Sonntag, S. Juni 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Hilter (*lnichlio6lich S Hella, Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK, ERSCHEINT NUT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii m fochova«. Telefon SS077. Herausgeber« Siegfried taub. Chefredakteur« Wilhelm niessner. Verantwortlicher Redakteur« dr. emil strauss, frag. Japans Raubzug geht weiter MuKde«. Das Oberkommando der Kwantung-Armee tritt mit, daß infolge der veränderten politische« und militärischen Lage in der entmilitarisierten Zone die japanischen Truppen den Befehl erhielten, den von ihnen am 23. Mai unterbrochenen Vormarsch wieder aufzunehmen. Auf Veranlassung des japanische« Oberkommandos werden alle Gebirgspässe an der Großen Mauer im Laufe der nächsten 24 Stunden von japanische« Truppen beseht. {. Damit wird der Unsicherheit ein Ende gewacht, die über Japans Absichten bis zum letzten Moment bestanden. Kurz vorher war noch aus Nanking gemeldet worden, daß sich eine bewaffnete Intervention Japans in Nordchina vermeiden lassen werde, da die Verhandlungen in Tientsin zwischen den japanischen Behörden Und dem Kommandanten der chinesischen Truppen in Nordchina mit einem Abkommen geendet hätten. Diese Meldung ist offenbar überholt; dafür ist mit einem offiziellen japanischen Ultimat um zu rechnen, das eine ausführliche Liste der japanischen Forderungen enthalten soll. Die Japaner verlangen insbesondere die Auflösung aller gegen Japan gedichteten Organisationen. Sie fordern ferner, daß alle chinesischen Trutzven P e i p i n g und Tientsin zu räumen haben. Die japanischen Besatzungen in Rrdchina sollen von Osaka aus verstärkt werden, u. zw. soll eine Erhöhung auf, das Dreifach.e des bisherigen Standes krfolgen. Der japanische Generalstab sandle am den lkmnmandanten der japanischen Garnison in Tientsin di« Instruktion, s e l b st zu entscheiden» »b es notwendig sei, eine bestimmte Frist für die Antwort Chinas auf die japanischen Forderungen zu legen, insbesondere bezüglich der Forderung, daß in Nordchina sämtliche japanfeindlichm Organisationen sofort aufgelöst werden. Washington. Das Borgehen Japans in Nordchina wird in maßgebenden amerikanischen Kreisen mit großer Mißbilligung verfolgt. Es wird hier allgemein angenommen, daß die amerikanische Regierung England und möglicherweise auch andere Mächte konsultieren dürfte, falls eine Verschärfung der Lage in Nordchina eintritt oder falls China selbst an andere Mächte appelliert. vu sollst nicht stehlen... Wien. Die Bundespolizeidirektion hat die endgültigeBeschlagnahme des Vermögens der Wiener Volksbuchhandlung Skaret sc Co., im Gesamtwerte von 80.000 bis 90.000 Schilling angeordnet. Gleichzeitig hat die Bundespolizeidirektion die offene Handelsgesellschaft Saft, Sportwaren und Sportbuchhandlung im V. Bezirk aufgelöst. Verunglückter Pflngstausflug Wien. Die Jugendorganisation der Heimwehr -.Iung-Baterland" veranstaltete in zwei Lastkraftwagen einen Pfingstausflug nach Admont. Ungefähr auf halber Paßhöhe verunglückte eines derAutoS, wobei dreiJnsassen getötet, acht schwer und sechs leicht verletzt wurden. Unter den Teilnehmern befindet sich auch 'der Sohn des Ministers Fey. Der Minister wurde sofort von dem Unglück verständigt und unterbrach daraufhin seine Reise von Budapest nach dem Plattensee, um sich an die Unglücksstelle zu begeben. Warnung Ein Mann» namens K o h lst r u n k, der sich als politischer Flüchtling ausgibt, besucht«n- ser« Organisationen und verlangt Unterstützungen. Tiefer„Emigrant" ist überall abzuweisen, da er bereits seit vielen Jahren nicht mehr der fatal« demokratischen Partei angehört. 1200 Verhaftete Dis Bache für die Fabrikswahlen. Kommen wird, was kommen muO! Die Erfolge der Opposition bei den Der- trauensratwahlen im Dritten Reich sind mit einer neuen Entfesielung des Gestapoterrors beantwortet worden. Ein Sonderbericht des.„D a i l y Herald" spricht von 1200 bereits verhafteten Sozialisten und Kommunisten, besonders in Berlin, Hamburg, Chemnitz uyd dem Ruhrgebiet. Bereits v i e r der Verhafteten sind t o t geprügelt worden. Viele werden dem„dritten Grad" unterworfen, jenen bestialischen Martern, von denen immer noch manche Leute im Ausland glauben, daß sie nur in der ersten Zett der braunen Herrschaft geübt worden sind, während sie doch die eigentliche und originale Blubomethode dieses Regierens sind. In einer b a d.i s ch e n Zwingburg wurden Gefangene abgcholt, um erschoßen zu werden. Man trieb sie auf den Exerzierplatz, verband ihnen die Augen, nachdem das Henkerkommando aufmarschiert war, stellte sie an die Mauer und nun hörten sie alle Kommandos— nur das letzte blieb aus, jenes»Feuer!", das im Poiemkin» film in immer größerer Schrift auf uns zuspringt. Diese Komödie, so recht nach dem Herzen der braunen Schurken, wird öfters wiederholt— mit dem Erfolg, daß einige Gefangene wahnsinnig geworden sind. Viele vost den zehntausenden einfachen Arbeitern, die nichts anderes als die selbstlose Hingegebenheit an die Sache der Armen und Unterdrückten dazu treibt, sich für ihre Klassen- und Leidensgenoßen einzusetzen, für sie in den Betrieben oder bei den öffentlichen Stellen Erleichterungen und Verbesserungen durchzusetzen, viele von der treuen sozialdemokratischen Arbeitergefolg- schast werden in den zurückliegenden Wochen die härteste Prüfung ihres Lebens bestanden haben. Sie sind gewiß nicht von der Art, daß sie ein .Kampf weich machen, oder daß gar die Furcht vor "ihm sie erschüttern könnte. Nein, alle die in den Städten und Dörfern des sudetendeutschen Gebietes leben, haben gesehen, daß sie im Kampf um die Interessen der Arbeiterschaft, im Kampf gegen die Unternehmer, gegen den Klassenfeind überhaupt, stets in vorderster Front gestanden sind. Ohne Rücksicht auf den Haß, mit dem das Unternehmertum und sein williger Anhang sie verfolgte. In diesen Kämpfen und durch ihr mutiges Aufrecht st eh en wurden sie die Vertrauensmänner nicht nur ihrer organisierten Arbeitsbrüder und Arbeitsschwestern, sondern aller Arbeiter, allerBesitzlosen und Hilfsbedürftigen ihres Wirkungsbereiches. Und Herzlicher Empfang Dr. Beness in Moskau Moskau.(Taß.) Del seiner Ankunft in Moskau wurde Außenminister Dr. Benes am Bahnhofe vom Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow mit Gemahlin, dessen Vertreter Krestinskij, dem Vorstand der Westabteilung im Außenkommiffariat Stern, dem Chef des Protokolls des AußenkommifsarioateS B a r k a, dem Vorsitzenden der Moskauer Sowjets Bulganin, dem Vertreter des Moskauer Garnisonskom- mandanten Gerbatschew, dem Vorstand des Pressedepartements des Außenkommiffariates Umanskij, dem Vorstand der Abteilung für die De» Ziehungen mit dem Ausland im Kommissariat für Rationale Verteidigung G e ck e r, dem tschechoflowakischen Gesandten Bohdan P a v l ü mit dem Personal der Gesandtschaft, dem französischen Botschafter C i«» t« und Vertreter« der sowjetrusfische« und ausländische» Presse begrüßt. DaS Bahnhofsgebäude war mtt Flagge« in tschechoflowakischen und rnsflschen Farbe« geschmückt. Bei der Ankunft des Zuges begrüßte Außenkommissär Litwinow Minister Dr. BeneS im Eisenbahnwaggon, worauf Dr. DeneS die Meldung des Kommandanten der Ehrenabteilung, die längs des Perrons Aufstellung genommen hatte, entgegennahm und die Mttglieder der Rote« Armee begrüßte. DaS Orchester spiette die tschechoflowakische und die sowjetrussische Hhmne. DaS Publikum, das sich auf dem Bahnhofe versammelt hatte, begrüßte Dr. Benes und seine Begleitung mtt herzlichem Applaus. Vom Bahnhöfe fuhr Dr. Benes in die ihm vom Außenkommiffariat zur Verfügung gestellte Villa. Austausch der Ratifikationsurkunden Minister Dr. Benes besuchte Samstag nachmittags den Dolkskommiffär für Aeußeres L i t w i n o w. Bei dieser Gelegenheit fand der Austausch der Ratifikationsurkunden zum Vertrag über gegensettige Hilfeleistung statt. Gleichzeitig tauschten Litwinow und Dr. BeneS die Ratifikationsurkunden znm Handels- und Schiffahrtsvertrag und zu dem Abkomme« über den gewerbliche« Rechtsschutz auS und unterzeichneten das Abkommen betreffend de» Austausch von Postpaketsendungen zwischen den beide« Länder«. Hierauf fand zwischen Litwinow und Dr. DeneS eine längere frenndschaft- liche Unterredung.statt. Die freundschaftliche Unterredung Litwinows mit dem tschechoflowakischen Außenminister Dr. Benes dauerte zwei Stunden und war um 17 Uhr beendet. Wie verlautet, wurde in dieser Unterredung insbesondere über den Abschluß eines Kulturvertrages verhandelt. Dieser Vertrag wird die gegenseittge Organisierung von Kunstausstellungen und von Uebersetzungen literarischer Arbeiten, sowie den gegensrttigen Schutz der Autorenrechte bezwecken. Am Abend gab Litwinow zu Ehren des GasteS ein Diner. In seinem Trinkspruch sprach Litwinow sein« herzliche Freude über die mit der Tschechoflowakei geschlossenen Abkomme« auS, von denen er feststellte, daß sie die gegenseittge Freundschaft der beiden Länder und die Meinungsübereinstimmung in bezug auf die Sicherung deS euripäischen Friedens bestätige« und auch festige«. Dr. Benes sprach in seiner Erwiderung aus diese Kundgebung die Ueberzengung aus, daß sein Besuch in Moskau den Beginn einer immer vertrauensvolleren Zusammenarbeit beider Länder bedeute.„Unsere gemeinsame Polittk ist eine Politik deS Friedens", sagte Dr. Benes. sie rechtfertigten dieses Vertrauen in der schönsten Weise: sie haben ungezählten Tausenden wixkliche Hilfe gebracht und blieben selbst die einfachen, armen Soldaten in der großen internationalen Front derer, die für eine neue Welt kämpfen, in der es keine soziale Not und keine Berfllavung der Arbeit geben wird. Und. doch: in den zurückliegenden Wochen ttafen sie haßerfüllte Blicke nicht nur von den besitzenden Klassenfeinden, sondern von den eigenen armen Klassengenossen, von Arbeitern und Arbeitslosen; waren sie das Ziel niederträchtiger Beschimpfungen und nicht selten tätlicher Angriffe. Sie, die wahrhaftig keine„Bonzen" sind, die keine Schätze gesammelt haben, deren Leben durch ihre soziale Gesinnung aber arbeitsreicher und schwerer ist als das der anderen, sie wurden in den vergangenen Wochen verschrien als die.Volksfeinde" und„Verräter". Und unter denen, die sich dabei hervortaten, waren nicht selten die die ärgsten, denen sie wiederholt die Uneigennützigkeit ihres Wirkens bewiesen, denen sie mehr als einmal Hilfe -gebracht hatten. Die lange Menschlichkeitsgeschichte ist seit frühen Zeiten schon eine Auflehnung, ein Kampf der Armen und Entrechteten gegen ihre Bedrücker. Sie erzählt, daß alles schon einmal dagewesen ist. Die vom Elend gemarterten Unterdrücken können aus ihr erfahren» daß dann, wenn irgendwo die Not der ausgebeuteten Menschen am schlimmsten wurde, wenn sie nach durchgreifender Hilfe schrie, falsche Freunde sich in das Vertrauen per ge- auälten, grollenden Massen einschlichen. Sie täuschten vor, für die von der Not gepeinigten Menschen zu sein, ihnen helfen und sie von den Ursachen ihrer unerträglichen Lage befreien zu wollen. Da sie bisher keine Leistungen aufweisen konnten, die das berechtigte Mißtrauen der Massen hätte besiegen können, da sie niemand kannte und niemand wußte, woher sie kamen, so begannen sie zuerst damit, das Vertrauen zu den Vertrauensmännern des Volkes der Armut zu zerstören. Das Gift der Lüge und der Verleumdung wurde verspritzt; es tut in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, des Hungers und des Elends seine besondere Wirkung. Die Klarheit des Denkens wird getrübt, die Fähigkeit des Erkennens und die Widerstandskraft geht vielen Menschen verloren und der Feind, in der Maske des Freundes mitten unter ihnen, findet" seine Opfer. Ihm folgen sie, seinen Versprechungen glauben sie und mtt ihm-brüllen sie„steinigt, kreuziget ihn" und rennen dabei hinter Männern her, die bisher ihr Vertrauen hatten und die nie etwas getan haben, um dieses Berttauen zu erschüttern. So haben die-Herrschenden früher die Einigkett deS Handelns der von ihnen bedrückten Völker hintertrieben. Und die Kapitalisten unserer Tage können sagen, daß ihnen der gleiche Erfolg geworden ist. In unserem Lande ist es ihnen ge, lungen, hunderttausende Menschen, die gerade jetzt in der fatalistischen Front zusammenstehen müßten, für das Fortbestehen der Ursache allen gesellschaftlichen Elends der privatkapitalistischen Wirtschaft zu gewinnen. Die Besitzenden haben damit vorübergehend ihre Position gefestigt. Abersietäüschen sich, wenn sie sich der Meinung hingeben, sie hättendamitendgültigdengroßen Kampf, der die Gesellscha stund die Geschichte vorwärts bewegt, zu ihrem Gunsten entschieden. Diese Entscheidung ist nur um etwas mehr Zett hinausgeschoben worden—aufgeschoben ist sie nicht. Gestützt auf seine überragende Machtstellung, begünstigt durch die Umstände unserer Zeit, vermochten die Kapitalisten unter Aufbietung aller Mittel in breiten Massen das Bewußtsein zu trüben, sie mit ihrem Denken und Handeln von dem Mutterboden ihrer Klasse fortzuführen. Aber da das dazu geschehen ist, die kapitalistische Wirtschaft und ihre ganze„Ordnung" aufrechtzuerhalten, so wird damit vom Augenblicke des Erfolges an der Erfolg auch schon wieder untergraben! Alle Anstrengungen, den Kapitalismus zu retten, die noch immer wachsenden Produktions- verhältniffe seinen HerrschaftSbedürfniffen zu unterordnen, müssen die soziale Zerklüftung im Volke immer tiefer aufteißen, einer kleinen Schicht von Kapitalisten stets neuen Reichtum zuschauzen Seite 2 Sonntag, 8. Juni 1938 Nr. 135 Wort in die Zukunft! Ernst Dittmar Wie schön klingt das Wort— Vom Licht, das de« Acker der Welt überfließt And tausendfach den lebendigen Samen Z« tausend atmende Furchen gießt. And jede ei« Kreuz, ein Gesicht, ein Namen, And jeder ei« Mensch, gekreuzigt in Rot, So wird a«S dem Wort unser täglich Brot— Doch draußen rast Mord! Wie tief klingt das Wort— And wie fern ist es— wie verloren weit. Ein schöner Traum, für Kinder geschaffen. Das Licht verdunkelt unendliche- Leid And den blutenden Acker verdecke» die Waffe«— Hatz wachst und Vernichtung, du stehst allein— And deshalb willst du ei« Schwächling sein?! Ei» steiniger Weg— doch gehe ihn fort! Wie stark klingt das Wort Vom Licht, das die Botschaft des Lebens trügt! Wo immer die Sonne de« Rebel zerrisse«. Wo immer ei« Herz in die Zukunft schlügt. Wo immer Enterbte zu denke« wissen Fließt dieses Licht in die Seelen hinein— Einst wird es daS Licht dieser Erde sei« Ihr unendliches Ziel und ihr Grundakkord! Kampf um die Arbeitszeitverkürzung auf der Genfer Internationalen Konferenz und eine ununterbrochen wachsende Masse von Besitzlosen den längst zu schwer gewordenen Lebensraum immer weiter abgraben. Eben diese kapitalistische Wirklichkeit zerreißt die Illusionen und die Ideologien, deren Opfer die Arbeiterschaft der Sudetendcutschen Partei geworden ist. Sie zwingt sie, trotz aller Hemmnisse doch wieder, den Schritt nach vorwärts zu tun, zwingt sie zum solidarischen Handeln mit der Klaffe für den Sturz des Kapitalismus, für den Sozialismus. Das prophetische Dichterwort gilt:„Kommen wird, was kommen muß! Die sozialistische Arbeiterbewegung treibt keine Vergeltungspolitik, wie sie keine Verspre- chungspolitik treibt. Im ganzen Lande setzen ihre besten Arbeiter ihre Arbeit fort, mühen sie sich ab, um wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Sicherungen und Rechte, bereiten sie die Entscheidung vor in dem Stampfe zweier unversöhnlicher Gesellschaftssysteme. Sie helfen so, die Verwirrung unter den Armen zu beseitigen, den Feind aus der Klaffe der Unterdrückten zu vertreiben. Heute beschimpft, gehaßt und geächtet, find sie eS, die dennoch das Banner tragen, dem morgen die gewaltige Mehrheit des schaffenden Volkes in unserem Lande und überall folgen wird und in dessen Zeichen kommen wird, was kommen mutz: der Sozialismus! 