15. Jahrgang Donnerstag, 13. Juni 1935 Nr..137 Japan steckt Nordchina ein Kampfhandlunsen nach Ablauf des Ultimatums? Brotaktion bis Ende Juli verlängert Wie das„Prävo L i d u" meldet, hat der neue Minister für soziale Fürsorge Genosse Jng. N e L a s im Ministerrat durch gesetzt, daß die Brotaktion für Arbeitslose auch für die Monat» Juni und Juli verlängert werde. Der Ministerrat hat den diesbezüglichen Beschluß bereits gefaßt. Bei der Berteilung soll namentlich auf die ausgesprochenen Notstandsbezirke Rücksicht genommen werden. In dieser Richtung hat der Fürsorgeminister bereits die entsprechenden Maßnahmen getroffen. friede in Südamerika Buenos Aires.(Reuter.) Mittwoch wurde das Waffenstillstandsabkommen im Konflikt um den Gran C h a e o unterzeichnet, wonach die Feindfeiigketten binnen 48 Stunden, das ist Freitag vormittags, eingestellt werden. Die Frist erwies sich als notwendig, um alle Abschnitte der 60V Kilometer langen Kampffront verständigen zu können. Eine internattonale MUttär» Kommission wird sich im Flugzeug ins Kampfgebiet begeben, um die Durchführung der Waffenstillstandsbedingun- gen zu überwache». Arbeitskonferenz für 40-Stunden-Woche Genf.(Tsch. P.-B.) Die Internationale Arbeitskonferenz eröffnete Mittwoch die allgemeine Debatte über den Bericht des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Butler betreffend die Tätigkeit dieses Amtes im verflossenen Jahre. In der Debatte, an der sich viele Delegierte beteiligten, konzentrierte sich das größte Interesse auf die Planwirts chaft und auf die praktischen Erfahrungen mit der Arbeitszeitverkürzung. Der Vertreter der Arbeitgeber der Vereinigten Staaten von Nordamerika Lewis- Ham legte des längeren den Standpunkt der amerikanischen Arbeitgeber zur Frage der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit dar und führt« u. a. aus, daß in den Vereinigten Staaten zwar keine einheitliche Ansicht bestehe, daß aber die fertigen Tatsachen der akademischen Diskussion Einhalt taten.— Der australische Vertreter Steward erklärte u. a„ die Lage in Australien sei derart, daß di« Regierungsdelegierten auf der Arbeitskonferenz die Arbeitnehmer- und Arbeitgebergruppe vertreten könnten.— Der belgische Vertreter Delattre befaßte sich hauptsächlich mit der Frage der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen und führte u. a. an, daß die belgische Regierung einen kühnen Plan zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit und zur wirtschaftlichen Gesundung des Staates habe. Dieser Plan sei bereits in Wirksamkeit getreten und die Arbeitslosigkeit in Belgien habe tatsächlich sogleich abgenommen. Die belgische Regierung wende für öffentliche Arbeiten fast zwei Milliarden Franken auf. Am Nachmittag nahm die Arbeitskonferenz nach kurzer Debatte einen von der Arbeitnehmergruppe eingebrachten Resolutionsentwurf an, nach welchem die Konferenz der Ansicht ist, daß es notwendig ist, ein auf dem Grundsatz der 40- stündigen Arbeitswoche und auf dem Grundsatz der Auftechterhaltung des Lebensniveaus der Arbeiter gegründetes allgemeines Abkommen anzunehmen. Dieses Abkommen soll den Rahmen bilden, in den die verschiedenen Industriezweige werden ausgenommen werden. Die Konferenz eröffnete außerdem die Aussprache über den Antrag des ftanzösischen Regierungsdelegierten Senator Godart, der dahin geht, daß über den Vorschlag des Internationalen Arbeitsamtes, betreffend die Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in fünf Industriezweigen, die Konferenz selbst in einer Plenarsitzung verhandle. Ueber den Antrag wird Donnerstag entschieden werden. Nanking.(Reuter.) Die chinesisch-japanische Spannung hat offensichtlich eine Verschärfung erfahren, da der chinesische Kriegs» Minister Hojinschin die Absendung der von Japan verlangten schriftlichen Antwort auf die japanischen Forderungen abgelehnt hat. Die Frist für die Absendung der Antwort endet Mittwoch Mitternacht. Man befürchtet, daß bereits Donnerstag die Kampfhandlungen in Nordchina beginnen, falls die japanischen Behörden auf der Erfüllung ihrer Forderung beharren. Nach der letzten Reutermeldung verstärkt sie' allgemein die Üeberzrugung, daß die chinesischen Regierungsbehörden die neuen japanischen Forderungen ablehnen werden. Obzwar Mitternacht bereits lange verstrichen ist, find noch kein« Anzeichen vorhanden, daß die Japaner irgendwelche Vorkehrungen treffen würden, von denen im Ultimatum die Rede ist. Es heißt» daß die Japaner die Absicht haben, am Donnerstag über Pciping eine Fliegerdemonstration durchzuführen. Wie Reuter weiter a«S Pciping(Peking) meldet, konferierten die chinesischen Politiker vor Ablauf des Ultimatums den ganzen Tag über die Lage. Die einen sprachen sich für d i e A n- gliederung an dieSowjetunion aus, während andere der Ansicht find, daß man den neuen japanischen Forderungen, mögen sie «och so unvernünftig sein, nachgehen müsse. Inzwischen hat sich daS chinesische Heer bereits in südlicher Richtung, also auS dem strittigen Gebiet in Bewegung gesetzt. Fast alle Züge wurden für de« Transport der Truppen requiriert und die Landstraßen in der ganzen Provinz Hopaj find fast ausschließlich der Armee Vorbehalten. * Daß Japan mit aller Macht auf die Erweiterung MandschukuoS oder auf die Bildung eines Mülhausen.(Tsch. P.-B.) Auf dem sozialistischen Kongreß erregte die Rede des Vorsitzenden des sozialisttschen Klubs, Leon Blum, große Aufmerksamkeit. Er verteidigte bei einer Kritik der Tätigkeit des sozialistischen Deputiertenklubs dessen. Tätigkeit und Handlungsweise. Bei der Abstimmung über die passive Verteidigung des Staates enthielten sich die Sozialisten der Abstimmung. Sie ließen— rief Leon Blum aus— nicht zu, daß die Kredite für die passive Verteidigung mit den milftärischen Ausgaben vermengt werden. Der sozialistische Klub hat, wenn er in die Regierung nicht eingetreten ist, dem Beschlüsse des letzten Parteikongresses in Toulouse gemäß gehandelt. Wenn wir in die Regierung eingetreten wären, so wären wir genötigt gewesen, schwerwie- gende Entscheidungen in finanziellen und Währungs-Angelegenheiten auf uns zu nehmen. Wie ist aber euer Urteil über diese Angelegenheit? rief Blum aus. Ihr werdet dem Klub einen großen Dienst erweisen, wenn Ihr ihm den Standpunkt, welchen er einnehmen soll, festlegen würdet. Vertritt zum Beispiel der Kongreß die Ansicht, welche ich persönlich teile, fuhr Blum fort, daß wir den französisch-sowjetrussischen Beistandspakt bMgen müssen? Welche Entscheidung wird der Parteikongreß darüber treffen? Blum ist der Anschauung, daß die Sozialisten alle positiven Bemühungen für die Erhaltung des Friedens aufwenden müssen. Wenn wir der Drohung Aug in Aug, gegenüberstehen, welche z. B. Hitlers Aufrüstung darstellt, auf welchen Text sollen wir uns da berufen? Was sollen wir machen, faUs cs zu einem äußeren Angriffe oder zum U«verfall staatlichen Bodens kommt? Redner glaubt, die Theorie des revolutionären Defaitismus'höre in dem Augenblicke auf, in welchem die Frage der Verantwortlichkeit auf internationalem Forum zur Verhandlung gelangt. Redner bespricht sodann die jüngste Erklärung zweiten Vasallenstaates hinarbeitet, der auch Peking, den Mittelpunkt des alten chinesischen Kaiserreiches umfassen würde, ist klar erwiesen. Gerüchtweise verlautet in der Auslandspresse, daß der Kaiser von Mandschukuo, der bekanntlich als Kind der letzte Kaiser des alten China war, bereits in den allernächsten Tagen in Peking, der alten Residenz seiner Ahnen, eintreffen werde. Der Sprecher des Tokioter Außenamtes erklärte diese Meldungen allerdings noch als„böswillige und tendenziöse" Berichte. Seine wettere Erklärung, daß Japan mit der Administrative des komm en den Nordchina nichts Gemeinsames haben werde, bestätigt nur, daß dieser zweite Vasallenstaat bereits beschlossene Sach« ist. Offiziell werden eben gewisse chinesische, von Japan gekaufte Kreise in Peking eine unabhängige Regierung ausrufen. Man bringt mit dieser Absicht den früheren Ministerpräsidenten von Mandschukuo, Sjä-Sche-Schi, in Verbindung, der noch diese Woche plötzlich in Peking zu dauerndem Aufenthalt eintreffen will. England gibt sich zufrieden? Londo n. Die Entwicklung in Nordchina wird, wie der diplomatische Mitarbeiter der„Mor. ning Post" meldet, von der englischen Regierung mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Man gebe sich in London über die Absicht Japans keine« Illi», sionen hi«»nd sei der Meinung, daß die Aufrichtung eines japanischen Proftektorates über die Provinz Tschili und das südlich von ihr gelegene Gebiet bis zum Hwangho-Fluß in vollem Gange sei. Die Tatsache, daß sich die chinesische Zentral- regierung mit der Uebernahme des Gebietes a b- gesunden habe, schließe jede Intervention der Mächte auS. Man rechne durchaus damit, daß Peking«nd Tientsin in aller Bälde der japanischen Kontrolle völlig unterstellt werden. Stalins anläßlich des Besuches des französischen Außenministers Laval in Moskau und legt ihr große Bedeutung bei. Ich glaube tatsächlich, sagt Leon Blum, daß sich im Falle eines Angriffs französischen Staatsgebiets durch Hitler-Deutschland alle Proletarier dieses Landes gemeinsam gegen den Feind erheben würden. Beim gegenwärtigen Stande der Dinge ist es unmöglich, zu begreifen, daß es zu einer Niederlage Frankreichs durch Hitler kommen würde, da Frankreich So- wjetrußland hinter sich hätte. Die Kommunisten und Sozialisten sind gegenwärtig in der Anschauung über die nationale Verteidigung nicht mehr gespalten und die Ausarbeitung einer gemeinsamen Formel ist künftighin möglich. Am Schluffe erörterte Löon Blum noch die Bedingungen einer Fortsetzung der gemeinsamen Front der Sozialisten mit den Kommunisten, hauptsächlich im Kampfe gegen die Reaktion. Die Rede Leon Blums wurde vom Kongreß mit großen Ovationen ausgenommen. Sodann wurde die Tätigkeit des sozialistischen Parlamentsklubs mit 2762 Stimmen genehmigt, 178 derselben waren unter Vorbehalten abgegeben worden. 427 Stimmen waren dagegen. Am Mittwoch nahm der sozialistische Kongreß mit großer Mehrheit einen Antrag an, in dem der Wille ausgesprochen wird» einer Lösung der Lage durch irgend ein revolutionäres Abenteuer oder durch eine reformistische Zersplitterung der Kräfte zwecks Erlangung der Regierungsgewalt auszuwei» ch e n. Die sozialistische Partei werde nur dann berechtigt sein, eine dirette Mion einzulriten, wenn die Fasristen einen Umsturz versuchen sollten. Der Antrag empfiehlt den Arbefterföderatto- nen, die Verteidigung der präzisen programmatischen Forderungen behufS einer großen Bewegung zugunsten einer organischen Einheit zu organisieren und empfiehlt ferner Einigkeit«nd Disziplin. Pfingstreden Während der Pfingstfeiertage haben drei hervorragende Politiker der tschechischen Agrarier Reden gehalten. Auf einer agrarischen Tagung in Sillein Minister Dr.H o d Z a, auf derTagung der tschechischen agrarischen Jugend Innenminister Dr« Cerny und der Vizevorsitzende der Partei Wbg. Beran. Naturgemäß befchäftigten sich diese Reden weniger mit dem Kommenden, denn das zeichnet sich heute mehr denn je durch Ungewißheit aus und ist von der nicht leicht berechenbaren innen- und außenpolitischen Entwicklung abhängig, die Reden waren vielmehr dem unmittelbar Vergangenen, das ist den Wahlen zugewandt. Nicht immer Neues, manch Richtiges und manch Schiefes wurde gesagt, immerhin war der Inhalt nicht ohne politische Bedeutung, Landwirtschaftsminister Dr. H o d I a sagte in seiner Silleiner Rede ganz richtig, die Wahlen seien eine harte Probe der Demokratie gewesen, denn da konnte die unkontrollierte anonyme Stimme des Volkes gehört werden. Es wurde schon wiederholt hervorgehoben, daß das tschechische Volk diese Probe ausgezeichnet bestanden hat. Ob freilich die Behauptung Dr. HodZas damit auch schon unanfechtbar ist, daß die Demokratie„gestärkt und unerschüttert" aus den Wahlen hervorging, darüber wird erst zu einem späteren Zeitpunkt ein abschließendes Urteil möglich sein. Für die nächste Zeit erscheint wohl durch die Unterlassung jedes Paftierens mit dem Henleinfafcismus dafür gesorgt, daß das Versagen des deutschen Sektors bei der Probe der Demokratie keine weiteren Folgen zeitige, aber darum wäre es doch sorglos gehandelt, hie jetzt dringender als je notwendige Wachsamkeit der Demokratie etwa mit der Feststellung» sie sei„gestärkt und unerschüttert", einzuschläfern. Am selben Tage, da Dr. HiHZa diese Rede hielt, bekannte der der Partei gleichfaUs angehörige Innenminister Dr. Cerny freimütig, daß seine Partei es gewesen sei» die gegen die Auflösung der Henleinbewegung war, es ist daher verständlich» wenn Dr. HodZa jenen, die über Henleins Wahlsieg verdutzt sind, Mut zuzusprechen sucht:„Ein Staat, der genügen- stark war, voUe 16 Jahre hindurch jeder Aktion der Deutschen entgegenzutreten, wird dies auch in der Zukunft können". Daß Henlein eine un mittelbare Gefahr für den Bestand des Staates bedeutet,'bat noch niemand behauptet, aber daß jene, die dem deutschen Nationalismus bereitwillig Gelegenheit gaben, unter der Fahne Henleins für die Sache Hitlers zu streiten, dem tschechoslowakischen Staate einen hervorragenden Dienst erwiesen haben, das wird man noch weniger zu behaupten wagen. Die beachtenswerteste Stelle in der Rede des Landwirtschaftsministers ist jene, in der er erklärt, der Hen« leinfche Totalismus habe auchbeidenTsche« chen das Bewußtsein der„Solida- rität unter allenllmständen" geweckt. Das heißt: worum sich der tschechische Nationalismus in den letzten Jahren vergeblich bemüht hat, bei allen tschechischen Gruppen„Solidarität unter allen Umständen" zu wecken, das ist Henlein gelungen. Seine Anhänger wiegen sich vielleicht noch jetzt in dem naiven Glauben, die Vereinigung von weit über einer Million deutscher Wählerstimmen auf die Henleinpartei habe die Position des Sudetendeutschtums ungeheuerlich gestärkt, die Ausführungen Dr. HodjaS könnten sie darüber belehren, daß das Gegenteil richtig ist, denn die tschechischen Parteien zu einer noch engeren Gemeinschaft zusammenzuschweißen, bedeutet am allerwenigsten, ihre Verhandlungsbereitschaft zu stärken und die Lage der Deutschen hier im Staate günstiger erscheinen zu lassen. Das bestätigen auch die Auslassungen tschechischer Blätter wie beispielsweise des„Eefle Slovo", das sich mit Rücksicht auf den Wahlerfolg dafür einsetzt, daß mehr denn bisher alle staatlichen und öffentlichen Aemter mit national verläßlichen Angestellten besetzt werden. Der durch Henleins Wahlerfolg erwartete Gewinn für das Sudetendeutschtum sieht schon jetzt höchst merkwürdig und fragwürdig ausk Aus der an sich wie immer korrekten Rede des Abg. Beran wäre nur die Ankündigung hervorzuheben, jede Han- werde niedergeschlagen werden, die nach der Diktatur greifen wollte,— nur eben, daß dies augenblicklich nicht das Thema des TageS ist. Etwas eingehendere Würdigung erfordert, was Innenminister Dr. Cernh über die Frag« der Auflösung bzw. Nichtauflösung der Henleinpartei geäußert hat. Er hat gemeint, wäre die Auflösung erfolät, so wäre dadurch die«nervolitilche Situar Leon Blum über die Probleme des französischen Sozialismus Seit« 2 Donnerstag, 13. Funk 1933 Nr. 137 Briten und Deutsche einig? Deutschfreundliche Rede des Prinzen von Wales London.