1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova a. telefon no77. HERAUSGBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Donnerstag, 30. Mai 1935 Nr. 126 chen Empfänge in Lana verhandelt werden Regierungsbildung sich bemüßigt füh- Einflüsse znrückzuführende Einmischung umzudeuten versuchen werde. Der weiteren Auffassung des Herrn. Reichskanzlers, daß das Regime in Oesterreich nicht vom Volke getragen sei, muß e.itgcgcngchalten werden, daß diese Auffassung als sachlich unzutreffend größtes Befremden zu erregen geeignet ist,' Abgesehen davon handelt es sich hiebei um einen spezifischen Versuch zur Einmischung in österreichische Angelegenheiten. Man soll nicht van Gewalt sprechen, da die Welt sich gerade in bezug auf dir Gewalt bestimmte Gedanken über da- Regime in Deutschland macht. Der Herr Reichskanzler hat ferner in seiner Rede auf die deutsche Schweiz angespielt. Oesterreich verlangt, daß der deutsche Oesterrricher in glri- Hilgcnrcincr, durch den Präsidenten der Republik vevorstche, entsprechen nicht den Tatsachen. Es hat lediglich eine Aussprache M a type t r s mit dem früheren Minister Mayr- Harting stattgefunden. Hilgrnrriner soll mit dem Minister Dr. S r ä m e k konferiert haben. Offenbar wurde dabei dir Frage einer eventuellen Regirrungsbeteiligung der deutschen Christlich- sozialen verhandelt, ohne daß es dabei zu irgendeiner Entscheidung gekommen wäre. Mit der offiziellen Bildung des neuen Kabinetts ist erst für die nächste Woche zu rechne». Die Einberufung des neuen Parlaments zur kon- stitnierenden Sitzung und zur Entgegennahme der Programmerklärung der neuen Regierung soll möglichst bald nach den Pfingstferien erfolgen, da ja infolge des Katholikentages Ende Juni nur mehr eine kurze Zeitspanne für die Borferiensession zur Verfügung steht. neswrgs definitiv. Dir Regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor, durch welchen die Hauptgrundsätze der RRA aufrecht erhalten, dabei aber alle Zwangsmaßnahmen ausgeschlossen würden. Die Festsetzung der Preise durch behördliche Verfügung würde verschwinden. Der Präsivent der Handelskammer der Bereinigten Staaten hat alle Mitglieder der Handelskammer aufgefordert, vorläufig den status quo aufrechtzuerhalten. Der Verband der Trxtilindustriellen, der nationale Verband der Automobilhändler und zahlreiche andere Arbeit- geberorganisationen haben beschloffrn, der RRA die Treue zu wahren. Es bestehen Befürchtungen, daß neuerdings eine lleterproduktion eintreten und ein neuer Prriskampf entbrennen würde, wenn sämtliche Reglemrntationen der Erzeugung aufhörten. Washington» Streikdrohungen, Preiskonkurrenzen, die zeitweilig lahmgelegten Märetzr und das Stillschweigen des Weißen Hauses sind die Hanptsymptomr des zweiten Tages nach dem Sturze der RRA. Dir Ädministrative ist aber fest kvtlchMrg, dir Reform das srrcickte Lebens- nivoa« der Arbeiterschaft durch jedwede notwendigen gesetzliche« oder juristischen Kompromiffe aufrechtzuerhalten. Die Arbeiter fordern, daß das Werk der RRA, zumindest betreffs der Arbeitszeit und der Arbeitslöhne, weiter bestehen bleibe. Außer der Gewerkschaft der Textilarbeiter hat auch dir Bergarbeitergewerkschaft beschlossen, in den Streik;«treten, falls die Arbeitgeber den RRA-Eode kündigen. Selbst die Niederlage der Regierung ist kei- H> Zusammenarbeit sei nur im gegenseitigen Einvernehmen möglich. Rach unseren Informationen ist, soweit es sich um Henlein handelt, mit einem Empfang, der auch nur zeitlich in den Rahmen der Verhandlungen über die Regierungsbildung fallen würde, nicht zu rechnen. Es steht nach wie vor fest, daß mit der Sudetendeutschen Partei über die Frage des Eintrittes in die Regierung nicht wird. Wenn nach der irgendeine Oppositionspartei, len sollte, um eine- Aussprache mit dem Ministerpräsidenten anzusuchen, so würde ein solches Ansuchen offenbar nach den sonst üblichen Richtlinien behandelt werden. Vorläufig ist aber diese Frage nicht aktuell. Vor dem sogenannten Bundestag hielt der Kanzler Schuschnigg Mittwoch die seit Tagen angekündigte Rede.. Er forderte die uneingeschränkte Gleichberechtigung Oesterreichs in der Wehrfrage. Oesterreich werde selbst entscheiden, yb cs die allgemeine Wehrpflicht brauche oder nicht. Die Finanzlage stellte Schuschnigg sehr optimistisch dar, ebenso die innerpolitische Situation. Eine Volksabstimmunglehnte er ab. Ter wichtigste Pasius der Rede behandelte die außenpolitischen Beziehungen Oesterreichs. Schuschnigg bezeichnete die Beziehungen zu Frankreich und England als ausgezeichnet, die zur Tschechoslowakei, zu Jugoslawien und der Schweiz als freundschaftlich, die zu Ungarn als traditionell freundschaft- l i ch. Ueber Italien sagte er: „Rach wie vor verbinden uns besonders freundschaftliche Beziehungen mit dem benachbarten Italien, bei dem Oesterreich auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete verständnisvolles Entgegenkommen findet. Ich habe allen Grund, auch von dieser Stelle aus dem Chef der königlich italienischen Reg.i« rnng zu danken für das Entgegenkommen, das Oesterreich insbesondere in den schwersten Tagen des vergangenen Jahres und seither stet» gefunden hat. Da gerade unsere Beziehungen zu Italien zu einer hemmungslosen Propaganda«egen Oesterreich benützt werden, möchte ich mit allem Nachdruck erklären: Ich stelle fest, daß Italien niemals auch nur den leisesten Versuch einer innenpolitischen Einmischung in Oesterreich unternommen hat und die Fabel der polifischen Abhängigkeit in den Bereich tendenziöser Erfindungen gehört. Daß wir mit Italien auf kulturellem Gebiete ein besondere» Abkommen getroffen haben, liegt doch wahrhaftig in der Linie gerade der besonderen Aufgaben/. denen wir unS niemals entziehen werden, Aufgaben, die für unS nicht eine Frage der Taktik sind, die man heute wechseln kann. Wir werden unS dieser Aufgabe auch dann nicht entziehen, wenn Böswilligkeit oder Unverstand ihre Erfüllung zu verhindern trachten. Ehrliche Freundschaft verbindet das neue Oesterreich mit dem neuen Italien. Schließlich sei ja auch im Deutschen Reich nicht alles beim Alten geblieben. Gleich geblieben sind in Wirklichkeit nur die Alldeutschen. Für diese Sorte von Politikern, die so gerne historische Reminiszenzen anwenden, kann auf eine bestimmte historische Reminiszenz angespielt werden, welch« 70 Jahre zurückliegt. Sie mögen andaSJahr1866den- k:n. Damals wäre eS richfig gewesen, die deutsche Einheit hochzutragen nnd die historische Entwicklung zu respektieren." Dr. Schuschnigg sprach dann über die Spannung mit Deutschland, die alle(?) Oesterreicher mit ehrlichem Bedauern erfülle: „Die Spannungen haben seit zwei Jahren das friedliche Nebeneinanderleben der beiden deutschen Staaten aufs empfindlichste zu stören vermocht, aber trotzdem erkläre ich, daß wir jedermann gegenüber stets gerne bereit sind, in eine unS gebotene friedliche Hand ehrlich einzuschlagen.. Ader bisher haben wir dies« friedliche Hand-noch nicht deutlich gesehen. Tie Erklärungen des Reichskanzler», daß Deutich- land weder die Absicht, noch den Willen hat, sich in di« innerösterreichischen Verhältnisse einzumengen, dies« Erklärung nehmen wir mit Beftiedigung und Genugtuung zur Kenntnis, ebenso die grundsätzliche' Bereitschaft, internationalen Vereinbarungen zuzustimmen, die in wirksamer Weise alle Versuch« einer Einmischung in innerpolitische Verhältnisse anderer Staaten unterbinden, und unmöglich machen. Wir halten ferner schließlich auch die Forderung nach genauer Definition des Begriffe»„Einmischung" für berechtigt, eine Forderung,, die der Herr Reichskanzler gleichfalls ausgestellt hat.' Wir halten sie um so Mehr für,berechtigt,.als.nftmgnd klarer wie Oesterreich auS seiner eigenen jüngsten Geschichte einen Beitrag zu dieser Begriffserläuterung zu liefern vermag, einen Beitrag, der in der ganzen Welt bekannt ist, und zwar ohne unser Dazutun, denn die Ereignisse haben für unS gesprochen und Gräber kann man nicht verschweigen. ES besteht kein« Gefahr, daß man etwa, wie der Herr Reichskanzler sagte,— ohne Oesterreich allerdings zu nennen—. jede innere Erhebung sofort als auf äußere cher Weis« gehandelt wird, wie der deutsche Schweizer." Zum Schluß stellte Bundeskanzler Doktor Schuschnigg drei Forderungen auf: 1. Die grundsätzlich gleiche Behandlung Oesterreichs, 2. die Zuerkennung grundsätzlich des glei- R echtes, 3. die Anerkennung der gleichen Ehre. Voraussetzung für die Normalisierung der Verhältnisse ist und bleibt für die Bundesregierung: Die rückhaltslose Anerkennung der Berechtigung Oesterreichs, selbst in allen inneren und äußeren Angelegenheiten ohne offene und verstärkte Einflußnahme von Faktoren oder Strömungen außerhalb seiner Grenzen entscheiden zu. können. Ueber alles andere kann man mit den Oesterreichern reden— über diese drei Punkte niemals. Schuschniggs aussenpolitische Rede Huldigung für Mussolini— Polemik gegen Hitler NRA-Kompromiß gesucht USA-Gewerkschaften drohen mit Streik Prag. Wir amtlich gemeldet wird, hat der Präsident der Airpublik am Mittwoch in Lana die Vertreter von vier Koalitionsparteirn, und zwar den Abgeordneten Beran für die tschechischen Agarirr, den Abgeordneten H a mp l für dir tschechischen Sozialdemokraten, den Senator K l» f ä ä für dir tschechischen Nationalsozialisten und den Minister Dr. S r ä m r k für die tschechisch« Volkspartei empfangen. Für Donnerstag ist der Empfang der beiden deutschen Minister Dr. E z e ch und Dr. Spina vorgesehen. Auch' der designierte Chef der neu 4» bildenden Regierung, M a l y p r t r, hat die Beratungen mit den bisherigen Koalitionsparteirn fortgesetzt und außerdem mit dem Abgeordneten R a j m a n von der tschechischen Gewerbepartri verhandelt. In Aussicht genommen sind auch Beratungen mit der slowakischen Bolkspartri. Die Meldungen, daß rin Empfang des Obmanns der deutschen christlichsozialen Bolkspartei, »* Vergebliche Liebesmüh . Der agrarische„V t üer" meldet mit einem Fragezeichen, daß H l i n! a und H e n l e i n zum Ministerpräsidenten eingeladen werden sollen. Malypetr wolle als neu designierter Ministerpräsident die Ansichten der einzelnen politischen Parteien hören.„Damit ist," erklärt der „V:ce r" selbst,„nicht, gesagt,, daß a l.l e Parteien, mit deren Vertretern der Vorsitzende der Regierung verhandeln wird, auch Mitglieder der Koalition werden." Malypetr müsse aber die parlamentarische Tradition' wahren und könne niemanden, der sich nicht direkt gegen den Staat stellt, von vornherein ausschlietzen. Freilich sei es auch seine Pflicht,, über die Ansichten der Parteien jene politischen Parteien zu informieren, die die Koalition b i l den, denn eine Hie Schicksalsfrage des sudetendeutschen Zentrums Mit Henlein oder mit der Demokratie? Seit innerhalb des Sudctendcutschtums die Frage„Fascismus oder Demokratie" zur Entschei- I bitng steht, also seit Hitlers Machtergreifung, haben die deutschbürgerlichen Parteien zwischen der Neigung zur Gleichschaltung und einem opportunistischen Bekenntnis zum demokratischen Staate geschwankt. Es erschien ihnen überaus verlockend, s nach Hitlers Muster in einer großen„antimarxi- stischen" Offensive die Arbeiterbewegung niederzuwerfen Und an den Mode-Erfolgen des Fascismus zu profitieren. Auf der andern Seite wollten sie sich doch nicht den Gefahren aussehen, die damals den rein fascisfischen Parteien in der Tschechoslowakei drohten und, soweit sie in der Regierung vertreten waren oder auf die Teilnahme an der Regierung aspirierten, wollten sie die Brücken nach dieser Seite nicht abbrechen. Aber einen wirklichen ideologischen und politischen Kampf gegen den Fascismus organisierten sie nicht. Die C h r i st- lichsozialen kokettierten nicht nur mit dem Austrofascismus, der ihnen gesinnungsgemäß natürlich nahesteht, sondern stießen, trotz aller Katholikenverfolgungen im Dritten Reich mit aller Kraft auch in das Horn Hitlers. Der Bund der Landwirte bemühte sich in wahrhaft aufopfernder und selbstloser Weise um die Errichtung einer neuen häkenkreuzlerischen Partei, schuf in seinen Reihen die Henleinflliale des Herrn H a ck e r und konnte sich solange zu keiner Trennung entschließen, bis bei der endlichen Loslösung zwei Drittel der Partei mitgingen. Die. Gewerbepartei sogar begann vom fascistischen Ständestaat zu schwärmen und mit Henlein zu paktieren. Die Deuts chdemokraten machten es,, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht besser. So gab es im ganzen deutschen Bürgertum keine wirkliche Gegenkraft gegen den Fascismus. Das Ergebnis der Wahl zeigt, wohin solche Polifik führt. Von der Gewerbepartei ist nichts übrig geblieben. Die Demokraten sind verschwun- I den, der Bund der Landwirte ist von 13 auf 5 Mandate, die Christlichsozialcn sind von 11 auf 6 Sitze zusammengeschrumpft. Sie