»*• Dienstag, 18. Juni 1935 Nr. 141 15. Jahrgang -LEHTKALOESAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK EBii.Ipral. 70 H.Hn («inichli.Blich S H.ll.t Jortpj ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag zu., fochova«l Telefon bsotz. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICH« REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Malypetr über Henlein Der Ministerpräsident rechnet mit dem Zerfall der SHF Paris,(Asch, P. B.)„Petit Parisien" veröffentlicht an der Spitze feiner Ausgabe vom 17. Juni eine Unterredung seines Prager Sonderberichterstatters Louis Roubaud mit dem Vorsitzenden der Regierung Malypetr. Zu beginn der Unterredung erklärte der Vorsitzende der Regierung, daß die durch die letzten Wahlen in der Tschechoslowakei geschaffene Lage weder ernst noch ungewöhnlich sei. Seit mehr als 1000 Jahren, fuhr der Ministerpräsident fort, da wir mit den Deutschen in Berührung leben, haben wir zu wiederholten Malen Reibungen und Meinungsverschiedenheiten gehabt, wie es bei zwei Familien, die dasselbe Haus bewohnen, vorkommen kann. Es sind dies bei zwei Raffen, bte. nebeneinander leben, natürliche Zwischenfälle. Der letzte hatte übrigens einen Präzedenzfall. Schon im Jahre 1920 hatten alle deutschen Parteien(?) gegen den tschechoslowakischen Staat eine Koalition gebildet, die ungefähr 68 oder 69 Abgeordnete umfaßte. Seither hatten die Deutschen im Rahmen des freien Spiels der politischen Einrichtungen ihre normale Mtion wieder ausgenommen. Sie waren wieder in politische Parteien geteilt, wie die anderen Nationalitäten des Staates und hatten je nach ihrer Einstellung in -er Mehrheit oder in der Qpposiion Platz genommen. Die Deutschen der Mehrheit hatten ihre Vertreter sn der Regierung. Heute haben wir es mit einem neuen Kartell zu tun, das durch zwei Arten von Umständen hervorgerufen worden ist, durch materielle und durch moralische. Materielle: Die Weltkrise hat auch die Tschechoslowakei nicht verschont; sie hat sich schärfer fühlbar gemacht in der Industrie, also vor allem in den industrielle» Gegenden, wo gerade die deutsche Bevölkerung konzentriert ist. Die durch diese! Peinliche Lage hervorgerufene allgemeine Unzufriedenheit mußte in irgend einer Protestbewegung ihre« Ausdruck finde«. , Moralische: Hitler hat in allen Gebieten, wo eine Bevölkerung deutscher Raffe oder Sprache wohnt, eine Art Psychose ausgelöst; darauf geht der Block der Sudetendeutschen Partei bei den letzten Wahlen zurück. Die Union gewisser deutscher Parteien in unserem neuen Parlament 4ft nur einer der Aspekte der allgemeinen natio- nalsozialistischn Bewegung in Europa. Es hat sich also, fuhr Ministerpräsident Malypetr fort, nichts Ungewöhnliches und auch nichts Ernstes ereignet, denn morgen wird die Sudetendeutsche Partei in der Kammer eine Position einnehmen und an den parlamentarischen Arbeiten teilnehmen müssen. Nach der ideologischen Periode wird sie in den reellen Rahmen eintreten müssend Dann aber wird es ihr, wenn allerhand praktische Fragen sozialer, finanzieller, landwirtschaftlicher, industrieller und ähnlicher Natur auftauchen, vielleicht schwierig sein, gegenüber den Tatsachen ihren ur- sprünglichen Zusammenhalt der mystischen Periode zu bewahren. Die Verschiedenheit der Meinungen, der doktrinären Anschauungen und der sozialen Klassen, aus denen dieses Wahlkartell zusammengesetzt ist, wird unweigerlich zum Vorschein kommen. Wenn die Sudctendeutsche Partei sich nicht auf eine ryin negative Opposition festlegen will, wird sie zu jedem Problem ihre Lösung Vorschlägen müssen. Bei dieser Prüfung aber könnten die verschiedenen sozialen und politischen Tendenzen» um die es sich handelt, die Sudetendeutsche Partei sehr leicht spalten. Wenn diese Partei tatsächlich an den parlamentarischen Arbeiten teilnimmt, so werden ihre heterogenen Elemente keine gemeinsame Aktion ausüben können. Wenn sie aber an den parlamentarischen Arbeiten gar nicht teilnimmt» wird sie überhaupt keine Tätigkeit entfalten. . Unter Bezugnahme auf die zwei Arten von Umständen, die die Bewegung Henleins hervorgerufen oder erleichtert haben, kann man feststellen, daß keineswegs alle Wähler des Wahl- blocks Anhänger der nationalsozialistischen Mystik sind. Viele unter ihnen haben aus Opportunität oder Unzufriedenheit gegen die früheren Abgeordneten gestimmt, denen sie vorwerfen, daß sie die Wirtschaftskrise nicht vorausgesehen oder verhindert hätten. Wenn man die Sudetendeutsche Partei dermaßen auf ein vernünftiges Ausmaß zurückführt, so hat sie, selbst wenn sie. zusammenhängend wäre, doch nicht jenen Umfang, den eine schlecht unterrichtete Oeffentlichkeit im Auslande ihr manchmal beigemeffen hat. Der Ministerpräsident schloß: Was uns, die Verantwortlichen, die Vertreter in der stabilen Mehrheit dieses Landes, anbelangt, so sind wir nicht der Ansicht, daß das Auftauchen einer neuen Partei, welche immer es sein mag, etwas in unserer liberalen Haltung gegenüber der legalen Opposition ändern kann. In dieser demokratischen Republik können sich alle Meinungen frei ausdrücken. Wir bewahren die Freiheit für alle. Die Arbeiter-Zeitung schreibt: Am Vorabend des 1. Mai ist die SicherheitS- wachüubc«.Wie« XX., Salzachstrahe Nr. 2ö, jp die Last zrsprengt worden. Unter dem Verdacht, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein, wurde der arbeitslose Schloffergehilfe Franz Szydzina verhaftet. Die Polizei selbst kann nicht behaupten, daß eS ihr gelungen sei, Szydzina der Teilnahme an dem Attentat zu überführen. Sie behauptet nur, Szydzina hab« zugestanden,„einer sozioldemokra- tislhen Terror«ruppe als Mitglied angehört und de» Versuch gemacht zu haben, sich Sprengmittel für dir Wiederaufrüstung des Schutzbundes zu beschaffen. Dir Polizei erzählt nun, Szydzina habe sich am 8. d. M. in seiner Aelle zu erhängen versucht, sei aber rechtzeitig abgeschnitten und auf die Unfallstation gebracht worden. Von dort habe er auf dir Psychiatrisch« Klinik gebracht werden muss«« und dort sei er am 10. d. M. an Vronchopneumonie gestorben. Dies« ganze Darstellung ist völlig unglaubwürdig. Bronchopneumonie ist ein« Lungenentzündung, die von infektiösen Affrktionen der Bronchien ausgeht. Welch sonderbare Anfall, daß ein Häftling, der sich am 8. d. M. zu erhängen versucht und am 9. d. M. in solchem Geisteszustand« ist, daß er in eine psychiatrische Klinik gebracht werden muß, am folgende« Tage an einer Infektionskrankheit stirbt! Tie Polizei lügt zu plump. Es ist ein« Lüge, daß Szydzina gestanden habe, einer sozialdemokratischen Terrorgruppe" angehört z« haben. Denn solche Gruppen gibt eS nicht. ES ist erst recht eine Lüge» was die Polizei über die Ursache d«S Todes dieses Arbeiter- erzählt. Diese Lügen der Polizei zeigen nur ihr schlechtes Gewissen. Tie Wahrheit ist: Szydzina ist von der Polizei kn der furchtbarsten Weise mißhandelt worden. Die Mißhandlungen waren so arg, daß Szydzina infolge der Mißhandlungen geisteskrank geworden ist; deshalb mußte er in die psychiatrische Klinik gebracht werden. Bei den Mißhandlungen sind Szydzinas Rippen zerbrochen worden; am Tag« nach der Einlieferung in die Klinik ist er an den Folgen dieser Mißhandlungen gestorben. Tie Poli- zeibrstien des christlichen Staates habe« den unglücklichen Mann zu Tod« geprügelt. Die betrogenen schreien auf Paris. Der„Matin" meldet aus Straß« bürg: Seit der Rückkehr des Saargcbictes zum Deutschen Reiche Hat sich die Zahl der A r b ei ts- losen in keiner Weise verringert 2000 saarländische Arbeitslose haben schon den Weg nach Ostpreußen nehmen müffey, wo sie beim Straßenbau sowie"bei Arbeiten für die Landesverteidigung^ beschäftigt werden. Nunmehr kündigt man auch an, daß weitere 400 Arbeiter nach Würzburg und Umgebung abtransportiert werden. Vor einigen Tagen mußte die Gestapo in Es wäre uns möglich gewesen, das Wahlkartelle Henleins, das in manchen Punkten am Rande der Verfassung zu stehen scheint, nicht zu gestatten. Dies haben wir nicht gewollt. Es handelt sich keineswegs um eine tollkühne Großzügigkeit. Wir fürchten nichts, da wir nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch die Macht für uns haben. Wir sind das Recht-, das Gesetz und die Zahl. Wir haben das Vertrauen zur Wahrheit, weil nach dem Wahlsprnch unseres verehrten Präsidenten Masaryk„die Wahrheit immer siegt". Zu MalhpetrS Ausführungen muß bemerkt werden, daß dem Ministerpräsidenten in seiner historischen Reminiszenz ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Irrtum unterlaufen ist. Im Jahre 1920 haben sich keineswegs alle deutschen Abgeordneten zu einem Block zusammengeschlossen, sondern nur die 41 bürgerlichen Vertreter. Die 31 Sozialdemokraten haben weder damals, noch sonst jemals ein Kartell, eine Klubgcmeinschaft oder einen Block mit den Vorläufern Henleins gebildet. Soweit das Blatt unserer österreichischen Genossen. Wir erhalten zu dem Fäll eine, aus o ffzzsel lr.r Quelle stammende, auf das Protokoll der Behörden gestützte Anformation, aus der folgendes Hervorgeht: Nach dem ersten Verhör versuchte Szydzina angeblich Selbstmord zu verüben, indem er sich mit-einem Draht die Pulsadern an den Händen aufzureißen versuchte. Nach dem zweiten Verhör versuchte er sich wieder zu töten, indem er einen Streifen aus seinem Hemde riß und sich daran aufhin. Darauf wurde er ambulatorisch von der Unfallstation behandelt. Er wurde in dem Zustand, in dem er sich nach zwei Selbstmord v e r s u ch e n und den„Verhören", die sie veranlaßt hatten, neuerlich verhört und vermutlich geschlagen und gefoltert. Nun unternahm er einen dritten Versuch, seine Qual zu enden, indem er sich an seinen Strümpfen zu erhängen versuchte. Darnach begossen ihn die Polizisten mit kaltem Wasser und durch diesen Guß bekam er die Bronchienentzündung. Man schickte ihn aber auf die Irrenabteilung! Dazu kam folgendes: Szydzina war schwer zuckerkrank und sollte mit Insulin behandelt werden. Das Insulin entzog man ihm in der Haft. Das und die für einen Zuckerkranken natürlich ganz ungeeignete Gefangenenkost schwächten ihn so sehr, daß er den Marterln und der darauf folgenden Lungenentzündung erlag. Eine gerichtliche Obduktion. wurde. vom Staatsanwalt abgelehnt. Zu der Kremation wurden die Angehörigen ch es Toten nicht zugelassen. Die Bestialitäten der Wiener Polizei regen selbst Menschen in amtlicher Funktion des christ- liöben Staates so auf, daß sie es für ihre Pflicht halten, der Oeffentlichkeit Kunde von den Mordpraktiken zu geben. Die katholischen und jüdischen Preß- und Kulturschlieferln des Starhemberg aber werden auch nach diesem Fall nicht aufhören, die europäische Mission des österreichischen Fascismus im Kampf gegen den deutschen zu preisen! einer Straße der großen Jndustriesiedlung Bürbach fcststcllen, daß man fast überall an den .Häusern Schilder befestigt hatte, auf denen H i t- l e r aufgefordert wird, der S a a r b e v ö l k,x- rung das zu geben, was ihr vor der Volksabstimmung versprochen worden war. Auf mehreren dieser Schilder konnte man folgende Inschrift lesen:„Heute mit Goebbels und Göring, fehlt'- Geld sogar auf einen Hering!" Die Gestapo bat sich bisher vergeblich bemüht, die Urheber dies:r Kundgebungen zu entdecken und festzunchmen. Das Parlament tritt zusammen Heute versammeln sich beide Kammern der Nationalversammlung zu ihrer konstituierenden Sitzung. Rascher als sonst in der Tschechoslowakei sind diesmal die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen worden, haben sich die Mehrheitsparteien zur Regierungsbildung zusammengefunden und über die ersten Maßnahmen der Regierung geeinigt. Wir dürfen das als Anzeichen dafür werten, daß die Mehrheitsparteien den Ernst der Stunde erkennen, die Größe ihrer Aufgabe erfassen und entschlossen sind, durch rasches Handeln den Notwendigkeiten der Zeit gerecht zu werden. Vor der Wahl haben die Koalitionsparteien beschlossen, auch nach der Wahl ihre Zusammenarbeit fortzusetzen. Aber durch die Regierungsbildung ist nur der erste Schritt zur Durchführung dieses Beschlusses getan worden. Die Mehrheitsparteien sind alle ohne Unterschied mit der Parole: Arbeitsbeschaffung in die Wahlen gegangen. Arbeitsbeschaffung muß daher auch der Leitgedanke aller Wirtschasts- und sozialpolitischen Maßnahmen der neuen Regierung sein. Wenn das neugewählte Parlament als eine seiner ersten legislatorischen Verfügungen die Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes beschließen wird, io auch dies in der Absicht, die Verwirklichung wirtschaftsbelebender Vorkehrungen zu beschleunigen. Was die Sozialdemokratie vom neuen Parlament zu allererst erwartet, ist oft genug dargelegt worden: die Verkürzung der Arbeitszeit, die Belebung der Investitionstätigkeit, die obligatorische Arbeitsvermittlung. Nicht minder macht der Exportcharakter unserer wichtigsten Industrien weitere Anstrengungen auf handelspolitischem Gebiete notwendig. Alle diese Maßnahmen erfordern aber Eingriffe in das privatwirtschastliche Getriebe; die Wirksamkeit des neuen Parlamentes wird, wenn sie erfolgreich sein soll, eine Wirksamkeit zur Ueberwindung des kapitalistischen Wirtschaftschaos sein müssen. Wirtschaftliche Hilfe und sozialer Schutz: daist heute auch das entscheidende s u d e t e nde u t s ch e Problem. Die Sozialdemokratie kömmt zu dieser