H Mittwoch, 26. Juni 1935 Nr. 148 15. Jahrgang Bwelprels 70 HbBw («iiuchliefilich i Haltat NrtoJ IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg»ufochova a. Telefon ssn. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR• DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Bereit zu aufbauender Mitarbeit Eine offizielle Erklärung unseres Abseordnetenklubs von der demokratischen Repnlkik ausreichende Hilfe für die sich in einem Trommelfeuer Genosse de Witte Im Parlament: aber auch historisch diesen Momenten katholisch und der verbunden bliebest. Vie Auflösung der Diktatur in Jugoslawien • Tic Henle in- Abgeordneten machten sich, nachdem sie ihre erste Schüchternheit bald überwunden hatten, verschiedentlich als Zwischenrufe« bemerkbar. Der Landbündler Zierh ut, dessen Verdienste um die Aufpäpelung der SHF doch unbestreitbar sind, wurde von den undankbaren Leuten nieder geschrien, als er ihnen Katastrophenpolitik zum Borwurf machte. Bei der Rede Sandners gab cs ununterbrochene Geplänkel mit unseren Leuten. Von der ersten Garnitur kamen Hlink a, Genosse Dr. Maeek und Dr. K r a m a k zu Wort, der sich in der Rolle eines unheilkündenden Propheten gefiel, Für Mittwoch ist noch der Agrarier Beran angekündigt. Von unserer Fraktion wird noch Genosse I a k s ch sprechen. ♦ Wohl die schärfsten Worte gegen die Henlein« leute fielen heute von Seite S v i t I t l S, bei Redners der tschechischen Volk-Partei: Die Henleinpartei ist dos Ergebnis des deutschen Umsturzes, ihre Wurzel« liegen in Deutschland, eS ist dasselbe Fühle«, dieselbe Ideologie wie bei der Hitlerpartei in Deutschland!(Zustimmung.) Wir wissen, daß die Henleinpartei die Erklärung abgegeben hat, daß sie konstruktive Politik machen und mit uns im Guten auskommen will, aber wir sind »nS auch dessen bewußt, daß das nur ein Waffenstillstand ist, und daß ihre Ziele identisch sind mit den Zielen deS Dritten Reiches, daß man nur«artet, bis die günstige Gelegenheit kommt. Wir müssen achtgeben, daß diese Partei für die Republik nicht zu einem Trojanischen P f e r d. wird. Uns mit Deutschland auszugleichen und Außenpolitik mit ihm zu machen, dazu ist eS zu spät. DaS hätte man vielleicht machen können, solange in Deutschland die Weimarer Demokratie herrschte, aber nicht mehr heute, wo die herrschende Partei im Dritten Reich die Erweiterung der deutschen Grenzen auf alle deutschen Gebiete im Programm hat. Der Preis für eine solche Umstellung der Politik wäre so hoch, daß wir ihn nicht bezahlen könnten. Dr. Luschka(D. Ehr. Soz.) verliest ein« kurze Erklärung, daß durch die Regierungserklärung die Prag. In beiden Häusern der National- tzersammlung wurde am DirnStag dir Debatte über die Regierungserklärung fortgesetzt. Der Senat nahm noch am Abend die Abstimmung vor, bei der die Programmerklärung der Regierung mit den Stimmen der Koalition angenommen wurde, während das Abgeordnetenhaus die Debatte am Mittwoch beenden wird. Der Senat wird am Mittwoch das Ermächtigungsgesetz verhandeln, das Dienstag abends noch vom Ausschuß beraten wurde. Im Abgeordnetenhaus gab für unsere Fraktion Genosse de Witte eine offizielle Erklärung ab, dir folgenden Wortlaut hatte: Am 19. Mai haben 300.000 arbeitende Menschen des sudetendeutschen Volkes trotz dem schamlosen Mißbrauch der unermeßlichen Not zu national-fascistischer Hetze, trotz der ungehemmten Auspeitschung aller antimarxistischen Instinkte, trotz'Flüsterpropaganda und Terror im Kampf gegen den Taumel einer Massenpsychose . für den Sozialismus, für die demokratische Zusammenarbeit und für die Republik dotiert. Sie haben dadurch mit dem heroischen Einsatz der Gesinnungstrrue und der politischen Vernunft gegen die Uebertölpetung und Berauschung der Massen den fascistischen Totalität S an sp ru ch zerbrochen und den demokratischen Fundamenten des Staates eine zahlenmäßig geschwächte, aber innerlich umso festere Kraft eingegliedert. Im Namen dieser 300.000, aber auch in Vertretung der wahren Interessen weiterer hun- dcittausende werktätiger Menschen des sudetendeutschen Volkes erheben wir hier unsere Stimme und erklären unsere Bereitschaft zur positiven Mitarbeit im Staate, um so nicht durch tönende Phrasen, sondern durch aufbauende und schöpferische Arbeit den Lebensbedürfnissen und den politischen Notwendigkeiten des sudetendeutschen Volkes zu dienen. Wir erweise« uns damit als die reale politische Kraft gegenüber dem Trugbild einer politischen Macht, die i« Wirklichkeit nur der kraftlose Ausdruck der Verzweiflung und Verblendung breiter Massen ist. Wir erweisen«ns damit als der politische Faftor, der keine Jllusionnen nährt, denen die Enttäuschung auf dem Fuße folgen muß» sondern der den deutschen arbeitenden Menschen im Staat« die politische Freiheit und die politische Mitbestimmung, das Stück Brot und die kulturellen Güter erhält und vermehrt. Indem wir diese Bereitschaft zur Mitarbeit 'üussprechen erwarten wir Schutz und die Menschen, des HaffrS und der Verleumdung als ihre zuverläßliche« Stützen erwiesen haben. ' Wir machen hier die Forderungen anhängig, die unser Parteitag erhöben hat: de« Schutz der Gesinnung und der gewerkschaftlichen Freiheit aufrechter Menschen gegen den Unternehmerterror, die Verstärkung der Bemühungen um Arbeitsbeschaffung für di« vom Krisenelend am härtesten betroffenen Gebiete, die systematische Eingliederung der Arbeitslosen in die Produktion, aber auch m dm öffentlichen Dienst, die Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten durch Verkürzung der Arbeitszeit und ihre planmäßige Aufteilung durch Organisierung der öffentlichen Ar. beitsvermittlung, die Hebung des Lohnniveaus, daS bereits unter das erträgliche Minimum gesunken ist, dm Einsatz aller verfügbaren Mittel zur Fürsorge für die Erwerbslosm und die Das Kabinett der Versöhnung^ das Mila« Stojadinoviö gebildet hat, stellt den ersten ernsthaften Versuch dar, die Aera der Dreikünigsdik« : tatur in Jugoslawien zu beenden und die Rück- ' kehr zur Demokratie anzubahnen. Ob der Ver- ' such gelingt, wird wesentlich davon abhängen, ob ' Stojadinovia sich zugleich vor einem Rückfall in die Zustände der Vidovdan-Verfassung wird zu hüten wissen, ob er an die L e b e n s f r a g e des jugoslawischen Staates, die kroatische, mit Energie und dem Willen zur Verständigung Herangehen wird. Der jugoslawische Staat hat von Anfang an unter den historischen Konflikten seiner Stämme ’ gelitten. Zwar sprechen Serben und Kroaten die gleiche Schriftsprache, das Stokawische, und, die rassischen Verschiedenheiten, die man an ihnen 1 festgestellt haben will(so daß die Kroaten echtere Slawen, die Serben aber Nachkommm von Kuruzo-Wälachen und anderen Völkern nicht slawischen Ursprungs seien) sind an sich so wenig politische Realitäten wie alle anderen"Raffenunterschiede. Erst die soziale Struktur und historische Schicksalsgemeinschaft, gewordene Eifersucht geben Gewicht. Daß die Kroaten lateinisch-westlichen Kultur di« Serben aber die Kyristika schreiben und der griechischen Kirche zugehören, schuf im Laufe der Jahrhunderte eine tiefe Kluft. Im aufgeklärten 19. Jahrhundert erschim sie den fortschrittlichen Männern beider Nationen nicht mehr als unüberbrückbar. Es mußte möglich sein, Kroaten und Serben zu einer Nation in einem Staat zu verbinden, wie es möglich gewesen war, Bayern und Preußen in einem Reich zu vereinen. Neben den jugoslawischen Einheitsbestrebungen existierten aber his 1918 die g r o ß k r o a- tische und die großserbische Bewegung. Das Hauptstreitobjekt waren Bosnien und Dalmatien. Die Kroaten erstrebten die Schaffung eines neben Ungarn und Oesterreich in der Monarchie gleichberechtigten Kroatien, das auch, die serbischen Bosnier und Dalmatiner vm- faffen sollte. Serbiens Ziele waren andererseits bis in den Krieg hinein nur di« Annexion Bosniens. und Süd-Dalmatiens einschlicßlicki der katholischen Bevölkerung, aber doch unter Belassung des eigentlichen Kroatien bei der Monarchie. Di« russische. Revolution, die Tätigkeit des tschechoslowakischen Nätionalrats in Paris und der jugoslawischen Emigration, die Politik Wilsons und als Endergebnis dieser Kräfte schließlich der Zu« sammenbruch Oesterreichs trieben die. Dinge weiter als PasiL und die Großserben gewollt, sonnten den neuen Staat aber auch anders, als Kroaten und Slowenen' cs erträumt hatten- Zwar blieb nach langen Kämpfen und Beratungen in der Vidovdan(VeitStagS-) Verfassung dem Namen nach die Betonung der freien Föderation der drei Staatsnationen: SHS— Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, aber faktisch regierten die Ser b e n durch die Majorisierung der anderen Stämme in der Skupschtina und durch die Beherrschung des Mili- ' tärs- und Beämtenapparates. Serbische" Offiziere, Repräsentanten der„Sieger" im Weltkrieg, bildeten den Kern der Armee, serbische Gendarme und Zöllner erschienen im Drautal und an der Save, serbische Beamte zogen in Zagreb und Split, in Ljubljana und Maribor ein, serbische Herren erwarben billig kroatisches Land. Obwohl sie die gleiche Sprache hatten, die gleiche Fahne und auf weiter Strecke die gleichen Ideale, sahen die einen sich im neuen Staat zurückgrdrängt, die anderen betrachteten ihn als ihre Eroberung. Dazu kam der außenpolitische Gegensatz. Die Slowenen und Kroaten grenze« an Italien, haben ihre Landsleute in italienischen Kerkern sitzen, müssen zusehen, wie im Friaulischen und in Istrien Zehntausende gewaltsam italienisiert werden, hären täglich die hysterischen Schreie des italienischen Imperialismus nach kroatischem Land, nach kroatischer Küste. Die Serben sind nicht so unmittelbar an dem nationalen Konflikt an der Adria interessiert. Näher ist ihnen Ma« intensivste Betreuung des jugendlichen Nachwuchses..- _ Wir freuen uns feststellen zu können, daß die Regierungserklärung in diesen Richtungen be st i mm teZusagen gemacht hat. Wir erwarten, daß diese Zusicherungen in die Tat. u m g e s e tz t werden. Wir werden dazu mit dem Aufgebot aller unserer Kräfte in unermüdlicher Arbeit und Wachsamkeit beitrogen und wir erwarten dabei die tatbereite Unterstützung aller fortschrittlichen Kräfte im tschechoslowakischen Volke, mit denen wir uns eng verbunden fühlen und mit denen gemeinsam wir die schweren Aufgaben zu meistern entschlossen sind, welche die herrschende politische Verwirrung und daS. Elend der kapitalistischen Krise uns stellen. Die Aufgaben dieser Zusammenarbeit geben Lier die unmittelbare Fürsorge für den wirtschaftlichen, sozialen und kulturelle« Notstand hinaus. Der demokratischen. Zusammenarbeit ist vor allem die Aufgabe gestellt, den auf das schwerste gefährdete« Frieden der Welt zu xrhalte«. Wir sprechen' mit GenugtuungMss, daß tzsg Ausführungen der Regierungserklärung in dieser Richtung mit unseren Auffassungen voll km Einklang stehen» und geben unserer Entschlossenheit Ausdruck, einer verantwortungsbewußten und zugleich kraftvollen Pcllitik der Wahrung des Friedens mit aller Hingabe zu dienen. Die demokrattsche Zusammenarbeit schließt aber auch die Verpflichtung in sich, den energischen Kampf ge g e.. die Planlosigkeit der kapitalistischen Wirtschaft aufzunehmcn, denn nur so kann der Ausweg aus der Krise gefunden werden. drückende Sorge um den Arbeitsplatz und die Notlage der Sudetendeutschen nicht gebannt werde; die kulturellen Belange seien nicht beachtet, ebenso nicht die nationale Minderheitenfrage. Er hofft nach wie vor unentwegt und unbelehrbar auf die Zusammenarbeit ckller sudetendeutschen Parteien auf nationalem und aller christlichen Parteien auf kulturellem Gebiet. Dlläoch(Gew.