Donnerstag, 20. Juni 1935 Nr. 143 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•Inichii.eiich 5 H.IIm Forto» ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag nu fochova a. teldon sott. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. FRA« Eine verunglückte Premiere Erste Gehversuche der Herren Frank I und Frank II auf dem parlamentarischen Glatteis Prag. In der Mittwochsitzung der beiden Kammern gaben die Henleinfraktionen ihre erste Vorstellung. Zuerst brachte der Klubobmann der Parlamentsfraktion, Herr Frank I aus Karlsbad, eine ellenlange Erklärung zur Verlesung, die sich eigentlich als eine Art Botschaft Konrad Henleins an die Nationalversammlung entpuppte. Das Parla- mrntspräfidium wurde denn auch von tschechischen Regierungsabgeordnrten scharf angegriffen, weil es die Verlesung derartig langer programmatischer Erklärungen überhaupt zuließ. Schließlich hätte ja Herr Henlein selbst sich wählen lassen und dann nach Herzenslust seine Ergüsse von der Parla- mentstribüne verzapfen können. Daß die SHF ihre ersten Redner nicht frei von der Leber weg reden ließ, ist andererseits sehr begreiflich.^ Die Herrschaften find noch frisch- fromm-sröhlich-freie Wahlreden gewöhnt und da hätten schöne Sachen passieren können, wenn man die Redner nicht streng an das Konzept gebunden hätte, das offenbar aus derselbe« Küche stammt, wie die ganze« programmatischen Kundgebungen Henleins. Treuherzige Versicherungen, daß die SdP auf tem Boden der Verfassung stehe und alle Pflichten gegen den Stadt auf sich nimmt, bekommen gleich ihre besondere Note durch das Pochen auf die gleichen Rechte, für deren Erlangung die SdP jederzeit .mit vollem Einsatz kämpfen" will.. Das Anbieten der Hand zum inneren Frieden geht über in ein Jammern, daß die tschechoflowakische Oeffentlichkeit, aus dem Hitler-Ruck im deutschen Lager nicht die staatspolitischen Konsequenzen gezogen und.das System der deutschen Bedeutungslosigkeit durch die Zuziehung kleiner Gruppen fortsetze", obwohl das deutsche Volk diese Gruppen ablehne. Im selben Atemzug wird eine Vertretung des Sudetendeutschtums durch.geschenkte Ministerposten" abgelehnt und nach dem jugendlichen Partner auf der anderen Seite gerufen, der»ebenso frei von Traditionen und Reminiszenzen den gleichen Mut zur Neuordnung und Neugestaltung besitzt". Die Versicherung, daß sie sich niemals der unauflöslichen b l u t m ästigen Verbundenheit mit dem deutschen Gcsamtvolk(d. h. den Sadisten der Konzentrationslager und Gestapo!) begeben könne, glauben wir den Hitleranbetern gern. Was dann aber von der.Sorge um die Erhaltung der Lebensbasis unserer Volksgruppe" geschwefelt wurde, war schon«ine aufgelegte Frozzelei der vielen sudetendeutschen Arbeiter, die durch ihre Volksgenossen Fabrikanten, die Geldgeber der Henleinpartei, auf die Straß« gesetzt wurden! Während der Vorlesung, bei der sich Herr Frank I als eine recht mittelmäßige rednerische Begabung entpuppte, gab es wiederholt kleinere und größere Geplänkel. Unsicher im Ausdruck und nervös in den Papieren blätternd, erweckte der Sprecher mehrmals den Eindruck, daß ex durch die Zwischenrufe der Gegner ganz aus der Fassung gebracht sei. Als Frank seine Partei als eine„k onstruBtive Op p o s iti on" herausstrich und für sie alle demokratischen Rechte reklamierte, wurde er von den sozialistischen Abgeordneten sehr lebhaft gefragt, wie es denn um dies« Rechte in Hitlerdeutschland bestellt sei. Es kam zu heftigen Geplänkeln vor den Bänken, wobei unsere Genossen, vor allem der neugewählte Abgeordnete Z i's ch k ä, den Henle injüngern ihr Doppelspiel kräftig unter die Nase rieben. Es fiel auch der Zwischenruf: »Hier wollt ihr Demokraten sein, draußen habt ihr den Wählern den Anschluß versprochen." Auch von den tschechischen Nationalsozialisten wurde Herrn Frank unaufhörlich zugerufcn: »Ihr seid doch nur eine Expositur Hitlers! Reden Sie über die Methoden Hitlers!" Bei der Stelle der Vorlesung Franks, wo er die tschechischen Politiker aufforderte, die deutschen Notstandsgebiete zu besichtigen, rief ihm einer unserer Genossen zu: »Herr Henlein ist nicht neugierig darauf, wie es dort aussieht, der sitzt am Genfer See." Ganz brenzlich wurde die Situation, als Frank mit der Borleserei zu Ende war und in freier Rede einen Abschluß suchte, aber nicht fand. Es ist eben doch ein Unterschied zwischen dem fröhlichen antimarxistischen Wortschwall in einer Volksversammlung und dem Wirken im Parlament, ir.’ nur ernste Sachlichkeit Eindruck erwecken kann. Der„spontane" Beifall der Henlein-Fraktion war übrigens herzlich schlecht organisiert, so daß an mehreren Stellen nach Verlegenheitspausen Wiederholungen anbefohlen werden mußten. Nicht vergessen sei, daß der ungarische Großgrundbesitzer Szentivani dem Herrn Frank nach seiner Rede herzlich und ostentativ gratulierte. Das ist ein böses Omen. Denn Szentivani hat auch Herrn Dr. H a n-, reich nach seiner ersten Henleinrede beglückwünscht, worauf Hanrekch nach kurzer Zeit in Ungnade fiel, ohne das erstrebte Mandat zu erhalten! Profanation Svehlas durch Herrn Frank II Der Senat hörte sich die BKfchäfk Henleins, die von dem Herrn F r ä n k II vorgekrägen London. Der Beschluß, den Minister für Bölkerbündsangelegenheitcn Eden am Freitag zu Besprechungen mit der französischen Regierung nach Paris zu entsenden, wurde, wie der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph" schreibt, am Dienstagabend gefaßt, nachdem die französische Note zur deutsch-englischen Flottenvrrstän- i digung in London eingetroffcn war. Der Besuch Edens in Paris habe hauptsächlich den Zweck, alle etwaigen französischen Zweifel zu zer st reuen, daß England überstürzt gehandelt habe, indem es ohne vorherige Rücksprache mit den anderen in Betracht kommenden Mächten em unmittelbares Abkommen mit Deutschland abfchloß. * Paris. Die gesamte französische Presse nimmt eingehend zu dem deutsch-englischen Flöt- tenabkommrn Stellung, das sie einstimmig weniger auS technischen, denn aus finanziellen, juristischen und politischen Gründen bedauert. Im„Echo de Paris" schreibt P e r t i n a x, das Flottenabkommen bedeutet das Ende der Politik, die in der französisch-englischen Erklärung vom 3 Feber angekündigt und durch die Stresa-Resolu- tion erweitert und gestärkt worden war. Die deutsche Diplomatie hat über den von den französischen und englischen Ministern proklamierten Grundsatz der Unteilbarkeit derFriedensor». g a n i s a t i o n triumphiert. Die französische Regierung hat sich schon in ihrer Not« vom 17. Juni volle Aktionsfreiheit Vorbehalten und angekündigt, daß sie sich durch die Bestimmungen des Washingtoner Flottenabkommens betreffend den Drei-Mächte-Standard nicht mehr gebunden erachte. Nach dem Abschluß des deutsch-englischen Sonderabkommens sind weitere Entschlüsse und Schritte von französischer Seite notwendig.Zunächst hätten eventuelle französisch-englisch« Flottenbesprechungen nicht in London, sondern in P a r i S stattzuflnden, denn Frankreich könne unmöglich das Fortdauern einer schiedsrichterlichen Funktion anerkennen, die sich über die französischen Interessen so offenkundig hinwegsetzt. Andererseits wird über die von englischer Seite angestrebt« Luft-Konvention nicht abgesondert, sondern nur im Rahmen. der kollektiven Sicherheitsorganisation verhandelt werden dürfen. Schließlich soll die englische Regierung nicht mehr versuchen, Frankreich unter Berufung auf die Genfer Grundsätze und Ideen, die sie eben Wer Bord, wmve, zunächst mit einer gewissen Langmut an. Gegen Schluß gab es aber auch hier wiederholt aus den Reihen unserer Genossen und der Kommunisten scharfe Zwischenrufe, wenn der Phrasenschwall schier unerträglich zu werden drohte. Als Frank den Klassenkampf und die materialistische Geschichtsauffassung stolz ablchnte, erinnerte ihn Genosse Dr. Heller daran, daß er davon doch sicher keine Ahnung habe, und Genosse Nießner vermutete, daß Fraik H diese Ausdrücke mit einem Stiefelknecht verwechfle. Als Frank die SHF als„demokratische" Partei hinstellt, ruft Dr. Heller: Das ist ein guter Witz! Die ganze Linke beginnt zu lachen und der Herr Redner lacht mit. Bald werden die Zwischenrufe aber schärfer und ernster und es gibt einen Krawall als Frank das Wort ,Kultur" auch nur ausspricht. Nießner ruft dazwischen: Mordkultur ä la Hitler! Aehnliche Szenen wiederholen sich, als von„sittlicher Erneuerung" die Rede ist. Da setzt es bei den Linksparteien heftige Empörung ob dieser Profanation. Frank liest dann auch noch„eigene Worte" vom Zettel ab und leistet sich darin u. a. eine unerhörte Verunglimpfung des toten Svehla, dem er zumütet, er würde die SHF-Leute heute mit offenen Armen aufnehmen... Nießner ruft: Das ist eine Schändung des Andenkens, Svehlas! * Sonst brachte die Senatsdebatte mir noch fe einen ungarischen und slowakischen Redner und eine Erklärung S ch a r n a g l s für die deutschen Thristlichsozialen.;r' In beiden Häusern geht die Debatte am Montag nachmittags weiter. geworfen hat, in die abessinische Angelegenheit zu verwickeln. Der diplomatische Mitarbeiter des offiziösen „Petit Parisien" schreibt, daß die psychologischen Erwartungen, die man in Berlin in das deutschenglische Sondcrabkörmnen zu setzen scheint, sich nicht erfüllen werden. Deutschland hat Großbritannien ein Abkommen angeboten, das' die dauernde Jferio- rität der deutschen gegenüber der englischen Flotte feststellt. Die englische Regierung hat diese Gelegenheit sofort erfaßt und auf diese Weise in einer Frage, für die die englische Oeffentlichkeit besonders empfindlich ist, einen großen Erfolg errungen. In diesem Sinne wird das Flottenabkontmen der englischen Regierung eine ausgezeichnete Plattform für die nächsten Wahlen liefern. Höchstwahrscheinlich wird abor London in seiner Annäherung an Deutschland nicht weitergrhen. Bedenklicher ist das deutsch-englische Abkommen allerdings vom juristischen Standpurckt, weil die englische Regierung weder auf den militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages, noch auf die ftanzösisch-eng- lische Erklärung vom 3. Feber Rücksicht genommen hat. Dennoch wäre es eitel, sich über einen diplomatischen Akt zu beklagen, den man nicht verhindern konnte. Nachträgliche Einladunsen nach London London.(Havas.) Die britische Regierung hat Frankreich um die Ent» sendung von Marineexperten nach London eingeladen und außerdem der italienischen und der sowjetrussischen Regierung bekanntgegeben, daß sie erfreut wäre, wenn sie deren technischen Vertreter in London begrüßen könnte. Die verantwortlichen französischen Kreise sind der Ansicht, daß'solche technische Beratungen nur vorläufigen Charakter haben könnten, solange nicht alle aus dem britisch-deutschen Flottenabkommen sich ergebenden politischen Fragen gelöst sind. Die französische Regierung wird ihre Entscheidung erst nach Anhören der Darlegungen des Ministers Eden treffen. Unser Parteitag Heute tritt in Brünn der gesamtstaatliche Parteitag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei zusammen. Er war zuerst für anfangs Mai einberufen worden, doch mutzte er wegen der zur Zeit seiner Einberufung noch nicht anberaumten Wahlen verschoben werden. Zu jenem Zeitpunkt war der ihm zugedachte Zweck, Vorarbeit für den Wahlkampf zu leisten; zufolge seiner Verschiebung fällt ihm eine andere Aufgabe zu: Rückschau zu halten, die Kampfsituation, das Terrain zu prüfen, auf dem wir in der Wahlschlacht gestanden sind und die kommenden Kämpfe vorzubereiten. Das Faktum, der Wahlen wäre keinerlei Rechtfertigung für eine weitere Hinausschiebung des Parteitagstermines etwa bis zum Herbst gewesen, die zuständigen Parteiinstanzeu haben im Gegenteil höchsten. Wert darauf gelegt, den Parteitag ohne Säumen noch unter dem unmittelbaren Eindruck des Wahlausfalles stattfin- den zu lassen. Obwohl die Tagesordnung des Parteitages nur einen einzigen Punkt umfaßt, das ist die Ueberprüsung der Politik und Taktik der Partei, ist für die Tagung doch der Zeitraum vom 20. bis 23. Juni in Aussicht genommen. Die Delegierten sollen bei der Aussprache nicht beengt, vielmehr soll ihnen tunlichster Spielraum eingeräumt werden, um ihre Auffassungen z'm Ausdruck bringen zu können. Die Parteileitung setzt als selbstver- ständlich voraus, daß die Auseinandersetzung wie stets auch diesmal vom Geiste der Brüderlichkeit und der selbstauferlegten Disziplin erfüllt sein wird, doch liegt es ihr natürlich fern, die Freiheit der Meinungsäußerung einschränken zu wollen. Sie ist sich bewußt, daß sie ihre Arbeit nur dann erfolgreich zu leisten, ihrer Verantwortung nur dann gerecht zu werden vermag, wenn die Masse der organisierten Parteimitglieder mit ihr stets in engster Fühlung bleibt und wenn hinter der von ihr betriebenen Politik der Wille dtr Mehrheit der Parteimitgliedschaft steht. ■ Daß die Parteiführung nicht daran denkt, im luftleeren Raum und auf eigene Faust zu operieren, beweist gerade die Raschheit der Einberufung des Parteitages." Sie bedarf jetzt mehr denn je das Vertrauen der Parteigenossen, darum erscheint es selbstverständlich, daß sie so rasch als nur irgend möglich, die Gelegenheit zur Aussprache schuf, um die nach dem Wahlausfall zurückgebliebenen Stimmungen und Auffassungen innerhalb der Bewegung kennen zu lernen. Die Mehren der Wahl liegen offen zutage. Ihre wichtigste