Freitag, 14. Juni 1835 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (ainKhliaftlich 5 Haller Portal ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova a. Telefon sott. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. z |T i t i a H i> a i< :it !l ■n id i» U t» 0 I» tt t: G S, et >it t» c>, itz tt l« Furchtbare Explosion in einem deutschen Rüstungswerk 100 Arbeiter getötet Berlin.(Tsch.P.-B.) Zn Reinsdorf bei Wittenberg, wo während des Krieges grotzeMnnitionswerke angelegt wurden, hat sich Donnerstag eine folgenschwere Explosion ereignet. Das Unglück ereignete sich, als die Werke in vollem Betrieb waren. Ein ganzer Gebüudekomplex ist in die Luft geflogen. Ma« befürchtet, datz mindestens hundert Mann der Belegschaft der schweren Explosion znmOpfer gefallen sind. Auf mehrere Kilometer im Umkreis sind sämtliche Fensterscheiben zertrümmert worden. Aus dem ganzen Bezirke Wittenberg wurden alle Aerzte zur Hilfeleistung herangezogen. Abteilungen der Reichswehr, der SA und SS sowie des Arbeitsdienstes sind zur Hilfeleistung aufgeboten worden. Eine amtliche Meldung über die Explosion-Katastrophe liegt bis zur Stunde nicht vor. Danzig in Not Berlin. Die Postverwaltung von Danzig hat den Nachnahme- und Postauftragsverkrhr aus Deutschland nach Danzig vorübergehend eingestellt. Die offiziöse deutschdiplomatische politische Korrespondenz äußert sich heute ziemlich pessimistisch Wer die Lage Danzigs. In einem Artikel „Danzigs Existenzkampf" wird u. a. ausgeführt, daß die wirtschaftliche Situation Danzigs alles andere als leicht sei. Es werde des angekündigten starken Willens der Regierung und ebenso des nötigen Verständnisses aller für die Existenz Danzigs Verantwortlicher Faktoren bedürfen, um die augenblickliche Notzeit zu bannen. Die Sicherung der Stabilität des Guldens müsse als eine Lebensfrage in dem Sinne angesehen werden, daß es hier um Dinge gehe, die mit der staatlichen Selbständigkeit Danzigs eng znsammenhängen und in diesem Sinne auch eine Voraussetzung für die ungeschmälerte Gestaltung der eigenen völkischen und kulturellen Schicksalsgemcinschaft bilden.■ Sieg des demokratischen Flügels der SRO Paris.(Tsch. P.-B.) Der sozialistische Parteitag in Mühlhausen nahm am Mittwoch abends die Abstimmung über die vorliegenden Entschliessungen zur Machtergreifung vor. Die meisten Mandatsstimmen, nämlich 2025, vereinigte der von de« nordfranzöstschen Sozialisten vorgelegte Text, der die Machtergreifung von der Zustim- mung der Mehrheit des Landes zu den marxistischen Gedanken abhängig macht. 777 Mandat«, stimmen fielen dem Text der Anhänger des sozialistische» Kampfes und der Befürworter des Aufstandes zu. 105, bzw. 83 Mandatsstimmen entfielen auf zwei Texte der noch weiter links eingestellten Elemente der Partei, die sich dem Bolschewismus nähern. 229 Mandatare enthielten sich der Abstimmung. 58 waren bei der Abstimmung nicht vertreten. Angenommen wurde außerdem rin vom Entschließungsausschuß mit allen außer den Stimmen der Bolschewistenfreunde angenommener Text des Abgeordneten BinrentAuriol. Er besagt, daß die sozialistische Partei sich auf eine Linksmehrheit stützen und in der Regierung eine sozialistische Aktion anführen müßte. Schließlich bat sich der Parteitag mit 2117 Mandatsstimme« sür dir Gewährung des Frauenwahlrechts ausgesprochen. 729 Stimmen lauteten dagegen, 273 enthielten sich der Abstimmung. Inspirierungsreise des neuen Kriegsministers Paris. Der neue französische Kriegsminister Oberst Fabry trat Donnerstag eine längere Inspektionsreise in die oftfranzösischen Grenzgarnisonen und Grenzbefestigungen an. Im Laufe dieser Reise wird der Kriegsminister nicht bloß mit den Mitgliedern des Heeresausschuffes von Kammer und Senat, sondern auch mit den Vertretern d e r d r ei G e n e ral siäb e der Kleinen Entente, die sich seit einigen Tagen in Paris aufhalten, zmammentreffen. Japan und USA mit der deutschen Seerüstung einverstanden London.(Tsch. P.-B.) Der japanische Botschafter in London stattete dem Foreign Office einen Besuch ab/ wo er bestätigte, daß Japan keine Einwendungen gegen den Vorschlag habe, daß Deutschland eine Tonnage von 35 Prozent der englischen Flotte zugebilligt loerde. Japan beharrt jedoch auf dem Grundsätze, daß alle künftigen Beschränkungen der Seestärke sich auf die Gesamttonnage und nicht auf einzelne Kategorien beziehen sollen. Auch der Botschafter der Vereinigten Staaten gab im Foreign Office den Standpunkt seiner Regierung bekannt, die, wie verlautet, gleichfalls kein« grundsätzlichen Einwendungen gegen den erwähnten Vorschlag er hebt.' Torgier frei? Berlin. Der Reuterkorrespondent in Berlin erfährt, daß der ehemalige kommunistische Wge- . ordnete Torgler, der fest seiner Inhaftierung als Angeklagter im Reichstagsbrand-Prozeß gefan- gengchalten wurde, nunmehr in Freiheit gesetzt worden ist. Berlin. Die von dem Explosionsunglück betroffenen Betriebe der Westfälisch-anhaltinischen Sprengstoffabrik sind die größte Munitionsfabrik Deutschlands und beschäftigen, wie der Bertreter des Reutrrbüros erfährt, 13.000 Arbeiter und Angestellte, die in Wittenberg und Umgebung wohnen. Sieben Stunden lang wurden die Opfer'auf Tragbahren zu den Sanitätsambulanzen gebracht, doch kam dir Hilfe meist zu spät. Es spielten sich In der ostafrikanischen Affäre ist eine Wendung eingetreten, die allerdings nicht, wie gewisse Pressekommentare behaupten-, eine Wendung zum Frieden und zum Wege des Rechts ist, sondern nur eine neue Phase in der Raub- und Erpresserpolitik des italienischen Imperialismus gegenüber dem schwächeren Abessinien. Italien will nämlich dann Frieden halten,, wenn der Gegner ohne Krieg einen wesentlichen Teil der italienischen Forderungen erfüllt. Nach den Informationen des Londoner »Daily Herold" würde sich Italien verpflichten, keine militärischen Aktionen gegen Abessinien zu unternehmen, und einwilligrn, daß die Grenzfrage durch Arbitrage entschieden werde. Dafür würde Abessinien Italien ermächtigen, eine Eisenbahnstrecke über abessinisches Gebiet vom italienischen Hafen M a s s a u a an der Küste des Roten Meeres bis zum italienischen Hafen M.a g a d o ch o in Italienisch-Somaliland zu errichten. Italien fordere, daß die Sicherheit dieser neuen.Eisenbqhnstrecke auf dieselbe Weise garantiert werde, wie die Sicherheit der Eisen- Kampf um das Wahlrecht in Polen Warschau. Im polnischen Sejm hat am Mittwoch im Vcrfaffungsausschuß der Kampf um die noch unter Pilsudsti ausgcarbeitete Wahlgesetzvorlage des Regierungsblocks eingesetzt. Die Regierung will das Proportionalwahlrecht Wer- haupt beseitigen und ein System einer indirekten Wahl durch Wahlmänner schaffen, die zumeist den territorialen und wirtschaftlichen Selbstverwal- tungskörpern entnommen werden sollen, die die Regierungspartei vollkommen beherrscht. Die Annahme der Wahlvorlage würde den letzten Resten der Demokratie in Polen ein Ende machen und das Land vollkommen der gegenwärtig am Ruder befindlichen Clique ausliefern, Alle Oppositionsparteien sprachen sich euer» gisch gegen diese Vorlage aus und brachten ihrerseits Gegenentwürfe ein. So verlangt die nationaldemokratische Partei die Beibehaltung des Proportionalwahlrechtes bei Schaffung einer eigenen Kurie für die Juden.. Der Sprecher der sozialistischen Partei, Genosse Czapinski, erklärte, daß der Entwurf des Regierungsblocks die Verfassung verletzt. Die erschütternd« Szenen ab, alS die Berwandte« und Angehörigen der Verwundeten und Toten zu der Unglücksstelle nicht zugelassen werden konnten, so daß sie vielfach nur mit Gewalt von der Polizei zurückgehalten werden mußten. Nach hier vorliegenden privaten Meldungen soll die Zahl der Opfer in die Hunderte gehen, man hört sogar, die Ziffer von 1000 Toten und Verwundeten. bahnen in Rordchina, nämlich dadurch, daß beiderseits längs der Strecke eine neutrale Zone geschaffen werde, deren Administrative und Polizei Italien er« anvertraut werden würde. Großbritannien studiert dem»Daily Telegraph" zufolge diesen Plan. Er wurde aber der abessinischen Regierung bisher noch nicht bekanntgegeben. Außerdem soll Italien ein dreigeteiltes britisch- französisch- italienisches Protektorat über Abessinien vorgeschlagen haben. Es will also die„moralischen Bedenken" der Westmächte gegen den Raubzug dadurch beschwichtigen, daß es sie an der Beute beteiligt. Tatsächlich ist in England ein gewisser Stimmungsumschwung eingetreten. Es ist denkbar, daß England sich mit Italien verständigt, aber auch eine Front Rom- Paris gegen London-Berlin ist nicht ausgeschlossen. Die Rechnung, ob im Frieden oder im Krieg, wird jedenfalls Abessinien bezahlen, das zum Dank für seine Unterwürfigkeit unter den Völkerbund den kriegerischen Drohungen Italiens geopfert wird. (durch einen Gewaltstreich des Sejmpräsidenten seinerzeit aufoktroierte) neue Verfassung rückt tzhnedies den Sejm in den Hintergrund und gewährt den besitzenden Klassen den Vorrang im Staate. Der Wahlgcsetzentwurf geht in dieser Beziehung noch weiter, indem er bei den Parlamentswahlen die entscheidende Stimme den wirtschaftlichen Selbstverwaltungskörpern, insbesondere den Industrie-, Handels- und Gewerbekammern einräumt. Mit Rücksicht darauf würde der künftige Sejm sich vor allem ausRepräsen« tanten der besitzenden Klassen ßu- sammensetzen. Redner erklärte, daß die sozialistische Partei es sich im Falle der Annahme des Wahlgesetzentwurfcs des Rcgierungsblocks erst überlegen müßte, ob sie an den konunenden Par- lamentsneulvahlen überhaupt teilnehmen soll. Dr. Benes auf der Rückreise von Moskau Moskau.(Taß.) Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Leningrad kehrte der tschechoslowakisch« Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes mit seiner Begleitung nach Moskau zurück und trat die Rückreise nach Prag an. Die Heimfahrt geht Wer Charkow und Kiew, Bleibt arbeitslos! Internationale Unternehmerfront gegen die Vierzigstundenwoche Die Arbeiten der Internationalen Arbeitskonferenz, die gegenwärtig in Genf tagt, werden von der Unternehmergruppe lahmgelegt. Sie weigert sich, an der Fachkommission für die Einführung der Arbeitszeitverkürzung teilzunehmen und verhindert dadurch die Kommissionsarbeit und die Plenarverhandlungen der Konferenz. Es ist dies die 19. Internationale Arbeitskonferenz. Sie wurde seinerzeit nach dem Ende des Krieges mit der Errichtung des Internationalen Arbeitsamtes begründet. An ihr nehmen auS den dem Arbeitsamt angeschlossenen Ländern je drei Delegationen teil: eine Regie r u n g sdelega- tion, eine Arbeiterdelegation und eine Unternehme rdelegation. Es sollte der Zweck der Internationalen Arbeitskonferenzen sein, so wie der Völkerbund und die Völkerbundsversammlungen auf dem politischen Gebiet den freundschaft- lichen Austausch der Meinungen und die engste friedliche Zusammenarbeit der Böller anstrebte und Konflikte und deren gewaltsame Austragung unmöglich machen sollte, auf sozialem Gebiet einen internationalen Ausbau der Gesetzgebung und eine Angleichung der Arbeiterschutz- und Sozialversicherungsgesetze in der ganzen Welt herbci- zuführen. Im Internationalen Arbeitsamt und seinem Bcrwaltungsrat fand diese internationale sozial« Organisation ihr« Spitze. Es mußte diese Einrichtung nicht als ein« Verneinung des Klaffenkampfes aufgefatzt werden. Er konnte auch durch die Wirksamkeit des Arbeitsamtes und durch die Internationalen Arbeitskonferenzen nicht aufgehoben werden. Im Gegenteil: alles, was in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern die Arbeiterschaft unter Führung ihrer starken politischen und gewerkschaftlichen Organi- sationen in den Klassenauseinandersetzungen erreichen konnte, das sollte das Internationale Arbeitsamt und die Arbeitskonferenz