Etathntis 70 Heüu (•ImcMIeeilck I H«I1m Fort«) SSSZIÄLDEMOKRATISCHEH ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag nu fochova«r. teihon no/7. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 15. Jahrgang Freitag, 31. Mai 1935 Nr. 127 Vor einer Wende in der Schweiz Lostas am 2. Juni Zum erstenmal in der helvetischen Geschichte: Kampfbündnis zwischen Arbeitern, Bauern und städtischem Mittelstand. Von Julius Braun thal Beratunsen im Weißen Haus Washington. Präsident Roosevelt hatte im Weißen Hanse eine Beratung mit Richberg und anderen Funktionären der NRA. Rach dieser Äon» serenz wurde erklärt, daß der Präsident bereits in den allernächsten Tagen mit einer Aktion beginnen werde, die die Aufrechterhaltung der Löhne und der Arbeitszeit, wie sie durch die Jndustrieeodes festgesetzt wurde, bezweckt. Präsident Roosevelt zeigte Journalisten gegenüber auf einen StoßvonResolutio- n e n auf seinen Tisch, die von verschiedenen Industriezweigen stammen, die sich verpflichten, die Bestimmungen über die Arbeitszeit und Lohnverordnungen(Codes) in Geltung zu belasten. Allerdings könne von dieser überwiegenden Mehrheit nichts unternommen werden, wenn der eine oder der andere Industriezweig sich entschließt, die Preise herabzusetzen. Wir werden sehen, erklärte Roosevelt, was geschieht, wenn die Industrie zu 90 Prozent sich loyal verhalten wird, während 10 Prozent das Gegenteil tun. Millionen von Arbeitern schöpften, wie Reuter meldet, Beruhigung und Genugtuung auS dem AuSspruch deS Präsidenten Roosevelt, daß die freiwillige Einhaltung der Grundsätze der NRA empfehlenswert sei, sowie aus der Erklärung Johnsons, daß neue legislative Maßnahmen in Vorbereitung stehen, die Vesser sein werden als diejenigen, welch, für verfassungswidrig erklärt wnrdm. Als der Präsident der amerikanischen Arbcitsfödcratimr Green erfuhr, daß in einigen Industriezweigen die Löhne bereit- herab- gesetzt wurden, gab er den Gewerkschaftsorgani- sationcn die Weisung, weiterhin unerschütterlich auf der Forderung zu beharren, daß keine Lohnkürzungen vorgenomme» werde«. Luftpakt-Entwürfe dem englischen Außenminister vorseiest London. Die deutsche Regierung beauftragte ihre« Botschafter in London, dem britischen Außenminister den Vorschlag einer Flugkonvention. wie sie Deutschland wünscht» zu unterbreiten. Einzelheiten dieses deutschen Planes sind öffentlich noch nicht bekannt. Minister Simon bekam auch einen von Frankreich ausgearbeiteten Flugplan- tzorschlag in die Hände. Auch Italien und Belgien arbeiten gegenwärtig ähnliche Projekte auS. Es wird die Möglichkeit einer Konferenz der fünf Mächte erwogen. Vorverhandlungen werden allerdings als erforderlich angesehen. Japan setzt seine Erpressertaktik fort Tokio. Die japanische Presse veröffentlicht auS Peiping einen Bericht über die Forderungen, die der japanische Militärattachee in Peiping den chinesischen Regierungsstellen vorgelegt hat. Japan fordert u. a., daß im Norden Chinas unverzüglich jedwede antijapanifche und antimandschurisch eKampagne aufhöre, weiter, daß alle Organ« der geheimen Vereinigungen aufgehoben werden, die den Terrorismus unterstützen. In dem japanischen Dokument.heißt es dann noch: Wenn die Lage unverändert bleibt, werden di« japanischen Truppen gezwun- g e n(1) sein, die Große Mauer zu überschreiten. Oürlng In Bulgarien abgeblitzt? Sofia. Ministerpräsident Tosev hat die im Zusammenhang mit dem Besuch des preußischen Ministerpräsidenten G ö r i n g in Sofia verbreiteten Nachrichten dementiert und in diesem Zusammenhang erklärt: Die Politik Bulgariens ist klar und einheitlich: sie verfolgt nur ein Ziel) nämlich die Annäherung an Jugoslawien und die Freundschaft mit den übrigen Nachbarn. Auch Kanada devalvlert? Ottawa. Di« Regierung hat einen Plan zur Erhöhung des Goldwertes als vorbereitende Maßnahme vor den internationalen Verhandlungen betreffend die Stabilisierung der Devisen ausgearbeitet. Wie es scheint, bereitet die Regierung so die offizielle DevalvationderWährung vor, deren Wert im gleichen Grade herabgesetzt wird^ wie der amerikanische Dollar. Waffenstillstand im Gran Chaco für die Dauer von 30 Tagen Buenos Aires. Die Friedensverhandlungen der großen südamerikanischen Staaten über die Beilegung des bewaffneten Konfliktes betreffend das Chaco-Gebiet Hecken einen großen Erfolg zu verzeichnen:' Die paraguayanische Regierung hat den Vorschlag eines dreißigtägigen vorläufigen Waffenstillstandes angenommen, um über die Lösung des Konfliktes weiter verhandeln zu können. Der paraguahanische Außenminister erklärte, daß Paraguay auf Grund der Positionen, die die Truppen im Augenblick, der Unterzeichnung der Vereinbarung besetzt halten, und unter gewissen Bedingungen geneigt sei, die Feindseligkeiten einzustellen. Rach einer kurzen Rede deS Hauptberichterstat- terS des Finanzausschusses Bareth, der, wiewohl er selbst tags vorher zusannnen mit dem Ausschußpräsidenten Mawy für den Regierungsgesetzentwurs gestimmt hatte, den ablehnenden Standpunkt des Finanzausschusses zu der Vorlage darlegte, sprach der Deputierte der unabhängigen Linken. Fernand Laurent, der nicht einsieht.' warum der Regierung Flandin eine beinahe diktatorische Vollmacht erteilt werden solle. Der ehemalige Finanzminister im Kabinett Tardicu, Paul Rehnaud, ist persönlich ein Anhänger der Devalvation. Auch der neosozialistische Deputierte D e a t spricht sich gegen die Erteilung der Vollmacht an die Regierung aus. Nach der Rede des sozialistischen Deputierten Moch, der gleichfalls die Vollmacht für die Regierung ablehnte, kündigte der Präsident der Kammer an, daß der Ministerpräsident das Wort ergreifen werde. Die ganze Kammer von der Rechten bis zu den Sozialisten begrüßt mit stürmischem Beifall den Ministerpräsidenten Flandin, der, von einrnr Arzt gestützt, die Rednertribüne besteigt. Angegriffen, jedoch physisch frisch trotz Anzeichen wachsender Ermüdung, die linke Hand in einem Gipsvrrband und mit über den Verband übergeworfenem Rock sprach Flandin frei, bloß mit Notizen vor sich. Seine Rede dauerte eine ganz« Stunde. Der Ministerpräsident führte eingangs aus: „Heute handelt es sich weniger daraum, zu svrechen, vielmehr ist es notwendig zu handeln, worauf er sofort zur Sache überging. Die Gründe der Offensive gegen den Franc müßten nicht' bloß außerhalb der Grenzen Frankreichs gesucht werden, sondern leider auch daheim in Frankreich, unter ge- weicksmäßigen Spekulanten. Die Devalvation ist zwar eine annehmbare Lösung, opportun, aber es ist eine bequeme Lösung. Die Regierung hat eine solche Lösung abgelehnt. Der Minister stellte sodann die Devalvationskampagne an den Pranger. Die ganze Kammer klatschte einmütig den Worten deS Ministerpräsidenten Beifall, als er diese Kampagne verurteilte., Der Ministerpräsident machte sodann nachdrücklich auf einige amerikanische' Presseagenturen aufmerksam, die nach den Gemeindewahlen in Frankreich der Welt verkündeten, daß di« Kommunisten binnen kurzem' Herren Frankreichs sein werden. Diese Kampagne sowie auch die systematische Herabsetzung des französischen Parlamentarismus gaben sich in dem Mißtrauen in den französischen Fran-c kund. Die gegenwärtige Lage kann aber den Franc in nichts bedrohen. „Der Fran« wird nicht fallen, fügte Flandin hin»«, solange ihn Frankreich selbst nicht anfgibt! Zürich, Ende Mai 1035. Das ruhige Schweizer Volk ist in tiefer Erregung. Es rüstet zu einer Entscheidung am 2. Juni von allergrößter wirtschaftlich und politischer Tragweite. Länger als die meisten Staaten der Erde hat die Schweiz. der Wirtschaftskrise standgehalten. Fast sechs Jahrzehnte lang, von 1873 an, konnte sich die schweizer Volkswirtschaft ungestört von den Krisenstürmen rings um seinen Grenzen entwik- keln, konnte Reichtümer ansammeln, wurde zum Eine Devalvation würde der Spekulation in Frankreich und im AnSlande zum Vorteil gereichen, würde aber dir französischen Sparer ar» machen." Die erweiterten Vollmachten, um die die Rigierung ersucht, sind dazu bestimmt, der Panik und der Spekulation Einhalt zu gebieten, das Budget auszugleichen, die Wirtschaftslage zu bessern und das Vertrauen wiederherzustellen. Es sind neue Ersparungen notwendig. Flandin kündigte bei dieser Gelegenheit die Demission des Finanzministers an und zollt« seiner Finanzpolitik Dank und Anerkennung. Die Kammer nahm diese Worte mit gemischten Gefühlen, mit Beifall»nd mit Gemurmel, auf. Der Ministerpräsident versicherte, daß die Regierung die Vollmachten nicht zu diktatorischen Verfügungen benützen wolle. Die Regierung werde das Parlament und die demokratischen Traditionen respektieren, wenn ihr die erweiterten finanziellen Vollmachten erteilt würden. Zum Schluß appellierte der Ministerpräsident in beredten Worten an das Parlament, daß es an die kleinenSparer denken möge, die den Kern und Stolz Frankreichs bilden, und daß es nicht zulassen möge, daß Spekulanten sie um die Früchte ihrer Arbeit und die Ersparnisse ihres ganzen Lebens bringen. Das Volk würde eS nicht begreifen, wenn durch die Feigheit der Parlamentsmitglieder der Frank entwertet würde.(Murmeln auf der Linken.) Rettet Frankreich und schließt euch mit der Regierung im gemeinsamen Kampfe gegen die Spekulation zum Schutz der Arbeit und des Sparens zusammen! Die Kammer, die den Worten des Minister- präsidenten oftmals einmütig Beifall zollte, besonders als er die Spekulafion verurteilte, nahm seine Rede zum Schluß nur in der Mitte, teilweise auf der Rechten und nur spärlich auf der Linke» mit Beifall auf. Um 22 Uhr trat die Kammer zu einer Nachtsitzung zusammen. Im Laufe der weiteren Debatte hat sich die Stimmung der Kammer durch das energische Eintreten H e r r i o t S sür die Finonzvollmachten einigermaßen gebessert. Die Abstimmung dürfte gegen 2 Uhr früh erfolgen. Sollte Flandin gestürzt werden, so rechnet man noch im Laufe der Nacht mit der Bildung eines KonzrnwationskabinettS unter dem Lorfitz des Kammerpräsidenten Bouisson, dem die Kammer die Finanzvollmachtr« voraussichtlich bewilligen würde. relativ wohlhabendsten Land der Welt. Die Natur hat ans dem Füllhorn ihrer Gaben nur ihre Schönheiten über das Land ergossen, hat es mit gewaltigen Gebirgen und lieblichen Seen, mit majestätischen Gletschern und mit der bezaubernden südländischen Flora bedeckt. Mer sie hat dem Land den Reichtum von Naturschätzen, Kohle, Erze, versagt, spärlich ist nur der fruchtbare Weizenboden, hartem steinigem Grund muß der Bauer die Frucht abringen. Wer die besondere Qualität ihrer Jndustrieerzeugnisse und vor allem eine Politik konsequenter Neutralität hat den Goldstrom Europas in dieses Land gelenkt. Die Schweiz wurde zum Banksafes des Kontinents.. Dorthin flüchtete Kapital, wo immer es sich durch Völkerkrieg und Bürgerkrieg, durch Inflation und Devalvation bedroht fühlte. Der so reichlich mit Gold überdeckte Schweizer Frank wurde aber zum Hemmschuh des Exports in eine Welt, die ihre eigenen Währungen abgewertet hat. Der Export sank.. 1929 verkaufte die Schweiz noch um 2100 Millionen Gold-Franken Waren ins Ausland, 1934 nur mehr um. 742 Millionen, fast um zwei Drittel weniger! Die Zahl der Arbeitslosen stieg io. emeyl Lqnd pon nur 4.1 Millionen Einwohnern auf 110.000, bäS sind mehr als 17 Prozent artet in den Arbeitslosen- lassen registrierten Industriearbeiter.. In eine ebenso ernste Lage geriet die Landwirtschaft. Auf ihr lastet eine Schuld von fünf Milliarden Goldftankcn. Die Schuld vermehrt sich alle Jahre um 100 Millionen. Die Preise sanken, die Bauern hatten mit immer größeren Schwierigkeiten zu ringen, um ihre Zinsenverpflichtunz von 200 bis 220 Millionen im Jahr zu erfüllen. Zwanzigtausend Bauernfamilien stehen vor dem Ruin. An di« siebentausend Bauernsöhne verließen im letzten Jahrzehnt den Hof ihrer Väter, wanderten in die Städte, in fremde Länder. Die Parteien des hochkapitalistischen Bürgertums, die das Land beherrschen, fordern die Deflation, den Abbau der Löhne und der Preise. Sie fordern die Senkung der Produktionskosten der Industrie um 20 Prozent, da müßten, so erklären di« Gewerkschaften, die Lohne um ungefähr vierzig Prozent herabgedrückt werden. Würde die fo rapid« Senkung der Lebenshaltung breiter Massen die Krise nicht erst recht verschärfen? Was nützt die Deflation? Im benachbarten Oesterreich ist trotz konsequentester Deflation der Export von 1596 Millionen Goldftankcn im Jahre 1929 auf 444 Millionen im Jahre 1933 zurückgegangen— um 72.2 Prozent! Die Deflation hat die Massen verelendet, aber den Msturz des Exports nicht gehindert. Und dann: Wie vermag Deflation der überschuldeten Bauernschaft zu helfen? Werden die Preise der landwirtschaftlichen Produkte weiter gesenkt, dann wächst erst recht die Schuldenlast. Ist die Bauernschaft schon bei den heutigen Preisen kaum imstande, ihre Schuldenverpflichtungen zu erfüllen» wie erst, wenn der Geldertrag ihrer Arbeit infolge weiterer Preissenkungen zusammenschmilzt? Die Deflation soll di« Abwertung des Franken verhüten. Mer würde ein Zusammenbruch der Landwirtschaft unter ihrer riesenhaften Schuldenlast die Schweiger Hypothekarbanken und mit ihnen das ganze Schweizer Kreditgebäude nicht mstreißen, den Franken nicht erst recht erschüttern? Die Deflation, die ideenlose Politik des Abbaues, erschließt kernen Weg aus der Krise. Die sozialdemokratische Partei der Schweiz war in den letzten Jahren in die Verteidigung gedrängt worden. Ihre poliftsche Expansionskraft war zwar ungebrochen geblieben: Sie eroberte Zürich, eroberte Genf, eroberte die Mehrheit in Basel— fast alle größeren Städte der Schweiz werden von