Erkenntnis keineswegs erst nach der Wahl oder gar auf Grund des Wahlergebnisses: ihre ganze Arbeit der letzten Jahre war von dieser Erkenntnis getragen. Wenn sie sich'" zur Weiterarbeit in der Mehrheit entschlossen hat, so vor allem in der Ueberzeugung, daß es noch nicht zu spät ist, den von der Arbeitslosigkeit am härtesten betroffenen Gebieten die notwendige Hilfe zu bringen. Sie muß freilich begleitet sein von energischen Schritten gegen den umsichgreifendcn Fabrikantenterror und gegen die fascistischen Umtriebe, soll die verantwortungsbewußte Arbeit der Demokratie nicht von verantwortungslosen Demagogen zunichte gemacht werden. Wenn sich die Mehrheit zu positiver und schöpferischer Arbeit zusammenfindet, dann braucht ihr vor dem zahlenmäßigen Anwachsen der Opposition absolut nicht bange zu sein. Die Bürger- blockmehrheit, die dreineinhalb Jahre regierte, war kleiner als die jetzige Koalition und sie stayd der geschlossenen Opposition' bet Sozialisten, nicht einem Kunterbunt zerfahrener Gruppen gegenüber. Es-teht daher der-»Deutschen Presse" sehr schlecht an, der Mehrheit gute Lehren zu erteilen, „ein wirklich schöpferisches Verhältnis zwischen Regierung und Opposition" zu fordern und für die„Anerkennung, der deutschen Vertretung im Parlament" zu plädieren. Was ist mit diesem Rätselwort gemeint? Die deutschen Regierungsparteien sind immerhin noch dreimal so stark wie das Fähnlein Mayr-Hartings. Die„Deutsche Presse" spricht also nicht im Namen der eigenen Partei. Sie macht sich wiederum zum Vorspann der' Sudetendeutschen Heimatfront, die sie als „deutsche Vertretung im Parlament"' präsentiert. Die„Deutsche Presse" macht dem Totalitätsanspruch der Henleinfront die Mauer und redet den tschechischen Mehrheitsparteien gut zu, vor ihm zu kapitulieren. Wo die Christlichsozialen bei dieser Politik enden werden, ist nicht unsere Sorge. Wen das Schicksal der österreichischen Christlichsozialen nicht schreckt, wenn die Erfahrungen des Bundes der Landwirte nicht Warnung genug sind, dem ist eben nicht zu helfen. Aber im Interesse der tsche« Die Wiener Polizei ermordet einen Gefangenen Wie Franz Szydzina starb Arbeitslosigkeit und Not Im Saargcblct Sette 2 Dienstag, 18. Fun? 1935 Nr. 141 choslowakischen Demokratie müssen die weisen Lehren deS christlichsozialen Zentralorgans entschieden zurückgewiesen werden. Eine demokratische Mehrheit soll gewiß ein positive- Verhältnis zur Opposition suchen» aber zu einer demokratischen Opposition. Eine Demokratie, die mit Fasci- sten paktiert, begibt sich in Gefahr. Darum sollte es für das neue Parlament eine entscheidende Richtschnur geben: Festhalten an der Zusammenarbeit der demokratischen Faktoren. Gelingt eS, diese Zusammenarbeit mit sozialem und wirtschaftsreformerischem Inhalt zu erfüllen, dann wird das neue Hau- seinen großen Aufgaben gewachsen sein. Abschied Staneks vom Parlamentspräsidium Im PariamentspräskHum bis auf Genossen Taub lauter neue Leute Senatsprlsldlum fast unverändert Prag. DaS Präsidium des Abgeordnetenhauses hielt Montag vormittags seine letzte Sitzung ab, in der nach Erledigung einiger laufender Ver- waltungsangelegenheiten die Aufteilung der Räumlichkeiten auf die Klubs beschlossen wurde. Der Vorsitzende Dr. S t a n e k dantte allen Mitgliedern des Präsidiums für die musterhafte und eifrig« Mitarbeit sowie dem Parlamentssekretär De. Riha und allen übrigen Angestellten des Parlaments für ihre genaue und opferwillige Pflichterfüllung. Namens der Vizepräsidenten dankte S t i v i n dem Vorsitzenden und hob seine seltenen persönlichen Eigenschaften und sein konziliantes Wesen hervor. Dr. Stankk, der nicht mehr auf den Posten deS Kannnervorsitzenden kandidieren, sondern durch den früheren Verteidigungsminister Bradak abgelüst Werden wird, verabschiedete sich nach der Präsidialsitzung auch noch von allen Beamten und Angestellten des Parlaments, in deren Namen Dr. Nrha eine Ansprache hielt. Das Kammerpräsidium Wird gleich in der ersten Sitzung am Dienstag neu gewählt. Wilma» hört, werden alle Präsidialmitglieder bis auf den Vertreter unserer Partei ausgewechselr werden, so daß also Genosse Taub, besten hervorragende Qualitäten auch für diesen Posten von allen Parteien ohne Unterschied stets loyal, anerkannt wurden, als einziger die Kontinuität mit dem früheren Präsidium zu wahren haben wird. Von den bisherigen Vizepräsidenten wird Genoste Stivin durch den siowak. Genossen Dr. M a r- k o v i c ersetzt, der Nationalsozialist Spatnh, der Senator geworden ist, durch den mährischen Abgeordneten L a n g r. Die Volksparteiler dürften statt Roudnickh, der ebenfalls in den Senat gegangen ist, den Abgeordneten Kosek, einen Vertrauensmann des Landesparteivorsitzenden von Böhmen Monsignore Stasek, entsenden. Bei der Gewerbcpartei waren Bestrebungen im Zuge, ins Präsidium den erst kurz vor den Wahlen von den Nationalsozialisten zur Gewerbepartei übergegangenen Slavikek zu entsenden, doch sollen die Nationalsozialisten aus begreiflichen Gründen dagegen aufgetreten sein. Wahrscheinlich wird also M l ö o ch die Gewerbepartei vertreten. Im Senatspräsidium dürsten dagegen f a st keine Aenderungen eintret'en. Als Kandidat der Gewerbepartei wird Dr. B aß, ein neu gewählter Senator, genannt. Aenderungen in letzter Minute sind aber keineswegs ausgeschlossen. Für sozialistische Gemeinschaftserziehung Die siebente Reichskonferenz der„Kinderfreunde** in Aussig Aussig, 17. Juni. In seinem Bestreben, ein Geschlecht heranzubilden, das den an die Sozialisten gestellten Anforderungen gerecht wird, hat der Arbeiterverein „KinderfreUnde" trotz der Ungunst der Verhältnisse wieder ein gut Stück Arbeit geleistet. Die siebente Reichskonferenz am Samstag und Sonntag im Auffiger Volkshaus hielt Rückschau auf die in den letzten zwei Jahren geleistete Arbeit und beriet neue Möglichkeiten, den an die Bereinigung .gestellten Aufgaben gerecht zu werden.. Kampflieder und etri SpreiWor'der Falken begrüßten dit Teilnehmer der Konferenz in dem festlich geschmückten Saal des Aussiger Volkshauses. Der Vorsitzende der Reichsvereinigung, Genosse Dr. Schweitzer- Brünn, widmete den verstorbenen Mitkämpfern einen herzlichen Nachruf, den die Konferenz stehend anhörte. Weiter gedachte der Redner der Todesopfer des FascjS- mus in den Nachbarländern und der Geknechteten in den Konzentrationslagern. Alle Arbeiter-Organisationen, mit Ausnahme der Arbeiter-Abstinenten, die selbst eine Tagung abhielten, und ein Begrüßungsschreiben gesandt hatten, hatten Vertreter entsandt. Für die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei waren die Genossen Schäfer und Paul erschienen, (Schäfer auch fi'ir die ZentragewerkschaftSkom- miffion), für das Reichs-Frauenkomitee Abgeordnete Genossin K i r p a l, für die Kreisorganisation Bürgermeister Genosse P ö l z l, fiir den Atus Genosse Storch, für die Kreisgewerkschaftskommission Aussig der Genosse Schwob. Außerdem waren vertreten die sozialdemokratischen Lehrer, Arbeiter-Radfahrer, Naturfreunde, die sozialdemokratische Presse und als, Vertreter der befreundeten tschechischen Organisationen Genosse M e c e r, Prag. Genvff« Schkfer, Reichenberg begrüßt«'di« Konferenz im Auftrag des Parteivorstandes und der Zentral-Gewerkschasts-Kommiffwn. Für die Kreis-, Bezirks- und- Lokalorganisation, die Kreisgewerkschaftskommission der Partei, das ReichS-Frauen-Komitee und im Namen aller Kulturorganisattonen und als Bürgermeister der Stadt Aussig sprach Genosse Pölzt. Grosse Mrcer-Prag überbrachte die Grüße der befreundeten tschechischen Organisattonen, besonders der SkantS. Nach Dänkesworten des Genossen Schweitzer für die Begrüßungen, machte Genosse Hocke zum Tätigkeitsbericht der gedruckt vorlag und über dessen Inhalt wir bereits berichteten, ergänzende Ausführungen, Der Redner kennzeichnete die Schwierigkett der Arbeiten durch die ungünstige Wirtschaftslage und. gab der Freude Ausdruck, daß es trotz allem gelungen ist, die Organisationen nicht nur lückenlos aufrecht zu erhalten, sondern die Z a h l der Berzirksvereine noch zuerhöhen. Beispiellos ist die Opferfteudigkeit derFunktionäre und Mitglieder, die unter den schlimmsten Verhält« niffen der Erzieherorganisation die Treue wahrten und positive Arbeit leisteten. In vielen Bezirksvereinen ist die ökonomische Lage der Mitglieder trostlos. Es gibt Bezirksvereine, in denen von 48 Mitgliedern nur noch zwei, in anderen von 110 Mitgliedern nur noch 26 in Arbeit stehen. Und trotzdem kann über Fortschritte berichtet werden. Ein herzliches und inniges Zusammenarbeiten aller Instanzen mit den Eltern unserer Kinder erleichterte die schwierigen Arbeiten. Planmäßige Helfer- und Schulungskurse vermittelten den Helfern das geistige Rüstzeug für ihre Erziehungsarbeit, in einer Reichsführertagung wurden wichtige erzieherische und organisatorische Fragen behandelt. Zur Unterstützung der Arbeit derHelfer und Falkenführer erscheint neben dem»Helfer" ab 1. Feber 1933 der„W e g w e i s e r, gemeinsam vom sozialistischen Jugendverband und den Kinderfreunden ausgegeben. Ausführlich besprach der Redner die planmäßige Arbeit auch in der Kinderbewc- gung und gab Aufschluß über die K i n d e r b siche r e i e n und die Kinderzeitung„Junge W e l t". Der Errichtung von Arbeiter«Kinderheimen und Kinderspielplätzen muß erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Weiter sprach der Redner über die Z e l t- l a g e r, die Kinderrepublik in Prag und das internationale Zeltlager in Belgien und die Solidaritätsaktionen, die zu Weihnachten durchgeführt wurden. Das Verhältnis zu den übrigen Erzieherorganisationen bezeichnete Genosse Hocke als gut. Alle sind sich einig in dem Bestreben, überzeugte, sozialistisch gefestigte Menschen heranzubilden. Eine erfolgversprechende Zusammenarbeit wurde mit den Skauts angebahnt. Genosse L ö w i t berichtete, daß bei den Kontrollen die Kassenverhältnisse jederzeit in bester Ordnung gefunden wurden. Der Antrag auf Entslastung des Vorstandes und der Geschäftsführung, wurde einstimmig angenommen. Nach einer umfangreichen Aussprache, in der eine Anzahl beachtenswerter Vorschläge unterbreitet, bemerkenswerterweise an dem Bericht aber keine Kritik geübt wurde, genehmigte die Konferenz nachträglich einige Maßnahmen des Vorstandes. Die politische Lage In der Tschechoslowakei 'Zu' Begmn oes zweien De rhandlungukages, der wieder durch eine Begrüßung der Falken eingeleitet wurde, erstattete Genosse Paul-Prag ein Referat über das obengenannte Thema: Das für das sudetendeutsche Volk beschämende Wahlergebnis findet seine Erklärung zum Teil in den sozialen Erscheinungen. Darüber hinaus haben wir eS im deutschen Volk, besonders im Sudetendeutschtum, mit einer gewissen Bereitschaft in meta- physischrn Dingen zu tun. Die Wirtschaftskrise wirkt sich auch in anderen Ländern aus. Trotzdem konnte der FasciSmus nicht seine Herrschaft antreten. Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied in der geistigen Beschaffenheit des deutschen und tschechischen Volkes. Die Tschechen find ein realdenkendes Volk im Gegensatz zu den Deutschen. Die polttische Romantik Die Haufen zerwühlter Erde, die Wälle unbrauchbarer Töpfe und zerbrochener Ziegel waren für Uebersälle wie geeignet. Sophie stieß einen leisen Schrei aus. Sie hatte ihn in dem neuen Anzug nicht erkannt. Dann sagte sie:„Sie sind es?" „Warum erschrecken Sie vor mir wie vor einem Räuber?" flüsterte er klagend. Sophie wäre viel lieber einem Räuber als Beinsteller begegnet. Sie war voller Angst, schlug die Augen nieder und blieb wie gebannt stehen. „Es wäre vielleicht besser, wir hätten uns nie begegnet." Beinsteller wand sich unter ihren Worten. ,»Nm Christi willen," rief er verzweifelt, „Fräulein Sophiechen! Sie fühlen sich schon beschmutzt, weil Sie sich meiner, des armen, gehetzten Diebes, erbarmt haben I" „Mir ist der Gegenstand, den Sie mir zum Aufbewahren gegeben haben, abhanden gekommen," sagte Sophie.„Ich werde Ihnen aber alles bis auf den letzten Heller ersetzen." „Um alles in der Welt, Sie haben etwas Schönes angerichtet," stotterte Beinsteller. Sophie fing an zu weinen.„Ich bitte Sie, Herr Beinsteller, seien Sie mir nicht böse und verzeihen Sie mir. Ich will den ganzen Schaden ersetzen." „Es gibt Dinge, Fräulein Sophiechen, die man nicht ersetzen kann. Ich habe jetzt furchtbare Sorgen, denn die Angelegenheit sst nicht so einfach, als Sie glauben. Es war kein gewöhnlicher Gegenstand, den man wie eine Hundemarke verlieren kann. ES war etwas wie Dynamit, das explodiert, stinkt und die Menschen zu Krüppeln macht. Wie kommt es überhaupt, Fräulein Sophiechen, daß Sie noch frei herumlaufen?" „Ich weiß nicht", sagte sie völlig verwirrt. „Glauben Sie, ich hätte mich der Polizei stellen sollen?" „Herr des HimmelsI" flüsterte er..Lieben Sie nicht von der Polizei. Der Teufel schläft nie. Aber ich bin starr. Wie kommt es, daß man Sie noch nicht ins Loch gesteckt hat?" Diese Frage wirkte intensiv auf Sophiens Tränendrüsen. „Glauben Sie, daß man eingesperrt wird, wenn man einen Gegenstand verliert, der einem airvertraut wurde?" „Jetzt sehe ich flar, daß Sie keinen Duirst haben, was das Ding eigentlich war." „Ich habe keine Ahnung." „Wie kommt es dann, daß Sie das Päckchen aufmachten, ein Stück nach dem andern auf den Boden fallen liehen, ohne den Kram überhaupt anzusehen?" „Ich versteh' Sie nicht, Herr Beinsteller. Sie sprechen, als wären Sie dabei gewesen. Wo soll ich das Päckchen ausgemacht haben?" „In meiner Wohnung, Fräulein Sophiechen." „Aber ich war ja nie in ihrer WohnungI" „Sie waren nie in meiner Wohnung?" wiederholte Beinsteller verblüfft.