Sonntag, 26. Mai 1935 Nr. 123 15. Iahrgang IlutWm 70 Hiller (•inMhliHlicb S Hellar Port«) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLICH FRÜH. Redaktion und vstWALTUNO PRAG xil. fochova a. Telefon bot. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Weitere 5000Arbeitslose erhalten Beschäftigung Bisher 217.000 Personen in der produktiven Arbeitslosenunterstützung Das Ministerium für soziale Fürsorge hat err Eliaschek erwiderte nichts, lächelte nur verächtlich. DaS beleidigte Beinsteller von neuem. Er wollte dem jungen Mann etwas recht Saftiges erwidern, als Herr Fleckchen daS Wort ergriff:„Keine Angst, Herr Eliaschek. Beinsteller wird Ihnen auch nicht das Leben vergällen. Er ist ein alter, braver Junge. Nur ein wenig dumm." Beinsteller riß die Augen auf. Unerhört! Ihn, den alten Fuchs Beinsteller, demüttgte man vor so einem grünen Jungen! Wäre Herr Fleckchen nicht Aufseher, müßte Beinsteller vor Wut platzen. Aber Beinsteller war, wie alle alten Kriminalritter, immer zuvorkommend gegen weltliche Autoritäten. Jetzt war er von niemandem so abhängig wie von Herrn Fleckchen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als devot zu lächeln, worauf Herr Fleckchen auch mit einem Lächeln erwiderte. Nur der Bub auf der Pritsche geruhte nicht zu lächeln. „Und jetzt könnte ich da» Mittagessen holen," meinte Herr Fleckchen und ging, da man ihm nicht widersprach. Als er gegangen war, herrschte wieder starre Stille. Der junge Dieb Eliaschek tat daS gleiche, was er vorher getan hatte. Er rauchte, ohne sich um Beinsteller zu kümmern, und Beinsteller überlegte, ob er Krieg oder Waffensttllstand erklären sollte. Vielleicht ist der Bub gar kein Scheusal, dachte er schließlich boller Gutmütigkeit— vielleicht kann ein guter Kamerad auS ihm werden. Wahrscheinlich weih er gar nicht, wer ich bin, und wird gleich anders sein, bis er e» erfährt. Er setzte daher eine freundliche Miene auf und sagte:„Da wäre ich also wieder." Anstand hätte erfordert, daß Eliaschek sagte: Schon willkommen, wieviel hast du bekommen? Servasl Oder ein« ähnliche Begrüßung. Auch härte er Beinsteller die Hand schütteln können. Eventuell freundschaftlich aurspuckcn. Eliaschek tat weder das eine noch das andre. Er rekelte sich nur und legte das rechte Bein über das linke, Das brachte Beinstellcr auf. »Ich sage: da wär' ich also wieder." Eliaschek erwiderte wieder nichts, als wäre er taubstumm. Er baumelte mit den Beinen und rauchte. Da drehte sich Beinsteller zum erstenmal ihm zu und wollte ihm einige vernichtende Worte in» ' Gesicht schleudern, um Klarheü in die Sftuation zu bringen. Bevor er aber den Mund auftat, fiel ihm eine erschütternde Tatsache auf. Der Bengel trug nicht einmal die Gefangenenuniform, hatte auch nicht Zivftlleider an. Er wälzte sich in einem schönen halbseidenen Pyjama, dieser neuzeitlichen Erfindung, die Beinsteller heute zum erstenmal in seinem Leben erblickte. Sakrament, das ist ein merkwürdiges Kriminal, dachte er. Betrübt fühlte er, daß etwas einzustürzen drohte. Ein halbseidenes Pyjama im Kriminal! Ein junger Lausbub! Also auch in daS Gebäude dieser ehrwürdigen Institution, die so alt ist wie die menschliche Gesellschaft, drängte die neue Zeit, von der Beinsteller nur eine Erfindung billigte und liebte: die Elektrische. Mit einem Schlag wurde ihm klar, daß es nicht bei dem Pyjama bewendet blieb, daß mit diesem Kleidungsstück die unverschämteste moderne Geldkorruption im Gefängnis Einlaß gefunden hat. Er ahnte, daß dieser Eliaschek mit dem Aufseher tat, was er wollte, und daß das alte»kriminal, welches im Laufe der Jahrhunderte erstanden war, einzustürzen drohte. Beinsteller war traurig zumute. Das alte Kriminal! Die bärbeißigen Aufseher, die alles taten, damit dann die Freiheit gut schmecke. Das strenge Regime, diese Schule der Selbstdisziplin! Die abendlichen Plauderstunden l Alles, was die Poesie des Gefängnisse» schuf, die angenehme Atmosphäre, die bewirkte, daß man sich in der Freiheit nach dem Gefängnis sehnte. Das alles war vorüber! Statt grober Hemden und Unterhosen— ein halbseidenes Pyjama. Statt eines Kameraden, der einen ungeduldig erwartet, mit tausend Neuigkeiten geladen ist, die er hervorsprudeln will— der verschlossene Eliaschek. Statt des strengen Schutzengels mit dem Schlüsselbund — der joviale Herr Fleckchen, der wie ein Re- staurationSkellner die Befehle- des Gefangenen entgegennahm... Unwillkürlich sagte Beinsteller zum drittenmal:„Da wär' ich also wieder..." Diesmal aber klang er wie eine Frage und eine Anklage. Seltsamerweise aber übte eS auf Eliaschek diesmal eine Wirkung aus. Er fing zu singen an und hob die Beine ganz unanständig in die Höhe: BiS ich bin'ne starre Leich', rufet Gott auS seinem Reich, bist ein OchS, ich wußt' es gleich, deshalb bist du eine Leich'. Schluß! Beinsteller wußte dennoch, daß dieses die Antwort auf seine drei Anregen war. Sonderbare Antwort!... Er senkte den Kopf und wurde noch melancholischer. Er stand wie ein Verstoßener nächst dem Tisch; auf die Pritsche konnte er sich nicht setzen, denn der ehrenwerte Herr Eliaschek im halbseidenen Pyjama hatte st« mit Beschlag belegt. ES vergingen Minuten. Endlich wurde der ehrenwerte Herr wieder lebendig. Er streckte Beinsteller sogar die Hand entgegen, hieü«S aber für überflüssig,-die Bewegung mit einem Blick zu begleiten. Lässig sagte er:„Gib mir auch Zigaretten, du Fatzke." Jetzt aber riß Beinsteller die Geduld. Fatzke! Der Bub nannte ihn Fatzke! Eine Frechheit, die einen verrückt machen konnte. DaS war die Art der jungen Diebsgeneration, dieser Burschen, die, auS dem Weltkrieg heimgekehrt, nicht Diebe, sondern Verbrecher waren und weder für das Alter noch für Verdienste den gehörigen Respeft besaßen. Beinsteller hatte niemals ein Verbrechen begangen, eine Handlung, deren er sich vor seinem Gewissen schämen mutzte. Er hatte nie einen Armen bestohlen, war niemals roh gewesen, hatte niemanden verwundet, schon gar nicht getötet. Diese Jungen dagegen nahmen unaufhörlich bei Reichen und Armen, stahlen unausgesetzt, stahlen alles, denn sie brauchten viel für das Lotterleben, da» sie mft anspruchsvollen Mädeln in unsinniger Verschwendung führten. Sie bestahlen eine arme Hausmeisterin, um in Sportdretz per Auto nach Karlsbad zu fahren. Diebstahl war für sie weder eine Kunst noch ein geordnetes Gewerbe. ES war ein Kolben, mit dem sie sich durchs Leben schlugen. .(Fortsetzung folgt.), Nr. 123 Sonntag, 26. Mai 1935 Seite 3 IDiederaulbau dec liianildien Hrbeilecbeniegung Madrid. Die spanische Regierung hat mit der Erteilung der Bewilligungen für die allmähliche Wiedereröffnung der Zentralen der sozialistischen Arbcitersyudikate begonnen, die nach dem Aufstand im Oktober v. I. behördlich geschlossen worden sind. * Madrid. Die Regierung beschloß, nach und nach die Eröffnung der sozialistischen und gewerkschaftlichen Zentralen zu bewilligen, die nach den vorjährigen Oktober-Ereignissen amtlich geschlossen worden waren. Heute wurden in Sevilla und in Huelva die Volkshäuser der sozialistischen Zentralen geöffnet. DaS Volkshaus in Madrid wurde noch nicht geöffnet. ftadt; es gibt nicht viele Arbeiter dort. Früher hatte die Stadt eine große katholisch-politische Mehrheit. Ihr Bürgermeister war, von etwa 1920 bis 1927 der einzige Zentrumsabgeordnete des sächsischen Landtages nach dem Kriege. Das war nun bei der letzten sogenannten »Volksabstimmung" in Hitler-Deutschland am 19. August 1934, daß die Bürger von Schirgiswalde dafür sorgten, daß die Zahl der Nein-Sager in ihren Mauern die relativ höchste wurde, die je in Deutschland, selbst in den ausgesprochenen Arbei- tcrbezirken Berlins oder Hamburgs, je erreicht wurde. Ziemlich 33 Prozent der gesamten Schir« giswalder Bürgerschaft brachten damals ihren Protest gegen die Hitlevei in aller Form zum Ausdruck, obschon jeder unmittelbar mit dem Konzentrationslager bedroht war, der dies tat. Das nämlich um so mehr, als es sich eben um leicht kontrollierbare, durchaus kleinstädtische Verhältnisse handelte. Anders ausgedrückt: wäre in allen formen deS Rechts und der Demokratie damals in Deutschland abgestimmt worden, wie die Sudeten- brutschen es in ihrer Republik am letzten Sonntag tun durften, dann hätte— mit Sicherheit lässt sich daS angesichts der unter solchen Verhältnisse» zustanbegckommenen Protestabstimmung sagen— bas braune System keine zehn Prozent Schirgis- waldener Sympathien durch Votum erhalten! - Aber— daS ist es ja eben: Die Bürger von Schirgiswalde kennen das Dritte Reich nicht nur aus den Hymnen der Henlein-„Rundschau" über deutsche„Volksgemeinschaft"... Wie diese prak, tisch sich unter den braunen Usurpatoren bewährt, das erfuhren sie in anderthalb Jahren ja jeden Dag und jede Stunde am eignen Leib und an der eignen Seele. Aber da sie nun einmal, vor erst drei Generationen, Sudesendeutsche waren,, in einer anderen Lebensauffassung und in einem ans deren Weltgefühl sich wohl fühlend» als es die preußische Mentalität verheerend über ganz Deutschland einschließlich Sachsens gebracht hat, N> finden sie sich eben unter der Hitler-Knute noch diel, viel unglücklicher als die allermeisten ande- ten Deutschen. L Das ist die kleine Lehre von Schirgiswalde! Sie ward übrigens auch noch an anderen Orten der sächsischen Oberlausitz, so in der Gegend von Sstritz bei Zittau, wo ähnliche geschichtliche und bolkspsychologische Faktoren wie dort wirksam sind, dri jeder Gelegenheit registriert. Was mögen sich die braven Schirgiswalder Bürger eigentlich gedacht haben, als sie am Sonntag abend hörten, wie die Rumburger, die GeorgSwaldcr, die Schluk- wnauer, die Leute aus Reichenberg, aus Bodenbach, Aussig und Leipa, mit denen sie doch noch vor geschichtlich so kurzer Zeit eins waren und unter denen sie alle ihre Vettern und Basen noch haben, berrückt und ängstlich gemacht durch den Spektakel politisch und geistig unzulänglicher Knaben, sich wnerlich entschieden hatten in ihrer überwiegenden »Mehrheit, die aus einem simplen Turnlehrer justament einen deutschen Conquistadore und Polkshelden machen will?!... F. E. R o t h. - „VolksgemeinschaRswahlen“ Eine Genossin schreibt uns: Plakate. Flugzettel, Propaganda, nichts als Propaganda! Die schönsten Versprechungen lok- !cn. Doch der Arbeiter führt einen harten LebenS- btmpf voll bitterer Enttäuschungen. Er ist schon durch die Versprechungen der Besitzenden verlockt— und betrogen worden! Auf diesen Leim «r nicht mehr so leicht. Da geht der Fabrikant heute am Tage vor der Wahl mit einem leutseligen Lächeln durch den Betrieb. Mit jedem sülzelnen Arbeiter spricht er.