Dienstag, 25. Juni 1935 15. Jahrgang 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xiu pochova«. iuraa»7. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (ein.chli.Slich 5 Heller PortoJ Die Schlußtagung des Brünner Parteitages Die Wahi der neuen Partelvorrtandes, der neuen Exekutive und aller anderen Partelberatunstkörperschaften Genosse Dr. Czech wieder zum Parteivorsitzenden gewählt Dank an die ausscheidenden Funktionäre— Das SchluBwortdes Vorsitzenden Genossen Kogler Ein Nachwort Vier Wochen nach der Wahl bereits war die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei so weit, ihren zehnten Parteitag abhalten zu können. Vier Wochen nach einer verlorenen Wahlschlacht von— wie wir uns keinen Augenblick verhehlt haben— großem Ausmaße. Unsinnig, leugnen zu wollen, daß der Massenhafte Abfall der Randschichten unserer Bewegung ebenso die Partei wie jeden einzelnen ihrer Bekenner hart getroffen hat, aber wenn jemals, so hat es sich diesmal gezeigt, daß Wahlniederlagen, so schwer sie sein mögen, die Partei nicht zu besiegen vermögen. Die Hoffnungen der Gegner, hinter skrupellosester Ausnützung einer für sie kaum je wiederkehrenden günstigen Situation, uns niederzuwerfen, sind zuschanden geworden, aber auch die Erwartung, unsere Partei werde unter der Einwirkung des schlechten Wahlergebnisses inneren Streitigkeiten verfallen und von einer Krise gelähmt werden, sind nicht im entferntesten eingetroffen und werden auch in Zukunft, wie der Verlauf des Parteitages beweist, sich nicht erfüllen. Wahlniederlagen können unseren politischen Einfluß schwächen, doch der ehernen Basis, auf der der Bau unserer Partei steht, können sie nichts anhaben. Und auch länger wirkende Verwirrung können sie nicht in die Geschloffenheit unserer Reihen tragen, vielmehr ist auch diesmal das letzte Ergebnis dieses Ringens die Entschlossenheit, der trotzige Wille: Run erst recht! Jetzt erst recht drauf und dran, all« Kräfte mobilisiert und dem Feinde entgegengeworfen d Wer, der diesen Parteitag miterlebte, wollte leugnen, daß es dieser Geist, dieser Wille gewesen 'ist, der, vom ersten bis zum letzten, die Teilnehmer beseelte und leitete. Wiewohl Brünn als Tagungsort für den Großteil der Siedlungsgebiete der sudetendeutschen Arbeiterschaft nicht gerade am günstigsten gelegen ist, war die Beschik- kung des Parteitages eine ungewöhnlich starke, was allein schon ein herrliches Zeichen der ungebrochenen, ja der gesteigerten Bereitschaft und Kampfentschlossenheit unserer Anhänger war. Mehr als fünfhundert Delegierte, darunter solche aus den ärmsten und entlegensten Gauen des Landes, waren gekommen, um schon durch ihr Erscheinen in schwerer Stunde kundzutun: Wir sind da und wir bleiben auf unserem Posten, wir halten auch in der Not die Treue und niemals wird unser heißer Glaube an die endliche Sieghaftigkeii der sozialistischen Idee wanken! Schon das äußere Bild des Parteitages! Die sommerliche Temperatur bot wenig VerloOmg zum Verharren in einem geschlossenen Raume, dennoch bliÄien— die Gäste eingerechnet— die rund siebenhundert Menschen von morgens früh bis abends, an einem der Tage sogar bis über Mitternacht hinaus im Saale und folgten mit gespanntester Aufmerksamkeit den Ausführungen so-- toohl der Referenten wie jedes einzelnen Debatteredners. Für Hunderte Parteitagsteilnehmer war die Anwesenheit in Brünn die einmalige, vielleicht nie wiederkchrende Gelegenheit, die Macocha und das mährische Höhlengebiet zu besuchen. Schüchtern wagte sich eine Anfrage hervor, ob nicht eiiier der Nachmittage dem Besuche dieses Gebietes gewidmet werden könnte, doch einmütig lautete die Antwort: Wir sind gekommen, damit wir um Probleme ringen, Unklarheiten klären und den Weg für einen neuen Vormarsch von allem Gestrüpp freimachen, daher wollen wir jede Minute, die uns zur Verfügung steht, ausschließlich den Beratungen widmen. Die älteren Teilnehmer haben manche Parteitage miterlebt, es waren nicht viele darunter, auf denen von der ersten Stunde bis zum Schluffe die Auseinandersetzung mit so ungebrochenem, man darf sagen leidenschaftlichem Jnter- effe verfolgt wurde, wie es auf diesem geschehen ist. Das war der Fall, weil eben diese Parteitagung nicht eine war, wie manche der vorangegangenen, weil sie nicht bloß der notwendigen Abwicklung des Parteigeschäftes diente, sondern der Ueberpyüfung unserer Ideologie, unserer Politik, unserer Taktik und unserer Kampf- und Pro- pagandamethoden. Haben wir durch unser Verhalten die Wahlniederlage verschuldet, haben wir Fehler begangen, welche uns die Mitwähler entfremdet, uns in Gegensatz zu den Arbcitermaffen Unter dem Vorsitz des Genoffen K ö g l e r ging der Parteitag in Brünn am Sonntag in die Schlußverhandlungen ein. Zunächst erledigte der Parteitag nach dem Referat des Genossen Taub noch den Rest der eingebrachten Anträge(worüber wir an anderer Stelle berichten). Sodann erstattete Genoffe Ernst Pau l-Prag den Bericht der Mandats- Prüfungskommission Nach diesem Bericht zählt der Parteitag -459 Delegierte darunter 103 Delegierte von Lokalorganisationen, ferner 9 Abgesandte der Bruderparteien und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Insgesamt beträgt die Teilnehmerzahl 502 Genossen und Genossinnen, woraus sich ergibt, daß der Brünner Parteitag der seit vielen Jahren bostbeschickt« Parteitag ist. Auf Grund des Berichte? der Manvatsprüfungs- kommisfion genehmigte der Parteitag sämtliche Mandate. Ole Zusammensetzung des Parteitages nach dem Alter der Delegierten Genoffe Paul berichtet weiter über eine auf dem Parteitag durchgeführte Zählung der Delegierten nach Altersklassen. Diese Zählung, die 425 Delegierte erfaßte, hat ergeben, daß 41 Parteitagsdelegierte im Alter von 20 bis 30 Jahren stehen, 169 im Alter von 31 bis 40 Jahren, 137 im Älter von 41 bis 50 Jahren, 55 von 51 bis 60, 25 von 61 bis 66, einer im Alter von mehr als 70 Jahren. Die jüngsten Parteitagsdelegierten sind zwei Genoffen, die gerade im Alter von 20 I a hr e n stehen, der älteste Delegierte ist der auch bei diesem Anlaß herzlich akklamierte 75- jährige Genoffe Dr. Holitscher. Genoffe Paul stellt an Hand dieser Aufstellung fest, daß demnach der Parteitag, die höchste Körperschaft der Partei, auch nach Altersklassen alle mobilen Kräfte der Arbeiterbewegung in sich schließt. Der Bericht der Wahlkommission Nachdem festgestellt wurde, daß die Genoffen Dr. E ä e r und Kowanda als Gaswertreter der tschechischen Sozialdemokratie am Parteitag teilnehmen, erstattet« Genoffe Reich l-Komotau| gebracht haben, oder erfolgte die Wahl in einer jener Situationen, in denen sich künstlich überhitzter Nationalismus und verlogenste Demagogie stärker erweisen als die Werbe- und Durchschlagskraft unserer Ideenwelt? Dies nachzuprüfen war Zweck und Inhalt des Brünner Parteitages und er ist dieser Aufgabe in vollem Umfange gerecht geworden. Man zeige uns die Tagung einer anderen Partei, noch dazu einer, die unter ähnlichen Verhältniffen, das heißt nach einer so schlimmen Wahlschlappe zusammentreten würde, die mit gleicher Offenheit der politischen Welt das Schauspiel einer nur durch Selbstdisziplin gehemmten Diskussion zu bieten wagen dürfte, wie es in Brünn der Fall gewesen ist! Keine einzige der bürgerlichen Parteien könnte dies tun, am allerwenigsten jene gleich einem hohlen Darm aufgeplusterte Sudetendeutsche Partei Henleins, keine dürste ihren Angehörigen auch nur einen Bruchteil der Meinungsfreiheit erlauben, ohne Gefahr des Zusammenbruches. Für uns aber war der erlittene Schlag erst recht ein Anlaß, uns in freiester Aussprache über etwa be- den Bericht der Wählkommission. An diesen Bericht knüpfte sich keine weitere Debatte, nur Genoffe Die tz-Komotau richtete bei dieser Gelegenheit noch einen Appell zur Einigkeit und Geschloffenheit an den Parteitag und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der neuzuwählende Parteivorstand es verstehen wird, die Wünsche der Gesamtarbeiterschaft nachdrücklichst zum Ausdruck zu bringen. Genoffe Reichl als Berichterstatter stellt fest, daß eine Reihe von verdienten Vertrauensmännern, die bisher einzelnen Vertretungskörper- schaften der Partei angehörten; durch die Neuwahl, zum Teil auf Grund eigenen Verzichts, ausscheiden. Unter dem Beifall des Parteitages stattet Genoffe Reichl allen diesen verdienten Genossen den Dank der Gesamtpartei für die geleistete Arbeit ab. Genoffe Reichl stellt weiter bei der Vorlage der Listen fest, daß für den neuen Part ei Vorstand vier Arbeiter unmittelbar aus den Betrieben entnommen wurden. Ueber Antrag der Wahlkommission beschließt dann der Parteitag, daß die Zahl der Parteiborstandsmitglieder und deren Ersatzmänner ftir die nächste Verwaltungsperiode mit je 35 festgesetzt wird. Der Vollzugsausschuß wird in Abänderung der. Bestimmungen des Organisationsstatutes mit 14 Mitgliedern ftir die nächste Verwaltungsperiode festgesetzt.' Die Bestimmungen des Organisationsstatutes über den P a r t ei Vorstand werden dahin abgeändert, daß den Parteivorstandssitzungen neben 2 Vertretern der Zentralgewerkschaftskommission und deS Verbandes der Wirtschaftsgenoffenschaften je 1 Vertreter des Soz. Jugendverbandes, der Republikanischen Wehr und der Gemeindeberatungsstelle zuzuziehen, ist. Sodann beschließt der Parteitag folgende neue Zusammensetzung der Parteikörperschaften: Der Parteivorstand: Blatnh Fanny— Karlsbad, Czech Ludwig— Prag, Hackenberg Theodor— Prag, . Heeger Rudolf— Jägerndors, 'Heller Carl— Teplitz, Jlln« r Franz— LandSkran, Iaksch Wenzel— Prag, Jentsch Heinrich— Aussig, Katz Franz— Falkenau, Kern Karl— Troppa«, gangene Fehler, verübte Versäumniffe und neu einzuschlagende Wege Klarheit zu schaffen. Die Debatte stand, das wird jeder, der den Verhandlungen gefolgt ist oder den Bericht über sie gelesen hat, gewiß bestätigen, auf einem hohen Niveau, Welch eine große Schar rednerisch gewandter und politisch geschulter Männer und Frauen marschierte hier auf! Erfteulich auch die große Zahl junger Kräfte, prächtig diese nach stärkerer Betätigung verlangende Jugend! Der Parteitag hat dafür volles Verständnis gezeigt und er hätte sicher alle Versuche, das Generationsproblem dazu auszunützen, die Jungen gegen die Alten auszuspixlen, mit den einen oder den anderen zum Nachteil der Gesamtheit ungebührlichen Kultus zu treiben, entschiedenst abgelehnt. Nein, unzweideutig hat der Parteitag der Erkenntnis Ausdruck verliehen, daß die Partei ebensowenig der vorivärtsstürmenden Jugend entbehren kann wie der Reife und Erfahrung der älteren Generation und er hat sich dem Wunsche nach stärkerer Heranziehung jüngerer Kräfte in die Parteikörperschaften keineswegs verschloffcn. Kaufmann Franz— Komata«, Kirp al Irene— Aussig, Kügler Franz— Bodenbach, Kratern« Franz— Ruppersdorf, Krejöi Franz— Prag, Kremser Heinrich— Teplitz, Müchl Franz— R endet, Mottl Karl— Preßburg, Müller Rudolf— Gürkan, R i e ß n er Wilhelm=s Prag, Pank Ernst— Prag, Pfahl Rudolf— Böhm. Krumm»,- Reitzner Richard---.Bodenbach, Schaffer Gnsti— Drahowitz, Schönfelder Richard— Prag, Seidl Franz— Teplitz, Strauß Emil— Prag, Taub Siegfried— Prag, Wanka Willi— Pilsen, Weigel Wilhelm— Reichenberg, Well au Mathias— Brünn, Wildner Robert— Heinrichsthal, Witte Eugen— Karlsbad, Zinner Josef— Falkenau, Zischka Rudolf— Sternberg. Die Wahl des Parteivorstandcs erfolgte mit alle« gegen eine Stimme und unter Beifall deS Parteitags. Etens» einstimmig und unter starken» Beifall wird auf Vorschlag der Wahlkommission Genosse Dr. Ludwig Czech zum Parteivorsitzenden wledersewählt Durchwegs einstimmig angenommen wurde« ferner folgende Listen: Der Ersatz für den Parteivorstand Günzel Marie, Karlsbad; Schubert Ruo dolf, Schönlinde; Neumann Emil, Römerstadt; Mader Karl, Wigstadtl; Lorenz Richard« Teplitz-Schönau, Treml Franz, Landskron; Mül« ler Alois, Tachau; Müller Rudolf, Aussig; Künzel Josef, Rothau; Leder Adolf, Würben« thal; Rauch Johann, Kunnersdorf; Klemens Anna, Bodenbach; Hauk Friedolin, B.-Kamnitz; L a n g h a m m e r Franz, Neurettendorf; Mühlberger Alois, Trautenau; Jahn Franz, LooschZ Maier'Anton, Altrohlau; H ebI Karl, Engeran b. Bratiflava; Haas Josef, Bergesgrün; Friedl Josef, M.-Trübau; Storch Rudolf, Aussig; Zapf Franz, Böhmisch-Krumau; Weigl Josef, Bodenbach; Hirsch Steffi, Teplitz-Turn; Wiener Das erfreulichste an diesem Parteitage aber ist, daß alle Kritik an Erscheinungen geübt wurde, die immerhin nicht zu den wichtigsten gehören und daß sich bei der Erörterung der wichtigsten Fragen, das ist Fortführung oder Abkehr von der bisherig gen Politik, auch nicht eine einzige Stimme gegen die bisherige Politik der Parteiführung erhob. ES gab da nur eine Auffassung: diese Politik, die allein geeignet erscheint, in dieser Zeit die Inter« eflen der Arbeiterschaft zu wahren, ist fortzusetzen und vor allem nichts zu tun, was die Partei von! der Kampfgemeinschaft mit der tschechischen So«! zialdemokratie zu entfernen geeignet wäre. Man hat unseren Parteitag einen sollen der Klärung genannt, mit gleicher Berechtigung kann man ihn als einen Parteitag des Neubeginnens bezeichnen. Wir dürfen auf seinen Verlauf stolz sein. Er hat, allen Unkenrufen zum Trotz, di« Diszipliniertheit, die Geschloffenheit und die Lebenskraft der Bewegung erwiesen, er hat die Nebel zerstreut und die Voraussetzungen für den neuen Vormarsch geschaffen! ! Seite S Dienstag, 25 Juni 1935 Rr. 147 Kobert, Prag; Leinsmer Hubert, Komotau; Hopf Fritz, Karlsbad; Reichelt Kornelius, Haida; Stark Franz Karl, MieS; W a l l n o ch Josef, Reichenberg; Mareth Karl, M-Trübau; Hentschel Josef, Freiwaldau; Wondrak Heinrich, Karlsbad; Schaffarsch Franz. Teplitz- Schönau; Fischer Franz, Freudenthal. Volirugsausschuß: B l a t n tz Fanny— Karlsbad, Czech Ludwig— Prag, Hackenierg Theodor— Prag, Heeger Rudolf— Jägerndorf, Heller Carl— Teplitz, Iaksch Wenzel— Prag, Katz Franz— Falkenau, Kirp al Irene— Aussig, Kogler Franz— Bodenbach, Kremser Heinrich— Teplitz, Reitzncr Richard-— Bodenbach, Taub Siegfried— Prag, Wanka Willi— Pilsen, Witt» Eugen— Karlsbad, Die Parteikontrolle: Fürtig Willibald— Bodenbach, Hala Franz— Kosolup, * Hawel Robert— Reichenberg, . Heinrich Adam— Eger, Künzel Alois— Freudenthal, Reichl HanS— Saaz, Rotter Bruno— Brünn, Schwandtner Max— Teichstatt, Ullmann Johann— Neuhammer, Wagner Friedrich— Preschurg, Richter Ernst— Jägerndorf-Lichtenstenu Die Kontrolle der Presse und Partelbetriebe: Kremser Heinrich— Teplitz^ Sattler Ernst— Karlsbad, Schweichh är t Josef— Bodenbach, Taub Siegfried— Prag. Das Frauenreichskomitee: Blatnh Fanni— Karlsbad, Deutsch Maria— Prag, Drexel Hilde— Trauten au, Günzl Marie— Karlsbad, Hirsch Steffi— Teplitz, Kahay Marie«— Brünn, K i r p a l Irene— Aussig, Kneschke Toni— Reichenberg. Maier Emma— Troppau, Marschner Maria'— Rumburg, Paul Nse— Sternberg, Schaffer Gusti— Drahowitz. Zentralstelle'WW für das Blldunsswesen: Blatnh Fanny— Karlsbad; Franze! Emil— Prag; GeißlerRudolf— Teplitz; H ala Franz— Pilsen; Hofbauer Josef— Prag; Kamler Narziß—• Neutitschein; Kirpal Irene »— Aussig; Kleiuberg Alfred— Karlsbad; Kraterna Franz— Ruppersdorf; Kunert Franz, Rmnburg; Leiusmer Hubert— Komotau; Lorenz Richard— Teplitz.; Ondrejka Max—- Sternberg; Paul Ernst—- Prag; Schweitzer Gustav— Brünn; Skoutajan Felix— Aussig; Strauß Emil— Prag; Weigel Wilhelm— Reichenberg; Wondrak Heinrich —- Karlsbad. Relchserziehunssbelrat: Blatnh Fanni, Karlsbad; Deutsch Maria, Prag; Erich Ernst, Karlsbad; F r a n z e l Emil, Prag; Geißler Rudolf, Teplitz-Schönau; Hausse Karl Wenzel, Teplitz-Schönau; Hocke Willy, Bodenbach; Hudl Josef, Aussig; Kern Karl, Troppau; Kogler Franz, Bodenbach; Mühlberger Alois, Trautenau; Müller Heinrich, Aussig; Paul Ernst, Prag; Sacher Anton, Karlsbad; Herget Heinrich, Teplitz; Schweitzer, Prof. Gustav, Brünn; Storch Rudolf, Aussig; Taub Siegfried, Prag; Ullmann Alois, Aussig; Wondrejz Adolf, Bodenbach. Beratunssausschuß für Gemeindeanselesenheiten: Barsche Max.okinsdorf; Bruch Josef, El- bogen; Drbohlav Rudolf, Reichenberg; Grund Bruno, Tetschen; Hergeth Heinrich, Teplitz- Schönau; Möser Josef, Altrohlau; Jilg Karl, Mähr.