Nr. 133 FreUag, 7. Juni 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•IntchlleBlich 5 H.ll.r Forto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochoya a. Telefon non. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR* WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICH» REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. ■' I"'■■■ Macdonald Der Rücktritt Namsah Macdonalds ist beschlossene Sache. Ms Premierminister folgt ihm der konservative Parteiführer Baldwin. Die Amgruppie- rung im Kabinett wird allgemein als das Vorspiel baldiger Neuwahlen angesehen. Baldwin Stuf die--rauschenden-Feiern des englischen KönigsjubilHmns ist.'die- Krise des„nationalen" Kabinetts Macdonald-Baldivin gefolgte düs jene Feiern veranstaltet'hatte,-um von ihrem Glanze auch für sie zu profitieren.^ Inder nationalen Hochstimmung des Monarchenjubiläums sollte etwas von jener Begeisterung wieder' entfacht werden, die vor vier Jahren den Amtsantritt der damals neuen Regierung begmißthatte,--->und diese Begeisterung sollte diesmal den Auftakt zur Propaganda für die Herbstwahlen sein. Die englisch« Regierung hät-Grund genug, den kommenden Wahlen mit Sorge um ihr Schicksal entgegenzu- sehn. Die Wahlerfolge der Labour-Party in den letzten beiden Äahren reden eine deutliche Sprache, und man ist im Regierungslager der Meinung, daß nur eine besonders wirksam« Gegenpropaganda einen überwältigenden Sieg der Sozialisten bei den Parlamentswahlen verhindern kann. Die Umbildung^ die jetzt die englische Regierung an sich selbst vornimmt, hat also eine doppelte Bedeutung: sie ist zwar die Folge der inneren Schwäche des bisherigen Kabinetts und Has Eingeständnis seiner Mißerfolge auf dem Gebiete der auswärtigen und der sozialen Politik, aber sie ist zugleich der Versuch, durch die Kaltstellung Macdonalds und die geplante Ausbootung Simons sich den Anschein der Verfestigung und Verjüngung zu geben, der.den Wählermaffen imponieren soll. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß Baldwin die Wahlen am liebsten schon Mr den Spätsommer ausschreiben möchte, um sie möglichst noch unter dem frischen Eindruck der Jubiläumsfeiern und der Kabinettsverjüngung stattfinden zu lassen. ES ist verständlich, daß die Labour-Party eine solche Absicht als„unfair" bezeichnet und dagegen protestiert, das Königsjubiläum zum Nutzen einer„Nationalen" Koalition, auszubeuten, die in Wirklichkeit ein« konservative Parteiregierung ist, was durch die Kaltstellung des einstigen Sozialisten Macdonald und das bevorstehende Ausscheiden des Liberalen Simon nur. noch betont wird. Der König selbst hat tatsächlich alles vermieden,' was seiner Feier den Anschein einseitiger Propa- ganda hätte geben können. Erhat die Proletarierviertel im Süden, und Osten Londons ebenso besucht wie die reiche'City und den vornehmen Westen, und er war bestrebt, seine Popularität mit Gesten und Worten zu rechtfertigen, die ihn als betonten Gegensatz zum Monarchentyp wilhelminischer Art und zum Typ des fascistischen„Führers" erscheinen ließen. Nicht überraschend übrigens bei diesem Monarchen, der sich bei jeder Gelegenheit als überparteilicher„Gentleman" erweisen will.* Es wäre also für Baldwin nicht ganz leicht, aus dem Königsjubiläum politisches Kapital zu geht Baldwin als Wahlmacher schlagen, ohne da? britische Volk den Uebergang von der unparteiischen Feier zur politischen. Propaganda deutlich spüren zu lasten. Und es wird ihm nicht einmal leicht werden, auf den harmonischen Verlauf des Jubiläums selbst hinzuweisen, wenn er von den Erfolgen der„nationalen" Regierung sprechen wird. Denn trotz allem lag über der strahlenden Feier der Schatten des Zweimillionenheers der englischen Arbeitslosen,— und niemand in England hat auch die Tatsache übersehen können, daß in der Schar der Gratulanten zwei Mitglieder des englischen Weltreichs demonstrativ fehlten: der irische Freistaat und das indische B o l k(besten Schweigen durch eine Glückwunschsind durch die kritische Situation der internationalen Politik vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt,— und Baldwin ist sichtlich entschlossen, aus ihrem Zögern Mr sich Nutzen zu ziehen und auch eine Konjunkturbelebung durch Rüstungssteigerung als Wahlargument für seine Partei zu verwenden. Es wird ihm zwar keinesfalls gelingen, einen großen Stimmengewinn der Sozialisten bei der kommenden Wahl zu verhindern. Aber da die Labour-Party nach ihren Erfahrungen mit Koalitionsregierungen danach strebt, allein die Regierung zu übernehmen, wird das Ziel ihres Wahlkampfes nicht der bloße Stimmengewinn, sondern-die absolute Mehrheit sein. Ob sie dieses Ziel erreichen wird, das wir- vor allem davon abhängen, wie sie die Schwierigkeiten löst, in denen sie sich angesichts der Friedens- und Rüstungsfrage befindet. Gbg. * London.(Tsch. P. B.) Die KabmettSlisie, die Baldwin nach dem Rücktritt Macdonalds dem König /huch Pietri gescheitert Laval abermals betraut Paris.(Tsch. P.-B.) FranröiS Pit ft i begab sich Donnerstag nach 17 Uhr ins Elysec und teilte dem Präsidenten der Republik mit, daß er di« Aufgabe der Bildung eines neuen Kabinetts, mit der ihn der Präsident gestern abends betraut hatte, in die Hände des Präsidenten zurücklege. Pietri hatte während des ganzen Tages mit den Vertretern aller politischen Gruppen und namentlich mit den Radikalen Beratungen. Die Berhandlnngrn drehten sich hauptsächlich um die Formel der zeitweiligen Erweiterung der.Vollmachten Mr dir Regierung. Tie Radikalen waren bereit- weniger unnachgiebig und C h a« t t m p S erklärte sogar am Nachmittag den Journalisten, daß sie Pietri die Aufgabe erleichtern wollten. Nach der nachmittägigen Sitzung mit dem Radikalen Klub überzeugte sich aber Pietri, daß er keine feste Sicherung der Mehrheit finden würde und er hat daher beschlossen, feinen Auftrag zurückzulegen. Paris.(Tsch. P.-B.) Außenminister L a v a l, an den sich der Präsident der Republik neuerlich wandte, hat nach 20 Uhr die Aufgabe der Kabinettsbildung wieder übernommen. Der Präsident der Republik hatte vorher dem Vorsitzenden des radikalen Klubs Ivan D e l b o S, Vizepräsidenten der Kammer und ehemaligen UnterrichtSminifter, di« Kabinettsbildung angebotrn, dieser aber hatte mit der Erklärung abgelehnt, daß er nicht genügend Erfahrungen habe, um besonders bei der gegrnwärttgen Lage den Vorsitz der Regierung übernehmen zu können. depesche des englischen„Bizekönigs" und das Er-'! scheinen einiger Maharadschahs in London nicht aus der Welt geschafft werden konnte). Das englische Arbeitslosenproblem und die Spannungen innerhalb des englischen Weltreichs waren auch die hauptsächlichen Gründe für den Verfall des Ansehens, dessen sich die„nationale" Regierung anfangs in England erfreut hat. Daß es ihrem Finanzminister Chamberlain gelang, daS Budget ins Gleichgewicht zu bringen, hat die Un- zufriedenheit über die unzureichende Unterstützung der Erwerbslosen und das Stilliegen ganzer Industrien(wie der. Textil- und der Schifsbauindu- strie) nicht vermindert, sondern eher verschärft. Denn je stolzer di« Regierung auf den Erfolg ihrer Währungs- und Handelspolitik hinwies, umso energischer förderte die Labour-Party die Verwendung der vorhandenen Mittel Mr die ArbeitÄbe- schasfimg, den Wohnungsbau und die Unterstützung der- Krisenopfer. Und je vernehmlicher die Unruhen in Indien und Irland wurden(zu denen sich neuerdings noch die Streikbewegung in Südafrika und die Separatistenbewegung in West- Australien gesellt haben), um so berechtigter erwies sich die sozialistische Forderung, allen Teilen des britischen Weltreichs Gleichberechtigung und Selbstverwaltung zu gewähren. Die Regierung hat ihre Fehler selbst eingestehen Müssen, als sie in letzter Zeit wirtschaftspolitische Gesetzesvorlagen ankündigte, die den planwirtschaftlichen Forderungen des Labour-Programms ähneln— und der seit Monaten vom englischen Parlament beratene neue indische Berfaffungsentwurf bedeutet ebenfalls ein Abrücken der Regierung von der startkonservativen Linie. Aber da einzelne Konzessionen am reattionären Charakter der Regierung nichts ändern, werden sie' auch die Stimmung der Wählermasten nicht ändern können. Nur ein Problem gibt es in der englischen Politik, das Mr die Labour-Party ebenso gefahrvoll wie Mx die von ihr bekämpften Regierung ist: das Problem des Friedens und der Aufrüstung. Die englischen Sozialisten, die im Prinzip Mr die Verhinderung jedes Krieges durch wirtschaftliche Sanktionen gegen den Angreiferstaat eintreten, unterbreiten wird, bat nach Informationen der„Eve- ning News" folgendes Aussehen: Mnisterprisident: Baldwin, Lordpräsident des Geheime« RateS: Ramsay Macdonald, Tchatzkanzler: Neville Chamberlain .(unverändert), Lordkanzler: Lord H a i l s h a m, Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten im Unterhaus: Sir John Simon, Außenminister: Sir Samuel Hoare, Dominienministrr: Thomas(unverändert), Kolonialminister: Malcolm Macdonald, Erster Lord der Admiralität: Sir Bolton E y r e S- Monfell.unverändert), Luftfahrtminister: Sir Philipp Cunlifse- L i st e r, der zum Rang eines Peer erhoben wird, UnterrichtSminifter: Oliver Stanley, Arbeitenminister: Ernest Brown, Landwirtschaftsminister: Walter E l l i»t < unverändert), Gesundheitsminister: Sir Hilton A o u n g lunverändert), Wirtschaftsminister: Walter Runeiman (unverändert), Postminister: Sir Kingsley Wood(unverändert), Minister für Schottland: Sir Godfrey Collins (unverändert), StaatSkommiffär für öffentliche Arbeiten: Sir OrmSby Corr(unverändert), BerkehrSminifter: Hoare B e l i f h a (unverändert), Lordsiegelbewahrer: Anthony Eden (unverändert). Zum Staatssekretär für Indien wird voraussichtlich Lord Linlithgow ernannt werde«. AlS Anwärter Mr den Posten des Kriegsministers wird der jetzige Finanzsekretär des Schatzamtes Duft Cooper genannt. Aus dem Kabinett Macdonald scheiden also aus: Der UnterrichtSminifter Lord H a l i f a r, der Lordkanzler Lord Sänke y» der Innenminister Sir John Gilm» nr und der Lust» fahrtminifter Lord Londonderry. Nach den bisherigen Dispositionen dürste die amtliche Ministerliste nicht vor Freitag abends bekannt«erden, Umschwung in Belgien Günstiger Start der neuen Regierung Brüssel, Anfang Juni. I. B. Seit zwei Monaten steht Belgien unter der Führung einer sozialdemokratisch-bürgerlichen Koalitionsregierung. Neben dem katholischen Ministerpräsidenten Van Zeeland sitzt der Führer der belgischen Sozialisten Emil Vander- velde als stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett, und Hendrik de Man, der Schöpfer des Plans der Arbeit, leitet das wichtigste Ministerium dieses Kabinetts, jenes nämlich, dem die Aufgabe zugctcilt ist, die Arbeitslosigkeit im Lande aufzu- saugen. Es' ist ein radikaler Umschwung also, der sich in Belgien vollzogen hat. Wie kam es dazu? Belgien ist ein kleines Land. Aber aus diesem engen Raum siedeln acht Millionen Menschen. Kein Land Europas ist so dicht bevölkert. Eine gigantische Fabrik Westeuropas ist Belgien, in der zwei Millionen Arbeiter ihren Lohn suchen.- Aber für diese Mästen gibt es nur Arbeit, Brot, Wohlstand, wenn das Ausland ihre Arbeit kauft. In keinem Land der Welt ist die Exportquote, gerechnet auf den Kopf der Bevölkerung, so groß wie in Belgien. Belgien kann aber nur solange exportieren, solange es billig produziert. Als nach dem Kriege auch Belgien von der Inflation ergriffen wurde, hatte es Hochkonjunktur. Und die Prosperität in Belgien dauerte drei Jahre länger als in.allen .westlichen Staaten, weil 182» der belgische Franc auf einem tiefen Punkt stabilisiert wurde, die belgische Exportware, mit dem hochwertigen Pfund bezahlt, eben billig war. Aber das Pfund und später der Dollar verließen ihre Goldbasis, wurden abgewertet, und fast alle europäischen Länder folgten diesem Bei? spiel. Belgien allerdings nicht. Belgien blieb Goldland, verharrte im Goldblock. Das englische Pfund sank im Wert, der belgische Franc blieb aber fest. Immer mehr Pfund mußten Mr die gleiche Menge belgischen Stahls bezahlt werden— der belgische Stahl wurde immer teurer, verlor die Konkurrenzfähigkeit, verlor den Markt. Die Hichöfen erloschen, die Schlote erkalteten— in Charleroi und in der Borinage zählte man achtzigtausend, im ganzen Land mehr als vierhunderttausend Arbeitslose, ein Fünftel der industriellen Bevölkerung. Acht Jahre lang hatten die Parteien des Bürgertums das Land regiert. Als mit dem Pfundsturz die wirtschaftlichen Schwierigkeiten einsetzten, da wußte der Bürgerblock nur ein einziges Rezept: den Abbay. Abbau der Löhne, natürlich auch Abbau der Preise, Deflation. Es ist das ideenlose klassische Rezept des Kapitalismus: Senkung der Löhne und Gehalte, Entlassungen, Hungerriemen enger schnallen! Aher dieses Rezept versagte in Belgien wie überall. Der Abbau zerstörte die Kaufkraft, verengte den Jnnenmarkt und verschärfte nur die Krise. Das Rezept versagte erst recht im Export. Denn bei diesem Wettlauf zwischen der notwendigerweise allmählichen Deflation und der sprunghaften Entwertung der ausländischen Währungen mußte der Deflation der Atem ausgehen: Es konnte an Löhnen und Preisen nicht so rasch abgebaut werden als das Pfund sank. Die Kurve der Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe, Löhne, Gehalte, Renten wurden unter schärfsten Druck gestellt* wilde Streiks und Unruhen flammten auf, die verschuldete Industrie war außerstande, ihre Goldverpflichtungcn zu erfüllen, die Kredite froren ein» die Banken gerieten in Schwierigkeiten. Verzweiflung ergriff das Land. Was an Kapital greifbar war, flüchtete außer Landes. Der Dürgerblock war am. Ende seiner Kunst.