„Die Sache wird ja immer schlimmer. Ein Blatt aus dem Päckchen soll in meiner Stube gelegen sein! Jetzt werd' ich aber wirklich verrückt I" Sophie zitterte wie Espenlaub.„Beruhigen Sie sich, Herr Beinsteller, ich bitte Siel Ich kann ja nicht dafür. Ich habe es zu Gericht mitgenommen und erinnere mich genau, es in meine Handtasche gegeben zu haben. Als ich dann in der Elektrischen die Handtasche aufmachte, war es nicht mehr darin." ,Lesus Maria", lallte Beinsteller.„Die Geschichte ist ja noch schlimmer, als ich geglaubt hab-. Jetzt hängt alles in der Luft... Aber ich will Ihnen die Geschichte zu Ende erzählen. Jemand war mit dem Gegenstand in meiner Wohnung, hat ihn dort scheinbar genau betrachtet und ein Stück davon in meiner Stube liegen lassen. Aber wie hat der Mensch erkannt, daß die Sache nur gehört? Ich werde von dem Wirrwarr gewiß noch tollwütig." „Herr Beinsteller, ich bin außer mir, daß Sie sich die Geschichte so zu Herzen nehmen... Ich glaube bestimmt, daß ich Ihnen alles ersetzen kann... Ich spare schon lange und hab' auch eine Summe beisammen— den Rest werde ich ratenweise abzahlen." „Marandjosefl" stöhnte Beinsteller. „Aber, Herr Beinsteller", rügte Sophie streng,„mir gefällt es gar nicht, daß Sie so an einem Gegenstand hängen. An einem gestohlenen Gegenstand noch dazu l Ich sage Ihnen doch, daß ich alles bezahlen will." „Man kann es— man kann es ja gar nicht bezahlen", flüsterte er. „Was ist es eigentlich?" '„Ich darf es nicht sagen." ,Hst es ein Geheimnis?" „Jawohl." „Ein großes Geheimnis?" Beinsteller sah sich vorsichtig um, dann flüsterte et:„Es ist ein furchtbares Geheimnis, Fräulein Sophiechen. Wenn ich nur wüßte, wieso der Mensch erkannt hat, daß es mir gehört." Nach einer Pause fuhr er fort:„Sagen Sie, Fräulein Sophiechen, wurden Sie in letzter Zeit nicht von Männern belästigt?" Fräulein Sophie dachte an Herrn Foltr. Sie errötete und sagte:„Nein, wer sollte mich belästigen?" „Geheime Detettive l" Sie erswrak.„Ich weiß nicht; darin kenne ich mich nicht aus. Ich kenne keinen." des Deutschtums mündet in einen überspitzten Na« tionaliSmus. Dieser sucht seinen Ausweg im Imperialismus und dadurch wird die Weltsituation bestimmt. Das sudetendeutsche Volk glaubte an ein Wunder nach dem 19. Mai: der„Führer" soll Wunderdinge vollbringen, obgleich das nicht in seiner Kraft steht. Der FascismuS leugnet nicht das soziale Problem. ES gelang- ihm, die Betrachtungsweise der Menschen auf die utopische Zeit zurückzuführen. Statt die Konsequenzen auS dem Bestand der Klassen zu ziehen, seht man die Volksgemeinschaft. Zahllose Menschen fallen auf Schlagworte herein. Hier liegt die große Aufgabe der Erzieher, überzeugte Menschen heranzubilden, die Stand halten, die die ökonomischenZusammenhäng« erkennen. Menschen mit geisttger Spannkraft, die nicht auf die Einsicht der Kapitalisten vertrauen. Die Sudetendeutschen lernten nichts aus den Mordbrennereien und dem großen Volksbetrug der braunen Dikato- ren in Deutschland, mich nicht aus dem Verrat und dem gigantischen Brudermord des 30. Juni, nicht! aus der Schändung des deutschen Namens in der ganzen Welt. Wir dürfen nicht kapitulieren, wir müssen mit gesteigerter Kraft kämpfen. Wir müssen uns einstellen auf unermüdliche Aufklärung. Tie Schwierigkeiten müssen überwunden werden, der reale Sinn im tschechischen Lager gibt unS die Möglichkeit dazu. Wir wissen allerdings, daß das tschechische Bürgertum kein Garant ist für die Erhaltung der Demo- kratte. Wir werden die große revolutionäre Aufgabe erfüllen, die demokrattschen Einrichtungen zu erhalten durch großzügig« Propaganda und Erziehungsarbeit. Nur geschulte Menschen können Stand halten in den kommenden schweren Kämpfen— mit dem Kapitalismus, deshalb müssen wir dafür sorgen, daß, der Sozialismus eine Sache des Verstandes und des Herzens wird. Wir müssen die Ueberzeugrmg festigen und mit der sozialistischen Erziehung beim Kind beginnen. Die Konferenz hörte nach dem mit starkem Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Paul sofort das Referat des Genossen Dr. Schweitzer über die nationale Trage in der Erziehung das mit großem Interesse und herzlichem Beifall ausgenommen wurde. Das Referat, das Genosse Schweitzer als Diskussionsgrundlage bezeichnete, soll den Helfern und Funktionären gedruckt übermittelt werden. Wir können uns deshalb auf eine kurze Inhaltsangabe beschränken. Genosse Schweitzer gab zunächst eine Definierung des Begriffes„national" in seiner ursprünglichen und jetzigen Bedeutung und setzte sich eingehend auseinander mit dem Schlagwort der etbbtf dingten Rassenkunde, deren wissenschaftliche Unmöglichkeit der Redner schlagend nachwies.—> Der Unterschied, der immer wieder zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung hervor« gehoben wird, ist wissenschaftlich nicht diskutabel. Weiter befaßte der Redner sich mit dem unsinnige« Gerede von dem Unterschied zwischen arischem und nichtarischem Blut. Richtig ist der Ausspruch Heines von den zwei Nationen, die sich bekämpfen, die Hungrigen und die Satten. Es ist ein großer Unsinn, Werturteile über andere Nationen abzugeben. Er ist durchaus nicht bewiesen, daß die bloirden großen Menschen, die Lang- und Blondschädel, die angeblichen Kennzeichen der arischen Rasse, besonder« Menschen oder gar Uebermenschen sind. Eine Sta- „Sie würden es schon erkennen. Denen steht es auf der Stirn geschrieben wie den Dienstmännern, die ihre Nummern auf der Mütze tragen." „Warten Sie", sagte Sophie, ,chie Mutfi erzählte, daß letzthin die Polizei unsere Wohnung durchsucht hat... Das Fräulein soll daran schuld sein..." „Ja, die Loisis",.sagte Beinsteller traurig. „Sie sehen, wieviel Kummer Sie durchmachten, weil Sie sich meiner angenommen haben." „Sie sind mir also nicht böse?" rief sie freudig.‘ „Wie könnte ich Ihnen böse sein? flüsterte er innig. „Ich bin Ihnen so dankbar und werde Ihnen bis zum Tode dankbar sein." «Das freut mich." Sie wurde sichtlich wärmer, „Und aus dem Verlust dürfen Sie sich nichts machen— ich will Ihnen alles abzahlen." „Fräulein Sophie", murmelte er,„Sie sind das beste Frauenzimmer, das ich jemals gesehen habe. Man bringt Sie beinahe ins Kriminal, Sie sind ganz unschuldig— und wollen abzahlen. Sie bringen mich ja zum Weinen, Fräulein Sophiechen, ein Dieb— und abzahlen.. „Das geht mich nichts an, Herr Beinsteller. Die Sache muß entweder zurückgegeben ob« ersetzt werden." „Mich wird noch der Schlag treffen", plapperte Beinsteller.„Sie sind so eine schöne Seeles hätten einfach zur Polizei gehen und sagen können:„Dieses hat mir der Gauner in den Schoß geworfen." „Wie könnt' ich Ihnen so etwas antun, Herr Beinsteller?" „War Ihnen wirflich an mir gelegen?" „Gewiß war mir an Ihnen gelegen, Herr Beinsteller, und ich sagte mir damals: Dafür muß er dir etwas zuliebe tun." „Was? Fräulein Sophiechen?" (Fortsetzung folgt.). Nr. Hf Dienstag, 18. Jmfl 1835 Seite 3 tistik Aber die Kriminalität würbe vielleicht sehr aufschlußreich sein. Genösse Schweitzer machte weiter interessante Feststellungen Aber die Wechselwirkungen im Kampf ums Dasein in der Natur und der Menschheit. Der Nietzsche Satz: daß alle kämpfen sollen, daß die Schwachen im Kampfe unterliegen und Zurückbleiben die Uebermenschen, die sich zum Herrschen berufen fühlen, ist nicht anwendbar, n der Natur kennen wir die Höherentwicklung der Arten, beim Menschen rst di« Art beständig, hier kennen wir nur die Höherentwicklung d«S gesellschaftlichen Lebend. Uebrigens ist es eine nette„Herrenrasse", die in Deutschland wirtschaftet. Der Raffedünkel ist ein Unsinn. Nicht Kampf um die Herrschaft einer Nation darf unsere Parole sein. Diese' nationalistische Zielsetzung lehnen wir ab, die Internationale wird die Menschheit sein. Eingehend untersuchte der Redner, wie die nationale Phrase sich in der Schule auswirkt und wies nach, welche großen wirtschaftlichen Gefahren für eia Land die Zerreißung eines Gebietes nach nationalen Grenzen haben müsse, verglich die nationalen Verhältnisse der Schweiz mit denen in unserem Lande und gelangte zu der Feststellung, daß wir an der Tschechoslowakischen Republik festhalten müssen, nicht Nur, weil sie uns die Demokratie gewährleistet, sondern auch aus Zweckmäßigkeitsgründen. Wir bekennen uns zu einer Autonomie nach dem Personal- Prinzip unter Sicherung der Grenzen. Unsere Kinder müssen wir im Geiste der Völkerverständigung erziehen. Leider hat heute der Gegner die Schule für sich. Bezüglich der Propaganda können wir manches vom Gegner übernehmen und lernen. Unsere Kinder für die wiftlliche Volksgemeinschaft zu erziehe», ist eine unserer vornehmste» Aufgabe». Die Kinder müssen die Geschichte des tschechischen Volkes und ihrer Männer kennenlernen, das ist eine der wesentlichen Voraussetzungen des besseren gegenseitigen Verstehens. Aus der Kindergemeinschaft, wie sie sich in unserer Republik jetzt anbahnt, eine wahre Volksgemeinschaft zu schaffen, die nicht mehr den Kampf der Nationen predigt, sondern den internationalen Kampf gegen das Kapital, daS ist unser erstrebenswertes Ziel. In der gemeinsamen Aussprache über beide Referate wurde eine Fülle von Anregungen gegeben besonders auch, wie die Peftwelle des FastiSmuS und des Hasses gebannt und wie unsere Sinder vor fafristischen und nazistischem Terror durch Nazi-Lehrer»eschützt werde» können. ES wurde eine Unzahl Beispiel« dafür angeführt, daß nationalistisch eingestellte Lehrer— und leider auch verhetzte Kinder— ganz offen gegen unsere Kinder vorgehen. Sehr richtig wurde betont, daß kein Anlaß besteht, unS diese Provokationen gefallen zu lassen. Beschwerden über den Terror gegen unsere Ender mögen dem Reichsvorstand übermittelt werden. Dort wird alle? Nötig« zur Gewissensfreiheit unserer Kinder veranlaßt werden. Es wird auch verhindert werden, daß Belohnungen des Schul. Ministeriums gegen unserer Kinder auSgenützt werden. In der Aussprache wurde weiter angeregt, daß zur Erlernung der tschechischen Sprache Schritte unternommen werden und die Herausgeber einer pädagogischen Korrespondenz, damit Erziehungsartikel auch an die unS befreundete Press« gegeben werden können. Nach den Schlußworten der Redner, die daS in der Debatte vorgetragenen Material nochmals zusammenfaßten und in denen nochmals eingehend die Frage erörtert wurde, was gegen die nationalsozialistische Beeinflussung der Kinder durch Lehrer unternommen werden kann, wurden die Neuwahlen> vollzogen. Einstimmig wählte die Konferenz den Genossen Dr. Schweitzer wieder als Vorsitzenden und nachstehende Genossen in den Vorstand. Paul Ernst, Prag, Sacher Anton, Karlsbad, L e h r e tz Oskar, Karlsbad, Schanin g« r Otto, Wheditz, Lehnert Franz, Tcp« litz, Raab Josef, Dux, Fritz Anton, Komotau, H i e b s ch Franz, Aussig. L ö w i t Otto, Schrek- kenstein, A u g st e n Anton, Warnsdorf, S o t o l a stllari«. Böhmisch-Kamnitz, R e t t e ck, Braunau, Schachtely Josef, Troppau, I t l g Marie, Mährisch-Schönberg, Zi sch ka Josefine, Sternberg, Hocke Willi, Bodenbach. Schließlich beauftragte die Konferenz noch den Reichsvorstand in der Angelegenheit der Statutenänderung und des Tragens der Falkenkleidung zu urgieren. Vertreten waren auf der Konferenz einschließlich des Reichsvorstandes 27 Delegierte, 14 Vertreter befreundeter Organisationen und 32 Gastdelegierte. Genosse Dr. Schweitzer schloß die Konferenz mit Worten des Dankes an all« Mitarbeiter und dem Appell an die Funktionäre, alles in die Tat umzusetzen, was auf der Konferenz erörtert wurde. Gebt«S weiteriSo schloß der verdienstvolle Leiter der Reich-Vereinigung die harmonisch Verlaufenen kulturpolitisch bedeutsam« Konferenz. Stehend sangen die Delegierten die erste Strophe der Internationale. Justizmord Graz. Da- Schwurgericht in Leoben verurteilte die Kommunisten Franz W a l ch e r und AloiS P i s n i k wegen Verbreitung illegale? Druckschriften zu zwölf bzw. sieben Jahren schweren Kerker. Drei weitere Mitangeklagte wurden zu 15 bi» 24 Monaten schweren Kerkers verurteilt. tfudetendcutstfiei! Zcifepiegei Wer ist schuld an der sudetendeulschen Industnekrise? Instruktion für Montagsjäger Seit einiger Zeit kann der Herausgeber des „Prager MonlagLblatt" Herr Egon Fischer keine Folge seines Blattes vorübergchen lassen, ohne den „Sozialdemokrat" anzugreifen. Da Herr Fischer, der früher bemüht war, mit der deutschen Sozialdemokratie Verbindung zu halten, sich auf derartige Montagsjagden erst seit den letzten Wahlen begibt, müssen diese an den Haaren her- beigezogenen, durchaus unsachlichen Polemiken den Eindruck ertvecken, Herr Fischer wolle seine Visit- karte in einem anderen Lager abgeben. Worüber der Herausgeber des„MontagS- blattcs" mit uns Woche für Woche gern diskutieren möchte, ist die Frage, weran d e m B e r- fall der s u d e t e n d e u t s ch e n Industrie s ch u l d s e i, ob die deutscheJndustrie oder die Koalitionsregiccung. Selbstverständlich hält Herr Egon Fischer die Regierung und— da die deutsche