-Schönberg; Keßler Fritz, Bodenbach;Kirpal Irene, Aussig; K r e j t f Franz, Prag; Kremser Heinrich, Teplitz-Schönau; K v a p i l Anton, Lwittau; Mader Karl, Wigstadtl; Marschner Julie, Schönbüchel; Müller Alois, Tachau; Pölzl Leopold, Aussig; Schwarz Carl Robert, Leitmeritz; Tietz Stefan, Troppau. Beratungsausschuß für Agrarfragen: H a l a Franz— Kosolup; I a k s ch Wenzel— Prag; Wank Emil— Sedlitz; PatzakJohann— Kloster; Pilz Karl— Neudek; Rindt Rudolf— Trautenau; Schmidt Adolf— Prag; Schweich- hart Josef— Bodenbach; Uhl Johann— Reichenberg; Rupprecht Georg— Lindenh au. Reichsordnerbeirat: Alois Ullmann, Aussig; ErnstPaul, Prag; Edmund Rohaö, Bodenbach; Rudolf Geißler, Teplitz-Schönau; Richard Schönfelder, Prag; Franz Löwe, Teplitz-Schönau; Wilhelm R o v v, Eger; Max Ondkejka, Sternberg; Edgar Hegenbart, Teplitz-Schönau; JosefUllmann, Chodau; Josef Jakob, Altrohlau; Rudolf H a n- tusch, Komotau; Bruno Roth er, Brünn; Willi Wanka, Pilsen; Franz Schober, Jägerndorf; Franz Langhammer, Neu-Rettendorf; Robert H a w e l. Reichenberg. Stündige Schiedsrichter: Drescher Josef— Freiwaldau; Fran! Berta— Freudenthal; G o t h Josef— Warnsdorf; Grund Bruno— Tetschen; Haar Wilhelm—r' Mähr. Ostrau; Hahn Otw— Reichenberg; Hirsch Steffi— Teplitz; Horn Wenzel■— Karlsbad; Jilg Marie— Mähr.-Schönberg; M a l ch e r Max— Mähr.-Schönberg; Mühlber- ger Alois— Trautenau; Reichl Otw— Eger; Strobl Josef— Arn au; Reyzl Josef— Schluckenau; Dr. Klein Jakob— Troppau; Berger Franz— Jägerndorf; Maier Rudolf— Wigstadtl. • Mit der Durchführung dieser Wahlen hatte der Parteitag seine Tagesordnung erschöpft, da sich zum Punkt„Eventuelles" niemand zu Worte gemeldet hatte. Gegen zehn Uhr vormitwgS hielt Genosse Kügler als Parteitagsvorfitzender das Schlußwort. Schlußwort des Genossen Kügler Im Zeichen felsenfester Dberzeusuns von der Sleghaftlgkelt der sozialistischen Bewegung Wir stehen. Genossen und Genossinnen, am Schluffe unserer Arbeiten. Auf dem gleichen Boden hat hier vor 36 Jahren der historische Brünner Parteitag der damaligen österreichischen Sozialdemokratie stattgefunden, in dessen Mittelpunkt das geschichtlich bedeutsame Nationalitätenprogramm gestanden hat. Mit dem heutigen Parteitage rückt das Jahr 1899 etwas deutlicher in unser Gesichtsfeld. Unter völlig anderen wirtschaftlichen und machtpolitischen Verhältnissen haben die damaligen Beratungen fiattgefunden. Uns allen wird das nicht so plastifch vor Augen stehen, wie jenen drei Genossen, die heute auf diesem Parteitag anwesend sind und die auch lebendige Zeugen des Bri'mner Parteitages vom Jahre 1899 gewesen sind. Es sind dies der damalige Glasarbeiter Josef Sch w e i ch h a r t, der Holzarbeiter Theodor Hackenberg und der junge Rechtspraktikant Dr. Ludwig Czech. Diesen drei Genossen ist das Glück vergönnt, gewiffermaßen ein lebendiges historisches Band zwischen den Jahren 1899 und 1938 zu knüpfen. Keinem von ihnen wird es damals auch nur im entferntesten eingekommen sein, daß 36 Jahre später in Brünn auf einem Parteitag zwar nicht mehr der österreichischen, aber der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik der führende Mann zugleich ein Vertrauensträger der gesamten deutschen Arbeiterklasse und ein aktiver Minister sein werde.(Lebhafter Beifall.) Durch unseren Parteitag tritt seht 1899 allerdings zurück. Neue wirtschaftliche und politische Machtverhältniffe, neue für den Sozialismus werbende Menschen, neue Aufgaben, neue Kampfbedingungen— so viel Neues— aber, Genossinnen und Genossen: EineS ist daS Alte geblieben und doch ewig jung, der alte Geist, der Viktor AdlerS Partei 1899 in Brünn gesät hat, der Geist, den Ludwig Czech und alle, die neben und nach Joses Seliger biS anf den heutigen Tag getreulich behütet haben, dieser Geist erfüllt auch heute die ungezählten Tausende noch restlos uyd macht «ns fähig für unsere Aufgabe.(Stürmischer Beifall.) Dieser Parteitag wird eine größer« Bedeutung in der Geschichte der Partei haben als mancher seiner Vorgänger. Es ist der Stolz unserer Partei, daß wir nach einem Wahlkampf von unerhörter Härte, in dem die Partei unter dem kon- zenirischen Angriffe nicht nur von rechts^: sondern auch von links, gestanden, ist, sich trotz alledem in ihrem Gefüge und in ihren Fundamenten behauptet hat, daß wir zu fteimütigen Beratungen zu- sammentretcn konnten, um die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen unseres Kampfes zu prüfen und daß wir unter offener, aber konstruktiver Kritik und von dem besten Willen für di: Partei getragen die Beratungen und Verhandlungen des Parteitages durchführen konnten. Einstimmig haben wir den Weg der Partei für die Zukunft beschlossen, auf dem sie stark voran- schreiten wird.(Beifall.) Unsere Beratungen sind durch die Presse unseren Freunden und Genossen bekanntgeworden. In allen Organisationen wurde der Parteitag begleitet von großen Hoffnungen. Wir dürfen nun sagen, daß die in aller Freiheit geführten Diskus« sionen des Parteitages diese Hoffnungen nicht enttäuscht haben. Enttäuscht aber sind vor allem die Hoffnungen unserer Gegner, die die Auffassung zum Ausdruck gebracht haben ,es werde auf dem Brünner Parteitag zu schweren Gegensätzen kommen. Alle diese Hoffnungen sind gescheitert an einer Tatsache, daß nämlich, mögen wir auch über eine augenblickliche taktische Frage verschiedener Meinung sein, «nS allen gemeinsam der unbeugsame Wille ist, über derartige Meinungsverschiedenheiten hinweg, diese Partei ungeschwächt zu erhalten als das scharfe Kampfwerkzeug-der deutschen Arbeiterklasse in diesem Staate— jetzt e r st r« ch tl(Stürmischer demonstrativer Beifall.) Jetzt erst rkcht, wo die Zahl der Feinde so gewachsen ist, wo die Hoffnungen der Gegner geschwellt sind durch den Ausfall der Wahlen, jetzt erst recht, wo nach den Vorgängen der letzten Jahre in anderen Ländern die europäische Arbeiterbewegung schwere Einbußen erlitten, aber dcsw verantwortungsvollere geschichtliche Aufgaben zu erftillen hat.(Wiederholter stürmischer Beifall.) Wir können diesen Parteitag nicht schließen, ohne den Brünner Genossen, die uns in diesem schönen Hause und in ihrer Stadt so herzlich ausgenommen haben, den tiefsten Dank des Parteitages zu sagen.(Lebhafter Beifall). Wir danken auch den Arbefter-Gesangvereinen des Bezirkes Brünn, die den Parteitag so schwungvoll begrüßt haben und allen Genossinnen und Genossen, die sich um den Parteitag und seinen guten Verlauf bemüht haben.(Lebhafter Beifall.) Es sind zu diesem Parteitag nicht wenig« Delegierte erscheienen, denen es nur unter äußerster Aufopferung, unter schwerster wirtschaftlicher Anstrengung möglich gewesen ist, die Reise nach Brünn zu machen. Das ist ein Beweis für das außerordentliche Interesse nicht nur unserer Organisationen, sondern unserer Genoffen selbst, unserer Funktionäre und Vertrauensmänner an den Beratungen des Parteitages. Auch diese Tatsache hat gezeigt, wie die Hunderte«nd Tausende und Zehnlaufend« mit allen Fasern ihres. Herzens an der Partei, an den sozialistischen Idealen, an der roten Fahne, an unseren Zielen für die Zukunft der Arbeiterklasse hängen. Und wenn an nichts anderem, so werden an diesem unerschütterlichen Glauben die Anstrengungen aller unserer Gegner«nd unserer Feinde scheitern. Wir haben nun die Aufgabe, die Beschlüsse dieses Parteitages hinauszutragen, die Kraft, die von diesem Parteitag ausströmt, in unsere Organisationen zu bringen, damit sie sie verwenden zu neuer mühevoller, aber lohnender Kleinarbeit für die Stärkung der Partei, zur Arbeit für die Presse und chre immer größere Verbreitung und für die LS Roman vom\ EmH Vachek-n Deutsch von ' Anna AurednKek Tatsächlich ist er im Nu an Ort und Stelle, ihm voran sein Ruf. Vor seinem Hause machen Kinder aus Tannenrersig folgende Aufschrift: >Sei willkommen, Ferdl, du Held!" Das ganze Haus drängt sich in der Toreinfahrt. Er fliegt wie eine Bombe hinein. Bor seiner Wohnung, an den Türpfosten gelehnt, steht mit schlotternden Beinen *— Fräulein Sophiechen. »Fräulein Sophiechen, vor kurzem hat sich eine gewisse Persim Tratsch über mich aus den Fingern gezuzelt. den Sie geglaubt haben. Ich habe nicht gewagt. Ihnen nach dem Skandal unter die Augen zu treten. Erlauben Sie, daß ich mich jetzt wenigstens verteidige?" Sophiechen weist wörtloS auf die Medaille, die an seiner Brust fimkelte. Das heißt: Ihre Verteidigung ist jetzt überflüssig. Sie sieht Dein- steller an, daß er ihr etwas erklären will, und sagt:„Sie müssen sich nicht verteidigen, Herr Beinsteller. Es tut mir leid, daß ich nicht gleich wußte, wie unmöglich es ist, daß Sie, ein so seltener Mensch, sich mit einem derartigen Schmierfinken abgeben." „Was lverden Sie mir sagen, da Sie den Tratsch nicht mehr glauben?" „Ich werde Ihnen sagbn: Verschaffen Sie sich die Greißlerei, Herr Beinsteller, damit wir Hochzeit machen können. Die LoisiS hat Ihnen ja erzählt, daß ich damit rechn«..." Beinsteller schlug die Augen auf und sah, daß er sich nur in der„Alien Hundhütte" befand. Er war noch immer der alte Dieb und hatte weder »in- Medaille noch die Sophie. Mer das machte ihn nicht irre.„Kruzielement, ich war doch imstande,«in paar hundert Menschen ausfindig zu machen, die Geld in der Tasche hatten. Warum sollt ich nicht den Menschen finden, der photographierte Papier« in der Tasche hat?" Seine Stimm« besserte sich sichtlich, und da das Trinken ihn wohl am Nachdenken, niO aber am Träumen hinderte, rief er Franz Pavliks Witwe zufrieden zu:„Na, Frau Pavlik, was ist denn los, daß Sie Ihre guten Kundschaften verdursten lassen?" Di« Witwe bediente ihn bereitwilligst. Sie bemerkte, daß das Nachdenken Beinsteller in eine gute Stimmung versetzt hatte, und da er jetzt weder sah noch hörte, benützte sie die Gelegenheit, alle Bierveste anzubringen. Sie schüttet« sie in sein Glas und krönte sie mit gutem, hartem Schaum. Beinsteller leerte sein Glas, als sei es das beste Bier der Welt, und machte sich befriedigt aus den Heimweg. Beim Auskleiden fand er in der Tasche einen Gegenstand, der nicht hineingehörte. Als er die vielfachen Papierhüllen enffernt hatte, lag die berüchtigte Tasche vor ihm. Er machte sie auf: der photographierte Titel des Dokuments grinste ihn an: Mobilisierungsplan 17 der tschechoflowakischcn Infanteriedivision. „Kruzisakvament, kruzisakrament", rief er wie damals, als er daS Papier zum erstenmal erblickt hatte. Sein Staunen war aber diesmal noch West großer. „Da könnt« man den Verstand verlieren", brummte er,„was man mit diesem Schmarrn erlebt! Vielleicht springt der Dreck aus einer Tasche in die andre, am Ende ist er verzaubert! Ich kann hunderttausendmal hintereinander Gift darauf nehmen, daß ich den Fetzen in ganz Prag gesucht habe, und plötzlich find' ich ihn in der eigenen Tasche. Je mehr ich mir den Kopf zerbreche, desto verwickelter sieht die Geschichte aus. Warum habe ich die Papiere gestohlen? Warum habe ich mich just da in der Person geirrt? Das ist mir doch noch nie geschehen. Bon. Das kann schließlich jedem einmal im Leben passieren. Aber, was sagt man, daß ich gerade, als ich euch, liebe Papierchen, wie den heiligen Johannes ertränken wollte, Herrn Holina begegnen mußte? Und warum mußte Fräulein Sophiechen, die ich gar nicht kannte, vor der Tür sitzen, als ich mit euch angerückt kam? Warum saß nicht di« Loisis an ihrer Stelle? Und warum mußte ich im Kriminal gerade in die Zelle des Eliaschek kommen, der mir die Augen öffnete? Und warum wollte sich der Sa- zima erhängen, als ich statt seiner eingesperrt war? Und warum stahl euch der Unbekannte dem Sophiechen und praktizierte euch wieder in meine Tasche, als wüßte er, daß ihr mir gehört? Und warum setzten sich die Feldwebel neben mich? Alles das ist geschehen, damit wir einander begegnen. Ich habe da oben(er wies mit dem Finger zur Zimmerdecke, über welcher sich der Himmel wölbte) gewiß einen mächtigen Beschützer, der mich in letzter Stunde retten wollte und deshalb alles so eingerichtet hat. DasfünfzehnteKapitel erwähnt die großartigen Pillen dcS Herbarium- besitzerS Toni, den überraschenden Triumph des Fräuleins Sophie und zeigt uns die meisterhafte Intrige der Schwarzen Kathi. DaS Haus, in dem der Zinkograph Toni Foltr wohnte, stand an der Grenzlinie zwischen Ziztov und Prag. Es war ein hohes graues HauS und die der Bahnstrecke zugewandte Front war von Ruß wie gebatikt. Hinter dem kleinen Hof war das innere Haus. Es bildete ein großartiges System von Apsiedlungen, deren Aussicht der traurigen Mitte des Blockes zugewandt war, wo Schupfen, Schlofferwerkstätten, Häufchen Unrat und das Administrationsgebäude einer Fachzeitschrift friedlich ancinandergereiht waren. DaS Vorderhaus dagegen wurde von wohlhabenden' Metern bewohnt, in jedem Stockwerk eine Mietpartei. Foltr wohnte selbstverständlich im Hinterhaus. Entgegen jeder Hausordnung hatte man ihm einen Teil des Dachbodens zugewiesen, der notdürftig als Ateller hergerichtet worden war. Den dritten Stock des Vorderhauses beo wohnte Dr. Knobloch. Foltr haßte alle Aerzte, insbesondere aber Dr. Knobloch, der im ganzen Bezirk für einen Bonvivant galt. Seine Wohnung war der reinste Harem. Während der langweilige Junggeselle Foltr keine Frau finden konnte, die ihn mochte, letzte Dr. Knobloch, ebenfalls Junggeselle, wie ein Pascha. Er hatte immer die hübschesten und feschesten Dienstmädchen aus der Gasse, außerdem hielt er Assistentinnen, die er weit mehr in der Kunst, zu lieben, als in der Kunst, Kranken beizustehen, unterwies. Sie blieben so lange bei ihm, als sie den lustigen Doktor zu fesseln vermochten. Genau so war es mit den Hausgehilfinnen. Der einzige ruhende Pol in diesem Harem war Fräulein Pribil. Sie war seine Wirtschafterin und in den Zeiten des Uebergangcs seine Geliebte. All dies hatte Foltr ständig vor Augen, denn er war verurteilt, in das Schlaf« und Arbeitszimmer KnöblochS zu schauen. Je klarer er erkannte, daß er keine Frau finden könne, desto starker Hatzte er Dr. Knobloch, der einige Frauen, und zwar die hübschesten, hatte und dem für die Zeiten des Ueberganges immer Fräulein Pribil blieb. Vor einigen Tagen war wieder eine neue Assistentin bei Dr. Knobloch aufgetaucht. DaS neue Mitglied seines Haushalts weckte im ganzen Gebäude die größte Sensation. Es war gewiß die schönste Frau, die er bisher gehabt hatte. Alle Fenster des Hinterhauses waren von Neugierigen besetzt, sobald das schöne Fräulein durch di« Wohnung huschte. Auch Herr Foltr war unter den Zuschauern. Er erinnerte sich an seinen einzigen Erfolg— bei der langen, reizlosen Sophie und dachte erbittert: Wie ungerecht geht eö doch auf dieser Welt zul.