V 15. Jahrgang Freitag, 24. Mai 1935 tMnfrni» 70 IWlir 5 H.ll« Fort»! UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung FRAG«l. FOCHOVA a. Telefon 0077. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURI DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Parteikonferenz der deutschen Sozialdemokratie Br-, Im Steinersaal des LidovL düm in Prag sand Donnerstag die Parteikonferenz statt, um über das weitere Borgehen unserer Partei und über die Besetzung der Mandate im zweiten Skrutinium zu entscheiden. <• Das politische Referat erstattete der Parteiborsitzende Genosse Dr. C z e ch. Er würdigte unter lebhafter Zustimmung der, Konferenz dir gewaltigen Leistungen der Bertrau- ensmänner im Wahlkampfe und hob besonders dir aufopfernde Arbeit der Republikanischen Wehr, ber Jugendlichen und des Genoffen Taub hervor. In der Beurteilung des Wahlergebnisses erklärte Genoffe Tr. Czech, daß weder organisatorische Mängel noch ideologische Schwächen den Rückschlag herbeigeführt haben, daß er auch nicht durch die Taktik der Partei verschuldet wurde, sondern daß die fascistische Welle über die Grenzen geflutet ist. Hitler hat im sudetendeutschen Volke gesiegt. Auch die Christlichsozialm find trotz ihrer LppofitionSpolitik geschlagen worden und ebenso die Kommunisten im deutschen Gebiet. Im tschechischen Volke hat aber die Demokratie gefiegt. Die tschechische« Koalitionsparteien find zur Fortsetzung der Zusammenarbeit entschlossen. Daraus ergibt fich für uns die Aufgabe, dem sudetendeutschrn FasciSmuS den Weg zur Macht zu verlegen und di«.wirtschaftlichen und sozialen Interessen der deutschen proletarischen Menschen zu schützen. Die Partei ist vollkommen intakt geblieben und wird, erfüllt von«nerschüttcrter Begeisterung für den Sozialismus, die schweren Kämpfe der Zukunft erfolgreich bestehen. An das beifällig aufgenommene Referat des Parteivorsitzenden knüpfte sich eine eingehende Aussprache, an der die Genossen Reitzner- Bodenbach, Lorenz- Teplitz, Schwarz- Leitmeritz, Sacher- Fischern, Heller- Teplitz, Leinsmer- Komotau, UIlmann- Aujfig und Deutsch- Pretzburg teilnahmen. Tn allen Reden kam die ungebrochene Kampfkraft ber Partei und die prinzipielle Einmütigkeit über bas weitere Vorgehen zum Ausdruck. Nach dem Schlußwort des Genossen Dr. llzech ermächtigte die Konferenz den Parteivor- üand zur Führung der Verhandlungen über die Neubildung der Regierung. Die Konferenz nahm ferner einen Bericht bes Genossen Taub über die Vorschläge für das Zweite Skrutinium entgegen und genehmigte die dorgeschlagene Liste. Um die neue Regierung Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Regierungsbildung tauchen die üblichen Kombinationen über die Aufteilung der Ressorts auf die einzelnen Parteien und innerhalb dieser wieder auf bisherige Kabinettsmitglieder oder beue Kandidaten auf, die sich natürlich nur sehr schwer auf ihre Richtigkeit prüfen lassen und ost schon überholt sind, bevor sie bekannt werden. Nicht bestätigt sind bisher die Gerüchte, daß die brutschen Christlichsozialen dicht abgeneigt wären, mit den Landbündlern einen gemeinsamen Klub zu bilden, um eine Ber- kretung in den Ausschüssen zu erlangen. Deshalb sind um so mehr auch die Behauptungen mit Vorsicht aufzunehmen, daß die Christlichsozialen so- ffar zu einer Teilnahme an der Regierung in der norm bereit wären, daß ein Parlamentarier oder auch ein höherer deutscher Beamter diesen gemeinsamen Klub in der Regierung als M i n i- st er ohne Portefeuille vertritt. Auf tschechischer Seite soll die Vertretung ber A g r a r i e r auf drei Ministerien reduziert werden; Verteidigungsminister B r a d a L soll ein anderes Ressort übernehmen und die Natio- Nalverteidigung einem General überlassen werben. Für das Innenministerium wird u» a. ein Nationalsozialistischer Kandidat genannt, für. das Handelsministerium ein Gewerbcparteiler. Allerbings hätte hiefür nur Abg. Mlioch als Präsident der Olmützer Handelskammer eine gewisse sachliche Qualifikation, während es wenig wahrscheinlich ist, daß der Parteivorsitzende Naj- w a n, der sich den Wahlsieg seiner Partei zuschreibt, selbst• auf ein Ministerportefeuille zu- üunsten Mläochs verzichten würde, mit dem ihn nickt gerade sehr freundschaftliche Gefühle verbinden. Macdonald geht? Abschüttelung des unbeliebten Premiers vor den Wahlen L o n d o n. Nach einer Reutermeldung steht nunmehr unzweifelhaft.fest, daß noch vor Ablauf der Pfiugstfrrien des Parlaments Baldwin anstelle Macdonalds den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen wird. Der Grund für diesen Wechsel sei die Feststellung des Augenarztes, daß Macdonalds Augen den Anstrengungen, die mit seinem jetzigen Amt verbunden find, nicht gewachsen seien. Ein Wechsel auf den Posten des Ministerpräsidenten macht nach altenglischer Uebcrlieferung den förmlichen Rücktritt aller übrigen Mitglieder des Kabinetts erforderlich. Der neue Ministerpräsident hat somit freie Hand für einen Umbau deS Kabinetts. Nach Reuter besteht Grund für die Annahme, daß Baldwin von dieser Gelegenheit weitgehenden Gebrauch machen werde. Macdonald werde der Regierung wahrscheinlich als Präsident des StaatsratrS auch weiterhin angehörrn. Man werde alles tun, um mit einer möglichst starken Regierung, di« auf der gegenwärtigen nationalen Grundlage stehe, vor die Wähler zu treten. Die Wahle« zum Parlament würden voraussichtlich im Herbst stattfinden. Handln fordert Finanzvollmachten Paris. Der Ministerpräsident und der Finanzminister beschlossen, am Dienstag nachmittags nach der Verlesung der Regierungserklärung in der Kammer und im Senate das Parlament unverzüglich um finanzielle Vollmachten zu ersuchen, den tatsächlichen Stand der Staätsfinar.- zen darzulegen und die Vertrauensfrage zu stellen.. , Da die Mehrzahl der Deputierten noch, auf Urlaub weilt und bisher kein Klub einberufen wurde, läßt sich nicht sagen, welchen Standpunkt die Kammer einnehmen wird. Die Dinge werden in erster Linie vom Tone der Regierungserklärung und von der Lage der Staatskasse abhängea. Etwas zum Lachen Budapest. Bei den letzten Wahlen wurde auf der Regierungsliste unter einem falschen Namen ein jüdischer Kandidat für das antisemitische Programm gewählt. Das Ministerium des Innern hat die Untersuchung ausgenommen.,.. Der Hampelmann und wer ihn an der Strippe hat InteriatiMale Würdigung unseres Wahlkampfes Im„Peuple", dem Hauptorgan der bel- gischen Sozialdemokraten, beschäftigt sich Irras, der Außenpolitiker dieses Blatte», an leitender Stelle mit dem Ergebnis der tschechoslowakischen Wahlen und besorgt das in nicht nur außergewöhnlich ausführlicher Weise, sondern auch mit solch europäischem Blick auf di« Bedeutung der Tschechosiowakei und ihr« demokratischen Kräfte, daß wir wenigstens dir wesentlichste« Stelle« diese» Artikel» der breiteste« Oeffentlichkeit»ermittel« wollen. Gleich eingangs heißt e» in' diesem Artikel,, daß die sonntägige» Wahlen in der Tschechoslowakei außerordentliche Aufmerksamkeit auf sich zogen. Und sofort wird an Hand des Wahlergebnisses frstgrstellt, daß„die Tschechoslowakei dir Bastion derDemokratieunddrrSta- dilitit in Mitteleuropa bleibt." Dann heißt es weiter; „Man hat es oft genug ausgesprochen, daß die Tschechoslowakische Republik zur Zeit eine Insel der Freiheit und Demokratie in einem Mitteleuropa ist, das von der fascistische« Flut überschwemmt zu werden droht. Aber das Land Masa- rtzks ist noch etwa» anderes: es ist die festeste Bastion dessen, was noch an politischer unb wirt- jcbastlichcr StahUilät in diesem Steil Europas ge-t blieben ist, e» stellt dort— da» darf man ohNs Nebertreibung sagen— den letzten Friedenspfeiler dar. Und dieser Pfeiler ist eS, gegen den die destruktiven, kriegerischen Mächte, tückisch, aber unversöhnlich, ihre heftigsten Attacken richten. Die Tschechoslowakei ist das große Hindernis, das sich gleichzeitig dem pangermanischen Drang nach Süd osten und dem klerikofascistischen Intrigen entgegenstellt, die auf die Wiedererrichtung der Habsburger-Monarchie abzielen. Mehr noch als gegen Sowjetrnßland ist gegen den Bestand der Tschechoslowakischen Rcpublil selbst daS germana-polnische Einverständnis ge- richtet. Für die Tschechoslowakei gibt es keine Stabilität und Sicherheit ohne Freiheit und ohne Demokratie. Und in diesen Ideale« und in seinen demokratischen Einrichtungen wurzelt die geistige und materielle Kraft der Tschechoslowakei. Das ist der Grund, warum die ganze Welt sich mst ungeheurem Interesse gefragt hat. wie das demokratische und parlamentarische Regime dieses Landes die Probe der jetzigen Wahlen bestehen würde." Der.Peuple" stellt sodann da» im allgemeinen befriedigend« Ergebnis dieser Wahlen fest, beschäftigt fich weiter mit der nafionalen Zusammensetzung der Tschechosiowakei und mit den insbesondere durch die eng« und brüderliche Zusammenarbeit der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten geglückten Versuch, da» große Problem- der Tschechosiowakei, die Lösung der nafionalen Frage, in Angriff zu nehmen. Dann heißt es weiter; „Die Feinde der Tschechoslowakei hatten rasch bemerkt, daß in dieser Zusammenarbeit der tsche- chischen und deutschen Bevölkerung die Kraft und die Stabilität der Republik beruht und daß infolgedessen hierinihx verwundbarst er Punkt zu suchen ist. Lange vor Hit l e r s M a ch t e r g r e i f u n'g hatte die Nazi« bewegung ihre besondere Aufmerksamkeit auf die sudetendeutsche Bevölkerung^ d. h. vor allem auf die Grenzgebiete Böhmens, gerichtet. Und seitdem der braune Fasrismus sich Deutschlands bemächtigt«, wurde die Hitler-Propaganda in der Tschechoslowakischen Republik durch die Reichsregierung geschickt organisiert, ge- . lenkt und bezahlt, mit dem wohlbedachten Zweck, die Republik r« überfluten und im geeigneten Augenblick mit den größten ErfolgSaussichtriL in die Lust zu sprengen." Das Blatt beschäftigt sich dann mit dem Wahlausgang, stellt fest, daß fich innerhalb der deutschen Bevölkerungi die Sozial d e mokraten noch am bestengegen di« Henlein flut verteidigten, und schreibt dann weiter; „Air stehen also einem b e-ä n g°sti g e n• den panger m a n i sch«« u nd.f asei« Seit« 2 Freitag, 24. Mai 1938 Nr. 121 Braune Diktatur in reichsdeutschen Gemeinden und Bezirken ZShes Binsen in Genf um die Lösung des abessinischen Konfliktes Genf. Die am Donnerstag von Reuter verbreitete Nachricht, daß der Vorsitzendewer italienischen Negierung di« englischen Vorschläge in Genf znr Lösung des abessinisch-italienischen Konfliktes durch ,. den Völkerbund rat abgelehnt habe, wurde,abends in Genf amtlich de» meiüirrt.var, obwohl sie nicht zweifeln konnte, daß man ihn mit Recht einsperrte.- Er hatte ja gestohlen. Der traurige Beiweis lag in ihrer Handtasche. Auch das beunruhigte sie. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, daß ein gestohlener Gegenstand drei Monate lang in ihrem ehrlichen Koffer aufbewahrt werden sollte, In dem Päckchen sind Sachen, die dem Herrn aus Polen gehören. Soll sie aussteigen und das Päckchen dem Wachmann übergeben? Sie kann ja sagen, sie habe eS in der Elektrischen gefunden... Wie eine Märtyrerin saß sie da; lang, dürr, traurig, ein Bild des JämmerS. Auf den Wangen hatten vertrocknete Tränen ihre Spuren hinterlassen, die sie BeinstellerS wegen geweint hatte. In den Händen hielt sie krampfhaft hie Handtasche. Sie'war sehr traurig. Ihre Ruhe war gestört und sie in eine Angelegenheit verwickelt worden, an die fic unaufhörlich denken mußte. Neben der Begebenheit mit Beinsteller stand noch die Erinnerung an die Demütigung, die ihr Herr Foltr am WaldeSrand in Tscherno- schitz zugefügt hatte. Die Welt ist schlecht, schlecht ... Wenn sie doch gar nichts von ihr wüßte... Der nun beruhigte Cherub wurde grausam und weidete sich an dem Anblick seines gepeinigten Opfers. Er wußte, er werde vom Meister ver prügelt werden, weil er es gesagt hatte, diese arme I Frau zu bestehlen. Aber es war zu verlockend gewesen. Seine Gedanken eilten noch weiter: Könnte ich doch dabei sein, wenn das„Klarinett" die Handtasche aufmacht, dachte er. Zerquetschen Sie sie nur nicht, Fräulein. Im voraus ergötzte er sich mit unschuldiger Grausamkeit an ihrem Schrecken, an ihren Qualen, und hätte weiß Gott was für den Anblick gegeben— vielleicht die Hälfte seiner Beute. Fräulein Sophie hatte sich nun wieder dem moralischen Hintergrund dieser Angelegenheit zugewendet, die sie so quälte. Sie darf auf keinen Fall zulassen, daß der polnische Herr um seine Sachen kommt. Falls es in ihrer Macht steht, das Unrecht gutzumachen, das ihm zugefügt wurde, darf sie nicht zögern, wa» immer Beinsteller auch dazu sagen wird. Er wird sicherlich froh sein, wenn sie sein Gewissen erleichtert! So ensschloß sie sich denn, auszusteigen und die Handtasche dem Wachmann zu übergeben. Gerade im Augenblick, als Cherub Karl dachte, wie gern er alles für den Anblick seines zuckenden Opfers hergeben würde, erwachte Fräulein Sophie auö ihrer Starrheit und— öffnete die Handtasche. Da erkannte Cherub Karl, daß der ersehnte Augenblick absolut nicht vergnüglich war. Mit einem Satz stand er auf dem Trittbrette und schwups— sprang er ans dem Wagen. Die Angst saß ihm im Genick. Er rannte so schnell er konnte bis hinter die fünfte Straßenecke. Dann stand er erst still. Indessen durchsuchte der Kondukteur mit Fräiileiir Sophie jedes Fleckchen auf und unter dem Sitzplatz, hob die Fußmatte und Sophie kehrte die Handtasche und alle Taschen um. Das Päckchen war verschwunden. „War eS wertvoll?" fragte der Schaffner. „Nein," seufzte Sophie und sah dabei aus wie ein Gespenst.,» Auf dem Wege zur Hühnersteige erblickte Cherub Karl Fräulein Sophie, die im Hause Nr. 6660 auf dem Zijjkov verschwand. Als er oben auf der Hühnersteige angelangt war, betrat Sophie eben ihre Wohnung. Weiß der Kuckuck, dachte er, was das„Klarinett" hier zu tun hat und warum es immer hinter mir her ist? Bon einer furchtbaren Ahnung erfüllt, schlich Karl in die Diebsakademie. Er hatte nicht nur das erste, sondern auch daS zweite Diebsgebot überschritten, welches lautete:„Du sollst nicht in der Nachbarschaft stehlen." Jetzt war nur noch die Strafe abzuwarten. Sie stellte sich ein, als er seinen Raub auSgepackt hatte. Er fühlte den Schatten der strafenden Hand über seinem Kopf schweben, ließ die furchtbaren Gegenstände auf den schmutzigen Boden fallen und lief davon. Dieses war der Anfang der unglaublichen Ereignisse, die bezeugen, daß es tatsächlich ein verhetztes Schicksal gibt. Eine Weile später kehrte die große Dame Loisis von der Verhandlung zurück. Armer Ferdl, dachte sie, als sie an seiner Wohnung vorüberkam, und blickte mitleidig durch daS Fenster. „Wenn er sich nur sagen ließe, daß er ein Frauenzimmer braucht!" sagte sie, als sie die Papiere erblickte, die verstreut auf dem Boden lagen.„Er hat nicht einmal jemanden, der nach dem Gesindel zusammenkehrt. Hätte ich den Schlüssel, würde ich Ordnung machen." Sie klinkte die Türschnalle auf— die Tür öffnete sich.„Man könnte ihn noch auSrauben, wenn ringsum nicht anständige Menschen wohnten", brummte sie und trat ein. Sie streifte die Handschuhe ab, hob die von Karl verstreuten Papiere auf und legte sie in die Tischlade. Im Begriff, hinaufzugehen, erblickte si« die Flasche vom Eierkognak. Am Boden der Flasche war noch ein Rest der guten Flüssigkeit geblieben. Damit sie bis zu FerdlS Rückkehr nicht verderbe, nahm Loisis die Flasche» wickelte sie in eines der Papiere, die in der Tischlade lagen, und trug daS Restche« Eierkognak nach Hause. Kaum hatte sie die Stube verlassen, kehrte die Hausmeisterin von der Verhandlung zurück. Sie war so ergriffen, daß es sie zu FerdlS Wohnung zog.»heilige Mutter Gottes l" rief sie, als sie die Stube betrat,„es kann ja jeder herein, als wäre es ein Durchhaus!" und sie schloß fürsorglich die Wohnung mit ihrem Schlüssel ab. Nach einer Weile kam Cherub Karl in die Wohnung zurück. Er hatte sich von seinem Schrecken erholt und war nur von einem Gedanken besessen: Wie sind die Papiere, die sei" Meister gestohlen hat, in die Handtasche des „KlarinettS" gekommen? Heutzutage stiehlt schon ein jeder, und die Papiere, die Beinsteller dem vermeintlichen LandesgerichtSrat und er dem „Klarinett" gekrabsckt hat, hat daS„Klarinett" vielleicht dem Beinsteller gestohlen! Je länger er nachdachte, desto leichter schien ihm die Sache. DaS.^klarinett" war nach Abgang der Polizei in BeinstellerS Wohnung eingedrungen. ES ist Mitternacht, daS.^klarinett" kehrt beim Schein der Diebslampe die Wohnung von unterst zu oberst und findet endlich die Papiere, die der Aufmerksamkeit des Geheimagenten entgangen sind. DaS„Klarinett" trägt sie davon. Warum? Eines Tages wird Beinsteller das Gefängnis verlassen, dann wird daS .^klarinett" kommen und fragen:„Willst du wieder ins Kriminal wandern oder mir für diese Papiere hunderttausend Kronen zahlen?" Beinsteller wird dann nichts anderes übrig bleiben, als für dieses magere Frauenzimmer zu rackern, daS ihn bis zu seinem Ende auSsaugen wird.. Wenn dies aber der Fall ist, wird das „Klarinett", da die Papiere verschwunden sind, danach suchen, eS wird wiederkommen und die Wohnung des Meisters durchstöbern. .(Fortsetzung folgt. Nr. 121 Freitag 24. Mal 193» «Seife 3 tfudetendeutsdter Zeitspie^et Zurück zur Sozialdemokratie! Wählt sozialdemokratisch! befolgt den Entschluß der Holelschner Kommunisten! Unter einigen Holeischncr Kommunisten hat der sonntägige Wahlausgang eine beispielgebende Wendung herbeigeführt, wie folgende Erklärung erkennen läßt: Rach den Wahle« vom Sonntag sind wir zu dem Entschluß gekommen, «ns wieder der Sozialdemokratie anzuschließe«. Schon der Verlauf des Wahlkampfes hat«ns gezeigt, daß gegen den drohenden Henlein-Fascismus in den deutschen Gebieten der Republik tatkräftig und entschloßen n u r die Sozialdemokratie angekampft hat, um die Interessen der Arbeiterklasse zu schützen. Auf der anderen Seite waren alle Arbeiterfeinde in Tätigkeit, um »ns zu schwächen. Ihnen schloffen sich auch gekaufte Klaffenverräter an, allen boran der bisherige kommuni st lsche„Führer" Josef Niedermeier und der ihm gleichwertige Gesinnungswechsler Johann Haber. Die Wahl selbst hat endgültige Klarheit geschaffen: Ze mehr Henlein stimmen ab» gegeben werden, umso größer ist die Bedrohung der Deutschen dieses Staates und vor allem der deutschen Arbeiter durch den tschechischenFaseismus! Dieser logischen Folgerung ungeachtet ist ein großer Teil der deutschen Bürgerlichen ohne unterschied des Standes mit fliegenden Fahnen zu Henlein gestoßen. Anter ihnen auch die ehemalige Gewerbepartei mit de» Kauflen- i e n Peter 3 a k l i n und Josef K l e n k an der Spitze, die früher die L ö h« e der Arbeiterschaft gerne eingesackt haben, heute aber Front gegen die frei, Zeitlichen Proleten machen. Außer diesen örtlichen Erscheinungen sind uns auch die Gefahren bekannt, die der Henlein-Sieg für unsere soziale Gesetzgebung und«och mehr für die gesamte Praxis unseres öffentlichen Lebens behütet. Daher erkennen wir unsere Pflicht zum Eintritt in die Sozialdemokratie und wir erkläre» hier feierlichstr Die Wahlen in die Landesund Bezirksvertretungen werden uns in der wahre» Einheitsfront der Arbeiterklasse finden, wir stimme« am Sonntag sozialdemokratisch! Reis Franz, Woller Franz, Fritsch Rudolf, PolaLek Wenzel.« *»• Wir stellen diesen Entschluß der vier Holeischner ehemaligen Kommunisten der gesamten Öffentlichkeit des BöhmerwaldeS als beispielgebend hin. Diese Menschen haben aus der Nieder» Me, welche der deutsche Sozialismus in der Tschechoslowakei am Sonbtag erlitten hat, die richtige gezogen. Jetzt darf niemand, der die Sache des Sozialismus vorwärtsbringen will, mutlos «en Kopf hängen lassen, jetzt gilt es, die Anstrengungen zu verdoppeln und noch mehr Aufklärung «ater das Volk zu tragen, damit der Fehler vom Sonntag am kommenden Wahltag wenigstens mlbwegs wieder gut gemacht werden kann. AufzuneuemKampflDieHerzenhoch, ?t e F a h n e n h o ch l... „»r"'.X...Lb!‘ kutsdidcmokratcn, wählt liste 6 sonst fallen* Eure Stimmen dem Sudetenfasdsmus zu Ein unrühmliches Ende haben die Herren Eacher, Kotrba und Lustig ihrer Partei bereitet. fe|«, die Erben der alten liberalen Partei, die sich M die Hüter der Demokratie im deutschbürger« Wn Lager ausgegeben haben, sie, welche in kur- Zeit das immerhin achtbare Erbe Spiegels und «afkas verwirtschaftet haben, wollen noch in Ihrem letzten Atemzug die Demo- 'tatievcrraten. Wäre die Walze der Su» "Ekendeutschen Partei über sie hinweggegangen, Mc daß sie an Freiheit, Humanität und Kultur ^Mählichen Verrat geübt hätten, wären sie a.lS Mere Soldaten der Demokratie mit zerrissener, ehrenbedeckter Fahne untergegangen. Was Äer jetzt tun, muh die Empörung aller wahr- Wen Demokraten Hervorrufen. Es ist nichts Wiger, als ihre Wähler an Konrad Henlein und seine fasci- stislchen Scharen zu verkaufen. g® ist keine hingeworfene Behauptung, das läßt N haarklein beweisen. , Bei den Wahlen in die böhmische Landesvcr- «etung sind 80 Mandate zu besetzen. Da die ?