Sozialdemokratie in ihr vertreten ist, auch diese als die Alleinschuldigen daran, daß in den deutschen Gebieten der Tschechoslowakischen Republik tausende fleißige Hände feiern. Wir sind nicht dazu da, Herrn Egon Fischer ein volkswirtschaftliches Kolleg zu halten. Wenn er danach ein Bedürfnis hat, gibt es Lehranstalten und Bücher, wo er seinen Wissensdurst befriedigen kann. Wir wollen ihm also nur so viel sagen, daß die Ursache der deutschböhmischen Jndu« striekrise der Verfall der kapitalistischen Weltwirtschaft ist, der seit 1929 jedem Menschen, der Augen zum Sehen und Ohren zum Horen hat, offenbar geworden ist. Die Krise in allen Staaten, die Abnehmer unserer Waren sind, seien es landwirtschaftliche oder Industriestaaten, hat deren Kauflraft geschwächt und, dadurch unseren Export geschädigt. Dazu kam die durch Handels- und Finanzkrise herbeigeführte Wirtschafts-Absperrung, welche ein weiteres Hemmnis unserer Ausfuhr geworden ist. Da aber unsere Exportindustrien— man denke nur an die Glas-, Porzellan-, Textilindustrie— hauptsächlich im deutschen Gebiete liegen, hat das deutsche Gebiet und damit die deutsch« industrielle Arbeiterschaft unter der Krise am stärksten gelitten. Das hat die deutsche Sozialdemokratie seit Jahren erkannt und der Arbeitsbeschaffung und .dex.Füriora^ betroffenen, deutschen Menschen hat ihre Hauptarbeit in den letzten Jahren in und außerhalb der Regierung gedient. Der Kampf um den deutschen Arbeitsplatz ist von unS mit der äußersten Energie geführt werden und!vir werden ihn weiterführen. DaS weiß Herr Egon Fischer sehr gut. Er weiß, daß wir für eine starke industrielle Exportpolitik, für die Verkürzung der Arbeitszeit, für große öffentliche Investitionen und vor allem für die Berücksichtigung der sudetendeutschen Gebiete eintreten, wobei wir freilich auf den Widerstand der Agrarier u n d der Industriellen, der tschechischen wie der deutschen stoßen. Und hier beginnt die Schuld der sudetendeutschen Industriellen, die Herr Fischer— wir wissen nicht, warum so plötzlich-— jetzt reinzuwaschen versucht. Der Herausgeber des„Montagsblattes" möge beispielsweise nur die Exportberichte unseres Hamburger Generalkonsulates lesen und er wird da finden, welche glänzende Exportorganisation die japanischen Industriellen geschaffen haben und wie die japanische Industrie planmäßig bei dem Studium von möglichen Absatzgebieten und Gewinnung neuer Märkte vorgeht. Was tun in der Beziehung die dcutschböhmischen Textilindustriellen? Nichts. O, doch, sie tun etwas. Sie haben am 29. Mai 1935 an den„Spolek Ls. prümyslnikü textilnich" einen Brief geschrieben, in dem sie ihren tschechischen Kollegen folgendes schreiben: Mulden.(Tsch. P.-B.) Das japanische Oberkommando hat in der Nacht z« Sonntag die Telegraphenlinie Schankhaikwan-Tientsin militärisch besetzt. Sämtliche Telephonämter an dieser Linie stehen unter japanischer Militäraufsicht. Das japanische Oberkommando hat ausserdem zahlreiche Funkstationen besetzt und überwacht den ganzen Funkverkehr zwischen Rordchina und Nanking Die japanische Presse berichtet, dass mit Genehmigung des japanischen KriegSministeri- nms zahlreiche Flugzeuge nach Kalgan entsandt sind, wo die japanische Militärmission Verhandlungen mit den chinesischen OrtSbehörden über die Tcilräumung der Provinz Tschachar führt. Diese Massnahmen sollen erfolgt sein, um Zusammenstösse zwischen japanischen und chinesischen Truppen zu vermeiden. Der erste Transport der japanischen Truppen wird am Montag in der Provinz Tschachar,«. zw. in dein Teil, in dem . sich bi» jetzt noch chinesische» Militär befand, einmarschieren. * Tientsin.(Reuter.) Rach Jnformatio- ! neu au» glaubwürdiger Quelle bestehen im Hin- Nach den heut« mit Ihnen geführten Ferngesprächen bestätigen wir ordnungshalber, daß wir empfehlen, vorläufig nicht mit den Arbeitervertretern neuerlich zu einer Aussprache zusammenzutreffen, sondern die neu geschaffene Lage vorerst im GesamtauSschusse der Wirker und Stricker zur Erörterung zu bringen und diesen daher zu einer Sitzung einzuberufen, welche am besten am 7. ds. nachmittags in Prag stattfinden könnte. Wenn Sie es aber doch für richtig halten, mit den Arbeitergewertschaften zusammentreffen, so wollen wir Sie daran nicht hindern. Es wird aber sowohl unser« Fachgruppenleitung als auch unser Sekretariat nicht daran teilnehmen und wir werden anch die Textilarbeiter-Union und di« Christlich« Gewerkschaft in Zwitta» nicht zu der Aussprache einladen. ES hat die», wir wir Ihnen darlegtrn, seine» Grund darin, daß die Herren unserer Fachgruppenlritung der begründeten Meinung sind, die genannten beiden Gewerkschaften heute nicht mehr al» die allein maßgebende Vertretung der deutschen Textilarbeiterschast in der Tschechoflowakei anfehen zu können. Da aber der größere Teil dieser Arbeiterschaft noch keine gewerkschaftliche Vertretung besitzt, ist es derzeit nicht möglich, sie den Verhandlungen zuzuziehen. Man sieht, der„Allgemeine Deutsche Textilverband" in Reichenberg, der Absender dieses Briefes, hat dringendere Sorgen als den Textilexport, es ist ihm die Hauptsache, die freien Gewerkschaften zu brüskieren und sich bei der Sudetendeutschen Partei einzuschmeicheln. Er sucht die Rettung in der Krise auf denselben Wegen wie daS„Montagsblatt". Die deutschen Industriellen haben im letzten Wahlkampf scheffelweise dem Wahlfonds Henleins gespendet. Sie haben, statt eine reale politische Vertretung industrieller Interessen anzustreben, den Sudetofascismus unterstützt, nur um die deutsche Arbeiterbewegung zu schwächen. Sie haben sich selbst um eine einflußreiche parlamentarische Vertretung gebracht und sie werden keine besonderen Erfolge erringen, wenn sie— mit oder ohne Herrn Fischer-— im Troß der Sudetendeutschen Partei laufen. Wenn das„Montagsblatt" der deutschen Industrie helfen will, mit den Angriffen auf den„Sozialdemokrat" wird kein Kilogramm Garn mehr exportiert werden. Herr Egon Fischer beruft sich in seiner Polemik auf„freundschaftliche Gespräche" mit unseren„besten Mitarbeitern". Er möge es nicht als Zeichen unserer Freundschaft sondern nur als Lcichcnmiwrer SaLl i dj. l e i tauffasien. wenn, wir dieser Auseinandersetzung von seiner Person absehen. Sturm Uder Brüx und Dux Samstag abends gegen Uhr setzte in den Bezirken Brüx, Dux und Teplitz-Schönau ein Sturm ein, der große Verheerungen und einen nicht unbeträchtlichen Schaden anrichtete. In den Wäldern wurden grosse Bäume umgebrochen, aber anch an den Strassen fielen schöne Obstbäume dem orkanartigen Sturm zum Opfer. Da und dort wurden auch Häuser beschädigt, Dachteile abgetragen, Fenster eingeschlagcn und Menschenleben gefährdet. In Brüx wurde ein Autobus umgeworfen und das Dach der Badekabinen stark beschädigt. Besonders arg waren die Verwüstungen am Duxer Jahrmarkt. Die Händler, von denen einer auch durch«inen herabsallenden Ziegel verletzt wurde, konnten nicht eiumal ihre Waren retten. Die Spitzen und Seidenwaren wurden in die Gassen getrieben, blieben an den Telefondrähten hängen und eS gelang den Inhabern kaum einen nennenswerten Teil der Waren und de» Grlde» zu retten. Die Buden wurden vollständig zertrümmert, der Marktplatz glich in den späten Abendstunden einem Schlachtfeld, auf welchem Reste von Zuckerwaren, Unmengen Papier und zerbrochene» Holz in heillosem Durcheinander blick ans die chinesische Frage in den japanischen Militärkreisen zwei verschiedene Ansichten. Eine Gruppe will Rordchina direkt unter die Kontrolle der Kwantungarmee stellen, während die andere Gruppe eher der Ansicht zuneigt, den Ratschlägen aus Tokio zu fotzen und eine verhältnismässig gemäßigte Politik auf Grund der bisherigen Erfolge durchzuführen. Die Chinesen solle« nur mündliche Forderungen entgegengenommen habe« und der japanische Oberstleutnant Matsui sei nach Tschank- schung abgereist, um für seine Verhandlungen mit den chinesischen Vertretern weitere Instruktionen einzufordern. * Mukdrn.(Tsch. P.-B.) Rach einer Mitteilung aus Tschengte wurde der japanische Gendarmerieoberst Mazukata 8 Kilometer von Tschengte tot aufgefunden. Er war einer der Leiter der Sicherheitsbehörden in der Provinz Je- hol und hat sich im Kampf gegen die antijapa- nische Bewegung ausgezeichnet. Man vermutet, daß der Mord von Anhängern der antijapanischen Bewegung ausgeführt wurde. An die Delegierten zum Parteitag und zur Frauenreichskonferenz G» wird den Delegierten zur Kenntni» gebracht, daß die Frauen-ReichSkonfe- r e n z am DonnerStag, dem 20. Juni, um S Uhr vormittag- im kleinen D o p z- Saal in Brünn, Lajanskyplatz 3, stattfindet. Die Verhandlungen de» Parteitage- beginnen am Donnerstag, dem 20. Juni, um 19 Uhr(7 Uhr nachmittag»). Die Delegierten werden gebeten, sich so zeitgerecht einzufindcn, damit unbedingt präzise 7 Uhr mit den Verhandlungen de» Parteitages begonnen werden kann. Jeder Delegierte zur Frauen-ReichSkonse- renz und zum Parteitag muss sich mit einem Mandat der delegierenden Organisationen und mit seinem ParteimitgliedSbuche ausweisen. * Die Anweisungen für die HotelS und Privatquartiere werden Donnerstag am Brünner Bahnhof, Wartesaal 1. Klasse, auS- gegcben... An alle Parteiorganisationen Den Organisationen wird zur Kenntni» gebracht, daß alle für das Rrichsparteisekretariat bestimmten Zuschriften vom Mittwoch, dem 19. Juni, ab an die Adresse de» Genossen Siegfried Taub, Brünn, Dopzsaal, La» janskhplatz 3, zu richten sind. Ab Sonntag, den 23. Juni, können dann all« Zuschriften wieder unter der Adresse de» Prager Sekretariate» abgehen. Zeugnis von der Macht deS Sturmes gaben.—- Der Flurschaden ist sehr groß und auch einzelne Passanten, vor allem spielende Kinder erlitten leichte Verletzungen. Sandsturm Im Ausslger Gebiet Die tropische Hitze der letzten Tage vergana gener Woche zeitigte eine Anzahl schwerer Ge« Witter, die sich Samstag abends über daö Aussiger Gebiet entluden. Die Gewitter waren von einem ungeheuren Sturm begleitet, der gewaltige Sand« ^nassen, vor sich, hertrixb. Es Wax ein förmlicher Sandregen, der bei Windstärke 8 bis 9 daherbrauste. Der Sandregen war so dicht, daß kaum noch eine Sickst auf 100 Meter möglich war. Der Sandsturm richtete in einigen Orten großen Schäden an. In Aussig wurde auf der Elbestratz» ein großer Kastänienbaum umgerissen, vielfach wurden von den Bäumen Aeste heruNtergerissen und eine Anzahl Gartendächer abgedcckt. Eins Anzahl Zäune und Reklamctaseln Mutzten ebenfalls daran glauben. Zwei Todesopfer der Elbe. Die Elbe häk am Samstag wieder zwei junge Menschenleben als Opfer gefordert. Am Samstag wurden von dort Badenden am rechten Elbe-Ufer unterhalb Laube Kleider und rin Herrenfahrrad liegend gefunden, die auch später noch dort lagen. Der Eigentümer kam jedoch nicht zurück. ES wurde festgestellt, daß die Kleider und das Fahrrad dem 20jährigen Karl Heinz Theißig aus TetsLen gehörten, der offenbar ein Bad in der Elbe nahm und dabei ertrunken ist. Am selben Tage badete der in Bodenbach. Lessingstraße, wohnhafte 2t Jahre alte Josef D u§ a k oberhalb Wilsdorf Und verschwand plötzlich in den Fluten. Die Leiche des jungen Mannes wurde am Montag in d-r Nähe der Ziegelei Wilsdorf geborgen. Wie wir zu diesem bedauerlichen Unglücks fall erfahren, handelt eS sich bei Busak um einen tschechischen Genossen, der bei dem tschechischen Acbeiterturn- verein Vorturner war. Italiens Kriegsvorbereltungen Sogar das Silbergeld wird eingezogen Nom. Der italienische Finanzminister wurde durch ein heute im Reichsgesetzblatt veröffentlichtes Dekret zur Einziehung des gegenwärtig in Italien im Umlauf befindlichen Silbergeldes und zur Ausgabe von entsprechendem Papiergeld ermächtigt. Die einzuziehenden Silbermünzen sollen eine weitere Metalldeckung für das italienische Papiergeld bilden. Ein Termin für die Einziehung des Silbergeldes ist noch nicht angegeben. Italienische Siedler müssen Abessinien verlassen London. Die italienische Regierung hat der „Times" zufolge Schritte unternommen, um die Zahl der italienischen Siedler in Abessinien zu verringern. Als letzter Termin der völligen Räumung soll der 15. Juli festgesetzt worden sein. Neutermeldungen besagen, daß in Dschibuti dauernd Italiener aus Addis Abeba eintreffcn und ihre Reise nach Massaua in Ervtüräa fortsetzen. Vie Japaner rücken weiter vor Seite 4 DienStag, 18. Juni 1 Nr. 141 vr. Lenes in Prag Prag. Minister für auswärtige Angelegen« heilen Dr. Benes ist, von seiner Rußlandreise zurückgekehrt, heute nm 21 Uhr in Begleitung des sowjetrussischen Gesandten, in Prag Alexan- drowskis und des Senators Klofäk auf dem Wil- sonbahnhof eiNgetroffcn. Der Minister begab sich in Begleitung des Gesandten Strimpl durch ein Spalier der Freiheitswache in den Bahnhofsalon, der mit Vertretern parlamentarischer Kreise und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dicht gefüllt war. ■ Den Minister Dr. Benes begrüßten im Bahnhofssalon in kurzen Ansprachen Senator Dr. Baxa, der Vizepräsident des Senates Klo- fäc und der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Stivin. Außenminister Dr. Benes dankte für die Begrüßung und führte aus, er habe.in Moskau erkannt, daß diese Reise und die dort geleistete Arbeit von weitreichender Bedeutung war, und zwar nicht bloß für die Freundschaftsbeziehungen zwischen den beiden Völkern, sondern auch für den europäischen Frieden. Diese Reise sollte vor allem Europa, den Nachbarn und allen denjenigen, die um den Frieden kämpfen, zeigen, daß es möglich ist, für den Frieden zu arbeiten und daß es auch möglich ist, ihn zu erhalten. Es freut mich, fuhr der Minister fort, daß Sie begriffen haben, daß eine neue Phase der Beziehungen zwischen den beiden Völkern eingetretcn ist. In Moskau, Leningrad und Charkow hat sich der Minister überzeugt, daß die Gefühle der breiten Massen des russischen Volkes uns herzlich gesinnt sind. Es wurde ein Stück guter.Arbeit für uns, für die übrigen Völker und für den allgemeinen Frieden vollbracht und es wird möglich sein, daß diese beiderseitigen Freundschaftsbeziehungen nunmehr gemeinsam mit unseren Freunden weiter ausgebaut und befestigt werden. Das wird eine Arbeit nicht bloß für die Erhaltung des europäischen Friedens, sondern vor allem für die Sicherung des tschechoslowakischen Staates und Volkes sein. Unter reichen Ovationen der zahlreich versammelten Bevölkerung fuhr der Minister auf die Burg. Flinlsterrat genehmigt Regierungserklärung Prag.