alle hatten den Kampf in der antimarxistischen Front geführt. Sie alle sahen den Feind in der Arbeiterbewegung und trugen das ihre dazu bei, den Stotz der Reaktion gegen uns zu verstärken. So hart uns dieser. Stotz getroffen hat, zeigt sich aber doch nach der Wahl, daß wir, die einzige antifascistische Kraft im deutschen Lager, wir, Zielpunkt aller Angriffe, den kräftigsten Widerstand zu leisten vermochten, während die bürgerliche Mitte ihre Schaukelpolitik mit der Zertrümmerung ihrer Parteien bezahlt. Der Bund der Landwirte, der mit uns mehr als fünf Jahre in der gleichen Koalition, dessen Vertreter neben dem unseren in der Regierung saß, glaubte noch im Wahlkampf„antimarxistische" Politik machen zu können. Statt die gemeinsamen Interessen von Arbeitern und Bauern zu betonen, den gemeinsamen Gegensatz zu den fascisfischen Volksverderbern, stellte sich Dottor Spina noch am Vorabend der Entscheidung in Troppau auf das Postament, um zu verkünden, daß eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem Landbund und der Marxistischen Sozialdemokratie bestehe. Die Kluft hat den Landbund und seinen Minister nicht gehindert»-fünf Jahre mit der Sozialdemokratie praktisch zusammenzuarbeiten und zwischen den beiderseitigen Interessen das für die Bauern und Arbefter günstigste Kompromiß zu suchen, aber sie wird aufgerissen in einem Augenblick, wo es wahrhaftig nicht um.Marxismus oder A n t i m a r x i s m u s, sondern um die unmittelbaren Lebensinteressen des sudetendeutschen V.o l k e s ging. Niemand weiß besser als wir. daß weltanschaulich zwischen einem Marxisten imd einem Anhänger der bürgerlichen Welt eine Kluft besteht: Aber die Entscheidung im gegenwärtigen Augenblick.fällt an einer ganz anderen Front, die Gegensätze treffen entlang einer Linie aufeinander, die mit jener weltanschaulichen Kluft wenig zu tun hat. Es geht darum, ob die Demokratie im Staate, für die Deutschen ein unerläßliches Element ihrer nationalen Existenz, gehalten oder geopfert wird, es geht darum, ob die Ueberwindung der Krise auf Seite 2 DonnerStag, 30. Mai 1935 Nr. 126 Kosten der Arbeiter und Bauer» oder auf Kosten des großen Kapitals gesucht wird. Aber auch nach der Erfahrung des 19. Mai haben die bürgerlichen Mittelparteien nicht aufge« hört, ihre zwieschlächtige Politik der Halbheiten fortzusetzen. Sowohl die Christlichsozialen als auch die Landbündler machten schüchterne Anbiede» rungsversuche an, die siegreiche SHF und betonten die Idee der Volksgemeinschaft und Einheitsfront, in deren Zeichen doch eben die geistige Gleichschaltung und politische Ausschaltung der Sudetendeutschen begonnen hatte. Die Folgen zeigten sich am 26. Mai. Bei dem neuerlichen, im Zeichen der Siegesstimmung und verstärkten Terrors erfolgten Einbruch Henleins in das feindliche Lager verhal- ten sich die Verluste der Sozialdemokratie zu denen der.Christlichsozialen und des Bundes der Landwirte^.in Böhmen z. B. wie 7: 1 4: 19. Die Christlichsozialen haben im Verhältnis doppelt soviel als wir, die Landbündler fast dreimal soviel verloren. Wenn die beiden bürgerlichen Mittelparteien nicht aus der deutschen Politik verschwinden wollen, werden sie sich entscheiden müssen. Sie werden entweder aufrichtig und ohne Einschränkung demokratische Politik treiben oder auf ihre Cxist-eyz verzichten müssen. Wenn sie sich ihrer Verantwortung gegen die Nation hewußt sind und die Gefahren erkennen, in die Henlein btr Sudetendeutschen führt, sollte ihnen die Wahl nicht schwer fallen. Eine zielklare und entschiedene demokratische Politik würde auch der bürgerlichen Mitte Widerstandskraft gegen den Fascismus verleihen und damit die im Interest« der Masten der Nation nötige Ueberwindung des FascismuS beschleunigen. Wahlbetrachtung von außen Mängel des Verfahrens Ein deutscher Emigrant schreibt unS: Wir alle, die wir das tschechoslowakische Asylrecht in Anspruch nehmen mußten, haben Eure Wahlen natürlich mit dem größten Interest« verfolgt. Dabei fallen einem Unterschiede im Wahlverfahren dieser Republik und jenem des ehemals demokratischen Deutschland auf. Ein Hinweis darauf ist vielleicht nicht ohne Nutzen. In Deutschland hat eS eigene Wahllegisima- tionen nie gegeben, sie brauchten also auch nicht zugestellt zu werden. Wer in der Wählerliste stand, konnte wählen. Er wies sich einfach durch Nennung und Angabe seiner Adresse aus. Hatte der Wahlvorstand Zweifel an der Identität deS Wählers, so mußte sich dieser legitimieren. LB- gleich die Wählerlisten nicht alljährlich, sondern ryit vor Wahlen zur Einsichtnahme aufgelegt wurden, sind niemals kn größerem UmsangDestywer? den über Nichtaufnahme Wahlberechtigter in die Listen erhoben worden. Auch Stimmzettel wurden in Deutschland nicht zugestellt. Solange die Ein« mannwahllreise bestanden, gab es überhaupt noch keine amtlichen Stimmzettel. Vor dem Wahllokal wurden die Stimmzettel aller Kandidaten angeboten. Vorsichtige Wähler nahmen einfach alle Zettel entgegen, um natürlich nur den richtigen abzugeben. Das amtliche Wahlluvert wurde, zur Bekämpfung des junkerlichen Terrors auf dem Lande, bereits vor 80 Jahren von einer Rcichs- tagSmchrheit der Linken und des Zentrums eingeführt, zugleich mit der Wahlzelle, die von den Junkern und Konservativen geistvoll als„Wahl- llosett" bezeichnet wurde. Jetzt Ist er auf gepumpt I Was aber Jetzt? Die Republik brachte den Proporz, die großen Wahlkreise und die Parteilisten. Jetzt erst wurde der amtliche Stimmzettel eingeführt. Er enthielt alle Listen mit ihrer Parteibezeichnung und den ersten vier Kandidaten des Wahlkreises. Neben jeder Liste war ein leerer Kreis und der Wähler zeichnete in den Kreis neben der von ihm gewählten Liste mit dem bereitliegenden Bleistift ein Kreuz ein. Der Stimmzettel wurde zugleich mit dem Kkuvert dem Wähler im Wahllokal überreicht. Es war weder möglich, gewisse Sttmmzettel vorher oder sie nachher einer terroristischen Aufsichtsstelle abzuliefern. AIS letztes und nicht als schlechtestes: Wenn man weder Legitimationen noch Wahkbelehrungen und auch nicht eine Menge Stimmzettel drucken und jedem einzelnen Wähler zustellen mutz, so wird natürlich eine Menge Geld gespart. »enlelns erster„Ertöte" Die tschechischen Grenzer wählen Stribrny I ^Im Hal das tschechische'Dök? o* Henleinpsychose standgehalten und trotz der Provokation vom 19. Mai auch bei desi zweiten Wahlen demokratisch entschieden. An gewissen Symptomen ist deutlich zu erkennen, datz der einzige Erfolg der Einigung der sudetendeutschen Bürger und Kleinbürger in der Henleinfront ein Anwachsen des tschechischen Nationalismus ist. Es war schon recht bedenklich, datz die nationalsozialistische Partei in der Woche nach dem 19. Mai sehr kräftige nationale Töne angesttmmt hat und sich weit weniger auf den Europäer und Demokraten Dr. Benes als auf Dr. B a x a berief. Es war sehr bezeichnend, datz Stribrnhs Propaganda für den 26. Mai ausschließlich von dem Siege Henleins ausging. Nunmehr zeigen die Wahlresultate in den Grenzgebieten, daß die tschechischen Grenzer, die den Henleinrummel unmittelbar vor Augen haben, schon weniger überlegt reagieren als die Tschechen im Innern des Landes. Die Antwort auf die nationale Einigung der Deutschen im Zeichen Hitlers ist das Abströmen der tschechischen Wähler zu Stribrnh, also zum schärfsten tschechischen Nationalismus. Die Närodni Listy berufen sich schon auf diesen Erfolg und führen folgende Beispiele an: Sttmmen für daS Närodni sjednoreni Bezirk am 19. V. am 26. V. Karlsbad., • . 493 116« Warnsdorf, , 93 52« Rumburg. ■ , 85 788 Deutsch-Gabel • , 116 481 Mies,., • , 1446 1821 Schluckenau, , 156 738 Kaaden,. ■ , 125 954 Falkenau a. E. • . 223 1170 Mähr.-Schönberg • ■ 23 843 Troppau.,. • . 889 1206 Ausmaß und Tempo dieses Wachstums übertreffen den Anstieg der Henleinfront bei weitem. In den Bezirksvertretungen wird sich ja bald zeigen, zu welchen Ergebnissen die Betonung des Nationalsozialismus auf beiden Seiten führt. Auf die Dauer würde auch das Tschechentum im Innern dem Anreiz kaum widerstehen, das Anwachsen der SHF mit der Stärkung des eigenen Nationalismus zu beantworten. Kommt es aber so weit, dann ist jede gedeihliche soziale, wirtschaftliche und kulturelle Arbeit verschüttet und wir haben nichts als wütende nationalistische Kämpfe vor uns. Was die deutsche Minderheit dabei gewinnen kann, werden mit der Zeit selbst die Henleinwähler noch begreifen/ 37*20 Prozent sozialistischer Stimmen Es ist ganz interessant, zu errechnen, wieviel Stimmen die sozialisttschen Parteien bei den letzten Wahlen auf sich vereinigt haben. ES kommen da in Betracht die tschechische und die deutsch« Sozialdemokratie, die tschechischen Nationalsozialisten und die Kommunisten, für die bei den Wahlen ins Abgeordnetenhaus am 19. Mai 2,940.110 Stimmen abgegeben wurden, während auf die bürgerlichen Parteien 4,944.476 Stimmen entfielen. Die sozialistischen Gttmmen machen 37.2 Prozent aller bei den Wahlen ins Abgeordnetenhaus abgegebenen Stimmen aus. Seit der Schaffung der Tschechosiowakischen Republik bewegt sich das Verhältnis der sozialisttschen und bürgerlichen Vttmmen wie folgt: Jahr Sozialistische Bürgerliche Stimmen Stimmen 1920 47.91 Prozent 52.09 Prozent 1925 36.6« «3.34 ,, n 1929 40.50 59.50 1935 37.20 62.80„ Am größten war der Anteil der sozialisti- schen Stimmen bet den Parlamentswahlen im Jahre 1920, dann sank dieser Anteil um volle 9 Prozent infolge der Spaltung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, um dann nach der Konsolidierung der sozialdemokratischen Parteien Wieder um 4 Prozent zu steigen. Die Welle des Fascismus hat bei den letzten Wahlen wieder den Anteil der Sozialisten um etwa 3 Prozent herabgedrückt, aber noch immer machen die sozialistischen Sttmmen über ein Drittel der Gesamtwählerstimmen aus. vle„Närodni Listy“ als Giftmischer Sie verbreiten über unsere Partei ausgesprochene Unwahrheiten. Die„Närodni Listy" vom Mittwoch bringen «ine Nachricht, welche dazu besttmmt ist, di« deutsche Sozialdemokratie in den Augen der tschechischen Oeffentlichkeit zu verdächtigen und herabzusetzen. So wird erzählt, daß in der Ortschaft PeterSwald im Erzgebirge bei den Wahlen am 19. Mai in den Wahlkommiffionen neun Mitglieder der sozialdemokrattschen Partei gesessen sind, daß aber bei der Zählung der Sttmmen sich ergab, datz für die deutsche Gozialdemokratte bloß— eine Stimm« abgegeben wurde. Das bedeutet, datz auch die. acht deutschen Genossen, welche ihre Par-, tei in den Wahlkommissionen vertreten haben—- Henlein gewählt haben. An der ganzen Nachricht ist in Wirklichkeit kein Wort wahr. In der Ortschaft Peterswald im Erzgebirge wurden bei den Wahlen ins Abgeordnetenhaus nicht weniger als 107 Stimmen für die Liste 6 abgegeben, bei den Wahlen in den Senat 98 Stimmen. Die Folgerungen, die die„Närodni Listy" aus ihrer Behauptung ziehen, sind also vollkommen gegenstandslos und zeigen nur, wie leichtfertig das Blatt borgeht, das einst, da es von Julius Gregr herausgegeben wurde, und Jan Neruda darin Feuilletons schrieb, in denen er die Sache der Arbeiterschaft vertrat, bessere Tage gesehen hat und daß die große Idee, die es vertritt, nur noch darin besteht, der nationalen Hetze zu dienen. 32 Roman von! Emil Vachek Deutsch von Anna AurednKek Nach einer Weile brachte Herr Fleckchen dem Eliaschek einen schwarzen Kaffee aus der eigenen Küche, nebstdem einen Stotz Sportzeitungen. Um sich die Zeit zu vertreiben— er mutzte Watten, bis Eliaschek ausgetrunken hatte, und der las friedlich die Zeitungen, während er Kaffee trank — fragte Herr Fleckchen den Beinsteller:„Na, Ferdl, bist du schon zahm geworden? Wirst du schön bitten, daß man dir die Abendsuppe gibt?" „Die können Sie selbst aussaufen", lautete BeinstellerS kurze Antwort.„Ich werde das famose Mittagessen auch ohne Abendsuppe verdauen." «Wie du meinst", erwiderte wütend Herr Fleckchen.„Falls du aber glaubst, daß ich dich noch einmal^ fragen werde, dann irrst du dich gründlich. Jetzt wirst du ein Kriminal erleben, wie du es noch nicht gefressen hast." „Man kann die Zeitung nicht einmal in Ruhe lesen", sagte Eliaschek ärgerlich und reichte Herrn Fleckchen die Tasse.„Ich bin wirklich neugierig» Beinsteller, wann du endlich vernünftig wirst. Kann denn Herr Fleckchen dafür, datz man dich eingesperrt und du kein Geld für Extrakost hast? Wenn du wütend bist, mutzt du dir Luft machen, damtt du eine gute Verdauung hast. Weißt du was, boxen wir miteinander." „Latz mich in Ruh'", brummte Beinsteller, „ich mag solche Spähe nicht, übrigens kann ich ja gar nicht boxen." „Haben Sie jemals einen solchen Dieb gesehen, Herr Fleckchen? Boxen! Das braucht man doch heute auf Schritt und Tritt,„er mag solche Späße nicht!" Er ist überhaupt kein Verbrecher — er ist ein Idylliker. Na, wenn's mit ihm nicht geht, dann wollen wir ein paar Runden machen, Herr Fleckchen. Herr Fleckchen ist braver als du, Beinsteller. Er hat mir erlaubt, ihm Stunden zu geben, und ist nicht mein schlechtester Schüler!" „Mit größtem Vergnügen, Herr Eliaschek", beeilte sich Fleckchen zu antworten. Er war höchst geschmeichelt.