Sozialdemokraten regiert. Wer die bürgerlich- großkapitalistische Bundesregierung schleudert eine Angriffswelle nach der anderen gegen die soziale und politische Stellung der Arbeiterklasse. Die Partei mußte den Berteidigurigs« kampf führen gegen Dkassensteuern und Konsumsteuern, gegen Lohnabbau, gegen den Plan, die Bundesbahnen zu entstaatlichen, gegen Anschläge auf die Pressefreiheit, gegen den Abbäu der Demo- Dramatischer Kampf um die Finanzvollmachten Paris. Die entscheidende Schlacht«m die Finanzvollmachte« für die Re- gierung«nd damit«m den Fra«e selbst begannen Donnerstag nachmittags 3 Ahr. 22 Redner Mare« zu Wort gemeldet. Ministerpräsident Flandin hat, um die Lage der Regierung zu bessern, während seiner großen Rede in der Kammer die Demission des Finanzministers Germain- Ma r t i« beLanntgegeben, dessen geplante Sparmaßnahmen nicht gerade sehr populär find. Es ist aber noch sehr zweifelhaft, oh das Kabinett sich dadurch vor der drohende« Niederlage retten wird. Bei Blattschlutz war die Entscheidung»och nicht gefallen. Seite S Freitag, 31. Ma! 1S35 Nr. 127 krati«. Der FascismuS nistete stch in der Schwerz eirt.' Der fascistische„Bund für Bolk und Heimat", in dem ungeheure Geldmittel aus dunklen Quellen zusammenfließen, sorgt dafür, daß fascistischeS Gedankengut in die historischen.Parteien hineingetragen wird. Die katholisch-konservativ« Volkspartei propagiert schon das Ständestaatsprogramm der Quahragesimo Anno, wie ihre christlichsoziale Schwesterpartei, in-Oesterreich. Wer-diese päpstliche Enzyklika dient«, dort doch nur als schön bemalter Wandschirm, hinter dem die Demokratie ruchlos abgeschlachtet, wurde. Die Zerschmetterung des helvetischen Sozialismus schwebt auch jenen vor. Die Deflation hat in Deutschland, hat in Oesterreich dem FascismuS den Weg zur Macht gebahnt— konsequente Deflationspolttik müsse, so rechnen die frommen Katholiken, am Ende auch in der Schweiz der Arbeiterbewegung und der Demokratie das Rückgrat brechen. Schon künden eisigkalte Schatten das Herannahrn dieser unermeßlichen Gefahr. Selbst in der freisinnigen Partei ist eine Ständebewegung im Gang. Soll die jahrhundertalte Schweizer Freiheit rühmlos untergehen? Es ist kein Augenblick zu verlieren. Die sozialdemokratische Partei trat aus ihrer Verteidigungsstellung, ging zum Angriff vor.. Di«.sozialdemokratische Partei erkannte, daß der FasciSmuS nur auf dem Boden der Wirtschaft geschlagen werden könne. Au» dem Srrmpfgrund der Wirtschaftskrise war er erwachsen, von ihm wird er genährt, diesen Sumpf gelte es trocken zu legen, die Wirtschaftskrise wirksam zu bekämpfen. Die Wirtschaftskrise verelendet nicht allein die Arbeiterschaft, sondern auch den Kleinbauern und den städtischen Mittelstand. Die strategische Aufgabe ist: Arbeiter, Kleinbauern, Festbesoldete auf einer gemeinsamen wirtschaftlichen Plattform zum Kampfe gegen die Deflationspolitik der kapitali» stisch-fascistischen Parteien zu vereinigen, ein» Front des„Antikapitalismus" zu schaffen. Bon zwei Seiten ging der helvetische Sozialismus zum Angriff vor. Auf seinem letzten Parteitag formulierten die Sozialisten einen„Plan der Arbeit", der die chaotisch-kapitalistische Wirtschaft durch Staatsgewalt ordnen, durch den Einbau planwirtschaftlichcr und staatskapitalisttscher Elemente die Herrschaft der Hochfinanz einschränken, durch die Kontrolle des Außenhandels die vichfigsten Wirtschaftszweig« lenken soll. Vorher hatte aber schon der Schweizerische Gewerkschaftsbund ein wirtschaftliches„Sofortprogramm" entworfen, über das eben am 2. Juni durch eine Volksabstimmung entschieden wird. Dieses Programm zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise— unter dem Schlagwort„Kriseninitiatwe" bekannt— schlägt eine Reihe gesetzlicher Maßnahmen vor, die zum Ziele haben„die Sicherung einer ausreichenden Existenz für alle Schweizer Bürger". Im erklärten Gegensatz zur Deflation wird die Regierung verpflichtet, für die„Erhaltung der Konsumkraft des Volkes durch Bekämpfung des allgemeinen Abbaues der Löhne, der simävirt- schafttichen und der gewerblichen Produktionspreis« zu sorgen". Kein Abbau also mehr, weder Lohn-, noch Preisabbau! Wie aber soll das Land der Schwierigkeiten Herr werden? Durch Delvavation, durch die Entwertung des Franken? Keineswegs! Die Schweiz ist ein« Fabrik, die Rohswffe einführt, sie verarbeitet und Fertigprodukte exportiert, sie braucht also billige Rohstoffe. Die Abwertung des Franken würde die Rohstoffe verteuern. Die Schweizer Landwirtschaft kauft ausländisches Getreide, um«S in Milch, Butter, Käse, Fleisch zu verwandeln. Die Abwertung des Franken würde das überseeische Getreide verteuern, würde zur Auswanderung der Kapitalien» zur bedenklichen Schwächung der Finanzkraft des Landes führen. . Aber noch' sind ungeheure.Kapitalsreserven im Land. ES müsse dafür gesorgt werden, daß sie nicht exportiert werden: daher fordert die Krisen« initiative staatliche Kontrolle des Kapitalsexports. Es müsse dafür gesorgt werden, daß die Kapitalsreserven zur Förderung des industriellen und landwirtschaftlichen Exports mobilisiert wird: daher fordert di« Kriseninitiative staatliche Regulierung des Kapitalsmarktes. Entscheidend in der Krisen- inittative ist aber das Programm großer öffentlicher Arbeiten zur Aufsaugung der Arbeitslosigkeit und das Programm einer großzügigen Entschuldungsaktton für die Kleinbauernschaft und das Kleingewerbe. Die finanziellen Mittel für das eingehend konkretisierte Arbeitsprogramm und für die Entschuldungsaktton sei vornehmlich durch langfristige innere Anleihen zu beschaffen. Die Kriseninitiative also fordert: Kreditausweitung statt Deflation! Den Gewerkschaften gelang es nun auf dem Boden dieses Programms die Organisation der Arbetter und der Angestellten fast aller politischen und weltanschaulichen Richtungen und sogar Teile der Bauernschaft zu sammeln. ES wurde ein„Aktionskomitee zur Bekämpfung der WirtschastS- kttse" gebildet, in dem der schweizerische Gewerk« schastSbund, ferner zahlreiche Verbände öffentlicher Angestellter, Beamtenverbände, Festbcsoldete-Or« ganisationen, der Verband der evangelischen Ar« beiter und Angestellten, endlich und entscheidend die schweizerische Bauernheimatbewegung und noch andere landwirtschaftliche Kreise vertreten sind. Allein für die Einreichung der Kriseninitiative konnten 234.000 Unterschriften gesammelt werden— ein Drittel dieser Unterschriften kam auS den bäuerlichen Gemeinden. Zum ersten Male in der Geschichte der helvetischen Arbeiterbewegung marschieren Arbeiter und Bauern Schuller an Schütter in einer Front, den städtischen Mittel* stand an ihren Flügeln. Die unverbesserliche „Bohemia“ Wir lesen in dem Blatt der gewesenen Deutschdemokraten: Tschechischer Arbeiter-Tvrntag in Eger Während der Pfingstfeiertage veranstaltet der westböhmische Kreis des tschechischen sozialdemo- kratischen Turnvereins DTJ einen Turntas I n E g e r, zu dem mehrere Sonderzüge die sozial« demokratischen Turner aus Pilsen und anderen Städten bringen werden. An den Vorführungen wird auch der deutsche sozialdemokratische Turnverband AtuS teilnehmen. Dazu ist festzustellen: hier handelt es sich um eine Falschmeldung mit durchsich« tigerTendenz. Seit Wochen wird in unserer Presse darauf hingewiesen, daß zu Pfingsten in Eger ein Kreisturnfest des Atus(Ar- beiter-Turn- und Sportverband, Sitz Aussig) stattfindet. Daran werden tschechische Arbeiter- Turner aus Pilsen als gern gesehene Gäste teilnehmen. Die„Bohemia" dreht den flaren Tat« bestand einfach Um. Sie macht aus dem Kreisturn« fest des Atus einen tschechischen Arbeiter-Turntag in Eger. Die deuffchen sozialdemokratischen Turner läßt sie als Gäste mitwirken. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, daß die Atusmitglieder nur als Anhängsel einer tschechischen Veranstaltung in Eger in Erscheinung treten. Der Henlein- spießer wird sich darauf schon den entsprechenden Reim machen. Diese Berichterstattung ist genau so seriös, wie wenn wir über das Debüt des Herrn Dr. Preis vor den deutschen Unternehmern gemeldet hätten: Generalversammlung der Zivnostenskä bankä in Teplitz. Schönau unter Mitwirkung des deutschen Hauptvrrbandes der Industrie. Und im übrigen: Wenn Sokolvertreter an einem deutschvölkischen Turnfest teilnahmen, so ist da» in den Augen eben dieser Bürgerpresse ein Akt der kulturellen Annäherung der Nattonen. Sind aber tschechische Arbeiterturner bei ihren deuffchen Genossen zu Gast, dann stellt die„Bohemia" bereitwillig den Tatbestand auf den Kopf, um ihrs Fähigkeit zur nationalen Brunnenvergistung gewissen kauflrästigen Interessenten empfehlend in Erinnerung zu bringen. Nicht zu vergessen, daß die„Bohemia" seinerzeit das Organ eines Professor Kafka war.... Herzlicher Empfang unserer Flieger In Moskau Moskau. Das tschechoslowakische Flugzeug „Block 200", mit der Prager Militärflieger« Deflation an Bord, ist Donnerstag um 18 Uhr 18 auf dem Moskauer Zenträiflüghafen gelandet. Der Flugplatz war zum Zeichen der Begrüßung mit den sowjetrufftschen und ffchechoflowakischen Staatsflaggen geschmückt, ferner hatte auf dem Flugplätze eine Ehrenwache der Flieger-Truppen Aufstellung genommen. Nach dem Niedergehen des Flugzeuges intonierte die Kapelle die tschechoslowakische StaatShhmne und die Internationale. Die Gäste begrüßte der Chef der Luftstreit« kräste der Roten Armee AI k s n i s und der Generalstabschef der Luftstreitkräste C h r i p i n. Ferner hatten sich zur Begrüßung eingefunden: der tschechoslowakische Gesandte in Moskau Bohdan P a v l u, der Militärattache Oberst D a st i ch und das gesamte Personal der tschccho« slowakischen Gesandtschaft. Abwanderung der Textilindustrie Das Kapital erzeugt weiter Im Ausland Profit die heimischen Arbeiter werden arbeitslos Dem„Prager Börsen-Courier" Wird au» Wien geschrieben: Die Uebersiedlungen tschechoflowakischer Kammgarnweber nach Oesterreich haben innerhalb weniger Wochen solchen Umfang angenommen, daß auf österreichischer Sette sogar Ab- wehrmaßnahmen gefordert werden. Die Firma Geipel hat 100 Webstühle in Günselsdorf aufgestellt. Dort besteht eine Fabrik, die dem Mautner-Konzern gehört. Geipel hat Räume dieser Fabrik gepachtet und wird dort arbeiten. Noch größer wird die Fabrik der Firma Himmelreich& Zwicker sein. Das Unternehmen erzeugt bisher in Oesterreich in einem gepachteten Betrieb. Nunmehr hat Himmelreich& Zwicker in Kleinmunchen um 130.000 Schilling eine Fabrik mit Wasserkraft gekauft, die bisher leer gestanden ist. Er dürste zwischen 100 und 200 Webstühle aufstellen. Di« Firma Jg. Klinger hat 30 Stühle in Siebenhirten installiert. Die Fabrik gehört der Firma Lederer& Neumann; einige Säle wurden von Jg Klinger gepachtet. L i e- bieg richtet in Floridsdorf«ine Schafwollwaren- fabrik ein. Er hat bisher im Lohn weben lassen. Die Firma D. H e ch t, Brünn, hat in Neunkiyhen in einer ehemaligen Baumwollweberei 30 Webstühle eingerichtet. Im Arsenal wurde eine Streichgarn-Spinnerei und Weberei von einem mährischen Industriellen ausgebaut, die ebenfalls 30 Stühle umfassen dürste. An österreichischen 'Gründungen"ist di« Erzeugung von Herrenstöffen durch die Wiener Strickwarenfabrik Bernhard Altmann zu erwähnen. Die Gesellschaft hat zwölf Stühle, wahrscheinlich au» ffchechoflowakischen Beständen, aufgestellt. Alle diese Neugründungen bringen nur die Maschinen und höchstens für eine Uebergangszeit Werkmeister zum Anlernen herein. ES dürfte nunmehr alle» in Oesterreich erzeugt werden, was an Schafwollstoffen gebraucht wird, einschließlich feiner Damenstoffe und Moden- arttkel. Textilüberstedlungen nach Oesterreich gab eS immer. G i n z k e h will in Oesterreich eine Teppichfabrik errichten. Vorläufig läßt er hier im Lohn weben. An stüheren Uebersiedlungen ist die Errichtung einer Leinen- und Baumwollweberei in Floridsdorf durch die ffchechoflowakische FirmaRegenhartLReymannzu erwähnen. Die Firma B. SpieglerS Söhne beabsichtigt, in Oesterreich die Erzeugung von Baumwollwaren aufzunehmen. Hermann Pol« laksSöhne haben in Floridsdorf, wo sie frü- her nur Ausrüster waren, mit 88 Stühlen das Weben von Buntwaren ausgenommen. Noch früher haben die Brüder P e r u tz in der Graumannfabrik die Erzeugung von Baumwollwaren begonnen. Seit einigen Jahren erzeugt Rudolf Mauthner in Götzendorf Baumwollrohware. Die Firma Reis LBreth hat in Lichtenwörth im Anschluß an ihren Betrieb die Seidenweberei ausgenommen. G Wie man sieht, ist ein immerhin nicht unansehnlicher Teil der ffchechoflowakischen Spinnereien und Webereien nach Oesterreich übersiedelt. Die Unternehmer retten sich, indem sie in anderen Ländern Filialbetriebe einrichten, in welchen sie ihre alten Maschinen arbeiten lassen. Die Arbeiter lassen sie bei un» zurück— mögen sich Staat und Gewerkschaften um sie kümmern. Leibnch. Die Staatspolizei hat eine natio- nalsoziälistische Geheimorganisation aufgedeckt, die den österreichffchen Nationalsozialisten den Uebertriü auf jugoslawisches Gebiet vorbereitete und erleichterte und sie über Suschak nach Deutschland brachte. Die Polizei in Laibach hat in diesem Zusamm«,chang zwei Oesterreicher verhaftet. Paris. Wie der„Mattn" aus Straßburg meldet, ist unter den dort untergebrachten etwa 300 deutschen Kommunisten, die nach der Volksabstimmung im Saargebiet in Frankreich Zuflucht suchten, wegen Unzufriedenheit mit der Kost eine Revolte ausgebrochen. Nach den Anordnungen der Behörden werden die Unzufriedenen nach der Bretagne gebracht werden. »3 Roman von; Emil Vachefc* y Deutsch von Anna AurednKek „Doch, mein Süßer, es gibt viele. Ich habe so viele gesehen, daß du sie gar nicht zusammenzählen könntest. Gerade, als man mich erwischte, untersuchte ich eine Kaffe, in der eine Million solcher Papierchen war. Eine Billa in einem fttl» len Gartenviertel. Eine Garage für drei Automobile. Auf den Stiegen Perserteppiche und chinesische Basen. Eine war gewiß fünfzehntausend wert. Portier, Gärtner, zwei Chauffeure, ein Kammerdiener, zwei Kammerjunfern, ein Koch und Dienstmädchen. Das ganze Personal zur Bedienung dreier Menschen, deren Berdienst es ist, daß der Vater de» einen drei Brauhäuser gehabt hat, der Vater des andern gute deutsche Politik getrieben und sein Sohn auf Liese Weise Verwaltungsrat in den größten Unternehmungen wurde. Ihre Einnahmen betrugen Tag für Tag fünfzehn Tausender. Und die Bande treibt sich das ganze Jahr in Aegypten, Biarritz, Davos und Scheveningen herum. Dem Fräulein hatte in Holland ein Motorschiff gefallen. Man kaufte e», brachte eS nach Prag. Da entdeckte man, daß es einen unmöglichen Tiefgang für das Prager Flußbett hatte. Und so ließ man es verfaulen... Das sind meine Leute, Beinsteller I So ein Verbrecher bin i ch, und jetzt, jetzt stell' dir vor, was du bist: du stiehlst einem Beamten seine Gage oder einem Pfeidler die Rate, die er in die Bank trägt. Und du meinst, du bist ein anständiger Kerl." Eliaschek gähnte.