1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung Prag xn., fochova«r. Telefon 5X77. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•iMchliafilich 5 Kellar Porto) 15. Jahrgang Sonntag, 23. Juni 1935 Nr. 146 Neue Aussprache Laval-Eden Nach der Rückkehr aus Rom Paris. Die französisch-englischen Besprechungen fanden Samstag nm 15 Uhr 15 ihren Abschluß. Unmittelbar darauf empfing Laval am Quai d'Orsay die Presse und gab ihr folgende Erklärung ab: „Ich habe mit Eden alle zweckdienlichen Erklärungen mit bezug auf das deutsch-englische Flottenabkonimen ausgetauscht. Sodann haben wir die durch die gegenwärtige internationale Lage zur Diskussion gestellten europäischen Fragen erörtert und unter Bezugnahme ans das Londoner Kommunique vom 3. Feber die? o r m d r r künftigenZusammenarveit der beiden Regierungen untersucht. Es erschien uns notwendig, praktische Blittel z« finden, um alle Fragen, die wir in London angeschnitten hatten, und die nicht nur unsere beiden Länder, sondern auch andere europäische Mächte angehen, zu regeln. Eden hat seiner Regierung von unserer AuSsprache Mitteilung gemacht. Ich werde mit ihm nach seiner Rückkehr von Rom eine neue Aussprache haben. Eden und ich sind in der Erkenntnis einig, daß Frankreich und England ihrer gemeinsamen Aufgabe treu bleiben müssen, i« engster Weise für die Organisation des europäischen Friedens durch Berstärkng der kollektive« Sicherheit zusammenzuarbeiten. Rach HavaS-Jnformationen aus guten Quellen ist auch nach den französisch-britischen Aussprachen an die Entsendung französischer Marinesachverständiger nach London nicht zu denke«. Japan besetzt den Flugplatz von Tientsin Peiping. In Tientsin erschienen auf dem der »China-American-Air-Compauy" gehörenden Flugplatz Vertreter des japanischen Oberkomman- dos und erklärten, daß infolge der politischen Ereignisse in China das Oberkommando gezwungen sei, der Gesellschaft das Recht zur Benutzung des Flugplatzes zu entziehen, der nur noch den Bedürfnissen der japanischen Militärluftfahrt zu dienen habe. Japanisches Militär besetzte hierauf sofort den Flugplatz, besonders die Funkräume, und unterbrach die Verbindung mit Shanghai und Nanking.. Zwei Stunden nach der Besetzung landeten sechs japanische Bombenflugzeuge, die auf dem Flugplatz stationiert sein werden.-Die japanische Kriegsflagge wurde auf dem Flugplatz gehißt. Der amerikanische Konsul in Tientsin hat gegen die Besetzung des Flugplatzes, der einer Gesellschaft gehört, an der auch amerikanisches Kapital beteiligt ist, bei den japanischen Behörden Einspruch erhoben. Schiedsgericht über die Entführung Dakobs gebildet Paris.„Matin" meldet aus Straßburg: Der Fall Berthold I a c o b ist nun in eine neue Phase getrete- Das Schiedsgericht, dem die Entscheidung»ocr den Fall Jacob auf Antrag der Schweizer Regierung- und mit Zustimmung der Reichsregierung übertragen werden soll, ist bereits gebildet, es wird jedoch nicht so- fexi zusammentreten. Drei Regimenter nach Bozen Innsbruck. Wie die Blätter erfahren, werden die italienischen Besatzungen im ehemaligen Südtirol beträchtlich verstärkt werden. Nach Bozen werden drei Regimenter dirigiert werden. Freitag traf aus Cremona das 50. Infanterie-Regiment in Bozen ein. Am 25. wird aus Brescia das 7. Versaglieri-Regiment eintreffen. Für den 1. Juli ist das 6. Artillerieregiment avisiert. Abschluß der politischen Debatte Durch einstimmige Annahme der politischen Resolution billigt der Parteitag die Politik der Partei Brünn. Der Samstag-Vormittag brachte den Abschluß der politischen Debatte des Parteitages. Als letzter Redner sprach Genosse I a k s ch. Am Nachmittag hielt Genoffe Dr. C z e ch, von starkem Beifall begrüßt, das Schlußwort. Dann erfolgte die Abstimmung über die vorgelegte politische Resolution: Sie wurde einstimmig angenommen. Diese einmütige Annahme der politischen Resolution bedeutet also die Zustimmung des gesamten Parteitages zur Polttik der Partei. Samstag kurz nach 8 Uhr früh wurden die Verhandlungen des Parteitages in Brünn wieder ausgenommen und die Aussprache fortgesetzt. Als erster Debqttenredner konstatiert Weigel-Loosdorf daß wir organisatorisch nach den Wahlen nichts eingebüßt haben. Wenn wir jedoch die Entwicklung seit 1920 verfolgen, müssen wir zugestehen, daß wir uns politisch zu stark angestrengt haben und auf wirtschaftlichem Gebiete nicht das herausholen konnten, was notwendig war. Wir wissen, daß wir mit Hilfe der Parlamentspolitik die Wirtschaft nicht so beeinflussen können, wie es wünschenswert wäre, wir wissen aber auch, daß wir in die Wirtschaft nicht eindringen können. Wir müssen versuchen, neue Wege zu finden. Es ist richtig, was Genosse Czech gestern sagte, daß wir den Massen den wissenschaftlichen Sozialismus näher bringen müssen^ Wir müssen uns den geänderten Verhältnissen anpassen und versuchen, der geschloffenen Front der Kapitalisten in den Randgebieten die Front der sozialistischen Massen gegenüberstellen zu können. Die Isolierung der Funktionäre und der Mitgliedschaft führt dazu, daß eine engere Bindung fehlt. Mit allen Mitteln hat der Gegner uns bekämpft und beschmutzt, auch wir dürfen in der Wahl der Mittel nicht allzu wählerisch sein und müffen versuchen, aus der Defensivstellung herauszukommen. Die Arbeiterklasse allein wird das Werk der Befreiung nicht vollbringen. Wir müssen größere Volksteile zusammenschließen ustd vor allem versuchen, die Bauern zu gewinnen. Der Sozialismus muß eine Massenbewegung werden.(Beifall). Adolf Schmidt-Prag: Während wir hier reden, geht die Entwicklung ihren eigenen Gang. Wir gehen oft ein Stück hinterher. Die Frage drängt sich auf, ob der Sozialismus nicht viele Gelegenheiten in den Jahren nach dem Kriege versäumte. Er hat die Situation zur Eroberung der politischen Macht nicht entsprechend ausgenützt. Die herrschende Klaffe hat ihre Machtpositionen gefestigt, sie hat gerade die Wirtschaftskrise dazu benützt. Es ist hier ausgesprochen worden, daß wir wohl eine Niederlage erlitten haben, daß aber sonst nichts geschehen ist. Von anderer Seite wurde gesagt, daß eben Hitler schuld sei. Mehr Selbst- kritik ist nottvendig. Wir müssen erforschen, inwieweit wir selbst die Einbruchstellen gegen den Fascis- mus nicht genügend geschützt haben. Wir haben die aus der Krise geborene Stimmung nicht für uns gegen die Bourgeoisie ausgenützt, wir haben das kapitalistische System stützen müffen und darin liegt der große Widerspruch, der sich vor den Arbeitern auftut, die sich sagen, daß sie aufgerufen wurden zum Kampfe gegen den Kapitalismus und jetzt mittun müssen zur Stützung der bürgerlichen Demokratie. Dieser Widerspruch bringt die Gemüter in Verwirrung. Es herrscht nicht genügend Klarheit über unser Ziel.—• Vielfach von Widerspruch unterbrochen, sagte der Redner, daß wir die Stimmung nicht erkmmt haben, die draußen herrschte. Der Henleinbewegung konnte unser.Apparat nicht standhalten. In der Koalition hätte auch von tschechischer Seite eine andere Politik getrieben werden müffen. Dar Getreidemonopol hat uns auf dem Lande tausende Stimmen gekostet^ Der große Zustrom zur Henleinbewegung begann erst, als Klarheit darüber bestand, daß die Henleinfront nicht aufgelöst wird. Es sind eine Reihe politischer Fehler geschehen, die mit zur Niederlage beigetragen haben und wir werden in Zukunft unser Schicksal nicht meistern, wenn wir nicht trachten, solche Fehler zu vermeiden, wenn wir nicht eine Aktivierung der Bewegung herbeifüh- ren und nicht eine personelle Erneuerung unseres Apparates vornehmen.(Beifall und Widerspruch). Robert Wiener-Prag: Die erschütterndste Erscheinung des Wahlkampfes war der Aufmarsch von Arbeitern. unter Führung ihrer Betriebsleiter gegen die klaffen- bewußte Arbeiterschaft. Es kam darin die historische Funktion des Nationalsozialismus zum Ausdruck, Vor wenigen Jahren hat Gregor Straßer von der antikapitalistischen Sehnsucht des ganzen Volkes gesprochen und was ist seither aus dieser antikapitalistischen Sehnsucht geworden?Wir haben die Aufgabe, in diesen Menschen, in denen der primitive Klaffeninstinkt erstickt wurde, die ewige Sehnsucht der Unterdrückten wieder zu erlvecken und wenn wir uns der zahlreichen Beispiele von Heroismus und Gesinnungstreue erinnern, die das Gegenstück zu diesem moralischen Verfall bildeten, so werden wir sagen können, daß die Aufgabe zwar schwer ist, aber daß sie geleistet werden kann. Wir brauchen dazu neben dem Kmnpf um Arbeit und Brot, neben dem Kampf gegen den Betriebsterror sicherlich auch ideologische Arbeit. Aber wir werden Menschen, die das Einmaleins des Marxismus nicht kennen, nicht mit höherer Mathematik kommen dürfen, sondern wir müffen uns auf das alte, aber keineswegs veraltete Gedankengut zurückbesinnen, das in seinen Grundlagen unerschüttert geblieben ist, und das uns auch die neuen Erscheinungen, mit denen wir uns gewiß geistig auSe inanderseben müssen, verstehen, lehrt. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der tschechischen Linken ist vorhanden. Sie kam im Referat zum Ausdruck, sie ist in der Resolution ausgesprochen. Wenn die Verwirklichung der Zusammenarbeit nicht rasch genug vonstatten geht, so ist daraus unserer Partei kein Borwurf zu machen. Die Kommunisten sind zu einer aktiven Unterstützung unserer Politik noch nicht reif. Sie wünfchen insgeheim unser Verbleiben in der Koalition, aber in ihrer öffentlichen Propaganda nützen sie es demagogisch gegen uns aus.(Beifall). Ich verkenne den Fortschritt in der Rede des Abg. Sverma nicht, aber so weit, daß wir von Bruderpartei sprechen könnten, sind wir— leider— nicht. Wir stehen vor unerhörten sachlichen Schwierigkeiten. Man ruft uns zur Offensive auf und das wirtschaftliche Leben stellt uns immer wieder vor neue Notwendigkeiten der Abwehr. Wir sollen den scheinbaren Antikapitalismus der Agrarier be- kämofen und gleichzeitig die Agrarier für unser Wirtschaftsprogramm gelvinnen. Wir sollen das Steuer nach links werfen und gleichzeitig unbedingt in der Koalition verbleiben.(Zustimmung.) Diese Widersprüche sind das Ergebnis der tatsächlichen Widersprüche in der Niedergangsperiode des Kapitalismus. Wir dürfen darin nicht einen Mangel unserer Auffassung sehen, wir müffen im Gegenteil im Niedergang des Kapitalismus die Bestätigung unserer Auffassung feststellen. Wir müffen nicht in der verstümmelten Form der Planwirtschaft, wie sie die gegewvärtigen Machtverhältniffe unausweichlich machen, die Ueberlegenheit der Planwirtschaft über die kapitalistische Konkurrenzwirtschaft konstatieren. Wir müffen selbst noch in dieser Entwicklung, die zunächst für uns ungünstg ist. die Keime der sozialistischen Umwälzung mifzeigen. Nur wenn wir uns selbst erfüllen mit dem unerschütterlichen Glauben an die Sieghaftigkeit der sozialistischen Idee, sind wir befähigt. Apostel dieses Glaubens zu sein.(Lebhafter Beifall.) Janda-Bodenbach: Man soll sich nicht so viel mit den Gegnern beschäftigen, sondern auch mit uns. Warnende Stim- ■ men hat es genug gegeben. Ich muß daran, Kritik üben, wenn oft Funktionäre, die eine abweichende Idee äußern, zurückgewiesen werden. Es, sind vielfach Genossen in einer ungeeigneten Weise behandelt worden. Wenn Genoffe Dr. Wiener gesagt hat, viele Genossen hätten in der Debaüe nichts Neues gesagt, so ist zu bemerken, daß man den Ruf, der mehrmals ertönte, eben nicht gehört hat. Ein großer Teil der europäischen Menschheit lebt unter der Knute des FasciSmuS, überall türmt sich die Kriegsgefahr auf und wir müssen daher den Boden ideologisch vorbereitrn, damit wir kein zweites 1918 erleben. Dr. Mühlberger-Trautenau der z i chtet auf das Wort und ersucht die anderen Redner, seinem Beispiel zufolgeip Wenzel Jaksch-Prag: Wir marschieren nicht auf breiter Heeresstraße Wir ziehen über einen schmalen und steilen Pfad, der mitten hindurch führt durch unübersichtliches Katä» strophcngelände. Was diesen Parteitag eint, ist die Grundüberzeugung, daß zwei Axiome unserer Politik unverriickbar sind: das Bündnis mit der tschechischen Bruderpartei und unsere positive Einstellung zum Staate. Was die Gesamtheit unserer politischen Haltung anlangt, meine ich, daß wir die gleich« Politik hätten machen müffen, auch wenn wir im voraus gewußt hätten, daß sie uns zehn Mandate kosten wird.(Rufe: Sehr richtig!) Wir müffen uns also dessen bewußt sein, wie eng die Grenzen unseres taktischen Handelns gezogen sind. Dennoch aber darf kein fatalistischer Glaube über die Zwangsläu- figkeit unseres Schicksals in unseren Reihen plptz- greifen. Eine Partei kann nur leben und werben, wenn sie sich selber als Subjekt der Politik fühlt und als solches deklariert. Was die g-istige Seite der Aufgabe anlangt, so möchte ich diese in einem Satze züsammenfaffen' Wir brauchen eine Erneuerung des sozialistischen Weltbildes.(Zustimmung.) Wir zehren noch immer von dem geistigen Erbe eines Kautskh, eines Viktor Adler, eines Renner, eines Seliger. Wir dürfen dieses Erbe nickt aufbrauchen, ohne neue Reichtümer sozialistischen Geistes aufgeftapelt zu haben.(Lebhafter Beifall.). Damit sag« ich nichts gegen die ruhmvolle Tradition der Bewegung, ja, ich bin der tiefen Neberzeugung, daß die Treue der Alten die stärkste Wurzel war, welche den Bmim der Partei in den vergangenen Stürmen aufrechtgehalten hat.(Beifall.) Wir müssen dir Tradition bewahren, aber wir müffen den Konservatismus in unseren Reihen überwinden. (Lebhafter Beifall.) Für die Niederlagen der mitteleuropäischen Ar- beiterhewegung in den letzten Fahren gibt es manche Erklärung, vor allem auch eine ökonomische Theorie, die mit weitgehender Berechtigung sagt, daß sich in den politischen Katastrophen das Absinken der ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung und der Zahl des Industrie-Proletariats spiegelt. Mit dieser Theorie allein kommen wir nicht aus, denn sie steht im Widerspruch mit der Entwicklung in Skandinavien, in der Schweiz und in England. Es klafft eine Lücke in unserer Theorie und das ist die Anwendung des sozialistischen Wissens auf die Psychologie der Völker. Wir alle zusammen wissen heute zu wenig, was in der Seele des deutschen Volkes vorgeht. Ist das, was wir erleben, eine Symbiose des Kapitalismus mit den Resten des Feudalismus? Ist das die Wiederauferstehung des feudalen Untertanmenschen? Stehen wir einer neuen Welle der alldeutschen Romantik gegenüber, die genährt ist von dem Streben nach wirtschaftlichen Großräumen? Wir alle zusammen haben noch zu wenig Distanz, um über diese Fragen heute ein endgültiges Urteil abgeben zu können, aber hier sehe ich die Aufgabe der Partei, dem geistigen Ringen, das sich in jedem von uns ab spielt. Form und Richtung zu geben. Es ist bezeichnend, daß überall, nicht nur bei uns, die Programmfrage in Verbindung mit dem Gcnerationsproblem gestellt ist, und da liegt das Generationsproblem wohl anders, als es Genosst Nießner in seinen Ausführungen skizziert hat. Seien wir uns dessen bewußt, daß wir es heute mit Menschen zu tun haben, die in zwei grundverschiedenen Welten großgewordrn sind.