- In dieser Stunde schwerster Gefahr rief das Land, rief der König die Sozialdemokratie zur Hilfe.. Die belgische Sozialderyokratie hatte diesem ideenlosen System der kapitalistischen Sanierung die Idee einer planvollen», wohldurchdachten, rationellen, kon» struktiven und durchaus realisierbaren Organisation der Wirtschaft entgegengesetzt. Hendrik de Man ist ihr Schöpfer. Sein Plan der Arbeit würde, erMllt, Belgien keineswegs in ein sozialistisches Gemeinwesen verwandeln. Mer er baut in die anarchisch- kapitalistische Produktion starke nationalisierte Seite 2 Freitag, 7. Juni 1935 Nr. 133 Dr. Benes nach Moskau abgereist Prag. Außenminister Dr. Eduard Benes ist am Donnerötag in Begleitung des Legationsrates Dr. Vladimir K u ö e r a und Dr. Hla- v n L c k s auf Einladung der sowjetrussischen Negierung nach Moskau abgereist. Berlin stellt Bedingungen Auch Italien soll sich in Oesterreich nicht einmischen Rom. Wie verlautet, ist Deutschland geneigt, sich an einer eventuellen Donaukonferenz in Rom nur unter den nachfolgenden Bedingun- g. zu beteiligen: Die Verpflichtung der Nichteinmischung in die inneren österreichischen Angelegenheiten würde gleichermaßen für alle gelten. Diese Verpflichtung würde nicht durch zweiseitige Hilfeleistungspakte ergänzt werden. Sektoren ein, unterwirft vor allem den Kredit und die Schlüsselindustrien der Herrschaft des Staates, bemächtigt sich also der Kommandohöhrn der gesamten Wirtschaft. Nach diesem Plan die Wirtschaft gestaltet, könnte, so verkündete de Man, binnen drei Jahren mindestens die Hälfte, in weiteren zwei Jahren die gesamte Arbeitslosigkeit in Belgien aufgesaugt, Wohlstand für alle dauernd begründet werden. Darum„Der Plan, der ganze Plan, nichts als der Planl" Die Idee ergriff die Massen. Sie setzte nicht allein die Arbeiterklasse, darüber hinaus auch breite Schichten des Mittel- standes in Bewegung. Der Zusammenbruch des Bürgerblockshstems wäre der natürliche Augenblick für Neuwahlen gewesen. Aber es war keine Zeit zu verlieren. Der belgische Franc glitt ab, es war zu befürchten, daß er ins bodenlose abstürze und ein Run die Wirtschaft des Landes unter seiner Papierflut begrabe. So entschloß sich die Partei, nicht ohne strengste Gewissensprüfunq das Opfer einer Regierungsbeteiligung mit bürgerlichen Parteien auf sich zu nehmen. Während aber die sozialdemokratische Partei in ihrer Organisation und im Parlament ihre Geschlossenheit bewahrte, spalteten sich die Katholiken und Liberalen bei der'Abstimmung, es stimmten für die neue Regierung nur die Angehörigen ihres linken Flügels, bei den Katholiken die Arbeitervertreter, bei den Liberalen die Vertreter der Angestellten. Der konservative, dem Fascismus zuneigende Flügel beider Parteien blieb in Opposition. Diese Spaltung herbeizuführen hatten sich die Sozialisten als strategische Aufgabe gestellt, sie war gelungen-. Die Regierung Belgiens kann,, trenn man will, als eine Gesamtvertretürtg de» arbeitenden Volkes Belgiens in ihren drei weltanschaulichen Richtungen angesehen werden. An der Spitze der Regierung der nationalen Union, gebildet von sechs Katholiken, fünf Sozialisten und vier Liberalen steht der frühere Bizegouverneur der belgischen Nationalbank Van Zeeland, ein Kriegsgefangenenkamerad seines Ministerkollegen de Man, wie jener ein Vierziger, also ein„Junger". Die Regierung übernahm natürlich nicht den ganzen Plan, denn sie bleibt, trotz der sozialdemokratischen Minister, eine bürgerliche Regierung, aber doch Teile des Plans. Es wurde ein„Amt für den wirtschaftlichen Wiederaufbau" geschaffen, in dessen Leitung de Man berufen wurde. Dieses Amt, dem vorläufig eine Milliarde zur Verfügung gestellt ist, soll ein großes Programm öffentlicher Arbeiten, das dtz Man entipirft, durchführen. Statt Abbau wurde Kreditausweitung zum Regierungsprogramm, durch Regierungseinwirkung, soll der Kredit der Banken planmäßig in die Wirtschaft einströmen. Eine Reihe von Steuererleichterungen sollen die Selbstkosten senken und eine Marktkontrolle ein Emporschnellen der Preise hemmen. Das Auftreten der neuen Regierung hatte zunächst eine überraschend gute Wirkung. Die verzweifelte Stimmung schlug in Zuversicht um. Das ins Ausland geflüchtete Kapital kehrt zurück, rund 150 Millionen Francs in jeder der vergangenen Wochen. Die Abwertung des Francs um 28 Prozent senkte sofort in Weibselwirkung mit dieser optimistischen Stimmung die Zahl der Arbeitslosen. Man kauft wieder, vor allem Möbeln und Textilien, die Lager leeren sich, Arbeitslose werden eingestellt. Die Regierung behauptet, daß schon im ersten Monat der neuen Regierung die Arbeitslosigkeit um 14.77 Prozent gefallen sei. In Ver- viers, dem Zentrum der Textilindustrie, ist die Zahl der Arbeitslosen von 9000 auf 5000 zurückgegangen. Die.General-Motors", die in Antwerpen eine Fabrik betreibt, hat ihre Autoproduktion um mehr als fünfzig Prozent erhöht. Noch ist vorläufig die Preissteigerung infolge der Francentwertung minimal: sie beträgt im ersten Monqt 1.27 Prozent. In dieser günstigen Stimmung soll im Herbst mit großen öffentlichen Arbeiten eingesetzt werden, um von der Staatsseite aus den Prozeß des Wiederaufbaus der Wirtschaft zu beschleunigen. Es ist im Augenblick nicht abzusehen, ob es den Sozialisten gelingen wird, ihre bürgerlichen Regierungsteilnehmer zu durchgreifender Planordnung der Wirtschaft zu bewegen. Denn jeder Schritt auf dem Wege zur Ersiillung des Plans verletzt natürlich kapitalistische Interessen. Die. Partei erflärte, den Kampf um„den Plan, den vollen Plan, nichts als den Planl" jetzt erst recht fortzuführen, um den Druck der Sozialisten in der Regierung durch den Druck der Massen auf der Straße zu verstärken. Noch steht die überwältigende Mehrheit der sozialistischen Partei hinter dieser Taktik, noch wird sie getragen von der optimistischen Stimmung des Landes. Die Bürger- blockregierungcn„bauten ab", ließen die Dinge ihren Lauf, die sozialistische Koalitionsregierung handelt— und die Tat ist es, die Tat schlechtweg, die Enthusiasmus erweckt. Der erste Ministerrat Bechynö wieder Stellvertreter des Ministerpräsidenten Prag. Amtlich wird gemeldet: In der konstituierenden Sitzung des Ministerrates, die am Donnerstag vormittags stattfand, wurde nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden der Regierung, der die Mitglieder zur gemeinsamen Arbeit begrüßte, auf Grund der Bestimmungen des§ 71 der Berfassungsurkunde zum stellvertretenden Vorsitzenden der Regierung Eisenbahnminister Rudolf B e ch h n e gewählt. Zur Kenntnis genommen wurden die Vereinbarungen der Mitglieder der Regierung über die gegenseitige Vertretung und die Zusammensetzung der üblichen interministeriellen Komites sür die Vorbereitung der Arbeiten in den einzelnen Zweigen der Regierungstätigkeit festgesetzt. Beschlossen wurde ähnlich wie im Jahres 1934 aus dem Erträgnis der Rundfunkgebühren einen entsprechenden Betrag zur Unterstützung der ständigen nichtstaatlichen Theater zu widmen. Schließlich wurden die laufenden Verwal- tungs-, Wirtschafts- und personalen Angelegenheiten erledigt. Sh« Die drei Mimsterkomitees(politisches, wirtschaftliches und Personalkomitee), in denen die einzelnen Koalitionsparteien durch je einen Minister vertreten sind, haben dieselbe Zusammensetzung wie unter der alten Regierung, nyr daß in jedem Komitee nun auch die Gewerbepartei durch Minister-N a j m a n vertreten ist. Für unsere Partei ist Genosse Dr. Czech Mitglied aller drei Komitees. Für Freitag sind die politischen Minister (Dr. E e r n h, B eH y n i, Dr. Franke, Dr. Srämek, Najman, Dr. C z e ch und Dr. Spina) zur ersten Sitzung berufen. In dieser Sitzung wird wahrscheinlich die Frage geklärt werden, welcher Termin im Einvernehmen mit den Kammerpräsidien dem Präsidenten der Republik für die Einberufung der neuen Kammern vorgeschlagen werden soll. Wie wir bereits meldeten, gilt als wahrscheinlicher Termin nach wie vor der 18. Juni. Wer Henlein schädigt, schädigt Hitler-Deutschland! Der„Manchester Guardian" hat die recht bemerkenswerte Tatsache enthüllt, daß der reichsdeutschen Presse strenge Anweisungen des Reichspropagandaministeriums über die journalistische Behandlung der Partei des, Herrn H en.l ei n. zugegangen Lod... Danach ist es oer deutsches Presse strikt untersagt, auf„das Gemeinsame"' zwischen der reichsdeutschen Diktaturpartei mW ihrer sudetendeutschen Filiale hinzuweisen, weil .solche Hinweise die Sudetendeutsche Partei nur schädigen und in ihrer politischen Wirksamkeit beeinträchtigen könnten". Eine Anordnung, die wirklich Bände spricht. Aber es kommt noch schöner—1 Wir können dazu ergänzend mitteilen, daß Herr Goebbels den Chefredakteuren der Berliner Presse noch eine w e i« tere„vertrauliche Information" zukommen ließ, in der er das„Herausarbeiten des Gemeinsamen" zwischen Hitlerfiliale und Hitlerzentrale als„für die Interessen des neuen Deutschland direkt schädlich" hjnstellte, Die Arbeitslosigkeit der Jugend Debatte In Genf— Verschleppungstaktik der Unternehmervertreter Genf. Die Internationale Arveitskonferenz schritt am DonnerStag zur Debatte über das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugend. Ans der allgemeinen Debatte geht hervor, daß die Arbei- trrgruppen wünschen, daß eine Empfehlung angenommen werde, in der den Regierungen der Mitgliederstaaten angrdeutet werden soll, auf welche Art eS möglich wäre, der Arbeitslosigkeit der Jugend entgegen zu arbeite«. Einige Regierungsdelegierte unterstützen den Wunsch der Arbeiterschaft, daß die Empfehlung noch in der gegenwärtigen Sitzung der Konferenz ausgrgeben werde. Demgegenüber schlagen die Vertreter der Arbeitgeber eine Verschleppungstaktik ein. Sie find der Anficht, daß die Frage der Arbeitslosigkeit der Jugend viel zu kompliziert sei und es daher notwendig sei, an die Regierungen in Form von Fragebögen heranzutreten und alle zur Lösung deS Problems notwendigen detaillierten Informationen einzuholen. Für die Arbeitgebergruppe sprach in diesem Sinn der Vertreter der Schweiz Kuntschen, der betonte, daß eine zu übereilte Lösung für Fragen von solcher Wichtigkeit nicht angenommen werden dürfe. Der Regierungsdelegierte Bulgariens, d r Minister'für Volkswirtschaft Muschänvw, verteidigte die Art! mit der Bulgarien das Problem der arbeitslosen Jugend löse. In Bulgarien wurde ein durch das Gesetz fundierter Fonds geschaffen, dem die Einnahmen der Anwärter, die in den verschiedenen Unternehmungen untergebracht wurden, entnommen werden. Bulgarien beschäftige auf diese Art und Weise 20.000 junge Leute jährlich. Der amerikanisch« Delegierte Fräulein Abott legte die Mäßnahmen dar, die die Regierung der Bereinigten Staaten getroffen hat, um die nichtarbeitend« Jugend zu beschäftigen. In den Vereinigten Staaten gebe er keine Jugend im Alter von 16 bis 18 Jabren, die nicht beschäftigt wäre. Für die Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren wurde ein besonderer Plan ausgearbeitet, durch den die Zahl der beschäftigten Jugendlichen von 300,000 auf 600.000 erhöht werden soll. Der belgische Delegierte der Arbeiterschaft Mertens hat nach einer kurzen Erklärung den Vorschlag einer Resolution eingebracht, demzufolge mit Rücksicht der Dringlichkeit der Lösung des Problemes der arbeitslosen Jugend die Arbeitskonferenz noch in dieser Tagung die Empfehlung auf Grund des Berichtes des Internationalen Arbeitsamtes annehmen möge. Ein Großteil der Delegierten stimmt mit dem Vorschlag der Arbeitnehmergruppe, daß noch in dieser Konferenztagung die Empfehlung betreffend die Arbeitslosigkeit der Jugend angenommen werde, nicht überein. Die Resolution wurde mit 97 gegen 17 Stimmen angenommen, worauf die Konferenz zur allgemeinen Aussprache über das Problem der Herabsetzung der Arbeitszeit schritt. Diese Frage wurde nicht nur vom grundsätzlichen Gesichtspunkt, sondern auch mit Rücksicht auf den Standpunkt der Arbeitgebergruppe behandelt, welche eine Beteiligung an den Arbeiten der Kommission für die- Verkürzung der Arbeitszeit ablehnt. Für die dänischen Arbeitgeber hielt der Delegierte O e r st e d eine längere Rede, in der er die Nützlichkeit eines internationalen Abkommens über die Verkürzung der Arbeitszeit.widerlegte und die Entscheidung, der vegrundete, sich'än deü''Arss^--'' ten der Kommission für die 40stündige Arbeitswoche nicht zu beteiligen. Der belgische Regie- rungsdelegierte Mahaim kritisierte die Ansichten der Arbeitgeber und forderte ihre Vertreter auf, der Arbeit in der Kommission für die Verkürzung der Arbeitszeit nicht auszuweichen. Der französische Regierungsdelegierte Godart lehnte die Ansichten der Arbeitgebergruppe ebenfalls ab und machte auf die Verantwortung aufmerksam, die sich für sie aus einer eventuellen Sabotage der Konserenzarbeiten ergibt. Der tschechoslowakische Regierungsdelegierte Dr. Leo Winter wurde zum Vorsitzenden der Kommission für die Erhaltung der Sozialversicherungsrechte der Arbeiter, die ihre Wirkungsstätte ändern, gewählt. 