-P.) wirft der> Henleinpartei vor, daß sie die Methoden des Nachbarstaates zu uns übertragen. Wir werden, erklärte Mlioch, ihre wahre Tätigkeit aufmerksam verfolgen. Redner zeigt, mit welchem Terror die Henleinpartei auch gegen die deutschen Gewerbetreibenden vorgegangen ist und verlangt, daß man gegen diese Methoden einschreitet. Er hält die SHF nicht für eine Dauererscheinung und glaubt, daß die wirtschaftlichen und sozialen Widersprüche'sie sprengen werden. Zierhut wird nlederseschrleen Zierhut(BdL.) wird, als er für seine Partei ein Erklärung abgibt, von den Henleinleuten fast ununterbrochen durch Zwischenrufe gestört. Er sagt, daß das Wahlergebnis auf deutscher Seite wieder eine Situation geschaffen hat, wie sie im. Jahre 1920 bestand,' d. h., eine Maner des Miß- trauens zwischen beiden Völkern errichtet hat. Wenn , Zierhut behauptet, seine Partei trag« daran keine Schuld, so ist das natürlich ein Irrtum, da sie ja die SHF geradezu liebevoll aufgezogen hab. Die Sudetendeutsche Partei spiel« mit dem Feuer, wenn sie systematisch die Positionen schwäche, die die Sudetendeutschen noch in der Regierung haben. Schon einmal sei das sudetendeutsche Volk durch ähnliche Methoden an den Rand der Katastrophe gebracht worden; nun drohe dem Sudetendeutschtum eine zweite gleiche Katastrophe. Alles, was die SdP mit Recht für die Deutschen fordert, sei w ö r t w ö r t l i ch a b g e s ch r i e- i en auS dem Programm des alten AktiviSmus. Die SdP-Fraktion war fast vollzählig vor der Ministerbank versammelt und wurde beim Krawallmachen von dem Fraktionsführer Frank dirigiert. Der Vorsitzende Langr stand diesen Radaubrüdern ziemlich hilflos gegenüber, da noch kein Mensch die Henleinleute von ein- ,(Fortsetzung auf Seite 2), Die Regierungserklärung hat sich zur Nqi- wendigkeit der planvollen Ordnung der Wirtschaft bekannt. Wir begrüßen das. Wir stellen aber gleichzeitig mit aller Entschiedenheit fest, daß die Planung und Ordnung der Wirtschaft sich nicht in der Regulierung und Kontingentierung der Produktion und des Absatzes auf dem geLenwärti- gen Tiefstände erschöpfen darf, weil nur so das Elend der Massen und damit ihre Verzweiflung stabilisiert würde. Darin liegt aber die entscheidende Gefahrenquelle für die Dmokratie. Die sozialistische Auffassung erblickt in der Planwirtschaft ein MUtel nicht zur Einschränkung, sondern zur Vermehrung der Produktion. Der sozialistischen Mitarbeit fällt darum die Aufgabe zu, dahin zu wirken, daß die Regulierung der Produktion verbunden wird mit der systematischen Fürsorge für dieHebung der Kaufkraftder breiten Massen und der Ausgestaltung ihres sozialen Schutzes. In dieser Zusammenarbeit können und müssen sich alle Völker im Staate finden, nicht nur G l f i ch e unter Gleichen, wie es in der Formel des großen Staatsmannes Svchla hieß, söndern auch als Freie unter Freien, als selbstbewußte und aufrechte Demokraten inmitten einer der Knechtschaft verfallenen Welt, vereint zum Dienst an der Gesamtheit des Staates und zugleich zur Achtung und Wahrung der Rechte und der kulturellen Bedürfnisse jedes einzelnen Volkes., In diesem Geist nehmen wir die parlamentarische Arbeit im neuen Hause auf, entschlossen, die Demokratie zu erhalten, sie mit sozialem Inhalt zu erfüllen und die arbeitenden Massen oller Nationen einer besseren Zukunft entgegen zu führen.(Beifall.) f Sette 2 Mittwoch, 26. Fmri 1935 Nr. 148 zedonien und die südungarisch« Wojwodina. Sie neigen einer Verständigung mit Italien zu. Fielen auch die kroatischen Inseln und Dalmatien bis zur Narenta, wie es im Londoner Vertrag vom April 1914 Italien als Handgeld für den Eintritt in den Weltkrieg versprochen worden war, in die Hand Roms, so könnte trotzdem Groß-Serbien weiterleben. Aber die Kroaten wären um die Früchte jahrhundertelanger Arbeit und blutiger Kämpfe gebracht. Haben sit schon die nationale Einigung mit dem slawischen Borland des Karst und mit Istrien bezahlt, obwohl sie in zlvölf Jsonzoschlachten, zwar * unter kaiserlicher Fahne, aber im Grunde doch für slawisches Land geblutet hatten, so wollen sie, daß der neue Staat wenigstens die Wacht an der Adria hält- Jahrelang tobten die Stammeskämpfe. Tas parlamentarische Leben wurde lahmgelegt. Die Ausschaltung der Sozialisten entfernte aus der Skupschtina die letzten versöhnlichen Elemente. Auf beiden Seiten beherrschte der Haß das Feld. Aus dieser Stimmung kam es zu der Untat eines serbischen Abgeordneten aus Montenegro, der in währender Parlamentssitzung Stefan R a d i ö und dessen Bruder Pavle niederschoß. Unüberbrückbar schien die Kluft zwischen Zagreb und Beograd. aufgerissen. In dieser Situation proklamierte König Alexander die Militärdiktatur. Am Dreikönigstag 1929 hob er die Verfassung auf und machte den General Zivkoviä zum Ministerpräsidenten. Die Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen wurde wiederholt versprochen. Sie sollte erfolgen, sobald Kroaten und Serben ein jugoslawisches Volk- geworden waren. Der Namen des Staates wurde geändert. Er hieß nun programmatisch: Königreich Jugoslawien.' Als König Alexander in Marseille unter den Schüssen eines kroatischen Verschwörers starb, verkündeten die Nachfolger, es werde sich an der politischen Linie des Ermordeten nichts ändern- Aber die Verhältnisse, der Willen der Massen vor allem, sind stärker als Wünsche von Staatsmännern. Wenige Wochen nach Marseille kam das Kabinett Jevtik ans Ruder. Eß trat mit großen Verheißungen auf. Arbeit sollte geschaffen, die Wirtschaft auf genossenschaftlicher Grundlage wnorganisievt werden. Hinter Jeftiä stand eine mächtige Bauernbewegung. Aber die Neuwahlen in die Skupschtina, die I e f t i 6 durchführte, zeigten ihn als A u t o k r a t e n. Die Opposition wurde zum Teil nicht zugelassen, zum andern niedergeprügelt. Es soll im Wahlkampf hunderte Toter gegeben haben. Der nationale Gegensatz war aufs neue verschärft, das Land bäumte sich gegen die Diktatur auf. Der Prinzregent Paul, ein Mann, der lange im Westen gelebt hat, liebt anscheinend die. Politik des Säbels'nicht. Er entließ Jestiä, jh^ er noch mehr Unheil angestiftet hatte. S t o j a d k n o v i t soll Neuwahlen vorbereiten, die Kroaten mit Beograd versöhnen, den nationalen Ausgleich endgültig regeln. Eine schwer Aufgabe, ohne Zweifel. Aber wenn sie zu lösen ist, so wird sie, wie sich gerade in Jugoslawien gezeigt hat, nur demokratisch zu lösen sein. Und für ganz Europa ist es ein beachtenswertes, für uns ein sehr erfreuliches Zeichen, daß in einer Zeit, die im allgemeinen Diktaturen gebiert, eine Diktatur liquidiert wird und ein Volk daran geht, seine nationale Sicherheit und seine Zukunft durch den Wiederaufbau des demokratischen Staates auf fest« Fundamente zu stellen. 54 komm von-' Emil Vachek.—1 I5 1 Deutsch von Ahm AurednKek Ich werde den Schlampen drüben lieber gar nicht anschauen. Dennoch sah er gleich wieder hin und war gleich wieder geblendet. Er hatte nie geglaubt, daß es so schöne Ftauen auf der Welt gibt! Er vernachlässigte seine wissenschaftliche Arbeit, denn er verbrachte seine Zeit beim Fenster, bis bei Knobloch alles schlafen gegangen war. Wir wollen lieber verhüllen, was in ihm vorging, als er sah, wie Knobloch seine Assistentin umarmte und wie aufopfernd Fräulein Pribil die beiden bediente. Und seine Bewunderung für die schöne Assistentin nahm zu. Zu etwas anderm fehlte Herrn Follr der Mut. Er fühlte sich verlassener denn je, nahm feine Gitarre und sang ein trauriges Lied. »Sie scheinen sich: icht wohl zu fühlen", sagte seirije Freundin, die Hausbesorgerin.»ES wird schlecht mit Ihnen enden. Sie haben einen Kummer, den ich kenne. Ein Frauenzimmer. Natürlich. Ohne Frauenzimmer muß ein Mannsbild krank werden." »Aber..." »Jawohl. Ein Frauenzimmer! Mir werden Sie nichts Weismachen. Mein Mann hat auch wie die sieben mageren Jahre auSgeschaut, als ich nichts von ihm wissen wollte! Sie müssen heiraten! Ein Mann wie Sie und— Junggeselle! Das ist ja eine wahre Sünde! Sie könnten eine Frau glücklich machen." Es wäre wirklich gut, wenn ich heiratete, dachte Herr Foltr. Ich muß suchen! Tag für Tag grub sich das Bild der verführerischen Assistentin tiefer in sein Herz und Herr Follr wurde zuVie Parlamentssltzuns (Fortsetzung von Seite 1) ander unterscheiden kann; so erhielten nur zwei von ihnen Ordnungsrufe. Zierhuts Abgang war Von einem Pfui-Geheul begleitet, auf das die tschechischen Agrarier mit demonstrativen Beifall reagierten. Sandners Debüt Dann kam Herr Sandner zu Wort, der es sich ziemlich bequem machte, indem er seine sterothpe Red« auS den Wählerversammlungen noch einmal vortrug. WaS Sandner über das Elend im deutschen Randgebiet sagte, daS haben unsere Genossen schon vor Jahren immer und immer wieder den tschechischen Parteien vorgehalten: neu ist nur die gewissenlose, demagogische AuSschrotung dieses sudetendeutschen Elends zur Propagierung deS Hitler- fascismuS. Die Hauptursach« dieses Elends, dir grenzen- lose Ausdeutung deS LolkSgenosseu-ArdeiterS durch den BolkSgenosstn-Unlernehmer, suchte Sandner mit einer lässigen Handbewegung in einem Nebensatz abzutun. Dir WahlfondS-Grld- grber find eben sakrosankt. Hier setzte ein Hagel von Zwischenrufen aus unseren Bänken«in: Euer« Volksgenossen-Fabrikanten zahlen 50 Heller Stunden lohn!’— Genossin Kirpal: Hier fitze« genug Jndnstriellcnvertreter. Die sollen fich dazu äußern! Sandner: Hier geht es nicht nur um Weltkrise und Ausbeutung durch die Industrie... ,(H e e g e r: ... dir Euch dir Wahlgeldrr gegeben hat!) Während dieser Auseinandersetzung entfalteten auf der Präsidialtribüne drei Henlein- männer ein großes doppelsprachiges Plakat„Warum SHF" mit einer Karte, in der die Arbeitslosigkeit in den einzelnen Bezirken graphisch dargestellt war. Bis auf die Frechheit, noch die alte verbotene Benennung der Partei zu gebrauchen, war auch an dieser Karte nichts Neues, denn der sozialdemokratische Fürsorgeminister Dr. Meißner hat schon bei der letzten Budgetberatung dem Ausschuß ein derartiges Kartenmaterial vorgelegt und dabei nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die Bezirke mit der größten Arbeitslosigkeit im deutschen Randgebiet liegen. Also auch hier hat es bei den Herrschaften von der SP nur dazu gereicht, die Arbest eines tschechischen Sozialdemokraten zu plagiieren! Die Auseinandersetzungen zwischen unseren Leuten und den Henleintrabanten gehen ab jetzt fast ununterbrochen weiter. Herr Dr. Rosche panzert sich gegen die Feststellungen der Genossin K i r p a l» daß er schon so und so vielmal die Partei gewechselt habe, durch eine dicke Haut ab. Ueber die Mitgift, die er in die SHF mitgebracht hat, schweigt er sich ebenfalls aus. Als Sandner nach dem heutiaen..Prager Taa- blätt" die Not der westböhmischen Bäder,.schildert, fällt ihm Gen. Zl schka ins Wort: Daam Sie das de« Hitler, der die Leut««icht über die Grenze läßt! In seine Phrasen mischt Sandner immer wieder Lovalitätsbeteuerunaen hinein und nimmt daS Wort..Demokratie" so oft i« den Mund, daß einem übet werden kann. Die schrecklichste Ber- leumduna der SdP. sei es. wenn man sie u n d e m o- kratisch oder gar fascistisch nenne; von einem Streben nach Totalität könne überhaupt keine Rede sein. In dieser Tonart aeht es bis zum Uebeedruß weiter. Wie hat man die armen Leute nicht verleumdet! Sogar..das große Werk der Spdetendeutfchen Bolkshilfe" hat man geschmäht...(Zwischenruf: ... mit dem nach de« Wahle« aus einmal Schluß iss!) Und der„Terror bei den Versammlungen", die„Per- sekutionen" und„sinnlosen Verfolgungen durch die Behörden", einfach nicht zum sagen...(Zwischensehends schwächer und sah tatsächlich wie ein Kranker aus. »Sie müssen ordentlich schwitzen, Herr Follr, und die Blazenka(so hieß die Tochter der Hausmeisterin) kann bei Ihnen bleiben für den Fall, daß Sie phantasieren." „Das geht vorüber," antwortete der Trau- miHnicht und dachte: Diese Woche noch werde ich mir eine aufzwicken. Von nun an betrachtete er alle Frauen auf der Straße, alle Frauen, die zu ihm in die Werkstatt sinnen, besuchte Theater und Kinos, und fand, daß es auf der Welt sehr viel hübsche Frauen gebe— aber er fürchtete sich vor allen. Nacht für Nacht, wenn fich sein« sündhaften Augen in den Lichthof verirrten, sah er den üppigen Schatten der feschen Assistentin. Es war fürchterlich. Er war sterblich in die Assistentin verliebt und wußte: er müsse heiraten, um nicht wahnsinnig zu werden. Auf einem Ausflug klagte er der Boßena Fafejt sein Leid und erzählte, wie elend ihm sei. „Es wäre gar nicht unsinnig, ihn mit Sophie zu verheiraten," sagte sich Boßen«.„Ich bin überzeugt, daß Sophie eine ausgezeichnete Frau und Foltr ein ausgezeichneter Gatte wäre. Außerdem kämen die zwei komischesten Menschen Prags zueinander." Ohne zu ahnen, was zwischen den beiden im Eernoschitzer Wäldchen vorgegangen war, sagte sie:„Eine meiner Freundinner: fiihlt sich nicht wohl. Kann ich mll ihr zu Ihnen kommen?" „Sie wissen ja, daß ich immer und gern helfe. Sie soll nur kommen, falls sie nicht eine Spionin deS Dr. Knobloch ist. Tiefer Ignorant stellt mir unaufhörlich Fallen. Vorgestern hat er einen Mann zu mir geschickt, der mich zwingen wollte, Geld von ihm zu nehmen. Er steckte den Betrag in einen Briefumschlag ins Herbarium. Als ich es bemerkte, trug ich das Geld auf das Kommissariat und der Kommissär sagte mir:„Sie haben recht getan, Herr Foltr. Wir haben soeben eine neue Anzeige bekommen, daß Sie für Geld ruf: Warum habt ihr dann dem Innenminister ei« Daaktelegramm geschickt?) Und doch bat Konrad Henlein-(Rufe:,W« ist er denn?) io deutlich den Trennungsstrich gegenüber dem Hitlerfastismu» gezogen. (Widerspruch.) Einmal verfällt Sandner unbewußt in die marxistische Terminologie und ivricht von der„A n t r- these auf die herrschenden Zustände". I a k s ch ruft dazwischen:„DaS ist doch materialistische GeschichtSa»ffass««a. dir ihr«och arster» ver- urteilt habt. DaS schaut bei euch aut auS!" Ihre größte Enttäuschung ist. daß man sie nicht sofort zum Eintritt in eine antimarriftische Regierung einqeladen hat. Das sei doch keine Demokratie, wenn man sie so brüsk ausschließt. Und gar erst die Ernennungen in die autonomen Vertretungen... (Jaksch: Diese BerwaltungSreform Lat doch euer Hodina mitbeschlossen!) Die G«neinde- wahlen müßten überall ausgeschrieben werden ett. Und gar erst die sozialdemokratischen Gewerkschaften, die schließen Arbeiter au», die„ihrer freien polittschen Ueberzeugung gefolgt sind". Zuruf«: Um die müßt ihr euch jetzt kümmern! Jaksch: Der deutsch« Arbeiter wird von euch ouSaehunaert, und da schämt ihr euch«icht, so zu heucheln! AlS Sandner auf dieses heikle Thema nicht ein- aehen will, ruft ihm Jaksch wiederholt mit dröhnender Stimme zu: Rede« Sir von dem BetrirbSterror der Unternehmer, Sie Heuchler! Herr Sandner verliert darüber aber nichteineSilbe... Mit einer neuerlichen Anbiederung an die tschechischen Parteien endet schließlich auch diese Rede, die wiederholt von dröhnendem Beifall der Hcnleinmannen und zum Sluß von einem Bei- sallSgetrampel begleitet war, das Genossen Zischka zu der berechtigten Frage veranlaßte, ob wir ineinem Stall feien. Neue wirtschaftliche Gesichtspunkte Dr. Marek(tsch. Soz.