„Ein paar Runden können nie schaden." Im Nu hatte er die Bluse abgelegt, di« Aermel aufgestreift und freute sich, Beinsteller zu zeigen, wer eigentlich Herr Fleckchen ist. Auch Eliaschek stellte sich in Positur und der Kampf begann. Eliaschek benahm sich wie ein Kartenspieler von Beruf, der einen unerfahrenen Partner in die Falle locken will. Er lieh sich von dem ungeschickten Fleckchen einen Schlag nach dem andern versetzen. Obwohl er ihm berechnend Kinn, Brust und Schulter bot» wobei sich der Angreifer nur Weh tat, stöhnte er bei den schallenden Schlägen: „Jetzt hast du's mir gegeben... Sind Sie aber ein Lausbub, Herr Fleckchen..." Als dann der Auffeher sich gehen ließ, spielt« er mit ihm wie die Katze mit der MauS. Er jagte ihn aus einer Ecke in die andere, warf ihn wie zufällig auf die Pritsche und unter den Tisch. Schließlich verlor Herr Fleckchen jeden mühsam erlangten Begriff von kair play, drosch wie und wohin er konnte, am häufigsten auf den harten Schädel, den ihm Eliaschek bereitwilligst bot. Er hatte schon geschwollene und zerschlagene Knöchel, die Haut hing in Fetzen von seinen Fingern, seine Nase blutete. Er taumelte nur noch hinter Eliaschek her, der unaufhörlich Bedrängnis der Verteidigung vortäuschte. Dann wurde klar, datz er mit seinen Kräften zu Ende war. In diesem Augenblick rief Eliaschek:„Hokus Pokus, Schluß!" und ein fester Schlag versetzte Herrn Fleckchen eine Minute lang in tiefen Schlaf. Entsetzt rief Beinsteller:„Wenn wir wollten, könnten wir dvonlaufen und ihn hier einsperren! So etwas nennt sich Kriminal!" „Beinsteller!" tadelte Eliaschek,„schäm' dich, so was zu guaffchenl Du möchtest gar nicht davonlaufen, selbst wenn man dich morgen hinrichten sollte!" Als Herr Fleckchen aus seiner Ohnmacht erwachte, sagte Eliaschek nur:„Sie haben er gar nicht schlecht gemacht, Alter. Noch einen Monat, und machen es besser wie ich." „Das Boxen ist eine wundervolle Sache", prahlte der verdatterte Auffeher.„Solche heurige Hasen, wie der Ferdl, können es natürlich nicht verstehen." Stöhnend, ganz zerschunden, mit blusiger Nase ging er. „Hast du je so etwas gesehen?" fragte Eliaschek, als der Auffeher gegangen war.„Tas ist das Leben, Beinsteller, das neue Leben, von dem du gar keine Ahnung haft^ Bei der Elektrischen stehlen!... Lächerlich!... Die Richtigen fahren doch gar nicht mit der Elektrischen! Die Elektrische ist für arme Narren. Du bestiehlst dieArmen! Hast du darüber je nachgedacht, du— diebischer Greißler? Die Rechten, die selbst Diebe, Betrüger und Mörder großen Formats find, die kommen nicht in die Elektrische. Lies mal hier in der Zeitung: Die Federalbank in Boston hat den Zinsfuß herabgesetzt. Was bedeutet das? Es bedeutet, daß genug Geld da ist und die Bank eS nicht nötig hat, die Sparer mit ihren hohen Zinsen heranzulocken. Es bedeutet, datz Menschen— ich meine die kleinen Diebe, die aber noch immer größer sind al- die, die du bestiehlst, lieber Aktien kaufen, als ihr Geld auf niedrige Zinsen anlegen. Die Aktien sollten daher steigen. Hier lese ich aber da- gerade Gegenteil. Ein Konsortium von Spekulanten hat di« Situation benützt, um die Kurse zu stürzen. Drei Millionen Aktien sind dem Markt angeboten worden. Die Kurse sind gefallen. Das bedeutet, daß einig« Spekulanten in einem Ta- Millionen Dollars verdient haben. Sie haben schwächere Spekulanten und dumme kleine Aktienbesitzer bestohlen. Möglich, daß kleiner« Banken jetzt krachen werden. Dann werden auch die vorsichtigen Sparer um ihr Geld kommen. Das ist die Welt, die die großen, vom Gesetz beschützten Diebe geschaffen hat. Die anderen sind alle mehr oder weniger leidendes Gesindel. Und hier hast du eine andre Nachricht: Die Bankiers Khun und Loeb in Neuyork werden Polen zu neun Prozent Geld borgen und statt hundert nur achtzig zahlen. Ein ganzer, ziemlich großer Staat in Europa wird für zwei Bankier- in Neuyork arbeiten. Ich habe gelesen, daß der Frau eines Bankiers Perlen und Diamanten im Werte von dreißig Millionen Kronen gestohlen wurden. Es war nur ein Teil ihre- Schmucks, den st« trug. Möglicherweise war es gerade ihr Mann, der den Wirbel auf der Börse verursachte, um das Geld zurück- zubekommen. Und du, Beinsteller, stiehlst bei der Elektrischen! Eines Tage- werden die großen Diebe die Versicherung gegen Diebstahl in der Elekttischen einführen. Dann wirst du sozusagen in ihren Diensten stehen. Schau, was ftir eine miserable Moral dein« Handlungen haben." „Jeder Lump tut, was er kann", murmelte Deinsteller verlegen. „Da ist eS ja gerade, du kannst nicht, tvaS du sollst. Du denkst: der Eliaschek ist ein richtiger Verbrecher." „Ein Schädling der menschlichen Gesellschaft." „Ein Schädling der menschlichen Gesellschaft!" lachte Eliaschek.„Und du bist ein anständiger Mensch, der die BermögcnSunterschiede ausgleicht bei Menschen, deren Vermögen gerade für die Elektrische reicht! Wie oft tm Leben hast du denn einen Zehntausender gesehen?" „Nicht einmal", gestand Beinsteller.„Woher denn, in Prag gibt eS gar kein- solch« Banknote.".(Fortsetzung folgt.) Nr. 126 Donnerstag, SO. Rai 1938 Seite S ^udciendeutscfaer Zei/spie^el So sieht es in Deutschböhmen aus Erbauliche« aut den Grenzgebieten der Tschechoslowakischen Republik Die»Brücke", eine in Pro- erscheinende demokratische Wochenschrift veröffentlicht unter dem obigen Titel einen Artikel von Karl Wolfram, dessen beizende Ironie der Leser gleich bei der Lektüre der ersten Sätze dieser politischen Reiseberichts merkt. Wir gelten«in Stück dieser Aufsatzes wieder; Die sudetendeutsche Bevölkerung ist sicherlich nicht irredentistisch, trotz Henleinwahl und der ungehemmt erzeugten Volksentscheidpsychose. Der biedere Grenzgänger, der von feinem Gemeindeamt die behördliche Bestätigung seiner Heimatfrontlegitimation verlangt«, um sich damit den reichsdeutschen Grenzorganen als Legitimation für den kleinen Grenzverkehr auStveisen zu können, ist sicherlich ein sehr loyaler Bürger diese- Staates. Er macht doch nichts ohne Genehmigung und Stempel der erstinstanzlichen Behörde. Auch die Milchfrau, die am vorigen Donner-tag, als sie mit ihrer Fuhre nach Karlsbad kam, ganz erstaunt war. „daß der Hitler noch nicht da ist", hat damit noch keiner besonderen Sehnsucht Ausdruck gegeben. Um so weniger di« besorgten Leute, die neben ihrer Dummheit auch noch eine bescheiden« Stange Geld haben, und sich erkundigen, wie das jetzt mit dem Geldumtausch sein wird und ob die Preise auf einmal so hoch schnellen werden, wie drüben. Nicht viel anders die sechzehnjährige Göhrc, die im Karlsbader Bahnhof am Dienstag nach den Wahlen dem Schaffner zurief: hab« Sie zum letztenmal Karlovy Bartz gerufen." Kinder und Toren sagen eben die Wahrheit, sie plaudern aus der Schule. Sie sind ganz unpolitisch und Hecken sicherlich keine Ahnung davon, daß es zwei Henleinbewegungen gibt, die organisatorisch, personell, im Vokabular und Methode ganz getrennt sind. Die eine spricht sehr laut, beteuert, telegraphiert, die andere flüstert. Geflüsterte Worte find nicht laut zu wiederholen. Darüber, wie weit und wie deutlich in der freien Männer Rede mit behördlicher Genehmigung die Stichworte für die Flüsterpropaganda «nterzubringen sind, entscheiden erfahrene Personen. DaS sind nur so Reden beim Bier, wenn sich die Leute im Wirtshaus bei Teplitz darüber streiten, was jetzt wohl für Militär Herkommen wird, rb schwedisches oder holländischer. Das ist keine seriöse verantwortliche Politik. Die Aufschrift neben der deutschen Schul« in Rosendorf«Weg don Prag, nach Berlin" stammt sicherlich von un- derantwortlichen Elementen. Die Sudetendeutsche Partei, Vorsitzender Konrad Henlein» hat nichts gemeinsam mit dem Dienstmädchen, welches in hysterischer Anwandlung, bei einer Versammlung »Heil Hitler" ins Mikrophon brüllte und ist sicherlich bereit, nichts mit jenen Ordnern gemeinsam zu haben, welche dies« Provokateurin rasch hinaus bugsieren wollten, ehe die Polizei eingreifen konnte. Die schmächtig«, verhärmte Frau in Teplitz, die»deutsch" gewählt hat, hat damit auch nichts sonderliches gemeint. Sie ist trotzdem delogiert worden und wendet sich selbstverständlich an den sozialdemokratischen Vertrauensmann, er solle es irgendwie richten, daß die Leute ein Einsehen haben. Erhaben über jeden Verdacht antistaatlicher Gesinnung sind sicherlich die Tschechen in Weiskirchlitz, in Turn und bis ins Saazer Gebiet hinein, welche ihre Stimmen für Henlein abgaben. Sie möchten ja sicher gern bei den Tschechen bleiben, aber heutzutage muß halt jeder zusehen, wo «r bleibt. Die Großbauern, die jetzt mit dem Henlein gemeinsame Sache machen, haben ihnen zu verstehen gegeben, daß jetzt die Sache schon entschieden ist: jetzt kommen die Preußen. Also in zwölfter Stunde wählt-Wölf. Die sudetendeutsche Bevölkerung ist nicht irredentistisch, sie richtet sich nur für die neuen Verhältnisse ein. Neue Verhältnisse? Leben die Sudetendeutschen nicht schon in Deutschland? In Prag gab- einmal Radau wegen deutschsprachiger Filme. Die Erregung der kochenden Prager Volksseele hatte auch vollen Erfolg. Mit Hilfe der Filmspekulanten, die den Radau finanzierten und stramm tschechisch-nationaler Beamten, die eng mit der Ufa liiert waren, wurde der deutsche Film« warft für die Ufa monopolisiert. Von der Letn- tvand spricht allabendlich zu Hunderttausenden Goebbels. Dieselben Patrioten haben den Sudetendeutschen davor bewahrt, durch einen sudetendeutschen Sender an seine Heimat und seinen Staat enger verbunden zu werden. Die Sudeten» dcusschen hören deutsche Sender, sie hören dort auch Berichte über ihre engere Heimat. Der Reichsfunk zeigt sich auch um seine aufmerksamen Hörer jenseits der vorläufig noch bestehenden Grenze bemüht. Er sendet ihnen a tempo die Wahlergebnisse ihrer Wahlen, während Prag eine deutsche Sendung der Wahlergebnisse erst ankündigt und dann doch nicht sendet. Er organisiert auch einen rasch funktionierenden Nachrichtendienst. BaS um 3 Uhr in Neudek, in HaSlan vorfiel, in Prag weiß man er schon um 6 Uhr— aus dem Leipziger Sender. Die Grenzen bestehen noch, aber sie sind bereits spiritualisievt. Es ist ganz nebensächlich, daß hie und da sich die Gestapo den einen oder anderen mit raschem Zugriff herüberholt. Wesentlich ist, daß ein in Karlsbad erscheinendes Lokalblatt einem bestimmten Kurgast unverhüllt mit der Anzeige an die Gestapo droht und von der tschechoslowakischen Zensur vor allen Lesern die Sanktion zu dieser Wahrung gesamtdeutscher Interessen erhält. Wer noch nicht sieht, wie die Dinge liegen, dem läßt der tschechoslowakische Zensor durch die JoachimSthaler Zeitung vom 22. Mai mitteilen:»Aber nur noch einmal wird gesiebt. Was dann bei der nächsten Wahl als rot übrig blecht, gehört in den U n- ratswinkelderNation, wo es verfaulen und verkommen mag, um nie mehr schädlich für unser Gesamwolk zu werden." Aber auch ein Blinder, der keine Zeitung lesen kann, muß es doch sehen. Bis zu den Grenzsteinen führen breit«, betonierte Autobahnen. Dann beginnen di« tschechoslowakischen Staatsstraßen, verbraucht, mit Löchern von zehn und zwanzig Zentimetern, höchsten» hie und va neuer Schotter drübergewalzt. Die Flüsterpropaganda spricht zu gläubigen Ohren: Natürlich wird der tschechoslowakische Staat nicht jetzt noch Investitionen hineinstecken. Betriebe, Unternehmungen werden ins Innere des Landes verlegt. Die Flüsterpropaganda erklärt: Das ist eben die Evakuierung, Der Außenminister hat in Aussig gesprochen. Na ja, pro forma. Aber dann ist Konrad Henlein durch die deutschen Lande gefahren. Gendarmen r«Ks und links, Kolonnen in Uniformen und mit viel Verbandszeug. Mit uns ist die Macht, die Macht in diesem und in jenem Staat«. Und der Detektiv sitzt verträumt neben dem Lenker und blinzelt in die sagenhaften Einschußlöcher der Windscheibe: Das soll doch der Teufel herauskriegen, ob man Henleins Sieg Ist ein Sieg des Hltlerlsmus Ueberelnstimmendes Urteil des Auslandes Alle Tarnungskünste nützen dem Herrn Henlein nichts. Da» Ausland und insbesondere daS unvoreingenommene Ausland bezeichnet den Erfolg Henleins bei den Wahlen als einen ausgesprochenen Sieg des Hitleris» m u S. So schreiben die„Times" vom 21. Mai, daß die Henlein-Partei als eine nationalsozialistisch« Partei angesehen wird, die ausgezeichnete Beziehungen mit den Hitlerleuten im Reiche unterhalte. ,/Lo wie beim Saar-PlebiSzit hat sich auch hier der Appell an den Nationalismus ausgewirkt, Nur so läßt sich erklären, warum die Nazi, denen nur 60 Prozent der Stiimnen in Danzig zugefallen sind, nun 70 Prozent in der Tschechoslowakei bekommen haben. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich der Respekt vor der wachsenden militärischen Macht Deutschlands... Die österreichischen Nationalsozialisten haben das Ergebnis der Wahl in der Tschechoslowakei mit Jubel ausgenommen". Aehnlich schreibt der„M a n ch e st e r Guardian* vom selben Tage:„Nazi, auch wenn sie behaupten, es nicht, zu sein, wie z. B. in der Tschechoslowakei, sind überall Ableger des deutschen revolutionären Imperialismus, Pioniere Groß-Deutschlands, Missionäre des pangermanischen Gedankens und alle blicken zu Hitler auf, in dem sie ihren Caesar und Messias sehen.* Besonders interessant ist aber, wie der „D a i l y M a i l" vom 21. b. M. auf das Wahlergebnis in der Tschechoslowakei reagiert, da von diesem Blatte Rothermeres bekannt ist, daß es die Politik des Dritten Reiches unterstützt, was auch in dem Artikel zum Ausdruck kommt, der von der„magnetischen Kraft der Persönlichkeit Hitlers" spricht.„Daily Mail" schreibt wörtlich,„daß die Wahlen einen mitreißenden Sieg einer Partei gebracht haben, di« in Wirklichkeit ein Flügelderdcutschen nationalsozialistischen P a r t« i ist, an deren Spitze Henlein steht.* Schließlich sei noch ein Artikel des ehemaligen bulgarischen Gesandten in Prag B. V a z o v im Sofioter„Mir" vom 21. d. M., also sicherlich die Stimme eines in diesem Falle ganz unparteiischen und vorurteilslosen Betrachters zitiert: Er schreibt: Es gibt keinenZweisel, daß die Henlein-Bewegung eine Fortsetzung der deutschen nationalsozialistischen Bewegung in anderer Gestalt ist. Nach außenhin hat sich die Henlejnbewe- gung auf dem Boden der Gesetze und des Staates gestellt, aber im Geiste ist sie nationalsozialistisch." Wir sind neugierig, wie die„Rundschau" diesem einmütigen Urteil des Auslandes begegnen wird! hinaus- oder hineingeschoffen hat. Stundenwest sind die Frauen gekommen und haben Stunden gewartet, um an einer Wegbiegung, wo die Kolonne langsamer fahren muß, diese Auffahrt zu sehen und die Kleinen hochzuheben, daß sie den Führer sehen, den mit der Brille. Klar, Mensch, wir haben doch einige Wahlen gesehen, in solcher Aufmachung hätte man uns keinen Straßenblock weit gelassen. Da gMs eben nichts, auch kein« Berkehrsordnung. Hast sie gesehen, zu zehn und zwölf in einem Auto. Probiers mal, ob du so von Bodenbach nach Teffchen herüberkommst. Die guten Leute starrten: „So reist nur ein Statthafter." Dq hat es unverbesserliche Träumer gegeben, die sich von uns auSschließen wollten, von der Volksgemeinschaft. Sie sind durch die Straßen getrampelt mit roten Fahnen und drei Pfeilen und einer gassenbreiten Aufschrift:„Es lebe Masaryk." Brust heraus, als möchten sie sich gleich freiwillig bei der tschechischen Armee anwerben lassen. Maskerade alles. Denen hat mans doch deutlich zu verstehen gegeben. 40 Jahre haben sie in Tepl ihre Maifeier vormittags abgehalten, aber jetzt hat mans ihnen von der Verwaltung gezeigt: Vormittags feiern die Henleinleute ihren ersten 1. Mai, die Rrgierungssozialisten müsse« sich mit dem Nachmittag begnügen. In P e t s ch a u dursten sie überhaupt nicht feiern, Henlein hat sich um zwei Stunden früher angemeldet. In Neudek natürlich auch nicht. Auch den Jungsozialisten in E g e r soll die Begeisterung für diesen Staat ausgetrieben werden. Es wird ihr die Aufführung von Schönlanks„Brennender Erde" im Rahmen ihrer Jugendfeier verboten. Die Organisation gibt der Behörde durch Zuschriften bekannt, daß sie von der Veranstaltung absieht,„da sie das Programm wesentlicher Bestandteile beraubt sieht". Die frechen Patrioten wer- den mit einer Ordnungsstrafe von 60 Kd belegt, „da die Behörde niemanden beraubt". Die loyale Bevölkerung hat diese sanften Winke ihrer Behörden gut verstanden. Die Henlelnbanden unter dem Schutz der Bürokratie Das„A-Z e t" beschäftigt sich in seiner Ausgabe von Mittwoch mit der Belagerung des W.a*»? h n.* t«nVa llSÜL durch 200 Henleinbanditen, über di« wir berichtet haben. Wie das Blatt erfährt, hatten die Henleinleute die Frechheit» sich über den Gendarmen Mareäek, den sie vom Rade geworfen und verwundet hatten, alS er ihnen auftrug, die Belagerung des Bolkshauses aufzugeben, beim Bezirkshauptmann zu beschweren. Und der Bezirkshauptmann hat laut„A-Zet" tatsächlich eine Untersuchung gegen Wachtmeister Mareöek eingeleitet, statt die Henleinleute für ihre nächtliche Terroraktion und den Angriff auf den Gendarmen zur Rechenschaft zu ziehen. Bei dem Ueberfall auf Marecck sollen die Henleinleute übrigens gedroht haben, sie würden bald ihre eigenen Gendarmen in Warnsdorf haben. Der Verlauf dieser Affäre ist überaus charakteristisch für die absolute Unfähigkeit unserer Bürokratie. Die Herren, denen di« Sorge um die Sicherheit der Bevölkerung und des Staates anvertraut ist, haben keine blasse Ahnung, was gespielt wird und worum es geht. Sie müssen in ihren vorsintflutlichen Vorstellungen von den Aufgaben der politischen Verwaltung allerdings bestärkt werden, wenn sie sehen, daß man dem Henlein Gendarmerieschutz beistellt, wenn er in großer Autokolonne durchs Land fährt, um die Deutschen zum„Volksentscheid" aufzurufen. Daß die Beschränktheit aber so weit geht, ein tatsächlich insultiertes staatliches Sicher« h«ttsorgan zur Rechenschaft zu ziehen statt die Angreifer, übersteigt noch das bisher Gewohnte. Das„A-Zet" und die nationalsozialistische Partei könnten allerdings an diesem Beispiel neuerlich erkennen, wie unsinnig der Schrei nach Auslieferung der Zentralbehörden an die„F a ch m ä n n e r" ist. Gerade an den so- genannten Fachleuten, an den Bürokraten geht die Demokratte zugrunde. Was nötig wäre, ist ganz im Gegenteil di« Entbürokratisierung, die Uebertragung wichtiger exekutiver und Kontrollfunktionen an parlamentarische BortrauenSleutr der Regierung! Irland will ganz frei sein Dublin. Ministerpräsident D e Valero erklärte, im irischen Landtag, daß die Regierung die Absicht habe, das Amt des Generalgouver- neurs völlig abzuschaffen. Sollte diese Absicht ver- wirflicht werden, dann müßten gewisse Teile der irischen Verfassung abgeändert werden. Der Oppositionsführer sagte, daß die Pflichten des jetzigen Generalgouverneurs geradezu grotesk eien und von jedem jüngeren Angestellten erfüllt werden könnten. Der irische Generalgouverneur Donald Buck- ley stellt zur Zeit das einzige forme l l e B a n d zwischen dem Irischen Freistaat und der englischen Krone dar. Re Hammer gegen Fiandin? Paris.(Havas.) Der Finanzausschuß der Kammer hat den Regierungsgesetzentwurf über die Vollmachten für die Regierung mit 25 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Gegen die Regierung stimmten außer den Kommunisten, den Unabhängigen Kommunisten, den Sozialisten, den Neosozialisten, der Unabhängigen Linken, den französischen Sozialisten und eines Mitgliedes der Radikalen Linken auch zehn Radikale, während nur zwei Radikale für die Regierung stimmten. Dieses Verhältnis ist ein Fingerzeig für den Ausfall der Abstimmung im Kammerplenum und, wenn nicht eine unvorhergesehene Wendung eintritt, kann mit Gewißheit morgen eine Regierungskrise erwartet werden. Goldbarren auf Reisen London. Die englische Presse meldet, daß am Dienstag wiederum eine große Goldflucht von Frankreich nach England stattgefunden habe- Lm Laufe des Tages seien fünf Tonnen Barrengold im Werte von 1,280.000 Pfund Sterling auf dem Luftwege von Le Bourget nach Eroydon befördert worden. Selbst private Fahrgäste hätten Goldmünzen und goldene Schmucksachen in ihrem Gepäck mit sich geführt. Der Postdampfer von Boulogne nach Folkestone habe eine Goldladung im Werte von einer halben Million Pfund gebracht. An Bord hätten sich Hunderte von Franzosen befunden, die eigens nach England gefahren seien, um ihr« Francs in Sterling umzutauschen. Mehrer« in den nächsten Tagen nach den Vereinigten Staaten fahrende Dampfer würden ebenfalls große Ladungen französischen Goldes an Bor) haben. Die erste dieser Goldsendungensoll mit dem neuen französischen Riesendampfer„Normandie" erfolgen, der Mittwoch seine Jungfernreise nach New Aork angetreten hat. Mussolini„beruhigt“ Europa Rom. sHavas.) Italien beabsichtigt eine neue Teilmobilisierung durchzuführen» die, wie eS scheint, von grosser Wichtigkeit sei« wird. Di« italienisch« Regierung hat sich zu dieser Massnahme entschlossen, um dadurch auch die Beunruhigung einigerbefreundetrrNationen zu erwidern, welche befürchten, daß sich Italien in der gegen- wärtigen europäischen Sitmrtto«, di« recht unsicher ist, durch die Entsendung von Truppen nach Ostafrika sehr schwächen könnte. 2um lode Ernst Garamls wird uns von feiten der ungarländischen Sozialdemokratie mitgeteilt, daß die von. uns aus dtp" Meldung des amtlichen Tsch. P.«B. übernommene Version, Garami sei aus der Partei ausgetreten und habe an dem bürgerlichen Blatt«Az Est" mitgearbeitet, unrichtig ist. Garami war 1919 aus der vereinigten sozial» stisch-kommunistischen Bewegung ausgeschieden, hat aber nach dem Sturz der Räteregierung seinen Wiedereintritt vollzogen und war bis zu sei« nemTodeRedakteurder»Nepszava". Vie„gefährliche" Arbeiterzeitung Wien. Das Schöffengericht in Wien verurteilte den 21jährigen Handlungsgehilfen Josef Spitzner und den 21jährigen Gießer Franz Wenn sch wegen Schmuggels der Brünner„Arbeiterzeitung" nach Oesterreich zu 3 Monaten, rcsp. zu vier Wochen strengen Arrestes. Die Verurteilte« haben die Strafe durch die Untersuchungshaft bereits verbüßt. Streikunruhen In Südrhodesien Bulaway(Südrhodesien). Bei einem Zusammenstoß zwischen Streikenden und der Polizei in Südrhodesien war die Polizei angeblich„gezwungen", von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Sechs Personen wurden erschossen. Eine Menge von 3000 Streikenden demolierte die Büroräumlichkeiten der Kupfergruben in Roanatelope. Die Streikenden protestieren gegen die Erhöhung der amtlichen Abgaben, durch welche die einheimische Bevölkerung betroffen Wurde, In das Unruhengebiet wurden Militärabteilungen entsandt. General Fajfr nach Moskau gestartet Prag.(TNO) Der Ehef des Militärflugwesens, Divisionsgeneral Jng. I. Fajfr, ist heute um 13 Uhr in Begleitung des Vorstandes der Flugabtrilung des Ministeriums für Nationalverteidigung Oberst Bichek, des Vorstandes der Abteilung für Flugzeugmaterial Oberst Jng. Kejla und des Kommandanten des Fliegerregimentes Nr. 4 Oberstleutnant Berounsky mittel» Flugzeuges nach Moskau abgereist. General Fajfr und seine Mitarbeiter sind mit dem neuen Flugzeug„Bloch 200" gestartet, dessen weitere Besatzung ein Navigator, ein Pilot, ein' Radiotelegraphist und ein Mechaniker bilden. Auf dem Flugplätze in Kbely hatten sich zur Verabschiedung von den tschechoslowakischen Delegierten der sowjetrussische Militärattache General Surik und di« Vertreter der tschechoslowakischen Flugzeugindustrie etngefunden. Seife 4 TonnerSiag, 30. Ras 1933 Six. 126 Jo^sneuig^eiten I gen habe. Das Opfer des Mordes Jng. Kanneberg war eine in Lodz sehr bekannte Persönlichkeit. Selbstmord führt Explosiv« herbe! Dresden. Am Mittwoch mittags erfolgte in einem zweistöckigen Hause des benachbarten Reichenau eine schwere Explosion. In dem Hause hatte der 81 Jahre alte Einwohner Quark mit Gas Selbstmord verübt. Auf den Gasgeruch hin drückte ein anderer Hausbewohner auf den Knopf der elektrischen Klingel zur Ouark'schen Wohnung. Offenbar durch den hierbei überspringenden elektrischen Funken entstand eine schwere Explosion, di« die ganze Vorderfront des Hauses zum Einsturz brachte. Eine 75 Jahre alte Frau wurde sofort getötet, zwei Personen wurden schwer verletzt. Weg mit dem König! Glasgow. Dienstag wurden in Glasgow fünf Männer verhaftet, die einer aufrührerischen Tätigkeit beschuldigt werden. Als nämlich der Herzog und die Herzogin von Dork im Automobil nach Canniesburn in Schottland fuhren, um dort in feierlicher Weise ein neues Krankenhaus zu eröffnen, vertraten diese fünf Männer dem Herzog-Ehepaar den Weg, winkten mit rotenFahnen und riefen„Weg mit dem König!" Flugzeug-Katastrophen Rational Park Sequoia(Kalifornien). Ein Geschwader von Grotzbombenflugzeugen des Flughafens in Mather Field in Sacramento in Kalifornien manövrierte Dienstag über dem National Park und übte sich im Bombenabwurf auf festes Ziel. Ein Flugzeug stürzt« hiebei ab und explodierte, wobei alle vier Mann der Besatzung den Tod fanden. Verhaftung des Pächters der Turnhalle in Trautenau Wege» Versehe» gegen da» Schuhgefetz Mittwoch würde der Wirt der Turnhalle in Trautenau, Braun, rin enragierter Hakenkreuz- ler,«egen Bergehens gegen das Schutzgefrtz verhaftet. Seine Verhaftung steht offenbar mit den Wahlvorgängen im Zusammenhang und hat in der Stadt Trautenau