39 Romen von Emil Vachek Deutsch von Anna Aurednltek Aber die Polizei hatte in diesem Fall ausgesprochenes Pech. Von dem verhafteten Bäcker wurde festgestellt, daß er ein ganz unpolitischer Mensch war, dessen politische Interessen in dem Wunsche gipfeln, daß sämtliche Steuern aufgehoben, Schulen, soziale Anstalten und ähnliche überflüssige Unternehmungen gesperrt werden. Er kümmerte sich nicht um militärische Dinge, denn er belieferte keine Kaserne. Seine einzige Leidenschaft war das Kartenspiel. Schließlich konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Behörden auf den Rechnungsrottmeister vom Fliegerkorps. Sein Tisch und seine Bücher wurden gründlich durchsucht, dabei gewisse unvermeidliche Malversationen konstatiert, aber nichts gefunden, was Spionage bewiesen hätte. Etwa nach einer Woche wurde der Bäcker ent- flassen. Als ordentlicher und nützlicher Mensch war er als erster von den dreien an die Reihe gekommen. Ihm folgte nach einer Zeit der unglückliche Buchhalter, der betrugshalber degradiert und zu den Fliegern in die Slowakei versetzt wurde. In der Untersuchungshaft blieb nur noch Loisis, da der Untersuchungsbeamte eine fleinwinzige Spur entdeckte. Aber auch Loisis wurde endlich entlassen. Ein Klügerer hatte den Untersuchungsrichter beraten. Man hoffte, wenn sie freigelassen würde, gleich auf ihre Schliche zu kommen. So kehrte denn eines schönen Tages Loisis in die Hühnersteige zurück. Sie ahnte nicht, daß ihr ein Geheimpolizist folgte« der sie Tag und Nacht bewachen sollte. Eine unangenehme Aufgabe für einen Menschen, der gewöhnt ist, bei Nacht und nicht bei Tag zu schlafen. Loisis war an Leib und Seele gebrochen. Die Schwarze Kathi, die erste, die ihr begegnete, hatte den Eindruck, Loisis sei übergeschnappt und habe ein Radl zu viel. Sie sprach nur von Verfolgung, äußerte die Absicht, zu übersiedeln und forschte ununterbrochen nach demjenigen, der ihr das verhängnisvolle Dokument unterschoben hatte, um sie völlig zu vernichten. Obwcchl sie sich in der ersten Zeit nach ihrer Verhaftung an gar nichts erinnern konnte, begann es, als die Angst vor den Behörden geschwunden war, in ihrem Kopf zu hämmern. Sie entsann sich, irgendwo und irgendwann das unglückselige Dokument in Händen gehabt zu haben, konnte sich aber nicht besinnen, unter welchen Umständen es gewesen war. Zu Hause angelangt, versicherte sie, die ganze Begebenheit erstehe allmählich vor ihren Augen. Das unselige Papier hatte sie aus Ferdls Wohnung gebracht! Eine Menge solcher Papiexe waren in seiner Stube am Boden verstreut gewesen, sie hatte sie in de^ Tischlade geschlichtet und in eines davon die Flasche mit dem restlichen Eierkognak gepackt.„Der Ferdl macht feine Sachen, wer hätte das von ihm gedacht!" sagte sie. „Nach alldem, tvas ich gehört habe, muh ihm die Sache ein schönes Stück Geld eingetragen haben. Deshalb hat er in letzter Zeit gar nicht gearbeitet, hat wie ein Herr gelebt, die Buben heimlich abgerichtet und Gastmähler veranstaltet." Es konnte ihr niemand Übelnehmen, wenn sie für die erduldeten Leiden einen Teil von Bein, stellers Reichtum verlangte.„Eines ist gewiß: Der bucklige Lausbub muß jetzt, da ich ihn mit dieser Enthüllung in der Hand habe, stante pede heiraten. Es genügt, daß ich mich erinnere, wo ich den Fetzen hergenommen habe, damit er zehn Jahre in Karthaus sitzt." Währen- sich Loisis ungeduldig auf Beinstel- lerS Rückkehr freute, gingen in der Mitte und auf dem rechten Flügel der Hühnertzeige interessante Dinge vor. Als erste kam das stille Mariechen Maschin an die Reihe. Einige Tage nach der Verhandlung mit Beinsteller besuchte sie ein elegant gefleideter Herr, der sie vorwurfsvoll ansah, seinen Zylinder lüftete und sagte:„Du erkennst mich nicht mehr, Mariechen?" In diesem Augenblick erkannte sie ihn, wurde purpurrot und flüsterte:„Du meine Güte, Sie sind es, Herr Aschner?" „Berge kommen nicht zueinander, Menschen aber begegnen einander, namentlich wenn sie die Gelegenheit suchen." Hierauf errötete Mariechen von neuem und piepste:„Wer hätte das gesagt?" „Du forderst mich gar nicht auf, bei dir einzutreten?" fragte Aschner vorwurfsvoll. „Aber ich, Herr Aschner... Natürlich... Seien Sie, bitte, nicht böse, ich habe aber noch nicht aufgeräumt." „Das ist egal", sagte Herr Aschner.„Was liegt denn an einer solchen Kleinigkeit, wenn man feine erste Liebe nach fünfzehn Jahren wieder- fieht." Es folgte eine Pause und beide dachten an vergangene Zeiten. Herr Aschner hatte sich vor fünfzehn Jahren flüchtig in Mariechen verliebt und sie ebenso leicht verlassen wie die zahlreichen Frauen, die er vorher und nachher gekannt hatte. Er dachte an die Reihe seltsamer Zufälle, die ihm den Schatten seiner vermeintlichen ersten Liebe unaufhörlich in den Weg führten. Er erinnerte sich der schmutzigen Etappe in Galizien, wo er mit dem widerwärtigen Kerl, dem Maschin, Menagedienst versah. Dieser Maschin, der sich allabendlich wegstahl, um Mädchen zu vergewaltigen und mit gefälligen russischen Soldaten zu lumpen. Sie bestahlen gemeinsam die Division und teilten den Raub, den Maschin an die Mädchen verteilte, Herr Aschner aber versilberte, um für die Zeit des Friedens ein Betriebskapital zu ersparen. Eines Tages bekam Maschin eine Lebens- miüelfendung aus der Heimat Seine Fxau« der. er nie etwas schickte, sparte sich den Bissen vom Munde, in der Meinung, er entbehre so wie die anderen Soldaten. DaS hatte allgemeines Gelächter zur Folge und alle Kameraden wollten die Photographie der ausgezeichneten Frau sehen, die den verftessenen Regimentskameraden ausfüttern wollte. Herrn Aschner verging das Lachen, als er auf dem Bild sein Mariechen erkannte. DaS war das Schicksal dieser Frau... Seitdem sah Aschner stets das schlanke Mariechen vor sich, wenn Maschin zu den Mädeln eilte. Eines Tages fragte er ihn:„Wie bist du eigentlich zu deiner Frau gekommen?" Maschin erzählte nun bereitwillig und zynisch, wie er einmal in der Sommerftische die spindeldürre Lehrerin verführt hatte und sie auf Geheiß seines Chefs dann heiraten mußte.„Sie hat jetzt erreicht, waS sie wollte. Ich habe sie in der Nachbarschaft von Dieben und Huren untergebracht und tue mein Möglichstes, daß sie ständig in andern Umständen ist. Auf dies« Wesse hoffe ich, sie doch einmal loszuwerden, trotzdem sie unglaublich zäh ist." »Ich hätte nie vorausgesetzt, daß du so ein Schwein bist," antwortete Herr Aschner,„und habe große Lust, dich windelweich zu prügeln." Nach dieser Episode schickte Aschner Frau Maschin regelmäßig Nahrungsmittelpakete, auf deren Begleitadresse er den Namen ihres Mannes unterschrieb. Herr Aschner verliebte sich von neuem in Mariechen. Nach einiger Zeit wurde die Abteilung der beiden aufgelöst, und die zwei Köche wanderten jeder nach einer anderen Richtung. Herr Aschner schickte seine Pakete so lange nach Zijkov, bis er sich an der italienischen Grenze in eine Slowenin verliebte. Er heiratete sie nach dem Krieg, aber sie starb nach drei Jahren. Aschner fühlte sich sehr vereinsamt. Zu jener Zeit wurde er Reisender in einer Schokolade- und Zuckerwarenfabrik. .(Jortfeung folgt? Nr. 13» Seite» Freitag, 7. Juni 1935 faddendeufeder Zeitsp leget Franck I, Franck II Ein Leser schreibt uns:' In den Berichten über Vie Eidesleistung der Henle inparlamentarier in der Egerer Helden« -edenlhalle ist von einem Abgeordneten Franck I und einem Senator Franck II die Rede. Die beiden Parlamentarier haben verschiedene Taufnamen, so daß die Unterscheidung durch römische Ziffern kaum als notwendig erscheint, es sei denn, daß man sie als die„Kameraden" Franck durch die Namens« ergänzung mit römischen Ziffern besser auSeinan» Verhalten will. Das jedoch wäre ein« innerparteiliche Angelegenheit, die die Oeffentlichkeit nicht damindeste angeht. Die Bezeichnung Franck I und Franck II in öffentlichen Aeutzerungen der Gude- tendeutschen Partei ist aber um so verwunderlicher, als der eine Abgeordnete und der andere Senator ist, eine Verwechslung also ganz einfach durch dir Amtsbezeichnung vermieden werden könnte. Aber man geht Wohl nicht fehl, wenn man annimmt, Henlein habe sich mit der Einführung der Bezeichnungen„Franck I" und„Franck II" einen kleinen Spatz erlaubt; in der Hitlerfraktion des deutschen Reichstages gab und gibt es nämlich auch zwei Gestalten, die die Namen„Frank I" Und„Frank II" führen. ESistdeSGleich- klangs wegen. Und solche Scherze zu verbieten gibt es autzerdem keine gesetzliche Möglichkeit. Um so verständnisvoller zwinkern di« Eingeweihten.„, Rapport beim Chef? Henlein angeblich In Deutschland Das„A-Zet" will unbedingt zuverlässige Berichte darüber erhalten haben, datz Konrad Henlein am 8. d. M., in seinem Achtzylinder-Luxuswagen Asch verlassen und mit einigen Begleitern die Staatsgrenze in der Richtung auf Bad E l« fier überschritten habe. Das Blatt findet besonders auffallend den Umstand, datz die Prager Kanzlei der SHF. zwar zugibt, das Henlein„aus Urlaub" autzerhalb Aschs weile, aber feine Anwesenheit im Dritten Reich leugnet, die laut„A-Zet" unbedingt feststeht. Tannenberg-Orden auch In der CSR? Wie die„Lidovt Noviny" berichten, wird in der Reichenberger und Tannwalder Gegend unter ter deutschen Jugend fux ein, geheime Organisation, nämlich den sogenannten Tannenberg-Orden in Deutschland agitiert. Die Organisation hab« «in«n heidnisch-religiösen Anstrich und erwecke insbesondere in katholischen Kreisen Befürchtungen, datz die antichristliche Bewegung in Deutschland über die Grenzen greift. Es besteht schon ein ganzes Netz kleiner, geheimer Kreise dieser Organisation. Tagung der Angrstelltenjugend. Der Per« öands-JugendauSschuß des Allgemeinen Angestell» ien-Berbandes tagte Sonntag, den 2. Juni, in Eisenbahnabkommen mit Deutschland genehmigt Aufkauf der Strecke Reichenberg-Grottau Egerer Bahnhof unter tschechoslova- kischer Leitung< Im Ständigen Ausschuß der Nationalversammlung referierte Donnerstag Abgeordneter D u b i c k h über die Ratifizierung des Vertrages mit Deutschland vom Jahre 1921 betreffend die Regelung der Verhältnisse aus den Eisenbahnlinien, die über die deutsch-tschechoslowakische Grenze hinauögehen. Zwischen Deutschland und uns gibt es 83 Grenzbahnhöfe, darunter sehr wichtige wie Asch, Eger, Tetschen, Bodenbach, Jägerndorf, Troppnu Und Oderberg. Bisher waren die Verhältnisse für jede Station gesondert geregelt. Nunmehr werden für alle dieseUebergangSstationen einheitliche Vorschriften gelten. Der Einfluß des fremden EtsenbahnorganismuS auf unserem Staatsgebiet wird auf rin annehmbares Minimum eingeschränkt. Die Tschechoslowakei erwirbt daS Recht zum sofortigen Ankauf der Strecke Reichenberg— Grot» tau Staatsgrenze und übernimmt weiters die Ver» kehrsleitung auf dem wichtigen Bahnhof in E g e r. Hier bleiben zwar die beiden Strecken Eger— VoiterSreuth und Eger— Asch in reichsdeutschem Eigentum und Betrieb, aber in Eger selbst ändern sich die Verhältnisse von Grund auf in der Richtung, datz die Leitung und der Personenverkehr von der bisherigen reich-deutsche» auf die tschechoslowakische Eisenbahnverwaltung übergeht. Der Kaufpreis für die Strecke Reichenberg— Staatsgrenze beträgt 8.7 Millionen Mark, der diesbezügliche Kaufvertrag ist bereits vorbereitet und wird der Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden. Auf den beiden Egerer Strecken erwirbt die Tschechoslowakei daS Aufkaufsrecht mit 1. Jänner 1965, die Konzession selbst läuft bis zum Jahre 1998. Durch den Vertrag wurde auch festgelegt, datz diejenigen reichsdentschen Eisenbahner auf unserem Gebiete, die mit dem Publikum in Berührung kommen, zur Kenntnis der tschechischen Sprache ver- Bodenbach zu überaus wichtigen Beratungen, die neben der Berichterstattung vor allem der Behandlung