(Amtlich.) In der am Montag, dem 17.-uni, nachmittags, stattgefundenen Ministerratssitzung wurde der Text der Regierungserklärung genehmigt, die der Vorsitzende der Rcgie- rung in beiden Häusern der Nationalversammlung zum Vortrag bringen wird. Genehmigt wurde der Regierungsgesehentwurf betreffend Entäußerung einiger staatlicher Jmmobi- Itep in Kostelec nab Labern. Genehmigt wurden die llkegierungsentwüf^,''die einerseits" das Aükonnsien mit Rumänien betreffend Verteilung des Vermögens der Waisenkafsen und Ausgabe von Mündel- und Curanden-Depositen, andererseits betreffend das Abkommen mit Ungern betreffend Regelung des Fischfanges in den Gewässern an der tschechoslowakisch-ungarischen Grenze, und zwar für die verfassungsmäßige Beratung im Senat. Erteilt wurde die Konzession für die Gesellschaft der elektrischen Bahnen in Preßburg für die Erweiterung des Netzes mit neuer Bcstandsfrist. Zur Kenntnis genommen wurde der Bericht des Komitees der politischen ur der Wirtschaftsminister. Schließlich wurde die Tagesordnung der Der- waltungs-, Wirtschafts- und Personalangelegenheiten erledigt, insbesondere wurden die mit der Schaffung eines Gendarmerieflugdienstes zusammenhängenden Administrativmaßnahnren genehmigt und weiter die Systemisierung von Dienststellen beim Nationaltheater in Prag angenommen. In einer Reihe von Städten im Auslande wurde die Ernennung von tschechoslowakischen Honorarkonsuln durchgeführt. Der Ministerpräsident über die Aufgaben der Presse Auf der Tagung der Verbündeten Presse- Agenturen inStrbsksPleso hielt Ministerpräsident M a I y p e t r eine Begrüßungsansprache, in der er von der Aufgabe der Presse im europäischen Kulturleben sprach. „Sie helfen Brücken bauen. Und Brücken bauen ist eine der schönsten Missionen auf der Welt. Es ist dies nicht allein eine Aufgabe der Technik, sondern auch der Politik und nicht zuletzt einer guten Berichterstattung. Unser Staat, der am Kreu- zungspunkt Europas steht, weiß diese Arbeit besonders zu schätzen, denn sein vornehmlichstes Interesse und Ziel ist der Friede. Wir begrüßen daher alles, was dem Frieden dient. Und des Friedens Stütze ist die Wahrheit. Man muß die Tatsachen so schildern, wie sie sind, ohne Verschönerung und. ohne Tendenzen, Verdrehungen und ohne Verschweigen. Auch Sie sind Diener der Wahrheit. Das Verschweigen der Wahrheit zu- Propagandazwecken kann' vielleicht-für den Augenblick nützen, aber es bewirkt mehr dauernden Schaden. Mit Recht wendet das tschechoslowakische Volk das Sprichwort an: „Lügen haben kurze Beine". Jeder Politiker, Journalist und Berichterstatter hatte unzählige Male im Leben Gelegenheit, sich von der Richtigkeit dieser Worte zu überzeugen. . Ich weiß sehr wohl, daß sich unter Ihnen Männer befinden, die nicht zögerten, diese Grundsätze selbst um den Preis des augenblicklichen schei-^aren Mißerfolges zu erfüllen, was sich jedoch in der Zukunft vielfach bezahlt machte." n ist ein ungefähr 24 hoher schlanker Gestalt, vergangenen Woche bei Zimuirr gefragt hatte. Franziska Bokik er- dcr Umgebung zusammen und erschienen Feuerwehren und Poki- London wurden sofort A e r z t e Betrag neben staatlichen und städtischen Subven- tinonen, durch Mitgiedsbeiträge und Spenden der Prager Deutschen aufgebracht wurde. Erfreulich ist das lebhafte Interesse, welches die deutsche Bevölkerung Prags an. der Deutschen Hauptstclle nimmt und willig diese äußerst wichtige Lnststu- tion finanziell unterstützt.— Jahres- und Kassa- bcricht wurden genehmigt, die Neuwahlen bestätigten, den. bisherigen Vorstand. Frau hielt ihr t o t e S K i n d in den Armen. Die- gehört Christus. L." Diese Rede hat^die Hsilcr- Rettungsmannschaften zündeten einen Teil der' Waggontrümmer an, uitt bei dem Scheine ihr Rettungswcrk besser vollführen zu können. Liebe— Armut— Tod Budapest. Sonntag nachts hat sich vün der Eisenbahnbrücke bei Ujpest ein junger Mann und ein Mädchen in die D o n a u g e st ü r z t. Sie konnten nur noch als Leichen aus dem Wasser gezogen werden. Es stellte sich heraus, daß es sich um den Metallarbeiter Szelenezi uns seine Braut Ilona Demmel handelt, die in den Tod gingen, weil sic wegen ihrer Armut nicht heiraten konnten. Unglück über Unglück auf englischen Dahnen Lo n d o n. Bei der Station W e l w Garden, etwa 20 Meilen von London An der Unglucksstelle lief sofort die Bevölkerung. aus bald darauf zisten. Aus und Pflegerinnen an die Unglücksstelle gesandt. ES herrschte Finsternis und Regen; man Härte das Wehklagen der Verwundeten. Beim Scheine von Azetylcnlampen \ Brand in den Schichtwerke« im Reime erstickt Sonntag vormittags bemerkten Arbeiter der Schichtwerle in der Abteilung dunkler Fettsäure den Ausbruch eines Feuers, das infolge der explosiven Nachbarschaft größte Gefahr für das gesamte Werk bedeutete. Durch schnelles und ener- ! gisches Eingreifen der mit modernsten Feuerlöschmitteln ausgestatteten Fabriksfeuerwehr konnte der Brand im Keime erstickt und eine Katastrophe verhindert werden. Als Brandursache wurde Selbstentzündung festgestellt. Lokomotivführer verhindert ein Unglück Krcmsier. Sonntag nachmittags ereignete sich auf der Strecke Kojetein—Kremsier folgender Zwischenfall: Das Personenauto Tatra M63.164>mit zwei Reisenden durchschlug kurz vor der Ankunft des gemischten Zuges in scharfer Fahrt die Eisenbahnschranken,' im Jahre 1934 über KL 160.000.—, welcher von denen eine auf dem Geleise liegen blieb. Das Auto fuhr davon. An Ort und Stelle blieben Blutspuren von Verletzungen der Reisenden zurück Kurz darauf fuhr der g e- mischte Zug heran, aber der Lokomotivführer bemerkte rechtzeitig das Hindernis auf den Schie nen. Er b r e m st e und verhinderte so ein siche- i res Unglück. Polizei und' Gendarmerie fahnden l nach dem Auto.-....... London. Kaum 12 Stunden nach dem schweren Zugszusammenstoß in Welwyn Garden ereignete sich in der Ilähe von Glasgow ein zweites Zugsunglück. Ein Personenzng fuhr in Gourock-Bahnhos auf einen Prellbock auf. Durch den starken Anprall wurden 22 Personen verletzt, davon- drei schwer. Y entfernt, stieß Samstag kurz vor Mitternacht rin Personenzug mit einem Postzug zusammen. Die beiden letzten Wagen des Postzugrs wurden vollkommen zertrümmert und auch der erste Wagen des Personrnznges wurde schwer beschädigt. Aus dri^ Trümmern wurden bisher die L e i ch e n von 16 Reisenden geborgen, darunter fünf Frauen und zwei kleine Kinder. 60 Personen wurden verletzt, davon zahlreiche schwer., Raubmord an einer Zimmervermieterin In Prag-Wrschowitz wurde Sonntag vormittags die 58jährige Frau eines Bankbeamten, Franziskä Bokik, in ihrer Wohnung ermordet aufgefundcn. Hausnachbarn, welchen es auffiel, daß die Frau sich gegen ihre Gewohnheit Samstag nicht auf Einkäufe begeben hatten ließen die Wohnung öffne». Franziska Bokik lag blutüberströmt tot auf dem Boden, die Einrichtung war in Nnordnung, so daß auf den ersten Blick ein Raubmord zu erkennen war. Der Mörder hat sein Opfer erst mit einem Bügeleisen, welches neben der Leiche gefunden wurde, niedergeschlagen und dann erwürgt. Der Tat verdächtig Jahre alter Mann von welcher im Laufe der Frau Bokik nach einem Der Hausbesorgerin hat zählt, daß ihr der neue Mieter als Angabe eine goldene Uhr gegeben hat. Diese Uhr wurde in der Wohnung nicht gefunden. Ob der Mörder sonst Geld oder Wertsachen geraubt bat, ist bisher nicht festgcstcllt worden. Der Täter hat die Wohnung sehr genau durchsucht, er hat sogar die Kleider der Ermordeten zerschnitten, um verborgenes Geld zu finden. Die Polizei hat außer der Personenbeschreibung nur wenige Anhaltspunkte für ihre Fahndungen. Die Hauscinwohnrr schildern den Verdächtigen als einen Mann mit drei Goldzähnen. Auf Weingläsern, in welchen nach Reste eines Obstweines waren» fanden die Detektive Fingerabdrücke,.ebenso aus dem Mordwerkzrug. presse in wildeste Bewegung versetzt. Der„West, deutsche Beobachter" spricht von einem „V olks» und Landesverrat s ch I i m m st e r Sorte" und verlangt die sofortige Festnahme des„Verbrechers im Priestergewand". Die Hauptversammlung der Deutschen Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge I fand am 13. Juni im Deutschen Haus in Prag bei Anwesenheit zahlreicher Vertreter Prager Korporationen und Mitglieder statt. Der TätigkeirS- bcricht über das Jahr 1934 gab ein anschauliches Bild über die vielfachen Aufgaben dieser für das i Wohl der bedürftigen deutschen Jugend Prags wirkenden Institutionen, in deren Rahmen Mütterberatung, Ausspeisung, Kinderhorte, Berufsberatung, Schutzaufsicht über uneheliche und in fremder Pflege befindliche eheliche Kinder. Berufsvormundschaft u. a. m„ durchgcführt wird. Der finanzielle Gesamtaufwand der Hauptstelle betrug Ein Dampfer durch Zusammenstoß gespalten Quebec. Im Golf von Sankt Lorenz ereignete sich am Sonntag nachmittags bei dichtem ’Sfl e b e I ein schwerer Zusammenstoß zwischen dem 40.000 Tonnen Luxusdampfer der Canadian-Pa- zifik-Linie„Empreß of Britain" und dem englischen Dampfer„Kafiristan"(5000 Tonnen). Tie„Kafiristan" wurde so erheblich beschädigt, daß das Wasser in den ersten Laderaum einidrang. Das Vorderschiff wurde in zwei Teile gespalten und kurz darauf brach ein F e u e r aus, das erst nach zlvci Stunden gelöscht werden konnte. Drei Mann der Besatzung des beschädigten Schiffes werden vermißt. Fünf Verletzte wurden von der„Empreß of Britain", die fünf Stunden lang Hilfe leistete, ausgenommen. Auf der„Empreß of Britain" wurde nach dem Zusammenstoß, der das ganze Schiff erschütterte, zunächst Rettungsalarm gegeben; eS stellte sich jedoch heraus, daß das Schiff nur leichte Beschädigungen über der Wasierlinie erlitten hatte. Der Dampfer setzte später feilte Reise fort, lief aber nach kurzer Zeit bei dem Vogelfelsen aus Grund. Man hofft, das Schiff bei Hochwasser wieder flott zu bekommen. Schwere Unfälle bei den„1000 Meilen" Das Samstag und Sonntag abgehaltene Autorennen, die„1000 Meilen der Tschechoslowakei", brachte schwere Unfälle, von welchen der eine mit dem Tode eines Fahrers endete. Bei Groß Meseritsch havarierte ein Wagen, wobei der Lenker Kurka so schwere Verletzungen erlitt, daß er kurz nachher starb. Weniger tragisch, wenn auch sehr bedenklich, war der Sturz des bekannten Rennfahrers T u r e k, dessen Verletzungen, zeitweise lebensgefährlich schienen und dessen Mitfahrerin Fräulein Slavik ebenfalls verlebt wurde. Durch einen Rennwagen wurde schließlich ein Soldat, der'auf der Strecke Dienst hatte, ernstlich verwundet;' Ein tapferer Priester. In Köln hielt der Franziskanerpater Heribert eine Rede, die, ihrer unerschrockenen Formulierungen wegen, im ganzen Rheinland riesiges Aufsehen hervorgerufen hat.„Nicht Blut und Rasse sind maßgebend," sagte Heribert,„sondern allein die Liebe. Uns ist ein Neger und Mulatte mit reiner Seele lieber als der sündige Arier... Christus... ist als Meuschaus semitischem Stamm und deswegen müssen wir die semitische Rasse achten... wir sind Bürger dcS Z w e i- t e n Reiches... Christus ist unser Führer, Christus aus dem Stamme Juda... Der würdcn'die' verstümmelten^Leicheu^auö""d'cn: neuen Fahne erweisen wir die Ehrenbezcugun- Trümmern^eborgsn. Eine schwerverletzte;es unsere Pstlchr ist. Doch unsere Seele Doppelmord wegen unglücklicher Liebe Aachen. In dem an der deutschen Grenze liegenden belgischen Oertchen Germanich ereignete sich am Samstag eine blutige Liebestragödie. Ein 4 2jähriger Ziegeleiarbciter, der schon' längere Zeil bei einem Bergmann wohnte, hatte erfolglos versucht, sich die Gunst der 21 Jahre alten Tochter des Bergmanns zu erwerben. Am Samstag wartete er ab, bis Mutter und Tochter schlafen gegangen waren, schlich sich in das Schlafzimmer, ermordete b'eide und zündete dann die Betten an. Nach der Tat siihr er mit dem Fahrrad nach Verviers, wo er sich am Sonntag der Polizei st ellte. Ein zufällig an dem Mordhause vorbeikommen^ der Eisenbahner bemerkte das Feuer und konnte eine weitere Ausdehnung des Brandes verhüten. Kreisturnfest in Aussig Wettkampfprogramm der Atus-Wassersparb» Beginn: Samstag, den 29. Juni, um halb 3 Uhr im Warmbad Kleische. Sportlerinnen: 100 Meter Brust, 80 Meter Rücken, 60 Meter Kraulen, 4X50 Mete: Brustaffel, 50 Meter Kraulstaffel, beliebig.