°ahl«rzahl etwa vier Millionen beträgt, so dürste 'k Wahlzahl die 60.000 nahezu erreichen. Die hmrtei, welche nicht wenigstens 50.000 Stimm'» ^fbringt, ist also nicht in der Lage, ein Mandat besetzen. bestehen aber für die deutschdemokratische Partei Aussichten, ein Mandat zu erringen? »uf keinen Fall. Der Sudetendcutsche Wahlblock, ^ler welcher Firma die Deutschdemokraten bei den ^hlen ins Abgeordnetenhaus und in den Senat ^ndidiert haben, hat in Böhmen 14.262 Stim- erhalten. Dieser Block setzt sich jedoch nicht ur aus Deutschdemokraten, sondern auch aus den ^maligen Deutschnationalen und der Gewerbe» furlei zusammen. Man kann den Deutschdemo- Wn günstigenfalls die Hälfte der am Sonnrag JUr de» WahMock abgegebenen Stimmen zurech- /u> das sind also 7000. Aber selbst wenn man Men die gesamten für den Wahlblock abgegeb neu Gunmen zuzählt, das sind 14.000, mühten sie M nächsten Sonntag dreieinhalbmal so viel Stim- E Eu> wie bei den Wahlen ins Abgeordnetenhaus Halten, um ein Mandat zu erringen. Es ist also :«nz ausgeschlossen, dah die ^eutschdemolraten in der bäheschen Landesvertretung ein Mandat erhalten. . Die Deutschdemokraten werden auch ihr Ziel ^rch die Koppelung mit Henlein nicht erreichen. Bei Koppelungen gewinnt in den meisten Fälle»: nach allen Gesetzen der. Mathematik die größere Partei das Restmandat. Nun sind aber die Deutschdemokraten unter den deutschen Parteien, welche gekoppelt haben, weitaus die kleinste, die Sudetendeutsche Partei die gröhte Partei. Es ist also im höchsten Grade wahrscheinlich, daß die für die Liste Bacher abgegebenem Stimmen Henlein, d. h. den sudctcndcutschcn Fascisten zu. fall«:. Können das die deutschdemokratischen Wähler zu» geben, die ein Votum für Demokratie, Freiheit und Fortschritt abgeben wollen? Das heißt geradezu einen Betrug an den demokratischen Wählern ver» üben, was die Herren Bacher und Konsorten beim Abgang von der politischen Tribüne tun, und das sollten die deutschdemokratischen Wähler auf keinen Fall dulden. Die deutschdemokratischen Wähler haben nur einen Ausweg: um wirklich ihre Stimmen für die Demokratie abzugeben' nämlich fürdieso- zialdemokratische Liste zu stimmen. Gerade der Verlauf des Wahlkampfes hat gezeigt, daß die einzige wirkliche Kraft, die sich im Sudetendeutschtum dem Fascismus entgegenstellr, die einzig wahre Hüterin der Freiheit, der Demokratie und des Kulturförtschritts die deutsch« Sozialdemokratie ist. Jüdar gesinnungstreue Deutschdemokrat, den: es noch ernst ist mit seinen freiheitlichen Grundsätzen, wählt daher am Sonntag dir Liste 6 der deutschen Sozialdemokratie! Vie Lifte als Wahlhelfer der SHF Die„Bohcmia" vom 23. Mai Ha5die Nachricht gebracht(wahrscheinlich ist sie.von„berufener" Seite dahin lanciert worden), dah sich die Bezirksorganisationcn der deutschen Gewerbepartei von Böhmisch-Leipa, Leitmeritz und Tetschen aufgelöst haben und daß sie geschlossen zur Sudetendeutschen Partei(SHF) übergetrcten sind. Wie uns von Funktionären der genannten Organisationen mitgeteilt wird,' ist.an dieser Nachricht kein wahres Wort. Die Bezirksorganisationen der Gewerbepartei bestehen weiter. Wir geben dir Nachricht schon deshalb wieder, weil sie neuerlich den Beweis liefert, daß die Lüge in der Agitation in der SHF, insbesondere jetzt im Wahlkampfe, zu den täglichen Kampfmitteln dieser Partei gehört,'die vorgibt, einen ritterlichen Wahlkampf zu führen. Die Lehren von Henleins Erfolg lieber den Erfolg Henleins bei den Wahlen schreibt Milos Bäniik in der„Pcitom- nost" und zieht daraus folgende zwei Lehren, . welche, wie er sagt, die tschechische Agrarpartei berücksichtigen, sollte. Erstens darf man nicht straflos„Demokratie auf Kündigung" betreiben. Man darf wichtige Interessen der demokratisch-republikanischen Verfassung nicht zum Objekt von Partei-Intrigen machen, man kann nicht insgeheim verschiedenen Formen des Fascismus den Daumen halten und gleichzeitig der Republik Und Demokratie dienen. Möge diese Lehre stärken und mit Selbstbewuht- sein und Kampfwillen jene Mehrheit der Männer in der Agrarpartei erfüllen, welche es mit der Verteidigung der Demokratie konsequent und ernst meinen! Und zum zweiten: Bei Henleins Wahlsieg spielte die entscheidende Rolle der Jndustriefried- hof in Ost- und Westböhmen, in Nordmähren und Brünn. Es ist dies ein Grund, damit die Agrarpartei ihre handelspolitische Praxis und ihren nur landwirtschaftlichen Protektionismus einer Revision unterziehe. Werde» diese Lehren in der künftigen Legislaturperiode gezoaen werden, dann kann HenleinS Sieg jene-— verhältnismäßig von allen denkbaren Katastrophen leichteste— Erschütterung sein, welche die Agrarpartei notwendig hat, um mit Erfolg jene Rolle zu spielen, welche sie spielen will: die Rolle des Führers im Staate, dessen Struktur in den entscheidenden Siedlungsgebieten politischer Macht und kulturellen Strebens eine industrielle ist. Hodäts Abgang Die Niederlage des„Närodni sjednoceni In den„Närodni Lisch" richtet der bisherige parlamentarische Führer der Nationaldemokratcn und ehemalige allmächtige Sekretär des tschechoslowakischen Jndustriellenverbandes, der Mann, der die Interessen des Zivnokonzerns im Abgeordnetenhaus vertreten hat, Dr. Frantisek H o d ä t, einen Brief an die Wähler des Wahlkreises Prag A, worin er ihnen mitteilt, dah er ein Mandat im ! zweiten Skrutinium nicht annimmt. Zur Begründung-dieses^Schrittes-führt er an, daß-zwar das „RärodNt Ijednorent" IM-Prager Wahlkreis einen großen Erfolg errungen habe, daß aber der Erfolg nicht so groh sei,„um unter den heutigen Verhältnissen unsere Aufgaben im Parlament durchzuführen". Dazu wären wenigstens sechs Mandate in jedem der Prager Wahlkreise notwendig gewesen und deswegen hätte er im Wahlkreis Prag A an sechster Stelle kandidiert. Da aber der Kandidat an sechster Stelle Nicht durchgedrungen sei, habe er seiner Partei mitgeteilt, dah er kein Abgeordneten» Mandat im zweiten Skrutinium annehme. Dieser Schritt des nach Kramär hervor» ragendsten Führers der nationaldemokratischen Partei, der infolge der Krankheit Kramäks in den letzten Jahren der wirkliche parlamentarische Führer seiner Patei gewesen ist, ist das offene Eingeständnis der Niederlage, welche das„Närodni sjednoceni" bei den Wahlen erlitten hat. Mit welchen Hoffnungen diese Partei in den Wahlkampf gezogen ist, kann man an dem Ausspruch Kramäis ermessen, der in einer Wählerversammlung wenige Tage vor dem Wahl» sonntag gesagt hat, dah das„Närodni sjedno» cent" die Koalitionsparteien ebenso hinwegfegen werde, wie einst die Jungtschechen die Alttschechen hinweggefegt haben. Ebenso hat Stitbrnh erklärt, die Nationale Vereinigung werde zumindest die zweit- oder drittgrößte Partei des Parlaments werden. Diesen hochgespannten Erwartungen muhte eine furchtbare Enttäuschung folgen, als die Nationale Bereinigung mit ihren 17 Mandaten um ein Mandat weniger hatte, als die Ratio» naldemokraten und Sttibrnh früher gehabt haben. Dazu kommt noch, dah bei der Mandatsverteilung innerhalb der beiden Gruppen die Nationaldemokraten schlecht abgeschnitten haben und dah in dem neuen Parlament nur etwa zehn ehemalige Nationaldemokraten und sieben ehemalige Ligisten fein werden. Stkibrnh hat also die Nationaldemokraten, d. h. KramäL und Hodäk, nach allen Regeln der Kunst übers Ohr gehauen. Es scheint daher, daß die ehemaligen Nationaldemokraten selbst nicht entzückt von ihren Führern sind. Der Rücktritt Hodäi's ist also sowohl das Eingeständnis der Niederlage der Nationalen Vereinigung als auch der Zurückdrängung der ehemaligen Nationaldemokra» ten durch die Stttbrnh-Ligisten. Dr. Benei bei Laval Genf. Minister Laval lud Donnerstag Nachmittag Minister Dr. BeneS zu Beratungen ein und gab ihm die Ergebnisse seiner Reise nach Moskau und nach Warschau bekannt. Es wurden auch die Fragen behandelt, welche die Politik Frankreichs und der befreundeten Staaten gegenüber De utschland betreffen. Die beiden Staatsmänner widmeten ihre Aufmerksamkeit auch der Vorbereitung der Konferenz der mitteleuropäischen Staaten, welche in Rom stattfinden soll.' Die Parteikonferenz verurteilt die„Sozialistische Aktion“ Die Parteikonferenz hat folgende Resolution angenommen: Die„Sozialistische Aktion", die vor einem Jahre von einem kleinen Studentenkreis ins Leben gerufen wurde und seither die deutsche sozialdemokratische Partei und ihre Leitung in gehässigster Weise— und nicht etwa bloß ideologisch— bekämpft und verunglimpft, hat in dem ! schicksalsschweren Wahlkampf, den unsere Partei jetzt zu bestehen hatte, ihrem Treiben die Krone aufgesetzt. Nach einer mehrwöchentlichen Pause hat sie kurz vor dem Wahltag zwei Nummern ihres Blattes erscheinen lassen, in denen sie unter dem Vorwand einer Empfehlung der von ihr vorher ausgiebigst diffamierten sozialdemokratischen Kandidatenliste über unsere Partei und die leitenden Vertrauensmänner herfiel und dadurch neues Agitations- und Werbematerial für b;c Sudetendeutsche Heimatfront zusammentrug, das von ihr in den letzten Tagen des Wahlkampfes gegen unsere Partei weidlich ausgenützt wurde. Das Erscheinen der beiden Nummern wurde auch — siehe den„Wahlruf" Henleins vom 15. Mai — von der Heimatfront aufs freudigste begrüßt und ihr Inhalt reichlich für ihre Agitationszwecke ausgebeutet. Es genügt festzustellen, dah in einer von Henlein herausgegebenen 60 Seiten umfassenden Wahlbroschüre unter dem Titel„Schluß mit den 8 Pfeilen" einundzwanzig Stellen aus der„Sozialistischen Aktion" abgedruckt wurden, daß ferner die haßerfüllten Angriffe der„Sozialistischen Aktion" gegen unsere Partei in einer Reihe von Flugblättern der Heimatfront verwertet und gegen unsere Bewegung fruktifiziert wurden. Es ist weiter festzustellen, dah der Artikel der ^.-Sozialistischen. Aktion", über den Parteitag, und insbesondere die letzte Reichskonferenz durch die ganze deutsche Schriftleiterpreffe geschleift und, wie dies in Neudek geschah, sogar an den Anschlagtafeln der SHF affichiert wurde. Unsere Parteigenossen waren bis zum letzten Moment der Meinung, dah sich die„Sozialistische Aktion" zumindest für die Dauer des Wahlkamp- fes Zurückhaltung auferlegen und ihren schmählichen Kampf gegen unsere Partei wenigstens bis zunz Wahltage einstellen werde. In Wirklichkeit ist aber, wie das Erscheinen der beiden letzten Nummern beweist, das gerade Gegenteil geschehen. In diesem Vorgehen der„Sozialistischen Aktion" kann nichts anderes als ein Dolchstoß gegen die Partei in der Stunde ihres schwersten Ringens mit dem FasciSmuS erblickt werden. Wir glaubten bisher, dem Interesse der Partei durch das vollständige Ignorieren der „Sozialistischen Aktion" am besten dienen zu können.- Dieses Vorgehen erweist sich aber als unzureichend. Das Mah ist nun voll. Darum spricht die Parteikonferenz aus: 1. daß die„Sozialistische Aktion" als parteifeindliches Blatt anznfehen»nd darnach zu behandel» ist; 2. daß die Mitarbeit an dem Blatt in jeglicher Form, fei es publizistisch, sei eS durch Erteilung von Informationen, durch Abnahme, Verbreitung oder anderweitige Unterstützung r.lt der Mitgliedschast in der Partei »nvereink.-.r ist; 3. daß es Pflicht der Partei ist, nunmehr auS dem vorgeschilderte» Borgehen der„Sozialistischen Aktion" alle Konsequenzen zu ziehen«nd sofort daS AuSschlutzverfahren gegen jene Personen einzuleiten, die sich einer Bersch- lung in der oben angeführten Richtung schuldig gemacht haben. Rom.(Tsch. P.-B.) Der Finanzminister erklärte, dah die italienische ostafrikanische Expedition, welche infolge der Krise im italienisch-abessinischen Verhältnis unternommen wurde, die italienische Regierung bereits 245 Millionen Lire (zirÄ 500 Millionen Kc) gekostet habe. Rew York.(Tsch. P.