ist wohl die, daß die von Partei und Gewerkschaften bisher geleistete Schulungs- und Erziehungsarbeit eine große gewesen ist, daß von ihr aber doch erst eine Minderheit aufgeklärt und erzogen worden ist, denn sonst hätte es nicht geschehen können, daß neben den durch die Krise aufgescheuchten und wild gewordenen kleinbürgerlichen Schichten auch durchaus nicht unerhebliche Teile des sudetendeutschen Proletariats zu der aus den Geldern des Besitzbürgcrtums unterstützten Henleinbewegung übergelaufen sind. Noch immer wird nicht nur die Mehrheit des Volkes, sondern auch die große Mehrheit der Arbeiter weder durch unsere Presse noch durch unsere Agitationsarheit erfaßt, kein Wunder daher, wenn in Zeiten, wie den gegenwärtigen, da Not und Existenzsorgen die Geister verwirren, jede einigermaßen gerissene und skrup- pellose Demagogie hei den politisch Urteilslosen Gläubige findet. Was sicher not tut, das ist: unsere Werbemethoden zu überprüfen, denn zweifellos sind darin manche unserer politischen Gegner uns weit überlegen. Es darf nicht übersehen werden, daß die Mentalität der Menschem an die wir uns wenden, in der jetzigen Zeit doch eine wesentlich andere ist, als dies früher der Fäll war, es sind verbitterte und oft verzweifelte Menschen, die zu sehr zermürbt sind, um noch darnach zu fragen, wer dafür gesorgt hat, daß sie nicht ganz verhungert sind. Menschen, die von solchen Gemütsstimmungen erfüllt sind, erscheinen leicht geneigt. Psychosen zu verfallen und politischen Wunderkuren zu vertrauen,'auch wenn die Schwindelhaf- tigkeit solcher Kuren auf der Hand liegt. Weniger als je wird unsere Werbetätigkeit versäumen dürfen, das'Große, das Befreiende unseres Zieles, die Idee des Sozialismus in den Vordergrund zu rücken. Der Parteitag hat nicht bloß di: Aufgabe» Rückschau zu halten und die Lehren des Kampfes Englands Extratour Wird Eden in Paris die Bedenken zerstreuen? Stift 2 TounerStag, 20. Sftmt 1035 Nr. 143 zu ziehen, er wird auch die Waffen für die weiteren Kämpfe zu schmiedeif und zu schärfen haben. Wir haben den Mut, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und die Schwere ter erlittenen Wahlschlappe zu erkennen. Aber so wie wir uns niemals, auch in den Epochen unseres sieghaften Vordringens nicht einem rosigen Optimismus hinge» geben haben, so wissen wir, das; eS töricht wäre, erner Panikstimmung zu verfallen. Wieviel an Mitläufern auch untreu geworden sein mögen, es ist dreierlei geblieben, was sede Kleinmütigkeit ausschließt: die Kaders der Partei sind unversehrt geblieben, ideologisch brauchen wir nichts zu revidieren oder über Bord zu werfen und schließlich sind alle Voraussetzungen, die über alle gelegentlichen Rückschläge hinweg den schließlichen Sieg deS Sozialismus verbürgen, bestehen geblieben. Der sudetendeutsche FasciSmus konnte mit schwindelhaften Verheißungen die Wankelmütigen und Verwirrten einfangcn, dem von ihm verursachten Rausch wird bald das katzenjämmerliche Erwachen folgen. Die Logik der Entwicklung ist trotz allem unüberwindlich und unerbittlich. So wie sie über den politischen und wirtschaftlichen Schwindel des Henleinrummels Hinwegbrausen wird, so auch über das Einzelschicksal der Vielen, die heute noch diesen Schwindel glauben. Die Zeit der durch keinerlei kapitalistische Maßnahmen dauernd zu bannende Wirtschaftskrise mit ihrer Gefolgschaft an Not und Elend mag sich vorübergehend reaktionär auswirken, in ihrer Endwirkung macht sie doch die Welt für den Sozialismus reif. Darum darf die Ueberzeugung ausgesprochen werden, daß der Parteitag von nichts weiter entfernt sein wird, als von lähmendem Pessimismus und kleinlichem Gezänk und daß er im Bewußtsein der gewaltigen Aufgaben, die unser in der Zukunft harren, den Beweis erbringen wird, daß das Gefüge der Bewegung keinerlei Lockerung aufweist und daß trotz mancher Meinungsverschiedenheiten in Einzelheiten der Geist der Einigkeit, der Kameradschaftlichkeit und der Kampffreudigkeit ungebrochen geblieben ist. In diesemVertrauen grüßen w i r d i e Delegierten des Parteitages und wünschen ihrenBera- tungen von ganzem Herzenbesten Erfolg! vcr Brünner Parteitag von MS Eine der denkwürdigsten Tagungen der österreichischen Sozialdemokratie Der heute in Brünn zusammentretende Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei ruft lebhaft die Erinnerung wach an einen Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie, der vom 24. bis 29. September 1899 in Brünn abgehalten wurde und der in der politischen Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie, ja in der politischen Geschichte Oesterreichs überhaupt einen denkwürdigen Platz einnimmt und auf dem einer der bedeutendsten Beschlüsse der österreichischen Sozialdemokratie gefaßt wurde, das Brünner Nationalitäten p r o g r a m m. Der Parteitag vom Jahre 1899 im Brünner Arbeiterheim wurde am 24. September 1899 um %10 Uhr vormittags von Skaret deutsch und von K r a p k a tschechisch eröffnet. Schon in Krap- kas Rede wird die Hauptaufgabe des Parteitages angedeutet.„Um uns wütet der nationale Kampf", so sagte der Redner,„demgegenüber unsere Einheitlichkeit und Solidarität, die Solidarität der Interessen des Proletariats, so deutlich als nur möglich hervortreten werden." Dann wurde das Präsidium gewählt, deutscher Vorsitzender war Julius Popp, tschechischer Anton N i m e c und es folgten die Begrüßungen durch den Vertreter der reichsdeutschen und ungarischen 'Sozialdemokrätis und' schließlich d'ürch Dr.' Ludwig C z e ch, der namens der Brünner Lokalorganisation den Parteitag willkommen hieß„auf dem Brünner Boden, auf dem das Banner der Sozialdemokratie aufgepflanzt ist." Namens der tschechischen Organisation Brünns rief Gustav Habrman den Delegierten ein herzliches Willkommen zu. Sodann wurde in. die Tagesordnung eingegangen. Den Bericht der Gesamtpartei erstattete S k a r e t, den Kassabericht Dr. E l l e n b o g.e n, den Parlamentsbericht Abgeordneter Rieger. Am Nachmittag des ersten Tages hielt Victor A d l e r ein noch heute lesenswertes Referat über die politische Lage und die Taktik der Partei. Adler gab in seiner geistvollen, zugleich tiefgründigen und witzigen Art eine glänzende Analyse des verrotteten und versumpften Oesterreich und erkannte, daß„die politische Zukunft dieses Landes ein Fragezeichen ist." Er führte aus, das; der Staat von den Kämpfen der Völker vollkommen zerrissen ist. Wenn die Völker einen gemeinsamen Gedanken haben in Oesterreich, wenn sogar die offiziellen Parteien, die ihren Patriotismus am meisten rühmen, eines gemeinsam haben, so ist es, daß sie dieses Oesterreich nicht wollen.">An das Referat Adlers schloß sich eine große Debatte an, in der als erster Dr. Morgenstern aus Sternberg sprach, dann Abgeordneter Berner, Schuh meier, H a- n u s ch, damals der Vertreter von Sternberg, Nemec aus Prag, Schrammel aus Aussig, Dasczynski und Seliger. Die Debatte und das Schlußwort Adlers nahmen den ganzen nächsten Tag in Anspruch. Am dritten Tag des Parteitages referierte zunächst K r a p k a über Organisationsfragen, woran sich gleichfalls eine große Debatte anschloß. Zum Hauptpunkt seiner Tagesordnung gelangte der Parteitag erst am vierten Tage, am 27. September. Worauf sich damals alles politische Interesse konzentrierte, war der Nationalitätenkampf inOe st er reich und die Stellung der Sozialdemokratie dazu. Es war die Zeit der Sprachenverordnungen, der nationalen Krawalle auf den Straßen Wiens und Prags, des Standrechtes, der Arbeitsunfähigkeit des Parlaments und die Sozialdemokraten empfanden schon lange die Notwendigkeit — obzwar sie zu allen auftauchenden nationalen Fragen im Parlament Stellung genommen hatten— zur nationalen Frage eine grundsätzliche Stellung zu nehmen und sich ein nationales Programm zu geben. Das geschah eben auf dem Parteitag in Brünn 1899. Mit dem Referat über den wichtigsten Punkt der Tagesordnung hatte man von deutscher Seite den damals noch nicht dreißigjährigen Redakteur der Teplitzer„Freiheit" Josef Seliger betraut. Seliger ging mit Recht davon aus, daß die'Kosten, des Nationalitätenkampfes die Arbeiterschaft zu befahlen habe, weil dieser Nationalitätenstreit den Kampf um die s o z i a l e n Interessen des Proletariats in den Hintergrund drängt. So stärkt der nationale Kampf die Reaktion. Deshalb kann sich die Lösung der Nationalitätenfrage nur in der Richtung der Demokratie bewegen. Um die nationalen Gegensätze... zu beseitigen, ist eS vor allem anderen notwendig, den Nationen volle Selbständigkeit der Verwaltung ihrer nationalen Angelegenheiten und so eine freie Bahn für ihre Entwicklung zu schaffen... Die Nationen müssen... ihr vollstes Selbstbestimmungsrecht erhalten, derart, daß Oesterreich in nationale Selbstverwaltungsgebiete geteilt wird, die ihre nationalen Angelegenheiten selbständig besorgen... Den nationalen Minderheften muß jener Schutz gewährt werden, der zur Entwicklung ihrer nationalen Eigenart notwendig ist." Der tschechische Referent N i m 11 hatte einige Bedenken gegen den vorgelegten Programmentwurf, er war gegen eine Teilung Böhmens in ein deutsches und tschechisches Verwaltungsgebiet. An die Reden der beiden Referenten schloß sich eine große Debatte an, in der u. a. auch Victor Adler sprach. Auch diese Rede, die Adler gehalten hat, ist nicht nur für den politischen Historiker, sondern auch für den Politiker der Gegenwart von gro- ßem Interesse.„Wir wollen aus diesen zusammengewürfelten und zusammeneroberten Provinzen", so rief Adler aus,„selbständige Körper machen." Für Adler stand nicht das Interesse Oester-, reichs, sondern das Interesse seiner Völker im Vordergrund.„Wir haben nicht zu sagen", so sprach er,„wie aus diesem Oesterreich, sondern wie aus den Völkern, die Oesterreich bewohnen, etwas werden kann." Adler war sich der historischen Bedeutung der Stunde bewußt:„Es ist kein Zweifel", so sagte er»„daß das, was wir Ihnen hier Vorschlägen, eine revolutionäre Tat ist... Das, was wir Ihnen hier Vorschlägen, schlägt dem heutigen Oesterreich in allen seinen Teilen ins Gesicht. Dieser Vorschlag auf Trennung nach Nationen, diese Zerschlagung der Provinzen, dieser nationale Föderalismus trifft die alte Staatsform ins Herz und tötet den Wiener und tötet den, Prager Zentralismus." Nach Adler sprach in der Debatte von Deutschen P e r n e r st o rfer, Ellenbogen und Winarsky, von Tschechen K r e j e 1(Pilsen) und V a n t l, von Polen Dasczynski und Dr. Liebermann, von den Ruthenen Han- k i e w i c z und von Slowenen Etbin K r i st a n. Die Debatteredner brachten verschiedene Einwände gegen den vorliegenden Entwurf vor, so daß eine Kommission gewählt werden mußte, welche den Programmvorschlag umarbeiten sollte. Dieser Kommission gelang es die verschiedenen Anschauungen in wenigen Stunden unter einen Hut zu bringen, so daß der Parteitag zu dem glänzenden Abschluß der e i n stimmt g e n Annahme eines Programms gelangen konnte. D e u t s che und tschechische, polnische und rukthenische, slowenische und italienische So- zialdemokraten einigten sich über die Grundsätze einer Lösung der nationalen Frage, während sich die Bourgeoisie dieser Nationen wegen derselben Frage bis aufs Messer bekämpfte. In den entscheidenden Stellen des zur Annahme gelangten Programms wurde verlangt, daß Oesterreich in einen demokratischen Na- tionalitäten-Bundesstaat umzu- Ermächtigungsgesetz eingebracht In der Dienstagsitzung des Parlamentes brachte die Regierung dir Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes um ein I a h r, d. i. bis Ende Juni 1938 ein. Gleichzeitig wird die Ermächtigung ausgedehnt„auf Maßnahmen zur Organisierung der Polizeiverwaltung und des Polizridienstes". Im Motwenbericht wird erklärt, daß in den außerordentlichen wirtschaftlichen Verhlätnissen, di; Anlaß zu den früheren Ermächtigungsgesetzen gaben, noch kein« derartig« Besserung eingetreten fei, daß man begründet annehmen könnte, daß künftighin schon keine Eingriffe der Regierung auf Grund der im Gesetz 109/84 niedergelegten außerordentlichen Ermächtigung notwendig sein würden. Daher legt die Regierung den Antrag auf Verlängerung dieser Ermächtigung vor. Die Erweiterung soll im Interesse der öffentlichen Ordnung und zur zweckmäßigen Regelung dieses Zweiges der öffentlichen Verwaltung geschehen. Der Entwurf wurde dem Verfassungsausschuß mit Frist bis Montag mittags zugewiesen. bilden sei, daß anstelle der historischen Kronländcr national äbgetrennte Selbst- verwaltungskürper gebildet werden, deren Gesetzgebung und Verwaltung durch nationale Kammern,, gewählt auf Grund des gleichen Wahlrechtes, besorgt werden. DaS Programm übertraf an«Großzügigkeit und Einsicht alle anderen Lösungsversuche des nationalstaatlichen Problenrs, welche von 1867 bis 1914 im alten Oesterreich vorgeschlagen wurden. Das Brünner Programm war ein Wegweiser, welches die Sozialdemokratie für die österreichische Politik aufgestellt hatte. Die Sozialdemokratie war nicht schuld daran, daß die Staatsmänner des alten Oesterreich diesen Wegweiser nicht sahen und den Weg gingen, der in den Abgrund führte. Am letzten Tag des Parteftages hielt dann noch H a n n i ch ein Referat über Arbeiterschutz, Adler sprach über die Stellung zu den Konsumvereinen und Adelheid Popp berichtete über die Aufgaben der Frauen in der Partei. In seinem Schlußwort gedachte der Vorsitzende Julius Popp vor allem des Hauptergebnisses dieses Parteitages und sagte mit Recht:„Wir haben auf Brünner Boden eine Arbeit geleistet, die gewiß eine historische Arbeit genannt werden kann... Geschichtsschreiber werden den Wert dieser Arbeit erst würdigen können." Die Nachwelt hat diese Worte Julius Popps bestätigt, die Entwicklung hat den Hauptrednern der Brünner Tagung Recht gegeben. Wohl hat die Weltgeschichte zu einer anderen Lösung des nationalen Problems in Mitteleuropa geführt, als wie es sich die Sozialdemokratie auf dem Brünner Parteitag im Jahre 1899 gedacht hatte. Das vollkommene Unverständnis der Dynastie, des Hofes und des deutschen Bürgertums gegenüber den demokratischen und nationalen Entwicklungskräften, die zu Ende deS 19. und zu Beginn des 26. Jahrhunderts nach Geltung rangen, hat zu der großen Katastrophe geführt, die 1914 bis 1918 Millionen von Menschen das Leben gekostet hat. Wäre man den Weg gegangen, den die Sozialdemokratie 1899 gewiesen hatte, die Nationen Mitteleuropas hätten Freiheit und Demokratie nicht mit Millionen von Menschenleben bezahlt, sondern wären auf fried- lichem Wege zu einem vernünftigen von Freiheit und Selbstbestimmung erfüllten Zusammenleben I gekommen. 