpersönliche Kunst der Klassiker auf Hieb und Stich verfocht und sich immer als Mittelpunkt der Welt ansah; seine blendeichen lyrischen Gaben führt ein Literarhistoriker auf diese seine Jch-Sucht zurück, die mit kleinem, schäbigem Egoismus nicht zu verwechseln ist:„Damst jemand von sich mit solcher Wucht und Gewalt spricht, bedarf es eines ausserordentlich entwickelten Jchs". .• Schliesslich entsprach es auch den bürgerlichen Vorstellungen von historischer Ursache und Wirkung, wenn er die FdeealS den grossen Bölkerführer nahm. Ohne H e g e l je gelesen SU haben, erblickte er ganz hegelisch in der Menschheitsgeschichte das Fortschreiten eines Mistigen Prinzips; der Gedanke war für ihn der Elitz, der einschlägt und zündet. In einem Gedicht behandelte er das biblische Motiv der Le- bsten, die, Posaunen blasend, um Jericho ziehen, damit, wie es Josua von Jehovah verheissen worden war, die Mauern der Stadt einstürzen. Nichts als Hohn und Spott folgt ihrem ersten, -weiten und dritten, ihrem vierten und fünften 8ug: Beim sechsten endlich sah vom Turm, so hoch und fest, Tast seine Spitze, drauf der Aar gebaut sein Nest, Dem Blitz zu trotzen schien, zu spotten des r.~ Verfalls, Der König noch herab und lacht aus vollem Hals Und rief: ,Tlraun, auf Musik verstehen sich die Hebräer!" Und um ihn lachten rings di« Weisen und die Seher. Drauf fasten sie zu Rat in ihres Tempels Hallen,— Beim siebenten Zuge sind die Mauern eingefallen. Mit der Aufforderung:„Blast zu, bläst im- w«r zu, Posaunen der Mee!„beginnt dieser Bceisgesang des Dichters auf die Macht der «dee, der die festesten Wälle nicht widerstehn. Die Ideen aber, für die H u g o erglühte, wihen ihn in die Phalanx der grossen Franzo» len, die von Voltaire bis Anatole Fr a n c e ww weiter leidenschaftlich die Rechte des M e n s ch e n, die Menschenrechte verfochten ha- ben. Bei allem Individualismus und Subjekti- bismus lag es ihm nicht, nur seine privaten "üste und Schmerzen zu künden: Was! Unbedacht sind meine Liederi Soll ich in dieser SchreckenSzeit Taub sein dem Wehrruf meiner Brüder Und jammern nur um eigne- Leid? Nein, heimatlos aus fteiem Willen, Durchschweift der Dichter, Schmerz zu stillen, Die Länder; keines, das ihn hält! Im Drang der Völler und der Heer« Steht er, di« Lyra seine Wehr«, Wie Orpheus in der Unterwelt. Wenn er zuerst K a r l X. poetischen Weihbuch abbraw'te und die Adler seiner Dichtung um die Napuleonsäule auf dem Bendomeplatz •teijen ließ, so entwickelte er sich bald nach «nks. Zu jenen halbschlächtigen Gesellen, die mit -wanzig Jahren für Barrikadenbau schwärmen, Wit fünfundvierzig zum sanftlebenden Fleisch bkr liberalen Opposition gehören und im Alter Ädernverkalkung bösartig dem Rad der Gerichte in die Speichen greifen möchten, zählte Sanz gewiß nicht. Er ging mit seiner Zeit, er Me ihr ost voran. 1830 machte er eine große Entdeckung: das V o l k, die Masse, die in - ec Straßenschlacht des Juli ihre Haut zu Markt Miragen und das Geschick Frankreichs gewendet uatte. Diesem revolutionären Voll fühlte er sich Man, zunächst mehr menschlich als politisch, verbunden. Als nach dem Juni-Putsch von 1832 summarische Erschiessungen drohten, schrieb er uu den Kritiker Scklnte-Beuve:„Wenn ^Macher der öffentlichen Ordnung eine öffcnt« Me Hinrichtung versuchten, und vier beherzte ?änncr einen Auftuhr erregen wollten, um die Ziffer zu retten, ich wäre der fünfte". .... Daß dem berühmten Dichter unter dem ^Urgerkünigtum die Gunst der Gewalthaber Volhswirtsdiail und Sozialpolitik So schädigt Hitler«vsere« Export Die Industrie- und Handelskamm e r D r e s d e n hat an die Exportfirmen ihres Bereiches ein Merkblatt über das neue Zusatzausfuhrverfahren verschickt, das nicht ohne Grund mit der Bezeichnung„Streng vertraulich!" versehen ist. Dieses Merkblatt enthüllt die Dumpingmethode, mit der jetzt die Ausfuhr aus Deutschland in die Höhe gebracht werden soll. Denn davon, ob die Steigerung der Ausfuhr gelingt, hängt die Lösung des deutschen Rohstoffproblems ab, die wieder Voraussetzung für die Fortdauer der Produktionskonjunktur ist. auch wenn es sich dabei im wesentlichen nur um eine Rüstungskonjunktur handelt. Wie nun die Ausfuhrsteigerung auf jeden Fall erreicht werden soll, eben das zeigt das Merkblatt'auf. Es beginnt: „DaS