für alle Länder fruchtbar zu machen versuchen. Es sollte so erreicht werden, daß die Erfolge der sozialistischen Pionierarbeit der sozialistischen Arbeiterbewegung auch den Arbeitern in den kapitalistisch noch nicht hochentwickelten Ländern zugute kam. Die bisherigen Leistungen des Internationalen Arbeitsamtes und der Internationalen Arbeitskonferenzen eingehend zu untersuchen, ist jetzt nicht die Zeit. Es genüge die zusammenfaffende Feststellung, daß die schon kurze Zeit nach dem Kriege in allen Ländern vorswßende politische und soziale Reaktion sich auch in der Arbeit dieser internationalen sozialen Organisation auswirkte. Unzweifelhaft hat sie in den sechzehn Jahren ihres Bestehens wertvolle sozialpolitische Kleinarbeit geleistet, die sich international in dem Maße aus- wirken konnte, in dem der Einfluß der Arbeiterschaft in den einzelnen Ländern ihr Anerkennung und Geltung zu verschaffen vermochte. Der Einfluß der Arbeiterbewegung innerhalb der Länder war für die Internationalen Arbeitskonferenzen wichtig. Von ihm hing es ab, wem die Regierung neben den Unternehmern die Delegation der Arbeiter übertrug. Als vor zwölf Jahren Mussolini die italienische Arbeiterbewegung zertrümmert hatte und fascistische Bertreter als Arbeitevdele- gierte in Genf erschienen, gab es heftige Auseinandersetzungen, da die Arbeiterdelegationen geschloffen die Zusammenarbeit mit den Fascisten verweigerten und ihnen die Anwesenheit mit der Begründung streitig machten, daß sie nicht das Vertrauen der italienischen Arbeiter besäßen, sondern nur infolge der Mißachtung der demokratischen Rechte und der Vernichtung der Koalitions- freiheit durch Mussolini in Genf erscheinen konnten. Die Zeit war der Reaktion günstiger. Die Unternehmervertreter haben im Internationalen Arbeitsamt und auf den Internationalen Arbeitskonferenzen ihre Aufgabe von Anfang an nicht darin gesehen, die Sozialgesetzgebung international vorwärtszutreiben, sondern darin, sie nach Möglichkeit zu bremsen. Das gilt insbesondere für die Werragenden Fragen der ArbeitSzeitverkür« zung, des Koalitionsrechtes und seiner Sicherstellung und der Sozialversicherung. Diese Feststellung kann den nicht überraschen, der weiß, daß das kapitalistische Unternehmertum den Arbeiterschutz und die Sozialgesetzgebung überhaupt als lästig empfinden, weil sie seinem Profitstreben Hemmungen entgegenstell«»« Mussolini will Frieden halten- wenn Abessinien kapituliert I Seite 2' Freitag, 14. Juni 1935 Nr. 138 Atus-Vertreter bei Minister Dr. Czech Senator Genosse Heinrich Müller sprach Donnerstag bei dem Gesundheitsminister Genossen Dr. Czech vor und unterbreitete ihm die Wünsche und Forderungen der Arbesterturn« und Sportorganisationen. Die Aussprache behandelte alle körpererziehlichen und volksgesundheitlichen Bestreben der Arbeiterschaft, das Kurswesen und andere aktuelle Fachfragen. Minister Genosse Dr. Czech informierte sich eingehend über diese Fragen und sagte die Unterstützung der sportlichen und leides- kulturellen Bestrebungen zu. In der nächsten Zeit findet eine gemeinsame Vorsprache des Abg. Vaverka(DTJ) und Senator Müller(Atus) statt in welcher gemeinsame Vorschläge unterbreitet werden sollen. Genosse Minister Dr. Czech zeigte für die wichtige Arbeit der Körperkulturorganisation großes Interesse und die Bereitwilligkeit, diese wichtige Arbeit zu fördern. Die Vertreter deS internationalen Unternehmertums haben diese Auffassung bei der Bearbeitung der Frage der Arbeitszeitverkürzung durch das Internationale Arbeitsamt und die Arbeitskonferenzen unverhüllt zum Ausdruck gebracht. Hatte der bedeutende Machtzuwachs der Arbeiterbewegung, der in zahlreichen Ländern nach dem Kriegsende zu verzeichnen war, dem Achtstunden» tag zum Durchbruch verhalfen, so wurde eine weitere Arbeitszeitverkürzung aktuell durch das ununterbrochene Fortschreiten der Produktionstechnik und die ungeheuerliche Massenarbeitslosigkeit, die sich als eine Folge der Weltwirtschaftskrise einstellte. Die Bestrebungen nach Einführung der Vierzigstundenwoche, in den einzelnen Ländern von den Gewerkschaften und von der Sozialdemokratie getragen, kamen 1932 auch in den Verwal- tungörat des Internationalen Arbeitsamtes. Bon diesem Zeitpunkt an richtete die Unternehmergruppe beim Arbeitsamt und auf den späteren Konferenzen ihre Taktil darauf ein, eine Regelung dieser Frage zu verschleppen oder überhaupt zu verhindern. Außer einer vorbereitendenArbeitSzeit- konferenz hat die Einführung der Vierzigstunden- woche zwei wertere Internationale Arbeitskonferenzen beschäftigt und steht auf der gegenwärtig tagenden 19. Arbeitskonferenz zum dritten Male auf der Tagesordnung. Obwohl sie von ihrem Charakter einer dringlichen sozialen Hilfsmaßnahme zur Eindämmung der Massenarbeitslosigkeit nichts eingebützt hat, steigert die Unternehmerdelegation jetzt in Genf ihren Widerstand bis zur Sabotage der gesamten KosiftrenzaroeiL Si'i dokümenfiert vanitt, datz' Aber der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, über der Rettung von Millionen Menschen aus Erwerbslosigkeit und Elend der ungeschmälerte Profit zu stehen hat. Bei den Auseinandersetzungen über die Ber» wirllichung der Vierzigstundenwoche haben die Unternehmer in den verschiedenen Ländern mit dem Hinweis Widerstand geleistet, daß diese Frage aus Gründen der Konkurrenz nur eine internationale Regelung zulasse. An dem Ort aber, wo diese internationale Regelung erfolgen soll, wird sie von dem gleichen Unternehmertum sabotiert! So bleibt die Verwirklichung dieser dringlichen Maßnahme ganz der Arbeiterklasse überlassen, die sie mit verstärkter Wucht in allen Ländern erzwingen muß. Vie Aufgabe der Regierung Das„CestS Slovo" vergleicht an leitender Stelle die innerpolitischen Vorgänge in Frankreich und die Schwierigkeiten der Bildung der Regierung Laval mit der Gestaltung der politischen Verhältnisse, wie sie sich bei uns nach den Wahlen ergeben hat und mit der Bildung der Regierung Malypetr: DaS Blatt schreibt: Vor sechs Jahren, da bei uns nach dem Fall des Bürgerblocks eine neue Regierung gebildet wurde, sahen die Verhandlungen darWer noch schrecklicher aus als jetzt in Frankreich. Wer an diese Dinge sich erinnert, wer daran denkt, wie ost die Verhandlungen sich damals zerschlagen haben, wie die Führer der Koalitionspartejen einer nach dem anderen dem Präsidenten der Republik ihre Betrauung zurückgegeben haben, wie ost eine MinderheitS- oder Beamtenregierung in Sicht war, wer das alles nicht vergessen hat, der muß zugeben, daß wir einen Fortschritt erzielt haben und daß unser— mit Recht— so oft kritisiertes Parteiwesen in einem heißen Augenblick doch etwas besser sein kann als sein Ruf. Fast nirgends g_ Deutsch von Ainni Aurednltek Der liebe Banouschek wurde natürlich, nachdem sich die Herren von dieser Taffache überzeugt hatten, fteigelassen. Der Herr Hofrat aber wurde, wenn ich nicht irre, kurz darauf pensioniert." Der Bizepräfirdent hüstelte verlegen:„Der Herr Hoftat Pietnicek hatte längst ausgedient und ging deshalb in Pension. Ihr Fall ist juridisch ganz anders als der des Banouschek. Sie sollen auch nicht acht Jahre, sondern zwei Monate sitzen. Jetzt fällt mir aber ein, daß wir den Geisteszustand des Sazyma prüfen lassen sollten. Sie könnten indessen freundlichst noch in der Untersuchungshaft bleiben." «Herr Vizepräsident," sagte Beinsteller schmerzlich,„das ist nicht schön von Ihnen! Warum schlagen Sie die Augen nieder? Weil Sie wissen, daß Sie eine List anwenden, um nicht in den sauren Apfel beißen zu müssen. Sie wissen ganz gut, daß der Sazyma einen ganz gesunden Verstand hat, der genügt, um für fünf Monate eingesperrt zu werden. Sie wissen auch, daß ich so unschuldig bin wie MoseS, als er im Korb auf dem Nil herumgondelte. Ich kann mich leider nicht wehren, denn wenn Sie den Vorsatz fassen, mich zu erwürgen, damit der Skandal nicht herauskommt, wird sich niemand meiner annehmen. Aber Ihr Gewissen, gnädiger Herr, denken Sie an Ihr Gewissen!" „Beinsteller l" rief der Vizepräsident verzweifelt.„Machen Sie mir das Herz nicht schwer. Ich will J^n-n nicht weh tun. Aber über Ihrem Interesse stetzt ein höheres Interesse, das Prestige deS Gerichtes. Sie sind als loyaler Mensch bekannt, Beinsteller, und müssen ein Interesse daran haben, daß unsere Institutionen einer Lappalie wegen nicht erschüttert werden." „Sie haben leicht reden— drei Monate für nichts und wieder nichts sitzen? Das ist keine Lappalie." „ES ist nicht ganz richtig, was Sie sagen, Beknsteller. Sie haben die Behörden irregeführt, uns lächerlich gemacht und viese Ausgaben veranlaßt. Sie werden deshalb gut tun, diese scheinbare Ungerechtigkeit zu ertragen. Ich versichere Ihnen, man wird es Ihnen ein nächstes Mal einbringen. Auch Sazyma wird auf seine Rechnung kommen. Die Herren Dokwren werden sich mÜ ihrem Urteil Zeit lassen." Traurig, mit erschüttertem Glauben an die Gerechtigkeit, kehrte Beinsteller in seine Zelle zurück. Kurz darauf nahm, nicht ohne Schaden, freude, Eliaschek Abschied von Beinsteller. Bor dem Eingang erwartete ihn im Auto seine Maid. Auf diese Art gelangte ein vielfacher Verbrecher in die Freiheit und der unschuldige Beinsteller sollte für Sazyma sitzen, der ein Geständnis abgelegt hatte. Wer weih, wie es mit ihm ausgefallen wäre, hätte Sazyma nach einer Woche nicht eine neue überraschende Wendung in die verwickelte Angelegenheit gebracht. Der arme Bauernlümmel hatte sich in den Kopf gesetzt, er dürft nicht zu ehrlichen Menschen zurückkehren, bevor er die Strafe für seine Schuld nicht abgebüßt hatte. AIS der Untersuchungsrichter behauptete, er habe die Sachen wahrscheinlich von Beinsteller gekauft, war Sazyma einem Tobsuchtsanfall nahe.„Fragen Sie bei uns zu Hause nach, ob der Wenzel Sazyma imstande ist, eine solche Schwindelei zu begehen! Gestohlene Sachen kaufen!" Aber der Untersuchungsrichter überzeugte den Mann plötzlich von seiner Vorliebe für gestohlene Gegenstände. Er fragte nach dem geistigen Gesundheitszustand seiner Eltern, Urgroßeltern und seiner Geschwister, erkundigte sich nach Nr. 138 Freitag, 14. Juni 1935 Seite S Faktoren, abgesehen von jener individuellen Anlage, die aus dem Funktionszusammenhang zwischen Körperbau und Charakter zu erschließen ist, für das Bewußtsein eines Menschenkreises bestimmend sind. Wir wollen von Bewußtseinstrübungen durch Massenpsychosen in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen. DaS Leben des Einzelnen vollzieht sich zwar an einem großen Teil des Tages an der Berufsstätte. Aber die dort zu leistende Arbeit läßt, zumal bei der Anonymität der modernen Herr- schasts- und Besitzverhältnisse, den sozialen Gegensatz von Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur im Konfliktsfalle deutlich werden. Der Arbeiter hat für gewöhnlich nur mit dem Aufseher, dem Werkmeister oder irgendeinem anderen Bor-Gesetzten, also nur mit einem dahin„Gesetzten", d. h. ebenfalls mit einem im kapitalistischen Abhängigkeitsverhältnis stehenden Manne, zu tun. Es ist so die gleiche Erscheinung wie in der Beamtenhierarchie oder beim Militär vertreten: Die Gegensätze des Alltags entwickeln sich nicht zwischen der Spitze und dem Boden der Pyramide, sondern zwischen den benachbarten und übereinander gelagerten Schichten. Dazu kommt, daß im Kleinbetrieb oft ein vom „Chef" sorglich gepflegter„Patriarchalismus" erfolgreich versucht, jeder Entfremdung und jeder grundsätzlichen Kritik durch Hinweis auf eine ökonomische Schicksalsverbundenheit zuvorzukommen. Außerhalb der Arbeitsstätte sind die kapitalistischen Abhängigkeiten für das Bewußtsein des einfachen Mannes viel zu kompliziert und zu verschleiert, als daß er sie zu durchschauen vermöchte. Er kann sich nicht