-Dem.) befaßt sich zunächst mit den Arbeitslofenziffern und erklärt, das ärgste sei, daß die Arbeitslosen schon zu glaicken beginnen, daß eS für sie überhaupt kein« Rettung gebe.. Redner spricht sich gegen die Absicht auS, die Schwierigkeiten unseres Außenhandels durch Exportprämien zu beheben; das geht Nur auf Kosten einer inländischen Teuerung, niedriger Löhne und hoher Steuern. Um die Privatwirtschaft wieder aufzurichten, ist billiger Kredit notwendig, entweder auf dem Wege einer ZinSdittates wie 1938 oder durch SättigungdesMarkteS mit Bargeld in dem Maße, daß die Gläubiger gern den alten Schuldnern einen ZinSnachlatz geben. DaS sind Operationen auf dem freien Markt. Sie werden bei uns als Inflation angesehen, haben sich aber ohne Ausnahme überall bewährt, wo man sie durchgeführt hat. Die überschüssigen Gelder mutz man durch öffentlich«Investitionen in Umlauf bringen. Da man heute diese Gelder durch Steuer« nicht hereinbringen kann, so bleibt nichts übrig, als Schulden zu machen, die man in besseren Zeiten bezahlen muß. Wenn in Krifen- zetttn ke i rr^ginanzminisicr der Welt, das Budget ausgleichen kann, so müssen wir uns da» eingestehen. Es müßte genügen, das Budget im Laufe einer längeren Reihe von Jahren auszugleichen. Das find allerdings ketzerische Methoden, aber die orthodoxen Methoden führen nur tiefer in die Krise. Hlmka, der Führer der slowakischen Bolkspariei, packt eine ganze Reihe von Beschwerden gegen daS Vorgehen der Behörden aus, was zu Kontroversen mit slowakischen Regierungsagrariern fuhrt. In die Regierung will er erst gehen, bis die Fabriken wieder arbeiten, bis es kein Elend und keine Arbeitslose geben wird... Später kommt nach mehr als drei Jahren Dr. Kramäk zu Wort, der mit Rücksicht auf fernen Gesundheitszustand seine Rede sitzend vorträgt. Er sieht die Dinge reichlich schwarz. Wir stehen vor kurieren..." Ich glaube natürlich, daß Sie mir jemanden anempfehlen, der mir für erwiesene Wohltaten schaden will." „Sie können ganz ruhig sein, Toni. Es ist ein sehr braves Frauenzimmer. Wenn Sie sie näher kennenlernen, werden Sie sich in sie verlieben." Man durfte in diesen Tagen das Wort „lieben" nicht ungestraft vor Herrn Foltr auS- sprechen. Toni war so melancholisch, daß ihn der ganze Ausflug nicht freute. Aus der Krone jeder Blume, die er pflültte, lachte ihn die schwellende Gestalt der feschen Assistentin an. Gleich am nächsten Tag ging Boßena an den zweiten Teil ihrer Aufgabe.„Sophie", sagte sie,„du tust mir leid— alle Mädchen genießen ihr Leben, und du, die bravste von uns allen, lebst wie eine Nonne. Hast du je daran gedacht, daß du eine ausgezeichnete Gattin wärst?" „An solche Sachen denk' ich nicht, Boßena. Ich denk' an meine Arbeit und habe andre Sorgen. Bei uns im Haus ist eS nicht mehr auSzu« halten. Eine verrückte Frauensperson hat's auf mich abgesehen. Sie bildet sich ein,.ich habe ihr den Bräutigam abspenstig gemacht. Sie macht mir jeden Abend einen Tanz und hat mir schon das Gesicht zerkratzt. Ich werde zur Tante übersiedeln müssen." „Ich glaub', es wäre besser, zu einem ordentlichen Burschen, statt zur Tante zu übersiedeln. Ich wüßte einen. Ein braver Menschs der geborene Ehemann, verdient viel und möchte dich auf den Händen tragen." „Der Mann, dem ich gefalle, ist noch nicht geboren, Boßena. Es genügt, daß er mich sieht, und alles ist zu Ende." „Du irrst. ES gibt so einen Mann. Du gefällst ibm und er hat wir gesagt, daß er dich Wiedersehen möchte..." i„Jch kenne keinen Mann, der mich gern Wiedersehen möchte," erwiderte traurig Sophie. „Herr Foltr ist dec Mann." Sophie wurde blutrot. einem neuen Aufschwung deS PangermanismuS, wie er noch nie da war. Um so größer sind die Be« fürchwngen, Dr. KramarS. wenn er die Verhältnisse im eigenen Volk sieht, die ihn mit Sorgeumdie Zukunft erfüllen. Regierungserklärung im Senat angenommen Im Senat schickte die Henleinfraktion gleich vier Redner in die Debatte, von denen Senator K e i l die Karpathtendeutschen und die drei anderen den Arbeiter, den Bauern und den Gewerbetreibenden repräsentieren sollten; die beiden letzteren wurden von einem Hauptmann und von einem M a j o r a. D. dargestellt! Der Heimatfrontler K a r l i k, der als Arbeitervertreter auftrat, versuchte den famosen Arbeitsbe s chaffungsplander SHF zu verteidigen. Er machte schnell Schluß, als ihn unsere Genossen auffyrderten, darüber zu sprechen, daß nach diesem Plan den Arbeitslosen wie Unterstützungen, welche sie jetzt beziehen, entzogen werden sollen. Nach fünf Minuten war Karlik mit seiner Weisheit fertig. . Der nächste Redner der Henleinleute war der frühere Landbündler Pfrogner, welcher schon bei seinem Erscheinen mst einem Hagel von Zwischenrufen überschüttet wurde, die ihn besonders aus dem Gleichgewicht brachten, als er über die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter sprechen sollte. Nicht besser erging es dem Major a. D. E n h u b e r, der nach Gastspielen bei anderen Parteien bei der SHF gelandet ist und dort „Führer des Gewerbestandes" wurde. Die Sozialdemokraten und Kommunisten empfingen ihn mit den Rufen-Habt acht!",„Ein Hauptmann spricht über Landwirtschaft, ei« Major über das Gewerbe",„Der drttte Offizier, den die SHF in die Debatte schickt!" Besonders die Genossen Müller und R e y z l setzten ihm hart zu. Enhuber beklagte sich sehr darüber, daß die Henleinpartei nicht in die Regierung gekommen ist und sprach die Hoffnung aus, daß sich das ändern würde. Einen Erfolg hatte er insofern zu verzeichnen, als alle Anwesenden darin ubereinstimmten, daß im Senat noch niemand mit einem so große« Stimmaufwand gesprochen hatte wie der Herr Major. Den Henleinleuten trat Genosse Dr. Helle r, in einer scharfen Rede entgegen, in der er die Entstehungsgeschichte und das doppelte Gesicht dieser„demokrattschen" Partei kritisch beleuchtete und ihr den unerbittliche« Kampf ansagte. Im weiteren Verlauf seiner vom ganze« Hause aufmerksam verfolgten Rede, die wir auS technischen Gründen erst morgen im AuSzug nachtragen können, beschäftigte fich Dr. Heller mit dr« Kommunisten. Während der Rede des Genossen Heller versuchte ein Test der Henleinleute bei der Stelle, wo er von läppischen Methoden sprach, eine Demonstration durch Verlassen deS Saales. Pfrogner und noch zwei oder drei andere gingen weg, die anderen versuchten durch Zwischenrufe zu stören, wurden jedoch vom Redner so abgefertigt, daß ihnen die Lust zu wetteren Bemerkungen verging. Gegen Schluß der Debatte sprachen noch Klo f ä ä(Nat.-Soz.) und der tschechische Genosse D u n d r, worauf die Abstimmung ohne Zwischenfall erfolgte. .Ziehst du," sagte Boßena mit Genugtuung,„du hast im gehekmen an ihn gedacht. Toni sagte mir, daß du ihm gefällst, daß du zu ihm paffen würdest und er frcch wäre, dich wiederzusehen. Heute abend noch werden wir zu ihm gehen." Ist es möglich, dachte Sophie, daß er... Sie war noch niemals so verwirrt gewesen.„Nein, es ist nicht möglich, ich weiß doch, daß... ich habe bisher nur einmal mtt Herrn Foltr gesprochen— und et ließ gar nichts merken, daß ich ihm gefalle. Im Gegenteil, ich hatte den Eindruck..." „Mein Gott» das hat gar nichts zu bedeuten. Du bist so unerfahren in Liebessachen, Sophie! Es gibt Menschen, die sich auf den ersten Blick verlieben— ich zum Beispiel. Das sind unglücklich Liebende. Bei andern dauert es länger, bevor sie sich alles gut zurechtlegen. Um so dauerhafter ist ihre Liebe." „Aber ich hab' Herrn Foltr gar nicht lieb,* gestand Sophie.„Seitdem wir uns gesehen haben, dachte ich überhaupt nicht an ihn." „Ich glaube doch, daß du ihn lieb hast. Warum wirst du so rot, wenn ich seinen Namen ausspreche?" „Er tat mir so leid; so ein armer Kerl." „Er ist zart wie ein Hauch. Aber du wirst ihn pflegen; bei dir wird er gesund werden." Diese Gespräch« der beiden Freundinnen dauerten eine ganze Woche. Sophie lebte sich in die unglaubliche Vor« stellung- ein, geliebt zu werden und einen Diann gesund zu machen. Schließlich versprach sie, am SamStag mit Boßena Herrn Foltr zu besuchen. »Das ist schön," sagte Herr Foltr, als Boßen« ihm den Besuch ankündigte.„Ihre Freundin kommt mir gerade recht." Er sagte nicht, daß er eine bedeutungsvolle Wendung seines Schicksals erlebte, ein Ereignis, das sogar seine erotischen Ovalen verdrängte. Arbeit und Weisheit hatten ihn gerettet. (Fortsetzung folgt.), Nr. 148 Roosevelts Steuerprogramm Die größten Einkommen bis zu 80 Prozent weggesteuert Mittwoch, 26. Juni 1935 Sudetendeutscher Zeitspiegel Die Schützen von Hornberg Unser Parteitag und die Schriftleiter- Presse Washington. Nach der Konferenz im Finanzministerium wurde mitgeteilt, daß das Steuerprogramm, das 340 Millionen Dollar einbringen soll, den bereits dem Parlamente vorliegenden Steuervorlagen angeschlossen werden soll. Diefe Steuervorlagen betreffen die Steuern aus Kongresses ist außerordentlich groß. Auch die Sozialdemokratie schon betont, daß das ArbeitsDas publizistische Echo unseres Brünner, Lange vor dem Brünner Kongreß hat die deutsche dem Verkauf von Automobilen, Juwelen, von tedem Verkauf von Automobilen, Juwelen, von te- gegnerische Presse tommt über den imponierenden losenproblem aufgehört hat, eine Barteisorge zu lephonischen und telegraphischen Mitteilungen Tatbestand nicht hiniveg, daß eine Partei unmit sein, sondern ein sehr ernst es Staats und so weiter. Die neue Erbschaftssteuer wird telbar nach schwerer Wahlniederlage ihren Ver- problem geworden ist. Die Partei muz Erbschaften betreffen, die 3000 Dollar und mehr trauensmännern die Möglichkeit zur freiesten fri- nach einer Wahlniederlage ihre Berantwor: Erbschaften betreffen, die 3000 Dollar und mehr tischen Aussprache bietet und mit verstärkter tung vor der Wählerschaft neu abgrenzen. Im betragen. Die erhöhte Steuer auf Einnahmen von innerer Geschlossenheit daraus hervorgeht. Wenn Interesse einer neuen politischen Klärung ist es über einer Million Dollar, die jest 59 Prozent schon an dem Gesamtergebnis des Parteitages notwendig, die größere Verantwortung derer flarbeträgt, wird progressiv bis auf 80 Prozent bei mehr als zehn Millionen Dollar erhöht werden. nicht zu mäkeln ist, dann müssen wenigstens fleine Verdrehungen versucht werden, etiva in der Art, daß das Aufsiger Tagblatt" dem Genossen Jakich folgende Aeußerungen in den Mund legt: Die Steuer von Erwerbsgesellschaften beginnt mit 10 Prozent bei einem Reingewinn von 2000 Dollar und wird bis 17.5 Prozent bei einem Neingewinn von 20 Millionen Dollar und mehr abgestuft sein. Die Aussprache " , Es scheine, als ob sich sozialistisches Wissen nicht mehr mit deutschem Geistesleben vereinen Iaffe." Es genügt, diese total verlogene Bericht erstattung anzuprangern, denn der Sozialdemokrat ist noch nicht geboren, der einen solchen Blödsinn fagen würde. gerne auf. " Seite 3 An alle Abonnenten und Verschleißer! Anläßlich des Feiertages am Samstag, dem 29. Juni, wird in den Drudereien nicht gearbeitet und entfällt daher die Nummer vom Sonntag, den 30. Juni.. Die Verwaltung. Der Internationale Wohnungskongreß ein ( R. F.) Das Thema der zweiten Arbeitszustellen, denen die meisten Stimmen und Man- tagung des Kongresses betraf das Problem ber date zufielen. Darüber hinaus müssen die sozialen Ieinwohnungen. Der Referent, Verpflichtungen des Staates stärker denn je be- Amerikaner, stellte, gleich allen Vorrednern, das tont werden, woran es der Brünner Kongreß vollständige Versagen des Liberalismus auf dem wahrlich nicht ermangeln ließ. Die" Bohemia" Gebiete des Wohnungswesens fest. Die Vereinig wird also gnädigit gestatten, daß auch in Zukunft ten Staaten stehen heute dort, wo Europa.bor der politische Anteil an einem sozialen Erfolg nach 15 Jahren stand. Auf einzelstaatlichem Gesiete der fachlichen Leistung der betreffenden ist hervorzuheben, daß, seitdem der Staat New Partei bemessen wird. Und da nehmen wir die York im Jahre 1926 den Anfang machte, eine Eden- Mussolini Konkurrenz mit denen, die vor der