der nächsten Arbeiten der BerbandS- jugendbewegung galten. Verbands-Jugendleiter Hermann Müller, Reichenberg, erstattete«inen günstigen Tätigkeitsbericht und sprach auch zu den in jeder Hinsicht bedeutungsvollen Arbeiten der nächsten Monate. Eine Reihe von Beschlüssen, die sich im sozialpolitischen Teile vor allem mit euer« Konrad Henlein hat in einer Berichtigung, die er dem„Sozialdemokrat" geschickt hat und die wir auS preßgesetzlichen Gründen am Mittwoch, dem 5. Juni, veröffentlicht haben, die Unwahrheit gesagt. Wir können dies vollkommen und überzeugend Nachweisen. Am Samstag, dem 4. Mai, brachten wir unter dem Titel„Henlein winselt um Gnade" eine Notiz, worin wir feststellten, datz gegen Konrad Henlein beim Kreisgericht in Eger und beim Landesstrafgericht in Prag Strafsachen wegen Verbrechens nach dem Schutzgesetz laufen und daß in diesen Strafangelegenheiten Henlein um Abolition (Niederschlagung des Verfahrens) angesucht hat. Daraufhin hat uns Konrad Henlein eine Berichtigung zugesandt, welche wir Mittwoch, den 5. Juni, gchracht haben. Wir wollen diese Berichtigung noch einmal hier wiederholen. Sie lautet: Es ist unwahr, datz gegen mich beim KreiSgericht in Eger ein« Strafsache wegen Verbrechens nach dem Schutzgesetz läuft. Es ist unwahr, datz ich in dieser Strafsache umAbolition(Niederschlagung des Verfahrens) angesucht habe. Es ist unwahr, datz gegen mich beim Landesstrafgericht in Prag eine Strafsache wegen Verbrechens nach dem Schutzgesetz läuft. Es ist unwahr, datz ich auch in dieser Strafsache um Abolition angesucht habe. Konrad Henlein. Die Berichtigung hat Henlein am 6. Mai 1935 unserem verantwortlichen Redakteur, Genossen Dr. Strauß, übersandt, doch ist es nach dem amtlichen Bericht der Post unmöglich gewesen, dem genannten Genossen den Brief zuzustellen. Am 23. Mai 1985 hat Henleins Anwalt die BrrtchtWUP ncucriich güsand^oüju:.Luch^cic Sy» stellung ist der Post laut deren Bericht nicht gelungen. Genosse Dr. Strauß hat von der Berichtigung erst Kenntnis erhalten, als Konräd Henlein den„Sozialdemokrat" wegen Abdrucks der Berichtigung geklagt hat. Als es am Mittwoch, den 5. Juni, zur Verhandlung kam, war nun inzwischen im„Sozialdemokrat"(vom gleichen Tage) die Berichtigung bereits abgedruckt. Da der Vertreter des Genossen Dr. Strauß, Genosse Doktor S ch w e l b, bei dieser Verhandlung nachweisen konnte, daß der Geklagte von der Berichtigung erst aus der Vorladung erfahren habe, hat der Rich« pflichtet sind. Die reichsdeutschen Angestellten haben sich loyal zu den Interessen unseres Staates zu verhalten und es gelten für sie unsere gesetzlichen Vorschriften. Dasselbe gilt umgekehrt für unser« Angestellten, die auf reichsdeutschem Gebiete Dienst machen.— Der ständige Ausschuß genehmigte nach dem Referat daS Abkommen. Eine flute Schule für die SHF „Lidovf Noviny" veröffentlichen ein« Charakteristik der heutigen politischen Situation der Henlein-Partei und sagen u. a: Die Sudetendeutsche Partei macht gleich nach den Wahlen eine gute politische Schule durch. Sie erkennt, daß die Totalität keinen großen Wert dort hat, wo ihr Prinzip in einer nationalen Gruppe siegt, welche im nationalen Ganzen eine Minderheit darstellt. Auch wenn die sudetendeutsche Partei volle hundert Prozent der Stimmen unserer Deutschen erhalten hätte, wäre sie ständig eine politische Minderheit. Die Totalitätsprinzipien können nur in national einheitlichen Staaten verwirklicht werden. Die Demokratie mißt nicht nur danach, wie stark eine Partei ist, sondern danach, wie eine Partei mit den Wrigen Parteien zusammenarbeiten kann. Die Sudetendeutsche Partei ist davon überzeugt: Warum verhandelt man nicht mit uns? Cs waren Deutsche, welche bereits in den Anfängen der Heimatfront darauf hingcwiesen haben, datz eine nationale Minderheit in ihrem eigenen Existenzinteresse die Demokratie verteidigen muß. Die Entwicklung dient aber im deutschen Lager entgegen diesen guten Ratschlägen und die Ironie der Entwicklung liegt darin, daß die demokratische Front in der Mehrheitsnation durch die Wahlen gestärkt, während sie im Lager der Minderheit— welche an der Erhaltung des demokratischen Regimes ein Existenzinteresse hat— geschwächt wurde. Schon einige Tage nach den Wahlen erkennt die Sudetendeutsche Partei, daß eine Totalität, durchgeführt in der nationalen Minderheit, noch nicht die Bürgschaft deS politischen Erfolges ist und daß sie der Minderheit letzten Endes sehr schaden kann. gischen Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit und für entsprechende Fürsorge für die jugendlichen Arbeitslosen im Angestelltenberufe und ebenso mit der Schaffung eines zeitgemäßen neuen Lehrlingsund Jugendschutzgesetzes befaßten, und auch den inneren Verbandsangelegenheiten gewidmet sind, gewährleisten einen weiteren Aufstieg der Jugendbewegung des Allgemeinen Angestellten-Verbandes. ter die Klage Konrad Henleins abgewiesen. Bei der Verhandlung hat sich nun etwas Interessantes ergeben. Der Vertreter Henleins, ein Dr. M e ß l e r, erklärte nämlich, daß er die Absicht gehabt habe, die Klage zurückzuziehen, weil der Inhalt der Berichtigung auf einem Mißverständnis beruhe und teilweise unrichtig sei. Er gab dabei folgeirde Erklärung ab: Der Vertreter de» Antragstellers verlangt, daß protokolliert werd«, daß er vor Einleitung der heutigen mündlichen Verhandlung dem Gericht bekannt gegeben hat, daß er den Antrag aus Veröffentlichung der Presseberich« tigung znrückzieht, und zlvar deswegen, weil die ursprünglich« Nachricht darüber» daß vor dem Strafgerichte in Prag ein Verfahren«egen den Antragsteller geführt wird und daß er in diesem Verfahren nm Abolition angesucht hat, nicht richtig ist, daß aber die zweite Behauptung dr» ursprünglichen Artikel» richtig ist in dem Maße, daß vor dem Kreisgericht in Eger gegen de« Antragsteller ein Strafverfahren geführt wird, in welchem er über Anregung de» Gerichte» um Abolition ange- sucht hat. Die Presseberichtigung dieses zweiten Punkte» ist durch rin Mißverständnis erfolgt. Es hat sich also herauSgestellt, daß die von Konrad Henlein versandte Berichtigung, die wir aus prehgesetzlichen Gründen am Mittwoch, dem 5. Juni, gebracht haben, derWahrheitnicht entspricht, daß vielmehr Konrad Henlein in einer Berichtigung zugestandenermaßen die Unwahrheit gesagt hat. Es kann überall und jederzeit behauptet - werden, daß Herr Konrad Henlein in einem weder für ihn noch für die Oeffentlichkeit gleichgültigen Falle dir Unwahrheit gesprochen hat. ES ist selbstverständlich, datz sich die Redaktion des'„Sozialdemokrat" ein solches der Wahrheit widersprechende Vorgehen des Herrn Konrad Henlein nicht gefallen lassen und daß Herr Konrad Henlein alle Folgen für diese öffentlich ausgesprochene Unwahrheit zu tragen haben wird. DaS Pretzgesetz gibt uns die Möglichkeit, gegen Herrn Konräd Henlein gerichtlich vorzugehen und wir werden das auch tun. Watfenfund In der Bahnhofsgarderobe In Verbindung mit dem Königunord von Marseille Paris. Ein Aufsichtsbeamter der Staats« bahngesellschast hat bei der Durchsicht einiger seit Monaten auf dem Bahnhof St. Lazare erliegender Gepäckstücke, um die sich niemand gemeldet hatte, eine seltsame Entdeckung gemacht. Eines dieser Gepäckstücke enthielt verschiedene Waffen, darunter eine Handgranate und mehrere Schnellfeuerpistolen. Der Aufgabevermerk lautete aus Anfang Oktober 1934. Die sofort benachrichtigte Polizei konnte zu ihrer Ueberraschung feststellen, daß es sich um gleiche Waffen handelt, wie man sie bei dem Mörder des Königs Alexander gefunden hat. Die Staatsanwaltschaft hat den Koffer versiegelt. Jetzt wird nach dem Ursprung der Waffen geforscht. Man nimmt an, datz die in Marseille in Untersuchungshaft befindlichen drei Kroaten, die bisher jede aktive Teilnahme an dem Anschlag in Abrede stellen, den Ursprung dieser Waffen kennen, sie vielleicht sogar selbst aufgegeben haben, so daß der Waffenfund auf dem Pariser Bahnhof zu einer Ueberführung beitragen könnte. Renault freigesprochen Paris.(Tsch. P.-B.) Das Pariser Schwur- gericht hat den ehemaligen Justizminister und radikalen Senator Renö Renault, der bekanntlich angeklagt ivar, als Ziviladvokat seine Stellung als ehemaliger Justizminister zur Beeinflussung der Gerichtsbehörden mißbraucht zu haben, damit sie seinen Klienten Stawisky, der wegen Betrügereien verhaftet worden war, auf freien Fuß setzen, nach zweitägiger Verhandlung freigesprochen. Entscheidend für die Fällung des freisprechenden Urteils war die Aussage des ehemaligen Staatsanwaltes, der erklärte, datz die In« tervention Renaults nicht den Charakter einer unlauteren Beeinflussung hatte. Die Hölle von Erythrfla Rom.(AP.) Unaufhörlich dringen neue Klagen über die LeVenbbedingungen der italienischen Soldaten«nd Arbeiter in Erythrita nach der Heimat. Die Barackenbauten bieten keinen Schutz gegen die von den Insekten drohenden Gefahren, insbesondere gegen die Ameisen^drren Biß Blutvergiftung hervorruft. Auch Bisse kleiner Schlangen vom Typ der Kobra sind häufig. Di« Zahl der nach Italien zurücktransportirrten Kranken wird immer größer. Abessinien bereitet sich auf alle Möglichkeiten vor Addis Abeba. Die maßgeblichen Kreise in Addis Abeba zeigen gegenüber dem abessinischitalienischen Streitfall eine abwartende Haltung. Man will, bevor man irgendivelche weiteren Maßnahmen ergreift, das Ergebnis der Verhandlungen vor dem Bülkerbundsschiedsgericht abwarten. Im übrigen gehen die Vorkehrungen weiter, die man, wie erklärt wird, getroffen hat, um allen Möglichkeiten vorbereitet gegenüberzustehen. Vie Wiener Polizei blamiert sich Wien.(Tsch. P.-B.) Im Rahmen der Untersuchung gegen die illegale nationalsozialistische Korrespondenz„Jllkor" gelang es der Wiener Polizei nach ihrer^eigenen Mitteilung, gestern eine zweite Kanzlei dieser Korrespondenz in der Rosengasse in der inneren Stadt auszuforschen. Der Inhaber der Kanzlei, die nach außen hin als chemisch-technisches Laboratorium bezeichnet war. — Jng. Ed. Kindermann wurde verhaftet und die Kanzlei geschlossen. Unterdessen erschien aber e i n e y e u e N u m m e r der llort:esppndenz.^W^'-,ru..etzrem Leitartikel po-, lemisiert diese Korrespondenz gegen ,die Nachrichten der Polizei und der Blätter und erklärt, datz sie weiter erscheinen werde. Weiter heißt eS in der Korrespondenz, daß sie nicht wie einige Blätter behaupteten, im Auslande erscheine, sondern ihrenSitz inWienin unmittelbarer Nähe der Polizeidi- r e k t i o n habe. Das übrige Material, das diese Nummer der Korrespondenz enthält, betrifft hauptsächlich die eben im Zuge befindliche Reorganisierung des österreichischen Bundeöheeres. Aus einem Kleinstaat... Wie«. Auf Grund des Ermächtigungsgesetzes hat die Regierung im letzten Ministerrat ein Gesetz„zum Schutze des Ansehens" beschlossen. Es sieht das Verbot von Druckwerken und Zeitungen vor, wenn sie über geschichtliche Begebenheiten Behauptungen oder Bilder enthalten, die„eine Beschimpfung» Verspottung oder eine Schmähung Oesterreichs darstellen oder eine Verunglimpfung um Oesterreich verdienter Personen" enthalten.- hach 40tägiger Beratung genehmigt das Unterhaus die indische Verfassungsreform London. DaS Unterhaus nahm in der Nacht zum Donnerstag die Gesetzesvorlage Über die indische VcrfassungSreform in dritter Lesung mit 386 gegen 122 Stimmen an und verabschiedete damit nach einer Beratung von insgesamt 40 Tagen das umfangreichste Gesetzeswerk, das dem englischen Parlament jemals vorgelegen hat. Nutzer den Mitgliedern der Opposition und der Unabhängigen Arbeiterpartei stimmt«« etwa 70 Konservative g eg e n die Regierung. Die Liberale Oppositionspartei Sir Herbert Samuel» stimmt» für das Gesetz. Madrid. Der ehemalige Präsident des halbautonomen katalanischen Kreises Luis Companys wurde wegen der führenden Rolle, die er bei dem katalanischen Aufstand im Oktober des Vorjahres innehatte, zu 80 Jahren- Gefängnis ver« urteilt. Berlin(A. P.) I a k o b G o l d s ch m i d t, der bekannte frühere Leiter der Darmstädter Na« tionalbank, wurde von Schacht beauftragt, in New Nork die Hilfe amerikanischer Bankier» für eine Anleihe zu erlangen. Datz man hier nicht nach dem Arierparagraphen fragte, zeigt die verzweifelte WirtschaftSsituation Deutschlands, „Konrad Henlein winselt um Gnade“ Seine berichtigens an uns von seinem Anwalt als unwahr erklärt l Seite 4 Freitag, 7. Juni 1935 Nr. 133 TlgestremgLeiktl Die verweste Stadt S i m l a. Alle Bergung s- und Aufräu- mungsarbeiten in Quetta muhten eingestellt werden, da aus den Trümmern ein derart unerträglicher Verwesungsgeruch horvordringt, daß es niemand In nächster Nähe, geschweige denn in den Straßen der Stadt, aushält. Unter den Trümern der Häuser liegen noch Tausende von Leichen. In der Stadt befindet sich keine lebende Seele mehr. Das Militär hat einen mehrfachen Kordon gezogen und läßt niemanden an die Stadt heran. Verhagelte Ernte Dienstag abends ging über der karpathorussi- schcn Bezirksstadt I r s a v a und deren Umgebung ein heftiges Hagelschlag-Unwetter nieder, das binnen 40 Minuten die Gegend von Jrsavn und Dubrovka in eine eisbedeckte F l ä qpe verwandelte. Vor dem Bezirksamt lagen Hagelschlossen bis zu einer Höhe von einem halbenMeter. Auf einer Fläche von 8000 Joch wurde die M a i s- und Roggen- s a a t stellenweise bis zu 60 Prozent v e rn i ch- nieder, das binnen 40 Minuten die Gegend von troffenen ausgenommen worden. 