Rechenschaft geben über die Schleifarbeit, die Kirche und Schule von frühester Jugend an leisten, um den Nachwuchs für das gesellschaftliche Gefüge der Gegenwart paffend zu ' machen. Jeder Eindruck, der dem Proletarier in der Freizeit zuteil wird, ist von Organen erzeugt, die in der gleichen Richtung arbeiten: Die Sprache der Presse, die Bildergeschichten des Films und die Wellen des Radio sind samt und sonders auf den gleichen Ton abgestimmt. Nur spärlich und konzessionsweise kann sich hier und da die gegenteilige Meinung Bahn brechen, wo sie es aber, wie in der Arbeiterpresse, in besonderen kulturellen Veranstaltungen, eigenen polftischen, sportlichen und anderen Bereinsbildungen, ja auch in bestimmten wirtschaftlichen und sozialen Organisationen tut, bedarf sie erst der besonderen Werbung, um überhaupt an den Einzelnen heranzukommen. Solange der Einzelne nicht irgendwie politisch interessiert oder organisiert ist, fällt er dem anheim, was man die»öffentliche Meinung" nennt und was allemal die öffentliche M e i n u n g d e x herrschend« n-so- zialen Schichten ist. Diese Schichten bestimmen, was„gut" und was„schlecht" ist, sie bestimmen Kleidung, Lektüre, äußere Lebensform und sogar inneres Verhalten de» Menschen. Sich davon frei zu machen, erfordert, wenn es lediglich auf dem Wege der eigenen Kritik erfolgen soll, ein Maß von Selbständigkeit des Denkens, das als Massenerscheinung weder angenommen noch gefordert werden kann. In der kapitalistischen Welt mag es viel antikapitalistische Sehnsucht geben, aber eS gibt nur wenig antikapitalistisches Bewußtsein. Am wenigsten, entgegen früheren An- nahmen, in langdauernden Krisenzeiten. Bei den Dauererwerbslosen stirbt das Selbstbewußtsein, wächst di« Hoffnung auf Geschenke des Schicksals oder die„Gnade" der alten Mächte. Desto stärker ist das nationale Bewußtsein entwickelt. Die Nation ist nach dem Worte Nenans„ein täglich sich wiederholendes Plebiszit". Treten die Ketten kapitalistischer Abhän- gigkeit aus ihren zahllosen Verhüllungen nur bei akuten sozialen Konflikten zutage und wird daher die„proletarische Solidarität" nur dann wirksam, wenn sich die Gemeinsamkeit der Interessen jedermann offen und eindeutig erweist, so ist die Sprache(Hugo Hoffmannsthal nannte sie den »geistigen LebenSraum eines Volkes") schon durch ihre gemeinsamen Begriffsbestimmungen und die von ihr den Worten verliehene Gefühlsbetonung, ja sogar durch den Stil ihrer Grammatik ein Band, das das Denken gegenüber allen Anderssprachigen zu einigen vermag. Nicht minder wichtig als die Gemeinsamkeit der Sprache ist jene Gemeinsamkeit des historischen Schicksals, aus der Otto Bauer die„Nation als Charaktergemein- ' schäft" ableitet. Gleiches Recht und gleiche Sitten erziehen zur gleichen Reaktionsweise gegenüber den Erscheinungen des physischen und des sozialen Lebens. All diese Feststellungen zeigen, daß der Sozialismus den Bewußtseinsprozeß der Arbeiter nur dann zu fördern u. in richtige Bahnen zu lenken vermag, wenn er es versteht, die klassenbewußte Erkenntnis der zahlenmäßig kleinen sozialistischen Avantgarde so den Massen des Volkes nahe zu bringen, daß, um an ein Wort Lenins anzuknüpfen, di«„Sache des Volles zur Sache der Nation" wird. Oder um eS anders zu formulieren: Das Klassenbewutztsein kann das Nationalgefühl nicht verdrängen, alsomußesdasNatio- nalgefühl erfüllen. Das Ziel ist nicht ein«nationaler Sozialismus und erst recht nicht ein pseudosozialer Nationalismus, sondern die sozialistische Naftonl MU anderen Worten ein Nationsthwfühl, daS nach innen wirft, kein Banker gegen andere, sondern ein Appell zum Neubau des eigenen HeimS. Otto Friedrich. fudetendcutscfier Die Henlelnlesende wird fabriziert Im Verlag Eher(München) dürste demnächst Henlein sein politisches Testament in Buchform herausbringen. Diese Kopierung ist jetzt nicht nur an der Reihe, sondern eine zwingende Notwendigkeit. Ein eigenes Kapitel über den Werdegang Henleins mutz natürlich enthalten sein. So bemühen sich nun fleißige Schmocks, das Material in ähnlichem Sinne zusammenzu- tragen, wie über Hitlers Werdegang eine Heldenlegende gewoben wurde. Hitler war Nachrichtenmann, dem es trotz seiner„Stabtätigkeit" gelungen ist, 20„Feinde" zu umzingeln und gefangen zu nehmen. Mehr als einmal war er in Lebensgefahr. Doch das Schicksal entschied immer wieder für sein Weiterleben. Genau so erging eS Henlein. Das„ Gablonzer Tagblatt" hat vor kurzer Zeit eine Reminiszenz aus Henleins Kriegszeit veröffentlicht, die nun von der„St. Joachims- thaler Zeitung" weiter ausgesponnen wurde. „Henlein rückte von der Schulbank weg ein und diente anfangs bei den Katserjägern, später bei dem Grazer HauSreKiment Nr. 27. Er nahm teN an den schweren Kämpfen um den Monte Mcketta und Monte Forno, wobei er verschiedene Auszeichnungen erhielt, so z. B. die Kleine Silberne zweimal, die Groß« Silbern«, dar Truppenkreuz, daS Hindenburgkreuz, di« Landesverteidi- gungSmedaille und andere. Er war dem Nachrichtendetachement zugeteilt und wurde beim Ueberbringer einer wichtigen Meldung verwundet. gefangen genommen und sollte erschossen werden. Es waren sogar auf Henlein die Gewehre bereits angelegt, doch scheint der italienische Offizier, der den Befehl zmn Feuern gegeben hatte, sich besonnen zu haben, da man annahm, daß Henlein, der Granatsplitter im Leibe hatte und außerdem schwer ruhrkrank war, den Abend nicht erleben werde. Henlein überstand aber die schwere Krankheit und er kam nach Verona als Gefan gener, dann nach Asinara, einer kleinen Insel nordwestlich von Sardinien, wo er bis zum Jahr 1919 bleiben mußte." In Joachimsthal hat nun Henlein bei seiner Wahltour drei seiner Kriegskameraden von Ast» nara begrüßt: die Brüder Erlbeck und den Amtsdirektor Fest!» die zu berichten wissen, daß der turnerische und organisawrische Geist Henleins die Gefangenen auf der einsamen, unwirtlichen Insel aufrichtete und den vielen mutlos Gewordenen neuen Lebensmut gab. So wird fleißig an der Heldenlegende gearbeitet. Bald wird sie fertig sein. Und sie ist für das„Führerprinzip" genau so erforderlich wie das baldige Erscheinen des Buches„Mein Kampf". Dank vom Hause Hitler Die Henleinagitatoren kannten vor der Wahl keine Hemmungen, der arbeitslosen Bevölkerung des sudetendeutschen Gebieter die unglaublichsten Versprechungen zu machen. Es'wurde ihr für den Fall der Sieges der Henleinpartei Arbeit in Hülle und Fülle im Lande und in den nahen deutschen Grenzorten versprochen. Inzwischen haben zahlreiche Arbeitslose, die sich betören ließen, die Unsinnigkeit dieser Versprechungen feststellen können. Da sie in ihrem Heimatorte auch nach dem 19. Mai keine Arbeit erhielten, gingen sie kurz entschlossen mit dem Henleinausweis über die Grenze. Sie wurden dort sehr unsanft empfangen und schleunigst und nicht einmal höflich wieder zurückgeschickt. Ganz wider Erwarten erfuhren sie dabei, daß es in Deutschland noch immer überall genug Arbeitslose gibt, so daß neuer Zuzug von arbeitsuchenden Menschen nicht erwünscht ist. Jetzt sieht sich die Musikinstrumenten-Jndu- strie in Graslitz, deren Unternehmer Wohl ziemlich ausnahmslos— zur Gefolgschaft Henleins gehören dürften, gezwungen, in aller Oeffentlichkeit gegen die ihren Export schädigenden Maßnahmen des Deutschen Reiches zu protestieren. Wie muß der henleinfreundlichen„Deutschen Zeitung Bohe- Die Lage In China zum Reißen gespannt Nanking. Es wird amtlich bestätigt, daß die Führer der japanischen Klvantung-Annec China neue. Forderungen vorgelegt haben." Aus glaubwürdigen Quellen wird gemeldet, daß am Mittwoch aus dem mittleren Djehol einige hundert japanische Soldaten in Kupijkau angekommen sind und daß einige japanische Militärabteilungen bis nach Nanuiemcn, vier Meilen hinter der Großen chinesischen Mauer, vorgedrungen seien. Die Ankunft dieser weiteren Abteilungen verstärft die Befürchtungen, daß Japan sich zumAngriff vorbereitet, wenn seine Forderungen nicht rasch und vollständig erfüllt werden sollten. Inzwischen steigt immer wieder regelmäßig die Zahl des japgnischen Heeres in Nord-China. Die japanische Garnison in Tientsin wurde um 700 Mann verstärkt. Eine andere japanische Militärabteilung wird für Freitag in Tschinwantao und am SamStag in Tank erwartet. Ab Samstag werden in der nordchinesischen Provinz Tschili 4000 japanische Soldaten stehen. Seit Montag dürch- fuhren zwölf Sonderzüge Shanhaikwang, die japanisches Militär und Panzerkraftwagen beförderten. Die Japaner beginnen Demonstrationen vorzubereiten, ähnlich jenen aus dem Jahre 1933. Sie gaben den chinesischen Behörden bekannt, daß.eine EMdrille von 17 Flugzeugen am Donnerstag und Freitag oberhalb Peipings kreuzen sowie auch oberhalb einigen Teilen der Dsche« Hol-Provinz fliegen wird, um die Bewegungen der Peiping räumenden Truppen zu beobachten. * Schanghai.(Reuter.) Die neuesten Vorkommnisse und die Entwicklung in Nordchina überraschen keineswegs die bisherigen ausländischen Kreise, denn die ersten Meldungen, welch« eine friedliche Lösung ankündigten, lauteten z u s ch ö n, als daß sie für wahr gelten konnten. Ganz China erwartet mit gespannter Aufmerksamkeit die weitere Entwicklung und wäre nicht überrascht, wenn eszukriegerischenZusammenstößen käme. Einige Kreise sind überzeugt, daß di« japanische Armee in Kuantung China dazu nötigen wolle, seine Zustimmung zur Errichtung einer Pufferstaates mit einer fingierten Regierung in Nordchina zu geben, welche dem japanischen Einflüsse unterliegen würde, was von Japan als ein großer moralischer Triumph angesehen würde, welcher ihm den Weg zur Wcltanerkennung der priveligierten Stellung JavanS auf dem asiatischen Festlande ebnen würde. 0«»» chinesische Tamdrachc „Ich werde Dir sch»« dl» japanischen Flötentöne beibringe«!" mia" zumute gewesen sein, als sie sich zur Veröffentlichung dieses Schreibens entschloß: „Die Musikinstrumenten-ndustrie im GraS- litzer Gebiet, die mit 90 Prozent ihrer Erzeugnisse auf den Export angewiesen ist, hat durch die Kontingentierung der Einfuhr in Deutschland einen schweren Schlag erlitten. Deutschland gehört seit Jahrzehnten zum traditionellen Absatzgebiet der hiesigen Musikinstrumenten-Jndustri«. Das von Deutschland bewilligte Einfuhrkontingent beträgt nur«in Drittel der Ausfuhr von 1934, woraus hervorgeht, wie schwer die hiesige Industrie durch diese Einfuhrdrosselung getroffen ist. Durch diese Tatsache wird die an und für sich hohe Zahl der Arbeitslosen im hiesigen Gebiete weiter erhöht. Momentan sind die Kontingente für Deutschland erschöpft, so daß Devisenzuteilungen überhaupt nicht mehr erfolgen. Eine Folge dieser Erschwernisse ist«in rapider Rückgang unseres Exports nach Deutschland in den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres. Es ist dringend notwendig, daß im Verhandlungswege eine Erhöhung der deutschen Kontingente erzielt wird, damit die hiesige Musik- instrumenten-Jndustrie und ihre Arbeiterschaft nicht weiter in ihrer Existenz bedroht werden. Die Ausfuhr nach Deutschland von Musikinstrumenten ist eine Lebensfrage der hiesigen Spezialindustrie." Es muß den Bewohnern des ganzen Graslit- zer Gebietes eingehämmert werden, daß die neuerliche Verschärfung ihrer Lage durch die Maßnahmen der Hitlerregierung eingetreten ist, deren Gesinnungsgenossen Henlein und seine Parteifreunde sind. Henlein darf wohl die deutsche Hakenkreuzbewegung und ihre Methoden kopieren, aber einen Einfluß auf seine Lehrmeister zugunsten der hartgeprüften Arbeiterschaft hat er nicht. Deutsche Leute hör' ich wieder... Aus Anlaß der vor einigen Tagen in de« sozialdemokratischen Presse wiedergegebenen Meldung über Streik in den Wanderer-Werken in Chemnitz, die abzuleugnen sich sogar der deutsche Rundfunk bemüßigt