324:160 für Laval Alle Erwartungen Obertroffen Varis. Die Depntiertenkammer nahm Samstag nach 1.30 Uhr früh mit 324 gegen 160 Stimme» die RegiernngSvorlage über das Ermächtigungsgesetz an. Dieses Stimmenverhältnis hat alle Erwartungen Ldertraf- f e n. Gegen die Regierung stimmte lediglich der Block der Sozialisten und Kommunisten und die unabhängigen Kommunisten, sowie ein kleiner Teil des linken Flügels der radikale» Partei, vereinzelt auch einige Abgeordnete der Mitte»nd der Rechten. Der Stimmenabgabe enthielten sich etwa 125 Deputierte, hauptsächlich Radikale»nd Reosozialisten. Samstag vormittag»ahm der Senat, über dessen Mehrheit für die Regierung Laval keine Zweifel bestanden, die Vorlage mit 233 ge- gen 15 Stimmen an. In der Nachtsitzung der Kammer sprach hauptsächlich der Budgetberichterstatter Bare'ty, der im Namen des Finanzausschusses die Regierungsverordnung empfahl. Die Sprecher der Sozialisten und Kommunisten richteten heftige Angriffe gegen die Regierungsvorlage. Für.den linke« Flügel der radikalen Partei erklärte Depu- tterter Zay^siaß sich seine Freunde der Stimme enthalten würden; der Wortführer der Mehrheit der Radikalen sprach sich f ü r die Vollmachten an di« Regierung aus. Ministerpräsident Laval richtete ein kurzes Schlußwort an di« Kammer, wobei er auf den Ernst der Entscheidung hinwies und erklärte, das Budgetdefizit übersteige 10 Milliarden Francs und dieser Zustand könne ohne Bedrohung des Staates nicht weiter anhalten. Zur Herabsetzung der Renten und Pensionen der ehemaligen Frontkämpfer werde erst im äußersten Falle geschritten werden. Ueber das Budget wird auf normalem Wege abgestimmt werden. Genf. Die Internationale Arbeitskonferenz beendete am SamStag die allgemeine Debatte über die Verkürzung der Arbeitszeit, und zwar unter besonderer Berücksichttgung des ablehnenden Standpunktes der Vertreter der Arbeitgeber, die sich an den Arbeiten der Kommission für Arbeitszeitverkürzung noch immer nicht zu beteiligen gedenken. Unter anderen ergriff der tschechoslowakische Regierungsvertreter Dr. Le» Winter das Wort, der betonte, daß die VersiirzuNg der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche nicht Nur eine soforttge Milderung der Krise durch Verminderung der Arbeitslosigkeit bedeutet, sondern auch eines der Mittel zur Anpassung der Produktion an die Mechanisierung und an die Rationalisierung darstellt. Dr. Winter behandelte eingehend die Maßnahmen, die die tschechoslowakische Regierung für die Herabsetzung der Arbeitszeit getroffen hatte, und führt vor allem an, daß sie sich entschlossen habe, die 40stündige Arbeitswoche zur Geltung zu bringen. Wenn zwischen de« Organisationen der Arbeitgeber»nd der Arbeiter kein direktes Ein vernehmen erzielt wird, wird di« tschechoslowa- ksche Regierung, wie der Ministerpräfidrnt versprochen hat, die Herabsetzung der Arbeitszeit anf gesetzlichem Wege herbeiführen, «nd zwar sobald die zur Erzielnng eine- Einvernehmen- festgesetzte Frist verstrichen sei« wird. Nach durchgeführter Debatte wurde beschlossen, daß der Konferenzvorsitzende»scheinen Ber- s u ch unternehme, mtt den Arbeitgebern, sowett es sich um deren Mitarbeit in der Kommission für die 40stündige Arbeitswoche handelt,..zu emem ElNvernrMicn za gelangen; Die Ärbeirer« gruppe teilte mit, sie habe dem Konferenzpräsi- dium bereits den Vorschlag einer Resolution unterbreitet, durch welche die Konferenz entscheiden soll, ob sofort ein internattonales Ueberein» kommen ausgearbeitet werden soll, durch welches die Herabsetzung der Arbeitszeit in fünf Jy- dnstriezw eigen eingeführt würde. ein soziales Werk Wie dem„Eisenbahner" zu entnehmen ist, hat der Verband der Eisenbahner, Sitz Aussig, in einer Borortgcmeinde von Aussig zwei moderne Wohnhäuser erstellt, von denen das erste bereits mit 1. Juli d. I. beziehbar sein wird. Die Häufe; werden mtt den Geldern des Fürsorgefonds des genannten Verbandes erbaut, in der richttgen Erkenntnis, daß man derzeit Kapitalien, die für Fürsorgezweckc bestimmt sind, nicht nutzlos liegen lassen darf, sondern sie in soziale Taten umsetzen muß. Dabei gibt es keine bessere und sichere Geld», anlage als Wohnhäuser. Die Siedlung, die im ganzen 24 Wohnung;» umfassen wird, hat nicht nur den Zweck, Wohnungen zu schaffen, sondern ist in weit höherem Maße auch Arbeit-- und Erholungssiedlung. Jedes Haus besitzt zwölf Wohnungen, bestehend aus Küche, Zimmer, Bad, BorhauS und Klosett. Jede Wohnung hat als Zubehör einen abgeschloffenen Bodenteil, einen Kohlen- und eine» Gemüsekeller und einen Gartenteil im Ausmaße von annähernd 250 Quadratmetern vorgesehen. Die Wohnungen entsprechen in ihren ganzen Ausführungen allen neuzettlichen Anforderungen. Der Preis der Monatsmiete beträgt einschließlich Gartenbenützung und Waffer— auch für Gartenbegießung— 210 bis 225 KL.— DaS Recht um Bewerbung für Wohnungen haben die Mitglieder des Verbandes. Bei dem Bau der Siedlung ist— unseres Wissens in der Tschechoslowakischen Republik das erstemal— daS Großhaus mit einer Gartensiedlung verbunden worden. Für das notwendige Gemeinschaftsleben unter Beachtung sozialer Grundsätze ist gleichfalls beim Bau der Siedlung Rücksicht genommen worden. Ein Stück Wohnungsreform wurde hier geschaffen, das Gemeinden und größeren Wohnbaugenossenschaften als Muster dienen könnte. Nicht warten, bis die Maske ganz fällt Die tschechische Linkspresse widmet dem H«n- lein-Problcm auch weiterhin ihre der SHF wohl sehr unerwünschte kritische Aufmerksamkeit. So analysiert R. N. Foustta im.När. Osvob." die bekannte Methode der SHF-Führung, alle unliebsamen Affären von Mitgliedern, die von der gepredigte» Loyalität sich eben ihre eigenen Begriffe machen, achselzuckend auf„unverantwortliche Elemente" abzuschieben, und stellt demgegenüber nachdrücklich die volleVerant Wortung Henleins für all« seine Mannen, die ihm Treue geschworen haben, und für den politischen und wirtschaftliche» Terror fest, den das Innenministerium einfach nicht sieht. Der Mtikel schließt mit folgenden Feststellungen: Es ist wirklich notwendig, daß die tschechoslowakisch« Demokratte dem.Führer" wie den eigentlichen Leitern seiner Partei sage, daß sie die« sesBerstrckenspielen" schonsatt hat, das diese Herren offenbar als besonderen Ausdruck der deutschen Ehre«nd des germanische» Heldentums ansehen. Krawallmacher und Raufet müssen nach den geltenden Gesetzen gezähmt Werve» und den Herren Fabrikanten, die wirtschaftliche» Terror ausiiben, muß Aar und offen gesagt werde», daß Staatslicferungen nur jene Unternehmungen bekommen, welche ihre Angestellten in Sachen dek nationalen und politischen Ueberzeugung in Ruhe lassen. Herr Henlein und seine Anhänger haben st4 gefunden in der.starken Hand". Wohlan, jetzt soll die Demokratte ihnen die starke Hand zeigen l Die ganze demokrattsche Oeffentlichkeit erwartet, daß die Regierung gegen die Fascisten aller Nattonen stark sein wird. Die Maske, die sich Herr Henlein angestrengt vorhält, lüstet sich von Zeit zu Zeit und zeigt unS ein Stück seine- echten Gesichtes. Was wir bisher gesehen haben, genügt. Man muß nicht warten, bis die Maske fällt. 41 Roman na Emil Ynilir* l vnnwett von Anna AurednKek »Verschwind' Magdalena", kommandierte HanSlitschek. Magdalena versucht« gutmütig zu vermitteln:»Ach wundere mich. Jungens, daß ihr so blöd seid; muß das denn sein? Vielleicht könnt ihr euch doch verständigen.. »Bersöchvind'", zischten beide. Magdalena gehorchte und' zog sich in die Finsternis zurück. Sie wartete eine Weile. Plötzlich vernahm sie einen furchtbaren Aufschrei, dem sie nachstürzte. Auf dem halben Weg trat ihr HanSlitschek entgegen..Komm, mußt es nicht sehen! Er hat, waS er wollte", sprach er gebieterisch. Mit einer klaffenden Wunde zwischen den Rippen wurde Jaroslav gefunden. Es war nicht gefährlich, aber eine Woche lang war er anS Bett gefesselt. Er erzählte dann, ein Vagabund habe ihn gestellt, eine Zigarette von ihm verlangt, und da er sie nicht hergeben wollte, ihm einen Stich versetzt und daS Weite gesucht. Als Magdalena dies erfuhr, sagte sie sich:»Der Jaro ist ein Kavalier und dem HanSlitschek werde ich meine Meinung sagen." Aber HanSlitschek kam nicht zu dem nächtlichen Stelldichein und am nächsten Tage laS Magdalena in der Zeitung, er sei bei einem Raubversuch verhaftet worden. Vielleicht wollte er stehlen, um für sie Geld zu beschaffen. An diesem Tag trällerte sie nicht ihr LieblingSlied »Katharina". Sie tanzte auch nicht und ging den Menschen aus dem Weg. Kaum war Jaroslav genesen, erwartete er sie wieder an gewohnter Stelle. Er wußte nicht, daß HanSlitschek im Kotter saß.»Glaub' nicht. Magdalena, daß ich wegen eines dummen Messerstichs mich von dir loSsagen werde. DaS wär' ein Irrtum." .Aber Jaro, nimm doch Vernunft an, ich babe den Jungen satt." Sie vereinbarten, daß Jaroslav seine eifersüchtige Frau den nächsten Tag auf den gewohnten Ausflug nach Libuschin schicken werde und sie die Versühnung feiern wollten. Diese Ausflüge waren regelmäßige Besucht, die Frau Dufek Jaroslavs Tante, einer reichen Gänsehändlerin in Libuschin, abstattete. Sie besuchte diese Tante mindestens einmal im Monat, fuhr am Samstag hin und Jaroslav kam ihr am Sonntag nach. Montag früh kehrten sie gemeinsam zurück, nachdem sie die ErbschaftSmöglichkei» ten bei der reichen Tante in dieser Wesse gefördert hatten. Die reich« Tante hatte Jaroslav nicht inS Herz geschloffen, hegte aber für seine Frau eins aufrichtige Zuneigung.»Du solltest wieder zur Tante fahren, Frauchen", sagte der verräterische Typograph.»Es wird auch mir gut tun, den Sonntag in frischer Luft zu verbringen." Frau Difek machte sich auf den Weg, Jaroslav aber blieb, wie er mit Magdalena vereinbart hatte, zu Hause. Unglücklicherweise liebte die Dufek ihren Mann zu sehr. Als er am Abend nicht ankam, glaubt« sie, seine Wunde habe sich wieder geöffnet.»Du tätest gut daran, nach Hause zu fahren, hier kommst du nicht zur Ruhe", riet die Tante.»Ich will dich begleiten." Sie ließ den Korbwagen rinspannen und man kam rechtzeitig zum Äbendzug an. In Prag angelangt, eilten sie nach ZiZkov. Die Dufek immer drei Schritte voraus. Sie befand sich in großer Aufregung und war überzeugt, daheim ein furchtbare- Schauspiel zu erleben. Sie klagte ununterbrochen, daß sie den Jaroslav nicht mehr am Leben antreffen werde. Di« Hausmeisterin beruhigte die aufgeregte Frau:»WaS sollte ihm geschehen sein? Er ist gesund wie ein Fisch. Als ich vor einer Stunde fragte, warum er Ihnen nicht nachfährt, grinste er nur und sagte:„Ich muß zu Hause Ordnung machen." Frau Dufek war noch im Zweifel, die Tante aber übersah die Situation:»Mein Neffe ist ein nichtsnutziger Flegel", sagte sie.»Aber da wir beide jetzt hier sind, werden wir es ihm so gründlich aus reden, daß er ein nächsteSmal die Lust zu seinen Späßen verliert." Tvnn versuchten sie in die Wohnung zu dringen, konnten aber die Tür nicht aufmachen, weil der Schlüssel von innen steckte. Die Dufek hatte größte Luft, zu heulen, die Tante aber ermahnte sie:»Mach den Leuten kein Theater vor und schrei nicht! Ich werde alles im guten richten." Dann bückte sie sich zum Schlüsselloch und brüllte so laut, daß man es im Vorderhaus hörte:»Du Lump, du Mistkerl, du HerodeS, wenn du nicht gleich auffperrst, holen wir den Schlosser!" Dufek und Magdalena blieben mäuschenstill und bauten auf die Gnade Gottes. Aber schon war die Hühnersteige dicht besetzt, schon liefen die Mieter aus den andern Stockwerken und aus dem Vorderhaus herbei. Zwischen den Neugierigen befand sich auch der Kadett Karl Hojer. «Lassen Sie mich zur Tür', ich bring' sie im Nu auf!" sagte er. Die Autorität dieses Gehilfen Beinstellers war so groß, daß man ihn zur Tür ließ. Karl besah das Schloß und erklärte:»Dazu braucht man einen Schlosser? Das wird so gemacht." Er drehte mit einem Draht den Schlüssel um, stieß ihn auS dem Schloß und öffnete dann mtt dem Schlüssel der Dufek die Tür. Das Ganze hatte zwei Minuten gedauert. E» ist nicht möglich, den Vorhang über die Szene zu senken, die sich zwischen Jaroslav, der Dufek, ihrer Tante und Magdalena nun abspieste. Wir können die Angelegenheit nicht verschweigen, weil der Skandal so entsetzlich war, daß er Magdalena bis ins innerste Marli erschütterte und Jaroslov die Lust benahm, zwei Monate lang an LiebeStollheitcn zu denken. Vergebens bemühten sich Mutter Chalupa und Frau Mafchin, Magdalena de» Krallen der beiden wütenden Frauen zu -■- entreißen. Es wäre ihnen schließlich vielleicht dock gelungen, aber unglücklicherweise gesellten sich dit Frauen des Voderhauses dazu. Die eine Hälfte verprügelte Jaroslaw, die andere Madgalena. Bevor die Aermsten über die Stiege in den Hof gelangen konnten, waren sie tüchtig verbleut. Dort glaubten sie sich geborgen- Zu ihrem größten Unglück war daS HauStor abck bereits geschlossen und die tobenden Weiber jagte» die beiden so lange durch den Hof, bis Jaroslawl Wunde von neuem aufbrach. Das Blut ergoß sich in Strömen. Er wurde ohnmächtig und— wak gerettet. Magdalena wäre erschlagen wordenhätte sich die Schwarze Kathi ihrer nicht angenommen und sie in die Wohnung gezogen. Magdalena bot einen jammervollen Anblick. Sie war nur im Hemd, das in Fetzen gerissen und von Blut beschmutzt war. föi Körper blutete a» vielen Stellen. Sie war so erschöpft, daß sie ohnmächtig zusammenbrach und von der Schwarze» Kathi mit Kognak gelabt werden mußte. Die Frauen, die den Nimbus vergessen hatten, der die Wohnung der Kathi umgab, versuchten, in die Stube zu gelangen, um das Werk der Zerstörung zu vollenden. Spät nachts erst schlich die Chalupa herein. Sie hatte auch ihren Teil mitbekommen, weil die Erziehung Magdalena- ihr Werk war. Sie und Sophie brachten der Verprügelten di« Kleider. Doch die Hebamme ließ sie nicht z» Magdalena.»Sie windet sich in Krämpfen, ist außer sich, und meine Tochter, die Medizinerin, ist bei ihr." Mutter Chalupa schluchzte herzzerbrechend und Sophie war überzeugt, die Welt hätte sich gegen ihre Familie verschworen. Beinsteller saß schon di« dritte Woche. Bald würde er komme» und die Sachen verlangen, die er ihr zur Aufbewahrung gegeben hatte. Was sollte sie ihm sagen? lFortseung folgt.) Nr. 135 Sonntag, 9. Jfttttf 1935 Sette 8 Mussolinis kleiner Kries Der Kampf um Abessinien* »Mangasta Itiopia« Abgeschlossenheit und auf dem festungsartigen Ge- 1 zwar viel Gut und Blut, hatte aber bei weisem birgsMassiv die Unabhängigkeit des Lehensreiches, das seit Urzeiten besteht. Gegen alle Angriffe des JslamS, der an Abessinien vorbei nach Westen ausbog und den Sudan kolonisierte, südöstlich bis Dar es Salaam vordrang, konnte sich das christlich-feudale Reich auf dem Hochland halten. Jahrhunderte lang hatte es dann Ruhe. Der verfallene Islam bedrängte es nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erst schlugen die Wellen der Geschichte wieder an die Felsmauern von Habesch. Das Vorspiel In den achtziger Jahren d«S vorigen Jahrhunderts begann der große Wettlauf der imperialistischen Mächte nach den letzten herrenlosen, besser gesagt, den lichten noch nicht vom Kapitalismus Rund eine Viertelmillion italienischer Soldaten, ausgerüstet mit den modernsten Kriegsmitteln, stehen in der Kolonie Erythrea bereit, den Feldzug gegen Abessinien zu beginnen, sobald Mussolini es will und das Klima es zuläßt. Die öffentliche Meinung Europas gibt sich zum großen Teil noch immer den Anschein, daß sie nicht ernstlich an die Kriegsgefahr glaube und daß Mussolinis Mobilisierung, seine Drohungen, die Sprache der italienischen Presse und die planmäßige Vereitelung des Schiedsgerichts durch Italien