400 San Pedro. Bis in die Abendstunden des Mittwoch wurden im mexikanischen Ueberschwem- mungsgebiet 124 Leichen identifiziert, Ivährend die Identität einer großen Anzahl' von Leichen bisher nicht festgestellt, werden konnte. Man glaubt, daß etwa 400 Personen bei der Ueber- schwcmmung ums Leben gekommen sind. 69 koreanische Fischerboote vermißt Soeul. In der Nacht auf Donnerstag herrschte in Korea ein starker Sturm. Nach bisherigen Meldungen ist besonders der Hafen von Gensan stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort wurden 500 Häuser durch den Sturm zerstört; eine Fischerflotille von 69 Booten ist nicht nach Gensan zurückgekehrt. Der Dampfer „Kaischo Naru" ist mit seiner 28köpfigen Besatzung gesunken. Die Katastrophe hat noch mehr Todesopfer auf See gefunden. 600 Häuser ntedergebrauut Shanghai. In N a n k i n g brach außerhalb der Stadtmauer ein Brand aus, der in kurzer Zeit eine riesige Ausdehnung annahm. Mehr als 600 Häuser der chinesischen Bevölkerung wurden durch die Flammen völlig zerstört. Die Häuser befinden sich im Hafenviertel Nankings. Der Sachschaden soll mehrere hunderttausende chinesische Dollars betragen. Wolfsplage l« Karpathorutzland Aus U j h o r o d wird berichtet: Im Bezirke S v a l a v a wüten auf den Vcreäanyer Weideflächen unetr den dort weidenden Fohlen Wölfe. Am 16. Mai wurde ein dreimonatiges Fohlen von Wölfen zerrissen und Ende Mai ein zweieinhalbmonatiges Fohlen auf der Hutweide Kopania. Die Bevölkerung hat dem Bczirtsamte die Anwesenheit von Wolfsherden gemeldet und veranstaltet in den Wäldern Jagden. Der Stammbaum der Meuchelmörder. Das A und O nationalsozialistischer Geschichtsbetrachtung ist bekanntlich die Verherrlichung des Germanentums. Was die„Altvordern" taten, war auf jeden Fall richtig und beispielhaft und wenn sie ihre Gefangenen schlachteten oder am Spieße rösteten, so geschah das zu einem höheren,„im Sinne des Volkstums" liegenden Zweck, so, wie ja auch die Nazis schließlich ihre„Volksgenos- sen" umbringen, um die„Volksgenreinschaft" herzustellen—! Jetzt aber ist im Verlage von M F. K ö>h l e r-Leipzig ein Buch erschienen, das die„hochgespannte vitale Naturkultur" der Ger- manen als ausgesprochenen Banditenri-, t u s entlarvt.Das Buch heißt„G e r m a n i sch e F u h r e r k ö p fe" und ist von einem gewissen Heiner Schilling geschrieben(der vielleicht demnächst im Konzentrationslager landen wird). Aus diesen„Führerköpfen" ersehen wir, daß Armin, der Cherusker, Civilis und Chlodwig „nicht vor Verrat und M e u ch e l m o r d zurückschreckten", und daß überhaupt die germanischen Führer„voller Verschlagenheit, Falschheit und V e r w-o r f e n h e i t" waren. Woraus sich eines auf jeden Fall ergibt: daß die Nazis zu Recht die alten Germanen als ihre Vorfahren betrachten! Heinrich Mann will Tschechoslowake werden. Der im Jähre 1933 aus Deutschland nach der Tschechoflowakei ausgewanderte 64 Jahre alte Romanschriftsteller Heinrich Mann, ein Bruder des bekannten Dichters Thomas Mann, hat sich um das Heimatrecht in Reichenberg beworben. Heinrich Mann hat seinen ständigen Wohnsitz in Prag und hält sich zur Zeit in Nizza Reichsdeutscher Eingriff in tschechoslowakische Verlagsfreiheit Gin eigener Erlaß gegen die Karlsbader„Graphia" Die deutsche Regierung bekämpft die deutsche Literatur, die außerhalb der Reichsgrenzen erscheint. Mit besonderem Haß verfolgt sie dabei die Verlagsanstalt„Graphia" in Karlsbad. Dieser Haß hat das folgende neue Verbot erlaßen, das im Reichsanzeiger vom 27. Mai 1935 Nr. 122 veröffentlicht ist: „Amtliche Bekanntmachung" Ich habe auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuh von Volk und Staat vom 28. Feber 1933 die Verbreitung der nachstehend genannten ausländischen Druckschriften im Inland bis auf weiteres verboten: 1.„Verse der Emigration"(Prag, Tschechoslowakei) 2.„Deutsche Flüsterwitze" 3.„Die Gewerkschaften in der Demokratie und in der Dittatur" 4.„Geschichte der Deutschen Republik", sowie 5. alle noch künftig erscheinenden Druckschriftendes Graphia» VrrlagrS in Prag. Berlin, den 23. Mai 1935. Der Reichs- und preußische Minister des Innern i. A. Daluege. Das Verfahren ist summarisch: Was immer auch die Verlagsanstalt Graphia veröffentlichen wird, ist heute schon in Deutschland verboten, gleichviel ob es sich um Kampfschriften oder um die Gedichte Goethes handeln sollte. Es ist eine völlig neue Zensur-Methode, Bücher zu verbieten, ohne Ansehung ihres Inhaltes und ihres Charak- ktuf. Er ist staatenlos, da ihm die reichsdeutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden ist. Heinrich Mann bewirbt sich um die Zusicherung der Aufnahme in den Reichenberger Heimatverband, um sich auf Grund derselben um die tschechoslowakische Staatszugehörigkeit bewerben zu können. lieber das Ansuchen soll noch im Laufe dieses Monates Beschluß gefaßt werden. Die Erholungswoche der Angestelltenjugend im Allgemeinen Angestellten-Verband, die von bestem Wetter begünstigt, während der Zeit vom 23. bis 29. Mai in Hirschberg am See stattfand, nahm den erwarteten allerschönsten Verlauf. Unter der Leitung des Verbands-Jugendleiters Hermann Msiller verbrachte eine große Anzahl jugendlicher Angestellter einen ideal gestalteten Urlaub, der der' Erfrischung und Erneuerung der geistigen wie körperlichen Fähigkeiten galt und Kraft und Mut für das weitere Alltagsleben verlieh. Die notwendigen Ruhestunden wechselten ab mit— in der herrlichen Frühlingsnatur überaus erlebnisreichen— Wanderungen, mit Sport und Spiel, Rudern und Baden und vor allem auch mit der Pflege geselliger und bildender Unterhaltungsstunden. Üeberaus zufriedengestellt und mit neuem Rüstzeug für das Arbeitsleben gewappnet kehrten am letzten Tage die Teilnehmer in ihre Heimat zurück. Die Erholungswoche eirdigte damit mit einem vollen Erfolge. Arbeitgeber» die die Einkommensteuer des Angestellten tragen, müssen auch die Zuschläge bezahlen. In vielen Dienswerträgen ist vereinbart, daß der Arbeitgeber die vom Angestellten zu bezahlende Einkommensteuer trage. Diese Vereinbarung ist nach Erlaß der Bestimmungen über die Zuschläge zur Einkommensteuer von einer Reihe von Unternehmungen so ausgelegt worden, daß der Arbeitgeber wohl die Einkommensteuer, aber nicht die Zuschläge zu ihr zu bezahlen habe. Der Einheitsverband der Privatangestellten hat in einem bestimmten Falle die grundsätzlich wichtige Frage zur gerichtlichen Entscheidung gebracht. Nachdem schon die erste und die zweite Instanz zugunsten des Angestellten entschieden hatten, hat jetzt die dritte Instanz, das Oberste Gericht, diese Entscheidung bestätigt. In der Urteilsbegründung wird ausgesprochen, daß zu der Einkommensteuer auch die Zuschläge gehören. Ein Arbeitgeber, der sich verpflichtet habe, für den Angestellten die Einkommensteuer zu tragen, müsie auch die Zuschläge bezahlen. Der Dumbier gibt seine Opfer frei. Gestern erhielt der Klub der tschechöslolvakischen Touristen in Prag die Mitteilung, daß die Angestellten der Stefanik-Baude am Dumbier in der Stiavnicka Dolina Mittwoch nachmittags, etwa 200 Meter von der Baude• entfernt, die Leiche des seit dem 6. Jänner vermißten Studenten Rudolf Ku- b i n aus Hrusov gefunden haben. Aus der Schneedecke ragten der Kopf und die Skier heraus. Es wurden sofort die näheren Umstände, die zu dem Unglück geführt haben, rekonstruiert: Bei dichtem Nebel hatte Kubin vom Gipfel des Dumbier die Talfahrt angetreten, durchbrach in voller Schußfahrt die vereisten„Vorhänge", die über den Quellen der Stsavnice hingen, und stürzte ab. Er riß eine große Schneemcnge mit sich, welche ibn begrub. Die Eltern des Toten sowie die Gendarmeriesdation in Lipt. Sv. Mikulas sind benachrichtigt worden. Um die Leiche herum waren im Schnee die Spuren aller drei zur Baude gehörenden Bernhardiner sichtbar, welche mehrere Tage hier gesucht und Zeichen von Unruhe an den Tag gelegt hatten, der man aber keine Aufmerksamkeit widmete. ters, nur weil sie in einem bestimmten Verlag erscheinen. Mit dieser Methode will man offensichtlich hitlertreue Verlage begünstigen und Einfluß auf die Tendenzen der deutschen Verlage außerhalb der Reichsgrenze erzwingen, die für den Absatz ihrer Produktion den deutschen Markt suchen. Dieser ungeheuerliche Eingriff des Dritten Reiches in die Verlagsfreiheit der deutschen Nachbarstaaten, verdient stärkste Beachtung. Das mitgeteilte Verbot des deutschen Innenministeriums ist zudem mit einer Liederlichkeit gearbeitet, die eine Verwahrlosung des Rechts und der Verwaltungsarbeit unter dem jetzigen System offenbart. Keiner der Autoren der verbotenen Bücher ist angegeben. Das mag bei dem Buch von Professor Arthur Rosenberg„Geschichte der Deutschen Republik" Absicht sein, weil man das Ansehen dieses Historikers fürchtet und seine frühere Lesegcmeinde in Deutschland auf das neue Geschichtswerk nicht aufmerksam machen will. Daß aber die Berlagsanstalt Graphia nach Prag verlegt wird, während sie ihren Sitz in Karlsbad hat, ist eine der Schlampereien, wie sie heute in Berlin offenbar üblich sind. So hat am 16. Mai 1935 der Reichs- und preußische Minister des Innern, ebenfalls gezeichnet Daluege, im Reichsanzeiger „die Druckschrift„Slovenec"(Laibach, Tschechoslowakei)" amtlich verboten. Die Herren, die sich als die Schirmherren des Auslandsdeutschtums aufspielen, haben nicht einmal gewußt, daß die Stadt Laibach nicht in der Tschechoslowakei liegt! Am 20. Mai mußte Herr Daluege dann wieder den Reickisanzeiger bemühen, um in einer neuen amtlichen Bekanntmachung mitzuteilen» daß Laibach in Jugoslawien liegt! Ein neuer Sieg des roten Basel. Ein von einem allbürgerlichen Aktionskomitee im Kanton Basel-Stadt eingebrachter Gesetzentwurf, der den 1. Mai als Staatsfeiertag aufheben wollte, ist in der Volksabstimmung am 2. Juni mit der unerwartet starken Mehrheit von 22.172 gegen 14.244 Stimmen abgelchnt worden. Dieser Erfolg reiht sich würdig an die Eroberung der Regierungsmehrheit durch die sozialdemokratische Partei am 24. März und an das Baseler Abstimmungsergebnis über die Kriscninitiative an, wo die Kantone Basel-Stadt und Basel-Land weitaus am besten abgeschnitten haben. Zwei Häuer getötet. Wie die Bergbehörde mitteilt,- ereignete sich in-der Nachtr-züm 5,-Juni auf der Schachtanlage„Alter Hellweg" in. Unna(Westfalen) ein schwerer Schießunfall, dem zwei Häuer zum Opfer fielen. Der Häuer Böttcher wurde sofort getötet, während der Häuer Höllen einige Stunden später, den erlittenen Verletzungen erlag. Der Unsäll ereignete sich beim Abteufen eines Gesenkes, bei dem offenbar Sprengstoffreste angebohrt wurden. Saufen, raufen— zwei Tote. In Niedzie- lisk(Polen) kam es zwischen Militärpflichtigen, die nach erfolgter Musterung ein Trinkgelage veranstalteten, zu einer wüsten Schlägerei. Die jungen Burschen gerieten so hart aneinander, daß zum Schluß zwei Tote und mehrere Verletzte auf der Kampfstätte zurückblieben. Die Untersuchung ist eingeleitet. Das Kurtyak-Organ eingestellt. Das Landesamt in Uzhorod hat für die Dauer eines halben Jahres das Erscheinen des offiziellen Wochenblattes der autonomen landwirtschaftlichen Sojuz- Partei„R u s k h V i st n i k" wegen unzulässiger Schreibweise eingestellt. Das erwähnte Blatt, Organ der Kurtyak-Partei, war mehrmals beschlagnahmt worden und das Kreisgericht in Uzhorod sprach zu Beginn des Monates Mai die Möglichkeit der Einstellung auf ein halbes Jahr aus. Durch den Streik in den Elektrizitätswerken von Toledo im USA-Staate Ohio wird die Versorgung von-mehr als zwanzig Städten in Ohio, Indiana und Michigan mit Licht- und Kraftstrom bedroht. Die Födexal- regierung versucht, in den Streik vertnittelnd einzugreifen. In Toledo haben bereits einige Unternehmen, die etwa 1000 Arbeiter beschäftigen, den Betrieb eingestellt.