Türe ſtehen", ganze Reihe von weiteren Staaten Woh= nungsämter errichtete, deren Tätigkeit sich Nom. Ueber die dienstägigen UnterredunStellt sich die Bohemia" obendrein baß er allerdings im wesentlichen auf die Hausinspektion gen wurde folgendes amtliches Kommuniqué aus- Um einige Grade anständiger, aber immergegeben: Der britische Minister Eden hatte eine hin noch hinreichend gehässig ist die" Bohemia", staunt über die in der Parteitagsdebatte gefal- beschränkt. Die Bundesregierung hat in einstündige Unterredung mit dem Minister- welche in einem Leitauffaz den Brünner Kongreß lene Bemerkung, daß sich die Arbeiter und Ar- den letzten drei Jahren drei Milliarden Dollars präsidenten Mussolini, in deren Verlaufe ver- als" Parteitag von Hornberg" charakterisieren beitslosen ihr Stück Brot selber erkämpfen müssen, für die Sypothefarentschuldung von schiedene europäische Probleme geprüft wurden. will. Politisch so ins Schwarze zu treffen, wie dann versteht sie aber blutwenig von der so- Kleinhausbesitzern aufgewendet. Ferner zahlt sie Es wurde konstatiert, daß die im Londoner Kom- es das bewährte Organ der geweienen Deutsch- zialistischen Gedankenwelt. Daß die Befreiung an solche Hauseigentümer bis 2000 Dollars Zumuniqué vom 3. Feber und in der Strefaer Re- demokraten seit jeher gewohnt, ist eben nicht jeder der Arbeiterklasse nur das Wert der schuß an die Reparaturkosten. Der Referent schloß folution enthaltenen Richtlinien einer im Inter- manns Sache. Wenn aber das Blatt in fchein- rbeiter fe 16 st sein kann, hat Marx mit der Feststellung, daß in Amerifa noch außerbekanntlich schon im Jahre 1847 ins Kommu- ordentlich viel zu tun übrig bleibt und gewal effe der europäischen Stabilität gelegenen Ent- barer Würdigung einer Debattenrede zu den unwidlung fähig find. In der gleichen Unterredung möglichsten Schlußfolgerungen fommt, dann soll nistische Manifest" hineingeschrieben. Ob es nun tige Mittel erforderlich sein werden, um das den Hornberger Schüßen gefällt oder nicht, die Wohnungselend zu beseitigen. Aber der frische wurde auch die abeffinische Frage es nicht ohne Widerspruch abgehen. deutsche Sozialdemokratie wird auch weiterhin der Elan, mit dem jetzt zu Werte gegangen wird, geprüft. Anknüpfend an den Satz des Gen. Jakich: treibende Faktor in der Sozialpolitit sein, sie wird bietet einen günstigen Ausblick auf die Zukunft. „ Hüten wir uns vor der Täuschung, daß eine die bald enttäuschten Henleinproleten zu neuem wenn das fortschrittliche Regime Roosevelts sich deutsche Sozialdemokratie mit elf Mandaten mehr Kampf für Brot und Arbeit sammeln. an Arbeitslosenfürsorge erringen kann, als eine gegen die Angriffe der Hochfinanz zu halten berdeutsche Sozialdemokratie mit 21 Mandaten." meint die Bohemia": Proteststreik in Polen Warschau. In Warschau, in Lodz und auf dem gesamten Gebiete des Lodzer Industrierevie ree veranstaltete am Dienstag die sozialistische Arbeiterschaft den angekündigten 24stündigen Proteststreif gegen die geplante Wahlreform des Regierungsblods. Der Streif nahm im allgemei nen einen ruhigen Verlauf, nur an einer Stelle begossen unbekannte Täter die Schienen= stränge der elektrischen Bahn mit 3ement, um den Verkehr zu verhindern. Im Lodzer Industrierevier streiften über 40.000 Arbeiter, davon in Lodz zirka 30.000. ,, Volksgericht"! Berlin. Das Volksgericht verurteilte heute die kommunistische Jugend funktionärin Berta Karg aus München wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 15 Jahren Zuchthaus. Ministerrat " 1 „ Das ist sehr deutlich, und wenn man dem nächst von großen Erfolgen der deutschen Sozialdemokraten lesen wird, dann wird man sich mit Recht die Frage stellen, ob diese Erfolge wirklich nur auf das Konto der elf geschrieben werden denen, die vor der Türe stehen, fönnen, oder ob nicht vielleicht auch ein Anteil daran gebührt." Diese Auslegung ist auf den ersten Blick als fleiner Liebesdienst für Henlein zu erkennen. Preßberichtigung: 755 des Artikels„ Henleine Vertraute", welcher in Nummer 123 des Sozialdemokrat" vom 26. Mai 1935 erschienen ist. " mag. Dann ergriff Herr Dr. Heinrich Kubišta das Wort und referierte über ,, Die Kleinwohnungen in der Tschechoslowakei". die 3. die Bemühungen des Verbandes um die finanzielle Beihilfe des Staates hat ebencherstellung der Arbeitspläge der Angestellten der im Moratorium befindlichen Banken und Abgesehen von solchen billigen Ausschrotungsversuchen, ist die eifrige Kommentierung unseres Brünner Kongresses nur ein Ausdruck der erfreulichen Tatsache, daß die deutsche Sozialdemokratie in der breitesten Oeffentlichkeit als die unbestrittene Gegenspielerin des Henleinfascismus anerkannt wird. Die Kraft und der Elan einer Bewegung, die sich nach so schweren und verlustDer Referent stellte eingangs fest, daß die reichen Wahlkämpfen ohne Rastpause wieder zu kleinwohnungen in der Tschechoslowakei neuem Borstoß zusammenballt, wird dem Liebawei Drittel des gesamten Wohnungsbestan lingsthema der Schriftleiterpresse von dem„ ster des ausmachen. Die Grundlagen der staatlichen benden Marrismus" jede Aftualität rauben und Wohnbauförderung sind das Steuergeset sie zwingen, die Kunde von unseren Lebens- und die Wohnbauförderungsgesehe anschauungen in die breitesten Kreise zu tragen. bon 1921, 1923, 1927, 1930 und 1934. Jm Jahre 1930 wurden besondere Bestimmungen für leinst wohnungen" geschaffen. Die falls Wandlungen durchgemacht, wovon Steuernachlässe selbstverständlich nicht berührt worden sind. Von 1919 bis 1924 gab der Staat 4. der Stand der Verhandlungen in den Sparkas, die Garantie für die zweite Hypothet und kam für deren Verzinsung und Amortisation auf, oder er sen und Volfsgeldinstituten überhaupt. Es ist unwahr, daß ich im Zusammenhang mit der Aufdeckung des nationalsozialistischen Die erstatteten Berichte registrierten weiter gewährte für 25 Jahre einen Beitrag an den ge= samten Zinsendienst und an die Amortisation der Nachrichtendienstes auf der Wiener Brandstätte die Tatsache, daß die dauernde Gehaltserhöhung Baukosten. Von 1927 bis 1930 bestand die verhaftet und als Tschechoslowate aus Oesterreich auf genereller Grundlage in allen Geldinstituten, staatliche Beihilfe blog in einer Staatsgarantie. in denen diese Forderung erhoben wurde, erledigt m Jahre 1930 wurde für die Kleinst woh= ausgewiesen wurde. wurde. Schwierigkeiten gegenüber dieser Forde= Wahr ist vielmehr, daß meine Festnahme rung bereitet lediglich die Direktion der Böhmi- ungen ein Beitrag des Staates an die Hypos thekarzinsen bis zu 2.5 Prozent eingeführt. und Ausweisung aus Desterreich in feinem Burung Die Gesamtzahl der Wohnungen gung der Regierung und der staatlichen Verwaltung fczialistischen Nachrichtendienstes auf der Wiener Zentralvorstande eine besondere Aftion gegen die in der Tschechoslowatei ist von 1921 bis 1930 Genehmigt wurde das Programm der Beteili- fammenhang mit der Aufdeckung des national- chen Unionbant. Deshalb wurde vom Personalpolitik der BI18 beſchloſſen. BUB ten, des Bariſer Kardinalerabischofs Barbier, und und Ausweisung aus Desterreich laut Ausiveinung der Verbandsleitung wird bei den zuständigestiegen. Davon entfallen auf ita a tlich ges gen Regierungsstellen in der Angelegenheit der förderte Bauten 38.626 Häufer mit 86.329 an dem gangstaatlichen Katholikentongreß der tiche fungsbeschlußwegen abfälliger Stritit an der Berkürzung und Kontrolle der Arbeitszeit, Sicher- Wohnungen. 1930 bis Ende 1934 betrug der Tätigkeit der Bundesregierung Dollfuß", die mir Ausgesprochen wurde die Rustimmung zum meiner journalistischen Tätigkeit wegen zur Last stellung der Arbeitsplätze der Angestellten in den staatlich geförderte Wohnungsbau 9035 Säuser Protokoll bom 16. Jänner 1985 über die Barijer gelegt wurde, erfolgten. Es ist ferner unwahr. Moratoriumsbanken und Durchführung des Art. mit 38.379 Wohnungen. Die gesamten Konferenz aur Durchführung des Artikels 3 chen. Der Zentralvorstand beauftragte die Ver- Millionen Kč. Die finanzielle Beihilfe des Prager Abkommens über die Regelung der öster- daß der Wiener Hochschulprofessor Dr. Walter L des Bantengeseßes( Pensionsfonds) vorspres Baukosten von 1919 bis 1934 betrugen 8606 reichischen und ungarischen Vortriegsschul- Heinrich zumindest in den vergangenen Jahren bandsleitung, für ſeine Herbsttagung das At- des Staates erreichte 1919 bis 1924: 3317 Milden. Angenommen wurde das Rahmen han sehr enge Beziehungen zu meinem Kreis hatte. belsabkommen mit Ungarn fowie die Wahr ist vielmehr, laß ich Dr. Walter Heinrich ionsprogramm für das Jahr 1936 vorzubereiten lionen für die Berzinsung und Amortisation der Regierungskundmachung über die vorläufige Infrafts persönlich überhaupt nicht fenne und daß er we- und Vorschläge für eine zivecentsprechende, No- zweiten Hypothek und 562 Millionen für den Beis segung dieses Abkommens vom 1. Juli d. I., an, eben der in den vergangenen Jahren, noch später bellierung des Bankengeseßes auszuarbeiten. so die Regelung des Kompensationsaustausches von irgendwelche Beziehungen zu mir unterhalten hat Waren mit Ungarn im Jahre 1935. Bugestimmt oder unterhält. Ungünstiger Ausgang wurde den Regierungsentwürfen für den Senat, der Arbeitskonferenz womit demselben das Zusabprotokoll zum Handelsbertrag mit Sowjetrußland und die wirtschaftlichen Busababkommen mit den Vereinig ten Staaten und mit Deutschland borgelegt werden. Brag. In der Dienstag nachmittags ftattgefundenen Sißung des Ministerrates erstattete Minister Dr. Beneš Bericht über seine Reise nach Moskau und über die Fragen, die bei dieser Gelegenheit den Gegenstand der gegenseitigen Aussprache mit den führenden Fattoren des Sowietverbandes bildeten. Der Bericht wurde mit Dank zur Kenntnis genommen. choslowakischen Republik. der Getreideanbauflächen bei einigen landwirtschaftHermann Hönig. Genf. In der Schlußsizung der InterTagung der Bank- und Sparkassen- nationalen Arbeitskonferenz wurden unter großer Spannung fünf Anträge auf Einführung der angestellten. 40stündigen Arbeitszeit durchberaten. trag an den Zinsendienst. Die Staatsgarantien erreichen die Höhe von 1528 Millionen und die Zinszuschüsse von 1930 an 1294 Millionen Kč. Am Schlusse seiner Ausführungen unterstrich der Vortragende mit aller Schärfe die Notwendigkeit der Hebung der Wohnkultur Bugestimmt wurde den Regierungsverordnungs ,, Es ist unmöglich, den Wohnbedürfnissen in entwürfen über die Konstription der Weizen- und Am 20. Juni 1935 hielt der Zentralvors Moggenvorräte, und der Mühlenprodukte aus Weigen stand des Verbandes der Bank- und Sparkassen- betreffend die Verkürzung der Arbeitszeit in diese Bedürfnisse nicht genau kennt, und zwar so Bei der Abstimmung über das Abkommen annehmbarer Weise gerecht zu werden, wenn man und Roggen: über die Feſtſtellung des Ausmaßes beamten, dem die Vertreter der größeren Orts- Glasfabriken für Flaschenerzeugung wurden die wohl unter dem Gesichtspunkt der Quantität wie lichen Betrieben im Erntejahr 1935; über die weitere gruppen aus allen Teilen des Staatsgebietes an- Stimmen der tschechoslowakischen Arbeitgeberdele- auch der Qualität." interimistische Verlängerung der bisherigen Rechts- gehören, eine Plenarsizung ab. Aus den erstatteten gierten Dr. Banet und des argentinischen Arbeit= Nach dem tschechoslowakischen Redner sprach beſtimmungen über das Fahren mit Motorfahrzeugen Berichten ergab sich eine zufriedenstellende Ent- geberdelegierten Brenta irrtümlicherweise als Herr M. F. C. Bolasen, Direktor der ,, Allge ( sogenanntes fleines Automobilgesetz und Durchfüh- wicklung der Mitgliederbewegung. Der Stand der gegen den Antrag abgegebene Stimmen gezählt, meinen Baugesellschaft Kopenhagen". Auch er rungsvorschriften dazu); über die Durchführungs- Mitglieder ist höher als beim letzten Verbands- obzwar sich diese Delegierten der Stimme entvorschriften zum neuen Gesetz über den Aufenthalt tage, da im Jahre 1935 116 Neubeitritte und halten hatten. Deshalb stimmte die Konferenz der Ausländer und über Maßnahmen gegen die Ein- überhaupt keine Mitgliederabgänge zu verzeich noch einmal ab und nahm das Abkommen mit 72 stellung des Betriebes von Fabriksunternehmungen, gegen die Massenentlassung von Angestellten und nen sind. Insbesonders wurden in der Sizung gegen 34 Stimmen an. über die Regelung der Kündigungsfristen bei den die laufenden Aktionen des Verbandes behandelt, ( Arbeits)-Dienstverhältnissen der Angestellten in nämlich diesen Betrieben. Zugestimmt wurde den Preisen und 1. die Aktion, die der Verband zweds Erhö Bedingungen für den Ankauf und Verkauf von hung der durch den lebten Gehaltsabbau reFuttermitteln für eine weitere Beriode vom 1. Juli d. J. an. duzierten Dienst bezüge der BanfangeAngenommen wurde der Entwurf für die Errichtung eines staatlichen militärischen Reformrealgymnasiums in Mähr. Trübau vom nächsten Schuljahr an. Schließlich wurde die Tagesordnung der Berivaltungs-, Wirtschafts- und Bersonalangelegenbeiten erledigt. stellten führt, 2. die Aktionen des Verbandes, die auf eine Verfürzung der Arbeitszeit und eine geregelte kontrolle der Arbeitszeit und Ueberstunden abzielen, stellte die Forderung: Nicht nur Wohnun gen, sondern bessere Wohnungen." Er wandte sich gegen die Baugesellschaften, die unter der Maske der Gemeinnüßigkeit Spekula tionsgewinne einheimsen. Ms letter Redner sprach Herr Dipl.