Zusatzverfahren(Scrips« oder Bondsverfahren) gibt dem deutschen Ausführrr dir Möglichkeit, auch dann noch Ausfuhrgeschäfte vorzunehmen, wen» die ausländischen Wettbewerbe unter seinen eigene» Gestehungskosten liegen. Es wird ihm hiefür der Verlust ausgleich zu- gebilligt... Die Hirz» erforderliche» Mittel werden den Kursgewinne» entnommen, die die Golddiskontbank beim Berkaus von SrripS erzielt. Dann wird das Verfahren geschildert, dessen sich die Exportfirma dabei zu bedienen hat: „Die deutsche Ausfuhrfirma reicht der. Devi- senbelvirtschaftungsstelle einen Antrag auf Genehmigung eines Zusatzausfuhrgeschäftes ein... Die Devisenbewirtschaftungsstelle genehmigt ihm gegebenenfalls einen Verlustausgleich, der je nach dem Bedarfsfälle 10 bis 20 ProzentdesBer- kauferlöses beträgt und stellt dem deutschen Ausführer einen Genehmigungsbescheid aus. Mit diesem begibt er sich zu einer beliebigen Reichs- bankstelle, um einen Antrag auf Ausgleich des von der Devisenbewirtschaftungsstelle anerkannten Verlustes zu stellen. Daß dieser Ausgleich eines Verlustes durch ine Umwandlung unterbewerteter Forderungen von Auslandsgläubigern durch eine banktechnische Transaktion zwischen der Konvrr». sionSkasse und der deutschen Golddiskontbank(bzw. ReichSbank) zustande kommt, ist für die A«S- führer ohne Belang. Die Golddiskontbank ist die ausschliessliche Zentralstelle für den An- und Verkauf von Scrips. Die deutsche Ausfuhrfirma nimmt diese also nicht etwa unmittelbar in Zahlung. Sie erhält vielmehr den von der Devisenstelle als aus- gleichSsähig anerkannten Verlust von der Reichsbank auS dem entstandenen Kursgewinn bei der für sie vorgenommenen- Verwert»«« von Lcrip». Sie muss die aus dem Geschäft anfallenden Devisen der Reichsbank in voller Höhe anbieten, die hievon den Teilbetrag entnimmt, der für den Ankauf von Scrips durch die Golddiskontbank'erforderlich ist." Die Scrips, durch deren Ankauf im Ausland so bedeutende Kursgewinne entstehen, daß daraus der durch die Verschleuderung deutscher Waren entstehende Verlust gedeckt werden kann, sind nichts anderes als die allen auf Reichsmark lautenden Forderungen, die ausländische Gläubiger von Deutschland zu bekommen haben. Nm nach jahrelangem Warten wenigstens z« einem Teil ihre- Geldes z« kommen, werden sie von den Gläubigern mit einem Verlust von 50 Prozent und mehr verkauft. Es wird also mft einem Teil des Geldes, um das die ausländischen Gläubiger geprellt werden, den ausländischen Exporteuren eine deutsche Schmutzkonkurrenz bereitet. Zn Lasten des Auslandes wird die Wirtschaft der anderen Länder mit einem Schlage doppelt geschädigt. Damit dieser grandiose Betrug möglich wird,, wird den deutschen Ausfuhrfirmen ausdrücklichst aufgegeben, daß sie für den Verkauf nur gute Währungen in Zahlung nehmen dürfen.,»Die Annahme von Reichsbanknoten, Scheidemünzen oder Sperrmark ist unzulässig." Falls also im Ausland auch derartiges deutsches Geld vorhanden ist, wird es ihm jetzt nicht ab- genommcn, so daß es, wenn die immer unvermeidlicher werdende Inflation eintritt, noch einmal den Schaden hat! Es wird verständlich, daß die Leitung der Industrie- und Handelskammer Dresden dieses Merkblatt nicht nur als„streng vertraulich" bezeichnet,. sondern am Schluffe außerdem noch schreibt: „Durchaus rmznlässig ist cs ferner, ausländische Abnehmer ans die durch das Verfahren «rzielbarenPreiSverbilligunssmäglichkeitrn aufmerksam zu machen... Auch wenn das neue Berfahren daS Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen braucht, muß doch alles vermieden werden, was im Ausland übertriebene Vorstellungen von Art und Umfang der deutschen Ausfuhrförderung erweckt und z« Mißdeutungen deS Verfahrens führen könnte. Wir verpflichten Sie daher zu streng vertraulicher Behandlung dieses Merkblattes, das keinesfalls irgendwie veröffentlicht oder auch nur writergeben werden darf." Wir haben es dennoch veröffentlicht, einmal weil es die Skrupellosigkeit der Methode bloßlegt, mit der die nationalsozialistischen Bankrottpolitiker auf Kosten des Auslandes aus den immer ernster werdenden Schwierigkeiten herauszukommen versuchen, und zweitens, weil es den Kreisen in unserem Lande, die*in Hitler und seinen Methoden die Rettung sehen, zeigen müßte, daß gerade