„Ich bin gewöhnt, täglich nach Tisch zu schlafen. TuS erhält den Tetttt frisch. Wenn du wüßtest, Beinsteller, wie fesch mein Mädel ist! Bis man mich hier loSläßt, wird sie mich in Auw erwarten. In unserem Mercedes. Ich glaube, wir fahren dirett nach Marien- bad. Sobald ich ordentlich ausgeruht bin, werde ich wochrscheinlich einem indischen Rabob die Kehle durchschneiden. Einer kommt alljährlich zur Kur nach Marienbad. Er wiegt vierhundert Pfund und sein Diamanten und Perlen wiegen noch mehr." Eliaschek legt« sich auf di« Pritsche, drehte sich zur Wand und schlief sofort ein. Beinsteller überließ er den Gedanken, die er in ihm angeregt hatte. Beinsteller fühll«, daß der Boden unter ihm schwankte.„Und ich, alter Idiot, erzähle den Kadetten von Rothschild, um dann einem armen Schreiber die Geldbörse zu ziehen", dachte er. „Nein, ich habe noch nie einen armen Kerl bestohlen." Doch plötzlich tauchte vor seinen Augen ein ganzes Dutzend verdächtiger Fälle seiner Praxis auf. Er erinnerte sich an unzählige magere Beuten, die er ergattert hatte. An«ine Geldbörse, die drei Bersatzzettel enthielt. An ein Handtäschchen, mit einem schmutzigen Taschentuch und einer leeren Puderdose. An ein Portefeuille, worin er drei nicht abgeschickte Bittgesuche fand. Er sah furchtbar unglücklich aus. Anscheinend war nicht Eliaschek, sondern der ehrbare Beinsteller ein Verbrecher, ein Schädling der menschlichen Gesellschaft. Er war eine Geisel für die Menschen, die ebenso schlecht daran waren wie er. Von allen Seiten floffen ihm Tränen zu, die seinetwegen geweint worden waren. Er ertrank darin. In dem Augenblick der ärgsten Qualen, als ihn dunkelste Finsternis umgab, tauchte die Gestalt Fräulein Sophiens vor ihm auf. Sie fragte ihn:„Was suchen Sie, Beinsteller?" Er öffnete die Augen und antwortete ckttt klangvoller Stimme:„Den Weg zu einem ordentlichen Leben." Kannst du einen nicht zehn Minuten ruhig schlafen lassen?" sagte Eliaschek, verdrießlich aus tiefem Schlaf erwachend.„Hast du vielleicht die Gewohnheit, wenn du wach bist, aus dem Schlaf zu reden?" „Höre, Eliaschek, du bist der erste Mensch, dem ich etwa» sehr Wichtiges anvertrauen will", sagte Beinsteller fieberhaft erregt. Der Zyniker antwortete:„Mir wäre lieber, du ließest mich schlafen. Sonst bin ich am Abend verstimmt." „Mich quäü das Gewissen, Eliaschek. Ich habe ein braves Frauenzimmer in eine elende Lage gebracht. Sie sitzt wie auf einem Pulverfaß, das jeden Augenblick in die Höhe fliegen kann." „Das ist seit jeher der sicherste Platz, Beinsteller, deshalb mußtest du mich nicht wecken." „Aber sie ist sehr ordentlich und brav." „Dann erzähl' mir nichts von ihr, es interessiert mich nicht." „Aber du bist sa selbst an allem schuld", schrie Beinsteller, verzweifelt,„erst setzt du mir einen Floh in» Ohr und dann willst du mich nicht einmal anhören." „Alterchen, du scheinst sehr aufgeregt zu sein", sagte Eliaschek beschwichtigend.„Wenn es sein muß, so erleichtere dich und erzähle, was dich drückt." „Was soll ich nun tun?" rief Beinsteller ver- zweifell, als er seine sonderbare Beichte beendet hatte. Eliaschek, den nichts aus dem Gleichgewicht brachte, brauchte nicht lange zu überlegen und rief:„Sattl' um! Ich hab' dich auf den ersten Blick abgeschätzt. Du bist ein guter Mensch, aber klein. Taschenformat. Du bist«in Gschaftlhuber, der sich auf dem unrechten Weg befindet. Du ge-< hörst— hinter die Budl!"„Hinter die Budl?" „Jawohl, in«inen Laden, hinter die Budl. Du wirft den Leuten Gewürz, Stärke, Kaffee zuwiegen und sie dabei bescheiden bestehlen. Du bist der geborene Greißler. Du haft auf Greißlerart gestohlen. Und kannst damit nicht weiter. Werde daher wirklicher Greißler und heirate deine Jungfrau. Das ist das, was du brauchst. Und wa» auch für sie das Richtige ist." „Eliaschek, du verflixter Junge, ich weiß, du machst dir einen guten Tag au» mir, aber ich glaube, daß du es erraten hast", sagte Beinsteller. „Wenn ich ein Weib hätte! Das könnte auS mir machen, was es will!" „Greißler haben immer Familiensinn, Alterchen. Hättest du vor dreißig Jahren ein Frauenzimmer gefunden, die deinen Buckel nicht bemerkte, wärest du heute Kaufmann in der Hauptstraße und würdest Kerle, wie du es bist, verfluchen, weil sie dein Geld stehlen, wenn du in die Elektttsche steigst. Aber es ist noch nicht zu spät. Heirat' sie sobald du hinauSkommst und fang die Greißlerei an." „Heirat' sie", flüsterte Beinsteller verträuntt. «Wird sie mich aber wollen?" „Jede Frau will, wenn der Mann einen starken Willen hat." „Wenn der Bursche aber meine Verzierung am Rücken trägt?" „Du mußt nur zweifach stark wollen und ste ist d^in. Und sie wird dein." ''„Eliaschek",- piepste Beinsteller,„du bist jetzt mein bester Freund. Falls sie mich wirklich nimmt, mußt du mein Zeuge sein." * Am Abend dieses Tages stürzte Herr Fleckchen erhitzt und besorgt in die Zelle.„Jungens, der Vizepräsident Kvech hält Jnspettion im Haus. Habt ihr alles in Ordnung? Die Hadern müssen Sie ablegen, Herr Eliaschek, und du, Ferdl, wir sind doch alle Kameraden, ich bring« dir heute ein feines Nachtessen." Da Beinsteller verstockt schwieg, sagte Herr Fleckchen beinahe flehentlich:„Wirst doch wegen einer Dummheit, die mittags zwischen uns war, keine Reden machen! Du weißt, ich laß nichts auf dich kommen, häb' dich nur ärgern wollen. Meine Alt« brat ein« Bratwurst für dich, damit wir dein Jubiläum richtig feiern." (Forffetzung folgt.) Nr 127 Freitag, 31. Mai 1935 Stile 3 tfudetendeutsefier Zeitspieget Der weit des deutschen AkttYlsmos Ein Vortragsabend In Prag Heber Einladung der um die demokratische Zeitschrift»Programm" gescharten tschechischen Journalisten und Politiker hielt Genosse I a k s ch am Dienstag abend einen Vortrag über die Ursachen des Wahlerfolges der Sudetendeutschen Partei. Den Vorsitz führte der bekannte. Linkspublizist Dr. R i p k a. Man müffe, so führte Genosse Jaksch aus, in Zukunft weniger von Personen und mehr von den Problemen reden. Die deutsche Frage in der Tschechoslowakei ist neu aufgerollt, seitdem wir ein ausgerüstetes, kriegerisches Deutschland zum Nachbarn . haben. Davon ist die Politik einer ganzen Reihe von Staaten berührt worden. Auch die Tschechoslo- lvakei mit ihrer starken deutschen Bevölkerung an der Staatsgrenze kann davon nicht unberührt bleiben. Die tschechische Politik nach dem Kriege war mehr den Problemen der östlichen Staatshälfte zuge- wandt. Der ungarische Revisionismus erschien als der Hauptfeind, in zweiter Linie die Habsburgergefahr. Durch Befassung mit der flowaikifchen Frage hatten die tschechischen Parteien die Aussicht, neue Wähler zu gewinnen. Jede tschechische Partei, die sich in der deutschen Frage exponierte, riskierte ihre Machtpofition im eigenen Bolle. Ta- StaatSintereff« hätte eS aber erfordert, dem deutschen AktivismuS sichtbare nationale Erfolge z» geben und so in der deutschen Bevölkerung die Hoffnung aus seine sukzessive Bereinigung der nationalen Streitfragen zu stärken. Wir wollen aber die Schuld an der überraschenden Entwicklung im deutschen Lager nicht einsettig auf die tschechische Politik abwälzen. Hitler hätte unter dem Sudetendeutschen auch dann Anhänger gefunden, wenn zuvor eine hundertprozentige Lösung der nationalen Frage gelungen wäre. Ein grosser Teil der deutschen Intelligenz und unserer Mittelschichten hat eben nur gelernt, in abstrakten Machtbegriffen zu denken. Die Seuche eines blinden Glauben- an die Gewalt beherrscht heute fast überall die deutsche Politik. Die tragischen Folgen der Niederlage und des europäischen JndustrieverfallS überblenden im deutschen Bewußtsein alle wirtschaftlichen und sozialen Tatbestände, haben zu einem Anklammern an den nationalen Machtgedanken geführt, ES sind im deutschen Polle aber auch Gegenkräfte vorhanden, die im Geistigen und Sozialen wurzeln. Ihre Schwäche und zeitweilige Ohnmacht mutz in der Situation begründet sein. Aus dieser Betrachtung folgert der Bortragende, dass die Hauptursachen des Wahlsieges der Partei Henleins außerhalb der Grenze» in der Anziehungskraft des Hitleri-muS liegen. Auch eine systematische Einschüchterung der Grenz- bevölkerung, wirtschaftlicher Terror und eine groh- aufgezogene fascistische Propaganda haben viel dazu beigetragen. Demgegenüber erfolgte kein einheitlicher Einsatz der Staatsautorität. Die beste Reklame für Henlein waren die Nachrichten» dass einflussreiche Politiker mit ihm verhagelt haben. Solchen Bewegungen gegenüber kann die Demokratie nicht mit taktischen Schachzügen, sondern nur durch die Geltendmachung ihrer Grundsätze auÄommen. Die geschehenen taktischen Fehler können aber nicht allein die grosse Schwächung des deutschen Ak- tiviSmus erklären. Es fehlte an einer demokratischen Konzentration im deutschen Lager. Die Christlichsozialen und die Landbündler liessen sich zu ihrem eigenen Schaden in einen aussichtslosen antimarxistischen Wettlauf ein. Ei» offenes Bekenntnis zur Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern, wie es im tschechischen Lager erfolgte, hätte auch auf deutscher Seite viel zur Reinigung der Atmosphäre beigetragen. Hier liegt die Aufgabe einer inneren Neuorientierung des deutschen AktiviSmus vor. Schwerwiegend haben die Folgen der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse und der allgemeinen Nationalitätenpolitik im Staate zu dem Wahlergebnis beigetragen. Redner bringt eine ganze Reihe von Beispielen, wie sich die deutschen Arbeitslosen in den Grenzgebieten mit vollem Recht bei der Vergebung von öffentlichen Arbeitsplätzen benachteiligt fühlen müssen. Das Schlagwort von den„verdeutschen Gebieten" richtet schlimme Reflexwirkungen an. Die nationalen Erfolge des tschechischen Bolkes können nicht auf Kosten der deutschen Existenznwglichkeii gehen. Hierbei geht es in der Tat um eine Frage des Lebensraumes. Wir anerkennen die Notwendigkeit einer einheitlichen Administrative, fordern aber einen gerechten Anteil der Deutschen an den Leistungen deS Staates. Ohne entsprechende Vertretung in der Administrative muß fich der deutsche AktivismuS auf die Dauer verbluten. Eine Remedur bei Aufnahmen in den öffentlichen Dienst ist unerlässlich. Wir fordern erneut diese Remedur, auch auf die Gefahr hin, dass ste die Sudetendeutsche Partei als ihren Erfolg ausgibt. Em Fortbestand der heutigen Praxis stärkt Henlein mehr. In diesem Punkt ist eine Umorientierung not- wcndig schon mit Rücksicht auf den wirtschaftlichen Terror, der gegen die republikanischen Elemente ausgeübt wird. Die Demokratie muh sich gegen die wirtschaftliche Erdrosselung ihrer Anhänger ein N o t r e ch t zu schaffen wissen. Wir verfallen nicht in die Wahnvorstellung der Henleinanhänger, dass einige hunderttausend deutscher Arbeitsloser im Staatsdienst unterzubringen wären. Notwendig ist es, dem deutschen AktiviSmus den Stachel des tatsächlich vorhandenen Unrechts aus dem Fleische zu ziehen, damit in der deuffchen Bevölkerung jene Klärung und Beruhigung eintritt, die für eine Forffet- zung der wirtschaftlichen und sozialen Aufbauarbeit notwendig erscheint. Der deutsche AktivismuS braucht ein politisches Existenzminimum. Seine nächste Aufgabe ist die Erarbeitung einer gemeinsamen Konzeption mit der tschechischen Demokratie. Zur Erörterung steht nicht, was man den Deutschen geben soll, sondern was der Staat im eigenen Interesse tun mutz, um die Herzen der deutschen Mitbürger zu gewinnen. Der Staat darf nicht Kampfinstrument der einen Nation gegen die an- P r a g. Amtlich wird gemeldet, daß der Präsident der Republik am Donnerstag im Rahmen der Besprechungen mit de» Parteiführern die beiden Minister Dr.. C z e ch und Dr. Spina empfangen hat. Am Freitag dürften die Besprechungen mit dem Empfang des Abg. R a j in a n(tschechische Gewerbepartei) abgeschlossen werden. Für Freitag nachmittags find Vertreter der flowakischen Voltspartei zu Malypetr geladen. Der„B e n k o v" erklärt» daß die alte Koalition als Ganzes beisammenbleibt und nur um die Gewerbepartei und vielleicht um die deutschen Christ- lich sozialen vermehrt werden wird. Die Frage der Beteiligung der deutschen Christlich- soziaken ist jedoch noch~rf*i ch i bedeinigfl Es sei nicht ausgeschlossen» daß ein M i.n i st e• Was wir am nötigsten brauchen