(Beifall.) Die Jugend der Nachkriegszeit sucht nicht mehr nach Teillösungen, sie sucht nach dem Ausweg aus dem ChaoS, Das ist für uns ein Fingerzeit, daß die neue sozialistische Gesinnung, die wir brauchen, geschöpft werden muß aus dem Nachkriegs- und aus dem Krisenerlebnis der arbeitenden Menschen- Die Einsetzung eines Expertenkomitees_ift zu begrüßen, aber ich warne davor, daran besondere Hoftnungen zu setzen. Wir brauchen eine sozialistische Planstelle der Partei, der Gewerkschaften und Genoffenschaften(Beifall). Wir brauchen die Aktionseinheit der ganzen Arbeiterbewegung, auch in geistigen und pro- grammasischen Dingen. Was die Arbeitslos enfrage aickelangt. brauchen wir vor allem eine Ueberbrückung des schweren. Notstandes, den wir für den kommenden Winter zu erwarten haben. Es ist das Verdienst der Partei, daß in der Regierungserklärung MalypetrS diesbezüglich eine Zusage enthalten ist. Nun gilt eS darüber zu wachen, daß dieser Verheißung auch.die Taten folgen.(Zustimmung.) Aber sonst hüten wir uns vor der. Täuschung, daß Seite 2 Sonntag, 23. Juni 1835 Nr. 146 eine deutsche Sozialdemokratie mit 11 Mandaten meür an Arbertsloseafürsorge erringen kann, als eine deutsche Sozialdemokratie mit 21 Mandaten.. Wir können unr die Richtung abstecken, nur die Wege weisen; erkämpfen müssen die Arbeiter und Arbeitslosen ibr Stück Brot selber. Wir müssen aus europäischen Gesichtspunkten auf die Verhältnisse in unserem Staate blicken. Was immer wir fordern soll nicht Vorbeigehen an dem Tatbestand«, daß unter den fünf Nachbaren dieser Staates vier Diktaturen sind und daß wir uns in einer belagerten Festung der Demokratie befinden, sZustimmung.) Tas Gesetz der Selbsterhaltung gebietet, da ft sich der Sozialismus in der Tschechoslowakei nicht isolieren läßt von der Bauernschaft und vom Mittelstand. Es wird eines Tages auch das Verhältnis zu den Kommunisten anders aussehen, aber wir müssen realpolitisch sagen: Bisher haben sich trotz alledem die tschechischen Agrarier als ver- läßlichere Stützen der Demokratie erwiesen als unsere Kommunisten.(Zustimmung.) Wir müssen in diesem Augenblick einen so stahlharten Widerstand offenbaren, damit an unserer .Härte die Anderen zerbrechen. Das ist die Aufgabe, die uns die Geschichte gestellt hat und da geht es nicht mehr um die Rückgewinnung von 200.000 Stimmen und um die Wiedereinholung von 10 Mandaten. bei unserer Auseinandersetzung mit dem Hen- lrinfasciSmuS geht r? ums Ganze, geht es um die Führung des fudetendeutschen Volkes. Es geht darum unsere Qualität gegen die Quantität des Gegners einzusetzen. Denn diese 800.000 Menschen, die nns am 10. Mai gewählt haben, verkörpern einen Qualitätswert, der die fünfviertel Millionen Hen- leinwähler zehnmal aufwiegt.(Stürmischer Beifall.) Die deutsche Krage in der Tschechoslowakei ist neu! gestellt. Es müssen neue Formen erarbeitet werden. I Der Parteitag setzte seine Verhandlungen gegen halb 3 Uhr nachmittag sott. Gcnoff: de Witte als Vorsitzender erteilte das Wort dem Genoffen Taub, der als Berichterstatter der Antragskommifflon dem Patteitag einige geringfügige Aen» derungen mitteilte, die die vom Vorstand beantragte politische Entschließung er- fahren hat. Dann erteilte Genosse de Witte dem Parteivorsitzenden und Parieitagsreferenten Gen. Dr. Czech das Schlußwort zur politischen Debatte. Dr. Czech, mit besonders freudigem und starkem Beifall begrüßt, setzte sich in einer na* 311 zweistündigen, vom Parteitag mit größter Aufmerksamkeit angehörten Rede mit den Debatterednern auseinander und führte im wesentlichen auS: Die Debatte hat vor allem folgendes gezeigt: Wir sind»ns ausnahmslos einig über unsere Siel- lung zum Staate, über die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit mit den tschechischen Genossen nicht nur fortzuführen, sondern nach Möglichkeit noch zu vertiefen. Wir sind weiter eines Sinnes darüber, daß diese Zusammenarbeit auch aus andere demokratische Kräfte des Staates auszudehnen ist. Aus der Einmütigkeit des Parteitages in diesen Fragen können wir feststellrn, daß unsere Gefamtbewegung in dieser Hinsicht von dcr glci- chcn Auffassung erfüllt ist. Ein solches einmütiges Votum der Gesamtpartei ist natürlich für«nS, die wir bisher für dir Führung der Bewegung verantwortlich waren, von größter Bedeutung. Genosse Dr. Czech beschäftigte sich sodann mit in denen die drei Millionen Deutschen in der Tsche- choslowakei wirtschaftlich, kulturell und politisch weitcrleben können. DaS ist nicht mehr eine Frage der Partei allein, das ist die Schicksalsfrage der Republik(Beifall) und an ihrer Lösung wollen wir gemeinsam mit den tschechischen Sozialisten und Republikanern arbeiten. Wer die Debatte des Parteitages verfolgt hat, der hat die Ucberzeugung gewonnen: Hier ringt die Sorge um die Partei, hier ringt die Liebe zur Partei nach Ausdruck.(Beifall.) Es ist die Aufgabe gestellt, angesichts aller Eventualitäten, vor denen wir stehen, die Partei in einen Zustand höchster Kriegsbereitschaft zu versetzen, in einen Zustand der Bereitschaft, in dem sie ihre historische Funktion als letztes Armeekorps deS deutschen Sozialismus in Mitteleuropa erfüllen kann.(Stürmischer langanhaltender Beifall.) Antrag auf Schluß der Debatte einstimmig angenommen Nach der Rede des Genossen Falsch beantragt der nächste zu Wort kommende Redner, Gen. P u l s- Bodenbach, Schluß der Debatte. Der Vorsitzende Gen. de Witte stellt daraufhin, bevor er über diesen Antrag abstimmen läßt. fest, daß noch 20 Redner zu diesem Punkt der Tagesordnung zu Wort gemeldet sind. Aber schon beim Vorlesen der Namen der noch gemeldeten Redner läßt sich nun der größt« Teil von ihnen ans der Liste st r e i ch e n und bei der Abstimmung wird sodann der Antrag Puls auf Schluß der Debatte einstimmig angenommen. Ter Parteitag wird darauf— es ist’Zll Uhr — bis 2 llhr nachmittags unterbrochen, weil vor allem die Entscheidungen der inzwischen tagenden Antragskommission abgewartet werden müssen. defensiven Einstellung zu einer offensiven forderten. Genosse Dr. Czech sagte dazu u. a.: Wir leben in einer Zeit der internationalen Weltrcaktion, in der sich die gesamte Arbeiterbewegung, mit AuSncchme etwa der skandinavischen Länder, im Zustande der Defensive befindet. Wir hwben keine Möglichkeit, diesen Zustand durch unsere freie Entscheidung oder vielleicht durch den Beschluß des Parteitages zu ändern. Aber das heißt natürlich nicht, daß wir vielleicht fatalistisch zusehen und abivarten sollen, bis die Dinge sich ändern werden. Und ich kenne. Genossen, kein« zweite Arbeiterbewegung in Europa, die von einem solchen Offensivgei st erfüllt ist, wie die unsere. Nicht nur w i r können sagen, daß wir gegen die Reaktion, gegen den FasciSmus, gegen die Hen- leinbewegung geradezu Bravouröses an offensiver Arbeit geleistet haben, sondern darüber gibt es weit über die Kreise unserer Bewegung hinaus nur eine einzige Meinung in der politischen Oeffentlichkrit. (Lebhafter Beifall.) In der Frage der Aktivierung der Bewegung gibt eS zwischen uns allen nicht den geringsten Unterschied, wir sind da eines Sinnes. Innerhalb des ParteivomanocS hat e? in bezug auf das Tempo und die Ausmaße der Aktiviiät der Bewegung keinerlei wie inmier geartete Meinungsverschiedenheiten gegeben. Wenn Genossen der Meinung sind, daß m e hr zu geschehen hat. dann werden wir alle froh sein, wenn uns das gelingt. Dazu braucht es keiner Beschlüsse. Was den 4. November anlangt, so ist er der Initiative des ParieivorstandeS entsprun- gen und was auf. Grund der grandiosen Ergebnisse weiter zu tun möglich war, ist seitens deS Partei- vorstandes geschehen. Dierzigftnndenwoche, in der wir initiativ vorgingen, auf gewisse, sehr heftige Widerstände— nicht gerade beim sozialistischen Teil— die es verhinderten, den Kampf um die Vierzigstundenwoche zu einer elementaren Bewegung zu gestalten. Wir deutschen Sozialdemokraten waren in dieser Frage ein treibender Faktor. WaS die Frage des Doppelver- dienertums anlangt, so hatten wir unsere Vorlage schon fertig und sind mit dieser Frage selbst an die Parteiinstanzen herangetrrten. Wenn es da nicht zu einer definitiven Stellungnahme gekommen ist, so waren dafür außerhalb der Parteiführung liegende Gründe maßgebend. Dasselbe gilt von der Frage der Verstaatlichung dec Bergwerke. Unsere Gewerkschaften bekennen sich offen dazu, daß sie in dieser Frage nicht völlig unserer Meinung sind. Genosse Dr. Czech beschäftigte sich dann im besonderen mit den Ausführungen des Genossen Jaksch und mit der notwendigen Stellung der Partei zu den verschiedenen Problemen der. Sozialpolitik. Er verwies bei dieser Gelegenheit auf die großen Errungenschaften des Gesetzes über die Grube n- inspektoren und des Gesetzes über die Berufskrankheiten, beides Vorlagen, die unter der Mitwirkung und wieder unter der Initiative der deutschen sozialdemokratischen Partei zu- standegekommen sind. Wir haben, Genossen, in einer Zeit— es war dies im Lahre 1934— sozialpolitische Gesetze gemacht, wo in der ganze«. Welt überhaupt niemand an eine sozialpolitische Gesetzgebung gedacht hatl(Starker Beifall.) Was die Arbeitslosenfürsorge ankangt, so ist für uns klar, daß wir nicht bei dem Zustand von heute stehen bleiben können. Ich erkläre offen, daß in den Beratungen darüber, was man im Parlament als erstes Wort zur Arbeirslosenfürsorge zu"sagen haben wird, selbstverständlich die Forderung nach einer M a ß n ahme zugunsten der Krisengebiete mit größtem Nachdruck erhoben wurde. Aber wir müssen doch auch betonen, daß wir alles, was wir nach dieser Richtung verlangen, nicht werden durchsetzen können. Der rorlsllstlsche block WaS de« sozialistische« Block betrifft, so wollen wir ihn«ar so: tschechisch« Sozialdemo- kmten, tschechische Nationalsozialisten und unsere Partei. Tie Dinge liegen hier«icht so einfach und bei einem Teile dieser Gruppen— nicht bei den sozialdemokratischen— ist mit gewisse« Schwierigkeiten zu rechnen. Wir denke» aber n i ch t an dir Einbeziehung der Kommunisten, weil dann die Realisierung unmöglich wäre und weil dies zur Sprengung der Koalitionsarbeit führen müßte. Bor allem entscheidet darüber da- Verhältnis z« unseren tschechischen Genosse«, deren Meinung vollkommen geklärt ist: daß nämlich in der heutige» Situation bei der geistige« Einstellung der kommunistischen Partei eine Zusammenarbeit mit ihr»icht möglich ist. Was schließlich den demokratische« Block on- lnngt, wolle« wir alles tun, um ihn zu verwirk- . lick«», r.-v•- 4 Wiederum auf die Amtsführungen des Genossen Jaksch replizierend, daß wir unS nämlich von einer gewissen konservativen Einstellung befreien müßten, stellte Genosse Dr. Czech fest, daß wir unsere Taktik den Notwendigketen der Zeit mrd den LebenSbedingungen der Partei angepaßt haben. Wir haben auch nie die Auffassung vertreten, daß das Wahlergebnis allein entscheidend sein könne. Der Jugendproblem Nun zu dem sogenannten Jugendproblem: Ich gehöre zu denjenigen Genosse«, welche ihre ganze Hoffnung hinsichtlich der Zukunft auf die, Jugend setzen.(Lebhafter Beifall.). Genosse Dr! Czech forderte den Parteitag auf, sich doch die Zu-| sammensehung unserer Bezirkssekretariate und unserer KreiSsekretäriate, der Redaktion des Zentral« organS und der Redaktionen unserer anderen Blätter anzusehen, die alle klar zeigen, daß fast überall an diesen Stellen junge, durchaus junge Menschen sitzen. Genosse JÄssch hat hier unter Zustimmung des Parteitages— und ich schließe mich der Zustim» mung an— gesagt, daß es die Jugend ist, die den Ausweg aus dem ChaoS sucht, und nicht die ältere» und ältesten Genossen.(Starker Beifall.) In«» und alt zermartern wir nnS doch alle unser Gehirn, um eine« Weg zu fini V. Aber so dankbar wir für jeden Weg sind, den»nS die Jungen zeigen werden, so wenig möchte ich bei den Alte« daS Gefühl der N et e r z ö h l i,g-e i t er- weckt wissen.(Sehr gut!) Di« Jugend neigt dazu, den Gegensatz zwischen sich; nd den älteren Menschen zu überschätzen. Wir erhoffen unS alles von der Jugrud, aber vorläufig brauche« wir d i e Zusammenarbeit von Junten und Alte«, um de« Weg«ns dem Elend zu finden! Parteiprogramm Genosse Dr. Czech wandte sich nun der Frage des Parteiprogramms zu und unrerstrich, daß es durchaus nützlich wäre, wenn wir bald zur Schaffung eines endgültigen.Programms gelange» könnten. Durch die geradezu einzigartigen Schwierigkeiten in diesem Lande mit seiner besonderen Bevölkerung, mit seiner Konstruktion der politische", Einstellung und der Geburt dieses Landes aus einer Revolution, sind wir noch nicht da z u g ek0m» m« n, in dieser Zeit unglaublichster Gärung und tag. lich wechselnder Ereignisse und großer Geschehnisse unS ein Programm zu geben. Wir können abe: sagen, daß wir bis zum heutigen Tage auch n i ch> den geringsten programmatische« Diätfehler begangen- haben.