- Die vom Streik bedrohte Gegend zählt eine halbe Million Einwohner. Ein Großunternehmen nach dem andern wird wegen Mangels an Strom stillgelegt, wodurch 30.000 Arbeiter zum F e f e rn gezwungen werden. Diebsfahrteu im Aut». Den Gendarmerie- fahndungsstationen in Pilsen und in K l a d n o gelang es unter Mithilfe der Gendarmerie von Ro- An unsere Abonnenten und Ko'porteure! Anläßlich der Pfmgstfeiertage entfällt die Ausgabe unseres Blattes vom Dienstag, den 11. Juni 1935. Die Verwaltung. khcan den 23jährigen Chauffeur Franz Ilse und den 35jährigen Gastwirt Karl K r o f t a aus Svath KriZ bei Rokycan zu verhaften, die im Gebiet von Rokycan und Horovic zahlreiche Diebstähle verübten. Zu den Diebstählen benützten sie ein Auto. Mit Hilfe der Zigeuner Serinek und Janecek raubten sie auf dem Lande Geschäfte aus, worauf sie :nit den gestohlenen Sachen immer rasch verschwanden. Bei Ilse und Krofta wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen und der größere Teil der gestohlenen Sachen beschlagnahmt. Bei Ilse, del aus Mähren stammt, wurde außerdem ein Teil der Gegenstände gefunden, die aus in Mähren begangenen Diebstählen herrühren. Kampf um Heliumgas. Die Führung voll Luftschifflinien ist in hohem Grade von der Bereitstellung genügender Mengen Helium abhängig. Bisher hatte Nordamerika das Monopol. Die ergiebigsten Erdgasquellen liegen in Texas. DaS dort befindliche Petronia-Feld ist mit rund 28 Mil- liarden Kubikmetern das heliumreichste Feld der Erde. Bei Fortworth werden täglich 10.000 Kubikmetern Heliumgas hergestellt. Außerdem war in Alberta(K a n a d a) eine Heliumquelle entdeckt worden, die jährlich 1 Million Kubikmeter lieferte und von der England profitterte. Schon seit vielen Jahren suchte man nun auch in E u r o p a nach Heliumquellen, jedoch vergeblich. Bemühungen in Hannover waren erfolglos. In Estland wurde ein kleines Vorkommen festgestellt. Erdgasquellen im russischen und rumänischen Erdölgebiet ergaben nur geringe Quantitäten. Nun kommt die sensationelle Nachricht, daß auf den schwedischenJnseln Oland und Gotland so ergiebige Heliumgasquellen gefunden worden sind, daß man für möglich hält, den Kampf mst dem amerikanischen Welttnonopol aufzunehmcn. Damit würde auch infolge des Wegfalls der Transports kosten der Bezug des Heliums verbilligt werden, das wesentlich teurer ist als Wasserstoff. Mädchrnhändler. Die Budapester Posizei hat einen gefährlichen Mädchenhändler verhaftet, den gerade im Begriff war, eine junge Provinzschau« spielettn mit dem Triester Schnellzug nach der Insel Malta zu schaffen. Wie festgestellt wurde, ist et bereiiswegcn ähnlicher Vergehen''äu? Italien miss! gewiesen worden. Die bisherigen' polizeilichen Untersuchungen haben ergeben, daß der Mädchenhändler bereits eine große Anzahl ungarischer Mädchen, an die Spelunken verschiedener Städte des Orients- verkauft hat. Einer der zahlreichen Gehilfen des Mädchenhändlers konnte gleichfalls festgenommen werden. Die Posizei glaubt auf die Spur einer weiwerzweigten internationalen Mäd- chenhäicklerbande gekommen zu sein. Besseres Wetter in Sicht. ImSüdosten des Festlandes ist Donnerstag eine weitere Erwärmung eingetretew In Rumänien und Jugoflawien wurden am Nachmittag 30 bis 33 Grad verzeichnet. In unseren Gegenden herrscht dagegen bei auffrischendem Südwestwind unbeständiges und kühleres Wetter mit zahlreichen Regenschauern, strichweise in Begleitung von Gewittern. Auch im Osten der Rt- publik hat es sich nunmehr ebenfalls abgekühlt. In Böhmen sank die Temperatur nach den Regenschauern stellenweise auf 15 Grad. Im Bereicht höheren Luftdruckes, der sich vom Westen her gegen Mitteleuropa ausbreitet, dürfte eine rasche Besserung des Wetters eintreten.— Wahrscheinliches Wetter von h e u t e: Im westlichen und mittleren Teile der Republik verttngerte Bewölkung, bereits vorwiegend trocken, mäßig wann, abslauender Wind. Im Osten noch unbeständig,- Vom Rundfunk tapfnMnniwnrlu au««tun Programmen 1 SamStag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 12.30: Blasmusikkonzert. 13.35: Unterhaltungsmusik. 16.10: Rundfunk für die Jugend, 18.20! Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.30: Das Braunquer Ländchen. Hörfolge. IS.io: Schallplatte» von Smetana: aus der Verkauften Braut.— Sender 14.10: Deutsche Sendung- Grotesken und Humoresken„Von Tod und Teufel"- — Brünn: 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutschs Sendung: Unterhaltungsmusik. 18.45: Tanzmusik- — Mähr.-Oftran: 18.10: Schrammelmusik. 19 30: Unterhaltende Orcheftermusik, 22.45: Orchesterkou- zett.— Kascha«: 12.3: Orchesterkonzert. Jugoslawische Gendarmerie richtet ei« Blutbad a« B e l g r a d. Im Kupferbergwerk B o r in Serbien kam cs Mittwoch nachmittags zwischen serbischen Bauen» und Gendarmerie zu einem blutigen Zusammenstoß. Gegen 300 Bauern, deren Felder durch die dem Bergwerk entströmenden giftigen Gase vernichtet wurden, erschienen vor der Bergwerksdirektion, um die Einstellung der Arbeit im Bergwerk bis zum vollen Erlag der den Bauern kommiffionell zuerkannten Entschädigungen zu erzwingen. Nach einem amtlich«» Bericht wurden von den Bauern an 30 Revolverschüsse gegen die intervenierenden Gendarm«: abgefeuert, worauf diese von der Feuerwaffe Gebrauch machten. Ein Bauer wurde g e t ä t e ein zweiter tödlich, vier Bauern schwer und neun Bauer« leicht verletzt. Nr. 133 Freitag, 7..Juni 1935 Seite 5 1938 überschüssigen Fang angemessen entschädigen zu I er dessen Einschreiten für können. l verlangt. Die Blüte der deutschen Kultur im Dritten Reich kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Universität Breslau, eine der ehedem blühenden Bildungsstätten des deutschen Volkes, nur noch 600 Studenten hat und daß die Zahl der Studierenden von der Zahl der Professoren und Dozenten übertroffen wird. Diese Daten hat der preußische Kultusminister Rust bei der Jubiläumsfeier der Breslauer Universität selbst vor- «bracht. Sofern es sich nicht um einen Rückfall Rusts in seine Geisteskrankheit handelt, sind die Angaben wohl echt. Rust vergaß leider zu sagen, seit wann und warum es um die deutschen Hochschulen so schlecht steht. Es würde sich sonst ergeben, daß es seit 1933 in Deutschland mit Bildung und Kultur ebenso bergab geht wie mit dem Wohlstand der unteren Volksklassen. Hoffentlich hat der Rektor der Prager deutschen Universität, Professor Grosser, der bei der Breslauer Feier zugegen war, die Situation der reichsdeutschen Hochschulen nicht ohne Nutzen besehen! Nachdem der tschechoslowakischen Ausfuhrindustrie die früher gegebenen Absatzmärkte in Europa, vor allem in den südosteuropäischen Ländern nur noch in ganz geringem Umfange offen stehen, gewinnt der Handel mit Uebersee immer wachsendere Be- d e u t u n g. Es sind die asiatischen und die südamerikanischen Länder, in denen dem tschechoslowakischen Handel noch Chancen gegeben sind. Aus der Länderstatistik des Außenhandels unseres Staates ergibt sich bereits die erfreuliche Feststellung, daß die tschechoslowakisch e A u s f u h r, die etwa in dem gleichen Umfang, in dem der Welthandel infolge der Weltkrise überhaupt abstürzte, zurückgegangen war, sich nach allen für den Außenhandel wichtigen U e b e r s e e l ä n d er n wieder nach oben bewegt. Zum Vergleich ist nachstehend der wertmäßige Umfang der tschechoslowakischen Ein- und Ausfuhr mit den bedeutenden Ueberseeländern in den ersten vier Monaten der Jahre 1938. 1934 und 1933 gegenübergestellt. gleich günstig hat sich der Handel mit China, Palästina und Mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika entwickelt. Allein im Handel mit den Bereinigten Staaten ergibt sich in dm ersten vier Monatm 1935 ein Ausfuhrüberschuß von über 85 Millionen Kronm. Mit Argentinim, Australien, Brasilien, Britisch-Jndien, Niederländisch-Jndien und Aegypten war der Außenhandel für die Tschechoslowakei in den ersten vier Monaten 1935 passiv, am stärksten mit Aegypten(36 Mill. Kc) und Britisch-Jndien(über 60 Mill. KL). Von der Gesamteinfuhr, die in dem gleichen Zeitraum insgesamt 1866 Mill. KL betrug, entfielen auf die obenstehenden Länder 340 Millionen KL; von der Gesamtausfuhr in Höhe von 2037 Millionen KL nahmen die gleichen Länder für 371 Millionen KL auf. Unter Einrechnung der nicht angeführten überseeischen Länder ergibt sich demnach, daß in dm erstm vier Monatm 1935 mehr alS ein Fünftel unserer Gesamtausfuhr von dm überseeische« Ländem aufgenommm worden ist. Daraus geht die Notwendigkeit der besonderen Pflege und des' Ausbaues der tschechoslowakischen Handelsbeziehungen mit den Ueberseestaatem hervor. Die Moskauer Untergrundbahn. Laut Befehl i des BolkSkoinmissärS Ordschonikidses wird in die« ! sem Monat der Bau der zweiten Strecke der Moskauer Untergrundbahn in einer Länge von elf Kilometern ausgenommen werden. Die Bau« arbeiten sollen Mitt« 1937 zum Abschluß gelangen. Masem. Im mittelamerikanischen Staat San Salvador hat eine Masern-Epidemie größten Umfang angenommen. Achtzig Prozent aller Kinder wurden von der Krankheit befallen. Die Regierung hat die dreiwöchige Schließung aller Schulen angeordnet. Ei"e„Verschwörung" gegen Elektrizitätswerke. In Kalkutta wurde jetzt die Verhandlung im Prozeß gegen die Mitglieder einer Bande beendet, die eine weiwerzweigte Verschwörung zur Schädigung der Kalkutter Elektrizitätswerke organisiert hatte. Systematisch nahmen die Mitglieder der Bande Eingriffe in den Mechanismus der elektrischen Zähler für den Stromverbrauch vor. Acht Mitglieder dieser betrügerischen Gesellschaft wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu zwei Jahren verurteilt, vier weitere Mitglieder wurden freigesprochen. Durch diese systematischen Betrügereien wurde die ElektrizitAsgesellschaft um viele Millionen Einheiten geschädigt und da diese Betrügereien lange Jahre hindurch verübt wurden, geht der Schaden ins Unermeßliche. Die bedeutendsten Mitglieder dieser Betrügerbande waren der Besitzer eines Kinos in Kalkutta namens > Abdul Azim, der mit drei anderen Komplizen äb- geurtcilt werden wird. Die Mmschmräuter in USA. Die Polizei von Portland hat die Verhaftung von weiteren vier Männern in Verbindung mit der Entführung des jungen Georg Weyerhäuser angeordnet, der gegen ein Lösegeld von 200.000 Dollar von den Entführer« freigegeben worden war. Heringsöl. In Sö^veden glaubt man endlich eine gewinnbringende Verwendung für den lieber- schuß an HeringM. die solange fortgeworfen werden mußten, gesunden zu haben.- Es ist gelungen, ein Verfahren zu entdecken, durch das ein vitaminreiches Oel aus Heringen gewonnen wird. Außerdem gewinnt man Fischmehl, und zwar werden die Heringe so gedörrt, daß ihr Fettgehalt dabei nicht verloren geht. Durch die Entwicklung dieser neuen Industrie hofft man, di« Fischer in Zukunft für den Rückzug KruPpS aus Schwede«. Das Gesetz über die Kontrolle der Rüstungsindustrie, das von der sozialdemokratischen Regierung Schwedens im Parlament durchgesetzt worden ist, hat Krupp gezwungen» seine Beteiligung an der schwedischen Waffenfabrik B o h a r s aufzugeben. Wie offiziell mitgeteilt wird, werden sämtliche Aktien der Bohars-Werke ab 1. Juli in ausschließlich schwedischem Besitz sein. BoharS war einer der wichtigsten Stützpunkte der deutschen Aufrüstung, der sich außerdem für Verschiebungen von Patenten und Herstellungsverfahren vorzüglich eignete. Die Waffenausfuhr von Bohars nach Deutschland hat wiederholt die öffentliche Meinung in Schweden erregt und zu Arbeitseinstellungen geführt. Run ist dank der Fnittative der schwedischen Sozialisten diese unrühmliche Verbindung mit dem Dritten Reich abgebrochen worden. Die Gangster. Wie von deutscher Seite offiziös mitgeteilt wird, ist das Vermögen des früher in Frankfurt am Main, jetzt in Jstambul ansässigen deutschen Gelehrten Dessauer in Höhe von tund 40.000 Mark aus dem Safe einer Frankfurter Bank heraus„konfisziert", das heißt, zugunsten des Staates eingezogen worden. Di? Gangster begründen diesen Handstreich kurioserweise mit dem Gesetz über die Beschlagnahme I »staatsfeindlicher und kommunistischer Ber-■ wögen". Professor Dessauer war vor Hitlers' Machtantritt ein auf dem linken Flügel der Partei stehender Zentrumsabgeordneter. Später Wurde ihm von der Diktatur einer der beliebten »Korruptionsprozesse" angehängt, aus dem er jedoch völlig reh^ilitiert durch Freispruch hervorging. Aus Wut über diese Niederlage nahm ihn das System in Schutzhaft. Einige Zeit später kam kr frei, lebte noch mehrere Monate unangefochten I in Deutschland.unh.verließ dann..mit Wissen fori Regierung und. mit..ordnungsmäßigem. Paß. Jbezg.