Die christlichsoziale„Deutsche Presse" macht seit der Wahl Stimmung für die Aufnahme Henleins in die Regierung. Dabei kommt sie neuerdings in ihrer Freitag-Ausgabe auf die grossen Erfolge dex seinerzeitigen christlichsozialen Regierungsbeteiligung zu sprechen. Sie schreibt: Rückschauend muh jeder Unbefangene heute zugeben, dass di e s e r„e r st e" A k t i d i s- m u r ein zwar bescheidener, aber v i e l verheissend er Anfang war, der für das Sudetendeutschtum auf allen Gebieten, auf denen es sich bedrückt fühlte, im Sprachenrecht, iui Schulwesen, in der Staatsangestelltenfrage, in der Bodenenteignung usw. eine entschiedene Wendung zum Besseren brachte, vor allem aber die feierliche Amrkennug der Gleichen unter Gleichen. ES kam der ,M>eite"„AktiviSmus der eben abtretenden Regierung und Mehrheit, der leider auf allen Linien versagt und die„Erfüllungspolitik" deS AktiviSmus scheinbar ad absurdum geführt hat. Wohl ein Grund, wenn nicht der Hauptgrund für daS Wahlergebnis auf deutscher Seite. Und nun Pocht die neue sudetendeutsche Partei mit gewaltigen Schlägen an die Tore des Parlamentes. Die Antwort kann nur sein: ein „dritter" AktiviSmus, der gleich dem ersten auf dem Beben und im Rahmen deS Staates das vollendet, was dem ersten noch zu erreichen versagt war und was der zweite versäumt hat. Hier erscheint also die altehrwürdige Parole des deutschösterreichischen Bürgertums von anno Tobak»An Bismarck brauchet'» wir halt!" gewandelt zu der zeitnaheren„ An zweiten May r-H a r t i n g brauchet'» wir halt!" Ob Henlein durch die Aufgabe, der zweite Mayr-Harting zu werden, sich sehr gehoben fühlen wird, ist schwer zu sagen. Verwaltungsreform und ähnliche Erfolge sind ob» schreckende Spuren. Der einzige Erfolg war, dass damals Mayr-Hartiirg während seiner Ministerschaft ein wenig ffchechisch gelernt hat. Wenn aber die Sudetendeutschen wiederum glaubten, sie würden von einem Henleinminister nichts Schlimmeres erleben, als unter dem Bürgerblock, dann würden sie sich furchtbar täuschen. So reaktionär das Regime des ersten Wivksmus war— die Verwirklichung eines dritten,.Henleinschen, würde uns den Mayr-Harting erst vonallenScitenschätzenlehrenl der« sein, er muß Schiedsrichter zwischen seinen Böllern werden. Zur Vorbereitung organischer Lösungen sollte entweder ein Ratwnalitäten-Ministeri- um oder vorläufig wenigstens eine Sektion für nationale Fragen beim Ministerratspräsidium geschaffen werden. Wir deutschen Sozialdemokraten sind optimistisch in bezug auf die Zukunftschaneen der Demokratie. Unsere 800.000 Wähler verkörpern eine tapfere Gesinnung. ES wird uns eine Genugtuung sein, die Henlein-Bauern und Herrn Dr. Ro s ch e wieder reumütig zum AktiviSmus zurückzukehren zu sehen. Eine Partei allein kann es aber nicht schaffen. Notwendig ist die Bildung einer festen Kampfgemeinschaft der tschechische« und deutschen Republikaner, damit auf dem Bode» Mitteleuropa- der Geist MasarhkS über den Ungeist deS HitleriSmnS siege. An diese von dem zahlreichen Auditorium mit Beifall aufgenommenen Darlegungen schloss sich eine sehr anregende Debatte, an der sich u. a. die Journalisten Grimmichovä, Milos Bank!, Jise, Dr. Ripka. Dr. Chytil, Dozent Dr. Fischer, Genossin Riedl und Genosse Senator Bojta Benes beteiligten. In der auf grosser Höhe stehenden Aussprache wurde der republikanischen Treue der deutschen sozialdemokratischen Arbeiter ehrenvolle Anerkennung gezollt und die Bereitschaft zu engerer verständnisvoller Zusammenarbeit mit den demokratischen Gruppen des deutschen Volkes durchwegs betont. tittin ohne Portefeuille für die Deutschen errichtet wird» so daß diese außerdem nur noch ein Fachministerium erhielten. Sollte es zu einer Einigung über die vorgeschlagene Kooperatton zwischen den Land- bündlern und den Christlichsozialen kommen, dann soll ein Bertreter der Agrarier das Ministerportefeuille erhalten und ein Ehristlichsozialer Vizepräsident des Abgeordnetenhauses werden. Die Aenderungen in der Ressortausteilung und auch in den Personen würden voraussichtlich nicht groß sein. Das Blatt hält es für möglich, daß Finanzen und Schule in den Händen der bisherigen Beamtenminister bleiben und daß noch zum Wochenende oder am Sonntag Malypetr bereits in der Lage sein wird, dem Präsidenten der Republik die fertige KabinettSliste vorznlegen. Vie„Ehre der Sudetendeutschen wird gleichgeschaltet Was im religiösen Sinn gut oder böse ist bestimmt der Papst, der bekanntlich in diesem Punve unfehlbar ist. Was vor der staatlichen Obrigkeit erlaubt und verboten ist, bestimmt daS Strafgesetz. Was für einen Sudetendeutschen ehrenhaft oder unehrenhaft ist, bestimmt Herr Ernst Kundt» Leiter des deutsch- polilischen Arbeitsamtes und Abgeordneter der Henleinpartei. Man sieht den Menschen ost nicht an, was in ihnen steckt. Wer hätte das von Herrn Kundt gedacht, den wir noch gekannt haben, als er bedeutend kleiner war, dass in ihm ein n e u e r Moses steckt, dessen Gebote wir halten müssen! In den Sudetendeutschen Presse-Briefen schreibt besagter Kundt: Wer um seiner politischen Ueberzeugung willen im politischen Kampfe unterliegt, bleibt trotzdem ehrenhaft. Wer aber in einem gemischt- nationalen Staate aus ehrgeizigen, egoistischen oder sonstwie kleinlichen Gründen den nun selbst schon den Einfältigsten klar erkenntlichen BolkS- gemeinschastswillen des SudetendeutschtumS durch Schrift, Wort oder Tat weiterhin missachtet, würde volkspolitischunehrenhaft. . Das sei im Vorhinein alsten denen gesagt, die vielleicht immer noch mit dem Gedanken spielen, Konrad Henleins Werk und den sudetendeutschen Bolksgemein« schaftswillen nur als eine Parteiangelegenheit alten Stils betrachten zu können. Eigentlich brauchten wir uns nicht darum anzunehmen. Denn gerade wir haben Henleins Werk niemals als eine„Parteiangelegenheit alten Stils", sondern immer als etwas Neues, nämlich als den— immer weniger getarnten— sudetendeutschen Hitlerfascis- m u s angesehen. Genügt das, Herr Kundt» zu unserer„Ehrenhaftigkeit?" Oder müssen wir uns erst, wie so viele Ihrer Parteigänger ein ansehnliches Register von Vorstrafen wegen Betrugs, Totschlags, Dieb st ah ls. Kinderschändung usw. zulegen, um„volkspolitisch ehrenhaft" zu sein?. Dr. Czech und Dr. Spina in Lana Heute Abschluß der Empfänge Tiefer Unsen Verleumdennethoden der„Närodni Ltety" Wir haben schon gestern die Giftmischermethoden der„Narodni Lisch" angenagelt, die geschrieben haben, dass in Peterswald sozialdemokratische Wahlkommissionsmitglieder für Henlein ihre Stimmen abgegeben haben. In derselben Nummer der„Narodni Lisch", in der diese falsche Anschuldigung erhoben wird, ist noch eine Verleumdung unserer Partei enthalten, die nicht besser ist dadurch, dass sie von dem ehemaligen Abgeordneten Dr. L u k a v s k y stammt. Es werden da zwei Behauptungen aufgestellt. In der ersten wird gesagt, dass die deutschen Sozialdemokraten Flugblätter verbreitet hätten, dass die Stadt Karlsbad keine Subventionen bekommt und nicht aus der Schuldenwirtschaft herauskommen werde, wenn sie nicht sozialdemokratisch wählen wird. Wie lautet nun das Flugblatt, das unsere Partei in Karlsbad herausgegeben hat wirklich? Es wird da gesagt: Am allerwenigsten aber kann die Stadt Karlsbad in ihrer ungeheuren finanziellen Bedrängnis es sich erlauben, durch eine Henleinwahl eine tschechische Totalität gegen sich zu mobilisieren. Die Stadt Karlsbad sah sich gezwungen, die Hilfe des Staates anzurufen. Ar Hilfeansuchen ist in Prag noch nicht erledigt. Es wird auch dann, wenn wieder ein deutscher Sozialdemokrat als Minister in der Regierung sitzen wird, kaum vollständig honoriert werden, denn die Gegenströmungen sind so stark, dass bekanntlich der deutsche Sozialdemokrat um jede Million, die er für das sudetendeutsche Völk in Prag herauSpretzte, schwer ringen mutzte. Wer das Ansuchen der Städt Karlsbad um finanzielle Hilfe wird nicht um einen Heller berücksichtigt werden, wenn die Wählerschaft Karlsbads sich am 19. Mai den Jux erlauben sollte, Totalität gegen Prag zu spielen, also die„Sudetendeutsche Partei(Vorsitzender Konrad Henlein)", die in Prag nur auf verschlossene Türen und verschlossene Herzen rechnen kann, als Karlsbads Vertretung zu wählen. In diesen! Sinne würde die Wahl wirklich als eine„Volksabstimmung" Karlsbads betrachtet und in Prag gewertet werden. Das ist aber nicht allein eite Angelegenheit der Karlsbader Hoteliere und Kurhausbesitzer, der Karlsbader Kaufleute und Handwerker, sondern aller Karlsbader überhaupt, weil sie alle zusammen die schweren Folgen zu tragen hätten. Eine weitere Behauptung, welche Dr. L u- k a v s k y aufstellt, ist, dass die deutschen Sozialdemokraten in Karlsbad in dem betreffenden Flugblatt erklärt hätten, dass jeder deutsche Angestellte im Badebetrieb und in der Gastwirtschaft eine Prüfung aus der tschechischen Sprache werde ablegen müssen und daß er entlassen werde, falls er bei der Prüfung durchfällt. Nur in dem Fälle» dass die Angestellten sozialdemokratisch wählen» werde die Sprachenprüfung unterbleiben. Was wird nun in unserem Flugblatt darüber gesagt? Am schlimmsten jedoch würde sich«ine Karlsbader Totalität im Sinne Henlein- gegen die Arbeiter und Angestellten in den Kurbetrieben auswirken. Die alltschechifche Koalition— und etwas anderes könnte die Auswirkung eines Henlein- sieges nicht fein— würde die Sprachenbeding- niffe für die Angestellten und Arbeiter der städtischen Betriebe sofort in strengste Wirksamkeit treten lassen. Mit Protesten und Demonstrationen wäre dagegen nicht aufzukommen, wenn niemand mehr in der Regierung sitzen würde, der sich unserer deuffchen Arbeiter und Angestellten annähme. Biele und viele BadehauSbedienstete und sonst in Kurbetrieben Beschäftigte, die heute Gefangene der Henleinschen Phrasen sind, ohne an daS Uebermorgen zu denken, würden auf die Strasse hinauSsliegen und ander-nationale Arbeiter und Angestellte würden an ihre Stelle treten. Dann käme freilich die Einsicht, aber dann wär« es zu spät! Wie man sieht, greifen di«»Narodni Listy" einfach zu Verleumdungen, um unsere Partei in den Augen der tschechischen Oeffentlichkeit herabzusetzen. Diese Methode setzt frellich nicht uns herab, sondern die„Narodni Listy" und zeigt, auf welchem Niveau das Blatt, welches«inst das Organ der ffchechischen Intelligenz war, angelangt ist. Sekte 4 Freitag, 31. Mak 1935 Nr. 127 AgesneuigLeltm Suks Leichnam im Pantheon Benescha». Die sterblichen Ueberrcste des verstorbenen Komponisten. Josef Suk find in seiner Wohnung in Beneschau in der Husovä tr. Nr. 739 aufgebahrt. Am Totenlager haben sich die Familienangehörigen eingefunden. Das Antlitz des Toten hat einen ruhigen Ausdruck. Ein Testament Guts lvurde nirgends gefunden. Die Dispositionen zum Leichenbegängnis loerden noch nicht getroffen, wahrscheinlich werden die sterblichen Ueberreste nach Prag überführt werden. wo sie imP an thron werden ausgestellt werden. Die Beisetzung wird dem Wunsche Guts gemäß in seiner Heimatgemeinde Kteäovice bei Beneschau stattfinden. Todesurtelle über Todesurteile gegen mazedonische Terroristen und bulgarische Räuber— Kommunistenhatz Aus Sofia wird berichtet: In der Stadt Prowodija im Osten Bulgariens, wurde der Anführer einer Räuberbande, Janaki Galew und drei weitere Mitglieder dieser Bande zum T o d e durch den Strang verurteilt. Einer dieser Räuber wurde zu lebenslänglichem Kerker, zwei weitere zu je 15 Jahren und die übrigen zehn Mitglieder der Berbrecherbande zu Freiheitsstrafen in der Höhe von dreieinhalb bis zu zehn Jähren verurteilt. In der Nähe von Slivena in Südbulgarien überfielen vier stark bewaffnete Räuber einige Reisende und beraubten sie. Die Räuber wurden als die illegalen Kommunisten erkannt, die nach dem Blutvergießen des 30. April in Ennina, wo damals ein Polizist und ein Kommunist erschossen wurden, flüchteten und deren die Polizei bisher nicht habhaft werden konnte. Die Militärgerichte haben bisher 50 T o- desurteile gegen die mazedonischen Terroristen ausgesprochen, von denen aber bisher noch keines vollstreckt wurde, lveil fast alle zum Tode Verurteilten— sich noch wegen weiterer Verbrechen zu verantworten haben werden... • In Plowdiw nahm die Polizei eine Reihe von Mitgliedern einer geheimen kommunistischen Gruppe fest. In der Stadt Schumen in Ostbulgarien wurden aus dem lokalen Gymnasium 50 Schüler wegen kommunistischer Tätigkeit ausgeschlossen, Auch in'den Städten Plowdiw, Haskow, Warna und anderswo wurde eine große Anzahl von Schülern wegen kommunistischer Gesinnung aus allen bulgarischen Mittelschulen ausgeschloffen. Eurasische Luftlinie: Paris—Prag—Moskau—Saigon Paris.(Tsch. P.