„Not, gemeinsame «bwehr der Uebel, Kamerad— für die ärmsten Ane des Volkes"— das sind die Worte, die im Gespräch immer wiederkehren. Jeder Arbeiter hört an diesem Morgen, er sieht ein ungewöhnlich Rundliches Gesicht— und zum Schluß kommt gar M) ein Händedruck— Kamerad I k„Wie Hot er das heite gesot?" meinte der Seibt Nachhauseweg,„daß mer eigentlich alle d'e Reichen Sorgen hon, olle Komoroden sein und oll- Wchalten müssen. Jo, jo, er Hot ja rächt, ei dr Öligkeit Hots bis jetzt immer gefühlt. Ar iS dock " Wit verständiger Mon." Und da- Herz der bttnen Arbeiter schlägt höher beim Gedanken an -ttn Händedruck! Am nächsten Morgen schieben schwielige Arbeiterhände Liste 12 in den blauen Uschlag. KPC für Landesverteidigung Neue Weisung aus Moskau— Zum erstenmal In der Geschichte: Unterstützung der Regierung Im Kampf gegen den Fasclsmus Die außerordentlich aktive Rolle, die MoSkau in letzter Zeit in der europäischen Außenpolitik spielt, mußte notwendig zu einer Anpassung der politischen Taktik der verschiedenen Sektionen der Dritten Internationale an diese außenpolitische Linie deS Kreml führen. Wir haben wiederholt auf die augenscheinliche Sinnlosigkeit hingewiesen, daß etwa die kommunistische Partei in der Tschechoslowakei in blinder Befolgung der„Linie" von vorgestern die Parole auSgibt:„Kein Mann und kein Heller für die Armee!", während gleichzeittg die Sowjetunion mit der Tschechoftowakei und ihren Verbündeten militärische Beistandspakte abschließt. Während dir kommunistische Partei Frankreichs schon vor einiger Zeit aus Moskau die entsprechende Weisung erhalten und dementsprechend ihre innerpolitische Taktik umgestcllt hatte, sind diese Weisungen— wenn auch etwaS verspätet— nun auch an die KP unserer Republik gelaugt. Die Grundlinie der kommunistischen innerpolitischen Taktik wurde Freitag abendS in einer Versammlung, die die KP in die Lueerna einberufen batte, verkündet. Der neugewählt« Abgeord- netr S v e r m a erklärt«, man''müsse sich auf zwei Arten der Bekämpfung des Fasrismus in Deutschland einstellen. Die eine dir deS revolutionären, illegal vorbereiteten KlassenkampfeS in Deutschland selbst — die andere aber komme in Frage, wenn eS sich darum handle, im Falle eine- Krieges dem FafriSmuS in Deutschland mit Waffengewalt rnt- gegenzutteten. Die tschechoslowakischen Kommunisten werden, wenn die tschechoslowakische Arme« gegen den deutschen Imperialismus kämpfe, diesen Kampf unterstützen und sürdie Armer eintreten. Weiter erklärte der Redner, daß die KP für dir Erhaltung der Selbständigkeit deS tschechoslowakischen Staate- fei und bereit sei, die sozialistischen Parteien in der Regierung bei allen £?KS3BanmmBMimaamnamammaaam Die Treue unserer Arbeiter Das ist mit eine der vielen Ueberraschungen, die der Wahlausgang vom 19. Mai gebracht hat: in den Kreisen unserer Partei gibt eS trotz deS erheblichen Stimmen- und Mandatsverlustes keine Spur von Niedergeschlagenheit oder Entmutigung. In all den dielen Konferenzen und Versammlungen, die seither MAmchen.Lammte nach dttzvorÜe-^denBerichten eiy unbändiger Trotz und eine ungebrochene Kampfes- freude auf. Nirgends wurde das Ergebnis beschönigt, überall wurde es in seinen Ursachen erforscht und— soweit dies heute schon möglich ist— die nötigen Schlüsse gezogen. Aber das Entscheidende ist, daß unsere Genossinnen und Genossen von der schweren, Opfer ohne Zahl fordernden Arbeit der beiden Wahlgänge nicht ermüdet sind und immer wieder erklären: nun erst recht! Nun wird der Kampf aufs Neue und mit ungebrochener Kraft ausgenommen und da wird es sich erweisen, ob die Seifenblase des HenleinsiegeS standhaften wird. Ein Beispiel für viel« sei hier erwähnt. Am Freitag, dem 24. dS., fand in Mähr-Trübau rin« Wählerversammlung statt. ES war di« dritte in diesem Wahlkampf« und man hätte ein Nachlassen des Interesses erwarten dürfen. Freund und Feind waren aber überrascht, als sie«inen weit besseren Besuch als bei den zwei borhergegangene» feststellen konnten. Es wurden fast 800 Besucher gezählt, um zirka 150 mehr als bei der letzten Versammlung. Die Stimmung war einfach glänzend. Die Ausführungen des Referenten Genossen Paul auS Prag, die Bekundungen der Treue d«S tschechischen Genossen B i a l i I und das Schlußwort des Vorsitzenden Ge- Maßnahmcn zu unterstützen, die geeignet seien, den FafeismnS zu bekämpfen und der Arbeiterschaft konkrete Vorteile zu verschaffen. Zweifellos i st dieser Beschluß— falls er wirklich mehr alS eine Papierbestimmnng bleibt und auch in der praktischen Politik unserer Kommunisten merkbar wird— von allergrößter Bedeutung. ES ist daS erstemal, daß eine Scttion der Dritten Internationale sich öffentlich bereit erklärt, sozialistische, also sozialdemokra- tische Parteien in dekRegie- r u n g— die noch gestern als„der gefährlichste Feind" verschrien waren— in bestimmten Fällen parlamentarisch zu unter st ützen. Diese vollständige Schwenkung, die der kommunistischen Innenpolitik von MoSkau anfgetragen wurde, ist nicht zuletzt ein sehr bemerkenswertes Zeichen dafür, wir außerordentlich ernst und drohmd man dort die internationale Lage««sieht. Ob eS dem, bis vor kurzem noch auf die alte starre Linie erzogenen Parteiapparat der kommunistischen Partei wirklich gelingen wird, diese Umstellung durchzuführen und mit politischem Leben zu erfüllen, ob die verschiedene« Funktionäre und Komitees der KP die gleiche Elastizität an den Tag legen werden, wie die Moskauer Initiatoren dieser«euen Politik, wird sich bald zeigen. Wenn es ihnen gelingt, die eben verkündeten neuen Leitsätze zu mehr zu machen, alS zu bürokratischen Verordnungen, dann wird daS für unseren Staat, für dessen Arbeiterschaft und für ihren inner- und außenpolitischen Kampf gegen den FasciSmuS von Vorteil sein. Schade, daß den Führern der kommunistischen Politik diese Erkenntnisse nicht schon vor einigen Jahren gekommen sind. Vielleicht wäre der europäische« Arbeiterschaft dadurch unendlich viel Unheil erspart geblieben. «offen Friedl wurden immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen. Besondere Zustimmung fand die Feststellung, daß die Sozialdemokratie sich in Zukunft alle jene, die bei ihr Rat und Hilfe suchen, genau ansehen wird. Henleins Vertraute Das Wiener„Neuigkeitsweltblatt" schreibt in einem Artikel„Der wahre Charafter der Hei»- leinparte.s".übtt Henleins VertrstuenSwänsser, Wan brauche nur einen Blick, in das Gefüge der"Päriel zu werfen, um die'Richtigkeit der Behauptung der Partei, daß sie mit den Nationalsozialisten nichts zu tun habe, in ihrem wahren Lichte zu erkennen. Das Blatt weist darauf hin, daß der Herausgeber der offiziellen Parteikorrespondenz, der„Sudetendeutschen Pressebriefe, ein gewisser Hermann Hönig sei. Dieser Hönig sei bis zum Juli 1933 in Wien als Mitarbeiter des Vertreters des ScherlvetlageS, Schepki, tätig gewesen, der gegenwärtig in Budapest eine lebhafte nationalsozialistische Propaganda entfaltet. Hönig wurde dann im Zusammenhang mtt der Aufdeckung des nationalsozialistischen Nachrichtendienstes auf der Wiener Brandstätte verhaftet und als Tschechoslo- lvake aus Oesterreich ausgewiesen. In Böhmssch-Leipa wurde ein Hans Neu- Wirth, der Bevollmächtigter derBereinigten Bankkontore für die Tschechoslowakei und Oesterreich ist, als Henlein-Abgeordneter gewählt. Neuwirth steht auch in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Nationalsozialisten Franz Riedel, mit dem er im Ossiober 1934 eine auslandsdeutsche katholische Bewegung in Prag organisierte, zu der z. B. der Führer der polnischen Deutschen, Senator Pand, wegen seiner österreichischen Einstellung Bor der Wahlkanzlei der SHF drängen sich die Leute. Die Wahlergebnisse werden auSgehängt. Hohe Stimmenzahlen für die SHF. Rufe ertönen, wie„fabelhaft, ausgezeichnet!". Jeder zieht sein Notizbuch aus der Tasche und schreibt die Ergebnisse auf. Immer mehr Leute mit neugierigen Gesichtern finden sich ein.„Wir werden den Herren schon zeigen! Die werden schon Angst vor Deutschland kriegen. Jetzt wird endlich einmal die Ärbeitslosigkeit aufhören"'und noch viele andere Zurufe schwirren durcheinander. Biele Bürger haben die Wahlkanzlei als Ziel ihres SonntagSspaziergangeS ausersehen. Das ist kein weiter Weg, ein Wirtshaus ist auch bei der Hand und seinen Spaziergang absolviert man dabei auü. Etwas Bewegung muß man machen, daS ist jeder seiner Gesundheit schuldig! So kommt ein biederer Bürger mit seiner Gattin daher, ganz langsam, sie haben ja keine Eile, allzu schnell können sie ja auch bei ihrer Rundlichkeit nicht gehen! Ms sie in der Nähe des aufgeregten Menschengewimmels angekommen sind, bleiben sie bedächtig stehen und lauschen de« Reden der Begeisteren. Da breitet sich über ihre Gesichter allmählich ein Lächeln. Wozu soll ich dieses Lächeln näher beschreibe«. Wir alle haben eS oft und oft auf breiten zufriedenen Gesichtern beobachtet, auf Gesichtern, die so glatt und ein wenig stumpf wirken, weil sie der Griffel der Sorge und Not nicht gezeichnet hat.