(«intchlitMich S H«lh< M(| ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«l Telefon 53077. HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Dienstag, 2. Juli 1935 Nr. 152 Schachts Dumping-Offensive Eine Milliarde Mark zu 25prozentiser Senkung der Exportpreise Berlin.(Tsch. P. B.) Wie jetzt bekannt wird, soll die sogenannte Dumping» A n l c i b c, die vorbereitet wird, nicht weniger als eine Milliarde Mark bringen, und zwar soll sie auf diese Weise aufgebracht werden, daß der Rcichswirtschaftsminister ermächtigt wird» von den verschiedenen Industrien Beiträge einzu- bcben, it. zw. bis zu 70 Millionen Mark, während die Golddiskontobank weitere 300 Millionen Mark liefern soll, die sie durch den Verkauf von Sperr» mark usw. im Auslände zu beschaffen gedenkt.• Die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands aus dem Weltmärkte dürfte allerdings dadurch wesentlich gesteigert werden, da aus dem Erträgnis dieser Steuer die deutschen Exportfirmen solveit unterstützt werden können, daß sieum 25 Pro» zentbilliger sein können. Auf diese Schätzung kommt man» wenn man eine deutsch« Exportziffer von 4 Milliarden Mark pro Jahr annimmt. Im einzelnen dürfte die Textilindustrie etwa mit 150 Millionen, die chemische Industrie mit etwa 135 Millionen, die olektrotechnische Industrie mit 30 Millionen belastet werden. Branchen, die gut gehen, werden mehr zahlen, nämlich bis zu 8 Prozent des Umsatzes. Ob freilich bei einer solchen schweren Besteuerung der Industrie das innere Preisniveau unverändert bleibt, ist noch abzuwarteu. Wenn Protektorat— dann kein italienisches I London. In einer Unterredung mit dem Vertreter der„N e w s C h r o n i r l e"«klärte der abessinische Regus, daß die abessinische Regierung zu wirtschaftlichen Konzessionen an Private oder Gesellschaften, keineswegs ab« an Regierungen ausländisch« Staaten bereit fei. Die italienischen Bürg« werden die Gleichberechtigung mit den übrigen Ausländern wie biSH« genießen. Einem französischen Journalisten sagte der Kais«:«Senn Abessinien eines Tages unter ein Mandat geritten würde, dann würde nicht Italien d« Träg« des Mandates sein. Abessinisches Heer von 900.000 Mann? Der abessinische Minister für Kriegswesen «klärte in ein« Unt«redung mit einem Vertreter des„Malm", daß. Abessinien 350.000 Mann unt« den Waffen hab« und daß es binnen zwei biS vi« Wochen ungefähr«00.000 Soldaten mo- bilisieren könnte. Schandurteil gegen Rakosi bestätigt Budapest. Im Prozeß gegen den Müderen BolksbeMiftvagten Rakosi vor der königlichen Tafel hielt Rakosi eine anderthalbstündige Ber» tridigungsrrde, worin er erklärte, die Bourgeoisie «nd Graf Michael Karolv hätten freiwillig dir Macht den Bolschewiken üb«geben. Rach den Schlußworten des Angeklagten zog sich d« Gerichtshof zur Beratung zurück und verkündete dann daö Urteil» das die von der ersten Instanz ver- hängte lebenslängliche Zuchthausstrafe bestätigt. Der neue Kurs in Jugoslawien Belgrad. Blättermeldungen zufolge ordnete Innenminister K o r o S e c an, daß alle Strafverfolgungen für Uebertretungen bei den letzten Wahlen eingestellt werden. Gleichzeitig verfügte er, daß die Beamten, di« abgesctzt wurden, weil sie am 5. Mai für die Oppostion gestimmt hatten, wieder in ihre Funktionen eingesetzt werden. Oie Strassen widerhallen: Freiheit! Blendender Verlauf des Atus-Krelsfestes in Aussig— Zehntausende demonstrieren für Freiheit und Demokratie, für politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung— Imposante Leistungen. der Atus-Sportler I Es war wieder einmal nichts mit dem Sterben der Sozialdemokratie. All die politischen Scharlatane und naiven Gemüter, die aus dem Wahlausgang zugunsten des Fascismus allerhand ungünstige Schlüsse zogen für die sozialdemokratische Arbeiterbewegung, sind wieder einmal arg-enttäuscht worden. Das Bürgertum, das glaubte, es werde nach dem 19. Mai die Sozialdemokratie ausradiert, weggewischt sein, — wie drüben,— oder mindestens gedemütigt, in sich zusammengesunken,— das schon von beschaulicher Volksgemeinschaft träumte, das