die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik unserer Exportindustrie und ihrer Arbellerschaft schwere Schläge versetzt. Die amerikanischen Gewerkschaften über die NRA Bei einem Empfang in Washington sagte der Präsident des Gewerkschaftsbundes Green: „Auch der unnachgiebigste Gegner des National Recovery Act muß zugeben, daß durch seine Anwendung die Kinderarbeit aufgehört hat, die Minimallöhne für ungeschützte Arbeit auf ein höheres Niveau gestiegen sind, die Arbeitszeit gesenkt wurde, viele unanständige Wirtschaftspraktiken ausgeschaltet und Arbeitsmöglichkeiten für Millionen Arbeitslose geschaffen wurden." Ein neuer Plan zur Krisenbekämpfung in Großbritannien Die einflußreiche Gruppe„P. C. P."(Political and Economie Planning) hat zwei Be- 21.000wutf tägÄcfc CO N mtärwaial stößt die Ferse auf den Boden ouf, wenn Sie 3 bis 4 Stunden gehen. 21.000 tägliche Erschütterungen Ihres Körpers mit seinen empfindlichen Orgonen. Schalten Sie diese Gefahren aus. Tragen Sie Nebstbei sind diese euch elegant u. dauerhaft Verlangen Sie ausdrücklich BER^ON, weisen$ie Nachahmungen zurück 11 Bei jedem Schuhmachermeister erhältlich richte über die wirtschaftliche Lage ausgearbeitei; die Durchführung der darin enthaltenden Vorschläge soll eine Verminderung der Arbeitslosigkeit um 600.000 ermöglichen, und zwar durch Verlängerung des schulplichtigen Alters bis 15, und Ausschaltung aller mehr als 6b Jahre alten Ar- beiter durch eine ausreichende obligatorische Altersversicherung. Die Kosten dieser Maßnahme» sollen 30 bis 85 Mill. Pfund jährlich betragen und teils durch Sozialversicherungsbeiträgc, teils aus Steuergeldern aufgebracht werden. Ueberstnndenarbeit im April 1935. Nach den vorläufigen Daten deS Statistischen Staatsamtes wurden im April 11(im April des Vorjahres 71) Bewilligungen an 11(67) Betriebe mit 6296 (16.492 Arbeitnehmern erteilt, von denen sich 628 (3139) an der bewilligten Ueberstundenarbeit beteiligten. Diese peberftundenarbeit wurde, für die Zeit von 40(272) Wochen in einer Gesamdauer von 24.076(183.628) Stunden, d. S. 8010 (16.703) Arbeitstage bewilligt.— Von der Gesamtzahl der im April bewilligten Stunden wurden im gleichen. Monate 13.484 verwendet,, der Rest von. 10.592 Stunden entfällt auf, di« folgende» Monate. Ze« müssen Sie unbedlnst Ihre Blumen mn Blumen-Zauberifung beließen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kä 5’60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich lächelte, die ihm sogar die Pairswürde verliehen, hinderte Hugo nicht, sich gerade dann fast ungestüm zur Februarrepublik von 1848 zu. bekennen, als sie eigentlich schon aus dem letzten Loch pfiff. Beim Staatsstreich des Louis Bonaparte wollte er Gewalt gegen Gewalt setzen; dann zog er d a s Exil dem entehrten Vaterland, das schwarze Brot der Verbannung dem weißen Brot der Knechtschaft vor. Diese neunzehn Jahre von 1851 bis 1870 waren die heroische Zeit H u g o s. In gebundener und ungebundener Rede stäupte er den kleinen Aben- teurer, der sich unter Meineiden der Gewalt über ein grosses Volk bemächtigte, sich selbst als „Retter der Ordnung" vor der„Anarchie" feierte und sich schliesslich die Kaiserkrone in die freche Stirn drückte, aufs Unbarmherzigste. Dumpf tönen der Verbannten Klagen, Das Grab ist nah und Frankreich fern. Du schwelgst bei festlichen Gelagen, Kannst Frauen im Theater jagen, DaS Hifthorn ruft zur Hatz den Herrn. Rom wird dich falbem und dich krönen, Di« Könige dutzen dich erfreut... Lasst heut von Rotte Dame die Toienglocke tönen, Morgen dräut Sturmgeläut! Sein mächttges Wort spendete aber auch allen Trost, die, sei es als Geschlecht, als Klasse, als Nationalität, als Rasse, unterdrückt waren. Von der Insel Guernseyff auf der er die längste Spanne des Exils zubrachte, strahlte sein unverbrüchlicher Glaube an die Demokratie, an den Fortschritt, an das neunzehnte Jahrhundert wie ein Leuchtfeuer in die Nacht ringsum, und wenn er mit der stets wiederholten Losung: Bereinigte Staaten von Europa! für seine Tage einer Utopie huldigte, so war er sich bewußt, daß er das Recht und die Pflicht hatte, Utopist zu sein: der TraAL des Dichters ijt dir Wirklichkeit von morgen. Als über der blutigen Posse der Kaiserreichs der Vorhang mit der Inschrift: Sedan! fiel, kehtte Hugo nach Paris zurück, um