nur der Verteidigung des italienischen Kolonialbesitzes gegen den abessinischen Angreifer sei. In Wahrheit ist der Krieg in Aethiopien nur noch durch die Kapitulation Abessiniens zu vermeiden. Mussolini hat in das afrikanische Abenteuer soviel Kapital investiert, nicht zu reden von dem moralischen Einsatz des Fascismus, der das größte politische Risiko bedeutet, und von dem Einsatz an Menschenleben, daß er ohne Er folg, ohne großen und sichtbaren Erfolg nicht mehr zurück kann. Wenn die Anwesenheit des italienischen Heeres vor den Toren der aethiopischen Bexgfeste den Negus Negesti, den Kaiser von Abessinien, veranlaßt, gutwillig ein Pfründner und Satrap Italiens zu werden— so wie die verschiedenen Araberkönige Pensionäre des britischen Imperiums und die nordafrikanischen Berberfürsten die Puppen Frankreichs sind— dann wird der Krieg vermieden werden und die italienischen Machthaber werden im Frieden in Addis Abeba einziehen. Wenn Abessinien sich aber nicht unterwirft, dann kann selbst Musso lini. den Frieden nicht mehr erhalten» auch wenn er es wollte. In mannigfacher Weise wird der Krieg um Abessinien für Europa interessant sein. Er wird eine Probevorstellung für den nächsten Weltkrieg sein Und auf einem kleinen Ausschnitt der großen Bühne unserer Zeitgeschichte das grauenhafte und über alle Ahnungen blutige Schauspiel einer Massentötung mit den modernsten technischen Mitteln bieten. Er kann aber auch, ähnlich wie der kubische Feldzug der Italiener im Jahre 1911/12 den Auftakt zum Weltkrieg selbst bilden. erfaßten Fetzen Landes. Die Franzosen nahmen Tun i s, die Engländer Rhodesien. Im Sudan entfesselte der Mahdi eine große nationale Bewegung. Als die Engländer den Mahdi niedergeworfen hatten und Kitchener die islamitische Bewegung in Karthum und Omdurman im Blute ertränkt hatte, stießen bei Faschoda Briten und Franzosen aufeinander. Es wäre fast zu einem Weltkrieg gekommen. In jenen Tagen begann auch Italien Kolonialpolitik zu treiben. Die. beiden jüngsten. Großmächte, das Deutsche Reich und Italien,. hatten. es,besouders schwer, bei dem wütenden Ringen um Land und Sklaven ihren Bissen, von der Beute zu.erhalten. Deutschland setzte sich immerhin als die stärkst« Militärmacht des Festlandes und als aufblühendes Industrieland bald durch. Italien wurde als Großmacht eigentlich nicht ganz voll genommen. Seine sozialen und politischen Krisen, seine militärischen Niederlagen im Jahre 1866, sein Mangel an den wichtigsten Rohstoffen machten es beinahe konkurrenzunfähig unter den Weltmächten. Zu Beginn der neunziger Jahre entschloß sich die Regierung C r i s p i dennoch zu einem kolonialen Vorstoß. Die Italiener setzten sich am Westufer des Roten Meeres fest, nahmen den Hafen M a s- s a u a und nannten die Kolonie Erythrea. Der Besitz dieser Küste hatte nur dann einen Wert, wenn man sich politisch und wirtschaftlich auch das Hinterland erschloß. Also drangen die Italiener unter heftigen Kämpfen mit den Mahdisten in das Land vor, in dem Geld, Elfenbein, Kaffee, Gummi und andere Kolonialvrodufte winkten. Bis 1895 ging es vorwärts und die italienische Presse feierte in überschwenglichen Hymnen die Siege über die Araberhorden und Negerstämme. Da griff der Negus von Abessinien, Menelik, selbst in den Kampf ein. Am 7. Dezember 1895 würde der Major TosellibeiAmbaAladschigeschlagen, am 20. Jänner 1896 mußte der Major Galli a n o in Makalle kapitulieren und, als über Drängen Crispis der Nationalist. Presse'der General B a r a t i e r i selbst den Vormarsch ins Bergland begann und mit 26.000 Mann gegen Mene- lik marschierte, wurde er am 1. März 1896 bei A d u a vernichtend geschlagen. Italiens Kriegsruhm hatte einen neuen dunklen Fleck abgekriegt. Das Abenteuer mußte liquidiert.werden., Im Frieden von A d dis Abeba verzichtet Italien auf jede Vorherrschaft über Abessinien und begnügte sich mit dem Besitz der wenig wertvollen Küste, von der es nunmehr keine Landverbindung zu seiner anderen Kolonie, dem.Somaliland hatte. Der wichtige Hafen D s ch i b u t i kam in französischen Besitz und die Franzosen bauten eine Bahn nach Abessinien, so daß Massaua auch als Hafen jeden Wert verlor. Italiens Weltkriegsspekulation Als Italien in den Krieg eintrat, ließ es sich in London von den AlliicrtenMächten nicht nur Tirol bis zum Brenner und das jugoslawische Küstenland samt'Dalmätien und den Inseln, sondern auch einen entsprechenden Anteil bei der Verlosung der deutschen Kolonien zusprechen. Denn der italienische Kolonialbesitz war wohl 1912 um Tripolis(Lybien) vermehrt worden, aber . auch dieser Küstenftreifen ohne Hinterland kostete Das, ist der offizielle Dtckl deS Reiches, um dessen politische Selbständigkeit es in dem Kampfe geht. In Europa ist es bekannt unter, dem geographischen Namen Abessinien. Der Titel.Kaiser", mit dem man das monarchische Oberhaupt des Lehensstaates bedenkt, ist eine recht willkürliche Uebersetzung der Rangsbezeichnungen, die sich der Negus Negesti(Ras Taffari Makonnen etc.) in den landesüblichen Sprachen beilegt. Das eigentliche Abessinien ist ein Hochland, ßas gegen den Sudan und gegen Aegypten allmählich, gegen das Rote Meer und das Somaliland im Osten und Südosten aber sehr steil abfällt. Die durchschnittliche Höhe der Hochfläche ist 2000 bis 2300 Meter Mer dem Meere. Aus dem Hochland aber ragen neben den zahlreichen, steilabfallenden und fast unzugänglichen Tafelbergen eine Reihe Gipfel bis zu 4600 Meter Meereshöhe empor. Auch ist die Hochlandschaft von tiefen, canonartigen Tälern durchschnitten. Die meisten Flüsse laufen gegen Westen zum Stromsystem des Nil. Die Hochfläche hat Seen, deren bedeutendster der T a n a- s e e(in 1750 Meter Höhe) ist, der den Blauen N i l speist und für die Engländer darum von größter Wichtigkeit ist. Während die Hochfläche selbst(die W o i n a Deka) ein erträgliches Klima hat und den Anbau von Getreide, Wein und Kaffee gestattet, ist die Zone bis zu etwa 1800 Meter, die K o l a, die sich zwischen das Uferland am Roten Meer und. das eigentliche Abessinien schiebt, ein unwirtliches und schwer zu durchdringendes Gebiet. Versumpfter Urwald wechselt mit Wüste ab und die scheußlichsten Epidemien der tropischen Zone(Abessinien fliegt etwa zwischen dem 5. und dem 15. Grad nördlicher Breite) machen das Leben, das in dem heißen Sumpfgcbiet wie in der wasserlosen Wüste zur Plage wird, auch noch zu einem täglichen Kampf mit den tückischesten Bakterien. Die alpine Zone, die Del a, ist dagegen weithin bewohnbar und zur Viehzucht wie stellenweise auch noch zum Ackerbau geeignet. In diesem Land von der ungefähren Größe Deutschlands Plus Polens wohnen rund 16 Millionen Menschen, die nach Rasse, Kultur, Religion und Sprache ein Gemisch aus den verschiedensten Völkerschaften bilden, die der Orient hervorgebracht hat. Hamiden, Semiten, Neger stellen den Hauptbestandteil. Die vorherrschende Sprache ist semitischen Ursprungs, das alte Aethiopisch tvird kaum mehr gesprochen. Von Aegypten her ist das Volk— die Araber gaben dem Lande den Namen Hades ch,. den es behielt— gegen Ende des Altertums christianisiert worden. Die jakobitische Landeskirche bewahrt äußerlich das Christentum, Lehre und Bräuche sind aber von heidnischen, jüdi- schcn und iflamischen Elementen bunt durchsetzt. Die geographische Lage begünstigte die nicht den Wert etwa der französischen Kolonien in Nordafrika. Nun spitzte Italien auf eine der deutschen Kolonien in Afrika. Da aber der Weltkrieg gewonnen wurde, ohne daß man von italienischen Siegen und Erfolgen viel vernommen hätte(der »Sieg" von Vittorio Veneto wurde ja erst nach dem Waffenstillstand erfochten) hielten sich die Mächte in Versailles auch nicht sonderlich an den Londoner Vertrag gebunden. Frankreich bekam Syrien, England Arabien, Mesopotamien und das Mandat über Deutsch-Ostafrika. Japan und die Südafrikanische Union wurden bedacht. Italien ging leer aus. Seither fühlte sich Italien unter den Siegern als der Geprellte. Unter O r l a n d o und R i t t i grollte es bloß. Unter Mussolini begann es die Revision laut und mit dauernden Kriegsdrohungen zu fprdern., Die Revision auf dem Ostufer der Adria, das bedeutet aber den Krieg mit Jugosla- wien und, wahrscheinllch mit Frankreich. Dazu fühlt sich Mussolini nicht stark genug. Einen Vorstoß nach Asien(Smyrna) plante der Duce wcchl, Mer KemalPascha wußte sich durch den Bal- kanbund zu sichern. Italiens eventueller Bundesgenosse Bulgarien zähll um so weniger, fest Rumänien den Rücken gegen Rußland frei hat und der Aufstand Venizelos' in Griechenland gescheitert ist. Der FascismuS braucht aus innerpolitischen Gründen dringend einen kriegerischen Erfolg. Mussolini persönlich braucht den Lorbeer, um sein Bild in die nationale Geschichte mit einer wirklich .napoleonischen" Tat, sei sie auch noch so klein, eingehen zu lassen. Die europäische Konstellation von 1935 verlockte zu einem Abenteuer. Denn nach BarthousTodist Italien leider der allgemein umworbene Bundesgenosse geworden, Mussolini wie Pontius ins Credo in den Friedenstempel eingezogen und zum»Hort" der europäischen Sicherheit geworden. Von Frankreich ließ Mussolini sich kleine Zugeständnisse im Gebiet von Erythrea machen. Es würde, so hoffte er, auch zu größeren bereit sein. Also holte er zum Schlage aus. »Im Dienste der Zivilisation« Seit Monaten behauptet die italienische Presse, daß die Zustände an der abessinischen Grenze unerträglich seien. Täglich gibt es Grenz-Zwischenfälle. Immer werden unschuldige italienische Soldaten, italienische Garnisonen, italienische Agenten von heimtückischen Wilden Merfallen. Es will nicht recht damit übereinstimmen, daß die Angreifer gewöhnlich tot auf dem Platze bleiben, während die Angegriffenen dank ihren Maschinengewehren und Panzerwagen mit heiler Haut davonkommen. Es ist auch merk- wüvdig, daß Abessinien dauernd Um die Vermittlung des Völkerbundes bittet, sich zu jedem Schiedsgericht bereit erklärt, Ivährend das beleidigte Italien die Schiedsgerichte sabotiert und den Völkerbund offen verhöhnt. Aber ein Teil der europäischen Presse ist korrupt, ein anderer dumm genug, die Märchen von dem angriffslustigen Abessinien und dem in heiliger Verteidigung befindlichen Italien nachzubeten. In Abessinien herrschen auf dem Gebiet des Rechtswesens, der Verwaltung, der Wirtschaft barbarische Zustände. Die italienische Presse versichert, daß Italien die heilige Mission HMe, Abessinien zu zivilisieren. Aber da Abessinien dem Völkerbund angehört, ist es eindeutig sicher, daß nur derBölkerbunddas Recht hat, dasLandzuzivilisieren. Italien müßte ein Mandat des Völkerbundes anstreben. Aber es hat allen Grund, das hierzu nötige Verfahren zu scheuen. So barbarisch die Verhältnisse in Abessinien sein mögen, das fascistische Italien ist nicht berufen, sie zu bessern. Ein Land, in dem der Fascismus geschaffen wurde und noch herrscht, bedarf selbst der Zivilisierung durch seine eigene, entrechtete und unterdrückte Bevölkerung. Es wäre Ausdruck der tiefften Schande Europas, wenn Italien als Repräsentant europäischer Kultur in einem Lande auftreten würde, das bei aller Rückständigkeit seinen Untertanen vermutlich mehr Freiheiten und Rechte gewährt als der italienische Korporationenstaat den seinen. Wenn Mussolini Abessinien durch Krieg oder Kriegsdrohung vergewaltigt, so wird das ein reiner Raubkrieg sein, für den es keine Beschönigung gibt. Es wird außerdem ein Stoß ins Herz des Völkerbundes und ein moralischer Erfolg Hitlers sein, der durch das Versagen der europäischen Rechtsordnung groß geworden ist und von nichts so profitiert wie vom Hinweis auf die moralische Unzulänglichkeit seiner Gegner(mag sie auch von objektiven Betrachtern neben der deutschen Ordnung noch als Ideal angesehen werden). Das Risiko Divisionen auf Divisionen sendet Mussolini nach Massaua. Ein Drittel des mobilen italienischen Heeres steht in den verpesteten Garnisonen von Erithrea, 3Ö00 Kilometer Luftlinie von den süditalienischen Häfen entfernt. Noch immer wagt der Duce nicht den offenen Angriff. Abessiniens Heer ist an Zahl geringer als das italienische. Der Negus wird 150.000 Mann aufstellen aber nur mangelhaft bewaffnen können. Die Waffeneinfuhr» die von Deutschland, Mer auch von den Westmächten aus forciert wird, kann Wessiniens Heer nicht auf die Höhe des italienischen bringen. Aber der Negus hat zwei mächtige Bundesgenossen: das Klima und die B e r g e. Auch der süditalienische Soldat leidet furchtbar unter dem tropischen Sumpf- und Wüstenklima ErythreaS. In der wasserlosen Zeit ist der Vormarsch von 250.000 Mann durch Gebiete ohne Trinktvasser Mussolini über Kolonisiabenteuer Ein« zeitgemässe Erinnerung Unter der Ueberschrift„Die Apo- theose des Bluffs“ schrieb der Chefredakteur des sozialdemokratischen ,,Avanti“, Benito Mussolini, über einige Kundgebungen für den Kolonialkrieg in Lybien am 21, Jännet 1913: Die Paraden von Neapel und Rom müssen als Symptom der gegenwärtig festzustellenden Tendenz der italienischen Monarchie, zu einem Militarismus großen Stils zurückzukehren, gewertet werden, jenes Militarismus wie ihn Crispi und König Humbert vor Abba Garima(große Niederlage der Italiener im abessinischen Krieg IS96) anstrebten. Die Monarchie läßt also ihre trügende demokratische Maske fallen, welche ihr dazu diente, die Opposition im Inland zu erschlagen, und wirft sich dem Militarismus, der zur vorherrschenden Macht im Leben der Nation wird, in die Arme. Das wird sich eindeutig zeigen, wenn die ersten Volksbewegungen spürbar, wenn Belagerungszustand und Kriegsgerichte in Funktion treten werden. Heute stehen wir vor dem Schauspiel, daß das offizielle, national-konservativklerikale Italien sich vor der Säbelherrschaft beugt, das Heer zur Schule des Volkes wird. Wir haben diese Pervertierung der Moral vorausgesehen und wundern uns nicht. Alles dies ist selbstverständlich. Aber es täuschen sich jene, die diese militärische Vormacht s t e 11 u n g f ür ein Z eich e n d e r Kraft halten. Das wäre durch nichts gerechtfertigt. Starke Völker haben es nicht notwendig, einen inhaltslosen Karneval, wie er derzeit die italienische Presse in Entzücken versetzt, zu veranstalten. Starke Völker haben Sinn für Beschränkung. Das nationalistisch-militaristische Italien zeigt, daß es ihn nicht besitzt. Daher wird jede kleine Episode des Feldzuges zur großen Schlacht, jeder Teilerfolg zum triumphalen Endsieg und jeder General— sei er auch taub wie Pe- cori Giraldi— zum Scipio oder Napoleon. Daher macht man aus einem niederträchtigen Raubkrieg römische Triumphe... kaum denkbar. Der notwendige NachschM von Trinkwasser würde alle EtMpenwege für andere Zufuhren sperren. In der Regenzeit wieder ist die Frage des Vormarsches auf zerstörten Wegen ein kaum lösbares Problem. In den engen Tälern des Hochlandes, zwischen den ragenden Gipfeln und den Mauern der Tafelberge werden die modernen Waffen des italienischen Heeres nicht immer zur Geltung kommen. Der Luftkrieg gegen ein wenig zivilisiertes Land ist ein wahrer Luftstoß. Auch 1935 ist Italien nicht gegen Ueberraschungen gefeit, wie es sie 1896 erlebt hat. Und England? Das wird die Kardinalfrage: wie nimmt England den Feldzug Italiens an die Quellen des Blauen Nil auf? Vorläufig tobt zwischen London und Rom eine heftige Pressefehde. In Genf hat England sich für die Rechte Abessiniens eingesetzt. Wird England mehr tun? Der Tanasee ist für England eine Lebensfrage. Denn er speist den Nil und damit die ägyptischen Baumwollkulturen. Wessinien in italienischer Hand, das bedeutet die Gefährdung der Landbrücke Kapstadt— Kairo, die England sich im Weltkrieg erobert hat. Italien war jahrzehntelang kein Gegner für England. Es war der Satrap der Londoner Politik, ihr Partisan im Mittelmeer. Heute ist Italien ein Gegner, den man in London nicht Mer die Achsel ansieht. Ebendarum darf er nicht mächtiger werden. Ebendarum bekämpft England Hitlers Flottenprogramm, denn eine starke deutsche Flotte hält soviel engl. Schiffe in der Nordsee fest, daß England im Mittelmeer Italien nicht gewachsen ist. England hat das größte Interesse daran, Italien von Wessinien fernzuhaüen, aber es hat auch das größte Interesse an der Erhaltung des Friedens. Wird es den Suezkanal für italienische Truppentransporte sperren? Wird es Italien freie Hand lassen und lieber eine lebenswichtige Position als den Frieden opfern? Das ist die Frage, von der das Schicksal Abessiniens, aber vielleicht auch das Europas abhängt. E. F.