Einzelpreis 70 Heller (eiruchließlich S Haller Porto} ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochoya a. Telefon»77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Samstag, 22. Juni 1935 Nr. 145 Unser Kampf und unsere nächsten Aufgaben Das grolle Referat des Ministers Genossen Dr. Czech auf dem Parteitage Am Freitag vormittags hielt der Vorsitzende der Partei Genosse Dr. Ludwig Czech auf dem Parteitage sei« mit Spannung erwartetes Referat. Seine Ausführungen, die immer wieder von Beifall begleitet waren— schon das Erscheinen des Genossen Dr. Czech war Anlaß zu spontane»-Ovationen— besagten im Wesentlichen: Laval bleibt fest Eden vermag Ihn nicht zu überzeugen Paris. Neber die Besprechungen zwischen Laval und Lord Eden, die Freitag vor- und nachmittags stattfanden und Samstag fortgesetzt werden sollen, verlautet von offiziöser Seite, daß der Vertreter der englischen Regierung nachdrücklich betonte, daß England das Flottenablommen mit/Deutschland nur als einen Auftakt zu einem allgemeinen internationalen Abkommen über die Begrenzung(?!) der Rüstungen zur See ansehe, und versichert habe, daß der Abschluß des Ab- kochmens keineswegs als ein Abgehen Englands von der Politik der Organisierung der k o l- lektiven Sicherheit aufgefaßt werden dürfe, deren Ziele in der französisch-englischen Erklärung vmn 3. Feber niedergelegt seien.' Demgegenüber vertrat Laval die Auffas sung, daß das deutsch-englische Flottenadkom- mcn eine legale Lösung der mit der Aufrüstung, Deutschlands zu Laude und in der Luft zusammenhängenden Fragen wesentlich er- ■ schwere. Das deutsch-englische Sonderabkommen sei mit dem Grundsätze der Abhängigkeit der einzelnen Rüstungsatten untereinander, sowie mit der französisch-englischen Erklärung vom 3. Feber, die noch am 30. Mai d-. I. von Sir John Simon im Unterhause - bestätigt wurde, keineswegs verein b a r l i ch. Sir John Simon habe damals ausdrücklich erklärt, daß über die einzelnen in der französisch-englischen Erklärung aufgezählten Punkte zwar Sonderver- Handl un gen«ingoleitet werde« könnten, daß aber der A b s ch l« ß aller dieser Verhandlungen nur simultan erfolgen! dürfe. Schließlich lenkte Laval in freundschaft- y-sah- Weise die Aufmerksamkeit seines eng- »Kollegen auf den Umstand, daß der Ab- >^>es deutsch-englischen Flottcnabkommens HAI dreiseitige Aenderung wesent- E'estimmungen des Barsailler Vertrages Wen, obwohl nach den allgemein geltenden in dem tztzen eine Lertragsrevision nur mit Zu» sN Tötung sämtlicher Signatarmächte rühtsgültig durchgeführt werden kann. Nach gewissen Informationen der englischen Presse hat Eden von seiner Regierung die Weisung' erhalten, sich in Paris für einen möglichst raschen Abschluß des sogenannten Luftlo- ( i t ii o einzusetzen, das nach Ansicht der Londoner Regierungskreise, wenn irgend möglich, noch vor der Regelung der übrigen im französisch-englischen Protokolle vom 3. Feber aufgezählten Fragen erfolgen soll. Gegenüber diesem Vorschläge vertritt Laval nach wie vor den Grundsatz der U n t e i l b a r k e i t des in der fran- zösisch-englischen Erklärung enthaltenen französischen Sicherheitsprogramms. Schwerwiegende Rückfragen Andererseits hat Laval Eden eine Reihe von konkreten Fragen betreffend die verschiedenen gegenwärtig schwebenden Probleme der europäischen Politik gestellt. Zwecks Beantwortung dieser Fragen hat sich Eden mit der englischen Botschaft in Verbindung gesetzt. Bon unttrrichtetrr französischer Seite verlautet, daß von der Beantwortung dieser Fragen eine entscheid end e Orientierung der fr anzösisch-englischen Besprechungen abhängen dürste. In englischen Kreisen hält man es nicht für ausgeschlossen, daß eine Beantwottung dieser Fragen erst nach der Rückkehr Edens aus Rom erfolgen wird. 300 polnische Arbeiter müssen Frankreich verlassen Rubaix. 300 polnische Arbeiter, darunter 79 Familienväter, deren Arbeitsbewilligung von den französischen Behörden nicht erneuert worden ist, sind mit einem Sonderzuge in die Heimat befördert worden. Um alle Zwischenfälle zu vermeiden, hatte berittene Wache sämtliche Zufahtt- straßen zum Bahnhof besetzt. Weitere Heimbeförderungen polnischer Arbeiter werden in der nächsten Zeit durchgeführt werden. Der Zeitpunkt seit dem letzten Parteitag zählt, wenn man von der Katastrophe des Weltkrieges absieht, zu den schicksalsschwersten der letzten Jahrzehnte. Die Weltwirtschaftskrise hat eine sehr bedeutende Verschärfung erfahren. Die industrielle Produktion, die in allen Ländern einen Niedergang aufweist, ist in tiefsten Verfall geraten. Mit ihr ist das Proletariat dieser Gebiete, das nun durch volle fünf Jahre die fürchterliche Pein des Krisennotstandes zu tragen hatte, unter der Einwirkung der national- sozialistisch-fascistischen Strömungen einer Verzweiflungsstimmung anheimgefallen und in großen Teilen die Beute fascistischer Aasgeier geworden. Das haben auch wir in unserem Lande am eigenen Leib« zu spüren bekommen. An die gleiche Zeitperiode fiel auchder gewaltige Vormarsch deS FasriSmus in Europa und die Machtergreifung Adolf Hitlers in Deutsch vas Wahlergebnis Die borangegangenen Parlamentswahlen, die in den Jahren 1920, 1925 und 1929 stattfandcn, brachten— abgesehen vom kommunistischen Einbruch in die sozialdemokratische Wählerschaft— in ihren Ergebnissen keinerlei besondere Ueberraschung. Sie boten besonders hinsichtlich der ideologisch und beruflich zusammengehörenden Wählerschichten der einzelnen Nationalitäten ein durchaus einheitliches Bild. Sc z. B. hatte das Jahr 1920 den beiden sozialdemokratischen Parteien große Wahlerfolge, auf tschechischer Seite 74, ans deutscher Seite 31 Mandate gebracht. In den Wahlen des Jahres 1925 erlitten die beiden sozialdemokratischen Patteien infolge der kommunistischen Spaltung sehr beträchtliche, bis an die Hälfte gehende Verluste. Der Wahlgang des Jahres 1929 brachte den beiden'Parteien wieder einen sehr bedeutenden Stimmenzuwachs. Ein annähernd ähnliches einheitliches Bild ergab sich bei jedem Wahlausgang bei den beiden agrarischen Parteien und ebenso auch bei den tschechischen und deutschen christlichsozialen Parteien. Man ersieht daraus, daß, wenn auch die deutsche Bevölkerung unseres Staates ideologisch stets ein gewisses Eigenleben führte und hin-' sichtlich ihrer Einstellung zur Demokratie mit der tschechischen Bevölkerung niemals gleichen Schritt hielt, dies in den drei ersten Wahlgängen nur in sehr geringem Maße zum Ausdruck kam. Das Jahr 1935 ändette dieses Bild vollständig. Trotz der fascistischen Einwirkungen der die Tschechoslowakei umgebenden Staaten blieb die Demokratie im tschechoslowakischen Volke nach wie vor fest verankett. Anders die Entwicklung im deutschen Lager, das in letzter Zeit in großem Maße den hakenkreuzleri- schen Gedankengängen verfallen ist und sich in diesem Geiste bei den letzten Wahlen restlos auslebte. Zum erstenmale—, nach drei vorangegangenen normalen Wahlgängen— stehen wir in unserem Staate vor einem Wahlergebnis boller Zwiespältigkeiten. Während die tschechische Bevölkerung die fascistischen Sturzwellen der Nachbarstaaten aufzufangen und abzuleiten verstand, sind ihr große Teile der deutschen Bevölkerung und insbesondere des Bürgertums und die Mittelschichten, leider aber auch vielfach proletarische Kreise erlegen. So kam es zu den l N Millionen völkischer Wählerftimmen, die selbst für die Heimatfront eine große Ueberraschung waren.. Ganz unvermutet ist sie zur stärksten Pattei des-Staates geworden, was sie sich selbst in ihren kühnsten Träumen nie gedacht hätte und was den führenden tsche- chischen Patteien viele schlimme Stunden verursachte. Die Zeche haben alle deutschen Parteien, und zwar ganz ausnahmslos bezahlt. land mit allen aus ihr resultierenden grauenhaften Auswirkungen, sowie auch die österreichische Katastrophe, weiters die Erstarkung deS FäscismuS auch in den anderen europäischen und insbesondere in den östlichen Ländern und damit die Schwächung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, der gerade in dieser Stunde so schicksalsschwere Aufgaben erwuchsen. Daß die Auswirkungen dieser Katastrophen die sozialistische Arbeiterbewegung aller anderen Länder in Mitleidenschaft zogen, daß sie auch unser Land und insbesondere seine deutschen Gebiete in schmerzvollster Weise ergriffen, das mutz wohl an dieser Stelle nicht erst gesagt werden. Dies zeigt? auch unser letzter Wahlgang mit aller- Deutlichkeit auf der im Zeichen der reichsdeutschen Ereignisse stand und dessen eigentlicher Sieger Ädol« Hitler gewesen^ ist,, dessen, sudetendeutschen, Hchatten Konrad Henlein personifiziert. lind seine Ursachen Daß sich der Hauptkampf des deutschbürgerlichen Lagers vor allem gegen uns richtete, daß dieser Kampf unter dem in Hitler-Deutschland erprobten Schlagwort des AntimarxismuS geführt wurde, daß man das ganze deutsche Bürgertum mitsamt seine« Lakaien in den Zustand der Besessenheit versetzte, daß der Kampf gegen uns in eine wahre Haßpfychose ausartete, das zeigt den geistigen und moralischen Tiefstand, den fortschreitenden Verfall des sudetendeutschen Bürgertums, das diesmal seine in vielen Dezennien bewährte Haßtradition gegen die sozialistische Arbeiterklasse hundertfältig überbot und«in im Jahre. 1866 geschriebenes Wort Ludwig Börne's wahrmachte: .Es ist zum Verzweifeln, daß ein Volk sich erst berauschen muß in Hatz, ehe es den Mut bekommt, ihn zu befriedigen, daß es nicht - eher sein Herz findet, bis es den Kopf verloren hat." In dieser geistigen und seelischen Verfassung befand sich die sudetendeutsche Bourgeoisie mitsamt ihren Trabanten, denen es wohl gelungen ist, den größten Teil der sudetendeutschen Bevölkerung in einen Rauschzustand zu versetzen und in diesem Zustand zur Urne zu führen und denen auf diese Weise ein ganz ungeahnter Sieg in den Schoß fiel, mit dem sie aber, da sie ihn nun haben, gar nichts anfangen können, denn trotz des Sieges fielen sie bei der Regierungsbildung vollkommen aus und sind zu einer hoffnungslosen Opposition verurteilt. Ihre Wählerstimmen und Mandate bleiben lei allen weiteren politischen und parlamentarischen Entscheidungen außer Betracht, sie find, ebenso wie die kommunistischen Stimmen»nd Mandate, für ihre Wählerschichten vollkommen verloren. Nur das eine haben sie zu erzielen vermocht, daß der Einfluß der deutschen Vertreter in der Regierung geschwächt wurde. Und nun ein Wort über uns selbst: Wir haben — wir können und müssen darüber ganz offen reden — in diesem Wahlgang eine schwere Niederlage erlitten. Es hätte gar keinen Sinn, diese Tatsache irgendwie zu beschönigen. Nur eines können wir ruhigen Gewissens aussprechen, daß sie uns ganz unverdient trifft und daß sie wie ein Elementarereignis über uns hereingebrochen ist.-Wir können weiter feststellen, daß wir mit einer Schlappe gerechnet haben, darum haben wir diesmal unsere Anstrengungen vervielfacht, darum hat auch unsere ganze Bewegung wahrend des ganzen Wahlkampfes währe' Wunderwerke von Hingabe und Begeisterung' herborge- zaubert. Umsomehr überraschte das Ausmaß. der Niederlage, das niemand voraussehen konnte, ebenso auch nicht das Ausmaß des Wahlsieges der Heimat- Front, das die ganze politische Oeffentlichkeit geradezu verblüffte. Hiebei möchten wir aber auf eine sehr interessante Erscheinung aufmerksam machen. Die tschechischen Genossen partizipieren an den gesamten tschechoslowakischen Wählerstimmen per 6,012.952 mit 1,034.774, was besagt, daß jeder 6. Staatsbürger tschechosiowakischer Nationalität sozialdemokratisch gewählt hat. Im deutschen Sektor mit' einer Gesamtwählerzahl von 1,854.752 partizipieren wir -mit 299.942, so daß noch immer— trotz unserer Niederlage— jeder 6. deutsche Wähler den sozialdemokratischen Stimmzettel abgegeben hat. Es bewegt sich daher der sozialdemokratische Anteil an den Wählerstimmen sowohl im tfchecho- flowakischen, als auch im deutschen Lager in de» gleichen Ausmaßen. Das sagen wir unseren Gegnern, die ob unserer Niederlage wahre Purzelbäume schlagen. Noch eines wollen wir aus dem ungeheuren Wust von Tatsachen, die der Wahlkampf zutage ge- fördett hat, herausheben, daß nämlich der Sozialismus, obwohl die Wahlen im deutschen Gebiete Hottentottenwahlen im wahrsten Sinne deS Wortes gewesen sind, in seiner Gesamtheit mix ganz geringe Einbußen erlitten hat. Im Jahre 1925 betrug der Prozentsatz der sozialistischen Stimmen 36.66, im Jähre 1929: 40.5, im Jahre 1935: 37.20 Prozent, so daß noch immer den 4,944.470 bürgerlichen Stimmen 2,940.110 sozialistische Stimmen gegen- überstehen. Alle Hoffnungen der gesamten deutschen und eines Teiles der tschechischen Bourgeoisie auf Vernich- tung des Marxismus, auf den Hinauswnrf der sozialistischen Parteien aus der Regierung find also schmählich zusamuicngebrochen. Und nun ein Wort zu den Ursachen dieses Wahlausganges. Darüber gibt cs in der ganzen po- litischen tschechischen und deutschen Oeffentlichkeit nicht den leisesten Zweifel, daß der glückliche Gewinner der Wahlschlacht im deutschen Sektor der Hit- lerismuS ist. Da bedurfte eS gar nicht der Plaka- tierung von„Volksentscheiden", der Flüsterparolen: „Heute die Saar, die Sudeten im nächsten Jahr", um sich des Ernstes der Situation bewußt werden zu können. Niemand war sich darüber auch nur einen Augenblick im Unklaren, was das Wort zum Ausdruck bringen sollte:„Sag ob Du ein Deutscher bist und wähle darnach." Da die Dummen nicht alle werden, gab es Narren genug, die glaubten, daß es schon am 20. Mai losgehen werde und daß nun endlich auch sie nach reichsdeutschem Muster zum Zuge kommen werden, wenn nicht anders, so zumindest als Konsumvereinsleiter oder Krankenkas- sendirettor, als Bezirkshauptleute oder Gemeindepolizist. So hat sich denn eine wahre Psychose der Menschen bemächtigt, die den Tag der Abrechnung gekommen sahen und alles daran setzten, sie gründlich zu gestalten. Was wird das nun für ein Erwachen geben! Allerdings wäre es ganz unzutreffend, daraus allein das Wahlergebnis erklären zu wollen. Niemand sah es deutlicher"als wir, daß die Verelendung des deutschen Jndusttte-«nd besonders des Exportgebietcs, die in letzter Zeit immer weiter um sich griff, jene hungernden und-verzweifelten Arbeitsmenschen und Mittelschichten, die.nicht genug geschult waren, die wahren Schuldigen zu erkennen und die die Hauptschuld uns anstatt, dem kapitalistischen Wirtschaftssystem-und der kapitalistischen Bourgeoisie aNlaste- ten, dem Fascismus in die Arme tteiben werde. Gerade aus dieser Besorgnis heraus und in Erfüllung unserer Mission und Aufgabe, haben wir durch 5% Jahre die größten Anstrengungen gemacht, um das Lös der von der Krise betroffenen arbeitenden Schichten zu, lindern, da wir außerstande waren, die Krise, die eine der Auswirkungen des herrschenden kapitalistischen- Wirtschaftssystems ist und nahezu alle Industrieländer erfaßt hatte, zu bannen. Wir Seite 2 Die Frage Samstag, 22. Juni 1935 der Regierungsbeteiligung sucht. können uns nicht in Einzelheiten darüber ergehen, Iserer Partei und ihrer Vertrauensmänner aufge-| deutschen industriellen Betriebe Einfluß, aus denen was alles in dem letzten halben Jahrzehnt seitens zeigt werden und so manches in einem anderen Sie die sozialistischen Gewerkschaften zu verdrängen unserer Gesamtbeivegung, der Partei, der Getverts Lichte erscheinen. schaften und Genossenschaften, was seitens der Tausende unserer Vertrauensmänner, was seitens der Teitenden politischen und parlamentarischen Stellen unserer Partei und ihres Exponenten in der Regierung unternommen wurde. Wenn einmal die Nach dem Abschluß des Wahlganges mußte unGeschichte dieses Zeitabschnittes geschrieben werden sere Partei sofort darüber zu Rate gehen, welche wird und sich die Verhältnisse wenigstens einiger- Schlußfolgerungen man aus dem Wahlergebnis zu maßen gebessert haben werden, um eine objektive ziehen habe. Vor allem stand hier die Frage im Betrachtung zu ermöglichen, dann wird Vordergrunde, ob nicht der Wahlausfall die Situation so durchgreifend geändert habe, daß unser weiteres Verbleiben in der Koalition dadurch unmöglich geworden sei. Der Parteivorstand, der das Für rad Wider eingehend geprüft hatte, tam einstimmig zu dem Ergebnis, der kurz darauf zufam Koalitionsverbande zu empfehlen. Dieser Meinung mentretenden Reichskonferenz das Verbleiben im schloß sich die Reichskonferens bis auf 1 bis 2 Stimmen, nahezu einmütig, an. Eine gründliche Analyse der internationalen und innerpolitischen Lage, die berung erfahren hat, ergab, daß jene Gründe, die Tarifvertrag stärker Mr. 145 als Unternehmerwillkür Mit wachsendem Einfluß der Heimatfront in den Betrieben seht auch ein fürchterlicher Terror ein, Zu dem Konflikt in einem Teil des westböhmischen Druckereigewerbes erfahren wir, daß die dem Tausende und aber Tausende von Proletariern Unternehmer ihren Austritt aus der Tarifgeerlegen sind, die vielfach erst nach Jahren wieder in meinschaft für das graphische Gewerbe, der den Stellung famen und die an die zurückliegende bit- Austritt des Personals aus den betreffenden Betere Beit nur mit Schrecken zurückbachten. Dieser trieben zur Folge hatte, widerrufen ha Terror macht aber nicht bei den Fabriken Halt. Er ben, so daß ab Samstag auf dem ganzen Gebiet tritt dem sozialistischen arbeitenden Menschen auch in des Egerer Gremialsprengels die Arbeit wieder seiner Wohnungsmiete, dem Kleingewerbetreibenden aufgenommen wird. und Kleinlandwirte bei dem Absatz seines Produktes grausam in Erscheinung. Er greift, wo die Henlein Bewegung commassiert ist, dem sozialistischen Arbei ter auch an die persönliche Freiheit. Hier heißt es, alle Machtmittel zur Niederschlagung dieses Terrors, sich schon den bloßen Anfängen entgegenzuwerfen und den Arbeitsplatz sozialistischer Menschen mobil zu pen, die eine Stärke von elf bis zwölf Mandater zur Niederringung aller fascistischen Anschläge auf aus dem Boden zu stampfen und für die arbeitenden seit dem letzten Parteitage eine durchgreifende Aen- machen und sich schüßend vor sie zu stellen, da mar: aufwiesen, in der Koalition zusammengearbeitet Menschen herauszuholen vermöchten. Doch wer hat ich anschickt, sie nach reichsdeutſchem Muster vogel- haben. die einzigartige Leistung unserer Bewegung in der Zeit der schwersten Krisennot der deutschen arbeitenden Menschen den kommenden Generationen als Beispiel dafür voranleuchten, was grenzenlose Hingabe an die Arbeiterklasse, was Opferfreudigkeit und eiserner Wille, was sozialistische Tattfraft in einer Zeit schierster wirtschaftlicher und finanzieller Bedrängnis förmlich frei zu machen. sich während der Wahl um derlei Dinge gefümmert? für das Zustandekommen der Aussiger Beschlüsse Es genügte das Auftauchen eines Messias, dessen maßgebend waren, jetzt in noch weitaus verstärktem Dazu kommt aber noch als das ausschlagName bisher nur in völkischen Turnerkreisen be= fannt war, von dessen Existenz niemand in der Kri- Maße fortbestehen. Die internationale Lage steht gebendste Moment die Tatsache, daß die Krise leider seit der Machtergreifung Hitlers im Zeichen ernster weiter besteht, daß sie infolge der geringen ErportGefahren, die einesteils aus der bis ins Wahn- möglichkeiten gerade die deutsche Bevölkerung am härtesten trifft. sinnige gehenden Aufrüstung und andernteils aus der ganz unberechenbaren abenteuerlichen intersenzeit etwas wußte, der in den bittersten Stunden des deutschen Volkes nicht die Hand rührte, der in der 5jährigen Krisenperiode den darbenden deutschen soziales und sozialpolitisches Programm daher kam und bloß seiner Voltsgemeinschaftspfeife die abgeTeierten Töne zu entloden verstand, um ihm, wie dem Rattenfänger von Hameln den Zulauf von fanatisierten und besessenen Wählermassen zu verschaffen. Alle diese Gründe führten uns zur UeberzeuMenschen auch nicht eine Strume Brot zu verabrei- nationalen Politik erfließen, die zum Requisit jedes gung, daß unser Verbleiben in der Regierung gechen vermochte, der ohne politisches, wirtschaftliches, fascistischen Regiemes gehört. Das Ausscheiden Hit- rade in diesem Augenblick für die gesamte ArbeiterTers aus dem Völkerbund, sein unablässiges Pattie- laffe, besonders aber für die deutsche Arbeiterschaft ren mit allen unruhigen Elementen der interna- unausweichlich ist, auch wenn es von unserer Bewe. wie ich überzeugt bin, nur vortionalen Politik, die brüste Ablehnung aller Ver- gung weitere träge, die auf gegenseitige Bindungen zur Herbei- übergehende Opfer erheischen sollte. Hiebei untersuchen wir die Frage, ob nicht etwa führung der internationalen Befriedung hinauslau fen, alles das schuf eine internationale Situation die Koalitionspolitik unsere Niederlage oder deren voller Unruhe, Spannungen und Ungewißheit, die Ausmaß mit herbeigeführt hat, nicht weiter, denn wohl durch den Eintritt Rußlands in die europä- es gibt niemandem, der diese Frage schon im Hinische Politik und sein französisch- tschechoslowakisches blick auf das gleiche Wahlschicksal der deutschen Bündnis, eine wesentliche Abschwächung erfahren, Christlichsozialen, der deutschen Gewerbepartei, des aber nicht aufgehört hat, Gegenstand ernster inter- deutschen Landbundes und des deutschen Teiles der nationaler Sorgen zu sein. In dieser Lage, die durch Kommunistische Partei bejaht hätte. Alle diese Die ungeklärten Verhältniffe in Polen und Oester- Parteien haben trotz der demagogischen Ueberspibunj reich und auf dem Balkan wesentlich verschärft ist, ihrer Oppositionspolitik noch größere Verluste als wil erscheint uns eine Mitarbeit in der Regierung drin- erlitten. Doch auch noch ein anderes Moment soll nicht unerörtert bleiben. Es betrifft jene Tatsachen, die auf das national- kulturelle Gebiet gend geboten. Aber auch bie innerpolitische Entwidlung SHF und Regierung beeinflußt sind, die mit den demokratischen Grundlagen unseres Staates unvereinbar sind. waren an der Aktion überhaupt nicht beteiligt!) Die Unternehmer( die größeren Druckereien anerkennen damit gleichzeitig, daß die bisherigen tarifamtlichen Bestimmungen über die Feiertage aufrecht bleiben. Unrichtig ist weiter, daß die deutschen Regierungsparteien und insbesondere die Deutsche sozialdemokratische Partei, bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung um irgendwelche Gnade gebeten hat, wie dies etwa die Sudetendeutsche Bartei mit ihren widerwärtigen telegraphischen Anbiederungen und Hintertreppengängen durch viele Wochen getan hat. Das Gegenteil ist richtig. Die Mitarbeit der deutschen Regierungsparteien und besonders der Sozialdemokratischen Partei wurde noch vor Ausschreibung der Wahlen zwischen den früheren Koalitionsparteien in aller Form bindend vereinbart. Der Beschluß der Koalitionsparteien