— Da legt der Mann seine Hand wie belehrend auf, die Schulter seiner besseren Ehe hälfte:»Siste, Anne, jetzt sei mr olle eis", sagte er und deutet mit einer Kopflewegung nach dem Gewimmel vor der Tafel mit den Wahlergebnissen. Bor einer Wahlkanzlei in einem anderen Orte: eine ähnliche Stimmung: Ausrufe der Begeisterung, Witze und Heldentaten der letzten Tagbilden den Gesprächstoff. Zwischendurch werden die wieder neu cruSgehängten Wahlresultatnotiert. Dann lockert sich das Gedränge immer wieder etwas und die Leute stehen in Gruppen lachend und witzelnd auf Gehsteig und Straße. Da kommt ein Motorrad angebraust. Im Nu verstummen die Reden, die Leute weichen zur Seite, di« jungen Burschen stehen„Habtacht". Man kann auf den Gesichtern lesen, welche Wonne es sein muß, so stramm zu stehen! Der Herr, der vom Motorrad steigt, ist ein Funktionär der SHF. Drei Burschen springen diensteifrig herzu und nehmen dem Herrn das Fahrzeug ab. Wie das klappt — und wie gut der Herr seine Rolle spielt! Mit einer Selbstverständlichkeit läßt er die Zeremonie über sich ergehen, wie einst die Prinzen vom urältesten Adel. Woher kann der Mann das? Ja, richtig, er sieht diese Zeremonie ja täglich im Dienste bei seinem eigenen Herrn. Nur spielt er selbst dort eine andere Rolle. Dort steigt s in Herr mit lässiger Gebärde vom Pferde oder ans dem Wagen— und er selbst steht stumm, steht stramm oder verneigt sich tief. Jetzt— jetzt ist es aber umgekehrt. O Selbstgefühl— o Volksgemeinschaft! nicht zugezogen wurde. Als einen der geistigen Träger des Henleinkreises kann, man, wie das Blatt erklärt, noch den Wiener Hochschulprofessor Dr, Walter Heinrich bezeichnen, der zu mindesten in den vergangenen Jahren sehr enge Beziehungen zum Kreise Honigs hatte und der bei verschiedenen öffentlichen Versammlungen als Hauptredner der Henleingruppe ausgetreten ist. Der wahre Geist der Henleinfront. Während der südetendeütsche„Führer" vor lauter Legalität die Staatsmänner unserer Republik mit langweiligen Ergebenheitstelegrammen belästigt, lüftet hier und da ein unentwegter Hakenkreuzler sehr zum Erschrecken der großen und kleinen Führer, der Bonzen und Bönzchen der Henleinfront und der gleichgeschalteten Presse, die jetzt um keinen Preis die faschistische Einstellung ihrer Bewegung erkenn lassen wollen, die Tarnkappe.—i In einer Henlein- Versammlung, die Freitag in Aussig ftattfand, ergriff auch ein Dienstmädchen das Wort, daS seine Rede mit„Heil Hitler" beendete. Natürlich raste der Saal vor Beifall. Am Ausgang des Saales wurde die Hitlerike, die in ihrer Verzücktheit aussprach, was andere fein säuberlich unter ihrer Tarnkappe verbergen, von der Polizei verhaftet. Wie wir erfahren, wurde sie dem Bezirksgericht zugeführt. Ein Dienstmädchen schwelgt- in Hitlerbegei« sterungl Wie muß das Delirium sich doch ausgebreitet haben? Und wie mutz die Umgebung aussehen, in der dieses Proletarierkind haken- kreuzlerischcn Einflüssen unterlegen ist. Wer den Schaden hat... Wie die„Bohe- mia" meldet- ist der frühere Abgeordnete Dr. Bacher nach dem unrühmlichen Ende seiner Partei in Anerkennung seiner Verdienste von der Burschenschaft Ostmark zum Ehrenburschen ernannt worden. DaS ist wirklich der blanke Hohn! Die alten Liberalen wurden wenigsten Altbürgermeister, Altpräsidenten und Altmeister. Aber Ehrenbursch? Man stelle sich nur vor, wenn der Titel wirklich zitiert wird: Das Wort hat Ehrenbursch Dr. Bacher... Und nun gar O st mark— das wird den Freunden Bachers in der Henleinftont eine unerschöpfliche Quelle deS Spottes sein und der Ehrenbursch selbst wird oft aus dem Schlaf schrecken, geplagt von dem Angsttraum, es habe einer seiner Freunde „Ostmärker hinaus!" gerufen. Hatte der Dr. Bacher den Rang nicht als Zutreiber der Hakenkreuzler so ehrlich verdient, er könnte einem leidtun. Wahl des österreichischen Bundespräsidenten abgesagt Wien.(Eigenbericht.) Dr. Ender, der ehemalige christlichsoziale Landeshauptmann von Vorarlberg und der Schöpfer der'„ständischen- Verfassung", veröffentlichte Samstag in der „Reichspost"einen Artikel, in dem er scharf daran Kritik übt, daß von einem berufsständischen Auf« zau in Oesterreich, wie er in der von ihm geschaffenen Verfassung vorgesehen war, nicht die Rede ist. Vor allem wendet er sich dagegen-,.daß die Vertrauensleute der verschiedenenOrganisationen nicht, wie geplant, durch Wahl bestimmt, sondern autoritär ernannt werden. Dann aber macht er möglichst versteckt die außerordentlich interessante Mitteilung, daß die Neuwahl des Bundespräsidenten, dessen Amtszeit am 20. Oktober dieses Jahres abläuft, auf unbestimmte Zeit verschoben und Miklas weiter im Amte bleiben wird. lieber diese sehr bezeichnenden Hintergründe dieser Wahlabsage schreibt Ender natürlich nichts. Es handelt sich nämlich darum, daß auf Grund der neuen Verfassung der Bundespräsident von der Versammlung aller Bürgermeister zu wählen wäre. Dagegen laufen aber die Heimwehren Sturm, weil die überwiegende Mehrzahl der Landbürgermeister Christlichsoziale sind und deshalb keine Aussicht besteht, daß der Kandidat der Heimwehren— voraussichtlich Fürst Starhem- berg— gewählt wird. Bei der von Tag zu Tag steigenden Spannung zwischen. den Heimwehren und den Christlichsozialen hat die Regierung begreiflicherweise nicht den Mut, eine solche Entscheidung auf Biegen und Brechen herbeizuführen und dadurch die Heimwehren noch mehr zu reizm. Deshalb entschließt man sich lieber, die ganze Wahl auf unbestimmte Zeit zu vertagen. lebenslänglich fllr einen Jull-Putschlsten Wien. Im Hochverratsprozeß gegen Jng. Viktor Band, einen der Urheber deS Putsche- vom 26. Juli 1934, wurde nach dreitägiger Verhandlung vom Militärgerichtshof das Urteil gefällt. Band wurde im Sinne der Anklage des Hochverrates schuldig erkannt und zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteift. monanbillildie Propaganda in Driedienland Athen. Der Vorwahllampf zwischen Sozialisten und Monarchisten!vird immer schärfer. In Athen erscheinen drei neue Blätter, in Saloniki zwei, die of f e n fü r di e R e staur at i o n derMonarchie eintreten.. Die Wahlkampagne der Benizeliften wird durch die Zensur und die Ausnahmsmaßnahmen gegen die Presse sehr erschwert. Sie müssen daher hauptsächlich im geheimen und von Mund zu Mund agitieren. Sie sind besttebt, die Jugend zu gewinnen. Seite 4 Sonntag, 26. Mai 1938 Nr. 123 Uedeneltssdett lm Jahre 1934 Nach den Mitteilungen des statistischen Staatsamtes wurden durch die Gewerbcinspekto- rate und die politischen Behörden erster und zweiter Instanz 547(im Jahre 1833 678) Bewilligungen zu Ueberzeitarbeit erteilt. Sie galten für 531(769) Betriebe mit 25.145(30.736) Arbeitern, welche 20.9 Prozent der Belegschaft der betreffenden Betriebe bildeten. Bewilligt wurden 959.524(1,199.135) Arbeitsstunden. Die Gesamtzahl der bewilligten Arbeitsstunden sank im Vorjahr im Vergleiche zum Jahre 1932 um 20 Prozent. Den stärksten Anteil an der Ueberzeitarbeit hat mit 30.3 Prozent die Textilindustrie, dann folgt das Geldwesen mit 20.3, die Bekleidungsindustrie mit 15.4 und die Maschinenindustrie mit 12.4 Prozent. Auf Böhmen entfallen 80.1, auf Mähren-Schlesien 17.9, auf die Slowakei und Karpathorußland 2 Prozent. Die Durchschnsttsbelastung eines Angestellten durch Ueberzeitarbeit beträgt 38(39) Stunden. Das Minimum wurde im Oktober mit einer Bewilligung erreicht, das Maximum im März mit 109 Bewilligungen. Die Bergämter bewilligten im Fahre 1934 in zwölf Fällen Ueberzeitarbeit im Ausmaß von 8461 Stunden. 800 Jahre schwedischer Reichstag Große Feiern im ganzen Land Ns» und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter iir England verlangt Klarheit Uber die Luftparität London. Der diplomatische Mitarbeiter der „Morningpost" meldet, die englische Regierung wolle unter anderem wissen, ob Hitlers Auslegung der Parität der deutschen Luftflotte die Parität mit den gesamten englischen Luftstreitkräften in der Heimat u n d im Uebersee- Gebiet oder lediglich mit der englischen Heimat- Luftflotte bedeute. Es sei unnötig, zu sagen, daß England die erste Auslegung nicht annehmen könnte. Die Erläuterungen dieser und zahlreicher anderer Punkte würden voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Erst dann werde man sagen können, ob die Einberufung einer internationalen Konferenz vorteilhaft sei. Nazinest Im Atelier Wien.(Tsch. P.-B.) Vor einigen Tagen wurde die Wiener Polizei auf verdächtige Zusammenkünfte im Atelier des Reklamemalers Anton Garden im VI. Wiener Bezirk aufmerksam gemacht. Die Polizei bewachte das Atelier und überraschte eines Tages einige Nationalsozialisten bei einer geheimen Versammlung. In dem Atelier wurde eine Menge nationalsozialistischen Propagandamaterials beschlagnahmt, auS dem hcrvor- gcht, daß diese Räume schon lange einen Schlupf- winkel der nationalsozialistischen Zentrale bildeten, welche mit Deutschland und auch mit einigen Elementen in der Tschechoslowakei arbeitete. Auf Grund des in dem Atelier beschlagnahmten Materials wurden 25 Personen verhaftet. Der Maler Garden ist flüchtig, die die porgeschriebenen Drucksortöcn nicht beachten Vertra gabgeschlossen wird. Der Nil wird gestaut Kairo. Die ägyptische Regierung hat einen Fünfjahrplan zur Ausführung öflentlicher Arbeiten zum Kostenpreis von 36 Millionen ägyptischen Pfund bewilligt. Diese Summe soll zum Straßenbau und vor allem zum weiteren Ausbau der Nildämme in Assiut und im Nildelta verwandt werden. Am wichtigsten ist dabei der Damm an dem im Norden Abessiniens gelegenen Tsana-See, der Quelle des Blauen Nils. Abessinien hat grundsätzlich sein Einverständnis erteilt. Zwischen der ägyptischen und der Sudan- Regierung sind Verhandlungen über die Teilung der Wassermengen im Gange. Seit 1902 hat sich England vergeblich bemüht, die Konzession für den Bau des Staudammes zu erhalten. 