-B.) Der Berichterstatter del Kammer-Ausschusses für Flugwesen Michel Walter empfahl die Annahme des Flug-Ec« gänzungSabkommen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei vom 7. Dezember 1933 zum französisch-tschechoslowaksschen FluMbkommen vom Jahre 1935. Im Motivenbericht sagt der Berichterstatter, daß durch die Ratifikation die Verwirklichung der Flugverbindung zwischen P a- ris und Moskau üfrer Prag und ihre weitere Verlängerung über Moskau nach Jndochina(Saipon) ermöglicht lverde. Die französischen Flugzeuge werden so künftig nicht mehr gezwungen sein, die gefährliche Strecke über dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean zu befliegen, außerdem wird die Flugverbindung bedeutend verkürzt und erleichtert. Die Regelung der Flugverbindung zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei wird daher der Ausgangspunkt der Flugverkehrs-Entwicklung zwischen Frankreich und dem Fernen Osten sein. Der Paß der Sklaven. Am 1. Juni wird in Deutschland das„Arbeitsbuch" eingeführt. Jeder erwerbstätige Deutsche muß es sich von der Behörde ausstellen lassen, wenn er noch Aussicht darauf haben will, eine Arbeit zu erhalten. Denn der Arbeitgeber ist bei strenger Strafe verpflichtet, es von den bei ihm Beschäftigten einzufordern, um es dem Arbeitsamt zu überreichen. Als Zweck des Arbeitsbuches wird angegeben, daß es dem Arbeitgeber dazu dienen soll, die bisherige Beschäftigung des Stellungsuchenden festzustellen, und den Behörden eine syste- matische Verteilung der Arbeitskräfte ermög- lichen soll. Mit anderen Worten also bedeutet es, daß alle Arbeiter und Angestellten in Deutschland einem Dienstbuch-Zwang unterworfen werden, wie ihn die Gesindeordnung der Vorkriegszeit für die Knechte der Gutsherren und daS Dienstpersonal der bürgerlichen HauS- haltungen vorschrieb, und daß darüber hinaus die Freizügigkeit des arbeitenden Menschen auf. gehoben wird. Denn die behördliche Verteilung der Arbeitskräfte läuft darauf hinaus, daß die Abwanderung und der Zuzug von Arbeitern und Angestellten behördlich verhindert werden kann, insbesondeie die Wwanderung aus einem Betrieb mit schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen zu einem, wo man besser bezahlt und anständiger behandelt wird. Und da der Entzug des Arbestsbuches die Verurteilung zum Hungertod« bedeutet, hat sich daS Hitler-Regime mit diesem Arbeitspaß ein neues furchtbares Instrument der Volksversklavung geschaffen. Das Bezeichnendste aber ist die Bestimmung, daß nur jene Deutschen das Arbeitsbuch besitzen müssen, die weniger als tausend Mark im Monat verdienen. DaS sind mindestens 9A Prozent aller Erwerbs, tätigest, abikr daS vom Sklavenpaß befreite Hun- dertstel, das die neuen Bonzen, die Direktoren und die Stars jeder Art umfaßt, hat man geflissentlich von der unter Kontrolle gestellten „Volksgemeinschaft" ausgenommen. Sie können ihre Riesengehälter an jedem Ort und mit jeder beliebigen Beschäftigung verdienen, sie brauchen sich über ihre Vergangenheit und ihre Oualifi- kation nicht auszuweisen,— denn sie stehen über der Volksgemeinschaft, die sie predigen. Kinder am Pranger. Daß die Judenhetze in Hitlerdeutschland von Woche zu Woche an gewalttätiger Intensität zunüumt, ist bekannt. Immerhin blieb diese Aktivität, soweit sie sich in ausgesprochener Pogrom-Taktik auswirkte, auf Herrn Streicher und seine pornographische Skandalpressc beschränkt. Aber selbst das Wüten dieser Blätter überbietet noch ein Artikel, der jetzt im regicrungs- ofliziösen„W e st deutschen Beobachter" erschienen ist und in dem eingangs mitgeteilt wird, man werde von nun an fortlaufend die Namen arischer Mädchen und Frauen, die in einem„rasseschänderischen" Verhältnis zu Juden. stehen, nebst denen ihrer Kinder veröffentlichen. Es heißt dann wörtlich: „Jüdisches Blut ist für uns Deutsche Grft. Es wirkt unbedingt und in jedem Falle tödlich. Für den davon Infizierten gibt es keine Rettung, denn wenn wirklich in einer Generation die bessere Erbmasse die Oberhand gewinnen sollte, so kann man schon für die nächste das Gegenteil annehmen... Die Kinder, die so entstehen, sind in jedem Fall verurteilte, gezeichnete Bastarde... Es muß auch völlig belanglos sein, ob unser Vorgehen in einem Einzelfall eine Härte bedeuten könnte. Wer sich am Gesetz der deutschen Rasse vergeht, ist ein Verbrecher, genau so wie ein Mörder oder ein Dieb!" Säureattentat gegen Pierre Cat. Der radikale Deputierte Pierre Cot, ehemaliger Minister im Kabinett Daladier, hielt Mittwoch abends in Aix-lcS-Bains einen Vortrag. Plötzlich schleuderte einer der Zuhörer eine Flasche mit einem Aetz- mittel nach ihm. Die ätzende Flüssigkeit traf das rechte Ohr des Abgeordneten, der aber nach sofortiger Behandlung in einer halben Stunde den Vortrag fortsetzen konnte. Fünf Exzedenten, darunter der Täter, wurden verhaftet. Dnepro-Kraftwerke in Betrieb gesetzt. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion teilt mit, daß am Donnerstag das größte Werk im Aluminiumkombinat der Sowjetunion, die Dnepro- Kraftwerke(Ukraine), feierlich in Betrieb gesetzt wurden. Die Herstellungskosten der Werke belaufen sich auf 100 Millionen Rubel. Wolkenbruch über Preßburg. Donnerstag vormittags zwischen 9 und 10 Uhr ging über Preßburg ein heftiges Gewitter, verbunden mit einem Wolkenbruch, nieder. Der Wasserschwall war so groß, daß das Wasser viele Kellerräume und Wohnungen überschwemmte, so daß in 94 Fällen die Feuerwehren berufen werden mußten, um das Wasser auszuschöpfen. Noch in den Abendstunden arbeiteten die Feuerwehren an der Ausschöpfung des Wassers im Zivnohaus, im Hotel„Tatra" und in der Zentrapassage. Der von dem Wollenbruch angerichtete Sachschaden ist groß. Die Naturfreund«- Gauwanderung 1935 Wurde für den 20. Juli l. I. nach Renners- d o r f bei Dittersbach festgesetzt. Die Ortsgruppe Rumburg besitzt ein Naturfreundeheim, von wo aus die Gauwanderung in das DitterSbacher Felsengebiet stattfindet. Alle proletarischen Organisationen werden ersucht, diesen Tag freizuhalten und für eine zahlreiche Beteiligung zu werben. Auf Formosa wurde gestern früh abermals ein Erdbeben verspürt. Besonders heftig war daS Beben in den Provinzen Taichu und Shinohiku. Bis jetzt wurden noch keine Schäden gemeldet. Es ist im Laufe eines Monats bereits dar dritte Erdbeben auf Formosa. Durch eine furchtbare Gasexplosion stürzte in der 21. Straße von New Iork ein dreistöckiges Gebäude ein. Sechs Personen wurden getötet, zehn zum Teil schwer verletzt. Die Explosion riß die ganze. Hausfront heraus, während daS Haus in Brand geriet. Das Urlaubsrecht der Industrieangestellten In letzter Zeit häufen sich bei uns die Anfragen, über das Urlaubsrecht der Angestellten im allgemei-. neu und des Werkmeisters und technischen Angestellten im besonderen. Wir machen deshalb darauf aufmerksam, daß mit der Inkraftsetzung des neuen Angestelltengesetzes im Jahre 1934 keine Acnderung, noch weniger eine Einschränkung des Kreises jener Personen eingctre« ten ist, die unter die Bestimmungen dieses Gesetzes■ fallen. Schon der Titel des Gesetzes umschreibt im gewissen Sinne den Personenkreis. Er lautet: „Gesetz betreffend das Arbeitsverhältnis der ' Prwatbeamten, der Handlungsgehilfen und ande-. rer Dienstnehmer in ähnlicher Stellung(Privat-' angestellten-Gesetz)." Es ist daher auch gar kein« Frage, daß Angestellte, die zwar nicht den Titel Privatbeamte tragen, auch keine kaufmännischen Angestellten oder Handlungsgehilfen, aber andere Dienstnehmer in ähnlicher Stellung sind, unter die Bestimmungen des Angestellten-Gesetzes fallen. Die richterliche Auslegung dieser Gesetzesbestimmung ist ja auch stcherungshalber im 8 1, Punkt 8, des neuen Gesetzes festgelegt. Dort heißt es:„Für die Beurteilung der Frage, ob ein Angestellter diesem Gesetze unterliegt, ist bloß die tatsächliche Beschaffenheit seiner Arbeiten enffcheidend." Hinzugefügt sei noch, daß das Oberste Gericht bei der Auslegung„was sind höhere nichtkaufmän- nische Dienste", ganz besonders darauf verweist,„daß dieserhalb keine allzuhohen Anforderungen an das Erfordernis der höheren Dienste gestellt werden dürfen, ansonsten Dienstnehmer gegen den Willen des Gesetzes seinem Schutze entzogen werden könnten". Es fällt daher auch der technische Angestellte mit dem Werkmeister unter diese Gesetzesbestimmungen. Sein Urlaubsanspruch wie der de? technischen Angestellten ist deshalb nur nach dem Privatangestelltengesetze zu beurteilen. (Weitere Auskünfte erteilt die Zentrale und die Geschäftsstellen des Allgemeinen Angestellten-Ber« Landes, Reichenberg.) Vom Rundfunk tMptahl«Mw«r(M«ui den Programmen: SamStag „ Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 10.15 Salonorchester. 12.10 Biolinsolos. 12.35 Mit« tagskonzert. 13.45 Leichte Musik. 16.85 Rundfunk für die Jugend. 17.55 Deutsche Sendung: Prof. Dorn: Das Glas im Kunsthandwerk. 22.00 Presse. — Sender St.: 14.80 Klavierkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Abenteuer auf hoher See. Hörfolge. 18.45 Leichte Musik.— Brünn: 15.55 Jazzkonzert. 17.45 Deutsche Sendung: Liederstunde. 19.15 Blasmusik. 20.10 Gesangvereinskonzert.— Mährisch- Ostrau: 17.15 Salonorchesterkonzert. 23.80 Nachtorchesterkonzert.— Kaschau: 12.85 Mittagskonzert. Aus der Frühzeit des Marxismus Engels' Briefwechsel mit Kautsky Schon seit langem haben die Freunde Karl Kautskys den Altmeister des wissenschaftlichen Sozialismus dazu gedrängt, seine reichen Erinnerun- !>en niederzuschreiben. Ist doch Kautsky seit den rebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, also seit sechzig Jahren, in der internationalen Arbeiterbewegung tätig, hat er doch noch mit Marx und insbesondere mit Engels in jahrelangem freundschaftlichen Verkehr gestanden und ist er doch der eigentliche Popularisator der Marx'schen Lehre geworden, der insbesondere den Schatz des Marx'schen„Kapitals" für die breiteren Massen gehoben und die materialistische Geschichtsauffassung verständlich gemacht und praktisch angewandt, d. h. die geschichtliche Entwicklung von der Urzeit bis zur Gegenwart erklärt hat. Kautsky hat nun wenigstens einen Teil seiner Erinnerungen veröffentlicht, und zwar jenen, in dessen Mittelpunkt die ebenso wissenschaftlich und geschichtlich hervorragende wie menschlich reiche und sympathische, anheimelnde und bezaubernde Persönlichkeit von Friedrich Engels steht. Kautsky hat mit Engels von 1881 bis zu dessen Tode im Jahre 1895, also durch volle vierzehn Jahre, freundschaftlich verkehrt, mündlich und schriftlich, und ist mit ihm während dieser Zeit in einem Briefwechsel gestanden, der nur unterbrochen wurde durch die Aufenthalte KautskyS in London, da der damals junge und bedeutendste Schüler von Marx und Engels in dem Hause des Mitbegründers des wissenschaftlichen Sozialismus und Lebensfreundes von Karl Marx—- diese Freundschaft währte vierzig Jahre — verkehrte. Kautsky veröffentlicht insgesamt 155 Briefe von Engels, deren erster aus dem Jahre 1881, deren letzter aus dem Jahre 1895 stammt und die er mit einem Text verbindet, der zusammen mit den Briefen uns ein lebendiges Bild, der Entwicklung des wiffenschaftlichen Sozialismus wie der Arbeiterbewegung jener Zeit vor Augen führt. Es ist.ein Hochanzuschlagendes Verdienst des Verlages„Orbis" in Prag in einer Zeit, da einem Manne wie Kautsky die Berlage Deutschlands und Oesterreich- verschlossen sind, die Herausgabe der Briefe ermöglicht zu haben.*) Kautsky, der bekanntlich aus Prag stammt, war 1875 in Wien zur österreichischen Arbeiterbewegung gekommen, in einer Zeit politischer und ideeller Verwirrung des österreichischen Sozialismus, da die Bewegung durch den Streit zwischen Scheu und Oberwinder zerrissen worden war. Kautsky war damals noch nicht Marxist und auch iu seinem ersten Buch, in welchem er bevölkerungspolitische Fragen behandelte, hat er noch nicht den marxistischen Standpunkt vertreten. Er arbeitete an verschiedenen Zeitschriften mit, die der deutsche Sozialist Karl Höchberg herausgaü, deren Inhalt aber durchaus nicht die Zustimmung der in London lebenden Marx und Engels fanden. Obzwar also Kautsky damals die Märx'sche Lehre noch nicht voll erfaßt hatte,«rkmmte Engels doch Kautskys Begabung und seinen heißen Lernwillen und lud ihn in dem ersten an ihn gerichteten Brief vom 1. Feber 1881 ein,„aus der Atmosphäre von Unkritik heraus" nach London zu kommen. Das tat Kautsky schon tm folgenden Monat und so entwickelte sich nun der Verkehr Kautskys mit Marx und. insbesondere Engels, der für Kautsky von ungeheurer Fruchtbarkeit wurde, indem Kautsky Tausende von Anregungen empfing und der für Kautskys Leben und damit ftir die Entwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus von entscheidender Bedeutung wurde. Als Kautsky 1881 nach London kam, lebte Marx noch. Aber sein Haus war schon von düsterster Stimmung erfüllt, weil Frau Marx krebskrank Ivar und man wußte, daß sie nicht mehr lange leben werde. Auch Marx kränkelte inunerzu. Selten verließ er seine Wohnung. Engels machte damals — obzwar der Altersunterschied der beiden Männer nur zwei.Jahre betrug— einen weit jüngeren Eindruck. Er war sportliebend, bewegte sich viel in fteicr Luft, war ein Weltmann, während Marx seine Zeit nur dem Studium widmete, seiner Kleidung keine Beachtung schenkte, wenig spazieren ging und in den letzten Jahren beständig kränkelte. *) Karl Kautsky:„Aus der Frühzeit des Marxismus", Engels' Briefwechsel mit Kautsky, 1935, Orbis-Verlag A.-G., Prag. „Ein länger als sechs Monate fortdauernder Husten", so schrieb der damals 63jährige 1881 an seinen Freund Souge,„Berkältung, Halsleiden und RheumatimuS erlauben mir nur selten das Ausgehen und Halten mich von der Gesellschaft fern". So kam es, daß auch Kautsky Marx nur wenige Male besuchte. Dennoch konnte Kautsky das wundervolle Familienleben von Marx kennen lernen, seine unendliche Güte„nicht bloß gegenüber Familienmitgliedern, sondern gegenüber allen Hilflosen, Schutzbedürftigen, kleinen Kindern, Proletariern, bedrängten Genossen. Diese Güte war der Urgrund seines Wesens". Gewaltigen Eindruck machte auf den Besucher naturgemäß das ungeheuere Wissen von Marx.