sich einbildete, mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft nicht mehr rechnen zu müssen, es nicht mehr nötig zu haben, Rücksicht zu nehmen auf die grotzen Massen der Arbeiter, das auch dieses überwältigende Fest der klassenbewußten Arbei- terschaft böswlllig ignorierte—, ist Plötzlich aus dem Schlafe aufgeschrcckt... WaS da am Samstag und Sonntag in den Straßen, im Warmbad, auf der Kanipfbahn der Stadt Aussig sich vollzog, das sah nicht nach Sterben und nach Tod aus. Das war der Massentritt einer Bewegung, die, geboren aus der historischen Entwicklung, von der Entwicklung beeinflußt und befruchtet, wieder einmal zeigen konnte, daß nicht Totenge sänge einer sterbenden Klafle, nicht Gewaltmaßnahmeck. einer Herrenschicht, die unfähig ist, die Angehörigen der menschlichen Gesellschaft vor dem Hunger zu schützen, nicht der dem Tode geweihte Kapitalismus selbst unter Anwendung der verzweifeltesten Mittel und der Verwendung gefügiger Soldknechte imstande sind, die Entwicklung aufzuhalten, daß eherne ökonomische Gesetze und die Urkraft proletarischer Solidarität und proletarischen Klassenbewußtseins die Weiterentwicklung beeinflussen. In Ausfig marschierte am Samstag und Sonntag die Elite der Arbeiterschaft, der Teil des klassenbewußten Proletariats, der selbst aus Niederlagen neue Kräfte schöpft, der unbekümmert um alle Anfeindungen seine Bat- talllone neu formiert und sie«folgreich führt zur großen Entscheidungsschlacht. * Schon am frühen Morgen des Samstag stand das Straßcnbild völlig unter dem Einfluß des- KreiSfesteS. Die ersten Gäste langten ein per Rad, zu Fuß, von weiter her auch mit der Bahn und anderen Verkehrsmitteln. Aber eS gab auch viele Festteilnehmer, die wcite Strecken zu Fuß zurücklegen mußten. Jahrelange Arbeitslosigkeit verhinderte die Aufwendung größerer Mittel. Mit dem Tornister auf dem Rücken, mit kargem Proviant, in dürftiger Kleidung, so kamen sie, alt und Dis Heimwehr im Wiener Rathaus Es kradit im autoritären Staat Fey putscht schon wieder Bor einiger Zeit hieß es, daß die österrei- ch'schen Näzi für den 25. Juli, den Gedenktag des Putsches auf das Palais am Ballhausplatz, eine «rotze Aktion planen. Es scheint aber ganz ähnlich OTT" n b’?ebc,: und im Juli 1934 zu sein, wo die Kündigungen gegnerischer Putsche in Wahrheit auf putschi st ischeAktionengewisser -ttegrerungskreis e hinwiesen, die denn auch Pünktlich einsetzten. 2m Feber 1934 ließ or*5?. Wuffen suchen, um dem sozialdemokratischen Aufstand vorzubeugen. In Wahrheit war er es, der den Putsch brauchte und wollte und der ihn gewissenlos provozierte. Im Juli wurde ein„kom- mumstlicher' Putsch avisiert. Tatsächlich putschten M.und Herr Feh spielte dabei eine ewig «nklmirdige und fett langem nicht mehr zweideu- ttge Rolle. Run werden Wied« Putsche avisiert Das ist in Oesterreich nur ein Anzeichen dafür, datz gewisse. Kreise im„autoritären" Regime das Bedürfnis haben, sich mit ihren Kollegen in handgreiflich« Form auseinanderzusetzen. Die Ouvertule zu der neuen österreichischen Operette hat auch bereits begonnen. Seit Tagen wurde der Druck auf das Wiener Rathaus verschärft. Zunächst setzte die Kampagne gegen den Bizebürgermeister E. K. Winter ein, dessen Zeitschrift ünter Vorzensur gestellt und der zur Auflösung seiner Arbeiter-Aktion gezwungen wurde. Am 30. Juni nachmittags fand in Schönbrunn eine Heimwchrversammlung statt, in der aufs heftigste gegen den Bürgermeister Schmitz geschimpft wurde. Die Bandttea zogen dann aus die Ringstraße und demonstrierten vor dem Rathaus. Der„autoritäre"— gegen den Wil- len von drei Vierteln der Bevölkerung von d« Diktatur ernannte— Bürgermeist« Schmitz ließ aus Angst vor feinen Freunden, dem Wehr- korpS des autoritäre« Regimes, die Tore schließen, ab« durch rinrS drangen doch noch I Heimwehrleute ein, die auf dem Balkon des Rathauses die grünweiße Söldnerflagge hißten. Dann hielt vcr dem Rathaus der Sicherheitskommissar Theresienrttt« Fey eine Ansprache an die Wegelagerer. Rach andnen Meldungen soll zwei Stunden vor dem Sturm der Heimwehr