— Jugend: 50 Meter Rücken, 50 Meter Brust- Sportler: 100 Meter Brust, 100 Meter Kraulen, 100 Meter Rücken, 3X100 Meter Lagenstaffel, 6X50 Meter Kraulstaffel.— I u g e n d: 50 Meier Brust, 50 Meter Kraulen. Springen(Männer und Frauen): Drei Pflichtsprünge und ein Kürsprung.(Vorhanden sind zwei Ein-Meter-, zwei Drei-Meter-Bretter und ein 5-Meter-Plafond.) Figürenlegen der Schwimmerinnen von allen in Frage kommenden Bezirken bzw. Vereinen. Wasserball. Die Wertung erfolgt getrennt. Sie ist in Hallen-- oder Freibüder-Uebende geteilt. Bei der Meldung ist unbedingt anzuführen, ob Ucbung in Frei- oder Hallenbad möglich ist. Selbstmordepidemie in Budapest Budapest. Die Blätter, die bereits mit Samstag von 28 Selbstmordversuchen berichten konnten, melden, daß im Laufe des Sonnwgs 24 Personen versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Die Tagung der Gynäkologen in der Tschechoslowakei, die am 28. und 29. September in Franzensbad stattfinden sollte, wird bereits diesen Monat, u. zw. am 29. und 30. Juni veranstaltet werden. Großer Diebstahl in Trplitz. Am Sonntag, nachmittags zwischen 4 und 6 Uhr, drangen Einbrecher in ein HauS in der Mariengaffe in Teplitz und wühlten in einer Wohnung alle Schränke und Kästen durch. Sie machten reiche Beute, denn der Wert der gestohlenen Sachen(Uhren. Ringe, Wäschestücke) wird mit 20.000 liä angegeben. Die Gendarmerie ist mit der Ausforschung des Falles beschäftigt. Löwen müssen gelb sein! Vor dem Prager Parlamentsgebäude stehen steinerne Löwen, welche im Laufe der Zeit gairz schwarz geworden sind. Das erregte das Mißfallen einiger Bürger von Nusle, die sich in der Nacht auf Sonntag mit Farbe und Pinsel aufmachten, um die Löwen nach ihrem Geschmack zu verschönern. Leider wurden sie während der Arbeit von einem Schutzmann überrascht^ der" sie samt ihrem Handwerkszeug auf das Kommissariat schaffte. Dort erzählten sie, daß sie in Büchern gelesen hätten, daß Löwen eigentlich gelb zu sein haben und daß sie daher den Irrtum der Bildhauer korrigieren wollten. Die Polizei zeigte nicht viel Verständnis und verdonnerte alle drei zu je vier Tagen Poli- zciarrest. Verschärfend war der Umstand, daß der eine Kübel schwarze Farbe enthielt, so daß anzunehmen ist, daß die steinernen Parlamentshüter altösterreichisch gefärbt werden sollten. Konferenz im Zeltlager. Gestern reiste eine Arbeitsgruppe tsche bischer Hochschüler von Prag nach P r e l o u c ab, um dort auf der Slavik-Jnsel unter Leitung des Direktors I. First ein Zeltlager zu errichten, in dem heuer die Teilnehmer der Mittelschulkonferenz der akademischen D m k a untergebracht sein werden. Die Konferenz beginnt am 30. Juni und wird eine Woche dauern. Motorzug entgleist. Auf der Bahnstrecke Sahy—Zvolen in Kilometer 3.2 zwischen den Stationen Sahy—Tempa ist Montag der Motorwagen des Personenzugcs Nr. 5618 entgleist und vom Bahngelände abgestürzt. Von den Reisenden wurden neun Personen leicht verletzt. Ein Eisenbahnangestellter wurde schwer verletzt. Die Ursache des Unfalles wird untersucht. Ein großes Flugmeeting in Marienvad wird am Sonntag, dem 23. d. M., unter Beteiligung von Militär und unter dem Protektorate des Ministers für nationale Verteidigung Machnik auf dem staatlichen Flugplatz stattfinden. Hiebei werden die besten Militärflieger, Stabskapitän A m b r u s und Fähnrich N o v ä k, flugakrobatische Produktionen vorführcn. Beginn um 14.30 Uhr. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus«len Programmen t Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse, 12-10 Chansons,- 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt. 17.45 Lernt photographieren!. 17.55 Orchesterkonzert, 18.20 Deutsche Sendung: Mühlberger liest: Die Hände des toten Bauern, 18.35 Arbeiterfunk: Franz K u n i g. Aussig: Die Kreisfeste der Arbeiteriurner, 18.55 Sozial informationen, 20.30 Orchestcrkonzert, 22.30 Tanzmusik. Sender S.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Orchesterkonzert, 14.15 Deutsche Sendung: Eine geheimnisvolle und eine Tiergeschichte, 20.30 Schrammelkonzert. 21.35 Konzert des Ondriöekquartetts.— Brünn. 12.30 Mittagskonzcrt. 17.40 Deutsche Sendung: Fritsch: Zeitmaße des Weltgeschehens.— Mähr.-Ostra«. 16.30 Nachmittagskonzert,>18.10 Harmonika-Solis, 22.30 Tanzmusik.— Preßburg. 15 Nachmittagskonzert. 19.40 Populäre» Konzert.— Kaschau. 19 Gesangskonzert, Nr. 141 Dienstag, 18. Statt 1935 Seite 5 Thomas Manns Stellung zum Sozialismus Bon Will Schaber») Tagung der Arbeiterabstinenten Der Arbeiter-Abstinentenbund in der TSR hielt am Sonntag vormittags im Hause des Internationalen Metallarbeiterverbandes in K o- m o t a u seine Bundes-Vollversammlung ab, an der außer Vertretern der Ortsgruppen auch zahlreiche Delegierte befreundeter Organisationen teilnahmen. Den Vorsitz führte Obmann Genosse Dr. H o l i t s ch e r, der zunächst in einem herzlichen Nachruf des verstorbenen Genossen Dr. Armin Klein gedachte. Begrüßungsschreiben hatten u. a. entsendet: Gesundheitsminister Genoffe Dr. C a e<3&, die Internationale sozialistischer Alloholgegner, der Arbeiter-Abstinentenbund der Schweiz und der Deutsche Arbeitersängerbund in der ESR. Begrüßungsansprachen hielten Genosse Munclinger- Prag für das ZdruZeni abstinentü sozialistü, Dr. K r a s n e Y-Prag für die Zentralstelle der deutschen Enthaltsamkeilsvereine, Herr M i 11 en» berg- Aussig für den Guttemplerorden, Genossin Adelmann- Komotau für die Konsumgenossenschaft und für den Gec-Verband, Genosse Wondrak- Karlsbad für den Parteivorstand und Genoffe Ullrich- Brünn namens der abstinenten Eisenbahner. In den Ansprachen wurde wiederholt mit Genugtuung darauf verwiesen, daß das Fürsorge- und das Gesundheitsministerium mit den Sozialdemokraten Dr. C z e ch und Ing ReLaS besetzt wurden, die als eifrige Förderer der Enthaltsamkeitsbestrebungen bekannt sind. Den Tätigkeitsbericht über die abgelaufenen zwei Geschäftsjahre erstattete Genoffe Dr. L i e- b e n. Turn. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, daß der Arbeiter-Abstinentenbund trotz der schweren Wirtschaftskrise sehr ersprießliche Arbeit geleistet hat. Die finanzielle Notlage des Bundes hat die Tätigkeit freilich stark beeinträchtigt und manche Wünsche nicht zur Tat werden lassen. Die Berichte des Kassiers Genoffen Schneider- Graupen und der Kontrolle, Genoffen Schiefner- Graupen, wurden einhellig genehmigt, den Amtswaltern wurde die Entlqstung erteilt. In der Debatte zu den Berichten sprachen die Genoffen Dr. H o l i t s ch e r- Komotau, Sommer- Falkenau, Dr. K r a s n e y-Prag, Fellinghager- Komotau, Bechtold- Drahowitz, Ullrich- Brünn und Reichl- Schatzlar. Zu den aufgeworfenen Fragen nahm Genoffe Dr. Lieben in seinem Schlußwort Stellung. Beschlossen wurde eine Protestresolution gegen di« neuerdings geplante Erhöhung der Mineralwasser- und Sodawassersteuer. Den zweiten Punkt der, Tagesordnung bildeten die Referat« der Genossen Dr. Holtisch e r und Ullrich über das Thema«Alokohol und Verkehr". Die sehr interessante Darlegungen der beiden Redner wurden mit großem Beifall guittiert. Die Neuwahlen in den Vorstand ergaben fast keine Veränderungen. Zum Obmann wurde wiederum—r- unter dem Beifall der Versammlung— Genoffe Dr. Holitscher gewählt. An Stelle des verstorbenen Genossen Dr. Klein und des erkrankten Genossen Pablc wurden die Genossen Hofbauer und S t r n a d»Prag in den Bundesvorstand entsendet. Nachdem noch Genoffe Dr. Lieben dem Int. Metallarbeiterverband für die gastfreundliche Aufnahme und Genossen Dr. Unger- Aussig dem Genossen Dr. Holitscher für die zielbewußte Leitung des Bundes gedankt hatten, wurde die schön verlaufene Tagung vom Vorsitzenden mit einem anfeuernden Appell zu weiterer, rastloser Arbeit im Dienste der Abstinenzbewegung geschloffen. Thomas Mann entwirft keine politisch-strategischen Tagespläne. Das bedeutet aber nicht, daß er in seiner Kommentierung der Zeit je unverbindlich, unscharf, zweideutig gewesen wäre. Niemals ist er, wie viele andere, mit der Pose der Erhabenheit vor den konkreten Problemen ausgewichen. Er hat sich tapfer in den Tag gestellt, hat ausgesprochen, was der Augenblick verlangte, und selbst geringfügige Anlässe schienen ihm wichtig genug, für den Geist und seine Herrschaft zu plädieren. Wenn Heine von Lessing gesagt hat:„Er war die lebendige Kritik seiner Zeit, und sein ganzes Leben war Polemik", so möchten wir—- das Imperfekt in ein Präsens verwandelnd- dieselben Qualitäten für Thomas Mann in Anspruch nehmen. Gerade jetzt, wo der Dichter immer wieder des Schweigens gegenüber der aktuellen Weltsituation bezichtigt wird, fühlen wir uns verpflichtet, mit herzlichster Wärme für den großen Beitrag einzustehen, den der Dichter zur Erkenntnis der Gegenwart und zur Gestaltung der Zukunft geliefert hat. Gleich Lessing ist er ein Erzieher seines Volkes geworden, ein Lehrer in des Wortes höchstem und unprovinziellstem Sinne. In keiner Entscheidungsstunde— auch heute nicht, und heute erst recht nicht— ist diese einsichtsvolle und liebende Pädagogik verstummt. Funkelnd und lebensvoll ist ihre Sprache, immer ucschöpferisch, immer neu sich entzündend an der Reibungsfläche der besonderen Gelegenheit. Es ist ein Leben in der Zeit, mit der Zeit und— der Zeit voraus. Dieses Voraus- Sein, das seinen Tagesbekenntniffen ihr besonderes Gepräge verleiht, hat unzureichendes Verstehen zu der Unterstellung verleitet, die aktuelle Notwendigkeit komme darin nicht zu ihrem Recht. In Wirklichkeit liegt hier eine weit größere Aktualität vor als bei den Wortfechtern zwar.richtiger", doch mit ungenügender Energie geladener Ueberzeu- gungen. Thomas Mann denkt bereits von morgen her: aus der Welt der.neuen Humanität", aus jener Welt, in der das neue Wort der Li^be herrscht, das Hans Castorp entdeckt hat. Er ist ein Bürger dieser kommenden Welt, er hat vom Lände der Zukunft bereits Besitz ergriffen. Daher ist sein Eifer von einer stillen, aber zugleich stetigen und ungeheuer sicheren Art. In der Sache ist er imnter von sauberster Unzweideutigkeit gewesen, in der Form immer zurückhaltend und behutsam. Daß er vor der klaren Auseinandersetzung auch heute nicht zurückschreckt, lehrt sein jüngster kritischer Prosaband. Darin findet sich nicht nur» seine von enra- gierten Rückschaltern heftig angefochtene Wagner- Studie, sondern auch die Schilderung einer.Meerfahrt mit Don Quijote", worin sich eine Perspektive zukünftiger Kultur eröffnet, die den Vorstellungen der runen- und blutseligen Rassenmystik betont zutoiderläust. Diese seine Zuverlässigkeit und Unbestechlichkeit, dieses bedingungslose Festhallen an der einmal gewonnen Erkenntnis werden eine spätere Zeit bestimmen, Thomas Mann zu attestieren, er sei nicht nur ein großer Denker und Künstler, sondern er sei vor allem ein großer Deutscher, ein repräsentativer Deutscher gewesen: Maß, Kriterium, Norm deutschen Geistes in gefahrvoller Stunde. Wenn wir von ihm sprechen, so sehen wir das gestrige und das morgige Deutschland vor uns, und wir fühlen, daß wir nicht verlassen sind, wenn wir auf die Kraft ausdauernden und eindringlichen Geistes bauen. Ganz allgemein und gatiz jenseits alles Parteimäßigen kann man die geistig-politische Linie Thomas Manns als die Tendenz nach einer planmäßigen Neuordnung des Sozialen und damit auch des Kulturellen charakterisieren. Mit aller *) Aus dem Effah-Dand:.Thomas Mann zu seinem sechzigsten Geburtstage". Drei Aufsätze. Verlag Lvrecht. Zürich 1938. Kraft hält er fest an der geistigen Tradition der Bürgerlichkeit, von der er ausgeht, als ein edler Bewahrer alter Kultur; aber er erkennt schließlich, daß diese Bügerlichkeit nichts zu tun habe mit der „Bourgeoisie", deren Wirken den geistigen und kulturellen Zerfall unserer Zeit weitgehend herbeiführte. Es handelt sich also um eine Neukonstruktion des Gesellschaftsgebäudes— bei der auch die alten kulturellen Baustoffe mitbeteiligt werden sollen.„Die aktuelle Unzulänglichkeit der überlieferungsgemäßen deutschen Geistigkeit", sagte er schon vor Jahren,«beruht auf der Tatsache, daß die gesellschaftlich-sozialistische Idee in ihr nicht vorkommt." Es sei das Leben„mit all seinen Gehalten an Gegenwart und Zukunft ohne allen Zweifel auf Seiten des Sozialismus". Sozialismus: als Axiom neuer Ordnung, als Fundament neuer Kultur, als Plattform für die schöpferische Individualität, als das Instrument, die wirtschaftlichen Widersprüche aufzuheben und dadurch die Befreiung des Geistes anzubahnen. Sozialismus: als die humanistische Tat, als die Zusammenfassung und Weiterführung alles dessen, was menschlicher Geist und menschliche Kultur je hervorgebracht haben. Sozialismus: als das Bündnis des Alten mll dem Neuen, als die Kuppel, welche die gewaltigen Taten der Weisheit und der Kunst in allen Völkern und allen Zeiten bergend überwölbt. Es ist ein„wundervolles Hineinwachsen in Jugend und Zukunft", was wir da erleben und was Thomas Mann selbst einmal an dem greisen Fontane gerühmt hat. Der Lübecker Patriziersohn und der märkische Bürger-Aristokrat treffen sich in derselben soziologischen Perspektive.