1930 war von abessinischer Seite die amerikanische White Engineering Corporation mit der Ausarbeitung von Projekten beauftragt worden, womit aber lediglich ein Gegengewicht gegen die englischen Wünsche geschaffen werden sollte. Daß Abessinien jetzt nachgegeben hat, wird damit begründet, daß es auf die englische Intervention im Streitfall mit Italien hofft/ Das Jugoslawische Parlament Belgrad. Die neue Skupschtina, die am 3. Juni zusammentritt, wird 301 Abgeordnete der Partei des Ministerpräsidenten Jeftiä und 67 Abgeordnete der koalierten Opposition MaLeks zählen. Die Greuel-Schwärmer. In seiner Reichs« tagsrede vom 21. Mai hat sich H i t l e r geradezu als Europas Friedensapostel aufgespielt. Daß ihm die Flötentöne im Ausland niemandglaubt, hat seinen guten Grund. Gerade jetzt ist, zur Illustration pazifistischer„Führer"-Reden gleichsam, in einem Potsdamer Verlag ein chonjch aufgebautes Requiem»Der große Krieg" von Werner Helwig erschienen, in dem folgendes zu lesen ist: „Du heiliger Krieg, erhabener Krieg, lasse uns eingehen in deine prunkendenGreuelmitall unserer schweren uferlosen Sehnsucht, laß', uns zerschelle» an dir, Krieg, laste uns siege nl" Das ist Hitlers„Pazifismus", wie er leibt und lebtl Stockholm. Der schwedische Riksdag feierte am Samstag seinen 500jährigen Bestand. Er trat das erstemal im Jahre 1435 unter Teilnehme der Vertreter sämtlicher schwedischer Volksschichten im Städtchen A r b o g a zusammen. Die Anregung hiezu stammte von Engelbrekt Engel» brektffon, der in der ersten Sitzung dieses Parlaments zum Verweser des Königreichs gewählt wurde. Zur Feier dieses bedeutungsvollen Jubiläums werden im ganzen Lande große Festlichkeiten ver« anstaltet. Im Stockholmer Nationalmuseum fand die Eröffnung einer Ausstellung statt, die einen Ueberblick über die Geschichte des schwedischen Parlaments gewährt. Am Montag veranstaltet die Stadt Arboga eine Erinnerungsfeier und am Dienstag beginnen die Hauptfeiern in Stockholm. Sie werden in allen Teilen der Hauptstadt durch Herolde unter dem Klange von Trompeten und Im Auto verbrannt Motorzug überfährt auf ungeschützter Bahnkreuzung einen Kraftwagen O l m L tz. Samstag um 12 Uhr 34 Minuten stieß der fahrplanmäßige Motorzug Nr. 6318 auf dem ungeschützten Straßenübergang im Kilometer 20,12 auf der Strecke Olmütz—^Eelecho- vire mit einem Personenautomobil zusammen. Der Motorwagen 130/33 sprang hiebei mit der Vorderachse aus dem Geleise. Bei dem unter dem Motorwagen eingekeilten Automobil sing nach dem Halten des Motorzuges der Benzinbehälter Feuer, daS trotz Eingreifens des Eisenbahnpersonals auch auf den Motorwagen Übergriff, so daß beide Wagen vollkommen verbrannten. In den Flammm verbrannte der wahrscheinlich schon bei dem Zusammenprall getötete Lenker dos Automobils, dessen Identität bisher nicht festgestrllt werden konnte. Bei dem Zug Rr. 63/18 wurden zwei Passagiere leicht verletzt. Die Trümmer wurden nm 16 Uhr 30 Minuten von der Strecke entfernt. Bis zu diesem Zeitpunkte wurde der Personenverkehr durch Umsicigen aufrechterhalten. Wenn der Schnee schmilzt. Wien. Im Grenzgebiet von Aßling wurden Freitag drei Leichen gefunden. Es waren Schmuggler, die seinerzeit voneiner Lawine verschüttet wurden. Die Schneeschmelze hat nunmehr die Leichen fteigelegt. Die drei Toten sind Bewohner des Grenzortes Aßling. Neben den Leichen fand man größere Saccha» rin m eng e n, die von Oesterreich nach Jugoslawien geschmuggelt werden sollten. Zwei Ex-Zustizminister vor Gericht Paris. Die Blätter machen auf eine seltene und gleichzeitig unangenehme Erscheinung in der Geschichte des Gerichtswesens aufmerksam. Am 5. Juni werden gleichzeitig in Paris zwei ehemalige Justizminister vor Gericht stehen. Bor dem Schwurgericht wird sich Rens Renan l.t, der ehemalige Advokat S t a v i s k i s, wegen Be- st e ch u n g von Gerichtsbeamten zu verantworten haben, während sich vor dem Uebertretungsgericht der ehemalige Minister Raynaldy wegen Mit« gliedsckiaft im Berwaltungsrat der Unternehmungen des syrischen BetrügersSacazanazu verantworten haben wird. 150.000 Kilometer mit dem Motorrad Wilna. Der polnisckie Globetrotter Emanuel K o t u l s k i, der im Laufe von zehnJahren auf seinem Motorrad 7 4 Länder besucht und insgesamt 150.000 Kilometer zurückgelegt hat, ist in Wilna eingetroffen. DaS weitere Z'el seiner Reise bildet Kaunas und schließlich Riga, wo seine Fahrt endet. „Pension Kikeriki". Wie die„B o h e m i a" (SHF-Jüdische Abteilung) berichtet, werden die Parlamentarier der Henleinfront, 67 Mann hoch, in Prag gemeinsam wohnen. Nach anderen Meldungen werden die Diäten, rund 300.000 Kö monatlich an die Parteileitung abgeführt, die den Parlamentariern K o st und Quartier und für allfällige Arbeiten und Leistungen eine Sondervergütung gewähren wird. Das übrige Geld verwendet die Hauptleitung, also der Kameradschaftsbund, nach Gutdünken. Wie man weiter erfährt, soll daS Hotel Henlein in der Nähe des„Grabens" aufgemacht werden, wo die SHF eines der älteren Stundenhotels zu kaufen und als Pension fiir ihre Parlamentarier zu adapfieren beabsichtigt. Dieses Projekt eröffnet der Idee der„Volksgemeinschaft" unerhörte Ausblicke. Die ganze Sache, die selbst in reichs- Trommeln angekündigt werden. Den Präsidenten der beiden Kammern werden in feierlicher Weise sämtliche bisher ausgegebenen Bände des großen Werkes über die Geschichte des Riksdag übergeben und goldene Medaillen überreicht werden. Alle Reichstagsmitglieder werden sich in einem feierlichen Umzug zu der altehrwürdigen Kirche Storkyrkan zu einer Gedenffeier begeben, wobei zahlreiche Kundgebungen gehalten werden. Am Mittwoch, dem 29. Mai, treten die beiden Kammern zu einer Festsitzung zusammen, zu welcher auch die Repräsentanten ausländische: Parlamente eingeladen sein werden. Die Feierlichkeiten finden mit einem großen Volksftst am Donnerstag in der Umgebung von Stockholm ihren Abschluß. Aus Anlaß des Riksdag-Jubiläums wurden 700.000 silberne 5-Kronen-Stücke ausgegeben, die bereits im Umlauf sind. deutschen Hitlerkreisen nur als Witz denkbar wäre, zeigt so recht, wie läppisch der Begriff der Gemeinschaft von Henlein verstanden wird. Es ist daS Weltbild des Turnlehrers, das sich hier spiegell. Nicht abzusehen, wie es in dieser Kaserne zugehen wird! Um 6 Uhr früh wird es vermutlich den Morgenappell mit Gelenksübungen geben, wobei nur die Frage offen bleibt, ob die Abgeordneten nach der Größe oder nach den Anfangsbuchstaben antreten müssen. Wenn alle Wochen einmal der „Führer" erscheint, gibt es Parademarsch und Prüfung. Des Abends wird Zapfenstreich geblasen und um 9 Uhr muß alles in die Klappe. Zuwiderhandelnde müssen zehnmal die Bauchwelle machen. Gemeinsame Weihnachtsbesche- rung und gemeinsamer Gang zur Kirche sind Selbswerständlichkesten. Ob die 67 Herren unter Anführung eines Aufsehers täglich früh in Zweierreihen, einander an den Händen fiihrend und Wanderlieder singend, ins Parlament mar- schieren, ist noch nicht sicher, weil die Verkehrspolizei möglicherweise gegen diesen Umzug pro- testieren wird. Fm nächsten Wahlkampf wird die ganze Turnschule auf einem Autobus durch Land gefahren und in den Wählerversammlungen wird sie unter Henleins persönlichem Kommando Schauturnen veranstalten. Für die gelernten Vorturner der Nation wird die Sache ja sehr spaßhaft sein. Wie sich R o s ch e und H o d»i na.Pfrogner und andere Neulinge gebärden werden, wenn sie statt in die Cen- t r a l b ar abends in die gemeinschaftlichen Ubikationen einrücken müssen, ist eine andere Sache. Es ist gar nicht so ausgeschlossen, daß dem einen oder andern der Geschmack an der Volksgemeinschaft vergehen wird und daß er aus der Pension Kikeriki wieder auSzieht! Brrlänzermtg der Umsatzsteuer-Erleichterungen. DaS Finanzministerium macht darauf aufmerksam, daß die Regierung am 12. April d. I. die Umsahsteuererleichterungen nach 8 4, Z. 14, deS Gesetzes, deren Gültigkeit am 31. Dezember 1934 erloschen war, für das Jahr 1935 verlängert hat. Ausgenommen davon sind Erleichterungen, die durch Pauschalierung der Umsatzsteuer gegenstandslos geworden sind oder durch Aenderungen bei Zusammenstellung der Liste jener Gegenstände, deren Einfuhr nicht umsatzsteuerpflichtig ist, betroffen wurden. reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag Xll., Fochova 62/V. Gewitter und Ueberschwcmmungen in Mäh' ren. Am vergangenen Freitag wurden mehrere Gebiete Mährens von schweren Gewittern und Wolkenbrüchen heimgesucht, die Ueberschwem» mungen und große Schäden verursachten. Ge«' fährliche Ueberschwemmungen werden insbesondere aus der Gegend von Blansko, Rostitz und Namiest gemeldet. An einzelnen Stellen wurde, der Bahndamm der Strecke Brünn—Prag unter-- schwemmt, so daß mehrere Züge Verspätungen, hatten. In einigen Orten, wie Tischnowitz, Kun?, tadt usw. drangen die Wassermassen auch in die Keller und Parterrewohnungen der Häuser, so daß auS Brünn die Feuerwehr zu Hilfe gerufen werden mußte. In vielen Orten hagelte es so stark, daß die Hagelschlosten noch stundenlang aus den Feldern liegen blieben. Die angerichtetcn Schäden sind außerordentlich groß. Mysteriöser Mord. Der Bürgermeister dkl französischen Stadt Sens Dr. Andre Dupechef wurde in der Nacht auf Samstag das Opfer eines verbrecherischen Anschlages, dessen Umstände noch nicht ganz geklärt"nd. Der Bürgermeister wurde früh auf der Landstraße tot aufgefunden. Aus dem einen Arm des Toten war dessen Mitgliedslegitimation der patriotischen Vereinigung Crotz du Feu angeheftet. Die Photographie Dr. Du- pechez auf dieser Legstimation war durchgestrichen./ Eine große HnndeauSstellung in Aussig veranstaltet am 9. Juni der Verband der kynologische» Vereine in der Tschechoflowakei. AbstürzendrS Flugzeug steckt Baurrngehöst i» Brand. In Schaulcn stießen bei einem Uebungsflul einer militärischen Flugstaffel zwei Flugzeuge in der Lust zusammen. Beide Maschinen stürzten ab. Die «ine fiel brennend in ein Gehöft, das durch den entstandenen Brand eingeäschert wurde. Tie beiden Piwten konnten sich durch Fallschirmabsprunß Wahrscheinliches Wetter für Sonntag: I» den böhmischen Ländern: Vorwiegend umzogen bit wechselnd bewölkt, in den Morgenstunden nebeliL strichweise etwas Regen, ein wenig kühler, Nordwind. Im Ostteile der Republik: Wechselnd bewölkt, strichweise Gewitterregen, meist etwas wär« Mr« als heute, dabei jedoch schwül.— Wetteraüs- sichten für Montag: Wechselnd bewölkt, ohne erheblichere Niederschläge, nur mäßig warm, Nordwind Lustdruckverteilung Samstag um 14 Uhr: Hochdruck 773 Millimeter Faröhrinscln, 768 Millimeter Süd- Rußland. Tiefdruck 754 Millimeter Karpatho-^ Rußland. Vom Diindlunh Die Wahl im Rundfunk Die heutigen Wahlergebnisse werden vom tschechoslowakischen Korr^pondenzbüro durch Rundfunk mitgeteiü werden. Die erste Sendung erfolgt um 19 Uhr, die zweite im Rahmen der normalen Nachrichten um 22 Uhr abends. Weitere Ergebnisse werden in Abständen von je einet halben Stunde bis 1 Uhr nachts gemeldet werden. Die Pausen werden durch Schallplattenmusi! ausgefüllt. Montag wird der Rundfunk die Gesamtergebnisse um 6 und 7 Uhr morgens bekanntgeben. Siebenfache Brandlegerin. Wegen Verdachtes der Brandlegung wurde die 51jährige Bettlerin Klotilde K u l i k o v a aus Slavice bei T r o- bitsch verhaftet. Sie wird beschuldigt, in Bys. Studnice bei Jglau sieben Brände auf Gutshöfen gelegt und dadurch einen Schaden von 487.000 Kö verursacht zu haben. Eine Reihe von Bränden auf Bauernhöfen hat sie bereits eingestand e n. Sie habe deswegen die Brände gelegt, weil sie m i t d e m A l m o s e n oder dem Nachtlager unzufrieden gewesen sei. HitlerS Weltspionage. Der Berner„Bun d", bekanntlich des offiziös e Blatt der Schweizer Regierung, palemisiert in großer Erregung geg-n ein Inserat in der Berliner„D e u t s ch e n A ll- gemeinen Zeitung", in dem es wörtlich heißt:„Nach Bern, in reichsdeutsches Büro, wird gebildete junge Dame, arisch, Reichsdeutsche, gesucht. Uebersicht und Erfahrung notwendig, ebenso gute Kenntnisse in Stenographie und Schreibmaschine. B o l i t i« sches Interesse wichtig, sowie Fertigkeit im Lesen französischer Zeitungen." DaS Schweizer Blatt fchreibt dazu:„Die fremde Propaganda wird, wie zur Kriegszeit, auf unserem Boden organisiert, auch um di- Schweizer selber zu bearbeiten. Es kommen gewaltige Beträge ins Land für solche Zweckel" Der letzte Hochofen in der Schweiz ausgeblasen. Der Hochofen Cheindez bei Delsberg in der Schweiz wurde nach 87 Betriebsjahrrn ausgeblasen, nachdem die vorhandenen Erzvorräte aufgebraucht sind. Damit verschwindet der letzte Hochofen der Schweiz, Empfehlenswertes aus den Programme«: Montag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachricht^ 10.40 Leichte Musik. 