sah, schreibt an unserer Bodenbacher Redocktion ein echter Nazi auS Chemnitz folgenden Erguß einer schönen Seele, die wir in unverändertem Wortlaut wiedergeben, weil diese Ausbrüche, wenn sie auch von einem halben Analphabeten herrühren, doch einen Einblick in die Geistesrichtung gewähren, die in Hitlerdeutschland von amtSwegen gezüchtet wird. Das aufschlußreiche Dokument lautet: An dm Bodenbacher„BelkSbote Cnte" Bodenbach, In der Zeitung, ja sogar im Rundfunk-Arten wir, daß ein« Bodenbacher Ent« über unser« Wandererwerke auSlüst, schad« daS du nicht«in DchöpS bist das würde ei» FeiertagSbraten gebe» weil dr» Enten jetzt nicht genießbar sind, und den ganz«» Tag in Dreck und Schlamm rum wühlen kann im Sommer kein guter bissen dran fei« und schmecke« scheußlich, steht ma« schon aus den Lügen was zur Ende ist; schade nur daß du nicht Adolf heißt denn da hättest du doch gewiss einem, klaren Kops, so Heist ihr aber Sesf di« haben ast« einst mit dem Topflappen erwischt, find dämlicher»IS unsere Säue. Wenn ihr Tschechen nur so eine Fabrick hättet wie Wanderer oh wie stolz könnt Ihr da sein de« mit Eueren Quarckouetschen könnt ihr ja nichts leisten daS steht man in ganzen Land ist Lumperei und wir acht Mann find alle bei Wanderer. Und wir find alle srah bekommen hübschen Zimmt gutes Jnbiläumst geschenk daS nur alles so kapt, und dabei lassen wir unser« Adolf Hittler Hoch Leben. Tieg Heil. A» s ch r i f t: An die Bodenbacher Tageszeitung „Ente-BolkSbote" i. Bodenbach Zschecho-Dlowakih. Die Flüsterpropaganda. Ein Leser schreibt uns:„Zu Ihren Ausfiihrungen über die doppelte Propaganda der Henleinleute— eine loyale und eine illoyale, Flüsterpropaganda— haben Sie auf eine sehr wichtige beweiskräftige Tatsache vergessen, nämlich: Frug man im Feber l. I. wo immer einen Henlein-Mann, was sie im Falle der Auflösung der Partei tun werden, so bekam man überall die Antworte„In diesem Falle geben wir bei den Parlamentswahlen leere Stimmzettel ab, das wird man in Genf hören und der Staat wird in S ch w i e r i g k e i« t e n kommen." Stellte man im April l. I. dieselbe Frage wo immer an einen Henlein-Mann, so lautet« die Antwort:„Die ausgegebene Parole lautet jetzt anders, wir wählen die Kommunisten, da» wird den Staat ins Wanken bringen"^ Daß solche genauen Parolen nicht auf schriftlichem Wege an die Henleinleute in ihrer Presse ausgegeben werden konnten, ist Kar. A«S dem Parlament. Das Präsidium de» Abgeordnetenhauses hält am Montag noch«ine letzte Sitzung ab. In der DienStagssizung wird nach der Konstituierung der beiden Kammern die Regierungserklärung verlesen werden, die der freüägige Ministerrat vorbereiten soll. Mit Rücksicht auf den Feiertag und auf den Partei» tag unserer Partei in Brünn sollen die beiden Kammern in der nächsten Woche dann nur noch am Mittwoch bis mittag tagen und der Rest der Woche dann sitzungsfrei sein. Nach dem„Cefli Slovo" ist es bereit» beschlossene Sache, daß di« Henleinpartei weder im Abgeordnetenhaus noch im Senat eine Vertretung im Präsidium erhält» Sekte 4 Freitag, 14. Juni 1935 Nr. 138 Entwurf über die Vierzigstundenwoche fertiggestellt Genf. Infolge der Mittwoch gefüllten Entscheidung des Internationalen Arbeitsamtes, der- zufolge ein allgemeines internationales Abkommen über die vierzigstündige Arbeitswoche bei Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Arbeiter angenommen werden soll, hat das Internationale Arbeitsamt den Entwurf eines internationalen Abkommens für den Fall ausgearbritet, daß die Arbeitskonferenz beschließen würde, das Abkommen während der gegenwärtigen Konferenztagung beschleunigt zu behandeln. Das Internationale Arbeitsamt hat außerdem einen Fragebogen für die Regierungen ausgearbeitet, der ihnen in dem Falle zugesandt würde, daß die Ar- beitskonfermz die Resolution über die vierzigstündige Arbeitswoche in zwei Lesungen behandeln würde. In dem Abkommenentwurf wird namentlich die Notwendigkeit der Beseitigung der Folgen der Wirtschaftskrise und insbesondere der Arbeitslosigkeit hervorgrhoben, auf die Slotwcndigkeit aufmerksam gemacht, der Arbeiterschaft eine größere Beteiligung an dem technischen Fortschritt zu ermöglichen und schließlich die Einführung der vierzigstündigen Arbeitswoche in allen wirtschaftlichen Nnternehmungszweigen verlangt, wobei für jeden Zweig der Abschluß eines besonderen Abkommens notwendig ist. Ein Rucksack voll Flugschriften 5 Jahre Kerker Wien.(Tsch. P.-B.) Das Wiener Schwurgericht vernrteilte den Fleischvrgehilfen H. Lei t- ner wegen Hochverrates zu fünf Jahren schweren Kerkers. Bei Leitner war rin Rucksack mit illegalen sozialdemokratischen Druckschriften gefunden worden. Seine beiden Mitangeklagten wurde» zu zwei Vzw. einem Monat Arrest verurteilt. Gestohlenes Gut wird versteigert... Wien.(Tsch. P.-B.) Das zerschossene Ar» Letterheim im XVI. Wiener Bezirk(Ottakring) wird am 8. August d. I. öffentlich versteigert werden. Vie Aufrüstung London. Das Luftfahrtministerium hat eine beträchtliche Anzahl neuer zweimotoriger Flugzeuge für die Küstenverteidigung in Auftrag gegeben. Es handelt sich um einen Tiefdecker mit einziehbarem Fahrgestell. Der Auftrag spielt, wie die„Times" melden, eine wichtige Rolle in dem englischen Rüstungsprogramm und zeugt von dem Beschlust des Luftfahrtministeriums,-di« Luftstreitkräfte der Küstenverteidigung durch einen neuen Flugzeugtyp zu verstärken, der lange Ucberwasserfahrten machen kann. London. Wie„Daily Telegraph" meldet, werden am kommenden Montag vier graste französische Bombenflugzeuge eintreffen, um den Besuch britischer Militärflugzeuge in Frankreich im vergangenen Jahre zu erwidern. Hohe Offiziere der französischen Luftflotte sollen im Zusammenhang damit nach Gvostbritannien kommen. Budapest. In dem Budapester Darort Ujpest sst ein Holzarbeiterstreck ausgebrochen, demzufolge Donnerstag bereits tausende Arbeiter die Arbeii niedergelegt haben. Die Streikbewegung will eine endgültig« Festlegung der Arbeitszeit und der Minimallöhne erreichen. Da die Aussichten für eine baldige Beilegung des Streikes gering sind, wird ein weiteres Anwachsen der Zahl der Streikenden befürchtet. Wien. In Wien-Sievering wurde von der Polizei ein nationalsozialistisches Propagandabüro ausgeforscht. In Verbindung damit wurden drei Personen verhaftet. Unter dem beschlagnahmten Material befindet sich sogar ein Plan, Ivie die nationalsozialistische Partei und die SA und die ES wieder ins Leben gerufen werden könnte. New Nork.(A. P.) Dio Aufhebung der Nira- Verordnungen hat eine riesige Streikwelle in Amerika im Gefolge. Besonders folgenschwer ist der Streik bei der Edison-Elektrizitätsgesellschaft in Ohio, durch den zahlreiche Industriebetriebe stillge- lcgt wurden. Vom Rundfunk empfehlenswertes»es den Programmen! Freitag Prag, SeNder L: 10.06: Deutsche Presie, 11:25: Schulfunk, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Aus Smetana- Opern, 16.30: Nachmittagskonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Speck: Soll ich mein Kind ein Handwerk lernen lassen? 18.30 Dr. Weist: Alois Jiraseks deutsche Lehrjahre, 18.50: Dr. Emst Franz«!: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 20.30: Uebertragung aus London: Konzert des Londoner Musikfestivals. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 14.30: Durfte aus Puccini-Opern, 14.50: Deutsche Presie. Brünn 13.40: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.40: Sportübersicht. 18: Dr. Reut- ter: Eine Tragödie im Sudan, 18.50: Leichte Musik, 20.10: Aus unseren Volksliedern.— Mährisch- Ostrau 20.30: Populäres Orchesterkonzert. Friedensjubel Buenos Aires. Nach dem Abschlust des Waffenstillstandes zwischen Bolivien und Paraguay ist eine neutrale Militärkommisiion zur Festlegung der Demarkationslinie im Gran Chaco-Gebiet eingesetzt worden. Nach Meldungen aus La Paz hat der Abschlust der Waffenruhe in ganz Bolivien große Freude ausgelöst. In den Kirchen werden überall groste Dankgottesdienste veranstaltet. Auch in Argentinien herrscht groste Befriedigung über die Einstellung der Feindseligkeiten. Der Donnerstag wurde für das ganze Land zu einem Feiertag erklärt. Auch ganz Paraguay steht, wie aus Asuncion gemeldet wird, unter dem Eindruck der Unterzeichnung des Abkommens über die Waffenruhe im Gran Chaco-Gebiet. Die Bevölkerung eilte bei Bekanntwerden der Nachricht in größter Erregung auf die Straßen und Plätze und gab ihrer Freude über das bedeutsame Ereignis jubelnd Ausdrück. Die Häuser tragen allenthalben reichen Flaggenschmuck. Dem Kongreß ging ein Antrag zu, den Oberbefehlshaber im Gran Chaco-Krieg, General Estigarribia, zum Marschall von Paraguay zu ernennen, die höchste militärische Ehrung, die das Land zu vergeben hat. Tausend neue Türme für Fallschirmabsprünge Die Organisationen der Gesellschaft„Osso- awiochim" werden im Laufe des Sommers über 1000 neue Türme für Fallschirmabsprünge bauen. Die Mehrzahl der Türme wird eine Höhe von 25 Metern haben. Alle Aeroklubs werden 60 Meter hohe Sprungtürme aus Metall bauen. Die russi- schen Absprungplätze auf den Sprungtürmcn sollen die Form von Flugzeugkabinen erhalten. Vorläufige Verlängerung der NZRA Whasington. Trotz einer elfstündigen ununterbrochenen Rede des Senators Hueylong, durch die die Senatscntscheidung über eine Verlängerung der NINA hinausgeschoben werden sollte, nahm der Senat am Donnerstag früh mit 41 gegen 13 Stimmen die vorläufige Verlängerung der NINA in beschränkter Form an. Stadt unter Wasser London. Nach einer Meldung auS Kapstadt, ist die Hauptstadt von Natal, Durban» als Folge beispielsloser Wolkenbrüche«nd Urber- schwemmungen völlig von der Außenwelt abgr- schnitten. Sämtliche Brrkehrsverbindungen, auch die von der Dee her, sind unterbrochen. Die Straßen nördlich«nd südlich der Stadt, sowie an der Küste entlang, sind gänzlich unpassierbar. Hunderte von Einwohnern haben ihre Wohnungen aufgrben müssen. Die Rcgrnfällr dauern zurzrit noch an und die Lage droht sich weiter zu ver- schlimmrn. Militärflieger abgestürzt Warschau. Auf den Feldern des Dorfes Ra- ciejowka bei Kielce, ist gestern während eines Uebungsfluges ein Militärflugzeug abgestürzt und wurde zertrümmert. Die Piloten, zwei Fliegerunteroffiziere, versuchten sich mit dem Fallschirm zu retten, doch gelang der Versuch wegen der zu geringen Höhe nicht. Einer der Flieger fand auf der Stelle den Tod, der zweite starb auf dem Wege ins Spital. Die Räuber Ajhorod. Die ganze vergangene Woche hindurch führten verstärkte Gendarmericabteilungen im Bezirke von Chust und Bolove eine Jagd nach dem Räuber Jlko Lcpej und seinen zwei Genossen durch, die alle drei gemeinsam eine ganze Reihe von Raubzügen unternommen hatten, Lepes, dem sich ein gewisser S l o v ä k angeschlossen hat, flüchtete auf die Polonina Borzava, wo er sich in undurchdringlichem Urwalddickicht versteckt hält. Die Bewohner der umliegenden Gebiete fürchten, das Versteck des Räubers zu verraten, da er zusammen mit seinen Genossen den Einwohnern Totschlag und Brandstiftung angedroht hatte. Ein Megaphon für Akrobatie-Flieger London. Bei der heurigen Jahresfeier dec britischen Militärluftfahrt, die am 29. Juni in Hendon stattfindet, soll ein neuartiger Versuch unternommen werden: Ein Pilot wird bei Absolvierung von Akrobatie-Fliigen mit Hilfe eines drahtlosen Megaphons seine Eindrücke während aller kritischen Phasen des Fluges schildern. Durch ein vor seinem Munde befestigtes Mikrophon wird der Flieger jeweils die einzelnen Teile seines Kunstflug-Programms ansagen und gleichzeitig mitteilen, welche Maßnahmen er in den einzelnen Fällen unternehmen wird, um seinen Apparat wieder in die normale Fluglage zu bringen. Aber der Krieg geht Wetter... Obwohl auf Grund des Abkommens die