49 Roman von x Emil Vnrh«k \_ Deutsch von Anna AurednKek „Stehlen und stehlen ist zweierlei, Herr Beinsteller. Wer mit Ihnen einmal arbeiten durfte, wird an sein Lebensende nicht an Sie vergessen." Seltsamerweise schien Beinsteller dieses Lob gar keine Freude zu bereiten. Seine Miene verdüsterte sich und er sagte verdrießlich:„Schwatz' keinen Unsinn, du Naseweis. Hol' lieber die Buben, damit ich's mir abtun kann." Sie kamen nach einer Weile angerückt: d;r Cherub Karl, dessen Bruder Pepi und der jüngste Kadett, der Franzi. Beinsteller erwartete sie. Er empfing sic freundlich:„Ihr seid alle drei auserlesene Bäl- gcrl" sagte er und sperrte hinter ihnen die Tür zu.„Jetzt erzählt, was Ihr ohne mich getrieben habt." „Wir haben getan, was wir konnten, Herr Beinsteller", gestand der Cherub Pepi.„Aber es war traurig ohne Sie." „Ihr habt getan, was ihr konntet", wiederholte der Meister und lachte so merktvürdig, daß es Karl kalt über den Rücken lief. Am Ende weiß er etwas, dachte Karl und sah dabei die verhängnisvolle Handtasche vor sich. „Und es war traurig ohne mich", fuhr Beinsteller fort. „Und wie!" bestätigte Franzi. „Würdet ihr die Sache aufgeben, wenn ich nicht wäre?" fragte Beinsteller eifrig. „Hahaha", lachten die Buben im Chor, und Karl sagte: ,/Aber, Herr Beinstcller, wie könnten wir es denn lassen, wir können doch nichts andres." Beinsteller blickte Karl lange und bittend an und fragte:»Habt Ihr jemals daran gedacht, Buben, was in ein paar Jahren aus euch werden soll?" „In ein paar Jahren werden wir richtige Diebe sein", deklamierte Cherub Franzi. „Ihr scheint stolz darauf zu sein?" sagte Beinsteller gedrückt. Cherub Pepi verzog den Mund zu einem breiten Lächeln, aber Karl, dem der Meister nicht ganz geheuer schien, erschrak vor der ungewohnten Betonung in Beinstellers Worten so sehr, daß er, ohne zu antworten, der Tür näher rückte. Der ahnungslose Franzi aber jubelte freudig:„Wenn wir nur schon so weit wären, Herr Beinstcller!" „Nur schön bei der Wahrheit bleiben. Jungens", meinte Beinsteller.„Was möchtet ihr zu dem Vorschlag sagen: die Beschäftigung aufzugeben, fremde Taschen in Ruhe zu lassen, in die Schule zu gehen und, wie eS sich für Kinder geziemt, bei der Mutter zu bleiben?" Der Franzi setzte sich gleich zur Wehr: „Schule? Keine Ahnung, Herr Beinsteller!" Beinsteller entgegnete mit gcdämpftcr Stimme:„Keine Ahnung, du Rotzbub? Ich sage dir: Ab heute ist Schluß, häng dich an MuttcrZ Schürze und geh wie andre Kinder in die Schule!" Dabei juckten ihm die Hände, daß er einige Schritte von den Kindern zurückwich und sich sagte:„Dir solltest du ein paar herunterhauen, nicht den Kindern... Dieses Sodom hast du auf dem Gewissen." Unglücklicherweise lachte der Junge über den vermeintlichen Scherz und Pepi sekundierte aus vollem Halse. Da konnte sich Beinsteller nicht mehr beherrschen und brüllte:„Du wirst zur Mutter gehen, du wirst in die Schule gehen und wirst einen Einser aus Sitten heimbringen! Lach nicht, Rotzbubl Entweder du parierst und wirst ein anständiger Junge oder ich prügle dich, daß dir Hören und Sehen vergeht. Dann wirst du gelernt haben, zu folgen." „Hehehe, hahaha," war alles, was Franzi antwortete. Mit einem Male beruhigte sich Beinsteller. So wird es nicht mit ihnen gehen, dachte er, ich werde sie zum Heil ihrer Seelen tüchtig durchprügeln müssen. Laut aber sagte er dann: „Das alles hab' ich vorausgesehen, ihr Rotznasen. Ich wußte, daß ihr glauben werdet, ich treibe Scherz mit euch. Darum hab' ich euch alle drei herzitiert. Jetzt werd' ich euch so lange prügeln, bis ihr mir versprecht, dieses Diebsleben aufzugeben. Ich habe es euch angewöhnt und muß es euch wieder abgewühnen." Und da es galt, ihre Seelen zu retten, nahm Beinsteller keine Rücksicht auf ihr Geschrei. Es wäre ihnen noch schlimmer ergangen, hätte das Gebrüll der gemaßregelten Kadetten nicht die Loisis aus dem Schlaf geweckt. Ihre Neugierde war stärker als ihre Verschlafenheit. Sie stand auf, guckte durchs Fenster und rief:„Kannst du die Bälger nicht erziehen, Ferdi, wenn anständige Leute schon wach sind?" Beinsteller brummte nur etwas und legte dabei den Cherub Karl überS Knie. Bisher war es dem Jungen geglückt, immer wieder den Händen der Gerechtigkeit zu entwischen. Beim Anblick von Franzis gerötetem Hinterteil stieß Loisis einen Seufzer aus und sagte:„Ich will mich nicht in deine Angelegenheiten mischen, Ferdi, aber du könntest mir vielleicht doch sagen, was die Buben überhaupt angestellt haben." Beinsteller beantwortete auch diesen Versuch mit leisem Brummen. Es war ihm gerade gelungen, Karis habhaft zu werden, er zog ihm geschickt die Hose aus, und schlug mit besonderem Eifer darauf los. Doch Karl dachte mehr an seinen Schmerz als an sein Heil und brüllte wie auf dem Spieß. „Ich sage ja nichts," fuhr Loisis fort,«der Bub ist ein Galgenstrick, und Haue werden ihm nicht schaden. Ich möchte aber gern wissen, warum das alles ist." Pepi erklärte bereitwilligst:„Herr Beinsteller ist verrückt geworden, Fräulein Loisis." „Ist schon gut, Pepi," sagte Beinsteller, über den Bruder Karl geneigt,„wenn du dieser Ansicht bist, will ich gleich wieder zu dir kommen. Ich sehe, daß du noch nicht genügend Haue bekommen hast." „Red' keinen Unsinn, Pepi, der Ferdl spricht ganz vernünftig," beruhigte Loisis. „Sie halten es für vernünftig, wenn xr uns in die Schule schickt?" entgegnete Pepi u::cr- schrocken. „Das will er von euch?" fragte Loisis entsetzt. „Ja, ich will, daß sie wie rechte Kinder sind, und will, daß sie das Stehlen lassen," erklärte Beinsteller, wobei er Karl auf die andre Seite umlegte, um seinen Rücken bearbeiten zu können. Jetzt aber wurde Loisis wild:„Wirst du den Karl sofort in Ruhe lassen! Quälst unschuldige Kinder, weil du verrückt geworden bist! Sie haben mehr Verstand als du!" Es gelang Loisis, die Cherubinen zu befreien, aber der Erfolg machte ihr keine Freude. Die Episode schloß mit einem großen Streit der beiden alten Freunde und war für Beinstellers Ruf nicht von Vorteil. Teils waren es die Cherubinen, teils Loisis, die überall die Nachricht verbreiteten, Beinsteller habe im Kriminal den Verstand verloren. Anfangs wollten eS die Leute nicht glauben. Aber als Beinsteller von den verwaisten Cherubinen nichts mehr wissen wollte» sie aber trotz einer guten Abfindungssumme keiner bewährten Firma überließ, waren alle darüber einig, daß mit Beinsteller im Gefängnis eine Veränderung borgegangen war. Dazu kam noch, daß Beinsteller sich eine neue Lebensweise zurechtgelegt hatte. Er unternahm keine Expeditionen und wich allen alten Freunden der DiebSzunft ängstlich auS. Vergebens lockten ihn die Be- kannten in das Stammlokal„Zur allen Hundshütte". .(Fortsetzung folgt.),. Nr. 143 Donnerstag, 20. Juni 1935 Seite 3 Die politische Aussprache Nachdrückliche Warnung Hampls an die Henleinpartei P r a g. In beiden Häusern der Nationalversammlung wurde am Mittwoch die D e b a t t e über di« Regierungserklärung eröffnet, wobei es, wie wir an anderer Stelle berichten, zu einem nicht sonderlich geglückten Debüt der Herren Frank I und Frank II als Vorleser einer langatmigen Erklärung der Henleinpartei kam. Das Ereignis des Tages war im Abgeord- netenhaus aber die Rede des Genoffen H a m v l des Führers der tschechischen Bruderpartei, der den Henleinleuten ein Paar herzerfrischende offene Worte sagte, das neueste Einheitsfrontangebot der Kommunisten entsprechend charakterisierte und sich mit innenpolitischen und wirtschaftlichen Fragen beschäftigte. Hltlerdeutschland soll uns in Ruhe lassen I Genosse Hampl befaßte sich in offener Weise mit dem Problem Hitlerdeutsch land und dem sudetendeutschen Ableger der Hitlerpartei, wobei er kurz und bündig erklärte: „Wir haben nur zwei aufrichtige Wünsche: erstens, daß die deutsche Politik nicht den Weltfrieden bedrohe und zweitens, daß sich Deutsch, land al- unser Nachbar sich nicht in unsere inner- politischen Verhältniffe hineinmische." Ünser Autzenamt sollte in Berlin auch wegen der Rundfunkpropaganda einschreiten und daran erinnern, datz in Deutschland, falls wir denselben Weg betreten wollten, sehr viele Leute begierig lauschen würden, was es im Dritten Reich Neues gibt. Dir Tschechoslowakei ist der letzte Staat, in dem das deutsche Volk frei denken und sprechen kann! (Beifall.) Es hat hier ein gut ausgebildetes Schulwesen. Das ist nicht alles, aber es zeigt, datz die Tschechoslowakei bemüht ist, ihre Pflicht zu erfüllen. Richt nur die deutschen Gebiete, auch die tschechischen Industriegebiete wie Pilsen und Ostrau sind von der Krise gleich schwer getroffen. Ilnd es waren insbesondere die sozialdemokratischen Fürsorgeminister, die sich bemühten, die Situation in den am meisten betroffenen Gebieten objektiv zu beurteilen.(Beifall.) Direkt an die Henlein-Abgeordneten, di« Hampls Rede nur spärlich durch Randbemerkungen abzuschwächen versuchten, richtete Hampl folgende Warnung: Durch daS Zusammentreffen außerordent- kicher Umstände seid ihr in die Höhe gekommen. ES wird einer Augen Politik bedürfen, um dar» zutun, datz ihr wirklich vernünftige und ehrliche Politiker seid. Wir hören die Worte, aber wir glauben ihnen nicht.(Zustimmung.) Ihr schickt dem Präsidenten der Republik rin Loyal!- tütstelegramm und euere Preffe verschweigt eS! DaS ist nicht fair platz. Eine seriöse Politik wird anders gemacht! Wer unter Henleins Fahnen marschiert, muß sich vergegenwärtige«, daß daS tschechoslowakische Volk unverwundbar und die Existenz dieses Staates nicht zu erschüttern ist. (Starker Beifall.) DaS, waS wir erreicht haben, verstehen wir auch zu verteidigen. DaS tfchrchoflo- wakische Boll ist im Grunde demokratisch und daher lehne« wir jede Gewalt ab. Nur auf den Wegen der Demokratie«nd durch gegenseitiges Vertrauen könnt ihr dem Staat«nd seiner Lei« tung näher kommen! Wir sind uns dessen bewutzt, erklärte Hampl, datz die gegenwärtige Situation schwierig ist, und wir sind keine solchen Optimisten, zu glauben, datz sie nicht noch eine Reihe von Jahren schwierig bleiben wird. Der Sinn unserer Autzen- poliiik ist die Erhaltung des Friedens, und mit dieser Politik stimmt die ungeheuere Mehrheit des tschechoslowakischen Volkes überein.(Beifall.) Hampl betonte später die Wichtigkeit der Arbeitsbeschaffung und Arbeitsvermittlung und kritisierte die Haltung der Nationalbank, die erklären läßt, datz alle ihre Kredite vergeben sind. Angesichts der unheilvollen Folgen der überstürzten Rationalisierung sollte man die Unternehmungen, die derart durchrationalisiert sind, zumindest ausgiebiger versteuern; auch die Einheitspreisgeschäfte müffen demselben Gesetz der verlangsamten Entwicklung unterworfen werden, denn der Staat kann es sich nicht erlauben, Arbeitslose en groS zu produzieren. In der Milchwirtschaft müffen gewisse Auswüchse korrigiert werden. Wir sorgen wirklich für die Arbeitslosen— die andern kritisieren I Die Sorge für die Arbeitslosen ist nicht die Pflicht der sozialistische» Parteien, sondern in erster Linie die Pflicht deS Staates, der sich friedlich rnt- wickel» will. Die Kritik der Lage der Arbeitslosen hat ein sehr intensives Echo. Wir können«nS aber in diesem Augenblick nicht auf«nverantwortliche Wege begeben. Wir würden nicht zögern, in di« Opposition zu gehen» erklärte Hampl offen, wenn dir wirtschaftlichen Verhältniffe ausgeglichener wäre«. So aber sind wir durch unser Brrantwor- InugSbewußtsein gebunden; den anderen bleibt die scharfe Kritik«nd«ns die wirkliche Sorg««m die Arbeitslosen! Wenn wir dafür sorgen, datz der Staat militärisch gesichert fei, schloß Hampl, so müffen wir auch dafür sorge», datz er auch wirtschaftlich und sozial gesichert sei«nd die Bürger in diesem Staate atmen und leben und seine treuen Bürger sein können! <- Henleinbotschaften überflüssig! Der tschechische Nationalsozialist Dr. Klapka verwahrte sich gegen die Vorlesung der ellenlangen Erklärung durch Frank und sagte, es sei im Interesse des Parlamentes, datz hier keine Wir haben bereits vor einigen Tagen mitgeteilt, datz die Regierung beschlossen hat, auch in den Sommermonaten in der sogenannten Brotaktion fortzuschreiten, d. h. den Arbeitslosen und Kurzarbeitern in der Zeit vom 10. Juni bis 14. Juni 1938 Brot zuzuteilen. Bei der Auswahl der Bezirke, denen diese Hilfe, gewährt werden wird, wurde Rücksicht genommen auf die Zahl der Arbeitslosen. In Böhmen wurden 64 Bezirke, in Mähren-Schlesien 36, in der Slowakei 22 und in Karpathorutzland vier Bezirke bedacht. In gleicher Weise wird in der Zuteilung von Korn zur Bereitung von Brot vorgegangen werden. In Böhmen wurden besonders folgende Bezirke bedacht: Döhmisch-Leipa 25.600 Anweisungen, Friedland 26.700, Komotau 41.600, Eger Kundgebungen borge tragen werden, die den Charakter einer Botschaft des Herrn Henlein haben. Ob denn die Benevolenz, der sich die Partei des Abg. Frank bei den Wahlen erfreute, auch ins Parlament übertragen werden solle? (Der amtierende Vizepräsident Genosse Taub hatte vorher zur Aufklärung mitgeteilt, datz das Präsidium vorher die Kundgebung Franks als eine im Namen des Klubs vorgetragene Erklärung anerkannt habe, und zwar im Hinblick darauf, datz es um die erste offizielle Kundgebung dieser Fraktion ging.) Dr. Klapka erklärte es für eine große Vermessenheit, wenn Frank von den Polizeimethoden in unserem Staate spricht und dabei auf die Methoden vergißt, die wir in dem Nachbarstaate sehen! Wenn man die Henleinpartei nach ihren Taten beurteilt, so mutz man sich über die Kühnheit wundern, mit der sie hier als demokratische Partei deklariert wurde. 