Samstag, 29. Jimi 1935 Nr. 151 15. Jahrgang ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND Verwaltung präg xii„ fochova 42. TELIFON 53077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Hilter («InsdiUeMich 5 H.ll« Port«! ““W» M. Rote Mehrheiten Die Henkersknechte fordern wieder Todesstrafe Budapest.(MTJ) Im zweitinstanzlichen Prozeß gegen den ehemaligen kommunistischen Volkskommissar Rakosi begannen Freitag die Plaidoyers., Der StaatSanwalt Miskolczh protestierte in längeren Ausführungen gegen die dir Souveränität Ungarns verletzende AuSlandspro- poganda, die im Zusammenhang mit diesem Pro- zeß eingelritet wurde. In diesem Prozeß handle es sich nicht um daS politische Verhalten Rakosts, sondern um Verbrechen, die gegen das Strafgesetzbuch verstoßen. Rakosi könne nicht alS Verfolgter einer politischen Idee betrachtet werden, da er mit der Verübung der ihm zur Last gelegten Verbrechen keine politische Idee vertrat, die von irgend einem Kulturstaat als solche anerkannt werde.■(Die Sowjetunion ist nach diesem Be- ttzarrn kein Kulturstaat, aber Ungarn wäre einer!) Am Schluffe beantragte der Staatsanwalt die Verhängung der Todes st rafe gegen Räkosi. Mit der Rede des Verteidigers wurde der Prozeß geschloffen. Das Urteil wird am Montag verkündet werden. Toleranz und Demokratie Dr. BeneS mahnt die Katholiken zu nationaler Versöhnlichkeit Prag. Auf einem Begrüßungsabend für die anläßlich des Katholikentages in Prag weilenden ausländischen Journalisten ergriff auch Außenminister Dr. Bene s das Wort, der u. a. sagte: Wenn wir auch in der Vergangenheit daS klassische Land der Religionskömpfe waren, so find wir zu einem hohen Grad, ja zu einer fast absoluten religiösen Verträglichkeit gelangt— mit einem Wort zu einer fast absoluten Toleranz in bezug auf die GewiffenSfrei- heit. Wir überlasten es unserem Bürger, frei ihre Zugehörigkeit zu jenem Glauben, jener Orientierung und jener Weltanschauung zu bestimmen, die sie als die beste ansehen, einzig und allein mit dem Vorbehalt, daß die Grundsätze der staatlichen Autorität, die Grundpfeiler der Rechtsstruktur ünserer Gesellschaft und die öffentliche Moral dadurch nicht berührt werden. Getreu diesen Ideen konnten wir im ganzen ohne Schwierijsteiten bei uns die hauptsächlichen Kirchenfragen lösen und namentlich zu dem Abschluß eines Modus vivendi mit dem Vatikan gelangen. Die gleichen Grundsätze verfolgen wir bei der Lösung der Probleme ünserer nationalen Minderheiten. Wir sind überzeugt, daß es auch da keine bessere und wirksamere Methoden gibt, als die Demokratie, die Methode der Freiheit, die Methode der Zusammenarbeit, der praktischen gegenseitigen nationalen Toleranz. Der Unterricht in den Minderheitensprachen in unseren Schulen, die gerechte Vertretung im Parlament und die Anwesenheit zweier deutscher Vertreter in der Regierung sind sicherlich dafür ein beredter Beweis. Und wenn auch unsere nationalen Minderheiten ihre Programme und Desiderate haben und immer haben werden, so wie dies auch bei den tschechischen und slowakischen Parteien der Fall ist, so haben wir die Bedingungen geschaffen, daß sie diese Programme entwickeln und in Harmonie mit den Mehrheitsparteien zur Geltung bringen können. Ich will damit nicht sagen, baß wir in dieser Hin- sicht nicht auf Schwierigkeiten stoßen, aber wir sind der Meinung, daß es zur Lösung des Minderheitenproblems keinen anderen Weg gibt, als den, den wir 16 Jahre hindurch gehen und den wir nicht aufhören werden, weiterzuverfolgen. Wenn auch der katholischen Bewegung eine wichtige politische Mission auch in anderen Gebieten zukommt, so kann sie sich der Verpflichtung nicht entziehen, ein mäßigendes Element zu sein, insofern es sich um die Zusammenarbeit zwischen den Nationen unseres Staates handelt, i In Hollands größten Stödten (E. B.) Die Gemeindewahlen in Holland standen im Zeichen eines ganz unerwartet starken Vormarsches derSozialdemokratie, dem ein völliger Zusammenbruch der Freisinnigen und große, bis zu einem Drittel gehende Verluste der Römisch- katholischen StaatSpartri und ihres protestantischen Gegenstückes, der Antirevolutionären, gegenüberstehen. In R o t 1 e r d a m hat die Sozialdemokratie ihre Stimmenzahl von 81.000 auf 100.000 gesteigert und fünf neue Mandate gewonnen. Sic besitzt jetzt zwanzig Mandate von 45 und mit den zwei kommunistischen und dem einen revolutionär-sozialistisches Mandat besteht in Amsterdam zum ersten Mal in dessen Geschichte eine rote Mehrheit, zu der auch noch die zwei Sitze der radikal linksbürgerlichen Liste van Burink gerechnet werden können. In A m st r r d a m gewinnen die Sozialdemokraten einen, die Kommunisten zwei Sitze, so daß 16 Sozialdemokraten, 7 Kommunisten und 1 revolutionärer Sozialist insgesamt 24 von 45 Mandaten innehaben. Auch in den Provinzstädten verzeichnet die Sozialdemokratie sehr große Fortschritte. In Arnhem gewann sie 5 Mandate(jetzt 14 von 35), in Dordrecht drei(jetzt 12 von 31), in Leiden drei(jetzt 14 von 35), in H a a r- l e m zwei(jetzt 14 von 39), in Utrecht zwei (jetzt 14 von 39),in Schiedam zwei(jetzt 10 von 31) und in einer ganzen Reihe weiterer Gemeinden je rin Mandat. Die bürgerliche Presse nimmt von diesen Ergebnisseil mit unverhohlener Bestürzung Kenntnis. Ist ihren Kommentaren fällt vor ! allem die Drohung, die Gemeinden, die sich den reaktionären Abbauwünschen nicht gefügig zeigen» von der Staatsrcgicrung dazu zu zwingen, also die Gemeindrdemokratie zu beseitigen. Es ist allerdings nicht sicher, ob es dazu kommen könnte. Die neugewählten Gemeindrräte treten erst im September ihr Amt an. Im Juli aber finden Kammerwahlen statt. Es ist möglich, daß dir kapitalistisch-klerikale Regierung, auf die die bürgerlichen Blätter ihre Hoffnungen setzen, im September nicht mehr da sein wird! Neue Wirren in Peipins Chinesischer Handstreich gegen die Fremdherrschaft Tokio.(Reuter.) Japanischen Meldungen zufolge versuchte eine Gruppe von etwa 1000 Mann irregulärer chinesischer Truppen, sich des Zuganges zum Südhafen von Pciping zu bemächtigen. Nach, einem Kampf mit der Stadtgarnison wurden sie bis nach FcNktäi/ einige Meilen vom Hafen entfernt, zurückgeschlagen. Die irregulären Truppen halten nunmehr den Bahnhof von Fenk- tai besetzt, wo sie einen Ttil der Eisenböhnstrecke zerstörte, so daß die Verbindung zwischen Peiping ! und Tientsin unterbrochen ist. Nach den letzten Meldungen aus Peiping gehörten die meuterischen chinesischen Soldaten einer Pauzerzugformation der 53. Armee an, die unter dem Oberkommando von General W a n f u l i n steht. Die Meuterer unternahmen mjt einer Lokomotive und zwei Panzerwagen von der Linie Peiping-Tientsin her einen Angriff auf das Kaisertor und später auf das Wcsttor. Die Hintergründe des Handstreiches hat man bisher noch nicht aufklären können; viel verbreitet ist jedoch die Behauptung, daß es sich um eine Aktion von Separatisten handelt und der sogenannte graue General Shihiugan oder der frühere Sekretär des Marschall Wupeifu, Paichien- wu, ihre Hand im Spiele haben. Der japanische Außenminister Hirota hat den Botschafter in Nanking beauftragt, gegen die Vorgänge bei Peiping zu protestieren und hierbei zu betonen, daß die japanische Regierung die sofortige Ergreifung von Maßnahmen verlangt, die die Wiederholung von Angriffen meuternder chinesischer Söldner auf japanische Truppen unterbinden sollen. Ferner verlangt Japan, daß General Wanfulin von der chinesischen Regierung als Anstifter zur Rechenschaft gezogen werde. Oestlich von Peiping in Tung-Schu und nördlich von Peiping in Misyn ereigneten sich neue Zusammenstöße zwischen chinesischen Und japanischen Truppen. Die Lage bleibt nach Mitteilung des japanischen Oberkommandos auch weiterhin sehrernst. In Peiping haben die Japaner das Standrecht verhängt. Das englische Volk ihr den Frieden Im Ernstfall wird man es aber nicht fräsen London.