(AR.) Der Prinz von Wales hielt an die„Alten Kameraden", wie er die Soldaten der britischen Legion bei ihrer Konferenz in London nannte, eine Ansprache, wobei er der deutschen Nation in herzlicher Weise Erwähnung tat.„Der Gedanke der Entsendung einer Abordnung der Legion nach Deutschland ist mir selbst," sagte der Prinz,„sympathisch. Ich glaube, daß keine andere Körperschaft oder Organisation von Menschen geeigneter sein kann, die Hand der Freundschaft den Deutschen entgegenzustrecken, als wir gedienten Soldaten» welche mit ihnen im Weltkrieg» gekämpft— undallesvergessenhaben." Der Prinz sagt«, er habe diesen Borschlag mit dem Präsidenten der Legion, dem Generalmajor Fre- deric Maurice, besprochen. Sein Vorschlag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Diese Rede des Prinzen von Wales wird von der deutschen Presse mit zustimmenden Kommentaren begleitet. tun nicht besser, sondern schlechter geworden. Vielleicht wird der Herr Innenminister doch die Möglichkeit zugeben, daß man vom Standpunkt einer sich chrer Existenz wehrenden Demokratie auch anderer Meinung darüber sein kann, aber wenn auch nicht, so wäre es nicht uninteressant zu erfahren, ob der Innenminister glaubt, daß auch die außenpolitische Situation durch die Auflösung schlechter geworden wäre oder ob die Freude in Hitlers Hallen über Henleins Wahlsieg doch nicht ohne Grund gewesen ist. Dr. Eernh führte- weiters aus, den Antrag auf Auflösung anzunehmen hätte bedeutet, die Möglichkeit zu geben, daß die Partei sich morgen wieder bildet:»Heute sehen wir in die Bewegung hinein und können sie überwachen". Dieses letztere gilt, sofern« man der Auffassung ist, daß neben der öffentlichen Betätigung der Partei keinerlei illegale besteht, was der Herr Innenminister wohl am besten abzuschätzen in der Lage sein dürfte. Doch davon abgesehen und ohne uns über Nützlichkeit oder Schädlichkeit einer Auflösung der Henleinpartei äußern zu wollen, kann man nur überrascht sein, von so verantwortlicher Stelle zu hören, die Auflösung wäre zwecklos gewesen, weil sich die Partei.morgen" wieder gebildet hätte. Wohlgemerkt: der Innenminister sagt nichts darüber, daß zur Auflösung keine Gründe vorhanden waren, er vertraut bloß nicht auf die Zweckmäßigkeit der Auflösung, weil sie durch Neugründung der aufgelösten Bewegung sofort wieder illusorisch gemacht worden wäre. Ist das nicht das Einbekenntnis der Schwäche und der Kapitulation der Staatsgewalt vor dem Henleinfascismus? In aller Loyalität möchten wir dem Herrn Innenminister die Frage vorlegen, wozu die Regierung ^,hann erst dqs Partesen-AuflijsMgsgesetz sich b«-< '^willigen Uno erneuern ließ, wenn sie glaubt, eine Auflösung sek im Grunde nur ein Schlag ins Wasser» da kein Verbot davor schütze, die verbotene Partei schon»morgen" neu erstehen zu sehen. Und wenn die Regierung in eine legale Bewegung hineinsehen und sie überwachen kann, besser denn als eine unterirdische, warum wurde denn dann die Nationalsozialistische Partei bei uns aufgelöst? Die Pfingstreden der agrischen Führer lassen, wie man sieht, einige Fragen offen. Sie zerstören auch nicht jede Besorgnis, ob nicht etwa auch unsere Demokratie sich zu wenig wachsam gegenüber dem aller Mittel der Täuschung sich bedienenden FasciSmus erweisen werde... London.(Havas.) Mit dem Borbehalte, daß die übrigen Signatarmächte des Versailler Vertrages keine formalen Einwendungen erhebe« werde«, ist England im Prinzip dem deutschen Vorschlag beigetreten, wonach das 38prozen- tige Tounageverhältnis fürdie deutsche Kriegsmarine zu de« betreffenden Kategorien der britischen Flotte stabil bleibe, ohne daß eine andere alS die englische Kriegsflotte m Betracht gezogen wird, wobei das perzentuelle Ber» hälwis sich auf jede Kategorie und keineswegs auf die Gesamttonnag« bezieht. * Der britischeErfolgbei diesem Kompromiß ist die Festsetzung der Relation für die eiri- zelnen Kategorien, also Schlachtschiffe, Flugzeugmutterschiffe, Panzerkreuzer, Kleine Kreuzer, Zerstörer, Torpedobote, Unterseeboot«. Hätten die Deutschen das Verhältnis von 38 Prozent für die Vor Parlamentsbeginn Die Tagesordnung der konstituierenden Sitzung des Abgeordnetenhauses am kommenden Dienstag sieht folgende Punkte vor: 1. Gelöbnis der Abgeordneten. 2. Wahl des Vorsitzenden und dessen Gelöbnis. 3. Wahl von sechs Vizepräsidenten und ihr Gelöbnis. 4. Wahl von zehn Schriftführern und acht Ordnern. 8. Bericht über die Tätigkeit des Ständigen Ausschusses. Die Zahl der Vizepräsidenten kann durch autonomen Beschluß des Hauses abgeändert werden. Wie verlautet, dürfte jedoch die Zahl von sechs Vizepräsidenten auch bei der späteren definitiven Wahl des Präsidiums beibehalten werden. Fn diesem Falle wären bis auf die deutschen Agrarier alle Koalitionsparteien vertreten und ein Sitz wäre für die slowakische Bolkspartei Vorbehalten, mit deren Eintritt in die Koalition in absehbarer Zeit gerechnet wird. Die tschechischen Sozialdemokraten soll im künftigen Präsidium der Slowake Dr. Marko- viL vertreten; als Kandidat der tschechischen Nationalsozialisten wird jetzt Dr. P a t e j d l genannt. Nach den»Lid. Nov." sollen die pokitsschen Minister in dieser Woche daS Arbeitsprogramm vereinbaren, das den Inhalt der Regierungserklärung bilden wird. Man erwartet, daß darin dringende Wirtschaftsfragen betont werden, daß sich die Regierung aber auch über wichtige politische Dinge ausspricht, so namentlich über die deutsche Minderheit. Die Regierung will nachdrücklich ihre feste Entschlossenheit betonen, in der Politik der demokratischen Zusammenarbeit.fqrtzufahren.und energisch alle umstürzlerischen Elemente und tyitt« demokratischen Strömungen zu verfolgen. Ebenso dürft« bereits in der Regierungserklärung angekündigt werden, daß die Regierung das Parlament um dieBerlängerungdeSErmächtigungS- g e s e tz e S ersuchen wird. Der endgültige Entwurf der Regierungserklärung soll in der freitägigen Sitzung des Ministerrates genehmigt werden. Genosse Dr. MelBner Klubobmann Am Mittwoch fand im Abgeordnetenhaus die konstituierende Sitzung des Abgeordneten-Klubs Gesamttonnage erzielt, so könnten sie die rund 420.000 Tonnen, die ihnen nach dem Abkomm.en zustehen werden, z. B. zur Hälfte in U-Booten verbauen, was für England eine weit größere Gefahr bedeutete» als wenn die Deutschen Schlachtschiffe bauen müssen. Der deutsche Erfolg liegt darin, daß überhaupt eine Einigung zustandekam, daß Deutschland also grundsätzlich berechtigt ist, seine Flotte aufzurüsten, und darin, daß es ja den Vertrag nach menschlicher Voraussicht nicht halten und trotz ihm soviel U-Boote bauen wird, als eS kann und will. Ein wetterer ErfolgDeutsch- l a n d s liegt darin, daß seine Flotte zusammen mit der italienischen und der japanischen eine Tonnage erzielen wird, die um rund 300.000 Tonnen größer sein wird als die Großbritanniens. der tschechischen Sozialdemokraten statt, die vom Obmann der Partei Abg. H a m p l eröffnet wurde. Hampl begrüßte alle Abgeordneten, insbesondere diejenigen, die neu ins Abgeordnetenhaus eintreten. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurden gewählt: Vorsitzender Abgeordneter Dr. Alfted Meißner, Vorsitzender-Stell- vertreter: die Abgeordneten Pik, Pol ach und S rba, Geschäftsführer Abgeordneter Dr. M a- c e k. Kassier Abg. Klein, Revisoren Abg. BeL- k o und I a s a. Mitglieder des Ausschusses sind Hampl, Thalupa, Langer, RemeS, Stivin und Tayerle. Zu Ordnern wurden Abg. Neumeister und Tymes gewählt. Die Wahlen erfolgten einmütig durch Akklamation. Den politischen Situationsbericht erstattete Abg. Hampl, der die Wahlergebnisse würdigte. Er konstatierte, den verdienten Erfolg der Partei und deren Initiative in wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Die Partei werde auch weiterhin für den Sieg der Demokratie kämpfen. Dieses Referat wurde durch die Minister B e ch y n e und Doktor D i r e t ergänzt. Kameradschaftstat tschechischer HochschOler Anläßlich der vom ÜS§S, dem Zentralausschuß der Tschechoslowakischen Studentenschaft Ende Mai in BoSkowitz veranstalteten Tagung der sozialstudentischen Mitarbeiter, an der außer den Vertretern sämtlicher tschechischen und ftowakischen studentischen Gruppen auch deutsche Gäste teilnahmen, wurde auch die Frage der Aufteilung der -Staatssubbentionen für die soziale Studentensür- svrge für die tschechischen und deutschen Hochschüler behandelt. Nach einhelliger reger Debatte faßten die tschechoflowakischen Studentenvertreter die einstimmige Entschließung: »Es wird festgestellt, daß die Gesamtsubvention für die soziale Studenten« und studentische Gesundheitsfürsorge unzulänglich ist und daß unverhältnismäßig niedrig der Anteil ist, der auf die deutschen Hochschüler entfällt. Die Arbeitstagung ersucht deshalb die Gesamtsubvention zu erhöhen und im Rahmen dieser Erhöhung dar bestehend« Mißverhältnis der Aufteilung der Staatssubvention auf die Hörer der tschechoflowakischen und der deutschen Nationalität zu beseitigen." al Raschid, und der war der schlechteste Jurist unter der Sonne." »Erinnern Sie sich an den seligen Hofrat Pietnicek? Der hatte auch einmal ein rechtes Malheur. Es wurde ihm der alte Vanouschek, der Pepi, vorgeführt. Er bettelte nur, war ein Landstreicher, saß mehr im Gefängnis als sonstwo. Der Alte war so abgestumpft, daß er beinahe blöd war. Einmal stellte ihn ein Wach» mann und sagte:»Du könntest der Lump sein, den man sucht." Und Vanouschek, der gewöhnt war, den Herren immer recht zu geben, erwiderte: »Ich bin's auch." Darauf sagte der Wachter: »Ich hab' dir's gleich auf der Nase abgelesen, du alter Lausbub." Erst vor Gericht etfuhr Vanouschek, daß er wegen Brandlegung angeklagt war. Und weil er schon alt und vergeßlich war, meinte er, da all« es erzählten, daß er vielleicht das Feuer gelegt und daran vergessen hat. Jedem, der ihn fragte, anwortete er:»Ja ja, ja ja." So kam die Sache bis vor die Geschwornen. Der Herr Hofrat Pietnicek hat sie geführt und setzte dem armen Vanouschek fürchterlich zu. Mindestens fünfmal sagte er ihm, daß er ein echtes Ber- brechergesicht babe. Die Zeugen verwirrte er so, daß afle zum Schluß schworen, den Vanouschek gesehen zu haben, wie er die Scheuer umschlich, die dann niederbrannte. Nur der Bauer, den eS anging, wollte den Vanouschek nicht erkennen und wiederholte immer wieder:»Nein, der ist eS nicht. Diesen Mann sehe ich heute zum erstenmal. Der richtige, der mir drohte, war jung, einen Kopf kleiner und sah überhaupt ganz anders aus." Sie hätten den Herrn Hofrat sehen sollen. Er war fuchsteufelswild.»Du Bauernlümmel, du hast wahrscheinlich das Feuer bei dem Lumpen bestellt, damit die Versicherungsgesellschafi ordentlich blecht t Fetzt aber paßt es dir nicht, daß man deinen Komplicen einsperrt." Ich weih nicht, gnädiger Herr, warum die° Herren vom Gericht so schlecht von den Menschen denken. Ein anständiger Mensch kommt gar nicht auf solche Bei der Beratung über die studentische Gesundheitsfürsorge erklärten sich die tschechoslowakischen Hochschüler bereit, ihre erholungsbedürftigen deutschen Kollegen in die Ferienheime deS tschechoslowakischen Studentskh zdravotnt üftav aufzunehmen und erwarten die Beistellung bezüglicher neuer Staatsmittel. DaS Eintreten der ffchechischen Hochschüler für die mittellosen deutschen Kommillitonen bedeu« det einen vorbildlichen Beweis studentischer Solidarität und ein überaus mutiges und ehrliches Bekenntnis der tschechoslowakischen Jugend zum Gedanken übernationaler Humanität und sozialer Gerechtigkeit. Das Prager„Braune Haus'* Einige tschechische Blätter berichten, daß die Prager Ortsgruppe der Henleinpartei mit den Besitzern des Hauses»U n i t a r i a" in Prag l wegen Schafftmg eines Braunen Hauses verhandelt. Die Verhandlungen über den Kauf des Hauses, das erst vor wenigen Jahren gebaut wurde und auch über große Vortragsräume verfügt, sollen sich zerschlagen haben, doch wird wegen der Verpachtung des Hauses weiterverhandelt. Als Pachtschilling wird ein Betrag von 486.000 Kc genannt. In dem Haus soll nicht nur der Pressestab Henleins, die Redaktion des künftigen Tagblattes und das Prager Sekretariat untergebracht, sondern auch Zimmer für die Parlamentarier der Partei, also eine Wohnkaserne, eingerichtet werden.