großes Aufsehen hervorgerufen. Einzelheiten über den Grund seiner Brr- haftung sind noch nicht bekannt, jedenfalls aber liegt gegen den Mann schwerwiegendes Material vor. Munitionslager explodiert—32 Tote Hsiugking. In Liutaoo östlich von Kirin ist infolge eines Nebers alles chinesischer Freischärler ein Munitionslager explodiert. Die Explosion forderte 32 Tote, darunter 3 Offiziere. Eine Schlacht im Lodzer Stadtrat Siebe« Verwundete Warschau. Im Stadtrat der Stadt Lodz kam es zu Zusammenstößen zwischen nationalsozialistischen und jüdischen Mitgliedern. Sieben Personen wurden v er- letzt, fünf davon schwer. Die Mehrheit des StadtrateS besteht aus Angehörigen von Parteien, die gegenüber der Regierung in Opposition stehen. Als jetzt der Stadtrat den G e m e indehauShalt durchberiet, entstand zwischen Mitgliedern der Rechts» opposition und der Linksopposi» t i o n eine Meinungsverschiedenheit. Diese artete in eine Rauferei aus. Einige Stadtratsmitglieder wurden verwundet, zwei von ihnen schwer. Die Polizei mutzte herbeigerufen werden; sie stellte die Ordnung im Sitzungssaal wieder her. Räuber. Aus U z h o r o d wird gemeldet: Der Räuber JlkoLepej führte in Begleitung von fünf Komplizen, im Volovojer Bezirk zwei weitere Verbrechen aus. In der Gemeinde Tjusky raubten sie die Wohnung des Majors Kopaloviä aus. Als sie Von dem Bestohlenen verfolgt wurden, eröffneten sie auf ihn das Feuer aus Militärgewehren, ohne aber zu treffen. Am gleichen Tage hielten sie in der Nähe der Gemeinde Repinne auf der Stratze ein Fuhrwerk der Brüder Israel und Josef Rotstein an, auf dem noch autzer den beiden Brüdern der Kaufmann Zikmund Bernstein aus der Gemeinde Jzkoj satz. Die Räuber durchsuchten die drei Kaufleute gründlich, fanden aber kein Geld. Hierauf ergriffen sie die Flucht. Auf die Ergreifung des Räubers Jlko Depej, der schon eine ganze Reihe ähnlicher Taten verübte, ist eine Belohnung von 1000 Kö ausgeschrieben. lüjähriges Kindermädchen verschollen. Der Malermeister Selinger aus Rochlitz erstattete bei der Reichenberger Staatspolizei die Anzeige, daß seine 15jährige Tochter Grete Selsnger abgängig sei. Das Mädchen hatte bei einem gewissen Karl Harwat eine Stellung als Kindermädchen angenommen und war am 23. April mit ihrem Arbeitgeber nach Bad Forst i. Riesengeb. gereist, von wo aus sie eine Karte nachhause schrieb. 14 Tage später kam eine Nachricht aus Lobositz und seit dieser Zeit hörten die Eltern nichts mehr von ihr. Der Vater reiste nach Lobositz und erfuhr dort, datz sich Harwat zwar ordnungsgemätz eingetragen habe, später aber abgereist sei, ohne das Ziel seiner Reise anzugeben. Zeugen gaben an, datz sich das junge Mädchen wiederholt über schlechte Behandlung beschwert habe und angeblich sogar in einem Zimmer eingesperrt gehalten worden sei. Die Rcichenber« ger Staatspolizei ersucht alle Personen, denen etwas über den Verbleib des Mädchens bekannt ist, die nächste Sicherheitsbehörde zu verständigen. Die Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag II., Vladislavovo 23, empfiehlt sich als Meisterschule für Komposition Klavier und Violine, Konzertklasse für Cembalo, Kompositions- und Kapellmeisterschule. Ausbil» dunasklassen: Klavier, Orgel, all« Orchesterinstrumente, Gesang, Opernschule, Schauspiel, Regie, Bühnenbild. Gnmnastik. Voraeschriebene Bildung: Bürgerschule oder Untermittclschule. A u f- nahmsvrüsung: 24. Juni. Gesuche um Zulassung zur Aufnahmsvrüfuna, belegt mit Heimatschein und letztem Schulzeugnis, sowie 5 K£ in Marken bis 15. Juni an die Direktion. Eröffnung des Tuberkulose-Krankenhauses in Eger. Der von Stadt und Bezirk Eger für die Erweiterung des allgemeinen öffentlichen Krankenhauses in Eger eingesetzte Bauausschutz, hat die Eröffnung des Tuberkulosenkrankenhauses Eger für Samstag, den 1. Juni, vormittags festgesetzt. Gleichzeitig mit dieser Eröffnung soll des 25jährige m Bestehens des allgemeinen öffentlichen Krankenhauses gedacht werden— Es wurde in der letzten Zeit gebaut: Ein I n- fektionspavillon mit 50 bis 70 Betten, ein Zentralkesselhaus für alle 7 Gebäude und nun das Tuberkulosekrankenhaus mit 80 bis 100 Betten. 20.000 Heimkehrer der Lstchina-Bahn. Der ehemalige sowjetrussische Direktor der Ostchinesischen Eisenbahn, Rudij, der jetzt in Begleitung von ehemaligen hohen Beamten dieser Bahn in Moskau eintraf, erklärte, datz etwa 5000 Arbeiterkind Angestellte der Ostchinesischen Eisenbahn nach So- wjetrutzland zurückkehren werden, die die sowjetrussische Staatsbürgerschaft besitzen. Mit den Mit- aliedern der Fämilien beträgt die Gesamtzahl der zurückkehrenden Personen 20.000 Personen. Alle diese Personen werden den sowjetrussischen Eisenbahnen zu verschiedenen Arbeiten zugeteilt werden. Zweieinhalb Millionen neue Häuser. Einer amtlichen Statistik zufolge ist seit dem Kriegsende die Gesamtzahl der Häuser in Großbritan« n i e n, die etwa acht Millionen beträgt» um 2,655.902 Häuser gestiegen. Hievon wurden 807.468 Häuser durch die Behörden und 1,848.434 von Privatfirmen erbaut. Die Wahlen in bie Nationalversammlung im Mai 1935. Das Statistische Staatsmnt hat soeben in seinen Mitteilungen(Jahrg. XVI—1935, Nr. 47) die Ergebnisse der Maiwahlen in die gesetzgebenden Körperschaften veröffentlicht. Die. erste Tabelle enthält eine Uebersicht der Wahlkreise und Länder mit den Daten über die Zahl der tschechoslowakischen Staatsangehörigen(Stand vom Jahre 1930), die Zahl der Mandate, die Wahlzahl und die Zahl der abgegebenen Stimmen. Die zweite Tabelle weist die abgegebenen gültigen Stimmen nach den einzelnen politischen Parteien(in Grund- und Verhältniszahlen) aus und die letzte Tabelle enthält schliesslich die Gesamtergebnisse des I., II. und III. Skrutiniurns. Preis des Heftes 1 ssö. In Kommission bei der Firma Bursik& Kohout, Prag II., Wenzelsplatz. Entlassener Arbeiter erschießt Fabriksdirektor Warschau. In Lodz wurde Donnerstag der Direktor der Textilfabrik Krusche und Ender, Jng. Richard Kanneberg, beim Betreten des Fabriksgebäudes von dem seinerzeit entlassenen Arbeiter dieser Fabrik Tysiak durch 5 Revolver schüsse getötet. Tysiak flüchtete nach dem Morde, j 16 Metern zusammen. Vier Bergleute wurden meldete sich jedoch im Laufe des Vormittags auf. verschüttet. Trotz sofort aufgenommener Ret- dem Polizeikommiffariate und erstattete Anzeige' tungsärbeiten ist es bisher nicht gelungen, an die über seine Tat. Er gab an, daß er den Mord aus Verunglückten heranzukommen. Es besteht wenig Alach« füx sein« seinerzeittge Entlassung began-i Hoffnung, sie noch lebend zu bergen. Die Revolution des„Union-Klub". Der bekannte„Stürmer" kündigte eine Sondernummer an,„die ganz besonderes Interesse erwecken dürfte"—„Den Inhalt können wir nicht verraten!"...„aber der Absatz wird gewiß rei- ßend sein!" Er war es auch wirklich, denn mit diesem Inhalt hatte niemand gerechnet. AuS dem Jagdrevier„an den Pranger gestellter Judenliebchen" war der„Stürmer" in e x k l u- sivere Sphären vorgedrungen. Er nahm sich nämlich die Ahnengalerie der Mitglieder des feudalen„U n i o n- K l u b s" und die„artfrevelnden" Stammbäume der rasscver- seuchten Hocharistokratie des Goldes und der Familie vor. Nun mutz man wissen, wer der „Union-Klub" ist. Schon zu Wilhelms Zeiten versammelte er alles, waS sich für„erstklassig" hielt, in seinen Reihen. Im„Union-Klub" zu sein, war fast ein Freibillett für den Hohenzol- lernhof. Es war schwer, die Klubkarte zu erhalten. Ein ganzes Rituell mutzte absolviert werden, durch das Fegefeuer zahlreicher Prüfungen ging der Kandidat hindurch und eine von versnobter Feudalität besessene Jury wachte eifersüchtig darüber, datz man„unter sich" blieb. Dieser Klub, in dein sich die Hohenzollernprinzen tummelten, machte auch Politik, Junkerpoli- ttk natürlich. Und über Krieg, Revolution, Republik und Hitlerdiktatur hinaus hat sich der „Union-Klub" gehalten. Darum wurde diese Sondernummer des„Stürmer" zwei Tage nach ihrem Erscheinen beschlagnahmt, auf Befehl des Parteigenossen des Herrn Stteicher, deS Reichs- sportkommissars von Tschammer-Osten, der Mitglied des„Union-KlubS" ist! Wer hat also die„R e v o l u t i o n" vom März 1933 gemacht? Der„Union-Klub"—? Ach nein, er hat sie nur gewonnen! Die Hauptversammlung des Arbeiter-Msti- nentenbundes findet Sonntag, den 16. Juni, in Komotau(Metallarbeiterhaus) statt. Die Tagesordnung verzeichnet neben den Berichten und Neuwahlen ein Referat„Allohol und Verkehr". (Genosssse Dr. Holitscher.) Bier Bergarbeiter verschüttet. Auf der „Wolfgang"-Grube in Kattowitz brach infolge eines Erdrutsches ein Pfeiler in einer Länge von Nach der Wahl Kopf hoch, Genossen! Und kein Verzagen! Behaltet den Mut und die Zuversicht! Wir wurden in einer Schlacht geschlagen, aber besiegt sind wir deshalb nicht. Es war ein schweres, weil ungleiches Ringen, — wir habens am ersten Tage gespürt. Wahrheit und Recht hießen unsere Klingen und die Bernunft hat die Degen geführt. Drüben hingegen, da kämpften Phrase, Terror, Berleumdung, Lüge und Trug, Haß, gesteigert bis zur Ekstase, Demagogie, die das Denken erschlug. Hier Ueberzeugung und Idealismus, drüben fanatischer Sehnsuchtsschrei, Glauben, getragen vom Egoismus, Rachtwahn entfesselter Hitlerei. Bei unS die klassenbewußten Proleten, drüben die Meute der Reaktion, gekaufte Söldner, GefinnungSathleten, zu allem bereit um de« Judaslohn. In unseren Reihen die Arbeiterklasse, die schon politisch geschult und gereift, drüben die indifferente Masse, die noch immer die Welt nicht begreift. Wir appelliere« an die Gehirne, unsere Gegner vernebelten sie, menschliche Dummheit, der Mächtigen Dirne half, und den Rest besorgte Regie. Mögen die Feinde jetzt auch triumphieren nach der für sie so erfolgreichen Schlacht— Was sie gewannen, sie werdens verlieren ebenso rasch, vielleicht über Rächt. Sehr leicht läßt sich das Bolk zwar betören, aber ewig betrügt man es nicht. Eines Tages, da zieht es die Lehren auS seinem Irrtum und Hilt das Gericht. Kopf hoch, Genossen! Und nicht verzagen, wenn man auch einmal im Kampf unterliegt. Wir wissen aus Hunderten Niederlagen, daß zuletzt dennoch die Wahrheit siegt. Hubert Le i n s m e r. auf offener Strecke stehen bleiben. Telegraphenmaste«, Bäume«sw. wurden vom Sturm massenhaft«mgelegt. Der Hagelschlag hat in den drei Ge- i bieten das ganze Getreide, Obst, Wein und sonstige Kulturen vollkommen vernichtet. In Keeskemet verursachte der Wolkenbruch Neber- schwemmungen, wodurch auch die Gemüsegärten und sonstige Bodenkulturen der Vernichtung anheimfielen. Aneine Ernte in diesen Gegenden ist im heurigen Jahr überhaupt nicht zu denken. Hagel-Katastrophe vernichtet ave Kulturen in Keeskemet Budapest. Die Gebiete von Keeskemet, i Czentes und Oroshaza wurden Dienstag in den späten Rachmittagsstunden von einem Orkan» der von Hagelschkag und Wolkenbrüchen begleitet war, schwer heimgesucht. Ein halbe Stunde lang fielen nn ß große Hagelfchloßen, durch die in Keeskemet allein 61 Personen verletzt wurde«. In CzenteS wurde Kleinvieh von den Hagelschloßen erschlagen. Ei» Eisenbahnzug mußte » Cheyenne. DaS Expreßflugzeug der amerikanischen Transkontinentalgefellschaft zerschellte am Dienstag an einem Bergabhang in einer Entfernung von ungefähr 100 Meilen nördlich Cheyen- rieS. Der Pilot, der bekannte amerikanisch« Fliegers ! A l L u c a s, wurde in den Trümmern deS Flug- , zeuges tot aufgefunden. Erklärung Zu dem in diesem Watte am 18. April 1935 unter der Ueberschrift„Klerikale Kampfesweise" veröffentlichten Artikel erklären wir, daß wir die „Deutsche Presse" nicht der Veröffenüichung unwahrer Nachrichten bezichtigen können und widerrufen daher die gegenteiligen Behauptungen dieses Artikels.— Die Redaktion. Reichskonferenz derKinderfreuoe Die Exekutive des Reichsvorstandes der„Kin- derfreunde" hat beschlossen, die ordentliche Reichskonferenz am Samstag, dem 15. Juni, und Sonntag, dem 16. Juni, im Volkshaus in Aussig abzuhalten. Die Konferenz beginnt am Samstag, dem 15. Juni, um 4 Uhr nachmittags. Als Tagesordnung für die Konferenz wird vorgeschlagen: 1. Konstituierung. 2. Entwicklung und Stand der Bewegung. (Berichterstatter die Genossen Schweitzer, Hocke, Hiebsch und Löwst.) 3. Die politische Lage in der Tschechoslowakei. (Redner: Genosse Taub.) 4. Tie nationale Frage in der Erziehung. (Redner: Genosse Schweitzer.) 5. Neuwahlen. 