12.10 Opernfantasien. 12 Salonorchesterkonzert. 13.35 Arbeitsmarkt. 17-3® Cellokonzert. 18.10 Deutsche Sendung: Oberlehrer Zapp: Brandschutz ist Landschutz. 18.45 Deutschs Arbeitersen^ung: Dr. Emil Strauß: BU» auf die Wahlergebnisse. 19.30 Schrammelmuiu- 20.10 Jugoslawische Lieder. 20.45 Schauspielproben. 21.20 Konzert des Ondrikek-Quartetts. 21.15 Tanzmusik. 22.30 Deutsche Nachrichten.— Sender St'- 15.05 Deutsche Sendung: Dr. Swoboda: Ueber Schubert. 19.05 Opern-Arien.— Brünn: 12.1® Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 16.40 Kiu- derstunde. 17.45 Deutsche Sendung: Jugendmärchenstunde. 18.45 Opernarien. 20.20 Kabarettkurzwecl, — Mähr.-Ostran: ,18.10- Deutsche Sendung: Arbeit er funk: Pelka: Die Anfänge der moderner Arbeiterbewegung.— Prrhburg: 18.35 Klavierkonzert. 20.30 Balalaikamusik. Dienstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten 11.00 Schallplatten: Dvokak. 16.40 Jugendecke. 18.10 Deutsche Sendung: Horner: Wirtschaftliche» Relief. 18.20 Hesse-Lieder und Volkslieder. 18.45 Deutsche Presse. 19.15 Wir lernen russisch. 21M Orchesterkonzert. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 15.00 Deutsche Sendung. 15.20 Szenen auS Wae- ner-Opern.— Brünn: 10.15 Schrammelmusik 12.35 Orchcsterkonzert. 17.00 Tanzmusik. 17.45 A r- beitersendueig: Soziale Informationen- Stiatzny: Arbeitslosigkeit, ein Staatsproblem. 20M Bioloncellokonzert.— Mähr.-Ostran: 15.15 Orchesterkonzert. 17.00 Schallplatten: Beethoven..— Preßbnrg: 17.00 Konzert für Flöte und Klavitü 18.00 Liederkonzert, Nr. 123 Sonntag, 26. Mai 1935 Leite L Raffe, auf den Hund gekommen Man schreibt uns aus Deutschland:. Die Zunft der Anonymen In Frankfurt hat vor kurzem ein internationaler-Hundekongreß, stattgefunden. Ls wurde in allen Sprachen gebellt, geheult und gewinselt. Für Hundc-Liebhaber war es ein großes Fest. Für Hunde-Händler war es ein gutes Geschäft. So iam jeder auf seine Kosten. Ob die Vierbeiner glücklich waren, weiß man nicht. > Der dritte.^ynologische Weltkongreß" wurde bon 32 Nationen mit 3326 Hundenchelieferch fliese Hunde-Delegierten vertraten 124 verschiedene Hunderassen. Im Bürgersaal■' des Frankfurter Rathauses, im Römer, wurde der Kongreß feierlich eröffnet. Allerdings nur den zweibeinigen Delegierten war der Zutritt gestattet. Der Oberbürgermeister Krebs betonte, wie nahe Tierschutz und Rultur miteinander verwandt seien. Bon Menschenschutz wurde nicht gesprochen. Das Hauptreferat der Hundetagung wurde ton Professor Henseler, Borstand des Tierzucht» Instituts in München über„Rasse" gehalten. Für ten Redner bedeutet der Begriff„Rasse" die Summe aller körperlichen und seelischen Eigenschaften, die sich vererben. So habe jeder Mensch, jedes Tier seine eigene Rasse. Ein Major Most sprach über die Vererbung. Auch Professor Priochi aus Mailand sprach von„angeborener" Kasse und bezweifelte, ob„erworbene" Eigenschaften vererblich seien. Nach verschiedenen praktischen Prüfungen versammelten sich die Teilnehmer nach ter viertägigen Konferenz wieder im. Römer. Dort hielt der„Reichssportführer" Herr von Dschammer und Osten eine Ansprache, in der er Ke„Tier- und Friedensliebe" der deutschen Ration besonders betonte. ES wird vielleicht verblüffen, daß man einer so harmlosen Sache wie einem Hundekongreß so Kel Beachtung geben kann. Wer aber weiß, wie ttute in Deutschland manche Dinge nur bildlich, öurch die'Blume oder hier durch den Hund, gesagt werden können, wird hier mehr sehen. Man muh Jrt statt Hund— Mensch lesen und ein Teil des mzen Raffen-Gebäudes bricht raffelnd zusammen. Wenn ausländische und sogar inländische Redner zugebep müffen, daß jeder Hund wie jeder «iensch seine eigene Raffe hat, daß man von einer wirklichen Reinheit einer Raffe nicht sprechen Mne» dann bedeutet das für den Raffenwahn der Reu-Atter einen argen Chok. So wird schÜeßlich W>e Rassenlehre und Raffenmhsttk, heute höchste Weltanschauung, in sich selber zum Widerspruch zum Gespött der Welt. Vielleicht hat dieser Mllende Kongreß auf dem Umweg über den Hund Manchem Menschen die Augen geöffnet, so daß der Hund hier.zum Führep-Hynd der geistig. Windel Worden ist. Und vielleicht sagt mancher Deutsche, M hier eine Erkenntnis aufdämmerte mit Göe- jpiS Faust:„ES möchte kein Hund so länger “kn." SindeSentführung. Außerordentlich großes Mehen erregt in ganz Amerika das gehrimnis- We Verschwinden des neunjährigen Georgis ^herhäufer, der Sohnes eines reichen Bauholz« mdrikanten in Tacoma(Washington). Der Junge am Freitag mittags aus der Schäle nicht Mgekehrt. Man nimmt an, da» der Knabe entfuhrt worden ist. Die Eltern sollen bereit» einen ?prefferbrief erhalten haben, in dem 200.000 "ollar Lösegeld gefordert werden. —MW Gin Blick irrs unterirdische Deutschland Mit ihr beschäftigte sich der„Dresdner Anzeiger" in einem Leitartikel. DaS ist symptomatisch, wie mans auch nimmt. Aus so kläglichem Stoff muß die reichsdeutsche Presse in ihrem Zwinger ihre Leitartikel schneidern. Und so groß ist die„Zunft der Anonymen", daß ihr die TageS- zektung einer Großstadt einen zweispaltigen Leitartikel widmen muß. „Es ist die Zunft der Feigen.... die nicht den Mut aufbringen, sich mit ihren Anfragen oder Randbemerkungen, mit ihren Angebereien oder mit ihrer Kritik unter voller Namensnennung an uns zu wenden... ES ist schon so, daß alle Einzelpersonen und Stammtischgemeinschaften, die emsig anonyme Briefe verfassen, irgendwie gezwungen sind. daS Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen. Es ist lichtscheue» Volk.... Aber es gibt in der Zukunft der Anonymen eine Gattung ganz besonders gerissener und gewissenloser Menschen- frermde. DaS sind die Männlein und Weiblein. die. mit der Feigheit und Tücke vaarcnd, einen falschen Namen und eine falsche Adresse unter Ihr« Ergüsse setzen. Da ste wissen, daß ihre anonymen Zuschriften keine Beachtung' bei unS finden würden. erschleichen sie die Aufmerksamkeit der Schriftleitung eben durch«ine Fälschung. Und hinterher freuen sie sich unzweifelhaft darüber, daß eS ihnen gelungen ist, ihre Bosheit oder ihre Denunziation auf krummen Wegen dennoch an unS herangetragen zu haben." So charakterisiert der„Dresdner Anzeiger" diese feine Zunft. Und er fährt fort:„Denn Bosheit oder Angeberei sind in der Regel der Inhalt aller Schreibereien der Anonymen", denen er schlechten Charafter und niedrige Gesinnung, unüberwindlichen Neid und bitterste Mißgunst, griesgrämige Nörgelei und mangelnden Gemeinschaftssinn nachsagt. Gewiß hat er mit dieser Charakterisierung recht. Aber worüber regt er sich auf? Ueber die böse Saat, die die braunen Agitatoren jahrelang gesät haben. Gesät auf dem Felde, auf dem sie ihren„Sieg" gewonnen, ihre„Erfolge" geerntet haben. Jahrelang ist gehetzt, geschimpft, gelogen, verleumdet worden. Alles wurde verdächtigt, das „System", die„Bonzen", die Marxisten, die Demokraten, die Juden. Der erbärmlichste Neid, der dumpfeste Haß, das niederträchttgst« Denunziantentum wurde gezüchtet, gehätschelt und täglich aufgeputscht. Und als der ersehnte Tag kam, konnte sich die unterirdische Dreckflut frei und herrlich über das Land wälzen. Für jeden Lumpen war es„der Tag der Rache". Der hämisch geübten und kalt genoffenen Rach« für alle», was von den braunen Propagandarednern den erkorenen Sün- denböcken.als Schuld aufgebürdet, worden war. Jeder durfte'sich an jedem'rächen. iHer' HauSwirt am Mieter,-der rot geflaggt hatte, der Mieter am Hauswirt, der die Hakenkreuzfahne nicht gemocht hatte, der Nachbar am Nachbar, und der dümmste HauSklatsch wurde zur„Polittk". Der Geschäftsmann konnte eS dem Konkurrenten heimzahlen, der Antisemit dem Juden, der gelbe Speichellecker dem marxistischen Kollegen, der verschmähte Liebhaber dem Nebenbuhler und dem Mädel zugleich, der Lehrer den Kindern, deren Eltern ihn krittsiert hatten— alle allen! Für alles, was ihnen schief gegangen war. Und sie haben eS reichlich getan. Alle Schleusen der Gemeinheit und Niedertracht, der Heimtücke und Rachsucht waren geöffnet. Und nun wundern sie sich, daß es sttnttl Die übelsten Kloaken menschlicher BoSheft taten sich auf und aus ihnen schöpfte man„Politik". Und die Opfer wurden erfaßt, aus den Betten geholt, auf Lastautos verfrachtet wie Bieh, gedroschen, beschimpft, bespuckt, in Prügelkeller und Folterkammern, in Gefängnisse und Konzentrationslager geschleppt, gefoltert, gemartert,„auf der Flucht erschossen" und„erhängt aufgefunden*. Und ist eS nicht noch so? ES gibt Zellenwalter und Blockwaller und Straßenwarte und Hadwarte, alle mit der Aufgabe, den Nächsten, den Kollegen zu bewachen, zu behorchen, zu bespitzeln. In allem, was er tut. Und was er denkt. Lehrer bespitzeln die Eltern durch die Kinder. Bettgcheim- nisse werden auSgeschnüffelt; junge Mädchen werden durch die Straßen getrieben und an den Pranger gebunden, weil sie einen Juden geküßt haben. DaS Tenunziantenpack besohlt ihre Schmach. Und der„Führer" hält dem Juden- peitscher Streicher die Geburtstagsrede. Wer wundert sich, wer beklagt sich, daß die Drackensaat in die Halme schießt? Der„Dresdner Anzeiger", der sie weidlich hat säen helfen. Dann aber wendet er sich einer anderen Gruppe der„Zunft der Anonymen" zu. Und die macht ihm offenbar noch mehr Sorge. Es sind dir» die polittschen„Meckerer" aller Schattierungen. Die„rettungslos vergrämten und verbitterten Marxisten" will er dabei„aus dem Spiel lassen". Das hat er