(Reuter). Lord Cecil teilte in einer großen Volksversammlung in London die Ergebnisse der britischen Volksabstimmung über die Frage des Friedens mit, die von der britischen Völkerbundliga veranstaltet worden war. Die einzelnen Ergebnisse auf die gestellten Fragen sind folgende: Frage: Soll Großbritannien Mitglied des Völkerbundes bleibend Antwort: 11,090.387 Stimmen ja, 355.883 Stimmen nein. Fräge: Sind Sie für die allgemeine Herabsetzung der Rüstungen auf Grundlage internationaler UebereinkomMen? Antwort: 10,470.489 Stimmen ja, 862.775 Stimmen nein. Frage: Sind Sie für die allgemeine Beseitigung des nationalen militärischen und Marine- Flugwesens durch ein internationales Ueberein- kommen? Antwort: 9,533.558 Sttmmen ja, 1,689.786 nein. Frage:. Soll die Waffenerzeugung und der Verkauf"von Waffen durch private Erwerbsunternehmungen verboten-werden? Antwort: 10,417.329 Stimmen ja, 775.415 Stimmen nein. Frage: Sollen sich die übrigen Rationen verbinden, um die angreifende Nation daran zu hin dern,-ihren Angriff auf'den überfallenen Staat zu entwickeln, und zwar zunächst nicht durch militärische, sondern durch wirtschaftliche Mittel? Antwort: 10,027.608 Stimmen ja, 635.074 Stimmen nein. Frage: Wenn es notwendig ist, diese Angriffe durch militärische Mittel zu verhindern? Antwort: 6,784.368 Stimmen ja, 2,351.981 Stimmen nein. Monopol für Waffenerzeugung In Frankreich Paris. In der Donnerstagsitzung des Finanzausschusses der Kammer brachte ein Aus- schußmitglied einen Zusatzantrag ein, wonach bei den staatlichen Aufträgen ausbedungen werden soll, daß jeder Verdienst; der'5 Prozent überschreitet, vom Staat eingezogen werden soll. Mit 9 gegen 8 Sttmmen bei 2 Enthaltungen wurde ein Nationalisierungsantrag angenommen, her vorsieht, daß die. Waffenherstellung und der Waffenhandel vom 1. Jänner 1936 ab ausschließlich vom Staat besorgt werden soll. Fiihrerstaat und Despotie Als im Jahre 1748 Montesquieu fein Werk über den„G eistderGesetze" der Oef- fentlichkeit übergab, war die Despotie eine »Staatsform", die im nahen und im fernen Osten sehr in Mode war. Man würde glauben, daß die Probleme der 'Despotie schon längst— und insbesondere seit Verschwinden des Sultans Abdul Hamid, des letzten Despoten Europas, von der Bühne der Geschichte— der Vergangenheit angehören und nur für- welttrrmde Stubengelehrte von Interesse wären. Und siehe: die fast zweihundert Jahre alten Lehren Montesquieus über die Despotie werden wieder lebendig, denn Despotie und »Führerstaat" sind einander zum Verwechseln ähnlich und in ihrem innersten Wesen gleich. »In einer Despotie schaltet ein einziger ohne Gesetz und Regel lediglich nach Wunsch und Laune über Alles"— meinte Montesquieu. Ist es vielleicht im Führerstaat anders? Die Geschehnisse in Deutschland-am 30. Juni; 1. und 2. Juli des vergangenen Jahres, als der oberste„Führer" ohne gerichtliches Urteil eine große Anzahl von seinen früheren Weggenossen und viele Menschen, die er zu seinen Gegnern rechnete, hinrichken ließ, zeigen genau, daß Despotie und Führerstaat nur zwei verschiedene Namen für eine und dieselbe krankhafte Entartung eines Staatswesens sind. Ueber die innerste Natur dieser Entartungen der Staatsform können wir noch manches von Montesquieu lernen.„Das Prinzip der despotischen Regierung ist— so lehrte Montesquieu— die Furcht. Sobald in der despotischen Regierung der Fürst— also in der Sprache der deutschen Gegenwart gesprochen: der Führer— nur einen Augenblick den Arm sinken läßt, wenn er nicht auf der Stelle die ersten Würdenträger vernichten kann, so ist alles verloren. In diesem Sinne behaupten offenbar die Kadis, daß dec Großherr nicht an sein Wort oder seinen Eid gebunden sei, wenn er dadurch seiner Gewalt Grenzen setze." Der vom„Deutschen Nachrichtenbüro" am 3. Juli 1934 herausgegebene Bericht über die an demselben Tag abgehaltene Sitzung des„Reichs- kabjuetts" zeigt genau, daß auch die Kadis des Dritten Reiches Jä und Amen sagen müssen, wenn der Grotzherr die ersten Würdenträger des Reiches nicdermachen läßt. Es heißt in diesem Bericht: .„In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts gab Reichskanzler Adolf Hitler zunächst eine ausführliche Darstallung über die Entstehung des hochverräterischen Anschlages und seiner Niederwerfung. Der Reichskanzler betonte, daß ein blitzschnelles Handeln notwendig gewesen sei... Reichslvehrminister Blomberg dankte Hitler im Namen des Rcichskabinetts und der Wehrmacht für sein entschlossenes und mutiges Handeln... Das Reichskabinett genehmigte fodann ein Gesetz, deren einziger Artikel lautet: Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni und am 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwchr rechtens." Wie eine Reportage aus dem Dritten Reich klingt das, was Montesquieu über den Gehorsam und über die Rolle der Menschen in Despotien sagt:„Der'Mensch steht hier als eine Kreatur, di? gehorcht, einer anderen Kreatur, die gebietet, gegenüber. Das gemeinsame Los der Menschen, wie der Tiere, ist hier Instinkt, Gehorsam und ^Züchtigung. Alles muß sich hier um zwei oder drei Begriffe drehen. Wenn man ein Tier abrichtet, so sorgt man vorsichtig dafür, daß es denselben Lehrmeister, dieselbe Lehrart und denselben Gang beibehalte; man sucht auf sein Gehirn durch zwei oder drei Bewegungen einzuwir- ken und mehr nicht." Und wie gestaltet sich das Verhältnis eines despotisch regierten(oder„geführten") Staates zu den übrigen?„Ein solcher Staat— meint Montesquieu— wird sich am besten befinden, wenn er tun kann als wäre er allein in. der Welt, wenn er von Wüsten umgeben und, von anderen Völkern, die er Bärbaren nennen wird, abgewendet ist. Der Despotismus ist sich selbst genug; alles rings um khn ist wüst und leer." Efcbent sua fata libelli—■ auch Micher haben ihre Schicksalei Der„Geist der Gesetze" ist.noch nicht tot. Man kann vom alten Montesquieu noch immer was lernen. J. R. SamStag, 29. Juni 1935 «-.181 Seite 2 MkvsrmviomSliznamt a« r«.mm ISZ4 Der Massenmord, die Ursachen und die Folgen Gewitterstimmung über Deutschland—. Enttäuschte„alte Kämpfer", denen man alles versprochen und nichts gegeben hat, beginnen auf« zumurren. Romantische Idealisten mit sauberem Gefühl und primitivem Intellekt, die ehrlich an die sozialistische Phraseologie der„national-sozialen Aktivisten" geglaubt haben, fühlen sich betrogen und, den Sozialismus verraten—. Die Industrie will die Unsummen, die sie in das Hit- lersche Unternehmen hincingesteckt hat, verzinst sehen und reinen Tisch mit den unsicheren Kantonisten, dem SA-Landsknechtstum, machen, das, bei aller Verworrenheit der Konzeption, von je- ,,antikapitalistischen Sehnsucht" erfüllt ist, von der Gregor Strasser einst im Reichstag gesprochen hatte. Auch die Generalität, der skurrrllen Konkurrenz der Braunhemden und ihren suspekten Häuptlinge überdrüssig, will endlich den klaren Kurs des autoritären Kapitalismus, verziert mit der Fassade Hitler, dem man, für den Ernstfall, die Rückendeckung seiner Hooligen-Garden nehmen will, klar heräusgearbeitet sehen. Aber es ginge zu weit, den„Führer" nur als das ExÄuiivorgan von Schwerindustrie und der Militärcliquen zu betrachten. Er, dessen pathologischer Geltungsdrang aus dem MinderwertigSkeitskomplex des Emporkömmlings geboren ist, wittert in seinen Garden und ihren Chefs eine persönliche Gefahr—. Intrigante Gruppen aus seiner Umgebung assistier ren. Es liegt Gewitterstimmung über dem deutschen Frühsommer 1934. Die Auslandspreise, die mit geschärftem Instinkt die unterirdische Bewegung beobachtet, die sich an der apathisch erstarrten Oberfläche vollzieht, kündet schwerwiegende Entladungen an. Mitten hinein in diese zum Zerreißen gespannte Atmosphäre platzt die aufsehenerregende Marburger Rede v. Papens. Kampfansage an das Regime? Kampfansage an die Aktivisten, die von der.^zweiten Revolution" träumen und die Bewegung weitertreiben wollen? Dunkle, zweideutige Reden der zivilen Hitlerunterführer untermalen v. Papens Melodie... Inzwischen trifft Röhm, der Chef des Stabes der SA, seine Gegenvorbereitungen. Streng legal übrigens, ohne jeden Blick für die Breite und Tiefe des Wetters, das heranzieht. Er sieht das ganze optimistisch, unentschlossen mehr als lokale Wetterströmung, denn als absolute Wendung. Die SA soll am 1. Juli in rlaub gehen. Demonstrationen sind geplant, um diese Be- urlaubung, an deren Vorläusigkeit man nicht glaubt, wieder rückgängig zu machen. Es ist nicht viel Prinzipiellstes bei dieser kuriosen„Verschwörung" der SA-Führrr^-^wie"däS System die internen Beratungen der^Röhm-Clique zu charakterisieren versucht— es ist vielmehr eine Art Soldkrawall der saturierten Landsknechtsbonzen, die um ihre Pfründe bangen. Nach Wiessee in Bayern ist für den 30. Juni eine Besprechung der SA-Führer einberufen. * Inzwischen arrangierte Goebbels, mit Hitlers Genehmigung, die Bartholomäusnacht. G ö- r i n g erhält ein Spezialreffort, er hat die Berliner Blutaufgabe übernommen; Hitler und Goebbels reservieren für sich die Zentrale. * Mit großer Pose, nach den Vorlagen der GoebbelSschen Reklamctechnik, wird der blutige Spektakel inszeniert. Am Abend vor der Mobnacht steigt, wörtlich und bildlich, das Feuerwerk in Godesberg am Rhein. Hitler nimmt die Parade des ArbeitSdiestes ab. Anspracheck, Heilrufe, daS übliche Zeremoniell, aber kein Wort berührt die bevorstehende fürchterliche Blutarbe it. Die offizielle Kitschlyrik beschreibt diesen Abend aus jener typischen nationalsozialistischen Mentalität heraus, die so unnachahmlich Bestialität und Sentimentalität miteinander zu vermengen versteht. „Fahlgrau stand der Himmel, von grellen Blitzen durchzuckt. Der Donner grollte. Tiefernst sran d der Führer da, keine Muskel zuckte in seinem wie aus Marmor gemeißeltem Gesicht." Noch in der Nacht ftiegt die Mordexpedition mit dem Flugzeug von Westdeutschland nach München.