\ Mussolini droht Rom.(Tsch. P.-B.) Mussolini erklärte in Cagliari in Sardinien in einer Ansprache an die Truppen: Wir haben alte und neue Rechnungen z« begleichen. Wir begleichen sie, ohne darauf Rücksicht z» nehmen, was man dazu jenseits der Grenzen sagen wird. Seite 4 Sonntag, 9. Juni 1935 91t. 135 fadeicndoitecftcr Zcitepie^cf Anläßlich der Psmsstfeicrtage entfällt die AuSgabe unseres Blatte- vom Dien-ta-, den 11. Juni 1935. Die Verwaltung. Das Ende der SA Konrad Henleins Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan... Al» die S.A. Adolf Hitler mit Mord und Raub, Totschlag und Diebstahl in den Sattel gehoben hatte und nun die Einlösung der Versprechungen des„Führers" erwartete, wurde Lieser seiner Leibgarde überdrüssig. Röhm, Heines, Ernst und andere, die sich zu widersetzen drohten, fielen in der deutschen Bartholomäusnacht. Wie Adolf sich räuspert und wie er spuckt, hat Konard ihm glücklich abgeguckt. Wenn auch die Knüppelgarden der S.H.F. keine Bartholomäusnacht zu befürchten haben, so ist nun doch auch für sie die Stunde gekommen, da der sogenannte Ordnerdienst der S.H.F., der der S.A. Adolf Hitlers zum Verwechseln ähnlich sieht und seine Kader aus dem Volkssport übernommen und um allerlei dunkle Existenzen vermehrt hat, das Zeitliche zu segnen gezwungen wird. Das sagt deutlich genug folgendes Schreiben des Gauleiters des Ordnerdienstes in der S.H.J. im Wahlkreis Böhmisch-Leipa: Tetschen, den 4. Juni 1935. Ordnerdienst der S.H.F. Wahlkreis vöhm.-Leipo. An alle Bezirksordnerleiter! Im Auftrage der Hauptleitung in Eger löse ich somit den gesamten Ordnerdienst im Wahlkreis Böhm.-Leipa auf und ersuche die Auflösung in den Euch unterliegenden Ortsgruppen sofort nach Erhalt dieser Weisung durchzuführen. Wie Such bereits aus den Richtlinien über den Ordnerdienst im Wahlkampfe bekannt ist, findet nunmehr die Rückgliederung der seinerzeit für den Ordneodienst auserlesenen Kameraden zurück in den Werbedienst statt. Sämtliche Ordnerleiter find dadurch ihre- Amtes entledigt und werden aufgefordert, besonder- tatkräftig im sföerbedienst miizuarbeiten und ihren übrigen Kameraden in jeder Beziehung als Vorbild zu dienen. Unsere nächste Aufgabe ist also, die innere Organisation unserer Bewegung durch tatkräftige Mitarbeit zu unterstützen und vor allem den Volksgemeinschafts-Gedanken in unseren Reihen in der Tat umzusetzen. Ihr alle wißt, daß sowohl Kameraden innerhalb der Untergliederungen wie auch em großer Teil von den in letzter Zeit so zahlreich zugefloffenen Mitgliedern von unserer Idee noch nicht so felsenfest überzeugt find urck unsere politische Einstellung nur von der leichten Seite hinnehmen. Hier heißt es also besonders eingreifen, damit unser Kampf um die Erhaltung unserer deutschen Scholle als ein geschlossenes Ganzes zum Ziele führen muß. Ich erwarte von Euch, daß Ihr Euch wie im Wahlkampf so auch in Zukunft restlos zur Verfügung stellen werdet. Mit kameradschaftlichem Gruße: Hans May. Dieses Rundschreiben ergänzt die Publikationen der Kanzlei Konrad Henlein- in der„Rundschau", in welcher die Weisung ergeht, alle Ansuchen um geldliche Zuwendungen, wie Darlehen, Spenden und Unterstützungen zu unterlassen. Nun auch die Abrüstung des sogenannten Ord- nerdiensteS. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan... Mit der 25-XL-Löhnung, manchmal auch weniger, manchmal etwas mehr, den freien Auto« und Autobusfahrten, Bahnfahrten, Exkursionen von Teplitz bis Warnsdorf und von Aussig bis Karlsbad zum Zwecke der Nisderkämpfung der Marxisten,— damit ist es nun vorbei. Die Wahl ist ja vorüber. Bis wieder Wahlen kommen»— wer weiß, wie es dann aussieht I ES wird viele unter seinen Ordnern geben, denen diese Art des Dankes merbvürdig vorkom- mm wird. Vielleicht wird mancher zu verstehen beginnen, we-halb er für 25 Kronen kilometerweit fuhr, ganze Rächte opferte und auf die Marxisten losdrosch. Immerhin haben sie der S.A. Adolf Hitlers gegenüber den Vorteil, daß sie weder Konzentrationslager fürchten muffen noch die Gefahr, auf der Flucht erschossen zu werden. Die Herrschaften«erden sich irren! Unternehmeroffensive gegen das koalitionsrecht Der Appetit der großinduftriellen. Hinter- inänner der Henleinpartei ist nach den Wahlen stark gewachsen. Offenbar wollen sie ihre Wahl« sondsgelder möglichst schnell mit den entsprechenden Zinsen wieder hereinbekommen. Das kann natürlich nur aufKosten derArbei- t e r geschehen, und so ist es eigentlich gar nicht sehr verwunderlich, daß jetzt neben dem Kampf gegen den politischen Marxismus auch Angriffe gegen die besten Verteidiger der sozialen Errungenschaften der Arbeiterschaft, gegen die freien Gewerkschaften, einsetzen. Ueberraschend ist eigentlich nur das Ausmaß der Provokationen, die sich die Herrschaften nunmehr schon ungestraft erlauben zu können glauben. So ist der Verband der deutschen Textilindustriellen(Allgemeiner Deutscher Textilverband Reichenberg) vor einigen Tagen ganzstaatlichen Verhandlungen zwischen den Unternehmerverbänden und den Gewerkschaften ferngeblieben und hat auch nicht, wie üblich» die Einladung zur Teilnahme an den Verhandlungen den beiden Vertragspartnern, der U n i o n der Textilarbeiter in Reichenberg und der Christlichen Textilarbeitergewerkschaft in Zwickau weitergeleitet, sondern hat den Verband der tschechischen Textilindustriellen, der den Anstoß zu den Verhandlungen gab, schriftlich verständigt, daß sie diese beiden deutschen Arbeiterorganisationen, die sich vorher an allen diesen Verhandlungen beteiligten, nicht eingeladen hätten, weil sie sie nicht mehr als einzige und ausschlaggebende Vertreter der Arbeiterschaft ansehen. Die Herrschaften wollen also mit Henleins Hilfe offenbar eine Art„Arbeitsfront" schaffen und hoffen, auf diese Weise den Einfluß der freien Gewerkschaften brechen zu können. Sie werden sich aber sehr täuschen. Die Vertreter aller beteiligten tschechischen Gewerkschaftsorganisationen haben dieses Vorgehen der Henleinfabrikanten sofort mit aller Schärfe verurteilt und sich mit den angegriffenen Gewerk- schastSorganisationen der deutschen Arbeiterschaft solidarisch erklärt. ES ist selbstverständlich, daß sich unsere Partei sofort mit alleu in Betracht kommenden behördlichen und gewerkschaftlichen Stellen in Verbindung gesetzt hat, um diesen unerhörten Angriff auf da- Koalition-recht der Arbeiter abzuwehre«. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß da- Ministerium für soziale seit- alle- daransetzen, um da- Koalitionsrecht der Arbeiter mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen. Die Herren Industriellen dürfte« sich bald davon überzeugen, daß ihre Bäume die-seit- der Grenzpfähle nicht lange nicht in de« Himmel wachsen! Die sozialdemokratische Partei, die fteien Gewerkschaften haben also sofort gehandelt, als diese Provokation der Textilindustriellen bekannt wurde, und haben alle Hebel in Be« loegung gesetzt, um den Angriff abzuwehren. Ander- die Kommunisten. Die begnügen sich gegen die Industriellen mit ein paar Zeitungsartikeln und benützen im übrigen auch diese Gelegenheit, um Zwietracht in die Reihen der freigewerkschaft« lich organisierten Arbeiter zu säen. DaS überrascht uns weiter nicht. Seit jeher war es so, daß die Sozialdemokratie die positive Arbeit leisten muß» und die anderen nur kläffen und sich damit begnügen, ihr in den Rücken zu fallen... Robert Schuman«— Otto Meolat Zum 125. Geburtstag der beiden Tonkünstler am 8. und 9. Juni. Weder das Theater noch unsere Deutsche Musikakademie in Prag als maßgebendste deutsche Hüter der Tonkunst in unserem Staate, noch die Prager deutsche Rundfunkleitung haben sich verpflichtet gefühlt, Robert Schumanns anläßlich seines 12 5. Geburtstages am 8. Juni und Otto Nicolais aus dem gleichen Anlaffe am 9. I u n i durch besondere Veranstaltungen zu gedenken. Das ist sehr beschämend, da diese beiden Tondichter zu den bekanntesten und beliebtesten, zu den bedeutendsten und markantesten Meistern der neueren Musikgeschichte gehören. Beide sind vor allem Hauptrepräsentanten der romantischen Musikrichtung; Schumann grundsätzlich und allgemein, Nicolai als Opernkomponist. Beide sind mit einzelnen ihrer Werk« wirklich ins Volk gedrungen und populär geworden; Robert Schumann durch etliche seiner schönen Lieder und in unzähligen Bearbeitungen verbreiteten kleineren Tonstücke,-— man denke nur an die immer wieder zu hörende«Träumerei",— Nicolai durch die Arien und Melodien seiner Oper«Die lustigen Weiber von Windsor". In dem Namen RobertSchuman, Fürsorge und vor allem der neue Leiter diese- Refiort-, Geuoffc Ino. R 11 a i, auch ihrer-* dieses genialen, nur leider allzu früh dem Trüb« Ohne Wahlrecht kein Wahlsieg I Lei den vergangenen Wahlen haben tausende deutscher Arbeiter und Arbeiterinnen kukz vor dem Wahltag die Feststellung gemacht, daß fie entgegen ihrer Annahme gar nicht wahlberechtigt find, weil sie in das Wählerverzeichnis ihres Wohnortes nicht eingetragen wurden. Besonder- jene Wähler und Wählerinnen, die im vergangenen Jahre erst da- Wahlalter erreichten oder 1934 die Wohnung oder den Wohnort gewechselt haben, ohne die notwendige Vorsicht durch die rechtzeitige Einsichtnahme in da- Wählerverzeichnis walten z« lassen, kamen um das höchste staatsbürgerliche Recht. So war es nicht nur draußen in der Provinz, in Städten, die sonst gut verwaltet werden und von denen man annimmt, daß mit Absicht niemand um das Wahlrecht gebracht wird, sondern so war es vor allem in der Hauptstadt Prag, wo unzählige Deutsche am 19. und 26. Mai nicht wählen konnten, weil sie keine Stimmzettel erhielten. Wir wissen, daß auch jetzt nicht jeder Wahlberechtigte die notwendige Kontrolle ausüben wird, um sich das Wahlrecht zu sichern, denn die Gleichgültigen und Lauen rüttelt auch der Verlust des Wahlrechte- nur am Wahltage selbst auf, am nächsten ater hat er schon wieder vergessen, daß er durch seine Schlampigkeit zum Bürger dritter Ordnung geworden ist. Für diese Menschen muß man, soweit sie Arbeiter»nd Arbeiterwähler find, durch die o r g a» nisierteKontrollederWählerver- zeichnisfe sorgen. Da- heißt, unsere Organisationen müssen kleinere Ausschüsse in den einzelnen Rahonen der Gemeinden bilden, die sich vor allem um jene Wähler, die neu zugezogen, die Wohnungen gewechselt oder neu das Wahlalter erreicht haben, kümmern. Daneben muh man natürlich auch auf alle andern Wähler mit Bedacht nehmen,«nd für fie die Kontrolle in den Wählerverzeichnissen auSüben. Diese Ausschüsse haben aber auch die Aufgabe,«ufere Wähler in diesen Tagen durch persönliche Ansprache, durch eine schriftliche Weisung oder durch eine Notiz in der Presse auf die Einsichtnahme in die Wählerverzeichnisse»nd die ihnen zustehende Reklamationspflicht aufmerksam zu machen. D i e W ählerverzeichnisseliegeni« derZeit vom 15. b i S 22. Juni zur öffentlichen Einsicht auf. Jeder Wähler hat in der im Gesetz bestimmten Zeit das Recht, in die Verzeichnisse Einsicht zu nehmen «nd kann daS auch für andere Wähler tu«. Wähler, die im Verzeichnis nicht enthalten sind, können in der genannten Frist durch eine Reklamation in da- Verzeichnis gebracht werden. In Gemeinden mit über 20.000 Einwohner« müssen Hauslisten aufgelegt werden. Diese Bestimmungen de- Gesetze- über die Wählerverzeichnisse müssen in diesen Tagen den Arbei» tcrwählern in Erinnerung gerufen werde«, damit die Verluste im Wahlkampf infolge Schlamperei vermieden werden. Kleine Wochenschau Laval, der starke Mann Ribbentrops Pfingstgesdienk an Baldwin Das Klima— Abessynlens bester Verbündeter Henlein In Genf sinn verfallenen Tondichters, klingt alle Romantik auf, die wir uns musikalisch denken und vorstellen können. Seine zahlreichen Tonschöpfungen,— seien es jetzt die wundervoll erfühlten Lieder, die an künstlerischem Wert unmittelbar Hinter denen Franz Schuberts stehen, und deren dem Meister ein Bierteltausend glückte, seien es die einzigartigen, durch höchste Originalität in Rhythmus und Harmonie ausgezeichneten Klavierstücke, deren Zahl ebenfalls in die Hunderte geht, seien es seine Kammermusikwerke und Symphonien, seien es schließlich seine Shorschöpfungen, unter denen«Das Paradies und die Peri",«Der Rose Pilgerfahrt" und das«Requiem für Mignon" zu Standwerken der Konzertsale geworden sind,— alle diese Werke sind echte Blüten der Romantik, sind Gaben eines wahren poetischen Geistes. Schumann ist immer Poet als Komponist, immer der gefühlsselige SDvärmer. DaS mag auch der Grund sein, daß ihm der große Wurf nie gelungen ist, daß sein einziger Opernversuch(«Genoveva") fehlschlug und daß auch seine Symphonien unter dem Uebermaß lyrischer Weichheit leiden. In der musikalischen Kleinkunst aber ist Schumann unerreichter Meister geworden; hier paart sich die Poesie mit einer unnachahmlichen Kun st der Ornamentik. Unübertroffen ist auch der Rhythmiker Schumann; der Rhythmus wird bei ihm zum Prinzip und zum Puls« schlag des TonpückeS, dessen Seele die blühende Melodie ist. Gedenkt man übrigens des Musiker- und Künstlers Schumann, dann darf man auch seine reproduktive künstlerische Bedeutung nickt übersehen und seinen außerordentlichen Rang als Musikschriftsteller. Denn Robert Schumann war einer der glänzendsten P i a n i st e n seiner Zeit und gilt mit Recht als der erste groß- Musikkritiker. Seiner würdigenden Feder verdankten viel Komponisten ihre Förderung und Entdeckung: Chopin, Heller, Henselt, Mendelssohn, ja,— genial vorauSsehend,— schon Johannes BrahmS. Auch die erste selbständige Musikzeitschrift hat Schumann begründet. OttoNicolaiist nur durch seine romantisch-phantastische Oper«DielustigenWei« bervonWindsor" bekannt und berühmt geworden. Aber dieses einzige geniale Werk hat genügt, seinen Schöpfer populär zu machen. Die «Lustigen Weiber von Windsor" sind nicht nur eines der besten Werke der komischen Opernliteratur, sondern auch eines der unverwüstlichsten und immer wieder mit Entzücken aufgenommenen. Unversiegbar ist der melodische Quell dieser Opernmusik, doll von Anmut ihre Gestaltung, von köstlichster Charakteristik ihr Humor. Erst acht Wochen vor seinem Tode erlebt^ Nicolai die Aufführung dieser Oper. Alle seine früheren Opernwerke aber sind heute ganz verschollen» ebenso seine übrigen Tonschöpfungen. Er schrieb unter anderen zwei Symphonien, ein Requiem» ein Te deum, Ouvertüren, Chöre, Lieder und Klavierstücke. Edwin Janctschck. Sonntag, S. Jun? 1S3S Sekte 8 Nr. 135„ Noch 20.000 Leichen unter de« Trümmern von Quetta In einem in Simla ausgegebenen amtlichen Bericht wird über die Lage im Erdbebengebiet von Britisch-Beludschistan erklärt:: Das gesamte Stadtgebiet von Quetta ist zerstört. Es wird sofort militärisch abgeriegelt, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Unter den Trümmern der Stadt liegen poch schätzungsweise 20.000 Leichen. Bon den etwa 10.000 Indern, die das Erdbeben überlebt haben, sind rund 4000 verletzt. Der größte Schaden wurde in dem Teil der Stadt angerichtet, in dem die britischen .Luftstreitkräfte untergebracht waren. Bon den 27 Militärflugzeugen sind zur Zeit nur noch sechs verwendbar. Auf dem in der Nähe der Stadt befindlichen Rennplatz ist ein großes Hilfslager errichtet worden. Flugzeug abgestürzt Bei riner militärischen Nachtübung Prag. Bei einer am Abend des 7. Juni ab- gchaltenen Fliegernachtübung geriet um 23 Uhr 15 das Flugzeug des Fliegerregimentes Nr. 3, Typ Ap—32, bei SträZnice in Mähren ins Trudeln und dem Piloten gelang es nicht, den Apparat auszugleichen. Der Beobachter Oberleutnant Anton S ä r o v e c rettete sich durch einen Fallschirmabsprung, der Pilot Zugsführer Wenzel K o p t a kam ums Leben. Der Apparat verbrannte beim Aufprall auf hie Erde. Die Ursache des Unfalles untersucht eine militärische Kommission. Zugsführer Kopta ist im Jahre 1908 geboren und stammt aus Älecanh bei Prag. Schadenssumme 70V Millionen Dollars Betrügereien einer New Aorker Finanzgesellschaft Die zuständigen Behörden haben gegen die New Aorker Investitions-Gesellschaft„New Aort Title and Mortgage Company" wegen betrügerischer Manipulationen in der Höhe von mehr als 700 Millionen Dollar Klage eingebracht. Die Dkehrzahl der gefälschten Wertpapiere, mit welchen die Gesellschaft handelte, befindet sich in den Händen von Banken und Finanzgesellschaften. Den steinen Sparern hat die Gesellschaft gefälschte Papiere im Werte von 200 Millionen Dollar verlauft. Die Gesamthöhe der Betrügereien ist etwa . fünfmal so groß, wie di« Betrügereien JnsullS., DaS rettende Gift. In der Hitlerpresse kst ein sensationeller Artikel erschienen. Ein Artikel, der sich höchst lobend mit dem zionistischen Palästina auSeinandersetzt.