leicht, denn die schütten ihm bestimmt nicht ihr Herz aus. Auch anonym nicht. Und wenn er davon spricht, daß sie als„Verfasser anonymer politischer Schriften mft dem Bleistift nach den Führern des deutschen Volkes swßen oder auS rostiger Feder Tinte gegen sie verspritzen", so sind eS die illegalen Propagandaschriften, über die er sich ärgert. Aber dann wendet er sich den andern zu. Und da schreibt er: .Abscheulich aber sind Pie Verfasser anonymer politischer Zuschriften, au» deren Satzbildung und aus deren Handschrift, aus deren Wortwahl man schon erkennt. weS Geistes Kinder sie sind. Wir haben da ganz bestimmte Gattungen von Zeft- genoffen im Auge. Die einen, die hinterhällig auf die neue Zeit schimpfen, bedauern«S in der Tiefe ihrer Untertanenseelen, daß sie den Nacken nicht mehr vor Fürsten und Höflingen beugen dürfen. Den anderen ist eS zuwider, daß in der Volksgemeinschaft der Herr OberrechnungSrat nicht mehr einige Stufen über dem Schlosser steht. Eine dritte Grupp« hat sich dazumal so fest in» deutschnationale Parteiprogramm oder in di« Trccktätchen de» Rechtsanwaltes Dingeldey verbissen, daß sie über dieser Leidenschaft versäumt hat. sich ebenso in di« EinheitSftont des neurn Reiche- einzurrihen, wie eS mfttlerweile gern Hunderttausend« von vaterländisch«' gesamten'' Deutschnationaltk',- ttS Volksparteilern getan haben. Und dann ist da«in Häufen bön^Leükeii, die wohl bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Arm zum deutschen Gruß emporreißen, die in Gesprächen mit Trägern deS Braunhemdes verkünden, daß sie im Grunde schon im Jahre 1914 Nationalsozialisten gewesen seien, und die am 21. Jänner 1933 im Morgengrauen zu den nattonalsozialiftischen Patteibüros rannten, um nur ja nicht den Anschluß zu verpassen, die aber innerhalb ihrer vier Wände an Nörgelwut und Drang zur Kritikasterei förmlich vergehen. Die» sind unzweifelhaft die ftuchtbarsten Autoren anonymer Zuschriften. Ihre Handschriften kehren auf dem namenlosen Parier mindesten» einmal in der Woche wieder. Und was sie schreiben, ist von Galle durchsetzt." Run, die Leute muß ja der„Dresdner vs» äeuttcke Vedrzeretr Im§ 1 heißt es: Wehrdienst ist Ehrendienst am deutschen Volle. Jeder deutsche Mann ist wehrpflichtig. Im Kriege ist über die Wehrpflicht hinaus jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau zur Dienstleistung für das Vaterland verpflichtet,§ 2 besagt: Die Wehrmacht ist der Waffenttäger und die soldatische Erziehungs« schule des deutschen Bolles. Sie besteht auS dem Heere, der Kriegsmarine und der Luftwaffe. Rach 8 8 ist oberster Befehlshaber der Wehrmacht der Reichskanzler. Unter ihm übt der Reichskriegsmini st er als Oberbefehlshaber der Wehrmacht Besehlsgewalt über die Wehrmacht au». Der Abschnitt H des WehrgesetzeS regelt daim die Wehrpflicht. Diese danett vom vollendeten 18. Lebensjahre bis zu dem auf dir. Vollendung des 45. Lebensjahres folgenden 31. Mürz. Im Kriege und bei besondere» Notstände« ist der ReichSknrgSminister ermächtigt, den Kreis der für die Erfüllung der Wehrpflicht in Betracht kommende« deutsche« Männer zu «rwettnr«. Die Reservisten bis zum 35. Lebensjahre bilden di« Reserve, von 85 bis SS di« Landwehr; die im Aller über S5 Jahren einberufenen Jahrgänge bilden den Landsturm. Die Wehrpflichtigen werden in der Regel in dem Kalenderjahre, in dem sie das 20. Lebensjahr vollenden, zur Erfüllung der aktiven Dienschflicht einberufen. Die Erfüllung der A r b« i t s d i. e n st p f l i ch t lst eine Voraussetzung für den akttven Wehrdienst. „W ehrunwürdig" unv damit ausgeschlossen von der Wehrpflicht ist, wer mit Z u ch t« hau» bestraft ist. Arische Abstammung ist eine Voraussetzung für den akttven Wehrdienst. Ob und in welchem Umfange Ausnahmen zugelaffen werden können, bestimmt ein Prüfungsausschuß. Rur Personen arischer Abstammung können Vorgesetzte in der Wehrmacht werden. Die Dienst« leistung der Richtarier im Kriege bleibt besonderer Regelung Vorbehalten. Anzeiger" sehr gut kennen. Sie haben nämlich früher und von jeher in seiner Nähe gelebt. Er hat sich nur bedingungsloser gleichgeschaltet und sich so erfolgreich kastriert» daß er sein eigenes Geschlecht nicht mehr zu erkennen vermag. Ueberlaffen wir ihn seinem Schmerz. Aber danken wir ihm. Dieser Leitarttkel Wer die«Zunft der Anonymen" in den Spalten des„Dresdner Anzeigers" öffnet einen Spall, durch den man hiweinsehenkann. in dar unterirdische Deutsch» land, indwFinsternis unter.der.braunen Delo- ration. Und was- da unten sich regt, was der Anzeiger als eine„Zunft der Anonymen" sieht, sind in Wirklichkeit verschiedene Fronten: die der Denunzianten, genau noch so gemein und dreckig, hinterhällig und heimtückisch, wie sie immer waren und Vox denen allmählich sogar dem„Dresdner Anzeiger" graut, und ihnen gegemiber die verschiedenen Gruppen oppositioneller„Maulwürfe", die allen Fallenstellern zum Trotz ihre unterirdischen Gänge graben und in beharrlicher Mühe den Boden unterwühlen, auf denen der Koloß des Dritten Reiches steht— bis eines Tages die ganze Scheinpracht prasselnd und stinkend in sich zusammenstürzen muß. Manfred. Rote Hügel Der Abschied von Hohenelbe ist für die junge Me auch der Abschied vom Riesengebirge, denn verläßt sie das Gebiet der archäischen Ge- ^we, deren Wall sie in südlich gerichtetem Quer» W durchbrochen hat. Sie hört auf, ein GebirgS» zu sein; ihre romantische Jugend hat nicht Mge gewährt: von der Quelle bis Hohenelbe mißt ?ke Lauflänge 28 Kilometer; in der Luftlinie /tyn beide Punkte nur 16.7 Kilometer vonein- ^er entfernt. Auch chr stärkstes Gefälle hat sie hinter sich: 920 Meter; bis zur Moldau- ^Undung bei Melnik werden es von der Quelle J 1 gerechnet bei einer Lauflänge von 809 Kilo-- "kter zusammen nur 1234.6 Meter. Fall fein. , Nun, beim Verlassen deS Städtchens Höhenest trüt die Elbe in» Hügelland des Rotliegen- N ein, da» sich dem Riesengebirge auf der Linie , ienbrod—Hohenelbe—Freiheit als deutlich ab» ^khte, durchschnittlich 500 Meter hohe Terrasse Lagert und gegen die das südliche Randgebiet' ** RiesengebixgeS ebenso hoch steil abfällt. * Der Wandel der Landschaft ist vollkommen/ bisher enge, steilwandige Tal erweitett sich, sich erst bei Prisdorf wieder auf zwei- bis »hundert Meter zu verengern. Niedrige Hügel- Uk schließen eS ein. Rückwärt» erhebt sich der Wall des Riesengebirges. Manchmal glanzt J? 1 hoher Kamm noch im Weiß der Schneefeldxr. £>iii hier unten schon die Qbstbäumc blühen, und. ’F’n wirkt der ferne RiescNgebirgSkamm ganz Mn. Die Plgnur wölbt sich hoch und groß ins Dort oben entspringen die Quellbäche den seinen Elbe, die sich oberhalb von Arnau mit g e* älteren Schwester vereinigt. Der Heidelberg. ? Hohenelbe, die letzte hohe Granitkuppe, bleibt I$ sichtbar und.versinkt damr langsam al» blau« hinter den Mütenzweigen des Tales. Lieblich ist dieses Tal im Frühling, in der /^enfülle sonniger Maitage. Die weichen For- p* de» Rotliegenden, dar bei Münchsdorf in senk rechten blätterigen Wänden unmütelbar über dem Flußbett, anderswo als rauher roter Sandstein ansteht, geben der Landschaft da» Gepräge. Rötelfarben sind die Gesteine, die Wege, die frisch gepflügten Felder. Auf diesem Rötelgrund der Erde, über den die Ferne einen violetten Schimmer haucht, als ob da Erika blühe» breitet nun der Frühling prangend frische Farben: das zart funkelnde Grün der sprossenden Erlen und Weiden am Flußlauf, das der Birken im dunklen Grün der Fichten, da» leucbtende Grün der jungen Saaten, das strahlende Gelb üppiger Löwenzahnwiesen. ES mag eine Wonne für einen Maler sein, in dir blau-rot-grüne Landschaft das schmetternde Gelb breit hinzustreicken— in saftigen, strotzenden Flächen leuchte eS wie die Sonne selbst unmittelbar vor der sehnsuchtsvollen Zattheit ganz ferner glasblauer Hügel. Blühende Kirschbäume schäumen über alten Dächern. Löwenzahnsonnen im Ära» unter blühenden Kirschbäumen— da» ist dee Inbegriff des Frühling»; müßte der Maler an der Staffelei picht innerlich singen, während er damalt? Einige Stunden lang zieht sich da» Früh- lingstal hin, blühend zwischen roten Hügeln, mü roten Wegen, immer mit der Elbe, di« hier noch ein ganz junger Fluß ist, ein frischer Wiesenfluß untetz Weiden. Kurz nachdem die Elbe durch einen zutage tretenden Felsstock de» Rotliegenden auf die rechte Talseite gedrängt wird, taucht Arnau auf. ES liegt in einer mehrere hundert Meter breiten Aue, vor der die Täler der Großen und Kleinen Elbe einen langgestreckten Gebirgsausläufer abrregeln und in die noch Mei andere kleinere Täler nttin» den. Die beherrschende Lage an diesen Talpforten, die zugleich auch GebirgSzugänge sind, mag Anlaß zu der vermutlich im IS. Jahrhundert erfolgten Gründung des Städtchens gewesen sein; urkundlich wird Arnau 1189 erstmalig genannt! Die alte Stadtmauer ist da und dort-eingebaut noch sichtbar; deutlich erkennbar ist ihr kreiLförm'-- ger Zug im Anblick des Städtchens von der Oels- ner Höh« aus, die den hWschesten Blick auf di- Stadt bietet und von der aus man in den Markt hineinsieht wie in eine Stube. So wirft er auch: al» völlig geschloffener quadratischer Raum, von steinernen Laubengängen rings umzogen, deren mannigfaltige Durchblicke aus schattigen Wölbungen dem Martt«ine reizvolle Intimität geben. Und dann steht da, malerisch eingerahmt von dunklen Laubenbögen, ein alter, aus der Häuserreihe vorspringender Rathausturm in lustig verbauetter Renaiffanee, mit verblaßten Sgraffitomalereien, mit einem achteckigen hölzernen Laubengang unterm Dach und einer Laterne oben, die wie ein« Sommerlaube ihre geschweift« Haube trägt. Der seltsamste Schmuck aber find zwei bättige Männer mit Schild und Schwert, zwei sechs Mtter hohe Kolossalfrgu« ren in der Rüstung römischer Krieger, nach denen Arnau das„Riesenstädtchen" genannt wird. Der Sage nach stellen sie zwei Unholde dar, unter denen Arnau viel zu leiden gehabt habe und die schließlich durch List Werwältigt worden feim. Zur Erinnerung an das von ihnen gestiftete Ungemach habe man ihre Bildniffe ausgestellt. Der Forschung, wenn sie möglich wäre, würde wohl dies« Uebettirferung nicht standhaften; vielleicht sind es eher auf irgendwelchem Wege hierher geratene Vettern der RolandSftguren, wie sie in norddeutschen Städten al» Symbol städtischer Unabhängigkeit erttchtet wurden. Wie dem auch