„Alles Interesse ruht beim vierten Stand", erklärte Fontane 1896 in einem Brief an seinen Freund James Morris,«der Bourgeois ist'furchtbar, und Adel und Klerus sind altbacken... Das, was die Arbeiter denken, sprechen, schreiben, hat das Denken, Sprechen und Schreiben der altregierenden Klaffen tatsächlich überholt. Alles ist viel echter, wahrer, lebensvoller. Sie, die Arbeiter, packen alles neu an, haben nicht bloß neue Ziele, sondern auch neue Wege." Und noch ein anderer Fall solcher Art muß in diesem Zusammenhang verzeichnet werden: derjenige Oscar Wildes, des englischen Notablen, der(in seinem wenig gekannten Traktat «Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus") eine drastische Gesellschaftskritik treibt. „Das wahre Ziel ist, die Gesellschaft auf einer Grundlage neu aufzurichten, die die Armut ausschließt", ruft Wilde;„es ist unsittlich» Privateigentum zur Milderung der furchtbaren Uebel- stände zu verwenden, zu denen die Einrichtung des Privateigentums geführt hat. Das ist sowohl un» sittlich, als auch unehrlichi" Es schesttt. als ob.gerade die hervorragendsten Geister, die der herrschenden sozialen Oberschicht entstammen, mit einer fast seismographischen Empfindlichkeit für den Niedergang und die Anarchie des kulturellen Lebens ausgestattet seien; es scheint, als ob sie alle (nach den Worten Thomas Manns)„lieber den Vorwurf des Radikalismus tragen, als den unheilschwangeren Zwiespalt zwischen Wirklichkeit und Geist vertiefen helfen" wollen. Sie alle fühlen ihre Aufgabe„zwischen den Jahrhunderten", sie alle haben das Bewußtsein für dm archimedischen Punkt, an dem wir angelangt sind, und sie alle wollen im Grunde aus den Fluten der sozialen Katastrophe die„Tafeln des Wiffens" retten, das Kostbare und Große des kulturellen ErbeS, um es.in einem neuen kraftvollen sozialen Organismus zu gesteigerter Blüte und Reife zu bringen-— einem sozialen Organismus, dessen Kulturmöglichkeiten unverhältnismäßig größer wären, als zu irgendeiner Epoche der menschlichen'Geschichte bisher. Denn diese neue Kultur würde sich nicht nur auf die mächtigste und umfassendste So- Straßendahner-Streik— Belagerungszustand. Dte Situation des bereits zwei Monate dauernden Streiks der Straßenbahner in Omaha(Nebraska) hat sich verschärft. Bei Zusammenstößen mit der Polizei gab diese Schüsse gegen die Menge ab, wobei eine Person getötet und 50 verletzt wurden, darunter zahlreiche schwer. Der Gouverneur deS Staates Nebraska hat den Belagerungszustand verhängt und nach Omaha Abteilungen der Nationalgarde entsandt. In den Abgrund. Aus Nizza wird gemeldet, s daß ein Militärkraftwagen, der unter Bedeckung eines Offiziers und vier Soldaten Material beförderte, aus bisher unbekannter Ursache in einen 40 Meter tiefen Abgrund stürzte, wobei zwei Soldaten getötet und drei andere verletzt wurden. Unsicher« Wetterlage, lieber das Karpathengebiet verläuft eine Grenz« zwischen sehr warmem Wetter im Südosten und im Osten des Festlandes und relativ kühlem und unbeständigem Wetter im Binnenland, welchem kühlere Luft aus Westeuropa zugeführt wird. In Ehnst wurden Montag nachmittags 29 Grad, in den böhmischen Ländern jedoch durchschnittlich nur 18 bis 20 Grad verzeichnet, in Troppau sank die, Temperatur nach Regenfällen sogar aus 18 Grad. In unmittelbarer Nähe der Wärmegrenze traten in der mittleren Slowakei stellenweise schwere Gewitter auf. Die weitere Weiterentwicklung ist sehr unsicher.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, verschiedentlich noch etwas Regen. In, Böhmen mäßig kühl, in den übrigen Ländern etwas wärmer als im Westen.— Wetteraus» sichten für Mittwoch: Unsicher. Peiping— das Ziel des japanischen Vormarsches In der Stadt Peiping, die einst als Residenz der Mandschu-Kaffer den Namen Peking führte, herrscht Panik. Es hat eine Maffenflucht eingesetzt vor den javanischen Truppen, die im Nahmen ihres neu aufgenommenen VormarjchcS die Stadt in kürzester Zeck besetzt haben werden. Der„Robotnlk“ über Beness Rußlandreise Warschau. Das Hauptorgan der polnischen sozialistischen Partei„D e r R o b o t n i k" widmet dem Besuche Dr. Beness in Moskau einen Leitartikel, in dem u. a. konstatiert wird, daß von allen internationalen Verttägen und Abmachungen gegenwärtig nur die Hilfeleistrmgsverträge» lvelche Frankreich und die Tschechoslowakei mit Rußland abgeschloffen haben, einen Wert besitzen. Diese beiden Verträge sind geeignet, das hit- lerische Deutschland in Schach zu halten und bedeuten mehr als viele Nichtangriffspakte. Die Tschechoslowakei hübe es verstanden, daß man keinen Vertrag mit einem Staat abschließen könye, der die Gewalt vor das Recht stelle und für welchen BerträgTllediglich ein Feigenblatt zur Deckung der eigentlichen Absichten und Ziele sind. Infolgedessen müffe man mit Rücksicht auf einen solchen Staat mit anderen Ländern Bündnisse schließen und auf diese Weise die Raubgier dieses Staates zu lähmen suchen.„Dec Robotnik" schließt mit dem Hinweis darauf» daß dieTschecho- slowakei ein Jahr nach der de jure Anerkennung Sowjetrußlands mit Rußland nicht nur einen Hilfeleistungsvertrag, sondern auch einen finanziellen und Handelsvertrag abgeschlossen habe. Polen, welches mit Sowjetrußland seit 14 Jahren normale diplomatische Beziehungen unterhält, besitze bisher keinen Handelsvertrag mit Sowjetrußland. Britische Frontkämpfer auch nach Paris, Prag und Wien Paris. Die Vertreter der British Legion Iverden über Einladung der französischen Mitglieder des Internationalen Verbandes der ehemaligen Frontkämpfer vom 21. bis 24. Juni als Gäste in Paris weilen. Dieser Besuch wird anläßlich der Ausstellung stattfinden, die um diese Zeit in Paris veranstaltet wird, um das Jubiläum des Königs Georg V. zu feiern. Eine Delegatton der British Legion wird sich im Laufe des Monates Juli nach Prag und Wien begeben. zietät gründen, sie würde nicht nur keine minderberechtigten Klaffen, Rassen, Nationen kennen; ihrer Expansion würde auch kein äußeres Hemmnis entgegenstehen, weil sie von der überragenden Leistungsfähigkeft einer hochentwickelten Technch getragen wäre. Eine solche kulturelle Ordnung hätte nichts zu tun mit dem Bestreben, alte Satzungen Wiederaufleben zu laffen, sie hätte nichts zu tun mit einer Galvanisierung etwa der Manchester-Ideologie oder gar"des Zünftlertums, mit einer Neuauflage des aufklärerischen oder des romantischen Zeitalter-—sie läge meilenweit ab von aljE. geistesgeschichllichen Eklektizismus. Sie wäre em Novum, indem sie— zum ersten Male in der Historie der Wirklichkeit— den Geist aller äußeren Fesseln entledigen würde. Sie würde die jahrhundertealte Klage und Anklage beenden, daß der Geist nur in den Bibliotheken zu Hause sei, daß aber von seinen Liedern nichts aus dem Volle .zurückklinge". Es wäre die Kultur der Kulturen, ein neuer Weltkalender träte in Wirksamkeit, und seine Devise lautete: Aufhebung des Widerspruches zwischen Geist und Tat. Dürfen wir uns heute, wo die Welt vom Lärm der Waffen und von der Phraseologie blutrünstiger Atavismen widerhallt, derartig hochgespannten Erwartungen hingeben? Wir dürfen es. Denn wir wissen, daß es sich bei dem Geschehen unserer Tage nicht um einen übermächtigen und unabänderlichen mechanischen Vorgang handelt, zu dessen fatalistisch-passiver Entgegennahme wir gezwungen sind; wir wissen, daß das Entscheidende bei allem der menschlich- Wille bleibt und daß es nur darauf ankommt, diesen Willen an der richtigen Stelle und mit dec richtigen Zielbestimmung einzusehen. Was wir in diesen Tagen brauchen, ist die feste Phalanx weltfreundlichen Geistes, ein Generalbündnis der Antibarbarei... Daß es dazu kommen möge, hat Thomas Mann immer wieder in leidenschaftlicher Weise gefordert. Uns aber will,' gedenken wir dieses jünglingshaften Sechzigjährigen, ein Bild nicht aus dem Sinn— ein Bild, das uns in einer gleichnishaften Art'das Wesen des einzigartigen Geistes zusammenzufaffen scheint. Es ist Leonardos«Johannes der Täufer": aus tiefem Dunkel hebt sich in lichtester Weiße eine jugendliche Erscheinung ab; um ihre Lippen spielt ein stilles und feines Lächeln; der Zeigefinger der Rechten aber reckt sich zu einer Geste freimdlichen Wissens und BorwissenS. Die neue Zeit steht vor den Toren sagt uns der prophetische Deuter. Und im hohen Brückenbogen über die Jahrhunderte hat der Ironiker des.Zauberberg" daS Wichtigste mit der visionären Cherubsgestalt Leonardos gemeinsam. Hier wie dort kündigt sich eine gewaltige Cäsue der Geschichte an, und hier wie dort geschieht eS mit einem Lächeln voll unendlicher Milde: Milde, die um die Unabdingbarkeit einer geistigen Schicksalswende weiß. Mutti begießt Du die Blumen auch mit Blumen-Zauberdung von der„Frauenwelt", Prag XI l., Fochova tk. 62; 1 Paket KC 5.60 mit Postzusendung. Seite« „Sozialdemokrat" Dienstag, 18. Juni 1935. Nr. 141 Die ständigen Wählerverzeichnisse Der Magistrat macht darauf aufmerksam, daß die Wählerverzeichnisse, welche jetzt aufgelegt sind, während der, ganzen Reklamationszeit also vom 18. bis zum 22. Juni(einschließlich), in jedem Haus ausgehängt werden müssen. In diesen Verzeichnissen dürfen weder Streichungen noch Ergänzungen vorgenommen werden. Alle notwendigen Aenderungen znd ausschließlich im Wege des gesetzlichen Mklamationsverfahrens durchzuführen. Im Postsparkassen-Amte in Prag wird am Donnerstag, dem 20. Juni, im Parteienverkehr nicht amtiert werden. Diebslatein Eine humoristische Verteidigung ' Prag. In einer Febernacht nahm di« Polizeipatrouille zwei Männer fest, die sich an den Rolladen eines hiesigen Weingeschäftes in verdächtiger Weise zu schaffen machten. Der Fall war klar. Sowohl .Franz Hrdlicka als Wenzel Voma cka verfügen über eine reich gezeichnete Strafkarte und VomaLka bekannte auch reumütig, sie hätten gemeinsam dem Laden einen kleinen nächtlichen Besuch abstatten wollen, den das Gesetz streng verpönt. Franz Hrdlicka, bei dem auch verschiedenes Werkzeug aufgefunden wurde, leugnete dagegen mit großer Entrüstung. Er brachte zu seiner Verteidigung eine kurios« Geschichte vor. Er kenne den Vomakka überhaupt nicht. In der kritischen Nacht ging er seiner Behauptung nach friedlich seines Weges. Plötzlich sah er vor einem verschlossenen Geschäft einen unbekannten Herrn(eben den Mitangeklagten), der heftig fluchte. Dieser Herr habe aui seine teilnahmsvolle Anfrage hin erklärt, er sei B e- sitz er dieses Geschäftes und habe gerade, zur späten' Nachtstunde noch in seinem Laden aus irgendeinem Grunde Nachschau halten wollen. Leider habe er in der Eile vergessen, feinen Schlüsselbund mitzunehmen und nun könne er weder in sein Geschäft, noch in seine Wohnung zurück. Hrdlikka erbarmt« Jdj nun angeblich des Pechvogels und da er ^.zufälligerweise etwas Handwerkzeug bei sich hatte", erbot er sich gutherzig, das Schloß zu öffnen. Dazu ist zu, bemerken, daß Hrdlikka gelernter Schlosser ist, aber sein« Hand- f^tigkeit seit Jahren in recht ungesetzlicher Weise verwertet. Eben bei Ausübung Lieser werktäklgen Nächstenliebe habe ihn die Polizei ganz zu Unrecht geschnappt. Dieses Diebslatein konnte freilich vor dem Strafsenat T r o st keinen Glauben finden, zumal der Kumpan diese Legende durch seine Aussage gründlichst zerstörte. De.r geständig« Vomakka wurde zu vier, der erfindungsreiche Hrdlikka zu .sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt. rb. Iüurst umt Mssrn Den van Ehffelsteijn: Die Notlandung Ein junger moderner Holländer auf der tschechischen Bühn« und dazu mit einem ganz modernen Sujet, der Notlandung eines, englischen Flugschiffes auf«der Strecke London—Kapstadt, können schon an und für sich eine angenehme Unterbrechung bedeuten. Es sei gleich zu Anfang konstatiert, daß der Versuch s(im Ständetheater), geglückt ist und daß das Publikum auf seine Kosten kam. Die Tochter einer englischen Feudalfamilie, in d^r die erhabene Gattin die Regie und auch den Mann mit starker Hand führt, huldigt nach der Art moderner junger Frauen dem Flugsport und erbettelt vom Vater, der aus Opposition gegen seine Frau ein williger Vater ist, das nötige Geld zu einem Fluge London—Kapstadt, den sie gemeinsam mit dem jungen Mechaniker Miller unternimmt. Di« Fahrt bringt eine unaw- genehme Unterbrechung durch den Mangel an Benzin, verursacht durch eine Gewitterserie über dem Südmeer, wobei di« jungen Menschen gezwungen werden, auf einer Insel irgendwo bei Zanzibar zu landen. Erst nach fünf Tagen werden sie von einem französischen Schiffe abgehlÄt, das durch Radionachrichten zur Hilfe aufgefordert wurde. Die unfreiwillige Einsamkeit der beiden Menschen, des jungen, unternehmenden, charakter- und humorvollen, aufrechten und demokratischen Mechanikers, mit der verwöhnten Tochter eines Lords, die unter der burschikosen Maske des Sportgirls ihre Standeszugehörig- keit nicht vergessen kann und zur Liebe und Verständnis erst reifen muß, strebt einem selbstverständlichen Happh-end zu, das sich pünktlich einstellt, nachdem die beiden jungen Menschen sich in England wieder treffen und der Vater, voll Verständnis für die junge Generation, die Vermittlerrolle spielt. Das Stück weist humorvolle Situationen auf, die Regie hat einige amüsante Momente dazugedichtet, so die Radiomekdungen in der Luft in vier Sprachen, hat einiges unterstrichen und nicht viel Langeweile aufkommen lassen. In der Ausstattung ist man nicht über das Hergebrachte gegangen, mit einfachen Mitteln wollte man den Traum einer Südsee-Jnsel hervorzaubern. Von den Darstellern wären in erster Linie Herr Stkpanek als Mechaniker Miller, Frau Stcpnikkovä als Maud, Herr Smolik als Lord und Frau Nafkova als Lady Breniwood zu nennen; aber auch die übrigen, z. B. die Herren Roland, Gruß usw., verdienen Erwähnung.