„Die Haltung Palä- i stinas," so heißt es in diesem Aufsatz,„das den Poykottring um Deutschland durchbrochen hat und dessen Handelsabschlüsse für uns von größter Wichtigkeit sind, bietet uns einen Trumpf, den wir wohl beachten sollten". In der gleichen ?tummer deS gleichen Blattes, in dem wir die- sen originellen Aufsatz lasen, finden wir auch eine„rassehygienische Auseinandersetzung", in der man erftärt, daß die Duden„Gift für jeden Deutschen",.^Verbrecher aus Beranla- aung" und„Gauner aus Leidenschaft" seien. Die Zusammenstellung dieser beiden Arttkel er- letzt jeden, auch den bissigsten Kommentar. In Palästina— die Metter vor Pleite und Boykottgefahr, in Deutschland„dar Gift für jeden Deutschen" und Verbrecher auS Beranla- Sung"... !~ Fünfviertel Stunden lang verschüttet. TamStag früh ereignete sich im Masaryk-Viertel .>n Brünn ein schwerer Unglücksfall, dem fast ein Menschenleben zum Opfer gefallen wäre. Auf dem ! Kuhberg werden Ausgrabungen für die Wasser« k'hre vorgenommen. Die Gräben sind etwa 2.70 Mieter tief. An einer Stelle stürzte eine Erdwand sm und verschüttete den im Graben stehenden 39- iärigen Arbeiter Mathias K o v a k t k. Seine Kameraden eilten ihm zu Hilfe und es gelang ihnen, wenigsten den Kopf Kovattks von den Erdklaffen zu befteien, so daß dieser, der bereits bewußtlos war, wenigstens atmen konnte. Es ■ wurde die freiwillige Rettungsabteilung herb-i- kerufen, deren diensttuender Arzt Genosse Dr. Klein dem Verschütteten an Ort und Stelle eine Injektion gab. Die Feuerwehr hatte fünfviertel Stunden lang zu arbeiten, um den Berschütteten iu befreien. Kovarik hatte schwere innere Berlet- »ungen und schwere Quetschungen beider Beine : ttlitten und wurde von der RcttungSabteilung in bte Landeskrankenanstatt gebracht. . Soll der Fall Gach vertuscht werden? Zu fieser Frage schlecht die.W a h r h e i t":«Wie erinnerlich ist nach dem Freitod des unglücklichen Sekundärarztes der Prager Schloffer-Klinik eine Akademische UntersuchungSkommiffion unter dem »Vorsitz des Professors Starkenstein bestellt wor- I die— parallel mit der strafrechtlichen Ber- kvlgung— die Klärung dieses unerhörten Falles l>nd di« Disziplinierung der Schuldigen durchführen sollte. Inzwischen sind nun z w e i Monate ins Land gegangen, also eine Zeit verstrichen, die reichlich genügt hätte, um die notwendigen Erhebungen vorzunehmen und die not- 100 Jahre Havas-Büro Die älteste Presseagentur der Wett Am Sonntag findet in Parts die Generalversammlung der Aktionäre der Agenee HavaS statt, bei welcher Gelegenheit auch des 100jährigen Bestandes des Unternehmens gedacht werden wird. Das Havasbüro ist die älteste Presseagentur der Wett. Sie wurde im Jahre 1835 von dem Pariser Kausinann ungarischen Ursprungs Karl Havas gegründet und lieferte zuerst den Zeitungen, den Ministerien und Gesandtschaften Uebersetzun« g e n von Meldungen der ftemden, hauptsächlich der englischen Preffe. Im Jahre 1846 richtete sie einen eigen en Kurierdienst zwischen London und Brüssel ein, wobei sie sich auch der Brieftauben bediente. Die Agentur erweitert« hauptsächlich unter der Leitung des Sohne» des Gründer», Aug. Havas, da» Netz ihrer Berichterstattung sowohl im AuSlande, als auch in Frankreich, und nahm in den Fünfziger Jahren bereit» eine führende und fast monopolattiege Stellung in Frankreich ein. Ihre Hauptentfaltung datiert seit der Einführung de» telegraphischen Dienste». Seit dem Jahre 187V wurde sie zu einer Akttengesellschaft auSgebaut und schloß Betträge mit ähnlichen Agenturen in den übrigen europäischen und auch außereuropäischen Staaten ab. Neben der polttischen Berichterstattung fühtte die Agentur auch die finanzielle, kommerziell« und di« Sportberichterstattung und von allem An»| wendige Sühne zu veranlassen. Aber seither hat man kein Sterbenswörtchen weder von feiten der deutschen Universität noch von feiten der staatlichen Behörden vernommen. Diese» Verhalten muß den Verdacht wecken, daß die Tendenz besteht, den Fall Gach zu vettuschen, wobei zweifellos auf die Vergeßlichkeit deS Publikums fpeku» liert wird. Die demokratische Öffentlichkeit besteht nach wie vor auf der Klärung des Falles und auf der Feststellung der Schuldigen. Das möge sich die akademische UntersuchungSkommiffion gesagt sein lassen." In einer Zelluloid-Fabrik in Mailand brach am Freitag ein Brand aus, bei dem etwa 30 Arbeiterinnen und einige Arbeiter zum Teil sehr schwere Brandwunden und Rauchvergiftungen da« vontrugen. Totschlag im Stteit. Der Arbeiter Denzel Nedorostek aus Ronitz bei Brünn überfiel am Freitag während eines StteiteS den Trödler K r o u p a und brachte ihm mit einer eisernen Gabel so schwere Verletzungen am Kopfe bei, daß Kroupa im bewußtlosen Zustand in» Krankenhaus gebracht werden mußte, wo darauf starb. Nedrorostek wurde verhaftet. 18 russische Hochtonttsten vermisst. Bei den großen Stürmen, die vor kurzem in Tadesche- kistan herrschten, ist«ine Gruppe von Alpinisten beim Aufstieg auf einen Berg im Hochlande von Pomit durch einen Sturm überrascht worden, der achtzehn Mann wahrscheinlich das Leben gekostet bat. Bisher konnten zehn der Berunglückten als Leichen geborgen werden. Bier Autoinsassen vom Schnellzug getötet. Samstag um 11 Uhr vormittags fuhr in der Nähe von L e o b en ein Personenauto aus Bruck an der Mur bei einem Bahnübergang in den fahrenden Schnellzug, der über Leoben nach Selztal fährt. Das Auto wurde vollkommen zerttümmett und seine vier Insassen auf der Stelle getötet. Die Getöteten sind: Der Oberlehrer Seifert, dessen Tochter, die Klavierlehrerin Marie Seifert, ihr Bräu- ttgam der Hochschüler Böhm und dessen Schwester Helene. Elend der Intellektuellen in SchuscknnggS Reich. In der Hauptallee im Prater wurde in der Nacht auf Freitag der 45 Jahre alt« bekannte Wiener Advokat Siegmund Platschik aus dem IX. Bezirk mit Anzeichen einer schweren narkottschen Vergiftung bewußtlos aufgefunden. Platschik ist nach der Ueberführung ins Krankenhaus verschieden. Später wurde feftgestellt, daß erausNotSelb st mordverübt hat. Neue Ausbürgerungen. Der Polizeipräsident von Berlin gibt eine weitere Liste von Personen bekannt, die in der Zeit zwischen dem 9. November 1918 und dem 30. Jänner 1930 die preußische Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung erworben haben, die durch das Reichsgesetz vom 14. Juli 1933 rückgängig gemacht worden ist. Die Liste enthält die Namen von 41 Personen, die für sich und in mehreren Fällen mit ihren Ehefrauen und Kindern die preußische Staatsangehörigkeit nunmehr wieder verloren haben. ES handelt sich fast ausschließlich um«Nichtatter".. Notlandung jenseits der Grenze. Bei Pogonyi Puszta in der Näh« von Banreve(Ungarn) ist Freitag nachmittag» ein tschechoslowakisches Flugzeug niedergegangen. Die beiden Insassen wurden nach Banreve gebracht und da» Flugzeug unter Aufsicht gestellt. Wie von ungarischen zuständigen Stellen mit- geteilt wird, handelt e» sich um ein einfache» Sportflugzeug, da» infolge einer Panne eine Notlandung vornehmen mußte. Die zuständigen Stellen haben bereit» die öttlichen Behörden angewiesen, das Flugzeug freizugeben. Das Flugzeug, da» auf dem weichen Boden nicht aufsteigen kann, wird über die Grenze geschoben werden. Delphinen-Fang bei BurgaS. Im Hafen von Burgas tauchten in den letzten Tagen ungewöhnlich starke Schwärme von Delphinen auf, dje dort für ge- > wohnlich eine sehr fetten« Erscheinung bilden. Ihre fang an auch den Jnseratendienst ein. Letzteren erweiterte sie derart, daß sie heute sozusagen in Frankreich da» Monopol der Zeitung»- und Reklameinsertion innehat. Vermittels der von der Agentur Havas selbst vervollkommneten amerikanischen Apparaturen „Printing" liefett sie den abonnietten Redaktionen, Banken, Kaffeehäusern und Einzelpersonen in Pari» und in ganz Frankreich d irekt«Depeschen aus der Redaktion, von der Börse, aus dem Parlament, von den Rennplätzen etc. Das Havas-Büro besitzt eine ständige, von der Post unabhängige Telegrammlinie mit dem Reuterbüro in London, mit dem Außenministettum, der Börse und dem Parlament. Außerdem vettügt die Zenttale über direkte Linien mtt ihren Filialen in den französischen Provinzstädten und ihre eigenen Berichterstatter in allen Hauptstädten der Welt. Der polittsche Dienst von HavaS umfaßt 150 Redakteure, die in vier Hauptschichten ohne Unterbrechung arbeiten. Im Gebäude deS HavaS-BüroS, das seinen Sitz auf, dem Börsenplatz hat, arbeiten auch die Bettreter der ausländischen Telegraphenagenturen, dir einen vettraglichen Konzern der sogenannten liietten Telegraphenagenturen bilden, zu denen auch der Berichterstatter deS Tschechoslowakischen Pressebüros gehört. Anwesercheit wurde durch daS Vorhandensein gewaltiger Schwärme von Kleinfischen hervorgerufen, die den Delphinen zur Nahrung dienen. Die Fischer sind eifttg mit dem Fang von Delphinen beschäftigt und unweit deS Hafen» Sozopol glückte ihnen der Fang eine» riesigen Delphins von 3.5 Meter Läng« und fast einem Meter Breite, der fünfeinhalb Meterzentner wog. Richelieu- und Hag»-Marken. Zur Erinnerung an den 800jährigen Bestand der AcadSmie de France wurden jetzt in Frankreich neue Bttefmarken mit dem Bild de» KardinalSRichelieu, des Gründer» der Abwemie, ausgegeben. Außerdem befinden sich seit einigen Tagen auch Briefmarken mit dem Bild Victor Hugos zu seinem 50. Todestage im Verkehr. Mehr al» hundett GeschistSeinbrüche. Rach wochenlangen Fahndungen gelang«s der Berliner Kriminalpolizei, eine gemeingefährliche Diebs- und Hchlerbande zu ermitteln und zu überführen. Bisher wurden vier Einbrecher und neun Hehler festgenommen. Die Verbrecher haben seit Ottober 1934 gemeinsam mehr als hundett Geschäftseinbrüche und 81 AutiKiMShle aasgttMrt,, Der GesmussSadenbe- trigf Mehr als feS.OM Mark. Nach zwei Hintermännern und angeblichen Hehlern der Kolonne wird noch gefahndet. ES handelt sich dabei um einen gewiffen Bukofzer und einen wahrscheinlich ins Ausland geflohenen Matheis, der sich auch König nennt. Eingestellte Untersuchung»egen Emigranten. Da» Kreisstrafgericht Prag hat da» Verfahren gegen drei bei ttner Haussuchung in ihrem Wohnsitz in dem Schlosse von DiSec bei Slantz verhaftete Emigranten eingestellt. Hagelwetter über Rustschuk. Gin großer Tttl Nordbulgariens und ganz besonder» der Kreis Rustschuk wurde am Freitag von einer verheerenden Unwetterkatastrophe heimgesucht. In weiten Gebitten wurden Saaten, Obst« und Gemüsegärten durch Hagel vollständig vernichtet. In ganz Rustschuk und in den umliegenden Dörfern ist kaum eine Fensterscheibe heil geblieben. Die teilweise walnußgroßen Hagelkörner ttegen im Zentrum der Stadt Rustschuk bis zu 80 Zenttmeter hoch. Sin Wirbelsturm riß zahlreiche Dächer fort und beschädigte 50 Häuser. Durch Ziegel und Balkenstücke wurden drtt Personen ge» Met und über 20 zum Teil schwer verletzt. Der angerichtete Sachschaden wird, obwohl die Verwüstungen noch nicht ganz zu Lbettehen sind, auf mindesten» 50 Millionen Lewa geschätzt. Die Donau, durch den furchtbaren Sturm wie ein Meer aufgepeitscht, ist an mehreren Stellen über dir Ufer getreten. Einige Dörfer in der Nähe de» Ufer» der Donau mußten geräumt werden. DaS Durchschnittsalter der Mttglieder des neuen englischen Kabinett» ist 54 Jahre. Im letzten Kabinett waren es 57 Jahre. Die Herabsetzung der Allersgrenze wurde dadurch erziell, daß Mitglieder d«S Kabinetts drei Politiker wurden, die noch nicht 40 Jahre alt sind. Der jüngste ist Malcolm Macdonald, der 88 Jahre zählt; Gden ist 88 und Oliver Stanley 89 Jahre alt. Zum erstenmal sttt 70 Jahren sind in einem Kabinett zugleich Vater und Sohn, nämlich Ramsay Macdonald und dessen Sohn Malcolm. Verpachtung der BahuhofSrestaurotim» in Schluckeuau. Die Eisenbahndirektion in Königgrätz verpachtet im Wege de» öffentlichen Wettbewerbe» die Bahnhofsrestauration in Schluckenau. Die Fttst für die Ucberreichung der Offerten endet am 20. Juni 1935 um 12 Uhr mittag». Der neue Interessent müßte die Restauration mit 1. Juli 1985 übernehmen. Die genaueren Bedingungen sind im Amtsblatt der Tschechoslowafischen Republik vom 9. Juni 1985 und in der nächsten Nummer de» Anzeiger» für Eisenbahnen und Schiffahtt enthalten. Ausländischer Besuch in der Tschechoslowakei. Zn den Pfingstfeiertagrn treffen— hauptsächlich durch die Vermittlung deS CeLsk— zwei große Reisegesellschaften auS England in der Republik zum Aufenthalt ein. Die erste Expeditton zählt 283 Teilnehmer und wird von dem englischen Reisebüro Dean K Dawson veranstaltet, die zweite Expedition Informationsdienst Kreisturnfest 1. Wir machen alle Vereinsobmänner aufmerksam, daß mtt dem Bezug« der Dauerkarten zum KreiSturnfesi die Frage der Nachtquartiere noch nicht erledigt ist. Jeder Verein muß, wenn er für sein« Teilnehmer Nachtquartiere vom 29. auf den 80. Juni beansprucht, diese mittelst zugesandter Teilnehmer« und Quartiermeldeliste beanspruchen bztv. melden. Teilnehmer aus anderen Organisationen— Aruk, SJ, RW, Kinderfreunde usw.— können die» mittels Karte, und zwar an das KreiSsekretariat Atus, Aussig, Bahnhofplatz, melden. Ohne vorherig« Meldung besteht die Gefahr, daß keine Ouarttere zur Verfügung stehen. 2. Für all« Teilnehmer: Wer«in« warme Suppe beansprucht, muß Löffel und Eßgefäß selbst mitbringen. Die VereinSleitungen bitten wir, dec Festteitung bekanntzugeben, wieviel Suppen bean- sprucht werden dürften. 8. Die Bezirksobmänner, welche di« Sonderzüge organisieren, brauchen dringend die Meldung, wieviel Teilnehmer mtt den Sonderzügen zu fahre« beabsichtigen. Setzt Euch sofort mtt den Bezirksobmännern in Verbindung und meldet Eure Teilnehmer! Achtung! Mittwoch, den 19. Juni, spricht Genosse Kunig im Prager Rundfynk über»Die Kreis« turgfefte,des AtuS"» Die, Scudung erfolgt im Rah« men der deutschen Arbeitersendung, also in der Zeit von 18 bi» 19 Ahr. in der Stärke von 180 Personen steht unter Führung der Reisegesellschaft Hicki« Borman Grand. Di« Teilnehmer werden sich etwa zwei bi» drei Tage in Prag aufhalten. Zwei Gruppen der Expedition reisen sodann nach Budapest Wetter, während eine dritte Gruppe in der Stärke von 58 Personen die Slowakei und die Tatta besuchen und sich dort längere Zeit aufhalle» wird. Schöne» Pfingstwrtter. Bei vorwiegend heiterem Himmel und Zufluß wärmerer Lust au» Südwesten ist Samstag die Temperatur in ganz Mitteleuropa auf plus 25 bis 28 Grad Celsiu» angestiegen, in Böhmen wurden stellenweise sogar plu» 80 Grad erreicht. Auch auf den höheren Bergen wurden um 14 Uhr 15 bis 20 Grad Celsius verzeichnet. Die Druckstörung, welche über den Shettland-Jnseln lag, zieht nunmehr gegen Norwegen ab und verflacht sich hiebei gleichzeitig. Die^ allgemeine Wetterlage ist ziemlich günstig.