-B.) Gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in der Zahl von 200.000 haben Donnerstag die Arbeit niedergelegt und sich in geschlossenen Zügen zum Madison Square begeben, wo eine grohe Protestversammlung gegen die Lohnsätze stattfand, wie sie Präsident Roosevelt für die auf Kosten der Bundesregierung ausgeführten Arbeiten festgesetzt hat. Die Syndikalisten fordern eine Festsetzung der Löhne auf Grund des gewerkschaftlichen Tarifs. Seite k Nr. 121 Freitag, 24. Mai 1935 klne Klage Henterns gegen den„Sozialdemokrat Wegen Hindenburgs und wegen des Margarinekontingents Beim Strafkreisqericht in Prag hat am Donnerstag unter dem Vorsitz des Gerichtsrates Ber- nasek die Hauptverhandlung über eine von Sion- rad Henlein gegen den verantwortlichen Redakteur des„Sozialdemokrat" Dr. Emil Strauß überreichte Presseklage stattgefunden. Der Klage liegt folgender Tatbestand zu Grunde: In Nummer 14 des„Sozialdemokrat" vom 17. Jänner 1935 war ein Artikel unter der lleberschrift„Henleins Maßstab für nationale Gesinnung: Dummheit, Kritiklosigkeit" erschienen, welcher eine Polemik gegen die„Rundschau" enthält. Die«Rundschau" hatte dem„Sozialdemokrat" vorgeworfen, daß er die Interessen der deutschen Bevölkerung nicht wahre und dies damit begründet, daß die deutsche Sozialdemokratie die ungerechte Verteilung der Margarine-Kontingente nicht verhindert habe und daß die sozialdemokratische Presse Hindenburg abfällig kritisiert habe. In dem von Henlein inkriminierten Artikel des„Sozialdemokrat" wird darauf hingewiesen, daß selbst Ludendorff in seinem Werk„Dirne Kriegsgeschichte" alles bestätigt, was der„Sozialdemokrat" in der Darstellung des Lebenslaufes Hindenburgs geschrieben hat. Der Verteidiger des angeklagten verantwortlichen Redakteurs, Dr. Wehle, Kanzlei Dr. Schwelb, wandte gegen die Anklage zunächst ein, daß durch den Artikel das Maß der erlaubten Kritik nicht überschritten worden sei, daß aber abgesehen davon der Wahrheitsbeweis erbracht werden könne. Konrad Henlein sei als Führer der SHF und als Herausgeber der„Rundschau" moralisch und poli- tisch für alles verantwortlich, was in der„Rundschau" veröffentlicht werde. Die„Rundschau" hat angeführt, daß die deutschen Sozialdemokraten die ungerechte Verteilung des Margarinekontingentes verschuldet haben, hat aber verschwiegen, daß sich gerade die deutsche sozialdemokratische Partei erfolgreich für eine gerechte Kontingentierung eingesetzt hat. Konrad Henlein hat die Art des Berichtes des„Sozialdemokrat" über Hindeichurg als Beweis für den Volksverrat der Sozialdemokraten herangezogen. In Wirklichkeit hat der„Sozialdemokrat" über Hindenburg ganz sachlich und wissenschaftlich referiert, wobei naturgemäß auch die Schattenseiten des Lebens und der Taten Hindenburgs besprochen worden sind. Der Verteidiger wies darauf hin, daß die Schlußfolgerung des inkriminierten Artikels daher berechtigt sei. Die von der Verteidigung angebotenen Beweise wurden zugelassen und die Hauptverhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Line Presseklage gegen die„Rundschau" Anfang April erschien in der Provinzpresse eine Nachricht, daß im Leitmeritzer sozialdemokratischen Parteisekretariat eine Gendarmeriehausdurchsuchung stattgefunden habe, bei der zwölf Revolver, eine Menge scharfe Munition und ein Bündel Stahl r Uten gefunden worden seien. Diese Nachricht ging auf die„S u d e- tendeutschen Pressebriefe" vom 1. April 1935 zurück. In unserer Presse ist dann eine Notiz erschienen, in welcher diese Meldung als blöder Aprilscherz hingestellt wurde. Dann erschien in der„Rundschau" vom Ende April wieder ein Artikel, in dem die Sache neu aufgewärmt würde. Daraufhin hat Genosse Pollak namens der Bezirksorganisation Leitmeritz der„Rundschau". eine Berichtigung geschickt, welche am 5. Mai 1935 in der„Rundschau" erschienen ist. Dazu war eine Anmerkung der Redaktion angeschlossen, daß die Redaktion der„Rundschau" durch das Preßgesetz gezwungen ist, die Berichtigung zu veröffentlichen, obwohl die Darstellung der„Rundschau" vollkommen richtig und obwohl die„Rundschau" in der Lage sei. Beweise für die Richtigkeit der Meldung zu bringen! lind zwar nicht nur darüber, daß im sozialdemokratischen Parteisekretariat tatsächlich eine Hausdurchsuchung stattfand, wobei zwölf Revolver, ein Bündel Stahlruten und scharfe Munition gefunden worden seien, sondern bei dieser Gelegenheit sei auch -ine aufsehenerregende Beryaf- t u n g vorgenommen worden. In der„Rundschau" hieß es dann noch:„Wir fordern die roten Herrschaften auf, uns in einem gerichtlichen Verfahren Gelegenheit zu geben, den Wahrheitsbeweis zu erbringen." Dazu teilt uns nun Genosse Pollak mit, daß da s ganze e r l o g e n sei und daß er namens der Leitmeritzer Parteiorganisation die P res s e- klage gegen die„Rundschau" überreichte. Ter Landesausschutz für Böhmen hat in seiner Mittwoch-Sitzung außer einer Reihe von laufenden Angelegenheiten 111 Gemeindehaushalte durchberaten und 479 Gemeinden die Einhebung von verschiedenen Abgaben und Gebühren bewilligt. Der Ausschuß genehmigte den Beschluß der Zentralvertretung der Hauptstadt Prag über die Grundstücktransaktion mit dem Staate betreffend die Grundstücke.auf der Letna für den Bau der Staatsgalerie und des Masaryk-Jnstitutes, sowie der Grundstücke na Kamp! und in Smichov, weiters beschloß der Landesausschuh die unentgeltliche Ueberlassung des Ausstellungsgeländes einerseits zur Maffenunter- bringung der Teilnehmer an dem ganzstaatlichen Katholikenkongreß im Juli des heurigen Jahres, andererseits zur Abhaltung der Herbstmesse, Die Vierzigstundenwoche New Aork.(Reuter.) Die Delegation der Vereinigten Staaten für die I n. t e r n a t i o- nale Arbeikskonferenz in Genf hat Mittwoch die Reise nach Europa angetreten. Präsident Roosevelt hat diese Delegation ermächtigt, sich für das Uebereinkommen über die 40stündige Arbeitswoche in bestimmten genau begrenzten Jndustriebran ch e n auszusprechen. Wasserflugzeug abgestürzt New Nork. Offiziere des amerikanischen Schlachtschiffes„P e n n s y I v a n i a" teilten mit, daß während der Flottenmanöver iiy Pazifik Dienstag abends das Riesenwasserflugzeug„P 7" der amerikanischen Marine abgestürzt ist. Sechs Marineflieger würden dabei getötet. Saint Nazairc.(Hävas) Der belgische B al-- l o n„B e l g i c a", der von dem berühmten belgischen Aeronauten Demuyter gelenkt wurde, ist Mittwoch bei Brieres in der Bretagne i n einen Sumpf abgestürzt. Der Ballon wurde dabei vollkommen vernichtet. Die drei Flieger, unt.-r ihnen auch Demuyter, kamen ohne Unfall davon. Demuyter hatte fünfmal den Govdon-Bennett-Pokal, darunter einmal mit dem verunglückten Ballon„Belgica", errungen. Aus dem Reiche des Henkers Berlin. Der am 10. Oktober 1934 vom Volksgerichtshof wegen Verrates militärischer Geheimnisse zum. Tode verurtellte Wilhelm Krüger aus Düsseldorf ist Donnerstag morgens in Berlin hingerich-tet worden. Maffenobdachlosigkeit durch Hochwasser New Jork. Infolge Hochwassers des Cana- dian und anderer Flüste sind im Staate Oklahoma weite Landstriche überschwemmt worden. Im Staate Oklahoma wurden,über 20.000 Acres und in Texas 125.000 Acres Farmland überflutet. Durch die Zerstörungen, die das Hochwasser anrichtete, sind in beiden Staaten etwa 4000 Farmer obdachlos geworden. In der Umgebung vpn Oklahoma City wurden mehrere Brücken über den Canadian weggerissen. Mord und Selbstmord im Aussiger Hotelzimmer - Der 1894 geborene Bruno P- o s s e l t, der von seiner ersten Frau geschieden ist und mit der zweiten nicht mehr zusammenlebt, lernte vor einiger Zeit ein Aussiger Mädchen kennen, zu dem er vor einigen Tagen übersiedelte und sich mit ihm in einem Hotel einquartierte. Am Dienstag verließ er das Hotel und übersiedelte in ein anderes. Als das Paar, das abends zeitig schlafen gegangen war, am anderen Morgen nicht aus dem Zimmer kam, schöpfte man Verdacht und holte die Polizei. Nach gewaltsamer Oeffnung der Zimmer- jür fand man in den Betten das Paar tot auf. Posselt hatte mit einem wohlgezielten Schuß aus einer Pistole erst seine Geliebte getötet und dann die Waffe gegen sich gerichtet. Der allzugroße Altersunterschied dürste der Grund für diese Liebestragödie sein. Ein Sandsturm in Rom Nom. Am Mittwoch gingen über der Stadt Sandwolkcn nieder, die von den Sandstürmen in der afrikanisch en Wüste aufgewirbelt worden waren. Ter Sandregen war so dicht, daß um die Mittagsstunde der Petcrs- dom den Blicken der Beobachter völlig entschwand. Zwei Personen sollen bei diesem Anlasie ums Leben gekommen sein. Es wurde auch ein großer Materialschaden angerichtet. Herr Lcy macht sich unsterblich. Dr. Ley, der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, empfindet von Zeit zu Zeit das Bedürfnis, etivas für seine Unsterblichkeit zu tun. So stellte er zum 1. Mai nach dem Vorbild von Moses(ohne die Juden gehts nun mal nicht) 10 Gebote„für die Arbeiten der kommenden Zeit" auf. Das erste Gebot hebt mit religiöser Wucht wie folgt an: „Wir grüßen den Führer am Morgen und danken ihm am Abend dafür, daß er uns Lebens- willen und Lebeyshoffen neu geschenkt hat." Wie unfreiwillige Witze muten di« Gebote 4 u. 7 an: „Der Kampf soll unseres Lebens Inhalt sein, weil wir wissen, daß der Himmel nur dem die Freiheit schenkt, der bereit ist, sein Letztes dafür einzusctzen"(man hüte sich dabei, nicht auf der Flucht erschossen zu werden! d. Rd.)...„Wer etwas leistet, soll fordern"(zu diesem Zwecke find vorher die Gewerkschaften zu vernichten! d. R.). Punkt 9 ist nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachschöpferisch und grammatikalisch erquickend:„Man darf sich niemals auseinander» raufen, sondern immer zusammenraufen". Dr. Ley kommentiert diese 10 Gebote mft einem Phrasenschwall, der ungefähr viermal so lang ist wie die Gebote und hauptsächlich den Zweck zu haben scheint, unzuftiedenen Arbeitern in seelsorgerischer Weise Trost zuzusprechen. Das Elaborat schließt wie folgt:„Sorgen werden immer sein. Das Paradies können wir Euch nicht bringen. Das ist auch nicht das Entscheidende. Entscheidend ist allein, ob wir uns von der Sorge unterkriegen lassen oder ob wir Mannes genug sind, die Sorgen zu meistern. Arbei- ter und Arbefterinnen, Angestellte und Unternehmer, Soldaten der Arbeft! Schaut auf den Führer! Je größer die Not, um so größer der Führer! Vorwärts in ein neues Arbeitsjahr! Mit Adolf Hitler zur Sonne, zur Freiheit!" „Immun gegen den Fascismns!" Die „BaselerNationalzeitung" nimmt in einem ausführlichen Artikel zu dem Resultat der tschechoslowakisch en Wahlen Stellung. In ihren Betrachtungen berührt die„B. R." auch den eklatantenMißerfolgder «Nationalen Vereinigung", wobei sie der Ansicht Ausdruck gibt, daß die Vereinigung in Kürze wieder auseinanderfallen werde. Die Immunität des tschechischen Volkes gegen den Fascismus sei die Sensation der Wahl st und e. Das Blatt beschäftigt sich dann ausgiebig mit dem Hitler- s i e g im sudetendeutfchen Gebiet, den es ganz eindeutig auch als solchen kennzeichnet. Das Opfer mutz die Marter noch bezahlen. Ein Einwohner von Tresen in Sachsen, ein b l u t- a r m e r M e n s ch, der von Erwerbslosenunterstützung lebte, war wegen„staatsfeindlicher Einstellung" in Schutzhaft genommen