(ZustimmungS- rufe.) Abgesehen davon, daß wir noch immer das alte Programm haben, daS wir immer den taktischer, und strategischen Lebensnotwendigkeiten angepaßl haben, bat unS auch der Tepkitzer Programmbeschluß von 1010 bisher über alle Schwierigkeiten hinweggeholfen. Aber ich betone nochmals/ daß wir zu einem Programm gelangen müssen und daß ch gar nichts dagegen einiuwenden hätte, es sofort aufzustellen, sofern wir unsere Kräit« dafür fr* machen können, um mit den Vorarbeiten und Stu» I dien zu einer solchen Arbeit zu beginnen. Genosse Dr. Czech begrüßt« ferner die in der Debatte gefallenen Anregungen zur Vorbereitung eines Aktionsprogrammes, zur Aufstellung eines Wirtschaftsprogrammes und di» Schaffung eines Erpertenkomitees. Auch einer Wirtschafkstagung gemeinsam mit den Gewerkschaften und Genossenschaften stimmte Genosse .Dr.' Czech durchaus zu. WaS'ftir den nächsten Augenblick zu geschehe« hat, das wird das ,Ergebnis der Beratungen der Antraasprüfungskommission zeigen. ES ist nach allen Richtungen bist auch wirtschaftspolitisch all»? Erdenkliche vorgesehen und wir werden in allernächster Zeit verwirklichen, war dir Genossen von unS gefordert haben. Dieser Parteitag erscheint mir glS ein Parteitag der Klärung, von dem ich wünstbe, daß sie eine dauernd«'Wirkung haben möge. Piekt Genosseg haben ikm als einen histdrilchen Parteitags alS einen Parteitag der Aktivierung und Revolutionierung unserer gesamten organisatorischen Kräfte angesprochen und Genoss« Schwarz hatte ge- wünscht, daß er ein Parteitag sein möge, der W n n- d e r wirken soll, um besondere Antriebe für die Bewegung zu schaffen. Ich selber erhoffe mir, daß von diesem Par» teitaq der Geist der. Einigkeit und Geschlossenheit, der vollen Zlelklarheit «nserer Bewegung anSgrhon möge. Nur so können wir die Voraussetzungen schaffen für den Wiederaufstieg der fudetendeutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft! Genosse Dr. Czech erinnert schließlich an den Brünner Parteitag von 1800, bei dem eS sich um jenen Debatterednern, die eine Aktivierung der, Verstaatlichung der Bergwerke in vollster rein parteimäßigen Arbeit und eine Aenderung der I leit. Leider stießen wir in der Frage der Mie dem Genossen K r e j k i befinden wir unS auch in der Frage der Vierzigstundenwoche, der Ar- beitsvermittlüng, deS Toppelverdiencrtums und der Verstaatlichung der Bergwerke in vollster Einmürig- Das Schlußwort des Gen. Dr. Czech 52 Roman von Emil Virhrk, rgfe'Hühnerstejsej Deutsch von Anna Aurednltek Die Seele des Cherubs war bon jubelndem Glück erfüllt. Dessenungeachtet schob er in einem unbewachten Augenblick einen Gegenstand in deS Meisters Tasche und dachte:„Er könnte wieder Angst kriegen. Wenn er das findet, ist alle Angst vorbei." „Jetzt wollen wir's mit einem guten Trunk begießen", erklärte Deinsteller, und nach einer halben Stunde saß er im Wirtshaus„Zur alten Hundshütte". Es war eine kleine Kaschemme in der Nähe des ausgelassenen Friedhofes an der Grenze von ZiZkov und der Weinberge, wo Dirnen, Diebe und verfehlte Existenzen zusammenkamen. Der verführerische Name war nur ein Pseudonym für die Eingeweihten und kritisierte die geistigen und körperlichen Merkmale der Besitzerin, Frau Pavlik. Für das uneingeweihte Publikum galt der Name Groß-Popowitzer Bierhaus von Franz Pavliks Witwe. Auf dem Gehsteig vor dem Wirtshaus spazierten ausrangierte Dirnen— Bcinstellers Freundinnen. In der Wirtsstube zechten ihre Beschützer und Diebe— seine Freundei Unter ihnen der verkrachte Dichter und Bohemien Gustav Ma« schoha, der hier sein Talent und seine bürgerliche Zukunft vertrank. In endlosen improvisierten Strophen besang er die Heldentaten Ferdl Bein« stellerS und aller andern Größen. In letzter Zeit hatte er sich der schwersten Prüfung seiner Laufbahn unterzogen. Er machte Franziska, der verwitweten Frau Pavlik, den Hof, um bei ihr ein sattes, wenn auch nicht ehrenvolles, aber ruhiges Alter zu finden. Die ganze Gesellschaft hieß Beinsteller mit Jubel willkommen. Er aber setzte sich an den Tisch, ohne sich um die andern zu bekümmern, und trank. An diesem Abend führte der Zufall zwei Rottmeister vor dieses obskure Gasthaus, die von einem Spaziergang kamen. Sie befanden sich zum erstenmal in ihrem Leben in dieser Gegend. Sie hatten nicht die geringste Ahnung von der Existenz eines gewissen Beinsteller, aber sie erschienen im richtigen Augenblick. Müde blieben sie vor dem Groß-Popowitzer Bierhaus der Franziska, verwitweten Pavlik, stehen und blickten einander verlegen an. „Durst hätten wir." „Es sieht aber wie ein Beisel aus", meinte der Jüngere, und der Aeltere erwiderte:„Ein Beisel, möglich, aber in solchen Butiken bekommt man bekanntlich das beste Bier." Sie traten ein und setzten sich zu den Gästen, die, ihre Zigaretten rauchend, vor sich hindösten. Zufälligerweise saß Beinsteller, der sich aus Gram betrank, am Nebentisch. Sie bestellten Bier, und es erwies sich, daß die Erfahrungen des älteren RottmeisterS richtig waren. Die beiden taten dem Groß-Popowitzer Bier die Ehre, die ihm gebührte. Der erste Schluck war ausgiebig und sie bestellten frische Gläser. Dann erst wendeten sie dem Lokal, das nichts weniger als verlockend war, ihre Aufmerksamkeit zu.„Hier sieht's wie in einer Diebshöhle aus", sagte der jüngere Rottmcister. „Aber das Bier ist gut!" meinte der Aeltere, „und dar Gulasch wird auch nicht schlecht sein. Diebe sind anspruchsvolle Gäste." „Wir haben in unserer Rotte einen DiÄb, kein übler Bursche," sagte der Jüngere. Sein älterer Kollege sah sich um, dämpfte die Stimme und flüstert« dem andern ein wichtiges Geheimnis zu.„Bei uns in der Division wird auch gestohlen." „Was du nicht sagst!" „Bor einem Monat etwa gab's einen wilden Tanz. Man kam zufällig darauf, daß aus der feuerfesten Kaffe dir Mobilisationrpläne der Division abhanden gekommen waren. Man gab acht und erwischte den Adjutanten, der sie in die Kasse zurückschmuggeln wollte. Der Adjutant war vor Schrecken starr, aber es war nichts aus ihm her- auSzubringen. An den Ecken der Papiere erkannte man, daß sie mit Klammern auf Pappendeckel befestigt gewesen waren. Man hatte sie jedenfalls photographieren wollen. Spionage. DaS war klar wie Schuhwichs. Der Adjutant aber leugnete alles. Er habe die Papiere mit nach Hause genommen, um zu studieren. Er wollte Verbesserungen beantragen. Als man aber Näheres über die Verbesserungen wissen wollte, zeigte es sich, daß er keinen Dunst hatte." „Nettes Studium," lachte der Jüngere. «Ein GauNer! Man sperrt ihn«in, das ist alles. Man weiß zwar, für wen er die Kastanien auS dem Feuer geholt hat, aber man hat keine Beweise." Beinsteller wurde unruhig. „Schweig," zischte der Jüngere. „Der ist betrunken!" Als die beiden gegangen waren, brachte Franziska, verwitwete Pavlik, Beinsteller ein frisches Bier. Er nahm es mechanisch, stellte eS aber wieder hin und sagte:„Ich mag nicht mehr, Frau Pavlik." „Trinken Sie nur, Herr Beinsteller, eingeschenkt ist es schon, was soll ich denn damit tun?" „Nein, ich will nicht mehr. Ich muß jetzt Nachdenken, und wenn ich denke, trinke ich nicht." Beinsteller hielt Wort und dachte wirklich .nach. Die Rottmeister hatten den dunkelsten Punkt seines Rätsels verraten. DaS von ihin gestohlene Dokument war gestohlen worden. Derjenige, dem er eS geschnipst hatte, war kein Offizier in Zivil gewesen, sondern ein elender Söldner eine- fremden Staates. Jetzt verstand er natürlich, warum Prag nicht auf dem Kopf stand. Jetzt erklärte sich auch das Schweigen des rätselhaften Menschen, der augenblicklich im Besitz deS gefährlichen Gegenstandes war. Beinsteller dachte weiter angestrengt nach. Ich bin in Prag außer dem eingesperrten Adjutanten der einzige Mensch, der diesen feinen Herrn kennt, diesen Sammler so interessanter Photographien. Ich bin, wie die Zeitungen zu schreiben pflegen, der Schlüssel zur Situation, Wie war's, wenn ich den Herrn faßte und zu den Leuten brächte, di« sich ungeheuer über ihn freuen würden? Er schloß die Augen, um noch besser nachdenken zu können, und sgh ein rührendes Bild vor sich: Nach unerhörten Anstrengungen, nach unzähligen Gefahren und halsbrecherischen Filmaben- tcuern hatte er gesiegt. An einem klaren Tag steigt Beinsteller bor dem Landesverteidigungsministe- riüm aus einem Auto. Er ist in Schweiß gebadet, mit Blut besudelt und hebt ein Paket aus dem Wagen. ES ist aber gar kein Paket. Es ist der an Händen und Füße« gefesselte Rat vom Obersten Gerichtshof und hat einen Knebel im Munde. Der Wachtposten steht habtacht und der Präsident sendet einen Boten aus, 11m schneller zu erfahren, was sich ereignet hat. Deinsteller aber übergibt dem Minister den Spion mitsamt dem belastenden Material. Der Minister drückt Beinsteller begeistert die Hand, dankt ihm im Namen des Vaterlandes, befestigt eine Medaille an seiner Brust und händigt ihm einen Sack neuer tschechoslowakischer Dukaten ein. Die Straßen sind so belebt wie an dem Taäe, da die Republik erklärt wurde. Die Menschen bilden ein Spalier und rufen:„Tas ist er, der Bein- fteller, der das Vaterland gerettet hat!" Die Detektivs grüßen ihn. Beinsteller aber springt ins Auto und ruft dem Lenker zu:„Achtzig Kilometer pro Stunde! Wenn es sein muß, mitten durch die Menge! Ich will in zehn Minuten in Zijkov sein" (Fortsetzung folgt.) Nr. 146 Sonntag, 23. Jnni 1935 Seite 3 Sein oder Nichtsein, nm die Zusammenarbeit.der so-ialistischen Parteien aller Nationen im alte^ Oesterreich handelte. Trotz den ungeheuerlichsten Schwierigkeiten wurde damals das Fundament de: Bewegung für die Zukunft geschaffen, und vor allem geschaffen die Zusammenarbeit mit den tschechischen Genossen. ES ist, so schloß Genosse Dr. Czech, mein« ■ feste Ueberzeugmrg, daß auch dieser unser Parteitag in der Geschichte unserer Bewegung einen sol che« Platz einnehmeu wird, wie der erste Brünner sozialdemokratische Kongreß, daß auch von diesem Parteitag rin nruer Ausschwung und Aufstieg der gesamten Bewegung anSgehe« wird. Wir alle habe« hier Misere Pflicht getan und gute Arbeit für die sudetendeutsche Arbeiterklasse geleistet. Wenn wir unsere Arbeit hier getan haben werden, dann wieder mit frischem Mut in den Kampf und ans Werk! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vie Entschließung einstimmig angenommen Nach der Rede des Genoffen Dr. Czech ließ der Vorsitzende Gen. Kogler über die vorgrlegte politische Resolution abstimmen. Die Resolution, die wir am Dienstag veröffentlichen werden, wurde einstimmig angenommen und die Politik der Partei somit von dem höchsten Parteiforum einmütig gebilligt. Hierauf teilte der Vorsitzende mit, daß der Delegierte der ungarischen Bruderpartei, Genosse Buchinger, den begreiflichen Wunsch habe, nach den eingelangten Meldungen über die Schwie- rigkeiten der ungarischen Partei zu seinen Genossen zurückzukehren, sich aber vorher noch von den Genoffen auf dem Parteitag" verabschieden wolle: Unter stürmischem Beifall wird Genossen Buchinger das Wort erteilt. Len. Buchinger Ich hoffe, daß Sie es mir nicht übel nehmen, wenn ich trotz der Ueverlastung Ihrer Tagesordnung nicht nach Hause gehen will, ohne ein Wort des Abschiedes an Sie gerichtet zu haben. Als wir Ihre Einladung zu diesem Parteitag angenommen haben, taten wir das nicht nur ans internationaler Höflichkeit, sondern auch in dem Wunsch,.unsere herzliche Freundschaft und Verbundenheit mit den Bruderparteien der Nachbarländer besonders zu betonen. (Stürmischer Beifall.) Ich nehme die Ucberzeugung von diesem Parteitag mit nach Hause, daß die deutsche sozialdemokratische Partei in der Tichechoflewa- kei ein aufrechter und unbesiegbarer Fels der Freiheit ist und bleibt.(Beifall.) Ich habe wohl auch Stimmen der llnzufrieden- heit hier vernommen. Die betreffenden Genossen^ werden gewiß wissen, warum sie Grund zur Unzufriedenheit haben. Wer'ich glaube, es ist manchmal gut, Vergleiche anznstellen. Rechten. Ich bitte Sie, diese Freiheit und ihre politische« Errungenschaften z« schätzen und zu schütze«, damit Ihre Partei ein Stützpunkt bleibe, an dem sich die Bruderparteien anderer Länder erheben und aufrichten können.(Beifall.) Wir für unseren Teil können das Gelübde ablegen, daß wir trotz allem auch in Ungarn den steinigen Weg fortsetzen werden, bis der Tag kommt, an dem auch wir gemeinsam mit anderen sozialistilchen Bruderparteren den Weg zum großen sozialistischen Ziel Vorwärtsschreiten können!(Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Genosse Kögler dankt Genossen Buchinger für seine Worte an den Parteitag und bittet ihn, nainens des Parteitages der ungarischen Bruderpartei b^iderliche Grüße und den Ausdruck herzlicher Solidarität zu übermitteln.(Beifall.) Den Bericht der Autragsprüfungskommission erstattete Genosse Taub, welcher Mitteilung von einem neuerlichen Einheitsfrontangebot der Kommunisten machte. Die von der Kommission vorgeschlagene Anttvort, über welche wir in der Dienstagnummer noch ausführlich berichten Iverden, wurde, nachdem sich niemand zu Wort gemeldet hatte, unter lebhaftem Beifall mit den Stimmen aller Delegierten mrgenommen. Der Parteitag ging sodann an die Erledigung der vorliegenden Anträge. Die Sitzung wurde nm halb 7 Uhr unterbrochen, worauf nach einer Pause eine v e r t r a u l i ch e S i tz u n g des Par- Im Vergleich z« der ungarische« Arbeiterklasse ist die Arbeiterschaft dieser Republik ei« KrösuS an politischer Freiheit und demokratischen teitagcs folgte. Der Partertag tmrd morgen seine Verhandlungen fortsetzen und beenden. „Eine tapfere Partei" Dm„Pravo Udo'* za unserem Parteitag Das„Prävo Lidu" beschäftigt sich im Leitartikel unter dem Titel:»Eine tapfere Partei" Mit unserem Parteitag. Das Blatt bespricht die besonderen Verhältnisse im deutschen Läger, die zu den Ergebnissen des 19. Mai führten, und schreibt dann: Mandate kann man verlieren, aber sie lassen sich wieder gewinnen. Von bloßen Mandaten war überdies nie die Macht und die Stärke des Sozialismus abhängig. Die Hauptsache ist, daß die deutschen Genossen ihre unversehrte prachtvolle Bewegung haben, die die Hoffnung und die Vorbedingung ihres neuen politischen Aufstiegs ist. Aus dieser ihrer tiefen Wurzel wird die Erneuerung ihrer politischen Stellung in unserem deutschen Volk erwachsen. Aber auch unsere ganze Demokratie muß ihr Verhältnis zur deutschen Sozialdemokratie vertiefen. Es geht nicht an, sich Henlein anzubiedern und ihm zu sekundieren und so eine deratige Stütze der Demokratie zu untergraben, wie sie in unserem deutschen Volke die deutsche Sozialdemokratie war und ist.' Man darf nicht dulden, daß unsere Behörden sich der deutschen Sozialdemokratie, also einer Koalitions- partei gegenüber Eigenmächtigkeiten— ob nun nationaler oder parteipolitischer Natur— her- ausnehmen. Wie viel solcher Fälle hat es aber vor den Wahlen gegeben? Wenn die deutsche Sozialdemokratie zu unserer Demokratie und Republik steht, dann muß auch unsere Demokratie und Republik zur deutschen Sozialdemokratie und ihrer ehrlichen Arbeiterschaft stehen. Davon kann man nichts Nachlassen, das muß man unerbittlich durchsetzen! Oer beste Grenzschutz Prag. Auf dem Kongreß der tschechoslowa- kischen Ingenieure hielt General Blaha, der Vorstand der Militärkanzlei des Präsidenten, einen Vortrag über Die Technik der Staatsverteidigun g", worin er sich für die AusgestaltungderFlugwaffe sowie für die Motorisierung und Mechanisierung(Tanks) aussprach. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten müsse man eine schnelle und schlagfertige Landwaffe schaffen, denn die künftigen Operationen würden sich sehr rasch abspielen. Trotz aller Bewunderung der Kriegstechnik dürfes man jedoch nicht unberechtigte Panik durch die Verbreitung übertriebener Gerüchte über Giftgase, Todesstrahlen und Bakterienkrieg erzeugen. Hier arbeite die menschliche Phantasie zu stark. Notwendig sei es auch, daß die richtige Struktur in der Verteilung der Quellen und der Brennpunttc der Technik gefunden werden, daß also die für die Staatsverteidigung notwendigen Fabriken entsprechend über das ganze Staatsgebiet verteilt werden. Was die Frage der Verteidigung der Grenzen betrifft, so erinnerte General Blaha an den Ausspruch Napoleons, daß viel Nachdenken erforderlich sei, bevor man begreife, daß die Sicherheit des Staatsgebietes es nicht er- fordere, alle Punfte der Grenze zu besetzen, daß vielmehr eine weit bessere Garantie die Konzentration aller Kräfte in einer Armer »nter einheitlichem Befehl und auf einem Schlachtfeld sei. Dieser Grundsatz gelt« heute auch für«ns, denn wir können und dürfen unsere Kräfte nicht zerspliftern zu einer starren Verteidigung aller Teile«nserer Grenzen. Und daher müßten aus Gründen der Sicherheit die technischen Zentren in dem Teil des Staatsgebietes disloziert werden, den man mit der konzentrierten Armee zweckmäßig verteidigen könne. I Krieg gegen Russland— die erste Etappe des Regimes! Kein Zweifel mehr kann darüber bestehen, daß das nationalsozialistische Regime den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereitet. Das heißt nicht etwa nur gegen die Sowjetunion, wohl aber heißt es: zuerst gegen die Sowjetunion. Der Weltkrieg hat gelehrt, daß Deutschland einem Krieg gegen West und Ost zugleich nicht gewachsen ist, der Schlieffenplan, der darauf beruhte, unter Einsatz aller Kräfte erst im Westen zu siegen, um dann den Schlag gegen Osten zu führen, mißlang. Deutschland hatte einen vierjährigen Krieg nach zwei Seiten hin zu führen, es unterlag in diesem Kampf. Die Versuche Bismarcks, mit Rußland in Uebereinstimmung zu kommen, scheiterte«. Das industriell-junkerliche Bündnis, das auf die Schwäche des deutschen Bürgertums zurückzuführen ist und seine damalige ökonomische Basierung in den Zöllen für die Agrarier einerseits und in der Flotte für die Industrie andererseits hatte, ist die letzte und tiefste Ursache für die Feindschaft Deutschlands nach beiden Seiten hin. Die Industrie rief die englische Konkurrenz hervor, die Flotte verstärkte Englands Furcht, und die Agraria waren antirussisch orientiert,weil sie die russische Getreidekonkurrenz fürchteten und neue Rittergüter erwerben wollten. Dem Nebeneinander der beiden Klaffen in Deutschland entsprach das Nebeneinander in der Außenpolitik. Nein wirtschaftlich gesehen hatten die Agrarier weder Reibungspunktc mit England, noch hatte die Industrie solche mit Rußland. Und intereffanterweise finden wlr in dieser Zeit, wie bald Industrielle nach Rußland hinüberschauten, bald Agrarier nach England, um die jeweiligen Gegensätze zu mildern. Wie im UcbcrgangsKabinctt StojadiiiovK soll Verständigung mit den Kroaten vorbereiten? Belgrad. Zm Laufe des Samstag empfing Prinzregent Paul die früheren Ministerpräsidenten AzunoviL und D a v i d o v i ö, sowie den Führer der radikalen Partei Aea Stanojedic in Audienz. Rasst Beendigung der Konsultation dürfte Finanzminister Stojadinovic mit der Bildung eines Koalstionskabinetts betraut werden. Wie in politische» Kreisen verlautet, soll dieses Kabinett als Aebergangs» Kabinett die Staatsnotweudigkeiten und ein neues Wahlgesetz erledigen, das die vereinigte Opposition unbedingt fordert. Während dieser Zeit, was bis zum Herb st e dauer» dürfte, würde die Krone mit den Kroaten zwecks Feststellung ihrer erfüllbaren Forderungen verhandeln. Sodann würde eine neutrale Regierung zwecks Durchführung dieser Der» ständigung berufen werden. Dr. Makel, der Führer der kroatischen Bolkspartei und der vereinigten Opposition überhaupt, gab der Presse«. a. folgende Erklärung ab: Es ist absolut ausgeschlossen, daß wir(die Abgeordneten der demokratischen bäuerlichen Koalition) in diese Skupschtina kommen, in der Abgeordnete mit 325 Stimmen sich befinden, während deren nicht als gewählt anerkannte Gegenkandidaten 10.000 und. 11.000 Stimmen erhielten. Wir kommen nicht, auch wenn Dr. Stojadi- novik die neue Regierung bildet. Da ich schon 15 Jahre auf die Lösung der Krise warte, kann ich auch noch weiterwarten. Mit der gegenwärtigen Skupschtina läßt sich nichts anderes machen, als sie w i e d e r aufz« lösen. Eine neutrale Regierung kann die ihr zugedachte Aufgabe(Erlassung eines neuen Wahlgesetzes mit geheimem Stimmrecht und Durchführung freier Wahlen) erfüllen. Wenn man so viele schlechte Sachen oktroyiert hat, warum könnte man nicht eine gute Sache oktroyieren? Stojadinovit Weitere KonvcntionscntwOrie von der Genier Arbeltskonierenz angenommen Genf. Die Internationale Arbeitskonferenz befaßte sich in der freitägigen Plenarsitzung in allgemeiner Debatte mit dem Bericht der Kommission für die Wahrung der Sozialversicherungsansprüche der Emigranten. Die Kommission, deren Vorsitz Dr. Leo Winter führte, arbeitete den Entwurf eines Abkommens aus, durch das ein internationales Regime für die Wahrung der Pensionen der Arbeiter, die ihren Wirkungsort ändern, eingeführt werden soll. Es handelt sich um eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber den üüersiedelnhen Avbeiter, deren soziale Rechte, die sie ip hkü tzexschjedenen Staaten erwerben und die eine' Frucht chrer Beitragsleistungen bilden,, gewahrt werden müssen. Bilaterale Verträge sind für den Fall, daß Arbeiter in einigen Staaten arbeiten, ungenügend. Der Entwurf' wurde dann mit 92 gegen eine Stimme angenommen. Mit der Mehrheft von 79 gegen 32 Stimmen wurde der Abkommenentwurf betreffend Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich, abschließend genehmigt. Bei dieser Gelegenheit betonte der italienische Regierungsdelegierte de Michelis die Wichtigkeit der Entscheidungen der Konferenz und ersuchte den Direktor des internationalen Arbeitsamtes Butler, die Regierungen der Mitglirdstaaten ehestens von deut Konventionsentwurf betreffend die Arbeitszeitkürzung zu verständigen. Die Konferenz führte s odann eine lange Aussprache über die Empfehlungen betreffend die Arbeitslosigkeit ab und lehnte eine ganze Reihe von Anträgen auf Abänderung des ausgcarbeite- ten Entwurfes ab. Schließlich nahm sie die Empfehlung mit 72 Stimmen gegen eine Stimme an und genehmigte mit 61 gegen 18 Stimen auch drei Resolutionen, die gleichfalls die Beschäftigungslosigkeit der Jugend betreffen und die der Empfehlung angeschlosscn wurden. In der Kommission für die 40stündige Arbeitswoche lvurde der Abkommens en twurf über die. Einführung der verkürzten Arbeitszeit in der Glasindustrie(Flaschesiglas) angenommen. Ter Entwurf sieht u. a. vor, daß die Arbeitszeit nicht länger als 42 Stunden lvöchentlich sein darf, wo- 'bei vier Schichten cingeführt iverden sollen und die• Kalkulation sich auf vier Arbeitswochen im Monat gründet. Länger als acht Stunden täglich darf in der Glasindustrie nicht gearbeitet werden und die Ruhepause darf nicht kürzer als 16 Stunden sein. Der Abkommensentwurf über die Verkürzung der Arbeitszeit in der Bauindustrie wurde von der Kommission mit 13 Stimmen gegen eine Stimme, in der Eisen- und Stahlindustrie mit 15 Stimmen ohne Opposition und in den öffentlichen Arbeiten mit elf Stimmen gegen eine Stimme angenommen.. Innern jede Gruppe versuchte, die alleinherrschende zu sein, so war auch sie bemüht, dieAußeN- politik lediglich nach ihrem Gesichtspunkt zu machen. Aber die machtvoll heraufziehende Arbeiterschaft, der damals weite Kreise des Kleinbürgertums und selbst des Liberalismus folgten, stand als Drohung hiifter dem Bündnis, dieses immer wieder zusammenschweißend. Denn die Arbeiter und weite Kreise des Mittelstandes, sowie pin Teil des liberalistischen Bürgertums mußten die Kosten dieses Bündnisses, der Zölle und der Flotte, träger. Wenn Kritiker Deutschlands von den außenpolitischen„Fehlern" des Wilhelminismus sprechen, so begreifen sic noch immer nicht, daß diese Außenpolitik der zwangsläufige Ausdruck der innerpolitischen Situation war, jenes Bündnisses von Junkern und Industriellen. Einer war an den anderen gekettet, einer zog den anderen in die Katastrophe des Weltkrieges hinein, bis sie schließlich im Kriege mit ihrem System zugrundegingen, obwohl sie gerade von ihm ihre Rettung erwartet hatten. Brockdorf-Rantzau— Bismarcks Erbe Die Republik leitete nicht zufällig eine neue Außenpolitik ein. Die Junker wurden zurückgedrängt, ihre politische Herrschaft war beendet, bürgerliche Kräfte, gestützt von sozialistischen, traten in den Vordergrund. Schon während der Brest-Litowsker Friedensverhandlungen machen sich rußlandfreundliche Tendenzen in Deutschland bemerkbar. B r o ck d o r f-R a n tz a u und andere entwickeln weit ausholende Pläne, die Freundschaft wird bald sowohl wirtschaftlich als auch militärisch unterbaut. Der Aufbau der neuen deutschen Reichswehr, durchgeführt vom General von Seeckt, geht in engster Anlehnung an Rußland vor sich, bei kriegswirtschaftlichen und anderen Erwägungen spielt Rußland als Bundes genosse stets eine große Rolle. Selbst zur Zeit Lenins waren die deutsch-russischen Beziehungen recht intim und schon in den Spartakusbriefen sieht der Kreis um Rosa Luxemburg Gefahren Heraufziehen, die sich in den folgenden Jahren immer wieder neu zeigten. Als die deutsche Außenpolitik im Zusammenhang mit der allgemeinen Umgruppierung im Innern Deutschlands immer unbestimmter und labiler wurde, warnte Seeckt vor Verschlechterung der deutschrussischen Beziehungen, und als 1933 die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, ließ Seeckt eine Broschüre erscheinen, die nachweist, daß zwischen Deutschland und Rußland keine Gegensätze irgendwelcher Art bestehen. Umkehr durch den Mtionalfozialismus Der Nationalsozialismus ließ die freund- schaftlichen Beziehungen nach seiner Machteroberung völlig abreißen. Zuerst mäßigte Hitler sich, aber im selben Maße, wie die oppositionellen Kräfte besiegt wurden, kam der ursprüngliche Ruß- ländhaß der Nazis zum Durchbruch. Der Nationalsozialismus weiß: er kann sich nur behaupten, wenn es ihm gelingt, den deutschen Industrialismus zurückzudrängen, Deutschland vcm Weltmarkt abzuhängen, neue Bauernstcllen zu schaffen und zugleich die antikapitalistischen Junker zu befriedigen. Der traditionelle Rußlandhaß der Junker kommt heute, schärfer gegen das sich modernisierende Rußland, als gegen das alte von 1914, unverhüllt zum Durchbruch. Im Krieg gegen Sowjetrußland sieht diese seit Jahrhunderten ökonomisch und durch die Republik auch schon politisch fast bankrott gewesene Schicht den rettenden Ausweg. Nur durch Neueroberungen imOstenkannder o st elbische Großgrundbesitz seiner Zer- sckilagung entgehen. Die Bauernsöhne, die Land begehren, werden nach außen ab- Seite 4 Sonntag, 23. Juni 1935 Nr. 14« Feys Frontkämpferverband aufgelöst Nazipanik der österreichischen Regierung Manenrazzien gegen Hakenkreuzzentralen/ Amtliche Zeitung prophezeit Putsch Sorgen einet Bezirkfhauptmannet Genösse Reyzl hat im Senat eine Interpellation eingebracht, die sich gegen die Bezirksbehörde in Böhm. Leipa richtet. Diese hatte es nämlich für gut befunden, die Bewilligung unserer Maifeier an Bedingungen zu knüpfen, die, wie die Interpellation besagt, das stärkste Befremden Hervorrufen müssen. Bor allem wandte sie ihre Aufmerksamkeit den im Zug zu tragenden Standarten, Fahnen und Abzeichen zu und untersagte vollkommen unbegründet die Standarte „Die Frauen gegen Krieg und Fascismus". Sie hielt gerade diese Parole für so bedeutungsvoll, dass sie die Verwendung dieser Standarte ausdrücklich im Erlaß verbot. Für diese Maßnahme der Bezirksbehörde, heißt es in der Interpellation, fehlt jegliche Berechtigung. Von berufensten Vertretern des Staates wurde wiederholt mit allem Nachdruck erklärt, daß der Staat eine seiner wichtigsten Aufgaben in der Erhaltungdes Friedens und in der Un Möglichmachung einer Krieges sieht; ebenso liegt es im Geiste der demokratischen Verfassung des Staates, daß fascisti- s ch e Strömungen bekämpft werden. Die Bezirksbehörde hat sich durch das Verbot dieser Parole also in Gegensatz zu d«r deutlichen Auffassung der Leitung des Staates und der erdrük- kenden Mehrheit seiner Bevölkerung gestellt. Die Kreditpolitik der Nationalbank. Der „5? e n f o b“ wendet sich in' einem Leitartikel gegen die dogmatische Politik der Kreise um die Nationalbank, die jeder vernünftigen Diskussion auswichen. Gerade dieser Tage wurde gemeldet, daß alle Getreidepfandscheine, die von Landwirten ausgegeben wurden, voll bezahlt sind. Aber vor der Einführung dieses neuen Wert- papieres habe man„warnende Stimmen'" aus dem Deflationslager gehört. Die Erfahrung habe aber gerade die Richtigkeit dieses Experimentes bewiesen. Die Nationalbank werde sich jetzt hoffentlich der Einführung weiterer Pfandscheine ähnlicher Art für Wein etc. nicht verschließen. Wirrwar im Lager des Sjrdnocent. Das „Ceskö Slovo" meldet, daß das Närodni Sdru- jenk, die von den nationaldemokratischen Fabrikanten aufgezogene gelbe Gewerkschaft, den Abgeordneten C h m e l i k, den ehemaligen Führer der ligistischen Gewerkschaften, ausgeschlossen hat. Die Sachlage ist ziemlich verworren. Bei der Verschmelzung der Stkibrnyliga mit den Nationaldemokraten war auch die Verschmelzung der beiderseitigen„Gewerkschaften" beschlossen worden. Chmelik soll sich lange geweigert haben, zu diesem Zwecke ein Verzeichnis seiner Gewerkschaftsmitglieder zur Verfügung zu stellen. Als er es endlich unter Druck tun mußte, sei man daraufgekommen, warum Chmelik sich solange gesträubt hatte: Die Verzeichnisse seien unrichtig, veraltet oder direkt erdacht gewesen. In Wirklichkeit hat Herr Chmelik dem Närodni Sdruzcnt kaum ein paar Dutzend neue Mitglieder gebracht. Dafür hat das Närodni Sdruzenk den Herrn Chmelik, obzwar er Abgeordneter des Närodni Sjednoeeni ist, kurzerhand hinauSbefördert. gelenkt, vielfach mit gutem Erfolg. Kolonisation— ja, aber nicht in Osteibien, sondern in der Ukraine! Allein auf sich gestellt, kann der Nationalsozialismus sich nicht behaupten, er bedarf der Stützung durch andere historisch überlebte Kräfte. Von jeher waren in Deutschland gewisse Bündniskombinationen zwischen Junkertum, Bauern und Mittelständlern verschiedener Gruppierungen zu verzeichnen. Aus der Blut, und Boden-Mystik, die im Bauern, der für ein konservatives Regime eine besonders gute Grundlage abgibt, die eigentlich tragenden Kräfte der Geschichte sieht, und die aus tiefer Jndustriefcindschaft geboren ist, ergibt sich das Refeudalisierungsziel des Nationalsozialismus. Sie wollen die Klassengegensätze statt durch Ueberwindung des Kapitalismus durch Schaffung vieler einzelner Kleinkapitalisten beseitigen. Gelingt den Nationalsozialisten die ökonomische Unterbauung ihrer reaktionären Politik nicht, dann sind sie erledigt. Sie müssen daher, und um einer Agrarrevolution zu entgehen, im Bunde mit den Junkern zuerst gegen Rußland marschieren. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Hitlerismus der angreifende und nicht der von. Rußland Bedrohte ist. Nur die deutschen Junker und die Blut, und Boden- mystikex haben gegensätzliche Interessen zu Rußland, nicht aber die deutsche Industrie, nicht die deutschen Arbeiter, nicht die breiten Massen des deutschen Volkes. Flucht in den Krieg! Hitler ist der Angreifer, das steht außer jedem Zweifel, er muß angreifen, wenn er sich behaupten will. Daß dieser Konflikt kein lokaler bleiben kann, ist selbstverständlich wie nur irgend- etwas, weil ein deutscher Angriff sofort von Japan unterstützt wird. Und wie wird sich Amerika zu dieser Expansion verhalten, wie England? Die Zeit lokaler Konflikte ist vorüber, wenn eS sich um solche Weltmächte wie Deutschland und Rußland handelt und nicht um Bolivien und Paraguay. So Wien.(Eigenbericht.) In der Regierung Schuschnigg ist eine Nazipanik ausgebrochen, die zu offenkundigen Verzweiflungsmaßnahmen führt. Der gesamte Polizeiapparat ist zu M a s- senrazzien aüsgeboten, die stündlich neue Verhaftungen zur Folge haben. Nichts ist so bezeichnend für die Zustände, als die Tatsache, daß nun die von Herrn Fey als vaterländische Musterverein gegründete„Bereinigung österreichischer Frontkämpfer" als getarnter Naziver- dand aufgelöst und deren Führer, der„vaterländische" Major K o p s ch i tz, verhaftet wurde. Eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Kopschitz und dem Büro des Frontkämpferverbandes hat angeblich Material zutage gefördert, aus dem hervorgeht, daß der Verband genaue Weisungen von der NSDAP-Zentrale in Berlin erhalten hat und nichts anderes war als die geheime Kerntruppe e i n e r ö st e r r eich i s ch c n SA. Die Polizei meldet amtlich, daß auf Grund der Hausdurchsuchungen bei der illegalen Nazikorrespondenz»Jllkor"(die übrigens trotz ihres Auffliegens unverändert weiter erscheint), Material gefunden wurde, aus dem hervorgeht, daß die Nazi in Oesterreich nicht bloß eine weitverzweigte Propagandatätigkeit ausgenommen haben, sondern daß sie auch bestrebt waren, ihre SA- und SS-Formationen wieder zu reaktivieren. Im Zusammenhang mit diesen Razzien wurden nebst zahlreichen anderen Leuten auch der ehemalige nationalsozialistische Bundesrat Leopold und der ehemalige Präsident der»Gesiba" Neubacher verhaftet. Präsident Neubacher war früher auch Präsident des deutsch- österreichischen Volksbundes» dessen reichsdeutscher Obmann der Reichstagspräsident Genosse L o e b e war. Neubacher galt seit jeher als ausgesprochen intransigenter Demokrat und cs ist sehr wahrscheinlich, daß die Regierung Schuschnigg in ihrer Kopflosigkeit hier daneben gegriffen hat. Schuschniggs Schrecken vor der Suppe, die er sich cingebrockt hat, ist so groß, daß er seine bisher der Welt gegenüber getriebene Kalmie- rungstaktik vollkommen aufgibt und in seinen eigenen Zeitungen dieOeffentlichkeit alar- mi e r t. Die amtliche Wiener Zeitung, die bisher jede Meldung darüber, daß Oesterreich durch Zerstörung der Arbeiterpartei ein Spielball der Nazi wurde,»als böswillige Verleumdung staatsfeindlicher Emissäre" hingestellt hat. veröffentlicht heute einen Artikel, in dem sie auf die steigende Nazigrfahr in ' Oesterreich hinwcist und ein Naziflugblatt zitiert, in dem für den Monat Juli„große Ereignisse" in Oesterreich vorhergesagt werden. Das Blatt erklärt: Borhergesagte Re- volntionsdaten stimmen zwar meist nicht, aber man muß sich, abgesehen vom Datum, darüber klar sein, daß sich schwere Gefahren über Oesterreich zusammenballen. droht die ungeheure Gefahr, daß die deutsche Junkerschaft, die seit Jahrzehnten ein Hindernis der deutschen Entwicklung ist, daß sich selbst Brüning und Schleicher genötigt sahen, diese alten Mächte anzutasten, um Explosionsstoff zu beseitigen, vor ihrem endgültigen Zusammenbruch noch einen neuen Krieg entfesselt. Kurz nach den» Weltkrieg war das schon einmal ihr Ziel. Ostelbien, Bauernsöhne und Mittelftändler im Bunde mit den baltischen Großgrundbesitzern wollten den Kampf gegen Rußland fortführen und ließen sich die Freikorps zu diesem Zwecke ettvas kosten. Und nun ist die Außenpolitik des Balten Rosenberg maßgebend und die Existenz von Neurath und anderen Gegenspielern vielleicht nur noch eine Frage der Zeit. Das Regime hat sich— trotz aller inneren Gegensätze zwischen der Koalition Junker, Schlotbarone und Nationalsozialisten und dem weiaus bedeutungsvolleren und allein neue Perspektiven eröffnenden zwischen den herrschenden agrarisch-kleinbürgerlichen und den vordrängenden industriell-proletarischen— zunächst befestigt. Wenn es nicht gelingt, die heutige Machtgruppierung durch eine andere, es brauchte keine sozialistische, sondern nur eine großindustrielle zu sein, abzulösen, geht der Weltkrieg im Osten los und die Junker und Bodenmystiker sind die Brandstifter, als die sie schon heute gekennzeichnet werden müssen. Kein Zufall, daß in Ostpreußen ein Jahrgang mehr unter die Waffen gerufen und die Wehrpflicht bedeutend verlängert wird, kein Zufall, daß Hitler in seiner letzten Rede so hysterisch gegen Rußland loszog und die deutsche Armee zum erstenmal in der Geschichte größer ist, als die russische. Morgen schon kann sich der Reichstagsbrand im internationalen Maß wiederholen. Das Völkerbundpalais kann in Flammen aufgehen und der Nationalsozialismus wird nach Moskau marschieren, um dort die Brandstifter zu suchen und die Schmach Ivie den Reichstagsbrand zu rächen. Die DimitrovS müffln diesmal vor dem Brand auftreten und anklaoen. es ist Gefahr im Verzüge! beiden Insassen waren auf der> S t e.l le tot. Tokio. Am Samstag stürzte bei Giefu nördlich von Nagoja ein Postflugzeug brennend ab.. Es fiel auf ein Haus, das in Brand gesteckt^ wurde. Das Feuer legte auch die fünf anliegenden Gebäude in Asche. Der Flugzeugführer wurde getötet. Drei Flieger verbrannt Meaux. Im Walde von Lagny stürzte ein zweimotoriges Militärflugzeug ab und verbrannte. Von den vier Mann der Besatzung sind drei Offiziere verbrannt und nur einem Unteroffizier gelang es, sich mittels des Fallschirmes zu retten. Staatliche Studien-Unterstützungen. Das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur verleiht an Hörer der deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakischen Republik im Studienjahre 1935/36 staatliche Studien-Unterstützungen. Gesuche auf den im Staatsverlage herausgegebenen Blanketten, belegt mit einem Zeugnis über die Vermögensverhältnisse, dem Staatsbürgerschaftszeugnis und dem Ausweis über vorzüglichen Studienfortgang ist bedingungslos bis 30. September 1935, und zwar in P r a g II,, Krakovskä 16 und in B r ü n n durch Vermittlung des Rektorates der deutschen technischen Hochschule in Brünn einzureichen. Das„soziale Ideal" deS Hitlerrriches. Wie weit die Versklavung des arbeitenden Menschen im Reiche des'„nationalen Sozialismus" geht, beweist eine Verfügung des Bezirksgerichtes A i ch a ck in Bayern. Das Bezirksgericht hat der OeffentlichkeU mitgeteilt, dass es Arbeitnehmern strengstens verboten ist,»ihre Dienststelle böswillig zu verlas- s e n." Das Bezirksgericht werde„fürderhin mit den schärfsten Mitteln gegen den Unfug deS Dienstentlaufens einschreiten". Zur zweckentsprechenden Illustrierung dieses mittelalterlichen Verdikts sind fünf Aichacher„D i e n st k n e ch t e", die von ihren Arbeitgebern aufs empörendste ausgebeutet und schikaniert, ihren Dienst aufgaben, ohne die Kündigungsfristen einzuhalten, nach offiziöser Mitteilung„in Schutzhaft genommen worden, weil ihr verantwortungsloses Verhalten eine Sabotage an den sozialen Idealen des neuen Staates darstelle". Das soziale Ideal des neuen Staates besteht also offensichtlich in völliger Rechtlosigkeit des Arbeiters und.in einem Triumph dcr Unternehmerwillkür, wie er so brutal und zynisch wohl in keinem anderen Lande dcr Welt mehr möglich ist. Eisenbahnminister Bechyni ist zum Kurgebrauch verreist und wird erst am 15. August nach Prag zurückkehren. Die Korrespondenz bleibt unerledigt. Schiff gerammt. Das dänische Ozean-Forschungsschiff»Dana" sst Samstag früh um 6 Uhr in der Nordsee ungefähr 60 Seemeilen westlich pom Ringköbing-Fjord im Nebel von dem deutschen Trawler»Pichhuwen I. G. 92" aus Cuxhaven gerammt worden. Die»Dana" sank sofort. Alle an Bord befindlichen Personen wurden von dem Trawler gerettet. Ein Dampfer gesunken. Wie aus Cherbourg gemeldet wird, ist der englische Dampfer„The Brandon", der eine Wasserverdrängung von 1000 Tonnen hat, in der Rächt zum Samstag an der Felsküsie von Cosqueville gestrandet und gesunken. Die Besatzung wurde gerettet und nach Cherbourg gebracht. Familientragödie. In der Wiener Vorstadt Stockerau spielte sich am Freitag ein Familiendrama ab, das zwei Menschenleben forderte. Der 42jährige Giesser Gottfried Moravec fand sich in der Wohnung seiner geschiedenen Frau ein, die er nach kurzem Streit mit einigen Axthieben tötete. Hierauf floh Moravec in den nahen Wald, wo er sich an einem Baum erhängte. Rache gegen einen Aufrechten. Der deutsche Reichs- und preussische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Rust hat den ordentlichen Professor der Theologie Dr. CarlBarth, Bonn, auf Grund des 8 6, des Berufsbeamten- gesetzes in den Ruhestand versetzt. Wie erinnerlich, hat Professor Barth seinerzeit die bedingungslose Leistung des Eides auf den Führer und Reichskanzler verweigert. Das preussische Oberverwaltungsgericht hatte in einer Bestrafung Barth durch Kürzung des Gehaltes in Höhe eines Fünftels auf die Dauer eines Jahres eine hinreichende Sühne für das Verhalten erblickt. In der Begründung der Verfügung des Reichsministers Rust heisst es, der nationalsozialistische Staat könne einen Beamten, der nicht bereit ist, den Eid auf den Führer undReichskanzlcrsofort bedingungslos zu leisten, nicht mehr aktiv weiterverwenden.— AuS den Gefängnissen oder Konzentrationslagern wurden weitere 12 evangelische Pastoren entlassen. Für 25 Pastoren bleibt noch das Predigtverbot in Kraft. Zehn Pastoren dürfen nicht mehr in ihre Pfarreien zurückkehren. Glückliche Nähmädchen. Das grosse Los der französischen Nationallotteri« in Höhe von 3 Millionen Franken ist gemeinsam von 70 Pariser Nähmädchen gewonnen worden. 45 Jahre Zuchthaus für den Kindesentführer Waley. Wegen der Entführung des kleinen W e her h ä u s e r und wegen Erpressung hatten sich am Freitag vor dem Bundesgericht in W a- s h i n g t o n der erheblich vorbestrafte 24 jährige Herman Waley und seine 19jähriae Ehefrau zu verantworten. Nachdem beide sich für schuldig bekannt hatten, verurteilte das Gericht Hermann Waley zu 45 Jghren Zuchthaus. Hinsichtlich seiner Ehefrau lehnt das Gericht aufgrund der Erklärungen des Ehemannes und deS Verteidigers ab, ihr Geständnis anzunehmen. Waley und der Verteidiger hatten erklärt, daß Frau Waley erst einige Tage nach der Tat von der Entführung des.Knaben durch ihren Mann unterrichtet worden sei. Knnstflüge alS Verkehrsgefährdung. Nach einer Meldung aus Taschkent sind vier russische Flieger ihrer Stellungen enthoben und vor Gericht gestellt worden, weil sie trotz strengen Verbots versucht haben, auf dem Fluglatz von Taschkent Kunstflüge auszuführen, wodurch der gesamte Flugverkehr in Gefahr gebracht wurde. Die Flieger sind zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis 2 Jahren, 4 Monaten verurteilt worden.— Bekanntlich wurde die Katastrophe des „Maxim Gorkij" durch einen Kunstflieger verschuldet. Das mag wohl der Anlaß zu so strengem Vorgehen sein. Prof. Roller gestorben. Am Freitag ist in Wien der bekannte Bühnenbildner. Hosrat Professor Alfred R o I l e r, ein geborener Brünner, an den Folgen eines schweren HalsleidenS im 71. Lebensjahre gestorben. Schon wieder neue Gedenkmarken. Zum Gedenken des 1050. Todestages des Heiligen Method hat die Postverwaltung drei Gedenkpostmarken mit dem Bilde der beiden Heiligen Cyrill und Method in folgenden Werten anSgegeben: 50 Heller grün, 1 Ke achatrot und 2 Kc stahlblau. Der künstlerische Entwurf zu dem Markenbilde stammt von dem akademischen Maler Johann Köhler; die Zeichnung und den Stich der Marken besorgte der Radierer Gottlieb Heinz. Die Marken find mittels RotationSstahltief- druck hergestellt. Bo» der Anffiger Handelsakademie. Die Einschreibungen in die vierklassige Handelsakademie und in die zweiklassigen Handelsschulen für Knaben und Mädchen erfolgen vom 28. Juni bis 1. Juli. Die AufnahmSpriifungen finden am 1. Juli nm halb 9 Uhr für die Handelsakademie und um halb 10 Uhr für die Handelsschulen statt. Einschreibungen in den Abiturientenknrs haben bis 1. Septeniber unter Vorlage deS Reifezeugnisses zu erfolgen. Auch schriftliche Anmeldungen sind zulässig. Prospekte und Auskünfte durch die Direktion der Anstalt. JahreS- nnd Halbjahreskarten. Die Staatsbahndirektion in Prag macht darauf aufmerksam, daß in der Zeit vom 24. Juni bis 10. Juli Jahres- Grotzer Erfolg unserer Atus- Futzballer in Norwegen Städtemannschaft von Oslo 4:1 geschlagen Die Auswahlmannschaft des Atus Tschechoslowakei errang in Oslo gegen die Städtemännschafi des Turn- und Sportverbandes einen herrlichen Sieg. Ei» Telegramm aus Oslo meldet: Auswahlmannschaft Atus ESR gegen Stäbemannschaft deS Arbeiter-Turn- und Sportverban- deS Oslo 4:1. Blendendes, einwandfreies Spiel. Die AtuS-Fußballer Schottenhauer, Deutsch, Distler Willi, Distler Karl schosse» die vier Torr. und Halbjahreskarten von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr im Masaryk-Bahnhof, oberhalb der Restauration 2. Klaffe ausgegeben werden. An Sonn- und Feiertagen wird nicht amtiert. Die Karten sind auch durch Vermittlung der Stationen erhältlich. Sehr günstige Wetterlage. Unter Einfluß eines mächtigen Hochdruckgebietes, das sich über Skandinavien entwickelt hat, ist in ganz Europa vorwiegend trockenes und warmes Wetter zur Vorherrschaft gelangt. In Frankreich und Rußland erreicht die Temperatur 30 Grad. Nur in Südpolen und Schlesien ist sie noch nicht über 20 Grad gestiegen und in der Nähe dieser lokalen Kaltluftgrenze treten noch leichte Schauer auf. Sonst ist die allgemeine Wetterlage sehr günstig. Wahrscheinliches Wetter von heute: Im ganzen schön, weitere Erwärmung, schwacher Wind aus nordöstlichen Richtungen. Nur noch vereinzelt stärkere Bewölkung mit unbedeutenden Schauern.