— Wahrscheinliche» Wetter von heute: Fortdauer de» schönen und dabei warmen Wetters. Im Osten der Republik weitere Erwärmung.— Wetteraussichten für Ätontag: Bi» auf einzelne Lokalgewitter noch im ganzen schön. In den böhmischen Ländern ein wenig kühler. Vom Rundfunk Impfehlcnswertes mm«tan ProgramMMt Montag: Prag, Sender L: 7: Konzert aus Karlsbad, 8.30: Tauchuristenkonzert, 14.15: Populäre» Programm, 18: Deutsche Sendung: Hanika: Deutsch« Trachten, 18.15: Querschnitt durch Reinecke Fuchs von Goethe, 19.80: Uebertragung aus dem Deutschen Theater: Carmen, Gastspiel einer italien. Stagione, 22.45: Deutsche Nachrichten. Sender S: 14.80: Deutsche Sendung: Populäre Musik: Schrammelquartett. Brünn 18: Deutsche Sendung: Die Stammutter, Singspiel/ 19.25: Salonquartett. — Mährisch-Ostrau 16: Unterhaltender Nachmittag, 22.40 Unterhaltungskonzert.— Pressburg 17.80: Russische Lieder.— Kascha« 12.15: Operettenprogramm, 13.45: Flötenkonzert.—- Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Preffe, 11: Unterhaltungskonzert, 15: NachmittagSkonzert. 18: Mexikanische Lieder, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Weil: WirffchastlicheS Relief, 18.80: Konzert de» Teplitzer Streichquartetts, 22.30: Tanzmusik. Sender S. 7.80: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Brammer: DaS Geheimnis der Drüsen, 14.85: Opern-Arien.— Brünn 17.40: Deutsch« Sendung: Arbeiterfunk: Sozialinformatio- nen, 18.20: Tanzmusik.— Mährisch-Ostrau 12.30: Orchesterkonzert, 20.45: Populäre Orchestermufik. — Preßburg 16.30: Orchesterkonzert. Seite 6 Sonntag, A. Juni 1935 Nr. 135 Revue des Weltreichtums »töffel empfängt zur Weltausstellung Bon Julius Braunthal Brüssel, Ende Mai. Die. Weltausstellung, die diesesmal Belgien arrangiert hat, wurde schon vor mehr als Monatsfrist mit allem höfischen Gepränge eröffnet. Damals war sie noch unfertig. Heute steht sie fast vollendet da. Aber doch auch nur fast. Denn noch blieb die Ausstellung flämischer Kunst uneröffnet, ebenso die Pavillons der orientalischen Staaten. Von Palästina kündet nur ein halbmaurisches Gebäude und die Inschrift: sonst ist dort nichts zu sehen. Niemals wird eine Weltausstellung rechtzeitig fertig. Weltausstellungen haben einen üblen ästhetischen Ruf; sie sind häufig Feste der Geschmacklosigkeit, halb Jahrmarkt, halb aufdringlicher Warenbasar. Auf der Brüsseler Weltausstellung fehlt natürlich auch der Jahrmarkt nicht; für der- bcs Volksvergnügen aller Art ist im reichsten Matz gesorgt. Da gibt es grell bemalte Jahrmarktsbuden mit den fettesten Männern und Frauen der Welt, und gleich daneben andere mit den schlan- kesten Mädchen, sogar fast nackt zu sehen, mit irrsinnigen Hochschaubahnen und tollen Ringelspielen mit Ausrufergeschrei und betäubender Musik und allem, was zu einem richtigen belgischen Kirmetz gehört, dann noch überdies ein Jndianerdorf und sogar ein Stück Altbrüssel aus schönstem Gips. Aber das alles liegt an der Peripherie der Ausstellung. Und dieser Ausstellung mutz gereckterweise das Lob gezollt werden, datz sie neben vereinzelten baulichen Trivalitäten eine Schau guter moderner und zum Teil sehr interessanter Architektur gewährt, datz überhaupt der Sinn für das Schöne, Unaufdringliche an der Gestaltung der Ausstellung wohltuend mitgewirkt hat. Es gibt Gebäude edelster Linienführung, Kolossalbauten aus Glas und Beton, die ungeheuere Massen des Materials und Raums wunderbar gliedern, überraschende Einfälle bei der Anlage von Türmen und Pqlastern und eine Fülle ungewöhnlich guter Skulpturen, die die Straften, Gebäude und Hallen zieren. Zum guten Ende oder richtiger zum guten Beginn der Wanderung vermerkt man nicht ohne Befriedigung, datz der Stilgedanke unserer Feit der der Welt geworden ist, datz Brasilien wie Belgien, die Schweiz wie Holland, Dänemark wie Italien im Wetteifer der Modernen stehen. Was dann die Pavillons an den Gütern ihrer Länder zeigen, ist dem Grotzstädter im Einzelnen nicht unbekannt. Aber auf einem Punkt konzentriert, gewinnt man ein wahrhaft berauschendes Bild des unermeftlichen Reichtums unserer Zeit. Unendlichkeit der skulle, Verwirrende Vielfalt der Dinge, die geeignet sind, die Menschen reichlich zu ernähren, ihnen Behagen und Schönheit zu gewähren, gigantisch das zur Schau gestellte Wunder der Maschinenkräfte, die befähigt sind, die ganze Menschheit an dem Segen des Güterreichtums teilhaben zu lassen. Nichts fehlt, was des Lebens gemeine Notdurft erheischt, Proben von Weizen und Kohle, Stoffe und Linnen, Schräubchen und kolossale Motore, Auto, Flugzeuge, Lokomotiven und darüber hinaus im Dienste des Luxus erlesenste Stücke des Kunsthandwerks in der Seidenweberei, in Glas und Keramik, in der Tischlerei und Werke der Goldschmiedekunst. Einzelne Staaten haben ausschließlich oder doch vorwiegend ihre Kunst- und Luxusindustrie zur Schau gestellt: so Frankreich in einem monumentalen Pavillon, voll schwerer Seiden- und Samtstoffe, kostbarer pompöser Möbeln, Skulpturen und Gobelins. Oder auch Dänemark: ein anmutiger, moderner Pavillon, voll der zartesten Werke der. Keramik, farbenfroher Tuchgewebe und stilstrenger Teppiche. Entzückt durchwandert man dePavillon der Tschecho- swwakischen Republik, in dem zauberhafte Werke der böhmischen Glasbläserkunst funkeln. Gedämpft sprechen überdies vereinzelte unaufdringliche Inschriften in der Eingangshalle, in deren Mitte ein Bronzebildnis des Präsidenten Masaryk steht, von der Mission, die der jungen Republik vorschwebt: Freiheit, Demokratie, Kultur Mitteleuropas zu bewahren und zu fördern. Nichts von diesen Tönen begreiflicherweise im stilvollen österreichischen Pavillon; in diesen freundlichen Räumen, deren Wände in riesengroßen Photographien die Schönheit der österreichischen Landschaft und ihrer Städte und in den Glasschränken mit künstlerisch durchdachter Bescheidenheit das Wertvollste des österreichischen Kunsthandwerks zeigen, ist jeder Schatten der Galgenhöfe und Konzentrationslager takwoll verscheucht. Datz der Hauptsaal der Ausstellung sehr edler kirchlicher Kunst gewidmet ist, soll wohl den christlichen Kurs zart andeuten und Partituren von Schubert und Mozart, in Glasvitrinen eingeschreint, das sinnige musikalische Gemüt der Männer des 12. Feber. Man spürt irgendwie den betäubenden Duft des Weihrauchs und wendet sich getrost dem Anblick profanerer Dinge zu. So zum Beispiel der Macht und Gröhe des britischen Imperiums. Ein mächtiger Bau. Eine verdunkelte Vorhalle im blauen Licht. Ein riesen- grotzer, von innen erleuchteter Kristallglobus kreist um seine Achse. Das ist die Erde. Leuchtendes Rot im bunten Gemälde aller fünf Kontinente verkünden eindrucksvoller, als es Menschenzungen vermöchten: das ist englischer Herrschaftsbereich! Und darüber glühen die Sternbilder des Tierkreises, zwar noch nicht britischer Besitz, aber offenbar seine natürliche Krönung im Universum. Und nachdem ryM also sinnfällig die Unermeßlich« keit wie Erhabenheit englischer Größe erfahren hat, begibt man sich, wieder einigermaßen beruhigt, in die Schaustellung der englischen Industrie Nichts in der Anordnung, in der Auswahl der Dinge ist als bemerkenswert hervorzuheben: es ist ein phantastisches Warenlager, so ungefähr wie in einem großen Kaufhaus, in dem man alles bekommt, was man an Großem und Kleinem braucht: vom kompletten Eisenbahnzug bis zur Füllfeder, alles natürlich in englischer Gediegenheft. Da imponiert schon stärker die Maschinenhalle der belgischen Industrie: ein wahrhaft gewaltiges Gebäude, das die Ausstellung übrigens wie manche andere Pavillons überdauern wird; in mächtigen Stufen strebt es zur Höhe, einer ungeheuren, oben abgeplatteten Pyramide gleich. Da drinnen und in seinen Seitenflügeln stampfen, kreischen, rumoren großarttge Motore und Maschinen, Pressen und Hämmer; ich verstehe leider nichts davon, aber mein Respekt davor ist grenzenlos. Bald wird man vom Menschenstrom zu den größten Errungenschaften unserer Zeit getragen; zu den allermodernsten, motorisierten Feldgeschützen, die, ich weiß nicht wieviel Schrapnells in der Minute abfeuern können; daneben kann man die Eingeweide der Schrapnells genießen; den Zeitzünder, der im wohlberechneten Augenblick das Pulver in der Schrapnellachse entzündet, das Schrapnell sprengt und die Bleistücke in die menschlichen Körper jagt. Dann sind auch entzückende Maschinenpistolen zu sehen, das find die modernen Maschinengewehre en Miniatur, wie ein Gewehr vom Infanteristen zu schultern, und dennoch in der angenehmen Lage, 600 Schuß in der Minute abzufeuern. Dann gibt es dort ein reich afforttertes Kager anmutiger Gasmasken in jeder Fasson, scharf geschliffene Bajonette mit zarten Blutrinnen und kokette Pistolen» im Handtäschchen der Dame zu tragen. Sinnvoll ist daneben ein moderner Operationssaal ausgestellt. Wenn man dann, mit der Vorahnung des Totentanzes der Menschheit, aus dem Tor dieser Halle tritt, fällt das Auge auf ein orientalisches Rundgebäude, eine sonderbare Mischung von byzantischer Kathedrale und arabischer Moschee. Kuppeln, schräge. Obelisken, Kreuze, mit glänzendem Grüngold übergossen, ebenso die Wände, ein richttger Goldpalast aus einem fernen Märchen. Eine der geistigen Mächte stellt aus: die katholische Kirche. Wenn aber die Architektur dieses Pavillons die Aufmerksamkeit fesselt, so verwirren seine Darbietungen. Was die Kirche als Heidenmission und charitative Institution geleistet hat, ist in endlosen, unübersichtlichen Tafeln und Photos aufgezeigt, und man wendet sich bald ermüdet ab. Von der Größe und Gewalt des Katholizismus empfängt man kein Bild. Ungleich geschickter hat sich der FasciSmuS in Szene gesetzt. Das Gebäude, das die fascistische Idee Italiens repräsentiert, ist von einer merkwürdigen, achtunggebietenden Großartigkeit. Sogleich packt, wenn man die Schwelle überschreitet, die eindrucksvolle Montage überlebensgroßer Photographien von Massenszenen, die die riesigen Wände in ihrer vollen Höhe und Breite bedecken: der Siegeslauf des italienischen Fascismus ist dargestellt. Dann aber werden in den Nebensälen mit einer Aufdringlichkeit, die eher abstößt als anzieht, die fragwürdigen Leistungen des Fascismus für die Wohlfahrt Italiens in Photos und Diagrammen in die Welt geschrien— man merkt nur allzu deutlich die Absicht, und wird verstimmt. Man sieht Mussolini in tausend Posen, redend, schreitend, grüßend, aber man vermißt das Ab bild de? blutigen'Leichnams Maüeottis. Es riecht nach Blut in diesen Sälen und aus dem Getöse der Mussolinischen Worte, die in großen Lettern von den Wänden dröhnen, hört män die Klage der Gepeinigten auf den Liparischen Inseln. Katholizismus und Fascismus haben sich also in die Weltschau der Industriemächte unserer Zeft sinnvoll eingefügt: der Sozialismus fand diesen Rahmen zu seiner Selbstdarstellung offenbar nicht passend. Auch Sowjetrutzland ist der Ausstellung ferngeblieben, weil es von Belgien noch immer nicht anerkannt ist. Ein bescheidener Pavillon der belgischen Sozialdemokraten läßt rote Fahnen blinken und an den Innenwänden in einem großen Fließ Arbeitermassen marschieren. Es dunkelt. Flammende Feuergarben brechen aus den Wasserfontänen, Lampen erglühen im farbigen Licht, Scheinwerfer lassen die Türme phantastisch in den Abendhimmel leuchten. Wir sind mit unserer Wanderung noch"ange nicht zu Ende. Aber man fragt sich verzweifelt nach dem Sinn dieser großartigen Schaustellung. Weltausstellungen find gigantische Warenmessen: sie sollen dem Warenaustausch der Völker dienen; aber alle Länder haben sich gegeneinander abgemauert: fie wollen zwar den anderen verkaufen, aber voneinander Vichts kaufen, und die Riesenmaschine läuft leer. Weltausstellungen zeigen die Größe des Reichtums der menschlichen Gesellschaft und die Stufe ihrer technischen Entwicklung. Ach, wie reich ist doch die Welt und wie unermeßlich sind doch ihr- produttwen Kräfte: ja, herrlich weit haben wir eL gebracht! Die Weltausstellung in Brüssel gestattet sich, dies kundzutun. Mich aber fröstelt es im rauschenden Lichterfest. Ich denke an die fünfundzwanzig Millionen Arbeitslose, an die hundert Millionen des christlichen Kulturkreises, die inmitten dieses Reichtums bitter darben, und es ist mir, als würden Gespenster des Irrsinns im Lichterglanze tanzen. Ich habe mich satt gesehen, es ist an der Zeit, daß jedermann sich endlich sattessen könne. Die Gefahren der künstlichen Süßstoffe Seit einiger Zeit wird im Publikum eine betriebsame Propaganda für die oben genannten Süßstoffe entfaltet. Der Referent nahm die Gelegenheit wahr, den Leiter des Heil-Institutes von Tucho- mttice bei Prag,— Filiale des Allgemeinen Krankenhauses, auch Rekonvaleszenten-Anstalt.— Primär Dr. L. R i e d l zu sprechen. Infolge auch eines sehr großen ErfahrungSmateriales verfügt der genannte universelle Praktiker und Forscher über die zu einem richtigen Urteile nöttgen Grundlagen. Dr. L. Riedl erklärte:„Das Zuckerin, welches nun zum Schaden der armen Bevölkerungsschichten propagiert wird, als Zucker-Ersatz, zu dem in der Not auch tatsächlich" gegriffen wird,' ist für den menschlichen Organismus ein nicht so unschädlicher Stoff, wie man angenommen hat, weil er unverbraucht ausgeschieden wird. Im Gegenteil, für einen unterernährten Körper ist Zuckerin ein giftiges Präparat. Wir haben gerade aus der Gegenwart Erfahrungen, wo wir häufig Nierenreizungen, hervorgerufen durch zu langen Zuckeringenuß, feststellen, ebenso GeDsucht(Ikterus), die als Vergiftungserscheinung, als Funktionsstörung der Leber, welche die giftigen Stoffe nicht verarbeiten, respektive für den Körper nicht unschädlich machen kann, betrachtet werden muß. Es ist weiter bekannt, daß der Zucker unersetzliche Muskelstoffe bildet, daß sich sein Ueber- schuß für Notzeiten in der Leber festsetzt,- was eine Garantie für den Organismus bleutet, ein Depot. Zucker ist sogar ein Schutzstoff,-er dem Organismus über Infektionen und Mißstände hinweghilst. Daher auch das intravenöse Verabreichen von Zuk- ker nach Operattonen, Blutungen etc-(Einspritzungen in der Vene:) Dam Zuckerin hat man behauptet, daß es ein Desinfektionsmittel der Gedärme Die Äugend klagt an In Genf tagt gegenwärtig die Internationale Arbeitskonferenz, um sich wieder einmal mit der Krisenlage in de-: ganzen Welt zu befassen. Jugendliche aus aller Herren Ländern kamen in der Tagungsstadt zusammen und veranstalteten auf den Straßen lebhafte Demonsttationen, durch die sie. ihre Forderung auf Arbeit und Brot nach drücklich unterstützen wollten. Interessant sind die Aufschriften einzelner Plakate. Der Text des einen lautet z. B.:„Wir sind noch jung, aber unser Lebeu ist schon ohne Hoffnung", Vom Wallisch-Buch „Ein Held stirbt“ mit dem die Genossin Wallisch dem großen Märtyrer der sozialistischen Arbeiterschaft, Koloman Wallisch, ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, ist bereits eine Auflage von 10.000 Exemplare« restlos abgesetzt worden. Inzwischen wurde eine zweite Auflage hergestellt, die soeben fertig geworden ist. Bestellungen auf das Wallisch-Buch können also wieder ausgeliefert werden. Sie sind an die Zentralstelle für das BUdungswesen, Prag XII, Slezskä 13, zu richten. und Harnwege ist. Vorläufig glaube ich aber, dgß sich niemand hinter diese These ernstlich stellen würde. Es ist wahr, daß Zuckerin ein Desinficiens ist, aber seine Wirkung auf Lebendes ist gif- ttgl Wir haben heute bessere und wirkungsvollere Medikamente für diesen Zweck bei der Hand—und der Hinweis auf die desinfizierenden Eigenschaften des Zuckerins dürfte wohl aus einem anderen Grunde erfolgen."— Jedenfalls geht aus Dr. L. Riedl's Aeußerungen— die sich mit denen anderer Praktiker und Forscher decken— hervor, daß der Zucker als NahrungS-, Gesundungs-, Kräftigungsund Borbeugungsmittel durch die künstlichen Süßstoffe nicht ersetzt werden kann.— E. R. Volknokt&ckaft und Sozialpolitik Die„Gefahr" einer guten Ernte Während sich die Regierungen der grotzett Getreideländer den Kopf noch darüber zerbrechen, wie die Vorräte der letzten Weizenernte ohne großen Preisdruck unterzubringen sind, legt ihnen die anhaltende Witterung neue Besorgnisse auf. Das Wetter in Mitteleuropa ist dem Wachstum des Brotgetreides, insbesondere des Weizens, außerordentlich günsttg. Für die Tschechoslowakei wird bei einem Anhalten dieses günstigen Wetters mit einer Rekord-Weizenernte gerechnet. Dir Monopolgesellschaft trifft Vorsorge» damft genügend Möglichkeiten für die Einlagerung der Ge- txeideryengen vorhanden sind. Während die letzte Wetzenernte nach" amtlichen Schätzungen runt 136.000 Waggons betrug, rechnet man bei der diesjährigen Ernte mft einem Mehrertrag vo« etwa 90.000 bis 100.000 Waggons. Aus der letzten Ernte werden etwa 30.000 Waggons Ueber- schuß in das neue Erntejahr herübergenomme« werden müssen. In der Tschechoslowakei dürfte« demnach zu Beginn der neuen Saison 280.000 bis 260.000 Waggons Weizen vorhanden sein. Der Verbrauch betrug im letzten Jahre nur rmck> 130.000 Waggons, so daß sich ein Ueberschuß von mindestens 120.000 Waggons ergeben würde. Die Tschechoslowakei, die in früheren Jahre« stets Weizen eingeführt hat, wird damit zu einem Ueberschußland. Wenn das Getreide nicht verderben und wenn es nicht zu Schleuderpreisen ins Ausland gebracht werden soll, muß dahin gestrebt werden, daß eine bedeutende Herabsetzung des Inlandspreises für Weizen den breiten Bevölkerungsmassen die Möglichkeit gibt, den Verbrauch zu steigern. Kleine Wirtschaftsnachrichten Waggonbeistellung im Mai«m 27.800 Waggons höher. Die Waggonbeistellung auf de« Staatsbahnen ist im Mai(in.25 Arbeitstagen) gegenüber dem Vorjahr mft 367.337 Waggons um 27.831 Waggons höher. Auf das Inland entfallen 341.579(311.515), auf das Ausland 25.758(27.991) Waggons. Der Jnlandsver- kehr ist also um 30.064 Waggons gestiegen, wähe rend der Export um 2233 Waggons zurückgegangen ist. Zehn Prozent Dividende aus einem Reingewinn von 2,379.000 Kronen bringt die Heinrich Franck Söhne A.-G. für das Geschäftsjahr 1934 zur Verteilung. Der ungünstige Stand der tschechoslowaki- scheu Oderschiffahrt kommt darin zum Ausdruck« daß die Oder im vergangenen Jahre nur an 63 Tagen Wohl schiffbar war. Von der Tschechoslowakei wird die Oder als Frachtstratze nur schwach benutzt. Bon der Beförderung stromaufwärts stellt sie 32.4 Prozent, stromab nur 0.3 Prozent. Das Smichover Bier wirst den Akttonären außerordentlich hohe Gewinne ab. Sie erhalte« durch eine Aufftempelung der Aktien nicht weniger als 36 Millionen Kronen geschenkt. Das Aktienkapital wird auf diese Weise von 24 Mil« lionen auf 60 Millionen Kronen erhöht. 142 Zuckerfabriken sind jetzt in Indien in Betrieb. Sie erzeugen so viel Zucker, daß Indien, das in früheren Jahren größere Mengen Zucker einführen mußte, in diesem Nahrungsmfttel seins Autarkie erreicht hat. «r. 135 Soimteg, 9. Juni 1935 Seife 7 Deutsche Handelsakademie, Olmütz— zweiklassige Handelsschule— AbiturientenkürS-EinschreibuNg bis 1, Juli.— Prospekte kostenlos. 8015 Der Künstlerliebe Diese Verfilmung der nett belanglosen Komödie„Design for Living" von Roel Cotvard ist zwar eins der schwächeren Werke des berühmten Lukitsch, aber doch ein echter Lukitsch, dessen Regiekunst man gerade hier, wo er wenig Substanz zu verarbeiten hatte, am besten studieren und am ehrlichsten bewundern kann. Schon daß eine solche Komödie bei Lubitsch Stil hat, hebt sie hoch über den Durchschnitt des Gewohnten: da gibt es keine Schlagerlieder, Tanzeinlagen und keine Begleitmusik, die eine nicht vorhandene Stimmung illustrieren soll. Und so spielerisch dieser Lubitsch auch sein mag, so gewissenhaft bleibt er dennoch: er läßt zum Beispiel die Bewohner von Paris wirklich Französisch sprechen— und er verwendet das auch gleich zu einem hübschen Einfall, wenn er das „How do you do?" der Engländer von Pariser Gassenjungen mit spöttischem Erstaunen nachahmen läßt, so wie er dann einen von Montmartreluft umwehten Amerikaner bei seinem Londoner Aufenthalt das mißbilligende Erstaunen einer ältlichen englischen Miß erregen läßt. Und so ist der ganze Film: er hat mehr Einfälle als Handlung, und mehr Feinheiten als Efjekte. Daß ein Maler und«in Theaterdichter gemeinsam eine ReAamezeichnerin lieben, die ihrerseits einen wohlsituierten Reklame-Manager zum Freunde hat. daß die Zeichnerin den beiden zlvar eifersüchtigen, aber unzertrennlichen Bohemiens zum Erfolge hilft, um fie dann zu verlassen und den Wohlsituierten zu heiraten, von dem sie die Beiden dann aber bald wieder befreien,— das ist nur der Rahmen für dar heitere Spiel mit Worten, Situationen und Typen, das Lubitsch zubereitet hat. Wie er die - i Hinterlassen haben sie nur Sorgen. Geldopfer, oft unheilbaren Schaden der Bedauernswerten, die in ihrer Sorglosigkeit jede beliebige..Marke'* angenommen haben. Sie haben wohl einige Heller erspart, dafür aber unsagbares Elend auf sich genommen. Nur 40 Jahre lange Erfahrung, 40 Jahre lange, auf der ganzen Welt bewährte Verlässlichkeit verdient Ihr Vertrauen! Nach amerik. Patent Nr. 1959701 erzeugt Minderwertige Nachahmungen weiten Sie energiech xuriieU 3029 .62 NAMEN. new aufgetauchten Priservativmarken zählten wir allein in den letzten 10 Jahren. > alle waren nach kurzer Zeit verschwunden! Die Russenaufträge Nach langen Verzögerungen ist die tschecho- flowakische Anleihe für Lieferungen nach Rußland doch endlich zustande gekommen. Ihr Umfang bleibt mit 250 Millionen Kronen allerdings weit hinter der anfänglich geplanten Höhe von 900 bis 1000 Millionen Kronen zurück. Zur Kennzeichnung des Treibens einflußreicher Bankleiter, das einer Sabotage der wirtschaftsaufbauenden Maßnahmen sehr ähnlich sieht, wäre es richtiger gewesen, wenn die Hintergründe der langen Verzögerung vor der Oeffentlichkeit aufgehellt worden wären. Zur gleichen Zeit, zu der der Abschluß der Ruffenanleihe erfolgt, wird bekannt, daß inzwischen auch di« Realisierung des deutschen Kreditabkommens für Rußland erfolgt ist, das einen Kredit von 200 Millionen Mark, also rund 2000 Millionen Kronen, vorsieht. Di« deutschen Bankkapitalisten sind sicher nicht weniger auf die Sicherheit ihrer Kapitalien bedacht als die tschechoslowakischen. Trotzdem haben sie einen um so viel höheren Kredit an Rußland gewährt. Für die tschechoslowakische Industrie soll die Anleihe Warenlieferungen nach Rußland ermöglichen, die etwa das Fünffache der Ausfuhr des letzten Jahres betragen. Daß eine größere Steigerung der Ausfuhr nicht unmöglich war, geht daraus hervor, daß Rußland nach einigen Ländern höhere Bestellungen gegeben hat als im vorigen Jahr«. Die Vereinigten Staaten haben im ersten Quartal 1935 z. B. für 5.85 Millionen Dollar neue Aufträge aus Rußland erhalten. Das ent- .spricht etwa einem Wert von 140 Millionen Kronen und überholt den vorjährigen Auftragsbestand um 165 Prozent. Für die weitere Entwicklung der tschechoslowakischen Wirtschaft ist«S von Bedeutung, daß nach dem Zustandekommen der Anleihe die mit dem Wirtschaftsvertrag ermöglichte engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Rußland und der Tschechoslowakei in raschem Tempo vorwärts schreitet. Trager Leitung Genoffen und Genossinnen! Der Atus ruft euch für den 29. und 30. Juni zum Kreisturnfest 1935 nach Aussig zu einer öffentlichen Heerschau über die Elite der Arbeiterbewegung, zu der unsere Turner»nd Turnerinnen fett jeher gezählt haben. Seid alle zur Stelle! Keiner fehle! Die Turner find unsere Kerntruppen. Wer durch die Schule des Atus gegangen ist, dem kann ' fein BolkSgemeinschaftSfimmel, so verlockend er !auch aufgezogen ist, die sozialistische Gesinnung ' aus dem Herzen reißen, der hält der sozialistischen ^Arbeiterbewegung, dem heute so verpönten Marxismus unverbrüchlich die Treue, der trotzt den ^schwersten Stürmen und bereitet in imermüdlicher Arbeit den Wiederaufstieg der Arbeiterschaft, di« endgültige Niederlage ihrer Feinde vor. Und darum: TreueumTreue! Unsere braven Turner und Turnerinnen, die in der Aus- siger Kampfbahn ihre Kräfte in friedlichem Wettkampf messen, die beim Fackrlzng der 10.000 und beim Festzug durch die Straßen Aussig- beweisen werden, daß ihre Kraft, ihre Begeisterung für die hohen Ziel« des Sozialismus ungebrochen und ihre zahlenmäßige Stärke nach wie vor achtunggebietend ist, sie verdienen Aufmunterung und vollste Unterstützung durch die Massen unserer Arbeiter und Arbeiterinnen. Wem immer es trotz der furchtbaren Krise irgendwie möglich ist, auö der nächsten wie der weitesten Umgebung der Feststadt herbeizueilen, um unseren wackeren Atus-Leuten bei den Kampfspielen zuzusehen, beim Festzug zuzujubeln, der muß in Aussig zur Stelle sein.' Die Atus-Bereine des Kreisgebietrs setzen ihre« ganzen Stolz darein, daß null» der sachlichen wie nach der propagandistischen Seite hin das ! kreisturnfest 1935 sich würdig den ftüherr« anreihe, ja sie übertreffe. An den aktiven Turnern und Turnerinnen allein liegt aber das Gelingen des Festes nicht. Sie brauchen dazu die lebendige Resonanz in den Massen unserer Parteigenossen und-Genossinnen, die ihren Wettkämpfen zu- schrn, an ihren Veranstaltungen teilnehmen und sich vor allem in den Festzug eingliedcrn oder seinen Weg jubelnd umsäumen. DaS Bürgertum, daS»ns nach seinem Pprrhus-Sieg vom 19. Mai schon am Boden wähnt und die Zeit nicht mehr erwarten kann» unendgültig abzutun, muß sehen, daß der Sozialismus nicht nur ungeschmälert über seine Kerntrup- Pen verfügt, sondern darüber hinaus in jedem Gr-, bjet- wo deutsche Arbeiter wohnen, über zehntausend« begeisterter Mämier und Fronen, die keine« Weg und keine Opfer scheuen, um ihre Verbundenheit mit dem Sozialismus, ihre trotzig« Entschlossenheit offen kundzutun. Ein endloser Zug von Turner«, ei» endloses Spalier von jubelnden Zuschauermassen muß unsere eigene Zuversicht stärken, muß der Siegeszuversicht des Bürgertums den ersten Stoß versetzen, muß e- ernüchtern und muß die Einkehr jener unverläßlichen Schichten vorbereite«, dir am Wahltag zum Feind« übergegangen find, dessen Phrasenschwall fie erlagen. Das Kreisturnfest des Atus muß dergestalt zu einem Wendepunkt werden, muß mit zum Wiederaufstieg des Sozialismus im ganzen Kreisgebiet beitragen, muß aufrüttelnd und beispielgebend auch weit über dessen Grenzen wirken. Dazu bedarf es eines Massenaufgebotes. Darum rufe« wir alle Parteigenossen und -Genossinnen, unsere Sozialistische Jugend, unsere Gewerffchaster und Genossenschafter, dn Angehörigen unserer Kulturorganisationen, kurz: alle, die in gute« und bösen Tagen fich zu uns bekenne«, auf, sich an dem Fest unserer Turner zu beteiligen und es so zu einer wuchtige« Demonstration gegen den FaseismuS, der gegenwärtig die sudetendeutschen Hirne vernebelt, zu einem begeisterten Bekenntnis für die durch keinen augenblickliche« Mißerfolg zu vernichtenden, unser» rückbaren Ziele des Sozialismus zu gestalten! Die Schwalbe Sie flog mit vielen anderen um die alten Giebeldächer, kreiste um die Türme der rmnanti- schen Burg und hockte auf den Telegraphendrähten, die das einzig Gerade in dem verschrumpelten Städtchen waren, in dem wir viele Jahre hindurch den Sommer verbrachten. AIS Kinder legten wir dar Ohr an die dicken glatten Stangen und wenn wir oben den Wind sausen hörten, so glaubten wir die Gespräche der Erwachsen«« belausch«« zu können. Ost sahen wir das Holz entlang, das sich schier unerreichbar hoch in das Blaue senkte und hätten gerne eine von den weißschimmernden Porzellanspulen gehabt, um die sich der funkelnde Kupferdraht wand. Auf diesen Drähten nun, die den Himmel wie die Linien eines riesigen Heftes in schmale Felder teilten, drängten sich die Schwalben zu Dutzenden kreischend und zwitschernd, ein wogendes Durcheinander von Schwarz und Weiß, Stahlblau mit leuchtend roten Flecken. An der Kirche und an der Burgmauer klebten ihre Nester, aber die meisten zogen doch die wohlige Wärme im großen, geräumigen Vorhaus der allen Mühle vor, 'n der es zu jeder Stunde nach frischgebackenem Brot roch und dessen Querbalken mit ihren vielen lleberschneidungen für die zierlichen kunstvollen Behausungen wie geschaffen waren. Eines späten Nachmittages, ich kam aus dem Fluhlvid, ging ich an der Mühle vorbei. Ich war damals neun oder zehn Jahre alt, trug stets, wo immer ich ging, mein neues Luftgewehr mit mir berum, daS ich in diesem Sommer als Belohnung für ein halbwegs gutes Schulzeugnis von meinem Bater bekommen hatte. Dieses Gewehr— Nickel- Stahlfeder, hellbrauner Eichen schäft— verkörperte nicht nur die Erfüllung meine- sehnfüch- ftgsten Jugendtraumes, sondern sicherte mir auch die unbestrittene Häuptlingswürde der Ton manchen und trug mir den Ehrennamen:»Silberne Büchse" ein. Viele Skalps, durch respektable Haarbüschel angedeutet(die ich und meine Krieger erbarmungslos von den Köpfen der Bleichgesichter schnitten, wofür die Aermsten dann noch von ihren Eltern Prügel bekamen, weil sie mit unS Lausbuben überhaupt spiellenl), zierten meinen Gürtel Md wollte ein anderer ans meiner Büchse schießen, so kostete eS ihn einen Angelhaken, drei besonders schöne Muscheln, oder eine seltene Feder für meinen Kopfschmuck. Mit bunten Bolzen und kleinen hechten Bleikugeln schossen wir im Garten nach der Scheibe und nach den Tannenzapfen. Ich brackig es zu einer wirklichen Meisterschaft, vermochte ich doch die Zwetschken am Stiel von den Aesten zu schießen! Zuweilen, wenn unser Stamm auf die Jagd ging, zielte ich auch nach kleinen Vögeln, ohne aber jemals einen zu treffen, schon darum nicht, weil ich mit meinem Spielzeug einen so ernsten Erfolg'für ausgeschlossen hielt. Auch diesmal sah ich zu meinen Häupten die vielen weihen Bäuchlein der Schwalben schimmern. ES dämmert« und da zufällig kein Mensch auf der Straße war, hob ich spielerisch das Kindergewehr(den Stolz meiner Bubenjahre), zielte flüchtig und nur zum Spaß und drückte ab. Wer aber schildert mein Erschrecken, als sich gräßlich zwitschernd eine Schwalbe'aus der Mitte der Versammlung loslöste, angstvoll flatterte, vergeblich an dem dünnen. Draht einen Halt suchte und unter zuckenden Schlägen ihrer schwarzblauen Schwingen in den Staub der Straße taumelte, direkt vor meine nackten Füße?! Ratlos starrte ich auf das Tierchen, das sich auf die Seite neigte wie ein leckes Schiff und sich um seine Achse drehte, wobei es den weißgrauen Staub auf sein« glänzenden Federn häufte. Sein Piepsen, laut und schrecklich, füllt« meine Ohren, mein Herz, die Poren meines Körpers und drohte mich umzuwerfen, so schwer umsing es mich. Da hörte ich hinter mir Stimmen, ich vernahm Schritte und in meiner Angst packte ich das Tierlein, steckte es in die Rocktasche und sauste mit der gräßlichen Beute die bergige Straße hinan, an der weißgetünchten Dorfschule vostbei und am Bürgermeisteramt, mit dem idyllischen mooSuMwachsenen Rauchrang, vorüber, aus dem durchsichtiger Ranch an- heimelud in den klaren Abendhimmel stieg. LBen, auf der Höhe von der Burg, hielt Ich im Dunkel der Föhren an. Die braun« Hand in der linken Rocktasche umklammerte noch immer die Schwalbe, ich spürte ihr warmes, klopfendes Herzleist und wagte nicht, sie loszulassen. Was sollte ich mit ihr tun—?... Wegwerfen?... Ihrem Schicksal überlassen? Aber wie leicht hätte man sie gefunden Md auf wen wäre der Verdacht gefallen? Doch nur auf mich, den man nie ohne das Gewehr sah! Stumm, metallen, kalt glänzte sein Lauf. Grauenvoll war mir plötzlich daS Spielzeug, au- dem heimtückisch des Verderben sprang, mit kurzem, nicht einmal lautem Knall die harmlose Romantik meiner Knabenjahre zerriß und mein Gewissen mit einer nie gekannten ernsten Schuld belud, die weit schwerer wog, als geschwänzte Schulstunden und vernaschtes Taschengeld und die mich in chrer Unfaßlichkeit zu ersticken droht«.