wurde verlautbart. Prälat Hilgenreiner hat unter dem Eindruc des Henleinschen Verbotes seine Meinung über die Regierungsbeteiligung in seinem an den Ministerpräsidenten gerichteten Schreiben in die Worte zusammengefaßt, „ daß gegenwärtig die Voraussetzungen noch nicht gegeben sind, unter denen deutsche Parteien bei der Mitarbeit in der Regierung und Mehrheit die verfassungsmäßigen Rechte der Deutschen im Staate erfolgreicher durchsezen fönnten, als es bisher bei der Regierungsbeteiligung deutscher Parteien der Fall geivesen ist." Diese Feststellung wollen wir uns für den Fall merken, als Herr Professor Hilgenreiner bei uns nachträglich„ nationale Erfolge" einkassieren wollte. Im übrigen wollen wir dem Herrn Profeffor in Erinnerung bringen, daß es in den Stunden des schwersten Notstandes der arbeitenden Menschen des fudetendeutschen Krisengebietes auch wirtschaftliche und in den Bereich des Arbeitsmarktes fallen und der Heimatfront in hohem Maße zugute tamen. Man erinnere sich nur an den Lärm, den die Schrift leiterpresse mit dem Erlasse über die Abschließung von Offiziersehen machte, obwohl sie nur zugut wußte, daß dieser Erlaß bereits vor 17 Jahren ergangen war und auch nicht in einem einzigen Fall In diesem Zusammenhange wollen wir uns noch gehandhabt wurde. Man erinnere sich, welchen Wirmit den Bemühungen der Heimatfront um die Mit bel die journalistische Ausschrotung des während der Regierungsära Mayr- Hartings ausgegebenen Erlas- unseres Staates ließ das Ausscheiden unserer Bar- arbeit in der Regierung befassen. Welche demofrases über die Bedingungen für die Militärlieferun- tei aus der Regierung gerade in dieser Stunde nicht tische Partei fönnte sich zu einer Koalitionspartner gen während der Wahlzeit hervorrief und in welch rätlich erscheinen. Wir haben schon an früherer schaft mit ihr hergeben? Es war daher kein WunStelle aufgezeigt, daß die Demokratie innerhalb des der, wenn die Regierungserklärung bei der Stelgemeiner Weise er gegen die sozialistischen Minister fruttifiziert wurde, obwohl er in der Zeit des Bür- tschechischen Volkes noch immer fest berantert ist, daß lungnahme zur Heimatfront ausdrücklich betont, daß gerblocks erging und die sozialistischen Minister be- aber trotzdem auch in unserem Staate gewisse fascis es sich um eine Partei handelt, deren Ziele von Ideen Aufgaben gibt, bei deren Lösung die deutschen Bargreiflicherweise dafür nicht verantwortlich gemacht iverden konnten. Diesen Erlaß, den die Herren von der Deutschen Arbeitsgeberhauptstelle sehr gut kannten und jahrelang in der Schublade ruhen ließen, haben sie, als sie mit fliegenden Fahnen in die industrielle Sektion der Heimatfront übersiedelten, just zur Wahlzeit hervorgeholt. Dazu kamen die ausschließlich in den Machtbereich einzelner Ressorts und Unterstellen und nicht der Gesamtregierung! fallenden Verschiebungen in den verschiedentlichen Dienststellen, ferner die vielen Beschwerden hinsichtlich der Aufnahme von staatlichen Angestellten, für die unsere Partei ganz zu Unrecht verantwortlich gemacht wurde, denn gerade sie war es, die auch hier das Menschenmöglichste und überhaupt Erreichbare für die deutschen arbeitenden Menschen herauszuschlagen suchte. Wenn einmal ruhigere Stunden gekommen sein werden, wird auch hier die Leistung unRoman von Emil Vachek Die Hühnersteige 51 Deutsch von Anna Auredniček ,, Sophie! Wegen einem so mageren Schragen hat er mich, die Loisis, sißen lassen!" Ihr werdet wohl bald Hochzeit machen?" Sie schritt bedenkenlos zum Angriff. stische Tendenzen bestehen, die im zurückliegenden Wahlkampf nicht sieghaft waren, die aber auch in Auf die Bemerkung, daß das sudetendeutsche Sinkunft nicht zur Ruhe kommen werden und dis größte Wachsamkeit der sozialistischen arbeitenden Bolt die Kleinen, deutschen Gruppen bei der Wah! Schichten erheischen. Auf deutscher Seite enthüllte abgelehnt hat, können wir nur antworten, daß mehr der Wahlkampf den Bestand einer starten fascisti- als ein ganzes Drittel des deutschen Volkes sich mit fchen Bewegung, die in dem Nachbarreich ihre ideolo- aller Entschiedenheit dagegen verwahrt, Herrn Hengische Wurzel hatte und aus ihm ihre Nahrung fog Tein als den Sprecher des deutschen Volkes anzuerund die nun zur stärksten politischen Partei im fennen. Wir verwahren uns gegen den in den RegiStaate emporiouchs. Da diese Bewegung von der mentstagsbefehlen der Heimatfront immer und imkapitalistischen Bourgeoisie aufgezüchtet und soute- mer wiederkehrenden Versuchen, die Sudetendeutsche niert wird, verfügt sie über sehr bedeutende Kampfs Heimatfront mit dem deutschen Volke zu identiDa ihr die deutschen Unternehmer freige- fizieren.. mittel. wordene Arbeitskräfte zuschieben oder ihr kurzerhand Arbeitspläge freimachen, disponiert sie über einen Teil des deutschen Arbeitsmarktes. Mit Unterstübung der deutschen Fabrikanten und ihrer Troßnechte gewinnt sie langjam, aber sicher, auf die Das Fräulein von der Hühnersteige! Auf der Hühnersteige lebte nur ein Wesen, das man so nennen fonnte. Beinsteller erbleichte. „ Sie hat dir's selbst gesagt?" " Jawohl." „ Erlaube, Loisis, was hat sie eigentlich gefagt?" Der Egoismus des glücklich Liebenden machte jie toll.„ Das hab' ich nicht von dir verdient, Ferdi", heulte sie. So eine alte Freundin, und so ein Aufsizer, du Saufer!!" „ Am liebsten möchte ich dir für diese Nach richt einen Schmak geben, Loisis", plapperte Beinsteller und tanzte dabei auf einem Fuß. Sophie errötete bis zu den Haarwurzeln Jezt platte die Bombe. Loisis war außer und schnappte nach Atem. Schließlich flüsterte Rand und Band.„ Du blatternarbiger Lausbub, sie:„ Es ist noch nicht ganz sicher, Fräulein du du willst mir einen Stuß geben da hast Loisis." " " Manchmal braucht die Frau zum Heiraten einen guten Magen", bellte Loisis. du da," kreischte sie. Es entspricht auch der typischen nationalistischen Präpotenz und Arroganz des judetendeutschen Bürgertums, von deutschen Splittergruppen" au spre chen, da doch die tschechischen Mehrheitsparteien feit 17 Jahren mit den tschechischen politischen GrupAuf der Pawlatsche vor der Wohnung hatte sich bereits die ganze Hühnersteige versammelt. Alle Nachbarn waren vom Mittagessen aufgescheucht worden und standen in langer Reihe da. So sieht es in neugierigen Zinsfasernen aus, wenn die Rettungsgesellschaft vorfährt, um ein unglückliches Liebespaar zu holen, das sich mit Leuchtgas zu vergiften versuchte. Endlich hielt Loisis inne. Atemlos rief jie: Ich werde dich lehren, dein ehrbares Kladinett heiraten!" Und zum Publikum geiendet:„ Schaut euch ihn an, den Strolch; verspricht einem armen Mädel die Ehe, berführt sie und will dann das Kladinett heiraten.. " " Du lieber Himmel", jammerte Mutter Chalupa, die in der ersten Reihe stand, wer hätte das von Herrn Beinsteller geglaubt!" " Tun sie sich nur nichts an, Frau Chalupa, Sie wissen ja, daß von Ihrem Töchterchen die Rede ist", brüllte Loisis. „ Aber Magdalena wohnt ja nicht mehr bei mir", wehrte sich ängstlich die Chalupa. Sie röchelte, als wäre sie dem Ersticken nahe; dann stürzte sie zum Herd, pacte einen Topf und „ Das versteh' ich nicht", flüsterte Sophie. trach flog er Beinsteller an den Kopf. Der giveite " Du heiliges Mladinett!" kreischte Loisis und Topf faufte dicht an seinem Ohr vorbei, dann wollte sich auf die Lange stürzen. In dem Augen- folgte der dritte. Jezt war der Vorrat an Töpblick ließ sich hinter ihr eine Stimme vernehmen: fen erschöpft. Es blieb nur noch eine Blechschüss.I " Loisis, auf ein Wörtchen!" Es war Beinsteller, und die Flasche mit Spiritus. Der Schüssel konnte der, wie gewöhnlich, der nichtsahnenden Sophie Beinsteller nicht ausweichen. Sein Kopf dröhnte. gefolgt war. Tut nichts, fangen wir mit ihm Aber Beinsteller raffte sich auf. Loisis, du Die Menge trat bereitwilligst zur Seite und an", sagte sich Loisis und ging auf ein Wörtchen" in Beinstellers Wohnung. Du haft mir gar nicht gesagt, Ferdl, daß du bald Hochzeit machen wirst", brach es wie ein Gewitter Ios. kompromitierft mich!" rief er drohend und verriet mit dieser Bemerkung, daß er noch immer an mit dieser Bemerkung, daß er noch immer an Sophiechen und nicht an sich denke. " Ich mein' ja die andre! Aber ich werde ihr's heimzahlen, wie ich's dem budligen Lausbuben heimgezahlt habe! Laßt mich, Freunde, ich will ihr zeigen, was es heißt, einen verheirateten Menschen verführen!" teien nicht fehlen dürfen. Nach dieser Richtung Teiten unsere Pflicht in vollstem Maße erfüllt und haben wir frotz allen Anfcindungen und Schwierigwollen es auch in Zukunft so halten. eit t it Die Herren von der Heimatfront und ihr politischer Pressekonzern haben aber von den Kommunisten gelernt: den brillanten Trick, jed Er folg der Regierungsparteien ihrer oppo Machtstellung" zuzuschreiben, sie sich a zu eigen gemacht haben. Man kann wissen, wie es ausgeht. Sofort nach den Wahlen setzte wegen de tung der Sudetendeutschen Partei aus 1 Brief rungsfoalition eine regelrechte Kampagne we de die deutschen Regierungsparteien ein. In Wirthkeit waren sich aber die Herren von der Heimatfront darüber, daß sie nicht in die Regierung einbezogen wers begossen, 3 Siemit schien Sophies Schicksal besiegelt. Doch schon im letzten Augenblick tauchte in der Tür ein fürchterlicher, von Blut und Spiritus übers strömter Kopf auf. Beinsteller war aus seiner Ohnmacht erwacht. Sein Kopf schmerzte, es flims merte ihm vor den Augen; als er aber hörte, daß Loisis Sophiechen zurief:„ Ich werde dein Gesicht zerfleischen", nahm er alle Straft zusammen, padte Loisis von hinten, hob sie wie eine Feder und trug sie in ihre Wohnung. Dort warf er sie nieder und hielt die Wohnung so lange zu, bis er ihr Weinen vernahm. Er mußte eine Stunde warten. Die ganze Zeit hielt Beinsteller die Tür zu und neigte sich zu Karl nieder, der ihm Blut und Schweiß vom Kopfe wischte und den Verband befestigte, der unaufhörlich hinunterrutschte. Als Fräulein Sophiechen, in die Arbeit eilend, an ihm vorüberEuschte, sah Beinsteller wie ein blutiger Verbrecher aus. Es war ihm peinlich, daß sie ihn in dieser Verfassung sah, und er neigte den Kopf noch tiefer als Fräulein Sophie. Seine Augen waren voller Tränen, denn das herrliche Schloß, das er so schnell aufgebaut hatte, war in fünf Minuten eingestürzt. Den Rest des Nachmittags verbrachte Beins ſteller auf seinem Lager. Er erholte sich von den Aufregungen des Vormittags und fluchte melan cholisch vor sich hin. Schließlich sagte er wehmütig: so ein Rindvich war." Man möchte heulen, wenn man bedenkt, daß man ,, Herr Beinsteller", sagte Karl mit einer Stimme, in der leise Hoffnung bebte: ,, Na ja, Karli, jett fönnten wir uns wieder nach einem Geschäft umsehen." die Chalupa mühte sich vergeblich, die Loisis zurückzuhalten. Sie wurde so heftig zurückgestoßen, die Chalupa mühte sich vergeblich, die Loisis zu daß sie zu Boden stürzte und ihr trantes Bein Und jetzt ist's aus mit dir", freischte Loisis verlegte. Jetzt stellte sich Frau Maschin der Loisis und schleuderte die Flasche mit Spiritus auf ihn entgegen; was vermochte aber der zarte Körper Noch betäubt von dem ersten Schlag, stürzte Bein gegen das Temperament der Loisis. Schon war sie steller ohnmächtig zu Boden. Blut und Spiritus bei der Tür angelangt, in der die totenbleiche Herr Beinsteller!" jauchzte der Junge. Sie flossen über seine Wange. Unter andern Umstän- Sophie stand. Da erfaßte der Cherub Karl so ge- wollen mich nicht mehr in die Schule schicken?" den, wäre Loisis, die in ständiger Angst vor der schickt den Rock der Loisis, daß sie gezwungen war, Hat dich jemand in die Schule geschict? Polizei lebte, zu Tode erschrocken. Jezt aber war tehrtzumachen. Diesen Augenblick benüßte die Was soll so ein gescheiter Bub in der Schule sie vom Zerstörungstrieb derart besessen, daß sie Chalupa, um Loisis rechten Arm zu umflammern. machen?" Möchtest dort nur deine Intelligenz vers Beinsteller gar nicht beachtete und daranging, seine Unglücklicherweise fiel Frau Dufef über Karl her lieren." Lüg' doch wenigstens nicht, Ferdt, das Wohnung zu demolieren. Sie begleitete ihre sie stand immer auf seiten der verratenen Fräulein von der Hühnersteige hat es mir vor Tätigkeit mit fürchterlichen Flüchen und Dro- Frauen, erwischte sein Ohr und zerrte ihn mit einer Weile selbst gesagt." hungen aller Kraft. " Was du nicht sagst! Ich und Hochzeit! Mit wem, wenn ich bitten darf, Loisis?" Steine faulen Ausreden, Ferdi. Du hast wohl Lust auf anständiges Fleisch! Jetzt schämst du dich! Das wundert mich nicht!" " Ich werde also Hochzeit haben! Da schau her!" sagte. Ferd! mit Humor. ( Fortfchung folgt.) 1 Mr. 145 ben können, vollkommen im faren. Dies ist in der im Mai des Jahres, 14 Tage vor dem Hauptwahltag, ausgegebenen Nummer der offiziösen Monatsschrift Volk und Führung" wörtlich nachzulesen: „ Es ist anzunehmen, daß das völkische Sudetendeuschtum einen überwältigenden Sieg erringen wird. Ob es dann allerdings bald und leicht gelingen wird, auf die Gestaltung des Staatslebens, auf die Form der Zusammenarbeit der Völker, auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik entscheidenden Einfluß zu nehmen, ist mehr als Samstag, 22. Juni 1935 Endlich einmal das erste klare Wort der Heimatfront, das wir festhalten und nicht mehr auslassen werden. Hoffentlich gelingt es ihr mit Hilfe der„ konstruk tiven Opposition", die die Heimatfront als funkelnagelneue Idee schon die dritte! in den letzten Tagen ausgerufen hat. ALPA Seite 3 fraglich. Das eine muß aber allerdings gelingen:, das haben gerade die letzten Monate und Wochen Deutsche vor dem Verhungern, vor dem Unter- bewiesen. Nach dem Debacle ihrer Völkerbundpoligang und der Entnationalisierung zu schützen. Alles tik haben sie den Kopf ganz verloren und befinden andere ist lebendige Sache des Kampfes, der Arbeit sich mit ihrer Einstellung zur Außenpolitik in schärfund der Entwicklung." stem Gegensatz zu den offiziellen Auffassungen des Sowjetstaates und selbst des Führers der Kommunistischen Internationale, Stalin. Auch heute noch fönnen sie es nicht verschmerzen, daß ihnen ihr Hauptschlager abbanden gekommen ist, daß nämlich alles, was in der Tschechoslowakei geschieht, eine Vorbereitung des Kampfes gegen die Sowjetunion bedeute. Während Beneš in Rußland als Vorfämpfer der internationalen Friedenspolitik gefeiert, als der Repräsentant der letzten mitteleuropäischen Demokratie bejubelt wurde, wurde er zur gleichen Stunde in der hiesigen kommunistischen Presse in dümmster Weise angeflegelt. Vor einigen Wochen glaubte man, mit der Einkehr der kommunistischen Partei und mit der Möglichkeit der Unterstützung der Demokratie unseres Landes im Kampfe gegen lich möglich ist, bereits verwunden oder, besser geVerständigung mit ihnen nur auf dem Boden die fascistischen Treibereien rechnen zu dürfen. Doch fagt, mich mit ihr als einer gegebenen Tatsache der Demokratie nur wenige Tage darauf zerstörte die offizielle kom- wohl schwer und schmerzlich, aber doch abgefunUnsere kommenden Aufgaben Doch verabschieden wir uns nun vom Kapitel Henlein, obwohl sich noch so vieles dazu sagen ließe, und wenden wir uns den kommenden Aufgaben unserer Partei zu. Die Koalitionspolitik und Koalitionsarbeit mag wohl das in der heutigen internationalen und innerpolitischen Situation Gegebene sein, aber nicht das Ziel unserer Arbeit und unseres Kampfes, unserer Sehnsucht und unserer letzten Hoffnung, an derem Ende die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, die Umwälzung der in den Fundamenten erschütterten Wirtschaft in eine sezialistische, die Verwirklichung des Sozialismus steht! Wohl waren der sich zuspihenden wirtder proletarischen Parteien nur durch ihre Eingliederung in eine gemeinsame Partei möglich erscheint, es ihre Sache ist, in die Reihen der Sozialdemokrate zurückzukehren. Wir sagen ihnen auch, daß eine Franzbranntwein zum Einreiben des Körpers möglich und daß ieder andere Weg für uns munistische Presse auch diesen Hoffnungsstrahl, wel- den. Unsere Arbeit, unser Kampf, unser Leben verunga ng bar ist. Aber die Kommunisten wol- cher einen besseren Ausblick in die Zukunft durch läuft nicht geradlinig. Nach stolzen Wahlerfolgen len noch immer nicht einsehen, daß sie die Bahnbre- Ermöglichung einer wenigstens teilweisen oder fall- gab es schwere Niederlagen, die dann wieder zu man denke an weisen Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien großen Siegen führten. Wir haben die Niederlage cher des europäischen Fascismus Italien gewesen sind. Wie infurabel sie sind, durchschimmern ließ. des Jahres 1911 und die des Jahres 1925 erlebt, aber auch den Aufstieg der Jahre 1920 und 1929. Immer erinnere ich mich da an das Lassallesche Wort im Arbeiterprogramm: fbaftlichen und politiſchen Verhältnißte, inflar Mit der tschechischen Sozialdemokratie infolge der sich geradezu überstürzenden außenpolitischen und innenpolitischen Ereignisse unsere Kräfte in den letzten fünf Jahren nahezu restlos gebunden. Und doch hat es keinen Augenblick gegeben, in dem wir unser Endziel aus den Augen gelassen hätten. Der unglückliche Wahlausgang hat aber unsere Lage und unsere Aufgaben in hohem Maße kompliziert und uns vor eine ganze Reihe schivieriger organisatorischer innerpolitischer Probleme gestellt, deren allerdringlichstes die Rückgewinnung jener proletaris schen Elemente ist. Ihnen die wahren Schuldigen an ihrem Unglück aufzuzeigen, ihnen die Schuld des Kas pitalismus vor Augen zu führen, ihnen flarzumachen, daß sie durch ihr Ueberläufertum zum Fascismus erst recht ihrem Verderben entgegengehen, das ist das nächste Ziel, das uns gesteckt ist. Dieser Arbeit müssen wir uns vor allem unterziehen, denn es steht außer allem Zweifel, daß, wenn auch unsere Partei trob der Niederlage ganz intakt geblieben ist, eine große Zahl von proletarischen Elementen in dem fürchterlichen Wirrwar, den der Fascismus überall, wo er in Erscheinung tritt, angerichtet hat, in feine Reihen übergegangen sind. Ich muß wohl nicht erst fagen, daß es sich hiebei nicht um eine Massenerscheinung, sondern nur um Einzelfälle handelt, aber sie sind sehr schmerzlich! Was bedeutet es in einer Massenpartei, wenn der eine oder andere Mann über Bord fällt? Für die Bewegung nichts, für das Opfer des Fascismus alles, denn es ist ehrlos ge= worden und bleibt vernichtet, wenn einmal der Fie berrausch des Fascismus verebbt, dessen Ende auch wir Welteren sicherlich erleben werden. Das ist nicht bloß unser gefühlsmäßiger Glaube, sondern auch unsere auf wissenschaftlicher Erkenntnis, auf geschichtlicher Erfahrung begründete felfenfeste Ueberzeugung. Die Schuld der Kommunisten | zur Einheitsfront! Dank an die tschechische demokratische Presse Das sagt natürlich nicht, daß wir uns auf die der Arbeiterklasse auf dem Boden dieses Staates Dauer der Hoffnung auf einen Zusammenschluß möglich. oder zumindest auf eine engere Busammenarbeit mit allen anderen proletarischen Kräften des Landes begeben. Nach wie vor werden wir in diesem Sinne auf die proletarischen Massen und auch auf die der kommunistischen Ideologie verfallenen Arbeiter einwirken und uns trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse langsam an dieses Ziel heranzuarbeiten bemühen. Wir sind überzeugt, daß die weitere Entwicklung der Kommunisten wie dies bereits im Bereiche der auswärtigen Politik geschehen ist den Kopf zurechtseßen und sie den einzig möglichen Weg führen wird, den wir im Vorstehenden vorgezeichnet haben. Bis dahin werden wir wie bisher die schwierigen Ausgaben, die unser harren, in engster Zusammenarbeit mit der tschechoslowakischen Sozialdemokratie leisten und uns angesichts der wachsenden Gefahren zur innigsten Kampf- oder Schicksalsgemeinschaft mit ihr zu fammenschließen. Denn nur durch das Zusammenwirken der sozialdemokratischen Parteien aller Nationen ist ein Sieg Doch auch über den Kreis der sozialdemokra tischen Parteien hinaus müſſen wir unsere kommenden Aufgaben auch auf die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften unseres Landes und besonders mit jenen des tsch echischen Volkes stellen. Nach dieser Richtung sind wir leider nur über die ersten Anfäße hinaus gekommen. Wohl wurden wir seitens der demo= tratischen tschechischen Presse in den Kämpfen, die wir in der letzten Zeit zu führen hatten, aufs Wärmste unterstützt. Deshalb benüßen wir gerne die Gelegenheit, ihr von dieser Stelle aus für das große Verständnis, das sie unserem Kampfe entgegenbrachte, unseren herz lichsten Dank zu sagen. Doch ist dies nur der erste Schrift. Nun heißt es, den Zusammenschluß aller demokratischen Kräfte des Landes auch durch die eng ste 3 usammenarbeit der politischen Faktoren der demokratischen Parteien in die Tat umzuseßen und sie zum Gemeingute aller Teile der demokratischen Bevölferung unseres Landes zu machen. Brot und Arbeit planvoll sichern! listische Wirtschaft „ Das allgemeine und direkte Wahlrecht ist das einzige Mittel, welches auf die Dauer von selbst wieder die Mißgriffe ausgleicht, zu denen sein irriger Gebrauch führen kann. Es ist jene Lanze, welche selbst die Wunden wieder heilt, die sie schlägt." Nicht eine einzige Sekunde zweifle ich daran, daß wir die letzte Scharte sehr bald wieder ausweten werden. Wir haben eine herrliche Partei, eine wunderbare Jugend. Kaum hatten wir den Wahlkampf verloren und schon standen wir wieder auf festem Boden. Wir leben in einem Lande der Demokratie. Echon tags darauf konnten wir die Arbeit wieder aufnehmen denken Sie, Genossen, an Deutschland und Desterreich! und schon geht das Ringen mit den fascistischen Ele= menten wieder weiter. Blicken Sie einen Augenblick ins Lager unserer Gegner hinüber! Sehen Sie sich dort die aus den wirtschaftlich und sozial divergierendsten Elementen zusammengewürfelte Gesellschaft an, die, wenn sie ihre Versprechungen einlösen will, an ihren inneren Gegensätzen zugrunde gehen muß. Das wird sich natürlich nicht schon in den nächsten Stunden vollziehen, aber sofort in dem Augenblick, in dem sich die mit hochfliegenden Hofftruge 3 bewußt werden, der an ihnen im Wahlnungen erfüllten Wählerschichten des großen Be kampf verübt wurde. Alles das stärkt meine Zubersicht und ich wünsche nur, daß auch Sie sich so rasch als möglich an sie heranarbeiten und den festen Glauben an unsere Unüberwindlichkeit wieder ge= winnen. In unseren Menschen lebt ein so unerWie in allen Ländern hat der Fascismus auch ges Investitionsprogram m, sowie schöpflicher Quell von Hingabe und Begeisterung, von in unserem Lande seinen hauptsächlichsten Nährbo- die produktive Arbeitslosen für Lattraft und Kampfentschlossenheit, den nichts in der den in dem Krisennotstand der