26.300, Gablonz 44.700, Karlsbad 50.000, Pilsen, 31.000, Rumburg 23.000, Teplitz-Schü« nau 61.000, Groß-Prag 122.000. Insgesamt wurden für die Bezirke in Böhmen 1,179.950 Anweisungen und eine Menge von 18.820 Zentner im Werte von 846.900 XL bestimmt. Für Mähren-Schlesien werden 630.800 Anweisungen, 10.265 Zentner Korn im Werte von 461.925 XL ausgegeben, in der Slowakei 224.500 Anweisungen, 3582 Zentner Korn im Werte von 161.640 XL und in Karpathorutzland 18.600 Anweisungen, 205 Zentner Korn im Werte von 9225 XL. Insgesamt wurden 2,048.850 Anweisungen, 32.872 Zentner Korn im Werte von 1,479.690 XL zugeteilt. Die 40-stündlge Arbeitswoche Die Internationale Arbeitskonferenz für Erhaltung des Wochenlohnes bei Kürzung der Arbeitszeit Genf. Die Kommission für die 40stündige Arbeitswoche nahm mit 36 gegen zwei Stimme» einen Resolutionsentwurf betreffend die Löhne a». In dieser Resolution wird hervorgehoben, datz bei der Durchführung der Arbeitszeitverkürzung die Wochen-, Monats- oder Jahresbezüge und der Lebensstandard der Arbeiter nicht herabgesetzt werden dürfen. Die Resolution empfiehlt, Lohnfragen soweit als möglich durch direktes Einvernehmen der Arbeitnehmer mit den Arbeitgebern und gegebenenfalls durch das Eingreifen eines qualifizierten Organes zu erledigen. Die Regierungen werden aufgefordert, dem Internationalen Arbeitsamt über die Maßnahmen betreffend die Lohnfragen bei der Durchführung der Verkürzung der Arbeitszeit Bericht zu erstatten. In der Kommission für die Verkürzung der Arbeitszeit in der Flaschenglaserzeugung wurde der tschechoslowakische Regierungsdelegierte Dr. P i- s k ä L e k zum Berichterstatter ernannt. Der Vertreter der tschechoslowakischen Glasarbeiter V i k» t o r a verlangte, daß neben de» automatischen Glasfabriken in das Abkommen auch diejenigen Unternehmungen einbezogen werden, in denen die Arbeit nur halbautomatisch ist. Die Kommission für die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen schloß Dienstag ihre Arbeiten ab und nahm einen Resolutionstext an, durch den den Regierungen der Mitgliederstaaten empfohlen wird, insbesondere 1. die Altersgrenze der Schulpflicht auf 15 Jahre zu erhöhen, 2. die Fachschulen zu vervollkommnen, 8. bei den Arbcitsbeschaffungsbureaus einen Dienst für wissenschaftliche Berufswahl einzuführen. Mit diesen Fragen soll ich die Arbeitskonferenz des Jahres 1936 befassen. Auf Antrag der tschechoslowakischen Regierungsdelegation wurde beschlossen, der Konferenz zu empfehlen, der arbeitslosen landwirtschaftlichen Jugend im Rahmen eines besonderen sozialen Schuhes und einer Arbeitslosenunterstützung für die Landwirte größere Fürsorge zu widmen. i Monarchie oder Republik? Volksabstimmung In Griechenland Athen.(Tsch. P.-B.) Ministerpräsident TsaldariS erklärte dem Athener Berichterstatter des DNB, während der Zeit vor den Wahlen vom 9. Juni sei die Frage nach der Staatsform aufgeworfen worden, Die Regierung habe sich nrit der Durchführung einer Volksabsti m« mung einverstanden erklärt unter der Voraussetzung, daß sich auch die Nationalversammlung hierzu entschließt. Die Regierung sei fest entschlossen, über die Echtheit der Voltsaü« stimmung zu wachen. Während der Vorberei- tungSzeit zur Volksabstimmung, sowie während der Abstimmung selbst werde die Regierung vollkommen neutral bleiben. Die Parteiführer und die anderen Politiker würden alle Freiheiten besitzen, ihre Ansicht über das dem Lande am meisten zusagende System zum Ausdruck zu bringen. Oer Breitner Ist weg— wer ist jetzt an der Pleite schuld? Wien. Wie die„Wiener Zeitung" meldet, wurde für den bekannten früheren italicnisch- Wiener Bankier Camillo Castiglioni Dr. Herberi Hallwig zum Kurator bestellt. Castiglioni wird mit Klagen, Exekutionen und D e l o» gierungsa n trägen verfolgt und ist derzeit unbekannte^ Aufenthaltes.— Die Bett- federn-Firma Leon Göttinger hat beim Wiener Handelsgericht einen A u s g I r i ch s a n t, r a g gestellt." Die Passiven betragen 2,250.000, die Ak- tiven 1,700.000 Schilling.— Der neueste Besitzer der bekannten Wiener Nachtlokale„Tabarin" und „Chapeau Rouge" hat um die Eröffnung des Konkursverfahrens angesucht. Oer Italienisch-englische Gegensatz Botschafter Grandi mit Mussolini nicht einverstanden? Paris.„Echo de Paris" meldet aus London über den italienisch-abessinischen Konflikt: Es scheint sich zu bestätigen, daß der italienische Botschafter in London, Grandi, der sich gegen- wärtig in Italien aufhält, auf seinen Posten nicht mehr zurückzukehren wünscht, falls der italienischbritische Interessengegensatz über die abessinische Frage sich verschärfen sollte. Grandi scheint gewisse Forderungen seiner Regierung für übertrieben zu halten und offen zu mißbilligen. Lohnkampf Im Dritten Reich Stuttgart.(AP.) Nachträglich wird gemeldet, datz es auch in den Daimler-Werken in Untertürkheim wegen des Versuchs einer Lohnkürzung zu passiver Resistenz der Belegschaft gekommen ist, die solange andauerte, bis der alte Lohnzustand wieder hergestellt war. Malypetr in Läny Prag. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch in Läny den Vorsitzenden der Regierung Jan Malypetr, •etriebsvernichtung durch Kartelle Unternehmer vernichten deutschböhmische Industrie Wie sehr die Tätigkeit der Kartelle die volkswirtschaftlichen Gesamtinteressen gefährdet, dafür sei hier als Beispiel das Ostböhmische Flachs- spinnevkartell angeführt. Es hat kürzlich die Flachsspinnerei in Oberadersbach" aüfge kauft, einen Betrieb, der technisch auf das modernste auSgestattet ist und in dem zuletzt 260 Arbeiter beschäftigt waren. Das Kartell hat nun die Flachsspinnerei nicht erworben, um sie weiterzuführen, sondern in der Absicht, sie stillzulegen. Der„Textilarbeiter" macht in diesem Zusammenhang auf die Tatsache aufmerksam, daß das Flachsspinnerkartell schon bisher vielfach Betriebe erworben hat, um sie stillzulegen und damit eine weitere Produktionseinschränkung herbeizuführen. Es werden folgende Fälle angeführt: Der Betrieb. Haase in Parschnitz, in welchem 92 Arbeiter beschäftigt lvaren, wurde vom Kartell aufgekaust und stillgelegt. Ebenso hat das Kartell dazu beigetragen, daß der Betrieb I. Faltis Erben in Jungbuch, der 625 Arbeiter beschäftigte, eingestellt wurde. Auch der Betrieb I. Etrich in BauS- nitz mit 120 Arbeitern ist eingestellt worden. Ebenso ist die Einstellung der Betriebe der Flachsindustrie A.G. Döberney und Proschwitz, die 340 Arbeiter beschäftigten, auf die Tätigkeit des Kartells zurückzuführen. Auch die Hohenelber Betriebe Rotter und Jerie, in denen 600 Arbeiter beschäftigt waren» wurden auf Grund der Tätigkeit deS Kartells eingestellt. Das gleiche geschah mit dem Betrieb der Firma Rotter in Oberhohen- elbe, in dem 290 Arbeiter Erwerb fanden. Auf die Tätigkeit des Kartells ist auch die Einstellung des Betriebes Böhm in Langenau, der 200 Arbeiter beschäftigte, zurückzuführen. Das Kartell dürfte auch bei der Einstellung des Betriebes der Firma Faltis Erben in Trautenau, wo 750 Personen in Arbeit standen, seine Hand insofern im Spiel gehabt haben, als die Geldquellen des Betriebes unterbunden worden sind. Insgesamt sind es nach den Angaben des„Textilarbeiter" assein Wo bleiben die neuen Ideen? Die Klubführer der Henleinpartei haben in beiden Kammern eine Rede verlesen— zum Freisprechen langt es wohl noch nicht— die als programmatische Erklärung gewertet sein will. Die Tschechen hörten anfangs sichtlich interessiert zu, trat doch auf parlamentarischem Boden zum erstenmal eine Gruppe auf, die vorgibt, etwas ganz Neues zu bringen, die sich rühmt, die erste aus dem neuen Staat heraus entstandene, von Oesterreich gelöste Bewagung zu sein. Aber bald war das Haus enttäuscht. Was die neuen Herren zu sagen hatten, klang wohlvertraut. Es ist der a l t e T o n deutschnationaler Kundgebungen, nur daß L o d g m a n und Knirsch das, was sie wollten, klarer und besser zu formulieren wußten. Die Rede enthält neben vielen Komplimenten nach der tschechischen Sefte die gewis- in Ostböhmen zehn Betriebe, in denen 3117 Arbeiter beschäftigt wurden, die in den letzten Jahren direkt und indirekt durch das Kartell eingestellt worden sind. Diese Tätigkeit der Kartelle verdient gerade jetzt die aufmerksamste Beachtung. Zur Zeit sind Verhandlungen im Gange, die zur Wiederaufrichtung des vor etwa sechs Monaten aufgelösten Kartells der Baumwollspinner führen sollen. Diese Verhandlungen sind bereits sehr weit gediehen. Dabei wird der Plan bekannt, daß bei dem endgültigen Zustandekommen des Kartells eine neue Produktionseinschränkung vorgenommen werden soll, die nur durch die Stillegung einer Anzahl von Betrieben zu erreichen ist. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Tätigkeit der Kartelle sich im schroffen Widerspruch zu der wirtschaftlichen Wiederaufbaupolitik befindet, die von der Regierung verfolgt wird. Die Betriebsvernichtung die nicht im volkswirtschaftlichen Gefamtinteresse, sondern nur im Interesse einer bestimmten kapitalistischen Unter« nehmergruppe liegt, führt zur weiteren Verschärfung der Arbeitslosigkeit und zur Steigerung der Belastung des Staates. Man muß außerdem festhalten, mit welcher Unbekümmertheit sie selbst von jenen Textilindustriellen betrieben wird, die oft genug von der Sicherung des deutschen Arbeitsplatzes reden. Wir haben ein Kartellgesetz, das Sicherungen gegen die Gefährdung des wirtschaftlichen Gesamtinteresses vorsieht, Auch wenn die Gefährdung, die von dieser planmäßigen Betriebsvernichtung ausgeht, nicht ausdrücklich als Grund für ein Eingreifen der Regierung vorgesehen sein sollte, so ist doch ein Einschreiten gegen die wirtschaftliche Schädigung der Gesamtheit dringend notwendig. Eine wirkungsvollere Sabotage, als sie die Kartellkapitalistcn betreiben, ist kaum denkbar. sen l e i s e n Drohungen, die man für die Flüsterpropaganda braucht, sie bringt in einem Atem den Willen zum Eintritt in die Regierung zum Ausdruck und leistet sich zugleich die läppische Bemerkung, datz man geschenkte Ministerposten nicht als eine Verständigung ansehen dürfe. Die konkreten Forderungen wärmen alte Dinge sehr unklar auf. Die SHF fordert die Autonomie. Für Autonomie haben wir gekämpft, ehe es eine SHF gab und solange nicht der HitlcrismuS alle Wege in dieser Richtung auf lange hinaus verschüttet hatte. Auf dem Gebiet des Schulwesens fordert die SHF mit verklausulierten Worten eigentlich die Gesetzwerdung der Dörer'schen Vorschläge, geht also auf die Anregungen eine- tschechoslowakischen Sozialdemokraten zurück. Neu ist da also gar nichts. Und was alt ist, hat man von allen möglichen Seiten entlehnt. Wenn die SHF sich so weiter entwickelt, wird sie bald aufgehört haben, auch nur eine Sensation zu sein! 32.812 Zentner Korn für die arbeitslosen Hilfsaktion des Fürsorgeministeriums für die Industriegebiete Seite 4 Dumter-ta-, 20. Juni 1935 Nr. 143 Ein neues Elnhettsfront- Angebot 1 Hampls Antwort: Nicht nur das Ziel, auch die Taktik müßte gemeinsam sein! Der kommunistische Sprecher Redakteur Sperma, der in dex Niederlage des Ncirodni Ssednoceni sehr voreilig schon die Niederlage der gesamten fascistischen Bewegung sieht, brachte in der Parlamentsdebatte wieder ein neues Einheitsfrontangebot an die Sozialdemokraten und Na- iionalsozialisten vor. Darin steht immerhin schon das Zugeständnis, daß die Kommunisten einsehen, daß unter der Herrschaft des Kapitalismus die bürgerliche Demokratie die beste Staatsform für das arbcnde Volk ist, da sie ihm die Möglichkeit gibt, seinen Kampf zu organisieren. Ihm antwortete für die tschechischen Genossen Hampl: Spermas Kritik der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung hatte den schweren Fehler, daß sie keine konkreten Wege anführte, wie das besserzumachen sei. Jedwedes gemeinsame Borgehen der Linksparteien muß nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern in erster Reihe auch eine gemeinsame Taktik haben.