(Fortsetzung folgt.). «r. 147 Dienstag, 28- Jim? 1838 Stift 3 politische und wirtschaftliche Aufklärung der Massen. In dieser Zeit ist eine unerhörte Welle der Dummheit über die dcutschen Mensche» hinweggebraust, darum aber jetzt erst recht an die Arbeit, an die zähe und unablässige Arbeit zur Sammlung des ausgebeuteten Proletariats für den schweren Kampf um Brot, um Freiheit, um den Arbeitsplatz. Wir haben eine unerhört schwere Aufgabe m dieser Zeit, aber Genossen, wir alle sind nach dir» fern Parteitag restlos davon überzeugt, daß wir auch diese Aufgabe lösen werden, weil uns alle der sieghafte Glaube an den Enderfolg des Sozialismus erfüllt, unter der einen Boraussetzung, daß erhalten bleibt unsere Geschlossenheit, unsere Einigkeit, die Kraft unserer Bewegung, der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Es lebe die Partei! Es lebe dir Internationale! Es lebe der Sozialismus!" Alle Anwesenden haben sich erhoben und stimmen mit großem Beifall begeistert in das dreifache Hoch des Vorsitzenden ein. VorsitzenderKögler: DerParteitagist geschlossen. Im gemeinsamen Chor der Delegierten, der Gäste und aller Versammelten erklingt vielhun» dertstimmig die erste Strophe der»Interna» t i o n al t“. Die politische Entschließung von Brünn Kabinett der Versöhnung in Jugoslawien Belgrad. Milan Stojadinovi« hat folgendes Kabinett gebildet: Ministerpräsident«nd Außenminister: Sto» j a d i n o v i 6, Krieg und Marine: Zivkoviö, Inneres: K o r o 8 e r, Verkehr: S p a h o» öffentliche Arbeiten: B o b i L(ehemaliger Belgrader Bürgermeister), Finanzen: Ä e 1« e a, Soziale Fürsorge: P r o k a, Landwirtschaft: Stankoviä, Justiz: Auer, Handel: B r b a« i 6, öffentliche Erziehung: Stosoviö, Körpererziehung: Komnrnoviö, Forste«nd Gruben: Stefanoviv, Minister ohne Portefeuille: I a n k o v i 6. Die neue Regierung, di« die amtliche Telegraphenagentur eine„Negier»«« der Befriedigung" nennt, stellt eine breite Konzentration dar, an welcher rin Brr» treter der Radikalen, für dir slowenische Bolks- partci Korooec, für die Muselmanen Spaho«nd weiter Mitglieder des jugoslawischen Bolksklubs teilnehmrn. Die neue Regierung hat zur Aufgabe, dienotwendigeAnnäherumg vor-- zuberriten, die gur endgültigen Lösung der Fragen der inneren Politik führen werden. Ministerpräsident Stojadinovir stellte in einer von der Agentur Avala veröffentlichten Erklärung fest, daß die neue Regierung, welche im Zeichen der Beruhigung der Geister gebildet wurde, dieGrund- lage für den Zusammenschluß aller konstruktive« Kräfte erweitert habe. In der unverändert geblie» benen Außenpolitik werde Jugoslawien natürlich der Zusammenarbeit mit der Kleinen Entenre «nd dem Balkanpakte sowie der traditionellen Freundschaft mit dem großen Verbündeten tm Westen, Frankreich, treu bleiben«nd auch alles für die Stärkung der herzlichen Beziehungen mit allen anderen Mächten tn». Die Sozialdemokratie der einzige aktive Faktor der sudetendeutschen Politik- Sozialistische Planwirtschaft— der einzige Ausweg aus der Not- Gegen Betriebsterror und für obligatorische Arbeitsvermittlung- Ausbau der Arbeitsbeschaffung- Verkürzung der Arbeitszeit- Hebung der Löhne- Exportbelebung- Verbesserung der Fürsorge und Hilfe für die Jugend- Kulturelle Forderungen- Die Resolution einstimmig angenommen Nach Abschluß der politische« Debatte««d«ach dem Schlußwort des Parteivorsitzenden Genosse« Dr. C z e ch wurde die nachstehende politische Resolutio« vom Partetaig einstimmig— ohne Gegenstimmen und ohne Stimmenthaltungen— angenommen«nd die restlose Einigkeit über die politische Linie der Partei neuerlich bekräftigt. Das Ergebnis der Parlamentswahlen vom 18. Mai ist ein zwiespältiges gewesen. Während das tschechische Volk mit über- lviegender Mehrheit-en Fascismus verworfen und damit die demokratischen Grundlagen des Staates gestärkt hat, ist das sudetendeutsche Volk in seiner Mehrheit einer Partei zugeströmt, die trotz aller Verbeugungen vor dem demokratischen Staate ihre Gleichschaltung an den Hakenkreuz- ifascismus nicht zu verleugnen vermag. Diese Gleichschaltung ist auch die Haupt- vrsache des Wahlsieges der Sudetendeuischen Partei gewesen. Die Sudetendeutsche Partei hat jede auch bloß geistige Verbindung mit dem Fascismus kühn bestritten, sie hat gleichzeitig die tzakenkreuzideologie in allen ihren Formen, von Her Totalität und Eem> Führerprinzip bis zur Ersetzung der wirtschaftlichen und sozialen Ana- lysc der Gesellschaft durch verschwommene Phra« sc», gepflegt und verbreitet. Zu dieser ideologischen Gleichschaltung kam die sklavische Nachahmung aller Methoden-er nationalsozialistischen Agitation und Propaganda, die in der Verleumdung des Gegners hinter ihrem Vorbild nicht zurückstand und die in dem Triumphzug, einer Autokolonne von Stadt zu Stadt, von Grafenschloß zu Grafenschloß gipfelte, einenTriumph- zug, dessen ungeheuerer materieller Aufwand die Sudetendeutsche Partei nicht hinderte, die verant- ^.Bonzen" in den Kot zu zerren. Diese lärmende, aber inhaltslose Agitation tzrhielt ihren Sinn erst durch die F l ü st e r Propaganda, die von Mund zu Mund ging und Vie schon durch die Ideologie und die Agitationsmethoden des Dritten Reiches betörten Massen in der Überzeugung bestärkte, daß auch in ihren Siedlungsgebieten der Anbruch des Dritten Reiches unmittelbar bevorstehe. So wurden Hunderttausende in den Wahn hineingetrieben, daß sie keine Parlamentswahl, sondern einen Volksentscheid zu vollziehen haben. So wurde das ganze Volk in einen wahren Taumel versetzt, in dem es sich psychologisch bereits außerhalb der Grenzen der Tschechoslowakischen Republik befand. Die Duldung dieses. Treibens hat das Gelingen der fascistischen Tar- nungsversnche erst ermöglicht und so herbeigeführt, daß zu den Tausenden, die sich von den Lockungen des Dritten Reiches betören ließen, weitere Tausende kamen, die den Loyalitätsbeteuerungen Konrad Henleins Glauben schenkten und in ihm einen künftigen Faktor der tschechoslowakischen Staatspolitik erblickten. Gleichwohl wäre dieses großzügige politische Täuschungsmanöver nicht erfolgreich gewesen, wenn nicht fünf Jahre zermürbender Rot die Menschen zur Berzweiflung getrieben«nd gegen jede Deinagogie wehrlos gemacht hätten. Das größere Elend in den sndetendeutschen Siedlungsgebieten hat überwiegend ökonomische Ursachen. Es ist wesentlich durch die Krise der Exportindustrie und des Bergbaues verschuldet, die in diesen Siedlungsgebieten ihren Hauptsitz haben. Die Henlein'che Propaganda hat sich keinestvegs bemüht, die ökonomischen Ursachen dieses Notstandes aufzuzeigen und Wege zu seiner Ueberwindung zu suchen, sie hat vielmehr unter Verleugnung der wahren Krisenursachen die Not im sudetendeutschen Gebiete ausschließlich auf die tschechoslowakische Staatspolitik zurückgeführt. Sie wurde darin unterstützt durch das Unverständnis des bürokratischen Apparates, der bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen und bei der Besetzung von Arbeitsplätzen die deutschen Bewerber vielfach zurückgesetzt und die anerkennenswerte« Bemühungen der Zrntral- vehörden um Arbeitsbeschaffung ost genug geradezu sabotiert hat. So gelang es der Sudetendeutschen Partei, die soziale Not der sudetendeutschen Bevölkerung zu einer natwnalistischen Hetze zu mißbrauchen und die Erbitterung der hungernden Massen von ihren Ausbeutern abzulenken' und gegen die Verfechterin ihrer Interessen, gegen die Sozialdemokratie zu kehren. Dazu kam der Seelenka«f durch die ausschließlich zu WahlzweBen- organisierte sudetendeutsche BolkShilfe, dazu kam die Einschüchterung der Massen durch den Terror der Henleingarden auf der Straße, dazu kam der immer wachsende Terror i« den Betrieben. Alle diese Umstände haben Konrad Henlein zu seinem außerordentlichen Wahlerfolg verhalfen, der übrigens trotz der demagogischen Opposition der Christlichsozialen und trotz des Wortradikalismus der Kommunisten diese Parteien noch schwerer beeinträchtigt hat als die deutsche Sozialdembkratie. Diese Feststellungen ergeben, daß das sude- tendeutsche Volk einer Massenpsychose erlegen ist, deren Folgen vor allem die arbeitenden Massen des sudetendeutschen Volkes selbst mit einer Verringerung ihres politischen Einflusses und einer wesentlichen Erschwerung ihrer Situation zu büßen haben. Diese Tatsache ist, um ein altes Wort Viktor Adlers zu variieren, für das Sudetendeutschtum eine Schande, für die Sozialdemokratie aber eine Aufgäbe, der sie sich mit ungebrochenem Mut und gerade durch die Niederlage gestähltem Kampfgeist zu widmen entschlossen ist. Zur Erfüllung dieser Aufgäbe ist die Sozialdemokratie, entsprechend dem Beschluß ihrer Reichskonferenz, wiederum in die Regierung eingetreten, um die äktibe Mitwirkung des Sudetendeutschtums in der tschechoslowakischen Staatspolitik aufrechtzuerhalten und den sozialen Interessen der arbeitenden Schichten durch positive Arbeit zu dienen. Die Sudetendeutsche Partei ist trotz ihrem großen Wahlsiege zur Erfüllung dieser Aufgabe unfähig. Sie vermag sich, da sie den Totalitätsanspruch nicht aufgeben kann, ohne sich selbst aufzugeben, in die demokratische Zusammenarbeit nicht einzufügen, welche die einzig mögliche Form dec politischen Mitbestimmung des sudetendeutschen Volkes im tschechoslowakischen Staate ist. Das Ergebnis der Wahl bestätigt die Voraussage der deutschen Sozialdemokratie, daß die für Konrad Henlein abgegebenen Stimmen für das sudetendeutsche Volk verloren sind. So bleibt die sudetendeutsche Sozialdemokratie trotz ihrer zahlenmäßigen Schwächung der einzige aktive Faktor der sudetendeutschen Politik. Der Bund der Landwirte hat sich zu spät von der Umklammerung der Heimatfront befreit und ist dadurch zur Bedeutungslosigkeit herab- gesunken. Die Christlichsozialen haben vor der nationalsozialistischen Ideologie der Heimatfront vollkommen kapituliert und sich auch nach der Wahl, unbelehrt durch ihr Ergebnis, in das Schlepptau der Sudetendeutschen Partei begeben. Die übrigen bürgerlichen Parteien sind vernichtet worden. Die Kommuni st e« haben wiederum, wie schon wiederholt seit der Ueberflutung Mitteleuropas durch die fasristische Welle, ihre Eingliederung in die Front der Demokratie abgelehnt. Die kommnnistische Partei hat selbst dir Aeußerungen eines ihrer hervorragendsten Repräsentanten widerrufen» die in der positiven Einstellung zur Wehrhaftigkeit des SMatrS gegen dir fasristische Gefahr und in der Ankündigung der Unterfützuirg der Regierungsmehrheit im Kampfe gegen den einheimischen Fascismus eine beginnende Wendung in der kommunistischen Politik anzudeuten schienen. Die Kommunisten haben sich dadurch selbst von-er Zusammenarbeit mit den Parteien des demokratischen Sozialismus ausgeschaltet. Sie rufen wie bisher nach der sozialistischen Einheitsfront, aber sie zerstören gleichzeitig, genau so wie bisher, ihre Grundlagen. In der Zeit, in der die Sowjetunion in den Völkerbund eingetreten ist und Bündnisse mit den demokratisch gebliebenen Staaten Europas sucht, hat diese Politik den letzten Rest ihres Sinns verloren.,, Die Uebevwin- dung der Spaltung der Arbeiterklasse wird erst Möglich sein, bis sich die Kommunisten offen und inhaltlos auf den Boden der demokratischen Zusammenarbeit im Staate stellen. Um so größer sind die Aufgaben, die der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechosiowa- kischen Republik gestellt sind, Sie wird sie in enger Kampfgemeinschaft mit der tschechischen Sozialdemokratie und in der Zusammenarbeit mit allen demokratischen Faktoren des tschechoslowakischen Volkes lösen. Sie dient damit der Aufrechterhaltung des europäischen Friedens, der Festigung der tschechoslowakischen Demokratie, aber auch den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der arbeitenden Schichten des sudetendeutschen Volkes^ Wenn diese Interessen wirksam geschützt werden sollen, ist aber das energischeste Eingreifen aller verant- wörtlichen Faktoren sowohl gegen die Not im sudetendeutschen Siedlungsgebiet als auch gegen die fascistischen Umtriebe notwendig. Der Parteitag ist sich dessen bewußt, daß die Not der Massen dauernd nur durch die Umgestaltung der Wirtschaft in eine sozialistische Planwirtschaft überwunden werden kann. Die Partei wird für alle Maßnahmen eintreten, die in der Richtung dieser Entwicklung liegen. Unbeschadet dieser grundsätzlichen Einstellung spricht der Parteitag aus, daß die aktuelle Situation im sudetendeutschen Gebiete eheste Maßnahmen in folgender Richtung erfordert: 1. Vor allem muß zum Schutz der arbeitenden Menschen gegen den , Gesinnungszwang der Betriebs» t e r r c^r gebrochen und die g e- werkschaftliche Freiheit gesichert werden. Dazu ist es notwen dig, daß endlich die obligatorische A r- beitsvermittlung verwirklicht und das Terrorgesetz durch schärfere Sanktionen gegen den Druck der Unternehmer ausgestaltet wird. 2. Die von den Ministern für öffentliche Arbeiten und für soziale Fürsorge bereits eingeleiteten Bemühungen um Arbeitsbeschaffung in den vom Notstand besonders schwer betroffenen Gebieten müssen fortgesetzt und ausgestal- tet werden. Bei der Durchführung dieser Arbeiten müssen vor allem die örtlichen Arbeitslosen beschäftigt werden. Bei der Besetzung von Stellen im öffentlichen Dienst muß auf deutsche Bewerber demokratischer Gesinnung entsprechend Rücksicht genommen werden. 3. Die verfügbaren Arbeitsgele genheiten müssen durch Verkürzung der Arbeitszeit ver- mehrt werden... 4. Hebung der Löhne. 6. Die Bemühungen zur B e l e- bung des Exportes müssen fortgesetzt und verstärkt werden. 6. Da alle diese Maßnahmen die Arbeitslosigkeit nur eindämmen, nicht aus der Welt schaffen können, muß die unter st ützende Fürsorge verbessert und insbesondere für die Jugend, die in ein hoffnungsloses Arbeitslosendasein hineinwächst, entsprechend vorgesorgt werden. 7. Der sudetendeutsche Fascismus kann durch Polizeimaßnahmen allein nicht überwunden werden. Darum ist es notwendig, durch wirtschaftliche und soziale Fürsorge sowie durch gleichmäßige Behandlung der kulturellen Bedürfnisse aller Nationen die Ursachen des Fascismus zu bekämpfen. Gleichwohl ist es notwendig, daß die staatlichen Organe gegen alle Erscheinungen, die mit der demokratischen Ordnung der Tschechoslowakischen Republik unvereinbar sind, ungeachtet aller Tarnungsversuche mit der größten Energie einzuschreiten. D«r Partritag ist überzeugt, daß der Parteivorstand«nd die parlamentarische Bertretung, dir in den abgrlaufenrn schweren Krisenjahren ihre Pflicht vallauf erfüllt haben, im Sinne dieser Richtlinien wirken werde«. Er spricht ihnen daher sein Vertrauen aus«nd beauftragt sie, indem er die Beschlüsse der Parteikonferenz bestätigt, ihre bisherige Politik fortzusetzen. Der Parteitag ruft aber gleichzeitig alle arbeitende« Menschen des sudctrndeutschen Volkes auf, diese Arbeit durch dir Stärkung der sozialdemokratischen und frrigrwerkschuftlichrn Organisationen und durch aktive Mitarbeit in der Arbeiterbewegung zu unterstützen. Die Arbriter- bctvrgung hat keine Ursachen, zu verzagen. Sie ist in ihrem organisatorischen Kern unerschüttert geblieben, sic ist erfüllt von Kampfentschlossenheit und trotziger Kraft. Sir wird ihre Arbeit und ihren Kampf fortsetzcn in der sicheren Erwartung, daß der FafrismuS in der Luft der demokratischen Republik nicht dauernd gedeihen kann, daß dem Rausch die Ernüchterung folgen muß. Die -deutsche Sozialdemokratie sieht dem Tage entgegen, da die wirderkehrende politische Bernunft der Massen ihr den Sieg in die Hände geben wird. ©ehe 4 Nr. 147 Dienstag, 25 Juni 1935 „Wir wollen eine wirkliche Einheit der Arbeiterklane Die kommunistische Partei der Tschechoslowakei hatte an den Parteitag einen Brief gesandt, worin sie unserer Partei ein neuerliches Einheitsfront-Angebot macht. Die Antragsprüfungskommission beschäftigte sich mit diesem Brief und in ihrem Namen berichtete dem Parteitag Genosse Taub. Er sagte, daß wir mit Rücksicht darauf, daß die koimnunistische Partei solche Angebote schon früher gemacht hat und wir diese Angebote auch schon früher beantwortet haben, ruhig auf diese früheren Antworten verweisen könnten. Trotzdem hat sich die Antragsprüfungskommission entschlossen, dem Parteitag zu empfehlen, den Kommunisten «ine Antwort zu erteilen, um, wie Genosse Taub sagte,„zum Ausdruck zu bringen, daß wir eine wirkliche Einheit der Arbeiterklasse wolle n".