- Ing. Dudryt( Warschau) über sanitäre Installas tionen, die er mit einer Reihe von Lichtbildern begleitete. Die übrigen vier Abkommen betreffend die Einführung der verkürzten Arbeitszeit in vier anderen Industriezweigen( öffentliche Arbeiten, Bauindustrie, Stahl- und Eiſenindustrie, Bergverke) wurden abgelehnt. Auf besonderen Vorschlag des italienischen Delegierten de Michelis Um 15 Uhr begaben sich die Kongreßteilneha wurden troß dieses ablehnenden Standpunktes mer auf eine Autobusrundfahrt durch dis diese Fragen der Arbeitszeitverkürzung in den Prager Altstadt und nach den Gartenvorstädten vier Industriezweigen auf die Tagesordnung der am linken Moldau- Ufer. Um 21 Uhr fand im nächsten Internationalen Arbeitskonferenz im Czernin- Palais der offizielle Empfand Jahre 1936 gesetzt. durch die tschechoslowakische Regierung statt, Seite% Mittwoch, 26. Juni 1835 Nr- 148 Informationsdienst—Kreisturnfest Bereinsleitmlge«, Achtung! Ab heute werden keine Borverkaufskarten mehr abgeschickt. Vereine, welche bestellte BorberkaufSkarten noch nicht erhallen haben, müssen sich bei Ankunft in Aussig sofort in der Hauptfinanzkanzlei am Stadion melden und erhalten dort gegen Vorweis des Aufgabescheines di« Karten ausgefolgt. DieK artenwerden abernurausgegeben, wennder Aufgabeschein vorgelegt wird. . Quartierangelegeuhell. Ihr erhaltet bis Freilag die Ouartierkarten. Wir machen aufmerksam, daß nur jene Quartiere zu beziehen sind, welche beigestellt wurden. Erleichtert dem Quartierasuschutz die Arbeit und hallet strengste Qrdnung und Disziplin. Einzelwünsche können bei einer so großen Veranstaltung nicht berücksichtigt werden. Die Ordner sind angewiesen, auf Einhalten der Vorschriften strengstens zu achten. Der Festtcilrlehmer wird nur in jenes Quar- t i e r eingelassen, für welches er die Anweisung hat. Achtung! Teilnehmer, welche billige Quartiere in Hotels wünschen(Bett ab 8 KL), müssen dies melden. Wir haben solche Quartiere reservieren kaffen.(Meldung in der Ouartierhauptkanzlei, Bahnhofplatz— Parterre— Metallarbeitersekretariat.) Radfahrer zum KreiSturnfest, Achtung! Alle Festteilnehmer, welche Samstag, den 29. Juni, per Fahrrad zum Kreisturnfest fahren, sammeln fich orts- und vereinsweise und fahren geschloffen zum Bezirkssammelplatz. Der Bezirkssammelplatz wird noch im Laufe der nächsten zwei Tage in der Partei- preffe(soweit es nicht schon geschehen ist) durch die jeweilige Bezirksleitung bekanntgegeben. Von dort ist gemeinsame Abfahrt zum Halbkreissammelplatz. — H albkreissammelplätze: Die Teilnehmer der Bezirke Rumburg, Haida und Bodenbach müffen um dreiviertel 8 Uhr nachmittags auf den Elbwiesen(Weiher) in Bodenbach gestellt sein. Die Abfahrt von dort geschieht unter Leitung des Gen. Neumann, techn. Leiter des Aruk, u. zw. um Punkt 8 Uhr nachmittags. Die Teilnehmer der Bezirke Komotau, Saaz, Seestadtl, Brüx, Dux und Teplitz treffen sich um dieselbe Zeit in der Mariascheinerstratze in Turn(Fahrradhaus des Aruk) und fahren ebenfalls.um Punkt 8 Uhr, u. zw. unter der Leitung des Gen. Hudekek-Eichwald gegen Aussig ab. Die Bezirksabteilungen haben,also spätestens um dreiviertel 3 Uhr nachmittags bei deu angegebenen HalbkreiSs am mel- Plätzen gestellt zu sein- Turnwarte, Achtung!■ Die Vereinsobmänner haben die technischen Hefte— Festsührer— erhalten. Jeder Wettkämpfer und Turnwart mutz in diese Hefte sofort Einsicht nehmen, da alle Stellzeiten darin enthalten sind. Fußballer— Turnspieler! Die Futzballer Marschieren im Festzug in vollem Dreß. Die Turnspieler marschieren, soweit sie nicht Atus-Uniform besitzen, ebenfalls in Dreß. Die Atusuniform ist jedoch allen anderen Bekleidungen vorzuziehen. Spielermannschaften, haben ihre Bälle für die Wett- vdpr Freundschaftsspiele mitzubringen. Zwei Tote bei Kaschau, zwei Schwerverletzte bei Brünn Prag. Dienstag um 8.36 Uhr havarierte bei einem Ucbungsflug über der Ortschaft Vysny Eaj, zehn Kilometer^südöstlich von Kaschau, das Flugzeug A 11—-83 vom Fliegerregiment 3, dessen Besatzung aus dem Gefreiten-Pilot Zdenök P r i k r y l und dem Beobachter Korporal-Aspirant Josef B i c a r bestand:- Der Beobachter versuchte den Fallschirm zu benützen,'jedoch z u spät, so daß er ihn nicht mehr in Aktion bringen konnte und auf das Dach eines Gebäudes fiel, wo er tot liegen blieb. Das Flugzeug geriet beim Sturz auf den Boden in Brand und verbranntemitdemPiloten. An die Unglücksstelle wurde sofort eine militärische Sonderkommission aus Kaschau entsendet. Brünn. Dienstag morgens havarierte bei einem Dienstflug-unweit der Militärschießstätte in Brünn-Modlanky das Militärflugzeug A—1172. Kennmarke D 6, der Eskadre Nr. 5 aus Olmütz, das von dem Piloten Korporal Bohumil C z a- k o n gesteuert wurde und in dem sich als Beobachter Korporal-Aspirant Wilhelm G ö t h befand. Das Flugzeug-glitt aus bisher unbekannter Ursache beim Abwurf der dienstlichen Meldung auf dem Flügel zu Boden ab. Beide Insassen wurden schwer verletzt ins Dibisionskrankenhaus Nr. 6 geschafft. Eine Militärkommission begab sich an Ort und Stelle, um die Ursache des Unglücks zu ermitteln.' Kreisturnfest 1935 feiten Exzesse gegen Prager Schauspieler in Zürich Im Züricher Schauspielhaus ist es anläßlich des Schweizer Gastspiels des Prager Theaterkollekti Vs„D 35"(Burian), bei det Aufführung der„Dreigroschenoper" zu nationalsozialistischen Exzessen gekommen, wie man sie in solcher Brutalität in der Schweiz bisher Wohl kaum erlebt hat. Im Zuschauerraum warfen die Rowdys Stinkbomben, in den Aborten brachten sie Petarden zur Explosion, durch die großer Schaden angerichtet und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Vor und im Thtater riefen die als„Fron- tisten" deklarierten Schweizer Hitlerianer: „W eg mit den Saujude n!"„I h t habt Deutschland in Prag beschimpft!"„Wir wollen keine Mar« ^istcnschweinerei sehe Nl", ßtnd vieles andere. Gegen die Polizei, die zur Räumung der Straße und des Theaters anrückte, gingen die Banditen mit Messern und Hundepeitschen vor. In Schweizer Kreisen wird vielfach angenommen, daß die vandalische Aktion auf direktes Eingreifen reichs- deutscher Propagandast e.l l e n zurückzuführen Die Sonntagsvorstellungen des Burian- Theaters wurde wegen dieser Krawalle abgesagt, das Ensemble ist nach Basel gefahren, um dort zu gastieren. Auch dort kündigen die Hitlcr- Frontisten Krawalle an. Ostrauer Sparkaffenbeamter unterschlägt 300.000 Kronen Mähr.-Ostra«. Die Revisionsveremigung des Verbandes der tschechoslowakischen Sparkassen hat bei Vornahme.unerwarteter gesetzlicher Revisionen bei der Revision in der Mn h r.- O st r a u e r Sparkasse festgestellt, daß der dort angestellte 30jährige Beamte J.Willerthin den Büchern betrügerische Manipulationen vorgenommen hat. Nach Feststellung dieser Tatsache wurde Willerth seiner Stelle enthoben, verhaftet und in die Hafr der Polizeidirektion in M.-Ostrau eingeliefert. Beim Verhör leugnete er zuerst, dann versuchte er die Schuld auf andere abzuwälzen, gab aber schließlich zu, daß er mit seinen betrügerischen Manipulationen die Veruntreuung von 300.000 KL verdecken wollte. Er hatte diesen Betrag veruntreut und sich dabei einer sehr raffinierten Art bedient, die er beim Verhör eingehend schilderte. Nach beendeter Untersuchung wird er in die Hast des Kreisgerichtes in Mähr.-Ostrau eingeliefert werden.' Der Schaden ist teils durch die Betriebseinnahmen des Instituts, teils durch das Eigentum des Defraudanten gedeckt, das prob isorisch sichergestellt wurde. Willerth wurde zu seinen Defraudationen durch die Sucht nach luxuriös em Lehen und durch verfehlte Spekulationen verleitet. Wieder ei» Hochtouristen-Unglück Innsbruck. Beim Besteigen der Schlicker Rordwandbei Innsbruck sind am Sonntag der Beamte des Tiroler Landreisebüros Kurt Friedel und die Tochter des Handelsagenten Klemens, Waltraud, tödlich abgestürzt. Es handelt sich um eine der schwierigsten Kletterpartien in den ganzen Tiroler Alpen. Friedel war vorangegangen und hatte seine Begleiterin angeseilt. Er stürzte ab und riß im Fallen seine Begleiterin mit in die Tiefe. Der Sturz dürfte bis 200 Meter betragen haben. Beide Körper fielen mehrmals auf Felsvorsprünqe auf und wurden furchtbar verstümmelt. Die Leichen wurden erst Montag vormittags nach großen Mühen geborgen. Massentragödie im Tierreich Beaufort.(Nordkarolina.) Nahezu 10000 Reiher verbrannten bei einem Waldbrand in einem für die Reiher reservierten Waldsumpfgebiet, wo sie vor der ihnen drohenden Ausrottung durch Federjäger geschützt werden sollten. Als das Feuer ausbrach, befanden sich ungefähr 7500 noch nicht flugfähige Reiher in der Brandzone, während viele Hunderte älterer Vögel bei der Suche nach ihren Jungen milverbrannten. Geist, Technik und Masse. Wie die Londoner Zeitungen berichten, hat der— neben Bernard Shaw—berühmteste englische Schriftsteller der Gegenwart, H. E. Wells, erklärt, daß er fortan keine Bücher mehr, sondern nur noch Film-Manuskripte schreiben werde, weil heute der Film viel besser als das gedruckte Wort dazu geeignet sei, Ideen in den Massen zu verbresten. Wenn diese Ankündigung, die unter dem unmittelbaren Eindruck der ersten Aufnahmen zu dem von Wells verfaßten Zukunftsfilm„Die Schatten der kom- inenden Dinge" gemacht wurde, vielleicht auch übertrieben ist, so ist sie doch bezeichnend für die veränderte Haltung des modernen Schriftstellers gegenüber deu technischen Möglichkeiten des Films, die bisher von einem Großteil der Geistigen nur mit herablassendem Spott betrachtet wurden. Auch Bernard Shaw, der'trotz zahlreicher Angebote bisher jede Verfilmung seiner Werke abgelehnt hafte, hat sich jetzt anders besonnen und die Erlaubnis dazu gegeben, aus seinem Drama„Die heilige Johanna" einen Film zu machen, in dem Elisabeth Bergner die Hauptrolle spielen und an dem Shaw selbst als literarischer Berater mit- Nsirken wird. Es scheint demnach, als sei bei den Geistigen unserer Zeit die Einsicht im Wachsen, daß sie auch von sich aus dem großen Problem unserer Tage näherftetcn müssen: dem Problem der gesteigerten, aber nicht sinn- voll ausgewerteten technischen Möglichkeiten, die, weil sie nicht sinnvoll angewandt wurden, zum Mißbrauch durch Volksverdummer, Sen- sationsjäger und Profitmacher geführt haben. Wie die Erfindung des Buchdrucks vor 500 Jahren einen Weg des Geistes zu den Massen erschloß, so hat die vor vierzig Jahren begrün- dete Technik des Films und die noch erheblich jüngere des Rundfunks neue Wege gefunden. Daß wir dennoch nicht in einem Zeitalter der Massen Aufklärung leben, beruht nicht darin, daß diese neuen Wege gebahnt, sonderst daß sie von den dazu Berufenen, bisher noch kaum beschriften worden sind. 17 Todesopfer eines Flugzeug- Zusammenstoßes Darunter der kolumbifche Lindbergh und der argentinische Caruso Panama. Das von dem bekannte« Südamerikaflieger Samper gesteuerte dreimotorige Großflugzeug„Saco", der Südamerika- Kolumbienfluglinie stieß über dem Flughafen Medellin bei einem heftigen Sturm, beim Aufstieg zum Weiterflug nach einer Zwischenlandung mit einem Passagier- Flugzeug der Scadia-Linie, das fiebe» Personen an Bord hatte, zusammen. Beide Flugzeuge explodierten und stürzten zu Boden. Die Folgen des Zusammenstoßes waren furchtbar. 17 Personen waren auf der Stelle tot und fünf schwer verletzt. Unter den Toten befindet sich der Direktor der Saco- Luftverkehrsgesellschaft Carlos Samper, der zugleich einer der besten kolum- bischen Flieger war und geradezu als der k o- lumbische Lindbergh bezeichnet wurde. Ernesto Samper hat mich eine der Rekorde Lind- berghs geschlagen. Tödlich verunglückte auch der argentinische Tenor und Schauspieler Carlos Gar d e I, der mit anderen Schauspielern aus dem Wege von Bogota nach Panama war, wo er in dem dortigen Theater'austreten sollte. Tausende von Leuten, die auf dm Flugplatz gekommen waren, um dem Abflug des beliebten, auch in New Aork und Paris bekanntest Künstlers beizuwohnen, waren Augenzeugen der Katastrophe- Beide Flugzeuge sind infolge der erfolgten Explosion v o l l k o m men verbrannt. Tritt den Funken aus! (Zum Henleinrausch, a» alle, die es angeht!)