„Schlagartig"— so formuliert cs ein offizielles Kommunique— greift man zu. Die Münchener SA-Führer werden verhaftet. SS- Trupps mit umgehängten Karabiner besetzen die SA-Heime., Ein ausgewählter Sturmtrupp begleitet den „Führer" nach Wiessee. Schon unterwegs fängt man die SA-Führer ab, die sich, nichtsahnend, auf der Fahrt zur Wiessee-Führerbesprechung befinden. Man holt fie aus ihren Luxuswagen heraus, schließt sie in Feffeln, transportiert sie in die Kerkerzellen von Stadelheim. Inzwischen wird im Wiesseer Hotel des Stabschefs aufgeräumt". Den„Führer selbst gehen im leitzen Moment die Nerven durch, er läßt seine SS, Major Buch an der Spitze, den Schlag führen. Buch ist ein persönlicher Feind des Stabschefs, es ist ihm ein besonderes Vergnügen, den„Bolivier" hochgehen zu laffen. - Röhm, Heines und ein paar ganz Intime werden im Schlaf überrascht; Heines, der nackt „neben einem Lustknaben" im Bett liegt, wird an den Haaren aus dem Bett gerissen und mit Reitpeitschen aus dem Zimmer in die unteren Räume gejagt. Der unglückliche Junge neben ihm wird durch zwei Kugeln in Brust und Kopf auf der Stelle„unschädlich gemacht". Röhm, noch alkoholberauscht, wird ohne Widerstand festgenommen und von sechs SS.-Leuten, die ihre entsicherten Revolver auf ihn gerichtet haben, in ein be- reitstehendes Auto geschafft. Inzwischen hatte Göring in Bersin„gearbeitet". Am frühen Vormittag fallen General Schleicher und seine Frgu in ihrer Reubabels« bergcr Villa einem Göringschen Mordkommando zum Opfer, tz. Papen rettet im letzten.Augenblick dep Zugriff' der Reichswehr—. Selsi Mkrttär, vvü Böse, wird von den rasenden Banden mitgenommen und ohne jedes Verhör füsiliert. Ein grausiges Morden beginnt. Gregor Strasser, einst preußischer Ministerpräsident in spe, setzt geistiger Leiter der nationalsozialistischen Opposition, wird aus seine Wohnung her« ausgeholt und in einem Walde bei Berlin buchstäblich zu Tode getrampelt. Ernst, SA.-Führer von Berlin, wird in Hamburg vom Schiff geholt, das ihn nach Madeira bringen sollte—. Er fleht um Gnade, er schreit, er bittet zu Hitler geführt zu werden—, alles vergeblich. Zwölf Stunden nach seiner Ber- baftung fällt er an der blutiggefärbten Mauer der einstigen Lichtenfelder Kadeitenanstalt.—. Röhm, der unstete Landsknecht, Draufgänger und fexuell Pervertierter, vitaler Abenteurer ohne Hemmungen, aber auch nicht ohne Gefühl, stirbt tapfer—. Ms man ihm einen Revolver in die Zelle schiebt, wirft er ihn mit grimmigen Lachen auf die Erde:„Rein— E r selbst soll den Befehl geben, mich umzubringen. Worauf sie ihn an die Mauer stellen und niederknallcn... Zwei Tage und zwei Rächte dauert das Morden. Der greise Kahr, einst Bayerns Ministerpräsident, ein alter Widersacher Hitlers, dem er den Putsch von 1923„vermasselte", fällt der späteren, aber erbarmungslosen Rache des deutschen Rero zum Opfer. Klausner, der Führer der»Katholischen Aktton", stirbt unter SS.-Kugeln, andere katholische Prominente, so der Jpgendführer P r o p st, erleiden daS gleiche Schicksal—. Auf Grund eines „Irrtums" wird der völlig unpolitische Münchner Musikschriftfteller Schmid erschaffen—, man Ijatte ihn mit einem SA.-Führer gleichen Namens verwechselt—1 Die genaue Zahl der Opfer ist auch heute, ein Jahr nach der furchtbaren Metzelei, nicht bekannt. Das Regime hatte Furcht, den Schleier zu lüften. In seiner Reichstagsrede, in der er zu der einzigartigen Maffcnhinrichtung ohne Richter und Urteil Stellung nahm, hat Hitler nur 77 Opfer zugegeben. Wir wissen heute, daß die Zahl der Gemordeten weit in die Hunderte geht—I ♦ Abscheulicher fast als der Massenmord war der offizielle Unflat, der sich über die noch warmen Körper der Füsilierten ergoß. In Rundfunkreden, in amtlichen Kundgebungen wurde das homosexuelle Treiben, das krankhafte Sybariten- und Berschwendertum, das jeder moralischen Hemmung bare Luxusleben der SA-Führung in den krassesten Farben geschildert; die offiziziöse Bc- richrerstattung aus dem Wiessner Nachtlager Röhms liest sich aufteizend wie eine pornographische Sudekschrift übelsten Charakters. Auf einmal waren sie alle, die man bisher als„Führer der Ration", als„vorbildliche Jllusionspolltik In der Zeitschrift„Ktcskanskä Revue" beschäftigt sich der bekannte Kulturpolitikcr Professor E m i l R a d l mit dem Problem Henlein und kommt zu dem Ergehniffe, daß man mit Henlein verhandeln müsse. Er empfiehlt nicht die Ancrken- nug seiner Airsichten, sondern glaubt, daß Henlein gezwungen sein würde,„Zugeständnisse" zu machen, da er kein eigenes Programm besitze. Originell ist die Begründung, die Professor Rädl gibt: »Mir gefällt— schreibt er— dieMethode der Enq.l sinder heim Verhandeln, mit Hft« >. letztste siMnckst stolz« S^Sott und Stätkx überzeugt. Gewiß sind fie nicht begeistert' für die Methoden Hitlers. Trotzdem fahren sie zu Besuch nach Berlin, gratulieren Hitler zu seinen Festtagen, machen auf gute Teile seiner Kundgebungen aufmerksam, das ist die Methode von Leuten, di« an sich selbst glauben und nicht in der unablässigen Furcht leben, daß rings um sie nur lauter Teufel find." In dem Wölkenkuckucksheim, in dem Professor Rädl offenbar lebt, scheint man noch nicht erkannt zu haben, daß die von ihm empfohlene »englische Methode" alles weniger als nachahmenswert ist. Nichts hat so sehr die Unruhe in Europa gesteigert und di« Befestigung der internationalen Friedensfront gehemmt, wie das stän- Kämpfer Hitlers" hingestellt hatte, Lumpen, Kinderschänder und Korruptio- n ä r c. Nun, nachdem sie unbequem geworden waren! Hitler aber, der Mann, der angeblich alles weiß, tvas in»seinem" Staate vorgeht, in dessen Partei, nach eigenem Ausspruch, nichts geschieht, was er nicht genehmigt, wagte es, aus Terror und Gewalt gestützt, sich dem deutschen Volke in der Maske des empörten Ahnungslosen zu zeigen. So wurden die Opfer des 30. Juni nicht nur von den eigenen.Kameraden" gemeuchelt, sondern auch noch im Tode mit dem Schmutz eines"inferioren Propagandanihilismus beworfen, dem cs vor allem darauf ankam, die eigene, nicht auszulöschende Mitschuld zu vertuschen. Die moralische Skrupellosigkeit der gemordeten Landsknechte sei keinen Augenblick bestritten; aber der sittliche Tiefstand jener Tastüffes, die die Condottieris als Mittel zum Aufstieg in die Macht benutzten, um sie dann blutig zu erledigen, als sie gefährlich wurden, legitimiert wahrhaftig nicht zum Richtertum. Das Blutbad des 30. Juni hat zur scheinbaren Stabilisierung des Terrorsystems geführt. Die Bahn wurde frei dafür/ die wirklichen Prinzipien des Regimes: Lohnsenkung, Jndustriediktatur, sozialer Abbau auf der ganzen Linie, kaum noch notdürftig geb-r v- durch unverbindliche»volksgemeinschaftlich"- soziale Phrasen voll zur Geltung zu bringen. An Stelle Röhms waltet Herr S ch a ch t, die Generäle sind jetzt dabei, auch die SS zu zerbrechen, die Hitlers letzte machtpolittsche Realität darstoüt. Das Regime ist scheknstabil. An jenem Tage aber, an dem das Volk, erwachend sich zu besinnen beginnt, werden die Greuel des 30. Juni alle V-i» un- d e n auf brechen laffen, und dann, wenn eS aus biegen und brechen geht, wird sich zeigen, daß der mörderische Verrat jener Sommernacht dem Nationalsozialismus das Rückgrat zerschlagen hat! Pierre. dige Kokettieren führender englischer Polftiter mit Berlin, die ständigen Extratouren der englischen Regierung, die Hitler billige Triumphe in der inneren wie in der äußeren Politik zuschanz- tcn. Wenn etwas geeignet ist, abschreckend zu wirken, so ist es diese Methode der Engländer, die, aus parteipolitischen Spekulationen der konservativen Regierungskreise geboren, zum Verhängnis Europas geworden ist. Es ist nicht das erstemal, daß Professor Rädl bei der Behandlung des Henleinprohlems völlig abwegige Methoden empfiehlt. So.plädiert« er schon anr«2ö.Okt. 1934 in eisiem Leitartikel des»Prager Tagblqftes", den die Redaktion nur unter Vorbehalt abdruckte, für.ein Verhandeln mit Henlein und erklärte hierbei die „Verdächtigungen" als»abgeschmackt",»daß Henlein über die Grenzen schielt und die verbotenen politischen Parteien unter einer neuen Flagge zusammenzurufen beabsichttgt". Der Verlauf der Wahlkampagne hat gezeigt, daß die angeblichen Verdächtigungen keinewegs ab g e» s ch m a ck t waren. Abgeschmackt und sinnwidrig jedoch ist es, nach einem offen zutage getretenen Mißerfolg für eine Polstische Linie einzutrcten, die diesen Mißerfolg nur zu steigern geeignet ist. Professor Rädl mag ein herzensguter Mensch und ethisch hochstehender Philosoph sein, aber von politischen Dingen sollte er lieber die Finger laffen. 57 Roman von Emil Vachek » Deutsch von Anna AurednRek »Was ist das?" fragte mißtrauisch die Schwarze Kathi. „Das ist ein Scheck; auf diesen zahlt Ihnen meine Bank zwei Tausender aus." „Das glaub' ich nicht", sagte sie störrisch; »ich glaub' Ihnen nicht mehr und ich mag nicht in Banken Herumlaufen. Bringen Sie mir das Geld." Herr Aschner steckte das Buch ein, zog seine Geldtasche heraus und legte die Banknoten vor die Schwarze Kathi. Sie barg sie an ihrem Busen und lispelte süß:„Setzen Sie sich, Herr Aschner, wir sind doch Intelligenzler. Sie wiffen ja gar nicht, wen ich Ihnen zuführe. Frau Maschin ist ganz andres Geld wert. Morgen um zehn Uhr werden Sie vor der gewissen Tür stehen und anklopfen. Aber pünktlich, bitte! Klopfen Sie, bis die Turmuhr schlägt." »Und wenn sie mich nicht einläßt?" „Wenn sie Sie nicht einläßt, bekommen Sie das Geld zurück, ich warte hier." D äs se ch z ehnte Kapitel erzählt von der Kunst, auf leichte Art zwei Tausender zu verdienen, von der Heimkehr der verschwenderischen Tochter zind wie Fräulein Sophie Braut wurde. Gleich am nächsten Morgen besuchte die Schwarze Kathi Frau Maschin. „Sie werden gewiß nicht erraten, von wem nir die ganze Nacht geträumt hat? Bon Ihnen, Frau Maschin. Wir waren auf einem untergehenden Schiff. Ich war dem Ersticken nahe und brüllte wie am Spieß; Sie waren natürlich still wie immer. Und wie es mst mir zu Ende ging, erschien ein Mann in einem Doot, ruderte vorbei, ohne sich um mein Gejammer zu kümmern, und steuerte schnurstracks Ihnen zu. Ich ertrank, Sie zog er aus dem Waffcr. Da erwachte ich und war natürlich quietschvergnügt, nicht ersoffen zu sein. WaS hat nur die Frau Maschin darin zu tun? fragte ich mich. Ein sonderbarer Traum, der hat etwa- zu bedeuten! Ich verspürte einen Stich beim Herzen und sagte mir:„Den Traum muß ich deuten." Mst einem Satz war ich aus dem Bett. Auch meine Tochter erwachte und sagte:«Bist du verrückt, Mami, es ist doch erst vier Uhr!"—„Das ist ganz egal", sagte ich,„es handelt sich um eine ernste Angelegenheit, die meine beste Freundin angeht." Ich weckte auch den Medo, sagte ihm, um was es sich handelte, und er riet mir, wie ich die Karten mischen und abheben sollte. Ich blieb starr, als ich Ihr Blatt vor mir sah, denn ich erinnerte mich noch sehr genau, wie Ihre Karten früher ausgeschaut haben. Nichts als Unglück. Sie wiffen es ja selbst am besten. Sie taten mir immer so leid. Ich beschönigte ja so manches und log dazu— jetzt kann ich's Ihnen ja schon sagen— aber jetzt..." Die Schwarze Kathi machte eine geheimnisvolle Pause und setzte eine feierliche Miene auf. „Du lieber Himmel, spannen Sie mich nicht auf die Folter und sagen Sie mir alles!" Mit lauter Stimme sagte die Schwarze Kathi:»Die Karten sielen, daß es eine Freude war! Ich versichere Ihnen, daß mir etwas Aehn- liches in meiner Praxis noch nicht zugeftoßen ist. So eine Wendung im Schicksal." Frau Maschin bettelte vergebens um einige Einzelheiten. »Ich werde Ihnen weiter nichts sagen, meine Liebe, weil ich Ihnen nicht lange Zähne machen will. Ich war sehr verschlafen und könnte mich auch irren. Es wäre das beste, wenn Sie auf einen Sprung zu mir kämen." Im Ru war Fräulein Maschin angelleidet. Auf dem Gang trafen sie Fräulein Sophie, die sie mit ungewohnt lauter Stimme begrüßte. Frau Maschin blickte zu Boden. Seitdem sie Herr Aschner so kompromittiert hatte, wagte sie niemandem in die Augen zu sehen. Sest einigen Tagen quälte sie ihr Alleinsein und sie dachte allabendlich an Herrn Aschner, und sie machte sich Vorwürfe, ihn davongejagt zu haben.»Er muß mich doch lieb haben— sonst wär' er ja nie gekommen; ich habe den einzigen Menschen versagt, der mich im Leben wirllich lieb hatte." Je mehr sie sich der Wohnung der Schwarzen Kathi näherte, desto aufgeregter wurde sie. Was für ein Glück konnte ihr noch blühen, nachdem sie eS selbst in Gestatt des Herrn Aschner davongejagt hatte? Gehorsam, von dem starren und seltsamen Blick des-schwarzen Katers hypnotisiert, hob sie die Karten ab. Jedes Häufchen war ein Lebenskapitel. „Da haben wir's", sagte die Schwarze Kathi, „genau so wie in der Nacht— ein ganz merkwürdiger, seltener Fall. Manchmal zeigen die Karten nur die allernächste Zeit, manchmal aber sieht man einige Jahre voraus. Ganz selten ist die Lebensmischung. Sie fragen, was Lebensmischung heißt? Das ist, wenn die Sterne des ganzen Lebens in die Karten herabsteigen. Hier ist Ihr ganzes Leben. Da find Sie als Mädchen. Sehen Sie? Eine Dame zwischen zwei Buben. Zwei bewerben sich um Sie, der Rote und der Grüne. Der Rote ist der Richtige» wir werden ja gleich sehen, wie es ausfällt." Mit unglaublicher Geschicklichkeit legt« die Schwarze Kathi das zweite Päckchen auf.-„Sehen Sie!" rief sie triumphierend.„Hier! Der rote Unter ist verschwunden, dafür ist der Schell-Unter aufgerückt. Das bedeutet, daß Sie den Richtigen verfehlt haben und dem anderen zugefallen sind. Der war der Unrichtige. Ich will Ihnen gleich sagen, wie eS war: Grün-Unter heißt, daß er viel gereist ist; Schell-Unter bedeutet viel Geld. DaS war Ihr Manul" schloß sie mit Siegesmiene. Frau Maschin zitterte. DaS war ja alles richtig. „Und setzt geht's an das dritte Häufchen", fuhr die Schwarze Kathi fort.»Sie sehen hier nichts als Verdruß, nichts als Eicheln und lauter böses Zeug. Nichts als Schmerz für Sie und der Unrichtige hat immer noch Geld. Da, hier ist eine Untreue. Sehen Sie, der Schell-Unter begegnet dem Schell-As und Sie, Sie ducken sich hier— mein Gott— was haben Sie getan, Frau Maschin?" „Was denn?" fragte kleinmütig Frau Maschin. »Sehen Sie den roten Unter, der Ihnen entgegenkommt? Und sehen Sie, wie Sie auSeinan- dergehen?" „Ich sehe", seufzte die Maschin. „Sapperment, jetzt kommt ein Neuer", brummte die Schwarze Kathi,„den hab' ich in der Nacht nicht gesehen. Und jetzt mit Gottes Hilfe zu dem letzten Häufchen; das ist entscheidend." Atemlos, aufs höchste gespannt, sah Frau Maschin, wie die Kartcnausichlägerin daS letzte Häufchen auS- einanderbreitete. Kathis Gesicht strahlte vor Seligkeit.„Gott sei Dank", flüsterte sie,»alles endet gut. Ich bin schon erschrocken, daß Sie alles verdorben haben, weil Sie zum zweitenmal Ihrem Schicksal ausgewichen find. Aber hier kommt eS zurück. Sehen Sie, das ist das rote As!" »Was hat das zu bedeuten?" »Mein Gott, Frau Maschin", flüsterte die Schwarze Kathi.„Ich kann's gar nicht glauben, daß Sie so ein Glück erwartet, trotzdem Sie alles verpatzt haben. Das rote As ist der höchste Stern des Glückes. Manchem erscheint es schon beim ersten Häufchen. DaS bedeutet, daß man'S schon hinter sich hat. Manchem kommt eS als Eichelkönig; das bedeutet, daß Glück und Unglück zusammentrifft. (Fortsetzung folgt.) Samstag, 29. Juni 1935 Seite 3 Mr. 151 Sudetendeutscher Zeitspiegel Schulschluss Streik der gesamten Belegschaft bei der Firma Wilhelm Salz& Söhne In der Dampfziegelei Salz& Söhne ist Donnerstag nachmittags ein Lohnstreit ausgebrochen. Zur Vorgeschichte sei bemerkt, daß in diesem mit Stumpf und Stil ausgerottet ist. Der grau- Unsere Schule ist eine Schule des Staates Betriebe, der an 250 Arbeiter beschäftigt, Löhne sige Zufall wollte es, daß unsere Schulreform und seiner Staatsform. An diese Tatsache gezahlt werden, die in Anbetracht der ungeheueren gerade in dem Augenblick ihren teilweisen Ab- muß die Schule und ihre Lehrerschaft sich ge- Arbeitsleistungen als einfach unmenschlich bezeich In diesen Tagen verlassen viele Kinder die schluß fand, als in unserer unmittelbaren Nach- bunden fühlen. Indem die Schule auf dieses net werden müssen. Es werden Wochenlöhne von Schule für immer. Damit tritt an sie der volle barschaft dieselbe Schule unter lautem Getöse feste Ziel steuert, kann sie auch alle Forderungen Kč 45.- an bei intensivster Nationalisierung ge= Ernst des Lebens in seiner ganzen Härte. Der zusammengedroschen wurde. Bei der innigen der Gemeinschaft in volklicher, in individueller zahlt. Jm vorigen Jahre verdiente ein qualifizier Zeitpunkt des Austritts aus der Schule war Verflechtung des wirtschaftlichen und kulturellen Hinsicht erfüllen. ter Ofenarbeiter bis Kč 430.- pro Woche, heute weniger bedeutungsvoll in einer Zeit, wo der Lebens ist es unmöglich, sich diesen Auswirkun= Ihr gegenüber gibt es keine Neutralität. Die werden bei größtmöglichster Ausbeutung durch die Junge oder das Mädel gleich einen Blak im pul- gen zu entziehen, wenn nicht rechtzeitig entspre- Schule muß die einmalige Gelegenheit, das Nationalisierung kaum Kč 120. verdient. Die fierenden wirtschaftlichen Leben als Lehrling oder chende Sicherungen geschaffen werden. Man kann ganze Volf in ihr beisammen zu haben, voll ganze Belegschaft, die aus Sozialdemokraten, Hilfsarbeiter fand. In der Krisenzeit unserer zehnmal erklären, auf unserem demokratischen ausnüßen. Sie hat dazu nicht nur das Recht, Kommunisten, Henleinleuten und Indifferenten Lage ist das anders. Aus der regelmäßigen Boden können autoritäre Prinzipien nicht gedei- sondern auch die Pflicht. Die Schule des demo- besteht, hat in einer Streifversammlung, in der Schularbeit wird die schulentwachsene Jugend hen. Durch Beschwörung und Polizeimaßnahmen fratischen Staates muß zu Demokraten erziehen. die Vertreter der freien und kommunistischen Gezum Teil in das zermürbende und demoralisie wird ihre Ausbreitung nicht verhindert. Dazu ist Der Wege dazu gibt es viele, ob sie bisher alle werkschaft anivesend waren, ihren einmütigen rende Nichtstun gestoßen. Zum größten Unglück notwendig, daß unsere Schule auf eine neue gegangen wurden, mögen die Verantwortlichen an Willen bekundet, daß sie nicht früher die Arbeit besteht auch keine Aussicht, daß das durch Schaf Ebene gestellt wird und das ist die dritte aktuelle der Geisteshaltung unserer Jugend feststellen. aufnehmen werden, bis die erstellten Forderungen fung vermehrter Arbeitsgelegenheit bald wesents Forderung. Josef Hud l. erfüllt sind. Es ist recht bezeichnend, wenn der lich anders werden könnte. Chef dieser Firma nach Jugoslawien eine Lurusreise unternimmt, während die Arbeiter bei Hungerlöhnen und durch unerträgliche Ausbeutung verelendet, zusammenbrechen. Es sei weiter vermerkt, daß auch in dem Ziegeleibetrieb Löb, der Hochburg der SHF, die Löhne unter jeder Kritik stehen. Der Volksgenosse Löb zahlt einem Abzie= her einen Wochenlohn von Kč 26. bis 36.-. Die ganze Arbeiteröffentlichkeit ist gespannt, welche Haltung die Belegschaft dieses Betriebes angesichts der Streiflage einnimmt. Der Streit bei der Firma wird bis auf die Aufseher lückenlos durchgeführt. Eine wirksame Waffe gegen den entnervenden Zustand der Jugendnot sieht man in vielen Staaten in der Erhöhung der Schulpflicht von 8 auf 9 Jahre. Auch bei uns fordern fast alle Lehrerorganisationen und die meisten politischen Parteien diese Erhöhung. In der Verwirklichung dieser Forderung läge tatsächlich eine wirksame Milderung der Auswirkung der Arbeitslosigkeit auf die Jugendlichen. Es lassen sich natürlich eine Reihe von Gründen dagegen anführen, vor allem wird auf die dadurch entstehenden Auslagen ber= wiesen. Aber Elend ist ohne Opfer nicht zu beseitigen. Die Frage ist nur, ob man eine solche Maßnahme überhaupt als Opfer bezeichnen tann. Ohne Zweifel wird durch Erweiterung der Schulpflicht das Angebot an jugendlichen Arbeitern wesentlich verringert und was vielleicht noch mehr wiegt. Gesichtstreis und Kenntnisse der Schulent Jassenen werden bedeutend größer sein als bisher und nicht zuletzt würde dadurch die Stellenlosig= feit innerhalb der Junglehrerschaft gemildert werden. Und zu alldem kommt noch das moralische Plus, das aus dieser Maßnahme für die Jugendlichen dabei heraustäme. Die Einführung der neunjährigen Schulpflicht würde sich in gesundheitlicher, theoretischer, moralischer und schaftlicher Hinsicht als recht wertvoll erweisen. Von der sozialdemokratischen Lehrerschaft wurde die Bedeutung dieser Neuerung auf ihrer Teplizer Tagung unterstrichen. Unsere Regierung würde sich durch die Verwirklichung den Danf bieler tausender junger Menschen erwerben, * Neben der neunjährigen Schulpflicht ver dient die Forderung auf Verbindlichkeit des Fortbildungsschulunterrichtes für alle Schulent lassenen besondere Beachtung. Es ist schon oben auf die gefährlichen moralischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Jugendlichen bertviesen worden. Und offen muß gesagt werden, daß es wie ein Wunder ist, wenn unsere Jugend in dem Elend der Gegenwart standhaft bleibt und mit dem Strafgeset verhältnismäßig felten in j Konflikt gerät. Diese Tatsache stellt unserer #ppino Kleine Wochenschau WAHLURNE Polen 2000 Ins Museum damit! Abessinien Willst Du nicht mein Protektionskind sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein! Schule ein gutes Zeugnis aus, denn der Grund Der Henleinterror Frankreich LINKSFRONT Der Fascismus voller Angst und Schrecken tat England 112 Wow Was wollen die Leute? Ich verdiene ganz gut an Deutschlands Aufrüstung! Wir grüßen Sie, Herr Kardinal! Im ,, Mladý socialista", der Zeitschrift der tschechischen sozialdemokratischen Jugend, lesen wir folgenden Willkommensgruß an den Kardinal Innizer: ,, Die österreichische Delegation wird der bekannte Wiener Kardinal Innizzer führen, ein großer Freund der Habsburger und Feind der Sozialde= mokraten. Er war es, der vor der west- und mitteleuropäischen öffentlichen Meinung das Febermassaker entschuldigt hat. Sein Kardinalspurpur ist etwas vom Blut der Verteidiger der österrei= chischen Republik beschmußt. In unserem Land ist es den Kardinälen seit jeher schlecht gegangen. Entweder mußten sie laufen, bis sie den Kardinalshut verloren oder sie mußten dem Kaiser und dem Volke dienen. In diesem Land, Herrn Kardinal, begrüßen wir sie mit geballter Faust. Das arbeitende Volk der Republik hat an die Hinrichtungen der Schwerverwundeten, an das Morden von Frauen und Kindern in den Wiener Häusern nicht vergessen. Wenn sie Prag besichtigen werden, unsere schöne Stadt, welche Rom den Fehdehandschuh hingeworfen hat, denken Sie daran, daß in seinen Vorstädten tausende Brüder der in den Febertagen Hingemordeten wohnen." In Kürze " Berlin. Der Volksgerichtshof" hat den wurden, im Jahre 1934 noch immer rund 900 42- jährigen früheren preußischen kommunistischen zu diesem charakterfesten Verhalten ist doch in Waggons hereinlangten, stnd in den ersten sechs Abgeordneten Sasper zu drei Jahren Zuchtihr gelegt worden. Aber man soll die Sicherungen hört nicht auf Monaten des heurigen Jahres kaum zehn Waghaus verurteilt. Kasper war einer der Hauptzeufeinen zu starten Spannungen aussehen. Ein Unter diesem Titel schreibt„ Narodni Osvo- gons über die Grenzen gelangt. Von dem hohen gen im Reichstagsbrand- Prozeß. Mittel gegen diese Gefahren wäre die Verpflich Fettzoll hat also da er nicht eingehoben wird Ankara.( AP) Hinsichtlich der Befestigung der hung zum Besuche der Fortbildungsschule durch bozeni": der Staat gar nichts. Da wir Fett brauchen, Dardanellen stellt die Türkei folgende For= alle Schulentwachsenen. Die Verwirklichung die-„ Sowohl in der Wahlzeit als auch nach den ist auch nicht die landwirtschaftliche Produktion derungen: 1. eine Anzahl beweglicher Küstenbatser Forderung würde keine allzugroße Kosten Wahlen haben wir auf den unerhörten wirtschaft von Butter bedroht. Dazu kommt noch, daß wir terién, 2. das Recht, die zu den Dardanellen fübverursachen. In Verbindung damit könnten für lichen Terror der Henlein- Unternehmer gegen die mehr Industrieartikel ausführen können, wenn renden Straßen durch bewegliche Artillerie zu verdiese Jugendlichen besondere Werkturse für Holz- Arbeiterschaft aufmerksam gemacht. Wir haben wir Fett einführen. Die hohen Fettpreise haben teidigen, 3. Bau unterirdischer Torpedorohre an der und Metallverarbeitung an Fortbildungsschulen gehört, daß der Herr Innenminister die ihm also total ihren Sinn verloren, desgleichen di: Küste, 4. Bulassung einer Anzahl von U- Booten und mit Lehriverfstätten abgehalten werden. Not untergebenen Aemter energisch auf seine Verord- Fettzölle und es wäre notwendig, hier etwas zu Errichtung von zwei U- Bootstationen in den Darwendig ist, darauf aufmerksam zu machen, daß nung gegen diesen Terror erinnert hat. Eine tun. Die Regierung hat die Möglichkeit, denn danellen, 5. Errichtung von zwei Flugzeug- und theoretischer Unterricht bei einem großen solche Erinnerung ist notwendig, wie Salz, da in der Regierungsverordnung vom 10. Juni 1933 Wasserflugzeugstationen.. Teil unserer Jugendlichen nicht vollen Anflang wir wissen, wie ungenügend diese Behörden die heißt es: Rom. Das italienische Armeekommando in findet. Das ist nicht auf bösen Willen zurückzu- Verordnung des Innenministeriums durchgeführt führen, sondern liegt in den glücklicherweise haben und durchführen. Inzwischen werden neue mehr auf das Praktische gerichteten Anlagen und neue Fälle von Terror gemeldet( der neueste der meisten Menschen. aus den Handschuhfabriken in Abertham). NotDie Erfüllung der beiden Vorschläge wird wendig sind raiche Maßnahmen zur Verteidigung immer dringlicher und wäre insbesondere für die der Gewissensfreiheit tschechoslowakischer Burger! deutschen Teile des Staates von nicht zu unter- Es ist notwendig, die Bezirkshauptleute aus dem schäßender Bedeutung. Das ist ja die Tragit im Schlaf aufzutvecken und es ist notwendig, daß die Zeitgeschehen der Deutschen und Tschechen, daß Regierung öffentlich erkläre, daß Staatslieferunsich die wirtschaftlichen Auswirkungen der gegen- gen nur jene Unternehmungen erhalten, welche wärtigen Krise auf die beiden Völker in verschie- feinen Terror durchführen. Die Demokratie hat dener Stärke bemerkbar machen. Diesen Unter- die Pflicht, die Freiheit der Ueberzeugung ihrer schied kann man nun leider nicht erfühlen, man Bürger zu verteidigen. Und die tschechoslowati muß ihn spüren. Die heutige Jugend ist äußerst sche Demokratie ist doppelt verpflichtet, sich aller empfindsam und durch die lange Notzeit tief auf- derer anzunehmen, welche in der Welle der anti- Tagen stattgefundenen Plenarsizung diese For Wnud hat sein Mandat als Abgeordneter der gewühlt. Mit diesem Zustand muß man rechnen, ja man muß ihnen Rechnung tragen, sollen nicht schlimme psychische Verkrampfungen und Verla" Bei außerordentlicher Notlage können jedoch Florenz wird in der nächsten Zeit nach Verona verzeitweilig, stets aber nur längstens auf die legt werden, whrend das bisherige Armeekommando Dauer eines halben Jahres, die Zölle bei Ges in Verona nach Bozen im ehemaligen Südtirol treide, Mahlprodukten, Vieh, Fetten und Fleisch übersiedelt. für alle oder einzelne Gattungen der aufgezählRom.( AO). Die Zahl der italienischen Arten Waren an der ganzen Landesgrenze oder an beiter in Erythräa hat bereits 22.000 erreicht und einigen Teilen derselben unter Kontrollbedingun gen und Beschränkungen, die einen Mißbrauch die ser Verfügung verhindern, aufgehoben oder angemessen herabgesetzt werden." Dieser Zeitpunkt einer außerordentlichen Notlage ist gekommen. Der Konsumentenvertreter beim Viehsyndikat hat in der vor wenigen derung mit Nachdruck erneut erhoben. Der Landesausschuß für Böhmen hat in seiner soll bis auf 30.000 gesteigert werden. In Somaliland befinden sich aus Klimatischen Gründen nur 5000 Arbeiter. Dazu kommt eine noch viel größere Bahl von farbigen Arbeitern, woraus man auf den Umfang der Vorbereitungsarbeiten schließen kann. Danzig. Der Präsident des Volkstages von NSDAP niedergelegt, was zugleich den Rücktritt als Präsident des Volkstages bedeutet. Warschau.( AP) Die polnischen Sozialisten die neue Wahlordnung angekündigt. Die Partei gerungen entstehen, die böse Folgen zeitigen fön- Parlamentsdebatte hat gezeigt, daß die Regie Sibung vom 28. Juni außer einer Reihe laufender( PPS) haben einen großen Agitationsfeldzug gegen nen. Der Jugend muß daher zunächst geholfen werden. Beide Vorschläge sind nicht neu, aber die Situation ist neu, in der sie zu ernster Prüfung wieder empfohlen werden. Ihre Prüfung wird die Notwendigkeit der Verwirklichung dartun. demokratischen Bewegung ausgehalten und dem Terror Widerstand geleistet haben, der ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Eristenz bedroht. Die rungsparteien in Auffaffung über die Hen Teinleute einig sind. Es bedarf nur der Initia tive, daß sie sich auch über praktische Maßnahmen gegen sie einigen." Angelegenheiten 127 Gemeinde- Voranschläge behan= delt und hat 158 Gemeinden die Einhebung verschie= tener Abgaben und Gebühren bewilligt. Er geneh- fühlt sich deshalb besonders start, weil in den letzter migte die Vorbereitungen der Regierungsfomissärs Wochen die Arbeiter massenhaft aus den Regierungsin Böhm.- Budweis zum Abschluß einer Sanierungs- organisationen ausgetreten sind und in die sozialistiFür die Aufhebung des Fettzolles Anleihe bei der Zemská banka im Betrage von schen Gewerkschaften zurückkehren. Die 24stündigen 1,085.000 Kč und der Gemeinde Jungbunzlau die Proteststreifs gegen die Wahlordnung sollen sich nicht nur auf Lodz beschränken, sondern sind auch Unter dem Schulminister Dr. Dérer wurde setzt sich in der„ Konsumgenossenschaft" neuerlid Stonversion einer Investitionsanleihe im Betrage von ein bestimmter Abschnitt unserer Schulreform Genosse Franz Svojše ein. Der Fettzoll, dia 1,200.000 Kč in eine langfristige Anleihe. Der Lan- für Warschau und das Kohlenrevier von Dombrowa abgeschlossen, der von der Volksschule bis zur pauschalierte Umsatzsteuer, die Fleischsteuer, die desausschuß genehmigte ferner den Beschluß des Be- vorgesehen. Mittelschule reicht. Neben organisatorischen Fra Gemeindesteuer, die Einfuhrgebühren usw. bezirksvertretung von Böhm.- Budweis zweier Anleihen gen wurden methodische und stoffliche Probleme lasten ein Kilo Schweinefett mit annähernd 4.40 im Betrage von 1,500.000 Kč und 1,300.000 Kč gelöst. Der geistige Inhalt dieser Reform stammt bis 4.50 Kč. Vor allem ist es der Fettzoll, der zur Erweiterung des Allgemeinen öffentlichen Kranaus einer Zeit, in der das liberale Gedankengut die Preise in die Höhe treibt. Die Fettimporte tenhauses und sprach seine Zustimmung zur Einrichnoch fest verankert schien, vor fünf Jahren z. B. haben fast aufgehört. Während im Jahre 1926 tung von Bezirksämtern in Beroun und Nymburk galt noch manches als sehr fest, was heute bereits weit über 3000 Waggons Schmalz eingeführt aus. Tokio. Eine Uebersicht über den japanischen Saushalt von Heer und Marine ergibt, daß seit dem Jahre 1931 beim Heer eine Verdoppelung von rund 227 Millionen auf 490 Millionen und bei der Marine eine Verdoppelung von 227 Millionen auf 530 Millionen Den eingetreten ist. Seite l Samstag, 29. Juni 1935 Nr. 151 «Schutz der Republik“ Kommunisten— Kerkerstrafen Faselst— freigesprochen Herr Borstendorfer entlastete als Zeuge den Angeklagten nach Kräften und gab sogar zu, daß er in seinen Berichten an die deutsche Ge» sandtschaft die Mitteilungen Maixners unrichtig wiödergegeben habe. Herr Börstendörfer berief sich auf seine unvollkommenen tschechischen Sprachkenntnisse, ebenso wie Herr Maixner auf seine Unkenntnis der deutschen Sprache. Das Beweismaterial, das di« Prager Polizei in diesem Fall zusammengetragen hat, erwies sich als recht unvollständig und der Kernpunkt der ganzen Affäre blieb in Dunkel gehüllt. Der Gerichtshof konnte auf Grund des aufgebrachten Anklagematerials die Schuld des Angeklagten nicht als erwiesen betrachten und mutzte einen Freispruch fällen. Staatsanwalt Dr. Zitek meldete gegen das freisprechende Urteil Nichtigkeitsbeschwerde an und stellte den Antrag, den Angeklagten bis zur Entscheidung seitens des Obersten Gerichtes in Haft zu behalten. Das Gericht gab diesem Antrag statt. Maixner bleibt also bis zur oberstgerichtlichen Entscheidung weiter in Hast. rb. KtnverfreunSe Die Schulferien sind da! Seit Monaten erwarten die„Falken" den Tag des Schulschlusses. Seit vielen Wochen wurden die Vorbereitungen für die Zeltlager und Heimgemein- fchaften getroffen. Jeder ersparte Heller kam in die Sparbüchse oder Sparkarte, in den Falkengruppen wurden die Pläne für die Zeltlager geschmiedet, im Geiste erlebten schon alle Falken bereits die Tage froher Gemeinschaft. Jetzt endlich soll eS losgehen. Trotz der größten Schwierigkeiten hat der Gemeinschaftssinn gesiegt und alle Gaue werden in diesem Jahre wieder ihr Zeltlager durchführen. Das größte Erlebnis wird jenen Falken zuteil werden, die an dem internationalen Z«lt- lager in Frankreich teilnehmen. Mehr al- 80 Teilnehmer werden in diesem Lager mit den Falken aus de/ Schweiz, aus Frankreich, England, Belgien, Holland, Dänemark und Polen vier Wochen lang ein Gemeinschaftsleben führen, das von internationaler Solidarität und starkem Friedenswillen getragen sein wird. Die Gruppen der Gaue Bodenbach, Aus- sig und Reichenberg errichten vom 1. Juli bi- 14. Juli ein großes Zeltlager mit rund 150 Falke» am Hirsch beiger See. Die Gruppen des Gaues T e p l i tz bauen ihr Zeltlager vom 1.—14. Juli am Fuße des Dorschen bei Dilin. Die Gruppen aus dem Gau.Karlsb ad führen heuer zum ersten Mal ein Zeltlager vom 1.—14. Juli in Petschau durch und die Gruppen des Tropau-Jägern- d o rf werden in der Zeit vom 2.—17. Juli bei ihrem neuen Heim in Langendorf lagern. Die Gruppen des Gaues Trautenau errichten ein Zeltlager vom 22. Juli bis 10. August im Bezirk Braunau. Die Gruppen des Gaues Brünn führen vom 17. Juli bis 13. August ein Zeltlager im Thajachal durch und die Gruppen der Gaue M. Schönberg und Sternberg ein gemeinsames Zeltlager vpm 16. Juli bis 6. August beim Tschcchdorfer Sauerbrunn. Mehr als 1000 Arbeiterkinder werden in diesen Zeltlagern ihr Gemeinschaftsleben führen, werden sich kötperlich erholen und neue geistige Anregungen für ihr Gruppenleben verarbeiten. Aber auch für die Ncstfalken(6 bis 10jährige) ist vorgesorgt: In den meisten Gaugebieten werden sich die jüngsten unserer. Bewegung in Heimgemeinschäften zusammenfinden, um gleichfalls frohe Ferientage unter Gleichgesinnten zu verleben. Manche Gruppen gehen mit ihren Falken„auf Fahrt". Tagelang werden sie durch die heimatlichen Täler und Berge wandern, ein schönes Gemeinschaftsleben führen. Für viele Arbeiterbuben und-Mädel hat die Zentral« einen Tauschplatz bei tschechischen Genoffen vermittelt, damit sie sich in der Sprache weiterbilden können. Noch viel, sehr viel Arbeiterkinder können an den Ferienaktionen der Kinderfreunde nicht teilneh» m«n. Die Eltern und die Gruppen können nicht die, wenn auch geringen Mittel aufbringen, um ihren Kindern diese Freude zu bereiten. Auch ihrer ist gedacht und in den Gruppen werden auch die„Daheim- gehliebenen" während der Ferienwochen ihr Gruppenleben weiterführen. Die inderfreunde" haben ihre ganze Kraft dafür eingesetzt, daß diese Ferienaktionen möglich wurden, in ihren Gmeinschaften werden die Kinder wirklich Ferienfreude erleben. Die Arbeit der Kindersreunde überall zu unterstützen, muß die Pflicht aller Genoffen und Genossinnen sein. Vom Rundfunk lia*MilMtw«rtea aus dui Programmen! Sonntag Prag: Sender L.: 7.00 Konzert aus Karlsbad. 3.45. Klqivierquintett. 9.20 Schallplatte». 12.85 Or» chestepkonzert..13.55 Deutsche landwirtschaftliche Sendung. 17.45 Jugoslawisches. Gesangsquartett. 18.00 Deutsche Sendung: Orchesterkonzert aus Brünn. 21.20 Orchesterkonzert der Prager Sendestation.— Sender St.: 14.30 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Fierling er: Internationale Beratungen über die Wobnungsbaufragen. 14.55.Herr Johann ist zgrückgekehrt", Hörspiel. — Brünn: 20.85 Tanzmusik.— Mähr.-Osiran: 12.)5 Orchesterkonzert. 17.45 Opernarien.— Sascha«: 16.00 Nachmittagskonzert. Montag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Leichte Musik. 13.25 Arbeitsmarkt. 17.50 Mexikanische Lieder. 18.20 Deutsche Sendung: Hanel: Auf ins nördlich« Böhmen. 18.45 Dr. Kudernar Mit Kamera und Zelt nach Kleinasien. 22.35 Tanzmusik. — Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Klavierkonzert. 14.20 Deutsche Sendung: Herneck spricht Gedichte von Merker.— Brünn: 15.00 Orchesterkonzert. 17.40 Deutsche Sendung: Dr. Arnstein: lieber das Grundbuch.— MKhr.-Ostra«: 11,00 Schallplatte».— Preßburg: 12.80 Orchesterkonzert. — Kascha«: 16.30 Orchesterkonzert. Dienstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 13.40 Schallplatte». 17.45 Schallplatte«. 18.20 Deutsche Sendung: Wannemacher t Wirtschaftliches Relief. 18.30 Lieder von Willner. 21.10 Konzert der tschechischen Philharmonie. 22.30 Tanzmusik.— Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Libora: Photographieren im Sommer. 14.80 Unterhaltungsmusik.— Brünn: 11.00 Schallplatten. 16.80 Orchesterkonzert. 17.40 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Informationen. 17.45 Jurda: Parasiten der Krankenversicherung.— M- Ostrau: 17.50 Violinsolos.>— Preßburg: 12.80 Orchesterkonzert. 19.25 Zu Tanz und Gesang.— Kascha«: 18.30 SaxophonsoloS. Prag. Nach dreitägiger geheimer Verhandlung wurde Freitag das Urteil gegen die kommunistischen Funftionäre Abg. S t e t l a und Sekretär S l a n s k h verkündet. Wir haben Über diesen Fall bereits eingehend berichtet. Der Gerichtshof erkannte nach fast zweistündiger Urteilsberatung beide Angeklagten schuldig nach Paragraph 2 des Schutzgesehes und verurteilte die Abg. Stitka z« achtzehn Monaten und Richard Slänsky z« sechzehn Monaten schweren und verschärften Kerkers. Beide Angeklagten wurden ferner zu einer Geldstrafe von je 1500 KL verurteilt und bei beiden der Verlust der bürgerlichen Ehre n- rechte ausgesprochen, und zwar"bei Stitka auf die Dauer von fünf Jahren, bei S l ä n- s k y auf drei Jahre. In einem wesentlichen Punkt gelangte das Gericht nicht zu der UÜberzeugung von der Schuld der Angeklagten, und zwar insoweit als die Anklage sie der Verbindung mit ausländischen Faktoren bezichtigt. In der Urteilsbegründung wird angeführt, datz das Gericht zwar die Verbindung der KP§ mit der Komintern als erwiesen erachte, nicht aber die Beteiligung der Angeklagten an diesen Verbindungen. Im übrigen sei aber die staatsfeindliche Tätigkeit der Angeklagten durch das Beweismaterial und insbesondere durch das Geständnis der Angeklagten erbracht. Da die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, konnten wir den Verlauf der Verhandlung nicht verfolgen. Die Verteidiger meldeten Nichtigkeitsbeschwerde an und stellten Antrag auf Haftentlassung der Angeklagten. Das Gericht lehnte indessen diesen Antrag ab. Stötka und Slanflh bleiben also in Hast. Faselst Maixner freigesprochen Während im ersten Stockwerk des KreiSge- richtes der Prozeß gegen. die kommunistischen Funktionäre dem Urteil entgegenreifte, hatte sich im zweiten Stock vor dem Strafsenat Svoboda Herr Milos Maixner gleichfalls wegen des Verbrechens nach Paragraph 2 des Schutzgesehes zu verantworten. Dieser Milos Maixner ist Redakteur eines„integral nattona- len" Blättchens, das den Titel„Närckdni Stät" (der nationale Staat) führt. Dieser treffliche tschechische Nationalist, in dessen Schreibtisch man Briefe und Briestonzepte auffand, die davon zeugen, datz er mit„nationalen" Größen wie Stanislav Nikolam Dr. B o r s k h(eigentlich Bondy), Dr. Kahänek usw. in Verbindung stand, war beschuldigt, mit Exponenten des „Dritten Reiches" in verdächtige Verbindung getreten zu sein. Als Mittelsmann diente nach der Anklage ein Herr Adolf B ö r st« n d ö r f e r, der zwar in Prag geboren ist, sich aber als Korrespondent der„Der Dresdner Neuesten Nachrichten" und als Mitarbeiter des„Völkischen Beobachters" und des berüchtigten antisemitischen Skandalblattes„Der Stürmer" betätigte. Es heißt, datz sich schöne Seelen überall und jederzeft finden. Nun— Herr Börstendörfer kaufte sich einmal auf dem Wenzelsplatz eine Nummer des von Maixner herausgegebenen „Ncirodni Stät" und war von der Lektüre dieses fascistischen Blättchens so begeistert, daß er die persönliche Bekanntschaft des Herrn Maixner suchte, das wegen seiner rüden Ausfälle gegen das demokratische System und die Repräsentanten unserer demokratischen Republik ständig der Konfiskation verfiel. Ms die Prager Polizei schließlich doch genötigt war, einzuschreiten und auch bei Herrn Börstendörfer eine Haussuchung vornahm, fanden sich in dessen Schreibtisch Konzepte von Berichten an die Prager deutsche Gesandtschaft, in welchen Herr Börstendörfer an„Informationen von zuständiger Quelle" berichtete, die nicht mehr und nicht weniger besagten, als daß der„künftige tschechoslowakische nationale Staat" bereit sei, die deutschen Randgebiete an das Dritte Reich abzutreten, wogegen dieses die Lausitz mit ihrer wendischen Bevölkerung an die Tschechoflowakei abtreten sollte. So idiotisch diese politische Konzeptton auch anmuten mag— sicher ist, datz der nationalistische Herr Maixner persönlich im Berliner Propagandaministerium des Herrn Goebbels vorgesprochen hak und daß er häufiger Gast der Prager deutschen Gesandtschaft war. Maixner leugnete indessen vor Gericht jede Schuld und berief sich zu seiner Entlassung u. a auf seine Unkenntnis der deuffchen Sprache. Er sei bloß irrtümlich beim Pressechef des Berliner Propagandaministeriums, Dr. Bade gelandet, weil er die deutschen Auffchriften und Auskünfte nicht verstand. Im übrigen habe er bloß kulturelle und soziologische Interessen verfolgt und deshalb Interviews mit maßgebenden Persönlichkeit das Dritten Reiches gesucht und er sei auch bloß seiner wiffenschastlichen Interessen wegen mit Herrn Börstendörfer in Verbindung getreten. Einigermaßen in Widerspruch zu seiner angeblichen Unkenntnis der deutschen Sprache steht freilich die Tatsache, daß er seine häufigen Besuche bei der Prager deutschen Gesandtschaft damit zu erklären versuchte, daß er sich dort habe —. Bücher ausleihen wollensI). Flugzeugabsturz bei Königgrätz Besatzung tot, Helfer schwer verletzt Prag. Freitag um 13.57 Uhr havarierte auf dem Flugplatz in Königgrätz daS Flugzeug des Flieger-Regiments Rr. 1 mit der Kennmarke „Ap-32". Das Flugzeug fing etwa 3 Minute« nach dem Absturze Feuer und die^Vesatzung, bestehend aus dem längerdiencnden Zugsführer Ryzner und dem Korporal-Aspirant Burian, fand den Tod, Als das Flugzeug abgestürzt war, eilten einige Soldaten und Mechaniker der Fliegerregimenter 4 mrd 6 herbei, um die Besatzung zu befreien. Dabei erlitten zwei Soldaten schwere und einige andere leichtere Verbrennungen. Sechs von ihnen wurden in ärztliche Pflege genommen. (Amtlicher Bericht.) Drama im Forsthaus Zwei Tote Aus Niemes wird berichtet: In Heide dörfel bei Niemes hat sich am verflossenen Mittwoch ein Drama abgespielt, das zwei Menschenleben zum Opfer forderte. Der in den 50er Jahren stehrnde Förster Richard Kollowsky erschoß den in de» 40er Jahren stehenden Forstrat Jng. Josef M a t a aus Reichstadt und entleibte sich selbst durch einen Schuß in die Schläfe. Seit Montag dieser Woche weilte eine Revision bei Kollowsky. Sie bestand au§ Forstrat Mata und Forstmeister Jng. Karl Axamit, Personalreferent der Staatsgüterdirektion in Reichenberg. Am Mittwoch war die Revision, die für Kollowsky nicht ganz günstig ausgefallen zu sein scheint, beendet. Die beiden Revisoren verließen die im ersten Stockwerke des Forsthauses gelegene Kanzlei. Axamit ging zuerst, ihm folgte Mata, dann kam Kollowfly. Außer ihnen befand sich niemand im Hause. Kollowfly zog in diesem Augenblick einen Browning und feuerte auf Mata einen Schuß ab, der diesen in den Hinterkopf traf. Die Kugel trat zur Stirne wieder hervor. Mata stürzte im Stiegenhause hin. Axamit^ der sich bedroht fühlte— offenbar wollte Kollowsky auch auf ihn schießen — konnte hinter einer Tür Deckung finden. Kollowfly begab sich hierauf auf den Dachboden des HauseS und entleibte sich durch einen Schutz in die rechte Schläfe. Schutz' orismarm erschießt emen Arbeiter Mord aus politischen Gründen. Wie«. Wie erst jetzt bekannt wird, schoß vor einigen Tagen in Gut am Steg in Riederösterreich ein SchutzkorpSmann den Landarbeiter Franz Kraus nieder. Der auS nächster Nähe abgegebene Schuß drang durch den Körper des Unglücklichen und traf eine hinter ihm stehende Frau. Beide wurden auf der Stelle getötet. Die Hintergründe der Tat sind nicht klar, doch vermutet man, daß es sich um eine« politischen Mord handelt. Tragödie am Schöninger Ein Selbstmörder wird erst ein halbes Jahr nach seinem Tode aufgefunden. In einer natürlichen Höhle einer Felsengruppe auf dem Schöninger bei B.-Kru- m a u hat am Donnerstag, dem 20. Juni, der Waldarbeiter B. Strnad, durch Verwesungsgeruch aufmerksam geworden, eine im letzten Stadium der Verwesung befindliche männliche Leiche gefunden. Der elegant angezogene Tote hatte sich nicht nur eine romantische Ruhestätte ausgesucht, sondern hatte diese auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ausgestattet. Die Leiche lag auf einer Unterlage von Fichtenzweigen, außerdem war der Zugang zu der Höhlung durch Aeste maskiert.. Die von einer Gerichtskommission und der Gendarmerie gepflogenen Erhebungen förderten folgendes zutage: ES handelt sich um den 28jährigen Kürschnergehilfen Karl B r o j aus BudweiS, der dort, nach der Vorgefundenen Eisenbahn-Fahrkarte zu schließen, die nach Goldenkron ausgestellt und mtt 25. Dezember 1934 markiert ist, zu Weihnachten vorigen Jahres Selbstmord durch Erschießen begangen hatte. ES wurden ein sechSschüssiger Trommelrevolver mit einer ausgeschossenen Patrone, eine Legitimatton, der Bettag von 240 KL und die Fahrkarte bei ihm gefunden. Di« Leiche lag also ein halbes Jahr in ihrem Versteck, ohne daß sie einer der zahlreichen Schöningerbesucher entdeckt hätte. Doch mußte sie ttotzdcm jemand schon früher gefunden haben, denn es fehlten die Schuhe und auf der Erde fand man verbrannte Zündhölzchen. In dieser Richtung wird weitergeforscht. Urber die Motive des Selbstmordes ist man ganz im Unklaren, der Tote hinterließ nichts, was als Anhaltspunkt dienen könnte und wurde auch nicht vermißt. Die fortgesetzten Nachforschungen werden hoffentlich bald Licht in diese düstere Tragödie bringen. Kollegentag der deutschen Straßenwärter Böhmens Am Sonntag, dem 28. Juni d. I., fand im Saale des„Volkshauses" in Bodenbach in Anwesenheit von 103 Delegierten der deutschen Bezirksstraßenwärter Böhmens unter dem Vorsitze des Oskar E l st n e r, Stadtsekretär in Friedland, eine vom Verbände der öffenflichen Angestellten(Sitz Reichenberg) vinberufene Kollegentagung statt. Das Referat erstattete der Sekretär des Verbandes, Karl Püscher, Karlsbad. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß die Stratzenwärter von 38 Bezirken Böhmens hinsichtlich ihrer Gehalts- und Dienstverhältnisse den staatlichen Straßenwärtern gleichgestellt wurden. Bon diesen 38 Bezirken find 25 deutsche Bezirke, deren Sttaßenwärter nach Inkrafttreten der Verwaltungsreform in das staatliche Stra- tzenwärterschema eingereiht wurden. ,Jn 65 Bezirken Bö^nens sind jedoch die Sttaßenwärter entweder nur nach den Bestimmungen des BezirkS- bedienstetengesetzeS(1920/17) oder vertraglich angestellt. Der Unterschied zwischen den schlichtest entlohnten Straßenwärtern und jenen, die gehaltlich den Staatsstraßenwärtern gleichgestellt wurden, ist immer noch sehr groß. Von der Kollegentagung wurde daher als eine der wichtigsten Forderungen aufgestellt, das Bezirksbedienstetengesetz im Zuge einer Novellierung mit den Bezügen der Staatsstraßenwärter« Verordnung (1928/133) auszustatten. Weiter verlangte die Tagung die Aufhebung der Vorschriften über den Genehmigungszwang gemäß Paragraph 212 des Bes. 103/26, die Aufhebung der Gehaltskürzungen nach dem Gesetze 204/1932 und der Verordnung 252/1933, die Errichtung von Per« sonalvcrttetungen bei allen Berwallungsbezirkcn, die allgemeine Einführung des freien Samstag- Nachmittags, die Einführung der gesetzlichen Unfallversicherung, die Herausgabe einheitlicher Dienstvorschriften sowie schließlich die Verbesserung der HeilfondÄestimmungen im Sinne der Au^ebung der Zuzahlungen. Aus der vielseitigen Aussprache war zu entnehmen, daß hinter diesen ausgestellten Forderungen alle Straßenwärter deutscher und ffchechischer Nationalität stehen. Die mährsschen Kollegen hatten eine Berttetung enffenbet, welche mtt großem Interesse den wirtschaftlichen Beratungen ihrer böhmischen Kollegen folgte. Vorübergehende Abkühlung Freitag hat die Wärmewelle ihren Höhepunkt im Südostteil Mitteleuropas erreicht. In Ungarn wurden um 14 Uhr 38 bis 89 Grad verzeichnet. Und auch in der Slowakei stieg die Temperatur auf 35 bis 36 Grad. Demgegenüber ist die kühlere Luft, welche in Böhmen am Vormittag eingebrochen war, sehr rasch in Begleitung von Gewittern ostwärts vorgedrungen. Am Nachmittag traten später Gewitter bereits auch in der Westslowakei auf. In Böhmen und Bayern betrug die Temperatur nach Gewittern an einigen Orten nur 20 Grad. Ein Hochdruck, welches sich vom Westen her über das Binnenland ausbreitet, dürfte wieder eine baldige Wetterbesserung herbeiführen.— Wahrscheinliches Wetter heute: Im westlichen und mittleren Teil der Republik nach Gewittern vorübergehend etwas kühler, vom Westen her erneute AuSheiterung. Im Osten, das Staates schwül, stellenweise Gewitter.— Wetteraussichten für Sonntag: Im ganzen schön und erneut wärmer.— Luftdruck»«teilung um 14 Uhr: Hochdruck 774 mm Aermelkanal, Tiefdruck 750 mm Jnnerrutzland, relativ tiefer Druck: 761 mm Slowakei. 181 Samstag, 29. Jun? 1935 Seite 5 eröffnet, an der Kardnallegat Verdier teilnahm. Eine Plenarversammlung der tschechischen Sektionen fand am Freitag nachmittag auf dem Sportplatz der Sla- via auf der Letn