(Zustimmung.) Um dieses gemeinsame Vorgehen ist es den Kommunisten nie ernstlich gegangen. Wenn Redner auch gern die Ansicht akzeptiert, daß drei mehr als eins ist, so muß er an die Kommunisten appellieren, den Versuch zu unternehmen, um die Verwirklichung dieser Ansicht auch gangbar zu machen. Drohender Arbeitskonflikt Im Buchdrucksewerbe Aus Kreisen der Buchdruckergewerkschaft wird uns mitgeteilt: Durch eine Zuschrift an daS Tarifamt für das Buchdruckgewerbe hat der überwiegende Teil der Prinzipale des Egerer Gremiums, das ganz Westböhmen umfaßt, seinen Austritt aus der Tarisgemeinfchaft angemeldet. Dieser Schritt ist gleichbedeutend mit dem vertragslosen Z u st a n d und die Belegschaft der betreffenden Druckereien ist daher gezwungen, aus diesen Betrieben auszutreten, falls sich die Herren des Egerer Gremiums nicht noch in letzter Stunde eines Besseren besinnen sollten und ihre Austrittserklärungen zurücknehmen. Als Grund für ihr Borgehen führen die Egerländer Druckereibesitzer die für sie bei der im Jänner erfolgten Tarifrevision angeblich ungünstige Regelung der Feiertagsfrage an, in Wirklichkeit fcheint hier jedoch die Tatsache maßgebend gewesen zu fein, daß sie als Minderheit innerhalb einer utraquistischen Unternehmerorganisation und gegenüber einer ebenfalls utraquistischen einheitlichen Gewerkschaftsorgani- sation ihre Totalitätsansprüche nicht zur Geltung bringen konnten. Rach den Textilindustriellen folgen nun die Buchdruckereiprinzipale. Die systematische Linie ist klar erkennbar. Der von der freigewerkschaftlichen Organisation erst vor kurzem schwer erkämpfte Arbeitsfriede im Buchdruckgewerbe mutz gestört werden, wenn auch das Gewerbe dabei flöten geht. Die Buchdrucker-lassen in einem Extrablatt des ,,G u t e n b e r g" keinen Zweifel darüber bestehen, daß sie entschlossen find, auf die Angriffe der Unternehmerfront gebührend zu antworten. Genosse Jllner Mitglied des Landesschulrates In der deutschen Sektion des böhmischen Landesschulrates sind schon seit längerer Zeit zwei Stellen vakant, nämlich diejenigen der Vertreter des Landesausschusses für Böhmen. In der am 19. Juni stattgefundenen Sitzung des Landesausschusses wurden nun für diese zwei Stellen der, Fachlehrer Franz Jllner, Landskron (deutscher Sozialdemokrat), und Toni Köhler Teplitz(Bund der Landwirte) nominiert und gleichzeitig an Stelle des ausscheidenden Franz Schreiter(Leitmeritz) der Gerichtsrat Dr. Ritter, Brüx(christlichsozial), gewählt. Im böhmischen Landesschulrat sind nunmehr zwei deutsche Sozialdemokraten, nämlich Genosse Dr. Emil Strauß, der deutsche Vertreter der Stadt Prag und nun neu Genosse Franz I l l n e r als einer' der Vertreter des LandesauSschusscS.— In die tschechische Sektion des Landesschulrats werden vom Landesausschuß Beisitzer Dr. Kubist«, Oberrat Dr. S y ch r a und Direktor U l b l entsendet. psrlsmentssusschüsse Im Abgeordnetenhaus wurden die ersten Ausschüsse konstituiert, die nach dem Verhältniswahlrecht gewählt werden. Der Verfassungs- und BudgetauS- schuß werden je 32, der Fmmunitäts- und Initiativausschuß je 20 Mitglieder haben. In den großen Ausschüssen ist das Verhätlnis zwischen Koalition und Opposition 18:14, in den kleinen 12:8. Unser« Fraktion entsendet in jedxn Ausschuß je e i n Mitglied, und zwar in den verfassungsrechtlichen Ausschuß Kogler, in den Budgetausschuß Taub, in den Jnitiativausschuß Katz und in den JmmunitätSaus- schuß Z i s ch k a. Parteienmäßig sind die 32gliedrigen Ausschüsse folgend zusammengesetzt: Agrar.5, Sozdem. 4, Nat- soz. 3. Kler. 2, Gewerbcp. 2, deutsche Sozdem. 1. B. d. L. 1, SHF 4, d. Christi. 1, Komm. 3, Hlinka 2, Sjedn. 2, Fase. 1, Ung. 1. Die 20gliedrigen Ausschüsse: Agrar. 3, Sozdem. 3, Natsoz. 2, Tschech. Kler und B. d. L.' zusammen 2, Gewerbep. 1, d. Sozdem. 1; SHF 3, Komm. 2, Hlinka 1, Sjedn. 1, Ung. 1. Dorfbrand bei Proßnitz 23 HLuser eingeäschert— Biele Häusler und Arbeiter um Hab und Gut gebracht Proßnitz. In der Gemeinde M a l i Hra- disko, 27 Kilometer westlich von Proßnitz inmitten eines Waldes gelegen, brach in der Nacht auf Mittwoch etwa um halb 1 Uhr ein Brand aus, der sich schnell ausbreitete und 23 kleinere Häuser ergriff, die vollkommen eingeäschert wurden. Bevor die Einwohner des Ortes den Brand bemerkten und zu Hilfe eilen konnten, stand bereits der ganze Komplex in Flammen, die von einem Gebäude zum anderen Übergriffen. Beim Eingreifen der Feuerwehr hatte sich der Brand bereits auf das halbe Dorf ausgedehnt. Nur dem Umstande, daß die Bezirksstraße das Dorf in seiner Mitte durchquert, war es zu verdanken, daß die Flammen nicht auch mit der gleichen Schnelligkeit auf die andere Dorfhälste Lbergreifen konnten. Unter den abgebrannten Häusern befindet sich auch das P o st g e b ä u d e. Es konnte bisher nickit festyestellt werden, was dort dem Feuer zum Opfer fiel, sicherlich afcer wurden die für den nächsten Tag zur Verteilung vorbereiteten Postsendungen v ern ichtet. Der Brand entstand nach Aussagen von Augenzeugen im Häuschen eines gewissen Joses RuZiöka; andere Personen behaupten dagegen, daß die ersten Flammen aus dem Hause Ant. Tkiskas herausschlugen. Aus den brennenden Häusern konnte nichts gerettet werden. Nur die Einwohner und deren Kinder brachten sich in Sicherheit oder wur- Die Jagd nach dem Mörder Berhastungen in Prag. Ein Deserteur ver dächtigt Durch die Gendarmerie hat das T h e r e- sienstädter Garnisonskommando die Prager Polizei darauf aufmerksam gemacht, daß der Frauenmord in Wrschowitz vielleicht von dem Soldaten des Inf. Reg. 42 Jaroslav D. begangen wurde, der von seinem Truppenkörper, desertiertest und erst am 17. d. M., also nach dem Mord, nach Theresienstadt zurückfehxte, Vorher hat er sich in Zivilkleidung in Prag herümgekrie- ben. Allerdings sprechen einige Umstände gegen den Verdacht, daß D. den Mord auf dem Gewissen haben könnte. Bei der Polizei melden sich zahlreiche Zeugen, die Angaben über den mutmaßlichen Täter machen wollen, bisher hat jedoch keiner die Polizei auf die Spur bringen können. Hingegen scheint den Detektiven bei den Nachforschungen nach dem Mörder ein anderer Fang geglückt zu sein. Auf die Meldung hin, daß in Prag ein Auto mit zwei verdächtigen jungen Burschen herumfährt, begaben sich Geheimpolizisten auf die Suche nach dem Wagen, einem Taxi mit der Nr. 25.207, welches einem gewissen Anton Rejha aus Prag Xll. gehört. Auf der Folimanka in Nusle verlegte ein Polizeiauto dem gesuchten Wagen den Weg, Detektive sprangen auf die Trittbretter und verhafteten die Insassen, von denen der eine sichtlich einige Nächte nicht geschlafen hatte. Bei der Durchsuchung der Wohnung RejhaS wurden zahlreiche g e st o h l e n e Gegenstände von Wert gefunden und beschlagnahmt. Im Gefolge dieser Verhaftung nahm die Polizei weitere Hausdurchsuchungen vor, welche allem Anschein nach zur Entdeckung einer Einbrecherbande führten. Mit einem Schlag 30.000 arbeitslose Seeleute Washington. Mehr als 30.000 ausländische Matrosen, insbesondere Spanier, Engländer und Deutsche verlieren infolge des jetzt im Senat angenommenen Cepeland-GesetzeS die Heuer auf amerikanischen Schiffen. Das neu- Gesetz bestimmt, dass die Bord- und Maschinenmannschaften amerikanischer Schiffe ausschließlich aus amerikanischen Staatsbürgern bestehen müssen. Zur Erlassung dieses Gesetzes führte eine Pressekampagne, welche die vor einiger Zeit erfolgten Schiffskatastrophen(Mohawk, Morro Castle und Havanna) dem Umstande zuschrieb, daß sich zwsschen den Schiffsbesatzungen hauptsächlich eilends angeworbene und schlecht bezahlte Ausländer befanden. Ein Staatsanwalt als Räuber In dem Orte Erol bei Saragossa verübte der Staatsanwalt des Bezirkes zusammen mit mehreren Banditen einen Ueberfall auf zwei Einwohner und raubte ihnen 3500 Peseten. Als das Gericht die Untersuchung des Falles einleitete und die beiden Ueberfallenen vor dem Richter und dem Staatsanwalte erschienen, erkannten sie in diesem sofort einen der Räuber. Gegen den Vertreter der Anklage wird nun selbst Anklage erheben. den zum Teil auch aus den brennenden Baulichkeiten herausgetragen. Am Dachboden des Hauses Nr. 56 in Malt Hradisko schlief zur Zeit des Ausbruches des Brandes der 66jährige Häusler Franz RuZiLka. Er stürzte durch den bren- nenden Fußhoden in das darunterliegende Zimmer, wo bereits alles in hellen Flammen stand. Glücklicherweise beobachtete dies der Autodroschkenbesitzer Pospisil aus Plumlov, der in das brennende Haus eindrang und den bewußtlosen RuZicka barg.• Etwa eine Stunde später kamen zwei Aerzte an die Unglücksstätte, denen es nach längerem Bemühen gelang, RuziLka ins Bewußtsein zurückzurufen. Sein Zustand ist jedoch sehr ernst. Bei dem Brande wurde außerdem der 54- jährige Häusler Josef R uz i L k a schwer v e r l e tz t, der von einem herabstürzenden Dachbalken seines Hauses beim Versuche,, den Brand zu löschen, getroffen wurde. Kleinere Verletzungen erlitten auch andere Personen, die von den Aerzten an Ort und Stelle behandelt wurden.— Dem Brande fiel eine große Anzahl von Rindvieh und Schweinen, Pferden, Geflügel und anderes Kleintier zum Opfer. Die Einwohnerschaft des betroffenen Dorfes besteht größtenteils aus Schneidern und Waldarheitern, deren gesamtes Hab und Gut dem Brande zum Opfer g e f a l l e n ist. Der Gesamtschaden konnte bis fetzt noch nicht festgestellt werden, übersteigt«her eine Million Kronen. Tischlerstreik in Budapest Budapest. Seit dem 9. Juni streiken in Budapest 1000 Tischlergehilfen, weil sie nicht weiterhin 80 Stunden in der Woche arbeiten wollen, wie dies bisher der Fall war. Der Handelsminister ist in dieser Angelegenheit eingeschrit- ten und bat versprochen, daß schon im Laufe der nächsten Woche für sie die 48-Stunden- Arbeitswoche einaeführt werden wird. Dies wird im Wege einer Regierungsverordnung, g-- schehen, weil das ungarische Parlament bereits in der nächsten Woche in die Ferien gehen wird. Ein Richter. ES gibt— tatsächlich— selbst im Unrecht-Deutschland der Hitler und Göring noch Richter, So hat jetzt ein Berliner Gericht der K l a sie eines j ü d'i scheu Hausbesitzers auf Lösung des Mietsverhältnisses mit einem Nazi stattgegeben. Der Nazi hatte dem Hausbesitzer, als er kam, die Miete einzukassie- ren, zugerusen:„Keinen Pfennig Miete bekommen Sie von mir. Sie verfluchter Stink- jude! Es hat ja schließlich schon seine Ur- fache, wenn ich ausgerechnet bei einem Juden Quartier nehme. Sie Schwein können übrigens froh sein, daß ich Ihnen nicht das ganze Haus w e g n e h m e." In der Begründimg des tapferen Richters heißt es u. a„ daß es„noch kein Verdien st sei, zufällig der arischen Rasse anzugehören." Die Nazipresse greift diesen Richterspruch aufs heftigste an tmd erklärt, daß es nicht anginge, einen Repräsentanten einer erwissenermaßen minderwertigen Rasse, die man nur als menschlichen Abschaum bezeichnen könne, das gleiche Recht zuzubilligen, wie einem Menschen der „nordischen Hochrasse". JahreshauSpwersammlunq des Vereines! deutscher sozialdemokratischer Aerzte in der Tsche- choslowakischen Republik. Am Samstag, dem 2 9. I u n i, um 19 Uhr, findet eine A u s s ch u tz« s i tz u n g im VolkshauS Aussig statt. Anschließend Teilnahme am Atus-Fest. Sonntag, den 30. Juni, um halb 9 Uhr vormittags im Volkshaus in Aussig Jahreshauptversammlung. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht(Dr. Holitscher), 2. Kassenbericht und Festsetzung des Mitgliedsbeitrages(Dr. Neumann), 3. I. B. S. Ae. und Internationales ärztliches Bulletin, 4. Unsere Forderungen zur Gesund« heftspolitik(Dr. Grulchka), 5. Neuwahlen, 6. Sonstiges. Wir ersuchen die Mitglieder des Vereines, hekanntzugeben, ob sie für UebernachtungS- gelegenheit vorgesorgt haben wollen, da gleichzeitig am SamStag, vormittaas und nachmittags, i.i Aussig die Tagung der Assoziation der Phthiseo- logen stattfindet und Hotelheftellungen deshalb im voraus vorgenommen werden müssest. Diese An» Meldungen sind zu richten an Dr. Epstein, Aussig. Bielagasse 2. Der deutsche Kulturkampf. In Karlsruhe kam es zu schweren Schlägereien zwischen Mitgliedern katholischer Jugendorganisationen und Nationalsoziali- st e n. Drei Jugendkatholiken wurden wegen „Beschimpfung des neuen Staates" verhaftet. Das katholische Heim in Karlsruhe ist polizeilich geschlossen worden. Hitler und der„Stürmer". Vor ausländischen Pressevertretern erklärte Streicher, sie könnten sich darauf verlassen, daß das einzige Blatt, das der Führer jeden Tag von Anfang bis zu Ende lese, der„Stürmer" sei. Aus der ArbeMcr-Turn- und Sportbewegung Funktionarschule!n Kleinhan Di« diesjährige Schulungswoche für jüngere Funktionäre findet gemeinsam mit dem JMV und Aruk in' Kleinhan im Erzgebirge in der Zeit vom 20. bis 27. Juli statt. Teilnahrnsberechttgt find Funktionäre, die auf dem Gebiete der Bildungs-, Erziehungs- oder Jugendarbeit tätig sind oder aktiv am Organisattonsleben teilnehmen. Die Kreis- und Bezirksleitungen haben die ihnen übermittelten Fragebogen bis zum 1. Juli einzusenden und die Teilnehmer für die Schule zu melden. Nähere In« formattonen: Atus, Aussig, Bahnhofplatz 1. Jugendweihen Wie in den früheren Jahren sind auch Heuer die Jugendweihen überall durchzuführen. In Bezirken mit zentralen, vomBezirkserziehungsbeirat veranstalteten Jugendweihen ist in jedem Verein nach Schulschluß die Ueberführung der Schulentlassenen in die Zöglingsabteilung vorzunehmen. Sportabzeichen— Leistungsprüfungen Die Leistungsprüfungen um das Sportabzeichen für Jugendliche erfolgen im Laufe des Herbstes. Die Kreis- und Bezirksleitungen haben den Vereinen die notwendigen Weisungen für die Vorarbeiten und die Durchführung zu geben. Den Bezirken wurden Fragebogen zur Meldung der Prüfungstermine und der Anzahl der in Frage kommenden Jugendlichen zugesandt. Diese Fragebogen sind umgehend einzüsenden. Materialsammlungen Beim Atus liegen noch einige Exemplare von früher herauSgegebenen Materialsammlungen, die bezogen werden können..Ganz besonders verweisen wir auf die Materialsammlung„Bunter Abend", zu« saMmengeftellt von B. Hochmann. Gegen Voreinsendung von 5 KL in Briefmarken wird die Sammlung zugestellt. Die Mutter mit der Axt erschlagen. Mittwoch vormittag gegen 11 Uhr geriet der 57jäh- rige Landwirt Michal S t o f e j aus der Gemeinde Brekova bei Humenne mit seiner eigenen 76jährigen Mutter in Streft, wobei er eine am Boden liegende Axt ergriff und seine Mutter mit fünf Hieben tötete. Als Nachbarn herbeieilten, verbarrikadierte sich Stofej und erst als Gendarmen eintrafen, ergab er sich ihnen freiwillig. Er wurde verhaftet und dem Gericht eingeliefert. Verlust im Hasardspiel treibt einen 15jäh» rigen in den Tod. In der Nacht auf Mittwoch wurde in Schlesisch-Ostrau die Leiche des 15jährigen Bäckerlehrlings Adolf Kaüok aufgefunden, der sich an einem Riemen erhängt hatte. Es wurde festgesteltt, daß der Lehrling nachmittags, als er Gebäck austrug, bei einem Hasardspiel 90 KL von seiner Losung verlor. Er fürchtete sich, ohne Geld zu seinem Arbeitgeber zurückzukehren, und erhängte sich.; Gegen feine Gefährten, die ihm beim Spiel das Geld abnahmen, wurde die Strafanzeige erstattet. Der Ausgleich des Brünner TheatervereinS bestätigt. Mittwoch fand beim Brünner Zivil- Kreisgericht die Schlutztagsatzung in der Angelegenheit des Ausgleiches des Brünner deutschen Theatervereines statt. Fast sämtliche Gläubiger nahmen den auf 45Prozent lautenden A u S- g l e t ch,s antrag des Theatervereines an, worauf der Ausgleich gerichtlich bestätigt tvurde. Die bevorrechteten Gläubiger wären sofort zu bezahlen, was einen Betrag von 106.000 KL erfordern würde. Die Forderungen der übrigen Gläubiger in der Höhe von 257.000 KL sind am 28. März 1937 zahlbar. Fortschreitende Wetterbefferung. Im Zusammenhang mit einer Druckstörung, die nunmehr über Nordostdeutschland liegt, wird unseren Gegenden kühleLuft von Westen her zugesührt. Karpatho- rußland ausgenommen, herrscht bei nnS unbeständiges Wetter mit Schauern, in den böhmischen Ländern verbunden mit starken Windstößen. Chust hatte Mittwoch nachmittags 25 Grad, in Miloviee trat nach starken Schauerniederschlägen, wobei auch Hag-l fiel, eine Abkühlung auf 15 Grad ein. Neber das abgekühlte Binnenland breitet sich vom Westen her größerer Luftdruck aus, so daß eine allmähliche Wetterbesserung erwartet werden kann.— Wahrscheinliches Wetter von heute: etwas unbeständig, jedoch von Westen her allmählich fortschreitende Wetterbefferung. Im Nordosten des Staates noch stärker bewölkt und Schauer. Nur mäßig warm, allmählich abflauender Wind.— Wetteraussichten für Freitag: Verringerte Bewölkung, tagsüber etwas wärmer. Vom Rundfunk Ilmpfehlenswertes aus den Programmen r Freitag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 10.15 Orchefterkonzert. 18.00 Leichte Mufft. 18.20 Deutsche Sendung: Schütz: Kirche und Arbeiterschaft. 18.50 Arbeiterfünk: Hofbauer: Aktuelle zehn Minuten. 20.10 Bunter Abend. 21.05 Orchesterkonzert.— Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Schallplatten: Smetana. 14.15 Deutsche Sendung: Für, die Frau.— Brünn: 13.30 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.40 Deutsche Sendung: So sind die Männer, Komödie von Arnold.— Mähr.» Ostrau: 15.00 Nachmittagskonzert.— Preßburq: 12.30 Mittagskonzert. 18.35 Violinkonzert,— La- schau: 18.55 Jazzmusik Nr. 143 Donnerstag, SO. Juni 1938 Seite 5 Vierhundert meutern, müssen sich aber ergeben—Schlechte Kost, schlechter Arzt New Bork. Nahezu 400 in dem Kohlenbergwerk des Staatszurht- hauses von Kansas in Lansing beschäftigte Sträflinge begannen am Dienstag morgens kurz«ach der Einfahrt in den Stollen zu meutern. Sie verlangen bessere Ko st und einen neuen Arzt. Sie nahmen 15 B er g- Werksbeamte, die sich in der Grube befanden, als GeiseIn fest und durchschnitten die T e l e p h o« v e r b i n d u n g e« mit der Außenwelt. Frauen und Kriegskrüppel| furchtbar mißhandelt! Im Gefängnis der Staatspolizei Berlin am Alexanderplatz wird in letzter Zeitfurcht- \ bar mißhandelt. Eine über 40jährige Frau, Mutter von mehreren Kindern, wurde verhaftet, weil sie ein»kommunistisches" Flugblatt, das ein Provokateur in ihren Briefkasten geworfen hatte, ; nicht ablieferte. Diese Frau, die überhaupt nie politisch organisiert war, sollte aussagen, wo Waffen der KPD. versteckt seien. Natürlich konnte sie . das nicht, da sie ja nichts wpßte. Darauf wurde ihr eine Pistole an die Schläfe gesetzt und sie ; wurde mit sofortigem Erschießen bedroht. In ihrer Todesangst machte sie unsinnige Angaben, die ; natürlich nicht den Tatsachen entsprachen, aber harmlose Menschen in Gefahr bringen mutzten. Ein junges Mädchen Wurde, ebenfalls am Alexanderplatz, heftig gewürgt, um Aussagen von ihr zu erpressen. Sie blieb standhaft. Em anderes Mädchen, 18 Jahre alt, mutzte zunächst eine Viertelstunde lang über ein Seil springen. Machte sie eine Sekunde Pause, so gab es furchtbare Ohrfeigen. Während des Verhörs erhielt sie weiter bei jeder Aussageverweigerung eine so wuchtige Ohrfeige, daß sie vom Stuhl flog. Dann wurde sie an den Haaren wieder hochgezerrt. Ein drittes Mädchen sollte von einem SS-Mann von einer Etage in eine andere gebracht werden. An der Treppe gab er ihr mit den Worten»Verdammte Marxistenkröte" einen Fußtritt, datz sie sämtliche Steinstufen hinunterstürztc und fast das Bewußtsein verlor. Dann sagte er heuchlerisch »Du bist wohl gestolpert". Das Mädchen erlitt einen schweren Bluterguß und war noch nach fünf Wochen am ganzen Körper blau. Ebenso grauenhaft sind die Mißhandlungen im Untersuchungsgefängnis Zwickau. Auch dort sind die Spuren noch nach vielen Wochen sichtbar. In ihren furchbaren Schmerzen haben manche der Gefangenen dann Leute angegeben, die sich überhaupt nie betätigt baben. Auf diese Weise wurden viel hundert Arbeiter und Arbeiterinnen im Zwik- kauer Gebiet verhaftet. Besonders kratz ist der Fall des schwer- kriegsbeschädigtenArbeitersGör- l e r. der sich seit seiner Verwundung im Kriege nur mühselig an zwei Stöcken vorwärts zu schleppen vermochte. Ohne Rücksicht darauf wurde er im Zwickauer Untersuchungsgefängnis so barbarisch mißhandelt, datz er geistesgestört wurde. In diesem Zustand des Geistesverfalls mutzte er dann die von der Gestapo diktierten Protokolle unterschreiben, über deren Inhalt er gar nichts wußte. Sogar die fascistischen Gefängniswärter, die doch "Bestialitäten gewöhnt sind, schütteln über seinen Zustand bedauernd den Kopf! Vielsagende Zahlen. Nach dem Bericht des Reichsversicherungsamtes betrug die Zahl der Unfälle in den deutschen Betrieben in den Jahren 1932 826.980, 1983 929.692,1934 1,168.456. Während im Lahre 1931 noch 14 Prozent und 1932 immerhin noch 10 Prozent der Verletzten eine Entschädigung erhielten, betrug der Anteil 1933 nur noch 7,9 und 1934 sogar nur noch 6,8 Prozent! Wochenlang ans Kreuz gebunden! In Hamburg wurde Anfang Juni der Arbeiter Arthur Dusch, der im Januar zusammen mit ca. 20 anders», meist ehemaligen Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP) wegen angeblicher illegaler Arbeit verhaftet worden war, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht stützte sich dabei auf Buschs angebliche»Geständnisse" in Untersuchungshaft. Wie wurden diese Geständnisse zustande gebracht? Nachdem Busch nicht das aussagte, was man von ihm verlangte, wurde er in einer Einzelzelle an ein Kreuz gebunden; seine Beine ließ man in Wasser hängen, und zwar so, daß er keinen Boden unter den Füßen hatte. So Nach vierstündigen Verhandlungen zwischen den Zuchthausbeamten und den Meuterern versuchten die Sträflinge plötzlich, den von den Beamten besetzten Förderkorb, in dem 250 Meter tiefen Stollen zu st ü r m e n; die Meuterer- wurden jedoch durch Tränengas zurückgetrieben. Die Zuchthausbeamten beschlossen sodann, die Gefangenen auszuhungern. Schwer bewaffnete Wächter fuhren ein und verbarrikadierten den Einfahrsschacht unten auf der Grubensohle gegen etwaige neue Angriffe der Meuterer. Die Meuterer steckten daraufhin am Spätnachmittag den in dem 250 Meter tiefen Stollen befindlichen Mauleselstall in Brand. Die Wächter machten, als sie das Feuer bemerkten, von den Barrikaden aus sofort von der Schußwaffe Gebrauch. Es steht bisher noch nicht fest, ob bei den Gefechten unter der Erde jemand verunglückt oder getötet worden ist. hat man ihn mehrere Wochen hängen lassen. Den Wert der»Geständnisse", die er dann schließlich machte, kann man sich vorstellen, Bei solchen beispiellos sadistischen Foltermethoden kommt ein Punkt, an dem man willenlos alles unterschreibt, wqs von den Folterknechten verlangt wird. Riesige Ueberschwemmungcn, durch anhaltende Wolkenbrüche verursacht, richteten in den neun Staaten des amerikanischen Mittelwestens, darunter vor allem in Missouri, Iowa, Illinois und Kansas, großen Schaden an. Dir Ernte ist größtenteils vernichtet, Tausende mußten ihre Häuser räumen."Der Staat Süd- Dakota wurde von furchtbaren Wirbelstürmen heimgesucht. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Schwere Stürme werden auch aus den Neu-England-Staaten gemeldet, wo mehrere Personen durch umstürgende Bäume und herabfallende Ziegel den Tod fanden. Aus Morrillton(Arkansas) wird berichtet, daß zwei Uferdämme des Arkansas- Flusses geborsten sind. Etwa 50.000 Acres Farmland wurden überflutet. Seemannstod. Der britische Kohlendampfer »Kcrfbri st a n",■ der vor einigen.Tagen'bei' einem Zusammenstoß mit dem Dampfer»EMpretz of Britain" in der St. Lorenz-Vai schwer beschädigt wurde, ist in Sidney(Neu-Schottland) eingetroffen. Die Schiffsoffiziere berichten, daß acht Mann der Besatzung, die beim Zusammenstoß schliefen, samtihrenBetten durch das entstandene Leck ins Meer geschleudert wurden und ertranken. Die in de? Kojen befindlichen fünf übrigen Besatzungsmitglieder wurden schwer verletzt und müßten zur ärztlichen Behandlung an Bord des Dampfers „Empreß of Britain" gebracht werden. „Rur der nordische Mensch hat Kultur". Die neueste Ausgabe des Streicherschen„Stürmer" überbietet, alle bisher erschienenen Nummern des Pogromblattes an hemmungsloser Haßpropaganda. Auf dem Titelblatt liest man in riesigen Buchstaben:„Moses Oppenheimer, die B e st i e inStüttgartl" Weitere Titel lauten u. a.: „Nonnen kaufen bei den Nachkommen der CH r i st u s m ö r d e rl"«Das jüdische Tier muß vertilgt werden". Porno- Die Gefangenen ließen sodann zwei ihrer Geiseln frei, weil aber ihren Forderungen nicht entsprochen wurde, wurde neuerlich Feuer angelegt und begonnen, die Kohlengrube zu verwüsten. Die freigelasienen Geiseln berichteten, daß die Meuterer entschlossen seien, ihr L e- ben zu opfern, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, doch würden die in ihren Händen befindlichen Geiseln ebenfalls ihr Leben einbüßen. Aber Mittwoch früh mußten sich die Vierhundert ergeben. Dir Beamten hatten nämlich die Ventilatoren umgestrllt, so daß der Rauch der von den Sträflingen gelegten Brände in dir Schächte hineingeblasen wurde. Die mit Gasmasken und Tränengas ausgerüsteten Beamten hielten die Sträflinge mit Maschinengewehren in Schach. graphische Karikaturen, die in jedem normal empfindenden Menschen Brechreizgefühle erwecken,„schmücken" das einzigartige Blatt. Die Auflage des„Stürmer" beträgt über 400.000 Exemplare. Anschlag auf den japanischen Kriegsminister. Chinesische Blättermeldungen zufolge soll auf den japanischen Kriegsminister H a j a s ch i während seiner Reise durch Mandschukuo ein Anschlag versucht worden sein. Fm Zusammenhang hiermit sollen in Tschangtschun und Dairen etwa 20 Personen verhaftet worden sein. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Eierversorgung der deutschen Gebiete Eine wichtige Aufgabe der sudetendeutschen Landwirtschaft. Die.Konsumgenossenschaft" macht auf eine Wschfige^FMe, älifiwritan, die durch arbeit der Genossenschaften, der Konsumenten und der Landwirte gelöst werden könnte und. welche für die sudetendeutsche Landwirtschaft, von großer Bedeutung ist: das ist die Eierversorgung der sudetendeutschen Gebiete. Der Verbrauch an Eiern beträgt in den dem Verbände deutscher Wirt- schaftsgenoffenschaften angeschlossenen Konsumgenossenschaften jährlich rund 10 Millionen Stück. Unsere Landwirtschaft ist aber nicht imstande, den Eierbedarf der Bevölkerung zu beftiedigen und so müssen Jahr für Jahr viele Millionen Eier eingeführt werden.