6. Anträge. Die Delegierung zur Reichskonferenz Hai nach den Bestimmungen im 8 9 unserer Vereinssatzungen zu erfolgen. Es hat also jeder Gau das Recht, einen Vertreter zu entsenden, im übrigen aber für 300 dem Gau angeschloffenen Mitglieder einen Delegierten, wobei Bruchteile unter 150 nicht mitzählen. Gastdelegierte können in unbeschränkter Anzahl an der Konferenz teilnehmen. Die Kosten det Delegierung gehen zu Lasten der delegierenden Organisationsstellen. Grundlage für die Errechnung der Dclegierten-Anzahl ist der Mitgliederstand am 31. Dezember 1934. Anträge an die Rcickskonserenz find bis spätestens 10. Juni an das Zentralsekretariat in Bodenbach einzusenden. Desgleichen können auch durch das Zentralsekretariat bis zum 10. Juni Quartiere bestellt werden. Mit herzlichem Freundschaft f. d. Arbeiterverein„Kinderfreunde" Willi Hocke, Gustav Schweitzer, Sekretär. Vorsitzender. Ein Militär-Jnvalidenasyl wird in Hokie« (im Vorriesengebirge) Sonntag, den 2. Juni, um 14 Uhr unter dem Protektorat des Ministers für Natiönalverteidigun^ feierlich eröffnet werden. Minister Bradäö und der Vertreter der Stiftungsverwaltung, Sektionschef Dr. Bftek vom Verteidigungsministerium, werden vor dem Asyl— einer Strozzi-Stiftung— Ansprachen halten. Hundertjährig gestorben. In den Masaryk-Häu- sern in Krk bei P r a g verschied gestern die Insassin Terezie Pcchova, welche im Dezember d. I. ihren 100. Geburtsjahr gefeiert hätte. Bis zum 95. Lebensjahr hatte sich die Frau selbst ernähtt. Deutsch-tschechischer Jugcndaustausch. Der Internationale Jugenddienst Prag II, Vorsilskä 2, macht aufmerksam, daß sich jene Familien, die ihr Kind inS tschechische Gebiet auf Tausch oder gegen Zahlung geben wollen, möglichst bald anmelden mögen, damit ihnen entsprochen werden kann. Familien, die ein tschechisches Kind über die Ferien gegen Zahlung aufnehmen möchten, werden ebenfalls ersucht, dies laschest mitzuteilen. ES empfiehlt sich gleichfalls, die Anmeldungen zu den Jugendfahrten zu Ferial-Sprachkursen nach Nord- und Südftank« reich(Meer) ehestens vorzunehmen. Wieder schlechteres Wetter. Von der Balkan- Halbinsel wird unseren Gegenden wärmere Lust zugeführt. In den Niederungen unserer Republik stieg die Temperatur am Mittwoch überall auf plus 20 bis 23 Grad Celsius an. In Frankreich ist eS dagegen noch immer durchschnittlich um 5 Grad kühler. Entlang dieser Wärmegrenze bilden sich kleine Druck st örungen, die sich langsam von Südwesten her gegen Mitteleuropa ausbreiten. Im Karpathengebiete dürfte Donnerstag unter dem Einflüsse höheren Druckes im ganzen schönes Wetter herrschen, in.den böhmischen Ländern muß jedoch mit einer allmählich en Verschlechterung von Südwesten her gerechnet werden.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den böhmischen Lälchern wechselnd bis vorwiegend bewölkt, namentlich im Südwesten des Staates Neigung zu Gewittern oder Regenfällen, mäßig bis ziemlich warm. Im Karpathengebiet im ganzen schön, etwas stärkere nächtliche Abkühlung, tagsüber ziemlich warm.— Wetteraussichten für Freitag: Zunehmende Gewitterneigung. Vom Rundfunk tapWilWMwartu aus 4m Programm««» Freitag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsch» Press«. 11.00 Schallplatten: Smetana. 12.10 ThansonS. 13.35 Arbeitsmarkt. 16.40 Tschechisch für deutsche Hörer. 18.10 Deutsche Sendung. 18.35 Arbeiter- srndung: Aktuelle zehn Minuten. 19.05 Deutsche Presse. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 14.35 Violinkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Für die Frau. 18.00 Chansons.— Brünn: 13.40 Salonorchester. 15.55 Orchesterkonzert. 18.10 Deutsche Sendung. 19.30 Immer nur lächeln, auS der gleich' namigen Operette.— Mähr.-Oftra«: 18.10. Deutsch« Sendung: MännergesangÄonzer^ Bcnmerötag, 30. Mai 1985 Komponist Suk gestorben L Beneschan. Mittwoch um 19.80 Uhr starb Her in seiner Wohnung der Rektor der Prager Konservatorium- Dr. h. c. Josef Suk. Die Nach» richt vom Tode de- Komponisten, die ganz uner« bartet kam, verbreitete sich schnell von Beneschau >md rief überall tiefe Bewegung und große Trauer ftrvor. Der berühmte tschechische Musi Komponist Josef kuk. wurde am 4. Jänner 1874 in Kiekovic« bei keneschau geboren. Lr studierte Musik alr Schüler Benewitz, Foerster, Knittel und Dvokak. Er didmete sich teil- der Mustkkomposition, teil- der «»übenden Kunst alr zweiter Violinist de-„Ceskt Warteto" seit dessen Gründung im Jahre 1892. Seit b» Jahre 1901 war, Suk Mitglied der Tschechischen Akademie und seit dem Jahre 1928 Profeffor der ««Position an der Meisterschule der Prager Musik» bnservatorium» und im letzten Studienjahr Rektor kt Konservatoriums. Di« Masaryk-Unibersität er» eilte ihm für seine großen Verdienste um die tsche» tische Kunst dar Ehrendoktorat der Philosophie. Di«! mannten Kompositionen Sukr sind: Da- stnnpboni» tte Bedicht„Praga", die Musik zu Jeher» Theater» Lücken„Raduz a Mahulcna" und„Unterm Apfel, ftmn", da- symphonische Gedicht„ASraek", da? tvosikalische Gedicht„Sommermärchen", der gemischte sior„Zen lasky". Ein Echo der großen KriegSereig» tiffe ist seine„Meditation auf den älttschechischen sioral„Svach Vaclav" und die«Legende von den tten Siegern". Zum Vll. Bllsokolkongreß kompo» vierte Suk den Marsch ,Lsnr neue Leben". Seine «hte Komposition war«in« symphonische Komposition töt großer Orchester, betitelt„Epilog". Die Gattin der Meisterr Suk war die Tochter feine» Lehrer- Dr. Ant. Dvorak, Ottilie, die am I Juli 1905 g«storb«n ist. L In der Reih« der Prozess« gegen katholische Men in B e r l i n begann jetzt der dritte Ab» Witt. Die ersten zwei Prozesse betrafen k a t h o» usche Ordensschwestern, der dritte Meß betrifft den 41 Jahre alten Generalökönom Mo Go eitler, welcher Devisenverbre» Jtn in sechs Fällen beschuldigt wird. Im Wesen krd ihm zur Last gelegt, daß er Obligationen der «leihe, welche die Genossenschaft der Franziska» ^t-B rüder de- St. Josef-Hause- in Waldreitsach ^Holland in den Jahren 1928 und 1S2S im Bc» Me von 1.8 Millionen Mark abgeschlossen hatte, ^t dem Jahre 1981 wiederum ankaufte, al» der ^rz dieser Obligationen auf 40 bis 80 Prozent kt genannten Werte» gesunken war, daß er wei» die Geldbeträge für diese Ankäufe in Teilbeträ» nach Holland schmuggelte und die angekauften Mändsobligationen weder anmeldete, noch dec Kichsbank anmeldete. Nach Göring» Besuch w Lossa. De«, Besuch Mings in Sofia ist im Gegensatz zu den ande- ^Besuchen eine größere politische Bedeutung ^»messen. Denn hier bestanden in der Tat dank MricnS Outsiderstellung gewisse Chancen. -Herdern haben die deutschen Einflüsse, die sich * Bankwesen und im Tabakgeschäft bemerkbar Mtn, nach dem Kriege niemal» aufgehört. Es RStimmen, die bei der Beseitigung der serbo» Wen Regierung Georgien» nicht nur die Hand st Königs Boris, sondern auch das Dritte Reich J” Werke sahen, das sich gleichzeitig um die Mächung de» italienischen Einflüsse» in Bullen mühte. Augenblicklich ist die Haltung Bul- ?fens außenpolitisch noch unentschieden. Noch es die Berbindungsfäden zu Belgrad, wenn» dort bereit» eine skeptischere Stimmung gegriffen hat. Noch hat sich Bulgarien alle Anton Zischt« stiehlt B. Tranen„Öel" t Bor einiger Zeit erschien im W. Goldmann» Leipzig, ein Buch von Anton Zischka:„Der cM um die Weltmacht Oel". Es wurde von ^bürgerlichen Presse— auch des Ausland»— ff freundlich aufgenourmen. Zahllose Blätter— Gunter auch das„Prager Tageblatt"— druck« ■^.Stellen auS dieser„Biographie eine» Roh- fsslez" wb und lobten den Salat über den grü» Klee. '|. Das Buch dieses Herrn Anton Zischka ist, wie • 2»un herausgestellt hat, nicht» weiter al» ein '?krschämtes und dabei höchst ungeschickte» Pla» ff-Herr Zischka, von dem feststeht» daß er nie Mexiko war und nie irgend etwa» mit der Produktion zu tun hatte, scheute nicht davor ! eines der Hauptkapitel seines Buches aus - kJ)enä»Die weiße Rose" abzuschreiben. Fast ^wörtlich. Der deutsche Verlag Traven», die„Bücher« k' Gutenberg", veröffentlicht soeben in ihrer i C für Mitglieder bestimmten Zeitschrift„Bü- ^Plde" einen höchst interessanten Artikel Tra- I S*»Herr Anton Zischka schreibt ein Buch", stellt in diesem Artikel ungefähr em ^kenh Stellen des Zischkaschen Machwerk» ne, . in der„Weißen Rose" enthaltenen Ori» ^stellen. Belm Durchlesen dieser Gegenüber» l^Mtn verschwindet rasch selbst der leiseste j^uel an der Tatsache, in Zischka» Buch, eines Plagiate der modernen Li» ^sur^vor sich zu haben.(Wobei da» Wort„Li» natürlich nur auf da» Buch von Traven I finden kann!) nur Illustrierung de» Tatbestand«» sei hier einzige», aber typische« Beispiel der '^'Methode aus dem Artikel Traven» zi- Sanitatsflugzeug für daS französische Rote Kreuz Auf dem Pariser Flugplatz LeBourget wurden Sanitätsflugzeuge vorgeführt, mit denen verwundete und KrankeliegeÄdbefördert werden können. Mit der Vorführung wurde die Prüfung der ersten„fliegenden Kranken schwe st er n" verbunden, die für die Dienstleistung in den Sanitätsflugzeugen vorgesehen sind. Möglichkeiten offen gehalten. Mer im Hinter, gründ steht die prodeutsche Zankow-Bewegung aus dem Sprung, und niemand weiß, ob Toschew nicht nur ein Üebergangsregime repräsentiert. Göring hat die Gelegenheit wahrgenommen, die Zankowisten zu ermutigen und den König in diesem Sinne zu beeinflussen. Wesentlicher aber ist noch, daß Göring mit der Vollmacht nach Sofia gekommen ist, die Lieferung von Flugzeugen, MunitionserzeugungSmaschincn und schwerer Artillerie auf Grund eines lOjähri- gen Kreditplans anzubieten. Da» Dritte Reich zeigt sich also höchst interessiert an der Aufrüstung Bulgarien», die von der bulgarischen Regierung, so ausrüstungsfreudig sie ist— lange schon verwies die Armee auf die Notwendigkeit einer Mo« torisierung, eine Organisierung der Fliegerabwehr und der Aufstellung von Fliegerregimentern— nicht hätte finanziert werden können. Ueber die Aufnahme der Göring'schen Vorschläge durch die maßgebenden bulgarischen Faktoren fehlen einstweilen noch jegliche Nachrichten. , Eine große landwirtschaftliche Ausstellung wird im Jahre 1937 in Moskau veranstaltet werden. Die Ausstellung wird auf einem Gelände von 480 Hektar in 400 Pavillons und anderen Gebäuden untergebracht sein. Das ZentralauSstel« lungSgebäude wird da» Palais für Wissenschaft und Technik sein, dar einen Rauminhalt von 280.000 Kubikmeter haben wird. Die für die Organisation dieser Ausstellung notwendigen Investitionen werden auf 400bi» 500Millio» nen Rubel geschäht. Der Dampfer„Nenuandie" trat Mittwoch seine TranSozcanfahrt von Frankreich nach New Aork an. Unter den geladenen Güsten befinden sich u. a. an Bord dcS Dampfer» die Gattin und die Tochter des Präsidenten der Republik Lebrun, welch« in Washington vom Präsidenten Roosevelt werden empfangen werden. Ein neues„Maxim GorA"-Geschwader. Der Erbauer de» abgestürzten Riesenflugzeuge»„Maxim Gorki", Profeffor T u p o l w e, ist von der Sowjetregierung au» den Bereinigten Staaten zurückberufen worden, um in. Moskau den Bau des neuen Maxim-Gorki-Geschwader zu leiten. Zwei Ballone, die an den polnischen Nationalen Freiballon-Wettbewerben teilnahmen und Sonntag in Thorn starteten, gingen auf tsche» choslowakischem Boden nieder. Sie wurden aus dem Wettbewerb g e st r i ch.e n, so daß nur- mehr neun Ballone im Wettbewerb verbleiben. Rauschgift. In der internationalen Niederlassung Schanghais wurde eine ausgedehnte Rausch, giftzenwal« auSgehoben, deren Wert auf 100.000 chi- nesische Dollar beziffert wird. Er wurden 80 Pfund Morphium beschlagnahmt und 13 Personen verhaftet. Bauernnot in Indien. Die Bauernnot in Indien ist schon immer fast sprichwörtlich gewesen. In der letzten Zeit hat sie aber unter den Einwirkungen der Krise geradezu grausige Ausmaße angenommen. Von 852.8 Millionen Einwohnern, leben 234.8 Millionen von der Landwirtschaft.. Die bebaut« Flache ckelanft- sich auf 228.3 Millionen acreS. Das macht auf den Kopf der Landbevölkerung ungefähr 1 acre»der 4.8 acreS je Familie. Bon 1921—1931 nahm die bebaute Fläche nur um 2 Prozent zu, die Einwohnerzahl aber stieg von 319 auf 853 Millionen, also um 10 Prozent. Jeden Tag vermehrt sich also die Bevölkerung sozusagen um eine Stadt von 23.500 Einwohnern. Die Zahl der Geburten beträgt 8)4 Millionen jährlich. Ein Etliche» Gutachten besagt, daß eine dauernde Bcffcrung der Lebensaltung nicht möglich sei, solange jede Vermehrung der Kaufkraft der Bevölkerung eine entsprechende Zunahme der Bevölkerung im Gefolge habe. Auf der anderen Seite ist der Bodenertrag bei den wichtigsten Kulturen, wie Getreide und Rei», seit 20 Jahren gleich geblieben. Bei Baumwolle hat er nur minimal zugenommen. Danach kann man sich di« Berelendung nur zu leicht«r- Herr Anton Zischka, Seite 70: „Ich lernte ein paar dieser Mexikaner kennen, die Oelland kaufen... Da kommt ein Agent zu dem Haziendero, bietet einen guten Preis.„Ich kann doch aber nicht verkaufen," sagt der.