— Da hörte ich es aus dem Garten nach mir rufen.—»Ja—al ich komm schon!", antwortete ich automatisch unbefangen, während mich eisige Glut schüttelte und ich mit pochendem Herzen dem Hause näher schlich. „Wo warft du denn solang?!" fragte meine Mütter heftig.„Bon nun an-^—", aber bevor fit noch mit der Rüge, zu Ende war, stürzte ich an ihren Hals und schluchzte jämmerlich. Sofort war sie nur mehr zärtlich besorgte, und zu Tode erschrockene Mutter.,„Aber Kindl Was fehlt dir denn—?l"... Es dauerte lang«, bis ich mich soweit beruhigt hatte, daß ich mein Erlebnis beichten konnte. Während der ganzen Zeit bohrten sich meine Fingernägel in das zuckende Etwa- in meiner Tasche wie Eisenstäbe mittelalterlicher Folterwerkzeuge in das Fleisch unschuldiger LPfer. Wir standen beim Fenster d?S ländlichen, gebbgestrichenen Zimmers, vor dem die Scheiben der Sonnenblumen und hoher Fingerhut dunkelten, abgeblühte Mohuknollen gleich den exotischen Tempeln in meinem Geographiebuche ragten,— und in den Sekunden, da es mir endlich unter Ausbietung alles Mutes gelang, die Hand aus meiner Tasche zu ziehen, hörte ich dröhnen das Rauschen des fernen Flußwehres(— oder war es mein Blut, das so tosend in mir trieb?). Der wache Lichtstreif des schwindenden Tage- siel gerade über meine Hand, über die blutigen Finger und legte sich wie eist helles Band auf das kleine weißschwarze Ding, daS leblos sein Köpfchen mit der zartgemalten Kehle baumeln ließ... In diesem bangen Augenblick« war eS mir, als wichen alle Gegenstände zurück und ich stünde allein in einer furchtbaren Leere,— nein, schwebte zwischen Fallen und Versinken und könnte nie wieder den Rand des Lebens und der Dinge fassen... Bitterste Tränen fielen wie flehend« Gebete auf den hßsinl Oliven-Oel Flüchen von Ki 4*80 aufwärf» Für die(eine ließe und warme KficU Main! Tafel-Oel Da* ideale Oel«um Breien und Becken Meinl„E“-Oel Atmosphäre einer Pariser Künstlerbude, die kindische Eitelkeit der Erfolglosen, die Poesie einer alten Schreibmaschine oder den komischen Stolz eines Dramatikers zeigt, der sich in der Aufregung sogar an jener Tür im Theater, an der„Für Herren" steht, nach dem Kaffenerfolg erkundigt,— da- ist mehr als nur Ulk und Witzelei. Di« Pointen, die im Dialog liegen, kann fteilich nur der ganz genieße», der hinreichend Englisch versteht,— aber daß die Freundin der beiden Bohemiens mtt ihnen ein „Gentlemen-Agreemrnt" schließt, nur an di« Kunst und nicht an die Liebe zu denken, um dann, wenn sie mit dem einen allein ist, zu erklären:„Ich bin kein Gentleman",— das läßt sich iuunerhin übersetzen, und die gelungen« Gegenüberstellung der freien Künstlermoral und der stumpffinnig heuchelnden Gesellschaftssklaverei am Ende des Fiüns läßt sich auch ohne viel Worte verstehen. Daß es ein gutes Ensemblespiel zu sehe« gibt, versteht sich bei Lubitsch-Filmen von selbst. Gary Cooper, Froderie March, Everett Horton und Miriam Hopkins(die al- einzige zuweilen übertreibt) bringen Geist und Stil des Films vortrefflich zur Geltung.—«iS-— Zigeuner der Nacht. Es ist nicht recht einzusehen, warum man uns eiueu— höflich gesagt— uütt-l- mäßtäen deutschen Film zeigt, wenn man schön auf jene Epoche zurückgegriffen hat, in der es noch gute und große deutsche Filme gab. Bon dieser, wie gesagt, mittelmäßigen Gaunerkomödie läßt sich nicht mehr sagen, als daß sie immer noch lustige unh annehmbarer als die heutige Goebbels-Ware ist, daß sie Anlaß zu spaßhaften Verwicklungen bietet mid einer Schar routinierter Leute Gelegenheit gibt, sich, in entsprechenden Rollen zu zeigen. In dieser Scha^ befinden sich der inzwischen schon verstorbene Julius blankgescheuerten Holzboden und«ine kullerte auch über das flaumige Gefieder und blieb justamrnt zwischen den dünnen gebrechlichen Krallen hängen. Wir packten di« arme Bogellrich« in eine Zigarettenschachtel(die lvar grün, Geschenkaus« gäbe mit Druckknopf, Mutter hatte sie vor Zetten aufgehoben, weil sie sagte, man könne alles brauchen—) und ich schrieb noch am gleichen Abend einen Brief ast meinen Bater in Wien, worin ich ihn bat, die kleine Schwalbe präparier«« zu lassen, ich hätte die Absicht, sie als Spende^fsir den Naiurgeschichtsunterricht) meiner Schul« zu überbringen. In den folgenden zwei Nächten schreckt« ich mit entsetzlichen Schreien auf, so schlimme Träume plagten mich. Nach drei Tagen brachte mir der alt« Landbriesträger das Paket wieder zurück. Dazu einen Brief meines Vaters. Es war der erste ernsthafte und„erwachsene" Brief, den er mir schrieb und ich saß sehr beschämt vor den wunderbaren Worten dieses unvergleichlichen Mannes. Still drückte ich mich aus dem Zimmer. Mit dem Bries und dem traurigen Päckchen. Aber ohne Gewehr. Unter dem riesigen Apfelbmim, der mit seinen Arsten breit auch noch die Straße überschattete,— die herrlichen Aepfel bogen die Zweige so tief hernieder, daß von den Heulvagen, die vorüberfuhren, immer mächtige Büschel daran hängen blieben—, hob ich mit meinem Spaten eine Grube aus, nicht größer als rin« Zigarettenschachtel. Die Glockenblumen und Steinnelken, die auf den winzigen Hügel, der leicht mit einem gewöhnlichen Maulwurfshügel hätte verwechselt werden können, legte, waren bereits am nächsten Tage verwelkt und von dem, was darunterlag, ist wohl schon lange nicht die geringste Spur mehr vorhanden. Die„Silberne Büchse" aber entsagte in einem denkwürdigen Kriegsrat ihrer Häuptlingswürde und da wegen der Nachfolge eine große Keilerei ausbrach(und zudem di« Schulferien zu End« waren), so löste sich der tapfere Stamm der kriegerischen Cmnanchen auf und zerstreut« sich im Herbst in die unromantischen Jagdgefilde von Simmering, Kagran Md Alsergrund. «Seite 8 „Sozialdemokrat^» Sonntag, 8. Juni 1933. Nr. 133 smsr. Portable-Schreibmaschine für jedermann Neue billige Modelle Gillian& Co., Prag II. Stöpänskä 32 Tel. 35.151-53 Falkenstein, der damals noch ziemlich frische Paul Kemp und Jenny Iu a o. die auch beim Ent- steben dieses Films schon nicht mehr auf der Höhe War.—eis-— Xunet und WUsen, Italienische Stagione— II Der dramatisch-glutvollen, festlichen„Aida" Verdis folgte gestern als zweite Oper der italienischen Stagione des Prager Deutschen Theaters Giacomo Puccinis lyrisch-zarte„Bo- Ume“, Wenn in der„Aida" die groben und sieghaften Singstimmen maßgebend sind, so entscheiden den Erfolg der Boheme die schön und kultiviert singenden, Sängerinnen und Sänger. Auch rein musikalisch ist Puccinis„Boheme" auf die zarteren Töne und Farben, auf die Delikatessen des Klanges angewiesen. Man erinnert sich noch mit Vergnügen der dynamisch ganz wundervoll abgetönten Aufführung dieser Oper unter V o t t o s Stabführung, als dieser geniale Musiker und Dirigent noch unserem Theater angehörte. Dynamische Kultur zeichnete auch die Musik der„Boheme" aus. wie sie ihr V o 11 o als musikkünstlerischer Führer der italienischen Stagione gestern abends zuteil werden ließ. Auch Votto, der Rhythmiker, ist der gleiche geblieben— leider; denn sein Hang zum Dehnen der langsamen Zeihnaße wirkt mitunter,' erimrdend.' Unter den italienischen Sängergästen ist als Vertreterin echter Gesangskul» turEideNorena zunächst zu nennen. Ihr schlanker und glockenreiner Sopran klingt in allen Stimmlagen gleich schön, entfaltet sich in der Höhe mühelvs zu strählendem Glanz, ist berückend schön im Piano, musterhaft geführt im Parlando und in der Atemtechnik. Der hochkultivierten Sängerin war die Darstellerin Norena ebenbürtig; eine Mimi ebenso reizend in der naiven Freude ersten Liebens wie rührend im Leid. Einen außerordentlich kultivierten Sänger hörte man auch in dem lyrischen Bariton Leo Ficcioli(Marcell) kennen, der neben großem gesanglichen Können auch eine schöne, warme Stimme besitzt und ein sehr gewandter Schauspieler ist. Auf seinen Lescaut in„Manon" darf man neugierig sein. Alessandro Ziliani, der den Rudolf sang, imponiert vor allem durch sein prachwolles Tenormaterial. mit dem er verschwenderisch umgeht und das nicht minder groß wie schön ist. Aber die Kultur seines Gesanges ist noch nicht auf der höchsten Stufe, die Stimme noch nicht bedingungslos ergebenes Instrument des Sängers. Auch als Darsteller bedarf dieser Künstler noch des Schliffes. Unter dm mitwirkenden heimischen Kräften zeichnete sich Frau Book als italienisch singende, gesangstechnisch blendende Musette besonders aus. Auch Herr L i b a l sang seine wenigen Takte italienisch, während die übrigen Solisten und der Chor der deutschen Sprache treu geblieben waren. Letzterer zeichnete sich im zweiten Akt aber gar nicht aus und trübte bedenklich den festlichen Charakter des Opernabends, der aut besucht, aber nicht äusverkauft war. E. I. »Schnittling auf allm Suppm".(Uraufführung.) Gisela Werbezirk hat ihre Stagione eröffnet und trotz der anderen ein zahlreiches Publikum angelockt. Leider kommt sie diesmal nicht in einer ihrer Charakterrollen, sondern als Revuestar Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab........ 1935 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei/ „Gofttal&etnofrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tt. 62, zum Preise von 16 Xi monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:». Letzte Post:..».»««».»»»> Unterschrift: in einem.Werk", das ihr nur wenig Gelegenheit gibt/ sich gerade von der stärksten und liebenswürdigsten Seite ihrer künstlerischen Persönlichkeit zu zeigen. Es gibt allerdings— frei nach Kästner— ein Wiegenlied, in dem sie durch die Schablone des Textes hindurch zum Herzen spricht, und einige Augenblicke, da sie ihre Komik frei entfalten kann. Im allgemeinen aber legt ihr die Rolle doch Fesseln auf. Idee und Witz der Revue sind dürftig. Am besten sind noch die reinen Kalauer im zweiten Teil geraten. Die Ausflüge ins Ernste, Satirische und Sozialkritische rühren kaum an die Oberfläche der Probleme. Es ist leider Brauch geworden, derartige Revuen hinzuhauen, als handle es sich um einen Silvesterspaß. Bei Werken, die im Repertoire als Serie erscheinen, müßte doch mehr künstlerischer Ernst zu spüren sein, als' ihn die Arbeit der Herren Mord o und Morgan verrät. Die Musik(B. Grün) lehnt sich auf weiten Strecken an Weill und Eisler an, ohne die Muster natürlich zu erreichen. Oft ist sie weinerlich und leiernd wie schlechte Kirchenmusik. Die Bühnenbilder von Burger waren zum Teil sehr nett. Als Hauptpartner der Wekbe- zirk war Walter Taub mit Erfolg bemüht, das Menschenmögliche aus dem Text herauszuholen und sich in vielen Aufgaben vielfach zu wandeln. Unter den zahlreichen sonst noch strap«zierten und wenig beneidenswerten Künstlern fiel Frl. W o l f angenehm auf. sowohl durch den Ernst, den sie an die Aufgabe wandte, als auch durch das Gefühl für das Bühnenwirksame selbst am schwachen Text. An den Klavieren brillierten, bestbekannt, die Herren Frank Pollak und Fritz Rieger. E. F. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag>/^8:„Servus! Servus!" D 2.— Montag halb 8:„Carmen", italienische Stagione III, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: „S ervusServu sl" A 2.■»— Mittwoch halb 8: ,Iosca", italienische Stagione I V. Abonnement aufgehoben.— Donnerstag halb 8:„2 a Tra» viata", italienische Stagione V. Abonnement aufgehoben.— Freitag halb 8:„G eburtsta g", D 1.— Samstag halb 8:„M an o n". italien. Stagione VI. Abonnement aufgehoben. Wochenspielpla« der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 8 Uhr:„Schnittling auf allen Suppen".— Montag 8:„S ch n i t t l i n g auf allen Suppen".— Dienstag 8 Uhr: „S.ch n i t t l u n g auf all en S u p p e n." — Mittwoch 8:„S ch n i t tl i n g auf allen Suppen".— Donnerstag 8: Schnittling aufallen Suppe n".— Freitag 8% Uhr:„Regen und Wind", Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr:„Schnittling auf all en Suppen". I. W. Spccrger und Ljuba Herrmannovä in dem heimischen Film„Cäcorka". Die Geschäfte heben sich wieder Im Brüsseler Bruderblatt»Le Peuple" lesen wir: Ueberfülltes Stadion beim Fußballmatch Belgien—Holland. Einnahmen 1,200.000 Francs. Wie vorher die Matchs gegen Deutschland und Frankreich fruchtbringend ausgebeutet wurden— finanziell versteht sich— kann man mit den Herren des belgischen Verbandes singen: »Die Krise ist beendet<.." Diese großen Banknoten, welche in die Kaffen des belgischen Verbandes wandern, wozu verwendet man sie im Grunde? Um die Klubs von den Lasten zu befreien, welche es recht notwendig haben? Um arme Jungen auszurüsten, welche nicht immer die Mittel haben, einen Fußball oder Treter zu kaufen?' WaS Ihr nicht meint! Diese hunderttausende unverhofften Franken werden viel besser angewendet: Bankette mit mehr als hundert Gedecken, in luxuriösen Salons, die Reisekosten einer Mannschaft von etwa hundert Antwerpener Kontrolloren, die Entsendung eines Sonderdelegierten nach Köln, um dort Raymond Braine abzuholen und andere Luxusausgaben! Das aber ist nicht nur in Belgien der Fall. In Mitteleuropa sind die bürgerlichen Verbände in dieser Hinsicht nicht viel besser! Sportverkehr mit Sotojetrußland. Bekanntlich ist der Sportverkehr mit sowjetrussischen Sportlern den Verbänden der SASJ freigegÄben. Finnland hat den Verkehr bereits ausgenommen. Der technisch« Ausschuß der SASJ wird Nun einen Plan für sportliche Veranstaltungen mit Sowjetrußland ausarbeiten und denselben nach Fertigstellung und Genehmigung durch das Präsidium der■ SASJ den russischen Sportbehörden und den Landesverbänden der SÄSJ übermitteln. Sowjetrusfische Frauen-Bestleistung im Kugelstoßen. Bei einem leichtathletischen Meeting in Kiew erzielte di« sowjetrussische Sportlerin Tina Borhsowa im beidhändigen Kugelstoßen mit 21.67 Metern eine neue Bestleistung, welche um 20 Zentimeter besser ist als der bürgerliche offizielle Weltrekord. Belgische Handball-Meisterschaft der Arbeitersportler. Zehn Mannschaften kämpften in der ersten Division. Nach acht Begegnungen errang den ersten Platz Jemeppe mit 15 Punkten vor Flemelle mit 14 und Jupill« mit 13 Punkten. du» dec ffoctei Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganifatio« Prag Donnerstag, den 13. Juni 1935, findet um 8 Uhr abends im Saale des Gewerkschaftshauses, Prag H., Persthn; eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Der Parteitag in Brunn— Debatte über die Referate in der letzten Parteiversammlung. Die Bezirksleitung. WtteUuogeftcUr»Urania« Heute halb 11 Uhr:„Ariane", der wundervolle Film mit Elisabeth Bergner und Rudolf Forster. In der Reche:»Unvergeßliche Filme". Wiederholung: Pfingstmontag halb 11 Uhr. Unvergeßliche Filme:„Der Mordprozeß Mary Dugan". Egon v. Jordan, Korff, Lucy Doraine. Pers. Anwesenheit des Hauptdarstellers Egon v. Jordan. Dienstag halb 8 Uhr. Verfanget überall Volkszünder VERLANGEN SIE In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen «5»lud die allerbesten! 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