(Im Jahre 1934 betrug die Eiereinfuhr 70 Millionen Stück.) Umsomehr sind die deutschbesiedelten Gebiete unserer Republik in ihrer überwiegenden Mehrheit Eier- Zuschutzgebieie. Der Umstand, daß die bäuerlichen Lebensinteressen auf das engste verknüpft sind mit denen der Arbeiterschaft, weist dem deutschen Bauer einen Weg, durch Ausbau eines ertragreichen Zweiges seiner Wirtschaft sich. und den anderen Bevölkerungsschichten zu dienen Warum sollten beispielsweise unsere Konsumgenossenschaftenihren ge- Feinde unserer Zähne sind am gefährlichsten, wenn sie ihr Zerstörungswerk unbemerkt vollbringen können wie das Millionenheer der Fäulnisbakterien. Wenn die Schäden sichtbar werden, ist es schon zu spät. Besser ist rechtzeitiges Vorbeugen durch regelmäßige Zahnpflege mit Chlorodont-Zahnpaste, die trotz größter Putzkraft den empfindlichen Zahnschmelz nicht angreift. Tube Kc 4*—. Inl. Erzeug. samten Eierbedarf nicht lieber aus jenen Gebieten holen, auf die sich ihr Wirkungskreis erstreckt? I Und in der Tat werden die deutschen Konsumgenossenschaften der deutschen bäuerlichen Bevölkerung als Eierlieferanten selbstverständlich den Vorzug geben, wenn die richtigen Voraussetzungen dafür gegeben find. Sie werden viel lieber unseren Eierbedarf von den Landwirten und ihren Organisationen beziehen als daß sie gezwungenermaßen mit dem Handel arbeiten müssen. Heute steht die Sache jedoch so, daß die Aufbringung und Einlagerung der inländischen Eier fast ausschließlich in die Hände privater Händler gelegt ist. Soll dem genossenschaftlichen Wirtschaftsprinzip der Verkürzung des Weges des Sozialproduktes vom Erzeuger zum Verbraucher auf diesem Gebiete entsprochen werden, dann müßte vonseiten der Landwirte her ein zweckent- sprecheneder AufbringungS-undEin- lagerungsdie n st organisiert werden. Da die Eierproduktton der deutschen Landwirtschaft in der Tschechoslowakei in ihrer Gesamtheit den Bedarf unserer deutschen Verbraucher nicht zu decken vermag, wird es Wohl die Landwirtschaft selbst als ihre Aufgabe ansehen, diesem rentablen Zweige der landwirtschaftlichen Produktion ehporzuhelfen. Inwieweit in den verschiedenen Gebieten die Voraussetzungen dafür bestehen, ist wiederum eine Angelegenheit, welche die Landwirtschaft selbst zu regeln hat. Wichtig für die deutschen Verbraucher in diesem Staate wäre, daß eine erhöhte Tierproduktion der deutschen Bauern attf möglichst direktem Wege zu den organisierten Verbrauchern gelangen' könnte. Warum sollte es nicht möglich sein, die landwirtschaftlichen Lagerhäuser, die sich über das ganze Land hin an vielen verkehrsgünstigen Orten befinden, auch zu Eiersammelstellen des betreffenden Gebietes zu verwenden? Die Anfänge, die in einigen Gebieten in dieser Hinsicht gemacht wurden, dürften gewiß bereits einen bestimmten Erfahrungsschatz ergeben haben, von dem aus eine weitere Tätigkeit befruchtet werden könnte. Es wurde uns wirklich interessieren, was die deutschen Agrarier zu dieser Frage zu sagen ha- benr denn die Zusammenarbeit vep leMwirtschafti" lichen Genossenschaften mit unseren"Konsumgenossenschaften in der Frage der Eierversorgung würde, dem deutschen Bauern der CSR. sehr von Nutzen sein. Die Getreidepreise im Juli 1935. Der Finanz- sowie der Landwirtschaftsminister haben auf Grund der Regierungsverordnung vom 13. Juli 1934 betreffend die Regelung des Getreidehandels, verfügt, daß die Verkaufspreise von Weizen, Korn, Hafer, Gerste und Mais, welche im Juni 1935 gegolten haben, auch im Juli in Geltung bleiben. Ihre Blumen dürsten nach dem gutem Blumen-Zauberdung 1 Paket mit Postzusendung Kö 5 60 durch Verwaltung»Frauenwelt". Prag XIL, ffochova B2 Damals, 1899... Für uns Buben in der dritten Klasse des k. k. II. deutschen Staats-Obergymnasiums in Brünn bekam die ganze Welt ein anderes Gesicht, als der neue Professor kam. Wir hatten von Krieg und Umsturz gelernt, aber das stand alles im Büchel, hinter Jahreszahlen, die man auswendig lernen mußte. Lauter Dinge, die sich vor langen, langen Zellen ereignet hatten und die uns Wurscht und butten waren. Der Karl May war uns bedeutend wichtiger. Old Shatterhand oder Winnetou standen uns erheblich näher als Caesar oder Perik- lcs. Von uns hieß niemand Brutus oder Agamemnon wie die Gymnasiasten in der Zeitschrift „Der gute Kamerad", die wir lasen, weil darin „Der blaurothe Methusalem" von Karl May fort- schungAveise erschien, sondern wir hießen Tur- »crstick oder Jntschu-tschuna oder Sam Hawkens; ich hieß Omar ben Sadek. Da kam der neue Professor. Er war ganz anders als die übrigen Krebse.(So nannten wir unsere verehrten Lehrer und der hochgeschätzte Herr Direktor hieß der Skitz.) Er brachte Bücher in die Schule mit, die er mit uns las: Storm, Spielhagen, C. F. Meyer! Das war, als ob er Bomben mttgebracht hätte. Solche unfromme, unheilige, auflässige, im Lehrplan für k. k. Mittelschulen und verwandte Lehranstalten aber schon gar nicht vorgesehene Stänkerer! Und eines TageS schrieb er ins Klassenbuch:„Der Schuldiener Stt- Panek heizt aus nationaler Gehässigkeit nicht ein." So ein Bursch Ivar das. Und dieser Rebell zeigte uns ein bißl die Welt. Es ging ja auch allerhand vor. Da war der spanisch-amerikanische Krieg gewesen. Und unsere Väter hatten wir von den Krawallen in Wien sprechen gehört. In den Badenitagen. Daß die Polizei ins Parlament gerufen worden war und zuerst die sozialdemokratischen Abgeordneten niedergeschlagen und aus dem Saal geschleppt hatte. Und dann war die Kaiserin ermordet worden. Vmt einem Arnachisten. Das hörten wir so nebenbei in unseren ersten Gymnasiastenjahren. Wir sprachen davon, aber wir wußten damit nicht viel anzufangen. Niemand erklärte uns die Dinge. Da kam der Burenkrieg. Gerade, als wir den neuen Professor bekamen. Und der hatte immer die Zeitung mit und las uns daraus die südafrikanischen Berichte vor. Und erklärte uns, daß es viel wichtiger wäre, die Zeitgeschichte mitzuerleben als mechanisch den peloponnesischen Krieg auswendig zu lernen. Er machte uns die Geschichte lebendig. Stellte den Kampf um Kuba neben die panischen Kriege. Schimpfte darüber, daß wir wohl wußten, wer Leonidas war und was sich vor mehr als zweitausend Jahren bei den Thermopylen abgespielt hatte, aber nicht wußten, was die„Maine" war— jenes Panzerschiff, das ein Jahr vorher in der Bucht von Santiago de Cuba versenkt wurde, um die spanische Flotte im Hafen einzusperren; daß wir Ciceros Rede gegen Catilina lasen, zergliederten, übersetzten und historisch erläuterten und keine Ahnung davon hatten, warum auf der Straße gegen Badeni demonstriert wurde. Was im Büchel stand, konnten wir aufsagen. Was wir miterlebten, davon wußten wir kein Wort. Und eines Tages, im Herbst, stand einer auf und fragte:„Ich bitt', Herr Professor, was sind das, die Sozialdemokraten? Und warum steht ii den Zeitungen so viel von ihrem Brünner Parteitag? Und was ist das, das Rennersche Nationalitätenprogramm?" Also was die Sozialdemokraten sind, das hat er uns ganz komisch auseinandergesetzt. Das sind Leute, hat er gesagt, die wollen alles teilen. Und das ist doch, hat er gesagt, ein aufgelegter Unsinn; denn wenn man jetzt alles in gleiche Teile teilt, dann bewirtschaftet der Fleißige seinen Teil gut, der Faule schlecht und nach einer Zeit ist alles wieder ungleich. So stellte sich einem k. k. Gymnasialprofessor der Sozialismus dar. Wie ahnungsvoll waren wir doch, wenn wir die Professoren Krebse nannten! Und dabei hätte sich der unsrige ganz genau informieren können, wenn er im Konferenzzimmer den neuen Supplenten danach gefragt hätte, den Supplenten Johann Polach, der dann später sozialdemokratischer Abgeordneter und Senator wurde. Aber das hat er nicht getan. Dafür setzte er uns genau auseinander, was das Rennersche Nationalitätenprogramm wollte. Erzählte uns, daß schon 1848 der.Plan verfochten wurde, die Monarchie in einen Bund freier, selbstverwalteter Länder zu verwandeln. Erzählte üns von Palacky und seinem Entwurf eines Födcralstaates und erklärte uns, daß Renner und die Sozialdemokraten eben jetzt und hier bei uns in Brünn beschlossen hätten, die Umgestaltunq Oesterreichs in einen Bundesstaat autonomer Nationalstaaten zu verlangen, wobei die sogenannten historischen Grenzen der Kronländer aufzuheben wären. Er war natürlich dagegen. Denn wie alle seiner Art war er dafür, datz die Deutschen in Oesterreich herrschen müßten.. Aber obwohl der Professor sagte, er sei gegen den österreichischen Bundesstaat national beftiedig-, ter Völker, machte die Sache einen tiefen Eindruck auf uns. Sie ließ uns auch in den künftigen Jahren nicht mehr los. Wenigstens- einige von uns. Wir wuchsen heran, die Fragen des Tages wurden uns vertrauter und in unseren Gesprächen gab cs einen österreichischen Bund, träumten wir von der Anziehungskraft der Föderation für die Nachbarvölker, träumten wir von Groß- Oesterreich., Aber das war erst später. Vorläufig hörten wir noch das, was uns unser Professor zu der Sache sagte. Man muß es»oben" erfahren haben: Da war ein Professor, der„politisierte" in der Klasse. Man hätte zwar auch sagen können, er habe un? Buben die Politik erklärt. Aber oben saßen doch die Krebse! Und so wurde unser Professor vorschriftsmäßig krank, verschwand und wir bekamen einen, den wir:„Der Kaffer" nannten, weil er bei jeder Gelegenheit zu uns:„Sie Kaffer!" sagte. Mehr ist von ihm nicht zu berichten.. Was aus dem andern geworden ist, weiß ich nicht. Ob er seine Anschauungen über die Sozialdemokraten geändert hat? Die Zeiten haben sich ja auch geändert. Und die Straße, in der dus Gymnasium steht, an dem er uns seine Ansicht vom Sozialismus bekannt gab, heißt jetzt nach unserem Josef Hybesch. Ast. Seife 8 „Sozialdemokrat^ Donnerstag, 2V. Juni 1938. Nr. 143 Stöger Heitunq Die Brotverteilung für die Arbeitslosen in Prag XIX leidet, wie uns ein Leser schreibt, schon wieder unter' der Organisationslosigkeit der verteilenden„Odkolek"-Filiale in Prag XIX., am Siegesplatz. Das Brot wird für einen bestimmten Tag in bestimmter, den Karten entsprechender Anzahl, zugewiesen— und sollte also vorhanden sein. Aber am letzten Verteilungstage war Vormittag, gegen Mittag, noch, abends aber schon kein Brot mehr vorhanden. Was ist mit den gemäß Kartenanzahl Vorhandensein müssendem Brote — dem Eigentum der Aermsten unter den Arbeitslosen!— geschehen? „Praha XIX" erstreckt sich von der Nordwestgrenze„Praha VII" bis zum Ende von Vokovice, bis in die Sarka nach Podbaba, bis zum Belvedere. Bubeneö, Alt- und Neu-Dejvice, Särka, Podbaba gehören dazu. Wenn man das Unglück hat, an der Peripherie dieses Riesenbezirkes zu wohnen, kann man, bei nötigem dreimaligem Wandern zu dieser ,.Odkolek"-Filiale, Stunden zubringen, bis man die Brote empfängt; dabei wird man ärger behandelt als ein rechtlos gemachter Bettler. Der Arbeitslose wird gezwungen, sich müde zu laufen, Schuhsohlen zu verbrauchen, oder 3mal je 2 KiS 40 Heller für die Straßenbahn auszugeben, um ein oder zwei Brote zu erhalten, deren Wert weit geringer ist, deren Qualität aber den Verdacht rege erhält, daß das für die Aermsten der Arbeitslosen bestimmte Getreide auf derart„besondere" Weise vermahlen und zubereitet wird, daß für Magenschwache dieses Brot nur mit Ueberwindung und mit unguten gesundheitlichen Folgen genießbar ist! Das Brot schmeckt — im Lande des Getreide-Ueberfluffesl— trotz allem besten Willen der Regierung, nahrhafte Rot- Nahrung zu schaffen— scheußlich l Also: die„Odkolek"-Zentrale möge Ordnung schaffen,— oder das ArbeitÄosen-Brotgeschäst Menschen überlassen, dre Verantwortungsgefühl, zu betätigen willens sind! K. B. Ausstellung katholischer Sozialfürsorge Anläßlich des ganzstaatlichen Kathäliken-Kon- tzresses wurde im Palais Clam-Gallas in Prag eine Ausstellung eröffnet, die einen Einblick in die chari- tative Tätigkeit der katholischen Vereine und Orden geben soll. Gegen die Anhäufung der geschmacklosen.Jahrmarktsware, die auch den kleinert Teil der der heutigen Zeit anäepaßten sozialen Fürsorge in der tsche, chischen Abteilung der Aufmerksamkeit entzieht, wirkt! um so nuchr die schlicht, systematisch, übersichtlich und! direkt eindrucksvoll organisierte Abteilung des Deutschen Reichscaritas-Verbandes im zweiten Sock des Palais. Fünf Säle geben hier das Bild der Grundlagen, Ziele und auch Erfolge in der Entwicklung der Kranken-, Alters-, Behinderten- und Kinderfürsorg« sowie der Notstandshilfe und Dorfcaritas dieser deutschen katholischen Organisation. Neben Photographien der Krankenhäuser, Erholungsheime, Waisen- und Siechenhäuser sowie UebungSschulen für die Pflegerinnen, sind es die plastischen Tafeln(so z. B. eine Darstellung der Hilfssammlungen am Lande für di« notleidenden Arbeiter in den Industriezentren), die den tiefen Sinn, der in der gegenseitigen Hilfe der Volksgenossen auf Grundlage des gleichen Religionsbekenntnisses liegt, besonders hervorhcken. Die Einrichtungen der Kindertagsheime, Waisenhäuser usw. bewerfen, daß die deutsche Caritasarbeit an modernen Methoden(Montessori usw.) nicht achtlos vorübergegangen ist. Die religiöse Grundlage wird nur ganz unauffällig betont, und eine in dieser Hinsicht protestantisch anmutende Schlichtheit zeugt, daß der politische Zweck Wohl die Grundlage und den Hintergrund bildet, nach außen jedoch nur die christliche Liebe als Parole wirken soll! Dem Altersheime des bekannten freimauerischen Grafen Spork in Kukus ist eine ganze Wand eingeräumt. Ein großer Teil der Ausstellung wurde der Notstandshilfe gewidmet, die ja in den deutschen Gebieten ein breites Betätigungsfeld findet. Die Zahl der an den Klostertoren verabreichten Suppen, die Menge der verteilten Brote, an