Massen gefunden. forge dienstbar gemacht werden muß. Dies gilt Welt auszuschöpfen vermögen. Diese Ueberzeugung, Wenn wir uns fragen, wie es in einem Lande, Auch schon vor dem gewaltigen Aufstieg des Fascis- von der Notwendigkeit dringlichster Vorsorgen für die in den harten Stunden meine Seele erivärmte, in dem die Arbeiterklasse den weitaus überwiegen- mus in Europa und besonders in unseren Nachbar- die a'r beitende Jugend, die das haupt- die mein Herz gefangen hielt, beherrscht mich auch in den Teil der Bevölkerung ausmacht, zu einer bedeu- ländern haben wir allen unseren Aufgaben den sächlichste Opfer des Krisenelends ist und dadurch dieser Stunde, sie ist das beste Stück meiner Hoffdas zugänglichste für den fascistischen Zugriff. Das tenden Schwächung des Sozialismus fommen Kampf um den nungen auf eine baldige Wendung zum Guten, auf fonnte, dann müssen wir einen Augenblick bei der Umbau unserer völlig verfallenen anarchistischen gilt von dem Verlangen nach der endlichen Berab- eine siegreiche Zukunft der Bewegung, welche in der schiedung der Vorlage über die Vierzigstun- Stunde der Gefahr von eiserner Energie und unbe= fommunistischen Partei unseres Landes halt machen. kapitalistischen Wirtschaft in eine planvolle sozia- den wo che, von der Einführung der obliga fiegbarem Willen, aber auch von bewunderungswürIm Jahre 1920 errangen die tschechischen Genossen 74, unsere Partei 31 Mandate und wir hatten torischen Arbeitsvermittlung, von diger Geschlossenheit gegeben hat. Möge sie uns gea. ohne die tschechische nationalsozialistische Partei vorangestellt. Die Planlosigkeit unserer gesamten dem Umbau der Arbeitslofen für- rade in diesen Stunden erhalten bleiben, in denen 105 Mandate inne. Automatisch fiel damals der Produktion mußte immer und immer wieder zurge und nicht zuletzt von der Ausgestaltung wir die Fundamente für unſere weitere Arbeit legen tschechischen sozialdemokratischen Partei die Stelle schweren Krisen führen, deren einzige der außerordentlichen Hilfsmaßnahmen für die vom werden. Nur so können wir vorwärts kommen, nur des Ministerpräsidenten und eine ganze Reihe von Opfer die Arbeiter geworden sind. In un- Krisennotstand am härtesten heimgesuchten Gebiete, so wieder Terrain gewinnen, nur so dem Gegner die entscheidenden Ressorts zu, wodurch sich der Einfluß ferm Lande entwickelte sich die Krise im Erpor t- denen die umfassendste Hilfe zuteil werden muß. Beute wieder abnehmen, nur so unsere Bewegung der Sozialdemokratie in der Regierung in sehr be- gebiet zur Katastrophe. Dazu kam noch das Dazu kommt noch als besonderes Problem der weit- zum Siege führen. Der Weg hiezu führt, und das deutendem Maße verstärkte. Ich bin weit davon ständige Sinken der Kaufkraft der Bevölkerung, das ausgreifende Schutz der arbeitenden Menschen ge- ist eine der weiteren dringlichsten Bedingungen für entfernt, zu behaupten, daß Ministerstühle Macht- auch jene industriellen Zweige, die für den inneren gen den Unternehmer- und Betrieb 8- den neuen Aufstieg, durch eine positionen sind, aber wenn Sie sich, werte Genossen, Martt arbeiteten, in außerordentliche Schwierigkei- terror, gegen alle Attentate auf die gewerkgesteigerte Erziehungsarbeit, vor Augen halten, daß ein Großteil unserer Ge- ten brachte. Will man daher dem Fascismus ernſt- ſchaftliche Freiheit und nicht in letzter Linie gegen die wir an unserer ganzen Beivegung zu leisten haben nossen sehr stürmisch die Besetzung gewisser Ressorts lich den Boden abgraben, dann muß man vor allem die persönliche Sicherheit der Arbeiter in durch sozialistische Minister verlangte, dann darf ich durch eine zielbewußte, den Notwendigkeiten des Grenzgebieten, die in den letzten Monaten ein Herd werden. Gerade in den kommenden Stunden wird es wohl auf die vorangeführte Tatsache verweisen. Landes und den Bedürfnissen aller Bevölkerungs- der Unruhe und die Beute des nazistischen Aben- erst recht und in erhöhtem Maße notwendig sein, die Nach den Wahlen des Jahres 1920 fam der Ein- schichten angepaßte Wirtschaftspolitik, durch eine teurertums gewesen find. bruch der kommunistischen Partei in die sozialisti- planvolle Gestaltung des Produktionsprozesses für schen Reihen, kam der Haßkampf der kommunisti- die Zurückführung der aus dem Arbeitsprozeß aus Nährstand schen Führer gegen unsere Vertrauensmänner, die geschalteten Arbeitsmenschen in den systematische Untergrabung des Vertrauens der Sorge tragen. Wir sind der Meinung, daß wir Massen in die Führung unserer Bewegung, die Er- unsere nächsten Arbeiten vor allem anderen auf schütterung des Glaubens der Massen an die Sieg- den wirtschaftlichen Punkt stellen und hiebei alles haftigkeit unserer Idee, die jahrelange Zerfleischung daran sezen müssen, der proletarischen Parteien. Heute sind die tschechischen Genossen mit ihren 38 Mandaten an die dritte Stelle gerückt, unsere Mandatszahl ist auf Vielfach handelt es sich hier um eine Arbeit, mit den Arbeitern Brot und Arbeit zu sichern. den Arbeiter mit den wissenschaftlichen Grundlagen und Erkenntnissen des Sozialismus vertraut zu machen, Was wir hier anführen, erschöpft noch lange ihnen seine hohen Ziele vor Augen zu führen, sie nicht alle Notwendigkeiten der Stunde, aber es zeigt mit revolutionärem Geist und neuem Machtwvillen in großen Umrissen, in welcher Richtung sich unsere zu erfüllen, sie über das große Weltgeschehen zu Arbeit und unser Kampf in nächster Zeit wird be- orientieren, ihnen die fürchterlichen Gefahren des wegen müssen. Daß wir dabei die geistigen und Fascismus aufzuzeigen und ihnen einen Ausblick in kulturellen Notwendigkeiten der deutschen Bevölke- die Zukunft zu geben. Diesen Aufgaben müssen wir rung nicht übersehen, daß wir, wie in den zurück- uns ganz besonders bei jenen Arbeitern unterziehen, liegenden Jahren auch hier unseren Mann stellen die nur aus Verblendung und Verziveiflung von uns werden, müssen wir cht erst betonen. gingen, die wir nun dem Fascismus wieder ent= reißen und deren Vertrauen wir wieder erobern 11 gefunken, die Zahl der kommunistischen Mandate deren Löſung wir bereits begonnen haben und die Unsere herrliche Bewegung beträgt 30. Stünde der Sozialismus selbst bei wir lediglich fortführen und den gegebenen Not- marschiert trotz Niederlage der heutigen Parteienstärke geeinigt da, dann wendigkeiten anpassen müssen. würden die obigen 79 Mandate die Sozialdemokra Dies gilt von allen Maßnahmen, die das Ge tie zur stärksten Partei machen mit allen sich aus biet der Belebung unserer Wirtschaft und besonders dieser Stellung ergebenden Konsequenzen. Wie an- des Exports, den Abschluß von Handelserst recht! Genossen! Wenn wir so aller unserer Arbeit immer und immer wieder unsere sozialistischen Kampfziele voranstellen und den hungernden Menschen wieder einen Wir haben in diesem Kampfe lage, die wir erlitten haben, sehr bald wieder Hoffnungsstrahl zeigen, dann werden wir die Niederders stünde der Sozialismus da, wie anders wäre die verträgen betreffen und die in der Nichtung zweierlei Dinge erlebt: Eine Niederlage, die uns, wettmachen. Dann ist der Weg freigelegt für einen da wir sie nicht verschuldeten, sehr hart traf, und wäh= Lage der Arbeiterklasse in diesem Augenblick! Was der Neuregelung der finanzneuen Aufstieg unserer Bewegung. folgt aus diesen Feststellungen? rungspolitischen Probleme, gewisfer Erleichterungen in der Kreditgewäh # # aber auch das Glücksgefühl einer geradezu gigantischen Leistung unserer Bewegung. Die sudetendeutsche sozialistische Arbeiterklasse verträgt keine NiederDaß es unsere erste Arfgabe ist, auf den Zu- run g, der Ermöglichung einer gewissen Ge I d sammenschluß des gesamten Klassenbewußten Pro- flüffigkeit zur Belebung der Bro. Es iſt ſelbſtverständlich, daß uns die Niederlage und ruht und rastet nicht, ehe sie auslagen, sie haßt sie aus tieffter Seele letariates, auf eine Sammlung und Zusammen- utti on liegen. Dies gilt von der Notwendig hart getroffen hat, daß sie auf dem ganzen Parteifassung aller proletarischen Kräfte hinzuarbeiten. feit, die Arbeitsbefchaffung großzügig tag schiver lastet.' Wie Sie, so habe auch ich an der getilgt sind. Mit diesem Bewußtsein Unsere Kommunisten stellen sich die Lösung dieses zu gestalten, sie den Notwendigkeiten der Krisenge- Niederlage in den ersten Stunden fürchterlich daran ziehen wir in die neuen Kämpfe, an Problems ganz einfach vor. Sie laden uns ein, biete anzupassen und durch Beihilfen angetragen, aber ich habe sie, da es eben nur eine deren Abschluß der Sieg des sudeten. uns von ihnen verspeisen zu lassen. Wir antworten bie Selbstverwaltung zu ermöglichen, Wahlniederlage war- Genossen, denken Sie an deutschen sozialistischen Proletariats den Kommunisten, daß, wenn ein Zusammenschluß welchem Zwecke ein bereits vorliegendes großzügi- Deutschland und Desterreich! soweit dies schließliegt. Seite 4 Samstag, 22. Jun? 1935 Nr. 145 VS« Debatte Fritz Keßler-Bodenbach die die ES der die uns auf werden auch die Trotz der Entfernung Brünns von den Haupt- gebieten der Partei weift der Parteitag eine herrliche Delegierung quf, die sehr oft unter großen Opfern der Mitglieder erzielt wurde. Warum wohl richten sich die Blicke aller Genossen nach Brünn? Warum erhoffen sie in schwerster Zeit vom Parteitag die Wendung zu neuem Aufstieg? Dieser Parteitag muß anders verlaufen als viele seiner Vorgänger. Tatsächlich herrscht beut« noch keine Niedergeschlagen« heit unter unseren Menschen. Aeber sie warten alle auf das Ergebnis des Parteitages und hoffen nichts sehnlicher, als daß er uns aus der Defensive herausführe. Ueber die Erfahrungen aus der Wahlzeit können alle Genossen nur das gleiche berichten. ES ist überflüssig, über all das zu sprechen. Nützlich aber ist es, wenn die Fehlerquellen aufgedeckt werden. Da gilt eS vor allem zu erkennen, daß wir allzulange dep Einsatz der Massen als unvereinbar mit. der KtzaliiionSpolitik üftsahen. Was zeigte sich ja Such nach dc-m herrlichen 4. November, den wir nicht auS- zunützen verstanden. Vielfach wurden StaatSpflich- tcn als Parteipflichten hingestellt, so im Arbeitslosenproblem und bei den Sicherheitsmaßnahmen für den Staat. Es wurde Raubbau an unseren Funktionären, vor allem an Tzech und Taub getrieben. Mer eS wurde auch dem Laienelement nicht gemig Einfluß in der Partei eingeräumt. Die Jugend wußte sich keinen Einfluß zu sichern, oder man verwehrte ihn ihr. Was die Vertrauensmänner erhoffen, berührt keineswegs die politisch« Grundhaltung der Partei in den letzten Jahren. Ueber unsere Einstellung zum Staate gibt es kein« Diskussion mehr. Aus Achtung für den Staat ist bei den deutschen Arbeitern vielfach Liebe geworden. Wir stellen keine Bedingungen, wir bejahen die fittlichen Grundlagen des Staates. Wenn die Bourgeoisie beider Nationen sich auf der Grundlage verständigen will, daß der«ine Teil zunächst fordert, daß er außerhalb der Sanktionen des Strafgesetzes gestellt wird, so ist das ihre Sache. Auch die Koalitionspolitik ist heute kein Problem. Ich stebe zu unserer Opposition vom Jahre 1K29, aber ich bin überzeugt, daß wir heute die Positionen ,in der Mehrheit und in der Regierung verteidigen muffen. In diesen Fragen herrscht also Einmütigkeit. Was aber unter allen Umständen vom Parteitag erwartet wird, das ist die Aktivierung unserer Bewegung. Nennen Sie es Verjüngung oder wie Sie sonst wollen, es muß jedenfalls von diesem Parteitag eine Erneuerung auSgehen. Wir brauchen die sichtbare Sammlung aller sozialistischen Kräfte, wie wir sie in Bodenbach bereits in der Zusammenarbeit mit den tschechischen Genoffen und den Nationalsozialisten durchgeführt haben. ES bleibt auch die Hoffnung, daß diese Front sich einmal nach links erweitert, wenn auch der Augenblick dazu heute noch nicht reif ist. Die Aktivierung der parlamentarischen und der außerparlamentarischen Arbeit hat gewiffe Voraussetzungen. Noch, ist ein Unterschied der heutigen Situation von der früheren noch nicht herauSgear- beitet worden. Das bedeutsamste Ereignis des Wahlkampfes ist das Hervortreten der Bourgeoisie als Maffenbetvegung auf der Straße. Das hatten selbst die Hakenkreuzler nicht zustande gebracht und das erfordert aktives Gegenhandeln. Dazu bedarf es eines sozialistischen P l a n« s für die Tschechoslowakei. Auf dieses groß- Ziel muß alle Kraft konzentriert werden. Verzetteln wir die Kräfte nicht, halten wir uns bereit vor allen, für den Fall, daß die Agrarier ihre Verständigung mit Henlein weitertreiben. Die sozialistischen Parteien der Tschechoslowakei müssen die große GegenwartSaufgabe lösen, diesen Plan so bald alS möglich zu schaffen und ihn mit ganzer Kraft zu propagieren. Nur dann werden wir das Selbst- und Kampfbewußtsein der Maffe wieder heben, wenn wir ihr ein großes Ziel zeigen und ihr selbst entgegentreten als die aktive Bewegung, die dieses Ziff verwirklichen will und kann.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.). spricht Nießner-Brünn: In der Debatte sind bisher mehr Kritiker als Verteidiger der Partei aufgetreten. Nach einer schweren Wahlniederlage ist eine solche Erscheinung nur selbstverständlich. Wir kamen hierher eigentlich ein wenig in schlechter Stimmung und müssen froh sein, wenn die schlechte Laune sich nicht schlimmer ge- äuszert hat. Mer eines möchte ich den Kritikern doch vor Augen halten: nichts ist vollkommen und wenn die Krittker führten, dann blieben immer noch genug andere, die kritisieren würden. Bemerkenswert aber ist. daß keine grundsätzliche Kritik an der Po- Ambros Dletz-Komotau: Genosse Dietz betont, daß die Vergleiche unserer jetzigen Niederlage mit früheren Schlappen insofern nicht stimmen, als wir früher Stimmen an die Kommunisten verloren haben, während eS diesmal den, Klaffenfeind gelungen sei, tief in unser« Reihen einzudringen. Daher dürfen wir uns auch nicht aus die Verlust« der bürgerlichen Parteien berufen, die ohnehin ideologisch Henlein nahe stehen, sondern müssen den Ernst der Situation für unsere Bewegung würdigen. Auch für di« tschechischen Genoffen ist das Wahlergebnis ein« ernste Warnung. Wenn sie das Gebot der Stund« nicht erkennen, werden sie ähnliche Schläge erleiden wie wir. Redner sieht ein« der Ursachen unserer Niederlage in der hermetischen Abschließung der Bewegung von den kleinbürgerlichen und indifferenten Maffen. Der Hauptgrund für den Sieg Henleins ist aber die N o t i m d eu t- schen Gebiet, für die der Redner zahlreiche Beispiele anführt. Unsere Jugend ist verzweifelt, unsere Kinder haben nur den einen Wunsch, sich einmal satt zu essen. Der Sozialabbau hat das seine getan, dazu kommen die Zurücksetzung der deutschen Arbeiter bei den Staatsbetrieben und die Arbeitslosigkeit unserer Intelligenz. Wir sind treue Bürger des Staates, aber wir verlangen auch Schuh vom Staate. Dietz schließt mit der Forderung, d»c sozialistische Idee wieder in den Mittelpunkt der gesamten Propaganda zu stellen.(Lebhafter Beifall.) Die Ausführungen des Referenten Dr. Czech, die langsam, bedacht und wohl überlegt vorgetragen wurden, wurden mit großer Aufmerksamkeit angehört. Auf die Rede des Genossen Dr. Czech folgte langanhaltender, stür- Mischer Beifall. Daraufhin begann«ach einer Pause von zehn Minuten die Debatte über das Referat des Parteivorsitzenden. I Mein Gebiet ist bekannt als Notstandsbezirk schlimmster Sorte. Trotzdem haben sich diese Bezirk,, in dem schweren Wahlkampf mit am besten gehalten. Wir wollen mitarbeiten in diesem Staate, um Arbeit und Brot sicherzustellen. Die gegnerische Propaganda hgt stark mit unsere Leute gewirkt, insbesondere durch di« Beeinflussung des reichSdeirtichen Rundfunks und durch di« deutsche bürgerliche Presse Wir fordern eine demokratilche Propa- ganda durch unseren Rundfunk und müssen dafür sorgen, baß der Hemmungslosigkeit der deutfchbürgerlichen Presse ein Riegel vorgeschoben wird. Die Demokratie darf nicht bis zur Seihst- berleugming getrieben werden. In dieser Hinsicht war das Verhalten der Behörden in den meisten Instanzen geradezu skandalös. Wir müssen aber noch mebr al? bisher gegen das wirtschaftliche Elend der Arbeiterklasse kämpfen' und gerade deswegen wollen wir in diesem Staate aktiv Mitarbeiten. Wir wollen da? lebendige Gewissen der Koalition sein. WaS di« politische Aktivienmg in der Partei betrifft, di« von verschiedenen Rednern gefordert wurde, so ist e? niemandem verwehrt, aktiv in imseren Organisationen mitzuarbeiten. Schuld an dem Sieg des Fastismus sind auch die Kommunisten, di« das Vertrauen zu den Arbeiterorgonisa- tiönen und ihren Funktionären untergraben haben Leidet sind die Kommimisten zu feig dazu, um einen Strich unter ihr« Vergangenheit zu ziehen und neu zu beginnen. NastneM>fpn-isk auch eine besser» Ver- breitimg unser-r Presse Und eine stärket« Erlassung der.Juaend. Wir haben praktische Arbeit zu leisten und nicht zu viel zu theoretisieren, llnsere dringendste Aufgabe aber bestebt darin, die Voraussetzungen zu sschqffen für den Wiederaufstieg der sudetendeutschen Arbeiterklasse!(Lebhafter Applaus.) In der Nachmittagssitzung sprach als erster Redner C. R. Schwarz-Leitmerltz: Es ist gewiß wahr, daß der Hitlerismus Ursache des Henleinsieges ist, aber wir müffen klar sein, daß dieser Hcnleinsieg dennoch nur dem von der Krise aufgewühlten Boden der Wirt, schaftsnot erwachsen- konnte. Tas tschechischen Parteien noch eines Tages spüren! Da wir aber im sudetendcutschen Lager früher als im tschechischen davon betroffen wurden, erwächst uns. der deutschen Sozialdemokratie, die Aufgabe, hier als Vorhut im antifäscistischen Kampfe zu wirken. Es wird jetzt viel von Planwirtschaft gesprochen. Aber wir dürfen nicht vergessen: es gibt zweierlei Planwirtschaft— eine kapitalistische und eine sozialistische, kapitalistische Planwirtschaft bedeutet nichts anderes als Stabilisierung der Rot und des Elends. Hiergegenüber muß der Sozialismus seine Initiative und seine Angriffslust erweisen. Der Redner weist dann im Zusammenhang mit der Besprechung der Regierungserklärung auf die Gefahr hin. die aus einem Sieg des agrarkapitalistischen Flügels der Bourgeoisie über den industriekapitaliftischen erwachsen könnte. Man darf sich nicht darüber täuschen, daß Henleins..Programm", obwohl es demagogisch und kindisch ist, bei den Maffen seine Wirkung getan hat. Unsere Aufgabe ist es vor allem, diesem„Programm" eine klare Formulierung sozialissischen Willens«nt- geaenzusetzen. Der Redner schlägt vor. einen Ausschuß von Exponenten einzusetzen, die— ebenso wie eS die belgische Arbeiterpartei getan bat— einen Plan der Arbeit auszuarbeiten hätten. Wir müssen den Mut haben, an diese Fragen heranzugehen. Von diesen Beratungen muß eine Kraft und eine Entschlossenheit auSgehen, so daß man von diesem Parteitag einmal wie von einem Wunder sprechen könne.(Lebhafter Beifall.) Gen. de Witte beantragt nun, ein Begrüßungstelegramm an den Parteitag der dänischen Genossen in Aalborg zu senden. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Hieraus Aufgaben sein. Dir müffen neben dem Ringen um vorübergehende Augenblickserfolge, auch wenn sie noch so groß sein mögen, versuchen, eine p o l i t i- schePrognoseder nächsten Zeit aufzustellen und daraus die Konsequenzen abzuleiten. Den bequemen Optimismus im tschechischen Lager hält der Redner für nicht begründet. Daß die tschechischen Parteien sich behaupten können, ist darauf zurückzuführen, daß die tschechische Bourgeoisie auf Kosten der deutschen Bevölkerung vordringt. Ditschechischen demokratischen Parteien haben den Ab- wehrkampf gegen die Expansionspolitik nicht entsprechend geführt. Man kann nicht sagen, Henlein sei nur ein Zaungast, Henlein ist ein politischer Faktor und die Henleinfront ist der Kettenhund, den die tschechische Bourgeoisie im geeigneten Augenblick loslassen will.(Starker Beifall.) Die Agrarier verstehen es ihre Fäden zu spinnen bis zu den Fascisten und bis ins Lager Henleins. Was die Kommunisten anlangt, so werden sie nach der Erklärung SvermaS ein wenig anders sein als früher. Wir können uns schon denken, daß di« Kommunisten mit den tschechischen Genoffen, mit uns und mit den Nationalsozialisten wenigstens, in einigen, sozialpolitischen Fragen einen Block bilden, der geeignet ist, die Linke als einen Machtfaktor erscheinen zu lassen. Wir sind imerschüttert, untere Kader werden marschieren, die Mtrünnigen werden sich einreihen, aber nur dann, wenn sie sehen werden, daß die Partei- gewillt ist, neben der Erfüllung sozialpolitischer Aufgaben und neben der Sicherung eines nationalen Existenzminimums die Machtfrage zu stellen und zu lösen.(Großer Beifall.) km» Wunderllch-Graslitz: Janlch-B.-Kamnltz: Redner führt den Erfolg Henleins vor allem auf die ungleiche Behandlung derdeut» scheu und der tschechischen Bevölke rung zurück. Die brüderlichen Gesten müffen auch von Taten gefolgt sein. Wir wollen als Menschen geachtet werden. Der deutsche Arbeiter findet im öffentlichen Dienste keine Anstellung, bei den kleinen Arbeiten und Betrieben wiederum herrscht der Terror der Henleinfront. Daraus erwächst eine verzwei felte Stimmung und man darf sich nicht wundern. wenn viele Arbeiter wankend werden und von uns abfallen. Es sind nicht lauter Dummköpfe und schlecht« Menschen, sondern Opfer der Not und einer verständnislosen Politik seitens der Bürokratie. (Beifall.) Storch-Aussig: Der Parteitag steht unter dem Eindruck des Wahlergebnisses. Ohne Zweifel waren wir schon am letzten Parteitag nicht mehr die Partei mit dem stärksten.Anhang.. Das.Wahlergebnis, ist nur. die ziffernmäßige Feststellung der Entwicklung der letzten Jahre. Es ist notwendig aufzu- zeigen, welche Aufgaben wir aus dem Wabl- eracbnis abzuleiten haben. Das Zentralproblem be steht darin, wie wir die enttäuschten Wäh lermassen wieder auffangen, di« von Henlein abfallen werden. Wir dürfen nicht zuwarten, bis der Zerfall sich auSzuwirken be ginnt. die Menschen werden nicht von selbst zu un? zurückfinden. Der Parteitag muß programmatisch und taktisch di« Voraussetzungen schaffen, um d>e Enttäuschten uns wieder zuzuführen. Parteivorstand! und Parteiavparat müffen befähigt werden, die A'ck- aaben zu lösen, di« ihnen der Parteitag stellt. Der! Parteiavvarat muß verjüngt und aktiv wer den. ES erscheint uns untragbar, daß der Partei obmann zugleich Minister ist. Wie lall da die Fülle von Arbeit bewältigt werden? Es ist auch undenk bar, daß das Parteisekretariat sich mit so vielen an deren Fragen zu beschäftigen bat und es müssen Dege gefunden werden, damit es als Organisation Ssekre- tariat sein« Arbeit leisten kann. Deswegen muß eine Arbeitsteilung vorgeuommen werden. ES ist ein schwerer Mangel, daß alle Zentralstellen in Prag konzentriert sind. Es wäre viel besser, wenn das OrganssationSsekretariat draußen wäre, wo das Leben der Partei pulsiert. Dasselbe, gilt für den Erziehungsbeirat und für die R e s.ch sb i ldu.n gs tt e l l e. Arrch di-Kreisstellen müssen mit"neuem Blut evgän-t werden- mtsden' Reihen der Betriebsarbeiter sind Arbeitslosen. Dann wird man auch kür unser« Arbeit dra'rßen mehr Verständnis f?uden. Es ist nickst angä'mig, daß die Ereknssve d-r Pattei ihre eigene Vorgesetzte Instanz ist. Auch hier muß«ine andere Lö'ung gefunden werden, denn erst aus dem st'ssammenklang der Mak-- sen mit den verschiedenen Instanzen wird die Taktik bestimmt. In unseren Kadern wurde nach der Wahl sozialistische Gesinnung vertieft, Liebe zur Partei ist ungeschwächt. ist aber auch richtig, daß in den besten Teilen Bewegung der Wunsch besteht, einen Organisations- apparat zu schassen, der getragen ist vom Vertrauen der Mitgliedschaft und der befähigt ist, di« Krätt» auszulösen, die wir brauchen. Wenn wir imstande sind, unter Programm und unsere'Taktik für die nächste Zeit festussegen, dann erfüllt der Parteitag sein« Aistgabe.