und erst nach 243 Tagen wieder freigelaffen worden. Zu allem Unglück erhielt der acht Monate Eingekerkerte die Aufforderung, 4 8 3 Mark Gebühren für seine Konzentrationslagerbewachung zu zahlen! Der Arbeitslose, dem diese Zahlungsaufforderung wie blutiger Hohn erschien, erhob Widerspruch beim sächsischen Oberverwaltungsgericht. Das Gericht wies die Klage des ehemaligen Schutzhäftlings mit dir ironischen Feststellung ab, daß derjenige, der es sich erlauben könne, wegen staatsfeino- licher Einstellung in Schutzhaft zu kommen, auch diefin'anziellenSpesenda» für bereit halten müsse. Der Arbeitslose wird, da er diese 486 Mark niemals aufbringen kann, wieder ins Gefängnis wandern müssen, um seine„Bewachungsstrafe" a b z u- sitzen. Danach wird man ihm wohl wieder eine Rechnung ins Haus schicken... Das liehe sich -ins Unendliche fortsetzsn. Gömbös' Aut» führerlos. Ministerpräsident Gömbös wollte Dienstag nachmittags mit seinem Auto von seiner Besitzung in Nagy Teteny stach Budapest zurückfahren. Unterwegs wurde sein Chauffeur plötzlich unwohl und seine Hand glitt vom Lenkrad. Es gelang ihm aber noch im letzten Augenblick zu verhindern, daß das Auto in den Straßengraben fuhr. Er vermochte nur noch das Auto zum Halten zu bringen und brach dann ohnmächtig zusanrmen. Ein Aushilfschauffcur brachte den Wagen mit dem Ministerpräsidenten nach Budapest. Brand in der Grube. Auf der Kohlengrube „Eminenz" in Chorzow brach Donnerstag mittags ein Brand aus, der infolge Selbstentzündung des Transformators verursacht wurde. Die 300 in der Grube befindlichen Bergarbeiter verließen fluchtartig den Kohlenschacht. Vorläufig wurde der Tod eines Bergarbeiters festgestellt, der nicht rechtzeitig den brennenden Schacht zu verlassen vermochte, doch befürchtet man, daß dem Brand- auch noch andere Bergarbeiter zum Opfer gefallen sind. Trotz der sofort eingeleiteten Rettungsaktion und der Absperrung der Luftzufuhr zu anderen Schächten konnte der Brand bis in die späten Abendstunden nicht lokalisiert werden. Vor der Kohlengrube haben sich die Familienangehörigen der vermißten Bergarbeiter versammelt. Ein Orkan, verbunden mit Hagelschlag, zerstörte im Südteil des Kreises Dombrowa (Galizien) 14 Wohnhäuser, 73 Scheunen, und 10 Ställe. Auch auf den Feldern wurde erheblicher Schaden angerichtet. Dirigentcntod vor einem Parkett von Königen. Der bekannte schwedische Dirigent Sven Lizell dirigierte am Mittwoch spät abends in Stockholm vor einer großen Zuhörerschaft, zu der auch der König der Belgier Leopold, König Christian von Dänemark und der schwedische König Gustav gehörten, einen Sängerchor. Während der Produktion stürzte Lizell plötzlich infolge eines Herzschlages zur Erde und starb. Streiks in Mexiko. In der Nacht zum Donnerstag begann der Streik bei der amerikanischen Campania Telefonica Mexicana, der einen der beiden in M e x i k o bestehenden Telephongesellschaften. Bei der zweiten, der Ericsongesell- schaft, brachen gleichfalls Schwierigkeiten aus, so daß man auch dort einen. Streik befürchtet. Drakonisch. Die chinesische Nationalregierung verkündete am Mittwoch, daß auf die geheime Silberausfuhr die Todes- st r a f e steht. Der Mörder des Vorstandes des Budapester Ordenshauses, des Benediktinerpaters Kasian Mattyassovszky, L e st i, wurde in Nyiregyhaza festgenommen. Lesti hat die verbrecherische Tat eingestanden. Grotzfener in London. In der Salisbury« Straße im Londoner Stadtteil Kilburn wütest am Donnerstag ein Großfeuer, das ungeheurer Schaden anrichtete. Das Feuer brach in einer Druckerei aus, griff in kürzester auf viel Fabriksgebäude über. Bald war der ganze Häuserblock ein Flammenmeer. Neun Fa> milien, die in der Nähe der Fabriken wohnten, mußten aus ihren Häusern fliehen. Obwohl 20 Feuerwehren gegen den Brand eingesetzt wurden, konnte das Feuer erst nach fünf Stunden gelöscht werden. „Herabsetzende Aeutzerungen" über Goeiielt Ludwig Bemelmans, ein naturalisierter Amerikanetz Schriftsteller und Illustrator, ist von einem Münch« ner Gerichtshof zu 100 Mark Geldstrafe verurteil worden. Außerdem wurde ihm nahegelegt, Deutsche land schnellstens zu verlassen. Bemelmans bat a«t schon mit seiner Frau die Rückreise nach Amerist über Paris angetreten. Er hatte in einen: GasthaB in Mittenwald„herabsetzende Aeuße« r u n g e n" über Mitglieder der Nationalsozialist^ schen Regierung, namentlich über Reichsminiin> Goebbels gemacht. Auf Grund einer Sp zeige wurde er von SS-Leuten festgenommen wt* nach München gebracht, wo er nach eintägiger Hast vor Gericht gestellt wurde. Zwei englische Flugboote»ntrrgrgangen. der englischen Ostküste sind Donnerstag zwei Flut' boote der englischen Luftflotte in schwerer untergegangen. Der erste Unfall ereignete sich da Spurn Point an der Humbermündung. Tas a> kombinierten Luft- und Flottenübungen teilnetz mende Lustboot mußte eine Notlandung vornehm^ und sank in kurzer Zeit. Die Besatzung konnte& borgen werden. Der zweite Unfall war ebenfalls W Folge eines Motorschadens. Die Maschine wurde z» nächst von einem Kriegsschiff ins Tau genominetz brach aber nach vier Stunden in schwerer See d Stücke. Auch hier konnte die Besatzung geborgt werden. Verschollenes Segelflugzeug. Donnerstag nat' mittags zwischen 2 und 3 Uhr stieg der junge Pü" Stef mit dem ungarischen Segelflugzeug„Karakaa- von einem Motorflugzeug ins Schlepptau genoE men, auf. Der Pilot des Segelflugzeuges löste ta> Seil, das ihn mit dem Motorflugzeug verband. D geriet in ein Gewitter und entschwand in der tung gegen Norden. Gegen 3 Uhr wuxde das Segeb stugzeug in der Nähe der Stadt Waag beobacht Seither fehlt jede Nachricht von ihm. Schwarzer Kater au? der Kirche verbannt. Pfarrer von Halesowen(WorcS), Domherr Cöllns hat schwarze Kater bei den HochzeitSfeierlichkeiten# seiner Kirche verbannt. Seiner Pfarrzeitschrist folge haben Brautjungfern kürzlich bei einer zeit in dem Distrikt schwarze Katzen getragen. I hofft, daß es nicht jemand einfallen werde, in sein^ Kirchspiel auf die gleich« Weise getraut werden i" wollen.„Anzunehmen, daß durch eine bedcutun^ lose, heidnische Maskotte die Wirkung des Segens der bei der Trauung gegeben wird, erhöht würde- schreibt er,„ist völlig falsch und kann auf keiE Fall gestattet werden." 60bändige Tolstoj-Ausgabe. Der Staatsverstk für schöne Literatur in Moskau begann die gesa^ ten Schriften L. N. Tolstojs herauszugeben, die« Bände umfassen. Die Ausgabe enthält auch fl Notizen und alle Briefe und Handschriften TolsM« von denen ein gutes Drittel bisher iniemalS W öffentlicht wurde. ES wurden di« Handschrist^ Tolstojs aus dem Tolstoj-Museum benützt. 9 reiche Sammlung dieser Handschriften ist vor Tolstojs Freund Tschertkow zu verdanken, der^r Andenken an den großen Schriftsteller sammelte W sie später der russischen Akademie der Wissenschaft übergab. Weiter unbeständiges Wetter. Eine Druch'^ rung, welche im Laufe des letzten Tages von her über Mitteleuropa eingedrungen war, hat* unseren Gegenden bei Südostwind eine weites Erwärmung veranlaßt. Das Wetter hat adst dabei einen sehr unbeständigen Chls r a k t e r angenommen. Ausgenommen Karpat?^ rußland, wo Donnerstag nachmittags bei im ganö^ schönen Wetter 28 bis 29 Grad erreicht wurds^ traten in den übrigen Ländern des Staates zast reiche Gewitter und Regengüsse, vereinzelt in gleitung von Hagelschlag, auf. Die erwähnte rung beginnt sich jedoch bereits abzuschwächen. dem wird die allgemeine Wetterlage vorauSsich^? noch unbeständig bleiben und von Westen her dun sich gegen unsere Gebiete langsam etwas kühlet Lust ausbreiten.— Wahrscheinliches Wetter H heute: Unbeständig, vorwiegend bis wechselnd wölkt, strichweise noch Schauer, im Westen des tes wieder ein wenig kühler. Im Karparhenged' warm, Gewitterneigung.— Wetteraussichten« Samstag: Allmähliche Besserung, auch im etwas kühler. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Program*** 1 SamStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche NachrE 12.10: Jugoflawisches Gesangsquartett, Mittagskonzert, 15.55: Dborskh und seine bohs, 17: Humor im Liede, 18.45: Deutsche düng: Das aktuelle Gespräch, 18.10: Win^ Beethoven auf Schloß Grätz, Hörspiel, 18.35: Ks" sche liest eigen« Gedichte. 22.15: Tanzmusik. der S: 14.30: Leichte Musik, 15: Deutsche düng: Bratschenmusik, 15.40: Deutsche Presse. Bräu» 17.45: Deutsche Sendung: MusikulnT Kinderecke.— Mährisch.Ostrau 17.45: DeE Sendung: Das deutsche Lied des 15. Jahrhundrn" 20.15: Leichte Musik» Sr. 121 Freitag, 24. Mai 1935 Seite 5 Italiens Eintritt in den Weltkrieg Kriegsetappengebiet Erythräa (AP.) Massaua, der Hafen von Ery- ihräa, ist plötzlich durch die italienischen Kriegsdorbereitungen in den Scheinwerfer des Weltgeschehens gerückt. Es kommen dort so viele Tausende don Soldaten und Arbeitern an, daß man sich tragt, wie denn überhaupt die Frage der Unterbringung und Verpflegung zu lösen sei. Und doch lenkt man nicht den Verkehr nach Jtalienisch- Eotnaliland, weil das Klima dort noch ungesün- «t ist als in den anderen, dem Europäer ohne- iiei nicht sonderlich bekömmlichen Gegenden. Denn Somalia erstreckt sich noch über den Aequator Hindus nach Süden, und man schickt dorthin zunächst nur diejenigen Formationen, die bisher in Ery- rhräa stationiert waren und sich daher schon etwas alllimatisiert haben. Massaua ist zwar auch einer der heißesten Plätze der Erde, aber nicht so ungesund. Pest und Cholera, auf der arabischen Seite des Roten Meeres eine ständige Plage, sind hier kbenso selten wie Malaria. Auch die Termiten, Skorpionen, Giftspinnen und Schlangen fehlen düc. Die Hitze ist freilich selbst für den Südita- liener zunächst unerträglich. Die Italiener vergleichen Massaua gern mit Venedig, der Lagunen« sladt. Aber dort fehlt das äthiopische Hochgebirge °n Hintergrund, das hier hart an den Meeresslrand herantritt. Das europäisch« Massaua, das l>or 50 Jahren der italienische Admiral E a i m i besetzte, ist eine Schöpfung des Schweizer Ingenieurs M u n z i n g e r P a s ch a, den die ügyptische Regierung seinerzeit als Gouverneur Wer ihre Ostprovinz setzte. Massaua hat heute 25.000 Einwohner, in normalen Zeiten etwa b00 Europäer, meist Italiener, dazu einige Griechen. In deren Händen befinden sich die großen Handelshäuser sowie die Cafes unter den Arkaden, don denen aus man einen Blick auf das Rote Meer hat. Unter den Farbigen sind so ziemlich alle Stämme vertreten, und zwar Abessinier, meist Mohammedaner aus dem Norden, aus denen sich Wer die italienische Eingeborenentruppe rekrutierte, ferner Amhara, Galla, Kaffitscho und Da- dakil, weiterhin Somalis, Sudan-Negcr, Bantufeger, Araber, vor allem aus dem Demen, aber sMch Inder, Perser, Japaner unb Malayen. Um 'hre Währung durchzusetzen, nehmen die Italiener den Maria-Theresien-Taler nicht mehr ay. Dadurch ist dies in ganz Aethiopien, aber auch im Sudan und überall am Roten Meer bevorzugte Zahlungsmittel stark entwertet worden. Früher l»ar Massaua der Ausfallhafen für all« umliegenden Gebiete. Jetzt exportiert