„Wir wissen sehr gut", so führte Genosse Taub weiter aus,„daß ein Zusammengehen mit den Kommunisten von uns aus nicht allein beschlossen werden kann, sondern daß dies eine gemeinsame Sache aller Sozialisten sein muß, unsere, die der tschechischen Sozialdemokraten und dann auch der tschechischen Nationalsozialisten. Wir wünschen nichts sehnlicher, als daß dieVorausset- zungen für die gemeinsame Kampf frontangesicht sderSchick- salsstunde, in der wir uns befinden, geschaffen werden könnten." Der Brief, den nun Genosse Taub beantragt und vorliest, lautet folgendermaßen: Ihr habt Euch mit einem Einheitsangebot an unseren Parteitag gewendet. Wir sind trotz der wiederholten Stellungnahme unsererseits zu allen von Luch aufgeworfenen Fragen doch bereit, zu Euerer Zuschrift in aller Offenheit Stellung zu nehmen. Ihr erhübt in Euerer Zuschrift an den Parteitag«ine Reih« von sozialen und politischen Forderungen. Wir wollen er unterlassen, diese Forderungen im einzelnen nachzuprüfen und zu untersuchen, inwieweit sie in der Absicht gestellt sind, eine tatsächliche Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes und dec politischen Situation des Sozialismus herbeizuführen und inwieweit sie lediglich Propagandazwecken der eigenen Partei dienen sollen. Wir werden lediglich untersuchen, welche Wege gezeigt werden, um diesen Forderungen zum Durchbruch zu verhelfen. Ihr fordert uns zur Herstellung einer Kampf« gemeinschaft auf. Ihr schlagt uns vor, in den Organisationen der Werktätigen zu Eueren Forderungen Stellung zu nehmen, die Presse für diese Forderungen eintreten zu lassen. Ihr empfehlt die Absendung von tausenden Resolutionen, Telegrammen und Briefen an die Regierung und die Entsendung von Massendeputationen zu den Behörden. Ihr fordert schließlich, und das ist das Einzige an Eueren Vorschlägen, was an den Klassenkampf erinnert, die Veranstaltung von Massenkundgebungen. Glaubt Ihr wirklich, daß mit diesen Mitteln positive Erfolge erzielt werden können? Wir unterschätzen den Wert von Massenaufmärschen gewiß nicht. Wir haben sie selbst wiederholt veranstaltet, aber glaubt Ihr, daß die Schlagkraft einer Kundgebung gesteigert wird, wenn an einer sozialdemokratischen Demonstration kommunistische Anhänger teilnehmen zu dem Zweck, um gegen die sozialdemokratische Politik zu demonstrieren? Die Frage, die Ihr uns stellt, ist eine Frag« der politischen Macht. Ihr verlangt von der sozialdemokratische» Partei, daß sie ihre Machtpositionen räume und die Regierungsgewalt ausschließlich den bürgerlichen Parteien überlasse, waS bei der gegenwärtigen politischen Situation nichts andere? bedeutet, als daß ausgesprochen faseistische Bewegungen an die Macht kommen würde«. Wenn all« sozialistischen Parteien aus der Regierungsmehrheit austreten, hätte diese nicht nur keine parlamentarische Mehrheit ohne das„Narodni sjed- noceni", es gäbe dann auch keine parlamentarische Mehrheit ohne die Henleinfront. Es wird damit di« unmittelbare Gefahr heraufbeschworen, daß überhaupt keine parlamentarische Mehrheit zustande kommt und daß«ine Regierung gegen die Sozial! st en gebildet wird, eine Regierung, in der faseistische Kräfte zumindestens die Entscheidung hätten. Die politischen Rechte der Arbeiterklasse und ihre sozialen Errungenschaften wären dann in höchster Gefahr, di« Außenpolitik des Bündnisses mit der Sowjetunion und den demokratischen Staaten des Westens würde dann gleichfalls schwer gefährdet sein. Glaubt Ihr, daß eine solche Regierung die politischen Rechte der Werktätigen mehr respektieren würde als die gegenwärtige Koalition?. Glaubt Ihr, daß eine solche Regierung den sozialen Bedürfnissen der werktätigen Schichten mehr entgegenkommen wurde als die Koalition der Agrarier unb Sozialisten, von der die nationalistisch-reaktionären Parteien beider Lager ausgeschaltet sind? Könnt Ihr im Ernst der Meinung sein, unser Parteitag würde ein gemeinsames parlamentarisches und außerparlamentarisches Vorgehen für möglich halten, wenn Ihr zwar erklärt, daß die sozialistischen Parteien dabei in der Regierung bleiben könnten und bei Aktionen für das arbeitende Volk von Euch unterstützt würden, Ihr aber gleichzeitig di« sozialistischen Parteien wegen ihrer Teilnahme an der Regierung unausgesetzt angreift und herabsetzt? Haltet Ihr es für möglich. Antwort an die Kommunisten daß wir innerhalb der Koalition im Sinne Eures Schreibens wirken können, wenn Ihr uns gleichzeitig für alles verantwortlich macht, was wir infolge der politischen Machtverhältnisse oder wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht durchzusetzen vermögen? Wie wollt Ihr unsere Politik unterstützen, wenn Ihr gleichzeitig diese Politik als ei» Verbrechen an der Arbeiterklasse hinstellt? Die erste unerläßliche Voraussetzung für ein wirksames. Zusammengehen zweier Parteien ist, wenn schon nicht völlige taktische Ueber- einstimmung, so doch volle Aufrichtigkeit der gegenseitigen Unterstützung. Daran habt Ihr«S immer fehlen lassen und wir wissen, daß Ihr die Gefahr des FasciSmuS zwar ebenso gut einzufchätzen versteht wie wir selbst, daß Ihr aber bishor immer der Demokratie die Unterstützung versagt habt. Allzu oft sind Eure Vorschläge auf ein Zusammengehen nur erstattet worden, um eine demagogische Hetze gegen unsere Partei zu entfalten. Ein Zusammengehen kann nur möglich sein, wenn Ihr nicht nur und im Gegensatz zu früher uns das Recht zur Fortsetzung der Koalitionspolitik zugesteht, sondern klare, aber nicht hinterhältige Unterstützung leistet. Ein« sozialistische Opposition gegen eine rein bürgerliche Regierung ist durchaus diskutabel uno ist auch von uns lange Zeit getrieben worden, allerdings zu einer Zeit, wo auch eine rein bürgerlich« Regierung die politische Freiheit und die Rechte der Arbeiter respektiert haben. Wir wollen heute nicht untersuchen, wie Eure Taktik zur Spaltung und Zersetzung der Arbeiterklasse bcigetragen hat und wie dadurch zum großen Teile in anderen Ländern die völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung mitverschuldet worden ist. Ein Aufgebe« der Koalitionspolitik durch die sozialistischen Parteien der Tschechoslowakei würde auch hier die Gefahr eine- autoritären Regimes »ach sich ziehen, daS jede legale Opposition unmöglich machen würde»nd erst recht jede Massenaktion der Arbeiterklasse. ES ist aber unaufrichtig, wenn Ihr ununterbrochen von dem Kampf für die Rechte der Werktätigen sprecht, aber die notwendigen Voraussetzungen für diesen Kampf, nämlich die demokratischen Rechte der Arbeiter, nicht verteidigen wollt. ES ist unernst, wenn Ihr konsequente Unterstützung der Friedens- pölitik der Sowjetunion fordert und gleichzeitig den R. F. In den letzten Jahren sind internationale Zusammenkünfte dieser Art leider eine Seltenheit geworden. Die glanzvolle Tradition des Vereins für Sozialpolitik, von dem so viele wertvolle Anregungen ausgegangen sind, ist tot. Wohl bleiben noch die Konferenzen des Internationalen Arbeitsamtes, die Kongresse des Internationalen Genossenschaftsbundes und anderer Institutionen bestehen. Aber iy der heutigen Zeit der sozialen Reaktion muß man jeder Stimme dankbar sein, die sich im Interesse wahrhaft sozialer Bestrebungen erhebt und beweist, daß eS immer noch Kreise außerhalb der Arbeiterbewegung gibt, die die Forderungen der sozialen Pflichtbe« wußtseinS hochhalten und in deren Geiste arbeiten. Der Internationale DohnungSkongreß, der gestern vormittag unter dem Protektorat unseres Staatspräsidenten Masaryk und unter dem Vorsitz unserer holländischen Genossen Senator Dr. F. M. W i b a u t» zusammentrat, hat sich mit aller Entschiedenheit zu diesem Geist bekannt. In den Eröffnungsworten des Vorsitzenden wurde die gewaltige kulturelle Bedeutung gesunder Wohnungsverhältniffe für die arbeitende Bevölkerung, die Pflichten der Gesetzgebung und der öffentlichen Hand klar zum Ausdruck gebracht. Es gibt keine gesunde Wirtschaft ahne gesunde WohnnngSverhältniff«. So wenig die planwirtschaftlichen Gedankengänge bis heute zur völligen Reife gediehen sind, so sehr ist es notwendig, jetzt, trotz und gerade wegen der Wirtschaftskrise die Anstrengungen zu steigern, um dem brennenden Problem der Wohnungssanierung zu einer befrie- digenden Lösung zu verhelfen. Darauf nahm der Kongreß drei Berichte über das Thema: „Sanierung der Elendsviertel" entgegen, die vom Amsterdamer Bauvorstand A. K e p p l e"r, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Städtebau, Reichs- und Landesplanung, M. R. Niemeyer und Elizabeth O. Halton(London) vorgelegt wurden. Der Grundton aller dieser Fachreferate war der gleiche, wie er in den Eröffnungsworten des Genossen Dr. Wiebaut zum Ausdruck gekommen lvar. Alle Redner stellten einmütig fest, daß die Periode des liberalistischen„laissez faire" sich besonders auf die Wohnungsverhältnisse katastrophal ausgewirtt haben. Aus den Ausführungen Außenminister, der eben in Moskau mit Jubel empfangen worden ist, durch einen Gegner seiner Außenpolitik verdrängen wollt. ES ist unernst, wenn Ihr di« Reinigung des Staatsapparates- von alle» faseistische» Elemente«»erlangt«nd gleichzeitig eine Politik treibt, di« de» Staatsapparat völlig faseistische» Kräften überlasse« und jode« Einfluß der Arbeiterklasse auf die Gesetzgebung»nd Verwaltung vernichten müßte. Unernst und unverantwortlich ist es, wenn Ihr di« Koalitionspolitik der sozialistischen Parteien mit Argumenten bekämpft, die heute jeden Sinn verloren haben. Mit all diesem Unernst zusammen betreibt Ihr ein EinheitSfrontgeschrei, das wenigstens früher immer der Absicht diente, Material gegen die Sozialdemokratie zu gewinnen, die die Interessen der Arbeiterklasse in verantwortungsvoller Politik vertritt. Ihr wißt dabei, daß eine Einheit nur bei vollkommener politischer Uebereinstimmung und vertrauensvoller Ehrlichkeit bestehen kann. Euer Verhalten wird gekennzeichnet durch das ganz anders geartete Vorgehen der kommunistischen Partei Frankreichs. Diese hat sich nicht nur zur Unterstützung der PolitS der Sozialdemokraten bereit erklärt, sondern zuletzt sogar zur Bildung oder Unterstützung einer Regierung der Sozialisten mit den bürgerlichen Radikalen. Die französischen Kommunisten haben auch ihr« Haltung zur Landesverteidigung revidiert. Das alles bewesst, daß der Kampf, de« Ihr gegen«»s führt,«ft der Haltung der ftimzöstsche« Kommunist«« in scharfem Gegensatz steht. Wir konnten noch keinen Augenblick lang' die Einstellung Eurer Presseangriffe auf urtsere Partei feststellen. Unausgesetzt seid Ihr bemüht, durch Einheitsfrontmanöver Verwirrung und Mißtrauen in unsere Reihen zu tragen. Wir waren stets beseelt von dem Wunsche nach dem Zusammenschluß aller sozialistischen Arbeiterparteien. Euer jetziges Angebot unterscheidet sich nicht wesentlich von den früheren und enthält picht di« Erklärungen, die einen Wandel in Eurer Haltung zum Besseren beweisen würden. Nachdem Genosse Taub unter großer Zustimmung, öfters von Beffall unterbrochen, den Brief vorgelesen hatte, empfiehlt er die Annahme des Antrages und sagt zu den Delegierten gewendet: „Siewerden damitauchunseren Genossen, dies ehnsüchtigdiewirkliche Einheitsfront des Proletariats wünschen, einen guten Dienst leisten." Bei der Abstimmung wird die von Genossen Taub verlesene Antwort einstimmig beschlossen. von Herrn A. Keppler verdient besonders seine Einstellung gegenüber den sogenannten „asozialen Elementen" festgehalten zu werden. Ex betonte unter lebhafter Zustimmung des Kongresses, daß diese„Asozialität" durch Verhältnisse bedingt ist, die manchen der Kongreßteilnehmer in die gleiche Lage bringen würde. Im Zuge der Spezialisierung des Wohnungsbaues, wie sie in Amsterdam angestrebt wird (Wohnungen für Ledige, für Verheiratete, für ältere Ehepaare, ohne jedoch eigene„Altersasyle" zu errichten), wurden auch Wohnungen für„asoziale Elemente" gebaut, wo unter der Obhut einer Fürsorgerin daran gearbeitet wird, die„Asozialen" wieder als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft einzugliedern. Herr Niemeyer begann mit einer scharfen Kritik an der rückständigen Gesetzgebung seines Landes, die er jedoch loyalerweile vor allem auf die Vorkriegszeit bezog. Miß Halton berichtete schließlich über die Bekämpfung derSlums in England, worüber seit 1913 gesetzliche Vorschriften erlassen werden. Heute sind alle Gemeinden verpflichtet, dem Ministerium für soziale Fürsorge Berichte über ihre Wohnungsverhältnisse einzureichen und einen Ueberblick über ihre Pläne zur Beseitigung der bestehenden Mißstände zu geben. Die Referentin hob das Beispiel der Stäbe London und Leeds hervor. Der Londoner Grafschastsrat hat sich verpflichtet, dieses Jahr 8000 Wohnungen für 28.000 Menschen und in jedem folgenden Jahre 10.000 Wohnungen bis zur vollständigen Beseitigung der Slums zu bauen. In Leeds sollen 30.000 Wohnungen für 112.000 Menschen(Gesamtbevölkerung 438.000) errichtet werden. Die Mietzinse werden so gestaffelt, daß daraus eine fühlbare Entlastung des Arbeiterhaushaltes entsteht. Damit war der erste Arbeitstag des Kongresses beendet. Um 12 Uhr 30 wurde im Obecni düm die Tschcchoflowakische Ausstellung und um 15 Uhr 30 im Pavillon Myslbek, Na Plikopi, die Internationale Ausstellung eröffnet. Um 18 Uhr fand in der Städtischen Bibliothek ein Empfang der Kongreßteilnehmer durch den Oberbürgermeister von Prag statt. Im weiteren Verlauf des Kongresses, der bis zum Mittwoch in Prag tagen und sich dann auf eine Studienreise nach König- Ministerschaft und Parteivorsitz Der Parteitag in Brünn faßte folgende Entschließung: Die Parteitage von Teplitz und Prag haben sich mit der Frage, ob die Funktion eines Ministers mit der einesParteivorsitzen- den vereinbarlich ist, beschäftigt. Es wurde damals der fast einmütigen Auffassung Ausdruck gegeben, daß in der Verbindung dieser Funktionen eine Inkompatibilität nicht erblickt werden kann. Die Parteitage haben sich zu dieser Auffassung nicht in letzter Linie deshalb durchgerungen, weil diese beiden Funktionen durch den sich eines unbedingten Vertrauens erfreuenden Genossen Dr. Czech bekleidet werden. Es ist das Bedürfnis beb Delegierten dieses Parteitages, in der gegenwärtigen Zeit, in der unser Genosse Dr. Czech wieder einmal von den Gegnern in der heftigsten Weise angegriffen wird, auszusprechen, daß Genosse Dr. Czech sich des unbegrenzten Vertrauens der ganzen Bewegung erfreut und daß sie ihm für seine gewaltige im Interesse des Proletariates geleistete Arbeit den herzlichsten Dank zum Ausdruck bringt. _ Der Parteitag kann an der Tatsache nicht vorübergehen, daß ein Teil derParteimitgliedschaft der Auffassung ist, daß die oberwähnten Beschlüsse der Parteitage einer R e v i s i o n bedürfen. Der Parteitag erklärt, daß künftighin eine Vereinigung der beiden Funktionen unterbleiben soll; er lehnt aber eine Aenderung des Zustandes ab, insolange Genosse Tr. Czech diese beiden Funktionen innehat. Die künftige Zusammensetzung der Parteikonferenz Der Brünner Parteitag hat auf Antrag der Antragskommission mit allen gegen eine Stimme im wesentlichen beschlossen: Der Parteivorstand beruft in dringende« Fallen zur Entscheidung über grundsätzlich taktische und überaus wichtige politische und sozialpolitische Fragen, bei denen berechtigte Zweifel bestehen können, ob sie in die Kompetenz des Parteivorstandes fallen, und über die Kandidaturen in die Nationalversammlung und in die Landesvertretungen, die Parteikonferenz ein. Die Parteikonferenz besteht aus: a) dem Parteivorstand; b) dem Frauen-Reichskomitee; e) aus zwei Vertretern der Parteikontrolle und aus je einem Bertreter der Kontrolle der Presse und der Partei- betiebe; d)aus je 12 Vertretern jener Kreise, deren Markenumsatz innerhalb der letzten zwei Jahre monatlich 6000 Marken überstiegen hat, äuS je neu« Vertretern jener Kreise, deren Markenumsatz monatlich 4000 Marken überstiegen hat, aus je 6 Vertretern jenerKreise, derenMarkenumsatz monatlich 2000 Marken überstiegen hat, aus je drei Vertretern, der übrigen Kreise; e) aus je einem Delegierten des Klubs der Abgeordneten und Senatoren, der Zentralgewerkschaftskommission, deS Verbandes der deutschen WirtschaftSgenvfsenschasten, des Verbandes „Arbeiterfürsorge", des Sog. Jugendverbandes, der R. W., des Arbeitervereines„Kinderfreunde", des Verbandes der Kleinbauern und Häusler, aus je einem Delegierten deS sozialdemokratischen Klubs der Landesvertretung für Böhmen, Mähren und Schlesien, der von der Partei eingesetzten Beratungskörperschaften deS Arbeiterturn- und Sportverban- deS, deS Verbandes der Arbeiter-Radfahrervereine, des Verbandes der deuffchen Arbeitergesangvereine, des Bundes proletarischer Freidenker, des Arbeiter« Abstinentenbundes, des„Freien Radiobundes", tind der sozialdemokratischen Aerzte-, Juristen- und Lehrervereinigung. Diese Delegierten sind in der Kreiskonferenz für die Dauer der Amtsperiode der Kreisvertretung zu wählen. Bei der Delegation ist auf die Frauen entsprechend Rücksicht zu nehmen. Bei der Wahl der unter Punkt d) angeführten Delegierten der Kreise ist darauf zu achten, daß m i n d e st e n s ein Drittel der für jeden Kreis bestimmten Delegierten aus den Reihen der Betriebsarbeiter, der Privat- angesteilten oder Arbeitslosen genommen werde. Die Redafteure der Parteiblafter und jene Abgeordneten und Senatoren, die nicht infolge anderer Funktionen ohnehin der Parteikonferenz angehören, haben das Recht, der Parteikonferenz mit beratender Stimme beizuwohnen. Die.Parteikonferenz ist über Bedarf, in der ersten Zeft aber mindestens einmal in vier Monaten, einzuberufen und faßt ihre Beschlüsse mit absoluter Mehrheft der stimmberechtigten Anwesenden. grätz, Alin, Brünn und Bratislava begeben wird, werden für die Tschechoslowakei Herr Dr. Heinrich K u b i s t a, ehemaliger Sektionschef im Fürsorgeministcrium, über„Die Kleinwohnungen in der Tschechoslo- wgkei", und Herr Dr. Jng. M. O. Fierlin- g e r, Scktionsrat im Arbeitenministcrium und Vizepräsident des städtebaulichen Jnftftuts der Masaryk-Akademie der Arbeit, über„D ie Ar- beitersiedlungen in der Tschechoflo^ wakei" sprechen. Prag darf es sich zur Ehre anrechnen, einen solchen Kongreß in seinen Mauern zu beherbergen, an dem 680 Teilnehmer aus 26 Staaten erschienen sind. vcr internationale wohnungskongreO In Prag Eine eindrucksvolle Kundgebung konstruktiver Politik «r. 14» Dienstag, 25 Juni 1935 Sette 8 krmächtigungsgesetr angenommen Vie Fasdsten stimmen mit der Koalition Scharfe Sprache Dr. Slavlks über die Maske der SHF Prag. Das Parlament unterbrach am Montag die Debatte über die Regierungserklärung, um das Ermächtigungsgesetz fertigzustellen. Während der ganzen Debatte war die Präsenz im Saale außerordentlich hoch; gewöhnlich standen ganze Gruppen direkt vor der Ministerbank und hörten dem eigenen oder auch dem gegnerischen Redner zu. Natürlich gab es oft