(Starker Beifall.) Richard Reltzner-Bodenbach: Der Parteitag hat nicht nur hist ori sch e Be de u t u n«, sondern er hat auch eine revolutio- näre Mission zu erfüllen. Wenn wir Verstand genug besitzen, um die Dinge zu meistern, so dürfen wir nicht sagen, die'letzten Ereignisse feien wie eine Elementarkatastrophe über uns hereingebrochen. Wir können auch nicht davon leben, di« Programmlosigkert der anderen Seite aufzuzeigen. Zu Genoffen Sou- kup gewendet, sagte Genosse Reihner: Di« deutschen sozialdemokratischen Arbeiter, Angestellten und Ar beitslosen haben seit dem Jahre 1633 Grenz» dienst gehalten, unsere Arbeiterbataillone sind am 4. November und bei anderen Anlässen mit zerris senen Schuhen und hungernden Mägen durch die Städte gestampft. Richt nur gefühlsmäßig, sondern auch verstandesmäßig haben sie sich zudenJdeen unseres Präsidenten Masaryk be kannt und unsere tschechischen Genossen werden wissen, daß diese deutschen Arbeiter bes sere Patrioten sind, als die Herren um die„Narodni Politika"(stürmi scher Beifall). Trotz aller Drangsale sind unsere Arbeiter ehrliche Kämpfer und aufrechte Ver teidiger dieses Staates. Trotz der vielen Enttäuschungen des Wahlkampfes sind sie bedin gungslose Aktivisten, obwohl es ihnen im mer schwerer gemacht wird, auch so zu bleiben. Aber wie lange es die Menschen unter diesen Verhältnissen' noch aushalten können, vermögen wir nicht zu sagen. Ilnd darum bitten wir: Tut alles, damit die Fron: eine dauernde und unerschütterte bleibt. Es ge nügen nicht nur Worte, wir brauchen sichtbare Beweise!(Lebhafter Beifall.) Di« Losung„Verteidigt di« Demokratie" muß wirt schaftlich gestützt werden. Die Demokratie muß zeigen, daß sie gewillt ist, unS zu helfen, sie muß uns Brot und Arbeit geben! Der Redner verlangte unter Hinweis darauf, daß eS nun darauf ankomme, was wir in Zukunft zu tun gedenken, eine programmatisch e Erklä- rung, die ein nicht zu weit entferntes Endziel zeigen muß. Sie muß ein Fanfarenstoß zur Samm lung sein. Hauptgesichtspunkte müssen unsere gro-._ ßen nationalen und wirtschaftlicher litik der Partei vorgetragen wurde. Än der Richtung I. Bundesfest des ARUK Die Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer" rüsten für ihr 1. Bundesfest, das am Q-. und 7. Juli in Karlsbad stattfinden wird. Wenn all« Parteigenossen und Parteigenossinnen mithelfe», dann wird die Auffahrt der Aruk-Mitglieder zu einem wuchtigen Ereignis. Nach Eger-—- Karlsbad. Dieser Ruf darf nicht ungehört verhallen. Jetzt erst recht! Der Festzug findet Sonntag, den 77-Juli,' um 10 Uhr statt und endet auf dem Markthallenplatz in Karlsbad in eine Kundgebung, bei welcher der Parteivorsitzende, Gen. Dr. Czech, sprechen wird. Genossinnen und Genossen! Meldet Euch bei einem Aruk-Vercin zur Teilnahme an dem 1. Aruk-Bundesfcst! D a u e r a u s w e.i S XL 8.—, Sonntagsausweis XL 4.—, Bahnlegitimation für 80 p r o» zentige Fahrpreisermäßigung. XL 2.—. i« Karlsbad muß an den Tagen des st. und. 7. Juli im Zeichen der ungeschlagenen sozialisti-L scheu Arbeiterschaft stehen, welche weiter für di?i Erhaltung der Freiheit und der Lebensrechte der! Arbeiterklasse kämpfen Wird. Run erst recht! der Parteipolitik ist kein Mangel ausgesetzt wordeir. niemand hat sich gegen die Regierungspolitik der Partei ausgesprochen. Manche Kritik ist auch im Zu» sammenhang mit dem Wahlergebnis-Gefällt- worden," laber'sch ess airbr. daA vktz7Wdkffntrdrrlagr'h«f Erfchrt»; nungen zutückzuführen war. die eben-stärker wirkten als unsere Idee. Und wenn wir diese Niederlage wieder gut machen wollen, dann müffen wir uns davor hüten. Illusionen zu erwecken. Es bandelt sich hier um ernste und schwere Tagesfragen, die zu lösen sind. Wir haben Schulen, aber was aus den Leuten, die aus diesen Schulen hervorgehen, werden soll, das macht uns Sorge. Es wird jetzt nach der Niederlage mancherlei Kritik an der Partei geübt. Ich will niemanden beleidigen— ich meine keinen der Genossen, di« hier gesprochen haben— aber eS scheint mir manchmal^ als ob mancher dabei sein persönliches Süppchen kochen wollte.(Beifall und Zwischenrufe,) Man ruft' nach Heranziehung der Jugend in der Partei, j.aber oft ist keine Jugend zu firwen. die zu dieser Pariei» arbeit bereit wäre, oft fehlt es auch an Respekt vor den Leistungen des Alters. Wir können die Jugend nicht entbehren, aber wir brauchen die Alten, äbgei- klärt. erfahren und weise. Gerade die Alten haben jene Politik durchgesetzt, die bisher auf keinem Par» teitag kritisiert wurde. Man fordert ein Programm, und tut. als hätten wir keines. Wir dürfen nicht ver»' geffcn, daß ein Programm, das wir heute aufstellten, in wenigen Wochen überholt sein kann. Ein Programm aufzustellen, ist überhaupt nur gemeinsam mit den tschechischen Genossen möglich. Auch das Schlagwort von der„Aktivierung der Partei" scheint mir gefährlich. Es klingt so, als wären wir zerschmettert, während in Wahrheit der Kern der Partei geschloffen und aktiv wie jemals ist. Und wenn die Zusammenarbeit mit den Kommunisten gefordert wird, dann möchte ich fragen, waSwir eigentlich getan haben, um die Kommunisten an der Mitarbeit zu hindern. Zusammenfaffend möchte ich sagen: Die Lage ist ernst, aber es ist kein.Anlaß,. verbittert zu sein. Wir müssen lernen, auch Niederlagen zu ertragen. Wir haben die Jugend und die Idee und alle Aussicht, wieder vorwärtszuschreiten.' Gustav Weber-Tetschen: ..Wir müssen uns klar machen, daß wir dit- Niederlage zum Teil auch selbst verschuldet habens DaS müffen wir uns eingestehen. Die Verschlechte«'' rung der Arbeitslosen- und Krankenversicherung worein schwerer Schlag, der sich auch hier auSgewirkt hat. Die großen Demonstrationen haben- bewiesen, daß di« Vertrauensleute der Partei arbeiten und organisieren können, aber die Partei hat es nicht. genügend verstanden, diesen Kundgebungen den entsprechenden Sinn zu geben. Der Redner kommt dann ebenfalls auf da?' Jugendproblem zu sprechen und mgt: Ehre dem Alter, aber es muß begveifen. daß auch die Jugend zur Mitarbeit drängt.'(Beifall.)' Großmann-Neutitschein: Der Ausgang der Wahl hat gezeigt., daß di« Denkweise in: deutschen Lager anders ist. als im tschechischen. Alles was bisher über die Ursache von Henleins Wahlerfolg gesagt wurde, ist richtig. Abcx. wir dürfen mich nicht vergessen, daß der deutsche Arbeiter und Angestellte vor dem Kriege auf dem Gebiete unserer Republik eine gewisse Vorzugsstellung eingenommen hat. die ietzt verloren gegangen, ist, und- auch dieser Umstand beeinflußt vielleicht seine Denk«'" weise. Denn seither ist das Lebensniveau des deut- 9k. 148 SamStcrg. 22. Jun! 1935 Seite 5 fchen Arbeiters tief unter das des tschechischen gesunken. Es ijt notwendig, die Partei wieder zu akti« vieren und dem Arbeiter ein Ziel, und zwar ein in naher Zeit erreichbares Ziel, vor Augen zu führen. Aber auch dse Arbeit in den Organisationen muß intensiviert werden. Rupprecht-Undenhau weift auf die furchtbare Not und Arbeitslosigkeit der Kleinbauern-und Kleinhäusler hin. in deren Namen «r spricht. Verzweiflung hat viele dieser Leute erfass. die meisten von ihnen leben kaum noch von ihrem Einkommen, sondern von der Substanz. Er warnt davor, sich durch den Mißbrauch des Wortes .Planwirtschaft" irreführen zu lassen, und weist darauf hin,' daß man jetzt im Zusammenhang mit dem bereits bestehenden Getreidemonopol auch von der Einführung des Viehmonopols rede.Man werde'sehr darauf achten müssen, daß diese Monopole fich nicht immer bloss als Mittel zur Verteuerung der Lebenshaltung für die Kleinbauern und Häusler auswirken. Der Redner kommt dann auch aus das Wahlergebnis zu sprechen, kritisiert das Verhalten der tschechischen Agrarier und meint, man müsse einmal untersuchen, ob Henlein nicht auch von manchen Leuten Gelb bekommen habe, die dem Staate Steuergelder schuldig bleiben. Arbeiter und Bauern müssen gemeinsam an der Aenderung unserer unerträglichen wirtschaftlichen Zuständen arbeiten.(Beifall.) * Genosse Kögler teilte mit, daß zum Parteitag Begrüßungsschreiben eingelangt sind von der Reichsvereinigung sozialistischer Lehrer, von den Auslandsvertretern der ukrainischen Sozialdemokratie, von der Sozialistischen Arbeitersport- Internationale, von der finnischen sozialdemokratischen Partei und von dem polnischen Bund. Aus Hirschberg kam folgendes Telegramm: *50 junge sozialistische Funktionäre aus verschiedene« Gebiete« in einem Schulungslager des Jugendverbandes in Hirschberg versammelt, entbieten dem Parteitag begeisterte Kampfgrähe. Die Jugend ist bereit zu neuen Kämpfe«. Nun erst recht!" * ■) In der Debatte sprach sodann Genossin Klrpal-Aussis: Sie bestätigt die Ausführungen der Barriner, di« «cklärt hatten, daß viele Menschen durch ihr Elend zu Henlein getrieben wurden. Unter Zustimmung der Delegierten verweist sie aber darauf, daß auch viele, welche ihre Existenz gesichert hatten, sich undankbar zeigten. Genossin Kirpäl spricht dann über die Folgen der Tätigkeit der reichsdeutschen Sender und jagt: Wir können nicht verstehen, daß unsere Redner, ob sie nun in der Arbeitersendung oder in einer anderen sprechen, kein einziges Wort über die Verhältnisse in Deutschland sagen dürfen, weü augeblich dann außenpolitische Komplikationen zu befiirchten wären. Wenn man schon unserem berechtigten Wunsche nicht Rechnung tragen will, so müßte doch die Tschechoslowakei schon auS Selbsterhaltungstrieben oder aus Gründen der Verteidigung eine« deutschen Sender errichten. Jetzt müsse» die Menschen die Reden aus Deutschland anhö, re«, weil sie im hiesigen Rundfunk nicht einmal die Ansager verstehen. Es wurde schon erwähnt, daß di« Mittel- und Hochschulen heute eine Brutstätte des Fascismus sind. Biel tragischer ist es aber, daß der Fascismus auch schon in die Volks- und Bürgerschulen eindringt: Nie hat sich das deutlicher gezeigt, als während dieses Wahlkampfes. So Nnlrden in Aussig alle Schulkinder drei Tage vor den Wahlen von ihre» Lehrern in die deutsche Turnhalle zu einer.Laube rvorstellung" geführt und nachher erhielten all« Propagandamaterial der Henleinpartei.(Zahlreich« Zurufe: Nicht nur in Aussig geschah das! Es wird dann die Forderung gestellt, daß man mit solchen fascisfischen Lehrern Schluß machen müsse.) Das ist.richtig, dazu brauchen wir aber auch die Hilfe der Eltern, die die Beweise erbringen müssen. Bor dem: Borwurf'der Denunziation fürchten wir uns nicht, weil wir im Interesse der demcckratifchen Erziehung unserer Kirwer handeln. Genossin Kirpal spricht zum Schluß über den seelischen Terror, welchem die Arbeiter in den Betrieben ausgesetzt sind, und weist zur Frage der Blockbildung darauf hin, daß ein Block mit den Kommunisten heute nur um den Preis zu erzielen wäre, daß wir uns ihren Anträgen anschließen und Henlein dadurch aber Gelegenheit bieten würden, sich anzuhängen. Das würde jedoch heißen, alle Konsequenzen zu ziehen und di« heutige Koalitionspolitik zu sprengen. Barsch*Aussls: Ein großer Teil der Arbeiter und Angestellten ist sich heute der großen Bedeutung der Arbeitsvermittlung noch nicht bewußt, obwohl die Zahl jener, die sie noch nicht in Anspruch nehmen mußten, immer kleiner wird. Trotz wiederholter Versuche ist es bis heute noch nicht, gelungen, einen Gesetzentwurf über die Arbeitsvermittlung ins Parlament zu bringen, welcher den Intentionen der Washingtoner Konvention entsprechen würde. Wir fordern auch heute im Interesse der Arbeiter und Angestellten, daß die gesamte Stellenvermittlung ist einer amtlichen Stell« konzentriert wird und daß die Arbeitgeber durch Gesetze verpflichtet werden, alle freien Stellen beim öffentlichen Stellennachweis zu melden. Im wirtschaftlichen Interesse der sudetendeutschen Arbeiterschaft müssen wir davor warnen, die öffentliche Arbeitsvermittlung der Bürokratie auszuliefern. Sollte der letzte ausgearbeitete Entwurf Gesetz werden, so würde die öffentliche Arbeitsvermittlung eine Beute des tschechi- schenund deutschen Fascismus werden. Unsere Frei« Gewerkschaften bei der Stellenvermittlung aber, das Nachsehen haben. In der Frage des deutschen Arbeitsplatzes haben wir seit eineinhalb Jahren die traurigsten Erfahrungen gemacht. Wir wissen schon, daß e3 außer den tschechischen Sozialdemokraten im tschechischen Lager noch andere Faktoren gibt, welche Verständnis für die Loge der deutschen Arbeiterschaft haben, daneben aber erfahren wir tagtäglich die gehässigsten Angriffe. Auch der international Denkende darf fich den Folgen der nationalen politischen Verhältnisse bei uns nicht verschließen und deshalb müssen wir verlangen. daß die öffentliche Arbeitsvermittlung eine autonome Einrichtung wird. Walter-Eser: Es ist bedauerlich, hier die Frage zu hören, was uns an der Aktivität gehindert hat. Wie stellen wir uns eine Aktivität überhaupt vor? Kann das von unten geführt werden oder muß das nicht von der Zentrale aus organisiert werden? Der gute Wille hat uns nie gefehlt, besonders bei der letzten Wahl nicht. Es wuÄen alle Kräfte angespannt, es wird aber sehr schwer sein, unter den ausgehungerten Arbeitslosen zu werben, wenn wir nicht die Voraussetzungen schaffen. Es wäre unrichtig zu glauben, daß viele nur der Propaganda des Rurch- funks zum Opfer gefallen sind. Genosse Wunderlich sagte, wir brauchen kein Programm, unser Programm wär« der Sozialismus. Das genügt nicht, wir müssen mehr sagen, wir müssen Tagesförderungen aufstellen, müssen zur Konzentration aller proletarischen Schichten kommen, auch des proletarischen Bürgertums und der Bauernschaft. Genosse Nießner glaubt die Meinungsverschiedenheiten als AltersprMem bezeichnen zu können. Es handelt sich aber um eine Anpassung unserer Bewegung an die jetzigen Verhältnisse mü> Kampfmittel. Unser Parteitag ist sicher mehr den veralteten Verhältnissen angepaßt. Insbesondere unsere Propagandamittel und Presse sind unzureichend. Wir können die Demokratie bei uns nicht als gesichert bezeichnen, weil die Fascisten jetzt auf ein totes Geleise geschoben wurden. Wir haben das Gefühl, daß diese Konstellation vorübergehen wird, wenn die Sozialisten nicht imstande sein werden, eine Konzentra- B u d a p e st. In der Budgetdebatte deS ungarischen Oberhauses erklärte Ministerpräsident G ö m v ö s allergnädigtst, er werde den(nur durch beispiellosen Terror errungenen!) überlegenen Sieg derRegierungspartei nicht zur Einführung irgend eines diktatorischen Systems aus- nützen. Er sei glücklich, wenn in der gegenwärtigen Lage die Abgeordneten auS eigener(!) tion aller proletarischen Kräfte zustande zu bringen. Auch die Kommunisten haben sich geändert und können nun anders reden. Auch wir haben früher zu verschiedenen Fragen eine andere Haltung eingenommen als jetzt. Wenn wir heute die Einheitsfront äblehnen, so tun wir es deshalb, weil wir das Gefühl haben, daß die Kommunisten uns ins Schlepptau nehmen wollen. Das kann uns aber nicht hindern, Brücken zu ihnen zu bauen, Dr. Strauß-Prag: Der gesamteuropäische Sozialismus und auch wir befinden uns in schwerem geistigen Ringen um eine neue Politik und Taktik. Es ist das der Ausdruck der Tatsache, daß wir es in den letzten Jahren mft neuen gesellschaftlichen Erscheinungen zu tun haben. War di« Vorkriegszeit eine Epoche des aufsteigenden Kapitalismus und des Wachstums der industriellen Arbeiterklasse, so befinden wir uns jetzt in einer Zett des Verfalles des Kapitalismus, in welchem die industrielle Arbeiterklasse nicht mehr wächst. Dagegen wachsen die kleinbürgerlichen Schichten, die überall in Europa aktiv in die Geschichte eingreifen. Wir müssen die kleinbürgerlichen Schichten erfassen und die industrielle Arbeiterschaft darf sich weder in der Gesellschaft noch in der Nation isolieren. Eine weitere Tatsache unserer Zeit ist das Wachstum der Abhängigkeit der industriellen Arbeiterschaft von der Kapitalistenklasse, das durch Krise und Arbeitslosigkeit bedingt ist. Die materielle Not der Massen wird von der Bourgeoisie dazu benützt, um eine Massenbewegung aufzuziehen. Das Charakteristische an der gegenwärtigen Reaktion in Europa ist— und dadurch unterscheidet sie sich von allen früheren Reaktionen—, daß sie eine plebejische Reaktion ist. Ein Gleichnis in der Geschichte findet man für diese Erscheinung darin, daß ursprünglich eine organisierte Arbeiterklasse einem unorganisierten Unternehmertum gegenikbergestanden hat, während sie seit der Wende des IS. Jahrhunderts einem organisierten Unternehmertum gegenübersteht. Das hat damals die Voraussetzungen für die gewerkschaftlichen Kämpfe grundlegend geändert und ändert sich nun auch in die Tatsache um, daß die herrschenden Klaffen große Massen der Bevölkerung für die Reaktion gewinnen. Alle diese Erscheinungen werden bedingen, daß uns die sozialen und politischen Erschütterungen nicht erspart bleiben werden, welche die Folgen des kapitalistischen Fäulnisprozesses sind. Wir müssen zu der Erkenntnis gelangen, daß sich der Kapitalismus von der schweren Krankheit, die ihn befallen hat, nicht mehr erholen wird. Die Krise ist nur zu überwinden durch Maßnahmen, welche an den Profit der Kapitalisten und damit a« die Wurzel der kapitalistischen Eigentumsordnung greifen. Deshalb können uns aus der Krise nur Ereignisse herausführen, welche die Machtgrundlage der herrschenden Klaffen erschüttern. Wir leben nun in einer Ueber- gangszeit und es ist die Aufgabe unserer Generation zu leiden, aber auch die Wege zu finden zur Neugestaltung der Gesellschaft.(Lebhafter Beifall.) Mock-Katharinabers: Ich bin beauftragt, zu sagen, wie hart das Schicksal unserer Leute an der Grenze des Dritten Reiches ist. Trotz Elend und Rot haben wir uns aber doch unsere sozialistische Gesinnung erhalten. In dem letzten Wahlkampf mußten wir allerdings auch 25 Prozent unserer Anhänger einhüßen. Aber nicht die Arbeitslosen haben uns verlassen, die Arbeiterschaft in den Betrieben ist dem auf sie auSgeübten Terror erlegen. Ich möchte hier auch auf eine Tatsache Hinweisen, die Erbitterung in die Massen trägt: Zu den Notstandsarbeiten in unserem deutschen Gebiete werden Menschen aus anderen Gebieten geholt, während unsere Leute hier hungern müssen. Zu dem Wahlausgang ist zu sagen, daß mit den unglaublichsten Methoden gearbeitet wurde. Unseren Leuten wurde gesagt, daß unser Gebiet nach den Wahlen zu Sachsen gehören wird und daß sich das Leben der Menschen dann auch bedeutend besser gestalten wird. Viele Menschen haben diese Lügen geglaubt und haben unsere Reihen verlassen. Man will in die Grenzgebiete tschechische Arbeiter und Beamte schicken. Wir sozialistischen Arbeiter sind doch die verläßlichsten Vorposten und mit uns müßte man doch diese Vertrauensstellen besetzen! Wir erfüllen boll und ganz unsere sozialistischen Pflichten, wir müssen aber an Sie das Ersuchen richten, uns in weitgehendstem Maße zu unterstützen. Wir sind die Träger des Sozialismus im Gebirge und wir werden es auch in Zukunft sein!(Beifall.) KrejCI-Pras polemisierte mit den Ausführungen des Genossen Nießner. Man müßte doch erwarten, daß von diesem Parteitag der verstärkte Wunsch ausgehen wird, man möge einen Weg aus dieser Wirrnis finden, um wieder zurückzuerobern, was wir verloren haben. Am letzten Parteitag konnte man den Reden verschiedener Genossen entnehmen, daß sie der Ansicht sind, daß eS aus der Wirtschaftskrise«inen natürlichen Ausweg geben werde. Ich habe damals festgestellt, daß innerhalb der kapitalistischen Welt kein Ausweg zu finden sein wird. Wir haben heute die große Aufgabe, den Menschen, für die wir d.en Existenzkampf führen, immer und immer wieder zu sagen: Alles ist wichtig, Ernährungsaktion und Arbeitslosenunterstützung, aber sie sind nicht das Ziel, das wir Ucberzeugung die von der Regierung für zweckmäßig erachtete Politik unterstützen. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften als politische Organisationen würden liquidiert werden müssen. Den Arbeiter-,»Brüdern" solle ermöglicht werden, sich der bürgerlichen Gesellschaft anzuschlie- ß e n, nicht um sie auszubeuten, sonderu um sie als Brüder(!!) zu behandeln. anstreben. Das Proletariat wird einmal berufen sein, die Neuordnung der Gesellschaft vorzunehmen. Wir sind bisher aufgegangen in einem Muß von Kleinarbeit, wir haben nicht mehr die Muse gefunden, an die großen Probleme des sozialistischen Kampfes zu denken..Das haben wir noch nachzuholen. Die Massen wollen-keine theoretischen Vorlesungen, es ist notwendig, überall zu betonen, daß die bestehende Welt ihrem Untergang entgegengeht, und daß wir sie neu zu formen haben. Es gibt Fragen, die wir in die breiten Massen werfen.kön-, nen, die sie interessieren würden, Fragen, über die Wir bis jetzt sehr wenig gesprochen haben. So muh die Frage der Doppelverdien er in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung gestellt werden.(Lebhafter Beifall.) Wir müssen immer wieder aufzeigen, daß es Menschen gibt, die noch Millionen verdienen, daneben andere, der darben und hungern. Auf der einen Seite ungeheurer Ueberfluß, auf der anderen maßloses Elend. Wenn wir das äufzeigen, wird man auf uns hören. . Eine weitere wichtige Frage ist die des Kampfes um den Arbeitsplatz, der uns nicht nur von den Tschechen, sondern jetzt in noch größerem Maße von den Deutschen gerastbt wird. Der Arbeitsplatz der sozialistischen Arbeiter ist bedroht. Es ist dies eine Sache, die im gesamtstaatlchen Interesse liegt: für unsere Menschen den Arbetsplatz zu sichern! Auch der Kampf um die Vierzigstundenwoche muß mit größtem Elan geführt werden. Arbeitslosensteuer, innere Kolonisation, die Frage der Doppelverdiener, das sind Fragen, die wir mit Fug und Recht aufwerfen dürfen und die Widerhall bei den Massen finden werden. Auch zu dem Problem der Sozialisierung der Industrie müssen wir offen Stellung nehmen. Mit der Frage der Beseitigung des Nutzgenusses aus dem Geld- und Bankwesen könnte man die Massen mobilisieren. Wir müssen nun der Sozialdemokratie",durch die Aufwerfung dieser Fratzen, die uns die Verbindung mit den Massen bringen würden, jene Stellung verschaffen, die sie haben muß, wenn wir nicht als ein kleines Häuflein"abseits stehen sollen. Wir wollen uns nicht in Konzentrationslagern befinden, wenn der Zeitpunkt der Abrechnung mit dem Fascismus gekommen ist!