sei— die Arnauer Riesen stehen hoch an den Turmecken, als wären sie im Laufe der Jahrhunderte vor Langeweile versteinett, unentwegt Wer den sonnigen Martt starrend, auf deffen Holperpflaster gerade jetzt, während wir au» dem Laubenschatten die Riesen betrachten, zwei Hunde mit glühenden Augen und flammenden Zungen jene» doppelköp- fige lebende Wappen bilden und dabei au-sehen, al» of> sie lachten, auch sie ein wenig peinlich be- rühtt davon, di« einzigen Akteure auf so großem Schauplatz zu sein. Denn was geschieht schon hier unter viertausend Einwohnern, was nicht bemerkt wurde? Es gibt einige Textil- und Metallindu- striebetriebe, seufzend unter dem Vakuum der Kris-, einige Papierfabriken, ein« davon im ehemaligen Schloß hausend, um das einst der Huffitengenerak Zijjka vergeblich kämpfte; im alten Kloster erziehen die Nonnm junge Mädchen, und die Äbi fließt unaufhaltsam weiter. Rach kurzem Lauf durch breitere Wiesenauen tritt sie bei Neuschloß in ein engeres Tal ein, in dem sie, mit weißen Schaumflocken auf dem Spiegel, unter Uferbüschen still dahinfließt. Dann Wer, bei Döberney vertieft sich das Tal, die Hänge werden steiler, die Straße führt hoch-Wenn Fluß durch Wald. Kiefern, Heidelbeerkraut, Gebüsch, schwarzgrau« Blöcke, mit Moos bewachsen. Und während die Elbe auf der Talsohle noch Rotliegendes auswäscht, leuchtet oben die gelbweiße Wand eines Sandsteinbruches— die Elbe durchbricht in einem engen, tief eingeschnittenen Erofivnstal die. Kreideformation des Königreichwaldes. Das Landschaftsbild hat wiederum gewechselt; es erinnert jetzt von ungefähr an Szenerien des Elbesandsteingebirges. Das Hügelland des Rotliegen» den, die Landschaft der roten Hügel ist M Ende, und nun, im Angesicht von Königinhof erweitert sich das Tal zwischen weitW ziehenden niedrigen, Wer scharf ausgeprägten Hügelterraffen auf eine Breite von einigen Kilometern. Ein großer blanker Spiegel glänzt auf: die Talsperre Königreichwald. Sie sammelt die Kraft der jungen Elbe zum zwetten Male. Sie staut neun Millionen Kubikmeter, während die Talsperre unterhalb von Spindelmühle nur 3,835 Millionen Kubikmeter faßt. Gekräftigt durch geregelten Zulauf verläßf der junge Fluß das Staubecken. In der weithin geöffneten Niederung glänzen die Dächer von Königinhof. Die Elbe tritt in das große nordböhmische Kreidebecken ein. Bon nun an ist sie bis Leitmeritz» bis zum Durchbruch der Böhmischen Pforte, dem Tore zum Mittelgebirge bei Tzernqsck, ein Flachlandfluß. E. H. Seit« 6 „Sozialdemokrat" Sonn taz, 28. Mai 1935. Nr. 123 'Uettümacftricftten. Aus dem Film„Bom Abend b,s Mitternacht". ien Pavlik und des Sachverständigen bekannt. Die Bilder wurden beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft hat im ganzen die Strafanzeige gegen sechs Personen erstattet. Montag, den 27. Mai, wichtige Sitzung der Bezirksvertretung im Parteiheim um 8 Uhr. Anwesenheit aller Mitglieder unbedingt notwendig! Bortrag des Genoffen Abg. Jaksch. Diens- tag um 20 Uhr spricht Abgeordneter Genosse Jaksch auf einem von' der Gruppe„Prograiq" veranstalteten Debattenabend im CafL Mett», Prag I., Narodni 25. Thema:»Die Ursachen M Erfolges der Henleinpartei." Gäste willkommen! Drei Selbstmörder. Gestern vormittags wurde in seiner Wohnung in ZiZkov der 46jährige Unterbeamte der Post Vaclav Pechacek von seiner Gattin erhängt aufgefunden..Da der Selbstmord durch einen- hinterlassenen Brief erwiesen ist,' wurde von der SezierUng abgesehen. Motiv: Gram über die Krankheit seiner 14jährigen Tochter.— Etwa zur selben Zeit fand der Inspektor der Staatsbahnen Jaroslav Sieger bei feiner Heimkehr ans dem Amte seine 31jährige Gattin Jarmila erhängt in der Wohnung auf. Die. Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin überführt. Das Motiv der Tat ist unbekannt.— Gestern vormittags wurde im Edenpark in Wrschowitz der 49jährige Strahen- arbeiter Vinzenz Kraus gefunden, der sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern ausgeschnitten hatte. Im Weinberger Krankenhaus wurde festgestellt, daß seine Verletzungen leichterer Natur sind. Das Motiv der Tat hat er nicht angegeben. Ergreiferprämie für die Pofträuber von Ko hl- furt. Wie seinerzeit gemeldet, wurde genau vor 14 Tagen um Mitternacht hinter der Station Kohlfurt bei Rothwasser in Deutschland ein Schnellzug überfallen, wobei die Täter acht Kistchen mit 51.000 Mark(etwa 35.000 Mark in Papier, der Rest in Metall) aus dem Postwagen raubten. Im Laufe der Untersuchung gelang es, einen der Täter zu verhaften. Es ist dies der am 10. Dezember 1908 in Brieg geborene Friedrich Schüller, der dadurch, daß bei ihm 8000 Mark, zum Teil noch in den besonders bezeichneten Umschlägen, in denen sie in den Kisten verpackt waren, gefunden wurden, überführt erscheint. Noch nicht verhaftet sind seine Brüder und Komplizen, der am 14. Jänner 1910 in Brieg geborene Willy Schüller, der am 9. Jänner 1907 ebenda geborene Erich Schüller und der am 30. Avril 1901 in Gross-Lenhusch bei Brieg geborene Hermann Schüller. Auf die Ergreifting dieser Personen ist eine Prämie von 5000 Mark und außerdem 10 Prozent des zurückcrstatteten Geldes gesetzt. Es wird ersucht, bei der Fahndung nach ihnen, die sich möglicherweise in der Tschechoslowakei aufhallen, behilflich zu sein; doch wird gleichzeittg darauf auftnerksam gemacht, dass es sich um gefährliche und mit Warfen versehene Individuen handelt, so daß Vorsicht geboten ist. Heiratsschwindler. Der 80jährige Rudolf Seidel aus Prerau entlockte am 13. ds. dem Dienstmädchen N T. aus Smichov Ersparnisse im Betrage von 10.000 Kd unter dem Vorwand, sie heiraten zu wollen. Er hatte sich als Angestellter einer Druckerei in Smichov ausgegeben. Als die T. die Unwahrhaftigkeit seiner Angaben festgestellt hatte, erstattete sie dir,Atrafauz«ge. Nach Seidel wird gesucht. »«««Ist«» II««II« feheniiädte IDehelsdot! und Hdenbadi Beliebte Sommerfrische mit modernem, großem Strandbad- Herrl. Sandstrand- Sprungturm— Spielplätze> Mod. Ter- rassencaf6» Wunder* schöne Umgebung mit Waidspaziergängen usw. Auskünfte erteilen kostenlos die Felsen- und Strandbadverwaltung oder der Fremdenverkehrsverein Nieder-Adersbach zgzr Allgemeiner Angestellten-Verband, Reichenter«, Gruppe Prag. Amtsstunden: Mittwoch, 6 bis 8 Uhr abends, Narodni ti. 4/III. Meldet freie Posten unter Telephon 51351.— Aulschuhsitzung am S'g m- t a g, dem 1, Juni, 7 Uhr abends,„Monopol".— Nächste Mitglieder- Zusam« menkunft am 1. Juni. Samstag, 8 Uhr abends, Winterhalle, Hotel^.Monopol". Eingeführte Gast willkommen. Besichtigung der Druckerei im Volkl- haus.— Jung-Angestellten- Treffe« in Brüx zu Pfingsten. Anmeldungen Mittwoch in der Kanzlei.— P.fingstfahrt(Sonntag) na4 Liboch—Kokorin, 20 K£ pro Teilnehmer. soll. Der betreffende Gastwirt erklärte aber, daß Budas an jenem Tag gar nicht im Gasthaus gewesen war und niegeraufthabe. Nach dem polizeiärztlichen Zeugnis handelte es sich um fris che Verletzungen! Nun— di« Götter mögen wissen, wo Budas so arg^gerichtet wurde. Die Polizei war es nicht — so etklären einstimmig alle Polizisten. Und iw Polizeiorgane Amtspersonen sind und unter Diensteid stehen, so entschieden ihre Aussagen auch in diesem Gerichtsverfahren, so wie schon vorher bei der dienstlichen Untersuchung der Sache und der Senat des Herrn GR. Dr. Novotny erkannte Juraj Budas als Verleumder der Polizei schuldig und verurteilt« ihn zu v i e r Monate Kerker bedingt., rb. mit seinem Bruder Wenzel, seinem Schwager Wenzel V a ü ä s e k und twch einem vierten Spiessgesellen namens Karl B u r e s ein Konsor- tiüm, das sich zur Aufgabe machte, mit Hilfe gefälschter Geburts- und Taufscheine und Anmeldungsformulare,■ mittels gefälschter Unterschriften und Stampiglien sozusagen Kinder en gras zu fabrizieren. Die Komplicen spürten zunächst irgendein Ehepaar auf, das irgendwo krankenversichert war und fertigten dann auf dessen Namen falsche Belege aus, gegen deren Vorlage sie dann die Wöchnerinnenunterstützung für gar nicht geborene Kinder einkassierten, ohne dass die angelblichen Eltern eine Ahnung hatten, dass ihnen in den Registern der Krankenversicherung ein Kindlein zugewachsen sei. Die Komplicen arbeiteten mit beträchtlichem Erfolg. In nicht weniger als 56 Fällen gelang es ihnen, Unterstützungen von je 200 Kd zu erschwindeln. Die Sache flog dadurch auf) dass im 57. Falle der liguidierende Beamte das Wöchnerinnengeld nicht in bar auszahlte, sondern per Post an die angeblichen Kindeseltern überwies. Diese waren masslos erstaunt,' ohne ihr Wissen und Zutun zu einem Kind gekommen zu sein und gingen der Angelegenheit nach. Als man Safakik und seine Mittäter ausgeforscht hatte, stellte sich heraus, dass dieses Kleeblatt auch L ebensmittelauwei« jungen für Arbeitslose gefälscht und deren 111 in Geschäften abgesetzt hatte. Der Gesamtschaden beträgt 12.300 Kd. Der Gerichtshof N o v o t n 6 verurteilte Franz Safakik zu fünf Monaten schweren Kerkers, seinen Bruder Wenzel zu vier, seinen Schwager V a« üasek zu drei und Karl B u r e s zu sechs. Sämtliche Strafen sind unbedingt, rb. Beschwerde über Polizeibrutalität endet mit vier Monaten Kerkers Prag. Immer wieder ereignet sich der Fall, dass vor Gericht Angeklagte ihre bei der Polizei abgelegten Geständnisse widerrufen, mit der Begründung, sie seien ihnen durch körperliche Misshandlung abgenötigt worden. Die Richter pflegen auf solche Bekundungen nicht einzugehen und sich nicht auf Debatten über diesen heiklen Punkt einzulassen. Dass die Methoden des polizeilichen Verhörs nicht gerade auf den Prinzipien reiner Humanität aufgebaut sind, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Da aber die Poli- zeiorgane im Gerichtssaal als amtliche und beeidete Zeugen auftreten und ihre Aussagen schwerer wiegen als die gewöhnlicher Sterblicher, werden solche Beschwerden eben kurzerhand abgetan. Im März v. I. wurde auf einem Gut in Straschnitz der slowakische Kutscher F o r g a l erschlagen und seiner Ersparnisse beraubt. Als Täter wurde später ein gewisser Kopkiva ausgeforscht und vor dem hiesigen Schwurgericht nach Verdienst abgcurteilt. Ehe aber die Polizei den wahren Mörder entdeckte, lenkte sich ihr Verdacht auf einen anderen slowakischen Kutscher, der auf dem gleichen Gut diente, den 37jährigen Juraj Budas. Als dieser Unschuldige aus der Polizeihaft entlassen wurde, wandte er sich mit einer Beschwerde , an das I u st i z m i n i st e r i u m, in welcher er gegen die Polizei die Beschuldigung schwerer Misshandlungen erhob, Er erklärte u. a., mit einer Schaufel gegen den Bauch geschlagen und mit Fausthieben gegen den Kopf derart ttaktiert worden zu sein, dass er Blutergüsse in den Augen erlitt.und in schwerverletztem Zustand die Polizeidirektton verlieh. Die Untersuchung ergab„keinerlei Anhaltspunkte für diese Beschuldigun- g e n" und Juraj Budas wurde nun wegen V e r» brechens fälschlicher Bezichtigung unter Anklage gestellt. Anlässlich dieses Strafverfahrens wurde die ganze düstere Angelegenheit nochmals aufgerollt. Die Zeugen— durchwegs Polizeipersonen— bestritten natürlich jede Misshandlung und der bekannte Oberkommissär Dr. Berkovec erklärte bei der ersten Verhandlung:„So etwas könne bei derPolizei einfach nicht Vorkommen." Nun ist freilich durch das Zeugnis des Polizei arztes Dr. Teply nachgewiesen, dass B u d a s tat sächlich vor der ersten Einvernahme schwerere Ver letzungen aufwies. Die Polizei erklärte, dass diese Verletzungen von einer Wirthausrauferei herstamm- tcn, an der sich Budas tags vorher beteiligt haben Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Der Strassenjunge". A.