Auseinandersetzungen, die sich aber im parlamentarischen Rahmen hielten. Biel bemerkt wurde eine Red« des früheren Innenministers Dr. S l a v i k, in der er die SHF scharf angrrff und ihr vorwarf, daß sie sich je nach dem Milieu maskiere; man werde ihr dir Maske aber schon noch zu gegebener 8eit herunterreißen, um ihr wahres Gesicht zu erkennen. Der Sprecher der SHF hatte die Kühnheit,». a. die »Schüsse" gegen das Henleinauto aufs Tapet zu bringen. Sonst ließ er neben den üblichen Loyalitätsphrasen Worte von einer korporativen Verfassung ete. einfließen, damit einen Teil der wahren Absichten der SHF enthüllend. Bon unserer Fraktion werden Dienstag Ge« nasse d e W i t t e und voraussichtlich erst am Mittwoch Genosse I a k s ch in die Debatte eingreifen. * Referent war der Agrarier Dr. Suchy, der er- klärt: Die Regierung und die Koalitionsparteien haben schon unzähligemale praktisch dargetan, daß die Demokratie kein bloßes Wort, sondern ein leben- drger Begriff ist. Das Wirtschaftsleben ist eng mit der Demokratie verbunden. Wo das demokratische System sich nicht zur Zeit entschlossen hat, in die wirtschaftlichen Verhältnisse einzugreifen, dort hat die Demokratie Schaden genommen und zuletzt ihre Rolle überhaupt auSgespieü. Wenn wir zur Regierung und zu ihrem Programm Vertrauen haben, dann müssen wir ihr alles geben, damit sie dieses Programm auch erfüllen kann. Der Sprecher der slowakischen Volkspartei Sidor hielt eine sehr oppositionelle Rede: Die Hlinka- partei wisse, was so eine Ermächtigung bedeute, denn auf Grund dieses Gesetzes sei der„Slowak" auf drei Monate eingestellt worden und andere Blätter noch länger. Bei dem heutigen Elend dürfe man sich nicht Wundern, daß in der Slowakei die Ansicht Oberhand gewinne, die das Interesse des Volkes über das des Staates stelle. Daß die Partei die Stelle im ParlamentSpräfidium angenommen habe, bedeute nicht den ersten Schritt zum Eintritt in die Regierung, sondern nur, daß sich die Partei auf dem Boden des Parlaments zur Arbett «nd zum Kampf für die Rechte des slowakischen Volke» meld«. M Slavik(Agr.) spricht seine tiefe Enttäuschung Über die Ausführungen SidorS au». Er glossierte dann die allzu auffälligen Bemühungen der Opposition, als treueste Hüter der tschechoslowakischen Verfassung und Demokratte aufzutreten, und erklärte, offensichtlich an die Adresse der Henleinpartei: Diktatorisch« und Führrrprinzipe werden unimmer fremd bleiben. ES scheint, daß unser« Oppositionsparteien öfters Masken tragen, vor allem eine Partei, di« den Befehlen eines Führers gehorcht, der selbst im Dunkel steht. Eine . andre MaSke setzen sie sich im Parlament, eine andere vor ihre« Wählern und eine andere jenseits der Grenze« ans.(Beifall.) AuS dm Reihen dieser Partei ruft man nach einem geeignetm Partner. Sie gibt sich für dir Rationale Einigung im dmtschm Lager an». ES gibt ab« nur eine nationale Einigung, die dir Berantwortung übcrnommm hat, die die schöpftri- sche Kraft der BolkeS vereinigt, und da» ist die hmttge Koalition. ES ist di« Frage, ob der ei« geeignet« Parwer ist, d« eine MaSke trägt«nd dem wir bisher nicht ins Gesicht sehm können. Seltm hat der ein« gute Absicht, der sich eine Maske aufsetzt. Wir werdm soviel Kraft und Entschiedenheit haben, um wm» notwendig, diese MaSke hemnterzureißm und männlich und offen jedem in sei« wahre» Antlitz zu schäum.(Beifall.) Slansky(Komm.) wirst der Regierung alle nur möglichen schlechten Absichten mit dem Ermächtigungsgesetz vor und endet mit dem Ruf nach einer antifascistischen Einheitsfront. Dr. Reuwirth(Henleinp.), der jetzt seinen auf der Kandidatenliste„vergessenen" Dottortttel wieder führt, bringt juristische Einwände vor und beruft sich auf die Verfassung. Seine Partei lehne jede Ermächtigung ab. Er hat die Stirne, dann die Zwischenfälle von Znaim aufzurühren, in deren Verlauf bekanntlich das Auto Henleins die berühmten Schußlöcher erhalten haben soll, mtt denen Henlein dann im ganzen weiteren Wahlkampfe paradierte. Aul der Linken gibt es bei dieser Stelle einn« ziemlichen Krach. Zurufe werden laut: Das waren Göring-Schüsse! Ihr habt selbst auf das Auto geschossen I— Redner besitzt daraufhin die Kühnheit, alle Schuld auf die Polizei zu schieben, weil sie eben die Täter nicht ermittelt hab«. In einer Polemik gegen Slavik ruft Reuwirth theatralisch nach der Möglichkeit, zu beweisen, daß es seiner Partti ehrlich um dieWahrheik gehe. Jejek(Rar. Sjedn.) greift das Parlament an, daß e» sich seiner wichtigsten Rechte begebe und malt die Gefahren aus, falls das Parlament sich auf „undemokratische Wege" begebe. Bergmann(Rat.-Soz.) erklärt, daß die SHF. am allerwenigsten Grund habe, sich Wer das Polizeisystem zu beschweren: Die tschechischm Ratienalsozialisten hätte» sich nicht getraut, den Innenminister zu belästigen, daß er ihnen ein Ehre geleit von Polizei und Gendarmerie gebe! Die Opposition der SHF lasse sich nicht mit der der Tschechen im alten Oesterreich vergleichen: Uns, rief der Redner aus, hat die Polizei im alte» Oesterreich höchstens in» Kriminal begleitet! Der Henleinpartei gegenüber hat sich das Polizeiregime äußerst benevolent erwiesen«nd die Henleinpartei sollte ihm dafür dankbar sein, denn sonst säßen nicht so viele-ihrer Lente im Parlament! Als Gegner der Vorlage deklarierte sich auch Szentivanhi(Un.g), während zur allgemeinen Ueberraschung des Hauses, die bald in Heiterkeit umschlug, für die Fascisten Dr. Dominik erklärte, sein« Partei für die Ermächttgung stimmen, um die vielen Lügen über ihre antistaatlichen Absichten zu zerstreuen undd arzutun, daß die Fascisten loyal« Staatsbürger sind, die auf dem Boden der Verfassung stehen.— Dr. Luschka(Christi.-Soz.) behauptet, es seien unter der Opposition auch solche Parteien, die es ehrlich mit der Demokratie meinen. Seine Partei verlange wenigstens Kautelen, daß das Kontrollrecht des.Parlamentes über die Verordnungen gewahrt bleibe.— Dr. Clemen- ti»(Komml.) beschäftigt sich mtt dem am Mittwoch beginnenden Prozeß gegen Stötka und Genossen und verlangt, daß sich das Hau» mit der Immunität der wiedergewählten Kommunisttn, gegen die ein Steckbrief schwebt, beschäfttge und dem verhafteten Stötka die Ablegung des Gelöbnisses ermögliche. « Nach dem Schlußwort des Referenten wird die Vorlage unter Ablehnung kommunistischer Ueber die vorgelegten Anträge, welch« von der Antragsprüfungskommission behandelt wurden, entschied der Parteitag nach einem Berichte der Kommission, welchen Genosse Taub vorbrachte, in folgender Weise: Der Anttag der Lokalorganisation Mähr.- T r ü b a u, betreffend ein Einvernehmen der Partei mtt den Gewerkschaften, Genossenschaften und den Bruderparteien über die planmäßige Selbstversorgung der Arbeitslosen, weiter die Anträge der Lokalorganjsattonen Roth au und Schind l- wald, betreffend di« Arbeitsbeschaffung und der Anttag der Lokalorganisatton Sebastians, berg, betreffend die Erhaltung der Arbeitsmöglichkeiten, wurde angenmnmen. Die Anträge der Lokalorganisattonen E u l a u, Steinsdorf, Königswald und R i e» gerSdorf, welche sich auf die Festsetzung der Altersgrenze und der Altersrenten sowie auf die Höhe der Einkommen bezogen, wurden dem Parteivorstand zugewiesen. Ein Antrag der Brüx er Lokalorganisatton zur Arbeitslosenunterstützung einiger Gruppen von Pensions-, Alters- und Jnvali-- ditätS-Rentnern wurde angenommen, ein Anttag der Lokalorganisation K ö n i g S w a l d, be- tteffend die Ernährungsaktion, dem Parteivorstand zugewiesen. Ebenso wurden Anttäge der Lokalorganisattonen K o t t o w i tz und Maierhöfen, ferner der BezirkSorganisattoncn Znaim und Schlucken««, welche sich sämtlich auf die Herausgabe von Zeitungen, Zeitschriften, Flugblättern, bzw. einer Rundfunkzeitschrist beziehen, dem Parteivorstand zugewiesen. Der Antrag der Dratz o w i tz e r Lokalorganisatton, betteffend Heraus, gäbe billiger sozialistischer Bücher und Broschüren, wurde angenommen. Angenommen wurde auch der Anttag der KreiS- organisation Trautenau(Maifestabzeichen). Der Anttag der Lokalorganisation Bernau II auf Schaffung einer Propagandastelle wurde angenommen und zur Durchführung dem Parteivorstand zugewiesen. Ebenso wurde der Antrag der Lokalorganisation Eger auf Popularisierung des Aussiger Kampfprogramms erledigt. Der Anttag der Lokalorganisatton Maierhöfen auf größere Heranziehung der Jugend wurde angenommen. Zum Zwecke der Verhandlung mit den tschechischen Genossen wurden dem Parteivorstand die Anträge der Lokalorganisatton Biela»(Gesetz über einen Beittag der Beschäftigten zur produktiven Arbeitslosenfürsorge) und der Lo- kalorganisaüon Heinrichsgrün(Gesetz über die Festsetzung einer Altersgrenze für die Beschäf- ttgten, Erhöhung des schulpflichttgen Alters und Er« ziehungSbeittag für Jugendliche). Angenommen ivurde mit Aenderungen ein Anttag der A u s s i g e r Lokalorganisation, betteffend die Aufstellung der Kandidatenlisten. Angenommen wurden weiter zwei Anttäge, welche Aktionen der parlamentarischen Klubs verlangen, und zwar der Anttag der Bezirksorganisation G r a S l i tz(Novellierung des Gesetzes 142/1920) und der Lokalorganisatwn Hammer (Gesetz gegen Korruption). Zwecks Verhandlungen mit dem parlamentarischen Klub der tschechischen Genossen wurde der Antrag der Graslitzer Bezirksorganisation(Aenderung des Unterhaltsgesehes 120/21 und des Gesetze» über die staatlich« Altersunterstützungs dem Partcivorstand zugewiesen. Gegenanträge in beiden Lesungen angenommen, wobei mit der Kdalition richtig auch die sechs Fascisten stimmen. Nächste Sitzung Dienstag, S Uhr. Tagesordnung: Debatte über die Regierungserklärung sowie Fristverlängerungen. Dir grgeuseiügr Vertretung der Minister. Rach einer Zuschrift des Ministerpräsidentten an das Kammerpräsidium werden die Mitglieder der Regierung einander für den Fall der Abwesenhest in der Führung der Reffortagenda, in der Unterschrift der Gesetze und Verordnungen ett. folgendermaßen vertre- ten: den Außenminister Dr. Benes vertritt der Ministerpräsident, den Schulminister Dr. K r c m ä r der Landwirtschaftsminister Dr. Hodja; außerdem ver- tteten einander wechselseitig die Minister Dr. Eer nh und Dr. HodZa, Dr. Trapl und Dr. Franke, Dr. Derer und Dr. Czech, Raj« man und Machnik, BechynöundJng. Neöas, Jng. D o st ä l e k und Dr. S r ä m e k. Zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten wurde nach den Bestimmungen der Verfaffung vor kurzem Minister Bechyne vom Ministerrat gewählt. Maudatsverzicht. Der kouununistssche Abgeordnete Major hat sein Mandat niedergelegt. Major wurde vor einiger Zeit im Zusammenhang mit einer Verurteilung nach dem Schutzgesetz auch die Wähl- barkeit zeitweilig aberkannt; die Frist ist noch nicht äbgelaufen. Das Innenministerium hat infolgedessen es abgelehnt, Major das Beglaubigungsdekret auszustellen, das zum Einttitt ins Parlament berechtigt. Bis zur Verhandlung vor dem Wahlgericht, die nicht vor dem Herbst stattgefunden hätte, hätte also die kommunistische Fraktton um einen Abgeordneten weniger gezählt. Unt also die Berufung seines Nachfolgers noch vor den Ferien zu ermöglichen und die Fraktion nicht auch um etliche Monate Diäten zu bringen, hat Major sein Mandat, das er nicht ausüben hätte dürfen, fteiwillig zurückgelegt. Ebenso der Antrag der Lokalorganisation Biela», betteffend eine allgemeine Zinsfußherabsetzung. Die Anträge der Lokalorganisationen Etein- schönau, Maierhöfen, Pihanken und R o t h a u, welche sich mit der Frage der Doppelverdiener beschäftigen, wurden demParteivor- stand und dem parlamentarischen Klub zwecks Einvernehmen mit den entsprechenden Körperschaften der tschechischen Bruderpartei zugewiesen. In geänderter Form wurde ein zu dieser Anttagsgruppe gehörender Anttag der Aussiger Lokalorganisatton angenommen. Nach dem Wunsche de» Parteitag» soll ein Gesetz gegen dje Doppelverdiener nur die hohen Einkommen tteffen, nicht aber die sozial Schwachen und die Frauenarbeit. Die Anträge der Lokalorganisation T a n n- Wald(Bericht der Programmkommisfion), der Lokalorganisation Eger und der Bezirksorganisatton Neutitschein(zum Punkt Wahlen), der Lokalorganisationen Aussig, Komotau, Trinkseifen, Salmthal, Schindlwald und Platten(diese letztgenannten zu organisatorischen Fragen) wurden durch die Berichte, bzw- durch andere angenommene Anttäge erledigt. Die Anträge der Bezirksorganisation Neutitschein(parlamentarische Verttetung) und der Bezirksorganisationen Mähr.- Ostrau und Neutitschein( Festsetzung der Mitgliedsbeiträge) wurden abgelehnt. Die Anttäge der Be- zttksorganisatton Mähr.»Ostrau(Doppelver- dienertum, Berücksichtigung des Alters bei der Aufstellung von Kandidaten) wurden durch die Erledigung anderer Anttäge gegenstandslos. Der Antrag der Mähr.-O st rauer Bezirksorganisatton, betteffend die Berichterstattung der Parlamentarier, wurde angenommen. Der Anttag der Bezirksorganisatton Preß- b u r g, betteffend die ErscheinungSzeit des Zentral- organs, wurde dem Parteivorstand zugewiesen. Ein zweiter Antrag derselben Organisation bezüglich der Programmkommission war durch den Bericht erledigt. Der Anttag de» Genossen Schwarz auf Einsetzung einer Expertenkommission wurde dem Parteivorstand zur Durchführung und Bestimmung der Mitglieder zugewiesen. Angenommen wurde der Anttag derFrauen- Reichskonferenz, welchen wir bereits veröffentlicht haben. .» Beschwerden Ausgeschlossener Der Parteitag nahm dann die Berichte jener Kommissionen entgegen, die zur Prüfung von Bcschiverden einiger aus der Partei Ausgeschlossener eingesetzt wurden- Die Kommissionen beantragten in drei Fällen die B e r w e r f u n g der Beschwerde, welchen Anttag der Parteitag einmütig beitrat. In einem Falle wurde die Beschlußfassung auf den nächsten Parteitag vertagt. Durch diese Beschlüsse wurde auch die Beschwerde der ehemaligen Parteimitglieder Torn, Rybnicky und Hammerschlag abgewiesen. Im Anschluß daran bestätigte und bekräftigte der Parteitag den Beschluß der Parteikonferenz vom 23. Mai, indem ausgesprochen wurde, daß die Mitarbeit und Förderung der „Sozialistischen Aktion" mit der Zugehörigkeit zur Partei nicht, vereinbar ist. Eden in Rom Noch keine Klarheit über Ost-Afrika Rom. Minister Eden ttaf Sonntag um 18 Uhr 3 Mm. in Rom ein«nd wurde auf dem Bahnhofe von Staatssettetär Suvich, dem ständigen Delegierten der italienischen Regierung beim Völkerbünde Baron Aloisi, dem britischen Botschafter in Rom Drummond und hohen Beamte» des italienische» Außenministeriums begrüßt. Ueber die erste Besprechung zwffchen Mussolini und Eden wird folgendes Communique bekanntgegeben: Der italienische Regierungschef hat Sonntag vormittags im Palazzo Benezia den britischen Minister Eden empfangen, mit dem er eine in herzlichem Tone gehaltene Unterredung hatte, die ungefähr zwei Stunden dauerte. Während dieser Unterredung wurden das deutsch-britische Flottenabkommen, die Pläne für den Luftpakt«nd andere Fragen erörttrt, die den Gegenstand de» britisch-französischen Zusammentreffens in London vom 3. Feber bildeten. Offiziell betcmen alle Matter in England und in Italien, daß in Rom lediglich über das Flottenabkommen und nicht über Abessinien gesprochen werden wird. Tatsächlich scheint aber Abessinien das Hauptthema der Verhandlungen zu bilden. In der Flottenfrage scheint es ja zwischen Italien und England keine ernsten Differenzen zu geben. Die italienischen Blätter betonen übereinstimmend, daß die Aufrüstung der deutschen Flotte für Italien von Nutzen sei, da Italien im Mittelmeer die stärkste Macht werde. Denn di« starke deutsche Flotte werde den Großteil der französischen in den Atlantischen Ozean ziehen und auch England nötigen, seine Mittelmeerflotte nicht übermäßig auszubauen. Die französische Presse dagegen wird nicht f müde, den Bruch der Entente von Stresa durch' England zu bedauern. Italien wiederum freut sich besonders darüber, daß die Engländer den deutschen Verttagsbruch sanktioniert haben, denn es leitet daraus das Recht ab, seinerseits die Verträge gegenüber Abessinien zu brechen. Eden soll in der abessinischen Frage einen Komprom ißvorschlag mitgebracht haben: Italien würde das Recht des BahnbaueS zwischen Erythrea und Somaliland und gewisse wirtschaftliche Rechte eingerämnt bekommen. Italienische Blätter bewnen aber demonstrativ, daß Italien sein« Truppen nicht zurückziehen könne, ehe es nicht Sicherheit gegen die Bedrohungen(1). durch Abessinien erhalte. Italien soll im geheimen lebhafte Verhandlungen mit Berlin führen und eine Einigung über Oesterreich betteiben, die eine mitteleuropäische Konferenz überflüssig machen sollen. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, daß neuerdings Jugoslawien die Konferenz sehr dringend fordert. Aufsehenerregende Verhaftungen in Moskau London- Rach hier aus der Sowjetunion eingetroffenon Meldungen wurde» in Moskau der Kommandant und ein Teil der M a n n«, schäft der Kreml-Wache verhaftet. MoSka«.(DNB) Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Chefs der Schutzwache des Kreml» wurden weitere zwanzig Soldaten der Schutzwache ins Gefängnis gebracht. Die alte Wache ist durch«ine neue avgelöst, die von Leute« der G. P. U. gebildet wttd. dem verhafteten Kom». mandeur der Schutzwache wttd konterrevolutionär« Gesinnung vorgeworfen, ebenso auch, daß er mit anttsowjetrussischen Kreisen Verbindung unterhalten habe.. Insgesamt ist gegen 28 Personen der Schutzwache des Kreml ei« Verfahren eingeleitet worden. Deutschland zahlt auch weiterhin nicht Berlin. Minister Schacht hat ab I. Juli tz. I- ein weiteres einjähriges Moratorium angekündigt für sämtliche Zahlungen nach dem Auslande mit kurzer oder mittlerer Fälligkeit, u. zw. nicht nur nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas, sondern auch nach allen jenen Ländern, mit denen Deutschland Clearing- oder andere Transfer- abkommen abgeschlossen hat. Auch Italien wird seine Flotte verstärken Rom. Wie an polittschcn Stellen verlautet,' werden die Auswirkungen des deutsch-britischen Flottenabkommens für Italien in dem Sinne beurteilt, daß mit Rücksicht darauf, daß Frankreich sein« Kriegsflotte wird' erhöhen müssen, Italien zu einer gleichlaufenden Erhöhung seiner Kriegsflotte schreiten wird müssen und Italien ein direktes Abkommen mit Frankreich abschließen werde. Die italienische These betont die Unteilbarkeit in den Fragen der Rüstungsbeschränkungen. Anträge und Beschlüsse des Brünner Parteitages Sekte 6 Dienstag, 25 Juni 1935 Nr. 147 Schwere Autokatastrophe bei Budapest Zwei Lote, fünf Schwerverletzte Smeral anerkennt die lauteren Absichten der sozialistischen Führer Prag. Im Senat wurde in der Montagsitzung, die mit einstündiger Verspätung begann, zunächst die Konstituierung der einzelnen Klubs zur Kenntnis gebracht und die Wahl der Ausschüsse vorgenommen. Bei der Wahl ergab sich die interessante Tatsache, daß die Tschechisch-Klerikalen mit der Hlinkapartei, also einer Oppositionspartei, koppelten. Die Konstituierung der neugewählten Ausschüsse wird am Dienstag teils vor, teils nach dem Plenum erfolgen. In der Debatte über die Regierungserklärung setzte Smeral(Komm.>ffort. Er erging sich in Betrachtungen über die Einheitsfront, wie angeblich die sozialistischen Koalitionsparteien ein gemeinsames Vorgehen mit der kommunistischen Partei ermöglichen- könnten. Dabei geht seine Abkehr von der bisher bis zum Ueberdruß befolgten Taktik der KPC-, die sozialistische« Führer aufs gemeinste z» beschimpfen und z« verleumden, so weit, daß er sogar z n» läßt,„daß die Ansichten der führenden Politiker der sozialistische» Regierungsparteien aus der besten Ueberzeugung erfließen!" Die Krise sei aber zu schwer, als daß eS auf dir Dauer gelingen könnte, die widerstrebenden Interessen der Arbeiterparteien und der kapitalistischen Parteien durch ein Kompromiß zu verbinden. Nach dem Agrarier Stodola, der sich zumeist mit wirtschaftlichen Detailfragen beschäftigte, polemisiert ein Henleinmann mit dem urgermanischen Namen Krrzal gegen die Stellen der Regierungserklärung, die sich mit der SHF beschäftigen, und überfließt in Loyalitätserklärungen. Seine Partei wolle ihre Forderungen nur auf gesetzlichem Wetz e im Rahmen der Berfassungseinrichtungen durchsetzen. Die Form der Mitarbeit könne unter den gegebenen Berhältniffen nur die„konstruktive Opposition" sein und er ersucht die tschechischen Parteien 1( neuerdings um„Objektivität". Fortsetzung der Debatte: Dienstag 10 Uhr. Tschechisch-fortschrittliche Studenten danken der deutschen Sozialdemokratie. Vor einigen Tagen hat in Prag ein Kongreß der tschechischen und slowakischen fortschrittlichen Studentenschaft stattgefunden. Dieser Kongreß hat nun an die deutsche sozialdemokratische Partei ein Schreiben gerichtet, worin gesagt wird, daß die fortschrittlichen Studenten, welche auf ihrem ersten gesamtstaatlichen Kongreß zustimmengekommen sind, den deutschen Antkfascisten ihre Anerkennung ausspre- ichen, weil diese unter ungewöhnlich schweren Bedingungen ausdauernd im Kampf gegen den Henlein-Fascjsmus'ausgeharrt haben. Neuer Abgeordneter. Im Parlament leistete am Montag als Nachfolger Siribrnys, der bekanntlich sein Mandat zurückgelcgt hat, der Redakteur der Stki- brny-Presse K u t die Angelobung. Kut ist eine im tschechischen Lager sehr umstrittene Persönlichkeit. Im Laufe des Wahlkampfes wurde ihm von agrarischer Seite vorgeworfcn, daß er die italienische Gesandtschaft um finanzielle Förderung der tschechischen fasci- stischen Bewegung angegangen habe. Belastungsprobe für den Völkerbund London.(Reuter). In einem Interview, das der Kaiser von Abessinien einem Korrespondenten des„Sunday Chronicle" gewährte, erklärte der Kaiser, Abessinien werde als Mitglied des Völkerbundes und Signatar des Briand-Kellogpaktes bestrebt sein, vorerst sämtliche friedliche Mittel zu erschöpfen, ehe es zu den Waffen greift. Wir können nicht glauben, sagte der Kaiser weiter, daß der Völkerbund es nicht verstehen würde, unseren Konflikt mit Italien zu erledigen. Da wir für dix Verhandlungen eine günstige Atmospäre schaffen wollen, konzentrieren wir noch keine Truppen. Wenn aber die Regelung unseres Konfliktes allzulange auf sich warten lassen und so die italienischen Rüstungen erleichtern sollte, werden wir gezwungen sein, alle zum Schutze unseres Landes notwendigen Maßnahmen zu treffen. Abessinien will souverän bleiben Addis Abeba. Abessinien weist die erneuten bon Italien erhobenen Ansprüche auf Eisenbahn, Industrie- und Landwirtschaftskonzessionen zurück, da der Dreierpakt von 1906 keine Grundlage für derartige Forderungen erteilt hat.- Italien stütze sich auf einen Vertrag von 1911, der der abessinischen Regierung unbekannt sei. Diese weigere sich nicht grundsätzlich, Konzessionen an Italiener und andere Ausländer zu erteilen, sie verlange jedoch für sich das Recht, die Konzessionsbedingungen selbst festzusetzen. Auch Deine Blumen blühen so schön, wenn Du sie mit dem guten Blumen-Zauberdung pflegst! 1 Paket Kö 5.60, durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XI l., Fochova ti. 62, und bei allen Kol- Iorteuren erhältlich. Budapest. Auf der Landstraße Wien-Budapest, etwa 16 Kilometer von Budapest entfernt, ereignete sich ein schweres Automobilunglück. Ein ungarisches Auto, das von dem Chauffeur Angyal gelenkt wurde und in dem sich der Advokat Viktor Meller und der Kaufmann Propper befanden, wollte einemBtuernkarren vorfahren und stieß mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden französischen Automobil zusammen, das von seinem Besitzer, dem Prager Redakteur der Agence Radio, Henry Pierre Gouyon, gelenkt wurde: Gouyon erlitt einen linksseitigen Rippenbruch, seine Frau, geborene Paulette Marasseur, sowie deren Schwester Frau Bachaffe, geborene Therese Marasseur, starben auf dem Transport ins Krankenhaus. Die 15jährige Tochter des Redakteurs, Simona, erlitt einen B e k- kenbeinbrüch. Der ungarische Chauf- feur, der Advokat und der Kaufmann erlitten schwere Verletzungen. Der Zusammenstoß trug sich im strömenden Regen zu. 87 in zwei Tagen New Aork. Das schöne Wetter am letzten Samstag und Sonntag hat einen lebhaften Ver-. Immer noch Bluturteile in Spanien Oviedo. Bon den Personen, die angeklagt find, in der Ortschaft Turon im Laufe der im Oktober stattgefundenen Revolution Morde begangen zu haben, wurden vier zum Tode und 31 zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Nochmals Prozeß Matuschka Budapest. Die Königliche Tafel begann gestern als Berufungsinstanz die Verhandlung des Prozesses gegen Matuschka, den Urheber des Eisenbahnattentates bei Bia Torbagy. Zur Verhandlung soll Matuschka, der in Oesterreich eine Strafe wegen des Eisenbahnattentates bei Anspach verbüßt, ebenso wie bei der Budapester Gerichtsverhandlung, zum zweiten Male nach Budapest gebracht werden, um persönlich vor Gericht erscheinen zu können. Da^ Urteil des Gerichtshofes, gegen das Matuschka Berufung-' eins legte, lautete auf vollzogene Tötung, begangen in 22 Fällen und wegen versuchter Tötung, begangen in 14 Fällen auf Tod durch den Strang. Für die Verhandlung gibt sich ein außerordentlich großes Interesse kund. Bergsteigers Tod St.-Gallen. Im Säntisgebiet in der Ost- s ch w e i z wurde eine dreiköpfige Bergsteigerpartie von einem Steinschlag getroffen. Ein 50jcchriger Partieführer aus Sankt- Gallen stürzte ab und riß seine ebenfalls aus St.-Gallen stammende Begleiterin mit sich. Beide fanden den Tod, während sich der zweite Begleiter festhalten konnte und unverletzt blieb. Die Ehrung... Im Jahre 1878 sprach Victor Hugo in seiner berühmt gewordenen Voltaire-Rede:„Wer... sagt, Gewalt geht vor Recht, begeht eine mittel. kehr auf den Straßen und auch gleichzeitig eine erhöhte Zahl von Automobilunfällen gebracht. Auf dem ganzen Gebiet der Vereinigten Staaten sind bei Automobilünfällen insgesamt 87 Personen ums Leben gekommen. Ujhorod. Sonntag starb im Krankenhause in Slatinsky Doly dex Rennfahrer Jaroslav B e s e- l h, technischer Beamte in Brünn, der bei einem Automobilrennen knapp vor dem Ziel eine tödliche Verletzung erlitt. Das Befinden seines Mittahrers Oberleutnant Mixa ist andauernd ernst. UZHorod. Eine von dem Chauffeur Iwan Panko gelenkte Autodroschke überfuhr in dex Nähe von BelH Laz einen 6jährigen Knaben, der bei der Ueberführung ins Krankenhaus starb. Paris. Ein Sportflugzeug, mit dem der Chef der Fliegerschule von Dijon, M a z i a t, mit z w e i B egleitern am Sonntag Nachmittag zu einem Uebungsfluge aufgestiegen war, stürzte aus unbekannter Ursache in der.Nähe von Macon ab. Die drei Insassen des Flugzeugs kamen bei dem Unfall ums Leben. alterliche Handlung und spricht zu den Menschen von drei zurückliegenden Jahrhunderten... Heute heißt die Macht Gewalt und beginnt verurteilt zu werden... Die Völker lernen begreifen, daß... ein M ö r- der ein Mörder ist, daß vergossenes Blut vergossenes Blut ist..." Diese Worte sind brennend aktuell—— denn in der Gedenkfeier der Pariser Sorbonne für Victor Hugo, die dieser Tage stattfand, war auch ein offizieller Vertreter^ Deutschlands anwesend... Dieser Mann hieß Hanns I o h st, Autor des unsterblichen Satzes:„Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Browning..." In den Wiener Kinos kam es in den letzten Tagen zu S k a n d a l e n, die sich gegen die Aufführung von verschiedenen deutschen natio- nals ozialisti scheu Propagandafilmen richteten. Im„Flotten Kino" mußte ein Reklamefilm für das„Grenzgebiet Arlberg" unterbrochen und abgesetzt werden- Auch im „Elite"- und im„Kreuz"-Kino kam es zu Kundgebungen gegen diese Filme. Auch gegen den Film„Geld wie Heu", der eine Sammlung na- fionalsozialistifcher Prinzipien darstellt, wurde in 'einigen Kinos demonstriert.' Die Hitzewelle in England hält weiter unvermindert an. Die Blätter berichten, daß bisher sieben Personen innerhalb der letzten*24 Stunden an Hitzschlag gestorben sind. Tausend Himf-er verbrannt. In der Stadt Nathisgalian der Novdwestgrenze Indiens, wurden durch einen katastrophalen Brand, mehr als 1000 Häuser, darunter einige der schönsten Gebäude der Stadt, vernichtet. Eine Reche weiterer Gebäude, mußte niedergerissen werden. Falsche Zchnkronen-Münzen. Die Komotauer Gendarmerie verhaftete den 20jährigen aus Deutschland gebürtigen Stukkateur Robert G ö r g, der unsteten Aufenthalts ist und in Komotau falsche 10 liö-Münzen verausgabt hat. Die falschen Münzen wurden aus Zinn hergestellt. Die von ihm versteckten Hohlformen und Schmelztiegel wurden aufgefunden. Rach seinen Aussagen hat Görg bisher erst acht falsche 10 Xö-Stücke hergestellt und in Umlauf gesetzt. Ei« Buch des Genossen Dr. Strauß in Deutschland verboten. Der„Deutsche Reichsanzeiger" von Montag, den 17. Juni, Nr. 138, bringt folgende Bekanntmachung;„Ich habe auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Feber 1933 die Verbreitung der nachstehend genannten ausländischen Druckschrift im Inland bis auf weiteres verboten:„Die Entstehung der Tschecho- flowakischen Republik!"— Buch—(Prag, Tschechoslowakei). Berlin, den 85. Juni 1935, der Reichs- und preußische Minister des Innern. I. A.: Dr. Gisevius.— Bei diesem Buche handelt es sich um ein Werk des Genossen Dr. Emil Strauß, das im Vorjahre erschienen ist- Romain Rolland, der große französische Schriftsteller ist in M o s k a u eingetroffen. Eine„Kleine Entarte der Gewerbetreibenden". Wie aus Bukarest gemeldet wird, wurde währen- der letzten Tagung des Wirtschaftsausschusses der Staaten der Kleinen Entente eine Aktton zur Einberufung eines Kongresses der Gewerbetreibenden der Staaten der Kleinen Entente und-er Balkan-Entente eingeleitet. Auf dem Kongreß, der in nächster Zett stattfinden soll, sollen die ganz besonders diesen Stand betreffenden Fragen behandeü werden. Es soll dabei eine Kleine Entente der Gewerbetreibenden gegründet werden, die für die Förderung des Gewerbestandes in den Staaten der Kleinen Entente arbeiten würde. Der Ballmr„Essen II", der am Sonntag abends in Gels enkirchen mit vielen anderen Ballonen aufgesttegen war, ist am Montag gegen 4 Uhr früh 200 Meter vom Strand bei Ostende ins Meer- gestürzt. Alle vier Insassen konnten gerettet werden. Zwei von ihnen waren ins Wasser gesprungen, als der Ballon abfackte. Sie wurden von einem Polizeibeamten aus Ostende, der zu ihnen hinaus- s ch w a m m, geborgen. Die beiden anderen Insassen, die bei dem Ballon geblieben waren, wurden später von einem Fischerboot ausgenommen, das auch den Ballon an Land brachte. Schwer Wolkenbrüche gingen über die chinesischen Provinzen Hupe, Anui, Kiangsu, Tsche- ttan und Kwantung nieder. H a n k a u hat unter den Wolkenbrüchen besonders schwer gelitten, zahlreiche Häuser der chinesischen Viertel stürzten durch die Wucht der niederströmenden Wassermassen ein.G a nz eS t a d t t e i l e sind unter Wasser gesetzt. Die Wasserstände in den Flüssen der betroffenen Provinzen hatten teilweise eine außerordentliche Höhe erreicht. Di« Flüsse sind streckenweise iwer die Ufer getreten und haben weite Gebiete überschwemmt. Der Tsientang-Fluß der Provinz Tschekiang hat an mehreren Stellen die Deiche durchbrochen. Theater im Polargebiet. Holzfäller, Jäger, Fischer" und andere sowjetrussische Angehörige, die in den Polargegenden in Igarka, auf der D i x o n- In s e l, in Ustj-Port, in Dudinka und an anderen Stellen überwintern, werden nunmehr ein eigenes Theater haben, an das sie früher nicht denken konnten. Rundfunk, Grammophon u. ä. füllten bisher die Mußestunden der Ueberwinterer aus. Nun hat die Hauptdirektion des nördlichen Seeweges ein W a n d e r t h e a- t e r organisiert, das bereits auf seine erste Gastspielreise nach dem Polargcbiet aufgebrochen ist. Die Dekorationen, Kostüme, Requisiten, Apparate usw. wurden in Kisten von besonderer Konstruktion verpackt, die in eine Bühne verwandelt werden können. Der Spielplan des Theaters Weist Klassiker und moderne Verfasser auf. Hinter Schloß»nd Riegel. Dank der engen Zusammenarbeit der Rauschgiftzentralen von Madrid, Amsterdam, Rotterdam, Barcelona, Wien und Berlin konnte jetzt der im Frühjahr d. I. aus Barcelona geflüchtete und von fast allen europäischen Polizeibehörden wegen Opiumvergehens, Heiratsschwindels, Hotelbetrugs und anderer umfangreicher Betrügereien gesuchte 43jährige angebliche Geheimrat Friedrich Schirokauer in einem Krankenhause in Amsterdam ermittelt und hinter Schloß und Riegel gebracht werden. Ein kühner Wolfsjäger. In einer Gemeinde unweit von Sarajevo benützt der Bauer Marko Pala- man seit 30 Jahren bei seinen Wolfsjagden nur die Axt. Dieser Tage verfolgte er eine Spur und gelangte zu einer Wölfshöhle, wo er eine Wölfin mit neun Jungen vorfand. Nach kurzem Kampfe tötete er die Wölfin und brachte die neun Jungen aufs Amt, um die ausgeschriebene Belohnung zu erhalten. Da er von der Wölfin gebissen wurde, will er jetzt die Axt durch«ine Schußwaffe ersetzen. Vom Rundfunk empfehlenswert«» aus den Programmen! Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 11.05 Salonorchesterkonzert, 12.10 Schallplatte»:Smetana. 