dem großen Trauerspiel der Kommune zerriffenen Herzens beizuwohnen. Weit öffnete er, da die siegreiche Reaktion bis an die Knöchel im Blut der Kommunards watete, sein Brüsseler Heim allen politffchen Flüchtlingen und erlebte als Quittung einen nächtlichen Angriff tollwütiger Ordnungslümmel auf sein Haus, die alle Scheiben zerschmetterten und ihn um ein Haar selber gesteinigt hätten. Allen Finsterlingen' ist denn der Dichter wegen seines demokratischen, antiklerikalen und pazifistischen Bekenntnisses noch heute verhasst; erst unlängst wieder bellte mit einem Pamphlet»Mctor Hugo als Hohepriester der Demagogie"^ein Mops den Mond an. Früh gärte auch die soziale Frage im Wesen Hugos. Niemand hat überzeugender dargetan als Jean Iaur s, dass die schönsten Werke des Dichters, den er den-grössten Genien" zurechnet,„den ersten großen Schulen des Sozialismus, der Fouriers und der Saint-Simons geschuldet sind. In der Tat berührten die Lehren der beiden Vorläufer des wissenschaftlichen Sozialismus Hugo wie mit einem Zauberstab, allerdings ohne daß er sie sich im Einzelnen aneignete oder gar über sie hinaus vorstieß; von Solidarität der Ausgebeuteten, von Klaffenkampf, von Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat stand nichts in seinem Wörterbuch. Statt dessen hieß es bei ihm Mitleid, tättge Unter st ützung, soziale Reform. Aber schon 1830 nannte er sich einen Sozialisten, 1834 begeisterte er sich für Verdrängung der politischen durch die soziale Frage, 1864 teilte er dem Jahrhundert die„Verschiebung der sozialen Grundlagen" als Aufgabe zu, und 1870 bekannte er:„Ich gehöre zu denen, die aus den leidenden Klaffen die Hauptbeschäftigung ihres Lebens gemacht haben". Sein gewaftiger Zeit roman„Die Elenden" beschäftigte ihn fast vier Jahrzehnte, da er- ihn Ende der zwanziger Jahre begann und erst 1862 in Druck legte. Schon im Entwurf war dieses Werk das grausame Gegenspiel der satten Selbstzufrie- denheit, in der sich die Mittelklasse unter Ludwig Philipp gefiel, und als die erste Auflage den Buchhändlern unter den Händen weggerissen wurde, führte der Dichter selber als Probleme des Romans auf:„Pauperismus, Schmarotzertum, Erzeugung und Verteilung des Reichtums, Geü>, Kredit, Arbeit, Lohn, Beseitigung des Proletariats, fortschreitende Abnahme der Kriminalität, Elend, Prostitution, Frauenrechte und Recht des Kindes". Auf dem Friedenskongreß zu Lausanne, dem er 1869 präsidierte, verlangte er die Um« armungder Republik und de? SozialiSmu S, aber griff seine Formel: „Republik und Sozialismus sind eins"- auch daneben, so irrte er nicht mit der Voraussage: „Die Zukunft gehört dem denkenden und dem arbeitenden Menschen". Ob er ganz abseits der marxistischen Volkswirtschafts- und Geschichtstheorie stand, auch„der letzte große Dichter der bürgerlichen Klaffe" erstrebte, wie sein Herz stets auf der richtigen Seite der Barrikade schlug, eine Gesellschaft, die sich, nach dem Wort von Karl Marx, um die Sonne der Arbeit dreht. Für die Franzosen ist Hugo ein Gipfel der Dichtung wie für die Deutschen Goethe, aber wie verkümmert war der soziale Nerv des Olympiers von Weimar im Vergleich zu dem des Autors der„Elenden"! Keine Koketterie steckte darum darin, wenn der Dichter sein« letzte Fahrt, die ihn freilich vom Triumphbogen ztzm Pantheon führte, im Armenleichenwagen an, trat, und es ist nicht die am wenigsten sinnige Ehrung zu seinem fünfzigsten Todestag, wenn der Staatsverlag der Sowjetunion die Ausgewählten Werke Victor Hugos für die russischen Arbeiter herausgibt. Seite 6 „Sozialdemokrat" ,23. Mai 1935. Nr. 120 Iraqer HeiKma Die Lügen der Stkibrnypreffe. Redakteur Karl Kut, Kandidat der„Nationalen Einigung" verurteilt. Prag. Die Lügenmeldüngen, Verdrehungen und Entstellungen, mit denen die Stribrnüpresse ihre Leser-u füttern pflegt, sind geradezu sprichwörtlich geworden. Mittwoch wurde vor dem Berufungssenat des hiesigen Kreisgerichtes wieder einmal«ine solche Anklage verhandelt. Am 16. Dezember 1934 erschien im„Poledni list" die vollkommen erfundene, groh aufgemachte Tartarennachricht:„$n Brünn ist Kohle für Arbeitslose verschwunden". Welche Tendenz diese erlogen« Hetznotiz verfolgte, braucht nicht weiter dargelegt zu werden. Der verantwortliche Redakteur des Blattes Karl Kut,(einer der