— Wett-raussichten für Montag: Andauern des warmen Wetters, bis auf vereinzelte Gewitter trocken und schön, Ostwind. Vom Rundfunk Empfehlenswertes ans des Programmen i Montag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Schallplatten: Verdi. 13.25 Arbeitsmarkt. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Hiebsch: Aus FinkeS Oper „Die Jakobsfahrt". 18.35 Prof. Schubert: Der wissenschaftliche Charakter der Pädagogik. 21.55 Streich« auartett. 22.30 Tanzmusik. 22.45 Deutsche Räch« richten.— Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Liederkonzert.— Brünn: 17.40 Deutsche Sendung: Werner: Arbeitsschule und Auswendiglernen. 18.20 Schallplaüen. 18.35 Volkslieder. 19.00 Deutsche Presse. 21.55 Klavierkompositionen.— Mährisch» Ostrau: 18.20 Deutsche Arbeitersendung: Drapalla» Ostrauer Börse. 21.15 Schauspiel aus dem Atelier: „Modche und Rest". 23.00 Tanzmusik.— Pressburgr 21.15 Klavierkonzert.— Kascha«: 16.30 Orchesterkonzert. Dienstag Prag: Sender L.: 10.10 DeüWe Presse.. 11.05 Deutscher Schulfunk. 12.10 Operettenmusit. 13.40 Burian auf Schallplatten. 17.45 Schallplatten. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Albrecht: Wirtschaftliches Relief. 18.30 Oesterreichifche Lieder. 19.00 Deutsch« Presse. 19.25 Merikanische Lieder. 22.30 Tanzmusik. — Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Jellinek: Eltern, wie sie sein sollen. 14.30 Opernszenen. 14.50 Deutsche Presse.—« Brünn: 17.40 Arbeiterfunk: Soziale Informationen. 17.45 Perlsee: Thomas Mann. 18.35 Wandervogel« funk.— Mähr.-Oftra«: 15.00 Nachmiitagskonzerr, 16.10 Chorrezitattonen.— Prrssbnrg: 18.00 Klavierkonzert.— Kascha«: 18.55 Violoncello-Konzert. arnitti begießt Du die Blumen auch mit Blumen-Zauberdung von der„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tr. 62. 1 Paket Kö 5.60 mit Postzusendung. Monarchen auf Kongressen Wilhelm««d Friedrich August Zweimal in den Jahren meiner reichsdeutschen Berichterstatterarbeit vor dem Kriege hatte ich Gelegenheit, Allerhöchste zu hören und zu beobachten. Das erstemal war es mehr ein Zufall. Jedes Jahr im Frühling versammelten sich in Berlin die Oberagräricr zur„Grünen Woche". Da trat im Zirkus Büsch bei den grossen Kundgebungen als Hauptattraktion der Kammerherr und Reichstagsabgeordnete Elard von Oldenburg auf Januschau in Aktion. Entsprechend dem Motto des Gründers des Bundes der Landwirte, des Herrn v. Rupprecht auf Ransern,»Wir müssen schreien, schreien, schreien", schrien sie nach noch höheren Zöllen, völliger Versklavung der Landarbeiter, noch mehr Polizeidruck auf die»Sozzen", was ihnen alles erst im Dritten Reich im Zeichen von B l u d o vollkommen gelingen sollte. Den trockenen Ton unterbrach der Januschauer mit seinen Kernsprüchen und Hanswurstwitzen zur allgemeinen Erlustigung. Feierlich dagegen ging es bei den amtlichen Tagungen des Deutschen Landwirtschastsrates urid des Kgl. Preussischen Landesökonomiekollegiums zu, die in dem Saal des erlauchten Herrenhauses abgehalten wurden. Nebenan, im Abgeordnetenhaus, hatte ich an einem solchen Vormittag zu warten, bis die Mittagspause in den Sitzungen der Ausschüsse den Abgeordneten erlaubte, befreundeten Journalisten etwas über die Verhandlungen mitzuteilen. Es war noch lange bis dahin und so beschloss ich, mir einmal die Agrartagung im Herrenhaus anzusehen. Für mich, der ich dem Hauspersonal bekannt war, hatte es keine Schwierigkeiten, auf die Herrenhausgalterie zu gelangen. Es sprach gerade ein alter Herr im Bratenrock, der Gutsbesitzer von Lochow auf Pettkus, über den von ihm gezüchteten, besonders ergiebigen und hochwachsenden, also viel Stroh gebenden Weizen. Am rechtsseitigen RegierungZtisch aber saß Seine Majestät Kaiser-König W i lh el m II. mit grossem Gefolge. Natürlich in der grünen Jägeruniform, da es doch eine Landwirtsache war. Als nun der alte Herr v. Lochow seinen Vortrag beendet hatte, erheb sich der Vorsitzende, der alte Graf Hans Axel Tammo von Schwerin- Löwitz, damals gerade Reichstagspräsident, in seiner ganzen Länge und freudig und stolz lächelnd verkündete er:„Seine Majestät haben aller« g n ä d i g st geruht, nun allerhöchstselbst das Wort nehmen zu wollen!" Und schon ging Wilhelm, säbelumgürtet, zum Rednerpult, wintte den sich erhebenden Agrariern zu, sich hinzusetzen, legte das vom Adjutanten buckelnd dargercichte Manuskript aufs Pult und ohne sich weiter darum zu kümmern, begann er. Es war sofort zu merken, dass dieser Mann gewohnt war, öffentlich zu sprechen und über die typische Wortgewandtheit verfügte. Zur Freude seiner Hörer bezeichnete er sich als ihren Berufsgenossen» denn er betreibe ja auch Landwirtschaft auf seinem pommerschen Gut C a d i n e n. Dort stehe der Petkuser Roggen meterhoch und gerade wie Uhlanenlanzenl Aber der Pächter tauge nichts und deshalb habe er ihn auch hinausgeschmissen. Es ging bei dieser Kaiserrede ganz unhöflich zu, die Agrarier lachten laut auf und grunzten vor Vergnügen. Die Kaiserrede aber erschien kaum eine Stunde später in der massenhaft gekauften »B. Z.", am Ziachmittag in den Abendblättern,— und zwei oder drei Tage später ging durch die ganze Linkspresse eine Erklärung des öffentlich angeprangerten Pächters, dass Se. Majestät gröblich irregeführt worden sein müsse, was nur der Domänendirektor von Etzdorfs getan haben könne; er, der Pächter, habe niemals von einer Unzufriedenheit des Gutsherrn etwas vernommen und von Hinausschmiss sei überhaupt gar keine Rede. Ei verdammt, das war wieder einmal so eine üble Plötzlichkeit Wilhelms gewesen, die dann auszubügeln der Regierung schtvere Mühe kostete. Erinnere ich mich recht, so hat Wilhelm nach dieser Geschichte sein Auftreten auf den Agrarievkon- greffcn ganz eingestellt. Eine aber schon ganz andere Nummer war König Friedrich August III. von Sachsen. Den genoss ich aus nächster Nähe bei der Eröffnung eines grossen Kongresses für Wohnungswesen in Dresden im Festsaal der Technischen Hochschule. Man hatte die Presse ganz vorn placiert und so standen unmittelbar vor uns eine Anzahl meist älterer Herren im Frack und mit Orden im Halbkreis aufgestellt. Friedrich August erschien selbswerständilich auch in Uniform, in dem hellblauen Generalsrock, aus dem ein von freier Luft, aber gewiss noch mehr vom Wein gerötetes Gesicht mit weissblonden Augenbrauen und Schläfenhaaren freundlich lächelnd hervorkam. Vor dem-ersten der Aufgestellten machte er halt, verbeugte sich leicht und hörte vom Ministerpräsidenten, dem hocheleganten Graf Vitzthum von Eckstädt, wie der Mann heisse und welches hohe akademische Verwalt»ngs- oder technische Amt er innehabe.»Aha!" sagte die Majestät in langgezogenem Ton mit echt sächsischer Vokaltrübung— und ging einen Schritt weiter zu Nr. 2, wo sich genau das gleiche wiederholte. Wieder»Ahal", dann Nr. 3 und so den ganzen Halbkreis durch. Acht Vorgestellte, achtmal Ae h ä! Dann setzte sich Friedrich August in seinen Fauteuil und hörte andächtig dem Eröffnungsvortrag zu. Er dürfte davon ebensoviel verstanden haben, wie bei seiner Führung durch eine Erdbebenwarte, wo er sein sächsischer Landtagsabge- ordneter hat es mir erzähü) am Schluss zu dem Leiter, der ihm all die feinen Instrumente zu erklären versucht hatte, nur sagte:„Un nich wahr, 's alles elegdrisch?" Trotzdem bin ich gar nicht geneigt, die vielen und fröhlich weiterwachsenden Anekdoten zu bezweifeln, die von des Geenigs köstlicher Originalität berichten. Der schon erwähnte Genosse aus dem Landtag erzählte mir z. B. schon damals: Einmal wurde ein rechtsstehender Abgeordneter vorgcstellt, der aber seine nichtarische Abstammung im Aussehen nicht verleugnen konnte. Der König»fragte ihn:„Bei welcher Bartei sinn Se denn?"— »Ich bin nationalliberal, Majestät!"—»Nu, Se sähn mr awwer recht fraisinnch ans", bemerkte der König dazu. Und wenn gar nichts anderes von ihn: weiterlebte, die eine Sache mühte es doch, mit der er Deutschlands Zukunft so wahr vorausgesagt hat. Als er nämlich an die Leute, die auf einer Zwischenstation seinen Salonwagen umdrängten, die Worte richtete:„Ihr said mr ja scheeneRebubbliganerl l" R. Be. Nr. 14« Sonntag, 23. Juni 1935 Seite 7 Niemands Herr und Niemands Knecht Ein bedeutsames Werk über die Geschichte der künischen Freibauern im Böhmerwald Der große Heimatforscher des Böhmerwaldes Josef Blau hat(im Verlage der Ersten Westböhm. Druckindustrie-AG, Pilsen) ein über 600 Seiten umfassendes großes Wert„Geschichte der Maischen Freibauern im Böhmerwalde" erscheinen lassen, das sich würdig den früheren Geschichtsbüchern des Verfassers anreiht und das zu den bedeutendsten Leistungen sudetendeutscher Geschichtsschreibung und Heimatforschung in den letzten Jahren— . vielleicht Jahrzehnten— zählt. Dies kann hier um so freudiger festgestellt werden, als Blau ein Heimatforscher ist, der niemals daran vergißt, daß in erster Linie die wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse das Leben des Menschen gestalten und der auch in dem vorliegenden Werke das soziale Leben der Vergangenheit, die mühevolle Arbeit der Böh- Merwaldbauern, als die Grundlage ihrer Geschichte schildert. Wissenschaftlich ist Blaus Werk deshalb hochbedeutsam, weil wir es, wie Hans Watzlik im Vorwort richtig bemerkt, hier mit der ersten großen Besiedlungsge« s ch i ch t e zu tun haben, die einersudetendeutschen Landschaft gewidmet ist. An der Persönlichkeit Josef BlauS erkennt man, daß man kein National! st zu sein braucht, um seine Heimat zu lieben. Gerade der von nationaler Verträglichkeit erfüllte Reuerner Historiker ist der bedeutendste Heimatforscher der Sudetendeutschen geworden. Von Neuern bis Winterberg war vor tausend Jahren ein dichter Grenzwald, der dem Landesfürsten gehörte und„H w o z d" genannt wurde. (Der Name kommt aus dem Alttschechischen und heißt„dichter Wald".) Dieser Wald ist von .Bayern aus grüner Wurzel besiedelt worden. Der älteste uns bekannte Namen aus dieser Gegend ist der des Einsiedlers Gunther, der kurz nach dem Jahre 1000 hiehcrkam. Ein Jahrhundert später gelangte der Landstrich in den Besitz der Grafen von Bogen— an einen dieser Grafen namens Albrecht erinnert der älteste deutsche Ortsname Böhmens, nämlich der des Ortes Albrechtsried. Der Hauptort des Bogen'schen Besitzes war Schüttenhofen, damals noch ein Hof mit einer Dorfsiedlung. Seine Bedeutung beruhte darin, daß es der Mittelpunkt der Goldwäscherei war, welche viele Leute anzog und so eine rasche Besiedlung der Gegend herbeisührte. Aehnlich wirkten die Eisenlager im Hochtal von Eisenstein, die auch zur Errichtung der Hammerwerke im Angeltal führten. Der Aufschwung und die Besiedlung vollzog sich in jener Zeit so rasch, daß Blau den Böhmerwald von damals das„böhmische Kalifornien" nennt.' Im 13. Jahrhundert starben die bisherigen Besitzer des Gebietes, die Grafen von Bogen, aus und der größte Teil des Nachlasses fiel an die Familie derer von I a n o w i tz. Ties» waren Burgherren von Riesenberg(beim heutigen Neu» gedein) und unter den Besitzern der Burg blieb das Gebiet des Waldhwozd von 1273 bis 1597, nach den Janowihern saßen auf der Burg dir Schwihovskys, dann die GutensteinS, dann die Lobkowitz. Während diese Geschlechter noch die Rechte der Bauern, welche nur dem König untertan waren(deshalb königliche oder künische Bauern) achteten, wurde das anders, als die Gra fen von Kolowrat Nowohradsky 1597 durch Erbschaft in den Besitz des Waldes Hwozd gelangt waren. Herr Zdenko Kolowrat erklärte, die Künischen seien seine Untertanen und er könne daher jederzeit gegen Schätzung und Bezahlung beliebig Bauernhöfe erwerben. Die freien Bauern ließen sich das nicht gefallen— denn das hätte die Vernichtung ihrer Existenz bedeutet— und beschwerten sich in Prag bei der böhmischen Kammer (1613). Daraufhin lud Herr Zdenko einige Bauern zu sich ein, unter dem Vorwand, mit ihnen zu verhandeln, aber als sie kamen, ließ sie der wortbrüchige Graf einfach verhaften. Inzwischen brachen die Schergen des Kolowrat auf den Höfen der Verhafteten ein, schlugen alles kurz und klein und stahlen wie die Raben. Das versetzte die Künischen in hellen Aufruhr. Sie rotteten sich zusammen, überfielen-die Räuber und rückten schlietz- lich nächtlicherweise gegen.die Kolowrat'sche Burg Opalka vor. Sie wagten es zlvar nicht, den festen Platz anzugreifen, stellten jedoch eine ständige Truppe auf, die bei Neuern zusammengczogen wurde. Graf Kolowrat wandte sich nun mit einer Anklageschrift wider die aufrührerischen Bauern an den Kaiser, der die Streitsache durch eine Kommission untersuchen ließ. Während aber die Kommission arbeitete— sie verbrachte damit einige Jahre—, wurden die Bauern weiter gequält, gepeinigt und geschädigt. Da sich die Bauern nicht anders zu helfen wußten, beschlossen sie, für ihre Freiheit ein großes Opfer zu bringen und es entstand bei ihnen der Gedanke an den Loskauf. Im Juni 1616 gab der Kaiser die grundsätzliche Bewilligung zum Freikauf aus der Kolowrat'schen Pfandschaft und kurze Zeit später hatten sich di-, Künischen tatsächlich losgekauft. Die Freiheit war ihnen mehr wert als das Geld, das sie mit Mühe zusammenbrachten. Am 19. November 1617 erhielten sie von Kaiser Matthias einen Majestätsbrief, den Freihcitsbrief der Bauern im Walde Hwozd.