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt, 15.00 Nachmittagskonzert, 17.55 Orchesterkonzert auf Schallplatte«, 18.35 Deutsche Sendung: Arbeitersu»k:Ernst Paul: Ueber den Parteitag der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. 18.55 Sozialinforma« ttonen, 10.00 Deutsche Presse, 19.30 Uebertragung aus dem Nationaltheater: Das Märchen vom Zaren Salian, Oper. Sender S.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Walzer auf Schallplatte», 14.15 Deutsche Sendung: Kinderstunde. 20.20 Schubert, Streichquartett.— Brünn: 18.00 Deutsche Sendung: Wunderle: Anfänge der modernen Technik. 20.30 Volkstänze.— Mähr. Ostrau: 18.00 Mexikanische Lieder. 22.45 Tanzmunk.— Preßburg: 19.45 Gesangsvereinskonzert.— Laschau: 18.25 Hebräische Melodien. Flugboote über der Weltstadt Wasserflugzeuge der britischen Luftstr.eitkräfte, darunter eine sechsmotorige Short-Maschine, die mit einem Eigengewicht von 31 Tonnen das größte englische Flugboot ist, über einem Londoner Vorort beim Anfluge zur Haupt stadt. Dienstag, 25. Juni 1935 Natürlicher Gellerstoff OPEKTA, Obstextrakt. *^3peKa Rekord im Langstreckenslug. Der Instruktor der Moskauer Segelflugschule, K a r t a* schew, hat mit einem Segelflugzeug einen neuen VolKswirtsdiait und Sozialpolitik Mehr Handel mit China! Ausbau der Exportbeziehungen tut not! Ir. "K» 1 Pfcli.. Tr-l.-Op.lf. ter I n*£ p.ku 5|lai«s _ bhbb maqMBLADB IN 10 MINUTEN! StfSÄÄ U;* ffi. aen-ope Ma Probieren II.-«• Achtung Kaufleute I Di ie sowj«trusslschen Rekord im Langstreckenflug aufgestellt. Bon einem Flugzeug in eine Höhe von 400 Metern geschleppt, kuppelte sich Kartaschetv in dieser Höhe los, verschwand in Gewitterwolken und landete wohlbehalten im Kalinin-Gebiet etwa 200 Kilometer von Moskau entfernt. Die genaue Entfernung bis zur Landungsstelle wird ermittelt. Ter letzte sowjetruffisch« Segelflugzeugrekord im Lang- streckenflug betrug 100 Kilometer. Die berühmteste Miniatursammlung wird versteigert. Eine Lilliput-Kunstschau von unschätzbar wertvollen Bildern in Puppenhausgröße wird in diesen Tagen in London eröffnet. Es handelt sich um die weltberühmte Sammlung von Elfenbeinminiaturen, die I. P. Morgan mit einem Kostenaufwand von 400.000 Pfund zusammengetragen hat. Die Miniaturen werden erst eine Woche lang in der»Grasten Halle"' bei Christie in London ausgestellt, ehe sie versteigert werden. Kein künstliches Licht darf in dem Raum sein, damit die Farben nicht leiden, die noch so leuchtend sind, als seien sie frisch aufgetragen und nicht 300 Jahre alt. Für den Verkauf ist London gewählt worden, als die günstigste Hauptstadt in dieser finanziell depressiven Welt. Wenigstens 100 Käufer und ihre Agenten aus allen Teilen des Kontinents werden zu der Auktion eintreffen und man erwartet, dast um einige Stücke ein harter Kampf entstehen wird. Z. B. um die Miniaturen von Greuze, Fragonard, Augustin und Adolf Hall. 1535—1935 Zu einer Feit, in der Deutschland in tiefste Knechtschaft gesunken ist, wird der Blick mehr denn ie in die Vergangenheit gezwungen, auf der Suche nach den historischen Ursachen dieser völkischen Katastrophe und er wandert zurück über den romantischen Wagner mit seinen in Felle gekleideten Heroen, über den polenblütigen Nietsche, der noch im Wahnsinn gelacht hätte, wenn er sich als geistigen Geburtshelfer einer deutschvöltischen Pöbelherrschast geahnt hätte, über Schopenhauer, der den österreichischen Soldaten half, die Achtundvierziger Barrikadenkämpfer niedcrzuknallen und sein Vermögen den uniformierten Rettern der»Ordnung" vermachte, zurück in die Jahrhunderte und bleibt unweigerlich im sechzehnten hasten, das Deutschland iwm Schicksal geworden ist, an dem es heute noch schwer, schwer trägt. ■ Nicht nur die Reformation, die das unter Dutzende von Herrschern zerspaltene Volk nun auch noch in zwei einander blutig bekämpfende religiöse Bekenntniffe teilte, ist gemeint, sondern damals schlug zwischen Frankreich und Polen die große Schicksalsstunde, die jedem Volke in tausend und mehr Jahren nur einmal schlägt. Der Klang wurde gehört, in Stadt und Land stand auf, was gerufen ward, um die Freiheit zu erkämpfen und von der Gunst des Augenblicks zu ernten, was irgendmöglich in die wartenden Scheuern gebracht werden konnte. Die Scheuern blieben leer. Was anderen Völkern zu ihrer Feit gelang, mißlang dem deutschen. Seine Revolution wurde so blutig niedergeschlagen, daß noch vierhundert Jahre später die liefen Striemen dieser Niederlage das geistige Antlitz des deutschen Menschen furchen. Kein deutsches Geschichtsbuch meldet von den nachhaltigen Siegen einer Großen Revolution, von einer magna charta libertatüm, von Königen, die das Schafott bestiegen, weil sie das Land verrieten, von siegreicher Männertreue vor beschworenen Verfassungen, von der Nrberwindung brutaler Despotie durch politische Humanität, nein, die deutschen Geschichtsbücher können nur im Oetöse der Schlachten und dem ewigeintönigen Wechsel der Herrscher schwelgen. Vor vierhundert Jahren wurden die Ketten geschmiedet, die das deutsche Volk noch heute trägt, damals, als die Bauern, mehr als hunderttausend, niedergemetzelt wurden, weil sie sich gegen die Unfreiheit erhoben, als die Täufer mit Wasier, Feuer und Schwert ausgerottet wurden, weil sie die Gleichheit schon auf Erden verwirklichen wollten. Luther gab nur den Auftakt, als er 1517 an der Schloßkirche zu Wittenberg seine Thesen anschlug und, gestützt auf den mächtigsten deutschen Kurfürsten, den von Sachsen, den Papst zum Kampfe herausforderte. So hoch die Begeisterung für den Augustinermönch ging ssein Bild mit Glorienschein wurde von Haus zu Haus wie ein Heiligenbild verkauft), die Welle ging doch sehr ßchnell über ihn hinweg und den Bauern, die sich Die Bestrebungen zum Wiederaufbau des Außenhandels gestalten sich deshalb so schwierig und sind nur von geringem Erfolg begleitet weil ihnen in dem grövten Teil der Länder handels- und devisenpolitische Maßnahmen entgegenstehen. Es ist nur noch eine Minderheit von Ländern, die dem Außenhandel die freien Eirtwicklungsmöglich- keiten bieten. Darunter befinden sich allerdings einige, die wegen ihres ungeheuren Bolksreich- tums und wegen der gewaltigen wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten, die ihnen gegeben sind, für den Weltaußenhandel von großer Bedeutung sind. Zu diesen Ländern gehört China. China hat nach dem Raub von drei großen Provinzen durch Japan, die zum Mandschukuostaät vereinigt wurden, noch immer'eine Bevölkerung von über ! 400 Millionen Menschen. Es ist wahr, daß die überwältigende Mehrheit dieser Menschen in tiefer Armut und in größtem Elend lebt und nicht in der Lage ist, seinen dringlichsten Bedarf an Nahrungsmitteln und Waren des täglichen Gebrauchs zu stillen. Dennoch aber führt das Riesenreich jährlich gewaltige Mengen von Waren ein. Es muß dies umsomehr tun, als ja eine eigene Industrie bisher nur in einzelnen begrenzten Gebieten entwickelt ist. Obgleich die Industrialisierung Chinas in den Nachkriegsjahren in rascherem Tempo vorwärts zu treiben versucht wurde, vermag die eigene industrielle Erzeugung doch erst nur einen kleinen Teil des Verbrauches zu befriedigen. Die Einfuhr Chinas in den Jahren 1929 bis 1S3S betrug:—■4•-•. 1929 27,3 Milliarden Kd 1930 20,2 1931 16,6 1932 11,9 1983 9,2, Der Einfuhrrückgang, der eine Folge der Weltwirtschaftskrise ist, beträgt demnach von 1929 bis 1933 in China 65 Prozent. Bon der Größe selbst der zusammengeschrumpften Einfuhr dieses Landes im Jahre 1933 bekommt man ein ungefähres Bild, wenn man ihm den gesamten Export der Tschechoslowakei im gleichen Jahre gegenüberstellt. Dieser erreichte 1933 noch nicht einmal sechs Milliarden Kd, so daß die Einfuhr Chinas ihn um mehr alS 50 Prozent übersteigt! Von der gesamten Welteinfuhr nahm China in den Jahren 1931 bis 1933 im Durchschnitt 2.7 Prozent auf(die Tschechoslowakei 1.56 Prozent). Die größten Warenlieferanten Chinas sind die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Groß- britannien, Japan und Deutschland. Im Vergleich zu ihnen steht die Tschechoslowakei weit zurück.. wenige Jahre später unter dem Bundschuh sam» weiten und Ritterburgen und Klöster niederbrannten, um ihre Fwingherren zu vernichten, warf er bereits das fürchterliche:»Steche, schlage, würge hier, wer da kann!" entgegen. Als die Bauern niedergeworfen waren und die Täufer deren revolutionäre Rolle übernahmen, schrieb er in jenem bornierten Unverständnis für soziale Fragen, das ihm während seines ganzen Lebens anhaftete:»Di« Landleute,., tun nichts, als daß sie die Freiheit mißbrauchen Man kann diese Ungeheuer(die Wiedertäufer) weder durch Schwert noch durch Feuer bändigen, sie verlassen Weib und Kind, Haus und Hof und alles, was sie haben..." Vielerlei sind die Ursachen, die Deutschland zwischen 1517 und 1535 erschütterten, doch der maßgebende Grund, auf dem die Hans Müller von Bulgenbach, Giebel, Hubmayer, Thomas Mim« zer,' Pfeiffer, Johann von Leyden, Matthys, Knipperdollink fechtend standen, war die entsetzliche Rot/ di« das von Kaiser, Papst, Fürsten, Rittern und Stadtpatriziät auSgeplünderte Volk litt. Luther stürzte nur die erste Säule, das Dach brachten erst die Bauern und die Täufer ins Wanken. Achtzehn Jahre ging dieser Kampf, der in Wittenberg begonnen hatte, in Südwestdeutschland zu den Bauernkriegen emporflackerte, in Zürich Zwingli gebar«nd in Mitteldeutschland m der Schlacht rum Franlenhausen, 1525 die Es betrug die Einfuhr tschechoslowakischer Waren nach China dem Werte nach: 1929 82,3 Millionen KL 1930 125,7 1931 83,0 1932 51,2 1933 46,0 1934 76,1 1935 25,9„„ (Jänner bis Mai) Es war demnach im Jahr« 1933 die Tschechoslowakei an der Gesamteinfuhr von Waren nach China, die über 9200 Millionen KL betrug, nur mit ganzen 46 Millionen beteiligt! Die Ausfuhrsteigerung der Tschechoftowakei nach China von 1933 zu 1934 ist recht erfreulich, aber sie ändert an dem verschwindend geringen Anteil unserer Waren an der chinesischen Einfuhr fast nichts. Sie zeigt jedoch eines, nämlich, daß die Erhöhung unseres Exports nach diesem fernöstlichen Rirsenrrich mit seiner 400-Millionen- Bevölkerung nicht auf unüberwindliche Schwierig- tciten stößt! Die Einfuhr nach China ist bisher weder durch Kontingente noch durch irgendwelche devisenpolitische Maßnahmen gehemmt. Es sind auch für die tschcchoslolvatischen Waren die gleichen Wettbewerbungsmöglichkeiten gegeben— wie für die Waren aus anderen Ländern. La, es bieten sich ihnen bei guter Qualität zum Teil sogar günstige Aussichten, da z. B. die japanischen KafexAr aus anderen^Ländern aus politischen Gründen wiederholt boykottiert worden sind. Unter der Wareneinfuhr Chinas nehmen Textilien aller Art, Glaswaren, Maschinen, Papier- und Passktzrwaren und andere Fertig- und halbfertige Produkte einen hervorragenden Platz ein. Wenn davon die tschechosiowakischen Waren bisher nur in einem so außerordentlich geringem Umfang beteiligt waren, so liegt die Erklärung darin, daß unsere Erportindustrie dem chinesischen Absatzmarkt nicht die notwendige Aufmerksamkeit schenkt! In einer Zeit, in der das volkswirtschaftliche Gesamtintereffe die äußersten Anstrengungen für die Exportsteigerung zur Pflicht macht, muß darum von unserer Exportindustrie die Pflege des noch gute Aussichten bietenden chinesischen Absatz- marftes sorgfältig organisiert werden. Die Kronen, die dafür ausgegeben werden, sind für die tschechoslowakische Wirtschaft nutzbringend angelegt, was man von den Millionen Kronen nicht sagen kann, die die deutschen und tschechischen Industriellen zur Bestreitung der riesigen Wahlkosten der Henlein« und der Stribrnh-Partei hin» auögeworfen haben. Bauern niederschlug. Richt immer waren die Fronten klar und Freund und Feind wechselten bisweilen: Götz von Berlichingen führte Bauernhaufen, Sickingen, der wie Hutten auf Luther gehofft hatte, erlag zwei Jahre vor Frankenhausen auf seiner Ebernburg denselben Geschützen des hessischen Landgrafen, die später Münzers Truppen hinmähtcn und Entsetzen verbreiteten. Doch noch stand die Revolution nicht still. Viel radikaler als die Bauern ergriffen die in Stadtluft geborenen Täufer das Panier der sozialen Befreiung, pfiffen nun auch auf Kaiser und Reich, an die bäuerliche Einfalt noch geglaubt hatte, und sandten Sendboten nach Süden, Norden, Osten und Westen.„Alle deutschen Landschaften waren von diesen flüchtigen Aposteln bald der einen, bald der anderen Sekte durchzogen; inan wußte nicht, von wo sie kamen, wohin sie gingen. Ihr erster Gruß war der Friede des Herrn, an welchen sie die Lehre von der Notwendigkeit brüderlicher Gemeinschaft in allen Dingen knüpfen. Dann kamen sie auf das Verderben der Welt zu reden, die Gott nun im Begriffe sei zu züchtigen, wie denn in der Gewalt, die er den Türken verstatte, schon der Anfang solcher Züchtigung eingetreten", schreibt Ranke. Während die Türken auf Wien marschierten, predigten diese Revolutionäre in religiösem Gewände Abkehr von den Waffen, verwarfen alle Kriegssteuern als goitlvidrig« Schandtat und nahmen auch für sich den Appell an das Schwert nicht iv Anspruch. Bereit sein sei alles, was das neue Reich erfordere, das Gott gemäß der Heiligen Schrift in allerkürzester Feit auf Erden errichten werde. Habsburger und Wsttelsbacher entsetzten sich über diese Propaganda nicht minder als die hoch- m'igenden Patriziate von Zürich zur Vertilgung Es ergingen die strengsten Befehle zur Vertilgung dieser Apostel der Waffenlosigkeit und Gleichheit, ohne Gerichtsurteil sollte jeder sie hängen, würgen, köpfen, brennen und ertränken dürfen« ReichstagSbeschlüffe forderten die Reichsfürsten zur Nachahmung auf und so sehr diese Herren sonst geneigt waren, sich über solche Anordnungen hinwegzusetzen, in diesemFalle war^n sie mit drakonischer Strenge durchaus einverstanden. Männer, Frauen und Kinder vom zwölften Lebensjahre an wurden enthauptet, ertränkt oder verbrannt, di« Scheiterhaufen rauchten im Pustertal wie in den Wäldern Thüringens, in Wien wie im Elsaß, Tausende, die den Täufern anhingen, fielen den Schergen zum Opfer. Da half auch kein Widerruf, denn wer widerrief, wurde nur vom Scheiterhaufen zum Richtblock begnadigt. Im Jahre 1530 war das blutige Werk im Mittel» und Süddcutschland vollendet, die friedlichen Täufer waren nicht mehr. Was im Herzen ihnen die Treue bewahrte, und eS waren ihrer nicht wenige, hütete die Zunge wie den Augapfel. Doch die blutige Sackt trug blutige Frucht. In den Niederlanden, die wie ganz Norddeutschland noch nicht durch jahrelange vergebliche Freiheitskämpfe ausgeblutet waren, erhob sich ein neues, aber kämpferisches Täufertum zu höchster Kraft. In Amsterdam, Leyden und Harlem waren die Mittelpunkte, von dort gingen die Apostel nach Westfalen, dem Niederrhein und Ostfriesland und konnten, von dem unmittelbaren furchtbaren Druck der Habsburger befreit, schnell große Erfolge erzielen. In wenigen Anläufen warfen sie durch allgemeine Wahlen den Stadtadel der westfälischen Hauptstadt Münster über den'Haufen und als der Bischof als Landesherr mit Ven Wstffen drohte, zogen sie die ihnen von überall in Scharen zu- srrömende Unterstützung in ihre Mauern, schlossen die Tore der wohlbefestigten, damals sehr mächtigen Handelsstadt und nahmen den bischöflichen Fehdehandschuh auf. Während der folgenden sechzehn Monate kämpften die Eingeschlossenen gegen die meist betrunkenen Belagerer mit anhaltendem Erfolg, soweit es die Abwehr von Angriffen galt, es gelang ihnen aber nicht, den würgenden Gürtel, den der Landesherr, schließlich unterstützt vom ganzen Reiche, zur Aushungerung um die Stadt gelegt hatte, zu durchbrechen. Und doch lag gerade darin der tiefere Sinn des Münsterschen Unternehmens. Das ganze Volk in Norddeutschland und den Niederlanden stand mft seinen Hoffnungen auf Seiten Johann von Leydens, der Münster führte, aus den Niederlanden und Lübeck sollten Entsatzheere kommen und nach der Besiegung des Bischofs das aufjauchzende Norddeutschland erobern, dem sieb die Mitte und der Süden dann schnell angeschloffen hätte All das mißlang trotz größter Tapferkeit. Auch die stärkste demokratische Gesinnung der breiten Massen war den Kanonen der Fürsten, unter denen wiederum die, denen auch Sickingen und Münzer erlegen waren, jhr verhängnisvolles Gebell ertönen ließen, nicht gewachsen. Furückgepeitscht unter das alte, nein, ein noch viel schwereres Joch, trat daS deutsche Volk seinen mühseligen Weg durch die Jahrhunderte an, von keiner revolutionären Tradition erleuchtet, ja selbst ohne Wissen von der Niederlage, die es erlitten, als es sich aufzubäumen gewagt hatte. AuS dem Gedächtnis wurde von den Herren, die die Geschichte nicht nur machten, sondern auch schrieben, alles ausgelöscht, was an daS Heldentum der Täufer erinnern könnte. Und da das geistige Grab, in dem sie ruhten, recht dauerhaft sei und ihm keine werbenden Gespenster entsteigen, wurden darauf Verleumdungen gepflanzt, damit, wenn ja einer bei seinem Rundgange durch die Geschichte doch zufällig dort vorbeikomme, er sich schnell voll Abscheu abtvende. Am 25. Juni sind es genau vierhundert Jahre, daß der Verräter GreÄicck die Belagerei; durch Nacht und Gewitter an einer schlecht bewachten Stelle in die ausgehungerte Stadt führte und durch Verrat den größten, revolutionären Versuch, den das deutsche Volk je unternahm und dessen Gelingen das Antlitz Deutschlands für all« Zeiten verändert hätte, in einem Meer von Blut erstickte. Die eisernen Käfige, in denen die Neber« reste der grausam zu Tode gequälten Täuserfüh- rer zur Schau gestellt Ivnrden, hängen heute noch am höchsten Kirchturm der Stadt« ®ote 8 „Sozialdemokrat" Dienstag, 25. Juni 1935.'M. i<7 Luftiges Schuhwerk- gesunde Füsse GENIESSEN SIE DEN SCHONEN SOMMER IN UNSEREN LEICHTEN UND LUFTIGEN SCHUHEN. Schöner griechischer Sandal-Schuh- das ideale Sommer-Schuhwerk. Ein beliebter Leinenpump* mit Lederverzierung. Ein Schuh, welcher der Luft freien Zutritt zum Fusse gewährt. Äusserst bequemer Absatz. Eleganter schwarz-weisser Lederschuh. Ein Sandalschuh, worin Ihr Fuss bestimmt nicht müde wird. ELEGANT- E I N F A C H I Modeschuh aus weisser Seehundsimitation mit brauner Kombination. BEQUEMER HALBHOHER 3twr Leitung Zwei Tote im Baumgarten. Montag früh wurde im Baumgarten auf einer Bank die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der später als der 19jährige Zahntechniker Miroslav T u m a, wohnhaft zuletzt in Lieben, Nr, 1387, identifiziert werden konnte. Aus den bei ihm gefundenen Anmerkungen geht seine Absicht, sich zu erschiessen, hervor; das Motiv hat jtt jedoch nicht angegeben.