^ Tas ist kein Blüh'« und Singe«, das ist kri« Glitzertand; nicht Feierglockenklingen: Tas ist ein Feuerbrand! Glimmt heut auch noch der Funken— bald wird die Flamme draus. Machtvoll und wollusttrunken fliegt sie ins Land hinaus. Der Sturm zerstört den Dämmer. Bald wird es heißer sprüh«. Schon schlagen schwere Hämmer in dein verträumtes Müh'n. Drum tritt mit starken Füßen den Glast und Glimmer aus; sonst wirst du bitter büßen: Auch dir frißt er das Hans! h a h o. Zn Wien verhungert... Wien. Unweit der Wilhelminenstraße im XVI. Bezirk wurde Montag am Rande einer Wiese in einem Gebüsch eine vollkommen verweste Frauenleiche gefunden. Spät nachts ist es der Polizei gelungen, die Tote zu agnoszieren. Es handelt sich um die 52jährige frühereHaus- hälterin Anna Jensen» die seit Mo- naten'arbeits- und obdachlos war. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß sie verhungert ist. Ueber dreißig Grad. Die Wärme hat sich Dienstag noch gesteigert. Bei Südostlvind war die Temperatur fast überall auf plus 30 Grad oder mehr angestiegen. Der Luftdruck sinkt nunmehr ziemlich stark. Ein flaches Drucktief, welches sich in den letzten Tagen über dem Golf von Biskaja gebildet hatte, beginnt nunmehr nordostwärts vorzudringen. Seine Randstörungen haben an der französischen Küste bereits eine leichte Abkühlung gebracht. Im Zusammenhang damit dürfte die Gewitterneigung in den nächsten Tagen vom Westen her z u n e h- men. Für heute aber wird es schön und heiß bleiben. Für Donnerstag aber rechnet man bereits mit strichweiscm Gewitter und Abkühlung. Neuer Versuch, de« Mount Everest zu besteigen. Auf dem Jahreskongreß der königlichen geographischen Gesellschaft in L o n d o n erstattete General Sir Percy Cox Bericht über den neuen Versuch der Besteigung des Mount Everest- Pach dem Beschluß des Ausschusses soll diesmal anders als bsi deck letztest drei Versuch:» borgegangen werden. Eine von Eric S h i p t o n, einem Mitglieder der letzten Expedition angeführte kleine Forschergruppe traf kürzlich in Tibet ein, um die Möglichkeit einer Besteigung des Mount Everest von der westlichen Seite her zu studieren. Die Hauptexpedition würde im n ä ch» st en Frühjahr aufbrechen und wahrscheinlich wiederum von Hugh Ruttledge geleitet werden. Abermals freigesprochen. Aus Graz wird gemeldet: Der 42jährige Wirtschaftsbesitzer Heinrich Prugner und.der 41jährige Bauer Peter Freichtner, die Führer der sogenannten»Grünen Wehr" des Landbundes waren, waren wegen Hochverrates angeklagt, weil sie nach den Juli-Ereignissen die„Grüne Wehr" weitergcführt hatten und den Anhängern erklärten, sie müßten sich für alle Möglichkeiten bereit halten. Beide standen zusammen vor den Grazer Geschworenen und wurden mangels an Beweisen freigesprochen. Der Oberste Gerichtshof hat diesen Freispruch aufgehoben und ordnete eine neue Verhandlung an. Diese fand Mimtag statt, doch wurden Prug- ner und Freichtner abermals freigesprochen. Vom Rundfunk iMpMileniwartu aus den Programmen c Donnerstag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse, 11.00 Schallplatten. 19.Ü0 Deutsche Presse. 21.15 Orchesterkonzert. Sender S.: 7.30 Leichte Musik. 14.15 Dr. Waller: Meistbegünstigung, 14.35 Schallplallen aus der Oper..Freischütz", 18.20 Deutsche Sendung» Jugendstunde.— Brünn: 16.30 Orchesterkonzert, 17.35 Deutsche Sendung» Arbeiterfunk: Oskar S ü tz: Arbeiterturnbewegung, nachher leichte Musik.— Mähr. Ostrau: 12.30 Orchesterkonzert.—• Preßburg: 15.00 Orchesterkonzert, Kakteen mit begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns XL 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dunggutz für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII.» Fochova tk. 62, und durch alle Kolporteure erhältlich. Mittwoch, 26. Juni 1935 Seite 8"* <8ne Verschwörung in Istanbul. Aus Jstan- ! bul wird gemeldet: Tie türkische Polizei führte r in den letzten Tagen in den Wohnungen zahlrei- k cher russischer Emigranten Haussuchungen durch, i wobei viele Dokumente konfisziert wurden, aus s denen hervorgcht, daß in der Kaukasischen Sowjet- t republik eine große Verschwörung vorbereitet k wurde, die dem Zwecke eines Regimewechsels I diente. Tot. Im Krankenhaus in Slatinskt Doly i starb der 29jährige Oberleutnant Jan Mixa, t der Mitfahrer des verunglückten Rennfah- | r«rs Jaroslav Vesely. Mixa hatte einen s Beckenbruch und eine schwere Nierenverletzung er- [ litten. Mixa hatte längere Zeit in UZHorod gc- I dient und war erst drei Monate verheiratet. Der Begin» der Prüfungen für Mittelschul- I Professoren und Lehrerbildungsanstal- r t e n wurde vom Ministerium für Unterricht und I Volkskultur für das Jahr 1935 auf den 4. Novern» r ber 1935 festgesetzt. Gleichzeitig wird di« Ein- I gäbe von Gesuchen um Zulassung zu den besagten J: Prüfungen im Herbsttermin dos Jahres 1935 aus» A schließlich bis 15. September 1935 verlängert. Ik Eine neue Lokomotiven-Art. Die e n glitschen Eisenbahnen unternehmen Versuche mit s einer neuen Art von Lokomotive, bei der die Räder | direkt von einer Turbine ohne Kolben und I Kolbenstange an getrieben werden. Junges Leid Von Martin Grill Wie zwei friedliche Geschwister laufen die Straße und das Nüßchen talwärts. Sie schmieg- I ten sich schon eng aneinander, als sie jung und I verwegen von den Bergen herabsprangen, als das | Flüßchen noch ein Bächlein und die Straße ein I schmaler Steig war. Und wenn sie auch auf kurze Zeit auseinander gerieten, immer wieder trafen i. sie zusammen und verschlangen sich innig wie die ' Hände zweier folgsamer Kinder. Die kleinen, im hellen Sonnenlicht blitzen» ' den Wellen eilen neben der Straße munter dahin, [ plätschern um große, weißglänzende Steine und » über die grünmoosigen Ufer und singen ein Lied I von den hohen, dunklen Bevgwäldern, denen sie i entquollen, und von den tiefen, breiten Flüssen, I die sie draußen im Land empfangen und fottfüh- I ren werden in das unendliche Meer. „Groß und mächtig werden wir sein, Fäh- > ren und Schiffe werden- wir-- tragen. Ungeheure- Brückenbogen-werden uns respektvoll überspan» I nen. Der Mensch wird unsere Größe und Kraft bewundern und die Sonne wird sich iu unseren ! Muten baden." Die dunkelgrünen Erlen stehen am Ufer und I nicken erst mft den Zweigen, die sie grüßend den Wellen entgegenneigen. Sie kennen die Melodie | und wissen, daß sie wett draußen im Land, im Leben, tiefer und ernster klingen wird. Das kleine Mädchen an der Mutter Hand lauscht dem munteren Singsang von Vergangen» I heit und Zukunkt, freut sich an dem Glitzern und I Blitzen der tausend Wassertropfen am Ufer und erschauert vor dem tiefen Gurgeln und Quirlen [ zwischen den bleichen Felsblöcken im Flußbett.— An anderen Stellen leuchtet der blanke, weiße Sand am Grunde unter den Strahlen der Herr» l lichen, lachenden Frühlingssonne auf wie blankes Gold und über ihm schießen wie silberne Blitze I die flinken Körperchen der kleinen Fische hin und t her, die, in Rudeln sich zusammenballend und | wieder auseinanderjagend, hundert muntere Spiele treiben- Ueber all dem leuchtet ein wolkenloser, tiefblauer Sonntagshimmel. An der Hand der Mutter geht das kleine Mädchen am Straßenrand und es freut sich des Funkelns und Blühens ringsum, des Wellenge- -t tänzels und der lachenden Sonne. Und wir ge» ! hen hinter ihm und empfangen auch unser Teil s Freude, die der Frühlingstag in so reicher Fülle i über das Tal ausschüttet. Wie fern, oh Freunde, ist doch heut alles Leid der Welt!— Und dann geschieht es, daß sich das Kind losreißt von der Mutter Hand und ganz nahe Herangehen will an das glitzernde Wasser, um - die spielenden Fischchen zu betrachten oder gar ' das herrliche Spielzeug mit den.Händen zu grei- - fen. Die Mutter mahnt und ruft und will Wetter , gehn, doch das Kind hat einen Fisch gesehen, der , größer ist als alle anderen, der der König aller .; Fische sein mag oder ein verzauberter Märchen- . Prinz, und es schaut und schaut. Und da greift die Mutter hinein in die glitzernde Wunderwell I und reißt das Kind mit hartem Griff vom Ufer t wog,— und schimpft,— und schlägt.— Das Kind bittet und weint und klammert ’ sich an, doch das Recht des Stärkeren triumphiert i auch hier. Da geht es weiter, hilflos und mit un» | endlich traurigem Gesichtchen, über das zwei dicke I Tränen rollen. Es hatte doch nur die Fischchen I sehn wollen. War das so schlimm? Es weiß noch I nicht, daß aller Seelenschmerz der Welt aus Ro« | heit, Haß und Unverstand geboren wird. Die Sonne brennt heiß auf Straße und Mutz. Oh, Freunde, eS ist auch Schmerz in diesem Tall Unsere„Atus"-Länderelf in Norwegen Tschechoslowakei—Nvrrvegerr 4:1(2:0) Mißlungene Hetze des Trainers Bild« König Wir erhalten von der Reiseleitung folgenden Bericht aus Oslo: Nach 36stündiger Bahnfahrt ist unsere Mannschaft in Oslo gut angekommen. In Oslo wurde ihr ein herzlicher Empfang durch führende Genossen bereitet, photographische Aufnahmen gemacht sowie vorzügliche Unterbringung arrangiert. Der erste Tag war unbedingter Ruhetag, denn rm> halb 8 Uhr abends ttaten die Mannschaften zu ihren« Länderkampf— es war also kein Städtespiöl, wie das Telegramm berichtete, d. Red.— an. Ein zwei» tes Spiel folgt in Trammen und am 27. Ium das letzte wieder in Oslo gegen eine Kreismannschaft. Am.gleichen Tag findet in Oslo der Länder» Wettkampf Deutschland gegen Norwegen der Bürgerlichen statt, also.große" Konkurrenz. 4:1 gegen Norwegen Vor 5000 Zuschauern feierte am 19. Juni in Oslo unsere Länderelf ihren bedeutendsten Sieg im internationalen Verkehr. Deutschland, Oesterreich und Rußland wurden in Norwegen geschlagen, dar will viel besagen. Unsere Mannschaft übertraf sich selbst. Ein derart rasches, flaches und fineffenrei- ches hinzulegen, war eine Glanzleistung: ein jeder glänzend auf den anderen abgestimmt, daber aufopfernd, so daß die Norweger vollauf zu tun hatten, um diesen Gegner in Schach zu halten. Unser Auswahlteam erweckte wenig Vertrauen, besonders nach dem Probespiel, aber die Spielleiwng ließ sich nicht täuschen. Sie wußte, was in den Leuten steck! und daß sie dieser schweren Aufgabe gewachsen sind. Nicht klangvolle Namen waren entscheidend für diese Auffassung, sondern die Zweckmäßigkeit der Spiel» weise des Spielers. Einiges Kopfzerbrechen machte die Aufstellung der Halfreihe, vor allem im Mittel« half. Unsere Mannschaft stnelte in folgender Aufstellung: Zienert; Tschorch, Hellmich; Heger, Der- wanger, Fiedler: Günter, Distler l, Schottenhammel, Distler II, Deutsch. Gegen Schluß wurde Heger verletzt, Günter zurückgenommen und Wünsch eingesetzt. Die größte Ucberraschung brachte di« Verteidigung mit dem Tormann. Unüberwindlich und stoßsicher die Halfteihe, die den schwersten Anteil d«s Kampfes zu ttagen hatte und bis zum Schluß rak- kert« und klug ausbaute. Im Sturm wurde das Flügelspiel eingesetzt, glänzend kombiniert und hart geschossen. WiedieTorefielen: 9. Minute: Schottenhammel lenkt einen Ball von links kommend ins Tor, welches wegen Abseits nicht gegeben wird. 21 Minute: Deutsch flankt. Distler ll schiebt zu Schottenhammel, dieser schießt flach in die Ecke ein. In der 22. Minute brennt Günter durch, flankt vors Tor, blitzschnell ist Deutsch zur Stelle und placiett fitzt sein Schuß im Kasten. Drittes Tor: Deutsch ist durchgelaufen, gibt flach zur Mitte und Distler I nimmt in vollem Lauf den Ball auf.. Sein scharfer Schuß ist unhaltbar(10. Minute). Viertes Tor: Wünsch hat sich gut durchgearbeitet, schiebt zu Distler II, dieser umspielt zwei Gegner und schießt über» l«gt ein(42. Minute). Da? Tor der Norweger fiel in der 39. Minute im Anschluß an eine Eck«. Eine Bombe von drei Meter Distanz wird von Zienert noch mit dem Fuß abgewehrj, geht an die Stange und von dort ins Feld. Der Schiri entscheidet aber Tor. Wir waren jedoch zufrieden und gönnt-n ihnen den Erfolg; er war auch verdient, denn Norwegens Mannschaft war gut, fair und rasch. Wer unser flaches und überlegtes Spiel setzt« sie matt. Begeistert nahm das objektive Publikinn den großen Erfölg unserer Mannschaft auf. Es war ein großes und technisch hochstehendes Spiel. Keine Zierde für unsere Republik Z» berichte« wäre noch, daß am Tage deS Spieles von dem in Oslo M(t(enbm tschechischen Fußballspieler und jetzige» Trainer Bild« König(Prag) in dar Press« gegen»«» serc Mannschaftgehetzt wurde. Wir sei«» keine Tschechen, wären nur Urlaubs- reisende und keine Länderelf der Tschechoflowakei. Gegen diesen seine« Herrn wurdr beim tschechoslowakischen Konsulat Beschwerde geführt und die bürgerliche Zeitung wird vom norwegischen Arbeitersportverband ans Geschäftsstörung geklagt Die Volksgemeinschaft des Herrn Gömhös '(b.) Herr Gömbös reformiert seit 30 Monaten das unglückliche Ungarn. Anscheinend sind die Sozialdemokraten, und nicht der Feudalismus und Kartellkapitalismus schuld daran, daß die Schwindelreformen erfolglos bleiben. Daher muß man die Gewerkschaften bestrafen. Sie sollen verschwinden,„weil sie das Elend des Volkes auf dem Gewissen haben". Die Tageschronik liefert täglich Beweise über die volksmörderische Politik Lkr hEschendetk Klassen, ftMkHlchtÄer'Gttvtztk- 'schäften. Am 15. Juni begingen 2 8 Personen in Budapest Selbstmord. An dem darauffolgenden Tage 2 5 Personen. Gömbös bekämpft die Selbstmordepidemie, indem er den Zeitungen verbietet, die Selbstmorde zu registrieren. Und trotzdem— verzeichnet Ungarn in einem Jahr 8000 Selbstmörder. 