„DaS Land gehört doch nicht mir." Seine Befitzrechte seien aber doch einwandftei eingetragen. Gewiß, aber er ist doch nur der Verwalter. Da sei der Bat« gewesen, der Großvater, die endlose Reihe der Ahnen, die olle schon hier gelebt hatten, die jung« Bäume pflanzten, dEit die Nachkommen auch gute Früchte hätten... Nein, er könne nicht verkaufen. Er müsse doch auch an die denken, die später leben werden." „Die Weiße Rose", Seiten 13, 14: „Es kam ein anderer Agent. Wieder ein Mexikaner... brachte das blinkende Geld gleich mit..." Aber ich kann doch die Hazienda nicht verkaufen... Sie gehört doch gar nicht mir." „Wiek" fragte Perez,„... Steht doch in den Registern al» Ihr Eigentum." Hacinw lachte:„Sie gehört mir natürlich... Ich bin nur der Verwalter für die, die später leben wollen und leben werden. Wie mein Vater nur der Verwalter war und deffen Vater und dessen Vater und so immer weiter zurück..." Die» mag genügen! Traven weist nach, daß alle Behauptungen Zischka»— soferne sie nicht gerade au» seinem Buch abgrschrieben sind— hundertprozentig falsch sind, daß Zischka niemals die von ihm behauptete Weltreise gemacht Hecken kann, sondern daß er einer jener Hochstapler der Literatur ist, auf die immer wieder einige Verlage hereinfallen. Er sagt über diesen Herrn, der im Tritten Reich, aber auch in bürgerlichen Kreisen des Auslands als Meister seines Fachs gefeiert wird: „Wer ist Herr Anton Zischka, der Sohn eines österreichischen Diplomaten. Hätte er mich nicht so , schamlos bestohlen, könnte er mir gleich sein, wer er ist, was er ist, wie er schwindelt und wen er beschwindelt. Ich will nur beweisen, daS Herr Anton Zischka darum mein Buch abschrieb, und wahrscheinlich auch noch andere Bücher abgeschrieben hat und abschrecken mußte, weil er selbst nichts weiß, selbst nicht zu sagen hat, selbst nicht» erlebt hat, und selbst keinen einzigen Gedanken, keine einzige Idee zu erzeugen vermag," Und am Schluß deS außerordentlich interessanten Artikels heißt eS: „Herr Anton Zischka verlegt Seite 285 seine» welterschütternden Buche», den Isthmus von Te« huantepee zwischen Tabasco und Chiapas. Herr Anton Zischka behauptet in Mexiko gewesen zu sein, und dort unter allen möglichen Verkleidungen, Haziendas, die von Indianern bewirtschaftet wurden, besucht, zu haben. Aus seiner JsthmuS-Be- merkung aber ersehe ich, daß er noch nicht einmal eine Karte von Mexiko gesehen hat. Herr Anton Zischka hat ein weiterer Buch angekündigt, indem «r die Absicht hat, die„Weltmacht der Baumwolle" abzufertigen, offenbar in der gleichen Weise, wie er das Oel abgefertigt zu haben glaubt. Aber ich warne den Herrn Anton. Zischka, mein Buch„Die Baumwollpflücker" zu befingern und auSzuplün« dein, wenn er seine sechste Weltherumhetze unternimmt.(Seite 7 des Buches)„immer nach einem Weg aus dem Chaos suchend." Ich könnte dann doch vielleicht einmal ernstlich unangenehm wer» den." Das angekündigte Buch* über die„Weltmacht Baumwolle" ist inzwischen— ebenfalls im Goldmann-Berlag, Leipzig— erschienen. Es wird nachzuprüfen sein, welches seine dunklen Quellen find. Der anständige Buchhandel sollte eS sich zur moralischen Pflicht machen, das Mach» werk Zischkas über das Oel nicht weiter zu verkaufen. Ansonsten handelte er nicht anders als der Hehler, der Diebsgut verkauft. Julius E P st e i n. Seite 5 klären. Dazu kommt die Schuldenlast, deren sich zu entledigen der indische Bauer überhaupt keine Hoffnung hat. Sie übt gleichzeitig einen verhängnisvollen Einfluß aus, denn sie raubt dem Bauer jeglichen An-? reiz, seine Produktionsmethoden zu verbessern und den Ertrag zu steigern. Der Geldleiher aber, auf den der Bauer immer und immer wieder angewiesen ist, kontrolliert den Markt und sucht ihn in seinem In- tereffe, das nicht mit dem der Produzenten identische ist, zu beeinfluffen. Die Berschuldung hat weiterhin zur Folge, daß der Boden ständig den Inhaber wechselt und die Zahl derer, die kein Stückchen Land mehr haben, unaufhörlich wächst. Bon 1921 bis 1931' stieg ihr Anteil von 291 auf 407 Promille! Hier ent» wickelt sich also ein immenser landwirtschaftliches Proletariat. Volkswirtschaft and Sozialpolitik Steigende Konjunktur— keine Neuaufnahmen von Arbeitern Di« Berg- und Hüttenwerke hielten am. Dienstag in Prag ihre Bilanzsitzung ab, wobei dei.> Generaldirektor Dr. Krulis-Ran.da ein Ex-, posee erstattet«, in dem er darauf hinwies.,, daß. gegenüber dem Vorjahre die Zunahme der Erze».-. gung von Koks 96 Prozent betrug, die Produk-. tionszunahme bei Roheisen auch 36 Prozent und bei Walzware die Zunahme des Verkaufs sogar 80' Prozent. Sehr gute Ergebnisse wurden auch in der Kesselfabrik des Unternehmens erzieü, welche zu 85 Prozent der Kapazität beschäftigt ist. Trotz dieser Besserung in der Produktion und den Absatzverhältnissen ist aber der Arbeiterftand derselbe ge, blieben, er betrug sogar etwas weniger als im Vorjahre, nämlich 14.605 gegen 14.728 im Durchschnitt der beiden Vorjahre. Die Produktion ist also gestiegen, der Stand' der Arbeiter bestenfalls gleich geblieben, ja sogar. noch um eine Kleinigkeit zurückgegangen. Es scheint, daß die größeren Auftragsbestände dadurch erledigt wurden, daß Kurzarbeiter wieder stärker) beschäftigt sind als früher. De Man über die Bekämpfung der Krise Genosse Hendrik de Man, belgischer Minister für öffentliche Arbeiten, sprach in einer Pressekonserenz über die nächsten Phasen der Kriserckekämp- sung. Diese gehe überbloß«öffentliche i Arbeiten wesentlich hinaus und enthalte auch die wirtschaftliche und finanzielle Reorganisation des Landes überhaupt. Nach dem RegierungSpro- grcnnm bedeute die Aktion gegen die Arbeitslosigkeit nicht nur„Beschäftigung der Arbeitslosen" sosspernauch„Entfaltungder Kaufkraft"..Immerhin seien die ö f f e n't l'i ch e Ä i t e n wegen'threr allgemeinen- konjunktttretlen»Rückwirkungen ein w i ch t i g e r B e st a n d t»i l d i e-, ser Aktion. Bisher habe Hier die Regierungs«, Politik bestanden: 1. in der Beschleunigung der bereits sichergestellten Arbeiten, 2. Ausführung von Arbeiten, für die bisher noch die Mittel gefehlt haben, 3. Ausarbeitung eines Programms neuer,. nützlicher Arbeiten. Insgesamt hat man bisher Arbeiten für sechs Milliarden Franks in Erwägung gezogen. Nach der Abwertung hat man 1000 Leute täglich neu eingestellt, dann 800 Leute täglich. Das Ende des Sommers werde der-kritische Zeitpunkt sein. Die zentrale Stelle für die Arbeiten zur Wiederbelebung der Wirtschaft ist die„OREC". Amt für wirtschaftlichen Neuaufbau, dem«in Regierungskomitee mit Van Zeeland, de Man, Van Jsacker und Bovesse(somit Vertreter aller Parteien) vorsteht. Der Oree angeschlossen ist ein Amt für Bankenkontrolle, das Reescompte- und Garantieinstitut, der Devisenausgleichsfonds, das Hypothekarinstitut, das Amt für Arbeitsvermittlung und eine Stelle für wirtschaftliche Informationen. Reorganisation des japanischen Exportapparats Die japanische Regierung beschloß im Zusammenhänge mit der Einrichtung eines besonderen Büros für den Außenhandel die Zahl seiner Handelsberater im Auslande zu verstärken und Handelsmissionen u. a. nach Rußland zu entsenden/ ferner sollen besondere Handelskonsuln in Panama und Indien eingeführt werden. Um die gesamte Außenhandelspolitik einheitlich zu leiten, werden ehemalige-Botschafter nacheinander Indien, die Südsee, Afrika, Südamerika, Australien, Europa und vorderafien bereisen. n- Wie man eine„Aeberprodusttion" beseitige« kann Die britische Marktstelle für Kartoffeln hat im Feber d. I. ein interessantes Experiment unternommen, dessen erste Ergebnisse jetzt vorliegen. In der Graffchast Durham wurden 200 Tonnen Kartoffeln den Arbeitslosen um den Preis, von 4 Pence(statt eines Marktpreises von 7 Pence) verkauft. Der Zweck war, herauSzufinden, welchen Einfluß die Preissenkung auf den Absatz haben werde. DaS Ergebnis war nicht nur eine Beseitigung der Stockung auf dem lokalen Kartoffelmarkt des Gebietes, sondern darüber hinaus eine derartige Entlastung, daß der allgemeine Marktpreis hinaufging und auch die Fleischpreise anzogen. ES zeigt sich also, wie irrig eS ist- den Konsum sogar- bei„unelastischem" Absatz als eine feststehende Größe anzunehmen und wie sehr die Kaustraft durch eine entsprechende Preispolitik beeinflußt werden kann.-' Seite K „Sozialdemokrat" Tonner-sing, SO. 9Ra£ 1935 Str. 128 Spwt-SpUl-Jföqwp(fa|& es 25. VtmnztvxMMtn 0 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HanS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö IS.—. vierteljährig Kö 48.—, halbjährig KL VS.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden If* 1 Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlast.— Mckstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zcitungsfrankatur wurde von der Post« und Tel^ 1909, der 1913 und Schöpfung ihre stili- Schwimm-Länderkampf Belgien—Holland. Am Sonntag, dem 2. Juni, findet in A m st e r d a ry. der internationale'Schwinnnwettkampf zwischen den Arbeitersportverbänden Hollands und Belgiens statt. Im Vorjahr gewann Holland in Gent(Belgien) den graphendireltion mit Erlast Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-Ä.-G., Prag. Ein Mädchen aus Tahiti ist die Partnerin von Douglas Fairbanks in dem Film.„Der moderne Robinson' Prag. Der 23jährige Tischlergehilfe Ladislav Prochazka aus Jinonice stand Mittwoch bereits zum drittenmal in der gleichen Angelegenheit vor dem hiesigen Schwurgericht. Es handelt sich um eine Anklage wegen deSVerbrechensderNot- zucht. Ladislav Prochazka beteiligte sich am 26. Dezember 1933 an einer Tanzuntevhaltung im Dorf Klukovice. Besonderen Gefallen fand er an einer gewissen Marie R., mit der er mehrfach tanzte und der er schliestlich seine Begleitung auf den Heimweg anbot. Auf diesem Heimweg wurde er zudringlich. Marie R. zeigte sich den eindeutig geäußerten Wünschen ihres Begleiters nicht gefügig. Es kam zu einem Kampf zwischen dem a n g e t r un'k e n e n Burschen und dem Mädchen, das sich mit Fausthieben und Fußtritten verzweifelt wehrte. Bei dieser Gegenwehr verlor sie einen Schuhabsah, der später am Tatort aufgefuyden wurde und als Indiz für die gewalttätige Werbung Prochazkas diente. Marie R. unterlag bei diesem Kampf und wurde von dem Burschen v e r g e Walti gt. Sie kam völlig verstört, ohne Schuhe und mit zerrissenen Kl idern und zerfetzter Wäsche nach Hause. Die weitere Folge dieses Sittlichkeitsattentates war die Strafanzeige gegen Ladislav Prochazka. Im Zuge der-Voruntersuchung stellten die ge- richtsärzilichen Sachverständigen fest, daß die bis dahin unberührte Marie R. geschwängert worden war. Die Aerzte konstatierten aber zugleich, daß Marie R. auch nach diesem Ueberfall reinphysisch Jungfrau geblieben war. Sie wurde später tatsächlich als Jungfrau zur Mutter. An die deutschen Eltern Smichovs und Umgebung! Pflicht eines jeden Deutschen in Smichov ist, seine Kinder.in die öffentliche, deutsche Schule, Jungmannova 3, zu schicken und so zur Erhaltung und Förderung der deutschen Schule in Smichov als Gemeingut der Deutschen in Smichov beizutragen. Seit dem 1. Jänner d. I. besitzt die Schul« neue Räume, ausgestattet mit allem Komfort der modernen Schulhygiene; hohe, luftige, nach Süden gerichtete. Schwimmer mit eingelassenem Parkettboden, elektrischer Deckenbeleuchtung und Waschbecken mit fließendem Wasser I Anfleidehallen mit Holzverklei- dung und Wandbänken zum Ahlegen der Mäntel und Straßenschuhe sowie zum Aufenthalte der Kinder in den Pausen. Unverbindliche Besichtigung und Information jederzeit. Anmeldungen werden von der Leitung der Schule in Smichov, Jungmannova 8 ,(1. Stock), schon jetzt entgegengenommen, Bon der Deutschen Hauptstelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge. Die diesjährige Hauptversammlung findet am Donnerstag, dem 13. Juni, um 5 Uhr nachmittags im Deutschen Haus, Zimmer Nr. 22, statt. Kettendiebstahl. Gestern gelang es, den 22jähri- gen arbeits- und wohnungslosen Kellner Anton Alptauer zu verhaften, der die Wohnungsfrage bisher dadurch gelöst hatte, daß er bei seinen verschiedenen Quartiergebern nur«ine Nacht geblieben war, in dieser aber all« Wohnungseinrichtungsgegenstände,'die sich nur irgend fortschaffen ließen, gestohlen hatte. Diese pflegte er, soweit er sie nicht einer Reihe von Prager Hehlern verkauft«, seinem nächsten Quartiergcker als Pfand zu lassen. Alptauer ist geständig; es gelang nach seinen Angaben, auch eine Anzahl Hehler zu verhaften. Doch hat Alptauer ähnliche Streiche auch in Brünn, Mähr-Ostrau etc. verübt; es befinden sich daher mehr gestohlene Sachen auf der Polizei, als in Prag als abgängig gemeldet wurden. Seltsamer Unfall. Gestern vormittags sollte am Smichower Kai«in Laftkahn abgelaffen werden. Da der Kahn aber wider Erwarten rasch abrollte, konnte der Aufsichtsbeamte die Walz«, die beim Ablassen der Kähne eine Rolle spielt, nicht im nötigen Tempo bedienen, so daß sich ein Bremsblock löste und mit großem Knall nach rückwärts flog. Hiebei wurde der 35jährige Zimmermann Josef MothLka, der unbeteiligt in der Nähe stand, in den Unterleib und ins Handgelenk getroffen. Auf der Minik