der Höhe des Moyt- Blane gemessen, zeigen nur, daß in den Zeiten besonders schwerer Krisen die staatliche Hilf« nicht ausreicht und private Hilfe nottut. Wenn wir jedoch die Zahl von 1000(deutschen) den katholischen Orden angehörigen Krankenpflegerinnen, die in den öffentlichen Krankenhäusern Anstellung fanden, die große Anzahl der den katholischen Vereinen angehörenden Fürsorgerinnen in Betracht ziehen, steht die stets schärfer hervortretende Arbeitslosigkeit der Absolventinnen von Pflegerinnen- Schulen und-Kursen in einem anderen Lichte. Die Flucht des Landarbeiters in die Industriezentren ließe sich durch Hebung des Lohn- und Lebensniveau zum großen Teile beheben; bezeichnend jedoch ist, daß die deutsche Caritasarbeit auch hier ansetzt. Die Ausstellung bestätigt nur, was die Sozialdemokratie stets betont: daß die offizielle Fürsorge noch ein Beträchtliches der Kinder-, Armen- und Siechenfürsorge schuldet, besonders jedoch den Opfern der Wirtschaftskrise, die dann zu Objekten der katho-. li'chen Caritas und dadurch des klerikalen Einflusses werden. m. i. Die Errichtung einer deutschen Hilfsschule in Prag ist beabsichtigt. Anmeldungen und Auskünfte beim deutschen pädagogischen Verein in Prag I., Masnä 18. Rätselhafter Neberfall. Gestern nachmittag fand der 70jährige Kohlenauflader Wenzel Vojtisek in seiner Wohnung in der Kolonie Bohdanec hinter dem Edenpark in Wrschowitz bei seiner Heimkehr seine 50jährige Gattin bewußtlos, gefesselt am Boden liegend vor. Sie hatte das Gesicht zur Erde gekehrt. Da sie noch Lebenszeichen von sich gab, wurde Hilfe geholt und der ebenfalls verständigte Polizeiarzt untersuchte sie an Ort und Stelle. Hiebei stellte sich jedoch heraus, daß Frau Vojtisek nicht nur keine Verwundungen erlitten hatte, sondern auch, daß überraschenderweise bei der Fesselung keine Gewalt angewendet worden war. Es dürfte sich also nicht, wie zuerst angenommen, um einen Mordversuch, sondern um einen fingierten Ueberfall handeln. Eine Vermutting besagt, daß Frau Vojtisek den Anschein eines Mordversuchs erwecken wollte, um den Verdacht auf ihren früheren Geliebten zu lenken.' Sie wurde, noch immer bewußtlos, ins allgemeine Krankenhaus überführt. Da sie noch nicht einvernommen werden konnte, ist die Untersuchung bisher zu keinen Ergebnissen gelangt. Die Ermordete von Wrschowitz. Als neues De- tafl kommt im Mordfall der Frau Boiik die Aussage eines Zeugen in Betracht, dem gegenüber sich diese geäußert haben soll, der junge Mann, der jetzt als Täter verdächtigt wird, habe sich ihr als Forst- adjunkt oder Forsttngenieur ausgegeben, der noch studiere. Die Untersuchung wird in dieser Richtung weitergeführt. Jarmila Barkovä-Marion und Gustav Dießl in dem Hochgebirgsfilm„Der Dämon des Himalaja" » ' Hencktssaak Meineid und Rheumatismus Eine heitere Verhandlung Prag. Albert K a b e s ist ein Mann von gesetzterem Alter und gesicherten Verhältnissen, dessen Gehaben von Biedersinn und Gemütlichkeit zu zeugen scheint. Dies« joviale Figur saß vor dem Straf- senat Kaplan auf der Anflagebank und die Anflage des Staatsanwaltes TrZicky bezichtigte Kabes des Verbrech e n s des falschen Z e u- geneides. Der Angeklagte war seinerzeit in einem gewissen Prozeß als Zeuge geladen.' Seine Aussagen waren indes nicht nur unklar, sondern so voll innerer Widersprüche, daß das Gericht zu der Ueberzeugung kam, daß eS der Zeuge mit der Heiligkeit des ZeugeneideS nicht sehr ernst nehme. Vielleicht wollte es sich Kabes als Gewerbetteibender mit keiner der beteiligten Personen verderben. Jedenfalls änderte er seine Aussagen mehrfach ab und sprach immer im Sinne dessen, der jeweils die Oberhand hatte und kam also unter schwerwiegender Auflage vor Gericht. Es war eine kurzweilige Verhandlung und reich an humoristischen Momenten. Der Angeflagte erklärte, an der ganzen Affäre sei nichts anderes schuld als sein„Refma"(Rheumatismus). Auf das Kopfschütteln der Richter hin erklärte Kabes des langen und breiten, daß ihn seine rheumatischen, Schmerzen nötigten,„haufenweise Pulver zu f r e ssen". Ja-— und diese Pulver hätten ihn „ganz blöd gemacht" und er habe einfach nicht gewußt. was er damals vor Gericht aussagte. Tas Gericht wollte den Namen dieser geheimnisvollen Präparate wissen, worauf der Angeklagte zuerst beteuerte er habe ihn vergessen. Dann erklärte er, es handle sich um„verbotene Medikamente". Dieser Punkt blieb also ungeklärt; dafür aber verbreitete sich der Angeflagte über seine Krankheit im allgemeinen und besonderen. Er erzählte von den kostspieligen Bäderkuren, denen er sich habe unterziehen müssen und als ihn der Vorsitzende aufiorderte, doch einige Bäder zu nennen wo er Heilung gesucht habe, versagte das Gedächtnis des Angeklagten abermals. Erst nach geraumer Zeit nannte erIikin, das zwar eine altertümliche Stadt, aber keineswegs ein Bad ist. Und so ging es weiter. Als Kabes sah, daß das Gericht seiner Verteidigung gegenüber skeptisch blieb, spielte er seinen Haupttrmnpf aus. Er zog nämlich aus seiner Rocktasche ein Krankheitszeugnis, niedergeschrieben und unterfertigt von— seiner eige- nen Frau etwa des Inhaltes:„Ich bestättge, daß mein Mann an„Refma" leidet und Pulver schlucken muß und empfehle, ihn in Ruhe zu lassen.- Hochachtungsvoll Marie. Kabes, Gattin..." Kabes war ohne Verteidiger erschienen. Nachdem am Schluß der Verhandlung der Staatsanwalt seinen formellen Antrag auf Verurteilung des Ange- flagten gestellt hatte, wandte sich der Vorsitzende an ihn mit der üblichen Frage:„Und Sie beantragen Ihren Freispruch?"— Kabes lächelte gutmütig: „No, Herr Vorsitzender, geben Sie mir halt irgendeine Geldbure! Ich bezahls schon." Da aber die falsche Zeugenaussage ein Verbrechen ist, das nicht mit Geldbußen, sondern mit Kerkerstrafen geahndet wird, erlebte der gemütliche Herr Kabes eine unangenehme Überraschung. Denn der Gerichtshof verkündete«in Urtefl, durch welches der Angeflagte zu drei Monaten schweren Kerkers ver- urteflt wurde. Diese Ucberraschung wirkte so mächtig auf ihn ein, daß er ganz erstarrt auf der Anflage- bank sitzen blieb-und nur mit Handbewegungen und unverständlichen Lauten protestieren konnte. Schließlich mußte er durch den Aufseher aus dem Verhand- lungssaal geschafft werden. rb. Kunst twd WUsett- Josef EapekS Kinderzeichnungen. In der Galerie Dr. Feigl stellt der Schriftsteller und Maler Josef Capek(der Bruder Karel Capeks) eine Sammlung von Pastell-Zeichnungen aus, die— in den letzten sieben Jahren entstanden— alle dasselbe Motiv behandeln: spielende Kinder unter Bäumen, auf Dorfwiesen oder am Wasser,— und die auch in der Form alle einander ähnlich sind: es ist ein primitiver, nur auf den äußersten Umriß und die deutlichsten Farben bedachter Stil. Der Maler bekennt selbst, daß er sich in diesen Bildern wiederholt habe, aus innerer Notwendigkeit freilich, wie einer, dem die einfache Melodie eines Kinöer- liedes nicht aus dem Kopfe will. Und wirflich: Josef Capeks Bilder sind Erlebnisse eines Malers, der sich als Kind(und zwar als sorgloses Dorftind) zurückgeträumt hat und dem- es dabei gelungen ist, seine Linien und Farben dem primittven Stil so glücklich anzunähern, als hätten ihm Kinder selbst die Hand geführt,— Kinder freilich mit dem sicheren Blick, und der kundigen Hand des geschmackvollen Malers, dessen Kunst auch den erwachsenen Beschauer nicht verwirrt. Derselbe Reiz, der Capeks Kinderbücher beliebt gemacht hat, geht auch von diesen vierzig Pastell-Zeichnungen aus: der Reiz eines Erwachsenen, der die innere Bereitschaft hat, zur Kindheit zurückzufinden, und der die Fähigkeit besitzt, diese Bereitschaft künstlerisch zu dokumentieren.—eis— Heute II. Bbsolventenabend der Deutschen Musikakademie, 20 Uhr, Radiosaal. Mitwirkende Solisten: Else Grauer(Klavier), Albert Jindra (Cellö), Isolde Laufle und Ed. Fried'(Gesäntz)'. Montag einziges Gastspiel Heinz Rühmann und Alexa von Poremski in dem englischen Schwank „Der Mustergatte" im Deutschen Theater. Nur 2.50 bis 28 Kö. Wochenspielplan des Reuen Deutschen TheaterS. Heute Donnerstag halb 8 Uhr: D a n t o n s T o d. C 1.— Freitag halb 8 Uhr abends: Giuditta. volkstümliche Vorstellung. Abonue- ment aufgehoben.— Samstag 7$4: Cosi fan tutte. im Rahmen der Festspiele neu einstudiert, B. 2.— Sonntag 7{4i r> i e Nachtigall, Gianni Schicchi, D 1. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute Donnerstag abends 8 Uhr: Mädchen für alles, volkstümliche Vorstellung.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 8: Ichhabs getan, volkstümliche und letzte Vorstellung der Kleinen Bühne. äpgrt-Hüek-Xörperpskegr Von der CsAAU zur DTJ In Brünn ist der populäre Leichtathlet und Langstreckenläufer Jan Slezakek aus seinem Verein„Mor. Slavia" und damit auch der CsAAU ausgetreten und zur DTJ Brünn V übevgetreten. Der Austtitt des Sportlers aus der bürgerlichen Sportbewegung ist keine Sensatton; sie er- fötzte nur aus der richtigen Erkenntnis heraus, daß für einen Arbeiter in derselben nicht der richttge Platz ist. Slezakek wird für die DTJ-Leichtathletik nicht nur ein ausgezeichneter Leichtathlet, sondern durch sein« Erfahrungen auch ein guter Instruktor sein, der die aufstrebende Leichtathletik in der DTJ neue Wege weisen wird. In einem Schreiben an die tschechische Bruder- vresse begründet er seinen Schritt wie folgt: Nach längeren Erwägungen habe ich meinen Austritt aus der Leichtathletik-Sektton der Morabjka Slavia sowie aus der Tschechoflowakifchcn Amateur- Athlettk-Union angemeldet. Als Arbeiter habe ich im Arbeiterturnverein den Sport zu pflegen begonnen; wegen den unzulänglichen Bedingungen für die Pflege der Leichtathletik trat ich damals dem SK Zidenice bei und später, angelockt durch die Versprechungen, zur Moravfla Slavia über. Die letzten Jähre habe ich im Elend verlebt. Ich erinnerte mich des Lebens in den Reihen'der Arbeiterschaft, bis ich mich entschloß, wieder dorthin zurückzukehren, wo ein anderer Geist lebt und wo alle— ob Arbeiter oder Beamte— Gleiche unter Gleichen sind und aufrichtige Kameraden in guten wie in bösen Zeiten. Ich folgte, zur Genüge belehrt, dem Beispiele eines Mister, Zanasek, Hrdlikka und Vlacha und will nun meine Fähigkeiten und Erfahrungen von neuem mit Liebe dem Arbeitersport widmen. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab..».,... 1835 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokrattschen Arbeiterpartei „GoAtalttemofrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:■■■■■■■■■, Letzte Post: Unterschrift: In die DTJ Brünn V habe ich mich selbst angemeldet, nachdem ich mir vor Wochen eine Beschäftigung selbst gesucht habe und nunmehr in Ruhe über alles erwägen konnte. Mit meinem Uebertritt zur DTJ erfülle ich nur meine Pflicht als Arbeitersportler. I. Slezakek. Wichtige leichtathletische Beranstaltnnge« dek DTJ. Die Leichtathlettk nimmt in diesem Jahre im DTJ-Verbande große Fortschritte. Von den Veranstaltungen der Vereine, Bezirke und Kreise sowie des Verbandes selbst sind als die wichtigsten hervorzuheben der am 3. und 4. August in Prerau stattfindende Zehnkamps, der Städtekampf Prag—Brünn am 10. und 11. August in Brünn, der Kreiswettkampf Prag gegen Königgrätz am 18. August in Prag, am 8. September findet in Königgrätz das Hummelhansovä-Memorial des Prager Kreises statt; der traditionelle Städtekampf Prag gegen Pilsen wird am 15. September in Prag vor sich-gehen und am 28. und 29. September werden in Pilsen die Vcr« bandsmeisterschaften durchgeführt. Der Dkm, Film-Beratungsstelle. In der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tschecho- flowakei freigegeben: Ein deutscher Film„Kitty schwindelt sich ins Glück"(Bruna-Film) und vier amerikanische Filme„Abend um acht"(Moldavia- Fflm),„30 Tage als Prinzessin" und„Die drei Reiter von Bengalen"(Paramonnt) und„Königin Christine" mit Greta Ggrbo(Metro- Goldtvyn-Maher). Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Donnerstag, den 20. d. M., um halb 8 Uhr Ausschußsitzung im Cafe Metro, hierauf um 8 Uhr daselbst Generalversammlung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingte Pflicht. Berein für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Hauptversammlung am Mittwoch, dem 26. Juni 1935, im Vereinsheim, Prag III., Nerudova Nr. 19: Beginn 5 Uhr nachmittags. Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Wend um acht." A.— Alfa:„Späte Liebe." Tsch.— Avion:„Der moderne Robinson." A. Douglas Fairbanks.— Beranek:„Kubanisches Liebeslied." A.— Fern;:„Jennie Gerhardt." A.— Flora:„Von Abend bis Mitternacht." A.— Hollywood:„Bachstelze." Tsch.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen(halb 2 bis halb 10).— Koruna:„Lichter der Großstadt." A. Charlie Chaplin.— Kotva:„Liebe unter Künstlern." A. :— Lacerna:.Liebe unter Künstlern." A.—Passage: „Maskerade." Paula Wessely.— Radio:„Die an» getreue Frau." A. Sylvia Sidney.— Skaut: „Bachstelze." Tsch.— Svitozor:„Die Abenteuer des Bulldog Drummond." A.— Baikal:„Von Abend bis Mitternacht." A.— Belvedere:„Flucht aus dem Paradies." A. Lubitsch.— Illusion: „Solang du eine Mutter hast." Tsch. Ncdosinftä.—- Louvre:„Von Abend bis Mitternacht." A.— Bälde!:..Salto in die Seligkeit." D. VERLANGET UEBERALL Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Ki 16!—, vierteljährig K4 48.—. halbjährig Kd 96 ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag.