Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«2. Telefon 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IH DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Freitag, 28. Juni 1935 Nr. 150 Henleins Weg führt in die Katastrophe Genosse Jaksch rechnet mit den politischen Inflationssewlnnern ab Hirtenflöte statt Kriegs- trompete zur Tagung der tschechoslowakischen Industrie Auf die tschechoslowakischen Industriellen ist, wie der Bericht über ihre Tagung'in Prag am 25. Juni ßeigt, der Ausgang der! Wahlen nicht ohne Einfluß geblieben. Klug, wie ihr Führer Herr Dr. Preiß ist, hat er in seinem Referat der Tatsache Regung getragen, daß die tschechoslowakische Demokratie siegreich und ungeschtvächt aus der Wahlschlacht zurückgekehrt ist. Hätte das „Närodni sjednoceni", dessen Wahlfonds die tschechischen Industriellen reichlich gespeist haben, statt siebzehn siebenunddreißig Mandate heimgeholt, hätte Herr Dr. Preiß mächtig ins Kriegshorn zum Kampfe gegen den Sozialismus geblasen. So aber sind es sanfte Flötentöne, wenn wir von dem Machthaber des tschechischen Finanzkapitals hören, man müsse„einer möglichst großen Zahl von Mitbürgern Beschäftigung bieten... bei Respektierung der Bedürfnisse aller Ständeundaller K l a s s e n". Es ist gar nicht so lange her, da ist Herr Dr. Preiß aus Deutschland zurückgekehrt, voll Bewunderung für die Zustände im Dritten Reiche. Das' war freilich vyr den Wahlen. Nachdem aber die Landsleute d<^s Generaldirektors der Zivnobank, Stkibrnh eine solche Absage erteilten, daß dieser mit großem Schwünge aus dem Parlament hin- ausgeflogen ist, befreundet sich Herr^r. Preiß auch mit der Verfassung der Republik und teilt den Industriellen mit, daß es„auch in der Demo» tratie möglich"-sei-,„einen organisierten Ausgleich der Interessen aller Schichten des Wirtschaftslebens anzustreben." So haben also die Wahlen dein»Generalgewaltigen der tschechoslowakischen Industrie demokratische Auffassungen»ingepaukt, die tschechischen Wähler haben sich als gute Lehrmeister erwiesen. Menn Herr Preiß statt der Kriegstrompete die Hirtenflöte bläst, kann sein deutscher Kollege, der Settenzer Glasindustrielle Max M ü h I i g, auch nur in Moll spielen., Herr Mühlig ist ein sonst sachlicher Wirtschaftspolitiker und was er über die Arbeitslosigkeit im deutschen Siedlungsgebiete gesagt hat, ist durchaus richtig. Aber er hätte, wenn Stkibrnh einen solchen Ersatz errungen hätte w«e Henlein, auch Wohl anders gesprochen. So aber hat er ein Loblied auf den„Fleiß und die Geschicklichkeit unserer Arbeiter, das Pflichtgefühl und die Tüchtigkeit unserer Beamten" angestimmt, wie man es aus Unternehmer- juunbe selten härt. So weit, so gut und Herr Mühlig hat abermals erwiesen, daß er ein bedächtiger Mann und kein Heißsporn ist. Gerade deswegen möchten wir mit dem sude- txndeutschen Glasindustriellen sachlich polemisieren, und zwax dor*. wo er die geringe Machtstellung der Industrie beklagt. Daran sind die Herren Industriellen leibst schuld.. Die tschechischen Unternehmer haben ibre Sache auf das„Närodni sjednoceni", die deutschen auf die Sudetendeutsche Partei gestellt—- naturgemäß ist ange- - sichts der Tatsache, daß w-der Stkibrnh noch Hen- leig in der Regierung sind,,„die Machtstellung der Industrie gering". Di- Herren. Fabrikanten wollten die ganze Macht, die Totalität, sie verschmähten den Spatz ip der Hand, die Taube ist ihnen davongeflogen und jetzt stehen sie da. Jetzt jammert und, klagt Herr Müblig, daß„Angriff« äuch nicht vor Männern Hält gemacht haben, deren Verdiente um Staat und Wirtschaft Unbestritten sind." Meint Herr Mühlig da etwa die Angriffe, welche die deutsche Sozialdemokratie im Wahlkampf— m Versammlungen und i» der Presse— auf Herrn Doderer gerichtet hat,^>e» für die Hen- lcinfront 800.000 Kö gesammelt bat? Bestehest die„unbestrittenen Verdienste" des Herrn Doderer etwa darin, daß er tausende Rotbauer Arbeiter ums Brot gebracht hat? Ueber diese Dinge sollte Herr Mühlig nicht reden, wenn er der fachliche Kampfgegner bleiben will, der.er sich bemüht zu sein. Er sollte ein wenig selbstkritisch sein und daran denken, daß die sudetendeutschen Industriellen nicht ganz unschuldige Lämmer sind und daß ihre hervorragendsten Leistungen als organi- siertck Unternehmer im Kampf gegen die Arbeiter bestehen, wie es die sudetendeutschen Textilindu- striellen vor kurzem bewiesen haben, die mit den freien Gewerkschaften nicht verhandeln wollten— weil Herr Henlein 44 Abgeordnete hat. Prag. Parlaments-Debatten sind nicht immer ein Maßstab des innerpolitischen Geschehens, aller ihr Verlauf gibt manchen wertvollen Aufschlm? über die geistige Ausrüstung und Schlagfertigkeit der politischen Bewegungen. Bor dem unkritischen Forum bunt zusammengesetzter Volksversammlungen, vor gedrillten Heilschrciern haben die Unterführer der Sudctendeutschen Partei während des Wahlkampfes so manchen Triumph gefeiert. Auf dem Boden des Parlaments aber, wo sie Aug in Aug mit den Gegnern antrrten müffen, haben sie recht bescheidene Nollen gespielt. Als Genosse I a k s ch Mittwoch die Tribüne des Hauses betrat, um mit den Herren F r ank I und S a n d n e r abzurechnen, bemühten sich dir Mannen Henleins anfänglich, so etwas wie überlegene Ruhe zur Schau zu tragen. Bald aber war es mit ihrer berühmten„Disziplin" dahin und sie begleiteten die Ausführungen unseres Redners mit wahren Wutausbrüchen. Die Genossen unserer Fraktion, vor allem Katz, Z i s ch k a, H reger und De Wi^te, blieben ihnen aber keinen Zwischenruf schuldig. Der präsidierende Vorsitzende Genosse T a u b hatte genug damit zu tun, die Glocke zu schwingen und zur Ordnung zu mahnen. Trotz allem Gebrüll der loyalsten Sudr- tendentschen war es nicht möglich, die wuchtig« Adrrchnung zu stören oder«dzuschwächen, die Genosse fatsch an ihnen vor einem anßerordent- lich zahlreiche» und aufmerksamen Auditorium vollzog. Genosse J^ksch begrenzte sein« Aufgabe dahin, zu d«n Debattcredne.ru kritisch Stellung zu nehmen und die strittigen Fragenkomplexe'klarzustellen. Eine Feststellung vornweg: das sudetendeutsche Wunder, welches die Wähler von der Hen- leinpartei erwarteten, ist auSgeblieben. Wer sich von dem ersten Auftreten dieser, Partei etwas ReueS, Gewaltiges, noch nie DagewefeneS erhoffte, der hat vergebens zugehört. Ich will kein Werturteil fällen, aber ein Lodgman, ein Knirsch, ein Jung, ja sogar ein K a l l i n a haben di« deutschbürgerliche und nationalsozialistische Opposition keineswegs schlechter, bestimmt aber würdiger hier vertreten. Wenn Herr Sandner meint, das sudetendeutsche Problem sei hier in diesem Hause noch nie so. richtig aufgerollt worden, so spricht daraus ein« bewundernswerte Großzügigkeit derSelb.st- e i n s ch ä tz u n g, aber auch ein Mangel an politisch-historischem Verständnis. Di«, sudetendeutfche Frag« ist hier keineswegs zum ersten Male erörtert worden, hier geht es aber nicht um eine deklamatorische Aufgabe, sondern um die Beeinflussung eines Entwicklungsprozesses. Ajs im Jahre 1920,die deutschen Parteien dieser Haus betraten, da stand dzwischen'ihnen und den Tschechen das politische Kriegserlebnis und die verschiedenartigen Revolutionserlebnisse. Es wär deutsche Volkspolitik im besten Sinne des Wortes, an der Niederreißung dieser ideologischen und gefühlsmäßigen Schranken zu arbeiten. In. den Jahren unserer Zusammenarbeit mit der tschechischen Bruderpartei und den demokratischen Parteien der anderen Seite haben wir tausendfache Brücken geschlagen von Volk zu Volk. Diese hartx. Pionierarbeit mußte geleistet werden und wir haben ihr unser« besten Kräfte und unsere besten Männer hingeopfert. Wen« Sie nun, wie«S gestern Herr Sandner tat, alle Passivposten der nationalen Zusammenarbeit summieren, um eine möglichst ' hohe Schuldsumme des deutschen Aktivismus und der' tschechischen Gesamtpolitik heranszubringen, dann befolgen Sie nur die absolut sterile Methode deS deutschbürgrrlichen Negativismus, schwächen aber auch die Stoßkraft der b e r e ch- t i g t r n deutschen Beschwerden, die wir vor Ihnen schon hundertmal in diesem Hause vertreten haben! Das Mindeste, das wir von der neuen Be- wegeung verlangen, ist eine realistische Auffassung des sudetendeutschen Schicksals, eine rea- l i st i s ch e Formulierung der sudetendeutschen Forderungen. Wir haben die These vertreten, daß die .primären Ursachen der sudctendeutschen Not die Weltkrise, die Störungen in der europäischen Wirtschaft sind. Ihr von der andere« Seite habet die Hauptschuld auf die tschechische Staatspolitik seit dem Kriege gewälzt. Ich war die ganze Zeit neugierig, ob diese■ kühne These auch hier von dieser Tribüne aus Aug in Aug mit den anderen vertreten werden wird. Herr Sandner hat auch richtig gestern hier bereiterklärt, die Ursachen des sozialen Zusammenbruches im deutschen Gebiete lagen idjf_auSschIieß-' l i ch" bei der Wirtschaftskrise. Auch Herr Frank hat..in seiner Erklärung einen großen Schritt zu unserer Auffassung hin getan, in dem er sagte, das Wirtschafts- und Arbeitslosenproblem sei nicht von der inneren staatlichen Entwicklung allein abhängig. Man ist also in sehr kurzer Zeit von'großen Worten bei sehr nüchternen Tstt tsachen angelangt, ohne daraus allerdings die notwendigen politischen Folgerungen zu ziehen! Es klingt grotesk, wenn Herr Frank hier die Erweiterung des Handelsvolumens mit Deutschland verlangt, ohne gleichzeitig die Erweiterung des deutschen Zahlungsvolumens zu fordern. Die Herren sollten doch nicht die primitive Tatsache übersehen, daß unser Handel mit Deutschland stockt, we.iluns Deutschland die Zahlung schuldig bleibt. Ebenso ist es mit der Behauptung des Herrn S.a n d n e r hestellt, daß die tschechoslowakische Staatspolitik die wcstböhmischen Kurorte zugrunde gerichter hat. Wenn es Europa schlecht geht, dann spüren das eben auch die Kurorte; de« schwersten Schlag hat aber unseren Kurorte« die Devisenwirtschaft des' Herrn Schacht versetzt. Der Tschechoslowake kann nach Deutschland 1000 Kt mitnehmen, der Reichsdeutsche in die§SR. nur 10 Mark. Da wissen wir schon, wer an der Unterbindung des Fremdenverkehrs schuld istl Sie(an die Henleinleute gewendet) habdn keine Ursache, sich hier als unbezahlte oder vielleicht auch als bezahlte Fürsprecher des Herrn Schacht aufzuspielen l Die Sudetendeutsche Partei schöpft ihre Daseinsberechtigung auS einer grundsätzlich falschen Formulierung deS sudetendeutschen Problems, Hätte Herr Sandner in feiner Darstellung den Tatsachen Raum gelassen, so hätte er z« einer ganz anderen Formulierung der su- detendeutschen Probleme kommen müffen: daß nämlich die grundsätzliche Ursache der sudetendeutschen Rot ein Produkt des gesamteuropäischen BerfalleSist. Nach dem geschichtslosen Dasein im Feudalismus haben sich die Sudetendeutschen politisch, sozial und kulturell ihre Positionen- mit dem Aufblühen ihrer Industrie errungen. Heute in einer Zeit der autarken nationalen Wirtschaften und des Strukturwaydels der Weltwirtschaft häng: das Dasein unseres Jndustrievolkes an einem dünnen Faden. Diese Tragik verpflichtet jeden, der hier als Vertreter dieses Volkes das Wort ergreift» zu ernster Sachlichkeit. Die Sudetendeutfche Partei mit Konrad Henlein an der Spitze, hat sich aber als die politische Jnflationsgewinnerm der sudc- tendeutschen Not etabliert! Sie meine Herren, rühmen sich eines großen Sieges, aber die Mittel dieses Sieges mahnen zur Bescheidenheit. Sie haben alle Erscheinungen einer großen Entwicklungsepoche, die Industrialisierung der Agrarländer, die Rationalisierung, die Konzentrationspolitik der Doderers, dje wirtschaftliche Absperrungspolitik Hitler-Deutschlands etc. auf die einfache Formel gebracht, daß„fünfzehn Jahre Parteipolitik" das sudetendeutsche Volk auf den Hund gebracht habe. So ist im ganzen Land die Psychose erzeugt worden, daß die Tschechen, die Sozialdemokraten und in weiterer Linie auch die Landbündlei schuld wären, wenn die Schlote- nicht rauchen, die Arbeitslosen hungern und Li« junge Generation keinen Ausweg sieht. Sie. habxo den Glauben genährt, baß Ihr» Partei daS Wunderrezept in der Tasche hat, um diese Dinge nach dem Wahltag z» wenden. Sie haben wohl fast drei Viertel der Sudetendeutschen hinter sich, aber Sie haben sie in die Sack- gaffr, in die Aussichtslosigkeit geführt. Sie sind heute die Gefangenen ihrer eigenen Berfprc- chnngen! „Fünfzehn Jahre haben die anderen geredet, jetzt werden wir handeln." So haben Sie argumentiert. Was sind aber Ihre Handlungen? Die Einstellung der Volkshilfe nach dem Wahltag war die erste Tyt, die Reise des Führers an den Genfer See die zweite, und die Wahl des HerrnBradat zum Präsidenten des Hauses war die dritte. In Ihren Wählern haben Sie den Glauben getötet, daß nationale Zusammenarbeit einen Ausweg aus der wirtschaftlichen und sozialen Bedrängnis schaffen könnt«. Der größte Teil Ihrer Wähler hat Ihnen ja die Stimme als Auftrag gegeben, den Anschluß an Deutschland durchzuführen!(Widerspruch.) Eine Rettung ist nut möglich, wenn wir mir dem Staate und mit dem tschechischen Volke den Aufbau neuer wirtschaftlicher Grundlagen beginnen. Ihre Menschen warten aber auf Arbeit, die Sie ihnen in Deutschland versprochen haben, sie warten auf den Einmarsch der braunen Armeen und man sagt, die deutschen Motorbatterien würden in 24 Stunden in Pillen sein und die Tschechen würden auS den Grenzgebieten ein„Wettrennen bis nach Easlau" veranstalten. Es droht ein fnrchtiarer Zusammenstoß zwischen den Illusionen, die Sie geweckt haben, und zwischen der R e a l i't ä t, di« Sie Nicht zu ändern vermöchten. Ihre Politik ist ein Tanz ans einem Seil, welches zwischen Prag und Berlin gespannt ist. Sie können die ideologische Verbindung mit dem Hitlerreiche nicht abschneiden, ohne in den Abgrund der BedeutungS- I losigkeit zu stürzen.(Lärm.) Die deutschen Industriellen sind oft und oft weit rückständiger als ihre tschechischen Kollegen Es ist noch gar nicht so lange her, daß Herr Theodor Liebicg in Reichenberg die Planwirtschaft als Unsinn bezeichnet hat, während auf der Prager Tagung vom 25. Juni der tschechische Generalsekretär des Jndustriellenverbandes Dr. Mixa einen vom Verband auszuarbeitenden„Wirtschaftsplan" verkündete. Herr Dr. Mixa sieht erfreulicherweise ein, daß die tschechoslowakische» Industriellen sich nicht aufs Faulbett legen, sondern für den Absatz ihrer Waren neue Märkte suchen müssen, vor allem in jenen Ländern,„die im wesentlichen freie Märkte sind, nämlich in den Nordstaaten, auf den Märkten des englischen Imperiums und des fernen Ostens". Was hat denn die freie Unternehmertätigkeit, die„Initiative der Unternehmer", welche. Herr Dr. Preiß wie Dr. Mixa so sehr betonen, für einen Sinn, wenn der Unternehmer bzw. die unfähigen Söhne tüchtigerer Väter, nicht neue Absatzmärkte suchen und fin den, wenn sie nicht als Pioniere tschechoslowakischer Jndustrieprodukte hinausziehen und zu Eroberern neuer Märkte werden? Herr Dr. Mixa findet ebenso unsere Zustimmung, lvenn er sagt, daß wir eine große Warenmenge nur dann exportieren können, wenn wir imstande sind, Qualitätserzeugnisse zu verhältnismäßig niedrigen Preisen zu liefern. Hier liegt in der Tat der Weg zur Hebung des Jndustrieexports und zur Ankurbelung insbesondere der sudetendeutschen Wirtschaft und es wäre viel besser, wenn die Unternehmer dafür Geld ausgeben würden als für ihre Sekretäre, deren größten Erfolge darin bestehen, den Arbeitern ein paar Heller vom Stundenlohn oder Akkordverdienst abzuzwacken und die Massen noch kaufunfähiger zu machen als sie ohnehin schon sind. Ebenso wäre es hoch an der Zeit, wenn die sudetendeutschen Fabrikanten und ihre Soldschreiber aufhören würden, den deutschen Arbeüern äm allgemeinen und den deutschen Sozialdemokraten im besonderen vorzuwerfen, daß diese schlechte Deutsche sind, weil sie ein Kampfbündnis mit der tschechischen Sozialdemokratie geschlossen haben. Wenn sie wieder einmal von Volksgemeinschaft reden werden, erinnert sie daran, daß sie seit Jahren gemeinsam mit den tschechischen Unternehmern gegen deutsche Arbeiter zusammengehen. Die.deutschen Fabrikanten dieses Landes gehören zu den Hauptschuldigen, wenn die.sudetendeutsche Politik in die Sackgasse geraten ist und sie sind mit schuld daran, daß die wirtschaftlichen Interessen des sudetendeutschen Industriegebiets nicht so vertreten sind als es angesichts der furchtbaren Not in diesem Gebiete notwendig wäre. Die deutsche Sozialdemokratie hat seit ihrem Regierungseintritt für die sudetendeutsche Wirtschaft hundertmal mehr geleistet als eine Industrie, die nicht in wirtschaftlicher Erneuerung und im Ilmbau der sudetendeutschen Wirtschaft, sondern im rücksichtslosen Kampf gegen die. Arbeiter ihr Heil erblickt. Seife L Freitag, 28. Funk 1938 Nr. 150 #Ct Ihre Verbindung mit Hitler genügen die Beweise, die Sie selbstdurchJhreMetho- d e n geliefert haben. Sie können nicht leugnen, daß Sie das ganze Arsenal Ihrer Agitation vom Hitlerreich ausgeborgt haben. Tie haben den Sah Hitlers von den.14 Jahren verderblicher Parteipolitik" nachgeplappert. Sie haben das Füh- rerprinziv übernommen und das Schlagwort Wörtlich abgeschrieben:.DieBonzenimSpeck, die Arbeiter im Dreck". Ob Sie es jetzt noch sagen, nachdem Herr Henlein am Genfer See sitzt, weiß ich allerdings nicht. Sie haben den Schwur von Eger geleistet. Bedarf es noch mehr Analogien, um Ihre Äesinnungsverwändt- schast mit dem Dritten Reich nachzuweisen? De» besten Beweis haben Sie uns aber geliefert durch Ihre Hetze gegen die Emigranten, gegen die Opfer de- HitlcriSmus!(L ä r m.> DaS ist der Gipfel der deutschen Schmach, wenn Sie sich Menschen gegenüber die den Folterkammer» und dem Tod entronnen sind, noch als freiwillige Fanghnnde dieser Folterknechte betätigen und die Generalvertretung der reichsdeutschen Emigrantenhetze übernehmen!(Lärm.) Als ich am letzten Sonntag die Kasematten am Brünner Spielberg besichtigte, die fast schon hundert Jahre, ihrem ursprünglichen Zweck entzogen sind, als ich die Sammlung von Folterwerkzeugen und die lichtlosen Zellen sah, in denen man die Ein« gekerkerten zugrunde gehen liest, da habe ich an Dachau und Oranienburg gedacht an die Betonsärge, in denen man die politischen Gefangenen lebendig begräbt, wo Menschen in Ketten geschmiedet zugrunde gehen, und da habe ich die ganze Größe der deutschen Schmach von heute empfunden, daß Sie, meine Herren von der Sudetendeutschen Partei, ein Regime verteidigen, welches die Schrecken des SpielbergS im 20. Jahrhundert»och überbietet! Auf heftige Protestrufe»der getroffenen Len« leinmannen entgegnet Jaksch: Sie schweigen dazu, wenn der Bergarbeiterführer Husemann ermordet wird. Sie schweigen zur Ermordung Stelling», eine» Gregor Strasser, eines Klau« s e n e r und eines Jung. Gegen die.Polizeimethoden in der tschechischen Schulaufsicht" haben Sie sich in ihrer parlamentarischen Erklärung ge» wendet. Haben Sie aber auch nur ein Wort gesagt gegen die Ausrottung der freien Wissenschaft in Deutschland, gegen die Schulknebelungen in Oesterreich und Deutschland? Wir Deutsche in der Tschechoslowakei haben heute das freieste Schulwesen im ganzen deutschen Gebiete! Sie reklamieren die Demokratie? S i r klagen über Persekution, wo sich Herr Henlein die Gendarmen noch vor die Schlafzimmertür hinstellen läßt? Ihre Anhänger find aufrichtiger und m« t i g e r, al» Sie. Bei einer Whlerbersammlung in S a l n a n haben mir Ihre Anhänger erklärt: Jawohl, wir sind für Hitler, denn eS geht den Leuten in Deutschland bester als bei uns. Sie verleugnen diese Anhänger, aber einmal müffen Sie Farbe bekennen. Man kann sich nicht in diesem Staate auf jungfräulichen Loyalität berufen und gleichzeitig vom Nachbarssohn Kinder kriegen. Sie müssen sich entscheiden, was Sie wollen: die Jungfräulichkeit als tschechostowakische Demokraten oder die Kinder mit den Herren des Dritten Reiches! Heute beherrschen zwei politische Tatsachen das Denken der deutschen Bevölkerung, die Hof f- nung auf denKrieg und die Furcht vor dem Kriege. Ihre Anhänger freuen sich über Deutschland» Aufrüstung. Die Kanonen und die Flugzeuge, die da hergestellt werden, werBombenflugzeuge, eine Kriegsflotte, strategischeAutostraßen. Je gröster dieseFortschritte, um so f e r n e r die europäische Gesundung, von der auch daS Schicksal der Sudetendeutschen abhängt. Wir sehen die Gefahr dr» Untergangs der Nation vor»ns, wenn Sie alle» auf die Karte des launischen Kriegsglücke» setzen. Die deutsche Frage in Europa ist nicht mit dem Schwert zu lösen. Gegen de» Druck de» jungen aufstrebende« Osten» kann sich da» deutsche Volk im Reiche nur behaupten, wenn eS über die Ruinen des Feudalismus und Kapitalismus hinwegschreitet zur sozialistischen Volks- und Werksgemeinschaft! Wir kämpfen weiter auch als g^eschtvächte Partei in dem festen Glauben, dast das bessere In seiner letzten SenatSrede stellte Genosse Dr. Heller zu den verschiedenen kommunistischen Reden zur Einheiisfrontparöle fest, daß die Art, wie die Herren jetzt sprechen, sich wesentlich gegenüber ihrer früheren Tonart abhebt. Früher waren wir die ,,S o z i a l faset st e n", heute billigen sie unS schon den ehrlichenW i l len ju und glauben nur, dast die M i t t e l, die wir anwenden, nicht die richtigen sind. Das ist ein ganz erheblicher Fortschritt! Wenn die kommunistische Partei überhaupt einen Sinn und Zweck hatte, so hat sie ihn heute völlig verloren. Redner polemisiert insbesondere gegen Krei- b i cf), der sich kurz vorher mit der Antwort unseres Parteitages auf daS letzte Einheitsfrontangebot beschäftigt hatte und verweist auf Frankreich, wo die Kommunisten sich sogar bereit erklärten, mit der sozialdemokratischen und der radikalsozialistischen Partei in die Regierung ernzu« treten. Wenk» Krerbich meint, da» sei etwas ganz anderes, weil die Radikalsozialisten eine demokratische Partei, unsere bürgerlichen Parteien— hauptsächlich die Agrarier— aber kapitalistische Parteien seien, so ist das eine Entgleisung, die ich ihm nie zugemutet hätte. Die Radikalsozialistea in Frankreich sind genau so eine kapitalistische Partei wie unsere bürgerlichen Parteien, d. h. sie stehen auf dem Boden deS Privateigentums. Maßgebend ist aber doch letzten EndeS die soziale Struktur einer Partei. Es handelt sich heute in der Hauptsache nicht um die Frage: Kapitalismus oder nicht Kapitalismus, sondern darum, mit Parteien, die die werktätige Bevölkerung vertreten, in eine Koalitionsregierung zu treten, weil die Demokratie, weil der Parlamentarismus, weil die Freiheit auch der französischen Bürgers bedroht ist. 0er 5»Sncllse Ausschuß der Nationalversammlung der aus 16 Abgeordneten und acht Senatoren besteht, wurde am Mittwoch konstituiert. Die Koalition verfügt übet zehn Abgeordnete und fünf Senatoren und ebensoviele Ersatzmänner, die Opposition über sechs Abgeordnete und drei Senatoren und ebensoviel Ersatzmänner. Parteienmäßig setzt sich der Ständige Ausschuß folgendermaßen zusammen(in Klammern die Zahl der Ersatzmänner): tsch. Agrarier 4(3), tsch. Sozialdemo- Deutschtum eine» Tage» wie der Vogel Phönix siegreich auferstehen wird aus den Trümmern des Hitler-Reiches und daß dann das Erwachen eines neuen Europa kommt, an dem wir mit unseren bescheidenen Möglichkeiten mitarbeiten wollen als Brückenschläger zwischen dem deutschen Vlstk und dem Slawentum. Wir stellen wahre Volkspolitik gegen Eure Katastrophenpolitik. Wir find der Ker« der kommenden Friedens- und Ausbau- front im sudetendeutschen Lager. Wir rufen nach Zusammenfassung der sozialistischen, demokratischen und fortschrittliche« Kräfte im deutsche« Volke. Die unabwendbare Katastrophe der Partei Henlein» darf nicht zur Katastrophe der S«detende«tschen worden!(Lebhafter Beifall.) Nnd wenn Sie— an die Kommunisten gewendet— glauben, daß wir hier bei unS noch lange mit diesen Dingen spielen können, wen« auf der eine« Seite schon drei Fünftel deS deutschen BolkrS vom FasriSmu» ergriffen ist, auch wen» aus tschechischer Seite der Ansturm deS FaseiSmuS vorläufig«och abgewehrt wurde, so irre«. Sie! ES wäre doch wohl Ihre Pflicht, fich einzureihen unter die, die offen und ehrlich bereit find, die Demokratie» den Parlamentarismus und die Freiheit der Bürger in diesem Staate zu schützen! Sie werfen uns vor, daß wir nicht imstande sind, soziale Fortschritte in diesem Staate zu erzielen. Sie haben vergesseri» daß wir in einer Zeit sozialer Reaktion in der ganzen Welt leben, daß die Arbeiter durch Krise und Arbeitslosigkeit geschwächt sind und daß es schon ein unendliches Werk bedeutet, wenn es den sozialistischen Koalition-Parteien bei unS. gelungen ist, im großen und ganzen die sozialen Errungenschaften der Arbeiterschaft zu erhalten, ja auf manchem Gebiete noch Gesetze zu erzielen, wie den Bergarbeiterschutz aus dem Vorjahr. Wir können nicht a l l r S durchsetze«, aber wäre e» nicht Ihre Pflicht,»« S in diesem Kampfe z« unter- stütze«, statt««» wie bisher i« de« Rücken z« falle»? Kollege Kreiblch hat im Jahre 1920 auf unserem Karlsbader Parteitag das Wort von den „ewig Gestrigen" geprägt. Sehen Sie sich vor, daß Sie nicht einmal vor der Geschichte als die ewig Gestrigen dastehen und sich sagen müssen werden: 8 u s p ä t! Wir werden den Tag begrüßen, an dem sich auch die kommunistische Partei, die heute außerhalb steht, in die Reihen des kämpfenden Proletariates diese- Landes einreiht. Lastdwirte 0(l)VSÄestüdeutsche PärtefV^sss)^ Ungarn 1(Ostdeutsche Ehristlichsoziale 0(1), slowakische Volkspartei 2(1), Sjednoceni 1(2), Kommunisten 2(2). Unsere Partei" ist durch Taub als Mitglied und durch Jaksch und N i e ß ner als Ersatzmänner vertraten. In den am'Mittwoch gewählten Ausschüssen des Abgeordnetenhauses ist unser» Fraktion folgendermaßen vertreten: Sozialpolitischer Ausschuß Taub, Landwirtschaftsausschuß Jaksch, Wehrau-schuh H e e g e r, Kulturausschuß K i r- pal, BerkehrSauSschuß Schäfer, Außcnaus- schuß de Witte, Gewerbeausschuß M a e o u n. Ferner wurden in die Sparkommission, die mit dem Senat gemeinsam ist, K a tz als Mitglied und Zischka als Ersatzmann entsendet. den aber kaum zu dem Zwecke geschaffen, um inalte Eisen zu wandern. Deshalb ist es ein selb st- mörderischer Frevel, wenn sich sudetendeutsche Menschen an den angeblichen Erfolgen Hitlers berauschen. Wie sehen diese Erfolge auS? traten 3(3), tsch. Nationalsozialisten 3(2), tsch. Volkspartei 2(3), tsch. Gewerbepartei 2 (1), deutsche Sozialdemokraten 1(2), Bund der Die Kommunisten und wir ü« Roman von; Emil Ynrh^k—i rKfefKihnersteigeJ Deutsch von Anna Äurednliek »Sie sind so ein distinguierter und charmanter Mann, gewiß auch erfahren und sprechen doch so einen Unsinn! WaS hat es zu bedeuten, wenn die Frau den Mann abweist? Li^e, heiße Liebe. Alle großen Lieben haben so angefangen. Dort (sie wies dabei auf ihre Bibliothek) können Sie tausend solcher Fälle lesen." „Nehmen wir an, daß sie mich liebt, was hab ich davon?" lautete Herrn AschnerS sachliche Erwiderung.„Ich muß heiraten, werte Frau, ich spürs in allen Knochen. Und ich habe zu tun. In Ungarn wartet eine Menge Arbeit auf mich. Ich kann meine Abreise nicht immer wieder aufschieben. Will sie mich nicht, so fahr' ich weg, und dann kann ich nickt für mich einsteben, daß ich als lediger Mann zurückkomme... Sagen Sie ihr da», bitte!" .„Ich habe es ihr schon gesagt," erklärte fetzt feierlich die Schwarze Kathi. „Jesus Maria!" stöhnte Herr Aschner.„Und sie hat mich gewiß abgewiesen?" „Wäre da» der Fall, hätt' ich Sie nicht zu mir geladen. Sie Dummerchen.> Es gibt übrigen» keine Frau, die nicht täte, wa» ich ihr rate. Sie war einfach paff und sagte gar nichts. Da» heißt, daß Sie gewonnenes Spiel haben." „Mein Gott, bin ich aufgeregt," jammerte Aschner.„Vielleicht sollt' ich jetzt zu ihr gehen und selbst mein Glück versuchen?" „Das wäre ein sauberer Patzer, Herr Aschner. Sie werden gar nichts in der Sache unternehmen, fall» Sie nicht alle» verderben wollen. Sie ist eine sebr seine Dame, verschüchtert, muß zart angefaßt werden. Ich beneide»sie, aufrichtig gesagt, um dieses seine Weibchen... diese» Körperchen! Die feine Seele..." „Was soll ich also machen?" flüsterte Herr Aschner. „Das ist Ihre Sache, lieber Herr. Ich kann Ihnen nur sagen, Frau Maschin gehört Ihnen, nicht» auf der Welt kann sie Ihnen entreißen» solange ich hinter Ihnen stehe. Sie können, wenn Sie wollen, die Reise um die Welt machen; falls Sie zurückkommen, wird sie Ihre Frau." „So lange kann ich nicht warten." „So eine Sache braucht ihre Zeit, und ich habe jetzt gerade viel zu tun. Ich muß morgen zu einer Gutsbesitzerin fahren, es hat keinen Zweck, Ihnen das Nähere zu erzählen. Eine sehr fesche Dame. Auf dem Gut ist ein sehr flotter Assistent. Das weitere können Sie sich schon denken. Jetzt wird der Herr Gemahl von der Reise zurückerwartet. Da muß die schwarze Kathi helfen. Ohne diese Reise könnte ich getrost sagen: Morgen abend, Herr Aschner, klopfen Sie an eine gewisse Tür. Sie werden herzlich willkommen sein." DaS Wort„Klopfen" brachte Herrn Aschnsr außer Rand Und Band. Er sagte:„Sie werden zu der Gutsbesitzerin einen Tag später fahren und basta!" „Sie haben leicht reden, lieber Freund", klagte die Schwarze Kathi mit weinerlicher Stimme.„Die Dame wartet und wird sich anderswo Rat holen. Dann sind meine fünf Hunderter beim Teufel." „Ich werde sie Ihnen ersehen", sagte Aschner mit saurer Miene. „Nach einer Zeit wird der Herr Gutsbesitzer wieder auf Reisen gehen, seine Frau aber wird mich nicht mehr zu Rate ziehen. Mit der habe ich mir es dann gründlich verdorben", fuhr die Schwarze Kathi fort. „Sie sollen tausend Kronen haben, damit Sie nicht zu kurz kommen", erklärte Herr Aschner nach längerer Ueberlegung. „So eine Dame", plauderte die Schwarze Kathi weiter und streichelte verträumt ihren Kater Medo,„kann man nicht ohne weitere» laufen lassen. Sie ist ein Schatz, eine ständige Kunde, das müssen Sie als Geschäftsmann doch verstehen. Sie raten mir:„Fahren Sie nicht!" Wie wäre Ihnen aber zumute, wenn sich's ein andrer statt Ihrer gut gehen ließe?" „Wieviel verlangen Sie?" krächzte Herr Aschner. „Ich persönlich will gar nichts, Herr Aschner", flötete die Schwarze Kathi mit süßer Stimme.„Ich will gar nichts von Ihnen, will auch nichts von Frau Maschin. Für Sie mache ich es auS Liebe. Ich habe Sie beide lieb, Herr Aschner, wie einen Sohn und eine Tochter. Lassen Sie mir doch Zeit, daß ich Ihre Hände ineinanderlegen kann. Dann sagen Sie mir„Vergelt'» Gott!" und wir sind guitt. Aber wenn Sie mich so drängen, darf ich doch wohl sagen, daß ich dadurch geschädigt werde." „Nennen Sie die Zahl!" sagte Herr Aschner. „Wir sind ja beide Geschäftsleute; wozu die Faxen." „Du lieber Gott, die Zahl! Warum haben Sie es so eilig, Herr Aschner? Ich könnt« zum Beispiel fünftausend sagen. Dann werden Sie toben." Herr Aschner schrie entsetzt:„Fünftausend! Sie sind wohl verrückt geworden. Fünfzehnhundert, nicht einen Heller mehr!" »Fünfzehnhundert sind ein schöne» Geld, Herr Aschner, heutzutage kein leichter Verdienst. Geben Sie kein überflüssige» Geld aus und fahren Sie ruhig nach Ungarn. Bis zum Winter richte ich alles ein und es darf Sie keinen Heller kosten. Ich werde meine Gutsbesitzerin behalten, die mir mindestens zwei Tausender wert ist." „Zweitausend?" sagte nachgiebig Herr Aschner.„Das verdient man nicht im Handumdrehen. Ich muß es mir erst überlegen." A« alle Abonnenten «nd Verschleißer! Anläßlich des Feiertages am SamStag, dem 29. Juni, wird in den Druckereien nicht gearbeitet und entfällt daher die Nummer vom Sonntag, den 30. Juni. Die Verwaltung. 1,681.000 Personen bei der ZSVI1 versichert Prämieneingang 422 Millionen Renten fast 250 Millionen Kö Prag. In einer Sitzung des Ausschusses der ZentralsozialbersicherungSanstalt berichtete am Donnerstag Direktor Dr. K l u m p a r über die Jahresrechnungen für das Jahr 1934. Er führte aus, daß die Vorschreibung des Versicherungsbestra- ges i. I. 1934 im Vergleich zum Jahre 1933 weiter» und zwar von 437 auf 422 Millionen gesunken und auch die durchschnittliche Zahl der Versicherten von 1,713.000 auf 1,681.000 zurückgegangen ist. Aus dieser Erscheinung muß allerdings nicht auf eine weitere Senkung des Beschäftigungsgrades und ein Zurückgehen der Konjunktur geschloffen werden, weil die Abnahme des Versichertenstandcs zum größten Teil durch eine Aende run g der adminxistrativen Vorschriften über die An- und Abmeldung der Arbeitnehmer, durch die Verbiligung der Versicherung für landwirtschaftliche Arbeitnehmer und durch die Ausscheidung einiger Kategorien der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer aus der Versicherung überhaupt bedingt ist. Manche Bezirke zeigen ein weiteres Sinken des BersichertenstandeS und de» Lohnniveaus, e s gibt aber auch Bezirke, diebe- reits eine Aufwärtsbewegung aufweisen. An Hand der einzelnen Einnahmeposten betonte Tr. Klumpar die Bedeu- tung des Z i n s er tr ä g n i s s e s für das finanzielle Gleichgewicht der Zentra lsozialversi ch e rungS« an st alt" und sprach die Ueberzeugung auS, daß die sozialen Versicherungsanstalten vor allfälligen Aenderungen gehört und ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse werden berücksichtigt werde».. Er machte ferner a^f VnS rl n w ä'ch s e n der Renten, die sich bereits auf fast eine Viertelmilliarde Kronen jährlich be- laufen, aufmerksam, sowie auf dje Rückwirkungen hinsichtlich des Verbrauche» zur Zeit der Krise. Erklärung Zu der im„Sozialdemokrat" vom 26. Mai 1935 unter der Ueberschrift„Wer den Schaden hat..." veröffentlichten)siotiz, in welcher Herr Dr. Franz Bacher als Zutreiber der Hakenkreuzler bezeichnet worden ist, erklären wir, daß wir die in dem Artikel enthallenen Schmähungen und Verspottungen der Herrn Dr. Bacher mit Bedauern widerrufen.— Die Redaktion. „Natürlich, Herr Aschner, ich bin^anz Ihrer Meinung. Ueberlegen Sie sich's nur. Indessen dürste sich Frau Maschin für niemanden andern entschließen. Vorderhand haben nur einige Herren, bei mir nachgefragt, ob es wahr ist, daß sie von ihrem Mann fort ist." „Ich geb' Ihnen die zweitausend", zischte Herr Aschner.„Noch nie hat mich ein Nachtmahl so ein Heidengeld gekostet: Herrgott, wär' ich doch nicht hergekommen I" „Frau Maschin ist die zwei Tausender unter Brüdern wert, Herr Aschner. Sie ist ein Juwel, eine Perle unter den Frauen. Sie ist so eine Perle unter dem Gelichter, daß sie Ihnen sehr leicht jemand wegschnappen könnte.^" „Sie bekommen die zweitausend auf die Hand, sobald sie verspricht, mich zu heiraten." „Aller, Herr Aschner, wie könnt' ich verlangen, daß Sie sich dann mit solchen Dingen abgeben! Sie werden wie im Paradies sein und an gar nichts denken. Wozu sollten Sie sich die Laune verderben? Geben Sie mir's pur gleich!" „Sie sind die gehauteste Alte, die Ich jemals gesehen habe", sagte Herr Aschner, um sich Lust zu machen. „Na, wenn Sie gtir so kommen, werde ich mir auch kein Blvtt vor den Mund nehmen. Ich glaubte. Sie sind ein Intelligenzler, und wir könnten wie Intelligenzler alles besprechen. Wenn Sie mich aber„Alte"' schimpfen, will ich Ihnen sagen, was ich mir von Ihnen denke r Sie sind der unerzogenste Dreckfreffer und wollen ein feines Frauenzimmer kriegen, ohne zu blechen. Fall» Sir glauben, daß ich Sie betakeln will, so sag' ich Ihnen inö Gesicht, daß ich keinen Heller von Ihnen sehen werde, sobald Sie die Maschin einmal sicher haben. Mir kommen Sie nicht. Sie Reisefatzke, entweder zwei Tausend r.auf den Tisch— oder es legt sich ein anderer auf Ihren Platz." Herr Aschner riß wortlos sein Scheckbuch au» der Tasche, um einen Scheck anzufcrtigen, (Fortsetzung folgt.). Wr. 150 Freitag, 28. Juni 1S35 Seit, 3 Arbeitsdienst obligatorisch 200.000 Mann für ein halbe* Jahr In Tokio wie in Rom... Berlin. Am Mittwoch hat-das Reichskabinett die allgemeine Arbeitsdienstpflicht gesetzlich festgelegt. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Reichskanzler verfügt, daß die Dienstzeit im Arbeitsdienst bis auf weiteres ein halbes Jahr beträgt. . Die Stärke des Arbeitsdienstes soll während deS nächsten Jahres vom 1. Oktober 1035 bis 30. September 1936 800.000 Mann nicht überschreiten. Mit dieser Zahl werden in zwei Schichten ungefähr alle Tauglichen des Jahrganges 1915 zum Arbeitsdienst eingezogen werden können. Ursprünglich war bei der Einführung der allgemeinen einjährigen Wehrpflicht auch die Einführung einer einjährigen Arbeitsdienstpflicht in Aussicht genommen. Die Herabsetzung auf ein halbes Jahr dürste auf finanzielle Gründe zurückzuführen sein. Tokio.(Tsch. P.-B.) Der Kaiser empfing den Ministerpräsidenten Okada und dm Kriegsminister Hayashi sowie die Mitglieder de- Stants- rateS zn einem Bericht über die politische Lage, insbesondere bezüglich Chinas. Vorher fand im GtaatSrate mit Außenminister Hirota und Kriegsminister Hayashi eine Aussprache statt, in der folgende Erklärungen abgegeben wurden: 1) Die japanisch« Außenpolitik und daS Borgehen der Armee gegenüber China werden nach gemeinsamen Gesichtspunkten untemommm. wobei letzterer die Ausgabe zufällt» die japanfeindlichen Hindernisse zu beseitigen, die eine Zusammenarbeit beider Länder verhindern. 8) Zur Sicherung Mandschukuo» und zur Förderung friedlicher Beziehungen mit China soll eine breite, von störenden Elementm befreite Grenzzone geschaffen werdm. 3) Japan beabsichtigt nicht, ein zweites Mandschukuo zu schaffen»der einem neum separatistischen Regime Vorschub zu leisten. 4) Eine aufrichtige Friedenspolitik Nankings ist notwendig, um eine sofortig« segensreich« Zu- sammmarbrit der drei Länder herbeizuführm. Der Staatsrat hat schließlich der gegenüber China zu befolgmdm„Friedenspolitik" seine Billigung ausgesprochen.. Diese amtliche Erklärung ist ein schamloses Einbekenntnis der beispiellosen Räuberme- t b o d e n, die der japanische Imperialismus gegen China anwendet. Er verlangt eine„breite Grenz- Zope", das heißt die Annexion einiger chinesischer Provinzen und erwartet von der Nanking-Regierung, daß sie sich die Wegnahme dieser Gebiete gefallen lasse(das nennt man Friedenspolitik). Als Gegenleistung bietet er den AuSgeraubten ein Bündnis, an dem doch nicht China, sondern Japan interessiert ist. ES ist die gleiche„Friedenspolitik", die Mussolini in Abessinien betreibt und für die auch Hitler gut und gern zu haben wäre l Edens Mission erfolglos >»»WWWW^WWWWWWWM^^»WWW»WUWWWWWWW»MWMM»W Der britische Staatssekretär für Bölker- bundSangelegenheiten. Lord Anthony Eden, ist Donnerstag vormittags aus Rom in Paris etnsietrosfen und hat um 19 Uhr abends die Rückreise nach London angetreten. Wenn auch die englischen Kommentare daran festhalten, daß London noch immer in den Intentionen der Beratung vom 3. Feber vorgehe und daß für ein West-Luft,Locarno kein Hindernis besteh«, so ist doch deutlich zu erkennen, daß EdenS Mission in Rom und in Paris geschei, tert ist. Nach Rom brachte Eden Zugeständnisse Englands in der ostafrikanischen Frage. Diese— wirtschaftlichen—> Konzessionen wurden aber von Mussolini kurzerhand abgelehnt. Mussolini fordert das Protektorat über Abessinien, also die politische und wirtschaftliche Einverleibung des ganzen Lande» in da» italienische Herrschaftsgebiet.- Eden bringt also nach London von Rom die Gewißheit mit, daß Musso lini lieber auS dem Völkerbund austreten als auf den Krieg verzichten wird und daß England, um den Krieg zu verhindern, zulaffen müßte, daß der Völkerbund sich selbst um jedes Vertrauen bringt, indem er Abessinien ausliefert. »In Paris hatte Eden mit Laval über das britisch-deutsche Flottenabkommen und über die gemeinsame Stellungnahme zu, der abes» stinischen Frage zu verhandeln. In der Flottenfrage blieb"Laval auf dem Standpunkt, daß England den Geist der Abmachungen von Dtresa verletzt habe. Die Mißstimmung zwischen Paris und London führt aber auch dazu, daß Frankreich anscheinend in der afrikanischen Frage London allein läßt und sich eher auf die Seite Mussolinis schlägt. Die Blätterkommentare sind der einhelligen Ueberzeugung, daß Eden ohne Erfolg nach London zurückkehrt. Die neueste Tarnung: Schwimmvereine Wien. Das Rachmittagsblatt„Echo" meldet von neuen nationalsozialistischen Umtrieben in verschiedenen österreichischen Sportorganisationen, hauptsächlich in den verschiedenen Schwimm- wereinen. InKrems wurde an einigen staatlichen Lehranstalten festgestellt, daß die Schüler, die den Ortsgruppen des„EWASK"(Erster Wiener Amateur-SchwimmkliB) angehören, den nationalsozialistischen Ideen ergeben sind und daß sie verschiedene Anordnungen der Schulorgane direkt sabotieren. Daher wurde den Schülerp die Mitgliedschaft bei d«n EWASK verboten. Aehn- liche Maßnahmen wurden auch in Mödling ge, troffen, wo festgestellt wurde, daß unter dem Vorwande des Schwimmtrainings n a t i o«n a l- sozialistisch« Appelle und Versammlungen abgehalten wurden. Verfassungsreform In Rumänien? Bukarest. Ministerpräsident Tatareseu hatte ein Gespräch mit Journalisten über die Stellungnahme der Regierung zu einer eventuellen Aenderung der Verfassung, über welche in den letzten Tagen in der Presse und. in den politischen Kreisen gesprochen worden ist. Der Ministerpräsident erinnerte an seine Erklärung vom, 23. August 1024» in welcher er hervorhob, daß die Verfassung irgendwelche Lücken und Unvollkommenheiten aufweise, insbesondere was die Zusammensetzung des Senats anbelangt. Die Verfassungsänderung könne nur im Einvernehmen mit der Krone und mit den in der Verfassung selbst enthaltenen Bestimmungen verwirklicht werden. Die Regierung behält sich die Aktionsfreiheit sowie die Wahl des geeigneten Augenblickes für die Lösung der Berfassungsrevision vor. Die Reformen werden in Uebereinstimmung mit dem konstituell-monarchistischen Charakter des rumänischen Staates stehen. Langsame Verhandlung Das Rüsten seht rascher vom Fleck Haag. Die italienisch-abessinische Schlich» tungoionunisjion hielt um Mittwoch^ihre ersten sachlichen Beratungen in Scheveningen ab. Es wurde ein umfangreiche» Material unterbreitet, da» dem Vernehmen nach, auf italienischer Seite 150 Folioseiten, auf abessinischer Seite etwa 100 Folioseiten umfasse. Weiters verlautet, daß die Anzahl der Grenzzwischenfälle, zu denen die Schlichtungskommission Stellung zu nehmen hat, bisher acht beträgt. Es besteht jedoch die Möglich, leit, baß diese Zahl sich im Verlaufe der Verhandlungen bis auf zwölf ausdehnen wird. In der für Donnerstag einberufenen dritten Sitzung sollen.zunächst Fragen des Verfahrens geklärt werden. Kries In Sieht— die preise steigen Rom.(AP.) AlS Folge der großen Einkäufe der MilitärvcrwaUung ist de^Großhandelsindex tm letzten Vierteljahr von 280 auf 312 gestiegen. DaS bedeutet ein« Preissteigerung von 12 Prozent. Die erste Verlustliste Rom. Nach einer Meldung der Ageniur Stefani sind in der Zeit vom 1, Jänner bi» 25. Juni dieses Fahre» in Ostafrika durch Flugzeugunfälle, verschiedene Zwischenfälle und Krankheiten 7 Offiziere und 30 Unteroffiziere und Mannschaften ums Leben gekommen. Das Ende Ernst Karl Winters Wien, 27. Juni. Dem Verlag der Wochenzeitschrift„Aktiv n", die nach dem Februar des vorigen Jahres von dem Wiener Bizebürger- meister Ernst Karl W i n t e r zum Zwecke der „BerfSinung der Arbetterschaft mit dem neuen Staat" gegründet wurde, ist dir B e w t l l i. g u n g zur Herausgabe der Zeitschrift entzogen worden. Das Blatt— wohlge» merkt, das Blatt des autoritären Lizebürgermei- sterS der Stadt Wien!— stand bereits seit einem Monat unter polizeilicher Vorzensur. Damit ist di« berühmte„Aktion Winter", von der nach den Februartagen viel gesprochen wurde, endgültig erledigt und liquidiert. Winter, der vor dem Februar in Oesterreich überhaupt keine sichtbare politische Rolle gespielt hatte, war von Dollfuß nach dem Fe» bruarbluwad in die Politik gestellt worden. Winter. der di« marxistische Terminologie glänzend beherrscht' und bis zum Februar sich immer als aufrechter Demokrat und Gegner der eidbrüchigen Regierung deklarierte, sollte nach Dollfuß' Plan, die Aufgabe übernehmen, die geschändete sozialistische Arbeiterschaft mit ihren Schändern auSzusöhnen. ES scheint, daß er allen Ernstes der Meinung war, e» könnte gelingen, die österreichischen Arbeiter den Februar vergessen zu machen und sie zu veranlassen, sich auf den„Boden der Tatsachen" zu stellen. ES scheint auch, daß W i n« t e r es bei der Werbung für diesen Plan mit seiner ost recht unverhohlen zur Schau getragenen Gegnerschaft gegen den Heimwrhrfaseismu» persönlich und moralisch durchaus ernst gemeint hat. So aber hatten e» seine Auftraggeber wieder nicht gemeint. Wenn sie auch sehr genau wissen, daß W i n t e r k e i n D e m o k r a t ist, sondern vielmehr ein Monarchist, der in die Durchführung seiner Pläne eben auch die Arbeiterschaft mit«inrechnrt, so können sie doch auch Kritik von dieser Sette nicht vertragen und nicht brauchen. Die österreichische». Arbeiter hatten von allem Anfang an die„Aktion Winters" als Hirngespinst durchschaut und sich ferngehalten. Trotz der allergrößten Bemühungen konnte die„Aktion Winter" über einen ganz kleinen Kreis von ein paar hundert Menschen nicht hinauskommen. Aber auch da» schien dem Herrn Starhemberg und seinen Heimwehrfascisten, die jetzt sich zum Griff nach der vollen Heimwehrtotalität rüsten, uner- träglich. Die„Aktton Winter" wurde von Schuschnigg unter die Kontrolle der Vaterländischen Front, der Arbeiterkammer und damit der Heimwehr gestellt. Winter selbst hat sich darauf- hin von seinem Plan zurückgezogen. In seiner Zeitschrift, den„Wiener politischen Blättern", gibt er nun die Erklärung ab. daß er mit der „Aktion" nicht» mehr zu tun habe, da er eingesehen habe, daß es in Oesterreich nicht einmal jene» Mindestmaß von Preß- und Redefreiheit gibt, da» für seine politische Linie notwendig ist. Winter erklärt, daß er sich nun solang«, bis„unerwartete Ereignisse" die Zustände in Oesterreich ändern, von der politischen Tätigkeit wieder auf seine wissenschaftliche zurückziehe. Run ist die von ihm verlassene Wochenzeitung„Aktion" auch verboten worden. Die Wiener Vertrauensmänner der„Aktion Winter" haben bereit», die öffentliche Erklärung abgegeben, daß sie al» Protest gegen dieses Verbot jede politische Arbeit in der„Sozialen Aktion" der Vaterländischen Front einstellen. Damit ist die „Aktion Winter"— eine Mischung aus objektivem Betrug an den Arbeitern und subjekttver Illusion— erledigt und an den Tatsachen, zerschellt. Besiegt von dem Heimwehrfascismvs, mit dem cs eben keine„Bersöhnung" gibt und der in Oesterreich von den Arbeitern mit wirksameren Waffen al» der moralischen Entrüstung Ernst Karl Winter» besiegt werden wird. Kein Trinkwasser In Erythrea Kairo.(Reuter). Aus Sudan eingetroffenen Meldungen zufolge kann man sich über die Schwierigkeiten ein« Vorstellung machen, denen die Erhaltung der zahlreichen italienischen Truppen in den ostäfrikanischen Provinzen begegnet. Bom Eryträa-Hafen M a s a u a wurden bis nach dem 850 Meilen entfernten Port Sudan Schiffe ausgeschickt, um Vorräte von Trinkwasser aufzunehmen. Auch Abessinien macht im Sudan Einkäufe, insbesondere von Getreide und Zugvieh. Die Einfuhr von Sudan nach Abessinien ist jetzt rund övmal größer als in normalen Zetten. Nach Ostafrita ist aus Neapel der Dampfer „Gange" mit 29 Offizieren, 50 Unteroffizieren und 1800 Soldaten sowie mit zahlreichem Kriegsmaterial an Bord abgegangen. Ein weiterer Dampfer, die„Confidenqa", führt schweres Material und Pferd« an Bord. Tschachar*Zwlschenfall liquidiert Beiving. Nach einer amtlichen japanischen Mitteilung suchte der stellvertretende Gouverneur von Tschachar Tschingtetsching am Donnerstag mittags den japanischen Sonderbeauftragten General Doihara im Büro de» japanischen Militärattaches auf und hatte mit ihm eine Unterredung, in deren Verlauf eine vollständige Einigung über den Tschachar-Zwischenfall erzielt wurde. Die Ausführungen der von chinesischer Sette übernommenen Verpflichtungen, deren Inhalt allerdings amtlich noch nicht bekanntgegeben wurde., wird durch japanisches Militär überwacht werden. Wie verlaütet, hat China die A u s l ö s u n.g der Kuomintang in Tschachar, die Schaffung einer entmilitarisierten Zone im östlichen Tschachar und die Einstellung der chinesischen Kolonisation in diesem Gebiet zugestanden. Um die Auflösung der fasdstlschen Verbände Paris.(Tsch. P.-B.) Mehrere Abendblätter bemerken, daß die von den Parteien der Linken und der äußersten Linkm aufgeworfene Frage der Auflösung der nationalistischen Verbände und Organisationen, namentl. der Croix de Feu, im Heu- tjgen Ministerrat neuerlich zur Sprache gekommen sei. Die Linke und äußerste Linke wollen diese Frage unbedingt noch vor Schluß der Kammerse:- sion des Parlamentes, evt. schon heute abend in der Kammer zur Diskussion stellen, während Laval von den konservativen und nationalen Mitgliedern der Regierung geraten worden ist, einer solchen Debatte auszuweichen und nötigenfalls schon heute abends das sogenannte Schluhdekret zu verlesen, durch das die Kammersession bis mindestens 31. Oktober für geschlossen erklärt wird. Ilm auch während der Parlamentsferien eine ständige Kontrolle über die Regierungspolitik ausüben zu können, hat der frühere Ministerpräsident Data- vier bei der heutigen gemeinsamen Sitzung der Fraktionen der Linken und äußersten Linken den Antrag gestellt, unter den Abgeordneten der Linken die 300 Unterschriften zu sammeln, die notwendig sind, um während der Parlamentsferien auch gegen den Willen der Regierung die Kammer jederzeit einberufen zu können. Einen endgültigen Beschluß in dieser Richtung wird die sogenannte Delegation der Linken/ die Vertreter sämtlicher Fraktionen von den Kommunisten bis einschließlich der radikalen Partei umfaßt, erst heute treffen. Weder Verhältniswahl in Frankreich? Pari».^Tsch. P. B.) Die Kammer hat Donnerstag nachmittag» mit 446 gegen 118 Stimmen eine Resolution des sozialistischen Abgeordneten Bracke"angenommen, in der der Wahlrechtsausschuß aufgefordert wird, bi» s,um Herbst eine Wahlreform-Borlag« in dem Sinne der Einführung des Verhältniswahlrechte» in Frankreich vorzubereite». Dieser Beschluß ist aber für den Ausschuß nicht bindend. Danzig soll zum Zloty(Ibersehen . Warschau. Der Präsident de» Danziger Senate» Greiser kündigte an, daß Polen die Anpassung der Danziger an die polnische Währung, d. h. die Einführung des polnischen Zloty in der freien Stadt Danzig verlange. Greiser sprach sich gegen diesen Antrag au» und fügte hinzu, daß Polen die Situation ausnützen wolle und unannehmbare Bedingungen stell«. Polen versichere, daß e» seine Ausfuhr, falls in dieser Angelegenheit kein Einvernehmen erzielt würde, Über Gdingen leiten werde. 80.000 Londoner protestieren gegen den Hitlerlsmus Am letzten Sonntag fand am Trafalgar- Platz in London eine Protestkundgebung gegen da» Hitlerregime und gegen den Faset»mu» statt. Mehr al» 80.000 Menschen waren auf dieser Kundgebung versammelt und nahmen einstimmig Entschließungen an, di« sich mit der neue« Terrorwelle in Deutschland beschäftigten. Da» riesig« Meeting forderte auch die Freilassung R a k o s i s und Thälmann». Repressalien Moskau. Wie aus Chabarowsk gemel- det wird, haben die sowjetrussischen Behörden von Wladiwostok einigen Japanern, die dort seit längerer Zeit ansässig sind, die Aufenthaltsgenehmigung entzogen und sie aus der Sowjetunion ausgewiesen. Der Protestschrift des japanischen Konsuls in Wladiwostok ist russischerseits unbeantwortet geblieben. Auf Veranlassung der Marinebehörden ist japanischen Schiffen da» Anlaufen einiger sowjetrusstscher Häfen im Fernen Osten, darunter auch der Bucht der Hl. Olga, verboten worden. Zentralbankmoratorium verlängert Prag, Mit Erlaß des Finanzministeriums bom 21. Juni 1935 wurde das Moratorium für die Centralbank der deutschen Sparkassen in der Tschechoflowakischen Republik bi» zum 81. Dezember 1935 verlängert. Sette t Freitag, 28. Fan? 1835 Nr. ISO Die Eroberer-er Stratosphäre Bericht über de« russische« Aufstieg Ruffenfilm zum Kreisturnfest! Alle auswärtigen Genoffen und Genesfinnen, Weiche de« gigimtifchen russischen Tonfilm „Der Weg ins Leben" noch nicht kennen, sichern sich rechtzeitig eine Eintrittskarte zu der einzigen Vorstellung am Samstag, dem 28. Juni, um halb 11 Uhr abends(nach dem Fackelzug) an der Kaffe des Aussiger BolkShauS-KinoS. Einheitspreis für alle Festkartenbesitzer 2 Kc bei freier Platzwahl.. Vorverkauf ab 3 Uhr. Ein tschechoslowakischer Hitlepmann in Pilsen verurteilt 14 Monate Kerker unbedingt. Pilsen.(Tsch. P. B.) Vor dem Senat des Kreisgerichtes Pilsen hatte sich gestern der 46jährige Traum ei st er Jos^f Hofmann aus Schlaggenwald wegen Anschläge gegen die Tschechoslowakische Republik zu verantworten. Der Angeklagte war iry Jahre 1933 Mitglied der SA-Abteilung inj Selb in Deutschland. Er erhielt auch eine Armbinde und mit diesem Abzeichen beteiligte er sich in Deutschland an den Feiern des Wahlsieges der NSDAP und der Bestellung Hitlers zum deutschen Reichskanzler. Die nationalsozialistische Partei, in Deutschland hat in ihrem-Programm die Lostrennung der von Deutschen bewohnten Gebiete von der Tschechoslowakischen Republik und ihre Altgliederung an das sogenannte Dritte Reich. Später kehrte Hofmann in die Tschechoslowakische Republik zurück, verbarg sorgfältig die Armbinde, die er in Deutschland getragen hatten und vernichtete sie später, wodurch erwiesen wurde, daß er die dem tschechoslowakischen Staat feindlichen Ziele der nationalsozialistischen Bewegung gut kannte. Er wurde schuldig erkannt und zu 14 Monaten Kerker unbedin, gt, mit monatlich einmal Fasten und zum Verlust der bürgerlichen Rechte für drei Jahre verurteilt. Die Interessengemeinschaft des Klerus aller Konfessionen geht ungewöhnlich klar und einprägsam aus folgendem Dokument hervor: Das Oberrabbinat der Prager israelitischen Kultusgemeinde sandte dem Präsidium des gesamtstaatlichen Katholikentages in Prag folgende Zuschrift: An das löbliche Präsidium des gesamtstaatlichen Katholikentages in Prag:„Friede sei Deiner Burg, in Deinen Palästen herrsche Sicherheit, für meine Brüder und Freunde spreche ich den Frieden überDich aus, für das Haus Gottes, unseres Herrn, werde ich Dein Heil erflehen." Mit diesen Worten des Psalmisten begrüßt das unterfertigte Rabbinat von Prag Ihren Kongreß, dessen Zeugen wir sind. Sorgsame Hirten aller Bekenntnisse sollten Maßnahmen erwägen, welche die" heutige Zeit erfordert. Das Volk von heute ist in seinen moralischen Grundfesten erschüttert und allein die Bele« ", bung, Befestigung und Vertiefung des religiösen ' Fühlens und des Glaubens in Gott können dem Volk und dem Einzelnen aus dem Gewissens- und Moral-Chaos heraushelfen. Nach dem Worte eines alten Lehrers, daß das einer Person leuchtende Licht vielen Personen leuchtet, bin ich überzeugt, daß Ihr Kongreß pin mächtiger Impuls in dieser Richtung sein wird, und daß von ihm wohltätige Anregungen ausgehen werden. Deshalb wünsche ich ihm von Herzen, das beste Gelingen, denn: im Glauben haben wir alle einen Vater, ein Gott hat uns alle geschaffen. Mit achtungsvollen und ergebenen Grüßen das' Oberrabbinat der ' israelitischen Kultusgemeinde in Prag, gezeichnet Dr. Deutsch. Der zweite tropische Tag Gestern mehr noch als vorgestern gab einem die Hitze das Gefühl, das man als„unerträglich" zu bezeichnen pflegt. Aber schließlich hat man's doch erttagen. Doch leicht war es wirklich nicht. Insbesondere in P r a g, innerhalb der glühenden Häuser und stickluftigen Straßen, war es schon sehr arg. 86 Grad im Schatten I Luft wie aus einem Backofen, heiße Sttöme, die aus der afrikanischen Wüste zu kommen schienen. Kein Flußbad, keine kalte Douche, am wenigsten der Ueberkonsum eiskalter Getränke konnte länger als eine halbe Stunde Kühlung und Linderung bringen. y Niemand erinnert sich so heißer Tage in unseren Gegenden. Selbst Jtalienfahrex Moskau. Die Teilnehmer des Stratosphärenfluges erstatteten Stalin, Molotow und Woroschilow darüber Bericht. Der Ballon erreichte eine Höhe v o n 1 6.0 0 0 M e t e r.- Die Mannschaft des Sttatosphärenballons legte eine selbstqufopfernde Fürsorge für die Apparate an den Tag, die die kostbaren Angaben und die Höhenluftvrvben zur Erde bringen sollten. In 7000 Meter Höhe, als der beschleunigte Niedergang des Stratosphärenballons infolge einer lokalen Hüllenbeschädigung die Intaktheit der Apparate bedrohte, sprang W e- rigo auf Befehl des Kommandanten des Ballons aus 3000 Meter Höhe im Fallschirm ab, um die Gondel zu erleichtern. Als zweiter folgte in 2000 Meter Höhe Prilutzki, der seinen Fallschirm erst nach einiger Zett öffnete, um am Schlepptau vorbeizukommen, ohne es zu zumal glauben, daß es an den heißesten Tagen in Rom nicht heißer gewesen s^i. Gegen 1 Uhr verdunkelte sich der Himmel ein wenig— alle Kreatur schöpfte Hoffnung auf ein Gewitter, einen tüchtigen Regenguß, und man war wahrhaft glücklich, als die ersten^Tropfen fielen. Leider waren sie zugleich fast auch schon die letzten. Denn nach wenigen Minuten hörte das sanfte Geriesel schon wieder auf, ohne die geringste Temperatursenkung herbeigeführt zu haben. Im Gegenteil: kochend wie aus Ofens Rachen, glühn die Lüfte nun erst recht und in den ersten Abendstunden, da die Sonne hinter den Häusern endlich verschwunden ist, atmen die nun erst recht wie aus vollen Zügen den eklig heißen, Dunst aus, der sich um den Kopf legt und jede Arbeit zuM Mißvergnügen macht. Was nutzt es, daß man längst alle möglichen Kleidungsstücke von sich getan hat? Noch nackt ist mast eine Beute dieser tropischen Temperatur. Und dennoch laufen noch zu Tausenden Männer in den Straßen herum, die von der alten, ist solcher Zeit besonders verrückten Kleidung nicht«blassen, den Hemdkragen nicht abtun, Weste und Hosenträger nicht ablegen. Und dabei beneidet doch jeder vernünftige das Tier, * das sich so bewegen darf, wie die Natur es geschaffen! Alles k-staut sehnsüchtig zum Himmel empor, sucht ihn ab nach einer'gnädigen Wolke. Aber noch will sich nichts zeigen. Hoffen wir auf Freitag... * 36*4 Grad Celsius in Prag Am Rand eines etwas kühleren Luststrome», der von Irland zur Ostsee vorgedrungen ist, bildeten sich Donnerstag auch in Böhmen Lokalgewitter, die je-: doch k e i n e Milderung der Hitze brachten. In ganz Mitteleuropa stieg die Temperatur über 30 Grad und erreichte im unseren Gegenden eine für diesen Monat ganz ungewöhnliche Höhe. Um 14 Uhr meldeten Breslau 37, Pilsen und Budapest 36 Grad. Etwa um 15 Uhr wurden in Prag 36.4 Grad verzeichnet, das ist die höchste Junitemperatur seit dem Beginn meteorologischer Beobachtungen in Prag, im Jahre 1778. Es scheint, daß es im Westen des Staates vorläufig zu keiner wetteren Erwärmung mehr kommen wird. Der allgemein schöne und warme Witterungscharakter dürste jedoch noch anhalten, da sich die Hochdruckzone über den Binnenland neuerdings verstärkt.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauern des im ganzen schönen Wetters, warm bis heiß, einzelne Lokalgewitter.— Wetteraussichten für Samstag: Lokalgewitter, sonst schön und warm. Die Norwegenreise unserer„Atus"-Länderelf Für einen Fußballer ist es die höchste Ehre, in der Ländermannschaft zu spielen. Eine besondere Freude aber noch, wenn die Spiele im Ausland stattfinden. Nordlandreisei Mit hochgehobenen Gefühlen wurde der Zug bestiegen.. In Bodenbach ging es trotz Paßkontrolle und Devisensperre sehr flott. Auch in Saßnitz(Rügen). Nur in Schweden und Norwegen hat unser Sammelpaß eist bißchen Aufsehen erregt, aber schließlich- gings auch hier glatt und die letzten Schwierigkeiten find überwunden. So viel Geld hatten wir nicht mit, um mit den Debisen- bestimmuMen in Schwierigkeiten zu kommen. Einige Stichproben überzeugten. Im allgemeinen muß anerkannt werden, daß bei allen Grenzstationen äußerste Zuvorkommenheit die Beamten auSzeichnete. Im letzten Moment Schwierigkeiten wegen der Fahrkarten. Wieder sind die Devisenbestimmungen schuld. Eine Stunde vor Abgang des Zuges find wir bis OÄo unter Verzicht auf die Ermäßigungen in Schweden und Norwegen eingedeckt. Jetzt kanns losgehen. In Aussig tteffen die Teplitzer ein und um 10 Uhr ist in Bodenbach die ganze Gesellschaft, 17 Genossen und eine Genossin, beisammen. Bald sind wir in Dresden, wo der deutschböhmische Arbeitersport eine große Zahl Bekannter und Freund: besitzt und oft zu Gaste weilte. Heute ist es ganz anders. Die große stolz« Bewegung vernichtet. Ein anderes System triumphiett. Wehmütig denken wir an die schöne Zeit zurück und noch lange werden Erinnerungen ausgetaufcht. Um 3 Uhr sind wir i Berlin. Sechs Stunden Aufenthalt. Di« Koffer berühren. Sille kletterte unter Absturzgefahr in det Höhe von 2000 Metern auf die Oberflächt der Gondel und brachte den Stratosphärenballon mit außerordentlicher Umsicht zur Landung, wobei auch die zerbrechlichsten Apparate vollkommen unversehrt blieben. Der Flug brachte außerordentlich viele wettvolle wissenschaftliche Ergebnisse., Die Besatzung des Ballons machte zwölf perspektivische Aufnahmen der Erde sowie Aufnahmen der Ballonhülle in großer Höhe. Die Besatzung des Ballons hat ungefähr 60 Untersuchungen der kornischen Strahlen angestellt, die von großem wissenschaftlichen Werte sind. Zur Kontrolle der Aufzeichnungen und Apparate sowie zur genauen Feststellung der von dem Ballon erreichten Höhe wurde eine autoritative Kommission eingesetzt. Blutige Erinneruuge« steigen einem auf, wenn man das Kardinalsrot am Hut des Wiener Erzbischof I n n i tz e r sieht, der Donners- tag nachmittags in Prag angekommen ist. Wie sein Vorgänger Piffl— ein Landskroner— so ist auch Jnnitzer, aus W e i p e r t gebürtig, ein Sudctmdeutscher. Er hat uns wenig Freude bereitet, dieser berühmte Landsmann und wir begrüßen ihn mit sehr eindeutigen-Gefühlen. Jnnitzer ist eine der gefährlichsten Typen im zeit- genössischen Katholizismus. Er hat sich als Pro- fessor und noch als Innenminister den Anschein einer humanen, demokratischen und sozialen Haltung gegeben. Konnte man ihn auch nicht in die Reformgeneration der österreichischen Katho- liken einreihen, die durch Professor Uhde am besten charakterisiert wird, so schien er doch um eine Generatton vom Weltbild des kttegerischen Piffl, um noch viel mehr von der unchristlichen Roheit des Heimwehrbischofs Pawlikow- s k i entfernt. Don der jesuittschen Schlauheit eines Seipel schien ihn gerader Sinn zu scheiben. Wuchs hier dem demokratischen Prälaten H a u s e r ein Nachfolger heran? Bald kam es anders. Der Fürsterzbischof und Kardinal hielj schützend seine Hand über die G f ö l l n e r und Pawlikowski, die jeden Tag eine neue Rechtferttgung für Eidbruch und Staats- stteich beretthaüen. Unter Jnnftzers Führung wandelte sich der AusttofascismuS aus einer kom- promißbereiten zu einer agressiven Bewegung. Im Schatten Jnnitzers stiegen die Dollfuß, Stäche m berg und endlich auch der Hen- ker Fey zur Macht empor. In den Febertagen stand der Kirchenfürst hinter den Haubitzenhel- den. Er ließ es geschehen, daß Unschuldige hin- gerichtet, ein Schwerverwundtter zum Galgen geschleift, mit Lug und Trug und Gewalt ein Werk zerstört wurde, das der Nächstenliebe wahrhaft gedient hatte. Herr Jnnitzer"täte auch jetzt besser daran, statt sich hier im Glanze zu zei- gen, in Oesterreich Taten christlicher Liebe zu vollbringen. Zu ihnen gchött„die G e f a n- g e n e n besuchen". Es gibt deren in Oesterreich viele Tausend und sie leiden unerhött. Prügel, seelischer Terror, schlechtes Essen, Willkür der Aufleher bedrücken sie. Hat Jnnitzer schon mit- geholfen, daß Unschuldige starben und unterlagen, will" er nicht in seiner Erzdiözese Nächsten- Saßnitz— jetzt geht es aufs Schiff unserem nächsten Ziel Schweden zu. Um zwei stoßen wir ab. Di« Mannschaft ist in einem komfortablen Salon sehr gut untergebracht. Freude und Erwartung strahlt aus allen Gesichtern. Die meisten sahen zum erstenmal, das Meer und ein größeres Schiff." Di« Stimmung ist vorzüglich, nur das Wetter meint es nicht gut. Ein heftiger Sturm peitscht über die Ostsee und schaukelt das Schiss hin und her. Langsam läßt die fröhliche Stimmung nach,.«in eigentümliches Gefühl befällt einen. Es blieb aber nur bei-em. Schaden hat keiner- gelitten. Die Kreidefelsen von Rügen sind schon lange nicht'mehr in Sicht, es umgibt uns nur das mächtig wogende Wasser^ Nahezu-fünf Stunden dauert die Schaukelfahrt. Dann kommt Schweden in Sicht. Um halb 7 Uhr stehen wir.auf schwedischem Boden in Trälleborg. Ohne Aufenthalt geht es weiter. In Malmö erwartet uns. ein Genosse aus Dänemark. Er will gern ein Spiel am 29. Juni in Kopenhagen abschließen. Wir müssen leider ablehnen, weil Visumschwierigkeiten und Zeitmangel ein vierte- Spiel zu unserem eigenen Bedauern nicht mehr zulassen. Jetzt folgt eine vielstündige Fahrt Zweites Spiel des Atus-Team: unentschieden 2:2(2:1) gegen Kreismannschaft von Drammen - Das zweite Match trug«» wir in Drammen aus, wo wir auf eine starke Kreismannschaft stießen. Ter fette Grasboden behagte unseren Spielern nichi. Die Mannschaft spielte gut, erreichte aber ihre iui Osloer Länderspiel gezeigte Form nicht. Die Norweger spielten mehr als hart, gingen sehr auf den Man« und unsere Spieler verhielten sich sehr zurückhaltend gegenüber diese Spielwesse. Wir stellen folgende Mannschaft: Bocilka; Hellmich, Geisler; Heger, Berwanger, Fiedler; Deussch, Distler, Günt- ner, Distler, Schmidt. Der Kampf wäre auch diesmal mit einem Siege für uns ausgegangen, wenn nicht unglücklicherweise Heger durch ein Eigentor den Norwegern zu einem billigen Ausgleich Verholfen hätte. Unsere Tore erzielten die Brüder Distler Die Aufnahme in Drammen war wiederum herzlich. Am Donnerstag fand in Oslo das letzte Spie.' statt, und zwar wieder g«gen die norwegische Ländermannschaft. Ein Besicht darüber folgt. Freitag tritt das Atus-Team die Heimreise au und wird am Samstag in Aussig eintressen. Nachklänge zum 4:1-Sieg in Oslo Der Sozialistische Pressedienst schreibt u. a.: „Die Gäste waren diesmal eine angenehme Ueber- raschung. Sie zeigten kultivierten und berechnenden Fußball. Für uns gibt es kein« Entschuldiguna. Die Tschechen(Atus) waren um vieles besser. Unser Glückwunsch kommt vom Herzen." „Arbeiterblatt":„Zum ersten Male nach vielen Jahren erlitt AJF(Arbeitersportverband) eine Niederlage in einem Fußballänderkampf im Heimatland. Die Tschechen spielten, als ob sie allein auf den) Platze weilten. Trotzdem die Gäste Weichen Boden nicht gewöhnt sind, sah man. daß sie eine gute Ballbehandlung haben." Norwegens Jnstizminister(Sozialdemokrat) wohnte dem Spiele bei und^äußerte sich:„Es wa' das schönste Spiel, die Russen ausgenommen, das ich gesehen habe. Ich freue mich über die Tschechen, sie sind sehr gute Spieler. Wir werden nächstes Jahr bei euch und in Polen spielen und dann kommt ihr sofort zn uns zur Revanche." Ter Schiedsrichter(der, nebenbei bemertt, fast ohne Fehler amtierte): Gute Disziplin beider Mann, schäften. Die Tschechen sehr, rasch und immer am Ball. Der große Sieg war richtig und entspricht dem Spielverlauf. liebe und Feindesliebe praktizieren statt predigen?! Hier ist er in fremdem Land nur tzas Symbol eines blusigen, schuldbeladenen und todeswürdigen Regimes. Verlängerung der Eisenbahn-Schülerlegitima- tiönen. Mit Rücksicht auf den zeitlich verschiedenen Schülfchluß in Prag und außerhalb Prags verlängert das Eisenbähnnlksiistttiufit^mr Güfligksit Der Eisen- bahn-Schülerlegitimationen allgemein bis zum 8. Juli 1988. Vom Rundfunk Smpfehlenswertes au««an ProgramaMai SamStag Prag, Sender L.: 7.00 Uebertragung aus Karlsbad, 10.06 Klavierkonzert, 12.20 Militär- konzcrt, 18.00 Orchesterkonzert, 16.00 Buntes Programm. 18.00 Deutsch« Sendung: Konzert der Egerer, Sängerknaben, 22.33 Deussche Press«.— Sender S.: 14.30 Deutsche Sendung: Prof. Klausner: Schulschluß, 14.68 Sopdan: Mickey auf der Weltteise.— Brünn: 13.30 Opernarien, 18.00 Deutsche Sendung: Paganini, Hörspiel, 19.18- Orchesterkonzert.— Mähr. Ostrau: 18.00 Deutsche Sendung.— Prrßtirg: 18.40 Klavierkonzert. 20.43 Ter Teufel hole doö Geld. Operette.— Kaschau: 8.68 Populäres Orchesterkonzert. Mit Autos geht es ins Quartier„Hotel Standard". Gute.Unterkunft und vorzügliche Verpflegung. Oftmals des Guten zu viel. Bekanntlich sind die Nordländer statte Esser. Wir,-die wir nur an einfache Kost gewöhnt sind, konnten uns zunächst in dem Vielerlei der Auswahl gar nicht zurechtfinden. Die Osloer Genossen find sehr bemüht, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt und der Umgebung zu zeigen. Hafen- und Stadtrundfahrten finb an- gesetzt. Besichtigung des gewaltigen Volkshauses und GewerkschaftShausos, Ausflüge in die Umgebung.— Am Freitag nach unserem großen Siege waren beide Mannschaften Gast des sozialdemokrattschen Justizministers, eines sehr einfachen, freundlichen Mannes.— Eine uns allen fremde Erscheinung ist, daß eS überhaupt nicht finster wird. Um 11 Uhr abends ist noch Taghelle. Dann folgen vier Stunden mäßige Düsterheit und um 3 Uhr ist schon wieder Tag. Aber trotzdem schliefen wir unser Quantitm herunter. werden eingestellt und ein Rundgang Unter den'Lin- von an iw da-- den, Parlament, Siegessäule und Siegesallee ange-1 durch das schöne, saubere, an Naturschönheiten reich: Schwedenland. Göteborg, eine schöne und große Stadt, liegt hinter uns. Um 6 Uhr sind wir auf norwegischem Boden. Konnte uns Schweden schon zum Teil begeistern, so Norwegen ganz. Herrliche Landschaftsbilder ziehen an upS vorüber, Wald, Schluchten, Meer wechseln in bunter Reihenfolge ab. j Wir haben hier«ne feste, gute Parteiorganisation und statte Gewerkschaften. Die Arbeitslosigkeit ist bei weitem nicht so kraß wie bei uns. Besondere Hilfsmaßnahmen der sozialistischen Regierung schaffen auch hier Beschäftigung. Besonder- stark ist der Turnerbund: 1924: 6000 Mitglieder, 1938: 62.000 Mitglieder. Die Lebenshaltungskosten stellen sich bedeutend höher als bei uns, dafür ist aber auch der Lohn entsprechend höher. G. E. treten. Regenwetter treibt uns schon früher zum Bhhnhof..... I Endlich geht es weiter. Um U2 Uhr sind wir in Stralsund. Unser Wagen wird auf eine Ueber- fähre gerollt und nach der Insel Rügen weiterbefördert. Die ersten erhebenden Eindrücke: Nachts Meer und Lichterglanz. Sofort sind die Fenster belagert. I Es gibt viel zu schauen. ES ist ein herrliches I Stückchen Erde. Um 8 Uhr sind wir in Oslo. Herzlicher Empfang,' photographisch« Aufnahme ustv. Wir haben eine schöne Reise hinter uns. Neues und Schäne» erwartet uns noch di« nächsten sechs Tage. Nr. 150 Freitag, 28. Funk 1935 Sekte 5 Erdbeben in Süddeutschlaud und der Schweiz Stuttgart. In Stuttgart wurde das Erdbeben besonders heftig auf den umliegenden Höhen verspürt. In Bilingen(Schwäbische Alp) war der Erdstotz so stark, datz die Bewohner im ersten Schrek- ken zum Teil die Häuser verlieben. In Heidenheim an der Brenz und in Steinleim verspürte man zunächst- einen leichten und kurz darauf einen sehr schweren Erdstoh. Schränke, Türen und Fenster gerieten in heftige Bewegung, man konnte sogar deutlich ein Schwanken der Kirchtürme beobachten. In Biberach in Oberschwaben war das Erdbeben von donnerähnlichem Getöse begleitet. In verschiedenen Stratzenzügen wurden die Kaminbedachungen abge- lvorfen. Mehrfach sind Schornstein« eingeftürzt. Karlsruhe. Am Donnerstag abends wurde in ganz Baden ein starker Erdstotz verspürt, der vielfach die Häuser ins Schwanken brachte. Die Stra« tzenpassanten fühlten, wie unter ihnen der Boden wackelte. In den Häusern kamen die Möbel ins Rutschen. Ueber Schäden ist. bisher nichts bekannt, geworden. Durch den sehr heftigen Stotz wurden die Apparate im Geodaetischen Institut der Technischen Hochschule in Karlsruhe vollständig herausgeworfen. Bern.(SDA) Donnerstag, gegen 18.20 Uhr wurde in verschiedenen Gegenden der Schweiz, so namentlich in Basel, Zürich, Bern, der Ostschweiz und der Jnnerschweiz ein ziemlich heftiger, etwa 4 Sekunden dauernden Erdstotz verspürt. In Zürich, Basel und St. Gallen wurden in zahlreichen Häusern starke Erderschütterungen wahrgenommen. Schadensmeldungen liegen bisher nicht vor. Bier Hinrichtungen in USSR Moskau. Nach einer Meldung aus Semipa- latinsk(Katzkatan) verurteilte das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes vier Bauern wegen Ermordung eines GPU-Beamten zum Tode durch Erschießen. Weitere sechs Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von drei bis zehn Jahren. Die Todesurseile wurden bereits vollstreckt. Zur Erleichterung und Sicherung des Straßenverkehrs Der Ständige Ausschuß für den Straßenverkehr (beim Völkerbund) beendete in Genf seine Arbeiten, indem er die verschiedenen Mittel prüfte, um den Straßenverkehr zu erleichtern und ihn insbesondere sichtbarer zu gestalten. Außer anderen Fragen behandelte das Komitee auch das Problem der Warnungszeichen auf Eisen» bahn-Uebergä-ngen. ES wurde festgestellt, daß die beste praktische Lösung die Empfehlung an die Staaten sein wird, es bei dem bisherige«. System^u^belaAen,.sich-ab»r- durch schrittweise> Besserung dem-System anzunähern, das am beste« den gegenwärtigen Anforderungen des Straßenverkehrs entspricht. Der Ausschuß sprach die Ansicht aus, daß an Stelle der direkten Eisenbahnühxrgänge He b et» und Unterführungen ohne Rücksicht auf die mit solchen Maßnahmen verbundenen bedeutenden Ausgaben gebaut werden sollten. Es wurde eine Resolution angenommen, die die Hinlänglichkeit der bisherigen Prüfung der Frage der Warnungszeichen an Eisenbahnubergängen hervorhebt, so daß in dieser Angelegenheit bereits ein internationales Abkommen angenommen werden kann. Der Ausschuß wird auch den Entwurf eines solchen Abkommens vorbereiten, über dessen Inkraftsetzung eine internationale Konferenz zu entscheiden hätte. Bei den Genfer Beratungen wurde auch die Frage der e in h e i t l i ch e rt Bezeichnung eines Vovfahrver» botes an bestimmten Stellen und eines A u s- weichverbotes an festgesetzten Orten(z. B. auf. Brücken) behandelt. Der Ausschuß stimmte auch einer besonderen Kennzeichnung für das Verbot der Verwendung mechanischer Hupen(in der Iiähe von, Krankenhäusern u. ä.) zu. Schließlich nahm der Ausschuß den Entwurf eines Fragebogens an, der den Regierungen eingesandt werden soll und die Verwendung mechanischer Signale für den Verkehr an Kreuzungsstellen betrifft. Pferde verursache« ei« schwere- Zugsunglück Stockholm. Ein-schweres Unglück passierte Mittwoch früh bei einem Eisenbahnbau in der Nähe des Ortes Umoskosel. Bor die Lokomotive eines Materialzuges, der mit einem vollbesetzten Mannschaftswagen unterwegs zum Bau war, sprangen plötzlich zwei Pferde auf das Geleise. Die beiden Pferde wurden überfahren, wobei der Zug entgleiste. Von den Arbeiter nimMann- 'chaftswagcn, der um stürzte,^wurden sechs gerötet und 15 anbete verletzt. Kardinal Perdier bei Masaryk. Der Papst» ttche Legat am gesamtstaatlichen Präger Katholi- kenkongretz, Kardinal Verdier, machte Donnerstag auf Schloß Lana einen Besuch beim Präsidenten der Republik. Dem Gespräche wohnten bei Mine» ster des Aeußeren Dr. Benes, Kanzler Dr. S a m a l, der Chef des diplomatischen Protokolls GesandterStrim pl und GesandterIa n Masaryk. Die feindlichen Stämme Tschar und Nawa- gai(Indien) kamen in Konflikt, der mit einem blutigen Zusammenstoß endet«, wobei an 3 0 Eingeborene getötet wurden. An dem Kämpfe beteiligten sich auch die berüchtigten Abenteurer Badschagual und Tschimmi. »I« deutsche Sprengstofffiuduttrle DaS Unglück von Reinsdorf hat die Aufmerk- . samkeit auf die deutsche Sprengstoffindustrie gelenkt. So wie man es früher bei dem Flugzeugbau und den Flottenrüstungen gemacht hat, bis man dann unvermittelt die Maske fallen ließ, so sucht man jetzt auch den Anschein zu erwecken, als handele es sich > just um die einzige, gerade die durch den Friedens- , vertrag erlaubte Fabrik. Kein vernünftiger Mensch wird glauben, daß Deutschland etwa auf diesem be- I sonders wichtigen Frontabschnitt der Aufrüstung etwa anders vorführe und eine Ausnahme machte. Und das ist berechtigt. Die Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-AG, die vier Fabriken, und zwar in R e i n S d o r f bei Wittenberg, CoSwig(Anhalt), Sythen(Westfalen) und Sinsen bei I Recklinghausen hat und Sprengstoffe und Pulver für ! bergbauliche, industrielle und Kriegszwecke, | ferner Sprengkapseln, Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Sulfat, Bisulfat, Glyzerin, Kollodium und Zelluloid, lauter kriegswichtige Dinge, herstellt, ist noch nicht einmal der größte und wichtigste I Konzern der deutschen Sptengstoffindustrie. Viel ! wesentlicher sind noch die I G-Farben, Dynamit-Nobel(Köln-Rottweil) und die L i g n o s e. Sie haben während der letzten 17 Jahre 32 andere Fabriken ausgekauft und— stillgelegt. Sie sind in der Sprengsto-ffverwertungsgesellschaft zusammengeschloffen,. die jährlich die Quoten bestimmt und somit die Konkurrenz ausschaltet. Während der Versailles-Verhandlungen beeinflußte StinneS die Fran, zosen, daß in den Vertrag ein Passus aufgenoinmen wurde, wonach nur eine Sprengstoff-Fabrik bestehen darf, die als alleiniger Lieferant für die Reichswehr zugelaffen ist. Stinnes setzte durch, daß eine Württembergische,- ihm damals gehörende Fabrik (also nicht Reinsdorf!) dafür benannt wurde, und sicherte sich das Monopol.^Alles weiter« verstößt also automatisch gegen 1 den Versailler Vertrag. Die Sprengstoffabteilung der JG-Farben verfügt über ein Barkapital von 40 Millionen Mark, das sie trotz der niedrigen Beschäftigungsquote anhäufen konnte. Im Jahre 1934 wurde von der Deschimag-Bremen (Deutsche SchiffSmaschinen-AG) der Bau einer neuen Sprengstoffabrik in der Lüneburger Heide geplant, die der Marine dienen sollte. Trotzdem sie durch den Reichsstatthalter von Bremen und Admiral Schneider- über gute Verbindungen verfügte, gelang es ihr nicht, die Baubewilligung durchzudrücken. Das Reichswehrministerium erklärte ausdrücklich, daß Deutschland über genügend Produktionsstätten verfüge und daß der Bau einer neuen Fabrik nicht erwünscht sei. Sie könne nicht mit Staatsaufträgen rechnen. Die Lignöse hat solche Gewinne, datz sie iß Prozent Dividend« zahlen und ungeheure Reserven zurücklegen konnte. Durch Geheimvertrag äst. sie von der.Veröffentlichung der- Bilanzen ent- ^VUNvchNs deNNUxch Erfahrungen bei der JG-Farben Internationale Schach-Olympiad« in Warschau. Am 18. August l. I. wird in Warschau eine internationale Schach-Olympiade begümen. Für das Turnier um den Hamilton Russell-Pokal haben bereits 14 Staaten Anmeldungen eingesandt, und zwar folgende Staatsverbände: England, Oesterreich, Dänemark, Estland, Finnland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Polen, Rumänien, Schweden, die Tschechoslowakei und die Vereinigten Staaten. Die Weltmeisterschaft verteidigt das Team der Vereinigten Staaten, das auch bei der heurigen Konkurrenz großer Favorit sein wird. Die E u r off a m e ist erschüft verteidigt die tschechoslowakische Mannschaft, deren Aufgabe in Warschau sehr schwierig sein wird. Im Turner um das Damen-Welt-Championat, das gleichzeitig stattfindet, wird die Tschechoslowakei Heuer durch zwei Repräsentantinnen vertreten sein; die Verteidigerin der Meisterschaft Vera Mensikova und außerdem ihre Schwester Olga. Ein vollkommene Sonnenfinsternis 1936. Am 19. Juni 1936 wird es möglich sein, auf S o- wjetgebiet eine vollkommene Sonnenfinsternis zu beobachten. Sowjet- und ausländische Astronomen bereiten sich vor, bei dieser Gelegenheit verschiedene Beobachtungen zu machen. In Rußland werden zu diesem Zeitpunkt« ungefähr 2 0 wissenschaftlicheExpeditionen dieses Naturereignis beobachten können, und zwar Expeditionen aus den Vereinigten Staaten, England, Frankreich, Deutschland, Italien, der Tschechoslowakei und Japan. Seit dem Jahre 1914 ist das die erste totale Sonnenfinsternis, die durch 151 Sekunden auf dem Gebiete des Sowjetverbandes von Krasnojarsk bis zum Baj- kalsee wird beobachtet werden können. Es ist beabsichtigt, auch während der Sonnenfinsternis die Sonnenkorona zu photographieren. Eine deutsche Forschungsexpedition hat von Kabul aus di« Reise nach N u r i st a n, einem Gebiet des früheren Kafiristan, angetreten. Ein großer Teil dieses Gebietes ist niemals zuvor von einem Europäer erforscht worden. Die Expedition wird durch daS Buschgal-Tal auf der afghanischen Seite der indischen Grenze ziehen und dann über den Schui-Paß nach dem Lutkuh-Tal Vordringen. Ihre Forschungen sollen hauptsächlich dem Ursprung de» Hindus gewidmet sein. 50.000 Kilogramm Garn verbrannt. Durch ein Grobfeuer in einer Wollspinnerei in Tourcoing (Frankreich) wurden 50.000 Kilogramm Wollgarn vernichtet. Der Schaden beträgt 1.25 Mill. Franken. 50 Arbeiter sind für einen Monat brokloö geworden.'.\' mußte befürchtet werden, datz der Rüstungscharakter aus dem Zahlenmißverhältnis sichtbar würde. Ein Vertrag mit der Reichswehr über Lieferung von Sprengstoff im Werte von sechs Millionen Reichsmark und 6000 Fliegerbomben zu je 150 Kilo wurde nicht in die letzte Bilanz aufgenommen. Das Lignose- Werk in Kruppami'chle(Oberschlesien) wurde zunächst nicht für Heereszwecke umgebaut, da dreieinhalb Kilometer von der Grenze strategisch keine Sicherungsmöglichkeit besteht. Man verläßt sich eben nicht allzusehr auf den deutsch-polnischen Vertrag. Dennoch wurde 1984 eine neue Kraftzentrale gebaut, obwohl für den Zivilbedarf die drei bestehenden kleinen Zentralen genügten. Die Möglichkeit der Ausweitung und Umstellung der Produktion hat man sich also Vorbehalten. Die an der ffchechoflowakischen Grenze gelegene Lrgnose-Fabrik Reichenstein ist vollkommen veraltet und unrentabel, aber seit 1934 schweben Verhandlungen mit dem Reichswehrministerium, den Betrieb nach Mitteldeutschland zu verlegen und aufzubauen. Die Investitionen würden sechs Millionen betragen. Der RüstungSbetrieb der Lignose(also wiederum ein nicht erlaubter!) aber liegt in Schönebeck an der Elbe. Dort wurde 1933 ein Mammutbau für 8.5 Millionen errichtet, der ausschließlich zur Herstellung von Trinitritoluol dient und für zivile Zwecke überhaupt nicht in Frage kommt. Die Mittel stellte die Reichswehr zur Verfügung. Gebaut wurde die Fabrik unter Leitung des Direktors Bogt, der während des Krieges Dprengstoffachmann beim Reichsmarineamt war Die Trinitritoluol-Fabrik wird alS modernste Sprengstoffabrik der Welt bezeichnet und soll in der Lage sein, den gesamten Sprengstoffbedarf eines Krieges vollkommen laufend zu decken. Dre Lager können eine Million Kilo Toluol fassen. Vorhanden sind Regenerationsaülagen für drei Monate laufenden Bedarfs und unterirdische Stollen, in denen 750 Tonnen gelagert werden können. Ab 1. Juni 1934 waren die Lager gefüllt. Unter vormalen Bedingungen können täglich 40.000 Kilo geliefert, im Ernstfälle die Produktion verdoppelt werden. Das Werk Schönebeck besitzt außerdem die einzige kontinuierliche Nitrier-Anlage Europas, die stündlich 200 Kilo Nitroglyzerin liefern kann. Gebaut wurden ferner sechs Granaffüllhäuser und sechs Häuser zum Füllen von Fliegerbomben. Die Arbeiter sind direkt beim Werk angesiedelt, so daß man ihren Verkehr überwachen kann. Die Arbeitsplätze wurden ständig gewechselt. Zum Teil ist der Bau unterirdisch angelegt. Die Lagerräume liegen vier bis fünf Meter unter der Erde und sind durch zwei Meter dicke Betonmauern und Erdwälle gegeneinander abgedichtet. Die Fabrik ist zirka fünf Meter tief in die Erde versetzt.- Die Arbeiter erhalten— relativ— viel, nämlich 23 Mark, Frauen und Mädchen 14 bis 16 Mark, Messter 80 Mark di« Wochr. 40 Prmenkder Mlegschaft, bestehen. gus- Jugendliche>ü.5.‘ 2._.. UT’-••••*• Der Fall Gach. Herr Professor Schlaffer übermittelt uns einen Bericht, dem wir folgendes Entnehmen: Die Staatsanwaltschaft hat di: Einstellung des Stra f v erfahrens gegen Prof. Schlaffer, Dr. W e n z l und di: 15 Aerzte der chirurgischen Klinik verfügt Die Sektion der Leiche Dr. Gach's hat den Befund einer schweren Hirnerktankung ergeben: Auf dem Boden eines chronischen Entzün- dungZprozesses an den Hirnhäuten hatte sich eine faustgroße Cyste im Bereichs des rechten Stirnhirns entwickelt, welche zu schweren Druckerschei- nungen am Gehirn sowie an den Schädelknochen führte. Von dem Bestehen dieser Erkrankung hatte niemand eine Ahnung gehabt. „Rache ist süß." Aas Aussig wird berichtet: Vor einigen Tagen brach im Wirtschaftsgebäude des Gustav Klöpsch in Schönwald nachts ein Feuer aus, welches- einen Schaden von etwa 60.000 Kö anrichtete. Die Untersuchung ergab, daß das Feuer gelegt Ivorden war. Der Tat verdächtig erscheint der Onkel des Landwirtes, Wenzel Klöpsch, ein Alkoholiker ohne ständigen Aufenthalt, von welchem Gustav K. kurz vorher einen Brief erhielt, worin nur die Worte»Rache ist süß" standen. Centralbank-Moratorrum verlängert. Die Centralbanf der deutschen Sparkassen in der Tsche- choslowakischen Republik teilt mit: Mit Erlaß d«S Finanzministeriums vom 21. Juni 1935, Zl. 71.352/85—IIA/3, wurde das Moratorium für die Centralbank bis zum 3 1. Dezember 19 3 5 verlängert. Die russischen Fallschirmspringerinnen. Ueber dem Senesch-See bei Moskau vollführten Dienstag sechs Sowjetfrauen einen gemeinsamen A b s p r u»n g mit Fallschirmen mis der Höhe von 600 Meter. Am See patroullierten Boote, welche die abspringenden Frauen sofort an Bord nahmen. Russenfilm im Volkshanskino, Aussig. Wir lassen in einer Extra-Vorftellungm a Samstag nach dem Fackelzug im Aussiger Volkshaus-Kino den einzigartigen Ruffenfilm„Der Weg ins Leben" laufen. Beginn: Hallb 11 Uhr. Eintritt: Für alle Festkartenbesitzer 2 Kä bei freier Platzwahl., Für andere Besucher 2.50 bis 4.50 Kü. Wir empfehlen besonders jenen Genossen und Genossinnen den Besuch dieses grandiosen Filmwerkes, welche in ihrem Ort keine Gelegenheit hatten, noch haben werden, diesen bedeutendsten Original-Russen-Tonfilm— er übertrifft den unvergeßlichen„Potemkin" zu sehen. Man erhält schon ab 3 Uhr an der Kinokassr Eintrittskarten im Vorverkauf. Wir verfügen über 800 Platzet Appelle an das„Weltsewissen“ „Aber ich lasse den Kopf nicht hängen. Alles ist besser als Konzentrattonslager, von dem uns eben..» mit ernstem Humor erzählt hat. Wenn«S so etwas wie ein Welr- gewissen gäbe, die ganze Welt müßte voller Empörung gegen solche Schändung der Menschenwürde aufftehen. Da es aber>o etwas nur in der Phantasie unheilbarer Illusionisten gibt, macht die Welt ihren Frieden mtt diesen Schindern." Mathilde Wurm. Es gehört zu den tragischen Akzidentien die ser Zeit, datz noch immer manche Menschen, erfüllt von der Sehnsucht nach Frieden, Arbeit und Brot, nach einem glücklicheren Leben auf diesem Wandelstern— da es täglich mehr von der Vernichtung durch Ekrasit, Hyprit und Pestbazillen bedroht ist— meinen, die Instanz des„Weltgewissens", vor allem,die des„aufgerüttelten", vermöge Frieden und Gerechtigkeit zu verwirklichen. Die Welt wird von anderen Mechanismen regiert als von denen der Sittlichkeit. Das Gewissen aber ist eine sittliche Kategorie, die zudem nur das Individuum— selten genug— aus- zeichnet.•' Der Begriff des Weltgewissens ist eine Fiktion; eine Wunschkonstruktion denkschwacher Abstraktpazifisten. Sehen wir. der Wirklichkeit ins Auge, dann werden wir von der Erkenntnis übermannt: es gibt kein Weltgewissen. Es gibt Klassen in der Welt: Reiche und Arme, Kapitalisten und Proletarier. Leute, die von der Arbeit anderer leben und Leute, die von dem spärlichen Ertrag der eigenen Arbeit zu leben gezwungen sind. Dazwischen eine ganze Reihe ökonomisch-soziologischer Zwischentypen. Jede dieser Klassen hat ökonomische Interessen, die denen der anderen Klaffe diametral entgegengesetzt sind. Die Befriedigung der Interessen der einen Klasse bedingt die Nichtbefriedigung der anderen. Blicken wir um uns: Das Dritte Reich, die Schöpfung von blut-, macht- und geldberauschten Gangstern währt über zwei Jahre. Seine Führer Goering, Goebbels, Streicher, Himmler, Eicke(der Mörder Erich Mühsams) bis hinunter zu den hunderttausenden Lokalgrößen der DNSAP häuften in dieser Zeit vor den Augen der Welt Verbrechen auf Verbrechen.' Von der Reichstagsbrandsttftung GoeringS über die nach Tausenden zählenden Morde im Inland zu denen im Ausland, wie den Morden an Dr. Bell in Kufstein, an Professor Teodor Lessing in Ma- rienbatz, an Formis in Zahori, den Entführungen Jakobs auS> der Schweiz, GutzoitS aus Holland, Lampertsberger aus Eisenstein zieht sich ein einziger Faden tiefster Blutschuld, die jemals von Regierenden auf sich geladen wurde. Wann je wäre ein„Weltgewissen" durch heiligere Pflicht gezwungen gewesen, aufzuheulen ob solchen Matzes von Mord, Raub, Quälerei, Lüge und Heuchelei! Was aber geschah in Wirklichkeit? Keine der Untaten der Herren des Dritten Reichs erweckte einstimmiges Echo der Empörung. Keines der zahllosen, in der blutigen Geschichte der Zivilisation nicht seinesgleichen findendes Verbrechen— nicht eines!— vermochte einstimmigen Protest der Welt, geschweige denn Aufraffung zur Repressalie oder zu sonst einer Tat auSzu- lösen- Weder die Reichstagsbrandsttftung, weder die Hinrichtung des schon vorher vergifteten van der Lubbe, weder die völlig widerrechtliche Gefangenhaltung des vom Reichsgericht freigesprochenen Torgler, weder die erwiesene Ermordung Erich Mühsams, noch die nun über zwei Jahre dauernde Inhaftierung des Nobelpreiskandidaten Carl von Ossietzky! Keines dieser entsetzlichen Geschehnisse vermochte das, was Jllusionshörige „Weltgewiffen" nennen, zu erzeugen, geschweige denn„aufzurütteln". Die Klassenzerklüftung der modernen Gesellschaft schafft zweierlei Ideologie: bürgerliche und-proletarische. Die Erregung deS Bürgertums über die bestialischen Verbrechen gegen den Geist der Humanität ist eine Sackgasse, Eine Sachgass, aus der es keinen Durchbruch zur Erkenntnis von der Notwendigkeit neuer Gesellschaftsordnung gibt. Allen Bourgeoisien ist Hitlers Mordregime in Deutschland noch immer lieber als ein Regime des Sozialismus. Nur das Kollektivum Proletariat ist ehrlicher Erregung über die Greuel der Welt fähig. Denn nux v bei ihm verbindet sich die moralische Entriistung' mit Son Bewußtsein von derAenderungsmög- lich kett und Aenderungsnotwendigkeit der Gesellschaftsordnung. Nur bei ihm ist das gewünschte ökonomische Endziel identisch mit dem erstrebten, ethisches: Zustand der Welt. Das ethische Postulat des revolutionären Proletariats ist materiell fundiert durch die Tatsache, datz im Sozialismus niemand vernünftiger Weise den Wunsch und die Möglichkeit haben wird, Krieg zu führen, niemand die ökonomische Motivation zum. Verbrechen. Erst nach dem Siege des Sozialismus— also nach der Aufhebung der Klassenunterschiede wird ein homogenes moralisches Gefühl die Welt beherrschen können, das den Namen „Weltgewiffen" verdient. Julius Epstein Seite« „Sozialdemokrat" Freitag, 28. Juni 1938. Nr. 150 Die Wohnbauausstellungen in Prag (R. F.) Im Zusammenhang mit dem Internationalen Wohnungskongretz sind zwei Ausstellungen eröffnet worden, auf die nochmals hinzuweisen wir für unsere Pflicht halten. Die Tschechoslowakische Ausstellung im Obecni düm(beim Pulverturm) ist in ihrem Aufbau und mit der Fülle des gebotenen Anschauungsmaterials als' mustergültigzu bezeichnen. Besonders angenehm fällt auf, datz die Wohrckauprobleme in ihrem Zusammenhang mit der Gesamtheit der sozialen Fragen gezeigt werden und jede„Fachsimpelei" vermieden worden ist. Gleich am Eingang findet man daher Karten und graphische Darstellungen, wo die Bevölkerungsbewegung, die Berufsgliederung, die Arbeitslosigkeit, die verschiedenen gesundheitlichen Fürsorgematz- nahmen usw. in der Tschechoslowakei klar und eingehend geschildert sind. Bei den Ausstellungen der einzelnen Städte sind vor allem Prag, dann auch Brünn, Pilsen, Mährisch-Ostrau, Olmütz und Zlin durch die.Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit bemerkenswert. Ferner sind Pardubitz, Zilina und Banska Bystrica gut vertreten. Auch die d e u r- s ch e n Städte(Eger, Karlsbad, Teplitz-Schönau, Kouwtau, Gablonz, Reichenberg und Aussig) zeigen, datz auch dort, trotz der schweren Notlage, Beachtenswertes geleistet wind. Die, Verbände der Baugenossenschaften führen ihre Leistungen in Photographien und Grundrissen vor, wobei die Tätigkeit der Prager Baugenossenschaften einen starken Anteil für sich in Anspruch nimmt. Die Deutsche Hauptstelle für Wohnungsfürsorge und der Verband der deutschen Gemeinden bringen sich ebenfalls in Erinnerung. ' Die Znternationale Ausstellung im Myslbek-Pavillon(Na PiikopL, gegenüber der Panskä) beschäftigt sich mit zwei Themata: mit der Sanierung der Elendsviertel und mit der Innenkolonisation. Die ausgestellten Pläne, Grundrisse und Photographien zeigen, datz das Problem der Beseitigung der Elendsviertel wirklich in der g a n z e n Welt seiner Bedeutung nach gewürdigt zu werden beginnt. Sogar aus Niederländisch- Indien(Batavia und Soerabaja), sowie aus Sydney(A u st r a l i e n), aus Boston und Chicago sind Darstellungen von Projekten eingegan- -I gen. Unter den europäischen Ländern interessieren besonders die tatsächlichen Leistungen Deutschlands(Berlin, Hamburg, Frankfurt, Kaffel, Heidelberg)— freilich nicht des Dritten Deiches, das als ein Haüptstück seiner Ausstellung die Bauten der sozialistischen Baugenossenschaft „Gaghak" zeigen mutz!— Ferner die Errungenschaften Hollands(Amsterdam, Arnheim und Haag).Dänemarks(Allgemeine Baugenossenschaft Kopenhagen!) Schwedens, Norwegens und Luxemburgs. Die gewaltigen Leistungen W i e n s und der übrigen sozialistischen Gemein- z den Oesterreichs find nicht zu sehen— wofür allerdings nicht, die Veranstalter der Ausstellung, sondern einzig und allein die neuen Herren Oesterreichs verantwortlich sind. Grotzzügige Projekte sind in Paris, London,'Riga, Zürich nud Warschau ausgearbeitet worden und sollen jetzt der Verwirklichung entgegengehen. Unter dbn tschechoslowakischen Städten ist wiederum Prag(Sanierung der Podskali, der Dlouhä trida und der Umgebung des Emausklo- sters) besonders bemerkenswert. Sehr schöne Leistungen zeigen Aussig„(Hoffnungsland").! Brünn und Bratislava. Dazu kommen einige grotze Siedlungen in der Slowakei. Dies ist nur eine notgedrungen äußerst knappe lieber sicht über das, was die beiden Ausstellungen dem Beschauer und ganz besonders dem Prager zu bieten haben. Wir können nur wiederholen,—- datz es jedem unserer Leser dringend zu empfehlen ist, die wenigen Tage bis zum Schl uh der Ausstellung(1. Juli abends) auszunützen und sich die wertvollen neuen Kenntnisse anzueignen, welche diese Ausstellungen vermitteln. Der Eintrittspreis(zwei Kronen) ist so gehalten, datz jeder in der Lage ist, diesen Betrag aufzubringen. Kuratoriumssitzung und Haupwersannnlung des BolksbUdungshauses Urania. Montag fand die Kurawriümssitzung und anschließend die Hauptversammlung der Prager Urania unter Vorsitz von Hofrat R z a ch statt, der nach Begrühung der Anwesenden warme Worte des Gedenkens den im letzten Arbeitsjahr verstorbenen Kuratoriumsmitgliedern Oberfinanzrat Dr. Quaiser und Sanitätsrat Dr. Armin Kl e i n widmete. Der Rechenschaftsbericht des Direktors Dr. Frankl gab ein genaues Bild über den steigenden Besuch sämtlicher Abteilungen. So hatte im abgelaufenen Arbeitsjahr das Bildunginstitut Urania 283 Veranstaltungen(Einzelvorträge, Kulturfilmvor- führungen, Kindernachmittage, Unvergeßliche Filme, Exkursionen,„Kosmos", Urania-Radiobund usw.) mit 28.485 Besuchern. Weiter wurde die Masaryk-Völkshochschule in 768 Bildungsstunden von 16.281 Personen besucht. In 547 Stunden waren 8265 Personen bei den Urania-Sprachkursen anwesend.— Für das nächste Arbeitsjahr, das zwanzigste seit Bestand ist vorläufig folgendes besondere Programm geplant: ein Vortragszyklus von Prager und sudetendeutschen führenden Persönlichkeiten, sowie den Kulturträgern anderer Völker als Querschnitt durch den gegenwärtigen Stand der europäischen Kultur. Eine engere Zusammenarbeit und Wechselbeziehung zwischen deutschem und tschechischem kulturellem Schaffen, ständige„Abende moderner Kunst" an Samstagen und Sonntagen, Einrichtung von Hörergemeinden in Prag und der deutschen Provinz; eine Erweiterung des Kulturfilmverleih, ein Rundfunkseminar. Exkursionen der Jung-Urania usw. Post festum. Gestern vormittag starb an den Folgen eines vor genau einem Monat erlittenen Unfalls, die 58jährige Anna Fischer aus Prag,Xll im Weinberger Krankenhaus. Sie war seinerzeit zwei Stockwerke tjef in den Hausflur gestürzt und, ins Krankenhaus überführt worden, ohne datz die Polizei verständigt worden wäre. Diese erhielt erst jetzt, bei ihrem Tode, Nachricht von dem Vorfall und stellte durch Einvernahme einer Mitbewohnerin fest, datz Frau Fischer sich, als der Unfall geschah, über das Geländer gebeugt hatte, um nachzusehen, ob. man ihrem Hund Knochen hingeworfen hatte, datz hiebei jedoch das morsche Geländer unter, ihr zusammengebrochen sei. Hoffentlich ist, das Geländer wenigstens jetzt nicht mehr lebensgefährlich. Ei« Unfall beim Heizen. So wenig man in diesen Hundstagen«ine Gelegenheit hiezu annebmen sollte, ereignete sich gestern m der Dukni 4, wo die 21 jähr. Hausgehilfin Bozcna Slezakova im Küchenofen Feuer machte. Hiebei drang, da der Kamin schlecht funktionierte, der Rauch in die Wohnung und die Slezakova erlitt eine schwere Rauchvergiftung. Sie vermochte noch allein den Gang zu erreichen, brach hier jedoch ohnmächtig zusammen und wurde auf die Klinik Prof. Hynek gebracht. Sie hat das Bewutztsein bisher nicht wieder erlangt. Bom Rad gefalle«. Donnerstag vormittags fuhr die 28jährige Maurersaattin Anna Zlat aus Kun- rafitz, durch die Taborska in Michle, als sie vor dem Haus Nr. 800 vom Rad stürzte und schwer verletzt, mit einer Gehirnerschütterung, einem Bruch des Fußes und der Hand und mehreren Rippenbrüchen ins allgemeine Krankenhaus gebracht werden mutzte. Kunst und Msses Spielplan des Neue« Deutsche« Theaters. Heute Freitag 8 Uhr abends: Feierlicher deutscher Eröffnungsabend des„Katholikentages", (Abonnement aufgehoben.)— Samstag hall» 3: Cenodoxus,(Abonn. aufgehoben, abends geschlossen!)— Sonntag 8: Cenodoxus, (Abonnement aufgehoben.) Der keiüegecde trkagsekeüd ist zur BezakkmHäer üöotrnemenLsgeHMr ZU(KTUKfldeul Wer im XucLstamle We&t, schädigt die Soctel und deren Iresse Die Verwaltung Mitteilungen aus dem Publikum Im Winter sehnt man sich nach dem Sommer, im Sommer— schimpft man auf die Hitze! Es ist aber'wirklich nicht nötig^ datz Sie unter der Hitze leiden! Es gibt doch ein Mittel, das so angenehm erfrischt, so herrlich kühlt, datz Ihnen keine Sonnenglut etwas anhaben kann: den Alpa-Franzbrannt- wein. Sie riechen zur Alpa-Flasche, Sie betupfen Stirn und Schläfen mit ein paar Tropfen Alpa und wie weggeblasen sind die Folgen der Hitze! Damit beugen Sie auch jeder Mattigkeit, jedem Uebelsein vor: Ihr Arzt wird's gern bestätigen! VetünenaMchien Kreisturnfest Aussig! Allen Aussigfahrern geben wir hiermit bekannt, datz am Samstag, dem 28. Juni 1935, um 6 Uhr früh Treffpunkt beim Masarykbahn- hof ist. Abfahrt 6.22 Uhr. Jene, welchen es noch nicht möglich ist. zu dieser Zeit zu fahren, kön nen später allein nachkommen, müssen sich aber in Aussig in der Bundeskanzlei, gegenüber dem Bahnhof, wegen Nachtlager melden. Die Fahrt kostet I Prag—Aussig—Prag 39.20' Kä. Wir können nur I auf die 33prozenfig ermähigte Sonntags-Rückfahrkarten fahren. Alle an den Wettkämpfen teilnehmenden Genossinnen und Genossen werden nochmals aufmerksam gemacht, die Stellzeiten pünktlich einzuhalten. Freiheit! PRAG Der Dim Sylvia Sidney als„Madame Butterfly". Film- Beratungsstelle. I» der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tschechoslowakei freigegeben: Ein deutscher Film: „Die Nacht der Verwandlung"(Moldavia-Film) und sechs amerikanische Filme:.Die Schule der Liebe"(Fox-Film),„Es geschah eines Nachts" und I«Die Nacht der Liebe"(Koruna-Film),„Die lustig« Witwe"(MGM),.Die Sünde der Madelon Claudel"(Moldavia-Film),.Zirkus Barnüm"(United Artists), sowie mehrere jkrrzfilme verschiedener Herkunft. Der blamierte Tschechoslowake von Oslo Trainer Bild« König ist entrüstet Wie wir schon kurz berichtet haben, hat der tschechische Futzballtrainer Vilda König in Oslo (ehemals Viktoria ZiZkov und Slavia Prag) einer bürgerlichen Zeitung gegenüber Dinge erzählt, die für beide nicht glimpflich ausfielen. König, der sicb derzeit in der Tschechoslowakei mit einem bürgerlichen Team aus Oslo aufhält, wird ja Vielleich: Nachfrage gehalten und die Auskunft erhalten haben, datz es bei uns autzer bürgerlichen auch Arbeiter- fuhballer gibt. Was aber der Trainer Uw .Retter" unserer Republik den Osloern als.Fachmann" Weismachte, das wollen wir der Mitwe; nicht vorenthalten. Der von Herrn König inspirier', Artikel hat folgenden Wortlaut: .Die tschechische Arbeitersport-Futzballmann- schäft versteht nicht tschechisch.— Vilda König wird die Mannschaft als Landsleute nicht anerkennen. AJF hat als Gäste hier in Norwegen eine Län- dermannschaft empfangen, die, wie man sagt, ander Tschechoslowakei ist. Der Tscheche Vilda König, der efn alter Ländermannschaftsspieler ist, ist hie: Futzballtrainer. Er war heute morgen,am Bahnhof, um seine Landsleute willkommen zu heitzen in Norwegen. Unterdessen gab es keinen bei den Spi'« lern, det tschechisch verstand.^Sie bedienten sich eine-, schrecklichen deutschen Aussprache, die besagt, datz die Spieler von einem Grenzdistritt sind..Weiter kenn- König, der alles vom tschechischen Futzbäll Weitz, ke- nen von den Spielern, und ist es ganz symptomatisch, datz, als die kleinen Deutschen hörten, datz die Zu- schäuerzahl etwa 10.000 erreichen werde, sie ganz entsetzt waren. Es wird interessant sein, diesen .Länderkampf zu" sehen. Dann kam Vilda König persönlich herauf. Er ist in einer Stimmung zwischen Verzweiflung und Lachlust. Verzweifelt wegen seines Vaterlandes, der Tschechoflowakei, und lustig, weil er entdeckte/datz von den 17 Spielern nur einer ffchechisch sprechen konnte. Ts wird eine Blamag- für die Tschechoflowakei, sagte König. Die tschechl- sen Zeitungen wissen nichts von der Tournee. Kladno das jetzt in Norwegen ist, kennt die Spieler nicht, und die Spieler kennen sie nicht.. Es gibt nicht zwei Verbände.in der Tschechoflowakei und die Spieler ftlbst find nicht nach Norwegen gekommen, um ein Länderspiel auszutragen. Sie machen eine Ferientournee und erwarten nicht mehr als 500 Zuschauer zu jeden von den drei Spielen. Auf alle Fälle werden fie eS nicht gern sehen, wenn es mehr als 501 Zuschauer geben sollte. Ich wünsche dem norwegischen AJF Glück und ich ging zum Bahnhof, um die Spieler willkommen zu heitzen. Und dann gab»s keinen unter ihnen, der mit usir in yuserer Landessprache sprechen konnte." DaS schrieb Vilda König und blamierte sich bis auf die Knochen. Urania-Kino, Kltmentshä 4. Fernsprecher 61623. Ab Freitag täglich halb 6, halb 9 Uhr. via wunderbare Nacht (Da- Drama von LvrrrdeS). Billige Sommervreise. Deutsche, perfekte Stenotypistin und flotte Maschinenschreiberin, gute tschechische Sprachkenntnisse, unbedingt sozialdemokratisch organisiert Uttd in der Parteibewegung täfig, wird per sofort gefugt Zuschriften an die Verwaltung des Blattes: Prag XII, Fochovä tk. 62. Vergebliche Wanderung Sepp Kraus betrat mit seinem Sohne— beide steckten in ihrem fadenscheinigen Sonntags, jtaat— die breit asphaltierte Staatsstraße, um die Bezirksstadt aufzusuchen. Wanderfrohen Ausflüglern begegneten sie. Die sangen hell in den frühen Sonnentag hinein, lachten und scherzten und waren guter Dinge. Drall waren ihre Rucksäcke, und nicht nur die Sorglosigkeit der Wanderer, auch ihr Aeußeres v,erriet, daß wahrscheinlich auch ihre Taschen Unvorhergesehenem, wie es einem in der Fremde begegnen mag, gerüstet waren. Franz stieß den Vater an.,«Schau nur die vielen Menschen! Die haben es gut auf der Welt. Keine Sorgen zu Hause wie wir! Könnt' ich das auch einmal erleben!" Kraus machte noch ein paar schwingende Schritte, ehe er antwortet«. Er brauchte Zeit, um dem Jungen, der jetzt die Schule verlassen soll, ohne Bitternis zu antworten. Man darf es dem Kinde nicht so schwer machen... z Blitzschnell eilten Bilder des eigenen Lebens durch das Gehirn. Sechs Kinder waren sie zu Hause gewesen. Zwei sind einmal rasch nacheinander einer bösen Krankheit zum Opfer gefallen. Die lleinen Leichname waren auf dem Boden unter dem vermor- schendxn Schindeldach gelegen. In einer Truhe, in der sonst Mutters Hochzeitsandenken ruhten, war das kleinere Kind gebeitet, auf. der Truhe das größere. Mutter hatte damals tagelang geweint, der Vater seinen Schmerz hinter einer heulenden Kreissäge bei zwölfltündiger Arbeitszett niedergerungen. Wie deutlich er sich dieser Zeit erinnerte! Und dann die Schulzeit! Und an deren Ende die große Sehnsucht nach der Weite der Welt... Allen Wünschen nach einem geistigen Beruf stemmte sich der Vater entgegen. Der Vater hatte, von engherzigen Hausbesitzern seiner vielen Kinder wegen nie lange geduldet, ost die Wohnung wechseln müssen. Das hatte in ihm die' Sehnsucht nach einem eigenen Häuschen geweckt. Ihr opferte er die Wünsche seiner Kinder. Der älteste Bruder, klug, begabt, wurde zur Fabriksarbeit gezwungen. Und dann die Schwester, zart und schwach zum Brechen fast. Und auch er, der Sepp. Und noch ein Bruder. Wie gern hätte die Mutter, deren Heimat der weite dunkle Tann an der Grenze war, den Sepp der lärmenden stickigen Fabrik entrissen! Sie konnte nicht.(.. Fräs- und Bohr- und Hobelmaschinen und pfeifende Kreissägen und sausende Riemen: Sepps Jugend! Btttere Stunden wuchsen zu Jahren. Vater hat sein Eigenheim nicht lange besessen. Die Not hat es verschlungen. Heut' ist er tot... Sepp und seine Schwester haben keinen Beruf erlernt, blieben Hilfsarbeiter. Die beiden Brüder hat her große Krieg verschlungen. Und nun— ftn den ebemaligen Werksälen hängen große Spinngewebe. Die Industrie ist gestorben. Sepp Kraus ist länast ein Arbeitsloser... Und nun war er selber Vater, der über seines Sohnes Schicksal mitentscheiden sollte. Nein, die Sünde seines Vaters darf sich nicht wiederholen! Die Kinder müssen einen anständigen Beruf erl- lernen. Sie solle« nicht dereinst grollend des Va-- ters gedenken. Dft große Tochter ist— damals war noch Konjunkturzeit— Kontoristin geworden. Welches Glück: sie sitzt noch heute an ihrer Maschine! Jetzt kommt der Bub an die Reihe. Auch er soll seinen anständigen Beruf haben... Ganz plötzlich sagt Sepp Kraus zu seinem Sohne: „Bub, wir wollen es als gutes Zeichen nehmen, daß sich diese Wanderer heute so freuen! Vielleicht fällt heute auch für uns etwas Freude ab. Wir gehen in die Stadt, um für dich eine gute Lehrstelle zu suchen. Du sollst einen Beruf erlernen, der es auch dir einmal ermöglicht, an Pfingsttagen im Sonnenlichte zu wandern!" Leichtes Geplauder vertrieb die Zeit, kürzte den Weg zur Stadt. Zwei, drei Geschäfte betrat er mutig mit seinem Sohne. Warum auch nicht? Der Junge hat ein intelligentes Aussehen, sein Abgangszeugnis aus der Bürgerschule ist gut— sind das nicht die best^l Vorbedingungen? Nach dem Besuch von weiteren fünf Kanzleien wollte es Sepp Kraus noch immer nicht glauben, daß es überall so sein müsse, daß man ihn mtt seinem Buben überall abwies. Erst am Spätnachmittage, als beide die Stadt nach allen Richtungen durchlaufen hatten, erkannte er, daß alle Müh^ vergebens war. Es gab keine Lehrstelle! Man brauchte keinen jungen Menschen! Auf Sepps sonnenbrannter Stirn perlte der Schweiß. War eS Angst um die Zukunft seines Sohnes, der aus der^Schule in die ArbeitSlosig« kett treten mußte,— war es die Erschöpfung nach dem langen Wandern, die ihn taumeln machte? Vor seinen Augen verschwamm das Straßenbfld, verdüsterten sich di« prunkenden Schaufenster. „Vater, gleich sind wir aus der Stacht! Dann legen wir uns unter einen Baum. Ich bin schon so müde! Meine Füße sind voll Blasen. Und Hunger hab' ich auch!" Sepp antwortete nicht. Müde taumelten Vater und Sohn aus der Stadt. Erschöpft fielen sie endlich hinter den letzten Häusern ins Gras. Drüben am Berge sang eine Gruppe heimkehrender Ausflügler: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen...!" Josef Egerer. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus ode» bei Bezug durch die Post monatlich Kä IS.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig KL 86.—.'ganzjährig Kö 182.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele» graphendirektion mü Erlaß Nr. 13.800/VII/1S3S bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck». Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.'