(Sehr starker Beifall.) Karl Kem-Troppau: Sechs neue Jahrgänge haben diesen Wahlausgang mitentschieden. Henlein hat ungeheueren Einfluß auf die Jugend genommen. Die Demokrafie muß alles tun, damit die Jugend bei den nächsten Wahlen nicht im feindlichen Lager steht. Insbesondere für die deutsche Jugend gilt aber die Tatsache, daß ihre soziale Situation an der Wahlentscheidung mitgewirkt hat. Dieser deutschen Jugend, die durch Arbeitslosigkeft zermürbt ist, steht auch das Ventil der EingliÄerung in den Staatsdienst, das die Situation der tschechischen Jugend einigermaßen verbessert, nicht zur Verfügung. Die Partei hat ihre Pflicht gegenüber der Jugend erfüllt, aber der Staat hat seine Pflicht gegenüber der arbeitslosen deutschen Jugend vollkommen verkannt. Die Jugend, die sich für die Demokratie ge- s ch lagen hat, verdient, daß man sich ihrer entsprechend annimmt. Es könnte sonst der Fall eintreten, daß die Demokrafie eines Tages an der Feindschaft der Jugend zugrundegeht. Unabhängig von der von vielen geforderten Zusammenfassung aller demokratischen Kräfte, haben wir große Aufgaben zu erfüllen. Die Forderung deS Zusammengehens mit den Kommuni- sten ist solange keine politische, sondern eine mora» fische Angelegenheit, solange di« Kommunisten mit ihren Einheitsfrontangeboten die Absicht verbind«, uns zu verruchten. Die Frage der Organisierung und Aktivierung der Partei verdient nicht nur Diskussion, sondern rasches und gründliches Handeln. Die Aktivierung muß in den Bezirken und Kreisen beginnen. Dort haben die Genossen, die eine Belebung der Parteiarbeit wünschen, Gelegenheit, sich in politi- scher Arbeit durchzusetzen. Das Problem heißt nicht .Lugend oder Alter", sondern.Leistung oder Nichtleistung". Verjüngung der Partei ist notwendig, wenn sie zugleich Verbesserung bedeutet.(Beifall.), Kratina Braunau: Wir suchen keine Sündenböcke. Aber wir müssen erkennen, daß wir an der Niederlage nicht schuldlos sind. Wir haben der Henleinftont, die mit lauter neuen Leuten aufmarschiert ist, keine neuen Männer gegenübergestellt. Das soll gewiß kein Vorwurf gegen unsere Parlamentarier sein, die sich redlich bemüht haben, aber ihr Bemühen konnte eben den Mantzel an neuen Männern nicht wettmachen. Der Redner gibt dann der Meinung Ausdruck, daß die Arbeiterschaft nicht durch bloße Palliativmittel gerettet werden könne, sondern daß das Voranstellen der großen, zündenden Idee Begeisterung entfachen müsse. Holltscher>Komotau: Fürchten Sie nicht, daß auch ich zu dem Generationsproblem sprechen werde. Ich gehöre hier zu den Aeltesten in der Partei und will mich bald von der Politik zurückziehen. Ich war aber selbst jung und habe gegen das Alter gekämpft und heute kämpft eben wieder die Jugend gegen das Alter. Das ist recht so und soll so sein. Ich spreche aber zu ihnen als der Vertreter der deutschen sozialdemokrafischen Aerzte und leider als der einzige Arzt im Saal. Wir sozialdemokratischen Aerzte haben die Ernennung deS Genossen Czech zum Gesundheitsminister mit besonderer Freude begrüßt, obwohl wir wissen, daß er auch bei bestem Willen nicht alle unsere Wünsche erfüllen kann, weil ja hinter ihm der Finanzminister steht. Der Redner kommt dann auf die verheerende Zunahme der Volkskrankheiten und die Zustände in den Spitälern zu sprechen und meint, daß hier dringend und gründlich Abhilfe geschaffen werden muß.(Beifall.) Hanke-Bensen lenkt die Aufmerksamkeit des Parteitages darauf, daß besonders im sudetendeutschen Gebiet eS viele ! Unternehmer verstehen, die Sozialgesetzgebung so zu umgehen, daß sie gesetzlich nicht gefaßt werden können. Hier sind unbedingt die notwendigen Maßnahmen zum Schutze der Arbeiterschaft zu treffen. Juhltzer-Amau spricht von dem wachsenden Henleinterror der Unternehmer, dem die Arbeiter, die um ihren Arbeitsplatz zittern, in vielen Gebieten fast schutzlos ausgeliefert, sind. Es genügt aber kein defensiver Kampf, sondern der Parteitag muß der Auftakt zu einer neuen lebendigen sozialistischen Offensive werden. (Beifall.) Leinsmer-Komotau: Der Parteitag hat die Obliegenheit, den Kurs der Partei festzulegen. Was wir hier erörtern, soll über«inen engeren Kreis hinaus in der bretten Oeffentlichkeit sichtbar werden. Wie können wir überhaupt den Sozialismus erreichen? Auf revolutionärem Weg kommen wir nicht zum Ziel. Der Sturz des Kapitalismus ist nur durch den revolufionären Sozialismus möglich. Die Diktaturen, die rings nn Europa errichtet sind, können aber nach der Meinung des Redners nur durch eine Revolution im Gefolge eines Krieges gestürzt werden. Was haben wir in Erwartung einer solchen Kriegskatastrophe in Europa zu tun? Wir haben vor allem zu verhindern, daß auch die Tschechoslowakei ein Raub des Fascismus werde. Di« sudetendeutsche Spielart des Hitler- fascismus, der Henleinfascismus, ist eine Realität, mit der wir rechnen müssen. Die Fortdauer der Krise und die weitere Verelendung des sudetendeutschen Volkes bedeuten Wasser auf die Mühle des Henlein- fasciSmuS. Wir können ihm erfolgreich nur entgegentreten, indem wir die Machtposifionen, die wir haben, nicht aus den Händen lassen und daher die Koalifionspolifik fortsetzen. Zugleich aber müssen wir den Massen die Ueberzeugung geben, daß die endgültige Rettung guS Not und Elend nur mit Hilfe s ozialistischer Maßnahmen möglich ist. (Beifall.) Sacher-Schreckenstein weist auf den Zusammenhang zwischen dem Wahlerfolg Henleins und dem Karnpf um den Arbeitsplatz im sudetendeutschen Gebiet hin. An einer Reihe von Beispielen beweist er, wie willkürlich sudeten- deufiche Arbeitslose bei öffentlichen Arbeiten zugunsten von ProteftionSkindern übergangen werden. Nm die Wahlniederlage wettzumachen und den Henleinfascismus wirksam niederzuringen, sei eS notwendig, vor allem sich dafür einzusetzen, daß mit allen Kräften der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für die gerechte Verteüung der vorhandenen Arbeitsmöglich- keiten ausgenommen werde. * Einsetzung einer Wirtschaftsexpertenkommission Nach der Rede des Genossen Sacher keilte der Vorsitzende Genosse Kögler mit, oaß von den Genossen Schwarz, Schweichhart und 34 anderen ein Antrag auf Einsetzung einer Wirtschaftsexperten- Kommiffion zur Beratung des Parteivorstandes eingebracht wurde. Der Antrag wurde der Antragsprüfungskommission zugewiesen. Ferner teilte Genosse Kögler mit, daß ein Begrüßungstelegramm der freien Bereinigung sozialistischer Akademiker an den deuffchen Hochschulen Prags eingetroffen ist. Sodann wurde die Sitzung nach sieben Uhr abends geschlossen. In der heutigen Verhandlung des Parteitages, die um 8 Uhr früh beginnt, wird die Debatte über das politische Referat fortgesetzt. Gömbös Zynische Erklärung im Oberhaus will die Gewerkschaften Seite S Samstag, 22. Juni 1938 Nr. 145 Das deutsch-englische Flottenabkommen Der unbestreitbare Erfolg, den Deutschland beim Abschluß des FlotteirabkomMenS mit England erzielt hat» ist ein weiterer Beweis dafür, daß England trotz der Londoner Abmachungen und der Konferenz von Stresa an seiner traditionellen Politik dem Festland gegenüber zäh fefthält. Diese Politik ist von Haus aus weder frankophil noch germanophil, weder russophob noch germanophob, sondern sie ist schlechthin großbritannisch. Jeder Staatsmann, der an gewisse unveränderliche Gegensätze der englischen Politik zu einer bestimmten Festlandsmacht glaubte, hat seinen Irrtum teuer bezahlen müssen, Ludwig XIV. mußte sich davon überzeugen, daß England nicht dauernd Hollands Feind blich, sondern ihm sehr tätige Hilfe leistete, wie sich vordem die Holländer hatten überzeugen müssen, daß der englisch-spanische Gegensatz nicht die Achse der Politik und nicht unabänderlich war. Die Habsburger, die mit Englands Hilfe Ludwigs XIV. Vormacht gebrochen hatten, lernten die Briten wenige Jahre später von einer ganz anderen Seite kennen, und noch vielen anderen ähnlichen Enttäuschungen, die das Foreign Office in der Downing Street seinen Freunden und den Theoretikern starrer Weltgegensätze bereitet hatte, tappte Deutschland in den Weltkrieg, weil der Geheimrat H o l st e i n, aber auch Bülow und Bethman-Hollweg an den unüberbrückbaren englisch-russischen Gegensatz glaubten. Großbritannien hat 1903/04 seinen heftigen Konflikt mit Frankreich nüchtern liquidiert, es hat 1907— 1913 sich mit Rußland auf der ganzen Linie seiner flagranten Interessengegensätze verständigt und sich gegen den traditionellen Freund Englands Preußen-Deutschland gewandt. Fest steht in der englischen Politik nur das eine: d i e Macht des Kontinents, die allein oder durch eine Koalition mit anderen Mächten ein Uebergewicht gewinnt, ist Englands Feind. Gegen diese Macht führt England keineswegs sofort Krieg. Wer wenn alle anderen Versuche zur Wiederherstellung des„Gleichgewichts" scheitern, dann schreckt es auch vor dem Krieg nicht zurück. Die völlige Entmachtung Deutschlands hatte das Gleichgewicht Europas gestört. Aber der französtsch-italienische, der französisch-russische Gegensatz waren doch eineSicherung gegen die absolute Vorherrschaft Frankreichs auf dem Kontinent. Je mehr sie schwanden, desto eiliger hatte es England mit der deutschen Aufrüstung. Es verurteilte zwar die Eigenmächtigkeit Hitlers, denn die britische Politik liebt es überhaupt nicht, daß andere Regierungen„eigenmächtig", das heißt ohne England zu fragen, das Kräfteverhältnis der Welt verschieben. Wer als Hitler sich bereit zeigte, über die Flotte mit England zu verhandeln, war England gern bereit und es hat mit Deutschland abgeschlossen, ohne vorher in Paris anzufragen, was man dort dazu sagt. Erst nach perfektem Vertrag fährt Eden über den Kanal. Das Abkommen istfürDeutschland sehr günstig. Die 35 Prozent, das wolle man nicht vergessen, werden nicht von der englischen Flotte, sondern von der Tonnage der Flotten aller Teile des britischen Commonwealth berechnet. Also erhält Deutschland 35 Prozent der Tonnage der vereinigten Flotten Großbritanniens, Canadas, der südafrikanischen Union und Australiens. Da Deutschland seine Flotte in der Nord- oder Ostsee konzentrieren kann, ohne vorläufig in Uebersee größere Geschwader halten zu müssen, ist das Stärkeverhältnis in Europa gegenüber der englischen, weit über die Erde verteilten Flotte nicht 35:100, sondern vermutlich 45 oder 50:100. Deutschland erhält also wieder eine immerhin beachtliche Stellung als Seemacht, wenn es auch nicht das Vorkriegsniveau erreicht. Während die deutsche Landaufrüstung den Wehrstand von 1914 bedeutend überholt, legt Hitler sich in der Flotte eine gewisse Beschränkung auf. Er baut die Flotte so groß, daß sie für England den Wert eines nützlichen Bundesgenossen erhält, er baut sie so groß, daß sie auch, sollte Deutschland einmal Kontinentalpolitik gegen England treiben, im Bunde mit anderen Flotten ein Faktor gegen Britannien werden kann, er baut sie aber nicht so groß, daß England in ihr eine akute Drohung sieht oder daß mit dem Wachsen der Flotte der deutsch-englische Gegensatz in dem Tempo steigen müßte wie er zwischen 1900 und 1912 durch die Flottenpolitik Wilhelms» Bülows und des Admirals Tirpitz stieg. Das Flottenabkommen beweist, daß man in Berlin aus den Erfahrungen der Vorkriegsdiplomatie etwas gelernt hat. Das Experiment einer zugleich antirussischen und antibritischen Politik wird nicht wiederholt. Deutschlands Politik richtet sich, wie durch das Flottenabkommen völlig klar wird, auf abseh- bare Zeit eindeutig gegen Rußland. Man glaube nicht, daß England darum zum Kriege gegen Rußland hetzt I England wünscht nur, daß der Gleichgewichtszustand in Europa und möglichst auch der im Stillen Ozean, wo trotz aller japanischen Eroberungen doch jeden Augenblick eine Koalition USSR— USA den Japanern die Waage halten kann, so lange als möglich erhalten bleibt. Gegen die Koalition Paris- Prag- Moskau braucht England ein starkes Deutschland. 1914 war Deutschland die Kveitstärkste Seemacht der Welt. Im Verhältnis der Schlachtschiffe stand es 38:65 gegen England, in den größten Einheiten noch um einiges günstiger. Die Vereinigten Staaten waren ungefähr gleich stark wie Deutschland. Dann folgten Frankreich, Japan Italien, Oesterreich-Ungarn und Rußland(baltische Flotte; die Schwarze-Meer-Flotte durste die Dardanellen nicht passieren, kam also für ein Kräftemeffen im offenen Meer nicht in Betracht). Nunmehr ist die Reihenfolge: England, bereinigte Staaten die aber nur wenig hinter England zurückbleiben), Japan, Frankreich, Italien. Deutschland wird zwischen Frankreich und Italien rangieren. Die Flotte der Sowjetunion ist unbedeutend. Da die deutsche Motte mit der italienischen kaum in Konflikt kommen dürfte, erscheint sie als ernster Ein Tscheche Dr. R. N. F o u st k a, Redakteur des tschechischen Legionärblattes„R ä r o d n i Osvobozent" hat sich in zahlreichen Artikeln mit den wahren Zielen und Hintergründen der SHF befaßt. Im Verlag des Svaz. när. osvobozeni ist soeben eine Broschüre Dr. Foustkas unter dem Titel„Henlein und die SHF" erschienen, die, obwohl für den tschechischen Leser geschrieben, auch auf deutscher Seite Beachtung verdient. Der Anfang Dr. Foustka stellt zuerst die Gründe dar, die zur Bildung der SHF führten— die Auflösung der Nationalsozialistischen Partei— und wendet sich dann der Kundgebung in Böhm.-Leipa zu, in der man zum ersten(und letzten) Male konkreten Forderungen Henleins begegnete. Von dieser Zeit an hörte man nur Phrasen, hohle Worte, den Wunsch nach Macht und der Vernichtung des Gegners. Mit diesem Tage, sagt Foustka, beginnt der Mummenschanz sorgfältig verfaßter Reden, die unschuldig aussehen, aber, trotz der vielen Loyali- tätsbekenytniffe, verschiedene Deutungen zulaffen. Nun baut Henlein, von Dr. Spina gedeckt und geschützt» seine Positionen aus. Er gibt ein Wochenblatt heraus. Ein Tagblatt braucht er nicht, denn die ganze Provinzpresse ist ihm zu Diensten und übernimmt seinen Pressedienst, der sie vom Leitartikel bis zur Humoristischen Ecke versorgt. Die sozialistischen Parteien verlangen die Auflösung der SHF. Doch in diese Zeit fallen die Verhandlungen des Führers des rechten Flü- gels der tschechischen Agrarier, Stoupal, und die Heimatsront wird nicht aufgelöst. Der Wahlkampf Bon dem Augenblick, in dem die SHF in den Wahlkampf eintritt, beginnen sich auch den blinden Prager Politikern die Augen zu öffnen. Jeder staunt, woher eine neue Partei das Geld zu einem kostspieligen Wahlkampf hernimmt, der alles überbietet, was man bisher gewohnt war. Flug« blätter überschwemmen das deutsche Gebiet, Henlein reist mit Autokolonnen durch Böhmen, Mähren und Schlesien. Hunderttausende kostet die sogenannte„Bolkshilfe", die nichts anderes ist als Agitation mit Kartoffeln, Mehl und Kleidern. Wenn Konrad Henlein von der Presse gefragt wird, wo er so große Mittel hernehme, da schweigt er, der sonst mit Berichtigungen und Aufklärungen gleich bei der Hand ist. Mann kennt die Rolle, die Generaldirektor Doderer spielte, man weiß, daß Dr. Rosche über Jnduftriellengelder verfügt. Kann das genügen? Wo kommt der Rest her? Die Methoden Die Agitation, mag sie auch kostspielig gewesen sein, war legal. Den Hauptanteil am Sieg Viktor Adler-Anekdote« Am 24. Juni 1852 wurde in Prag der Begründer der österreichischen Sozialdemokratie Victor Adler geboten. Wir geben hier aus Fechenbachs»Politischem Lachkabinett" einige Anekdoten wieder, die Vicwr Adlers Schlagfertigkeit und Humor aufs beste charakterisieren.* Wichtig für Parteimänner Adler kam einmal gerade dazu, wie ein Genosse verärgert wegging, nachdem ihm der andere überzeugend dargelegt hatte, daß er früher eine andere Meinung gehabt habe, aber durch ihn erst sich habe bekehren lassen. Da sagte er: Wenn ich den Leuten, wenn sie etwas Gescheites gemacht haben, immer nachgewiesen hätte, daß die Idee von mir war, hätten wir uns immer nur so gezankt, während wir so einig und groß geworden sind... Das wichtigste bei einem Parteimann ist, daß er die Idee hat und sie den Leuten so beibringt, daß sie glauben, sie haben sie gehabt. Definitionen Wenn sich die Studenten zu Führern berufen glaubten und statt zu studieren in der Partei eine Rolle spielen wollten, sagte Adler ost: Student kommt vom Studieren. Zur Zest, da die Anarchisten die Arbeiter zu törichten Experimenten zu verleiten suchten, wobei sie auf manchen braven Genossen mst radikalem Gerede Eindruck machten, gab er folgende Definition von den Anarchisten: Anarchist ist einer, der sich freut, wenn andere Bomben werfen. Aehnlich sagte er während des Wahlrechts- Gegner nur für Frankreich, sofern dies mit einem Teil seiner Marine im Mittelmeer und in Uebersee gebunden ist, und f ü r d i e S o w j e t u n i o n, die allerdings durch einen Seesieg nicht ernstlich getroffen würde. Kombiniert man die neue deutsche Motte(die in sieben Jahren fertig sein soll, aber vermutlich wenigstens in einzelnen Typen früher ausgerüstet sein wird) mit der italienischen oder mit der englischen oder der japanischen, so erhält sie freilich ein größeres Gewicht. In der Weltpolitil bleibt sie aber ein Faktor zweiter oder dritter Ordnung. Seine nächsten Ziele sucht der deutsche Imperialismus ohste Zweifel zu Lande und ohne Zusammenstoß mit einer der großen Seemächte. über Henlein Henleins, meint Foustka, hat 1. die verdeckte Jrrendenta und der verdeckte Terror, 2. die offene Jrrendenta und der offene Terror. Eine Partei, die offen gegen den Staat war, wurde aufgelöst. Jetzt kommen Leute zur SHF. die zwar von der Treue zum Staat sprechen, aber sonst die gleichen Wendungen benützen. Typische Ausdrücke hakenkreuzlerischer Ideologie— Volksgemeinschaft, Kampf gegen die Uneinigkett und die Parteien, Kampf gegen Marxismus und Liberalismus— sind die Pfeiler der Ideologie der neuen Partei, der Bewegung, wie sie sich jetzt nennt. Die Henleinleute hüten sich, gegen den Staat und seine Unteilbarkeit zu sprechen. Aber die auffällige Betonung der kulturellen Verbundenheit mtt Deutschland vermag den Anschein zu erwecken, als ob die deutschen Gebiete nicht nur kulturell zum Dirtten Reich gehören. Kurz, die Henleinleute sind Meister darin, so zu schreiben und zu sprechen, daß die staatlichen Behörden nicht einschreitcn können und doch dex erstrebte Zweck erreicht wird: die Bevölkerung gegen die Demokratie und den Staat aufzuhetzen. Ost wird das Loyalitätsbekenntnis von einem unverkennbaren Lächeln des Redners begleitet, daS sich auf die verständnisvolle Zuhörerschaft überträgt. Oft sagt er, er könne vom Programm nicht reden, aber das sei ja nicht nötig, alle hätten es im Herzen. Bisher ist daS versteckte Jrrendenta. In den großen Städten, in den großen Versammlungen hört man die geschickten, zweideutigen Reden. Bei der Agitation von Mann zu Mann hört schon die Loyalität auf. Dann spricht man davon, daß die Grenzsteine bald verschoben werden, daß die Wahl ein Volksentscheid, ein Plebiszit sei mit dem Ziel: Anschluß an Deutschland. Die Jrrendenta wird durch den Terror ergänzt. Die Fälle können nicht gezählt werden, in denen Sozialisten überfallen und verprügelt wurden. Man droht mit Schwarzen Listen und fügt hinzu:„Bis wir bei Deutschland sein werden." Wer am ärgsten war der wirtschaftliche Terror, der in den von der Wirtschaftskrise am stärksten heimgesuchten Gebiete doppelt fühlbar ist. Es gibt nicht nur politischen, sondern' auch nationalen Terror. Sogar Tschechen wurden gezwungen, der SHF beizutreten. Zugleich mit der Lohntüte erhalten Arbeiter in manchen Betrieben Beitrittserklärungen zur SHF. Dann führt Foustka einige Arbeiter mit Namen an, die von den Unternehmern— auch diese werden genannt— in die SHF gepreßt oder wegen ihrer Zugehörigkeit zu sozialistischen Parteien gemaßregelt wurden. Oie Behörden Das alles geschieht in den deutschen Gebieten unseres Staates und die Behörden benehmen sich, als ob es keine Verordnung des Jnncnmini- kampfes, als die wohlmeinenden Freunde die Arbeiter jeden Tag zum Generalstreik zu verleiten suchten: Dem Kiebitz ist kein Spiel teuer genug. Theorie und Praxis In einer Versammlung— das war in dec „Anarchisten"-Zeit— hatte Victor Adler den Versuch eines ehrgeizigen jungen Mannes abzuwehren, die Arbetter in anarchistische Menteuer hineinzuhetzen. Der junge Mann hatte den Antrag eines Naiven, Bomben in Briefform herzustellen und sie in Briefiästen zu legen, wärmstens befürwortet. Vielleicht spielte im Unterbewußffein der Gedanke mit— was kann das für ein Prozeß Werden.