(Die„Unitaria" würde sich für das Braune Haus auch deshalb besonders gut eignen, weil sie sich in unmittelbarer Nähe der Druckerei der«B o h e m i a" befindet, in der vom Herbst an daS neue TaKlatt der Henleinpartei erscheinen soll.) Es soll uns nicht Wundern, wenn die Hen- leinleute unter der Patronanz des Innenministeriums in diesem Braunen Haus auch noch eine SA-Torwache einrichten sollten, damit die Analogie mit den berüchtigten Braunen Häusern jenseits der Grenze schon einmal vollständig seil ein erfolg der Konsumgenossenschaften Eines der Mittel der Feinde unserer Kons sumvereine diese zu schädigen war, durch provozierten Verkauf an Nichtmitglieder Rechtsfälle zu schaffen und dann die Konsumvereine zu klagen« Mit dem 31. Mai ist nun eine Regierungsverordnung in Kraft getreten, in der festgesetzt ist, daß ein Verkauf an Nichtmitglieder— der nur unter gewissen Voraussetzungen möglich ist— in keinem Falle als gegen die guten Sitten des Wettbewerbes widerstreitend angesehen werden kann. Diese Voraussetzungen werden in Punft 8 der Verordnung näher umschrieben. So kann an Nichtmitglieder verkauft werden aus einer außerordentlichen und unvorhergesehenen Notwendigkeit(z. B. drohendes Verderben der Ware, örtlicher Mangel an Artikeln des tc^lichen Bedarfes) oder mft Bewilligung oder im Auftrage der öffentlichen Verwaltung. Weiter wird in der Regierungsverordnung klar ausgesprochen, daß jeder, der zu einem unerlaubten Verkauf an Nichtmitglieder verleitet« bestraft wird. Damit ist dex bisherige Zustand« daß die Lockspitzel, welche zu einem Verkauf a« Nichtmitglieder verleiteten, straffrei ausgehen und die Konsumgenossenschaft die Folgen eines solchen unmoralischen Vorgehens zu tragen hat, ein Ende bereitet. Die Verordnung ist ein großer Erfolg der Genossenschaften. Schlechtigkeiten. Der Advokat aber, der den Vanouschek verteidigte, hat die Geschichte geschickt an- gepackt, obwohl es eine Ex-offo-Sache war. Er schrie:»Das Motiv! Nennen Sie mir das Motiv des Verbrechens! Warum hätte es der Alte getan? Er ist ja die gute Stunde selbst!" Das brachte wieder den Herrn Hoftat auf- Er schlug auf den Tisck, daß es dröhnte, und rief’ »Hier werden keine Romane geschrieben, Herr Doktor, hier wird Gerechtigkeit geübt. Bis wir Romane schreiben, werden wir Motive suchen. Jetzt genügt es mir, daß Vanouschek gestanden hat." »Gestanden?" tobte der Anwalt.»Mein Klient ist ja schwachsinnig. Ich bitte um GerichtS- Srzte." »Er ist schwachsinnig?" erwiderte der Hofrat.„Das ist mir neu. Vanouschek war Korporal beim Militär. Ich hör« heute zum erstenmal die freche Behauptung, daß jemand blöd ist« der es zum Korporal gebracht hat." Er setzte dem Vanouschek so zu, daß die Geschworenen wie ein Mann erklärten:„Schuldig.* Und der arme Alte bekam acht Jahre aufgepelzt. Weniger hätte auch genügt. Aber der Herr Hofrat sagte sich: Ich werde dir geben, Motive! D-'k Alte seufzte nur, verbeugte sich vor dem Hohes Gerichtshof und den Geschworenen und sagte d^m Advokaten:„Lassen Sie's gut sein, junger Herr» ich werde nicht berufen. Ich bin schon zu alt für solche Geschichten." Und er ließ sich einsperren. Das wäre soweit in Ordnung gewesen. Aber es kam dann anders. Bei der Verhandlung war auch ein Praktikant vom Smichower Gericht. Der erinnerte sich, daß um diese Zeit der Vanouschek in seinem Bezirk eingesperrt gewesen war. Er, der Praktikant, war damals Schriftführer gewesen. Und er sah in den Dokumenten nach, und wahrhaftig: der arme Alte war zu der Zeit, als der Hof niederbrannte, hinter Schloß und Riegel gesessen. (Fottsetzung folgt.)' 43 Roman von, Emil Vachek—i \_ Deutsch von Ann« AurednKek Wenn das gestrige Gespräch daran schuld war, so muß ich schon sagen, daß ich nicht verstehe, warum Sie solche.Faxen wegen einem so einfachen Blödsinn machen. Sie sollten mich Unschuldigen aus dem Käfig lassen und den Bauernlümmel hineinstecken. Ein Mann ist wie der andre. Hab' ich nicht recht? Wenn nur die Nummer sitzt." Nach dieser Erklärung sah der Vizepräsident nicht weniger mutlos aus. „Danken Sie Gott, Beinsteller, daß man für Lästerungen gegen juristische Prinzipien nicht verurteilt werden kann. Sie wollen mich nicht verstehen. Ich muß es Ihnen daher nochmals erklären: Man hat Sie erwischt. Sie haben gestanden, deshalb sind Sie eingesperrt. Die Frist zur Ueberreichung der Nichtigkeitsbeschwerde ist vorüber. Sie haben sich nicht gerührt. Für den Rechtsstandpunkt ist die Sache mit diesem Moment erledigt. Vor dem Recht sind Sie ein Verbrecher und müssen«ingesperrt werden. Plötzlich erscheint ein gewisser Sazyma, der uns gar nichts angeht. Er bekennt sich zu einem Diebstahl, den Sie begangen haben. Ich habe ihm einen v?r» nünftigen Ausweg angeboten. Ihr wolltet beide nichts davon hören. Sie müssen eingesperrt bleiben, denn Sie haben gestanden und sind verurteilt worden. Aber auch Sazyma muß eingesperrt werden, denn auch er gesteht. Zwei können aber nicht für ein und dieselbe Sache sitzen. DaS werden vielleicht auch Sie verstehen, trotz Ihrer juristischen Primitivität. Ich darf weder Sie noch den Sazyma laufen lassen. Sie kann ich aber nicht sitzen lassen, weil Sie unschuldig sind. Vielleicht sehen Sie jetzt selbst, was Sie angestellt haben. Sagen Sie mir nun, bitte, was ich tun soll?" Beinsteller fühlte sich geschmeichelt, von so einem Juristen zu Rate gezogen zu werden.»Darüber muß man nachdenken, gnädiger Herr, es ist wirklich sehr verwickelt. Aber ich habe einen Einfall: tun Sie, als wäre gar nichts geschehen. Hauen Sie dem Dorftrottel ein paar herunter, damit er sich nicht in Dinge mischt, die ihm nichts angehen, und werfen Sie ihn hinaus. Den Beinsteller aber schicken Sic auf Urlaub, damit er nicht unschuldig sitzt." Der Vizepräsident riß die Augen auf.»Ich verstehe Sie nicht, Beinsteller, wie können Sie mit Ihrer kriminalistischen Praxis so einen Unsinn schwatzen. Weshalb sollen wir Sazyma, der geständig ist, laufen lassen? Und wie können wir Sie laufen lassen, da Sie verurteilt sind? Dazu müßte man eine Enquete einberufen." »Gnädiger Herr, ich verdien' wirklich nicht, daß meinetwegen enquetiert wird. Es muß doch niemand wissen, was zwischen uns geschieht. Ich werde mich aus dem Staub machen, Herr Fleckchen wird sich's auch sagen lassen und Sazyma wird alles tun, um sobald als möglich aus Prag zu verduften. Das Aerar wird dabei meine Gebühren ersparen." „Beinsteller", stöhnte der Vizepräsident, „schweigen Sie schon. Mich trifft noch der Schlag, wenn ich Ihre Rechtsanschauungen länger anhöre." „Das geht also nicht? Dann erlauben Sie, gnädiger Herr, daß ich mit dem Dorstrottel eine Weile unter vier Augen rede." »Wozu?" „Ich sehe doch. Ihnen ist darum zu tun, den Sazyma ins Kriminal zu bringen. Ich will ihm sagen, er soll etwas andres auf sich nehmen. Etwas nicht so Verworrenes; Sie können ihn dann dafür einsperren." „Beinsteller, Sie haben vom Recht wahrhaftig türkische Ansichten. Sie sind wie Harun Rr. 137 DonnerSta», 13. Juni 1938 Seite 3 fudctendcutsdier Zeifepiegef Gemeindefinanzen, Unverstand und Hass An der„Reichenberger Zeitung" vom 8. Juni 1935(Abendblatt) befaßt sich ein F. K. mit dem Thema„Die Gemeindefinanzen und die Erwerbsteuerzahler über das Gemeindesanie» rungsgesetz". Es ist zum Staunen, mit welchem Wagemut Leut«, die keine Ahnung von der Materie haben, über ein derartiges Thema schreiben. Man must sich wundern, daß die»Lieichen- berger Zeitung" nicht mehr Wert auf ihr Ansehen legt und etwas derartiges aufnimmt. Aber wir können uns dies ohne weiters erklären: der Artikel de- F. K. befaßt sich weniger mit dem Thema, das er sich gestellt hat, er ist vielmehr eine gehässige Polemik gegen die— Konsumgenossenschaften und da können wir e- freilich verstehen, daß das Rosche-Organ sich bereitwilligst zur Verfügung stellt. Um unseren Lesern eine Vorstellung darüber zu geben, mit welcher Unkenntnis und in welch' schlechtem Deutsch man gegen die Konsumgenossenschaften zu Felde zieht, sei die Einleitung der erwähnten Artikels wiedergegeben: „Die Würfel über das genannte Gesetz find tm sterbenden Parlamente noch gefallen, man hat daS Gesetz über Entschuldung der Gemeinden geschaffen, ohne auch nur an die kolossale Wirkung für diejenigen Steuerzahler zu denken, welche die Kosten diese» Gesetzes tragen muffen; anstatt daß da» Parlament Rücksicht auf die Krise genommen und dieses Gesetz auf die treiteste» Schulten, der BrvLlkerung der Tschechoslowakei über! ragen hätte, hat man in falscher Erkenntnis jenen Teil der Bevölkerung nicht mitbelaftet, di« von der Kris« noch nicht betroffen sind; sonder» man hat das Gesetz zum großen Teile auf die allgemeinen Steuerträger aufgeteilt, somit auf jenen Teil der Bevölkerung. der ohnehin schon der meistbela- st e n d st e Stand der zur Zeit ohnedies die größte Steuerleistung aufzubringen hat noch hinzu belastet." Schön gesagt, nicht wahr! Und in diesem Ton geht es über drei Spalten hindurch. Den Herrschaften schwebt keine andere Sanierungsmethode vor, als dasAbwälzen allerLasten »auf d i e breitesten Schultern derBevölkerung", am liebsten in Form einer indirekten Steuer, bei der der Reichste genau dasselbe zu zahlen hat wie der Aermste. Wenn der F. K. nur etwa» mit der Sache, die er behandeln will, vertraut wäre, dann müßte er wissen, daß die Belastung der Bevölkerung piit indirekten Steuern und Abgaben ohnehin bedeutend höher ist als die direkte Steuerbelastung. Herr F. K. verirrt sich dann in die Statistik Und bespricht die Verhältnisse derjenigen Geschäftsleute, die die allgemeine Erwerbsteuer zu zahlen haben, gegenüber den Unternehmungen, die der besonderen Erwerbsteuer unterliegen. Ec beschwert sich darüber, daß die Unternehmungen, die die besondere Erwerbsteuer zu bezahlen haben, weniger belastet sind. Wem haben wir denn aber die Steuerreform aus dem Jahre 1927, die alle diese Berhältniffe neu geregelt hat, zu verdanken? Der tschechisch-deutschen Bürgerblockregierung, der der Herr F. K. doch bestimmt ideologisch nahesteht, sonst würde er seine„Gedanken" nicht in der „Reichenberger Zeitung" ablagern. Ex wolle sich also gefälligst an die zuständigen Stellen wenden! Der Arttkelschreiber befaßt sich dann mit der neuen Regelung der Zuschlagslimite, wie sie daneue Gemeindefinanzgesetz vorsieht: „Die Erhöhung tritt ab 1986(wie einsichtsvoll) in Wirksamkeit. Die HauSzinSsteuer wurde bzw. kann für das Land 80% höher, jedoch nicht mehr wie 160 Prozent höher für Gemeinde 126% nicht höher als 200 Prozent erhöht werden. Die Erwerbsteuer allgemein 860%, Gemeinde 160 Prozent Bezirk und 120% Land, also zusammen auf 620 Prozent erhöht werden. Bei Gemeinden, welche mit dem Zinsendienste nicht auskommen, können außerdem 50% zuschlagen, somit nach 310 Prozent." Man braucht etwas Zeit, um in diese Gedankenwelt einzudringen. Der F. K. kann nicht nur nicht schreiben, er kann nicht einmal lesen! In dem neuen Gemeindefinanzgesetz ist bekanntlich die Rede davon, daß die Gemeinden bei sogenannten Zweckdarlehen di« Umlagengrenze von 880 Prozent(die bisher geltende Grenze, nur daß einige Erleichterungen geschaffen wurden!) noch um weitere 80 Prozent— von 350 also auf 400 Prozent— erhöhen dürfen, während unser Trog- lodyt, der, wie gesagt, nicht lesen kann, darunter eine Erhöhung um die Hälfte(80 Prozent) verstanden hat, und zwar von dem Höchstlimit bei Gemeinde, Bezirk und Land per 620 Prozent. So kommt er zu den 810 Prozent am Schluffe des oben zitierten Absatzes. Man soll wirklich nicht über eine Sache schreiben, die man nicht versteht. Die Herren Erwerbpflichtigen würden sich bedanken, wenn sie 930 Prozent Umlagen zur Erwerbsteuer. bezahlen müßten, während es im allerungünstigsten Falle höchstens 670 Prozent sein können. Nach dieser ungeheueren Entgleisung schreibt F. K. weiter: »Hätten die Herren welche da» Besetz schufen sich«in wenig in der staatlichen Steu«rstatistik umgesehen, anstatt nur zu bewilligen und wäre die Regierungszusammensetzung nicht gerade eine katholisch-grüne gewesen» so hätte selbst jeder Laie einsehen müffen, daß diese Erhöhung für die Erwerbsteuerpflichtigen eine allzu agreffive Belastung bedeutet, da ja ohnehin im Jahre 1930 auf den Kopf an Steuern, Zinsen und Abzahlungen von 1716 Kl, nach dem Devisengesetze vom Jahre 1983 eine Kopsquote von 3000 KL jährlich betrug." Er verlangt sodann, daß man die Gemeindesanierung auf Kosten der Einkommensteuer hätte durchführen müffen und rennt somit offene Türen ein, denn bekanntlich wird der Entschuldungsfonds für die SelbstverwaltungSverbänd« aus den Krisenzuschlägen zur Einkommensteuer zu einem hohen Prozentsatz dotiert. Nach diesen Exkursionen in einem Gebiet, in dem sich F. K. ganz und gar nicht auskennt, kommt er zur Besprechung der Begünstigungen für die Konsumvereine, bzw. der Erwerbs- und Wirt« schaftSgenoffenschaften. Und da ist er erst richtig in seinem Element. Da wimmelt es nur so von Zahlen! Unzähligemal wurde nachgewiesen» wie eS um die Begünstigungen