Abessinien nach Osten jcher Dschibuti(Französisch-Somaliland), nach Westen in den Sudan, nach Süden zum «ludolf-See(Britisch-Kenya), der Nord-Sudan Wer das britische Berber nach Suakin. Ueber Massaua werden nur noch die Erzeugnisse des ita- strnischen Erythräa ausgeführt. Man sagt, daß mer eine wesentliche Ursache der B e r sk k m- fu n g Italiens gegen die abessinische Neuerung liege. Massaua soll die führende falle z u r ü ck e r o b e r n, die es bis zur Besitzergreifung durch die Italiener innehatte. Die Versorgung Maffauas, selbst mit Früchten, erfolgt hurch Italien. In der Umgegend nämlich gibt es stinen Baum, keinen Strauch, keine Pflanze und stillen Grashalm. Angesichts des enorm teuren Ssthfutters haben sich Auto, Motorrad und Mo« stkbarkafse schnell eingebürgert. Eine Gebirgsahn führt nach der Hauptstadt Erythräas, «imara. Verlanget überall Volkszünder Nach zwanzig Jahren Am 24. Mai 1918 hat Italien Oesterreich- Ungarn den Krieg erklärt und ist an der Seite der Entente in den Weltkrieg eingetreten. Es wäre kaum mehr als eine Gedankenspielerei, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie sich die Dinge entwickelt hätten, wen» Italien dem Konflikt ferngeblieben wäre. Hätte der Krieg einen anderen Ausgang genommen und was hätte dieser andere Ausgand für die Welt bedeutet? Müßig ist eS, sich zu fragen, ob auch in einem neutralen Italien der Fascismus sich entwickelt oder ob diese neueste Form kapitalistischer Abwehr sich ein anderes Geburtsland ausgesucht hätte, wenn ihm nicht durch Kriegsverrohung und Kriegsenttäuschung der italienische Boden vorbereitet worden wäre. Es ist schon schwierig genug, die sich wirklich ereignende Geschichte in ihren Triebfedern und Folgen Halbwegs zu verstehen; wollte man gar mögliche Umstellungen und ihr« Wirkungen ergründen, käme man ins Bodenlose. Daß die Diplomatie der Zentralmächte am 24. Mai 1915 die bittern Früchte einer wahren Rekordleistung an Ungeschicktheit einheimste, wird niemand bestreiten. Was ist von deutscher und österreichischer Seite nicht alles in den zehn Monaten seit Kriegsbeginn verfehlt worden! Zunächst war es ein kolossaler Mißgriff, Italiens Neutralitätserklärung als Vertragsbruch zu bezeichnen, anstatt offen zuzugeben, daß der Dreibundsvertrag ausdrücklich die italienische Neutralität vorsah, falls Großbritannien den Zentralmächten den Krieg erklärte. Was hätte Italien gegen di« englische Flotte ausrichten, wie seine dichte Bevölkerung bei der Abschnürung von Gibraltar mit Getreide Vorsorgen können? Da man Italien alS Freund nicht haben konnte, hat man es alS möglichen Feind unterschätzt und'hat sich deshalb beim Werben um seine Neutralität nicht in Unkosten gestürzt. Wenn Oesterreich gleich Triest und Trient angeboten hätte, wäre der Kriegspropaganda der Entente der Boden entzogen worden. Das alte Wort von dem Hochmut, der vor dem Falle kommt, hat sich damals einmal wieder bewährt. Im September 1914 erwiderte uns ein reichsdeutscher Politiker auf unfern Hinweis, daß Triest und Trient der Preis der Neutralität seien:„Davon kann nicht die Rede sein: Triest nehmen wir" (nämlich Deutschland). Wer in Italien lebte, sah die Kriegsvorbereitungen, aber die Berichte, die warnen sollten, fielen der österreichischen Zensur zum Opfer. Von Kriegsbegeisterung war in den ersten KriegSmonaten nichts zu Wr^., Nur die Natio-, nalisten, mit Federzoni, dem heutigen Senatspräsidenten an der Spitze, wollten den Krieg an der Seite der Zentralmächte. In den Massen fand ihre Forderung nicht. den mindesten Widerhall, obwohl die Nachrichten aus Belgien die öffentliche Meinung stark gegen Deutschland einnahmen. Die sozialistische Artei, damals noch nicht gespalten, auch noch nicht von ungeschulten Massen aufgeschwemmt, wie sie die Nachkriegsinflation unseren Reihen brachte, nahm von Anfang an klar und energisch für die Neutralität Stellung und bekämpfte auch die absichtliche und systematische Aussaat des Hasses, die die beiderseitige Greuelprppaganda betrieb. Natürlich hat ihr das den Vornnirf der Vaterlandslosigkeit und der Deutschfreundlichkeit eingetragen, aber sie hat damals wirklich die Masten hinter sich gehabt und war der Wortführer des Mehrheitswillens. Ueber diesen Mehrheitswillen hinweg ist das Land zum Krieg gezwunge n worden. Diese Tatsache verdient heute vor allem Beachtung, heute, wo in fast allen Ländern Europas Kräfte am Werk sind, die mit der öffentlichen Meinung der verschiedenen Staaten ein gleiches Spiel versuchen möchten. Die ungeheure Mehrheit des italienischen Volkes wollte den Krieg nicht, hatte eine lebhafte Vorstellung seiner Schrecken, weil er sich ja in nächster Nähe, unter Kulturvölkern vollzog, mit denen das Land in innigstem Kontakt lebte; man litt außerdem noch selbst unter den Wunden und Verlusten des Krieges um Tripolis. Welchen Einflüsten es gelang, die Regierung für die Sache der Entente zu gewinnen, wird man vielleicht nie erfahren. Daß sie aber seit Anfang Januar 1918 gewonnen war, steht außer Zweifel. Die Regierung wußte, daß sie das Volk gegen sich hatte. Sie benutzte also die erste Gelegenheit, um die Versammlungs« und Pressefreiheit einzuschränken, wobei ihr die Teuerungsunruhen und die Arbeitslosenkundgebungen, die durch die Unterbindung der Auswanderung und das Zurückfluten der Auswanderer hervorgerüfen waren, den willkommenen Vorwand lieferten. Gleichzeitig ließ man nun den Interventionisten freie Hand. Je näher die Entscheidung kam, um so dreister wurde diese Bande. Für die Neutralität eintretende Zeitungen wurden verwüstet, kriegsfeindliche Abgeordnete und Freunde G i o l i t- t i S wurden in Rom mißhandelt und bespuckt. Ministerpräsident war S a l a n d r a, ein Mann der Rechten, mit einer kriegsfeindlichen Kammermehrheit von Giolittianern. Es galt also nicht m i t dem Parlament, sondern gegen das Parlament zu regieren. Und während die Inter« ventionisten von oben und unten predigten, Italien müste an Seite der Entente für Demokratie und VolkScechte gegen den Absolutismus kämpfen, begann man damit» diese" beiden Güter.in einer Versenkung verschwinden zu lassen. Die Regierung — Außenminister war Sonnino— unterhandelte einstweilen noch mit beiden Seiten, wurde von Oesterreich, das die Götter mit Blindheit schlugen, durch geringfügige Zugeständnisse verärgert und ließ am 28. April 1915 von ihrem Botschafter in London den Londoner Vertrag unterzeichnen. In ihm verpflichtete sich Italien gegen Versprechungen, die zum Teil heute noch nicht verwirktlicht wurden, zum Eintritt in den Krieg. Die Klauseln dieses Vertrags, der über eine halbe Million Italiener das Leben kosten sollte, wurden der Volksvertretung erst im Jahre 1920 vorgelegt l Vergebens bemühte sich die sozialistische Partei, das Unheil zu bannen. In Rom kommt es zu interventistischen Demonstrationen, ebenso in Neapel, Bologna, Pavia, Ferrara usw. Die Deputiertenkammer wird gestürmt. Mussolini veröffentlicht in seinem Blatte einen Artikel mit der Ucberschrift:„Nieder das Parlament!" In Mailand wird die Parole ausgegeben:„Krieg oder Republik". Der Generalstreik in Turin wird niedergeworfen. Am 20. Mai bewilligt die Kammer dem Ministerium unbeschränkte Vollmacht put 407 gegen die 4 Stimmen der Sozialisten. Vier Tage später folgt die Kriegserklärung. So zusammenhanglos und unmotiviert wie die Ereignisse in dieser Aufzählung erscheinen, so haben wir sie erlebt. Ueber all dem schwebte, unheilvoll und lähmend, das Gefühl eines unent rinnbaren Fatums. Sicher waren unsichtbare Strömungen in der Tiefe richtunggebend: Intet- essenftrömungen jener Gruppen, für die der Krieg zur großen Ernte wurde. Der Sekretär der Arbeiterkammer Genuas, der jetzt gleichgeschaltete Lo- dovice C a l d a, gab im April bekannt, daß die Genueser Arbeiter keinen Generalstreik machen würden, um den Krieg zu verhindern. Genua und die anliegende Rivieren waren das Zentrum der italienischen Rüstungsindustrie. Bis zum Mai hatte man die Massen so bearbeitet, daß ein Generalstreik schon gegen fascistische Methoden angcprallt wäre. Der Untergang der„Lu- sitania" brachte die Verfechter des Friedens um die letzten Hoffnungen. Gerade weil in Italien die sozialistische Partei ihre Pflicht bis zum Acutzersten getan hat—- im Parlament, in Massenversammlungen, Straßendemonstrationen und in der Presse— ist die beinahe unblutige Ueberwältigung der Mehrheit durch eine von der Regierung(vielleicht sogar gegen den Willen des Staatsoberhauptes) manövrierte Minderheit so lehrreich und so warnend. Ohne die verfluchte Geheimdiplo m a« t i e und ohne die Lügenkampagne der Presse wäre es unmöglich gewesen, das Boll in den Krieg zu Hetzen. Was hat man den Massen nicht an Lügen vorgesetzt! Viele glaubten im Ernst, es gäbe keine andere Mternative als deutsche Sklavenketten oder Krieg. Die Massen haben sich unmündig gezeigt, insofern sie sich zuerst durch das dumpfe Gefühl der Fatalität vernebeln, dann durch den Riesenapparat der Mobilmachung in den physischen Taumel hineinreißen ließen. Unbekannte Soldaten unserer Idee haben bewußt und entschlossen ihre Gehorsamsverweigerung an der Front mit dem Leben bezahlt. Aber das Volk als Ganzes hat sich nasführen und für fremde Interessen mißbrauchen lassen. Ot« Llbrrg. Kein neuer Gedanke... Die Welt Ist sich Ober Hitler einig Paris. Die französische Presse bringt die Rede Hitlers, welche überall mit großem Interesse erwartet wurde, ausführlich. Sie anerkennt, daß die Rede geschickt abgefaßt ist, stimmt aber in der Anschauung überein, daß sie keine neuen Gedanken enthält, sondern nur die Behauptungen der deutschen Regierung bezüglich der Gleichberechtigung, ferner eine Kritik des Versailler Friedensvertrages und der bisherigen Methode der europäischen Politik betreffs der Organisierung des Friedens und hauptsächlich des französisch-russischen Paktes betreffend den gegenseitigen Beistand, -O'*"*'*""’*"■:**-y’' Washington. An amtlichen amerikanische« Stellen ist man der Ansicht, daß di« Kundgebung Hitlers im Wesen keine neuen Elemente enthält. ES wird das Bedauern darüber geäußert, daß auch nach der Rede Hitlers der Standpunkt Deutschlands unklar bleibt und daß die Rede kein konstruk» tives Programm gebracht hat. Rom. Nach der Rede Hitlers kommt in Italien allgemein die Anschauung zum Ausdruck, daß sich aus ihr kein neuer Gedanke ergibt. Der Rede Hitlers wird in Italien übrigens ein s« h r relativer W e rt beigemessen. Der seltsame Heiratsaatrag Bon Alfred Carl. Daß sich jemand in ein Frauenbild verliebte, M schon im klassischen Altertum vorgekommen W- Wenigstens wird da von einem griechischen "lldhauer berichtet, er hätte zu einer von ihm selbst lischaffenen Statue eine so unbezwingliche Nei- Ns»g gefaßt, daß er Zeus angefleht hätte, dem ^lldniz Leben einzuhauchen. Der Göttervater soll M heißen Wunsch des Künstlers sogar verständ« »lsvoll erhört haben— nun, heute kommt berochen trotz aller technischen Fortschritte wohl W mehr vor... a In unserer Zeit wäre man zum Glück auch wehr auf die zweifelhafte Hilfe des inzwischen ^thronten Herrschers im Olymp angewiesen; ^rliebt man sich heute in ein Frauenbild, ist e? Astens eine Photographie, und die setzt daS Ori- >^ol in Fleisch und Blut ja in jedem Fall vor» ?***■ Daher grassiert denn auch die von Phows Deckte Liebe, und es sollen Leute auch schon bis Afrika gefahren sein, um das Ziel ihrer Sehn- sucht leibhaftig vor sich sehen zu können... »^Dieser weite Weg blieb mir allerdings er- ?urt; denn es handelte sich bei mir um ein Pro- ^Sanda-Porträt für die Zahnpasta„Schnee- JW', und an dieser Firma war nichts amerika- außer ihrer Reklamemethode. Ich entdeckte das Bild in einer Zeüschrift. ^Men Hauptreiz soflten natürlich die regelmähi- trachtend weißen Zähne ausmachen, die den Lm Nutzen des fleißigen Gebrauches der Pasta schneeweiß" mit sinnfälliger Eindringlichkeit sollten. Daß diese Zähne von jungen, sanft Wlvungenen, wie zu leisem Lächeln geöffneten Jwt umrahmt waren, daß sie vor allem trotz fe.* blendenden Glanzes von zwei großen, feit, leuchtenden Augen überstrahlt wurden, und sich gegen eine Fülle schimmernden, blonden Haares kaum behaupten konnten, war dem Reklamechef vielleicht nicht aufgefallen,— oder vielleicht doch; die Propaganda der Firma war, wie gesagt, äußerst geschickt und zugkräftig. Ich schnitt das Bild aus und befestigte es mit einem Reißnagel über meinem Schreibtisch— es hatte mich eben auf den ersten Blick bezaubert, und ich wünschte, eS immer betrachten zu können. Nach vierzehn Tilgen hingen dort drei verschiedene Bilder nebeneinander— die Firma „Schneeweiß" veröffentlichte das Porträt meiner Unbekannten wöchentlich in anderer Stellung und Beleuchtung, en face, im Profil, im Halbprofil. Auf Reklame verstanden sich die Leute eben, sie wußten genau, was sie taten... Nach einer weiteren Woche kam ein viertes Bild hinzu— diesmal war meine schöne Unbekannte wieder von vorn ausgenommen, mit leicht geneigtem Kopf, und diesmal sah ich die Zähne eigentlich überhaupt nicht mehr, sondern nur noch die seltsamen großen Augen, die mit einer leisen Schalkhaftigkeit zu lächeln wußten... Ich brauche jetzt wohl nicht mehr zu verraten, daß ich in diesen Wochen oft Stunden vor diesen Bildern verbracht hatte; also wird auch mein Entschluß nicht wundernehmen, das fünfte Photo nicht mehr abzuwarten. Es erging mir ähnlich wie dem griechischen Bildhauer: meine Sehnsucht hatte so übermächtig Gewalt über mich gewonnen, daß mir der Anblick der Bilder aflein, so sehr ich ihn auch suchte, längst nicht mehr genug geben konnte. Ich wollte mehr, viel mehr, ich war sogar entschlossen, meine Freiheit aufzugeben,— der Bildhauer hatte das, glaube ich, nicht getan... Natürlich wandte ich mich nicht an Zeus, sondern an die Firma„Schneeweiß" und fragte höflich an, ob man mir liebenswürdigerweise die Adresse mftteilen wollte. Als Antwort erhielt ich eine Gratisprobe der Zahnpasta mft em paar verbindlichen Zeilen der Weigerung. Die Firma„Schneeweiß" sollte kein Hindernis auf dem Weg zu meinem ersehnten Lebensziel sein. Nachdem ich auch telephonisch mit den Leuten nicht weitergekommen war, wandte ich mich einfach an einen Detektiv. „Kleinigkeit!" meinte der Mann— und vierundzwanzig, Stunden später hätte ich die Adresse in Händen. Wie er das gemacht hatte, verriet mir der Mann nicht. Nun, dafür war' er schließlich Detektiv— es mußte sich übrigens, nach seiner Forderung zu schließen, um äußerst umständliche schwierige Ermittlungsmethoden handeln. Daß meine schöne Unbekannte den simplen Namen Meier führte, war im Vergleich zu ihren bezaubernden Augen für mich natürlich so unwichtig, wie nur irgend etwas in der Welt. Noch am gleichen Tag sandte ich einen Brief an Fräulein Meier ab. Nach sorgfältiger lieber« legung hatte ich mich für rückhaltlose Offenheit entschlossen. Ich schilderte ihr die seltsame Entstehung meiner Liebe, legte meine Verhältnisse dar, die durchaus erfreulich sind— ich nahm an, meü« Angebetete würde wohl nicht allzu begütert sein, wenn sie ihr Bild für Propagandazwecke zur Ver, fügung stellte. Natürlich verfehlte ich auch nicht, um Verständnis für meinen seltsamen Heiratsantrag zu bftten und machte auch kein Hehl aus meiner Hoffnung, bei ihr, der Unbekannten, dies Verständnis zu finden. Das schalkhafte Lächeln ihrer Augen ließ mich vermuten, daß sie ein wenig Sinn für das mitunter absonderliche Zufallsspiel der Liebe besäße. Alles übrige wollte ich vertrauens« voll der persönlichen Bekanntschaft iiberlassen, und so bäte ich sie denn recht inständig recht bald um ein Lebenszeichen... Rach zwei Tagen sehnsüchtigen Wartens— ich verbrachte meine ganze Freizeit vor den Bildern über meinem Schreibtisch— erhielt ich einen Brief, dessen Umschlag den Aufdruck der Firma „Schneeweiß" zeigte. Begreiflicherweise öffnete ich ihn erst nach einem Zögern und nicht ohne Unbehagen. Das Schreiben trug den Vermerk„Direktion" und enthielt in der knappen und sachlichen Schreibweise eines Geschäftsbriefes folgende Zeilen: „Sehr geehrter Herr! ES freut mich, daß Ihnen da? Bild meiner Frau gefallen hat; außerdem fühle ich es Ihnen nach. Leider kann Ihrem Wunsch, wie aus dem Vorstehenden ja hervorgeht, jedoch picht entsprochen werden.(I) Dagegen zeigt mir Ihr Vorgehen, daß Sie offenbar gute Ideen haben. Solche Leute kann ich brauchen; ich beabsichtige, mein Propagandabureau zu vergrößern und suche geeignete Kräfte. Ich bitte Sie also, sich baldigst bei mir vorzustellen.* Hochachtungsvoll Meier, Direktor." Ich habe mich natürlich nicht bei Herrn Meier vorgestellt. Schon deshalb nicht, weil seine Reklamemethoden mir denn doch zu unbekümmert amerikanisch waren und ich mich mit seinen guten Ideen durchaus nicht befreunden konnte. Die Bilder verstaute ich zuunterst in einem Schreibtischfach— sie zu verbrennen, konnte ich mich doch nicht entschließen. Den Detektiv habe ich auf Rückzahlung eines Teiles seiner Forderung verklagt, ich bin damit auch durchgekommen. Der Mann spielte sich zwar als Menschenfreund auf und behauptete, er hätte nur die Adresse, nicht den Familienstand auSkund« schäften sollen, und es wäre nicht seines Amtes gewesen, mir vorher eine Enttäuschung zu bereiten; in Erfahrung gebracht hätte er natürlich alles, er sei em erstklassiger Detektiv. Der Richter zeigte für diese Fiirsorge jedoch kein Verständnis, und so war dieser Prozeß daS einzige, was ich bei meinem seltsamen HeiratSäntrag gewann... Seite 6 „Sozialdemokrat" Freika-, 24. Mai 1035. Nr. 12f als Senat N osek des I Weltkurort Franzensbad Kunst und Wissen Dminsnacftdcftlen Bildungsverein deutscher Arbeiter schwachen Filterschutz nnd Rothaa- den werden nnd wehe, wenn bei einem solch unvor- tritt, zögere man nicht, den Arzt zu rufen, a(f sichtigen Menschen diese nicht in Ordnung sind und gebe man dann nicht etwa innerlich AspirinL- streiken. Diese Abbauvrodukte bedingen das Fieber. I das Fieber und schwäche das Herz. stam- Jahre Die eingeleitete Unter- Unhaltbarkeit der schon unmöglich erscheinenden Nur ganz langsame Skkigerung in der Sonnendosierung kann eine gewisse Bränung erzeugen, zu- nieist aber bleibt es bei einem bräunlichen Rot, das nicht von Bestand ist. Ter pigmentarme Typus baut das Pigment auch rascher wieder ab. als der pigmentreiche. Der pigmeitarme Typus leidet also immer wieder neu, wenn er sich forciert der Sonne aussetzt, indes der andere dadurch nur sein Filter stärken kann. Nicht-daß er bei einer allzustarken Dosierung auch seine Haut einmal in Fetzen abstößt, aber die seine bleibt darunter braun, indes di^ des Blondtypus rot und dann wieder weiß wird. Wer im Gebirge Touristen beobachtet hat, kennt diese Erscheinung, die man Gletscherbrand nennt. Hätte der Mann sich die Verbrennung statt an der Moldau in den Alpen geholt, wäre er vielleicht tot bei derselben Sonnendosierung. Denn im Gwirge wirken die Ultrastrahlen noch weit intensiver. Der pigmentarme Typus läßt also schutzlos dir Ultrastrahlen bis tief unter die Haut in den Körper eindringen und dort richten sie Verheerungen an, welche sich erst nach vielen Stunden, zumeist erst in der Nacht, in einer schweren reaktiven Entzündung zeigen, bei der bei tiefgehender Zerstörung Brandblasen entstehen und mindestens immer die oberste Hautkchicht sich abschält. Parallel damit geht ein hochgradiger Eiweißzerfall, der zu Stoffwechselgtt- ten führt. Diese muffen durch die Nieren ausgeschie- Legitimotwnen für die Landeswahlen beheben! Die Wähler werden darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Tage die Kandidatenlisten und di« Legitimationen für die Wahlen in die Landesvertretung zugestellt wurden. Die Wähler, denen aus was für immer einem Grunde die Listen nicht eingehändigt wurden, mögen sich dieselben persönlich beheben, und zwar für die Bezirke Prag l bis VI im Wählerkataster im Rathaus am Altstädter Ring und für die übrigen Bezirke von VH bis XIX in den betreffenden Magistratsämtern in den Amtsstunden von 8 bis 16 Uhr. Der Wähler muß sich mit einem Identitätsnachweis ausweisen,(Heimatschein, Taufschein, Bürgerlegitimation etc.) Beim Aufladcn erschlagen. Gestern nachmittags lud auf dem Nusler Bahnhof der 34jährige Arbeiter Frant. Stemberk aus Michle Holzklötze auf einen Wagen. Hiebei geriet das Holz plötzlich ins Rutschen und etwa zehn Klötze fielen auf Stemberk, der ohnmächtig zusammenstürzte. Er wurde sofort ins allgemeine Krankenhaus gebracht, wo er knapp nach seiner Ankunft feinen Verletzungen erlag. Di« Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Mediziy geschafft. Zwei Balkondiebe verhaftet. Gestern gelang eS, den 24jährigen Arbeiter Josef Zäk auS Aizkov und den 23jährigen arbeitslosen Kellner Josef Hanka auS Wysotschan zu verhaften, die in der letzten Zeit in zahlreichen Fällen auf BaIkonen zum Trocknen aufgehängte Wäschestücke u. dgl. entwendet hatten. Die gestohlenen Gegenstände wurden bei verschiedenen Hehlern beschlagnahmt und den Geschädigten zurückgestellt. Der auf K<° 20.000.