„Von dieser überaus engen Grundlage", so urteilt Blau,„gelang es ihrer Wachsamkeit, ihrer Ausdauer und ihrem aufopfernden Freiheitssinne, die Sicherung ihrer alt gewohnten Rechte, dir von keinem Herrn und keines Königs Gnade, sondern von der Sonne und von der Natur ihrer Berghcimat stammten, immer fester und breiter auszugestalten." Noch einmal mußten die Künischen all: Pern feudaler Unterdrückung auskosten. In dem Kampf zwischen oem katholischen Habsburger und dem protestantischen Friedrich von der Pfalz, der zum Böhmenkönig gewählt worden war, standen die Böhmcrwaldbauern gegen die Habsburger und dir katholische Kirch«. Sie" mu stieg es. bitter^büßen, denn nach der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes wurden sie der wenige Jahre vorher geleisteten Ablösungssumme verlustig erklärt und kamen unter die Fuchtel eines Abenteurers, des kaiserlichen Obersten Don Martin de Hoeff-Huerta, eines habgierigen Emporkömmlings, der über sie durch 15 Jahre, von 1622 bis 1637, die Peitsch: schwang. Hoeff-Huerta hat die Döhmerwald- bauern durch Einquartierung von Soldaten und durch ein« unerhörte Ausbeutung wieder katholisch gemacht— er soll sich im Rausche gerühmt haben, daß er der Kirche mehr Seelen gewonnen habe als Christus und seine Apostel. Aber die tapferen Bauern bissen die Zähne zusammen und führten den Kampf weiter. So lange sie Protestanten gewesen waren, ließ der Kaiser zu, daß Huerta sie nach Herzenslust plünderte. Als aber der Herr Oberst auch die Katholischen ausraubte» fanden di- Klagen der Bauern bei Hofe ein williges Ohr und es wurde ein Ausgleich getroffen» in dem dir Schuldigkeiten der Untertanen in einem„Urbarium" genau festgelegt wurden(1630). Es war der zweite Freibrief der Künischen, die, so hieß es, „bei allen ihren uralten guten und löblichen Gewohnheiten, Rechten und Privilegien ohne Verkürzung belassen und geschützt werden sollten". Seither hat es niemand mehr geivagt, di? Freiheiten der künischen Bauern ernstlich anzutasten, auch die Lobkowitzer und Palm-Gundelsin- gen nicht, wclcke Grund- und Gutsbesitz m der dortigen Gegend erwarben. In mancherlei Rechtsstritten sind die Bauern im 18. Jahrhundert für ihre Sache etzrgestanden, bis sie am 22. August 1793 nochmals die Bestätigung aller ihrer Freiheiten erlangten. Das Jahr 1848 hat dann mit der gutsherrlich-bäuerlichcn Untertänigkeit völlig aufgeräumt, die Bauern des Waldhwozd verloren Wohl ihre Sonderrechte, erlangten aber mit allen Bauern des Landes die bürgerliche Freiheit. Mögen die Nachfahren der Künischen den trotzigen Bauern gleich sein, welche durch Jahrhunderte um ihre Freiheit gerungen und sie bewahrt haben. Möge auch für sie der Wahlspruch gelten, welchen die Künischen auf ihrem Wappen trugen: „Niemands Herr und Niemands Knecht, das ist Künisch Bauern Recht." E. st. „Kleinigkeiten" aus dem Dritten Reich Zahlreiche Betriebe, insbesondere der Textilund Lebensmittelindustrie, beantragten beim Reichsarbeitsministerium die Erlaubnis zu grö« ßcren Entlassungen, die aber verweigert wurde. Man will noch einmal mit Subventionen aushelfcn. Bis zum Spätsommer aber dürfte die Methode der Vermeidung von Entlassungen durch staatliche Stützung aus Mangel an Mitteln und wegen der Vielzahl der Fälle unmöglich werden. Der im 88. Jahrgang stehende„GebirgS- b o t e" in Glatz stellt sein Erscheinen ein. Der Kommunist Friedrich Kück aus Marl wurde an einer Brücke des Lippe-Seitenkanals„auf der Flucht erschossen". Einem Aufruf des Ministers Rust zufolge kann der einjährig-freiwillige D i e n st— entgegen allen bisherigen Erklärungen vgn nationalsozialistischer Seite,—- von den Jahrgängen 1910—^1913 doch noch geleistet werden, wenn sich die betreffenden bis zum 30. Juni melden. Die Gauleitung Koblenz-Trier erließ«inen Aufruf zugunsten des Weinbaus, in dem es heißt, die Ablehnung des Weins entspringe einer marxistischen Auffassung! Beamte und Angestellte sollten wieder an die Errichtung eines kleinen privaten Weinkellers denken. In Anbetracht dessen, daß Löhne und Gehälter das niedrigste Niveau seit der Inflation erreicht haben, kann man dies nur als Verhöhnung auffassen. VoIMM Oll WM Streiks und Aussperrungen im Mai 1935 Nach der Mitteilung des Statistischen Staats» amtes gab«S im Dkai 1935 24 Streits(im April 23), davon waren 21(20) Einzel- und 3(3) Gruppenstreiks in 40(49) Betrieben. In den betroffenen Betrieben waren 7518(5540) Beschäftigte, von denen 7414(4291) streikten und 57(26) infolge Streiks feierten. Die Streikenden verlören 72.965(30.355) Arbeitstage und an Lohn 1,720.562(454.668) KL, die infolge Streiks Fei- ernden 439(362) Arbeitstage mit einem Lohnver- lust von 9444(7596) KL. Insgesamt betrug also der Verlust an Arbeitszeit bei den Streiks 73-404 (30.717) Arbeitstage und der Lohnverlust 1,730.006(462.264)' KL. Stach den Gewerbeklassen entfallen 15 Streiks auf die Baugewerbe(66.135 versäumte Arbeitstage), je zwei Streits auf die Glasindustrie "(800), die Metallverarbeitung(1472) und die Holzindustrie$658)) je ein Streik auf die Landwirtschaft'4500), die Steinindustrie(.) und die Nahrungsmittelindustrie(.). Hinsichtlich der F» r d e r u n g e n wurde bei einem Streik die Nichtkürzung der Löhne (1400), bei 11«sine'LohnerhöhlM^'s70.643) verlangt, 3 Streiks hatten ander« Forderungen(922) zur Ursache und bei 9 Streiks ist die Forderung bisher nicht bekannt. . Das Ergebnis der Streiks war in 7 Fällen ein Teilerfolg(2182), in 3 ein Mißerfolg (4408) und in 14 Fällen ist es nicht bekannt (67.340). Nach Ländern entfallen auf Böhmen 10 Streiks(2643), auf Mähren und Schlesien 2 (414), auf die Slowakei 8(65.400) und auf Kar- pathorußland 4 Streiks(4508).' Aussperrungen gab eS im Mai keine. Gestapo von turren Berlin, Prinz-Albrechtstraße 8. Die beiden SS-Posten, die mit Stahlhelm und Karabiner staffiert, vor dem Portal wurzeln, sind eigentlich recht überflüssig, denn kein Mensch kommt auf den Gedanken, heute fteiwillig dieses Haus zu betreten. Die Vorübergehenden beschleunigen ihre Schritte oder wechseln auf die andere Straßenseite; ihre Mienen sind von einer künstlichen Gleichgültigkeit, aber die Angst sitzt ihnen im Racken, und erst wenn sie an der Straßenecke angelangt sind, wagen sie sich zaghaft und neugierig umzudrehen: da hockt der Palast der Geheimen Staatspolizei, wie ein Alptraum mitten in der Weltstadt. Ich bin nicht zum erstenmal hier, aber ein Bekannter will mir einiges zeigen, was man sonst nicht leicht zu sehen bekommt. Wir treten ein. Links die Wachstube, wo man sich anzumelden hat. Ein paar SS-Leute sitzen da, rauchen; vor einem Jahr wurde man noch von SA-Männern empfangen. Heute sieht man kein braunes Hemd mehr im ganzen HauS. Dann gebts die breite Steintreppe hinauf, den feierlichen Korridor entlang, dsn mit Fahnen und den Bronzebüsten von Hitler und Göring geziert ist(Goebbels hat hier ja nichts zu suchen). In dieser Etage residiert Chef Himmler mit seinem Staab; es herrscht Ruhe, denn die Herren sind, wie meist, nicht da. Im Linoleum der Gänge spiegeln sich die weißen Wände; man denkt an ein Krankenhaus. Im 4. Stock geht es am lebhaftesten zu: Uniformierte bringen Häftlinge zum Verhör; hier ist die Fahndungsabteilung für Berlin, die Paßüber« wachnngsstelle und der restliche Verkehr mit dem Publikum. Die unten leisten nur Kanzleiarbeft. Der Chef der Fahndungsabteilung ist ein freundlicher alter Herr, der noch unter Sevcring das silberne Dienstjubiläum gefeiert hat. Seine Leidenschaft ist, illegale Literatur zu sammeln. Stolz zeigt er seine Schätze: die ganze Schreib- sischlade ist voll damft, obwohl er, wie er sagt. nur je ein Exemplar aufbewahrt. Ueber jedes neue Stück zeigt er sich so erfreut, daß man fast versucht wird, ihm eine regemäßige Belieferung zuzusagen. Wie so viele Bibliomanen hat er vom Inhalt seiner Sammelobjekte natürlich keine Ahnung.„Passen Sie auf", flüstert mir mein Begleiter zu,„wie blöd er ist", und erzählt, der illegale Rotfrontkämpferbund sei in voller Auflösung begriffen, seit Hösing der KPD beigetrcten sei und innerhalb der Partei eine militärische Gegenorganisation gegründet habe. Ter fteundliche alte Herr sitzt daneben und merkt tatsächlich nichts. Aber vielleicht ist er doch weniger lebensfremd als sein früherer Vorgesetzter(Severing), gegen dessen Freunde er eben eine Aktion eingelestet hat. Im Nebenzimmer sind vier Beamte mit dem Durchstöbern der beschlagnahmten Akten beschäftigt; harmloser Briefwechsel, der inzwischen freilich historisch geworden ist:„Der Reichskanzler Hermann Müller beehrt sich, anläßlich des Besuches Seiner Majestät, des Königs von Afghanistan..." Oder eine Karte des Reichspräsidenten Ebert: „Besuche mich doch, wenn ich wieder in Berlin bin." Da sitzen die Vier tagelang und sehen den sinnlosen Kram durch, ob sich in ihm nicht Beweise illegaler Tätigkeit finden ließen, aber die in einem Regal aufgestapelten beschlagnahmten Druckschriften zu studieren, haben auch sie keine Zeit. Jeder ist einem Ressort zugeteilt: SPD, KPD, kleine Gruppen, doch haben sie ihre Vorstellung vom politischen Inhalt dieser Bewegungen aus der Zeit vor Hitler übernommen. Differenzierungen, Arnderung der politisckien und taktischen Linie blieben ihnen bis heute ftemd. Wir qehen wieder hinab ins Erdgeschoß, biegen hinter die Steintreppe ab, durch ein Paar dunkle Gänge und verschiedene Holzstufen hinunter, dann sind wir in den Kellerräumen. Eine verwahrloste Garage mußte durchquert werden, wo defekte AutoS durcheinanderstehen; links eine Tür, rechts eine Tür; wir klopfen an der rechten, sie führt zu den berüchtigten Gefängniszellen. Ein SS-Mann ün Stahlhelm, den Revolver umgeschnallt, öffnet, verlangt die Ausweise, läßt uns ein. Ein großer halbdunkler Raum; an einem Tisch spielen Uniformierte Karten, durch eine Tür im Hintergrund sieht man ein Dutzend Pritschen, auf denen SS-Leute liegen. Etwas viel Bewachung für die Insassen der 17 Zellen, sintemalen die Mehrzahl von ihnen zurzeit ebenfalls SS-Leute sind, die hier Dienststrafen absitzen. Die Behandlung ist entsprechend angenehm; der dicke, sehr jüdisch auSsehende Inspektor— der Schrecken vieler Gefangener— brüllt zwar auch jetzt wie am Spieß, aber geschlagen wird nicht. Die sozialistischen Häftlinge sind alle im Columbia-Haus untergebracht. Man sieht, daß die Zellen noch neu sind, sie sind hygienischer als in vielen Gefängnissen— aber man wird den Eindruck der Unechtheit nicht los. Auch hier eine Art Linoleumbelag und frischgetünchte Wände, die kein Gekritzel verunstaltet; alles sieht so abwaschbar aus wie in einem Kinderzimmer der Montesori, das fünf Minuten nach dem Chaos schon wieder dem Besucher vorgeführt werden kann. Nur in der Zelle Nr. 1 blickt, mit Bleistift eingegraben, ein großes T von. der Wand; plump gezeichnet, wie ein zweiarmiger Galgen. Hier wohnte lange Zeit Ernst Thälmann. Wir gehen wieder hinaus in den Korridor. Die Tür links führt zum Restaurant für die Beamten des Hauses; das Bewußtsein, in nächster Nachbarschaft der Gefangenen speisen zu können, erhöht ihnen den Appetit wie die Gemütlichkeit. Ein nicht großer Raum, dessen Einrichtung sehr provisorisch aussieht. Hierher kommen, die Herren mit ihren Sekretärinnen,- die sonst unsichtbar hinter den vielen Türen sitzen; ältere Leute, denen man den ehemaligen Offizier von weitem ansieht: junge Elegants mit dem Gehabe von Diplomaten: und die Neulinge aus den Reihen der SS: zweiundzwanzigjährige Burschen, die all: dasselbe primitiv-gesunde Gefickt haben. An ihnen merkt man schon die typisierende Wirkuna der„Neuen Schule". Auch bei der Auswahl der Weiblichkeiten scheint heute ein Schema vorzuherrschen, denn die meisten sind dick und außerordentlich blond. Nur daS Mädchen an der Theke, das jedoch nicht vernachlässigt wird, könnte aus Bialystok stammen. Auf der Speisenkarte stehen verschiedene, nicht sehr billige Eintopfgerichte: gestufte Volksgemeinschaft (zu der die uniformierten Wachtmannschaftcn be- merkenswerterweise keinen Zutritt haben). Ueber der Karte dieses schleckten Lokals seht in großen Lettern:„Casino der Geheimen Staatspolizei". Wozu dies? DaS Lokal ist dich nur den Angehörigen des Apparats geöffnet; will man sie daran erinnern, wo sie find? Gewiß. Dieses Gehabe ist nur scheinbar lächerlich; in Wirklichkeit dient es einem sehr ernsten Zweck. Auf Schritt und Tritt soll ihnen vor Augen gehalten werden, was alles mit ihnen los ist. Die Posten vor dem Portal, die Unzahl der Wachtmannsckasten, das Menschenarsenal im Hause nebenan, wo ständig etwa hundert SS-Leute in voller Kriegsausrüstung kümmeln; die zehn Posten hinten im Park, die mit dem Karabiner in der Hand aufpassen müssen, daß die Gefangenen nicht lie hohe Mauer überspringen, die zwischen Park und(wohlvergitterter) Zelle sich erhebt: das alles entspringt nicht so sehr der Angst, wie der Absicht, die eigene Macht sich selbst vorzudemonstrieren und sich an ihr zu erheben. Die Macht soll durch sich selbst multipliziert werden. Wir verlassen das HauS im Auto. Selbst die Beamten im Dienst, die täglich hier aus und ein fahren, müssen sich stets mit dem amtlichen Ausweis legitimieren. Auch der Chef Himmler, dessen Visage in Berlin jedes Kind kennt, beweist vor dem Posten täglich seine Identität..ufs neue. Angst? Lächerlichkeit? Preußischer Sozialismus! Das Recht darf keine Ausnahme kennen— wo es nichts kostet! Keiner darf sich über den Andern erheben— in belanglosen Aeußerlichkeiten I Ueber die Verlogenheit solcher Moral ist hinreickend geschrieben worden, aber sie zieht imme>- noch. Dieser Staat lebt von Ihr; Hunderttausende exakt gedrillter menschlicher Maschinen sind bereit, ihn zu schützen. M. H. Seile 8 „Sozialdemokrat" VmmK»«, 23. Smtk 1938. Nr. 146 $twr fei-tiuiq Diebstahl auf der Schwimmfchule. Dieser Tage wurde auf der städtischen Schwimmschule in Prag I. ine silberne Schweizer Doppelmanteluhr„Hüning- Geneve" mit goldener Kette, goldenem Medaillon und Brillanten, und silbernem, mit einem grünen Stein und blauen Emaileinlagen geschmückten Bleistift im Werte von 3000 Kö gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Vermißter Schüler. Seit dem 16. d. M. ist der Schüler Wenzel Poläk aus Lomnitz abgängig. Er ist 130 bis 140 Zentimeter groß, schlank, mit braunen Haaren und Augen, hoher Stirn, ovalem Gesicht und— als besonderes Kennzeichen— an beiden Händen nach einwärts gekehrten kleinen Fingern. Er trug einen braunen Sportanzug. Hochspannungsdraht. Gestern vormittags arbeitete in der Bölohorskä in Brevnov in der Nähe der Transformatoreustation der 23jährige Straßenkehrer Stefan Mechura. Hiebei berührte er wahrscheinlich den elektrischen Leitungsdraht, so daß er vom Strom erfaßt und aufs Pflaster geworfen wurde. Auf der Klinik Kreibich wurden Brandwunden 1. bis 3. Grades am ganzen Körper festgestellt. Xtmst und Msscn Deutsche Musikakademie. Dienstag, den 25 Juni, 20 Uhr, Mend der Klaffe Eppinger im Lehr- -faal, Prag I., Rcvolukni 19. Gymnastische und chorische Spiele. Freiwilliger Regiobeitrag. Repertoire-Acnderung. Wegen plötzlicher schwerer Indisposition des Herrn Fischer mußte gestern die Vorstellung„Cosi fan tutte" abgesetzt werden. Statt deffen wurde„Barbier von Sevilla" gegeben.