-— Gestern um 11 Uhr vormittags badete der 21jährige Student Josef V a l es aus Prag II im alten Moldauarm hinter dem Baumgarten, sank jedoch, als er ins Wasser sprang, unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Zwei Soldaten zogen ihn nach fünf Minuten aus dem Wasser und liehen ihn, da er noch schwach« Lebenszeichen von sich gab, von. der Rettungsgesellschaft ins allgemeine Krankenhaus bringen. Er stcrrb jedoch am Wege. Arbeitsloser springt ins Waffer. Gestern vormittags sprang in selbstmörderischer Absicht der be- schäftigungs- und wodnungslose Arbeiter Alois Kosda von der Hlävkabrücke in Holleschowih ins Wasser. Er wurde aber vom Kahnverleiher K. Su- MavskH bemerkt, dem es auch gelang, ihn herauszuholen. Da er über Schmerzen in der Brust klagte, brachte man ihn in« Krankenhaus auf der Bulovka, wo festgestellt wrtrd«, dah«r sich beim Fall zwei Rippen gebrochen hatte. Kokda hat bereits vor einem Vierteljahr, einen Selbstmordversuch unternommen. Jülnst and Wissen. -.„Der Mustergatte." In dem ebenso anspruchslosen wie übermütigen amerikanischen Schwank von Ahery Hopwood stellten sich als Gäste der beliebte Filmkomiker Heinz Rühmann und die bildhübsche Alexa von Poremski vor. Rüh- m a n n s unschuldsvolle Miene, der ttockeste Humor seiner Sprache, die gelungene Geburt des neuen Adams in einer launigen Schwipsszene unterhielten das Publikum und entfesselten oft Lachstürme. Alexa von P o r e m s k i, ein wenig an die lustige T r u u s van Alte'n, ein wenig auch an Dolly Haas erinnernd, füllt« nicht nur eine konventionelle Rolle, sondern bezauberte durch das, was sie aus eigenem dazütat. Bon den heimischen Künstlern wirkten Frau Earpentier, Frl. Ei s»er, die Herren Pad le fak, Trabauer und Frank, sowie, mit starkem Profil auch Neben den Gästen hervortretend, Herr Dörner mit.- e. f. Heute halb 8 Uhr Presse-Festvorstellung„Don Giovanni" mit Ezio Pinza in der Titelpartie. Uebrige Hanptpartien: Konetzni, Pauly, Rayn, Andersen, Riawetz, Popovicz, Ludök Mandaus u. G. Dirigent: SM, Regie: Mordo.(A 1). Keine Gutscheine. , Deutsche Musikakademie. Dienstag, den 25 Juni, 20 Uhr, Abend der Klasse Eppinger im Lehrsaal, Prag I., Revolukni 19. Gymnastische und chorische Spiele. Freiwilliger Regiebeitrag. Wochenspielplan des Neue« Deutschen Theaters. Dienstag halb 8: Don G i o v a n n i,(Fest- spielaufführung, Gastspiel Pinza, A 1.)— Mittwoch: geschloffen.— Donnerstag 8: C e n o d o- x u s,(Anlässlich des.Katholikentages, Abonnement aufgehoben.) ,— Freitag 8: Feierlicher deutscher Eröffnungsabend des„Katholikentages", -(Abonnement aufgehoben.)— Samstag halb 3: Cenodoxus,(Abonn. aufgchoben, abends geschlossen!)— Sonntag 8: Cenodoxus, ((Abonnement aufgehoben.) Heeicktssaal »Kindersegen" Tragödie nach Paragraph 144. Prag. Di« Prozesse nach Paragraph 144, d. h. Anklagen wegen des„Verbrechens her Fruchtabttei- bung" Fall für Fall zu registrieren, wäre ein« undankbare Aufgabe. Sie gleichen einander allzusehr. Meist ist es ein ratloses, oft durch eigene Unwissenheit ins Unglück gestürztes Mädel, daS in di« Klauen einer professionellen„Helferin" gerät, die sich den verpönten Eingriff mit schwerem Geld bezahlen lässt und überdies das Opfer ihrer verbrecherischen Pfuscherei nur allzuoft auf den Operationsstuhl oder auf den Sektionstisch zu befördern pflegt. In der Regel sind es auch derartige misslungene Fälle, die zur Kenntnis der Anflagebchörde gelangen, die dann nicht säumt, die Beteiligten im Sinne des Paragraphen 144 zu belangen. Beachtenswert ist aber jedenfalls die Tatsache, dass in steigendem Ausmass verheiratete Frauen unter solcher Anklage vor Gericht erscheinen. Und solche Fälle sind die allertragischesten. Frauen, die das behördlich oder kirchlich bescheinigte Recht besitzen, Mutter zu Werderi, ohne dass die„moralische" Gesellschaft die Nase darüber rümpfen darf, müs- s en sich ihrer Mutterschaft entäussern, einfach deshalb, weil für das erwartete Kind keine Nahrung zu beschaffen wäre,- weil ein Familienzuwachs den wirtschctstlichen Ruin der Familie zur Folge hätte. Eine ganz kurze Verhandlung vor dem Strafsenat Trost warf wieder einmal ein Schlaglicht auf die trostlosen Zustände, in denen heute ein Grossteil der arbeiteirden Menschheit dahinvegetiert. Die Hauptperson dieses Prozesses,«ine verheiratet« Landarbeiterin, liegt derzeit noch im Spital. Sie hat vier Kinder und das fünfte soll geboren werden. Schon herrte leidet die Familie Hunger, ein weiteres Kind hätte eine Katastrophe bedeutet. Die Mutter entschloss sich schweren Herzens zu dem Gang zu der „Helferin". Die„Hilfe" hatte eine schwere Erkrankung zur Folge, die wahrscheinlich mit dauerndem Siechtum enden wird. Die mitangeklagte He- baimn« leugnete indessen entrüstet jeden verbotenen Eingrift. Sie habe nur eine bereits eingetretrne Fehlgeburt behandelt. Die Verhandlung wurde kurz nach Eröffnung vertagt, denn die Vernehmung der Haupcheteiligten erwies sich als unerlässlich. Der Ttfni Morgen fängt das Lede« an Der Berliner Regisseur Werner Hochbaum hat sich offenbar das Wort des Herrn Dr. Goebbels zu Herzen genommen, der in einer Ansprache an die deutschen Filmproduzenten, vom Schwung der eigenen Rede fortgeriffen, die Gleichwertigkeit des Nazi-Films mit dem Russenfilm gefordert hat. Also hat sich Herr Hochbaum hingestellt und einen Film nach russischem Vorbild angefertigt. Was dabei herauSkam, ist freilich kaum zu beschreiben. Denn da besagter Hochbaum nicht einmal das Technische der Filmregie bewältigt, ist es ihm sogar misslungen, auch nur das Räuspern und Spucken der russischen Regisseure nachzuahmen. Die Russen haben realistisch« Milieus photographinert.— Herr Hochbaum photographiert ein paar Berliner Strassenecken und eine Weckeruhr, und er wiederholt diese Bilder bis zum Ileberdruss, weil er zwischen Eindringlichkeit und Langweiligkeit nicht unterscheiden kann. Die Russen haben Gesichter gefilmt,'— Herr Hochmann aber fertigt ein Dutzend Grossaufnahmen des Schauspielers Erich Haussmann an. der erstens uninteressant und zweitens verlegen aussieht, weil er auf Schauspielerei verzichten sollte. Die Russen haben Ueberblendungen als Ausdruck der Erregung benützt. Herr Hochmann aber bringt ineinander kopierte Bilder an den undramatischsten Stellen. Und wo die Russen uu» mit ihren Steigerungen hinrissen, quält Herr Hochbaum den Zuschauer mit unbeholfener Umständlichkeit: er fängt zum Beispiel mitten im Film an. uns die Vorgeschichte— nach einem seit zehn Jahren ad acta gelegten Regie-Rezept.— als Erinnerungs-Vision zu zeigen. Aber wenn Herr Hochbaum kein solcher Dilettant wäre, dann hätte er erst garnicht den Versuch gemacht, mit den Russen zu konkurrieren. Denn wie soll man etwas Ruffenfilmähnliches machen, wenn man keinen entsprechenden Inhalt hat? Der Hoch- baumsche Film hat, wie das ja heute im deutschen Film üblich ist. überhaupt keinen Inhalt: denn dah die Frau eines entlassenen Sträflings zu spät aufsteht, um ihn vom Gefängnis abzuholen, und einen halben Tag von ihm gesucht werden muss, bis er sie in seine Arme schliesst, das ist doch wahrhafttg nichts. Aber mehr durste nicht sein. Denn hätte Herr Hochbaum wirklich das Erlebnis eines Mannes gefilmt, der von 1928 bis 1933 im Gefängnis sah. um dann in die Freiheit Hitler-Deutschlands entlassen zu werden. dann hätte sein Film die Oeffentlichkeit nicht erblicken dürfen. Denn er hätte am Ende die Pointe von Falladas Roman„Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" übernehmen müssen: dass der entlassene Sträfling wieder ins Gefängnis zurücklehrt.—ei-— Ter Stent des Westens. Es gibt noch immer amerikanische Wildwestfilme wie diesen.— aber dass ihre Existenz ein Grund ist, zu zeigen, darf bezweifelt werden. Ganz abgesehen von der Geistlosigkeit und Roheit eines solchen Produkts,— wen sollen die Ucberfälle eines berittenen Vrärie-Räubers heute noch austegen, wo Tag für Tag Verbrechen gegen die Menschheit verübt werden? Es überrascht nicht, dass dieser Wildwestsilm wie die meisten seiner Vorgänger ein bedenflicher Lacherfolg ist.—eis— Die erste Mitropae«pr«nde vorüber Nach den samstägigen Spielen, in denen Sparta die Vienna und Ferenevaros den FC Rom« ausschalteten, brachten die Begegnungen am Sonntag wieder einige überraschende Ergebnisse. Bon den vier tschechoflowakischen Klubs haben sich drei für die zweite Runde qualifiziert. Oesterreich hat nur noch einen und Ungarn sowie Italien je zwei Vertreter in dieser Konkurrenz. In Prag wurde wider allen Erwartungen Slavia von Szeged mit 0:1(0:0) geschlagen. Die Prager, welche' einen Vorsprung von deri Toren mit ins Spiel brachten und mit deren Erfolg auch im Rückspiel gerechnet wurde, bewiesen, dass nichts unwahrscheinlich ist und ermöglichten dem Gegner durch seinen Sieg einen schönen Abgang aus dieser Konkurrenz. Was aber die Slaviamannschaft, besonders der Aimrift, vorführte, lässt keine grossen Hoffnungen auf die wetteren Spiele zu. Die Gäste wurden von den paar tausend Zuschauern geradezu gefördert und die Heimischen des österest auSgelacht und ausgepfiffen. Trotz dieser Niederlage kommt aber Slavia in die zweite Runde. Einen grossen Erfol, unerwartet,«rrqng Z i* denice in Wien. Den Brünnern gelang es, den Ein-Tor-Borsprung zu hallen und Rapid eine 2:2(2:1)-Parste zu liefern. Die Brünner hatten eine ganze Halbzeit für sich und gaben den Ton an. Der Kampf war hart und«in Brünner könnt« seit der ersten Halbzeit nur statieren. Die Wiener hatten wohl einen guten Anfang, schossen auch das erste Tor, aber im Verlaufe des Spiele? zeigte ihr Sturm Schwächen, die daS Ergebnis bedingten. Zideniee hat sich damit den Aufftieg in die zweite Runde erkämpft. Austria schlug im Wiener Stadion, wo auch das vorstehend« Spiel stattfand. Ambro siana mit 3:1(2:1). Die Wiener gaben wieder den Ton an und als die Italiener sahen, dass nichts zu holen sei, brachten sie eine harte Note ins Spiel, die zum Ausschluss eines der ihren führte.\. Viktoria Pils«n wurde in Turin von Juventus mit 1:5(0:3) abgehängt. Diese Niederlage wurde zwar erwartet, doch in, ihrer Höhe nicht. Die Pilsener spielten von der 15. Mimst« an mit zehn Mann, da i-hr Mittelläufer verletzt ausschieh. In Budapest gewann Hungaria gegen Ad- mira hoch mit T:1(1:0). Die Ungarn waren die bessere Mannschaft und als die Wiener nach einem Rekontte mit dem Schiedsrichter einen Spieler verloren, war ihr Widerstand gebrochen und-Hungaria erzielte mühelos einen ziffernmässig hohen Sieg. U j p e st verlor auch das Rückspiel gegen Fiorentina in Florenz. Die Italiener siegten knapp 4:3(2:1). Bor der zweiten Runde Sparta spielt mit Fiorentina, Slavia hat Austria als Gegner, Zideniee kommt mit Ferenevaros zusammen und Hungaria trifft auf Juventus. Die ersten Spiele finden auf den Plätzen der Erstgenann- -n statt. In Prag finden demnach zwei Spiel' statt: Sparta spielt am Sonntag, da die Italiener nicht wochentags spielen wollen, und Slavia wird voraussichtlich Samstag, aber am Spartaplatz antreten, da sie ihren Platz an den Katholikentag vermietet hat. Um de« Aufstieg in di« Liga fanden Sonntag weitere zwei Spiele statt. In Saaz schlug der DSV die Viktoria Zijjkov nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit glatt 4:0(1:0). Mor. S l avia gewann in Brünn über den CSK Press- burg 2:0(1:0). Sonstige Fußballergebnisse. Rachod: SK. gegen Gauelf 2:1(0:0).— Bodenbach: SpBg gegen SKKladno 3:1(2:1).— A u ssi g: SK Pil- sen gegen DFK 5:1(2:1).— Kop itz: DFK Ko« motau gegen SK Kopisty 3:2(2:2).— Weip« rt: DSK gegen Sportbrüder Prag 4:2(8:1).— Rei- ch« nberg: Erste Klasse gegen Division(Nordgau) 3:1(1:0).— Prossnitz: SK gegen Bata Mist 3:1(3:0).— Budapeft: Atilla gegen Nemzeti 1:0(1:0).— F r au e nh eim: CAFE Prag Zöglinge gegen TB 5:0(8:0).— Kopenhagen: Dänemark gegen Norwegen 1:0(1:0). Di« Fnwen-Leichtathletikmeisterschasten de« Tschechoslowakei wurden in Prag bei sehr schwacher Teilnahme und verschwindendem Besuch ausgetragen. Die Ergebnisse find auch darnach ausgefallen. 100 Meter: Pekarova(Slavia) 12.8 Sek.; 200 Meter; Pekarova 26.9 Sek.; 200 Meter: Housteckova(VS>! 2:51.6 Mist,.ltm Alleingang!); 4X100 Meter: Slavia 55 7 Sek.; 4X200 Meter: Slavia 2 Min.; 80 Meter Hürden: Kucerova(VS) 16.3 Sek.; Hochsprung: Filandrova(Slavia) 1.40 Meter; Weitsprung: Pekarova 5.12 Meter; Kugel: Pekarova 12.52 Meter; Speer: Pekarova 38.70 Meter; Diskus: Dudova(Slavia) 35.23 Meter.—. In der Klubwertung fiegte Slavia Prag mit 47 vor BS Prag 26, Reichenberger SK 12, SK Pilsen und TEHG Prag je zwei Punkte^ Wafferdall-Städtespiel Budapest gegen Prag 12:0(5:0). In Budapest wurde als Abschluss deS Länderkampses im Springen Tschechoslowakei gegen Ungarn, welcher 9:9 end^te. ein Städtespiel im Wasserball ausgetragen, das die Budapester leicht mit einem Dutzend Toren gewannen. Prag vertrat das Team der Sparta, hatte nicht di« geringste Chance und blamiert« den tschechoslowakischen bürgerlichen Wassersport bis zur Lächerlichkeit. Mitteilungen aus dem Publikum. Erdbeer-Jam i« 10 Minuten. Zutaten: 1 Kg. 85 Dkg. Erdbeeren Netto, 2 Kg. 15 Dkg. Zucker, 1 Flasche Opekta, Saft von 2 Zittonen. Rezept: Kieme oder mittelgrosse Erdbeeren werden auf einer Platte ausgebreitet und ein wenig zusammengedrückt, dann gibt man in den Kochtopf immer«ine Schicht Erdbeeren und eine Schicht Zucker, die letzt« Schicht soll der Zucker sein. DaS Kochgeschirr soll weder aus Aluminium noch auS Eisen sein, damit die Erdbeeren keinen Beigeschmack bekommen. Man lässt diese Mischung über Nacht stehen und kocht sie den nächsten Tag vom Augenblick deS brausenden Kochens 7 Minuten. Dann rührt man den Inhalt einer Flasche Opetta und den Saft von zwei Zittonen hinein, lässt nochmals aufwallen und füllt heiss in Gläser. Vttrülsoaclttiekten Deutsche BokkSsinggemeinv«. Am Dienstag, dem 25. Juni, wird keine b I lit Probe mehr abgehalten, da zahlreiche Sangesgenoffen bereits ihren- Urlaub . angetreten haben- Die Proben begin« neu im Herbst anfangs September. Derlanget überall Dolluriinder! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K4 16.—, vierteljährig Kd 48^—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tafts billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- mrd Telegraph eadttektion mit Erlass Nr. 13.800/VIIZ19SQ bewilligt.— Druckerei:^OrbiS". Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Pro«.