Schlaffer wurden schwere innere Verletzungen sowie eine Zerschmetterung des Handgelenks festgestellt. Mit siedendem Kaffee begossen. Gestern nachmittags wurde die 18jährige Köchin im Automaten in der Myslikgass«, Jaromir« Hladik, ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Sie war ist der Küche des Automajtn»uSgeglitten und batte hiebei den Inhalt eines 18 Ater-Gefäßes mit kochendem Kaffee auf sich geschüttet. Auf der Klinik Samberger wurde festgestellt, daß sie Verbrennungen 1. und 2. Grades erlitten hat. Kinderfrrundr, Prag. Freitag, den 31. d., 1lfl J 18 Uhr im Parteiheim Ausschußsitzung^ meinsam mit der Helfergemeinschaft. Länderkampf. Die Holländer haben auch diesmal ih», besten Schwimmer und Schwimmerinnen für diest» Wettkampf aufgestellt und gehen mit großen nungen auf einen neuerlichen Erfolg an den Startes Ei« großes Fnßdall-Propagandaturnirr Vera«' anstaltet der holländische Arbeitersportbund am 80. Mai und 2. Juni in Amsterdam. Ucker 8k Mannschaften werden daran teilnehmen W um einen größtmöglichsten Zuschauerkreis für dtf Arbeiterfußballsport zu interessieren, wird fei* Eintritt erhoben, so daß der Erfolg dieser DU' anstaltnng gegeben erscheint. Der erste Weltrekord im Weitsprung wurde 1888 registriert und von dem Engländer Fitzheckert(5.90) aufgestellt. Im Jahre 1876 wurde die 6-Mettt' Grenze von Mitchell(Englands übersprungw (6.08). Die 7-Meter-Grenze übersprang im IW 1883 wiederum ein Engländer(Parsons, 7.01). folgenden Jahre wurde der Rekord immer mehr W bessert. Sm Jahre 1925 sprang der Amerikas Hubbard 7.89, drei Jahre später erreichte Caiff (Haiti) 7.93 und 1931 kam der Japaner Namö« bis auf zwei Zentimeter an die acht Meter. Jetz ist die 8-Meter-Grenze schon überschritten wordiff Der Negerstudent Owens hat bekanntlich dieser TA* 8.13 Meter erreicht. In den 69 Jahren seit da» Bestehen des Weitsprungweltrekords wurde er 2.14 Meter und seit den letzten zehn Jahren um b" Meter veckessert und da Ausschließlich von Vertretet der farbigen Raffe. Härte im harmonischen Klangbild aus. Daß Strawinskys Opern von feinen Balletten ihren Ausgang nehmen, zeigt im Musikmärchen„Die Nachtigall" die pantonimische Behandlung einzelner Szenen, deren Akteure vom Orchester aus singendes Lcken erhalten. Die E r st a u f f ü h r u u g des Stra- winskyschen Werkes zeigte unser Deutsches Theater auf der Höhe großstädtischer Opernkunst. Fritz Zweig, der musikalische Leiter der Oper, hatte ebensoviel Sorgfalt wie Liebe an Strawinskys Musik gewendet und es verstanden, ihre rhythmischen Besonderheiten und dynamischen Feinheiten gleich wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Durch das ambitioniert spielende Orchester, das sich auch solistisch auszuzeichnen Gelegenheit hatte, wurde er aufs beste unterstützt. Stilvoll und märchenmäßig war Renato Mordes auf die originellen Bühnenbilder Frank Schultes' gestützte Inszenierung, sehr schön klangen die Chöre, sehr verdienstlich wirkte dieBallettgruppe Senta B o r u s mit. In den gesanglichen Hauptparfien zeichneten sich Rase Book(Nachtigall) und Adolf Fischer besonders aus; leider aber ließen sie beide die nötige Wortdeutlichkeit vermissen, was bei den pantomimenartigen Szenen keineswegs zu dessen richtigen Verständnis beitrug. Der Stvawinskhschen Märchenoper folgte«ine animierte Neuaufführung der köstlichen Buffo-Oper„Gianni-Scichi" von Puccini, an der Zweigs beschwingte Stabführung ckenso großen Anteil hatte wie. Mordos einfallsreiche, auf den burlesken Ton bedachte Regie. In der Titelrolle des Werkes zeigte Theodor Sch ei dl vor» allem stärkste Charakterisierungskunst und großes gesangliches Können, während sein Humor etwas zu trok- ken wirkte. Unter den zahlreichen übrigen, durchwegs lobenswerten Darstellerinnen und Darstellern traten die schönen Stimmen Herrn P r e g e r s und Fräulein R a y u s besonders hervor. Das Theater war sehr gut besucht; der Erfolg der Oper Strawinskys premierenmäßig lebhaft, der Musikkomüdie Puccinis fpontan herzlich. E. I. Bestleistungen der französische« Arbeiter-Leichtathletik Der französische Arbeitersporwerband(FSGT) veröffentlicht eine Liste der Bestleistungen in der Leichtathletik, aus welcher als bemerkenswert zu entnehmen ist, daß manche Leistung schon bereits das ehrwürdige Alter von zehn Jahren erreicht hat. Ein Zeichen, daß die Leichtathletik bei den französischen Arbeitersportlern in den letzten Jahren in eine Stagnation geraten ist. Die Veranstaltungen der kommenden Saison, die im reichlichen Maße vorgesehen sind, werden aber wohl manche Aenderung bringen. Die folgenden Bestleistungen, von denen einige bei uns nicht geführt werden, betreffen nur die Sportler: 80 Meter: 9 Sek.; 100 Meter: 11.1 Sek. Meter: 17.2@a.;- 200 Meter: 22.4 Sei; Meter: 39.1 Sck.; 400 Mct-r: 52.1 Sek.; Meter: 2:42.2 Min.; 1500 Meter: 4:09.3 Min.; eine Meile(1609 Meter): 4:47.2 Min.; 3000 Meter: 9:03.2 Min.; 8000 Meter: 16:03.2 Min.; 3000 Meter' Hindernislaufen: 10:06.1 Min.; 10.000 Meter: 33:28.1 Min.; 110 Meier Hürden: 17.3 Sek.; 200 Meter Hürden: 30 Sek.; 400 Meter Hürden: 59.4 Sek.; 4X80 Meter: 37.3 Sek.; 4X100 Meter: 46 Sek.; 4X400 Meter: 3:44 Min.; 4X800 Meter: 8:51 Min.; 500X400X300X200 X100 Meter: 3:25.1 Min.; 800 X 400 X 200X100 Meter: 3:44 Min.; 4 X 200 Meter: 1:42.4 Min.; Hochsprung: 1.74 Meter; Weitsprung: 6.75 Meter; Stabhoch: 3.30 Meter; Kugel: 11.70 Meter; Diskus: 33.33 Meter; Speer: 46.61 Meter. Spielplan des Neue« Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 3: Die Kleinstädter, Ju- gendvprstellung der Urania; halb 8 Uhr: Servus, Servus- C 1.— Freitag, halb 8 Uhr: Die Fledermaus, D 2.— Samstag, halb 8: Servus, ServusI B 1. Spielplan der Kleine« Bühne. Donnerstag, 8: Meine Cousine aus Warscha u.— Freitag, 8: Ich Habs getan, volkstüml. Vorstellung. — Samstag, halb 8: Regen und Wind, Erstaufführung. Ladiflav Prochazka kam vor die Geschworenen. Die erste Verhandlung mußte vertagt werden. Der Angeklagte leugnete die Tat nicht ad, verteidigte sich aber mit vollkommner Trunkenheit. Bor einem Jahr erkannten die Geschworenen in zweiter Verhandlung diese Verteidigung an und sprachen den Angeklagten frei. Auf die Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes hob das Oberste Gericht das freisprechende. Urteil auf und ordnete neuerliche Verhandlung an, mit dem Bedeuten, di« vom Angeklagten behauptete„Volltrunkenheit" im Augenblick der Tat, die nach dem Gesetz allein als Schuldausschließungsgrund gilt, zu überprüfen. So kam Mittwoch diese Angelegenheit vor dem Schwurgericht (Bors. OGR. Knaute) zum drittenmal zur Verhandlung. Natürlich war auch diese, wie alle vorhergehenden, gehe,im, so daß über ihren Verlauf nicht herichtet werden kann. Der seinerzeit freigesprochene Angeklagte kam diesmal schlecht weg. Er wurde nach mngstündiger Verhandlung mit zehn Stimmen schuldig erkannt und das Urteil lautete(unter Zubilligung aller mildernden Umstände) auf achtzehn Monate schwere« und verschärften Kerkers, verbunden nsit dem Verl u st d e s W a h l r e ch t e s. Hinsichtlich ihrer Entschä- digungsansprüche wurde die Kindesmutter auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Der Verurteilte, der derzeit im Militärdienst- steht und in Uniform vor Gericht erschien, zeigte sich durch das Urteil aufs tiefste erschüttert.. Der Verteidiger erbat sich schriftliche Zustellung des Urteils. rb. Emm- Colar- Groteske«. Daß der Micky-Ma»*' Schöpfer Walt Disney Nachahmer seiner gezeichnet" und gemalten Märchenfilme findet, ist bei dem M folg, den seine fleinen Meisterwerke haben, nicht»Ä wunderlich. Genau so wenig aber überrascht es.A diese Nachahmer ihr Vockild nicht erreichen könne^ weil Disneys Kunst eine seltene Vereinigung»» Emfallsreichtum und witziger Anmut, von GröW und Gemüt, von zeichnerischem Können und HM kalität ist. Die Comi-Color-Grotesken des AMN kaners Up Jwarks ahmen die farbigen MatM Disneys nach, aber im Vergleich mit den Vorbildeff wirken sie grell und plump, einfallsarm und leer ff satirischem Geist. Auch in ihnen steckt freilich W viel Technik und Arbeit, und wo sie sich eng an E Kindermärchen halten, werden sie kindlichen-W schauern Freude machen.—eiS-"*‘ Film-BeratimgSstelle. In der verflossenen che wurden folgende Filme zur Einführ in die Ti^' choflowakei freigegeben: 3 amerikanische F>ti» „Jennie Gerhardt" und„Künstle, liebe"(Paramount) und„Die untre» Frau"(United ArtistS). ein französischer 8»" „Die große Sühne"(Merkur-Film). W" mehrere Kurzfilme verschiedener Herkunft. Ei« neuer Tenor entdeckt. Der junge Tenor Emmerich Godin aus Prag, der aus Vrable in der Slowakei stammt und bisher noch nie auf der Bühne aufgetreten ist, sang Dienstag abends in der Wiener Staatsoper die Rolle des Rudolf in Puccinis„La Boheme" unter größter Begeisterung des Publikums und auch zur Zufriedenhett der Kritik. Das Blatt„Echo" teilt mit, daß Godin auf fünf Jahre an die Staatsoper engagiert wurde und daß er in der nächsten Zeit im„Rosenkavalier" und in den„Lustigen Weibern von Windsor" auf- tteten wird. Die italienische Stagione(unter dem Protektorat des Ministers Dr. Benes und des italienischen MsMvtdn)^" musflalische Lekmng: Antöino Vöttd) bringt an sechs Abenden: A i d a, B o h e m e, Carmen. Manon, Tosca, Traviata. Mitwirkend: Aurora Buades, Scala-Mailand; Gina Cigna, Scala-Mailand; Mafalda Favero, Scala- Mailand; Ettore Nava, Scala-Mailand; Eide Mo- rena. Große Oper, Paris, Metropolitan Opera-New Dork; Tito Schipa, Scala-Milano; Mariano Stabile, Scala-Milano; Franco Tafuro, Teatto Reale-Roma, Metropolitan Opera, New Nork; Alessandro Ziliani. Scala-Milano. Erste Vorstellung Freitag, den 7. Juni,„Aida". Ververkauf für Abonn. noch heute. Preife: Kc 8.— bis 80.—. Rechtzeitige Bestellung erbeten! Montag, den 3. Juni, Verdi-Requiem. 250 MitwirkendeI Zwei Chöre: Deutscher Männergesangsverein, verstärkt durch Mitglieder des Deutschen Singvereins, und gemischter Chor der Deutfchen Lehrerbildungsanstalt. Verdi: Requiem; Schuhen: E-Dur-Tymphonie. Leitung: Dr. Heinrich Swoboda. Solisten: Kindermann. Mansinger, Kurt Baum-Basel, a. C., Scheidl. Preise: Kö 2.50 bis 25.—. Der öeikeAemle(rkoAsckein ist rur Leraküiflg der zu verwenden] Wer Xückstandc WeiM, die Sockt und deren Sresse Die Verwaltu»? Eine Jungfrau als Mutter Ei« dreimal»erhandelter Notzuchtsprozetz— Anerft Freispruch, dann 18 Monate Kerker Ihre Blumen dürste» nach dem gutem Blumen-ZauberdunS 1 Paket mit Postzusendung Kö 5'60 drss^ Berwalt««g.Frauenwelt". Prag XD„ Focho»«^ Strawinsky-Puccini- Opernabend Größere Gegensätze des Opernstiles gibt kaum, als die in Igor Strawinskys lyrischen Mär- ' chen„Die Nachtigall" und Giacomo Puccinis musikalischer Erbschleicher- Komödie.Gianni S c i ch i" gegebenen. Hier der an die alte italienische Traditton anknüpfende, melodiegckundene und wohlklangfreundliche echte Buffostil der Oper, dort der im modernen französischen Impressionismus wurzelnde, das Kunsttechnische betonende Stil des Klangraffi newents. Strawinskys Märchenoper„D i e Nachtigall" ist textlich-inhaltlich die vom Komponisten und seinem dichterischen Mitarbeiter S. M i t o u s- s off vorgenommene freie Bühnenbearbeitung des gleichnamigen, wundervollen chinesischen Märchens von H. C. Andersen, das die Geschichte von der Nachtigal erzählt, die als Wundervogel an den Hof des chinesischen Kaisers kommt und hier höchster Ehren teilhaftig wird, bis sie der Verleumdung und einer künstlich verfertigten Nachtigall Weichen muß. Wer di« Kunst der Natur siegt über die Kunst der Technik;^ der Mechanismus der künstlichen Nachtigall versagt gerade da, wo es gilt, des Kaisers Leben zu retten. In der höchsten Rot erscheint die verbannte echte Nachtigall, um durch ihren wunderbaren ' Gesang sogar den Tod zu betören und seinem Amt untreu zu machen. Die Gedanken des.'Kampfes , zwischen Gut und Böse und des Gegensatzes zwischen schlichter Echtheit und prunkvoller Falschheit bilden den tieferen Sinn des Märchens. Strawinskys Musik zur Oper„Die Rachttgall" ist in zwei Etappen entstanden; der erste Akt im Jahre‘ zweite und dritte Akt' in den Jahren 1914. Dieser zeitliche Unterschick in der der Musik zur„Nachtigall" bedingt auch stisch« Verschiedenheit; während der erste Akt durchaus impressionistisch geartet ist, zeigen die beiden späteren Akte in Form, Klang und Harmonik bereits deutlich die Züge des aller Gefühlsmusik aus dem Wege gehenden Strawinsky. Die Musik des zweiten und dritten Aktes übrigens hat Strawinsky im Jahre 1917 zu einer symphonischen Dichtung„Die Nachtigall" verarbeitet, in-der er seine neuen musikalischen Stil- gesetze einheitlicher als in der Oper zur Geltting brachte. In der Opernmusik zur„Nachtigall" fällt als typisch strgwinskysch vor allem die Straffheit und Vielseitigkeit des Rhythmus sowie die Schärfe und