| sehen, Deutschland, um einem Ruf auf einen Lehrstuhl an der Universität Jstambul zu folgen. Sein Spargeld in Höhe von 40.000 Mark ließ er seelen» knhig im Frankfurter Banksafe,-— in der naiv« dertrauensseligen Annahme, daß man auch im! »Dritten Reich" unbescholtenen Bürgern nicht so j wir nichts, dir nichts„von StaatSwegen" das Eckd aus dem Safe holen könnte. Seine Vertrauensseligkeit ist jetzt belohnt worden! Blutiger Kampf um eine Moschee. In der btadt Serampur, nördlich on Kalkutta, kam er am Dienstag zu einem blutigen Zusammenstoß -wischen Polizei und Mohammedanern. Diese Wollten den Abbruch einer Moschee verhindern, die Unerlaubter Weise auf fremdem Boden errichtet wurde und schon halb ferfiggestellt war. Zuerst dersuchte die Polizei, die Menge, die nicht von der Stelle wich, mit Knüppeln auseinanderzutreiben» wobei es 40 Verwundete gab. Später gaben die Beamten eine Salve ab, durch die sechs weitere Demonstranten verletzt wurden. Fünfzig Mohammedaner wurden verhaftet. Sie werden sich wegen Anstiftung zum Aufruhr zu verantworten haben. Die Lage hat sich inzwischen «eruhigt. Guillotiniert. In Dastia auf Corsika wurde gestern durch die Guillotine der berüchfigte wrsische Bandit Spada, einst„König des «erfischen Dickichts" genannt, hingerichtet. Der Kanonenkönig klagt seinen Biographen, «us London kommt die Nachricht, daß der geheim- Nizvolle und fast schon legendäre SirBasil 8 a h a r o f f, der erfolgreichste Waffenhändler der Welt, den Wiener Schriftsteller Robert Reumann wegen des Buches klagen will, das Reumann über ihn geschrieben hat und das in der i Bibliothek zeitgenössischer Werke vor einigen Monaten in der Schweiz erschienen ist. Neumann hat m mühsamer Arbeit, oft mit den Methoden deS Detektivs vorgehend, manche der Schleier gelüstet, die über dem Leben des größten unter den„Hand- wrn des Todes"— wie die Franzosen die Was« senschieber nennen— schwebten. Neumanns Buch 'ft nach Schriften wie Lehmann-RußbüldtS„Blumiger Internationale" eine neue Anklageschrift -sgen die größten Verbrecher an der Menschheit, die Rüstungsindustriellen und die Waffenhändler. Da Neumann nicht das anonyme Kapital, sondern ^nen lebenden Menschen angreist. ist sein Buch iüc den Laien wirkungsvoller, spannender, als politische Streitschriften. Das scheint der^ uralte Mann, der zwölf Millionen seiner Opfer überlebt dat und in Reichtum und Glanz auf seinen Schlössern hockt, zu empfinden. Daher seine Klage 8«gen Neumann, den er nicht nur wegen Beleidigung, sondern auch auf Schadenersatz(!) klagen will. Fascisfsche Gewerkschaften Wegen Ausübung gewerkschaftlicher Rechte verhaftet Am 27. Jänner d. I. wurden die Arbeiter Cerutti, Sacconi und Carru in der Metallfabrik „Riv" in Turin verhaftet und ins Gefängnis übergeführt. Weder ein Vergehen gegen das Strafgesetz, noch ein Vergehen politischen Charakters konnte ihnen vorgeworfen werden. Der einzige Grund ihrer Verhaftung war ihre Tätigkeit, die sie legal in den regelmäßigen Versammlungen, organisiert von ihrer Gewerkschaft, durchgeführt haben. Diese Tätigkeit bestand in folgendem: In einer sascistischen Gewerkschaftsversammlung verlangten sie. daß der Arbeitsantritt besser reguliert werden soll, da durch die bestehende Methode die Arbeiter gezwungen seien, in langen Reihen anzustehen, bevor sie kontrolliert würden, und ost dccher zu spät zur Arbeit kommen, trotzdem sie»vor der festgesetzten Stunde vor der Fabrik warten. Der Arbeiter Cerutti besaß die Initiative, eine Petition herauszugeben, gerichtet an die Führer ihrer eigenen Gewerkschaft und unterzeichnet von fast allen Arbeitern. in welcher das Eingreifen der Gewerkschaft verlangt wurde, um von den Unternehmern die volle Innehaltung des Arbeitskontraktes zu fordern. In einer anderen Versammlung wurde eine Liste ökonomischer Forderungen vorgelegt, die die Arbeiter durch Vermittlung der Gewerkschaft dem Arbeitgeber vorzulegen wünschten, Forderungen, di« von der ganzen Versammlung gebilligt worden waren, und die der Versammlungsleiter, Führer der faicistischen Gewerkschaft selbst, als berechtigt anerkannte. Der „ernsteste" Punkt scheint zu sein, daß in einer von den Führern«inberufenen Gewerkschaftsversammlung, um in den verschiedenen Ateliers neue Ver- trauenSräte zu wählen, die drei Arbeiter von den Versammelten als Kandidaten vorgeschlagen und von der Versammlung einstimmig gewählt wurden. Nur wegen dieser vollkommen gerechtfertigten und absolute legalen Tätigkeit und vor allem, weil sie zu Vertrauensleuten der fascisti- schen Gewerkschaft gewählt wurden, ohne daß sie von dem nichtgewählten Gewerkschaftsführer bezeichnet worden waren, sind die drei Arbeiter verhaftet worden, auf Grund der Denunziation durch die Gewerkschaftsleiter. Der italienische allgemeine Gewerkschaftsbund, welcher die freiheitlichen italienischen Arbeiter vereinigt, hat an das Internationale Arbeitsamt ein Memorandum gerichtet, in welchem : die verhafteten Arbeiter Der Handel mit Uebersee Mehr als eln Fünftel unseres Gesamtexportes geht nach Uebersee die A u s f u h r in den ersten vier Monaten nach allen Ländern, die aufgeführt sind, außer Japan, g e st i e g e n ist. Die Ausfuhrstrigerung ist besonders stark nach Argentinien, Australien, China, Kanada, und den Bereinigten Staaten von Nordamerika, so daß selbst nach der Berücksichtigung der im Februar vorigen Jahres vollzogenen Kronenabwertung noch ein erheblicher Borsprung bleibt. Nicht ganz so einheitlich ist die Entwicklung der Einfuhr auS Ueber- i fee in die Tschechoslowakei. Zwar ist sie 1935 ! nicht zuletzt infolge der allgemeinen Preiserhö- . Hungen für einige Weltrohstoffe und der durch die Kronenabwertung bedingten höheren Preislage auS einer Anzahl Länder wertmäßig be- deutendgestiegem doch weist sie für einige Länder auch einen Rückgang auf. Bemerkenswert ist, daß die Einfuhr aus Kanada z. B. von 13.4 Millionen Kronen in den ersten vier Monaten 1933 auf 2.9 Millionen KL in der gleichen Zeit 1935 gesunken ist, während die j Ausfuhr der' Tschechoslowakei nach Kanada- sich -Won lO.L Millionen KL auf 14.1 Millionen KL ! gehoben hat. Land Jänner—April 1935 Jänner— Avril 1984 Jänner—Avril 1933 Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr in Mill. KL in Mill. KL in Mill. KL Argentinien.., 9 42,9 37,4 58,2 26,7 23,5 20,7 Australien.... • 18,7 9,4 41,1 7,0 10,8 5,4 Brasilien..,. 17,2 16,2 19,0 12,1 10,0 13,5 Britisch-Jndien., • 79,1 28,8 56,6 28,7 30,8 24,0 Südafrikan. Union• • 5,1 17,5 18,0 16,1 6,0 16,1 China..,, i 5,1 19,5 6,2 19,0 5,9' 11,6 Aegypten.... ■ 40,3 14,5 30,5 16,0 23,2 11,2 Aapan•■••■ • • ? ? 2,6 6,0 1,9 11,0 Kanada.... • 2,9 14,1 1,6 8,7 18,4 10,2 Vcr. Staat, v. Nordamerika 102,0 187,5 109,0 140,4 79,3 126,1 Niederländisch-Jndien 9 21,7 4.7 ? ? r ? Palästina.... 4,8 21,4 ? Daraus ergabt sich. daß gegenüber 1933 Für die tschechoslowakische Handelsbilanz Neue Arbeitskämpfe im Dritten Reich Duisburg.Oberschle- sien genug Kohl« auf den Halden." Der Ober-? üürgermeister von L i e g n i tz, Hübenett, wurde abgcsetzt, tveil es sich herausstellte, daß er früher einmal dem Reichsbanner angehörte. Der stell-; vertretende Gauleiter Gottschalk mußte auch ver-i schwinden. Planmäßig beseitigt der neue Gauleiter Josef Wagner sämtliche„alten Kämpfer".-Der Versammlungsbesuch enffpricht dieser Stimmung. Zu einer-Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront bei den Lincke-Hoffmann-Werken erschienen von 3000 Arbeitern nur 300 und das nächste Mal nur 128, zu einem Aufmarsch in Oels von 4000 gar nur 40. Typisch ist aber ein Vorfall in Haynau bei Liegnih. Dort erklärte der Redner, als seine Ausführungen über das neu« Regime mit Mur-; ren ausgenommen wurden, er komme sich vor wie in einer Marxistenversammlung. Darauf rief man ihm im Chor zu:„Das bist du ja oochl" vle deutschen kolonlalukünsefte Berlin.(AP) In der Liste der deutsche« Kolonialforderungen steht gegenwärtig Käme»; r u n an erster Stelle. Dort konnten nämlich bereits 1926 zahlreiche deuffche Farmer zu günstigen Bedingungen ihren alten Besitz wieder iriver- ben, der heut« bereits ein Fünftel des Bananen-, bedarfs des Reichs deckt. An zweiter Stelle for-, dert man O st a f r i k a, das wirtschaftlich die er-, tragreichste aller deutschen Kolonien war. Weniger Wert legt man auf Togo und Südwestaftika. Aber grundsätzlich verlangen die deuffchen Kolonial- Propagandisten den gesamten ehemals deutschen Kolonialbesitz in Afrika, gegen dessen Rückerstat-, tung sie zum Verzicht auf die früheren Besitzungen im Sfillen Ozean bereit wären. Denn diese sind wirffchaftlich ohne größere Bedeutung, und außer-« dem will man sich weder mit Japan und Amerika! (das auf Guam eine Kabelstation einrichtete) in Gegensatz bringen, noch in den Stromkreis der Wirren des Fernen Ostens geraten. Im übrigen spricht man nur noch von Kolonien und nicht mehr von Mandaten, an denen man sich ausdrücklich desinteressiert erklärt, da man sich nicht dem Völ-, kerbund unterwerfen will. China von 0er Silberhausse stark betroffen Shanghai. Das starke Ansteigen des Silberpreises, das auf die Silberpolitik der Vereinigten Staaten zurückgeht, hat in China, dessen Währung auf Silber aufgebaut ist, ernst« Störungen im Wirtschaftsleben und vor allem im Handel zur Folge. Das chinesische Finanzministerium mußte einigen großen Firmen, die in Schwierigkeiten geraten waren, einen Kredit von 25 Millionen chinesischer Dollars in Staatsbons gewähren. Seite 6 „Sozialdemokrat" n~ Freitag, 7. Jun! 1935. Nr. 133 Aaqer Heitunq Nicht abspringen! Gestern nm 7 Uhr früh sprang der 29jährige Reservcleutnant Walter Role» der, dzt. in der Wrschowitzer Kaserne, vor dem Hause Nr. 44 in der Hybernergasse von der Plattform eines Schlepploagens der Zweier-Linie ab und blieb bewußtlos liegen. Im Divisionsspital wurde festgeftellt, daß er eine schwere Gehirnerschütterung und einen Bluterguß in den Kopf erlitten hat. Falsche Fünfzig-Kronen-Noten. In der letzten Zeit kursieren in Prag Falsifikate der am 1. Oktober 1929 herausgegebenen braunroten Fünfzig- Kronen-Noten, die sehr gut gelungen und nur durch folgend^ Kennzeichen von den echten Banknoten zu unterscheiden sind: Das Papier der Falsifikate, das gstvöhnliches, holzfreies Zellulosepapier ist, fühlt sich satter als das der echten Banknoten und beinahe fettig an; das Wasserzeichen fehlt entweder ganz oder enthält nur die Hellen Balken ohne die dunkeln K r e u z e; der Druck ist blasser, als bei den echten Banknoten und bei den Bildern auf beiden Seiten fehlt das typische Tief- druckrelies. Der Karmindruck auf der Vorderseite und das braune Bild auf der rückwärtigen Seite sind erheblicher schwächer als beim Original. Fahrkarten-Vorverkauf in der Reisesaison. Anläßlich der bevorstehenden Feiertage macht die Staatsbahndirektion neuerlich darauf aufmerksam, daß auf den großen Prager Bahnhöfen(Wilson-, Mäsaryk- und Denisbahnhof) Karten im Vorver- Sylvia Sidney in dem amerikanischen Film„Jennie Gerhardt". kauf auch schon einige Tage vor Antritt der Reise ohne jeden Zuschlag gekauft werden können; auf den übrigen Prager Bahnhöfen sind Karten im Vorverkauf einen Tag früher erhältlich. Das reisende Publikum wird ersucht, im eigenen Jnter- effe vom Kärtenvorverkauf möglichst reichlichen Gebrauch zu machen, um namentlich vor den Feiertagen und vor der Abreise auf Urlaub und auf Sommerfrische den Andrang bei den Schaltern der für die Reisenden wie für die Beamten gleich unangenehm ist, nach Tunlichkeit zu vermeiden.— Touristen werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß für die ermäßigten Sonntagsrückfahrkarten auf den beiden Hauptbahnhöfen eigene Schalter bestehen, und zwar auf dem Masarykbahnhof Schalter Nr. 13 und auf dem Wilsonbahnhof Schalter Nr. 6. Xiunt und Mssen Wochenspielplan des Neue« Deutschen TheaterS. Freitag 7%: Aida. Italienische Stagione l, Abonnement aufgehoben.— Samstag 7%: Sa Boheme, Jtal. Stagione 2, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Das unbekannte Mädchen. Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf. Samstag 7/z'. Schnit t- ling auf allen Suppen,,Gastspiel Gisela Werbezirk, Uraufführung. Das internationale Arbeiter-Tnrn- und Sportfest in Brüssel am 15. und 16. Juni. Nur noch wenige Tag« mehr trennen uns von dem großen internationalen Arbeiter-Turn- und Sportfest in Brüssel, das im Stadion stattfindet, welches 70.000 Personen Platz bietet. Die Festkanzlei hat alle Hände voll zu tun, um einen klag- und reibungslosen Verlauf zu gewährleisten. Die Eisenbahnverwaltung gewährt eine öOprozentige Ermäßigung für Gruppen von 25 Personen, gültig für die beiden Tage. Das Programm ist sehr reichhaltig; von internationalen Begegnungen sind zu erwähnen das Fußball-Länderspiel Belgiens mit der Tschechoslowakei(Atus Aussig) und dar Handballspiel Belgien gegen Holland. Weiter finden die Endspiele um die belgische DaSkettball-Meisterschast statt, ferner leichtathletische Wettkänrpfe, turnerische Wettbewerbe und ein Turnier im griechisch-römischen Ringkampf. Das Fest wird eingeleitet durch einen großen Festzug mit ungefähr 400 Fahnen und den Mitgliedern der teilnehmenden ausländischen Verbände, denen sich dann di« belgischen Organisationen anschließen. Große Sorgfalt wurde auch dem zu veranstaltenden Nachtfest zugewendet und seine Darbietungen werden den Besuchern in allen Teilen wie auch das Ge- samrfest eine schöne Erinnerung bilden.. Reben den holländischen und französischen Genossen werden auch die Schweizer erscheinen, die«ine Expedition von 500 Teilnehmern angesagt haben. Ebenso erwartet man von England die Verständigung einer Teilnahme. Tul ist nicht RSI Der finnische Arbeiter-Sportverband gegen einen Verkehr mit Bürgerlichen Kürzlich ging durch eine gewisse Arbeiterpresse die durchsichtige Mitteilung, der finnische Arbeiter- sporwerband Tul wäre in ein Kompromiß mit den bürgerlichen Sportverbänden in bezug Sportverkehr eingegangen. Dies sei geschehen, um die staatliche Subvention für den Tul zu sichern. Der finnische Arbeitersportverband teilt nun mit, daß di« betreffend« Meldung irrig sei. Wohl hätten die bürgerlichen Sportverbände Vorschläge über einen Zwischenverbands-Sporkverkehr gemacht, die aber von den Arbeitersportlern ckbgelehitt worden seien. Der finnische Bruderverband schließt seine Mitteilung mit den stolzen Wortenr,Wir machen kein Kompromiß." Fußball-Länderkampf'Frankreich—England der Arbeitersportler. Zu Pfingsten findet in Paris im. Olympischen Stadion«ine große sportliche Manifestation der Arbeitersportler Frankreichs statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird auch ein Fußball- Länderkampf zwischen. Frankreichs und Englands Arbeiterfußballern ausgetragen. Umrahmt wird dieser Kampf von leichtathletischen Bewerben. Finale in der belgischen Arbeiter-Fußballmeisterschaft. Tornhout schlug im Schlußspiel Mouscron 4:0. Dieses Match wurde in Brüssel bei schlechtem Wetter und starkem Regen durchgeführt. Turnhout zeigte sich als die bessere Mannschaft und führte bei Halbzeit 2:0. Nach der Pause erzielte Turnhout trotz der Anstrengungen von Mouscron noch zwei weitere Tore. Turnhout ist der 15., Meister des belgischen Arbeiterfußball. Internationales TischtenniS-Turnier in Belgien. In Mouscron wurde das erste internationale Arbeiter-Tischtennis-Turnier zwischen belgischen und französischen Mannschaften gespielt. Den Sieg errang Excelsior(Tenquet), das im Endspiel Frater- nitL A(Mouscron) mit 5:1 schlug. BaSketttall-Länderkampf Frankreich—Belgien. In Paris wurde dieses Länderspiel ausgetragen und hatte viele Zuschauer angezogen. Die belgische Mannschaft hat eine schwere Niederlage mit 42:19 Punkten erlitten. Die belgischen Spieler machten zwar große Anstrengungen, um das Können der Franzosen zu erreichen, aber, wie das Ergebnis zeigt, mit wenig Erfolg. ÜU4 der Sartd Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Zu Pfingsten findet in Prag die erste Reichskonferenz aller fortschrittlichen Studenten in der Tschechoslowakei statt, die von uns mit einberufen worden ist. Es ist daher die Pflicht eines jeden Mitgliedes, sich an den Arbeiten der Konferenz, insbesondere in den Blanko Waleskä und I. W. Speergrr h in dem heimischen Film„Späte Liebe". Ho Kommissionen zu beteiligen. Alles Nähere täglÄ zwischen 11 und 13 Uhr im Akademicky dum. Prag lll., Pod Letnou, bei den Genossen Bern a r d und Reinsberger. Mitteilungen aus dem Publikum. Schnupfen im Sommer wirkt lächerlich! uöd überdies ist es unangenehm! Dabei ist es aber seht leicht, sich im Sommer zu verkühlen: man ist unvot« sichtig, trinkt etwas Kaltes— und schon ist das Malheur fertig! Allerdings: wenn Sie Ihren Kok' per durch regelmäßige Einreibungen mit dem Alp«' Franzbranntwein abhärten, sind Sie dieser Gefahk viel weniger leicht ausgesetzt; und dabei sin» „Alpa"-Einreibungen ungemein erfrischend, ab« kühlend.... Das sagt auch der Arzt! 8 Verlanget überall Volkszünder Urania-Kino, Klimentshä 4. j kokmy»tzM«r fluj Ab Kreit»«. „Warum lügt Fräulein Käthe?* Entzückender Lustspiel mit Doll» Haas, Ida Wüst, tzchbabals in den Hauptrollen. Die Wiege der Gide In jäher Steile, an der die Bergwege, aus der Ferne gesehen, eher chinesischen Mauern ähnlich denn als menschenmögliche Wege im Zickzack Heraufziehen, erheben sich die steinernen Flanken des Biesengebirges aus den Kesseltälern des Mel« zergrundcs und des Riesengrundes zum Kamm und zur Koppe empor. Einer ungeheuren Pyramide vergleichbar ist die Koppe dem langgestreckten, breitflächigen Kamme aufgesetzt. Nur an einer Stelle überschreitet ein Patz die geschlossene Einheft des Riesenkammes; es ist die Straße, die sich aus dem Tale von Spindelmühle heraufwindet und an der Spindlerbaude zwischen den beiden Sturmhauben in einer Höhe von 1208 Meter den Kamm erllimmt und jenseits hinab ins Schlesische führt. Diese Einsattelung ist auch die einzige Stelle, wo der Wald den Hauptkamm überschreitet., Letzterem baut sich, sowohl im Westen als auch im Osten mit ihm verwachsen, der in der Mitte durchbrochene Böhmische Kamm vor. Die zwei Kammsyfteme sind auch geologisch geschieden; der Riesenkamm ist aus einem schönen, hellblaugrauen» schwärzlich überstäubten Granit mit hellfleischfarbenen Flecken aufgewölbt; der Böhmische Kamm besteht teils aus Gneis, teils aus Glimmerschiefer, der sich in glatte, in der Nässe spiegelnde silbergraue, violettgraue und bräunlichgelbe, vom Silberglanz des Glimmers funkelnde Platten und Schollen spaltet. Glimmerschiefer ist auch das Baumaterial der Schneekoppe, während die felsigen Kuppen, die Sturmhauben, das Hohe Rat, der Reifträger aus Granit bestehen, der auf den Mannsteinen und den Mädelsteinen zu burgruinenartigen Blockgruppen verwittert ist. Obwohl aus verschiedenem Gestein gebildet, schließen sich doch die beiden Kammsystem« zur großzügigen landschaftlichen Einheit zusammen, deren eigenartigen Bau man an dem Riesengebirgsrelief, das in den Bauden hängt, bequem studieren kann, um dann in der Wirklichkeit die großartige Architektur dieser Landschaft deutlicher zu erfassen. Bom Hauptkamm, mit dem sie an der Elb« wiese westlich und an der Weissen Wiese östlich verwachsen sind, streichen die beiden Flügel des Böhmischen Kammes, der Korkonosch mit dem Elb» gehänge westtich, der Ziegenrücken östlich so herum, daß sie wie die Backen eines Schraubstockes einen vierzehn Kilometer langen Felsenkessel umschließen, dessen steile Wände dunkler Fichtenwald auskleidet: die Sieben Gründe, die gigantische Wiege der Elbe. Es ist eine großartige Wiege für einen Strom, der hier als Zwilling zur Welt kommt. Fast symmetrisch fließen die beiden Quellbäche aufeinander zu. Der Elfseifen entquillt dem gemauerten Rund des Elbbrunnens. Glasklar, eisfrisch, hurtig ritzt er seine schmale Rinne in den feuchten Grasflausch der Elbwiese und stürzt sich über den Elbfall, der allerdings der Stauung bedarf, um den auf den Ansichtskarten wiedergegebenen Anblick eines alpinen Wassersturzes zu bieten, fünfzig Meter tief in den engen Elbgrund hinab, wo einst ein launiger Hirschberger Magister alle feine Schüler den„Elbeflutz" überspringen ließ,„damit sie hernach als Studenten der Universität zi^ Wittenberg sagen könnten, daß sie mit gleichen Füßen über die Elbe gesprungen wären." Das Weißwasser entquillt den moorigen Tümpeln der Weißen Wiese. AuS den Nadelpelzen des Knieholzes, aus Moosen und Gräsern, zwi» schen denen die herben Blüten einer nordsschen Pflanzenwelt sprossen, sickert und rinnt es zusammen und fließt durch den Weißwaffergrund, dem Bruder entgegen. Dort, wo die Schraubstockbacken des Gebirges die Lücke offen gelassen haben oder wohl richtiger der junge Fluß diese Lücke aufgesprengt hat, vereinigen sich die Zwilling«— nun sind sie„die Elbe". Mannigfache Zuflüsse haben ihren jugendlichen Drang in die Welt schon gestärft. Man könnte, der Laufrichtung entgegen gesehen, das Kartenbild der soeben entstandenen Elbe mit einem Baum vergleichen, dessen Stamm sich in zwei seitlich gebogene Aeste teilt, denen wiederum dünner» Zweige aufrecht entsprossen. Doch dieser Vergleicy macht nur das Kartenbild anschaulicher, gibt aber von der landschaftlichen Eigenart dieser Kinderstube eines Stromes keine Vorstellung. Sieben Gründe: sieben flare, klingende, murmelnde Gebirgswäffer fließen, springen, schlüpfen von der Steilkante des Felsenkeffels zu den von Osten und Westen einander entgegenstrebenden Elbzwillingen hinunter: das Pudelwasser, das Martinwasser, das Bärenfließ, das Rote und das Schwarze Fließ, der Krummseifen und das Silberwasser—• schöne Gespielen der Elbe mit schönen riesengebirgifchen Namen: Fließ und Seifen. Sie schneiden in fast gleichmäßigen Abständen tiefe Furchen in den waldigen Kesselhang, ein fließendes Geäder, dessen Sicbenzahl gut in dieses Gebirge paßt, in dem das Märchen vom Rübezahl heimisch ist. Sieben Gründe— es ist die Märchenzahl: die sieben Raben, Schnee wittchen hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, sieben auf einen Streich erschlug das tapfere Schneiderlcin, sieben junge Geitzlein fraß der Wolf und sieben Schwaben trieben ihre Narretei. In dieser Siebenzahl der Gründe fehlt allerdings der kurze Sturmgraben. Und von der anderen Seite, von der Kante des KorkonoschS springt die Pansche dreihundert Meter tief in den Elbgrund hinab. So sind es zusammen elf Quellen, aus denen die Elbe zusammenfließt. Diese Elfzahl der Quellen verleitete früher dazu, den Namen Elbe daraus zu erklären. Ein alter Schriftsteller schrieb den lateinischen Vers: „dlomen ad unckenis kontibus Albis habet— Bon elf Quellen stammt der Name der Elbe her." Das aber war ein Irrtum. Forscht man dem Ursprung des Namens nach, so erfährt man, daß Elbe einfach„Fluß" bedeutet; im Schwedischen, das dem nordischen Zweig des germanischen Sprachstammes angehört, heißt Fluß ja heute noch: Elf. Die Elbe hat also eigenüich gar keinen eigenen Namen; sie heißt einfach„Fluß", womit sie für die uransässigen Bewohner, deren geographischer Gesichtskreis ursprünglich über das Stromgebiet Wohl kaum hinausveichte, hinlänglich bezeichnet war; sie war schlechthin der Fluß, der größte, den sie kannten. Die Römer luteinisierten den Namen in„albis“; sie kannten den Strom, den Drusus im Jahre 9 vor Christi vermutlich in der Gegend der Ohremündung nördlich vom erst viel später gegründeten Magdeburg überschritt; auf dem Rückmarsch von diesem letzten seiner vier Feldzüge ins innere Germanien starb Drusus im selben Jahre durch einen Sturz vom Pferde. Auch die späteren flämischen Einwanderer haben den Namen als Lehnwort' übernommen und umgeformt; dem entspricht die tschechische Bezeichnung „bade". Und so blieb cs für immer dabei: die Elbe war„der Fluß". Den vielen Quellen und dem starken Gefälle, welches das Wasser rasch sammelt und zur Tiefe führt, verdaust die Elbe ihr schnelles Wachstum- Wenn sich ihre beiden Quellarme, im feuchten Grunde des Mädelstegs vereinigen, schießen beide als junge, schon kräftige Flüsse aufeinander zu. Hier öffnet sich das Tor, das der Fluß in die hohe Äesselmauer des Böhmischen Kammes gebrochen hat. Hier ist der umklammernde Schraubstock aus« gesprengt, und der Fluß zwängt sich mit der Krass hindurch, die ihm das Gefälle gibt; von der Quell' höhe von 1400 Meter sind die beiden Qucllbächt in kurzem, stillem Lauf auf 770 Meter herab' geeilt. Das wasserreichere Weißwasser schäumt über Felsentreppen aus der schönen Walddekors' tion des Talgrundes hervor, in glasigen Pracht' färben schimmernd» vom frischen Grün licht' getränkter Ufcrgewächse überfunkelt. Der Eid' seifen kommt in schwungvoller Fahrt um die offene Talkurve. Das sind, nach doch so kurzem Laust keine Bäche mehr, deren Windungen man folgen kann mit zärtlichen Empfindungen für die Ahnungslosigkeit/ mit der sie ihrem langen Schick' sal entgegenrinnen. Es sind Wildwässer, die an ihren Verbauungen rütteln können und für deren ungestüme Kraft das schwer« Geröll zeugt, wss dem sie in wilden Frühlingstagen spielen und das sie zu allergröbsten Konglomeraten zusammen' gestampft haben, die herbeigewälzten zyklopischen Blöcke aus Riesengebirgsgranit» dem schönes» markigen Stein, aus dem auch die gequadertt Brücke gebaut ist. Freilich ist der jugendliche Elan nicht von Dauer. Die Elbe ist ja doch trotz der subalpine" Szenerie ihrer Quellgebiete ein Mittelgebirgs' flutz. Auch alle ihre Zuflüsse kommen aus Mittelgebirgen. Ihr fehlen die sommerlichen Schmelz' und Gletschergewässer, aus denen der Rhein encst steht und die der Donau durch Iller, Lech, Isar, Inn, Traun» Enns, Mürz und Mur zu ströme» Infolgedessen schwankt der Wasserhaushalt del Elbe unverläßlich zwischen Hochwasser uü" Trockenheitszeiten, und nur ein kompliziertes Regulierungssystem vermag das cinigermaßt" auszugleichen. Doch das sind Sorgen, die den sugendlicheft Fluß zwischen den dunsten Wäldern mn seist Wiege nicht bekümmern. Flott und rauschend macht er sich auf den Weg, den 1165 Kilometer langen Weg zum Meere. E. H. ...,......g.....—._■-...... Bezugsbedingungen: Bel Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tcle- graphendirestion mit Erlaß Nr. 13.800/Vl 1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-G„ Prag.