61 Personen unter 14 Jahren, und 493 Personen über 70 Jahre haben das Paradies deS Gömbös fluchtartig durch Selbstmord verlassen. Ungarn schreitet stolz an der Spitze der Selbstmordstatistik aller Länder der Welt. Schuld an den Selbstmorden tragen scheinbar auch die Gewerkschaften. Bekanntlich werden die Arbeiter von den Getoerkschasten terrorisiert und ausgebeutet, nicht von den Klassengenossen des Herrn Gömbös. Dies wird auch veranschaulicht in der vor einigen Tagen eröffneten volkshygienischen Ausstellung in Budapest. Darauf sieht man in Wort und Bild, wie brüderlich die Volksregierung Gömbös reinrassige Ungarn verkommen läßt. Laut Bildern und Beschreibung der Ausstellung haben Schulkinder am 5. November 1934 nach Kispest(einem Vorort bei Budapest) einen Ausflug unternommen: .Herr Professor, Tante Marie, Dust, Magdie, Vera und Fanny waren auch dabei. Dem Herrn Professor wurde mitgeteilt daß es dort einen verlassenen Ort gibt, welcher von den Behörden nicht beachtet wird. Als wir hinkamen, empfing uns ein erschreckender Anblick. Unglaublich scheinendes Elend, dessen Einzelheiten.ich gar nicht, erzählen kann. Wer dies mit eigenen Augen nicht sah, kann sich darüber keinen Begriff machen. 17 Familien wohnen unter dem Erdboden in, ohne Werkzeug, mit den bloßen Händen ausgegrabenen Gruben, die mit nassen Fetzen voll gehängt sind. ES war gerade nach einem Gewitter. Die Bewohner der Gruben waren lehmig, kotig und trugen in Eimern daS Wasser auS den Gruben. Aus einer Grube schleppte sich eine Mutter, in ihren Armen einen Säugling wagend, dann eine alte, kranke Frau, und noch viele Bewohner der Gruben. Im Laufe deS Gesprächs hat sich herauSgestellt, daß die Männer die Gruben auf Grund erlernter Schützengrabentechnik auSgehoben haben. Wir erfuhren von den Unglüiklichen, daß sie durchwegs delogierte Familien find, die aber jetzt schon aus dem Grunde keine Wohnungen bekommen, weil die Hausherren es wissen, daß die Grubenbewohner in den folgenden Monaten die Miete auch nicht bezahlen werden können.,» Vielleicht sind die hungernden Mitglieder der Gewerkschaften eben Hausherren und zur Strafe für die Grausamkeit gegen Rassenungarn werden sie aufgelöst! Es gibt aber in Ungarn auch Handarbeiter und Kleinlandwirte. In der Zähl von 3 M i l- l i o n e n. Der Handelsminister des Herrn Gömbös, eine Leuchte der Reformgeneration, nannte sie„3 Millionen Bettler". Es Hürde schon bisher verhindert, daß sie Mitglieder der Gewerkschästen werden. Sie sind von dem volkS- verführenden Geist der Gewerkschaften nicht verseucht. In Hodmezovasarhely— der größten Bauernstadt Ungarns— verdienen diese bei den Großgrundbesitzern beschäftigten Landarbeiter 60 und 80 Heller täglich. Noch einmal betont täglich. Aber nur wenn sie Arbeit haben.. Es sind Glückliche darunter, die in manchen Jahren 200 Tage hindurch arbeiten und einen Jahresverdienst von 100, 120 bis 160 Pengö erhalten. Viele finden aber überhaupt keine Arbeit. Es gibt Hunderttausende arbeitslose Landarbeiter. Natürlich ohne Arbeitslosenunterstützung. Das sind die Brüder des Herrn Gömbös, die er zwar in geschwollenen Reden in die Natton einreiht, aber verhungern läßt. Hodmezövasarhelys Bevölkerung zählt 62.000 Köpfe. 70 Prozent des Volkes ist ständig arbeitslos. 90 Prozent der Erdarbeiter finden keine Arbeit. Ein Journalist fragte die verzweifelten Menschen, wie sie unter diesen Umständen das Leben ertragen?„Zum Frühstück essen wir Schwarzbrot, das Mittagessen besteht aus fettloser Taxhonha- suppe, meistens aber nur aus Knoblauchsuppe — die sogenannte Bettlersuppe— mit Schwarzbrot, und zum Abendessen essen wir wieder Schwarzbrot. Speck sieht unsereiner nur in der Auslage der Selcher- I meister." Die Leute sind körperlich so geschwächt, daß man sie in der Sommerarbeitszeit eine Woche lang aufnähren mutz, damtt sie überhaupt cwbeitsfähig werden. Allerdings existiert in Hodmezovasarhely äüch die Textilfabrik der Firma Josef K o k r o n und Sohn. Sie beschäftigt* 1200 Menschen. Im Großteil Frauen, und Kinder. Diese sind gewerkschaftlich auch nicht organisiert. Die Frauen erhalten Stundenlöhne von 4, 6 und 8 Hellern, verdienen monatlich 16 bis 18 Pengö, manche sogar nur 10 Pengö. Die Höchststundcnlöhne des gelernten Schlossers oder Drehers sind 16 bis 24 Heller, d. h. 0.80 bis 1 XL. Der Heizer des BewiebeS begann mit 12 Hellern Stundenlohn seine Karriere und hat eS schon auf 16 Heller hinaufgetrieben. Arbeitet allerdings von 3 Uhr in der Früh bis 8 Uhr abends. Dagegen steckt Herr Eugen Vida, der durchaus nicht reinrassige Generaldirektor der Allgemeinen Kohlen-Akt.-Ges. einen Jahresgehalt von 1,000.000 Pengö ein, der Fürst Eszterhazy besitzt 200.000 Katastraljoch, 382 Großverdiener in Budapest haben ein Einkommen über je 100.000 Pengö in einem Jahr. Alle Grotzkapi- talisten, Großindustriellen und Großgrundbesitzer» zugezählt zu den 3 Millionen Bettlern, nennt man Volksgemeinschaft. Die 10.000 Kapitalisten schivelgen in Wohlstand» die 3 Millionen Bettler hungern. Und weil die sozialdemokratischen Gewerkschaften mit dieser Art der Volksgemeinschaft nicht zufrieden sind und dagegen ankämpfen, werden sie aufgelöst. Wann unterliegen Vorträge von Ausländern dem Gesetz zum Schutz des heimischen Arbeitsmarktes? Eine interessante Entscheidung deS LrrwaltnngSoatrS*/ Prag. Mit einer interessanten Streitfrage hatte sich ein Senat des Obersten Verwaltungsgerichtes unter Vorsitz des Senatspräsidenten Chlich zu befassen. Der Jägerndorfer Rechtsanwalt Dr. Emil Daninger war von dem dortigen Komis- sariat der Staatspolizei mit einer Polizei-, strafe von fünfzig K ü wegen Ueber-* tretung des Gesetzes zum Schutz des heimischen Arbeitsmarktes(vom 18. März 1928, Zahl 89) belegt worden, weil er ohne Bewilligung der zuständigen Landesbehorde in Brünn, Ausländer beschäftigt habe, Dr. Daninger war seinerzeit Vorsitzender des. Jägerndorfer Ort'sbildungsausschusses und hatte in dieser Eigenschaft zwei reichsdeutsche Staatsangehörige zu Borttägen engagiert, die von dieser Bildungsinstitution regelmäßig veranstaltet werden. Der eine der engagierten Vortragenden war ein gewisser Karl S p i n d l e r, der zweite der bekannte General von Lettow-Vorbeck, der im Weltkrieg die deutschen Kolonialtruppen in Afrika komman- dierte. Das Jägerndorfer Polizeikommissariat erblickt« in diesen Engagements von Ausländern eine Verletzung des zitierten Gesetzes und stellte sich auf den Standpunkt, daß auch solch« einmalige Beschäftigungen von Ausländern, wie sie derarttge Engagements darstellen, die Genehmigung der zuständige» Landesbehorde voraussetze. Dr. Daninger legte Be- rufung ein und die Brünner Landesbehörde bestätigte in zweiter Instanz das Erkenntnis des Jägerndorfer Kommissariates. Nun erhob dec Gemaßregelte die Beschwerde beim Obersten Verwaltungsgericht, in der er sich u. a. darauf berief, daß Genehmigungen der Landesbehörden nur für solche Beschäftigungen von Ausländern vorgeschrieben seien, die der Gewerbeordnung, dem Handlungsgehilfengesetz odex der Gesindeordnung unterliegen. DaS Oberste Verwaltungsgericht hat. nun die angefochtene Entscheidung zwar aufgehoben, aber im Wesen die Anschauung der beiden Verwaltungsi n st anzen voll anerkannt. Es sei zwar richttg— so heißt eS in der Begründung deS derwaltungSgerichtlichen Erkenntnisses — daß der erste Absatz deS§ 8 des Gesetzes zum Schutz des ArbeitSmarkieS von^.Arbeitern, Ange- non stellten, Handlungsgehilfen und in höheren Dienste»-, aj stehenden Angestellten" und von.Lehrlingen, Volontären und Praktikanten" spreche. Aus dieser Bestimmung könne aber noch nicht gefolgert werden, daß bei Auslegung dieses Gesetzes nur solche Tätigkeiten zu verstehen seien, die der G e Werbeordnung, dem HandlungSgehtl- fengesetz und der Gesindeordmung unterliegen, umsomehr, als der zweite Absatz deS 8 8, der die diesem Gesetz unterliegenden Kategorien definiert, eine solch« Einschränkung nicht enthält. DaS Oberste BrrwaltungSgericht stellt als» den Grundsatz auf, daß auch bloße Vottrags- engagementS von Ausländern der Genehmiguug der zuständigen LandrSbehörde unterliege», aber nur dann— und dies ist sehr wichtig— wenn die Vortragenden ausschließlich oder zum überwiegenden Teil ihren Erwerb aus solcher Bor- tragStättgkeit schöpfen. Demnach dürfte etwa ein ausländischer Wissenschaftler, Techniker, Literat, Künstler usw., der nicht .ausschließlich oder zum überwiegenden Teil" von seiner Vorttagstättgkeit lebt ohne weiteres als Vortragender gewonnen werden. Andernfalls ist nach dieser Entscheidung die Bewilligung der LandeS- behörde einzuholen. Da im vorliegenden Fall die' entscheidenden Organe nicht festgestellt hatten, ob die beiden genannten Reichsdeutschen ihre Haupterwerbsquelle in ihrer Vortragstätigkeit sehen—« und bloß deshalb— hob daS LLerste Verwaltungsgericht die angefochtene Entscheidung auf« Im Einzelfall dürfte freilich die Entscheidung der Kardinalfrage nicht ganz leicht sein. Wenn etwa ein von den diversen Diktaturen verjagter ausländischer Wissenschaftler im Rahmen einer hiesigen Institution einen Vorttag hält, könnten immerhin gewisse Kreise einen erwünschten Borwand zur Denunziation finden und gewisse Bürokraten einen Grund zum„Einschreiten". Deshalb sei auf die bemerkenswette Entscheidung des Obersten Berwal- tungSgerichteS aufmerksam gemacht. rb.■ Wann reift die Saat Von Marti« Grill Lichtdurchfloffen Busch«nd Hain, Blauer Himmel, Sonnenschein. Golden lacht der Sommertag, Kinder spielen froh im Haag. Rur ein leichter Blütendvft zittert leise durch die Luft. MittagSwind geht durch daS Land; Felder glüh» im Sonnenbrand. In die Halme schoß dir Saat: Bald blitzt Sichel btt der Mahd. Leis die Frage ich gestellt: Wann rttft uns die Saat der Welt? Sette B Sozialdemokrat" Mittwoch, 26. Juni 1835. Nr. 148 Behördliche Schikanierung von Emigranten Wer den Geschäftsbericht des Salda-Koenitees Vom Vorjahre zur Hand nahm, konnte zu seiner Freude lesen, wie hoffnungsvoll sich daS in einem Trakte des Msecer Schlosses untergebrachte Emigrantenkollektiv entwickelte. Daß sich die Emigranten in Msec im ganzen wohlfühlten, bewiesen auch die Berichte der Journalisten, die Msec im Frühjahr besuchten. Hierin ist ein Umschwung eingetreten. Das gesamte Kollektiv leidet unter der Behandlung durch die lokalen Behörden, die fich in ihrem Vorgehen gegen die Emigranten von jeder fascistischen Einflüsterung leiten lasten. Die Rechtspresse der Schlauer Gegend behauptet, daß die Emigranten den Schlosspark verwildern lassen, in Wirklichkeit wird der Park, um den seit 1919 sich niemand bekümmerte, von ihnen seit ihrer Anwesenheit gepflegt. Oder: daß zufällig in einem Hause, aus dem zwei Emigranten — natürlich mit Wissen des Eigentümers— eine Bettstelle geholt hatten, ein Einbruch veriM worden war, brachte die Msecer auf die Idee, die Emigranten mit dem Einbruch in Zusammenhang zu bringen! Weiter! Der klägliche Zusammenbruch der gegen die antifascistischen Emigranten inszenierten Affären und das klare Ergebnis der Untersuchungen, daß niemand von den Msecer Emigranten mit Politik beschäftigt, hat die Gendarmerie nicht gehindert, ein wahres Konzentrationslagerregime in Msec einzurichten. Den ganzen Tag steht ein Gendarmerieposten vor dem Schlosse, der jeden Eintretenden visitiert. Jeder Emigrant, der das Lager auch nur für kurze Zeit verlassen will, muss sich beim Posten um einen Erlaubnisschein melden. Um zehn Uhr abends wird das Lager abgesperrt. Abgesehen von den Gefühlen, die derartige Massnahmen zeugen, liegt der Gedanke nahe, ob die Mittel, die eine derartige„Fürsorge" verschlingen, nicht besser der Ernährung und Bekleidung der Emigranten zugeführr werden sollten. • Man sollte meinen, dass die Polizeiorgane der Hauptstadt, dre mit Emigranten in Berührung kommen, die Probleme der antifascistischen Emigration anderswo aufnehmen, als im„Poledni list". Dass dem nicht so ist, beweisen Vorgänge bei den in letzter Zeit knapp nacheinander vorgenommenen Durchsuchungen im Emigrantenguartier in der Kroki n o va. Die Polizeibeamten, die zu einer Stunde kamen, in der die Emigranten ebenso, wie wohl die meisten übrigen Einwohner Prags, in ihren Betten lagen, begnügten sich nicht mit der blossen Kontrolle der Anmeldungen und Papiere, sondern sic bekundeten lebhaftes Interesse für den Emigrationsgrund. Allerdings mehr Interesse als Verständnis: Von einigen jungen Emigranten, die nicht gleich wussten, was los war und nicht schnell genug ihre Betten verliessen, behaupteten fie, diese Burschen seien zu faul zum Arbeiten, sonst wären sie in Deutschland. Man könnte diesen Beamten nur wärmstens empfehlen, sich über die Vorgänge in Deutschland seit Feber 1933 nachträglich zu informieren. Dr. G. Pollack. Schutz der Prager Bevölkerung gegen Fliegerangriffe „ In den letzten Tagen fand im Altstädter Rathaus unter dem Vorsitze des ersten Stellvertreters des Primators, Dr. Sima. eine Konferenz der Vorsitzenden der Kommissionen des Ausschusses für den Schutz der Bevölkerung Gross-Prags gegen Fliegerangriffe statt, in welcher in erster Reihe die Berichte über die bisherige Tätigkeit und die vorbereitenden Arbeiten der einzelnen Kommissionen zur Kenntnis genommen wurden. Einmütig wurde die Notwendigkeit anerkannt, sofort an die praktische Durchführung des Fliegerabwehrschutzes zu treten, und es wurde beschlossen, mit einem Aufwande von etwa 100.090 KL für den ersten öffentlichen Unterstand die Kellerräumlichkeiten in Nr. 956 in Prag I.