— Alfa:„8oit Abend bis Mitternacht". A.— Avion:„Die bloflN Venus". A. Marlene Dietrich.— Beranek:„Köm! der Dschungel". A.— Fenix:„W enn ich eia« Million hätte". A.— Flora:„Phantom W® London". A.— Gaumont: Grotesken Eomi Eolok. — Hollywood: Grotesken Tomi Color.— Hvizd«: Mickey-Maus-Brogramm.— Julis * Frau vergisst nicht..A. S u l l i v an.— Kinems: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna:„~ lt Held der Arena". A.— Kowa:„Bei Kerzenlicht" A.— Lucerna:„Bei Kerzenlicht". A.— Mett«: „Liebling". A. Sh. Temple.— Praha:„Wilde We" bet von Borneo". A.— Radio:„Die Liebe dtt Königin Karolin-". A.— Skaut:.König ter Dschungel". A.— Soetozor:„Die blonde Venut- A Marlen« Dietrich.— Alma:„Czibi, der Fra?'* D. Fr. Gaal.— Belvedere:„Suzanne Lenox".* Greta Garbo.— Carlton:.„Die Liebe drk Königin Karoline". A.— Favorit:„Die Liebe der Königin Karoline". A.» VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsum vereine« SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie., PILSEN Reichwaren der Fa. HEGNER*«a., Pilsen sind dln allerbesten! Falsche Bilder und echte Brillanten Eine Schwindelei grossen Stils, die ausserdem an Kompliziertheit an den seinerzeitigen Fall der Austern— Van Goghs erinnert, ist dieser Tage zur Kenntnis der Polizei gelangt. Ein Kaufmann, namens O. S. aus Prag hat Anfang Mai dem 38jährigen, vorbestraften Juwelenhändler Kolben aus Zi.skov Armbanduhren im Werte von zirka 80.000 Kd verkauft, wofür er Brillanten und Schmuck als Gegengabe erhielt. Nach zwei Tagen forderte Kolben jedoch O. S. auf. einem bekannten Brillantenhändler 60.000 Ki zu leihen, wofür er Brillanten im Werte von 80.000 bis 100.000 KL als Gegenwert erhalten würde. zahlte Kolben 45.000 KL aus und erhielt zwanzigkarättge Brillanten. Nach weiteren zwei Tagen bemerkte Kolben zu S.. er könne die als Pfänd erhaltenen Brillanten vorteilhaft verkaufen und ausserdem an einen anderen lukrativen Geschäft partizipieren. Ein ihm bekannter Wiener Antiquitätenhändler namensE. B. habe drei wertvolle alte Bilder für 200.000 KL zum Perkauf. doch wisse er, Kolben, einen Käufer, der bereit sei, mehr zu zahlen. S. solle also die Bilder kaufen, mit den zum Pfände erhaltenen Brillanten bezahlen und dann dem andern Käufer vorteilhaft Weiterverkäufen. S. ging auf das Geschäft ein. Der angebliche Antiquitätenhändler erklärte sich nach längerem Handeln bereit, die Bilder für 180.000 KL herzugebcn, bzw. Brillanten dafür anzunehmen und kurz daraus fand sich, von einem angeblichen Sachverständigen begleitet, der andere Käufer in Gestalt eines an- gcblichen Fabrikanten Pavlik aus Prcssburg ein. Dieser erklärte sich auf das Gutachten des„Sachverständigen" hin bereit, für die Bilder 210.000 KL zu geben und gab 9000 KL als Angabe, mit dem Bemerken. dass er am 23. Mai den Rest bezahlen und die Bilder abholen werde. S. musste die erhaltenen 9000 Kö auf Kolbens Drängen sofort dem Wiener „Antiquitätenhändler" ausbezahlen und weitere Brillanten dazugeben. Inzwischen aber schöpfte S. doch irgendwie Verdacht und liess die Bilder von einem wirklichen Sachverständigen überprüfen, der sie auf höchstens 3000 KL schätzt«. Nun zeigte S.. der noch einige Brillanten befass, Unlust, den Kauf abzuschliessen; aber Kolben und die anderen drohten, dass der Fabrikant Pavlik, der eine Angabe von 9000 Kö gegeben hatte, jetzt unbedingt auf Erfüllung des Vertrages bestehen werde und brachten S. so dazu, seine sämtlichen Brillanten herzugeben. Nun, da er bereits mehr als 120.000 KL in das Geschäft investiert hatte, entschloss sich S. zur Anzeige. Der Wiener„Antiquitätenhändler" konnte noch gerade vor seiner Abreise aus dem Bahnhof verhaftet werden; ebenso wurde Kolben und ein weiterer Komplize verhaftet. BeiKol- ben wurden sämtliche Brillanten gefunden. Er gab der Polizei di« Namen der Tarsrcller dx» Fabtt lan>- Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—-. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden lau! Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Mckstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wmde von der Post- und Tele« graphenüireltion mit Erlass Nr. 13.800/VII/19Z0 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und 8ejtmtgS-A.-G«. Prag.__ Sie fabrizierten»Kinder" en gros 56 Geburten vvrgetäuscht und Wöchnennnen- geldrr beheben. Prag. Als dem Maurer Franz Safakik auS Vokovice im Vorjahr von seiner Ehefrau ein Kind geboren wurde, war er sehr erfreut, als ihm die Prager Bezirkskrankenversicherung gegen Vorlage der erforderlichen amtlichen Bestätigungen die seiner Frau zustehende Wöchner innenunter stützung von 200 KL in bar auszahlte.. Und als er später arbeitslos wurde, verfiel er auf den Gedanken, sich das Geld, das er in ehrlicher Arbeit nicht zu verdienen vermochte, durch Missbrauch der sozialen Errungenschaften zu erwerben. Da er den amtlichen Vorgang bei Liquidierung des Wöchnerinnengeldes aus eigener Erfahrung genau kannte, gründete er Del Kerzenlicht Diesen amerikanischen Film könnt« man gut nennen, weil er zu den besten seiner Gattung gehört,— aber die Gattung selbst ist so ziemlich die übelst«, die es gibt: jenes„Gesellschaftslustspiel"; das uns wie«in Gespenst aus einer vergangenen bürgerlichen Theaterwelt verfolgt und um desjen Aristokraten- und Domestikrn-Typen der Hauch, der Verwesung weht, der durch daS erotisch-pikanie Parfüm nur noch verstärkt wird. Ein« am Broadway offenbar erfolgreich gewesene Komödie von Siegfried Geher ist hier verfilmt worden,— nnJ in dieser Komödie tritt ein leibhaftiger Prinz aus, der in Paris und Monte Carlo damit beschäftigt ist, in Casanovas Spuren zu wandeln und aul seinem Kammerdiener einen gelehrigen Schüler zu machen. Der Höhepunft der Handlung ist dann die Szene, in der besagter Prinz, als sein eigen« Diener verkleidet, den Schüler bedient, der mit der Kammerzofe einer(dem Prinzen nahestehenden) Dame in der Meinung, dass sie«ine Baronin sei, ein Töte 4 töte hat, wobei die Kammerzofe ihrerseits den Diener für den Prinzen hält In Verlin, Wien und Prag wre daraus ein schwankhafter Operettenfilm mit OrdenSgefunkel, Schlagergesang und geräuschvollen Tanzszenen geworden. Der Hollhwood-Regiffeur James Whale aber(der den Film vom„unsichtbaren Mann" inszenierte) hat ein wahrhaft eleganter Spiel daraus gemacht: mit gepflegtem Dialog, mit gutgesetzten Pointen, mit gedämpfter Begleitmusik und vielen rhythmischen Feinheiten der Bewegung. Ttz männlichen Hauptdarsteller Paul LukaS(all Kammerdiener) und Nils A st h e r(als Prinz) servieren lauter gelungene Kammerspiel-Auftrittej und nur die weibliche Hauptakteurin Elissa L a n d i fugt sich der Ausgeglichenheit dieses Spiels nicht ganz ein,— das eine Spielerei mit dem Nicht, ist.—«ir— Eine neue Freilichtbühne hat der Bezirksbfl- dungsausschutz N e u e r n im Vöhmerwalde erbaut. Sie soll das weltliche Gegenstück zu den Höritzer geistlichen Spielen werden. Der Bau, mit den Zinnen seiner dem Tal zugekehrten Nordmauer und dem flachen Dache seines Vlockhauses weithin sichtbar, liegt fünf Minuten von der Stadt am Nordhange des Bayrecker Burgberges am romantischen„Hohenstein". Die Bühne, wind- und wettergeschützt, aus drei Seiten von steilen Felswänden und Hochwald umgeben, ist modern gebaut, sie hat unterirdische Gänge, Versenkung, ein Blockhaus mit verschiebbaren Wänden,«lektr. Beleuchtung(Scheinwerfer); der sehr stark ansteigende Zuschauerraum enthält 1500 Sitz- und 800 Stehplätze. Die Akustik ist sehr gut. Der Kostenaufwand beträgt nahezu 100.000 Kronen. Spielplan fiir Juni 1935: 1. Juni: Schillers„R ä u b e r" als Schülervorstellung zum 130. Todesjahr« des Dichters.(Wiederholung am 16. Juni als Abend- und am 20. Juli als Nachmittags- Vorstellung.) 9. Juni:„Die klinischen Freibauern" von Josef Blau. Schauspiel aus dem Bauernaufstände von 1613.(Pfingstsonntag.) hX Juni.(Pfingstmontag): Hans Multerers Spiel vom„Leben und Sterben" des Bauers. — Am 30. Juni die Oper„H u b i L k a"(Der .Kuh) von Smetana(Pilsener Städt. Theater. Erhöhte Preise.) Spielleitung der eigenen Aufführungen: Oswald Fritz. Eintrittspreise der eigenen Auf- führrmgen: 6, 4 und 2 Kronen. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theater, Sonntag, halb 8: Di« Fledermaus, B 2.— Montag, halb 8:MenscheninWeiss, volkstüml. Borstell., Abonn. aufgehoben.— Dienstag, halb 8: DieNachtigall, Erstaufführung; neuinszeniert: Gianni Schiechi, A 1.— Mittwoch, halb 8: Cavalleria ru fticana, Bajazzo, B 2.— Donnerstag, halb 3: Die Kleinstädter, Jugendborstellung der Urania; halb 8:ServuS, Ser- lusl C 1.— Freitag, halb 8: Die Fledermaus, D 2.— Samstag, halb 8: Servus, Servus! B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag, 8: Meine Cousine aus Warschau.— Montag, 8: Meine Cousine aus Warschau, Bankbeamte und freier Verkauf.- Dienstag, 8: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch, 8: Mädchen für alles, volkstüml. Vorstellung.— Donnerstag, 8: Meine Cousine aus Warschau.— Freitag, 8: I ch Habs getan, volkstüml. Vorstellung. Samstag, halb 8: Regen und Wind, Erstaufführung.