der Konsumvereine und der übrigen Genossenschaften bestellt ist. Aber e» Hilst nicht»! Ammer und immer wieder begegnen wir in den Spalten der bürgerlichen Press« den Ge- häffigkeiten gegen unsere Konsumgenossenschaften. Vie freie Schulgemeinschaft In Leftmeritz haben auch wir mit aufrichtiger Sympathie begrüßt. Die von ihr verkündeten Erziehungsgrundsätze find aller Sympathien wert: nicht nur Vermittlung von Wiffen, sondern auch körperliche Erziehung, Zusam- menfaffung der Zöglinge je nach ihrer Eignung Ml kleinen Gruppen, kein sklavischer Festhalten an Stun- denplänen, Eingehen auf die besondere Art und Veranlagung des Schülers. Sind auch die Gedanken, die in dieser Freien Schulgemeinschaft führend sein sollten, nicht die Eigengedanken ihres Begründers und ist auch die Leitmeritzer Schule nicht die erste ihrer Art,— es gab vor dem Kriege schon Profeffor Longos Landerziehungsheim in Mödling bei Wien und einige wirklich bahnbrechende Schulen in Deutschland, wo besonders W y n e k e n eifrig für den Gedanken der Schulgemeinschaft wirkte,— so erschien eS doch dankenswert, hierzulande, wo eS solche Gchulversuche bisher nicht gab, mancherlei Schwierigkeiten zum Trotz die Freie Schulgemeinschaft in Leitmeritz auf- zubauen. Aber welche Bewegung, welche Bestrebung innerhalb des sudetendeutschen Volkes— soweit e« sich nicht um die sozialistische Arbeiterschaft handelt — ist nicht nationalsozialistisch geworden? Der neutrale Guttemplerorden ist in den deutschen Provinzstädten unneutral, deutschnational geworden Mancherlei andere Beispiele für diese Entwicklung liehen sich anführen. Auch die„Freie Schulgemeinschaft" scheint von ihr ersaßt worden zu sein. Wir können nur urteilen nach der Monatsschrift, die sie zu Werbezwecken auSgibt. In ihr aber stimmt viele» bedenklich. Wenn da im Maiheft in einem Aufruf gesagt wird:„Ueber alles Trennende hinweg aber zur Gemeinschaft, zum Volke hin zu erziehen, ist unser Zielt" so ist da» gnviß deutbar— aber«S riecht ganz nach Henleinscher„Volksgemeinschaft". Wenn im selben Hefte in einem Leitauflatz gesagt wird:„Nicht wegen der.Härte' der Staatsschule gegenüber schwachen Leistungen' sollen steie Schulen für uns notwendig sein, sondern um unbehindert« Bolkserziehung verwirklichen zu können" — so ist diese Bemerkung im Zusammenhang mit der anderen von der Eingliederung„in das große einheitliche sudetendeutsche Erziehungswerk, das schon mitten im Aufbau begriffen ist", deutlich genug, denn diese» Erziehungswerk ist jene» Konrad HenleinS, dessen Turnerbund daS Monopol für die sudetendeutsche Jugenderziehung für sich beansprucht. Was war ursprünglich der Sinn der Leitmeritzer Freien Schulgemeinschaft? Vorbild zu sein! Zu werben für moderne Erziehung! So zu werben, daß ihre Gedanken sich womöglich allgemein durchsetzen. Und was ist heute ihr Sinn? In dem erwähnten Leitauflatz(gezeichnet: W. Brosche) wird gesagt:„Diese Schule soll eine Ausleseschule dieses Erziehung-Werkes werden, die dort erzogenen Jungen eine Auslese der .Jungenschaft' unserer ganzen Heimat, eine Führer« chule für ihre.Burschenschaft' kann sie fein und darüber für ihre Mannschaft'." Also Erziehung zur Führerschaft in der„Volksgemeinschaft"! Vorläufig uü>, so viel wir wiffen, in der Freien Schulgemein- chaft auch noch jüdische Kinder. Vorläufig dürste man ie noch brauchen. Geht aber di« Freie Schulgemein- chaft— die nach den Worten Brosche- nur mehr als rei von staatlichen Erziehungsgrundsähen aufgefaßt werden kann— den nun eingeschlagenen Weg weiter, dann wird schon der Tag kommen, wo man die jüdischen Schüler nicht mehr brauchen kann, well sie in die dort gepflegte„Volksgemeinschaft" nicht hineingehören. Schließlich sei noch auf die besondere Auf» affung des Schulleiter- Profeffor Metz» er über di« Demokratie hingewiesen:„Ich bin durch und durch Demokrat. Ich kann mir nicht vorstellen, daß etwas anderes als Demokratie meinem Begriffe von Men- chenwürde enflprechen könnte. Dabet bin ich mir klar, daß auch Demokratie im praktischen Leben sein«(?) Grenze hat. ES wird Fälle geben, wo die Diktatur ührend und regelnd eingreifen muß." Mt dieser Auffassung von Demokratie kann auch Henlein und kann auch Httler einverstanden sein— jeder Diktator greift selbstverständlich nur ein. well ihm notwendig Herr F. K. schließt daher seinen geistreichen Artikel mit folgendem„Beispiel": „In allen Betrieben des Konsumvereines „Vorwärts", Reichenberg, sind 321 Personen beschäftigt. Bei 83% Millionen Umsatz könnten 800 Gewerbetreibende mit Familie leben, auch würde Hilfspersonal angestellt werden, je 2 Personen, ergibt zusammen 1800 Personen, die davon leben könnten und dem Staate eine Steuer von 7,872.121 KL einbringen würden. Also hier wäre auch ein Arbeitsbeschaffungsfeld nebst höheren Staats- und Gemeinde-Einnahmen, wenn diese Wirflchaftsgenoffenschasten in Privatbetriebe aufgeteilt würden. Bei einer gewissenhafteren Einsicht in die Staats-Statistik, hätten die Abgeordneten sehen müssen, daß das Gesetz der Gemeinde-Sanierung fast eine Unmöglichkeit in dieser Form darstellt." Die 321 Personen, di« beim„BorwärtS" beschäftigt sind, haben wahrscheinlich keine Familienmitglieder und können mit ihren Familien von der Luft leben. Aber wie kann man bei einem eingeschworenen Haß gegen die Einrichtungen der Arbeiterschaft noch Logst verlangen? Sie sieht also die„ÄriHI" aus, die den Lesern der bürgerlichen Presse vorgesetzt wird! Der„Reichenberger Zeitung" gebührt für die Un- terstützung einer derarfigen Geistlosigkeit tvirklich vollste Anerkennung! B. S. schien,„führend" und„regelnd" einzugreifen. Fraglich aber ist? ob nach solchen„demokrafischen" Grundsätzen erzogene junge Menschen zu demokratischen Staatsbürgern der Republik werden! Druckfehler Im„Montagsblatt" Das„Montagsblatt" des Herrn Egon Fischer, das seit Wochen alle Vorbereitungen trifft, mit fliegenden Jnseratenfahnen in daS Lager der Henlein-Industriellen überzugehen, ist recht erbost, weil wir ihm zu scharf auf die Finger sehen. Der schlagendste Einwand freilich, den es gegen unsere Fesfltellung der jungen Liebe zwischen Egon Fischer und Konrad Henlein vorbringt, ist, daß wir einen— Druckfehler zum Ausgangspunkt dieser Feststellungen gemacht hätten. Nicht da»„Montagsblatt" sei schuld an der merkwürdigen Behauptung, daß die gegenwärtigen Regierungsparteien„kaum zehn Prozent" der deutschen Wähler repräsentierten, sondern der Setzerlehrling. Eigentlich, so schreibt, Egon Fischer, hätte es heißen sollen„neunzehn Prozent" (was übrigens auch nicht stimmte, da die deutschm Regierungsparteien von 82 Prozent der Wähler gewählt sind), aber ein unliebsamer Druckfehler habe die neunzehn in zehn Prozent umgefälscht. Man mücht'S kaum glauben, was für mystische Zusammenhänge zwischen der Gesinnungsänderung des„Montagsblattes" und der Finger- fertigkest seines Setzerlehrlings bestehen. Kaum hat Egon Fischer sich umgestellt, flug» greift sein Setzerlehrling daneben... Im zweiten Test seine- Artikels polemisiert dann der Herausgeber des„Montagsblattes" gegen die Ausführungen des bekannten und verdienstvollen Wirtschaftspublizisten H e j d a, der im „Teste Slovo" die Frage der Schuld an der Wirt- schaftsnot im sudetendeutschen Gebiet untersuchte und zu dem Ergebnis kam, daß die Verantwortung für den sudetendeutschen Jndustriefriedhof vor allem diesudetendeuschenAndustriel- l e n selbst treffe. Ganz in das Horn der „Rundschau" stoßmd, entrüstet sich Egon Fischer über diese Feststellungen und belädt mit der Schuld für das WirtschastSelend in den deutschm Gebieten unserer Republik die Koalitionsregierung. Einige Wochen vor der Wahl, als das„Montagsblatt" noch nicht recht wußte, woher der Wind, nach dem eS sich dreht, wehen würde, las mans noch anders. Am 28. März prophezeite Herr Egon Fischer in einer Betrachtung über die denkwürdige Rede deS Generaldirektors P r e i ß in Teplitz: „Wir glauben, daß der dmtschen Industrie heute noch soviel Kraft innewohnt, daß sie wohl eine wirflchastliche als auch eine polittsche Repräsentanz zustandebringt, die sich auch bei der heutige» Machwertellung durchzusetzen in der Lage ist." Wo ist diese polittsche und wirtschaftliche Repräsentanz der sudetendeutschen Industrie, auf die das„Montagsblatt" damals so große Hoffnungen setzte? Steht sie etwa im Lager des Herrn Rosche? Ast es etwa die Kaltstellung dieser„Repräsentanz", die daS„Montagsblatt" nun plötzlich zu Kassandrarufen veranlaßt? Oder war in dem damaligen Artikel Egon Fischers auch ein Druckfehler?... Tragödie des Arbeitslosen Der 31jährige Waldarbeiter Otto Michel aus Gaischwitz(politischer Bezirk Preßnitz), der über zwei Jahre arbeitslos gewesen war, hatte dieser Tage wieder Arbett gefunden. Als er am ersten Arbeitstag einm Baum fällen wollte, wurde er von dem stürzenden Baum erfaßt und auf der Stelle getötet. Erfolg des Chemnitzer Streiks Chemnitz.(AP) Z« dem Streik bei de« Wanderer-Werke«, der durch keine Dementis aus der Welt geschafft werden kann, wird berichtet, daß die Arbeiterschaft Ihre Forderung auf Aufhebung des 15prozentigen Lohnabbaues durchgesetzt hat.. Die Mitglieder der Streikleitung befinde« sich i« Haft. Italiens Kriegsvorbereltungen Rom. Für die beiden italienischen Kolonien in Ostafrika ist durch königliches Dekret ein einheitliches Lustkommando eingesetzt worden. Die Befehlsgewalt liegt in den Händen des General- gouverneurS d e B o n o, der schon seit Feber dieses Jahres den Oberbefehl über die gesamten Streitträfte in Jtalienisch-Ostastika hat. Der Berichterstatter des.Daily Mail" in Kapstadt meldet, Italien habe in Süd-Afrika bei verschiedenen Firmen und Unternehmem bedeutende Mengen von Fleisch sowie andere Nahrungsmittel besteltt, die aus Süd-Afrika dirett nach den italienischen Ost-Afrika-Kolonien versandt werden« Regierungswahlsieg in Griechenland Volksabstimmung über Wiedereinführung» der Monarchie? Athen. Die griechischen Wahlen sind am Sonntag in vollster Ruhe durchgeführt worden. Die Wahlenthaltung war verhAtnismäßig gering, obwohl die Benizelistm Stimmenthaltung angekündigt hatten. Die Regierung erhielt 70 Prozent aller abgegebenen Stimmen, die monarchistische Gruppe de- Generals Metaxas 100.000 Stimmen, die Kommunisten 60.000. Die Venizelisten stimmten für die kommunistische Partei, die dadurch einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen hatte, ohne allerdings ein Mandat zu erlangen. Bo» 800 Sitzen entfielen 287 auf die Regierungspartei. Die Liste des Generals Metaxas konnte nur sieben Mandate erlangen; außerdem wurden sechunabhängige Kandidaten gewählt. Di« Nationalversammlung ist zum 1. Juli einberufen worden. Man hält allgemein dafür, daß sich das Parlament für ein Plebiszit-über die künftige Staats- sorm(Monarchie od. Republik) aussprechen wird, das voraussichtlich im September stattfinden wird. Stahlhelmftihrer In Schutzhaft Karlsruhe.(DNB.) Der Landesführeit Baden des Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm), Dr. Wenzel, hat trotz wiederholter Warnungen in Mitgliederversammlungen in zersetzender- und staatsfeindlicher Weise(!) Persönlichkeiten und Einrichtungen der Bewegung und de- Staates angegriffen. Ex wurde in Schutzhaft genommen. Tagung des Bundes der Kriegsverlettten in Troppau Pfingstsamstag und Sonntag hielt der Bund der Kriegsverletzten, Sitz Reichenberg, in Troppau seine Bundestagung ab, die sehr stark beschickt war und an der Genoffe Abg. H e e g e r»Jägerndorf für die deuflche sozialdemokratische Arbeiterpartei und für die Zentralgewerkschaftskommission teilnahm. Weiters waren eine ganze Reihe Gäste von befreundeten Organisationen, wie Dr. Shchrava für-ie Internationale Arbeitsgemeinschaft der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmerverbänd« mit dem Sitze in Genf, die Vertreter der Organisationen der tschechischen Kriegsbeschädigtenverbände usw. anwesend. Vertreten, waren durch Delegierte gegen 40.000 organisierte deutsche Kriegsbeschädigte. Die Berichte wurden einstimmig genehmigt. Frettag fanden Vorberatungen statt; Samstag wurden die organisatorischen und Sonntag die sozialpolitischen Fragen behandelt. Samstag abends fand ein Begrüßungsabend mit einem bunten Programm statt. Die Neuwahl deS Bundesvorstandes erfolgte einstimmig. Zum ButtdeSobmanne wurde Rechtsanwalt Dr. Pfeifer, zum Zahlmeister Direktor Luniak und zum Schriftführer Generalsekretär Leppin-Reichenberg gewählt. In der sonntägigen Tagung wurden die der Tagung vorgelegenen Resolutionsanträge eingehend begründet und von den anwesenden Vertretern einstimmig angenommen. Diese Resolutionsanträge hatten zum Inhalte die Versorgungsfragen der tschechoflowakifchen Kriegsbeschädigten, di« Stellungnahme zur Friedensfrage und die Zusammenarbeit mit den anderen Kriegsbeschädigten« und Kriegsteilnehmer-Organisationen. Die Tagung selbst nahm einen würdigen und einmütigen Verlaus. Begrüßungstelegramme wurden an den Herrn Präsidenten der Republik, an die Minflter Dr. Czech und Dr. Spina und a« den neuen Fürsorgeminister Jng. Rekas abgesandt. (Seite t DonneMass, 18. MM 1935 Nr. 137 guaszusamrnenstotz bei Pretzburg IS Verletzte Pretzbnrg. Dienstag nach 20 Uhr stießen beim Einfahrtssignal in der Station Brezno nad Hronein die Motorzüqe Nr. 4014 und 3933 zusammen. Zwei Reisende wurden schwer und 17 weitere leicht verwundet. Die Verletzten wurden sofort von einem Eisenbahnarzt behandelt. Die Motorzüge tvarcn zur Weiterfahrt unbrauchbar. Die Ursache des Zusammenstoßes wird untersucht. Moskau. Nach einer Meldung aus Dlago- westschensk(AmurgeHiet) erfolgte in der Nähe der genannten Stadt ein Zusammenstoß zwischen einem Güter- und einem Personenzug. Nach den bisherigen Mitteilungen forderte das Eisenbahnunglück fünf Todesopfer unter den Reisenden, während weitere 28 Reisende teils schwer, teils leichter verletzt wurden. 