Listenführer der„Rationalen Einigung") und vermutlicher Autor des Artikels wurde der Uebertretung nach Paragraph 42 des- Schutzgesetzes angeklagt, weil er„öffentlich eine unwahre Nachricht verbreitete, di« die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdete." Oas Bezirksgericht verurteilte am 16. April d. I. Kut zu d r e i Tagen A r r e st, worauf dieser es für nötig fand, Berufung«inzubringen, über die der Berufungssenat I l l n e r zu verhandeln hatte. Die Wahrheit des erfundenen Lügenartikels nachzuweisen versuchte der Angeklagte nicht erst, solcher» berief sich auf'rein formale Argument«. Angeblich fehle das Oualifikationsmo- ment des„ungewöhnlichen Ausmastes" der gefährdeten Sicherheit und Ordnung. Das Berufungsgericht ging. auf diese Argumentation nicht ein, sondern bestätigte das erste Urteil, in deffen Gründ«» ausgesprochen ist, daß der Tatbestand nicht nur di« Uebertretung nach Paragraph 42 erfüllt, sondern beinahe an das'Vergehen nach Paragraph 12 des Schutzgesetzes heranreicht. Kut ist also rechtskräftig zu drei Tagen Arrest verurteilt. Ueber die Bedingtheit des Strafvollzuges werden noch Erhebungen gepflogen werden, rb. Mißbrauchte Freundschaft Dir LiebeSaffären des Kameraden z« Erprryungsversuchrn benützt. Prag. Bohumil N., ein nicht mehr ganz junger, aber stattlicher und nicht unvermögender Herr, war zufälligerweise allein zuhause, als eines Nachmittags die Türglocke ertönte. Er öffnete und sah sich einem netttn jungen Mann gegenüber, der sich als Privatdetektiv Stech r vorstellte und um eine kurze Unterredung bat. Im Verlauf dieser Unterredung erklärte er, er sei von dem Gatten einer gewissen Dame, die er natürlich nicht näher bezeichnen wolle, mit deren Beobachtung betraut worden. Diese.Beqvachtuvg.„habe ergeben, daß Herr Bohumil N mit dieser Dame m vertraulichen Beziehungen stütlve. Er, der Detektiv, sei eigentlich verpflichtet, seinen Auftraggeber davon Mitteilung zu machen. Er wisse aber, datz Herr Bohumil verheiratet sei, es widerstrebe ihm, den ehelichen Frieden zu stören usw. Die Ausführungen des zartfühlenden Detektivs schloffen mit einem geschäftlichen Angebot: Herr Bohumil N. solle einige hundert Kronen springen lassen und er —■ der Detektiv— werde schweigen wie das Grab. Herr Bohumil N. verlebte«ine ungemütliche Stunde, denn er hatte keineswegs ein reines Gewissen und die Behauptungen des unwillkommenen Gastes erschienen ihm nicht unwahrscheinlich. Er bedang sich indessen drei Tage Bedenkzeit aus, worauf der Detektiv auch einging. Allem Anschein nach wäre das Geschäft perfekt geworden, wenn der kulante Beobachter nicht allzu hitzig ins Zeug gegangen, wäre. Er schickte nämlich noch vor Ablauf der dreitägigen Frist dem Herrn Bohumil einen Brief, der als„Revolver" ärgster Art aufzufassen war. Es hiest darin, dast Herr Bohumil schleunigst mit-dem Geld herauSrücken solle, „sonst werde seine Existenz und seine Ehe vernichtet werden." Nun entschlost sich der solcher Art Angegangene zur Strafanzeige und die Polizei nahm den Erpresser fest. Es stellte sich alsbald heraus, dast der „Detektiv" in Wahrheit ein 28jähriger Maschinen- schloffer war und die ganze Aktion ein aufs Geratewohl unternommener Erpreffungsversuch. Tatsache war, dast Herr Bohumil besonders zu Zeiten, wo er Strohwitwer war, verschiedene Verhältnisse mit verheirateten Frauen unterhielt. Der betrügerische Anschlag war aber von seinem besten Freund, einem gewiffen Max S t o l f a eingefädelt worden, der das Privatleben des Herrn Bohumil genau kannte und diese Kenntniffe dazu benützte, den Schlosser S t e ch r zu dem Erpressungsversuch anzustiften. Die Beute sollte geteilt werden. Die gut ausgedachte Gaunerei schlug aber fehl und die Spiestgesellen hatten sich nur in die S t r a f e zu teilen. Der Senat S t u d- nitzka veruretilte beide wegen Erpressung zujedreiMonaten schw erenKerkers. rb- Deutsche Volksschule Prag VH. Elternversammlung, Montag, 27. Mai, 20 Uhr, Messepalais. Bei«nangeuebme« Geschmack und Mundgeruch hilft sofort die herrlich erfrischende Chlorodont- Zahnpaste, Tube 4 XL. Versuch überzeugt. Dorträg» „Mütter!", ein« Anthologie aus Prosa und Dichtung mit Otto Pick, Elsbeth Warnholtz und Fritz Walter Nielsen, am 23. Mai, im Vortragssaal der IWCA., Zitnä 8, abends 8 Uhr. (Regiebeitrag). Deutsche Mustkakademie. Heute 20 Uhr: Interner Wend der Schauspielklass«, Prag II., Lyzeum. Szenen aus Werken von Goethe, Shakespeare, Klabund, Wedekind, Wilde, Moliere, Goldoni und Schnitzler. Spielplan des Neuen Deutsche» Theaters. Donnerstag halb 8: Die deutschen KIeinst ä d t e r, C 2.— Freitag halb 8:Dantons T o d, D 1.— Samstag haD 8:Servus, Ser- vuSI A 1.— O Spielplan der Kleinen Bühn«. Donnerstag 8 Uhr: Jchhabs getan, volkstümliche Boxstellung.— Freitag 8 Uhr: Die Zuckerbäk- k e r i n, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.- — Samstag 8 Uhr: Meine Cousine aus Warschau. Der Dinr Der Straßenjunge Bis auf die primitive Handlung und die verwaschene Photographie ist an diesem amerikanischen Film(der eigentlich„Der Champion" heistt) alles interessant. Und selbst an der Handlung ist etwas bemerkenswert: datz sie an-Stelle der im Film so oft beseufzten und besungenen Mutterliebe einmal die Vaterliebe zur Geltung bringt, und zwar die seltsam rauhe Kameradschaftlichkeit, die einen versoffenen Boxer mit seinem Jungen unzertrennlich verbindet, mit diesem Jungen, der unglücklich ist, wenn er aus dem elenden Gasthauszimmer des Va- Türkische Sprachreform Auf die türkische Namerkreform folgt die Sprachreform. Der gebildete Türke braucht in seiner Sprachweise nämlich zwei Drittel persisch« und arabische Wort«, die nun radikal aus der türkischen Sprache ausgeschieden und durch reintürkische Worte ersetzt werden sollen. Auch die Grammatik ist vom Persischen und Arabischen stark beeinflußt, was man nunmehr abstellen will. Bisher sind bereits 8000 neue türkische W ort e veröffentlicht worden, die den Türken bisher vollkommen fremd waren. Nach wenigen Monaten Vorbereitung darf nur noch in dieser neuen Sprache von den Amtsstellen korrespondiert werden. Auch auf die Belletristik und die wissenschaftliche Literatur wird entsprechend eingewirkt. Eine von Kemal Atatürk gebildete Kommission hat aus allen Landesteilen Wändernngsvorschläge eingeholt. Dabei wurden die bäuerlichen Dialekte und die Ursprachen der H e t h i t e r und Sumerer herangezogen, auf die heute die Türkei ihre ethnische Tradition viel mehr stützt als auf di« eingewanderten Turkmenenstämme. Die Vorschläge wurden auf ihren Klang hin von Leuten aus dem Volke, von Gelehrten und Politikern geprüft. Nach umfangreichen Gutachten werden sie dann in wöchentlich erscheinenden Listen einzeln veröffentlicht. In den Aemtern hat naturgemäß eine leise Verzweiflung Platz gegriffen. So sind geradezu Uebersetzungen ins „Ncutürkisch" erforderlich, die zunächst ein„Unreines" notwendig machen. Man sieht hier denselben Radikalismus am Werk, wie bei dem Bevölkerungsaustausch und bei der Abschaffung der alten Traditionen(türkische Musik, geistliche Riten etc.). Der Hintergrund ist aber ein konfessionel- l e r, denn die Geistlichkeit brachten den persischen und arabischen Einschlag, und ihre Stellung soll gebrochen werden, ferner ein sozialer, um die Kluft zwischen Gebildeten und Volk niederzureitzen, und ein nationaler, um das Türkentum in seiner Reinheit herzustellen. Wie lebt die Auster? Die Austern sind sehr fruchtbar; eine einzige legt im Laufe eines einzigen Sommers etwa hundert Millionen Eier, von denen die Hälfte ausreift. Die Nahrung der Auster besteht aus Wasser, das sie durch eine Art Pumpe einsaugt und ausspeit; dadurch zieht sie die zu ihrem Dasein nötigen Stoffe-in sich. Man hat mit besonderen Vorrichtungen feststellen können, datz die Auster auf diese Weise drei Liter Wasser stündlich durchpumpt, das'macht in ihrem zwanzigstündigem„Arbeitstag" 60 Liter. Die Auster kann ihr Geschlecht wechseln; so kmm ein Männchen ohne Professor Steinach ein Weibchen werden, Millionen Eier legen und danach wiederum ein Männchen werden. Vor etwa 100 Jahren gab es in London eine sogenannte„singend: Auster": sie zog das Wasser unter einem musikalischen Geräusch ein und man stellte sie öffentlich aus. Wie alle Waffertiere hat auch die Auster viele Feinde. Der Seestern umfaßt die Auster und erstickt sie. Sobald sein Opfer die Muschelschale öffnet, um einzuatmen, reißt sie der Seestern an sich und verschlingt sie. Auch mancherlei Fische stellen ihr nach; sie zerstören häufig ganze Austernbänke. Aber auch rutschende Sand- und Echlammassen begraben manchmal diese Muscheltiere, die sich nicht rasch fortbewegen können. terS in die Villa der reich verheirateten Mutter übersiedeln muß, und für den der Vater noch einmal zum Kampfe um die Weltmeisterschaft antritt, der ein ebenso siegreiches wie tragisches Ende nimmt. Doch das wirklich Interessante ist die Regie und die Darstellung. Denn der Regisseur dieses Films, der aus der Stummfilmzeit rühmlich bekannte King V i d o r, hat die Geschichte von Vater und Sohn mit einer Betonung naturalistischer Einzelheiten verfilmt, die wie ein Protest gegen die fade Eleganz und den falschen Pomp der landläufigen Filme wirkt. Ein Naturalismus, der von dem Hauptdarsteller Wallace Beery noch gesteigert wird. So ungeschminkt, so unästhetisch echt hat Jannings in seiner besten Zeit die rauhen(und dennoch gutherzigen) Männer nicht gespielt wie dieser amerikanische Schauspieler, der heute nicht seinesgleichen hat. Um so erstaunlicher ist es, daß der kleine Jackie C o o p e r sich als Partner dieses Mannes behaupten kann, mit deffen Natürlichkeit er wetteifert.,—eis— DereürstlacflnMen Bildungsverein deutscher Arbeiter Einladung zu der am Freitag, dem 31. d. M„ um halb 8 Uhr abends im Vereinshaus stattfindenden Generalversammlung Tagesordnung: Protokoll der letzten Generalversammlung. Berichte. Eventuelle Anträge. Nachivahlen in den Vorstand. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages. Wünsche und Anfragen. Anträge sind bis zum 26. d. M. schriftlich im Vereinsheim einzubringen. Leistungsprüfungen. Genossen und Genossinnen! Beteiligt Euch alle an dem am Samstag, dem 25. Mai, stattfindenden leichtathletischen Meeting auf per Hetzinsel. Ausgeschrieben sino: Fünfkampf der Sportler und Dreikampf der Sportlerinnen. Beginn um 4 Uhr nachmittags. Gäste herzlichst willkommen l Achtung, SPD-Emigranten! Kombinierte Arbeitsgemeinschaften. Donnerstag, den 23. Mai 1935, nachmittags halb 5 Uhr, Vortrag: „SinnderenLlischenPolitik." Alle Genossen sind eingeladen! PRAG Der Waldlauf ein gutes Abhärtungsmittel Neben anderen Leibesübungen ist für die Turner und Sportler, zumal zur Frühlingszeit, im Wald- und Geländelauf ein körperliches Betätigungsfeld gegeben. Es ist wünschenswert, daß recht viele auch auf diese Art des Trainings Körper und Geist erfrischen und stärken in der freien Natur. Wöchentlich ein- bis zweimal sollten solche Uebungen stattfinden. Die Kleidung soll der Witterung ange- paßt sein. Das Tempo darf nicht beschleunigt werden, die Schnelligkeit soll sich dem Gelände mit seinen Unebenheiten, Steigerungen und Gefällen anpassen. Man soll Wind und Wetter trotzen können, wobei allerdings feuchte, nasse, regnerische Tage einerseits wegen der Unfallgefahr bei schlechter Bodenbeschafsenheit, andererseits wegen des baldigen Durchnäßtseins der Sportkleidung nicht geeignet erscheinen. Je nach Alter und Leistungsfähigkeit wird man eine Entfernung von ein bis drei Kilometern wählen, um etwaigen Ueberanstrengungen vorzubeugen, zumal wenn man das Lauftraining noch nicht gewöhnt ist. Die Schwierigkeit des Geländes, de planmäßige Einteilung des Laufes durch die Führer, ist entsprechend in der Bewertung der sportlichen Leistung zu berücksichtigen. Der Waldlauf soll Erholung und Freud« bringen, nicht aber auf Zeit und Rekord gelaufen werden. Auf die Atmung ist während des Laufens besonders zu achten. Zeitweilig Atemübungen, systematisch bei langsamem Lauf eingeschaltet, soll man dabei nicht vergeffen. Vor Ueberhitzung und ebenso vor plötzlicher Abkühlung soll man sich selbstverständlich hüten. Nähert man sich dem Ziel des Laufes und kehrt zum Ausgangspunkt zurück, so soll man das Tempo allmählich verkürzen und seine Zöglinge langsam auslaufen laffen, damit sich die Atmung und der Puls beruhigen. Es wäre grundfalsch, zum Schluß etwa zum Endspurt einsetzen und der erste am Ziel sein zu wollen. Eine Abart des Waldlaufes ist die sogenannte Schnitzeljagd, die viel Freude bereitet. Hierbei werden einige„Füchse" vorausgeschickt, die besonders gekennzeichnet sind, während der Rest als„Meute" folgt. Der Weg der„Füchse" wird dadurch erkennbar gemacht, daß sie von Zeit zu Zeit Papierschnitz:I ausstreuen. Die Aufgabe besteht darin, die„Füchse" innerhalb einer festgesetzten Zeit einzufangen. Gelingt das nicht, so sind diese Sieger. Nach Beendigung des Waldlaufes kleide man sich warm an, wasche sich in geheizten Räumen am besten den ganzen Körper, jedoch nicht mit kaltem, sondern mit lauwarmem Wasser. Dies soll nicht nur zum Zwecke der Reinigung des Körpers geschehen, sondern auch die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldlaufes durch entsprechende Körperpflege im eigentlichen Sinne nach dem Training erhöhen. Sorgsames Abfrottieren mit einem harten Handtuch und eine kurze Gymnastik mögen den Schluß bilden. Dann werden die Beteiligten iw&i nur Erholung und Wohlbefinden spüren nach getaner Arbeit, sondern sich gestärkt fühlen zu neuem Appetit und festem Schlaf zum Besten ihrer Gesundheit. , Dr. G—th. Holländischer Arbeitersport. In Utrecht fasst am Sonntag das Probespiel der Auswahlspieler für den Länderkampf mit Belgien, der bekannt' sich am 9. Juni vor sich geht, statt. Es standen stt zwei Mannschaften gegenüber, und zwar als A-Team „Rot-weiß" und als B-Team„Rot". Das B-Tea» gewann überraschend mit 2:1. Zur Pause lag„Rot"' weiß" mit 1:0 in Führung, mehr durch einen Fehlet gesetztes Distriktsspiel abwarten. Man sieht,, die menen Umstellung zeigte sich das B-Team im A»' griff besser. Das Hauptmerkmal dieses Auswahl spielS war jedoch die geringe Schußlaune der beidr» Stürmerreihen, wahrscheinlich eine Folge des schlüpf' rigen, vom Regen aufgeweichten TerrainS. Ein* Entscheidung in bezug der endgültigen Aufstellung des BerbandSteams konnte aber nicht gefällt werden. T" Bundcskommisfion wird vorerst noch die Spiele a» 1. und 2. Juni sowie ein eventuell am 80. Mai an' gesetztes Distriksspiel abwarten. Man sieht, hst Sorgen, eine würdige Vertretung aufstellen zu köa' nen, find groß.— Im Kreis Limburg fiel>'■* Entscheidung um den Kveisfutzballmeister im Spiel* Voorwaarts gegen Rode Ster. Mit einem hohr» Sieg von 5:0 holten sich die ersteren den Titel.-* Die Handballer ermittelten einen weiteren Meister: In Zaandam schlug Utrecht die Heimisch^ in einem überlegenen und technisch schönem Spie- mit 5:2(3:2). Die Männer-Mannschaft von Utreihe wird in ihrer Spielweise von keiner anderen n Westgruppe erreicht. Bei dem Fraueuspiel beide* Vereine blieben ebenfalls die Utrechter mit 2:0 fteg' reich. In der Ostgrnppe gewann Devanter Almelo mit 6:2.— Die Tennis-Verbandsmti' sterschaft brachte Den Haag gegen Amsterdam eine» weiteren Erfolg mit 5:2 und Rotterdam gewa»» gegen Algemene 6:1. Mitteilungen aus dem Publikum. Ein schicfgetretener Absatz zerstört die Elegant deS bestangezogenen Menschen. Bei Berson-Com»»' Absätzen, die sich auf Grund ihrer hervorragende» Qualität und technischer Verbesserungen sehr laus' sam und gleichmäßig abnühen, ist ein Schieftrete» fast ausgeschloffen. Verlangen Sie bei bei Ihres Schuhmacher ausdrücklich Verso n-Concnv-Atkätz*- Weisen Sie in Ihrem eigenen Interesse Na^' ahmungen zurück.„ Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Ferien vom Ich", Speelman»! Deutsche Premiere.- Adria:„Der Filmfanatiker- A. Harold Lloyd.— Alfa:„Fluch t au» des» Paradies". A. E. Lubitsch.— Avion:»Diblonde Venus". A. Marlene Dietrich.— Leraaek- „AuS dem Regen in die Traufe". A. Laurel u»" Hardy.— Fenix:„Wenn ich eine Million hätte".£ E. Lubitsch.— Flora:„Suzanne Lenox". A. Garbo.— Hvezda: Mickey-Progr a m m.< JuliS:„Eine Frau vergißt nicht..." A.— KineM»- Journale, Groteske, Reportage.— Koruna:»D, Held der Arena". A.— Kawa:„Bosambo". E»K — Lucerna:„Bosambo". Engi.— Metro:„Li*-' ling". A. Sh. Tempi«.— Passage:„Eine 8*. vergißt nicht..." A.— Praha:„Salto in die SelUf leit". D.--— Radio:„Sein Schatten". A.— Ska»s- „Nana". A. Anna Sten.—Svitozor:„Die blo»-- Venus". A.— Alma:„Laurel u. Hardv und£»» Chaney". A.— Baikal:„Suzanne Lenox". A. Gr«-» Garbo.— Belvedere:„Barbara rast..." Tsch-. Louvre:„Barbara rast..." Tsch.— Roxy: Schatten". A.— U Vejvodu:„Der Herr ohne SS»"’ nung". D.— Valdek:„Suzanne Lenox". Am**- Greta Garbo. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung mS HmiS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 182.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Eins-baltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele« aravüendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/Vll/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.