— bezifferte Schade ist damit gut gemacht. UebrigenS wurden mehr Sachen beschlagnahmt, als der Polizei als gestohlen gemeldet wurden. Die beiden sind geständig. Der millionste Besucher des Technischen Museums. Am 22. d. M. besuchte die Sammlungen des Esl. Technischen Museums in Prag IV., Hrad- oanske nämesti, der 999.000 Besucher. In den Tagen wird im Museum der millionste Besucher erwartet, der einen Fünflampen-Superhet-Radioapparat mit dynamischem Lautsprecher erhält. Das Museum ist täglich mit Ausnahme an Montagen von 10 bis 17 Uhr zugänglich. nm seinen polizeilichen Feind ausfindig zu machen. Das gelang ihm denn auch. Als er den Wachmann Cisar zu Gesicht bekam, stürzte er sich auf ihn, packte ihn beim Kragen und versuchte, mit der anderen Hand sein Messer aus der Tasche zu holen, mit den Worten:„Dich such' ich, du Halunke I Du hast mir das Leben sauer gemacht I Fetzt bring ich dich um! Deshalb hab' ich mich so besoffen, damit mir nichls passieren kann..." Die Bereitschaft hatte ziemliche Arbeit, ehe sie den rachsüchtigen Betrunkenen bändigen konnte.. Da er zur Zeit des Exzesses noch nicht in den Militärstand übernommen war, kam Elznic nicht vor das Militärgericht, sondern vor den Strafsenat N o s e k des Straffreisgerichtes unter Anffage der ö f f e n t- lichen Gewalttätigkeit und erhielt seine erste Strafe: fünf Monate schweren und verschärften Kerkers. rb. Mitteilungen aus dem Publikum. Wie„neugeboren" fühlt man sich nach einer leichten Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein. Regelmäßige Massagen mit Alpa machen den Körper widerstandsfähig, erfrischen bei Ermüdung, reinigen die Hautoberfläche und regen den Blutkreislauf an. i Dann aber trank er weiter und hatte bald den Rest seines Vermögens vertxunken. In dieser Situation stieg es ihm zu Köpf, die zugunsten seiner Kinder gemachte Verschreibung.rückgängig zu machen, um wieder zu Geld zu kommen. Er wählte einen ebenso unmöglichen als verwerflichen Weg, indem er seine gewesene Frau mit vor- gehaltenem Revolver zu bestinunen suchte, beim Widerruf dieser Verschreibung behilflich zu sein. Damals erhielt er wegen gewalttätiger Erpressung drei Monate Kerker, wobei das Gericht nur mit Rücksicht auf seine herabgeminderte Zurechnungsfähigkeit bedingten Strafaufschub gewährte. Coröek trank weiter und in seinem Hirn begann sich die fixe Idee einzunisten, daß nicht seine Trunksucht, sondern die Gerichtsbehörden an seinem Untergang schuld seien. Diese fixe Idee führte zu einer, phantastischen Tat. In einer Eingabe an die PragerOber- staatsanwaltschaft bezichtigte Corcek den Turnauer Gerichtsrat Dr. Belohradskh, vor dem seinerzeit sein Scheidungsprozeß verhandelt worden war, des Betruges, der mißbrauchten Amtsgewalt, der Erpressung und der öffentlichen Gewalttätigkeit. In diesem Schriftsatz, der in seinen Ausführungen alle Merkmale des Ouerulantenwahns aufweist, wurde Dr. Belohradskh beschuldigt, für Geld ungerecht gegen Coröek entschieden, Protokolle gefälscht und ihn unter Drohungen zu der erwähnten Verschreibung genöttgt zu haben,•— suchung ergab die absolute auf den ersten Blick ganz Beschuldigungen. Coröek war vor dem Verbrechens der fälschlichen Bezichtigung angeklagt. Die Gerichtspsychiater hatten ihn als psychopathischen Querulanten erklärt, gleich- zettig aber ausgesprochen, daß seine fixe Idee nicht solcher Art sei, daß sie seine Verantwortlichkeit ausschließe. Der Angeklagte wurde demnach zu fünf Monaten schweren und verschärften Kerkers verurteilt, u. zw. unbedingt. dellt Frauen-, Herz-, Stoffwechselkrankheiten, Gicht Rheuma, Psoriasis, Fettsucht. Billig« Pauschalkuren. Billige Pauschalkuren für den pigmeniarmen Typus eine Katastrophe, wenn er glaubt, daß er durch Sonnenbäder dieselbe Bräunung erreichen könne, wie ein pigmeitteicher Kollege. Er wird sich bei derselben Sonnendosis unbedingt eine schwere Verbrennung zuziehen, die den andern eine Nüance dunkler färbt. Carl Brisson im Film„Von Abend bis Mitternacht" Leistungsprüfungen. Genossen und Genossinnen! Beteiligt Euch alle an dem am Samstag, dem 25. Mai, stattfindenden leichtathletischen Meeting auf oer Hetzinsel. Ausgeschrieben sind: Fünfkampf der Sportler und Dreikampf der Sportlerinnen. Beginn um 4 Uhr nachmittags. Gäste herzlichst willkommen! Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Tpiclplan des Neuen Deutschen Theater-/ Heut« Freitag halb 8 Uhr abends: Dautons T o d, D 1.— Samstag halb 8:Servus, Servus! A 1.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8 Uhr abends: Die Zuckerbäk- kerin, KulturverbandSfteunde und freier Verkauf. — Samstag 8 Uhr: Meine Cousine aus Warschau. graphendirektio» mit Erlaß Nr- 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags» und Zeitungs-A.-G.. Prag. mit Anzeigen helBt der inserierenden Konkurrent n elfen keit der Filterbildung vermag, die Tiefenwirkungen der ultravioletten Strahlen zu reduzieren. Dies hängt nun von der Möglichkeit ab. unter dem Einfluß der Sonnenstrahlen Pigment zu bilden, d. h. einen Farbstoff, dem die Eigentümlichkeit innewoyur, die Wirkung der Strahlen nicht über die Lederhaut hinausgehen zu lassen. Wir können also die Menschen in zwei grundsätzliche Typen einteilen: Pigmenttypen und pigmenr- arme Typen. Der Pigmentthp hat die Möglichkeit der Bildung des Pigmentfilters durch Färbung, dec pigmentarme wird nie über ein bescheidenes Maximum hinauskommen, das ihm wenig Schutz gewährt, der pigmentlose, Albino, sogar es nie erreichen. Es ist bisher von der Wissenschaft noch nicht ermittelt worden, wo sich im Körper die Regulierungsstation für die Pigmenchildung befindet. Gibt es doch Menschen, welche zwischen den Typen stehen und bei der geringsten Sonnerchestrahlung eine unregelmäßig, fleckige Pigmenttsierung(Sommersprossen) besitzen, bei welchen also eine partielle Unfähigkeit besteht, daS Sonnenfilter ganz gleichmäßig auszubilden. Der blonde, blauäugige, also nordische Typ besitzt allgemein einen sehr*” rige stehen dem Albino darin noch näher als dem Blondtvpus. ES ist nun Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Matze in der „Freien Gemeinde Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. »Dich bring ich um.. Deshalb hab ich mich besoffen!" Ein Diev, der«IS„Militärkamerad" mit eine« Polizisten abrechnen wollte Prag. Her 30jahrige Franz Elznic ist Äe- rufsdieb. Keiner von den großen. Seine sechzehn Vorstrafen betreffen durchwegs nur Uebertretungen des Diebstahls, also Bagatellsachen. Freilich aber war Elznic bei der Polizei eine äußerst bekannte Persönlichk-ft und regelmäßig war es der Oberwachmann Rudolf C i s a r, der Elznic Hoppzunehmen oder bei chm Haussuchungen zu halten hatte. Elznic war auf diesen Polizisten sehr schlecht zu sprechei und hätte g-rn einmal mit ihm nach seiner Akt abgerechnet. Unvermutet bot sich ihm Gelegenheit. Am 9. August v. I. mußte Elznic zur Waffe n ü b u n.g in die Wrschowitzer Kaserne einrücken. Ehe er sich bei der Präsentierungskommission meldete, feierte er seinen Dienstantritt in einem Gasthaus gegenüber der Kaserne. Er befand sich dort unter guten Kameraden und Berufskollegen. In dieser Gesellschaft erfuhr er, daß sein Freund, der Oberwachmann Cisat, gleichfallSzurWaf« fen Übung eingezogen sei und mit ihm in der gleichen Kaserne dienen werde. Elznic freute sich herzlich, daß er sich den verhaßten Polizisten einmal als „Kamerad" ordentlich vornehmen könne und betrank sich aus diesem Anlaß gründlich, was seinen Rachedurst aufs äußerste anfachte. Schließlich torkelte er in hitzigster Laune in.die Kasern« hinüber. Nicht um sich vorschriftsmäßig bei der Präsentterungskommission zu melden, sondern Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in- SmiS oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig K4 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuffripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Die Tragödie eines Alkoholikers Existenz zerstört— Familie vernichtet— halbirrer Querulant ins Gefängnis. Prag. Der aus der Turnauer Gegend mende Drechfler Josef C o r ö e k, heute 45 alt, hatte ein gutgehendes Gewerbe und lebte in glücklichen Familienverhältnissen. Plötzlich aber— niemand weiß, wie es eigentlich kam— begann der biS dahin mäßige und solide Mann sich dem Trunk zu ergeben. Sein Geschäft verfiel, sein Familienleben fiel der Zerrüttung anheim und schließlich wurde die Ehe aus seinem Verschulden geschieden und getrennt. Er mochte sich damals seiner Schuld bewußt gewesen sein, denn er verschrieb einen Teil seiner Besitzes seinen Kindern, die freilich nicht ihm, sondern seiner Frau zugesprochen worden waren. Sonnenbrand Sonnenverbrannt zu sein ist eilte Modekrankheit oder wenigstens eine Mode. Das Opfer, womit vielfach die tropische Färbung erkämpft oder nie erreicht wird, wird oft in vollkommener Verkennung der Tatsache gebracht, daß es niemals allen Menschen möglich ist, dasselbe Maß von Bräunung zu erreichen, das der bestaunte Nächste besitzt. Wohl ist das Quantitativ der Sonne gleichmäßig, aber der Mensch ist ein X in der Gleichung und deshalb wirft das Sonnenquantum vollkommen verschieden auf zwei verschiedene Menschen. Der eine wird braun w'.e ein Zulukaffer, der andere trägt schwere Verbren- inungen mit Fiebererscheinungen und mitunter schweren Nachkrankheiten davon. Es ist beim Sonnenbrand nicht die Hitze, allo die Wärmestrahlen, welche die Schädigungen setzen, sondern die ultravioletten Strahlen, welche in den Körper eindringen. Sie stehen in ihrer Wirkungsintensität zwischen den reinen roten Wärmestrahler und den Kathodenstrahlen und dem Radium. Verbrennungen mit den beiden letzter Strahlen treten oft erst nach Wochen, Monaten und Jahren auf— immer und immer wieder verlieren die Röntgenologen nach jahrelanger Tätigkeit Finger und Hände —, indes die Inkubationszeit(Entwicklungszeit) bet ultravioletten Strahlen sich nur auf Stunden erstreckt. und auch ihre Tiefenwirkung eine geringere ist. Für den Menschen ist eS nun grundsätzlich von Bedeutung, wie weit sein Körper durch die Möglich- EiAladung zu der am Freitag, dem 31. d. M„ um halb 8 Uhr abends im Vereinshaus stättfindenden Generalversammlung Tagesordnung: Protokoll der letzten Generalversammlung. Berichte. Eventuelle Anträge. Nachwahlen in den Vorstand. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages. Wünsche und Anfragen. Anträge sind bis zum 20. d. M. schriftlich im Vereinsheim einzubringen. Blamen-ZauberduRl begießen, wenn sie schön blühen sollt* 1 1 Paket Kc 5'60 durch die Verwaltung „Frauenwelt", Prag XII., Fochova tf.$ und bei allen Kolporteuren erhält!! 6* 1 Urania-Kino, KlimentsliH Fernsprecher 616**: Ab Freitag: „Schloß Hubertus" Wundervoller Kilm nach Ganabofer. Es sind also nicht die ultraviolette» Strahlen, h, dern die durch sie bedingten Zerstörungen, JnM Krankheitscrscheinungen auslösen, Fieber mach^ Salben gewähren wiederum keinen Schutz, sie das Pigment nicht zu ersetzen vermögen, austz**q die chininhaltigen sind di« Akten nicht geschloss^^, vermögen höchstens die Haut etwas widerstand^,,., ger gegen den Zerfall zu machen. Weit wir'l^s, sind immer wieder erneuerte kalte Kompressen, sie Reaktion verlangsamen können und die zeitige Anwendung eines harntreibenden Tees starker Verdünnung, d. h. eine Verstärkung del^^ renausscheidung, eventuell ein lauwarmes Tan«n^ Wie bei den übrigen Verbrennungen kann eintreten, wenn mehr als ein Drittel der®(,< oberfläche verbrannt ist, d. h. die HautatMlE.^, stickt wird. Aus diesem Grunde ist es auch nutz* rationell, größere Körperflächen mit Salben s" decken und dadurch die Hautatmung zu beeintts*^ gen. Es ist eine harte Strafe für Unvorsich^x« und Eiteffeit, einen schweren Sonnenbrand j halten. Ist die reaktive Entzündung jedoch etwas*j(, klungen, so kann man mit Salben die Ablösung nekrotischen Haut beschleunigen. Insbesondere yi eignet ist eine salizylhaltige Zinksalbe, weil‘ lC^ Schälungsprozeß b'schleunigt. Und dann lasse die Dummheit bei dem einen Lehrgeld bewend? Wo hohes Fieber, 39 Grad und darüber .,... I a-.