— Adler durchschaute das gefährliche Spiel und stellte den Züsatzantrag, daß dieser junge Rechtsanwalt beauftragt werde, die Bomben in den Briefiästen zu werfen. Der Eifer des jungen Rechtsanwalts war dadurch so abgekühlt, daß von dem Antrag nicht mehr geredet wurde. Hut und Hirn Ein anderes Mal bemerkte Adler in einer geheimen Versammlung während seiner Rede in einer Ecke einige Arbeiter mit besonders breiten Schlapphüten. An diese wendet er sich: Mir kommt es auf den Hut nicht an. Mir ist es lieber, wenn einer ein ganz fleines Hütchen auf hat, aber wenn im Hirn was drinnen ist, als wenn einer einen großen Hut hat, so daß ihn jeder Polizist schon von weitem kennt. Der Herr RLuber Als Victor Wler einmal mehrere Monate wegenAufreizung usw. im Landesgericht brummen mutzte, verzehrte er eines Tages beim Spazier- steriums gegen politischen und wirtschaftlichen Terror gäbe. Den Bezirkshauptleuten, die für den persönlichen Schutz Henleins hunderte von Gendarmen mobilisierten, fiel es gar nicht ein, das Recht der breiten Massen auf die eigene Ueber- zeugung zu schützen. Ja, manche beschäftigten sich in einer solchen Zeit mit dem Schikanieren der staatstreuen sozialistischen Parteien. Auch hier werden konkrete Fälle angeführt. Die Frage, ob die SHF wirklich loyal ist, ist schwer zu beantworten. Die Leitung der SHF weicht jeder offenen Aussprache aus und windet sich mit grosser Geschicklichkeit durch das Gestrüpp der Gesetze. Ihre Terminologie klingt, in eine Rede eingebaut, harmlos, aber decken, die ihre Bedeutung kennen, sagt sie sehr viel.. Es ist wahr, daß an den führeckden Stellen niemand ist, der als Nationalsozialist aktiv hervorgetreten ist. In den Orts- und Kreisleitungen finden wir dafür um so mehr. Auch hier nennt die Broschüre einige Namen. Und dann die Unterstützung aus Deutschland! Henleins Wahlagitation wurde durch den deutschen Rundfunk, die deutsche Presse und durch Hunderte reichsdeutscher Teilnehmer seiner Versammlungen unterstützt. Und weiter: Henlein schwört auf die Demokratie— in der eigenen Parteikennt er sie nicht. Er selbst geht nicht ins Parlament. Die Abgeordneten der SHF gaben nicht der Partei, sondern dem „Führer" ihre Reserve. Aus einem braunen Haus wird Henlein die Drähte ziehen. Entweder ist er unerhört naiv oder ein sehr schlauer Fuchs. Henlein weiß von nichts, das vorgeht. Seine Aufgabe ist es, an den Präsidenten der Republik loyale Telegramme zu schicken, in Schlössern zu Mittag zu essen und die reine Unschuld zu spulen. Was soll gssehohon? Das sind natürlich in der Demokratie unerhörte Zustände. Die SHF ist ein Fremdkörper im Staate. Die breite Oeffentlichkeit ist der Ansicht, daß die SHF nie zur Wahl hätte zugelassen werden sollen. Ein sehr begründeter Standpunkt. Aber wir werden die Jrrendenta durch die Auflösung einer Partei nicht aus der Welt schaffen. Vergessen wir eines nicht: die fascistischen Parteien, die wirklich an dieMacht kamen, bleiben lange an der Macht, auch wenn die, die ihnen dazu verhalfen, es später bitter bereuen. Wer Henlein hat keine Regierungsmacht erlangt. Seine 44 Abgeordnete werden genötigt sein, zu besttmmten Maßnahmen einen Standpunst einzunehmen. Dann wird es sich zeigen, wie unnatürlich die Zusammensetzung der SHF ist und daß sie kein Programm hat. Ihre einzelnen Schichten werden Zusammenstößen. Es wird zu Zwistigkeiten und Desertionen kommen. Dr. Benes sagte vor den Wahlen» daß auch bei den Deutschen der Tschechoslowakei zum Schluß die Demokratte siegen werde. Auch der Autor glaubt, daß es so kommen wird. Henlein kann es nicht allen recht machen, wie es niemand tun kann. Und dann wird das Ende der Volksgemeinschaft da sein. Aber es wird notwendig sein, daß unsere Behörden ihre Pflicht besser als bisher tun. Ihre Hauptaufgabe muß der Schutz vor wirtschaftlichem Terror seist. DaS könnte nicht so schwer sein. Man müßte nyr Informationen einholen und sich bei der Vergebung von staatlichen Lieferungen nach ihnen xichten. Auch die Gendarmerie und die FinanZwache müsste verstärkt werden. Und die städtische Polizei ist nicht immer politisch verläßlich. Es ist notwendig, an die Spitze der Bezirksbehörde neue, junge und energische Leute zu stellen, die Verständnis dafür haben, daß man einen Staat heute nicht mehr auf eine Weise verwalten kann, die schon zur Zeit Franz Josefs veraltet war. gang im Gärtchen eines Aufsehers einen Apfel. Der kleine Wächtersohn hatte seine bestimmte Vorstellung von Strafgefangenen. Scheu betrachtete er den fremden Mann, dann faßte er doch Mut und sagte zutraulich zu ihm:„Geh, Herr Räuber, gib mir aa a Stück! l" Anter Kontrolle Victor Adler spricht irgendwo vor einer Riesenversammlung über die letzten russischen Sozialistenverfolgungen. Er nennt den Zaren einen »bleichen Mörder". Der Regierungsvertreter unterbricht zaghaft:„Ich muß doch Einspruch dagegen erheben, daß der Herrscher einer befreunde« ten Großmacht hier derartig bezeichnet wird." Adler fährt fort: Also dieser nicht bleiche Mörder... Was find Sie? Adler war oft Zeuge. Einmal wurde er auch vor daS Brünner Bezirksgericht als Zeuge in einem Ehrenbeleidigungsprozeß geladen. Diese Vorladung ging ihm so wider den Strich, daß er bei Wnahme der»Generalien" seiner Lebensdaten auf die Frage des Richters nach seinem Beruf: Was sind Sie? lakonisch antwortete: Zeuge. Don Brieftasche« In den Anfängen der Bewegung war manch ein Vertrauensmann nicht dagegen gewappnet, bei einem Hungerlohn die Gelder der Organisation ehrlich zu verwalten. Der Hunger und die Versuchung waren ost zu groß. U^ber einen solchen saß man zu Gericht. Da meldete sich Adler:„Genossen, jeder ist nicht schlecht und unser Freund ist auch nicht schlecht. Er hat nur das erste Mal eine Brieftasche in der Hand gehabt." Nr. 145 Sam-tatz, 22. Fmrl 1935 Seil« 7 Bor allem mutz die Regierung den Menschen in den ärmsten Gebieten Arbeit geben. Not und Hunger sind die Haupt» quellen des Erfolgs Henleins. Den Menschen zu zeigen, so schließt Foustka, datz ihnen die Republik ohne Henleins Verdienst hilft, heiht die Wurzeln der Heimatfront zu vernichten. Darum schnell I n v e st i t i o n s a r b e i t e n. Die. mutige und gut informierte Broschüre des tschechischen Publizisten kommt in einem geeigneten Zeitpunkt. Die neue Regierung, das neue Parlament, werden sich mit der SHF beschäftigen müssen, die tncht eine Angelegenheit allein der Deutschen, sondern ein Staatsproblem, und nicht das unwichtigste, ist. Tie Frage mutz politisch und tvirtschaftlich gelöst werden, politisch und wirtschaftlich zugleich. Nur dann, wenn Henleins politisches Doppelspiel nicht verfängt, sein wirtschaftlicher Terror auf harten Widerstand stötzt und in den deutschen Gebieten d je administra- tiven und wirtschaftlichenMaß- nahmen unternommen werden, die der demokratischen Bevölkerung ihren Kampf gegen die He im a t- front erleichtern, kann der Gefahr begegnet werden, deren sich noch heute nicht alle Tschechen ganz bcwuht sind. Auf diese Gefahr neuerlich hingewiesen zu haben, ist ein Verdienst der Broschüre Dr. Foüstkas. F. Eintägiger Generalstreik In Lodz Warschau. Die polnische sozialistische Partei in Lodz faßte den Beschlutz, am 28. d. M. im Lodzer Judustrierevier zum Zeichen des Protestes gegen die geplante Wahlreform einen eintägigen Generalstreik zu proklamieren. Italien wirbt chinesische Kulis an für Straßenbauten in Somali-Land Hongkong. Emissäre der italienischen Regierung werben eifrig Arbeiter im Distrikt von Tschiutschau in der Provinz Kwantung an. Wie verlautet, sollen diese Arbeiter nach dem Somali- Land verschifft werden, wo sie Stratzenbauten durchführen würden. Der italienische Konsul in Hongkong hüllt sich diesbezüglich in Schweigen. „FREIHEIT“ Informationsdienst—Kreisturnfest Bezirksobmänner, Achtung! Wir ersuchen Euch, in der Presse folgendes drkanntzugrben. Wann und von wo ab fahren die Sonderzüge. Auf welchen Stationen halten die Sonderzüge? Für welche Vereine, bzw. Teilnehmer ist der betreffende Sonderzug berechnet? Die Verlautbarung hat womöglich in der M i t t w o ch-, bzw. DienStagzeitung des jeweiligen Gebietes zu geschehen, damit die Vereine und auch die Festleitung Klarheit haben. Die Bezirksleitungen haben gleichzeitig in der Parteipresse zu veröffentlichen, wann und in welchem Orte(Platze) sich die Radfahrer zum Kreisfest sammeln. Wer der Leiter ist. Wir veröffentlichen in der Mittwochnummer die Sammelplätze der Halbkreise sowie die Namen der Leiter. Wir machen jedoch schon heute aufmerksam, datz die Ankunft der Bezirksstaffeln in Teplitz wie in Bodenbach spätestens um 8 Uhr stattfinden mutz. Von dort erfolgt die gemeinsame Abfahrt nach Aussig. Kassiere: Die nach fälligenDauer« karten für Kinder wie für Erwachsene werden den Vereinen mit den Ouartierkarten zugeschickt. Quartierkarten erhalten die Vereine soviel, als Teilnehmer für Quartiere gemeldet wurden, Festteilnehmer, welche nach Aussig kommen und keine Quartierkart« besitzen, müssen. sich sofort in der Hauptguartierkanzlei melden. Ohne Quartierkarte ist der Zutritt tu die Maffenquartieve verboten. Achtung! Dauerkarten für alle Veranstaltungen sind zum Preise von XL 7.— für Erwachsene(ist 80% Ermässigung) und Kd 2.— für Kinder, im Kreissekretariate, Bahnhofsplatz I, erhältlich. „Ich will jedem von Euch die Chance gebe«, als„ünbekannter Soldat" mit vaterländischen Ehren begraben zu werden..." Mattlt beim Prinzregenten Paul KoalltlonsKabinett der alten politischen Parteien oder neutrales Kabinett Zlvkovtt Belgrad. Prinzregent Paul hatte am Freitag vormittag informative Besprechungen mit führenden polltischen Persönlichkeiten. Der Führer der vereinigten Opposition, der Kroate Dr. M a i e k, wurde eigenS nach Belgrad berufen und ist nm 16 Uhr vom Prinzregenten in Audienz empfangen worden, die zweieinhalb Stunden dauerte. Nachher konferierte Dr. Makek mit dem Kriegsminister Z i v k o vi k, ferner mit D a v i d o v i k, dem Führer der oppo- sitioncllrn demokratischen Partei, und dem Führer der serbischen Landwirtepartei I o v a n o• v i ü. In Agram hat man die Berufung Dr. Ma- kekS nach Belgrad mit Befriedigung ausgenommen, weil dem Führer der kroatischen Bauernpartei nach sieben Jahren Gelegenheit gegeben wird, in direkter Fühlungsnahme mit dem Repräsentanten der Krone die Wünsche des kroatischen BolkeS darznlegen. In Belgrader politische« Kreisen nimmt man an» daß der bisherige Finanzminister Stoja- d i n o v i k mit der Bildung eines Koalittonskabi- nettS betraut werden wird, an dem sich außer der bisherigen Regierungsmehrheit die R a d i k a- len, die slowenische VolkSpartei und die bosnischen Mohammedaner beteiligen sollen. Falls diese Kombination scheitert, käme eventuell auch eine Wiederernrn- nung deS Kabinetts I e v t i k in betracht. Dr. Makek erklärte, die neue Regierung werde entweder eine Regierung der nationale« Konzentration mit Minister Stojadi- n o v i k an der Spitze oder eine neutrale Regierung unter dem Vorsitze ZivkovikS sei«. Die Oppositton fordert» daß die bürgerlichen Freiheiten erneuert und daß Neuwahlen ans Grund einer geheimen Abstimmung dnrchgeführt werden. Hichl Flucht, sondern Mord Ein letzter Brief von Husemann (Sopade.) Am 15. April ist Fritz H us e- m a n n, der frühere Reichstagsabgeordnete und Vorsitzende des Deutschen Bergarbeiterverbandes »auf der Fulcht" erschossen worden. Lässt der Gebrauch dieser Formel durch amtliche Organe deS Dritten Reiches bereits im Normalfall erkennen, dass es sich um nichts anderes als um Mord handelt, so ist diesmal sogar em indirekter Nachweis dafür möglich. Am 11. Avril schrieb Husemann, wie sein in Amerika lebender Sohn mitteilt, aus dem Gefängnis in Bochum folaenden Brief an seine Familie: Bochum, 11. April 1838 Liebe Mathilde! Ich danke Dir, dass Du meinem Wunsch, nicht mehr nach hier zu kommen, entsprochen hast. ES ist so besser, denn wir haben beide so schwer genug zu tragen. Morgen werde ich nun mit dem gewohnten Gleichmut nach Esterwege gehen bzw. dahin gebracht werden. Werde mich auch bemühen, mich in die dort herrschende Ordnung einzufügen. Da ich Soldat war und auch sonst Ordnung gewöhnt bin, so dürste mir dieses schon gelingen. Ich denke, daß man nichts Unmenschliches von mir verlangt und Rücksicht auf mein Alter nimmt. Betrachte, bitte, die Dinge mit der grötzten Ruhe. Wir wollen beide da» tragen, was uns das Schicksal auferlegt hat. Biel Schweres haben wir in den bald 87 Jahren unseres Zusammenlebens getragen. Warum sollte uns dies auch jetzt nicht gelingen. Geh« Deiner Arbeit nach, denn es wird Dir daran, bei meiner Abwesenheit, nicht fehlen. Beschäf- tige Dich weiter mit unseren Enkelkindern, die Dir ja immer mit großer Liebe entgegenkommen, dadurch wird Deine Zeit ja genügend auSgefüllt werden. Hoffentlich sehen wir unS in nicht all zu ferner Zeit wieder. Ich grüße Dich, di« Kinder und die Enkelkinder herzlichst Dein Fritz." Dieses erschütternde Dokument ist in jeder Silbe echt und wahr. So schreibt niemand, der die Absicht hat, sich schwerbewaffneten und zu jeder Tat fähigen Menschen durch die Flucht zu entziehen. Bor allen Dingen nicht, wenn er 61 Jahre als ist und trotz aller Enttäuschungen an die Menschlichkeit deS Gegners und sein« baldige Freiheit glaubt. Ebenso eindeutig sind die inzwischen festgestellten Tatsachen über die"näheren Umstände des Mordes. Am 12. April wurde Husemann aus dem Gefängnis in Bochum nach Esterwege abtransportiert. Aber schon am 13. morgens wurde er in das Kreiskrankenhaus Soergel in Oldenburg eingeliefert. Die amtliche Nachricht sagt: »Bei der Flucht während der Arbeit im Moor erschossen". Husemann ist aber nie in das Lager eingeliefert, sondern bereits auf dem Transport dorthin ermordet worden. Es liegt keine Bescheinigung von ihm vor, dass er überhaupt Lagerkleidung in Empfang genommen hat. Da auch seine eigene Kleidung keine Schutzlöcher oder Blutflecke aufweist, so ist anzunehmen, datz man ihn schon in der ersten Nacht überfallen und erschlagen hat. Trotzdem er an den erlittenen Mißhandlungen erst am 15. April morgens gegen 2 Uhr gestorben ist, also fast 48 Stunden nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus, wurde die Familie erst nach dem Tode unterrichtet! Die Leiche bekam sie nicht zu sehen. Auch Versuche, vom Krankenhaus etwas Näheres über die letzten Stunden HusemannS zu erfahren, blieben ohne Erfolg. Der in Amerika lebende Sohn Husemanns, dem die»Sopade" die vorstehenden Mitteilungen verdankt, bekam auf seine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft in Bochum lediglich die Antwort, datz sie zuständigkettshalber dem Staatsanwalt in Osnabrück überwiesen worden wäre. Die österreichische Legion reaktiviert Wien. Wie die Wiener Abendblätter aus München melden, wurde die Oefterreichisch« Legion wieder gesammelt, neu uniformiett und ausgerüstet. Sie ist hauptsächlich in Bad Aibling konzentriert, wo die österreichischen Legionäre militärische Uebungen abhalten. Eisenbahnunglück in Süddeutschland Ludwigshafen. In der Nacht zum Donnerstag fuhr um 0.40 Uhr im Hauptbahnhof Ludwigshafen der aus Richtung Neustadt einsahrende Per- sonenzug 280 auf eine im Einfahrtsgeleise haltende Rangierabteilung auf. Die Lokomotive, der Gepäckwagen des Personenzuges und ein Güterwagen der Rangierabteilung entgleisten. Dabei wurde der Zugsführer Johann Steiger aus Ludwigshafen getötet. Sieben Re i« sende und ein Rangierbeamter wurden verletzt. Zwei Reisende und der Rangierbeamte wurden ins Städtische Krankenhaus gebracht. Die übrigen Verletzten konnten sich nach Hause begeben. Der Unfall entstand dadurch, datz di« Einfahrt für den Personenzug versehentlich freigegeben worden war, bevor das Einfahrtsgeleis von der Rangierabteilung geräumt war. Es entstand erheblicher Fahrzeugschaden. Lyon. Der Schnellzug Grenoble— Paris ist in der Nacht zum Freitag im Bahn- hpfe von St. Andrt-Legaz mit einem Gü- terzugzusammengestotzen. Zwei Waggons deS Schnellzuges entgleisten. Durch einen aussexordentlichen Zufall wurde kein Reisender verletzt. Der Sachschaden ist hingegen bedeutend. * Rio de Janeiro. Infolge dichten Nebels stiessen am Freitag-Morgen zwei Vorortezüge der brasilianischen Zentralbahn in einem Aussenbezirk Rio de Janeiros zusammen. Bei den: Unglück wurden drei Personen getötet und etwa 20 verletzt. Durch den Zusammenstoss der beiden Züge trmrden die Geleis« so blockiert, datz sämtliche von außerhalb kommenden Vorortezüge stuf der Strecke liegenbleiben mutzten. Di: Betriebsstörung löste lebhafte Proteste der Fahrgäste aus, die zur Arbeit in das Innere der Stadt fahren wollten. Auf einem Vorortbahnhof versuchte die Menge den Bahnsteig zu stürmen, so datz die Polizei eingreifen und Ordnung schaffen musste. Flugzeug rammt ei» Auto LoS Angeles. Bei den zur Zeit in der Umgebung von Los Angeles stattfindenden Luftmanö- vern amerikanischer Luftstreitkräfte ereignete sich am Donnerstag«in schweres Unglück. Bei den Landung-manövern rast: eines der Armceflug- zeüge in ein Auto. Die Insassen, ein. dreiköpfige Familie, wurden getötet. Bon der Mannschaft des Flugzeuges wurden drei Fliegerverletzt. Einer vo>' ihnen schwebt in Lebensgefahr. Raubmord oder Selbstmord? Böhm.-Budweis. Auf einer Waldlichtung unterhalb deS Schöningcr in Südböhmen wurde am Donnerstag nachmittags in einer Felsvertiefung die Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden, die sich bereits in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung befand. Die Identität des Mannes konnte aus diesem Grunde nicht festgestellt werden. Unweit. e». Leiche lag ein hingeworfrncr Trommelrevolver sowie ein brauner Hut. Die"Leiche des Mannes war bloss zum Teile bekleidet, so fehlte vor allem das Schuhzeug sowie anderes Kleidungszubehör. Die Gendarmerie untersucht, ob eS sich um einen Raub- oder um einen Selbstmord handelt, Ueber das Auffinden der Leiche im Walde verbreiteten sich rasch Gerüchte und Schreckensnachrichten, bi. davon sprachen, datz mehrere Ausflügler im Wald? ermordet worden seien. Diese Gerüchte zeigten sich allerdings sofort gegenstandslos.. Eine Stimme zuviel Paris. Ein in den Annalen des französischen Parlaments einzig dastehender Zwischenfall ereignete sich Donnerstag abend in der Kammer. Ein junges Mädchen liess sich von einer Zuschauergalerie an einer Säule in den Sitzungssaal herabgleiten und nahm zum allgemeinen Erstaune» der Deputierten in der ersten Bankreihe neben dem »abhängigen Sozialisten Varenne Platz, von wo aus es dreimal mit lauter Stimme nach dem Kam- merpräsidium rief:»Herr Bouissonl Herr Bouis» son!" Di« Saaldiener nahmen sofort das junge Mädchen fest, das sich ohne Widerstand aus dem Sitzungssaal und auf das nächstgelegene Polizci- kommfffariat führen liess. Beim Verhör vor b'.r Polizei stellte sich heraus, daß es sich um ein aus Tannes stammendes 20jähriges Mädchen namens Bost handelt, das die Tochter einer Oberstenwitwist und für einige Zeit bei ihrer Tante in Paris zu Besuch weitt. Heber den Grund ihres sonderbaren Benehmens befragt, erklärte Fräulein Bost, sie hab« die Aufmerksamkeit der Kammer auf das Problem der Entvölkerung lenken wollen. Nach dieser Erklärung wurde Fraulein Bost sowie ihre Schwester, die sie in die Kammer begleitet hatte und ebenfalls festgenommen worden war, wieder in Freiheit gesetzt. Ihre Familie wurde aufgefordert, sie möglichst bald nach Hause kommen zu lassen @cite 8 Stadt in Flammen Athen. In der Stadt Edessa in Mazedonien ist ein Feuer ausgebrochen, das sich bei starfem Wind sehr schnell ausdehnte. Bisher wurden achtzig Häuser zerstört. Das Telegra phenamt ist von den Flammen eingeschlossen. Die Bevölkerung hält sich unter freiem Himmel auf. Die deutsche Geschichte als " Heilige Schrift" " München. Einer der Intellektuellenführer des heutigen Deutschlands, Professor Wilhelm Hauer sprach Donnerstag hier über religiöse Fragen, wobei er u. a. ausführte:„ Das Christentum ist bloß eine Episode in der Gesamtgeschichte der Menschheit. Das Christentum und die Bibel sind nicht deutsch. Wir wollen keine andere Heilige Schrift als die deutsche Geschichte. Wir anerkennen kein anderes Heiliges Land als Deutschland. Die Kirche war es, die das deutsche Volk aufgegeben hat und nicht das Volk, das die. Kirche aufgegeben hat. Im Gipfelpunkt der deutschen Geschichte, in der Zeit der nationalsozialistischen Revolution, hatte die Kirche nicht den Mut, dem Volke zu helfen." Erzherzog auf der Flucht " Samstag, 22. Juni 1935 Paris. Pariser Zeitungen berichten, daß der Intersuchungsrichter gegen Erzherzog Wilhelm von Habsburg, gegen den seit längerer Zeit ein Verfahren wegen Mitschuld am Betrug eingeleitet ist, der aber bisher in Freiheit gelassen wurde, einen Vorführungs- und Haftbefehl erlassen hat, weil sich der Erzherzog einer chenberg. Es war da im Anschluß an die italie-, sondern wollen die Taucherkammer für besondere für Dienstag anberaumten Stonfrontierung mit nische und tschechische Staatshymnen das Lied Forschungsarbeiten benußen, um Schiffe aus jeiner früheren Freundin, die seit mehreren Mo- Stimmt an mit hellem hohem Klang" gesungen großen Tiefen zu bergen. naten unter der Beschuldigung des Betruges in worden, und die Bohemia nennt es„ bezeich- Desterreich oder Klösterreich?( JAP) KürzHaft ist, durch die Flucht entzogen hat." Deuvre" nend", daß wir uns gegen diese nationalsozia- lich wurde gemeldet, daß dem Stifte Admont ein will wissen, daß sich der Erzherzog in die Schweiz listische Demonstration gewendet haben. Be- Steuernachlaß von zwei Millionen Schilling gegeflüchtet hat, während der sozialistische Popu- zeichnend ist aber nur die Beslissenheit, mit der währt wurde. Nun erging durch den Finanzminister Buresch an alle Steuerbehörden die Weisung, laire" annimmt, daß Erzherzog Wilhelm von die Bohemia den Fall als harmlos entschuldigen bak Steuerrückstände von Klöstern und Stiften Habsburg nach Oesterreich gezogen sei, weil er von dort als österreichischer Staatsbürger nicht will. Sie nennt den Sang„ ein altes deutsches nicht exekutiv einzutreiben sind. Lied", weiß aber sicher recht gut, daß die Naausgeliefert werden könne. fionalsozialisten auf diese Melodie den Text singen:" Wir sind das Heer vom Hakenkreuz. Hebt hoch die roten Fahnen. New York. Aus zahlreichen Gegenden der Der deutschen Arbeit wollen wir den Weg zur Vereinigten Staaten treffen Nachrichten über ver- Freiheit bahnen..." Zur Freiheit" des Dritheerende Wirbelstürme ein. So wurde die Stadt ten Reiches Freiheit für jede Barbarei. Wenn Lubbock im Bezirk Crosby in Texas von einem das alles die Bohemia überraschenderweise nicht Wirbelsturm heimgesucht, durch den zwei Per- wissen sollte, so mag sie sich bei den Sängern von jonen getötet und 12 verlebt, sowie Reichenberg befragen die haben es bestimmt eine große Anzahl von Gebäuden zerstört wurden. gewußt! Und dar um haben sie gerade dieses Auch der Ernteschaden in dem betroffenen Bezirk ist sehr groß. Ferner wurde die Stadt Fran talte deutsche Lied" angestimmt. Nur die Dächer schauen noch heraus Ein Bild von der Ueberschwemmung, die den nordamerikanischen Staat Kansas heimgesucht hat. Wirbelstürme über den Vereinigten Staaten fort in Kansas von einer Wirbelsturmfatastrophe Deutscher Dampfer an Sowjetrufland verbetroffen, durch die in Frankfort und in dem be- kauft. Die deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft nachbarten Marysville erheblicher Sach-" Hanja" in Bremen hat ihren Dampfer Hohenjchaden angerichtet wurde. fels" an Sowjetrußland verkauft. Der Dampfer wurde jetzt den Sowjetrussen übergeben und unter das Kommando einer Frau gestellt. Der Dampfer wurde umbenannt auf den Namen" Chaviga". Die„ Chaviga" hat Bremen unter der Führung von Frau Kapitän Schetenina zur Fahrt ins Schwarze Meer verlassen. Auch Ausländer bleiben Gefangene Hitlers der Adjutant Be a une seine Frau, seine achtBlutige Familientragödie. In 2ille hat jährige Tochter und seine Stiefmutter erschlagen. Er hinterließ in seiner Wohnung einen Brief, worin er mitteilt, daß er selbst mord berübe. Hauptmanns Berufung. Aus New Trenton ( New Jersey) meldet Reuter:" Der Gerichtshof für Irrtümer und Appellationen" Court of Errors and Appeals-hörte am Donnerstag eine lange Reihe von Verteidigern Hauptmanns und behielt sich sodann die entgültige Entscheidung darüber vor, ob der Berufung Hauptmanns statt gegeben werden soll. Die Entscheidung darüber dürfte frühestens im September I. J. fallen. Mr. 145 Verein der deutschen sozialdemokratischen Aerzte in der Tschechoslowakischen Republik Einladung zur Tagung in Aussig a. E. Samstag, den 29. Juni 1935, um 19 Uhr Ausschußsizung( anschließend Teilnahme am Atus- Fest). Sonntag, den 30. Juni 1935, um 129 Uhr vormittags Jahresversammlung. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht( Dr. Holitscher). 2. Kassenbericht und Festsetzung des Mitgliedsbeitrages( Dr. Neumann). 3. J. V. S. Ae. und Internationales Aerztliches Bulletin. 4. Unsere Forderungen zur Gesundheitspolitik ( Dr. Gruschka). 5. Neuwahlen. 6. Sonstiges. Für den Vorstand: Dr. Epstein. b b Yegungen erlitten und wurde ins Krankenhaus überführt, wo sie nach zivei Stunden ebenfalls starb. Auch der Beifahrer des Lastwagens wuroc schwer verletzt. Das Versprechen in der Flasche. Die Eltern des vierjährigen Maurice Leven in Rennes in Frankreich hoffen ein Geschenk von 200 Pfund zu erhalten, weil ihr fleiner Sohn am Strande eines französischen Badeortes eine Flasche gefunden hat, in der auf der Speisekarte eines Dampfers der Holland- Amerika- Linie eine Notiz stand, daß der Finder dieser Flasche 200 Pfund von Herrn Eddy Herman, 1616, Fulton Street, Brooklyn, erhalten würde. Zwischenfall in Addis Abeba. Ein abessinischer Ofizier zerriß in trunkenem Zustande die Flagge des Automobils der italienischen Gesandschaft. Der Kaiser von Abessinien sagte die streng Entschuldigung bei der italienischen Gesandste Bestrafung dieses Offiziers und eine förmliche idhaft zu. liegt noch eine Zone tühler Luft, in welcher die Au3 Das Wetter. Ueber dem Oftteil Mitteleuropas Temperatur nicht einmal plus 20 Grad Celsius erreicht. In Mähren, wo es zeitweise regnete, wurs den Freitag nachmittags stellenweise nur 14 Grad verzeichnet. In den übrigen Gebieten Europa? herrscht ruhiges und dabei warmes Wetter. Frankreich, Ober- Italien und Innerrußland werden Temperaturen von 25 bis 30 Grad gemeldet. In folge diefer beträchtlichen Wärmeunterschiede macht sich eine Neigung zur Ausbildung lokalet Störungen geltend, trotzdem der Luftdruck über dem Binnenland meist übernormal ist. Die Wetters lage ist infolgedessen weiterhin unsicher. Wahr scheinliches Wetter von heute: Stärkers Totale Wetterunterschiede, strichweise noch Regen. Vom Westen her jedoch allmähliche Erwärmung un Beruhigung. Wetteraussichten für Sonntag: Eiwas wärmer, im übrigen Wetterlage Eine neue Milchvich- Züchtung. In der Burjato- Mongolei werden wertvolle Tiere, die sogenannten Hainaten gezüchtet. Es handelt sich hier um Kreuzungen von Vaks mit Rindern. Das Lebendgewicht eines Hainafenweibchens überBerlin. Ein amerikanischer steigt das Lebendgewicht der Kub um 45 KiloStaatsbürger namens Karl Nisselgramm und das Lebendgewicht des Yakweibchens beck wird schon seit einem Monat in München um 75 Kilogramm. Das Durchschnittsgewicht unsicher. gefangengehalten, ohne bisher einem ordentlichen Die erste Sowjet- Tieffeetaucherkammer ist eines männlichen Hainaken erreicht 500 bis 600 Verhör unterzogen worden zu sein. Die wiederhol- entworfen worden. Das Modell unterscheidet sich Kilogramm. Der tägliche Milchertrag eines Haiten Nachfragen des amerika ni wesentlich von der Taucherfammer, die von William nakentveibchens ist um 1,09 Liter größer als der Literarischer Wettbewerb der Bücher. gilde Gutenberg ichen Konsulats in München blieben Beebe, dem berühmten amerikanischen Forscher einer Kuh und um 2,5 Liter größer als der eines bisher ohne Ergebnis. Nisselbeck iſt konstruiert wurde. Die Sowjet- Kammer hat eine Mafteibchens. Die Milch enthält auch mehr Fett. Die von der Büchergilde Gutenberg eingesetzte seit dem 18. Mai in Haft, und zwar soll er ledig zylindrische Form und sieht genügend Raum für die Hainaken sind außerordentlich stark. Ein 550 Jury( Prof. Dr. Anna Siemſen, Schriftstellerin, lich wegen des Verdachtes verhaftet worden sein, alle notwendigen Mezinstrumente und eine Be- Kilogramm schweres Hainakmännchen zieht eine Zürich, Bruno Grimm, Redakteur, Olten, Paul daß er zugunsten des bekannten deutschen Emi- fabung von zivei Mann vor. Beebe und seinast von 1140 Kilogramm, das ist fast dreimal Kaegi, Leiter der Zentralstelle für soziale Literatur, granten Strasser in Prag tätig gewesen sei. Nissel- Assistent müssen während der ganzen Zeit se viel, als die einheimischen Pferde zu ziehen Zürich, Dr. Hans Oprecht, Präsident der Genossenunter Wasser mit gebeugtem Rücken arbeiten. pflegen. Die neue Kreuzung ist in manchen Kollek- schaft Büchergilde Gutenberg, Zürich, Anton Sieg!, Berlin. In Berlin wurde der franzö= einem besonderen Material hergestellt, deren Vorsitzender der Deutschen Graphischen BildungsDie Wände des Sowjetmodells werden aus tibwirtschaften ziemlich weit verbreitet. Lastauto auf dem Bürgersteig. In Köln vereinigung, Prag) hat alle die eingereichten Manusische Dominikanerpater Julien Dicke nur ein Zehntel des amerikanischen Ap- geriet ein in schneller Fahrt befindlicher Lastwagen, stripte eingehend geprüft und in der Sizung vom Allah verhaftet. Er wird beschuldigt, parats beträgt. Die Kammer ist bei einem even- der an einer Straßenecke zu scharf abbremste, ine 16. Juni 1935 ihre endgültige Entscheidung getroffen. Registermart ins Ausland geschickt zu haben. tuellen Unfall schwimmfähig. Sie wird mit etwa Schleudern, tam auf den Gehsteig und schlug gegen Zum Wettbewerb waren eingegangen 56 Manu 40 wissenschaftlichen Instrumenten einschließlich ein Eckhaus. Dabei wurden eine 55jährige Or- stripte aus folgenden Ländern: Schweiz( 21), starten Scheinwerfern, Telephonen, Radio und densschwester und eine 32jährige Hausangestellte Desterreich( 18), Tschechoslowakei( 10), Frankreich einem besonderem Raum zur Beobachtung der von dem umstürzenden schweren Wagen erfaßt.( 4), Dänemark( 2), Italien( 1). fosmischen Strahlen ausgerüstet sein. Die Sow- Die Schwester starb wenige Minuten nach dem jetseeleute suchen keine Tiefsee- Reforde zu brechen, Unfall. Die Hausangestellte hatte schwere Verbed sei jetzt in der Haft ernstlich erkrankt. * Der Liederschatz der Bohemia" bedarf einer Ergänzung. Sie polemisiert nämlich gegen unsere Berichterstattung über die Provokation beim italienisch- deutschen Ringwettkampf in ReiTauben- Dämmerung Von Ernst Machek In Paris, Prag und einigen andern Städten trägt man sich mit der Absicht, die Tauben auszurotten. gleichfalls Produzenten in diesem Sinne seien, vom Begriff Friede" eine ähnliche Vorstellung dann stimmt dies zivar, nur wäre zu berücksichti- haben wie ihr vom„ Denkmalschutz"? gen, daß sie, die andern, für die Deponierung jener gewissen Rückstände meist geeignetere Orte wissen als die Nasen steinerner Heiliger oder die Heldenbrüste bronzener Feldherren. Und dennoch würde man über eure fleinen Taktlosigkeiten vielleicht hinsveggekommen, sein, wenn sich nicht ein sogenannter Fachmann gefunden hätte, der mit folgenden Worten euer Todesurteil sprach: Ein 1. Preis wurde nicht zuerkannt. Zwei 2. Preise von je 800.-Fr. wurden zutgesprochen: Werner Jlberg, Brag:„ Die Fahne der Witwe Graßbach" und Emil Schibli, Lengnau bei Biel:„ Wir wollen leben". Den 3. Preis von 600.- Fr. erhielt Jonny Nun, jedenfalls ist es so weit gekommen, daß man es da und dort( in Prag, Paris, Rouen und G. Rieger, Kopenhagen: Fahr zur Hölle, Jonny!" anderen Städten) satt gekriegt hat, mit euch unter berg empfohlen die Werke:„ Der rote Strom" von Zum Ankauf wurden der Büchergilde Gutenden gleichen Dächern und Türmen weiterhin zu Selara Vogel, Zürich,„ Zwischenspiel" von Eläre sammenzuleben. Wenn ich indes von Messern ge= sprochen habe, die bereits gewebt werden, so ist Lepére, Zürich, Heimatlofe" von Robert Grötsch, das natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Wohl Prag,„ Die Erlebnisse des Genossen Piepvogel" von wvill man euch samt und sonders ausrotten, doch Arthur Koestler, Zürich. soll es- und das wird euch gewiß mit freudiger Genugtuung erfüllen eine Ausrottung auf Was sagt humanste Art und Weise" werden. zu weßen?! Vom Rundfunk Sonntag Liebe Tauben, es sieht ganz so aus, als ginge es euch an den Stragen. Während ihr, nach alter Sitte, ahnungslos gurrend eure aufgeblähten „ Wir Menschen sind Freunde der Antike, Hälje spazieren trägt, nach Pagodenart die Köpfchen vorschnellt und kein schlimmeres Verlangen weshalb wir historischen Bauwerken besonderen hegt, als Freßbares zu ergattern, find eure Schuß angedeihen lassen. Doch auch die Tauben Freunde von gestern dabei, in mörderischer Absicht scheinen Freunde der Antike, da sie mit Vorliebe ihr jetzt. Ist es nicht ein Glück im Unglück, daß Empfehlenswertes aus den Programmen: ihre Messer zu wezen. Was habt ihr denn nur just historische Bauwerke bewohnen und be- eure Gegner einer Spezies angehören, die das verbrochen, daß solches geschehen konnte? Solltet schmußen. Tauben- Guano aber frißt sich mit Kunststück zuwege bringt, mit Humanität Messer ihr euch etwa bloß dadurch unbeliebt gemacht ha- äßender Schärfe in den weichen Sandstein und ben, daß ihr euch von den Menschen mißbrauchen richtet auf diese Weise ärgeren Schaden an, als Zum Schluß aber, liebe Tauben, möchte ich ließet zur Verjinnbildlichung des Friedens? der von Frauen und Burgruinen so sehr gefürch euch noch einen wohlgemeinten Rat geben: Gewiß, Friedenssymbole sind heute nicht über- tete Zahn der Zeit." Solltet ihr den Entschluß fassen, den unwirtmäßig umiorben( auch soll ihr bloßer Anblick Da habt ihr's, meine lieben Tauben! Nim- lich gewordenen Städten den Rücken zu fehren empfindsamen Naturen unnötige Gewissensbe- mersatte Freßbolde seid ihr, schamlose Schmutz-( und es wird euch wohl nichts vernünftigeres zu schwerden verursachen), doch der Wahrheit die finke und hinterlistige Zerstörer. In euch vereinen tun übrig bleiben), dann erspart es euch, andere es ist nicht dieser Umstand, der Schuld sich die Tugenden der Maulwurfsgrille, der Städte aufzusuchen, da die Gefahr besteht, daß daran hat, daß man sich eurer zu entledigen Schmeißfliege und des Holzwurms, und man kann euch in diesen früher oder später dasselbe Schicktrachtet; was euch um der Menschen Gunst be- sich nur wundern, daß solches Rüstzeug euch die sal ereilt. Ziehet weit, weit fort und sucht euch Ver- Ehre eintrug, zu Symbolen des Friedens aus- ein Fleckchen Erde, das noch Raum hat für trogen hat, sind einzig und allein euere dauungsrückstände. Wenn ihr nun demgegenüber erloren zu verden. Sollten vielleicht diejenigen, Friedenssymbole: ein Land, wo keine Menschen einwenden solltet, daß alle anderen Lebewesen doch die euch dieser Auszeichnung für würdig hielten, wohnen, Chre! Brag: Sender 2.: 7.00 Konzert aus Karlsbad. 9.15 Mužits Salonquartett. 10.10 Lieder- Lyrik. 12.15 Opernszenen auf Schallplatten. 12.25 llebertragung aus Holland. 14.05 Königlicher Männerchor aus Holland. 17.45 Leichte Musif. 18.00 Deuts sche Sendung: Orchesterkonzert der Prager Sendes ſtation. 19.00 Deutsche Presse. 20.45 Volkslieder. Sender St.: 14.30 22.40 Deutsche Nachrichten. Deutsche Sendung: Arbeiterfunt: Tejessy: Di Zäuferrevolution vor 400 Jahren. 14.45 Marianne Graz: Tanz im Traum. Brünn: 20.00 Fahren Sie mit uns ins Blaue, Hörszene. 20.30 Balalaika Ensemble. 21.10 Liederromantik. 16.00 Nachmittagskonzert. Breßbura: 12.15 Or chesterkonzert, 21.00 Liederkonzert. Mähr. Oftrau: I I f I a 12 6 g 1 ། Nr. 145 SnmWrtfl, 22. Juni 1935 Seite S »Nichts Idiotischeres als die Regiermrgspolitik!* Wie der Chefredakteur der„Berliner Börsenzeitung"„vernchmungsnnfähig" wurde... Dor etwa 14 Tagen ist der Chefredakteur der „Berliner Börsenzeitung", Herzog, ein aktiver Nationalsozialist,» der seit Jahren eine prominente Rolle in der Hitlerbewegung spielt, aus dem Bett heraus verhaftet worden, weil er in einem bekannten Bierlokal am Kurfürstendamm mit lauter Stimme erklärt hatte: „Es gibt nichts Idiotischeres als die Regierungspolitik. Jeder Narr, jeder kleine Dilettant spielt sich als Caesar auf. Der Führer hat von manchen Dingen, über die er entscheidet, keine Ahnung. Dies Katastrophcnspicl mache ich nicht mit!" Diese Aeutzerungen Herzogs waren der Gestapo denunziert worden. Herzog wurde nach seiner Verhaftung ins Columbiahaus gebracht unkr dort so entsprechend„präpariert", daß er für einige Tage wegen„Nervenzusammenbruchs v e r n e h m u ngsunfähig" war. Jetzt soll er in ein Konzentrationslager gebracht und nach bewährtem Muster„geschult" werden. ES ist nämlich beabsichtigt, einen Prozeß, durch den. man bei Aufrollung des Tatbestandes kompromittierende Wirkungen befürchtet, zu vermeiden. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß sich Reichswehrkreise, zu denen Herzog seit altersher enge Fühlung hatte, vergeb- l i ch um eine Milderung des Schicksals des Chefredakteurs bemüht haben. Neger kämpfen um ihre Freiheit. In der südafrikanischen Union ist die schwarze Bevölkerung vollkommen rechtlos, obgleich die Sklaverei aufgehoben ist. Die Schwarzen haben keinerlei politische Rechte und sind auch in privater Hinsicht Bürger letzter Klasse. Nur die Bewohner von drei Gebieten, nämlich Bedschuana, Swasi und Basuto stehen in rechtlicher Beziehung besser da. Diese drei Länder gehören nämlich nicht zur Union, sondern sind großbritannisches Protektorat und stehen unter dem Londoner Kolonialamt, das den Eingeborenen wenigstens gewisse Rechte gewährt. General H e r tz o g, der Ministerpräsident der südafrikanischen Union, betreibt nun die Einbeziehung der erwähnten drei Länder in dieses Dominium. Dagegen hat eine lebhafte Protestbewegung eingesetzt. Der Bedschuanahäuptling Tshe- kedi hat am 9. Mai in Mafeking eine Petition an den König überreicht, die sich dagegen richtet, daß der Gouverneur Stanley den Eingeborenen die Verwaltung nnd Justiz entzogen hat. Ein Urteil, wodurch 1982' ein Weißer zur Prügelstrafe verdammt worden war, hat. den Gouverneur den Anlaß zu dieser Maßnahme gegeben. Im Gegensatz zu General Herhog erklärt Domi- nienminister I. H. Thomas, keine Zusage in der Richtung des Hertzog'schen Verlangens gegeben zu haben. Das Organ der Arbeiterpartei tritt sehr scharf gegen Hertzog auf und erklärt sogar, die Einbeziehung der drei Länder in die Union wäre ebenso anzuschen, als wenn etwa Hitler die Oberherrschaft über Palästina erhielte. Am lammenden Donnerstag dürfte der Konflikt bei der Beratung über die Dominien im Unterhaus zur Sprache kommen. Aluminium statt Zinn tri der Erzeugung van Konservenbüchsen? In den USA. gelang Prof. G. Flink von der Columbia-Universität in New Aork eine wichtige Erfindung, die im Zinnkartell ge- Wisi« Beunruhigung auslöste. Er stellte ein Verfahren fest, durch welches es möglich ist, Eisenblech mit einer dünnen Aluminiumschicht zu überziehen. Tas dadurch gewonnene Material ist zur Herstellung von Konserven- und anderen Büchsen verwendbar. Diese Erfindung, die in den IkSA, in Kanada, Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz, Norwegen und England patentiert ist, wird kommerziell im Herbst zur Auswertung kommen. Zur Zeit wird in Amerika die erst« zu diesem Zwecke mit einem Aufwande von 300.000 Dollar errichtete Fabrik fertiggestellt. Es ist zu erwarten, daß die Verwendung von Aluminium in' der Konservenindüstrie zuLasten des Zinn- v e rbrauches gehen wird, denn das neue Aluminiumblech dürfte sich um rund 50 Prozent billiget stellen. In Europa besteht für die Erfindung viel» leicht noch größeres Interesse, als in den USA. Ein deutscher Konzern verhandelt mit den Vertretern des Erfinders zlvecks Uebernahme der Lizenz für mehrere europäische Länder. Das Patent soll übrigens auch für andere Zwecke vcrtvendbar sein, z. B. zur Papierimprägnierung. Derart imprägniertes Papier eignet sich dann besonders zur Konservierung von Warenarten, die vor Luft und Feuchtigkeit gr-. schützt werden müssen. Der Verteidiger der Bukowina gestorben. Freitag vormittag starb in Wien der 73jährige pensionierte'General Dr. Eduard Fischer, der Verteidiger der Bukowina im Weltkriege. Mit„Zauberdung“ behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang’ nicht Hexerei 1 Paket za Kö 5*60 durch die Verwaltung der »Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tt. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Auf Klapperschlangerrjagd irr der Wüste Kalifornischer Brief von Max Winter Hollywood, Mai 1935. Nach dem ungewöhnlich regenreichen April, der auch für kalifornische Begriffe reichlich kühl war, war es eigentlich nicht sehr hoffnungsvoll, schon in den ersten MaitageN auf Schlangenjagd zu gehen, aber der Forschungstrieb war in dem jungen Schlangenspezialisten der kalifornischen Universität in Los Angeles so mächtig, daß er sich doch dazu entschloß. Und das war gut so. Die Schlangen selbst haben es unserer kleinen Expedition gezeigt, daß sie gar nicht so kälteempfindlich sind, wie man glauben könnte. Wir haben reiche Jagd gemacht. Schon auf der Hinfahrt begann sie, ehe wir noch die glatte Asphaltstraße verlassen hatten, die in vier Autobreiten einige hundert Kilometer durch die Wüste führt. Natürlich haben wir die ganze Fahrt im Auto gemacht. Nahezu 600 Meilen oder fast 1000 Kilometer, was etwa der Strecke von Zürich nach Wien entspricht. Das Auto macht unabhängig. Der rückwärtige Teil ist in eine Plattform für Lasten gewandelt, auf der wir— Dr. Mosauer, der seine Laufbahn als Forscher schon an der Wiener Universität als junger Arzt begonnen hatte, sein Assistent und ich— nicht nur alle persönlichen Notwendigkeiten verstauen konnten, sondern auch alles Fanggerät und was man sonst braucht, wenn man drei Tage in der Wüste leben will, fern von der Zivilisation. Unser erstes Ziel war B a r st o w, eine Oase in der Mojavewüste oder besser gesagt, einer der wenigen Vorposten im Kampf des kalifornischen Menschen um Eroberung der Wüste. Wüste in Kulturland zu wandeln, das war seit je die Aufgabe der kalifornischen Pioniere Und das ist auch heute noch das Ziel. Kalifornien ist sehr dünn bevölkert. Es hat nur 6,700.000 Einwohner. Im Grötzenverhältnis zur Schweiz müßte es vierzig, im Verhältnis zu Belgien gar 105 Millionen Einwohner haben. Reist man im Auto durch das Land, so erzählt einem auf Schritt und Tritt die Landschaft, daß vor noch nicht allzulanger Zeit alles Wüste war und daß der Mensch nur in seiner Energie zu erlahmen braucht und die Natur wird sich das Land der Kakteen, des Distelmohns (Argcmone claticeras) und der Josuabäume lDucca arboresccus) wieder zurückerobern. Man kann das deutlich an ausgelassenen Farmen sehen. Führt der Mensch dem Boden nicht Wasser zü, dann dringt die Wüste wieder vor. Auf einer Fahrt nach San Diego kamen wir an einem verdorrenden„Binnenwald" vorbei. Einst blühende Plantagen, nun aber nur hie und da ein Blüten-^ bäum. Ein Bild des Jammers. So kann inan solche Stationen an den Hauptstraßen, die durch die Wüste führen, eigentlich besser als Pioniersitze ansprechen, denn als Oasen. Es sind ja auch künstliche Oasen. Windmühlenoasen. Erst das Wasser aus der Tiefe zauberte auch das Grün hervor. Schlangen scheinen ungiftig zu sein. Immer wieder kommen sie in diese menschlichen Siedlungen und sind darum auch für die Pioniere kein Schrecken mehr. Sie fangen sie in der Hoffnung, sie irgendwie verwerten zu können. So auch der Autoschmiedt, den wir nach dem Weg fragen und zugleich: ob es hier in der Umgebung noch viele Schlangen gibt. Statt der Antwort führt er uns zu einem Kasten mit gläsernem Schiebedeckel und zeigt uns seine jüngste Gefangene, eine ganz prächtig entwickelte Klapperschlange. Da er hört, daß wir für die Universität auf Schlangenjagd gehen, stellt er sie uns kostenlos zyr Verfügung. So sind die Amerikaner. Für die Wissenschaft haben sie was übrig. Ich sammle für eine europäische Universität Insekten und brauchte dazu ein zusammenlegbares Netz, das man hier nicht zu kaufen bekommt. Ich klagte einem Schmied Meine Not und er baute mir mit vielem Geschick das Netz, das ich brauchte, und als eß zum Zahlen kam, lehnte er Bezahlung ab, da das Netz für wissenschaftliche Zwecke gehöre. Dr. Mosauer dankt und holt die Schlange sofort aus dem Kasten. Mit einem Stock. Kaum im Freien, will das Tier das Weite suchen, aber schon hatte der Forscher seinen Stock so auf den Nacken der Schlange gesetzt, daß nur das giftzahnbewehrte Maul freiblieb. Es konnte damit nicht schnappen. Mit dem Zeigefinger der linken Hand drückte Dr. Mosauer nun das Maul der Schlange nieder und faßte sie knapp hinter dem Kopf mit der rechten Hand. Die einfachste Sache von der Welt, hat man sie einmal heraus. Schon ist der Assistent mit einem dünnen, langen Leinensack da. In diesen wird die Schlange geworfen, der Sack dann zugedreht und verknotet. Dann kommt die erste Beute in den Schieberkasten, der alle Tiere aufnehmen soll. Keine fünf Minuten und der Doktor kommandiert:„Alles einsteigen I Rückwärts fertig I" Und schon geht es wieder dahin. Wir haben die Hauptstraße verlaffen. Schon kündet sich der Abend. Stundenlang haben wir. die Blütenwunder genossen, an denen wir vorbeijagten, aber wir werden nicht müde. Immer gibt cs Neues zu sehen. Was bekümmert es uns, daß der Fährweg durch die Wüste nun recht„wüst" wird! Die stacheligen Kinder der Wüste nehmen uns ganz gefangen. Hier eine grünblühende Opuntia, dort eine rosarote Art, hier eine karminrote, hier die„Vielverzweigte"(Mosissima),, der das galante Kalifornien den Namen„Lady- finger" gegeben hat und hier meterhohe Faßkakteen. Und neben und zwischen diesen gespenstischen Gestalten die lieblichen Kinder der Wüste: Die Wüstenlilie, das Urbild der weißen Oster- lilie, die rosa Perbennen, die roten Mariposa- tulpen(Cälochortus catalinae), die Riesenblüten des weißen Stechapfels(Datura stramonium), ein Pflanzenvagabund, der die heißen Zonen liebt, aber alles übertreffend an Liebreiz die „Abendprimel", wie sie der Amerikaner nennt, Oenotheta trichocalix, eine cheißblühende Verwandte der vielen europäischen Öenothera-Arten, die am besten im Kies der Flußufer gedeihen. Wie welk und trübe hängen die Blütenköpfe tagsüber an den Stengeln, aber wenn der Abend mit seiner Kühle niedersinkt, dann leben sie auf und weißes Leuchten fliegt dann über die Wüste. Die Wüste erwacht. Die scheidende Sonne malt weiche große Schatten in die vielfach eingeschnittencn Sand- dünen, die sich gleich weißen Gebirgen erheben, das erste Mondviertel zeichnet sich scharf voM Himmel, ganz nahe bei ihm der Nordstern, nach verträumten Minuten die Venus. Leuchtend und strahlend und flüchtig wie immer. Wer wird es da gewahr, daß indem du schaust, und Akt um Akt dieses einzige Schauspiel bewunderst, Schlangen um das Lager schleichen, das wir uns schon im harten Sand bereitet haben. Er fühlte sich so wohlig und weich an, als wir uns unter den Schlafsäcken mit den Händen Mulden glichen und Sandkissen aufschaufelten. Am nächsten Morgen sahen wir, daß die Svur der Klapperschlange, die der Forscher am Wend 30 Schritte von unserem Lager entdeckt und bis zum Loch verfolgt hatte, dicht an unserem Lager vorüber führte. Nur die Klapper am Schwänzend« ragte aus dem Loche heraus. „Die Zange und die Schaufel" erbittet der Forscher und schon ist der Assistent damit zur Stesse. Der Professor leuchtet mit. der elektrischen Fackel unter den Kreosotstrauch. Deutlich kehen Nur die Klapper, die besser„Rassel" hieße. Es ist eher ein Rasseln, denn ein Klappern, dieses. Gereiztheit kündende Geräusch, das den Menschen solchen Schrecken einjagt. Schon hat der Doktor die Klav- ver erfaßt Und hält sie mit der Feuerzange fest. Einige. Schauselstiche des Assistenten und schon windet sich das Tier unter der Zange. Wieder das Schauspiel der Gefangennahme. Dann wagen wir Stanley Baldwin Der neue englische Premier-Minister Es wird gesagt, der neue britische Premier- Minister, der jetzt zum drittenmal diesen Posten verleidet, St a n l e y B a l d w i n, sei ein„Konservativer". Das stimmt und es stimmt nicht, obwohl er führend in der konservativen Partei ist. Aber MacDonald war Führer der Labour-Party gewesen und war als Premierminister kein Sozialist mehr. Allerdings war MacDonald ein wandelbarer Mensch. Baldwin ist geruhigt, bedachtsam, nicht eigentlich aktiv. Aber man muß sägen, er ist niemals ein Konservativer im Sinne des Reaktionären gewesen. Früher brauchte man von dem britischen Premierminister Palmerston das Wort:„Ein Konservativer, der die liberale Partei führt". So könnte man heute von Stanley Baldwin sagen: „Ein Liberaler, der die konservative Partei führt." Immerhin, Baldwin ist gleichsam ein sanuS- köpfiger Politiker. Er hat viel Sinn für das Dekorative des vornehmen Lebensstils, nicht für Uniform-Maskeraden und Ordenstalmi wie der deutsche Lametta-Hermann. Wie er auch Gegner ist aller lärmenden Propaganda, im Sinne des deutschen Reklamechefs Josef Goebbels. Für Extravaganzen, für das, war er„Humbug" nennt, hat er nichts übrig. Er verfügt über eine umfassende, an den Klassikern geschulte Bildung, ohne•— wie etwa Lloyd George— ein genialischer Mensch zu sein. Gegen seine Gegner ist er loyal, war es auch gegen MacDonald, der auch ihn in seiner politischen Haltung während der letzten Jahre enttäuscht hat. Er kämpft fair, aber wo der Gegner ihm nicht mehr fair erscheint, wird er heftig. So gegen die englischen„Presselords" Rothermere und Beaverbrook, von denen man fast aunehmeu sollte, daß sie ihm oder seiner Partei wenigstens nahe stünden. Aber etwas für RothermereS halbfascistischen Kurs, für die Kriecherei der„Daily Mail" vor Hitler und NazitUm hat er nichts übrig. Da wird er sogar grob. Er hat viel Freunde in der Labour-Party. Sicherlich ein sozialer Mensch. Aber bei Leibe kein Sozialist. Sein politisches Ideal wäre: Einheit der Nation. Fair pläy für alle Klassen. Aber— unter Führung der konservativen Partei. Da tväre wieder der JanuSkopf. Engländer sagen, er treibt Politik, so wie sich ein Gletscher bewegt. Ganz langsam, Zoll um Zoll, aber immer vorwärts äuf seinem Weg. Nie einen Schritt zurück. Andere sagen, und sie ur- j teilen da nach seiner ruhigen, zurückhaltenden Art, er sei mehr ein Gefolgsmann als ein Führer. Wieder andere sägen, er sei mehr ein vornehmer Farmer und kein Staatsmann. Und sie berufen sich dabei auf sein eigenes Wort, als er einmal sagte, er habe„ein provinzielles Herz Und eine provinzielle Seele", In Wirklichkeit hat er etwas von den drei Typen. MacDonald war ein keltischer Typ. Renns ins„Bett". Es hat 12 Grad Celsius. Es ist bitterkalt, aber es beruhigt. Wir Haffen, daß es auch den Schlangen für nächlliche Spaziergänge zü kalt sein wird. Wir kriechen in die Schlafsäcke und wenige Minuten später träume ich von den hundert Schwärmern, Spinnen, Spannern und Eulen, von den Käfern, Heuschrecken, Ameisenlöwen und Grissen, die kurz vorher, angelockt vom Lichte der Scheinwerfer, auf unsere weiße Leinenwand angeflogen waren und die nun in Musealsammlungen ein neues„Leben" beginnen werden, vielbewundert von Studierenden und Laien. Eine Stunde später wölbt sich über uns die Milchstraße und gerade über unfern Haupten steht der Mittelstern des Schwan. Tiefblau der Himmel. Wüstennacht. Alles schweigt. Heilige Stille! Nach der zweiten Nacht und einem heißen Tag rüsten wir zur Heimfahrt. Noch einmal das Scheiden der Sonne, dann geht es dahin über die Wüstenstraße, auf der wir auch einem Goldsucherpaar begegnet waren, einen. Prospektor, einer Spürnase, der nach den GoldzähneU in seinem Gebiß zu schließen, einmal auch schon in eiiiem besseren Bett geschlafen hat, als auf der primitiven Pritsche unter dem Zelt, die ihm nun dient; und dem„Kapitalisten", der das Unternehmen finanziert und von Zeit zu Zeit hinauskommt, um das Gestein mit seinem Geologenhammer zu prüfen und Goldwäscherproben in der Pfanne zu machen. Er ist sehr zufrieden und schätzt den Wert jeder Tonne Quarz, die der andere wahrlich im Schweiße seines Angesichts auf dem Handkarren aus dem Stollen führt, auf 30.bis 40 Dollar Wert. Dann sausen wir wieder auf ,der nächtlich dunklen Straße dahin, aber nicht ohne Fang. Nach auf der Heimfahrt entdeckt das Auge des Forschers Schlange um Schlange. Noch vier Klapperschlangen können wir unserer Beute zufügen und zwei schön gezeichnete Schlangen haben unter Autorädern ihren Tod gefunden. Es ist eine aufregende Fahrt! Gesamtbeute: eine Schildkröte, ungezählte Zebraeidechsen und andere, neun Klapperschlangen und zwei wunderbar gestreifte zierliche Senoraschlangen. Alle, alle zeichneten ihre Spur in den Sand; ihnen folgend fand der Forscher die Tiere. Nach zwei Nächten im Wüstensand nahm uns um fünf Uhr morgens der dritten Nacht wieder unser gutes Bett auf, nachdem wir den Wüstensand der Badewanne überlassen hatten. Ein herrliches Abenteuer, so eine Schlangeujagd in der Wüste, ein herrliches Erleben solche Nächte in der Wüste, in der nachts so lebendigen Wüste.' Präsentant des reinen englischen Typs dürfte etwa Chamberlain sein. Baldwin ist eine Mischung von beiden. Dabei ein blendender Rhetoriker. Manche seiner Reden gelten mls beispielhaft. Und seine Worte im letzten November, daß Englands „Grenzen nicht bei den Kreidefelsen von Tober, sondern am Rhein" lägen, sind heute' schon gleichsam zu„geflügelten" Worten gelvorden. 1926 kam er mit der englischen Sozialdemokratie nicht zurecht. Als aus der sozialen Situation der Generalstreik wurde, der„Industrielle Bürgerkrieg", wie die Briten sagen. Jetzt wird er mit den Sozialdemokraten zurechtkommen müssen, denn er soll, vor der deutschen Militärorduung, die englische Aufrüstung machen. Er braucht die Labour-Party, um das Budget ins Reine bringen zu können, und er lveiß, daß er die Aufrüstung unter den momentanen Umständen wird durchführen können, ohne auf die Opposition dec Labour-Party zu stoßen. Aber er weiß auch, daß er die Lösung des Arbcitslosen-Problems darin viel mehr als bisher und unter DtacDonald in den Vordergrund stellen muß. Wird ihm das Parlament, wird ihm seine eigene Partei da Gefolgschaft leisten? Wird er da mit dem unberechenbaren Fechter Lloyd George zurechtkommen, wenn der, wie man es erwartet, Attacke gegen ihn reiten wird? Hier kommen Entscheidungen, deren Wichtigkeit nicht nur Englands, sondern Europa angehen. Nicht nur das britische Imperium, sondern die Welt. I. St. Seite 10 Prager Zeitung Deutsche Volksschule in Prag II.- 56, Charvatova 5. Einschreibungen am 22. und 24. Juni 1935 von 9 bis 12 Uhr. Das Wafferamt der Hauptstadt Prag teilt mit, daß am 11. Juni d. J. Groß- Prag einen Wasser verbrauch von 139.800 Rubifmetern Wasser hatte. Diese während eines einzigen Tages verbrauchte Wassermenge ist so groß, daß diese beispielsweise den Wenzelsplay, wenn er waagrecht wäre, vom Brückel bis zum Museum bis zu einer Höhe von 3.30 Metern bedecken würde. Das Wasseramt ersucht, um an heißen Tagen einem eventuellen Wassermangel vorzubeugen, die Einwohnerschaft von Groß- Prag eindringlich, in den Haushaltungen und namentlich in den Gärten mit dem Wasser nicht verschwenderisch umzugehen. ,, Sozialdemokrat" Der Film Der Dämon des Himalaja In diesem( deutschsprachigen) Film, der zum Teil bei der Himalaja- Expedition des Dr. Dyhrenfurth. zu einem erheblichen Teil aber wohl in der Schweiz( und in Berlin) gedreht wurde. gibt es zauberhafte Hochgebirgsaufnahmen. Gipfel, Wolfen und Schneeſtürme, Szenerien, die frei sind vom künstlichen Lichte der Scheinwerfer und der gemalten Pracht der Kulissen. Und es gibt seltsame Menschengesichter: Tibetaner beim Tanz und bei theaterhaften Massenizenen. so durch großes technisches Können, wie Musikalität und geistige Sicherheit gekennzeichnet waren. Eowohl der Cellist Albert Jin dra und der Bassist Eduard Fried als auch die Sopranistin Isolde auffe und die Pianistin Elsa Grauer haben alle Aussicht, nach erfolgreichen Lehrjahren nun auch im praktischen Musikberuf Erfolg und Erwerb zu finden. Die zuletzt genannte Pianistin stellte sich auch neuerdings als produktive Musikerin vor; mit einer eigenen Kadenz zum Konzerte Mozarts, der vor allem Stilgefühl und sauberer, klarer Saz nachAber leider hat der Film auch eine Handlung, zurühmen ist, was ja gerade für ein Mozart- Konzert die entweder symbolisch oder mythologisch oder überdas Wesentlichste ist. Die Leitung des diszipliniert haupt nicht zu verstehen ist, eine Handlung von Liebe und spielfreudig musizierenden 3 öglings- und Dämonenfurcht, in der ein sabotierender Kuli Orchester 3 der Akademie hatte der Kapellmeister eine große Rolle spielt, von dem nicht klar wird, ob des Deutschen Theaters und ehemalige Hörer der er ein Untermensch, ein Bolichewik oder ein Verrückter Am ersten Arbeitstag schwer verunglückt. Ein Musikakademie Friedrich Rieger in Händen. ist, und dann ist da noch ein Gelehrter, der vergewöhnliches Pech widerfuhr gestern mittags dem E. J. geblich auf Briefe wartet und deshalb Zwiegespräche Arbeiter Adolf Duda aus Prag II. Am ersten mit dem Dämon der Berge hält. Daß der HimalajaTage, an dem er nach längerer Arbeitslosigkeit beim Forscher Dyhrenfurth sich dazu bergegeben hat, selbst Einreißen eines Hauses in der Soufenicka 9 beschäfin dieser Handlung, die ein Himalaja des Unsinns tigt war, löste sich ein Stück Häusersims und ver ist, eine Rolle zu spielen, ist befremdlich genug, aber Tetzte Duda beim Niederfallen so schwer am Kopf, daß er bewußtlos ins Allgemeine Krankenhaus transportiert werden mußte. Vor dem Autobus ausgewichen ins Auto ge= laufen. Die 27jährige Friseurgattin Božena Tržik aus Holleschowitz wurde gestern, als sie ebendort beim Ueberqueren der Straße einem J- Autobus auswich, vom Personenauto P- 24.064, das der Chauffeur Vaclav Reichl aus Kobylys Tenkte, erfaßt und zu Boden geworfen. Mit einer schweren Gehirnerschüt terung, einer Rigwunde hinter dem Ohr und einem Bruch der rechten Hand wurde sie ins Krankenhaus auf der Bulovka rebracht. Zwei Kanzleiräume voll gestohlener Waren Im Anschluß an die vorgestern erfolgte Verhaftung der Diebsbande Studnička und Co., die verschieden Gegenstände aus verschlossenen Autos stahl, wurden gestern ihre drei Hehler, der 40jährige ehemalige Chauffeur Vaclav Vostry, der 34jährige Anton und der 21jährige Josef Reiha, beide Automonteure und sämtlich aus Prag XII verhaftet. Diese pflegten sich die gestohlenen Sachen stets gleich vom Tatort, wo sie versteckt waren, abzuholen. Die Diebstähle schienen anfangs das normale Maß nicht zu überschreiten, da den Dieben aber bis heute bereits über dreißig Diebstähle nachgewiesen sind, deren beschlagnahmte Beute auf der Polizei zwei Kanzleiräume füllt, dürfte sich der Gesamtwert der entwendeten Gegenstände auf 200.000 Kč belaufen. Die Diebstähle wurden vollführt, indem die Täter mit zu diesem Zwecke vorher versteckten Rohren die Klinken der Autos abbrachen. Die Diebstähle reichen übrigens bis ins Jahr 1931 zurück. Kopf in der Wäschemangel. Gestern vormittags Sanatorium Martinstal 3wickau i. B. Leitender Arzt Dr. A. Gaube. Phyf-diätet. Heilanstalt für alle inneren und Stoffwechselfrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nervenfrankheiten. Pro pefte S und Auskünfte durch die Berwaltung. Telefon 32. 2888 Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag halb 8: Cosi fan tutte.( Im Rahmen der Festspiele neueinstudiert, B 2.) Sonntag 28: Die Nachtiga II, Gianni Schicchi.( D 1.) Montag 8: Der Mu it ergat te,( Gastspiel von Heinz Rühmann und Alera von Poremsti, Abonnement aufgehoben.) Dienstag halb 8: Don Giovanni,( Festspielaufführung, Gastspiel Pinza, A 1.) Mitt woch: geschlossen. Donnerstag 8: Cenodo= yu 3,( Anläßlich des Katholikentages, Abonnement aufgehoben.) Freitag 8: Feierlicher deutscher Eröffnungsabend des Katholikentages", ( Abonnement aufgehoben.) Samstag halb 3: en odor u 3,( Abonn. aufgehoben, abends geschlossen!) Sonntag 8: Cenodorus, ( Abonnement aufgehoben.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag: 8: re mdenverkehr,( volkstüml. Vorstellung). Sonntag 8: Ich hab's ge= ta n,( volkstümliche und Sch I u borstel= I ung der Kleinen Bühne). um 10 Uhr mangelte die 36jährige Anna Tržil im Sport- Spiel- Körperpflege Geschäft ihres Gatten in Bubentsch Wäsche, wobei ihr auf unaufgeklärte Weise der Kopf von der Wäschemangel erfaßt wurde. Sie erlitt tödliche VerSamstag, 22. Juni 1935. Nr. 145 Kreditanstalt der Deutschen r. g. m. b. H., Prag. DAS Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs- Rapital 800 Millionen Kč. Haftungs- Rapital 80 Millionen Kč. 81 Niederlassungen. Deutsche Volkssinggemeinde. Am Dienstag, dem 25. Juni, wird keine Probe mehr abgehalten, da zahlreiche Sangesgenossen bereits ihren Urlaub angetreten haben. Die Proben beginnen im Herbst anfangs September. dak ein ursprünglich wertvoller Schauspieler wie Filme in Prager Lichtspielhäusern Gustav Die BI hier pathetische Monologe im Schneegestöber deklamiert, ist beinahe noch verwun= derlicher. Jedoch was kann heute noch im Bereich des deutschen Films überraschen? - eis FIK Hilde von Stolz und E. Haußmann bis Donnerstag, den 27. Juni. Adria: ,, Abend um 8." A. John Barrymore. Alfa:„ Der Dämon des Himalaja." D. Avion: Ihr Torreador." A. Eddie Cantor. Beranek: Die blonde Venus." A. Marlene Dietrich. Syl Flora: Jennie Gerhardt." A. via Sidney. Julis:„ Moskauer Nächte." F. Annabella, H. Baur. Kinema: Journale, Grotesten, Reportage( ab halb 2 halb 10.) Koruna: ,, Der Stern des Westens." A. ,, Mädchen von Moulin Rouge." A. ,, Mädchen von Moulin Rouge. gestohlene Millionär." Fr. Filmfanatiker." A. Harold Lloyd. ,, Die Liebelei," D. A. " Kotva: " Lucerna: Metro: Der Olympic: Der Praha: Radio: ,, Die blonde Venus." 1 19 f A Tsch. Belvedere: Traufe." A. Beseda: Marlene Dietrich. Staut: Bachstelze." ,, Aus dem Regen in die Wallace Gassenjunge." A. Favorit: ,, Der Fluß." Tsch. g f b G Beerh, J. Cooper. Louvre: Jennie Gerhard." A. Sylvia Syd neh. Rory: Die Abenteuer des Bulldogg Drum mond." A. Valdek: Die verkaufte Stimme." J. Schmidt. D. EMPFEHLENSWERTE HOTELS UND GASTHAUSER: Wir empfehlen das HOTEL SMETANA in Bad Luhačovice in Mähren 2 3019 il 50 Zimmer mit fließendem Wasser. Erstklassiges Restaurant. Tägl. Konzert u. Tanz. Mäßige Preise Lesungen, denen sie auf dem Transport ins Keranten Leichtathletik- Meisterschaft des Prager in dem sozialen Film ,, Morgen beginnt das Leben", Atmungs-, Verdauungsorgane-, Herz-, haus erlag. Pistyan: Unfallfolgen, Versteifungen, 32° R Schlammbassins sofortige Milderung. Ausk.: PistyanDEJ- Kreises Weinberge gegen Strafchnik 57:49 Ein schöner Kampf zweier zweitklassiger Manns Blutergüsse, erfahren in den schaften, welche sich am Donnerstag in Vršovice gegenüberstanden. Die Entscheidung brachten erst die büro, Praha I, Příkopy( Čedok) lebten beiden Diszipline, in denen die Weinberger siegten und dadurch den Gesamtkampf gewannen. Die wichtigsten Ergebnisse: Kunst und Wissen der das Leben eines aus dem Gefängnis Entlassenen schildert. Mitteilungen aus dem Publikum. Schon wenige Tropfen des herrlich erfrischenden Chlorodont- Mundwasser genügen, um Mund und Atem frisch und rein zu halten. 100 Meter: Pešek( St) 12.1 Sef. Kugel: Horat( St) 10.02 Meter. Distus: Horat 31.06 Unangenehme Kopfschmerzen können durch einMeter. Weitsprung: Pešek 5.78 Meter. 800 faches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Meter: Trapet( St) 2: 15.6 Min.- 4X 100 Meter: Alpa- Franzbranntwein gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumatische SchmerHochWeinberge 49.7, Straschnig 51.4 Set. sprung: Mrazek( W) 1.55 Meter. 5000 Meter: 3en und erfrischen bei Ermüdung. Einige Tropfen Nyšlink( W) 19: 17.6 Min. Speer: Pešek 38.69 Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben ein gutes Meter. Mundwasser Dreisprung: Tischler( W) 10.94 Meter. Schivedenstafette: Weinberge 2: 23.7, Straschnitz Von der Deutschen Musikakademie. Der letzte öffentliche Musitabend der Prager Deutschen Musikakademie war als Orchesterkonzert in Szene gesetzt worden und gab den tüchtigsten diesjährigen Absolventen Gelegenheit, ihre künstlerische Reife für den Musikerberuf konzertmäßig zu er= weisen. Das Programm des Konzertabends enthielt 2: 24.2 Min. infolgedessen zwei große instrumentale Konzertiverke. Giuseppe Tortinis D- dur- Konzert für Cello und Orchester und W. A. Mozarts D- dur- NonNeue leichtathletische Weltrekorde. In Tokic zert für Klavier und Orchester( das sogen.„ Krö- erzielte der Japaner Hiroshi Tanaka im Hochsprung nungs"-Ronzert) foivie zivei große Arien aus 2.10 Meter und überbot damit den von dem AmeJ. Haydns großem Oratorium„ Die Schöpfung". rifaner Marty mit 2.06 Meter gehaltenen WeltEs ist ebenso schmeichelhaft für die absolvierenden rekord.- Der Amerikaner Gordon Dunn warf bei jungen Künstler, wie empfehlend für unsere deutsche einem Meeting den Diskus 53.64 Meter und beim Musik- Hochschule, wenn festgestellt werden kann vom Training sogar 54.86 Meter. Allerdings fanden Referenten, daß die gebotenen reproduktiven fünst diese Würfe nicht unter offizieller Kontrolle statt, lerischen Leistungen tatsächlich konzertreif und eben- so daß eine Anerkennung nicht erfolgen kann. Unser Nachbar Es gibt viele Arten von Nachbarn. Solche, die einen mit dem Radio verrückt machen, die unNachbar. Wir liebten ihn wegen all dieser guten Eigenschaften, deren hauptsächlichste darin be stand, das Ausspannungsbedürfnis des Nächsten zu respektieren. Vereinsnachrichten R Kreisturufeft Auffig ATUS PRAG Un= 4 Nerven-, Frauenleiden, Rheuma, Ischias heilt mit bestem Erfolge Bad Luhačovice. Wir leben glücklich ü.zufrieden f O ei g 111 de 31 a 93 ge de unter unserem Eternitdach. G Keine Reparaturen, nur මයව ge keine Unzulänglichkeiten, keine Angs! vor Unwetter Freude am schönen Dach und enthoben je ler Sorge um seine Erhaltung. Unverbindliche Kos'envoranschläge bei jedem Etern vertreter. ETERNIT reg. Schutzmarke OPTIK u. FOTO DEUTSCH Příkopy Koruna P Noch eine Woche trennt uns von unserem Kreisturnfest und alles arbeitet fieberhaft, um gut vorbereitet antreten zu kön nen. Wettkämpfer u. fämpfe= rinnen üben fleißig, die Freiübungen flappen und es heißt nur, verschiedene kleine Mängel auszumerzen. Wir fahren zum Teil schon Freitag abends, die übrigen Und wir waren sehr betrübt, als eines Mor- fommen Samstag nach. Vom Warmbad Kleische entwegt den Wasserhahn laufen lassen, die morgens das Schild an seiner Wohnungstür ver- play, Sonntag früh findet das Vereinswetturgeht Samstag abends ein Fackelzug zum Marktgens schon um 6 Uhr mit Straßenschuhen über schwunden, der liebe gute Nachbar ausgezogen nen statt, um 9 Uhr ist Probe der Freiübungen deinem Kopf herumpoltern, die das Grammophon war. Warum mochte es ihm wohl in unserem im Stadion, mittags 13 Uhr Festzug durch die bis spät nach Mitternacht malträtieren oder dir Haus nicht mehr behagt haben? Die Neugier Stadt, und nachmittags werden dann die allauf allzu geräuschvolle Weise die Intensität ihres brannte. So fragten wir denn den Hausmeister, gemeinen Freiübungen nochmals geturnt. Liebeslebens verraten. Es sind jene, besonders in der es doch sicher wissen mußte. Und er wußte es fere Turnerinnen und Turner beteiligen sich auch Neubauten mit hauchdünnen Wänden und Böden auch. Mit ernster Miene verkündete er, unser fämpfen und je eine 4mal100 Meter Stafette an den Geräte= und leichtathletischen Wettvon Ruhe liebenden Leuten sehr gefürchteten Nachbar sei nun, nicht ganz richtig im Kopf wird gestellt. Alle, welche noch mitfahren wollen, gewesen. Still und unauffällig hätten ihn daher sind herzlichst eingeladen. Wir aber hatten einen Nachbarn nie wer seine Angehörigen vor zwei Tagen in eine AnSonntag, den 23. Juni, treffen den wir ihn vergessen. Friede seinem Andenken! stalt gebracht. Es war eine schmerzliche Eröff- sich alle Atus- Wanderer um 8 1 hr früh Er besaß keine von den eben erwähnten schlim- nung. Zugleich aber regte sie zu philosophischer Endstation 14er in a čerov. Wanmen Eigenschaften. Er war ruhig und rücksichts- Betrachtung an. Wenn man bedenkt, wie uns die derung nach Kunratice. voll, beim Kommen und Gehen schloß er die Tür normalen Nachbarn ärgern: mit ihrem Lärm, Teise, nie flog sie, ebensowenig wie die Zimmer- ihrem Krach, ihrer Rücksichtslosigkeit. Dieser jetür, krachend ins Schloß. Er badete nicht öfter doch, bei dem nicht alles stimmte? Umgekehrt hätte und nicht lauter als es sich für einen zivilisierten es weniger überrascht. Aber vielleicht liegt das an Mitteleuropäer gehört, traf man zufällig beim den heutigen Zeitverhältnissen, daß sich die NorKommen oder Gehen mit ihm zusammen, lüftete malen wie Verrückt und die Verrückten wie Norer höflich den Hut, im Lift ließ er einem stets den male benehmen. Vielleicht gilt auch hier das Wort tägige Tour am 6. und 7. Juli spätestens Freitag, Vortritt mit einem Wort, er war der ideale von der Umwertung aller Werte? Katja Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Die Beitungsfrantatur turde von der Post- und Tele, graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.- Truderei: Orlis". Druds, Verlags- und Zeitungs- A.- G., Prag. Nachbarn. FOURIST DIE Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 23. Juni, Treffpunkt 7 Uhr 15, Smichover Bahnhof. Fahrt nach Rev= nice, Wanderung gegen den Brdywald. Anmeldungen für die zweiden 28. Juni, im Vereinsheim. Drehbänke, Fräsmaschinen, Horizontal- Bohr- und Fräswerke, Radialbohrmaschinen, Shaping- und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsdorf, CSR. g d 1999 b f 5 fr t 2949 Inserate werden laut