Feindseligkeiten bereits am Freitag mittags eingestellt werden müssen, geht der Krieg inzwischen im Gran-Chaco-Gebiete weiter. Die Paraguayaner hoffen, bis zum Inkrafttreten der Waffenruhe noch den Ort R a v e l l o besetzen zu können. Leb' Wohl, du schöner Tannenwald... Paris. In der Nähe von Besancon sind achtzig Hektar Tannenwaldes durch einen Wirbelsturm so gut wie vernichtet worden. Die meisten Bäume sind entwurzelt oder abgeknickt. Der Schaden geht in viele Millionen Francs. Bauer erschießt seine« Sah« Warschau. In einem Dorf bei Nieszawa erschoß ein polnischer Bauer seinen Sohn, da dieser sich weigerte, auf Befehl des Vaters sich von seiner erst vor zehn Tagen geheirateten Frau zu trennen, die dem Vater nicht gefiel. Die große Gefahr. Reichsinnenmimster Frick hat in Erfurt vor den politischen Leitern eine Rede gehalten, die eine deutliche Warnung an jene enthielt, denen es etwa einfallen sollte, in Zrckunft die„Revolution weiterzutreiben". Er wetterte gegen die„150prozentigen", d. h. gegen alle, die am Programm des Nationalsozialis- mus festhalten, gegen alle, die glauben, was ihnen einst versprochen wurde, gegen alle, die noch immer nicht begriffen haben, daß der Verrat ein endgültiger und daß der Traum vom nationalen Sozialismus ausgeträumt ist. Frick sagte: „Mancher Parteigenosse glaubt, daß es zu langsam gehe mit der nationalsozialistischen Revolution, daß das Tempo ein schnelleres sein müsse, daß radikalere Maßnahmen getroffen werden müßten. Deutsche Volksgenossen! Ich warne vor den 150prozentigen Nationalsozialisten. Nicht das Erheben möglichst radikaler Forderungen qualifiziert zu einem echten Nationalsozialisten. Ich behaupte, daß in diesen Leuten eine große Gefahr liegt. Sie sind wirkliche Saboteure der nationalsozialistischen Revolution." Frick hat recht:„in diesen Leuten liegt eine große Gefahr". Wehe, wenn sie erst ganz bcgrif- fen haben, was los ist! Internationale Konferenz der Bereinigten Telcgraphenagentnren. Am Sonntag, dem 16. Juni, wird in StrbsköPleso die VH. Internationale Konferenz der Vereinigten Telegraphenagenturen unter Beteiligung von 40 Delegierten 26 europäischer Nachrichtenagenturen eröffnet werden. Mittwoch traf in Prag bereits der Generaldirektor der Havas- Agentur Andrö Meynot, Präsident der Vereinigte« Tclegräphevagentilren,"ausParis ein^wenerfind in Prag der Direktor der dänischen Agentur Ritzau, der Delegierte der russischen Telegraphenagentur(Taß) Gelfandt und der Sekretär der Havas-Agentur Mine eingetroffen. Nach dem bisherigen Arbeitsprogramm wird die Konferenz der Vereinigten Telegraphenagenturen am Donnerstag, dem 20. d. M., ihre Beratungen unterbrechen und die Konferenzteilnehmer werden von Strbske Pleso in Autocars durch die Slowakei, Mähren und Ostböhmen nach Prag reisen, wo am Montag, dem 24. Juni, im Konferenzsaale trs Gebäudes des Tschechoslowakischen Pressebüros die Schlußsitzung staitfindet. Antwort an den Prinzen von Wales. Kaum war die eigenartige Rede des Prinzen von Wales an die britische Frontkämpfertagung veröffentlicht, da benutzte George LanSbuby, der Führer der Labour-Party, die nächste Gelegenheit zu einer tteffendcn Bemerkung. In aller konventionellen Höflichkeit, die der Führer der Opposition dem Kronprinzen schuldig zu sein durch die Tradition verpflichtet ist,„begrüßte" Lansbury die Anregung des Prinzen, eine Frontkämpferabordnung nach Deutschland zu entsenden. Dann fiigte er hinzu, er werde den Gewerkschaften Vorschlägen, an Hitler das Ersuchen zu richten, einer Abordnung der Trade-Unions Gelegenheit zu geben, die Lebensverhältnisse der deutschen Arbeiter im Dritten Reichzu studieren! Ausbau der chemischen Industrie. Der Ausbau der tschechoslowakischen chemischen Industrie geht weiter. So wird die Böhmische Glanzstoff- Fabrik, System Elberfeld, die ihren Sitz in Lobo- sitz hat und an der die Zivnobank führend beteiligt ist, auf ihrer demnächst stattfindenden Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals von 5 auf 20 Millionen Kronen beschließen. Diese Vervierfachung des Akttenkapitals soll den weiteren Ausbau des Unternehmens ermöglichen. Ist das der Dank deS Völkerbundes? In Straßburg ist es, wie französische Blätter melden, zu Unruhen einiger hundert Saaremigranten gekommen, die nun schon seit fünf Monaten darauf warten, aus ihrem„vorläufigen Unterkunftsort", einer alten Kaserne, herauszukommen. Das Schicksal dieser Tapferen, die für die Idee des Rechts und des Völlerüundes gekäinpst haben und die sich nun von ebendemselben Völkerbund schmählich im Stich gelassen sehen, ist erschütternd. Wenn man aus den französischen Meldungen erfährt, daß Männer und Frauen ge- trennt untergebracht sind, daß es den verheirateten Frauen vielfach verboten ist, ihre eigenen Männer aufzusuchen, so verdient dieser Skandal Menschen gegenüber, denen die Kulturwelt zu Dank und zu . intensivster Hilfeleistung verpflichtet ist, schärfste Anprangerung. Will man diese Freiheitskämpfer in die deutschen Konzentrationslager zurücktreiben?! Wenn es so etwas, wie ein Völkerbundsgewiffen gibt, so müßte es sich im Falle dieser Saaremigranten regen, die nicht aus dem Lande der Sklaverei gegangen sind, um in der Fremde als Menschen zweiter Klasse unfreiwillig kaserniert dahinzusiechen l Zusammenstoß in der Luft. Ueber dem Bu» karester Flugplatz sind während des Flugs zwei rumänische Militärflugzeuge zusammengestoßen und-abgestürzt. Die beiden Flugzeuge sind verbrannt. Ein Flugzeug fiel auf ein alleinstehendes Haus und steckte es in Brand. Zwei Flieger wurden sofort getötet, die zwei andere» versuchten sich mit dem Fallschirm zu retten, fanden aber ebenfalls den Tod.— Nach einer weiteren Meldung aus Sapporo(Kokkaido) stießen Donnerstag früh infolge Nebels zwei japanische Militär- flugzeuge zusammen. Beide Flugmaschinen fttirz- ten ab. Vier Insassen des einen Flugzeuges verunglückten tödlich. Die Insassen der anderen Maschine wurden teils schwer, teils leicht verwundet. Tod des neuen französischen Unterrichts- Ministers. Der französische Unterrichtsministec M a r c o m b e s ist Donnerstag plötzlich verstorben; er verschied in dem Augenblicke, als er den Raum betreten wollte, in welchem der M i nist e r r a t seine Sitzungen abhält. In Anbetracht des plötzlichen Ablebens des Unterrichtsministers wurde die Donnerstag-Sitzung des Ministerrates abgesagt.— Philippe Marcombes war 1877 geboren, Doftor der Medizin und wurde zum erstenmal« für die radikalsozialistische Partei im Aprfl 1928 im Bezirke Clermont-Ferrand zum Deputierten gewählt. Als Unterstaatssekretär gehörte er verschiedenen Minssterien an. Explosion auf einem Segclschiff^Auf dem zur Zeit in Belfastliegenden finnischenSegelschisf „Hetzogin Caecilie" explodierte ein Hilfsmotor. Zwei Besatzungsmitglieder wurde» getötet. Zwei Mann der Besatzung erlitten schwere Verletzungen. 70jährigcr von Kidnapp«« entführt. Poli- zei, Truppen und Zivilleute veranstalten eine intensive Suche nach den Entführern des Senor Antonio San Miguel, des zweitteichsten Mannes auf Kuba. Ein Lösegeld von 57.200 Pfund ist bereits gezahlt worden für seine Freilassung, die größte Summe, die jemals in Kuba dafür gezahlt wurde. Senor(San Miguel wurde schon einmal vor ungefähr einem Monat entführt und damals für einen verhältnismäßig geringen Betrag freigelassen. Simon Martija, ein Diener, der mit dem alten Herrn zusammen verschleppt worden war: kam mit einem Brief zurück, um das Lösegeld zu holen, das man ihm auch gab. Constantino Prieto, der Chauffeur» wurde ebenfalls gefangen genommen. Brand. Mittwoch nachmittags entstand bei der großen Hitze ein Brand in der Säge der Gemeinde Nizni Bystra im karpathorussischen Bezirke Chust. Di« ganz« Säge wurde in Asche gelegt, das Feuer griff auch auf das in der Nachbarschaft gelegen« Notariatsamt über, das gleichfalls ganz verbrannte. Das Inventar des Notariats, die Matri- ken sowie auch daS Archiv wurden gerettet. In der Nachbarschaft der Säg« verbrannten auch große Vorräte von Schnittholz. Spinale Kinderlähmung in LoS Angeles. DaS Kreiskrankenhaus von Los Angeles wurde in den Ouarantäne-Zustand versetzt, da innerhalb der Anstalt 24 Fälle van spinaler Kinderlähmung festgestellt worden sind. DaS Wetter. Im mitteleuropäischen^Sinnenlande ist neuerlich eine rasche Erwärmung im Gange. Bereits Donnerstag nachmittag stiegen die Temperaturen stellenweise wieder über 25 Grad. Der Himmel ist überall heiter, der Wind weht aus Südwest. Die Randstörungen des atlantischen Tiefdruckgebietes werden voraussichtlich noch keinen stärkeren Einfluß auf daß Wetter in unseren Gegenden erlangen, welches daher weiterhin günstig bleiben dürste. Es ist eine weitere Erwärmung dec Tagesstunden zu erwarten. Die nächste Rächt dürft« a llerdings namentlich im Nordosten des Staates noch ziemlich kühl sein.— Wahrscheinliches Wett^rvonheute: Weitere Erwärmung. Andauer des günstigen Weüercharakters. Rur im Nordwesten des Staates zeitwesse etwas stärkere Bewölkung.— Wetteraussichtan für Samstag: Sehr warm. Im Westen Republik strichweise Gewitterneigung, sonst Wetter ohne wesentliche Aenderuna. Nr. 138 Freilag, 14. Juni 1935 «Seite 5 Urteil im Berliner Rundfunkprozeß Berlin.(DNB) Im Rundfunkprozeß, der seit dem 5. November 1934 die sechste große Strafkammer des Berliner Landgerichtes beschäftigte, verkündete der Vorsitzende am Donnerstag das Urteil: Die Angeklagten Korte, Otto und Dr. Erwin Jaeger wurden freigesprochen. Der ehemalige Geschäftsführer der Neichsrundfunkgc- sellschaft, der 47jährige Angeklagte Dr. Kurt Magnus ist der aktienrechtlichen Untreue schuldig und wird zu einer Gesamtstrafe von f ü n f Mona t e n Gefängnis und zu Geldstrafen verurteilt. Tie Freiheits- und Geldstrafen gelten als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Im Falle Flesch (Frankfurt a. M.) wird das Verfahren wegen Verjährung eingestellt und der Angeklagte f r e i- gesprochen. Der 37jährige frühere Rundfunkintendant MUDr. Hans Flesch wurde in fünf Fällen der aktienrechtlichen Untreue sowie der Beihilfe zum Parteiverrat schuldig erkannt und zu einemIahr Gefängnis und in den Fällen der Untreue auch zu 3000, 500, 5000, 1000 und 1500 RM verurteilt. Die Untersuchungshaft wird mit elf Monaten aus die Freiheitsstrafe an- gerechnet. Der Angeklagte Dr. Felix Kohl, früherer Direktor der Mitteldeutschen Rundfunk-AG, ist der aktienrechtlichen Untreue in zwei Fällen schuldig und wird zu einer Gesamtstrafe von sieben Wochen Gefängnis und zu Geldstrafen von 2000 RM verurteilt, Diese Strafen güten als verbüßt. Im übrigen wird auch dieser Angeklagte freigesprochen. Der frühere Direktor der Schlesischen Funkstunde-AG Emil Z o r e k ist der aktienrechtlichen Untreue im Falle»Autofahrten Zorek" schuldig und wird zu sechs Wochen Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 2000 RM verurteilt. Di- Freiheitsstrafe gilt als verbüßt. Im übrigen wird auch er freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit auf Strafe erkannt ist, den verurteilten Angeklagten, soweit auf Freisprechung oder Einstellung des Verfahrens erkannt ist, der Staatskaffe zur Last. Der Angeklagte Bredow, Staatssekretär a. D. und früherer Reichsrund- funkkommiffär, ist der aktienrechllichen Untreue in vier Fällen sowie der Beihilfe zum Parteiverrat des früheren Rechtsanwaltes Dr. F-ey schuldig und wird zu einer Gesamtstrafe von sechs Mona t e n Gefängnis und in den Fällen der Untreue zu Geldstrafen von 500, 1500, 2500 und 800 RM verurteilt. Die FrecheitSstrafe und die Seldstrafen sind durch di« Untersuchungshaft verbüßt. Im übrigen wird auch dieser Angeklagte srrigefprochen. Deutschland verbannt Esperanto.... Der reichsdeutschen Presse entnehmen wir. daß der Reichs- und preußische Erziehungsminister an di- llnterrichtsverwaltungen der Länder folgenden Erlaß gerichtet hat:»Die Pflege künstlich geschaffener Welthilfssprachen wie der Ssperantosprache hat im nationalsozialistischen Staat keinen Raum. Fhr Gebrauch führt dazu, wesentliche Wert« völkischer Eigenart zu schwächen. Es ist daher von feder Förderung eines Unterrichts in solchen Sprachen abzusehen. UnterrichtSräume sind für diesen Zweck nicht zur Verfügung zu stellen"... I „Wie im Paradies!" Bon Joe Doe. ■ Gleich nach dem Frühstück in dem unansehnlichen Hotel„Etna Bella Vista", das etwas abseits im weniger romantischen Viertel von Taor« wina*) gelegen war, brach Martin Ogle auf» um die Besteigung des Eastel Mola anzutreten.'Als ihm der zuvorkommende Wirt sein Lunchpaket einhändigte, fragte er höflich:»Diesmal ohne die Frau Gemahlin bei uns, Mr. Ogle?" Ueber- wscht sah Ogle auf:',Z8ie denn, ich war ja noch viemalS bei Hchnen!"»Oh Pardon, daS scheint demnach ein Zufall," und schritt beflissen zu sei- »em Pult, wohin ihm Ogle interessiert folgt«: --Hier, bitte,„Mr. Marten Ogle mit Frau Gemahlin" steht eingetragen, 25. Februar 25l" „Marten Ogle. ich aber heiße Martin Ogle," Antwortete der Gast, indem er seine Brille dutzte. Ein goldiger Glanz lag auf der Landschaft, der Ogle's Augen, nur an daS Dämmerlicht eines Mglffchen FeberS gewöhnt, förmlich schmerzte Schritt für Schritt stieg er hinan, seiner unver- tkßlichen Mabel gedenkend, die ihm damals von der Pracht hier begeistert vorschwärmte. Wie selt- der Kies, der leuchtend weiß Eastel MolaS Bandstraße bedeckte... Endlich ermüdet, wählte er ein Plätzchen Mn Erdboden, dort, wor er weniger uneben war Mid lehnte gegen den Stamm eines blühenden 'Randeibaumes, sich ganz seiner wehmütigen Erinnerung überlassend. Hier war sie, trunken von dir Schönheit dieser Landschaft geschritten— wahrhaftig, Mabel hatt« nicht übertrieben I Wie A m dieser gottvollen Umgebung die Erinnerung «n sein totes Weib überwältigte! Sein Auge leuchtete sich. Diese Herrlichkeit des Jonian- 'Reeres, das vor ihm ausgebreitet lag! 25 Schat« Rrungen in Blau zählte er. Einige der Rüancen fteser türkisblauen Büschel waren von der Bläue Verlobungsringes, den er einst Mabel schenkt«, war ja auch Mabel, die ihm, von der Reise •) Hafenstadt auf Sizilien. Skatspiel auf Hitlerbraun. Eine Nürnberger Kartenfabrik hat ein neues Skatkartenspiel herausgebracht, das keine Könige und Buben, sondern„Stabschefs",.^reisleiter",„Gauleiter",„Truppenführer" und, statt der Buben „Hitlerjungen" führt. Die Skat-Königin figuriert als„Bund der Mädchen-Führerin". Die„Statthalter" gelten als Trümpfe und wer ausspielt, beginnt mit„Heil Hitler". Das Ganze ist so idiotisch gemacht, daß es drüben in gewissen Spie- tzerkreisen bestimmt reißenden Absatz finden wird! Ein seltsamer Unfall ist dem englischen Kanonenboot„Hastings" zugestoßen. Auf der Fahrt durch das Rote Meer wurde an Bord an einer K a tz e, die einigen Matrosen Bißwunden beigebracht hatte, Tollwut festgestellt. Aus diesem Grund versuchte der Kapitän auf schnellstem Wege Port zurückgekehrt, von diesem vielfälttgen Blau erzählte, damals, als sie Taormina streifte für ein paar Stunden— nachdem sie aus Malta von ihres Vaters Begräbnis zurückkam! Ach, wie begreiflich eigentlich, daß sie nicht anders konnte, als hier zu rasten in dieser Pracht, nachdem sie ihre zufällige Reisegesellschaft dazu«timierte! Wie hatte er ihr das nur vorwerfen können, und wie schämte er sich jetzt dieser Bitterkeit ihr gegenüber, aber freilich, es war ja auch kein gewöhnlicher Fall! Von der Hochzeitszeremonie weg zum Bahnhof, auf das Begräbnis ihres Vaters! Und er, der beruflich nicht abkam, nicht einmal als eben getrauter Ehemann, und sie allein fahren lassen mußte! Kein gewöhnlicher Fall, wahrhaftig. Er hatte auch Mühe, sich zu beherrschen! Er, in dem di« ganze Aufgeregtheit und Liebe eines 46 Jahre alten Mannes aufgespeichert lag, der seine erste Ehe einging, eine Liebe, die ihn fast verbrannte. Wie sagte er damals zu ihr, als sie bereits im Kupee saß und er zu ihr hinaufsah, mit würgenden Tränen im Halse?" Glücklich, Schatz?" Und sie, mit einem Keinen Lächeln um den schönen Mund, antwortete:„Wie im Paradies!" Dieses ,^vie im BaradieS", es wurde ihr geflügeltes Wort, ihre LieblingSantwort, ihre melodische Stimme, er hörte sie noch, hatte er im Ohr festgehalten. Wie er sich nach ihr sehnte! Immer brennender, mit jedem Tage! Nie stirbt Liebel Er beschattete seine Augen mit der Hand. U«ber- ließ sich seinen Träumereien... bis er ein wenig einschlummerte! Als er erwachte, schlenderten Gäste seines Hotels Bella Vista eben wieder zurück, zum Lunch. Er dachte nicht daran! War froh, hier allein mit seiner toten Frau Zwiesprache halten zu können! Er hatte sich angewöhnt, alles was er dacht«, vor sich hinzumurmeln, fühlte sich unentwegt zu Zweit... Endlich regte sich Hunger und er nahm sein Eßpaket hervor. Er lächelte! Wie reichlich und sorgfältig gewählt und zusammengestellt l Das wär« was für Mabel! Sie, mit ihrem erstaunlich jungen Appetit! Er lächelte. Und Mabel, mit ihrem kindlich festen Schlaf! Sie war ja ein Kind gewesen, die Arme! Selbst im Krankenhaus, auf ihrem Sterbelager, war ihre Appetttlosigkeit ihr größter Kummer gewesen! Wie blaß und schön sie dalag. Sudan zu erreichen, um die Mattosen der ärztlichen Pflege zu übergeben. 60 Meilen vor Poet Sudan lief das Kaüonenboot auf Grand.' Es mußte Donnerstag mittags von der Besatzung aufgegeben werden. Die gesamte Ausrüstung der»HasttngS" wurde am Donnerstag abends von einem Schwesterschiff des Kanonenbootes nach Port Sudan gebracht. Muni- tion und NahrungSmittelborräte sind bereits in der vergangenen Nacht geborgen worden. Die»Ha« süngs" war im Jahr« 1929 von Stapel gelassen ihre Wasserverdrängung bettug etwa 1000Tonnen. Direkte Schiffahrt Rußland—Rumänien. Nach einer amtlichen Meldung aus Moskau hat der rumänisch« Dampfer»Prinzessin Maria" Konstanza verlassen und sich nach Odessa begeben. Damit ist der direkte Schiffahrtsverkehr zwischen Rumänien und Sowjetrußland ausgenommen worden. damals! Ahnungslos, wie nahe der Tod! Und um nochmals ein Lächeln diesen Lippen zu entlocken, fragte er di« Frau:„Wie fühlt sich meine Mabel, besser?" Und sie antwortete. ,L8ie im Paradies!" und es war ihm gelungen, dieses letzte Lächeln zu sehen... Wie wundervoll geschickt sie ihm daS Heim führte! Nie gab eS eine Meinungsverschiedenheit — außer damals, nach der Rückkehr von Malta, als er ihr voller Bitterkeit vorwarf, sich hier aufgehalten zu haben, anstatt in seine Arme zu eilen. Wie war das doch damals ein Wirbel gewesen! Nicht mehr als 24 Stunden vor der Hochzeit, als sie von Vaters schwerer Erkrankung erfuhr, gleich darauf von seinem Tode, und sich in dieser kurzen Spanne Zeit einen Paß verschaffte, ein Billett nach Malta und— einen Gatten! Tränen rannen ihm die Backen herunter. Er griff nach dem Baedeker, wobei ihm ein alter Brief Mabels aus der Tasche fiel. Er griff danach. Kannte ihn auswendig, und ttug ihn dennoch immer bei sich. Ihr Brief, in Mabels seltsam gestochener Handschrift. ES war ja auch die besonde« Begabung Mabels, Schreibkunst, die sie zusammengefiihrt hatte. Sie erhiett in seiner Firma unter einer Menge Bewerbern den Posten. Seine Firma, die dauernd Leute beschäftigt«, die mit dieser alten Kunst vertraut waren. Ein son« derbar altmodischer Beruf für eine Frau heuttger Zeit! Zumindest bewies Mabel, ein« zu sein, die stillsitzen konnte! Selbst ihre Haushaltbücher waren in dieser erlesenen Form gehalten! Im Baedeker blätternd, fand er die Notiz:„Ganz anfangs von Eastel Mola liegt ein Keines Eafö, das vom Eigentümer, einem Mr. Blandano, geführt wird..." Eine Tasse Kaffee wird guttun nach dieser Tour," murmelte er zu sich selbst. Er überschaute die Stadt voller Mispelpracht noch ein letztes Mal, diese Stadt ehrwürdiger Ahnherren und voll kriegerischer Ereignisse... Ein kleines anspruchsloses Cafs. An einem — möglichst von den heißen Strahlen der Sonne enffernten marmornen Tischchen— ließ er sich nieder. Sofort schleppte der Wirt, jener Mr. Blandano, das Fremdenbuch herbei und bat, sich. Neue Verfolgungen in Italien Während der abessinische Krieg mit der zivilisatorischen Mission Italiens gegenüber dem barbarischen Aethiopien erklärt wird, hat der Unterdrückungsapparat der fascistischen Diktatur einen neuen Feldzug gegen den Antifascismus eingeleitet. Seit Herbst 1934 sind vor dem Ausnahmegericht in Rom über dreihundert Sozialisten wegen anttfascistischer Propaganda abgeurteilr und zu den üblichen schweren Kerkerstrafen verurteilt worden. Erst am 6. Mai wurde eine Gruppe von neunzehn Mann wögen„antiitalienischer Umtriebe" verurteilt. Der Hauptangeklagte Aristo P a p a z z i erhielt 20 Jahre, Camillo D o n d a 18 Jahre, drei weitere Beteiligte je sechzehn Fahre und die übrigen Kerkerstrafen zwischen zwei und sechs Jahren. Während die Prozesse vor dem Sondertribunal, nach dessen Muster im Dritten Reich das „Vollsgericht" errichtet wurde, in der Presse ganz kurz vermerkt werden, spielen sich vor dem ordentlichen Gericht in Neapel derzeit Massenprozesse gegen politische Verbannte ab, von denen Italien überhaupt nichts erfährt. 287 Verbannte von der Insel P o n z a, die gegen eine Berwal« tungSverfügung, welche ihre Bewegungsfreiheit entscheidend einschränkte, durch demonstrative Rückgabe ihres Verbanntenausweises protestiert hatten, werden schubweise wegen Disziplinbruch zu halbjährigen und längeren Gefängnisstrafen verurteilt. Noch sind die Ponza-Verbannten nicht alle abgeurteilt und schon traf in Neapel bereits ein weiterer Transport von der niüsten Felseninsel V e n t o t e n e ein. Auch hier hatten die Verbannten gegen die gleiche Verfügung protestiert, indem sie die Annahme des täglichen VerpflegungSgeldeS von fünf Lire verweigerten. Die Folgen waren die gleichen wie auf Ponza. Alle Verbannten wurden in Ketten gelegt und auf die übliche barbarische Weise- gefesselt auf Keinen Schiffen aufs Festland transportiert. Offenbar will der italienische. Fascismus der nördlichen Konkurrenz in der Verfolgung politisch Mißliebiger nicht nachstehen. Ueberalterten-Penslonen In Schweden Stockholm. Beide Kammern haben den Gesetzentwurf einmütig angenommen, durch den allen arbeitsunfähigen Ueberalterten eine JahreSpen- sion von 250 schwedischen Kronen(1500 Kd) gewährt wird. Diese Pensionen werden aus einem Fonds gezahlt werden, in den die Gemeinden, Bezirke und auch der Staat beitragen werden, der zu diesem Zwecke die Steuern auf Spirituosen, Kaffee und Tabak erhöhen wird. Reich rrrrd schSrr blühen auch Ihre Blumen, wenn Sie zu ihrer Pflegt Blumen-Zauberdung verwenden. 1 Paket Kd 5.60, durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag Xll., Fochova tt. 62, und bet allen Kolporteuren erhältlich. einzutragen.„Das erstemal, daß man mein Autogramm wünscht," sagte sich lächeln- Mr. Ogle, „wie ein Filmstar l" Ogle bestellte eine Tasse Kaffe«. Er schlug nachdenklich das Buch auf. Namen, die er nicht kannte, manchmal ein Vers, poetisch, zuweilen scherzhaft. Er blätterte zurück« las, unL. dachte dabei nach, was er selbst wohl hin-, kritzeln werde... da fiel sein Blick auf eine Schrift, die er wohlkannte— Mabels unverkennbar gestochene Buchstaben, und Mabels ihm geläufiger Lieblingssatz:„Wie im Paradies!"' Ohne Unterschrift, ihm allein verständlich, für ihn gleichsam allein bestimmt, wie ein Gruß von ihrll Sein Herz tat einen Sprung! Er drückte sein« Lippen auf die Worte, in großer Bewegung. Zog seinen Füllfederhalter au2 der Tasche und wollte eitt Wort, eine Antwort daruntersetzen, da..« Sein Kopf fiel schwer nach vorn, auf den Tisch. So fand ihn Mr. Blandino, als er den Kaffe« brachte. Als Mr. Ogle wieder zu sich kam, murmelte er zwischen den Zähnen:»Feigling, nicht einmal den Namen zu setzen!" zahlte« und ging..., Der intelligente Mr. Blandino beeilte sich« das Fremdenbuch nachzusehen, das, Seiten zurückgeschlagen, bis zum Jahr 25, vor ihm lag. Er konnte jedoch nichts erspähen, das die Auftegung und die halbe Ohnmacht des ftemden Gastes rechtfertigen und erklären hätte können. Denn er fand vor sich nur die belanglosen Worte:„Wie im Paradies!" Und darunter: Mr. und Mrs« M. Ogle, Logiergäste im Etna Bella Vista! 25. Februar 1925!" Sonst nichts! Das konnte einen Menschen doch fürwahr nicht in diesen erregten Zustand versetzen! T* Eine Woche darauf brachten die Londoner Blätter unter„Tagesnachrichten":„Mr. Marttn Ogle aus der Stteet Avenue Mußwell Hill, auf Urlaub in Taormina, Sizilien, wurde zerschmettert auf dem Zugsgeleis« aufgefunden. Er war seit zwei Tagen aus seinem Hotel als„vermißt" angezeigt gewesen. ES ist anzunehmen, daß infolge des heftigen Sturmes, der zu dieser Zett dort herrschte, er seinen Weg verlor und vom Wege abgekommen, irrtümlich auf dem Bahngeleise wetterwanderte..." Deutsch von Alice Steiner« Volkswlrtsdiait und Sozialpolitik Wirtschaftsabkommen mit Ungarn Das Ende des vertragslosen Zustandes Die Handelsbeziehungen der Tschechoflowa- kei mit Ungarn leiden seit fünf Jahren unter einem vertragslosen Zu st and. Die Folge davon ist, daß der gegenseitige Außenhandel dieser beiden Staaten eine größere Schrumpfung ausweist, als sie durch die Krise im gesamten Außenhandel festzustellen ist. Es betrug die wertmäßige Einfuhr auS Ungarn 1934 1933 1932 1980 Kd Kd Kd Kd 128 Mill. 167 Mill. 120 Mill. 929 Mill. Ausfuhr nach Ungarn 1934 1933 1932 1980 Kd Kd Kd Kd 154 Mill. 190 Mill. 202 Mill. 1004 Mill. Bon der Gesamteinfuhr der Tschechoflowakei kamen 1930 knapp 6 Prozent aus Ungarn, 1984 nur noch etwas mehr als 2 Prozent. Etwa in dem gleichen Verhältnis ist auch der Anteil Ungarns an der Ausfuhr der Tschechoslowakei zurückgegangen. Auch in den ersten vier Monaten des Jahres 1935 ist keine günstigere Entwicklung des tschechoslowa- kssch-ungarischen Außenhandels zu verzeichnen. Die wiederholt unternommenen Bemühungen, wieder zum Abschluß eines Handelsvertrages zu kommen, sind an den von beiden Staaten vertretenen gegensätzlichen Forderungen gescheitert. Ungarn muß gemäß seiner wirtschaftlichen Struktur Wert legen auf Zugeständnisse für die Aufnahme gewisser agrarischer Produkte, die aber von .der Tschcchvslüivakci infolge dc» enurefchlageuen- agrarpolitischen Kurses nicht gegeben werden konn- ; ten. Jetzt endlich konnten die vor einigen Monaten erneut aufgenommenen Verhandlungen wenigstens mit einem Teilerfolg abgeschlossen werden. Bon den beiden Wirtschaftsdelegationen ist ein Wirtschaftsabkommen paraphiert worden, des, sen Unterzeichnung durch die ungarische und tsche- choslowakische Regierung üevorsteht und daS bereits in den nächsten Tagen in Kraft treten wird. Es handelt sich auch bei dem neuen Wirtschaftsabkommen noch nicht um einen regelrechten Handelsvertrag, sondern nur um ein W a r e n a u s t a u sch- abkommen, um eine Vereinbarung über den Bäderverkehr und um die gegenseitige Gewährung der Meistbegünstigungsklausel. Eine Ausdehnung des gegenseitigen Handelsverkehrs bringt das Wirtschaftsabkommen zunächst nicht, da eS nur einen Rahmen von rund 80 Millionen Kronen bis Ende 1935 vorsieht. Davon entfallen 19 Millionen Kronen auf tsche- chofloivakisches Holz, für das Ungarn 23.000 Stück Schweine und Agrarprodukte liefert, 14 Millionen Kronen aus Kohle und Koks, für di« von der Tschechoslowakei Fette und Agrarprodukte bezogen werden. Für 21.5 Millionen Kronen werden Jndustrieerzeugnisse nach Ungarn geliefert werden, wofür Ungarn für 17.5 Millionen Kronen Industrie- und für vier Millionen Kronen Agrarprodukte austauscht. Es wird dahin gestrebt werden müssen, den Anteil der Erzeugnisse unserer Ausfuhrindustrien an dem mtt Ungarn vereinbarten Warenaustausch zu erhöhen. In dem durch daS Abkommen vorgesehenen Umfang werden Papier, Textilien, Glas, Zellulose, chemische Artikel und andere Jndustriepro- dukte auSgetauscht werden. Die Meistbegünstigungsklausel, die der Herstellung normaler Handelsbeziehungen sehr förderlich sein dürfte, gewährt-die gleichen Begünstigun- gen für ungarische Waren, die die Tschechoflowakei den aus anderen Ländern zur Einfuhr kommenden Waren zugesteht. Von den in Ungarn eingefrorenen Forderungen tschechoslowakischer Exporteure werden zunächst: 872-MilkivnM Kronen durch dlS Lieferung von Primeurs' beglichen. Die Vereinbarung über den Bäderverkehr ersttebt die Förderung und Regelung, des gegenseitigen GästeauStausches. Das ganze Wirtschaftsabkommen wird alle drei Monate überprüft und verbessert werden. Durch eine Erweiterung soll eine Intensivierung deS bisherigen Handelsverkehrs erreicht werden. Nach einem beinahe fünfjährigen vertragslosen Zustand mtt Ungarn ist das Abkommen ein neuer Anfang für die handelspolitische Zusammenarbeit! der beiden Staaten. Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 14. Juni 1935. Nr. 138 Sroger Rettung Große Betrugsaffäre Unterschlagung von 800.000 KL. Bor einigen Tagen wurde der Prokurist einer Prager Versicherungsanstalt, Vladislav Janda, verhaftet, da eine Kontrolle der Bücher in seiner Abteilung ergab, daß er im Laufe einiger Jahre bedeutende Beträge unterschlagen hat. Ursprünglich wurde der Schaden auf ungefähr 100.000 KL beziffert, doch kamen immer wieder neue Betrugsfälle heraus, so daß man jetzt die defraudierte Summe auf 800.000 KL schätzt. Jandq, der ein großes Einkommen bezog, sich jedoch in unglückliche Börsenspekulationen eingelassen hatte, bewog einen Kollegen, der mit ihm gemeinsam zeichnungsberechtigt war, ihm Anweisungen auf Geld zu unterschreiben. So gelang es ihm, lange Zeit unentdeckt zu bleiben. Als die Versicherungsanstalt erkannte, daß I a n d a den Schaden nicht ersetzen kann, erstattete sie die Strafanzeige gegen ihn und seinen Helfer, den Beamten Ludwig Holub. Dieser flüchtete rechtzeitig und trieb sich zwei Wochen lang in der Prager Umgebung herum. Als er keinen Ausweg mehr sah, beging er Selbstmord. Baccarat... Zur Zeit lauft in verschiedenen Prager Kinos eine Wochenschau, die u. a. zeigt, wie in Wien für das neue Badener Spielkasino Croupier- ausgebildet werden. Da ist eine Tafel, das Geld rollt darüber, es wird gescheffelt, verstreut und wieder gescheffelt, ganz wie im Leben. Bei einigen, wenigen... Der Zuschauer stellt dabei so seine Betrachtungen an. Er denkt an die demolierten Arbeiterwohnungen, an die ganze mühsam aufgebaute und zerstörte Kultur einer werktätigen Generation. Sonderbar: gerade jene, die den lieben Gott und die christliche Nächstenliebe, Milde und Wohltätigkeit unentwegt im Munde führen, wissen im Augenblick nichts Besseres zu tun, als die sogenannte»teufliche" Spielsucht mit all ihren demoralisierenden Erscheinungen und Auswirkungen zu unterstützen. Das Elend ringsumher, das sie selbst angerichtet haben, übersehen sie geflissentlich. Hängt das auch mit christlicher Duldsamkeit und Nächstenliebe zusammen? Jedenfalls mutz zugegeben werden: beim Barcarat läßt sich mehr verdienen.,, Deutsche Mittelschulen Prags. Einschreibungen und Aufnahmsprüfungen für das Schuljahr 1935/36: a) Staats-Realgymnasium in Prag IL, Stiipanffä 20; Staats-Realgymnasium in Prag III., Jborovskä 7; Mädchen-Reformreal- gymnasium in Prag 1l„ Charvatovä 5, und Staats-Realschule m Präg II., Mikuländskä 5! Am 22. und 24. Juni. Einschreibung Von 8 bis 10, Aufnahmsprüfung ab 10 Uhr. b) Staats- Lehrerbildungsanstalt in Prag HI., Karmelitska Nr. 11: In den ersten Jahrgang am 21. und 22. Juni, in die Bildungsanstalt für Haushaltungslehrerinnen am 24. und 25. Juni ab 8 Uhr früh. Hiebei sind Vorzulegenr Die Geburtsurkunde, das 'letzte Schulzeugnis des Schülers sowie ein Nachweis der Staatsbürgerschaft. Bei Vorhandensein besonderer Gründe ist die Aufnahme auch nach den Ferien möglich; die Anmeldung hat in diesem Falle bis 5. Juli 1935 zu erfolgen. Kollektivvertrag für Photographen. Zwischen dem Gremium der Photographen des Spren- gels der Prager Handelskammer und per Gehilfenschaft ist ein Kollektivvertrag abgeschlossen worden. Er umfaßt alle wichtigen Fragen des Arbeitsverhältnisses wie Arbeitszeit, Entlohnung, Kündigungsfristen, Urlaub usw. Der Vertrag ist im Sprengel der Prager Handelskammer allgemein verbindlich. Damit ist eine ganze Reihe von Streftigkeiten, die in verschiedenen Ateliers zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestanden, beseitigt. Der Kollektivvertrag wird in Zukunft auch ein« unlautere Konkurrenz sehr erschweren. Denn er wird zu einer anständigen Kalkulation der Preise zwingen. Nähere Auskünfte werden von der Sektion der Angestellten der photographischen Ateliers, Prag II„ Na Zboienci 18, erteilt. Firma, die Dirbsgut verkauft. Die Prager Polizeibirektion wurde schon vor einiger Zeit durch di« Gendarmeriestation in Königinhof a. E. verständigt, daß die dortige Firma Neumann Union Söhne Textilerzeugnisse unter dem Erzeugungspreis verkaufe, so daß es sich offensichtlich um Diebsgut handeln müsse. Es wurde sestgestellt, daß di« Firma das Gut von einem gewissen Franz Petrikeck, 47 Jahre alt, Kaufmann, derzeit Prag XII., Belgicka, erhalte; hierauf wurde bei diesem eine Haussuchung veranstaltet, di« 14 Ballen gestohlenen Stoff zutage förderte, Petiikek nannte als seinen Lieferanten einen 29jährigen Geschäftsreisenden Bohumil Horky, Prag I., Ziegengass«, der gestand, die Waren im Herbst vorigen Jahres bei der Firma Fröhlich und Aschetknann am Wenzelsplatz gestohlen zu haben. Er beziffert den Gesamtwert der gestohlenen Ware auf 45.000 Kö, während ihn di« Firma auf 150.000 KL schätzt. Eigene Sportzüge ins Riesmgebirgr werden bis 81. August jeden Samstag um 14.22 Uhr vom Prager Wilsonbahnhof abgesertigt werden. Die Rückfahrt erfolgt jeden Sonntag um 18.26 Uhr von Freiheit aus. Das Eisenbahnministerium hat für diese Sportzüge einen besonders ermäßigten Fahrpreis bewilligt, der für die Hin- und Rückfahrt einschließlich der Platzkarte 60 Kö beträgt. Die Züge können auch mit anderen gültigen Fahrkarten ohne Platzkarte benützt werden. Für die Rückfahrt gilt die ermäßigte Fahrkarte an dem Tage, an dem der Sportzug nach Prag zurückfährt, nur für diesen Zug. Am folgenden Tage(also gewöhnlich am Montag) kann man mit der ermäßigten Rückfahrkarte alle normalen Personenzüge benützen. Schnellzüge gegen Entrichtung des normalen Schnellzugszuschlages. Auf der Strecke Martini«—Rokytnice gelten die ermäßigten Karten nicht, sie berechtigen jedoch zum Kauf einer Fahrkarte zum halben Preise für die Anschlußzüge.— Eine Fahrtunterbrechung ist nicht zulässig. Der„bewaffnete Soldat" und das„wehrlose Mädchen" (Prager Divisiimsgericht.) Prag. Bor dem hiesigen Divisionsgericht hatte sich der Soldat des 29. Infanterieregimentes Josef P r s a l a aus B« r a u n. im Zivilberuf Schneider, wegen mehrfacher Delikte zu verantworten. Prsala bat es mit der militärischen Disziplin nicht eben genau genommen. Zweimal enffernte er sich eigenmächtig aus der Garnison. Das erstemal wurde er gleich zu Beginn des unerlaubten„Ausfluges" von der Bereitschaft angehalten, das zweitemal erst einige Tage später von der Gendarmerie aufgegriffen. Er hatte noch Glück, daß er nicht der Desertation angeklagt wurde, die nach dem Militärstrafgesetzbuch als Verbrechen mit schwerer Strafe bedroht ist,sondern bloß des Vergehens der eigenmächtigen Stationsentfernung. Zwischendurch überschritt er einmal. am 26. Jänner, ohne..Ueberzeit" zu haben, die Retraite. die vorgeschriebene Heimkehrstunde, was allerdings als bloße Disziplinarübertretung nicht viel zu bedeuten hatte. Aber Prsala war noch wegen einer weiteren Sache angeklagt, die viel schwerer in die Waagschale fiel. Prsala bemühte sich um die Gunst eines gewissen Mädchens, die aber nach einiger Zeit einem Befrei» ten Franz Lebl d«n Vorzug gab und ihrem alten Verehrer die kalte Schulter zeigt«. Der Abgewiesene war aber keineswegs bereit, dem glücklicheren Nebenbuhler zu weichen. Ganz im Gegenteil— er bestürmt« das Mädchen unaufhörlich, dem Gefreiten den Laufpaß zu geben und zu ihm zucückzukehren. Eines Tages kam es zu einer besonders stürmischen Auseinandersetzung. die damit endete, daß sich die Umworbene alle weiteren Annäherungsversuche Prsalas für ewige Zeiten verbot. Das brachte diesen aber furchtbar auf und er.schrie,.ihr ins Gesicht, ihm liege nichts an feinem Leben ünd er werde mit ihr sind dem Gffreiten Lebl blutig abrechnen.