- in. i. Aristophanes: Lhsistrata Das Weinberger Theater hat diese antike Komödie neueinstudiert in sein Sommerprogramm ausgenommen und sie in einem Operettenoder Revue-Stil herausgebracht, der des Guten ein wenig zu viel tat. Lysistrata kann Wohl nicht in allem als ein Vorbild moderner Frauenrechtlerinnen gelten; doch scheint es verfehl^ zu sein, die einzige Waffe, die den bürgerlich rechtlosen griechischen Frauen übrig blieb, sich den Männern zu versagen, um sie zur Beendigung des Krieges zu zwingen, als eine reine Jagd nach geschlechtlichen Genüssen darzustellen. Die griechischen Frauen glichen in dieser Auffassung einer Schar gackernder Hennen, unter denen selbstredend Lysistrata hervcrragt, als sie im ersten Szenenbild ihre Anklagen— wenn auch in etwas freierem Tone— gegen die Männer hervorbringt, die sich monatelang im Felde Herumtreiben, die Sorge um Haus und Kinder, dafür aber eine einsame Lagerstatt den Frauen überlassen. Es ist nicht nur die Klage über die Einsamkeit liebesbedürftiger Ehefrauen, aber, auch ein wahres Bild der sittlichen und wirtschaftlichen Schäden des Krieges und die Auswirkungen der Männerpolitik, die etwas derb, aber um so treffender der antike Dichter der Heldin seiner Komödie i« den Mund legt. Der zweite Akt, der an und für sich der Art und dem Brauch der Zeit angepaßt, die natürlichen Dinge mit natürlichen Ausdrücken aussprach, übertrieb die erotischen Szenen bis über die erlaubte Grenze des Geschmackes. Hauptsächlich die Schlußszene, worin Lysistrata_— doch mehr Amazone und ihrer Frauen- und Bür- gerinnerNvürde bewußtes Weib als die übrigen, von ihren Männern in allem abhängige Frauen—- entblößt bis auf einen dünnen Brustlatz und Feigenblatt, vor der Riesenstatu« der Palas-Athene steht, drückt der antiken Komödie den Stempel einer modernen Nacktrevue mit Lichteffekten auf. Fran Gla- serovä als Lysistrata, Herr Hradilak als Kinesias, Herr VrVflh als Konsul und Herr Kovarik als Sofias seien aus der Fülle der Darsteller hervorge- hoben. m. i. IT. Absolventrnabend der Deutschen Musik- akademie. Konzert mit Orchesterbegleitnng: Mozart, Tartini und Arien aus der„Schöpfung" von Haydn. Donnerstag, den 20. ds., 20 Ilhr, Radiosaal, Weinberge. Karten iu der Mufikakademi«, Prag II., Bladislavova 23. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen DbeaterS. Heute Dienstag abends 8 Uhr: D a s L a n d des Lächelns, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Mittwoch 7 l Z: S« rbUS! .Servus!, Abonnement ausgehoben. Donnerstag 7’/: DantonsTsd. C 1.— Freitag 7^: Giuditta. volkstümliche Vorstellung. Abonnement aufgehoben.— SawStag 7sH: Eosi fan t« t t e. im Rahmen der Festspiele neu einstudiert, B. 2.— Sonntag 7;4: Die Nachtigall, Gianni Schicchi, D 1. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute Dienstag abends 8 Uhr:Schnisttling auf allen Suppen.— Mittwoch 8: Schnittling auf allen Suppen, Abschiedsvorstellung Werbeziel.— Donnerstag 8: Mädchen für alles, volkstümliche Vorstellung.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 8: IchhabS getan, volkstümliche und letzte Vorstellung der Kleinen Bühne. DrrDüt» Import aus Berlin Seit Beginn der Sommerspielzeit, di« sich— nach altem Herkommen— durch eine Senkung des Niveaus auszeichnen soll, ist der Zustrom der Waren aus Goebbels' Verdummungsanstalt wieder im Wachsen. Da zeigt man einen Film„DieSonne geht auf", in dem der schmachtende Operettentenor Charles K u l l m a n n(der vollends lächerlich wirkt, wenn er spricht) zwei langweilige Schlagerlieder in endlosen Wiederholungen von sich gibt, und einen'Hilm„Was bi« ich ohne Dich", in dem es stch nicht um«inen Tenor, dafür aber um Filmstars handelt. Beide„Werke" sind— im Zeichen der geistigen Einigung— nach dem gleichen Rezept erdacht: junge und verliebte Leute machen ihr Glück, werden reich und berühmt, ohne lange warten zu müssen und ohne viel anderes zu tun als ein bißchen zu schwindeln, zu lächeln und zu schmachten. Der Tenor zum Beispiel wird auf einem Berliner Bockbierfest von einem eigens zu diesem Zweck erschienenen Musikverleger entdeckt, und ehe er sich's versehen hat, reißen sich die Scala, die Metropolitan- Opera und der Convent-Garden um ihn. Daß die Hersteller solcher Filme di« Verlogenheit des in Szene gesetzten Optimismus selbst erkennen, beweisen sie durch djss krampfhafte Verlegenheit, mit der sie die Zufälle der Handlung an den Haaren herbei- zi«hen; und daß in jenem Bezirk, in dem diese Filme entstanden, der künstlerische Bankrott erklärt ist, zeigt sich an dem Verhalten der noch dort verbliebenen Schauspieler, die bessere Tage gesehen haben und sich jetzt— wie Fritz KamperS und Max Gül- st o r f— in den unmöglichsten Nebenrollen verstecken. Di« Hauptrollen sind den talentlosen Pro- tektionSkindern ausgeliefert, während die begabte Jugend unter den Darstellern— wie Wolfgang L i e- beneiner und Rudolf Platt«— auf verlorene Posten gestellt ist. Wenn man Jämmerlichkeiten dieser Art. sieht, wundert man sich nicht über die Nachricht, daß Goebbels die früheren deutschen Filme einstampfen lassen will, weil er den Vergleich mit ihnen fürchtet. Um so mehr aber wundert man sich, daß außerhalb des Dritten Reiches nicht alle verfügbaren Kopien dieser deutschen Filme von einst gezeigt werden: die Pabst- Film«, die Bergner-Filme, die„Mädchen in Uniform".und„Der blaue Engel",— ja selbst die Durchschnittsfilme von damals, die immer noch hoch über den„Leistungen" der heutigen Berliner Produktion stehen. Die Sommerspielzeit, die ja auch eine Zeit der Reprisen ist, wäre die beste Zeit sür eine solche Parade der vor dem Einstampfen geretteten deutschen Film-Vergangenheit..—eis— Henry Garat in dem französischen Film„Der gestohlene Millionär" Sport-Spiet-Xorperpskegc Das Mitropacup-Geschäft hat eingesetzt Di« ersten Spiele der ersten Runde haben— bis auf die Begegnung Sparta—Vienna, welche heute Dienstag ihr Spiel austragen— für die tschechoslowakischen Vereine gute Ergebnisse gebracht. Der Meister Slavia hatte diesmal eine Hesse r« Auslosung und kömmt nun über dl« erst« Rund«, die für ihn in den vorhergehenden Jahren immer das Ausscheiden bedeutete. Der FC Szeged wurde daheim von den Pragern, die nicht einmal komplett antraten, verhältnismäßig leicht mit 4:1 (2:1) geschlagen und das Prager Rückspiel wird daher keine Ucberraschung bringen. Ueberraschend ist die Niederlage von Rapid Wien in Brünn, woZidenice mit 3:2(1:0) Sieger blieb. Die Brünner führten schon 3:0, als die Wiener den Ernst der Lage erkannten und„antauchten"; sie erzielten auch drei Tore, wovon eines jedoch wegen borangegangenem Handspiel nicht anerkannt wurd«. Daß aber die Brünner in Wien ebenso gut abschneidcn werden, damit kann nicht gerechnet werden. Der erwartete starke Besuch blieb aus, da sür einen Stehplatz 10.60 KC verlangt wurden; immerhin waren es über 10.000, die diese teuren Eintrittspreise bezahlten. In Pilsen standen sich Viktoria und Juventus Mailand gegenüber. Das Match endete 3:3'(2:2)." kam bei diesem Spiel zu einem Zwischenfall: Ein Zuschauer lief in den Platz und griff den Italiener Ferrari tätlich an. Di« Pilsener haben im Rückspiel nicht viel Chancen, obwohl sie am Sonntag den Sieg durch Nervosität vergaben. Ein reguläres Tor wurde den Pilsenern nicht anerkannt. Die„Sensation" brachte aber das Spiel Austria Wien gegen Ambrosiana in Mailand: Die„Papierenen" schlugen den italienischen Meister glatt mit 5:2(2:0). Eine halbe Stunoe vor Schluß führten die.Wiener mit 5:0, als die Italiener, von den Zuschauern verlacht und ausgepfiffen, doch noch zwei Tore erzielen konnten. A d m i r a Wien gewann am Samstag daheim gegen Hungaria Budapest nur 3:2(2:0). Di« ungarischen Klubs haben nicht glänzend abgeschnitten. Zu den Niederlagen Szegeds und Hun- garias gesellen sich noch die U j p e st s in Budapest gegen Fiorentina mit 0:2(0:2) und Fe- renevaros in Rom gegen Roma mit 1:3 (1:2). DFC Prag verliert in Bukarest. Das erste Spiel auf der Rumänientournee des Prager DFC in Bukarest gegen ein Städteteam endete mit einer Niederlage von 3:4(2:2), herbeigeführt durch ein Eigentor. Beim DFC spielen als Gäste zwei Leute vom Karlsbader FK mit. Ein DFB-Weftga«.Funktionär, der mit„gutem" Beispiel vorangeht, ist wahrscheinlich der Westgau-Spielleiter Böhm, welcher bei einem Spiel in Eger einenZuschauerohrfeigtel! Er wurde von der Polizei sichergestellt und abgeführt. Schiedsrichter Duden neuerdings infultierl! In Rosenthal fand ein Ausscheidungsspiel zwischen dem Ortsverein und dem DSV Oberleutensdorf um den Aufstieg in die erste Klasse statt. Als bei einen: Rückpaß der Ball die Torlinie überschritten hatte, aber rasch ins Feld zurückbefördert wurde und Düben nichts bemerkt haben wollt«, drangen Oberleuten?- dorfer in den Platz. Sie verlangten Tor und als Duben dies abilehnte, wurd« er tätlich angegriffen. Das Spiel.fand damit ein vorzeitiges Ende. Für den Aufstieg in dir DFB-Division qualifizierten sich Warsndorfer FK, der im Rückspiel den Lobositzer FK 8:1 schlug, und VfB Tep« l i tz, welche zwar das zweite Spiel gegen die Prager Sportbrüder mit 2:3(0:2) verloren, ober das bessere Torverhältnis besitzen. Das Turnier der Liga-Kaudidaten. Am Samstag schlug Piktorja Zizkov in Prag di- Mor. Slavia mit 4:0(4:0). SK Nachod holte sich eine weitere Niederlage in Prcßburg vom CSK mit 1:4(1:2). Sonstige Fußballergebnisse. Saaz: DSV geg. Cechie Karlin 4:1(2:1).— Komotau: SK Ko- pisty gegen 2FK 5:4(0:1).— Brüx: DSK gegen Nuselsky SK 3:3(0:1).— Aussig: SpVg Bodenbach gegen DFK 2:1(0:0).— Gablonz: BSK gegen Aston Villa Jungbunzlau 6:2(1:1) DSK gegen SK Liben 4:3(0:2).— Reichen» berg: RFK gegen Slavia Reichenberg 5:5(3:3). — Warschau: Budapest gegen Warschau 1:1 (1:0).— Göteborg: Schweden gegen Dänemark 3:1(1:1).-— Kristians: SK Kladno gegen FK 2:1(1:0). DaviS-C«P. Der in Prag ausgetragene Kampf Tsch echosloWake i—S üd afrika endete 5:0 für die Tschechoslowakei.— Australien verlor in Berlin gegen Deutschlaich 1:4.— Das Endspiel der Europazone bestreiten demnach die Tschechoslowakei und Deutschland, welches wahrscheinlich m Prag ftattfmden wird. 1060-Meilen-Rennen der Tschechoslowakei Ein tödlicher und ein schwerer Unfall Dieses Autorennen auf der Strecke Prag—« Preßburg—Prag wurde von Samstag auf Sonntag durchgeführt und von Kubikek auf Bugatti in der Kategorie über 2000 ccm in 15:46:12(Durchschnitts-Stundengeschwindigkeit 97.68 Kilometer) gewonnen.— In der Kategorie bis 2000 ccm siegte Spiegel-Diesenberg auf BMW in 15:56:14;«- bis 1500 ccm: Cantoni Renzo(Lancia) in 17:43:37, bis 1100 ccm: Mrnio Ruggero(Fiat) 16:53:19, bis 750 ccm: Kaiser(Jawa) 18:24:05 Sid. DaS Rennen verlief aufregend und am Samstag ereigneten sich ein tödlicher und ein schwerer Unfall, worüber an anderer Stelle berichtet wird. VkrdnznachäMta Kreisturnfest Aussig. Allen Genossen und Genossinnen diene zur Kenntnis, daß Meldeschluß am 19. Juni ist. Anmeldungen in allen Turnstunden bei Gen. Nittel. Der Betrag von 7 Kc p„.„ füx die Karte ist gleich zu er- r“ AU legen. Auch jene, welche nicht aktiv teilnehmen wollen, können sich melden. Wir wollen in Aussig so stark als möglich teilnehmen, darum beteiligt Euch recht zahlreich.— WJji , Dienstag, Donnerstag und Freitag UebungSstunven für Aussig. ArLeitsgemeinschaft Pankowsky im Parteiherm, Narodni tkida, Dienstag, 18. Juni, 5 Uhr, Referat Gen. Seydewitz„Diktatur des Proletariats?" Di« Baugenossenschaft für Bank-«nd Spar- kassenbeamte hält ihr« XXV.(Jubilämns-)Vollversammlung morgen, den 19. Juni, um 20 Uhr im Großen Saale des Handwerkervereines ab. Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Abend um acht." A.— Alfa:„Späte Liebe." Tsch.— Avion:„Der moderne Robinson." A. Douglas Fairbanks.— Beranek:„Kubanisches Liebeslied." A..— Fcnix:„Jennie Gerhardt." A,— Flora:„Von Abend bis Mitternacht." A.— Hollywood:„Bachstelze." Tsch.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen(halb 2 bis halb 10).—• Koruna:.Sichter der Großstadt." A. Charlie Chaplin.— Kotva:.Siebe unter Künstlern." A. — Lucerna:.Siebe unter Künstlern." A.—Passage: „Maskerade." Paula Wessely.— Radio:„D ieungetreue Frau." A. Sylvia Sidney.— Skaut: „Bachstelze." Tsch.— Svktozor:„Die Abenteuer des Bulldog Drummond." A.— Bajkal:„Von Abend bis Mitternacht." A.— Belvedere:„Flucht aus dem Paradies." A. Lubitsch.— Illusion: „Solang du eine Mutter hast." Tsch. Nedosinskä.— Louvre:„Bon Abend bis Mitternacht." A.— Bal- dek:„Salto in die Seliakeit." D. Verlanget überall Volkszünder Wollen Sie gesund werden? Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit? Wollen Sie Ihren Urlaub schön und billig verbringen? Mm Sie den Rwort WM! Bei erstki. Einrichtung, Fürsorge und Bedienung sind wir wirklich billig. In Bohdaneö erwartet Sie Genesung und Erholung.^X» Saison 2. Mai bis 30. September Bezugsbedingungen: Bei Zustellung MS Haus oder btt Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48—, halbjährig KC 96— ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di, ZeitunaSfrankatur wurde von der Post, und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G„ Prag.