„Cosi fan tutte" ist eine der ersten Vorstellungen der nächsten Spielzeit. Wochenspielpla» des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag H8: DieNachtigall, Gianni S ch i c ch i.(D i.)— Montag 8: D e r Mustergatte,(Gastspiel von Heinz Rühmann und Alexa von Poremski, Abonnement aufgehoben.) — Dienstag halb 8: D o n Giovanni,(Festspielaufführung, Gastspiel Pinza, A 1.)— Mittwoch: geschlossen.— Donnerstag 8:Cenodo- x u s,(Anläßlich des Katholikentages, Abonnement aufgehoben.)— Freitag 8: Feierlicher deutscher Eröffnungsabend des„Katholikentages", (Abonnement aufgehoben.)— Samstag halb 3: Cenodoxus,(Abonn. aufgehoben, abends geschlossen!)—■ Sonntag 8: Cenodoxus, (Abonnement aufgehoben.) Wochcnspirlplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag abends 8 Uhr: Ich hab's getan,(volkstümliche und Schlußvorstel- l u n g der Kleinen Bühne). Der Dim, Ihr Toreador Der zurzeit rneistbelachte amerikanische Filmkomiker Eddie Cantor bietet uns in diesem neuen Film(der eigentlich„Der Kleine aus Spanien" heißt) die gleiche Mischung wie in dem aus Revue- Szenen, Schlagerliedern, Groteske und Parodie zusammengesetzten„Skandal in Rom"— nur daß diesmal die Parodie beinahe fehlt, was den Eindruck des Ganzen erheblich abschwächt. Aber dec Lacherfolg wird nicht ausbleiben, auf den Eddie Cantor und sein Regiffeur Carey unbekümmert uw Einwände der Logik'und des anspruchsvollen Geschmacks lossteuern. Daß der Film Einfälle, Schwung und Technik hat— und daß Cantors Könnt auch ohne allzu grobe Effekte wirken kann, wird auch der kritische Betrachter nicht leugnen. Aus der Fülle der Situationen und Verwicklungen, die im Mädchen-Schlaf- ziMmer eines Universitätskollegs beginnen und über ein Bankräuber-Auto und ein mexikanisches Gefängnis hinweg in die Stierkampf-Arena führen, bleiben zwei Szenen als Höhepunkte im Gedächtnis: die nahezu unanständig komische Liebesszene mit der versehentlich entführten Senorita und der unfreiwillige Stierkampf des davongejagten Studenten, der sich für einen spanischen Matador ausgibt und in höchster Not den Teufelsstier mit einem chloroformierten Tuch zur Strecke bringt.-—eis— Das Mädchen vom Moulin Rouge Der erste Witz dieses Hollywood-Films liegt in der Sprache: die Hauptdarstellerin(es ist Constance Bennett) muß Englisch mit französischem Akzent sprechen, weil sie sich dem Publikums dem Direktor und dem eigenen Ehemann gegenüber als Pariser Revue-Sängerin ausgibt. Woraus sich der zweite Witz des Films ergibt, der in der Handlung liegt: die falsche Pariserin, die ihre Komödie veranstaltet, um den Ehemann von ihrem Talent zu überzeugen, bezaubert den Gefoppten nicht nur als Künstlerin — und steht damit vor der Frage, ob sie das heftige Werben des Gatten als persönlichen Erfolg oder als Ehebruch mit der von ihr selbst verkörperten Nebenbuhlerin auffassen soll. Der Schluß des Films ist um eine Kompromißlösung bemüht, die ebenso unwahrscheinlich ist wie di« Entstehung des Problems: denn daß der Gatte die eigene Frau nicht erkennt, nur weil sie sich die Haare gefärbt hat und mit verstellter Stinune spricht, ist nicht gerade überzeugend. Aber es handelt sich um einen Film, der nur mit Scherzen und Ausstattung unterhalten will,■— imd das gelingt ihm(unter Sidney Lankields Regie) streckenweise. Sogar die Revue-Arrfführung. die wir hier teilweise zu Gesicht bekommen, läßt sich ertragen. Nicht etwa weil sie sinn- und geschmackvoll ist, sondern weil in sic die beinahe betörende Melodie eines Kitschliedes verwoben ist, deffen Text vom„Boulevard of broken dreams", von der Montmartre-Straße der zerstörten Träume erzählt. —eis— Utanift'ftino „Die Freundin eines große« Mannes". Der große Lustspielschlager mit Käthe v. Nagy, K. L. Diehl und Brausewetter in den Hauptrollen. Heute 4, 6, halb 9 Uhr. Billige Sommerpreise. Nordlandreise des Atus-Fußbaüteams Der Fußball-Ausfchuß des AtuS hat eine Tournee der Berbandsmannschast nach Norwegen und Dänemark abgeschlossen. Ein Spiel fand schon in OSlo statt, dem weitere in der Provinz folgen und auf der Rückreise gelangen in Dänemark einige Spiele znr Austragung. Neber das Osloer Spiel befindet sich an anderer Stelle ein kurzer Bericht. Erstes ungarisches Provinz-Arbcitersportfest. In S z e g e d hielten die ungarischen Arüeitersportler ihr erstes Provinz-Sportfest, verbunden mit leichtathletischen Meisterschaften, ab. Ans Budapest waren 500 Turner mittels Sonderzug gekommen. Das Fest war ein voller Erfolg und von über 2500 Zuschauern besucht. Glänzend gelungen war ein Bewegungschor, bei dein 500 Sänger und 200 Turner mitwirkten und der in eine Kundgebung für den Frieden uns gegen den Krieg ausklang.—- Von den leichtathletischen Ergebnissen wären zu erwähnen: 100 Meter: R. Nömeth 11.8 Sek.: 1000 Meter: Varaljai 2:45 Min.r 5000 Meter: B. Nömeth 15:08 Min.(neue Bestleistung); 200 Meter Hürden: Söti 28.5 Sek.; Sperr: R. Nömeth 46.10 Meter; Weitsprung: Söti 6.30 Meter. Frauen: 4X50 Meter: MTE 27.9 Sek.; Weitsprung: Dudäs 4.43 Meter. Die finnischen TUL-Turnerinnen veranstalten derzeit eine bis 7. Juli dauernde Verbandsschule, Die Araber, Japan und Abessinien Arabien— Japan— Abessinien, eine seltsame Zusammenstellung, nicht wahr? Vor 10 Jahren hätte man es noch für absurd gehalten, diese drei geographischen Begriffe in einem Atem zu nennen. Heute ist das anders. Die Bezeichnungen Pan- isiamismus, Panasiatismus und Panafrikanismus können zwar nicht identisch sein, aber sie haben einen gemeinsamen Nenner, nämlich die Kampfstellung gegen die Weißen, gegen Europäer und Amerikaner. Und Arabien ist gewissermaßen der Schnittpunkt. In Arabien wenden sich im ostafrikanischen Konflikt die Sympathien Abessinien zu. Es zeigt sich eine Fntereffensolidarität, die man früher nicht gekannt hat. In anderen Teilen Asiens ist es nicht anders, und in Afrik.: auch nicht. Daher auch die Befürchtungen, die vor allem von England gehegt werden, daß ein Krieg in Ostafrika nicht nur Unruhen in Tripolis, sondern auch im Sudan, in Kenya, Uganda, Rhodesia usw..auslösen könnte. Die Araber verstehen es sehr gut, oaß Abeffinien japanische Arbeiter ansiedelt und offensichtlich Abessinien begünstigt. Sie nehmen freudig zur Kenntnis, daß Japan Mohammedaner aus Asien und Afrika an seinen Universitäten studieren läßt. Die Japaner werden als Befreier angesehen. Man urteilt also schematisch »ach der Hautfarbe, und die panasiatische Propaganda der Japaner zieht daraus Nutzen. Das waren auch die primitiven Vorstellungen der Chinesen 1899 während des Boxeraufstandes. Diese Einstellung hatte Sunhatsen in seiner Jugend. Die fortschrittlichen Chinesen haben damit gebrochen, doch gerieten sie jetzt ins Hintertreffen gegenüber der These Tschiang Kai Scheks, der die Konzentrierung der Macht auf ein kleines Gebiet, die wirtschaftliche Modernisierung und Industrialisierung einer kleinen Fläche und im übrigen den Verzicht auf den Norden, mit dem die Waffenhilfe gegen die bedrohlichen Sowjetgebiete erkauft wird, vorzieht. In diesem Sinne machen die Araber Propaganda dagegen, daß man in London, Berlin, Paris und Wien studiert, statt in Tokio, wo nach ihrer Meinung der Islam eine so große Zukunft habe. Mit Stolz tragen die Araber neuerdings japanische Kleiderstoffe, nicht nur wegen der Billigkeit, sondern auch aus Protest gegen die Weißen. Der große blaue Stern„Made in Japan" wird sichtbar ani Kleid, geradezu als Aufputz, getragen. Und ebenso haben Frauen Wollsachen mit dem blauen Stempel„Dai Nippon". Aus dieser Einstellung heraus wird die Hilfestellung Japans für Abessinien geradezu als etwas Sclbstver- ständliches betrachtet. Wie steht es nun um eine direkte Waffenhilfe der Araber für Abeffinien? Sie käme freilich kaum in Betracht, denn die arabischen Truppen sind Nomadenheere, die einer regulären Armee kaum eingegliedert werden könnten. Aber die Sympathien sind eindeutig auf abeffinischer Seite, trotz des Besuchs des arabischen Thronfolgers in Rom. Auch die Zugehörigkeit eines Teils der Abessinier zur koptischen, d. h. christlichen Kirche, ändert nicht einmal etwas an diesem Empfinden. welche zwei Kurse aufiveist und an denen auch sechs' Vorturnerinnen der DTJ§ teilnchmen Die tschechischen Genossinnen, unter ihnen di« Ver- bandsturnwartin M. Patokkovä, wollen die gewonnenen Kenntnisse in bezug Rhythmik, Gymnastik, Turnen und Ballspiele, wie sie die finnischen Genossinnen pflegen, in den Frauenabteilungen ihres Verbandes znr Geltung bringen.— Bei der Durchreise Lettlands besuchten die tschechischen Genossinnen Frau Kalnin, um Genossen BrunoKalnin, der sich bekanntlich im Gefängnis befindet, die Grüße der Arbeitersportler in der Tschechoslowakei zu übermitteln. Arbeiter-Sport-Liga von Amerika«nd Einheitsfront. Die Tagung der Arbeiter-Sport-Liga von Amerika— so heißt es in einer einstimmig angenommenen Entschließung— hat Kenntnis genommen von den Verhandlungen, welche Mischen den beiden Arbeitersportinternationalen mit dem Hauptsitze in Prag bM. Kopenhagen geführt wurden. D'e Arbeiter-Sport-Liga von Amerika bestätigt in Ueber- einstimmung mit den Ansichten der Delegierten der ihr verbündeten Organisationen neuerdings ihren Standpunkt, daß die Einigung des Arbeitersports wesentlich für den Fortschritt der Arbeiterflaffe in der Erreichung des Sozialismus ist. Sie suhlt indessen, daß im Hinblick auf die grundsätzlichen Differenzen, welche Mischen den zwei Internationalen bestehen, keine solche organisatorische Einheit möglich erscheint. Die Arbeiter- Sport-Liga von Amerika deckt auch streng die Position, welche die Sozialistische Arbeiter-Sport-Jnter- nationale a'ngenommen hat, nämlich, daß wir jeden Versuch verwerfen müssen, ein gemeinsames sportliches Zusammentreffen Mischen Arbeiter- und den Bourgeois-Sportorganisationen herbeizuführen. Diele Handlungsweise steht im Gegensatz zur Geschichte der sozialistischen Arbeitcrsportbewegung Sparta schlägt Vienna 5:3(2:1). Das Rückspiel im Mitropacupspiel am Samstag in Prag wurde von Sparta verdient gewonnen. Beiderseits wurde sehr hart gekämpft. Bei den Wienern war nur das Verteidigunqstrio mif der Höhe. Sparta hat sich damit den Aufstieg für die nächste Runde gesichert. Frrenevaros gegen F. C. Roma 8:0! Die Budapester holten am Samstag im Mitropacupspiel nicht nur die 3:1-Niederlage in Rom auf, sondern sie schlugen die Italiener in einem Stil, daß für diese eine katastrophale Niederlage daraus wurde. Die Budapester haben sich den Verbleib in dieser Konkurrenz dadurch gesichert. Deutsche Volkssinngemeinde. Am Dienstag, dem 25. Juni, wird keine Probe mehr abgehalten, da zahlreiche Sangesgenossen bereits ihren Urlaub angetreten haben. Die Proben beginnen im Herbst anfangs September. Literatur Die internationale Monatsschrift Der Kampf, die unter Leitung Otto Bauers in Prag erscheint, enthält in ihrer Juni-Nummer die folgenden Artikeln Austriacus, Das Proletariat und der Krieg.— Josef Hofbauer, Zwiespältiges Wahlergebnis in der Tschechoswwakei.— Otto Bauer, Wirtschaftsentwicklung und Klassenkämpfe im fascistischen Oesterreich.— S. A. Hauser, Betriebswahlen in Deutschland.— Rundschau: Weltpolitik.— Weltwirtschaft. — Internationaler Sozialismus.— Internationale Gewerkschaftsbewegung.— Aus der Sowjetunion. -7- Bücherschau: A. Fogarasi, Der Bankrott der Theorien des Sozialfascismus am Ende der kapitalistischen Stabilisierung.— Anna Seghers, Der Weg durch den Februar.— Dr. S. Rosenblum, Die sozialpolitischen Maßnahmen der Gemeinde Wien.— Büchereinlauf.— Zeitschriftenrevue.— Preis einer Nummer: Kd 5.—. Filme in Prager Lichtspielhäusern bis Donnerstag, den 27. Juni. Adria:„Abend um 8." A.— John Barry- more.— Alfa:„Der Dämon des Himalaja." D. — Avion:„Ihr Toreador." A.— Eddie Cantor. — Bcranck:„Die blonde Venus." A.— Marlene Dietrich.— Flora:„Jennie Gerhardt." A.— Sylvia Sidney.— Julis:„Moskauer Nächte." F.— Annabella. H. Baur.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportage(ab halb 2— halb 10.)— Koruna:„Der Stern des Westens." A.— Kotva: „Mädchen von Moulin Rouge." A.— Lacerna: „Mädchen von Moulin Rouge."— Metro:„Der gestohlene Millionär." Fr.— Olympir:„Der Filmfanatiker." A.— Harold Lloyd.— Praha: „Die Liebelei." D.— Radio:„Die blonde Venus." A.— Marlene Dietrich.— Skaut:„Bachstelze." Tsch.— Belvedere:„Aus dem Regen in die Traufe." A. Beseda:„Gassenjunge." A.— Wallace Beery, I. Cooper.— Favorit:„Der Fluß." Tsch. — Louvre:„Jennie Gerhard." A.— Sylvia Sydney.— Rexy:„Die Abenteuer des Bulldogg Drummond." A.— Baldek:„Tie verkaufte Stimme." D.— I. Schmidt. Constance Bennett und Franchort Tone in dem amerikanischen Film„Das Mädchen aus dem Moulin Rouge" VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen 445 sind die allerbesten! EMPFEHLENSWERTE HOTELS UND GASTHXUSER: Restaurant— Hotel Deutsches Haus, Mähr.-Schönberg Pächter KÜRT POPP. Saubere Fremdenzimmer, Zentralheizung, fließendes Kalt* und Warmwasser. Garagen. Autobus von und zu jedem Zuge. Anerkannt beste Küche. Ia Getränke, herrlicher Garten mit Veranda. 3033 Waldsanatorium Dr. Scliweinburg ZUCKMANTEL, Schlesien Erstklassige, physikalisch-diätetische Heilanstalt für innere, Nerven- und Stoffwechsel-Krankheiten Mäßige Pauschaikuren 2023 Wald, Walser, Wohnungen, Wirte werden Sie befriedigen in Schlesiens beliebtester Sommerfrische KartSthlrl im^Altvater^ebir^e Erkotarciche Sure» in der diätet.-vhys. Kuranstalt Dr. Lehrer. 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