„Dich knall' ich u i« d« r undibnauchunddannbringe ich m i ch s e l b st u m..." Das Endergebnis dieser Episode war, daß Prsala neben den anderweifigen Delikten auch noch des Verbrechens der gefährlichen D r oh u n g angeklagt war. Nun zählen allerdings Drohungen solcher Art im Alltagsleben keineswegs zu Seltenheiten und wenn schon solche Angelegenheiten vor Gericht kommen, ist es dessen Aufgabe zu entscheiden. ob das Tatbestandsmerkmal der„begrunde t e n F u r ch t" des Bedrohten gegeben ist. Das Militärgericht unter Vorsitz des Oberstleutnants des Justizdienstes Sramek erkannte in diesem Falle dahin, daß die Drohung eines bewaffneten Soldaten gegenüber einem wehrlosen Mädchen zweifellos geeignet sei „begründete Furcht" zu erwecken. So wurde Prsala denn im Sinne der vom Prokurator Major D i t t- r i ch vertretenen Anllage schuldig erkannt und zu der empfindlichen Strafe von sechs Monaten Kerker verurteilt, verschärft durch Fasten, Dunkelarrest und Einzelhaft. rb. Iüurst und. Mssen. Der große Abend der Stagione „Traviata"(im Deutsch« Theater) Gestern war also der große.Abend. Erfüllung dessen, was man von einer so groß angekündigten Stagione erwarten durste. Bemerkenswert, daß sich das an der„Traviata" ereignete, an Verdis zartester. süßester, vielleicht süßlichster Oper, die, weil ihre Mewdien hunderttausende Male gebraucht und mißbraucht wurden, so gerne als nun schon lange unerträgliche.Leierkastenmusik" abgetan wird. Aber wie offenbaren sich die unsterblichen Schönheiten, wenn ihnen wahrhaft große Gesangskünstler dienen, wie neu erglänzt da so manche musikalische Perle; ja wie ergreifend wirst wieder di« schon totgeglaubte Handlung, wenn Persönlichkeiten sie ausfüllen l Bor allem gilt das von der Trägerin der Titelparfie. von Eide Norena. Nicht nur eine unvergeßlich berückende. goldgetönte Sopranstimme von fast einmaligem Seüenheitswert war da zu hören, sondern auch eine Gesangsmeisterin, die anscheinend alles kann, was Technik menschlichen Stimmbändern ab- rtngen kann und eine Darstellerin von geradezu religiöser Inbrunst; fiefster Gefühlsausdruck und höchste Gesangskönnerschaft noch im leichtesten Parlando, widergespiegeltes Leben noch im scheinbar wirklich- kcitrttefernsten Lauf glitzernder Koloraturen. Die Norena schafft in der Oper die andere, höhe« Sphäre, worin sie tatsächlich das Unnatürliche, daß Menschen ihre Gedanken singend mitteilen, zum Naturereignis zu werden scheint. Und mit der Norena Tito S ch i p a. der größte Künstler unter den klebenden Tenören, den jungen Germont vom ersten bis zum letzten Ton in edelste Singkultur kleidend, vorbildlich im Vortrag jeder Phrase, ungemein sympathisch auch als Darsteller. Und als dritter im Bunde MarianoStabile, auch er voll Noblesse, den Pater Germont dem Klischee entrückend, souverän auch in der Gesangslinie, wiewohl es ihr vielfach an Substanz und oben an Kraft gebricht. Ein ganz erlesener Abend, nicht zuletzt auch dank Votto. der das Orchester(mit prachtvoll klingenden Geigen) im Vorspiel zum lebten Ast, das hier durch offene Szene noch in seinem Stimmungsgehalt unterstrichen wird, zu einem wundervollen Höhepunkt führt. Verdienstvoll auch der Chor, in den steinen Partien unsere Damen Wanka und Rayn, die Herren Andersen, Libal, Fuchs und Hey. An diesem Abend gab es endlich auch das, was man bei solchen Gelegenheiten Begeisterung in südländischen Formen zu nennen pflegt. Triumph italienischer Musst und Gesangskunst. Triumph hinweg über den Fascismus, der kein Test an ihr hat. Sie lebt unvergänglich, nicht weil, sondern obwohl der Fascismus sich in ihr zur Schau stellen will. Sie wird ihn überleben. Man darf über den bezaubernden Sfimmen und den süßen Geigen nicht die KriegS- drommeten vergessen, die man von Abessinien her auch in Prag hört, über den Scalabesuch hinweg. Aber Verdi wird sein, wenn von dem andern kein Hauch mehr übrig ist, L. G. Morgen Abschiedsvorstellung der italienischen Stagione mit„Manin" von Massenet. Titelparfie. Mafalda Favero; des Grieux—Tito Schipa; LeS- caut—Leo Ficcioli. Dirigent: Maestro Votto. An diesem Abend gelten Karten mit dem Aufdruck„11. Juni 1935". Preis«: 8 bis 80 Kö. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Freitag halb 8 Uhr:„Geburtstag", DI.— Samstag halb 8:„M a n o n", italien. Stagione VI. Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleine« Bühne. Heute Freitag 8*4 Uhr:„Regen und Wind", Kul- turverbandsfreurtde und fteier Berkaus.— Samstag 8 Uhr:„Schnittling auf allen Suppen". Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde** Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. §port-8piet-Xörperpfkego Schweizer Parlament gegen Berliner Olympiade 82:57 Die Olympischen Spiele, welche im Jahre 1936 in Berlin veranstallet werden, genießen nicht da? uneingeschränkte Vertrau«» der Wcklt und schon gar nicht des Schweizer Volker. Die Enffendung einer Expedition Schweizer Sportler und Turner zu dieser Olympiade kann nur durch Unterstützung der Staatskasse erfolgen. Von den XI. Olympischen Spielen liegen noch rund 86.000 Franken in der Staatskasse, welchen Betrag das Schweizerische Olympische Komitee zu obigem Zweck beansprucht«. Große Beachtung fand aber die Mitteilung im Bun- desrat. daß di« Olympischen Spiele in Deuffchland unter dem heutigen Regime nur eine Propaganda für die hakensteuzlerische Ideologie und dem preußische» Mflitarismus sind. Und aus dieser Erwägung heraus beschloß der Bundesrat mit 82:57 Stimmen die Nichtbewilligung von Staatsgeldern zur Entsendung einer Expedifion nach Berlin und Garmisch-Partenkirchen. Diese Entscheidung des schweizerischen Parlaments fand bei der Bevölkerung große Befriedigung und Zustimmung. Bundestag der norwegischen Arbeitersportler 888 Bertteter aus allen Teilen der Landes waren in Oslo zusammengekommen, um für die weitere Entwicklung der norwegischen AJF wichtige Beschlüsse zu fassen. Seit dem letzten Bundestag im Jahre 1931 ist die Mitgliederzahl von 13.000 bis über 5 0.0 0 0 im Jahre 1935 gestiegen. Die Zahl der Vereine ist von 170 auf 608 angewachsen. Der Kongreß sprach sich für eine Zusammenarbeit mit allen Arbeitersportverbänden auS. In der verflossenen Periode gab«S sportliche Zusammenarbeit mit Belgien, Schweden, Frankreich, der Tschechoflowakei, Ungarn und Sowjetrußland. Gegen die Berliner Olympiade wird eine umgehend« Gegenpropaganda geführt werde«. lieber di« Frag« der internafionalen Einheit wurde ausgiebig diskutiert und es der SASJ anheimgestellt, die notwendigen Schritt« durchzuführen. Mit Ansprachen sämtlicher ausländischen Gäste wurde die Tagung mit dem Gesang der„Internationale" geschloffen. Die SASJ wur durch Arvi Heis- kanen(Finnland) vertreten. Vorsitzender des norwegischen Arbeitersportverbandes ist wiederum Trygve Lie. Zehntausend demonstrieren für den Arbeitersport In Oslo fand unter starker Anteilnahme der Bevölkerung der alljährliche Propagandatag der norwegischen Arbeitersportler statt. 10.000 Arbeitersportler demonstrierten unter mustergültiger Disziplin durch di« Straßen von Oslo zum Sportplatz Dalerengen. Auf dem Sportplätze wurden Europas happy end Nach der„Daily Mail" hat ein Chemiker, der in den englischen Kolonien lebt, ein tödlich wirkendes Lachgas erfunden. Das neue Gift, ich sag' es unumwunden. Erfand ein wirklich fortschrittsfroher Geist—, Vielleicht, so denkt er, werden wir gesunden. Wenn man ins Massengrab mit Lächeln reist—I • Wir lebten—, aber hatten nichts zu lachen. Die Welt versank in Not und— Ueberfluß,. Und in der Krise gierig offnem Rachen Erstickten Freude, Menschsein und Genuß. Es ist die Zeit der technischen Barbaren, Doch selbst die Barbarei naht mit Comfort, Was gestern Gelb- und Blaukreuzgase waren Dringt heute als Gelächter an das Ohr—, Der nächste Krieg eröffnet Perspekfiven, Bor deren Heiterkeit dem Letzten graut, ES find die Geister, di« wir selber riefen\ Und die so manches Giftgas schon gebraut,,, Nie konnten wir uns schlimmer parodieren—: Ein Leben, das nur Leid und Tränen kennt. Und doch als Abschluß fröhlichstes Krepieren—I Kurzum: ein unser würd'ges happy endl Ernst Dittmar. unter starkem Beffall der Zuschauermaffen gymnastische Hebungen der Männer und Frauen gezeigt. In einer kurzen Rede überbrachte Staatsminister Nygardsvold den Arbeitersportlern Norwegens die Grüße der Arbciterregierung. Gewaltiges Interesse fand auch die Ostkanist a f e t t«. Es ist dies die g r ö ß t e Stafette, welche jemals in Skandinavien durchgeführt wurde. An diesem Laufe beteiligten sich 149 Mannschaften mit insgesamt 1788 Läufern. Die im vorigen Jahre siegreiche Mannschaft des Sportklubs Rollo mußte sich in diesem Jahre mit dem zweiten Platz begnii- gen und den ersten Platz an die Mannschaft des Sportklubs Braye abgeben. Der Lauf, dessen Streck« zirka 11.800 Meter lang ist, war eine ausgezeichnete Propaganda für den Arbeitersport. Borftrrnerdmen der DTJ in Finnland. Sechs Vorturnerinnen des DTJ-Verbandes nehmen derzeit an mehrwöchentlichen ldirsen in der Frauenturn- schüle in Finnland teil. Diese Art der gegenseitigen Besuche wird gewiß die technische Entwicklung des Frauenturnens fördere Der Mm- Spate Liebe Im Vergleich zu der Mehrzahl der tschechische« Filme ist dieser annehmbar zu nennen. Die sentimentale Handlung, die einem offenbar erfolgreiche« Roman von Karel Klostermann entnommen ist, kann uns zwar nicht fesseln, aber sie bleibt wenigstens in den Grenzen des Möglichen, wenn sie vom Mißgeschick eines älteren Mannes erzählt, der ein jungeS Mädchen liebt. Die Regie, die Väclav K u b ä s e k führte, ist weder originell noch sonstwie hervorragend, aber sie meidet den groben Kiffch und ist unr realistische Wirkungen bemüht. Bei der Besetzung der Haupttollen hat fie den Versuch gemacht, neu« Leute an sichtbarer Stelle zu erproben: die ehrgeizig spielende Anfängerin Blanko W a l e s k ä, der für eine größere Ausgabe freilich noch die künstlerisch« Reife fehlt, und den durch Unaufdringlichkeit angenehm wirkenden I. W. Specrger.—eis—, Mitteilungen ans dem Publikum. Wie„neugeboren" fühlt man sich nach einer leichten Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein- Regelmäßige Massagen mit Alpa machen den Körper widerstandsfähig, erftischen bei Ermüdung, reinigen die Hautoberfläche und regen den Blutkreislauf an. Urania-Kino, Kllmentska 4. Fernsprecher 61623. Ab 3nttM. Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt Harrp Piel in der Hauptrolle. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab........ 1935 das täglich erscheinende Zenttalorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbefterpartet „GoMoiaemofrar Verwaltung Prag Xll., Fochova tf. 62, zum Presse von 16 Kä monatlich, und sende diese« Bettag nach Erhall des Erlagscheine- ein. Name; Genaue Adresse: ee,,,,,,,,« Letzte Post:..».W.D,,,,,. Unterschrift:......... 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