„Die wenigen Stunden meines Zusammenseins mit Marx", so urteilt Kautsky,„genügten mir die ebenso überwältigende wie hinreißende Kraft dieser gewaltigen Persönlichkeit deutlich zum Bewußtsein zu bringen". Der Verkehr im Hause Engels' wieder, der viele Jahre dauerte, war für. Kautsky nicht nur geistig außerordentlich anregend und unendlich fluchtbar, sondern eine Quelle der Geselligkeit und des Frohsinns. Engels war ein Lebensbejaher, gesellig, vielseitig, in seinem Hause waren stets viele Freunde, viele junge Leute, Männer und Frauen. Engels' Verkehr mit seinen jungen Freunden war kameradschaftlich, alles Professoral-Lehrhafte war ihm fremd. Er ließ gern auch andere zu Wort kommen, was er sagte, war stets farbig und unterhaltend.„Leicht und mühelos floß ihm die Rede, stets prägnant und anschaulich und je nach dem Gegenstand entweder leidenschaftlich oder witzig... Und über welche Fülle von Tatsachen verfügte sein phänomenales Gedächtnisl In allen Sätteln schien er gerecht zu sein." Man durfte«sein Wissen ein enzyklopädisches nennen, ihn selbst einen Poly- hiswr, wie es außer Marx zu seiner Zeit kaum einen anderen gab, der gleichzeüig ökonomisch, historisch, naturwissenschaftlich, militärisch so beschlagen war wie er". So kommt es, daß in den Gesprächen wie in den Briefen, die Engels schrieb, alle großen Probleme jener Zeit, alle wissenschaftlichen Fragen ebenso wie die politisch-taktischen des Proletariats erörtert wurden. Von der Urgeschichte, mst denen sich Marx und Engels ebenso wie Kautsky beschäftigten, über die altrömische Geschichte, das Christentum, die Reformation, die englische und flanzösische Revolution, das Jahr 1848, zu den Fragen der Außen- und Innenpolitik, der Probleme der Organisation der Arbeiterklasse, ihrer Kampfmittel, all das wird in den Briefen erörtert. Für uns von besonderem Interesse sind die Aeuße- rungen von Engels über die Nationalitätenfrage in Oesterreich und die Tschechen. Engels hielt(in den achtziger Jahren) nicht viel von der völligen Unabhängigkeit der„meisten österreichisch-ungarischen Slawen", immerhin gelangte er zu der für die damalige Zeit staunenswerten Erkenntnis, daß „wir" diese Völkerschaften„frei gewähren lassen" können,„wenn durch den Zusammenbruch des Cza- renthums die nationalen Bestrebungen dieser Vöi- kcrknirpse von der Verquickung mit panslavistischen Weltherrschaftstendenzen befreit sind"-A— die antizaristische Konzeption Masaryks gegen die panslawistische Kramäks ist hier vorweggenommen. Aber auch naturwissenschaftliche Probleme werden in dem Briefwechsel angeschnitten, ebenso wie menschliche und familiäre, das Verhältnis Kautskys zu seiner ersten Frau, welch letztere Engels in dessen letzten Lebensjahren die Wirtschaft führte, kommt da öfters zur Sprache. Es ist fesselnd und stets interessant die Spiegelung der Beziehungen zwischen Engels und Kautsky in dem Briefwechsel zu verfolgen, wobei Kautskys Wahrheitsliebe auch Verstimmungen nicht verschweigt, die aus Mißverständnissen manchmal auftauchten. Das aber waren Ausnahmen von der Regel. Und diese Regel war, daß dieser Gedankenaustausch geistig und seelisch ungemein fruchtbar gewesen ist und daß die starke Lebenskraft, die geistige Größe und das wunderbare— allseitige Menschentum von Engels uns warm aus den Briefen entgegenströmt. Man muß Kautsky dankbar sein, daß er uns die Kenntnis der Engelsschen Briefe ermöglicht hat und was Kautsky dazu geschrieben hat, damit wir die Briefe verstehen und das ganze Milieu kennen lernen, in dem sich der Verkehr der beiden Männer abspielte, läßt den Wunsch noch lauter werden lassen, es möge ihm gegönnt sein, den Schatz seiner reichen Lebenserinnerungen seinen jüngeren Mitkämpfern zu hinterlassen. Emil Strauß, Nr. 127 Freitag, 31. Mai 1835 Seite 5 Die technischen Unterrichtshilfen in Schule und Volksbildung Zur Klärung der methodischen Verwendung, der Herstellung und des Vertriebes der modernen technischen Lehrmittel(Lichtbild, Film, Funk, Schallplatte) und der damit zusammenhängenden Organisierung aller Interessenten veranstaltet da» Prager Volksbildung-haus„Urania" gemein» sam mit dem»Deutschen Lehrerbund im Tschechoslowakischen Staate" schon seit einer Reihe von Jahren Einführungskurse. Der vierte derartige Kurs findet in der Zeit vom 29. Juni bis zum 4. Juli 1935 in den Räumen der Prager Urania, Prag 2, KlimentSka 4, statt. Da» Programm de» Kurse» umfaßt das ge» samtc Gebiet der modernen technischen Unterrichtshilfen. E» wird' gesprochen: über die Schulphoto» zraphie und die Herstellung von Diapositiven. Die Kursteilnehmer werden in der Photographie praktisch eingeführt. Auf dem Gebiete des Film- wird Über die Kinotechnik und über die Zweckmäßigkeit der einzelnen Filmformate(35 mm, 16 mm, 8.5 mm), sowie über den tönenden Schmalfilm (16 mm) verhandelt. Vorträge über angewandte Photographie und die photographische Naturkunde finden sich im Programm. Ueber den Schulfunk» empfang und die Programmgestaltung im Schul» funk wird gleichfalls vorgetragen. Auch die Schall» platte als Unterrichtsbehelf findet Beachtung. Dir Kursteilnehmer werden nach Schreckenstein in die Fabrik der Schallplattenfirma Gramafon Eomp. »Die Stimme seines Herrn" geführt, damit sie die Herstellung einer Schallplatte au» eigener An» schauung kennen lernen.— Ferner wird auch eine Exkursion in die modernen Prager Filmateliers auf-em Barrandov unternommen. Den Abschluß der Veranstaltung bildet ein Besuch des Fernsch» laboratorium» der Prof. Jng. Färber in Boden« dach, der dort«inen«inführenden Vortrag in die heutige Fernsehtechnik halten wird, und schließlich unternehmen die Kursteilnehmer einen heimatlichen Ausflug mit der Kamera in da» Böhmische Mittelgebirge, unter Leitung von Prof. Dr. I. F. llmlauft. Der Kur»besuch ist für Lehrer, VolkSbildner und Photoamateure vollständig unentgeltlich. Auskünfte und Anmeldungen bis 15. Juni bei der Prager Urania, Prag 2, KlimentSka 4. Auf dem polnischen Flugplatz Temblin stürzte am Donnerstag ein Militärflugzeug ab, in dem sich«in Instruktor der Fliegeroffizier»schule und ein Fliegerleutnant befanden. Beide Offiziere wurdet tödlich verletzt. M>r Programm! Auf' einem Kursus für Kahre„Volksgemeinschaft": den die„Deutsche Ackeittfront"' in Hamburg-Riffen veranstaltete, ist. der„Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz" zufolge, der neue„deutsche Gruß" geboren worden, der neben dem ZwangSgruß des.Heil Hitler" in Ehren bestehen kann. Die„Parteikor» respondenz". der man ja kaum bösartige Zer» setzungsabsickten unterschieben kann, schreibt in ihrem Bericht über diesen Kursus wörtlich: „Des Morgens werden... vor dem selbstgefertigten Hakenkreuz Ansprachen der Kursurteilnehmer gehalten... Da» Mahl wird gemeinsam eingenommen, nachdem fich alle die Hand gereicht und„Gut Hunger" gewünscht haben... Put Hunger— das einzige, wirklich ehrliche Pro» Namm de»„deutschen Sozialismus"!- Der Zug«ach Abesiinien Am 26. April 1915 wurde in London ein Sehevnvertrag zwischen Frankreich, Großbritan» uien und Italien abgeschloffen, dessen Artikel 18 lautet:»Sollten Frankreich und Großbritannien ihr« kolonialen Besitzungen in Afrika auf Kosten Deutschlands ausdehnen, so werden sie grundsätzlich Italiens Recht anerkennen, eine gewisse Kompensation durch Ausdehnung seiner Besitzungen in Erythräa, Somaliland und Lybien und den Kolonial- Sebieten zu erlangen, di« die Kolonien Frankreichs und Englands verbinden." Durch diese und andere Zugeftändniffe wurde Italien als BundeSgenoff« gewonnen. England löste seine Zusagen dadurch«in, daß eS lias Juba- lwid^Italien überließ, während Frankreich nur rine geringfügige Grenzberichtigung zwischen Tripolis und Tunis zuqestand. Italien erklärte sich dadurch nicht befriedigt, sondern forderte Tripo» I li» bi» zum Tschadsee. Da» wäre der Korridor zu den reichen Ländern de» westlichen (französischen) Sudan. Bon Tripolis lauft durch Tummo und Bilma zum Tschadsee eine uralte Farawanenstrecke. Eine Eisenbahn oder eine Autostraße längs dieses Weges wäre die kürzeste Verbindung von den Ländern um den Tschadsee zum ststittelmeer und nach Europa. Diesen Plan hat Italien nie aufgegeben. Zwischen seiner TripoliS- llrenze und dem Tschadsee liegen nur 800 Kilometer. Zur Begründung dieser Forderung berief sich Italien darauf, daß die Herrscherrechte des Sultan», dem Tripolis bis 1911 unterstand, sich auch auf diese Gebiete erstreckt hätten und Italien der Rechtsnachfolger sei. Frankreich war nun beteil, Italien eine Ausdehnung bi» zu dem Hügel» land von Erdi und Ennedi in der Mitte der Sahara zu bewilligen, lehnt: aber die Festsetzung Italien» am Tschadsee konsequent ab, denn dadurch wtzld» sinKeil in da» gewaltige Kolonialreich Frankreichs in Nordwestafrika getrieben, das von Marokko,, Algier, Tunis und dem Senegal bis nach Französisch Guinea, Dahöme, dem französischen Sudan und Französisch-Nigeria reicht, um sich in Kamerun, dem französischen Kongo und am Ubanghi abzu runden. Der Traum des französischen Kolonisators Savargnan de B r a z z a ist erfüllt. Italien aber wollte sich mit den Wüstenplätzen von Erdi, Ennedi und vielleicht auch noch Tibesti nicht begnügen und so erklärt sich zwanglos der Griff nach Abessinien. Die Holle der Armee Hi Spanien Ein Staat Im Staate So wenig europäisiert Spanien auch noch i immer ist, in zwei Dingen marschiert eS(nach der Auffaffung des katalanischen Schriftstellers Almirall) an der Spitze Europas:„in der Höhe seiner Staatsschulden und in der Zahl der Generale". In der Tat. seit der Zeü des'Freiheitskampfes gegen die Napoleonische Fremdherrschaft dominieren die Generale und haben in der Innenpolitik eine große Rolle gespickt. Bürgerkriege und Kolonialkriege haben die Bedeutung der Armee fortgesetzt gesteigert, aber ein Instrument nach außen ist sie nicht. Im Jahre 1927 zählte das Heer 207.000 Soldaten. Um dieselbe Zeit gab es 19.906 Offiziere, darunter 219 Generale! Für Spanien sind das phantastische Zahlen.„Eine Gesellschaft von Offizieren", so klagt Madariaga, .kontrolliert da» gesamte öffentliche Leben. Ohne sonderliches Jntereffe für die Außenpolitik", hat diese Gesellschaft nach seiner Meinung nur ein Ziel:«ihre Macht zu behalten, zu erweitern und einen verhältnismäßig großen Teil der Einnahmen des Staates mit Beschlag zu belegen." In« tereffanterweise hat die Armee ihre Bedeutung mit der zunehmenden Steigerung der Gegensätze im Innern des Landes vergrößert. Madariaga zerstört die hier und dort bestehende Auffaffung, die Armee habe im bürgerlich-revolutionärem Sinne gewirft. Da» trifft ganz und gar nicht zu. Im Gegenteil: „Instinktiv wußte die Armee, daß die neuen Kräfte, wenn chr Wachstum nicht behindert würde, nach und nach die politische Betätigung der Militär» unterbinden und den HeereSapparat auf den bescheidenen Umfang, der für eine vom Ausland nicht bedrohten Nation wie Spanien ausreicht, zurückführen werden." Die Arme hält sich nicht nur tn Preußen für die Verkörperung der Ration. Sie tat da» auch in Spanien. Und darum hat sie schon immer mü Besorgnis di« SelbständigkeitSbestrebungen Katalonien» beachtet, die die Einheft der Nation gefährden mußten. Für den Kenner der spanischen Armee dürfte ihre Haltung im Oktoberaufstand, wo sie sich gegen Katalonien wandte, keine Ueber- raschung gewesen sein. Man darf nicht vergessen, daß ble spanische Armee awsihrrk Spitzt Offiziere hat, die fast^durchwegs au» dem Mittelstände Wan- men und daß nur«in sehr belangloser Prozentsatz aristokratischer Herkunft ist. Schließlich hat die Armee vielleicht gerade aus diesem Grunde keine Maßnahmen gegen die Revolution unternommen, sondern die Republik kommen laffen. E» ist jedenfalls nicht so einfach, die spanische Armee da oder dort einzurcihen. Abgesehen davon, daß sich in der Armee allmählich rin eigene» Bewußtsein und eine Armeeeinstellung entwickelt, vereint die Arme« in sich verschiedene Auffaffungctt. Sichtbar tritt die Armee seit 1905 in die Politik und da» öffentliche Leben ein. Al» ein katalanisches Witzblatt eine Karikatur bracht«, drangen die beleidigten Offiziere in die Redaktion die» ses Blatte» ein, zerschlugen alle», und wurden nicht.nur nicht bestraft, sondern setzten— gestützt auf die allgemeine Bewegung im Heere— nach einigen Ministerkrisen da» sogenannte Kompetenzgesetz durch, lvelcheS die Gerichtsbarkeit über Angriffe gegen Offiziere und militärische Einrichtungen den Militärgerichten zuweist. E» ist nicht un» interessant zu erfahren, daß die Regierung und da» Parlament den Ausgang des KonflitteS als eine schwere Niederlage der bürgerlichen Ordnung empfanden, dennoch haben die im Parteisinn Liberalen für das Gesetz gestimmt, um nicht größeres Unheil heraufzubeschwören. Einige der Besiegten, so sagt Madariaga. sahen zweifellos das unvermeidliche Ende Vorau». Jedenfalls hat die spanische Armee von nun an ganz sichtbar dir Entwicklung staatsbürgerlichen Denkens gehemmt. Der König stützte sich immer stärker auf die Armee gegen die attiven Bewegungen im bürgerlichen Leben. Bald wurden die Minister ignoriert, der Monarch verständigte sich mit seinen Armeekom« maudcuren über ihre Köpfe hinweg. Kontrolle der mftftärischen Ausgaben usw. gab eS nicht,»das Heer und seine Verwaltung wurden ein Staat im Staate"(Madariaga). Aber nicht alle Offi» ziere machten diese Entwicklung mit und e» entstanden Offiziersvereinigungen, die sich nach den Grundsätzen des Sy ndikalis- m u S organisierten! Offiziersgewerkschaften gegen den Staat. Diese Juntas de Defensa stellen für Madariaga eine ungeheuerliche Ver» irrung dar, offenbaren sich un» aber als ein Stück Klaffenkampf in der Armee! Diese Geheimbünde bedrohten die Ministerien und die Krone, schüch» terten sie ein und hatten einige Programmpunkte aufgestellt, wovon einer lautete: Nichteinsetzung des Heeres bei polittschrn Unruhen, um eine gefährliche Kluft zwischen Volk und Heer zu vermeiden." Daß hinter diesen Aeußerungen gewisse Anschauungen über die Rolle einer Armee, Moder» nisierungsbestrebungen usw. stehen, ist nicht ausgeschlossen, aber daß Spanien auch vor einer militärischen Erneuerung und Modernisierung steht, ist sicher. Wer jedoch sein Träger sein und in welchem Geist« diese Erneuerung stattfinden wird, ist noch nicht zu übersehen, weil es vom wenigstens vorläufigen Ausgang der noch immer unentschie- denen Kämpfe abhängt. Bisher haben die Republikaner in der Armee keine Hilfe gehabt, sondern einen Feind. Schon 1873 hatte der General Pavia die Volksvertretung mit seinen Soldaten auS- einandergetrieben. Daraufhin nahmen dir Deputierten später Revolver mit ins Parlament. Zu einer revolutionären Volksarmee hat. eSdasspa» nijche Bürgertum selbst in den berauschten Tagen seine» Kampfes nicht gebracht.. Er hat kaum gewagt, einige Arbeiter im Kampf gegen die Reaktion zu bewaffnen. Andererseits fällt e» der Armee darum sehr schwer, mit dem Bürgertum durch dick und dünn zu gehen, weil dieses heute immer wieder die Schranken der Nation durchbrechen muß und nicht mehr im Sinne der Vergangenheit national sein kann. Modernisieren will die Armee das Land zweifellos auch, muß e» sogar. Aber ander«. Denn sich selbst die fortschrittlichen republikanischen Offiziere Spaniens nickt auf die Seite der Kämpfenden gestellt haben» könnte die Ursache dafür auch die seüi, daß sie— wie viele, ja die meisten Bürger— befürchten, die Revolution könne zu weit gehen und auch sie bedrohen. Man darf nie vergessen, daß sich di« feudalen Kräfte zwar Verbürgerlichen, die bürgerlichen Kräfte aber nicht verproletarisieren können. Die feudale wie die bürgerliche Gesellschaft sind Klassengesellschaften mit Privilegien, die sozialistische Gesellschaft bedeutet aber die Aufhebung aller Privilegien. fttW Ä UM Leichte» Ansteigen de» Prodnkttonsindex Der Produktionsindex, wie ihn„Obzor narodhofp." berechnet, zeigt im ersten Vierteljahr 1935 eine stabile Besserung der Produktionsintensität. Es betrug der Gesamtindex: 1934 1935 Jänner .. 