18.000 Kronen im Zug gestohlen Pilsen. Der Londoner Geschäftsmann El. Kästelbaum gab der Pilsner Polizei bekannt, daß ihm auf dem Wege von Marienbad nach Pilsen im Zuge eine Brieftasche gestohlen wurde, in der sich tschechoslowakisches und englisches Geld und ein nichtunterzeichneter Scheck auf die Marienbader Bank im Werte von 6.800 XL befanden. Insgesamt wurde der Geschäftsmann um etwa 18.000 XL geschädigt. Luftrüstung in USSR MoSkau. Im Rahmen des Fünf-Jahrespla» nes bewilligte die Sowjetregierung 21 Millionen Rubel für den Ausbau der Flugzeugfabriken in Zentralrußland, Mittelasien und besonders in West- und Ostsibirien. Diese sibirische Flugzeugindustrie, deren Einrichtung bereits begonnen hat, soll so auSgebaut werden, daß sie ganz unabhängig von Zentralrußland arbeiten kann. Eine Frau im Wald ermordet aufgefunden Im Streit von einem Nachbarn erschlagen Pilsen. In dem Walde von Trhon bei Ho- loubkov wurde am Montag die 42jährige Marie K l i r o v ä aus Holoubkov ermordet aufgefunden. Der Gendarmerie gelang es, als den Täter den 27jährigen Waldarbeiter Fr. H e r i n g, Vater von fünf Kindern, zu ermitteln, der in derselben Hütte wie die Ermordete wohnte. Bei seiner Einvernahme gestand Hering zunächst, daß er am kritischen Tage mit der Klirovä im Walde zusammengetroffen war, er bestritt jedoch, sie ermordet zu haben. Später aber gestand er em, daß ec sie im Walde ein zweites Mal traf und mit ihr t n Streit geriet, plötzlich aus dem Tragkorb der Klirovä eine starke Wurzel hervorzog und mit derselben die Klirovä auf den Kopf traf. Die Klirovä wehrte sich, worauf Hering sein Messer aus der Tasche zog und ihr acht Stiche versetzte. Nach der Tat flüchtete er. Weiters gab er bei dem Verhöre an, daß er seiner Frau gesagt habe, daß er den Mord vollführt habe. Diese habe seine Tat gebilligt. Die Gendarmerie nahm am Mittwoch am Tatorte eine Rekonstruktion der /Tat vor. Hering wurde mit seiner Frau in die Untersuchungshaft des Kreisgerichtes in Prag gebracht. Sklavenstaat Liberia Washington. Staatssekretär Hüll gab bekannt, daß die Vereinigten Staaten dem Präsidenten von Liberia, Edwin Barclay, die formelle Anerkennung der Regierung von Liberia mitgeteilt haben. Seit fünf Jahren war diese Anerkennung immer wieder zurücktzestellt worden, da Liberia sich weigerte, die Sklaverei abzuschaffen und andere soziale und wirtschaftliche Verbesserungen einzuführen. Der n e u e P l a n des Präsidenten Barclay hat nunmehr den Wünschen Amerikas Rechnung getragen. Rekord-Heimfahrt der„Normandie" Plymouth. Mittwoch morgens 8 Uhr traf hier das neue französische Riesenschisf„Norman- bie* ein, das die Rückreise von New Vor! in den Plymouther Hafen in vier Tagen und drei Stunden, 28 Minuten zurückgelegt hatte. Der Dampfer fuhr mit einer Durckschnittsgeschwindigkeit von 30,31 Knoten in der Stunde, wodurch er alle bisherigen Rekorde, sowie auch seinen eigenen Rekord, überbot, den er bei seiner Fahrt von Europa nach den Vereinigten Staaten aufstellte. Der Riesendampser„Normandie" pasiierle die Einfahrt in den Hafen von Le Havre am Mittwoch um 18 Uhr 43 und wurde am Ufer festgemacht. Der Dampfer wurde durch stürmische Rufe unübersehbarer Volksmaffeu, durch das Lauten aller Glocken und durch das Heulen der Schiffssirenen begrüßt. Das französische Riesentransatlantik- Wasserflugzeug „Lieutenant de Baissemr de Paris" flog ring- UM das mit Fahnen geschmückte Schiff, Wenn er wüßte, wie sehr er recht hat, hätte er das nicht gesagt, was er gesagt hat; der Prinz von Wales nämlich, der in seiner Ansprache an die Soldaten der britischen Legion erklärte,„daß keine andere Organisation von Menschen geeigneter sein kann, die Hand der Freundschaft den Deirtschen entgegenzustrecken, als wir gedienten Soldaten, welche mit ihnen im Weltkrieg gekämpft— und alles der» gessenhaben". Das ist es eben. Sie haben wirklich alles vergessen. Hätten sie es nicht, sie streckten nicht die Freundeshand gerade den Deutschen entgegen, die es mit der Wiederholung des Weltkrieges so eilig haben. Hätten sie nicht alles vergessen, so hätten sie, als eS Zeit war und Sinn hatte, den anderen Deutschen die Freundeshand entgegengestreckt, jenen, die nicht vergessen haben und darum aus ganzem Herzen„Nie wieder Krieg" sagten. Hätten sie nicht alles vergessen, so freuten sie sich nicht an dem wiederbegonnenen Wettrüsten, das zu einem neuen Weltkrieg führen wird. Hätten sie nicht wirklich alles vergessen, sie würden merken, wie recht sie haben und kämen dann nie in die Lage, so gescheite Dummheiten, so hanebüchene Weis- heilen auszuplaudern. Spiel mit dem Feuer. In der karpathorussi- schen Gemeinde Vysokä im Bezirk von Belke Ka- pusany in der Ostslowakei zündeten am Pfingstsonntag nachmittags, als der Großteil der Bevölkerung in der Kirche weilte, einige kleine Kinder beim Spiel eine Scheune an, wobei das Feuer während des starken Windes im Nu auf 57 andere Scheunen Übergriff, die zum Glück leerstanden. Der Mangel an Wasser und der starke Wind machten die Löscharbeiten unmöglich. Der Schaden ist beträchtlich und im Großteil durch Bersiche- rung gedeckt. Fünf Brandwehrzüge träfen an der Brandstelle ein. Eine Schule eingeäschert. Dienstag frühmorgens wurde durch einen Brand in G e b h a r z bei Alt-Stadt im Gebiet von Neuhaus die dortige Ortsschule eingeäschert. Den Flammen fielen weiters zwei kleinere Anwesen zum Opfer. Wie das Feuer entstanden war, konnte bisher nicht festgestellt iverden. In 5% Tagen. Gestern vormittags traf fahrplanmäßig das erste Flugzeug der Linie Amsterdam— Riederländisch-Jn» dien auf dem Zentralflughafen Halle—Leipzig ein, das nach einstündigem Aufenthalt den Flughafen fahrplanmäßig wieder verlaffen hat. Die Gesamtslugstrccke wird in 5% Tagen bewältigt. Das schwere Hagelwetter Furchtbare Berheeruuge« im Pkibramer Gebiet Novy Kirin. Dienstag wütete nach 19 Uhr über dem Gebiet von Novy Knin(im politischen Bezirk Pkibram) ein furchtbarer Sturm, verbunden mit einem Wolkenbruch und intensivem Hagel schlag. Fast eine Stünde lang fielen die Graupeln, die die Größe von Taudeneiern besaßen. Jü einer Stmrde war die so aussichtsreiche Ernte vernichtet. Die Bäume verloren ihren Blätterschmuck, die Beste wurden abgeriffen >md auf den Feldern sowie in den Gärte» lagen die Hagelkörner bis zu einer Höhe voneinemhalbenMeter geschichtet. Der Schwall des reißenden Wassers ritz rücksichtslos alles mit sich, was sich ihm in den Weg stellte. Gesteinsblöcke, die mehrere Zent- net wogen, wurden mehr als zehn Meter weit fortgetragen. Die Stratzenbord- steine versanken in dem Tiefen der Erdabriffe, zahlreiche M a u e r n st ü r z t e n in sich zu- sammeri, die Gartenzäune wurden abgerissen und die Grundmauern mehrerer Häuser unterspült, so datz bei den Anwesen Einsturzgefahr droht. Am schwersten heimgesucht wurde die Gemeinde Novy Knin, wo der Schaden allein an den Feldern die Höhe von fast einer Million XL erreicht, weiter die Gemeinden Sudovice» Stary Knin, Kozi Hory, zum Teil die Gemeinden Mala und Bella HräSiice, Mala und Bella Lekice, Mokrovata und PouÄe. Die Mühle von Novy Knin unterhalb des Stadtbildes steht unter Was- -ser. In der Stakst allein beläuft sich der an den Baulichkeiten verursachte Schaden auf rund 200.000 XL. Die Bezirksstraße von Novy Knin gegen den Dobriscr Bezirk im Abschnitt von Stary Knin ist derart vom Wasser zerwühlt, daß sie an manchen Stellen bloß einen engen Gehsteig bildet, den höchstens bei allergrößter Achtsamkeit leere kleine Gefährte passieren können. Der restlich: Teil der Fahrstraße wurde durch das reißend: Element unterspült und bildet einen tiefen Erdabriß. Die Erneuerung der Landstraße muß sofort in Angriff genommen werden, da sie vollkommen vernichtet ist und das Gebiet, wenn mit der Renovierung nicht sofort begonnen werden sollte, von der übrigen Welt abgeschnitten wäre. Der Gesamtschaden in dem von dem Unwetter heimgesuchten Gebiete belauft sich auf mehrere Millionen KL. Das Gebiet von Novy Knist liefert mach der Katastrophe daS Bild absoluter Verwüstung. ES ergibt sich die Notwendigkeit sofortiger Hilfsmaßnahme, denn daS Gebiet ist n r m und leidet unter langandanernder Arbeitslosigkeit. Definition 20 Millimeter innerhalb 20 Minuten beträgt. Die Güsse waren von Hagelschlag bis Haselnußgrötze begleitet. * Die Wollenbrüche waren auf Prag und dessen weitere Umgebung beschränkt. In den übrigen Gebieten Böhmens waren die Gewitterregen bloß schwach. Die mittleren und östlichen Teile des Staates blieben überhaupt niederschlagsfrei. In der Ostslowakei und in Karpathorußland war es noch Mittwoch früh heiter. Dagegen hatte es sich bei heftigem Nordwestwind und starker Bewölkung in Mähren-Schlesien bereits um rund fünf Grad, in den Niederungen Böhmens um rund zehn Grad, auf den Bergen Westböhmens um rund 15 Grad abgekühlt. Mittwoch früh hatten Eger 11 Grad, Prag 14, Brünn 17 Grad. Hagelwetter auch in Deutschland und Frankreich Gleiwih. Am Mittwoch vormittag- ging über dem oberschlesischen Industriegebiet ein schweres Hagelunwetter nieder. Lange Zeit hindurch fielen schwere HageMrner bi» zur Größe eines Taubeu- eieS nieder. Nach kurzer Zeit machte die Landschaft einen winterliche» Eindruck. Au den Feld- und Gartenfrüchten dürste daS Unwetter erheblichen Schaden angerichtet haben. Ehemnitz. Bei dem am Dienstag nachmittags über dem Lößnitztal niedergegangenen Gewitter mit Hagelschlag und wollenbruchartigem Regen wurde großer Sachschaden angerichtet, Felder und Wiesen wurden verwüstet und die Ernte teilweise vernichtet. Die kleinen Dorsbäche verwandelten sich in reißende Flüsse, die Brücken und Scheunen fortrissen und in die Keller und Wohnungen eindrangen. Obwohl das Unwetter kaum eine halbe Stunde währte, ist der angerichtete Schaden sehr groß. Viele kleine Besitzer haben den Verlust der ganzen Ernte zu beklagen. • Ein heftiger Hagelschlag vernichtete in der Gegend von Toulouse innerhalb einer Mertelstunde die Ernte von etwa 20 Ortschaften. Hagelkörner bis zur Größe einer Nuß liegen in einer hohen Schichte auf den Feldern. Die Weinstöcke sind in der ganzen Gegend vernichtet. Die Obstbäume und Sträucher sind kahl und entblättert, di: Getreidefelder'sind zerschlagen. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Franken geschätzt. Der Wolkenbruch über Prag Prag. Bei den Ueberschwemmungen von Kellern, Magazinen und Erdgeschossen, die am Dienstag durch den Wolkenbruch Hervorgerufe» wurden, schritten die Feuerwehren von ganL Groß- Prag ein. An den Rettungsarbeiten beteiligte sich die gesamte Brandtvehr der Hauptstadt Prag und alle Freiwilligen Feuerwehren Groß-Prags. Wi: die Zentrale Feuerwehrstation in Prag mitteilt, wurde die Hilfe der Feuerwehr in einigen hundert Fällen angefordert. Die Zentrale Feuerwehrstation schritt allein in mindestens 300 Fällen ein. Die Feuerwehren arbeiteten noch die ganz: Nacht an der Beseitigung des eingedrungenen Wassers und der Behebung der verursachten Schäden. In Krk fielen 69 Liter pro Ouadraftneter, das sind 69 Millimeter Regen. Am Karlov verzeichnete der registrierende Regenmesser von 18.20 bis 18.40 Uhr 26 Millimeter Regen, womit die GrenzekatastrophalerRegengüsse überschritten wurde, welche nach der von der Staatsanstalt für Meteorologie verwendeten Ischitscheri« gänzlich kaltgesteltt Der frühere sowjeirussische Auhenkommissar Tschitscherin, der in den letzten Jahren politische Aemter nicht mehr bekleidet hat und nur offiziell zur Mitarbeit im Staatspartei-Archiv abkommandiert war, wurde jetzt auf eigenen Wunsch von dieser Stellung enthoben. Sein kürzlich eingereichtes Gesuch, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit sich im Auslande einer Kur unterziehen zu dürfen, wurde von der Sowjetregierung Abgeschlagen. ..FREIHEIT" Kreisturnfest 1935 Aussig Achtung! Mittwoch, dem 19. Juni, spricht Genoffe K» n i g in der deutschen Arbeitersendnng (18 bis 19 Uhr) über„Die KreiStnrnfeste des AtnS". BereinSleitunge«, Achtung! Die Teilnehmer- und Ouartiermeldelisten sind sofort an das Kreissekretariat des Atus, Aussig, Bahnhofplatz 1, zu senden. Festteilnehmer, welche kein Quartier beanspruchten, kommen in Gefahr, auch keines, bzw. nur solches gegen Bezahlung zu erhalten. An die BereimStnrnwarte! Die technsschen Meldebogen sind schnellstens an Genossen Ernst Hiebsch, Bodenbach, Bachstraße 939, abzuschicken. An d« Bereinspropagavdaleiter! Den Ver« einSobmännern wurden die großen Feftplakate-»geschickt. Sorgt dafür, daß dieselben wirkungsvoll angeklebt werden. Vereine, die noch Plakate benötigen, mögen dies beim Sekretariate müden. An die BereinSleitunge«! Unser Krvisturnfest gelingt erst dann, wenn alle Funktionäre zu de« Maffenstbnngen antreten. Genossen! In dort Turnstunden«lernt Ihr die Freiübung««. Verlangt von Eurem Turnwart, daß er drei biS vier Turnstunden, wo nur die Freiübungen durchgenommen werden, einsetzt. Macht drei bi» vier Funktionärturnstunden und erlernt die Maffen- übmrgan. Nur wer am Kreisturnfest die Massenübungen mitturnt, hat begriffen, was Funktionär sein t« der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung be- dentrt. Zusammenstoß in der Savemündung. In der Nacht auf Mittwoch stieß an der Einmündung der Save in die Donau der Personendampfer„Avala" mit dem Remorqueur„Spasoje" zusammen. Dec Dampfer„Avala", auf welchem sich gegen 30 Personen befanden, wurde durch rechtzeitiges Auffahren am linken Saveufer vor dem Versinken gerettet. Menschenleben waren nicht zu beklagen. New Aork—Nom. Gestern morgens starteten in New Dort die beiden portugiesischen Flieger Marquis de Pontevedre und sein Bruder Graf de Pontevedre zu einem N o n st o p-Fluge nach Rom.■ Nm 10 bis 15 Grad kühler. Außer im äußersten Osten der Republik, wo es noch heiter und heiß ist, war es am Mittwoch bereits überall um 10 bis 15 Grad kühler als tagsvorher. Ilm 14 Uhr wurden in Troppau 14 Grad, in Prag und Brünn 18, in Kaschau jedoch noch 29, in Uzhorod und Christ 31 Grad verzeichnet. Besonders kühl ist es auf den Bergen Böhmens, die Schneekoppe hatte nachmittags nur 4'Grad Celsius. In den mittleren Teilen des Staates weht ein heftiger Nordwestwiud und stellenweise gehen dort Gewitter nieder. In Böhmen bricht die Bewölkung jedoch wieder auf.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Von Südwesten her erneute Bewölkungsabnahme, abflauender Wind, während der Nacht kühl, untertags Erwärmung. Im äußersten Osten der Republik zunächst noch Schauer bei heftigem Nordwestwind, später gleichfalls Wetterbefferung, aber kühler als heute- — WetterauSsichtenfür Freitag: In den böhmischen Ländern Wxtter unsicher, im Karpathengebiet schön. Erwärmung. Vom Rundfunk CmHeMenswertM aus«San Programmen! Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Salonorchesterkonzert, 12.10: Unterhaltungsmusik, 18: Slowakische Volkslieder, 18.20: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 20.30: Buntes Programm, 21: Der Urlaub in den Augen eines Arztes. Sender Sr 8: Frauengymnastik, 14: Wohin am Sonntag, 14.15: Deutsche Sendung: Tichi: Aktuelle, wirtschaftliche und soziale Forderungen der Gewerbes und Handels, 19-35: Uebertragung aus dem Deutschen Theater in Präg: Gastspiel einer italienischen Stagione ,Jäa Traviata".— Brünn 12.30: Orchesterkonzert, 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Sendung: Rother: Wandlungen des RechtS, 18.20: Leichte Musik.— Mährisch- Ostrau 15: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Moldauer: Vorlesung aus Capeks Werken.— Preßburg 18: Liederkonzert. Nr. 137 T:nnerstag« 13. Juni 1935 Leite 5 Frauchens Liebling... Die„Reichenberger Zeitung" vom 8. Juni 1935, Nr. 132, brachte folgende Notiz: *(Frauchens Liebling kommt im Flugzeng.) Als am 1. Juni pünktlich um 12 Uhr 80 auf dem Marienbader Flugplatz daS erste diesjährige fahrplanmäßige Verkehrsflugzeug der staatlichen Aerolinie Berlin—Marirnbad eintraf, brachte es einen einzigen Fluggast mit: einen vornehmen Drahthaar-Foxterrier. Nach der Landung der groben dreimotorigen FokkerflugzeugeS wurde der aus Berlin nach Marienbad luftbeförderte Fahrgast aus„seiner" Kabine gehoben, worauf er mit einem mächtigen Satz seiner auf dem Flugplatz auf ihn harrenden Herrin entgegensprang. Der Spaß mag einen schönen Batzen Geld gekostet haben! Wer was tut's? Man hat ja, Gott sei Dank, sein Auskommen... Haifischmagen, See-Jgel-Creme und andere Leckerbissen. Zum dreißigsten Male hält die nationale Gesellschaft für Akklimatisierung in Frankreich ihre gastronomischen Sitzungen ab, welche sich jedes Jahr durch ein Menu auSzeichnen, auf dem seltsame Wie aus den bisher bekanntgewordenen Ab- schlüssen unserer Bergbaugesellschaften hervorgeht, scheint sich, so schreibt der„Glückauf", das Kohlengeschäft im vergangenen Jahre besser rentiert zu haben als in den vorhergegangenen Jahren. Charakteristisch dafür ist besonders die Tatsache, dab die.Berg« und Hüttenwerksgesellschaft", die drei Jahre lang keine Dividende ausgezahlt hat, für das Jahr 1934 wieder eine solche auSzahlt, und zwar 30 Kö pro Aktie. Der Reingewinn, dieser Gruvmgesellschaft beträgt rund 8.2 Millionen K5. Don diesem werden 3.2 Millionen KL als Reserve für das "nächste Jahr zurückgelcgt und dm verbleib Sude Rest von 5 Millionen KL wird an die Aktionäre zu« Auszahlung gebracht. Für die Aktionäre recht erfreulich schließt auch die Bilanz der„FerdinandS-Nordbahn" ab. Der im Jahre 1934 erzielte Reingewinn dieser Gesellschaft betragt 19,768.819 KL(1933: 18,020.446 KL). Dazu kommt der Reingewinn- vorkraa auS dem Jahre. 1933 ,iy der Höhe von 2,188.311 Lö, so da» der g e s«MW iff, der a n d i e Akt i on ä r e z u r V e rt e r- lung gelangt, 21,905.160 KL beträgt. Die Aktionäre' erhalten pro Aktie 170 KL(im Vorjahre 145 KL) und jene mit Genußaktien Lit. A eine Zusatzdividende von 50 KL(im Vorjahr 25 KL). Neber 14.56 Millionen KL wurden ferner zu Abschreibungen aus dem Montanbetrieb verwendet.— Die„Nord böhmische Kohlenwerksgesellschaft" weist in ihrer Bilanz für das Jahr 1934 einen Reingewinn von 2,076.402 KL(im Vorjahre 2,154.415 KL) aus. Der ausgewiesene Reingewinn ist also für daS vergangene Geschäftsjahr etwas niedriger als im Vorjahre. Die Aktionäre erhalten dennoch die gleiche Dividende wie im Vorjahre, nämlich 25 KL pro Aktie.— Die„Brüxer Be rgba u- Gesellschaft" schließt infolge der Nelsonkatastrophe mit einem Berlustsaldo von 2,274.749 KL ab. Auch die Aktionäre dieser Gesellschaft bekommen ihre bisherige Dividende in der Höhe von 20 KL pro Aktie aus dem Reservefonds auSge» zalht.— Einen schönen Reingewinn erzielte auch die„Duxer Kohl e n g e s ells ch a f t auf Aktien". Die Bilanz dieser Grubengesellschaft weist einen Bruttoertrag von 5,013.018 KL gegen 5,590.798 KL im Jahre 1933 aus. Nach Vor- Dinge erscheinen. Nicht km Traum hatte man daran gedacht, diese jo zu kosten, ohne diese unermüdliche Anregung. So hat man dieses Mal serviert: Hai», fischmagen, der das Entzücken dm Chinesen bildet, See-Jgel-Creme, di« in Saint-Pierre-et-Miquelon sehr geschätzt ist; Tamarindenfladen mit Nelkenpfeffer, den man an dm Elfenbeinküste liebt; Spinat- Salat mit Zitrone, dm einfach ein italienisches Gericht und ausgezeichnet ist; Mangofrüchte, di« auS Guinea kommen; Bratvn vom Sika-Hirsch, einem asiatischen Tier, daS schon in Frankreich akklimatisiert ist, und noch andere originelle Gerichte. Die Reaktionen eines interessierten, aber doch oft zögernden Publikums sind in diesem Fall amüsant zu beobachten. Mer der Leiter der Gesellschaft hält darauf, daß. die jährliche Geste nicht nur als eine Manifestation einer gewissen Kuriosität betrachtet werde. Viele dies» ungewohnten Gerichte können auS den französischen Kolonien bezogen werden und auf abwechslungsreiche Weise die gewohnten Menus bereichern. Malrolm Campbell teilte mit, er werde im nächsten Monat mit seinem Rennwagen nach Sait Lake City in Utäha kommen, um den Schnelligkeitsrekord von 800 Stundenmeilen zu erzielen. nähme von"Abschreibungen km Betrage von 1,926.824 KL verbleibt ein Reingewinn von 3,086.194 KL Die Dividende wird, wie im Vorjahre, 200 KL pro Aktie betragen!-— Einen erhöhten Gewinn weist die„Böhmisch e Hande l s g e s e l l s ch a f i" aus. Obwohl die Abschreibungen mit 10.38 Millionen KL um weit üher eine halbe Million KL höher waren als im Vorjahre, beträgt der ftir daS Jahr 1984 ausgewiesene Reingewinn 6,849.789 gegen 5,388.164 KL im Jahre 1933. Mit dem Gewinnvortrag aus "dem Vorjahre' wird der Betrag von 7,845.194 KL an die Aktionär« zur Verteilung gelangen. Auf jede Aktie enffällt eine Dividende von 45 KL(im BoHahre 50 KL). Die kleinere Dividende trotz höherem Reingewinnes erklärt sich daraus, daß 62.500 Aktien, die im Jahre 1933 auSgegcben wurden, schon für das Jahr 1934 voll dividendenberechtigt wurden. Wenn man sich an das Wort jenes Kladnoer Grubendirektors erinnert, der einmal gesagt hat, daß',: M nur jener Reingewinn itt bat Bilanzen ausgewiesen wird, dar sich nicht mehr verstecken läßt, so weiß man, daß unsere Grubenbesitzer auch in der schwersten Krisenzeit- in der die Bergarbeiter die empfindlichsten Lohnopfer bringen, sehr schöne Gewinne einheimsen. Die Herren Aktionäre erhalten nach wie vor ihre fetten Dividenden und können mit ihren Direktoren, Ingenieuren und Beamten, die von den Bergarbeitern im Interesse des Profites die höchsten Leistungen herausholen, zufrieden sein./ Anders die Bergarbeiter. Sie haben allen Grund, unzufrieden zu sein, denn ihre Lage ist noch immer eine sehr schlechte. Wohl durften sie im. vergangenen Jahre in einigen Revieren im Jahresdurchschnitt ein paar Schichten mehr verfahren, aber ihr Lohn einkommen ift nur ganz unbeträchtlich ge st legen. Wenn man die erhöhten Leistungen in Betracht zieht, so kann man sagen, daß sie von dem größeren Mehrwert, den sie geschaffen, nur einen geringen Bruchteil bekommen haben. Die Grubenkapitalisten verstehen es eben, die Lasten der Krise von sich auf die Bergarbeiter zu übevwälzen und sich durch erhöhte Ausbeutung der Bergarbeiter auch in der Zeit der Krise ihre Profitrate zu sichern. Rotes Studententreffen in Prag Erster Kongreß der fortschrittlichen .Studenten der ganzen Republik In den Pfingsttagen fand in Prag der erste gesamtstaatlich«' Kongreß der fortschrittlichen Studenten statt. 217 Delegierte vertraten 42 politische, gewerkschaftliche und fachliche Studentenorganisa-' tionen. Ungefähr gleich stark vertreten waren die tschechischen Sozialdemokraten und die Kommunisten, etwas schwächer die ffchechischen Nationalfozia- listen. Die deutsche Sozialdemokratie vertrat eine rührige Delegation in der Freien Vereinigung sozialistischer Akademiker in Prag. Der Kongreß beschäftigte sich nicht nur mit studentischen StandeSftagen, sondern vor allem auch' mit den.großen Problemen de» Sozialismus in Unserer Zeit. Gleich in der Eröffnungssitzung, in der unter begeisterter Zustimmung aller, auch der kommunistischen Delegierten beschlossen wurde, ein Huldigungstelegramm an den Präsidenten derRepublik, T. G. M a s a r h k abzusenden, entwickelte Genosse- Dozent Josef Fischer, einer der besten Vertreter der jungen Generation der ffchechischen Sozial«''' Demokratie, die politischen und psychologischen Vor-' äuSsetzungen des FascismuS und die Aufgaben,' die der sozialistischen Intelligenz zu seiner Bekämpfung und Ueberwindung gestellt sind. Genosse I.' V. Frank, vom Svaz soc. dem. studenffka, referierte' über die Bedingungen der Zusammenarbeit aller" sozialiftffchen Richtungen, die bei der Studenten« schäft schon heute möglich ist. In der Diskussion, in der auch die Kommunisten die Notwendigkeit der demokratischen Aktion und den fortschrittlichen Charakter der Tschechoflowakischen Republik anerkann«,- ten, fanden die beiden poliffschen Hauptreferenten wenig- Widerspruch. Die durch die poliffsche Aus«- spräche geschaffene Sttmmung kam in dem stürmischen. Beifall zum Ausdruck, mit dem der Antrag, den Friedenspolitikern Litwinow und Benes nach MoSkauBegrützungS- telegrammr zu senden, angenommen wurde. Die hochschulpolitischen Fragen wurden in den Referaten des ffchechischen Nationalsozialisten V l c e k und des Kommunisten Goldstücke r erörtert. Die Debatte war-wohl sehr hitzig, blieb aber immer im Rahmen kameradschaftlicher Auseinandersetzung. In zehn Kommissionen wurden die wichtigsten Einzelprobleme sachlich behandelt. Von besonderem Interesse sind die Arbeiten der Kommission für national« Fragen, für Kriegswesen, kulturelle Arbeit- und Schulorganisation, an denen unsere Genossen auS der Freien Vereinigung großen Anteil haben. Dem Kongreß wohnten als Gäste bei: der nationalsozialistische Abgeordnete und Hochschul-- Professor K o z ä k, der Legionär-Dichter K ratsch v i l, der in tschechischer und deutscher Sprache pyd, sxinpc«, HMHkren Freud, üher die Teilnahme deutscher Studenten Ausdruck gab und als Vertreter der deutschen Studentenfür» sorge Direktor Hanlitschek. Der Rektor der KarlSuniversttät Prof. Dc. Drachovskh entschuldigte sein Nichterscheinen in einem herzlichen Schreiben, in dem er die Bedeutung deS Kongresses voll würdigte. Der Rektor der deutschen Univeffität gastierte bei den Hakenkreuz- l e r n in Breslau. Der Kongreß, der efftmalig aus Vertretern aller sozialistischen Richtungen und allen Nationen der Republik zusammengesetzt war, faßte alle Beschlüsse einstimmig. DaS Schlußwort des Vorsitzenden, Genossen B e r n a r d, daS in dem Gelöbnis auSklang, die begonnene Zusammenarbeit nie wehr- aufzugeben, wurde stürmisch akklamiert. Mit dein Gesang der Jnternattonale und der Roten Fahne schloß die bedeutungsvolle Veranstaltung. Ihre Blumen dürsten nach dem gutem Blumen-Zaubertmng 1 Paket mit Postzujendung Kö 5 60 durch Verwaltung„Frauenwelt". Prag xn.. Fochova 62 Volhswlrtsdiatt und Sozialpolitik Bergbaubilanzen und Bergarbeiter Unternehmerprofite in der Krise 9000 Dollar vergraben Washington. Der bei der Entführung des kleinen Weyerhäuser mitbeteiligte W a- ley hat ein Geständnis abgelegt, auf Grund dessen etwa 90.000 Dollar von dem Lösegeld fünf Meilen von Saltlake City in der Erde vergraben aufgefunden wurden. 28 Mensche« verbrannt Soenl.(Korea.) Nach einer Meldung aus Antun iss in dem Orte Scheffin-Schi eine Feuersbrunst ausgebrochen, der das ganze Dorf zum Opfer fftl. 23 Menschen, darunter 8 Kinder, sind dabei ums Leben gekommen. Da» Schlimmste „Es war nicht daS Schlimmste, daß Alexanders herrenloses Weltreich eine Beute herrschlüsterner Wenteurer wurde, daß die Diadochen, wie man Alexanders Nachfolger nennt, in maßloser Grausamkeit Tausende und aber Tausende opferten, daß sich die Welt in mehr als hundertjährigen Kämpfen in ein Schlachffeld verwandelte, sondern daß hier ein Gut vertan wurde, das nie mehr ersetzt werden konnte— das Adelstum". Aus dem Deutschen Wendblatt vom 25. Mai 1935. Fliegertod. Bon einer argenffnffchen Militär-Fliegerstaffel stürzten bei einem Uebungsflug im Nebel zwei Flugzeuge äb. Die beiden Flugzeugführer waren sofort tot. 150 Meter ttef abgestürzt. Die beiden Studenten Wilhelm Reichl Und Albert Schmidt aus Wien bestiegen am Dienstag den Winkelkofel im Hochschwabgebiet. Infolge Seilrisses stürzte Reichl 150 Meter tief ab und verunglückte tödlich. Schmidt konnte gerettet werden. Hingerichtet. In S t u t t g a r t ist gestern der wegen Mordes an seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern zum Tode verurteitte Emil Weber hingerichtet worden. Gestapo horcht alleS ab. Im„Pariser Tageblatt" finden wir einen Bericht über einen Vortrag, den der Schweizer Journalist Eduard Behrens in Basel vor der dortigen Studentenschaft gehalten hat. Behrens hat sich zwei Jahre in Deuffchland aufgehalten und ist nun aus Deuffchland ausgewiefen worden. Er er« zählte nun in diesem Vortrage, daß an den Telephonapparaten in Deutschland Vorrichtungen angebracht werden, die die Gestapo instand setzen, Gespräche aufzufangen, die im Umkreis von fünf Metern vom Apparat in einem Privatzimmer geführt werden, dessen Insassen sich vollkommen ssicher fühlen. Man wird also in Deutschland nicht, nur in den'Zügen'Und^auf-Schiffen"von feinen- Berufskollogen bespitzelt, sondern auch in der Pri- batwohnung jedes Menschen, der zufällig ein Telephon hat, wird man bespitzelt— ohne daß man diesen Spitzel sieht. Der mechanische Spitzel, das ist eine Erfindung, würdig des nationalsozialistischen Deutschland! Verbot der Pricstcrklcider. Nach einem dieser Tage in Kraft tretenden Gesetz wird den Priestern, Nonnen und Mönchen auf dem gesamten türkischen Staatsgebiet das Tragen von Priester- oder Ordenskleider verboten. Von diesem Verbot werden einige tausend muselmanischer, römisch-katholischer, armenffcher und jüdischer Priester bettoffen. Die einzige Ausnahme wird den griechischen und armenischen Pattiarchen, dem muselmanischen Groß- Mufti und dem jüdischen Ober-Rabbiner bewilligt. Svejk hebräisch. Für das Theater in T« l- A v i v wurde soeben der dramattsiert«„Svejk" Haseks angenommen, welcher in hebräischer Sprache herauskommen wird. Der Siegeszug deS HuteS. Der Schah von Iran(Persien) hat angeordnet, daß in Zukunft statt der iranischen Kopfbedeckung Hüte getragen werden dürfen. Der Schah selbst erschien bei der Eröffnung des Parlamentes zum ersten Mal ohne Kopfbedeckung. Scharfrichter Bamboo Bon Ernst Machet Diese Geschichte ist keine Dichtung; sie hat sich vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich zugetragen und sei hier ohne„prickelnde Zutaten" wiedergegeben: Tom Howard war vom Urlaub zurückgekehrt. 8n der Tasche ttug er den ErnennungSbrief zum Ehefinspektor der Eisenbahn von Selangor, und an seiner Seite schritt Nell, die er sich au» England mitgebracht hatte. Im Europäerklub zu Singapore wurden beide stürmisch begrüßt und beglückwünscht, doch die Bemühungen der Freunde, Tom auf einiges Tage zurückzuhalten, scheiterten. Der junge Ehegätte und neuernannte Inspektor hatte keine größere Sehnsucht, als so schnell wie Möglich an seinen Bestimmungsort zu gelangen Und die Neugründung seines Hausstandes in An« Kriff zu nehmen. Kaum Vitt Wochen nach Tom Howards Ankunft in Kuala Lumpur erschien eines Tages Bini- tah, die bei Toms Abreise nach Tampin zu ihrer Tante gezogen war, nun aber von der Rückkehr ihres ehemaligen Herrn gehört hatte. Bini-rah, das Malaienmädchen, war Tam Howards Wirtschafterin gewesen. Und dortzulande ist es Brauch, küß die Wirtschafterin auch die Geliebte des unbe» lveibten Mannes ist, dem aus diesem Verhältnis jedoch keinerlei Verpflichtungen erwachsen. Gleichwohl hat das Mädchen in den meisten Fällen ausgesorgt, da ihm der Eurbpäer— wenn er ihrer Dienste nicht mehr bedarf und mit ihr zufrieden war— so viel gibt, daß es heiraten und sich ein Bungalow und ein paar Acres Land kaufen kann. Bini-rah hatte keines von beiden getan: sie hatte weder einen Mann genommen, noch ein Bungalow gekauft; sie hatte einfach alle» Geld der Tante gegeben und still und geduldig auf Tommys Rückkehr gewartet. Auch ein kleines braunes Malaienmädchen ist einer großen Liebe fähig! Bini-rah erschien also eines Tages bei Tom Howard und bat ihn, sie wieder in seine Dienste zu nehmen.„Tuan", sagte sie,„du hast jetzt eine schöne weiße Frau, laß mich sie pflegen und ihr dienen. Du warst immer zufrieden mit mir und wirst es gewiß auch wetterhin sein." Tom meinte, er müsse sich die Sache erst überlegen. Und er besprach sich mit einigen Freunden, die ihm jedoch durchwegs abrieten. Man könne nicht wissen, was das Mädchen im Schilde führe, ob eS nicht eifersüchffg sei und sich vielleicht zu einem dummen Streich hinreißen lassen werde. Die Tatsache, daß es sich nach seiner Abreise völlig zurückgezogen habe, lasse diese Annahme jedenfalls berechtigt erscheinen. Tom Howard lachte. Ex lachte über die Freunde und ihre Befürchtungen und nahm Bini- rah wieder zu sich. Nicht" zuletzt darum, da die "treue- Anhänglichkeft der Malaiin seiner Eitelkeit schmeichelte. Und es schien, daß er seinen Entschluß nicht bereuen sollte. DaS Mädchen war Nell wie eine Hündin ergeben und erriet alle ihre Wünsche. Es pflegte und betreute sie, es hockte auf der Strohmatte vor Nells Bett und breitete der Herrin, die unter der feuchten Hitze des ungewohnten Klimas litt, erfrischende und kühlende Getränke. Und wenn Nell eingeschlafen war, konnte Bini-rah stundenlang regungslos sitzen und das schmale, bleiche Gesicht der schönen weißen Frau betrachten.... Tom Howards junges Eheglück erfuhr aber bald eine leichte Trübung. Er begann zu kränkeln, litt an Kopfschmerz und zeitweiligem Unwohlsein. Anfangs schenkte er diesen Zuständen keine Beachtung, doch die immer häufiger werdenden Anfälle zivangen ihn schließlich, ins Spital zu gehen. Er blieb dort ein paar Tage unter Beobachtung, und da in seinem Befinden keine Besserung eintrat, ließ man aus Seremban einen europäischen Arzt kommen. Mr. Edmondson unterzog den Kranken einer eingehenden Untersuchung, die jedoch, wie alle vorhergegangenen, resultatlos verlief. Allenfalls ordnete er die sofortige Ueberführung des Patienten nach Singapore an. Nell wußte zurückbleiben, da das Klima sie zu sehr angegriffen und geschwächt hatte. Im Hospital in Singapore verschlimmerte sich Tom Howards Zustand rapid. Er konnte keine Nahrung mehr aufnehmen und verfiel von Tag zu Tag: Zwei Freunde- Zellermaher und McKenzey, die ihn besuchen kamen, erkannten ihn nicht wieder: dieser Kranke, dessen glanzlose Augen aus einem fahlen, abgezehrten Gesicht Verloren ins Weite blickten, war nicht mehr Tom Howard; dawar der in Auflösung begriffene Körper eines Fremden.... Als Zellermaher, der Distrikts-Manager der „Castern Life Assurance Comp.", bei Mr, Walsh, der die Obduktion der Leiche Tom Howards vorgenommen hatte, eintrat, fand er diesen gerade mit der Berichterstattung an die Polizeipräfektur beschäftigt:„Es besteht lein Zweifel, daß das bei Mr. Howard, bedienstete Malaienmädchen diesem, nach Eingeborenenart, die kurzen und äußerst feinen Härchen deS Bamboo ins Essen g» mischt hat, wodurch, jene. bösartigen Magen- und Darmgeschwüre Herborgerufen werden, die fast ausnahmslos den Tod des Erkrankten nach sich ziehen..." Zellermaher stürzte aufs Polizeiamt. Der Telegraph arbeitete, die Verbindung mit der Provinz Selangor war jedoch unterbrochen. Eine halbe Stunde später sauste McKenzehs Auto mit Zeller« mayer, einem Polizeileutnant und zwei indischen Polizisten nach Kuala Lumpur... Als McKenzey und Zellermaher das Zimmer de» Frau Howard bettaten, bot sich, ihnen ein erschütternder Anblick: die schöne bleiche Europäerin lag mit einer Wunde in der Herzgegend tot im Bett; auf der Strohmatte zu Füßen des Bettes kauerte Bini-räh, einen Dolch in der Brust. Seite 6 Prager Zeitung Urlaub im Böhmerwald ,, Sozialdemokrat" jedoch über eine auf weite Streden fühlbare Spro= digkeit seines Materials und technische Unfertigkeiten hinwegtäuschen zu können. Alles in allem: ein sehr interessanter Abend, aber nicht immer wesentlich über dem Niveau, das man bei einigem Glück etwa in Genua oder Triest, wann immer man dort auf eine Stagione stößt, antreffen kann. nach kurzer Zeit zurückzuerhalten. Natürlich trat Unter den heimischen Sängern verdienen vor der alte gewiegte Kriminalbruder ebenso elegant als allem der Mesner Herrn Hey 3 und der Sciaronne Für den Menschen aus der Großstadt ist der selbstbewußt auf Ueberflüssig zu bemerken, daß er, il anders, die beide sich übrigens mit Erfolg Böhmerwald mit seinen herrlichen Waldungen das am Reiseziel angelangt, behende verschwand. So italienisch bemüht hatten, Tobende Anerkennung. Begeeigneteste Urlaubsgebiet. Dort kann er seine lebte er eine ganze Zeit recht behaglich, ließ sich merkenswert, daß unsere im übrigen sehr geschmackvon dem Lärm der Stadt angegriffenen Nerben von den vertrauensseligen Chauffeuren seine Mit- und stilvolle Tosca- Inszenierung noch immer, einwieder erfrischen, seine Lungen von der schlechten tagessen bezahlen oder Geld geben und verschwand schließlich der Glocken, an Armseligkeit in jeglicher Luft reinigen. Wer einmal durch die stillen und dann zur rechten Zeit. Auf den Polizeikommissaria- Ausgestaltung des ersten Aftfinales leidet. 2. G. ten häuften sich indessen die Strafanzeigen. Schließsauberen Dörfer, durch die unendlichen Tannen- lich erwischte man den gerissenen Gauner, der sich wälder gewandert ist, wird immer wieder diesen vor dem Senat na ute wegen vielfachen wunderbaren Fleck Erde aufsuchen. Aber hart ist Betruge 3 zu verantworten hatte. Die Liste der das Leben für die Böhmerwaldbewohner, schwer geschädigten Chauffeure ist äußerst umfangreich. FreiLeiden diese Menschen unter der Krise, die ihnen lich besteht für sie keine Aussicht, zu ihrem Geld zu den letzten Verdienst nahm. Viele unserer bra kommen. Der alte Gauner wurde zu elf Monaven Genossen, welche früher in den Sommermonaten ich weren und verschärften ten auf Bauarbeit gehen konnten, leiden mit ihren Familien heute bittere Not und ihre einzige Hoff= nung sind die Sommergäste. Diese Menschen, die zu den treuesten Anhän gern unserer Bewegung gehören, sind jeder Unters stüßung wert. Genossen und Freunde unserer Bewegung, die ihren Urlaub im Böhmerwald verbringen wollen, sollen Wohnung nur bei unseren Freunden nehmen, sie sind dort sicher auf das Beste aufgehoben. Treue um Treue, das soll auch in diesem Falle Geltung haben. Die Bezirksleitung ist gerne bereit, Auskünfte zu geben. Schfd. Die ständigen Wählerverzeichnisse Der Magistrat macht darauf aufmerksam, daß die Wählerverzeichnisse, welche jetzt aufgelegt werden, während der ganzen Reklamationszeit, also vom 15. bis zum 22. Juni( einschließlich), in jedem Haus ausgehängt werden müssen. In diesen Verzeichnissen dürfen weder Streichungen noch Ergänzungen vorgenommen werden. Alle notwendigen Aenderungen znd ausschließlich im Wege des gesetzlichen Reklamationsverfahrens durchzuführen. Kerters berurteilt. Der Zusammenbruch rb. Die diesjährigen Bühnenfestspiele in Eger, bringen die Oper uova di 3" von Fr. Nicasius Schusser mit 20 Solisten, 78 Mann Orchester, 200 Choris und einer Massenmitwirkung an Komparsen. Stef. Preußner, hat die künstlerische Oberleitung inne, Direktor Fred Hennig ist administrativer Leiter, Tibor Cosma, Opernchef. Die Vorstellungen finden in vollständig neuem szenischen und dekorativen Rahmen in der 5000 Personen fassenden Sängerhalle statt. Aufführungstage: 6. Juli öffentliche Generalprobe( zugänglich für Schulen), Sonntag, 7. Juli, Montag, 15. Juli, Sonntag, 21. Juli und Sonntag, 28. Juli. Näheres auf den Großplakaten. Heute halb 8 Uhr italienische Stagione V ,, La Eide Norena( Große Traviata". Violetta Oper, Paris; Metropolitan Opera, New York); Tito Schipa( erstes Auftreten); GerAlfred mont- Mariano Stabile( Scala, Milano). Signora Norena und Stabile verabschieden sich an diesem Abend für diesmal vom Prager Publikum. Samstag, den 15. Juni, Abschiedsvorstellung„ Manon" mit Mafalda Favero, Schipa und Leo Ficcioli. Für dieſe letzte Vorstellung gelten Karten mit den Aufdruck ,, 11. J un i 1935". Preise: Kč 8.- bis 80. des„ Hotel de Sage" Auch ein Opfer der Krise zählte das Hotel de Sage". feinerzeit TreffBrag. Zu den vornehmsten Gaststätten Prags punkt des gewesenen Adels und reicher ausländischer Gäste. Besizer dieses Hotels ist Herr Alois Jun aer, heute 66 Jahre alt, der sich aus kleinsten Anfängen emporgearbeitet hat, und schließlich in den Besiz eines Vermögens tam, das ihm gestattete, gemeinsam mit einem Kompagnon für neunein halb Millionen im Jahre 1928 das Hotel de Sare" au erstehen. Im folgenden Jahr vermochte er sogar seinen Kompagnon( es ist der Herr I eh, der als Zeuge im Stříbrny- Prozeß eine Rolle gespielt hat) auszuzahlen und das Unternehmen als alleiniger Unternehmer zu übernehmen. Er investierte Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. mehr als zwei Millionen in diesen Betrieb, Heute Donnerstag halb 8 Uhr: La Tra= in der Hoffnung, daß sich diese Investitionen entspre viata", italienische Stagione V. Abonnement aufFreitag halb 8: ,, Geburtstag", end rentieren würden. Es versteht sich von selbst, gehoben. Samstag halb 8: ,, Manon", italien. daß diese Investitionen eine schwere Belastung des D 1. Unternehmens mit sich brachten, deren Amortisation Stagione VI. Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute nur unter normalen Umständen kein Problem gewesen wäre. Donnerstag, 13. Juni 1935. Nr. 137 Das Wunderpferd ,, Rex" in dem amerikanischen Film„ Der König der wilden Pferde". Ten nun öfters gemeinsame Sibungen des Präsidiums und der technischen Erekutive stattfinden, vor allem vor der Beratung mit der RSJ. Genosse Storh berichtete über die Beratung der Erzieher. Auf der Länderkonferenz wird Genosse Vaverta ein Referat über praktische Erziehungsarbeit erstatten. Der Er zieherausschuß besteht aus den Genossen Vaverfa ( Prag), Storch. Jarolimek( Prag) und Steines mann( Bern). Holland schlägt Belgien 2: 1 Der Arbeiter Fußballänderkampf Holland Belgien am Sonntag in Amsterdam endete mil Aber die folgenden Jahre waren eben feine Bei-/ Donnerstag abends 8 Uhr: Schnitt einem glücklichen Erfolg der holländischen Bundess Ting auf allen Suppen"." Freiturverbandsfreunde und freier Verkauf. tag 84 Uhr: ,, egen und Wind". Kul8 Uhr: Schnittling auf allen Sup pen". " Samstag Sport- Spiel- Körperpflege Tagung des SASI- Präsidiums mannschaft. Das Match wurde von beiden Seiten fair und schnell durchgeführt, war offen und span technisch besser, aber das Glück stand auf Seiten der nend von Anfang bis zum Ende. Die Belgier waren Holländer. Ein Unentschieden hätte dem Könner beider Teams eher entsprochen. Zur Pause stand es 1: 0 für Holland. Die überaus zahlreichen Zu schauer waren von dem Spiel begeistert. Schiedsrichter Ženišek, durch dessen eigentüm liche Leitung das Ligamatch Bohemians- Techie Karlin standalöse Formen annahm, wurde jetzt seine Tätigkeit eingestellt und auch seine Meldung als in ternationaler Schiedsrichter zurückgezogen. Eine Frau läuft 100 Meter in 11.6 Set.! Die ten normaler Wirtschaftsverhältnisse. Es waren Kurse im Stehlen. Seit längerer Zeit beob- Jahre der ärgiten strije, die die kapitaliſtiſche Wirt achten Detektive ein Haus in Žižkov, genannt Hau- schaft ie über die Menschheit verhängt hat. Auch das ferova ohrada, in dem sich, wie man wußte, ein altrenommierte Hotel de Sare" kam in SchwieQuartier zahlreicher, der Polizei bekannter Kaffen- rigkeiten. Die zahlungsfähigen Ausländer blieben inknader befand. Nachdem mehrere Haussuchungen folge der allenthalben einsetzenden Devisenbestimmun= ergebnislos verlaufen waren, gelang es dieser Tage, gen aus. Bereits im Jahre 1930 begannen Klagen den 24jährigen Anführer einer Diebsbande, Karl gegen den Besizer des Hotel de Sage" einzugehen Čeněk, den 32jährigen Jan Šembera und den 54jäh- und im Ooktober des gleichen Jahres wurde er wegen rigen Mieter des Gebäudes selbst, Franz Hauser, zu einer Schuld von 31.000 Kč gepfändet. Im Jahre berhaften. Ihr letter Einbruch geschah am 2. Juni, 1931 fielen bereits zwölf Eretutionen an, an welchem Tage sie die feuersichere Kasse der Firma im Jahre 1932 waren es deren bereits sieben= und der Techniker in Prag Betranet in der Jungmannsgasse ausraubten und un dziwa nzig und im ersten Halbjahr 1933( bis 3000 Kč erbeuteten. Originell ist, daß Hauser in aum 27. Juni, an welchem Junger Ausgleich anmelPräsident Genosse Deutsch besprach die polifeinem Palast allabendlich richtige Lehrkurse im dete) nicht weniger als dreiundsechzig. tische Entwicklung sowie die gute Haltung der VerStehlen veranstaltete, wobei er seinen Abepten den Hotelier Junger war des Vergebens der bände und berichtete über Amerifa, wo eine gute Gebrauch der Einbruchswerkzeuge, die Anwendung verschuldeten Krida angeklagt. Im Hin- Entwicklung des Arbeitersports möglich sei. Die 17jährige amerikanische Leichtathletin Helen Ste von Warnungssignalen usw. beibrachte und sie, be- tergrund dieser Anklage wegen strafbarer Ueberschul- amerikanische Olympiade 1936 wird davon, Zeugnis phen3 lief bei einem Meeting in Kansas City( 11SA) bor sie stehlen gingen, regelrecht prüfte. Wenn eine dung stehen die Ersatzansprüche von 28 geschädigten geben. die 100 Meter in neuer Weltrekordzeit von 11.6 Set Haussuchung zu befürchten war, pflegte man weiße firmen. Sekretär Genosse Silaba berichtete über Der alte Weltrekord stand auf 11.8 Ser. und wurde Tücher auszuhängen, worauf die corpora delicti ver- Der Gerichtshof sprach den Angeklagten, der sich steckt wurden. Einige Kursteilnehmer werden noch mit der Berufung auf die unvorhergesehenen Krisen- ganisationsfragen, sowie über das Fest der belgi- von der bekannten polnischen Leichtathletin Stella schen Genossen in Brüssel. Die Genossen Devlieger Walasiewiczowna aufgestellt. verhältnisse verteidigte, frei. Im Beweisverfahren und Steinemann werden die SAS vertreten. Der Bauch aufgeschlitt. Gestern um 2 Uhr nach- famen auch Funktionäre des Hotelierverban- Referent für die nordischen Staaten und das Präſimittags schnitt der 26jährige Fleischergehilfe Jan des zum Wort, die bestätigten, daß diese Interessen- dium werden der dortigen Entwicklung jetzt beson- der Prager DEHG brachte folgende Ergebnisse: Janek aus Břevnov im Geschäft seines Dienstgebers gemeinschaft des Hoteliers im Konjunkturjahr 1929 dere Aufmerksamkeit zuwenden. Der Bericht über Frauen: Leipziger BSC gegen 1. BS 9: 0, DEHG Josef Panet in Střešowik Fleisch, wobei ihm das ihren Mitgliedern felbst Investitio- die Regelung der österreichischen Angelegenheiten der gegen Vys. Sport 4: 0, DEHG gegen Leipzig 0: 3, Fleischermesser ausgitt und ihm buchstäblich den nen angeraten hat. In der Urteilsbegründung SASI wurde zur Kenntnis genommen und in An- 1. 3S gegen Bhi. Sport 1: 0; Männer: Berliner Bauch aufschlitte. Da die Salagader durchschnit- wird u. a. ausgesprochen, daß der Angeklagte zwar gelegenheit des Sporthauses wird eventuell die Klage E gegen S Vodoli 5: 2, Leipziger BSC gegen ten war, erwies sich die Verwundung als sehr ernst. in objektiv er Hinsicht den Tatbestand des einge eingebracht werden. Zu den Verhandlungen des DSV Pilsen 2: 0, DESG i gegen Rot- Weiß Gör Obwohl ihn der Sohn seines Dienstgebers sofort in flagten Deliktes erfüllt habe. daß aber das Gericht Internationalen Arbeitsamtes über die Freizeit der lit 1: 0, DEHG 2 gegen Rot- Weiß Görliz 1: 0, das in der Nähe befindliche Militärspital überführte, in fubjektiver Hinsicht( also hinsichtlich des Jugendlichen wird Genosse Devlieger delegiert. DEHG 1 gegen Leipzig 4: 6, Berlin gegen Görlit von wo er auf die Klinik Schloffer gebracht und dort bösen Vorsakes nicht zur Ueberzeugung von der 6: 2, DSV Pilsen gegen DEHG 2 3: 1. Die Prager augenblicklich operiert wurde, erlag er um 15 Uhr Schuld des Angeklagten gelangt sei. Slavia hat ihre Meldung fünf Minuten vor Spiels beginn( 1) zurückgezogen. infolge des großen Blutverlustes seinen Verletzungen. Die am Wege sterben. Vorgestern um 11 1hr abends wurde ein etwa 40jähriger, unbekannter Mann von der Rettungsstation ins Allgemeine Kranfenhaus gebracht, verschied jedoch während des gesucht. Kunst und Wissen Vierter Abend: ,, Tosca" rb. zur Die Stellungnahme des Präsidiums zur RSI wurde von zwölf Ver bänden mit voller Zustimmung Kenntnis genommen. Eine Tournee der russischen Sportler wird durch den technischen Ausschuß vorbe= reitet und durch das Präsidium Rußland unterbreitet. Genosse Müller berichtete über die Verbindungen mit Deutschland und Schweden sowie über Das internationale Pfingst- Landhockeyturnier aus der Partei Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Heute, Donnerstag, den 13. Juni, findet um Die Angelegenheit Bühren wurde gründlich durch beraten und festgestellt, daß Bühren noch am 1. Juni Zirkulare mit unrichtigen Darstellungen über das Präsidium, die deutsche Sportemigration usw. ausgesendet hat und trotz Nieder- 8 Uhr abends im Saale des Gewerkschaftshauses, legung seiner Funktion noch als technischer Leiter Prag II., Perštýn, eine unterzeichnete. Des weiteren wurde beschlossen, die nächste ZuTransportes. Er war in den Abendstunden in be- Stagione im Deutschen Theater ben Breſſedienst. wußtloſem Zuſtand vom Gendarmeriewachtmeister in Hlupočeph auf der Landstraße gefunden worden. Da er mit der Rettungsstation gekommen war, konnte nicht genau festgestellt werden, was ihm zugestoßen Die gestrige Vorstellung war schon vorweg als ipar. Er ist mittlerer, schlanker Statur mit brau- die repräsentativste dieser italienischen Abende bisnem, schütterem Haar, graublauen Augen und schad- her anzusehen durch die Namen Stabile und haften Zähnen. Gekleidet war er in einen dunklen, Pampanini. Ein beträchtlicher Teil hochgespannter tarierten Rock mit Weste und schwarzer Hose; ferner Erwartungen wurde auch erfüllt. Vor allem ist trug er eine blau und weiß punktierte Krawatte zum Maestro Vot to hier in seinem ureigenſten Ele- fammenkunft der RSI und der SASI für den statt. Tagesordnung: Der Parteitag in Brünn hellblauen, karierten Hemd, schwarze Halbschuhe und ment, reproduziert die Partitur aus denkbar leichteschwarzen, weichen Hut. Außer Zigarettendose, ſtem Handgelenk, läßt Sardou und Buccini mit Monat Auguſt nach Prag vorzuschlagen. Spiegelchen, Kamm und Taschenmesser hatte er ein Bortemonnaie mit 2.10 Kč in fremder Währung bei sich. Anzeigen an die Gendarmeriestation in Hlupočepy. Gerichtssaal " Ein Fahrgast", der auf Kosten der Chauffeure lebt = Mitgliederversammlung f f D I CREAEGRAH AS 111 S 23 J Die Länderkonferenz soll im September in Prag Debatte über die Referate in der letzten Partei stattfinden und u. a. den Bericht über die Verhand- versammlung. tere Verhandlungen mit der RSI in Aussicht gelungen mit der RSJ entgegennehmen, worauf weiDie Bezirksleitung. nommen sind. Gemeinsame Beratung der technischen Exekutive mit dem Präsidium Der Film ihrem peinlich- süßlichen Gemisch aus Blut und Sentiment alle ihre Effekte und Rechte, bringt wirklich ergreifende Poesie in die Chrismen des angehenden dritten Aftes und gibt vor allem auf gut italienische Art dem Sänger, was des Sängers ist. Was aber Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. nun die Belcantisten anlangt, mußte ein ganzer Afi Am Donnerstag, dem 20. Juni dieses Monats, fin verstreichen, ehe man sich dem zu fordernden Niveau det um 8 Uhr im Café ,, Metro", Narodní tř., die gegenübersah. Der Scarpia Mariano. Sta Genosse Deutsch gab einen ausführlichen außerordentliche Generalversammlung statt. Beteili biles ist es tut einem Leid, das aussprechen Rückblick und kritisierte die Zirkulare Bührens, zu müssen den Ensemble- Erfordernissen nicht die Un wahrheiten enthalten. Die Frage der gung aller Mitglieder unbedingt erforderlich. mehr völlig gewachsen und erst in den großen Sze=, Deutschen Kampfgemeinschaft" wurde in dem Zirnen mit Tosca kommt die ganze große Noblesse sei- fular ebenfalls unrichtig dargestellt. Nach länner Gesangsmanier, seiner Haltung, seiner darstel- gerer Aussprache wurde die Angelegenheit Bühren Brag. Franz Kubi I, 44 Jahre alt und a chtlerischen und musikalischen Ueberlegenheit voll zur in einem Beschlußantrag liquidiert und über den undzwanzigmal vorbestraft, hat sich Geltung. Freilich kann auch ein Vergleich etiva mit Fall Bühren zur Tagesordnung übergegangen. Genosse Sim ek erstattete den Bericht über die auf ein sonderbares Betrugsmetier verlegt. Er der Phänomenalität Baklanoffs oder auch mit der Die Erekutive ,, bearbeitete" vorwiegend Chauffeure. Er pflegte Grandiosität Bohnens nicht gewagt werden. Und Sigung der technischen Exekutive. Bemerkenswerte Filme. Der größte Pariser wurde ergänzt und weist nun folgende Beisitzer auf: Filmerfolg der letzten Wochen ist„ Crime et Chati einen Wagen für eine Fahrt in irgendeine nicht all- trop der Scala- Weihen auch Signora Pampa= zu entfernte Provinzstadt zu mieten und den Chauf- nin is blieb diese, mit einem großen, warmen, edel Šimek( Prag), Storch, Graffe( beide Aussia), Mra- ment", eine französische Verfilmung von Dostos feuren einzureden, er fahre zu seiner Schwester, geführten dunklen Sopran ausgestattete Tosca( de- zet, Saman, Patočková( alle Prag), Haufe( Turn). iewstis„ Schuld und Sühne", in der Harry Baut As neuer technischer Leiter tourde vor eine der Hauptrollen spielt. Der aus Deutich ( eventuell Braut, Gattin, Mutter, Vater, Bruder ren Gebet einen Applaussturm entfesselte) sowohl usw.), um sich Geld zu holen. Seiner tiefste Beseeltheit als auch den ganz mächtigen dra behaltlich der Zustimmung der Länderkonferenz Ges land emigrierte frühere Ufa- Regisseur Kurt Siodma Beredsamkeit gelang es, die Lenker so ,, einzuwideln", matischen Ausdruck schuldig. Schon in der Erschei- nosse Simet und als Stellvertreter Storch be- dreht in Paris einen Film nach der Offenbach Operette„ Pariser Leben". In Moskau und Kiew daß sie ihm nicht nur die Fahrt kreditierten, son- nung überaus liebenswürdig der Cavaradossi stimmt. Genosse Simet sfizzierte die beschlossenen Ar- arbeitet man an zwei Gogol- Filmen:„ Der Revi dern auch noch Geld vorstreckten, Bechen bezahlten Alessandro 3ilianis, dessen mühelose 11. dgl. in der unbegründeten Hoffnung, ihr Geld und leuchtkräftige Höhe wiederum imponierte, ohne beiten, insbesondere für die 3. Olympiade. Es sol- for“ und„ Die toten Seelen". Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Buftellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Beitungsfrantatur wurde von der Posts und Tele Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß. Druderei: Orbis". Druds. Verlags- und Beitungs- A.- G., Prog. grapbendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. id et I da de ha ge HUTAACOUST te V G be fr he er Dr Ar ge Jo