(MasnL krämy) zu adaptieren. Sämtliche Exekutivorgane werden in fachtechnischen Kursen in beschleunigter Weise ausgebildet werden. Es wurde befchloffen, mit einem Aufwande von 40.000 KL vorläufig für zwei Assanierungsabteilungen von je acht Mann die notwendige Ausrüstung anzukaufen. Die ärztliche Samariterkommission bereitet die Pläne für die Errichtung eines Krankenhauses für erste Hilfe unter dem Altstädter Rathause vor: Die Staatsbehörden werden auf den unerlässlichen und raschen Ausbau einiger Ausfallstrassen aus Prag aufmerksam gemacht werden. Es wurde beschlossen, die Regierung um beschleunigte Herausgabe der Durchführungsvorschristen zum Gesetze «über Flieger-Schutz und Flieger-Abwehr vom 11. April 1935, Nr. 82 Slg. d. G. u. V. zu ersuchen. Mehr Hygiene in den Vororten! Man schreibt unS: Warum wird in den Hauptstrassen der Innenstadt, die weit weniger Wohnbezirke sind als die äusseren Stadtteile, viel mehr Wasser gespritzt als in den dichtbesiedelten Randgebieten? Die Staubentwicklung ist doch in Vororten wie Karlin, ZiZkov uiw, wo in den Häusern, die währe ZinZkasernen sind, bis zu 50 und 60 Mietparteien wohnen, naturgemäss weit stärker und lästiger als in der Innenstadt. Auch funktioniert die Strassenreinigung in den Vororten längst nicht so exakt wie im Zentrum Weshalb? Hier müsste umgehend Abhilfe geschaffen werden. Mißbrauch der weiße« Blindenstöcke. Bor vier Jahren wurden als Kennzeichen für Blinde zwecks Erhöhung ihrer Sicherheit auf frequentierten Strassen in Prag weisse Stöcke eingeführt. Diese Neuheit hat sich eingelebt und gut bewährt. In letzter Zeit mehren sich jedoch Beschwerden aus Kreisen de: Blinden, daß die weißen Stöcke von Sehenden bei Bettelei oder beim Verkauf verschiedener Waren mißbraucht werden. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die weissen Stöcke, die die tschechoslowakische Zentralblindenfürsorge in Prag nur tatsächlichen Blinden nach ärztlicher Untersuchung auS- gibt, mit einem ovalen Metallplättchen mit einer Evidenznummer und der Überschrift^„Tschechoslowakische Zentral« Blindenfürsorge" versehen sind. Ihre Besitzer können den Kontrollorganen eine Legitimation mit Photographien zum Beweise, daß sie zum Tragen der Stöcke herechtigt sind, vorlegen.— Neue weiße Stöcke mit Begleitscheinen folgt und beschädigte tauscht aus die Zentrakblindenfüvsorge in Prag IV., LoretanjkL näm.2. Karambolage. Gestern nach 11 Uhr vormittags fuhr ein Motorwagen der 21er-Linie, den der Kondukteur Panek lenkte, durch die PodLbrader Strasse in ZiZkov nach Prag, als er vor dem Hause Nr. 1691 gegen das vom Besitzer einer Autowerkitätte, Jaroslav Kodak auS Vysocany, gelenkte Personenauto P—21.103 stiess und es gegen das Fuhrwerk des 51- jährigen Kutscher Josef Voboruy aus Holleschowltz schleuderte, das in entgegengesetzter Richtung kam. Der Kutscher wurde zwischen der Eleftrischen und seinem Fuhrwerk etwa acht Meter weit geschleift, erlitt jedoch nur eine leichte Verletzung an der reckten Hand. Sonst wurden außer dem Auto Kovars weder Personen, noch Sachen beschädigt. Der Verkehr am Katholikentag. Am 26. Juni, dem Tage der Ankunft deS päpstlichen Legaten, Kardinal Verdier, sind von hach 4 Uhr nachmittags an sämtliche Straßen und Plätze, durch die der Festzug gehen wird, also Bolzanogasse, Wenzelsplatz, Nationalstraße, Masarhkkai, Karolina-Svttla-Gasse Kreuzherrengasse, Karlsbrücke, Kleinseitner Platz, Nerudagasse und Hradschiner Platz bis zur Beendigung des Festzuges für sämtlichen Verkehr gesperrt. Die Standplätze der Miet- und.Privatautos am Wenzelsplatz müssen bis halb 4 Uhr geräumt sein. Am 29. Juni wird der Wenzelsplatz um 6 Uhr nachmittags für sämtlichen Verkehr gesperrt und geräumt. Ebenso wird die Museumsrampe und das Trottoir von der Smetsc^agasse zum Museum geräumt, da es für Personen mit Ehrenkarten reserviert ist. Die„Würdenträger" kommen im Auto durch die Krakauergaffe an, wo sie aussteigen und sich zu Fuss auf die für sie reservierten Plätze begeben. Daher wird ab%8 Uhr auch die Krakau e.rgassege- sperrt und geräumt. Zugang zum Wilsonbahuhof. Da bei der Ankunft des päpstlichen Legaten, Kardinals Verhicr. zu erwarten steht, daß das Publikum den Raum Mischin dem Wilson-Babuhof und dem Museum besetze« wird und von dieser Seite her für die Prag verlassenden Reisenden der Zugang zum Bahnhof erschwert sein wird, wird dem Publikum empfohlen, am Mittwoch, dem 26. Juni, seinen Weg zu den den Wilson-Bahnhof verlassenden Zügen um die 16. Stunde herum so einzurichten. dass es bei der unterbrochenen Frequenz in dem erwähnten Abschnitte der Hooverova tiida entweder durch den Park gebt oder die Lützawova ulice benützt, um rechtzeitig zu den Kassen und zu den Zügen zu gelangen.(Präsidium des Eisenbahn-Ministeriums, l JCiifl&t und Msscit Zusammenarbeit tschechischer und deutscher Theaterkünstler. Montag fand in Prag die erste freundschaftliche Zusammenkunft tschechischer und deutscher Bühnenkünstler der Tschechoslowakei statt. Die einstimmig gewählten Vertreter beider Nationalitäten wurden mit der Ausarbeitung einer Grundlage für die Zusammenarbeit an den gemeinsamen Interessen betraut. Spielpla« d«S Reuen Deutsche« Theaters. Mittwoch: geschlossen.,— Donnerstag 8: C enodo- x u S,'(Anläßlich des Katholikentages, Abonnement aufgehoben.)— Freitag 8: Feierlicher deutscher Eröffnungsabend des.Katholikentages", (Abonnement aufgehoben.)— Samstag halb 8: Cenodoxus,(Abonn. aufgehöben, abends geschlossen!)— Sonntag 8: Cenodoxus, (Abonnement aufgehoben.) Die Sommerspielzeit auf der Kleine« Bühne bringt ab Montag, den 1. Juli, unter Leitung von Dr. A. Hohenberg als erstes Gastspiel„Die gestohlene Revue" in der.vollständigen Wiener Besetzung(24 Mitwirkende) und Ausstattung. Hauptdarsteller: Fritz Grünbaum— Karl Farkas. Beginn täglich 8 Uhr. Preise 10 bis 45 KL. Vorverkauf: Deutsches Haus, M. Truhlak. DsrDkw Goebbels-Lektüre Der reichsdeutsche Film„Der Fluch der Frauen vom Tannhof" ist die Verfilmung eines Ganghofer-Romans. nicht die erste, die unter Goebbels' Protektorat stattgefunden hat— und gewiß auch nicht die letzte. Denn der verstorbene— und eigentlich schon verschollene Wilhelms- nisch-bahrische Erzähler Ludwig Ganghofer hat mehr geschrieben als irgend jemand lesen kann, und da er bodenständig beschränkten. derb duftenden Kitsch von abergläubischen und trotzigen Leuten „aus dem Volke" geschrieben hat, eignet er sich für daS geistige und künstlerische Niveau des Goebbels- Films vorzüglüh. Das beste an den Ganghofer- Verfilmungen sind natürlich immer, die Aufnahmen aus den bayrischen Bergen,— aber gerccke diese Naturaufnahmen machen die.Einfalt und Plumpheit der Handlungen doppelt deutlich, besonders dann, wenn sie von so aufdringlich unnatürlichen Darstellern wie Ursula Grabley und Erich Klein- Rogge gemimt werden. Aber da man im Goebbels-Film ja schließlich nicht immer nur Ganghofer verfilmen kann und seine.Geistesverwandten in der. deutschen Literatur noch nicht entdeckt zu haben scheint(denn die Nazis lesen anscheinend nicht einmal Gustav Frenssen und Rudolf Herzog), so ergänzt man die bodenständig bayrische Lätüre durch Abenteuerschund ausländischer Herkunft— und verfilmt den verstorbenen Wallace.„Der Doppelgänger" heißt das Werk, das so entstanden ist, und sein Inhalt, Wert und Witz entspricht vollkommen seinem Titel. Auch vom Niveau der Darstellung braucht nun nichts weiter zu sagen als daß der„Schwerenöter" Georg Alexander und die faden Pseudo-Stars Camilla Horn und Gerda Maurus in den Hauptrollen beschäftigt sind. Es ist ein Trost(wenn auch ein schwacher), daß unter den Dutzenden Prager Kinos,' die ihre Sommerspielzeit mit solchen Zeugnissen hakenkreuz- lerischer Kunst ausfüllen, ein einzige» wenigstens einen anständigen deutschen Film von ehedem spielt: die von Ophüls verfilmte„Liebelei" Arthur Schnitzlers.—eis— Gustav Dießl ist der Hauptdarsteller in dem Film von Professor DyhrenfurthS Himalaja-Expedition„Der Dämon de» Himalaja"« üu& dec Partei' Helfer zur Freidenkertagung! Donnerstag, den 27. Juni, um 7 Uhr abends findet im Parteiheim. Närodni 4, neuerlich eine Besprechung der Helfer und Führer zu dieser Tagung statt. Auch die Funktionäre der eingeladenen Vereine werden um Anwesenheit gebeten. In Prag werden einige tausend deutsche Teilnehmer erwartet. Die freiheitlichen Einwohner von Prag haben die Pflicht, sich helfend zur Verfügung zu stellen. Die Vollversammlung der Helfer und Führer findet.nächste Woche statt und wird in diesem Blatt noch angezeigt werden. Sozialistische Jugend, KreiS Prag. Heute, 8 Uhr abends, Gruppenabende: S.J. Zentrum: Planwirtschaft. S. I. 1 Holleschowitz: Heimeckeno. S.J. Weinberge: Planwirtschaft. S-P.D.— Emigranten! Donnerstag, 27. Juni nachmittags 5 Uhr, im Parteiheim Närodni 4, Arbeitsgemeinschaft/ Referat über.^Letzte Ereignisse in der Außenpolitik".: Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Donnerstag, den 27. Juni, findet im Cafä Metro (Klubzimmer) um 20 Uhr eine wichtige Mitgliederversammlung statt. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 8port-8piek-ALrßerpskgr Betrachtungen zu einem kommunistischen Sportfest in Prag Sagenhafte„500 BtuS-Sportter aus Reichenberg" Am Sonntag fand auf dem Sportplatz de» bürgerlichen DFC ein kommunistisches Sportfest mitz Schaururnen, Leichtathletik und viel Reden statt. Die kommunistische Presse macht selbstverständlich viel. Aufheben» davon, schreckt von 15.000 Zuschauern und von— 500 Atus-Sportlern aus Reichenberg. Bei beiden Ziffern bleibt einem die Spucke weg! Erstens einmal waren die 15.000 Zuschauer nicht da; wenn es schon 10.000 gewesen sind, würde das vielleicht eher stimmen. Zweitens, und das ist für un» das wichtigste: Wo kommen denn die„5 0 0 AtuS-Lente aus Reichenberg" her? Unseres Wissens gibt eS in Reichenberg keine 500 AtuS-Sportler und wenn wir das ganze Reichen-1 beiger Kreisgebiet abgrasen würden, dann könnten 1 wir wohl 500 Atus-Sportler mustern— aber n icht I die Kommunisten. Vielleicht meinen sie die„Oppo",» die vor Jahren im Atus die Spaltung besorgte. Da 1 stimmt wieder die Rechnung nicht, denn damals hat 1 man wohl dem Atus annähernd tausend Mitglieder I „abgespaltet", aber die find ja längst nicht mehr in I der kommunistischen Sportbewegung zur Gänze tättg. 1 Jedoch wer wird das so genau nehmen,«s liest sich« so schön und man imponiert und kann auf so etwa» fj wie„Einheitsfront" Hinweisen. Wie lange wollen U die Kommunisten denn mit d i e 1 16.6 Sek.; 400 Meter Hürden: Berndt,(Reichen« D berg) 58.1 Sek.; 4X100 Meter: Reichenberger SK 1 45.2 Sek.; 8X1000 Meter: VfK Lickositz 8:04.7 J Min.; Hochsprung: Pallischek(Brünn) 1.70 Meter; 1 Weiterung: Renner(Lobositz) 6.27 Meter; Drei« 4 sprung: Kickernatsck(Prag) 12.88 Meter; Stab« J hoch: Hausner(Lobositz) 3.10 Meter; Kugel: SBöhm g (Brünn) 13.77 Meter; Diskus: Stöhr(Prag) 1 36.25 Meter; Speer: Wolf(Reichenberg) 47.80| Meter; Hammer: Böhm 28.68 Meter.— In der* VereinSwertung siegte Reichenberaer SK mit 90 vor J Lobositz 65.5, TV Brünn 28, DEHG Prag 26.5 j Punkte. Filme In Prager Lichtspielhäusern bis Donnerstag, den 27. Juni. Adria:„Abend um 8." A.— John Barry«■ more.— Alfa:„Der Dämon des Himalaja." D. i — Avion:„Ihr Toreador." A.— Eddie Cantor, — Veranek:„Die blonde Venus." A.— Marlene*' Dietrich.— Flora:„Jennie Gerhardt." A.— Syl«' via Sidney.— Julis:„Moskauer Nächte." F.—■; Annabella. H. Baur.— Kinema: Journale, Gro- tesken. Reportage(ab halb 2— halb 10.)— Komma:„Der Stern des Westens." A.— Ko tun: „Mädchen von Moulin Rouge." A.— Lucerna: „Mädchen von Moulin Rouge."— Metro:„Der gestohlene Millionär." Fr.— Olympic:„Der Filmfanatiker." A.— Harold Lloyd.— Praha: „Die Liebelei." D.— Radio:„Die blonde VenuS." A.— Marlene Dietrich.— Skaut:„Bachstelze." Sportkinderwagen (möglichst gut erhalten), gesucht. Angebote unter■ „Emigrant" a. d. Expedition des„Sozialdemokrat". Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS HmtS oder ber Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96— gangährrg KL 192.—.— Inserate werden taut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt Nur bei Einsendung der Äetourmarken.— Die ZeitunaSftankatur wurde vor der Poft« und T-le- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrliS". Druck«. Verlags« und ZeitungS-A.-G. Prag.