59.1 64.6 Feber. .. 61.2 64.8 März. .. 66.4 64.9 Während im Vorjahre der Index größere Schwankungen zeigt, ist diesmal ein langsames Ansteigen festzustellen. Die Handelsbeziehungen mit Frankreich. Ueber die tschechoslowakisch-ftanzösischen Handelsbeziehungen war kürzlich im Pariser„Le Tempi" folgende bemerkenswerte Aeutzerung zu lesen: „Die tschechoslowafischen Exporteure können leicht freie Märkte in den französischen Kolonien finden; die Tschechoslowakei könnte ihren GlaS-, Porzellan« und Textilexport nach Südafrika steigern und weiter neue Märtte in Jndochina finden. Wir müssen die wirklichen Interessen beider Länder im Auge behalten. Ihre Politik ist gegenseftig ver« Kunden und ihre Wirtschaft geht noch immer getrennte Wege. Erwägen wir, daß beide Länder zahlreiche Waren in Deutschland kaufen,' die sie ohne irgendwelcken Boykott einander gegensettig liefern Wnnten, dann fragen wir un» immer, was sie daran hindert." Tschechoslowakisches Kapital in Palästina. In Palästina steht die Errichtung einer Fabrik für Draht, Drahtstifte und Schrauben bevor, an bf in der Hauptsache tschechoslowakisches und rumänische» Kapital beteiligt ist. Mitteilungen an» dem Publikum. Tu« Sie etwa» für Ihre« Körper! Letzten Ende» ist er Ihr größte» Kapital, denn- mit Ihren Händen, Ihrem Kopf schaffen Sie Arbeit und Verdienst. Sorgen Sie durch regelmäßige Einreibung mit Alpa-Franzdranntwein dafür, daß Ihr Körper (und damit auch Ihr Geist I) allen Anstrengungen gewachsen ist! Diese kleine Pflege find Sie Ihrem Körper schuldig: da» wird Ihnen auch Ihr- Arzt bestättgen. Gegen Hechwaffergrfahr und Arbeitslosigkeit. Infolge de» Wassermangel» in Zlin. wurden einig«' Betriebe der Balawerke(Gerbereien, Papierfabrik, chemische. Fabriken>--m-di«. Marchwiesen,.den so-: genannten„Bahnak"- verlegt.- Hier.gibt-er genug Wasser und zu Zeiten auch ein solcher Ueberfluß, daß die Werke gezwungen waren, Maßnahmen dagegen zu treffen. Vorerst wurde damit begonnen, da» Gelände zu erhöhen, u. zw. anfangs durch Zuführen, später durch Anschwemmen von Erde vom am gegenüberliegenden Ufer der March liegenden Hügel. Diese Arbeft wird dauernd fortgesetzt. Um nun auch die zukünftige Stadt Batov zu schützen, sind die Werke zu wetteren Schutzmaßnahmen geschritten, und zwar zur Ausgrabung eines Kanals, der das überschüssige Wasser bei Hochwasser aufnehmen soll. Diese Arbeiten wurden.schon im vorigen Jahre zur Linderung der Arbeittlosigkeit begonnen. Da» neue Flußbett führt läng» de» linken Ufers der March und ist bei einer lichten Weite von 70 Meter Breite und 2.5 Meter Tiefe 1130 Meter lang. Es müssen daher 80.000 Kubikmeter Erde ausgegraben und weggeführt werden. Heute sind bei dieser Arbeit 500 Menschen beschäftigt. Auf der Dammkrone führt bereit» eine breite Straße. Je nach Bedarf wird auch ein Schutzdamm am rechten Ufer der March errichtet werden. 100 Riistungskoniunktur und MetallgescMft (AP.) Das heutige internattonale Tempo der Rüstungsindustrie übertrifft noch jene» der letzten Jahre vor dem Weltkrieg. Am deutlichsten ist das bei den Metallen, die zur Herstellung von Sprengstoffen benutzt werden. In den letzten vier Jahren konnte Spanien seine Quecksilber» exporte vervielfachen, Italien verdreifachen. Italien hat jetzt sogar ein Ausfuhrverbot erlassen, mit der Begründung, daß es alte Kartellverpflichtungen— um die man sich Jahre lang nicht gekümmert hatte— einhalten müsse. Deutschland hat sogar den Verbrauch von Quecksilber für die Herstellung von Thermometern verboten. Dabei war die Einfuhr von 9900 auf 19.500 Flaschen gestiegen. Aehnlich ist e» mit den Edelmetallen, die dem Stahl zweck» Erhöhung seiner Härte zugesetzt werden. Der Preis für W o l f r a m hat sich in zwei Jahren verdreieinhalbfacht, obwohl die Produktion mehr als doppelt so groß ist wie 1913. Auch der Preis von Kobalt steigt unaufhörlich, obwohl in Nordrhodesia ein neuer Konkurrent aufgetreten ist. Auch hier hat sich die Produktion verdreifacht. Watz Mangan an- belangt, so konnten nicht nur die USSR und Indien den Export steigern, sondern es kamen auch riesige Manganmengen aus den erst nach dem Krieg entdeckten Vorkommen in Aegypten(Halbinsel Sinai), der Goldküste und Südafrika auf den Markt. Lediglich Nickel weist keine Preissteigerungen auf. Das liegt aber nur an der Preispolitik des Nickeltrusts, nicht etwa am Absatz. Denn dieser ist von 67 Millionen im Jahve 1932 auf 96 Millionen 1983 und 122 Millionen 1984 gestiegen. Die Weltproduktton von Aluminium stieg 1934 um 25 Prozent. Diese Entwicklung nahm im neuen Jahre einen stürmischen Fortgang. Der Blei verbrauch stieg in 2 Jahren allein in USA von 23.000 aikf 35.000 Tonnen, und zwar nur der offiziell für Muni- ttonSzwecke angegebene. Da» gibt nur ein ungefähre» Bild von dem Bleiverbrauch in der ganzen Welt. Vom Kupfer wandern 85 bi» 45 Prozent de» Angebot» in di« Lager der Rüstungsindustrie. Deutschland erschließt jede noch so unbedeutende Mine mft den größten Kosten. Frankreich sucht sich jetzt von Chile eine Kupferreserve von 80.000 Tonnen zu sichern. Aehnlich steht r» mit Zink. Frankreich will die Zinkminen Nordafrikas wieder in Betrieb nehmen. Aber auch hier ist Deutschland der Hauptkäufer. Genauere internationale Zahlen fehlen jedoch hierfür wie auch für Z i n n. Jedenfalls zeigen diese Zahlen trotz ihrer Lückenhafttgkeit, welchen Umfang die Rüstungen angenommen haben. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. Eine«tue Art Schule in Batov. 10 Kilometer von Zlin entsteht in der Nähe der Hilfsfabriken der Bakawerke eine neue Stadt— Batov. Nach den Ideen und Plänen I. A. Bata» sollen Bettiebe und Stadt so gebaut werden, daß sie ein lebende» Denkmal Thomas Bata» bilden, der auf diesem damals noch freien Gelände den Tod fand. Dieser Tage schritt man an den Bau der Schulen, die in ihrer Organisation zu den interessantesten Schul-Unternehmungen der Republik gehören werden. ES handelt sich um zwei Volksschulen und eine Bürgerschule, denen ein Stadion, ein Garten und eine Farm angegliedert werden. Mit dem Stadion wird eine Winterturnhalle in unmittelbarer Verbindung stehen, die wieder mit einem Saal für Theater und Schulveranstaltungen zusammenhängt. Die Schulen werden so gebaut, daß alle Vorbedingungen für eine praktische Erziehung der Kinder gegeben sind. Im Schulgarten wird jeder Schüler sein eigene» Stück Boden zur Bearbeitung besitzen und die Frücht- feiner Arbeit selbst verkaufen. In der parkartig angelegten Kinderfarm werden die Schüler eine eigene Zucht von Milchkühen, Schweinen und Geflügel unterhalten. Die Landwirtschaft wird weiter durch einen BersuchSgarten, Glashäuser und Baumschulen vertreten sein. Handarbeit werden die Schüler in eigenen Werkstätten lernen können. Außerdem werden bei jeder Schule sogenannte Lehrhöfe, das sind offene, gegen Wind geschützte Gelände, angelegt, in welchen die Schüler in die physikalischen, mechanischen und konstrukttven Grundelemente eingeführt werden. Groß« Baukasten, Krane und Hebezeuge werden hier al- Unterrichtsmittel verwendet. Bei günstiger Wttterung werden einige Gegenstände in einer sogenannten Pavillon-Schule in freier Lust und Sonne unterrichtet. 100q Scite 6 Orthodoxe, Katholiken und Mohammedaner in Jugoslawien ,, Sozialdemokrat" Prager Zeitung Kunst und Wissen in Brüg zu Pfingsten. Anmeldungen Mittwoch in der Kanzlei.-Pfingstfahrt( Sonntag) nach Liboch- Kokorin, 20 Kč pro Teilnehmer. Abfahrt Denisbahnhof 7 Uhr 27. Rückkehr in Prag 21 Uhr. Freitag, 31. Mai 1935 Nr. 127 das zu erreichen, ist ihnen je de r, auch der„ gleich geschaltete" Sport des Dritten Reiches, willkomme ner Partner! Anton Bartoň, der mehrfache tschechoslowakis sche Meister im Stispringen, ist Mittwoch bei einem Radunfall schwer verunglückt. Als Bartoň in der Nähe von Vysoké eine steile Straßenstrede herabs fuhr, riß die Kette seines Fahrrades und zugleich versagte die Bremse. Bartoň wurde gegen einen Baumstamm geschleudert und schwer verletzt. Sport- Spiel- Körperpflege Der Film Der Himmel auf Erden Ein Wiener Operettenfilm, dessen( von Robert weet wie die Lustspielhandlung und die Regie- GiStolz gelieferte) Musik ebensoviel Reminiſzenzen ers fälle des von Nachahmungen lebenden Herrn Emo. Es ist ein Aufmarsch oft dagewesener Schlager und Die Bürgerlichen gute Geschäftemacher im Späße, der im Hinblick darauf, daß wir noch nicht im Sport. Der Länderkampf gegen die Tschechoslowakei Hochsommer sind, ein wenig verfrüht erscheint, aber in Dresden brachte dem Nazi- Fußballbund eine Ein- bon einem aus lauter bewährten Lustspiel- Routiniers nahme von mehr als 800.000 Kč. Der Sieg über bestehenden Ensemble für ein anspruchslojes Publis die Tschechoslowakei ergab somit einen fetten Ge- fum gefällig gemacht wird. Heinz Rühmann, der 10 bis 60 Kč verkauft. Die CAF erhielt für das Berknitterte, Hermann Thimia, der treuherzig winn. Eintrittskarten wurden zu einem Preise von jungenhaft Dreiste. Hans Mofer, der mürriſch Spiel 40.000 Kč und außerdem verkaufte sie gegen Noble, dazu die würdig komische Adele Sandrod 10.000 Karten für 14 Kč und verdiente damit 4 Kč und die selbstgefällige Lizzi Holzschuh bevölkern pro Karte! diesen Film- Himmel, der mit der Erde und der Wirks lichkeit allerdings nicht die geringste Berührung hat. -eis( AP.) Jugoslawien hat nicht nur seine Nationalitäten, sondern auch konfesionelle Probleme. Nach der Statistik von 1921 waren 45.7 Prozent der Bevölkerung Orthodore, 39.3 Prozent Katholiken, 11.2 Prozent Mohammedaner. Der Rest verteilt sich auf Lutheraner, Reformierte, Unierte, Juden usw. Nach der Statistik von 1931 ergab sich aber, daß der Anteil der Orthodoren auf 48.7 Prozent gestiegen, der Mascaguis„ Cavalleria" und Leoncavallos der Katholiken auf 37.5 Prozent gefallen war.„ Bajazzo", die beiden unverwüstlichen veristischen Die Verschiebung beruht auf der stärkeren Bevölke- Musternopern, dienten gestern im Prager Deuts rungszunahme in den serbischen Gebieten( Zunahme ichen Theater einem Massengast spiel in einem Jahrzehnt 20 Prozent gegenüber 8-12 von Sängerinnen und Sängern, ohne daß Näheres Prozent in den überwiegend katholischen Gebieten von über den Zweck und die Absichten dieser Gastspiele Radrennen Paris- Montereau der franzöfiKroatien, Slowenien, Dalmatien und Woiwodina). berlautete. So müssen wir uns darauf beschränken, schen Arbeiter- Radfahrer. An dem am vergangenen Wenn diese Entwicklung so weitergeht, kann man das über die künstlerischen Fähigkeiten der einzelnen ga- Sonntag durchgeführten Radrennen nahmen 125 mit rechnen, daß die Orthodoxen die absolute Mehr- berichten. Ernst zu nehmen war nur der Zuriddu Taflegrain( Pantin), der die 108 Stilometer lange stierenden Künstlerinnen und Künstler an sich zu Fahrer teil, 40 waren im Endspurt. Sieger wurde heit erhalten. Die Stellung der Kirchen ist de facto des aus Basel kommenden Tenors Kurt Baum, Strede in 2:51:21 Std. zurücklegte. eine verschiedene. Die orthodoxe Kirche fühlt sich im eines Sängers, der nicht nur über große, sondern Staat als Nationalfirche, und nach ihrer Verfassung auch über schöne Stimmittel verfügt. Darstellerisch steht dem König das Recht der Auswahl des Patriar wirfte er noch anfängerhaft unbeholfen. Ob er ein chen zu. Eine Zeitlang hätte man es gerne gesehen, wirklicher Thrischer Tenor ist und ob seine Stimme wenn sich die südslawischen Katholiken zu einer von auch größeren Aufgaben gewachsen ist. müßte er Rom unabhängigen Nationalfirche zusammengeschlof- allerdings erst in einer anderen Partie erweisen. Die drei anderen Gäste. sen hätten. Man verwies auf das Beispiel, daß sich Nr. Suttner als Sedda und S. Simet als CaFr. Holland als Lola. ja auch die serbische orthodore Kirche von der bulga- nio zeigten Leistungen, die ihr Gastauftreten ganz rischen und griechischen im 18. Jahrhundert loslöste. rätselhaft machten. Als Santuzza hörte und sah man Aber auf katholischer Seite war man naturgemäß zum erstenmal Frl. Vera Manfinger. die ihre nicht dazu bereit, und so ergab sich von selbst die Partie vor allem sehr kultiviert sang, diesmal aber Suche nach einem modus vivendi. Kompliziert wird auch als Darstellerin stark zu fesseln wußte. dies Problem gerade durch die parallel laufende poE. J. litische Frage: Bentralisation oder Dezentralisation. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Solange es noch nicht zu der italienisch- jugoslawischen Freitag, halb 8: Die Fledermaus. D 2. Verständigung gekommen war, war man auch ge- Samstag, halb 8: Servus, Serbus! B 1. neigt, hinter Rom Mussolini zu sehen. Und Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, halb 8 schließlich bestand im Hintergrunde auch die Vorstel- uhr: Ich habs get a n, volkstüml. Vorstellung. lung von der Habsburger Restauration, alles Mo- Samstag, halb 8: Regen und Wind, Erstmente, die die reservierte Einstellung zum Katholi-| aufführung. zismus verständlich machen. Daher das Interesse an der Stärkung der Orthodorie und der Förderung des Islam. Bei der Banateinteilung von 1929 erhielten 6 von 9 Banaten eine orthodore Mehrheit. Die orthodore Kirche hat auch in den gemischten Gebieten eine rege Tätigkeit entfaltet. Es wurden neue Kirchen gebaut und neue Metropoliten eingesetzt. Der Ges gensatz zeigte sich auch bei den Jugendorganisationen ( Sokol gegen Orel). Die Freimaurer und die Altfatholiken standen dabei auch auf der Seite der Gegner des Katholizismus. Eine Beitlang wurde auch eine rege Propaganda für die Vertreibung der Jefuiten getrieben. Langsam aber tritt auch auf diesem Gebiete der Geist der Befriedung ein, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die historisch bedingten und besprechung ist Pflicht, denn es gilt heute mehr als reits nachlassenden Spannungen durch ein Konkordat ihr Ende finden. Aehnlich steht es mit den Mohammedanern. Ihre Vorfahren waren nach der Eroberung Bosniens durch die Türken zum Islam überge treten. Der Sprachgebrauch des Volkes jetzt zivar heute noch vielfach Konfession mit Nation gleich, aber die bosnischen Mohammedaner fühlen sich nicht mehr als Türken, sondern sind sich bewußt, daß sie gleicher Abstammung und Sprache mit Kroaten und Serben sind. Dennoch näherten auch sie sich den Katholiken an, zumal als ihre Selbstverwaltung beseitigt wurde und ihre neuer Ulema Belgrad als Sit angewiesen erhielt. Aber auch hier wirkt die Zeit ausgleichend und führt langsam zu einer Ueberwindung der Gegenfäße. Nicht um jeden Preis! Die Prager sozialdemokratische ,, Nanni noviny" schrieben in ihren Betrachtungen über den Fußballänderkampf der Tschechoslowakei in Dresden u. a.:„ Wir sind selbstvers ſtändlich für den internationalen Sportgedanken, aber Urania- Kino, Klimentská 4. Die Republik der verpaẞten Gelegenheiten Vereinsnachrichten ATUS Wichtige Informationsverfammlung am 5. Juni halb 8 Uhr abends im Hotel Monopol". gegenüber dem Masarykbahnhof( Ankunfthalle). Neferent Genosse Stor ch. Aussig. Zu dieser Versammlung sind alle Parteimitglieder und die Mits glieder aller befreundeten Organisationen aufs herzlichste eingeladen. Erscheinen aller zu dieser BePRAG früher, zusammenzuhalten und unsere Organisationen auszubauen. Die Wahlniederlage bedeutet eine Aufgabe mehr für uns, die wir zu erfüllen haben. Darüm an die Arbeit mit neuer Straft, erhöhter Attivität, Disziplin und Treue unserer Organisation ..Freiheit" und unserer roten Fahnen. Allgemeiner Angestellten- Verband, Reichenberg, Gruppe Brag. Amtsstunden: Mittwoch, 6 bis 8 Uhr abends, Národni tř. 4/ III. Meldet freie Posten unter Telephon 51351. Aus iußiizung am Samstag, dem 1. Juni, 7 Uhr abends, Monobol". Nächste Mitglieder Zusam= menkunft am 1. Juni, Samstag, 8 Uhr abends, Winterhalle Hotel„ Monopol". Gingeführte Gäste willkommen. Besichtigung der Druckerei im Volksnicht mit jedem und nicht um jeden Preis! Und darum auch nicht mit dem für uns heute„ gleichgeSportmacher und„ Führer" sehen jedoch in der„ För schalteten" deutschen Sport!"-Die bürgerlichen derung des internationalen Sportgedankens" nichts anderes als eine Förderung" des Geschäfts und um " Ab Freitag. Fernsprecher 61623. Das Meer ruft!" ... S- D- S.. Windstärke 10. Ein Heinrich- George- Großfilm. fen ka 94 wi Pa 3e ge fta ka ten gie du 15. erf M H En be bra fifa Ei Er FTK Seg fid 9077 ma haus.-Jung- Angestellten Treffen José Mojica, Rosita Moreno und Tito Coral in dem amerikanischen Film„ Der Kosakentapitän dem Demokraten Walter Rathenau me sch En drei Icit dung der revolutionären Kräfre sekretär des Auswärtigen, Solf, dem Voltsbeauf-, Ereignisse in Bayern, die dem Kahrschen Regime und das dadurch begünstigte Wiederemporkommen tragten Haase aus politischen Gründen die Hand borangingen, werden gut geschildert und es ist No der alten Mächte. Eindringlich wird in seiner Dar- zu verweigern. Statt, wie Rosenberg richtig schreibt, senberg zum Verdienst anzurechnen, daß er dem stellung die Rolle sichtbar, die den Resten der alten Solf wegen Widersetzlichkeit verhaften zu lassen, einzigen wirklich revolutionären Minister jener Zeit, Armee in Gestalt der von Noske zur Niederschla- wird eine Diskussion über diese Angelegenheit mit dem später oft gelästerten Kurt Eisner, der Irgendjemand bat den glücklichen Einfall gehabt, den durch den Hitler- Umsturz so sang- und gung des Spartakusaufstandes 1919 ins Leben ge- der Erklärung Haases abgeschlossen, er werde Herrn seine Hingabe an die Revolution mit dem Tode bes flanglos beseitigten Staat von Weimar, dieses kurze rufenen Freikorps zukommt. Nach ihrem Zwischen- Solf öffentlich antworten. In dem Kabinettsproto- zahlen mußte, volle Gerechtigkeit wiederfahren läßt Zwischenspiel zwischen der wilhelminischen Epoche spiel im Baltikum, wo sie als Landsknechte des foll heißt es alsdann: Unverbindliche Aussprache Die gleiche Gerechtigkeit läßt er gegenüber den und dem Hitlertum ,, Die Republik der verpakten Ge- deutschen Großgrundbesikertums gegen den Bolsche über Solf. Es herrscht Uebereinstimmung, daß er wirklich großen Erscheinungen im Leben der deuts legenheiten" zu nennen. Dieses Wort kommt einem wismus, aber auch gegen die nationalen Revolutio- gehen muß, aber so lange im Amte bleibt, bis ein schen Republik, dem Zentrumsmann Erzberget immer wieder ins Gedächtnis, wenn man Arthur nen des eingesessenen lettischen und esthischen Bau- Nachfolger gefunden ist. erntums dienten, haben die Freikorps in den revo= Rosenbergs neues Buch„ Die Gelutionären Geburtswehen der deutschen Republik gegen Großgrundbesitz und Schwerindustrie sowie walten. Insbesondere die Aera Stresemann" wat Schlimmer noch als die Versäumnisse im Kampf dem Volksparteiler Gustav Stresemann schichte der deutschen Republit" liest. Arthur Rosenberg, einstmals Professor für Ge- und auch später bei allen gegenrevolutionären Vor- gegen das alte Beamtentum hat sich die Unterlas- ia die Zeit einer gewissen Konsolidierung und eines schichte des Altertums an der Berliner Universität ſtößen, so beim Kapputsch, beim ersten Hitlerputsch fungsfünde Nostes erwiesen, die neue Wehrkraft vorübergehenden Aufstiegs der deutschen Wirtschaft und heute Dozent in Liverpool, hat seine Eignung bon 1923 usw. eine höchst unheilvolle Rolle ge- nicht aus zuverlässigen Elementen zusammenzusetzen. und des deutschen Ansehens in der Welt. Mit der spielt. Aus ihren Reihen stammen ja auch„ die alten In seiner Kurzsichtigkeit hat er sich in die Hand der Bildung der Regierung Hermann Mü zum modernen Geschichtsschreiber bedeutenden Foralten Generäle begeben, die nur auf den Augenblick Ier setzt freilich bereits die Periode der erneuten mats bereits durch sein 1928 erschienenes Buch Kämpfer" der SA und der SS. des Großreinemachens warteten. Erschütterung ein. Sehr scharf wird herausgears ,, Die Entstehung der deutscher Republik" erwiesen. Erschütternd wirkt es, jetzt noch einmal die ma und übe Re fich bef Tich ber Be Ch tet ha ler bie ite Anleihen auf die deutsche Konjunktur hatte und wie der Zusammenbruch von Wallstreet den Kreditmans gel und damit den Kriseneinbruch in Deutschland zut Folge hatte. Aus diesem Kriseneinbruch, aus der scheinbaren Erfolglosigkeit der damals regierenden Parteien und aus jenem Nationalismus, den über spiste Reparationsforderungen an Deutschland zu Dieses sehr objektiv gehaltene Wert, für das Rosen- Geschichte der Jahre 1918 und 1919 nachzulesen. Als es dann im Jahre 1920 zu dem mißglück- beitet, welchen Einfluß die Begebung amerikanischer berg als Mitglied des Reichstagsausschusses zur Weder wurde wie in anderen Ländern die Macht ten Kapp- Putsch kam, wäre noch einmal die MögUntersuchung der Kriegsursache außergewöhnliches des Großgrundbesizes gebrochen, noch hatte man lichkeit gewesen, die Versäumnisse des Jahres 1918 Material mitbrachte, wird durch die neue, bei der den Mut, die Sozialisierung des Bergbaues, die wieder gut zu machen. Aber die Absicht des GeVerlagsanstalt Graphia in Karlsbad ohne Schwierigkeiten möglich gewesen wäre, vorzu- werkschaftsführers 2egien, ein Kabinett aus soerschienene Publikation auf das vortrefflichste er- nehmen. In dem einen Falle verschanzte man sich zialistischen, demokratischen und christlichen Gewerkgänzt. Rosenberg, der ursprünglich kommunistischer hinter angeblich drohenden Ernährungsschwierigkei- schaftlern, also eine Arbeiterregierung, Reichstagsabgeordneter war und nach mancherlei ten, in dem anderen Falle hinter der Gefahr, daß zu bilden, scheiterte vor allem an dem DoktrinarisEntäuschungen den Weg in den Freundeskreis der die verstaatlichten Gruben als Faustpfand in aus- mus des linken Flügels der USPD, der sich damals Folge hatten, aus dem Mangel an militärischem und Sosialdemokratie gefunden hatte, ist wie kaum ein ländischen Besitz übergehen könnten. Die mangelnde weigerte, mit den Sozialdemokraten gemeinsam in demokratischem Fundament des demokratischen Re zweiter geeignet, das Scheitern der beiden großen Attivität der Mehrheitspartei und die unflare Rolle, eine Regierung zu gehen, während nicht viel später gimes und vor allem aus jener Entzweiung der Ar beiterschaft, die ihre Wiederstandskraft lähmte, ers Arbeiterparteien in Deutschland aus eigenem Erle- welche die Unabhängigen in der Regierung infolge die beiden Parteien sich sogar zu einer gemeinsamen klärt dann Rosenberg mit überzeugenden Worten ben zu schildern. Man kann auch nicht sagen, daß ihrer inneren Differenzen spielten, gaben der Re- Partei zu verschmelzen vermochten. den Zusammenbruch der Republik von Weimar, den er seine Erkenntnisse all zu spät gewonnen habe, gierung des ,, Rates der Volksbeauftragten" ihr un- Ein überaus trauriges Kapitel bildet die Ohn- er bereits mit Brünings verfassungswidrigem Not denn in persönlichen Gesprächen hat er bereits vor erfreuliches Gesicht. In einem dokumentarischen An- macht der Arbeiterbewegung gegenüber der Infla- verordnungsregime beginnen läßt. Mit diesem Zeits Jahren die Grundauffassung seines jetzt erschienenen hang zu seinem Buche ist Rosenberg in der Lage, tionszeit und ihren Hhänen im Stile eines Stinnes. punft, also mit dem Jahre 1930, schließt das Buch Buches firiert. Diese Grundauffassung unterscheidet aus underöffentlichten Protokollen der Volksbeauf- Die neue revolutionäre Situation von 1923 wird Man fragt sich, ob und wann Rosenberg einen sich wohltuend von der mancher oberflächlichen Kri- tragten Sigungsberichte wiederzugeben, die deutlich verkannt und durch ein falsches Verhalten der da- dritten Band wird veröffentlichen können, der den tiker, die lediglich im Versagen einzelner Personen zeigen, mit welchem Mangel an Klarheit und Selbst male im Aufstieg begriffenen Kommunisten völlig schwarzen Schlußakt der deutschen Tragödie malt die Ursache des Zusammenbruchs sehen wollen und vertrauen damals regiert wurde. Die Beamten des verfahren. Dazu kam die unglückselige Rolle Eberts, und zugleich dem menschlichen Bedürfnis nach einem so eine Art Personenkult mit negativen Vorzeichen alten Regimes hatte man an ihren Pläßen gelassen mit dessen Einivilligung der Einmarsch militärischer happy end" entspricht, bei dem die Geister der Fin und sie gingen sehr rasch zu Akten der Auflehnung Streitkräfte in Sachsen und Thüringen erfolgte, sternis ihre Strafe finden und das Siegesfanal der Arthur Rosenberg hält für die entscheidenden über, die ein energisches revolutionäres Regime nie- während man gegenüber dem durch das Hitleraben- Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit wieder über Grundtatsachen des Scheiterns der deutschen Demo- mals hätte dulden dürfen. Bereits vier Wochen nach teuer diskretierten Herren von Kahr, dem Allge- einem glücklicheren Volte aufleuchtet. fratie die gegenseitige Verfein- dem Umstura wagte es beispielsweise der Staats- waltigen in Bayern, nicht durchzugreifen wagte. Die treiben. " D. J. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Inferate werden laut Tarif billigit berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß. Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Beitungsfrantatur wurde von der Posts und Tele graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druckerei: Orbis". Drucks. Verlags- und Zeitungs- A.- G., Prag, 告白 ba Be in h Tit SCREEEEE