auf das Rathaus vor diesem eine Fahne des christlichen„F r e i» heitsbundes" gehißt worden sein. Dieser Freiheitsbund ist rechtlich bereits aufgelöst(er gehört zu den Wehwerbändcn, die der Gleichschaltung mit der Hcimwehr zum Opfer fielen). Die Fahnenpatin des Freiheitsbundes soll Frau Schmitz gewesep sein. Die Hissung dieser Flagge soll die Heimwehrler in Wut versetzt haben. Das Gerücht, daß E. K. Winter Selbstmord begangen haben soll, wird von privater Seite aus Wien dementiert. Die Zustände im autoritären Staat Oesterreich haben sich idyllisch entwickelt. Die Staatsautorität ist so groß, das? ihre einzelnen Repräsentanten miteinander im Kampfe liegen, daß öffentliche Gebäude vor dem Zugriff«ni- formiett« Zuchthäusler nicht mehr sicher sind «nd daß Mitglieder der Regierung mit ihren Privatgarden beim Bürgermeister der Hauptstadt Hausfriedensbruch begehen. Derartige Vorfälle wären im demokratisch e n Oesterreich undenkbar gewesen. Man stelle sich vor, wie die Ordnungshüter gezetert hätten, wenn Seih sich im Rathaus hätte gegen meuternde Organe der eigenen Partei verteidigen müssenI Bis zur Herstellung des christlich-ständischen Ordnungsstaates herrschte in Oesterreich Ordnung. Von dem Tage an, da man mit Kanonen gegen das Volk losging und den„autoritären Staat" schuf, ist Oesterreich nicht mehr vor Bürgerkrieg, Terror und vor den Putschen seiner regierenden 'Staatsmänner sicher gewesen. jung, alle wollten dabei sein, in proletarischem Sport den Wert der Körperkultur zu demonstrieren, um unseren Klassenfeinden und Gassern der Arbeiterbewegung die ungebrochene Kampfkraft der Arbeiterbewegung vor Augen zu führen. Die sportlichen Veranstaltungen des Kreisturnfestes behandeln wir in einem besonderen Abschnitt. Soviel sei an dieser Stelle sestgestellt, daß alle Teilnehmer und Gäste hochbefticdigt waren von den Leistungen, die unsere Arbeiter-Sportler boten. Die Abendfeier im Warmbad Kleische war ein imposanter Auftatt für die weiteren Veranstaltungen und bot hochstehende proletarische Festkultür. Roch nie sahen wir eine so gewaltige Menschenmasse im Warmbad. Roch lange nach der festgesetzten Zeit des Beginnes kamen immer wieder neue Massen, die Einlaß begehrten. Ein prächtiges farbenfrohes Bild entfaltete sich. Bis zu den Höhen hinauf säumten Menschen und immer wieder Menschen das Gelände des Warmbades ein. Blaue Blusen grüßten tzon den Höhen, dazwischen leuchteten die roten Lampions. Vorzügliche musikalische Darbietungen des Stadttheater-OrchesterS unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Wiese umrahmten ein ausg'ewähltes sportliches Programm, dessen Durchführung allgemeinen Beifall auslöste. Freudige KampfesstimmUng schuf der Fahneneinmarsch, der Kindcrfahnen, Vereinsfahnen, der Sturmfahncn, und die anschließende Begrüßungsrede des Bürgermeisters, Genoffen Pölzl. Herzliche Worte der Begrüßung und froher Zukunftshoffnung klangen aus der Rede des Genossen Pölzl, der bei seinem Erscheine^ stürmisch begrüßt wurde. Politischer Unzulänglichkeit und gewissenloser Agitation gelang es nicht, den Sozialismus in unserem Lande zu vernichten, wie die massenhafte Beteiligung an der Veranstaltung beweis«. Besiegt wurde nicht die große Idee der Sozialismus. Die Arbeiterschaft hat zwar durch Dummheit und Verrat großer Telle der eigenen Klassenangehörigen eine Schlacht verloren, aber der Kern ist fest geblieben. Zum Schluß sein« mit vieltausendstimmigen Rufen:„Freiheit" und lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede hieß Genosse Pölzl alle Freunde und Genossen aus allen Teilen unseres Atuskreises im Namen der sozial- demokratischen Arbeiterschaft, der Funktionäre in d« Gemeinde, der Partei und der angeschlossenen Organisationen herzlich willkommen. Und dann wickelte sich unter gespannter Aufmerksamkeit und dem Beifall der Vieltausend Teilnehmer ein vorzüglich zusammengestelltes sportliches Festprogramm ab: Kunst- und Leistungsspringen, Wasserballspiele, Fackelschwingen, Fackel- und Feuerreifenspringen, ein vielbewunderter und mit starkem Beifall akklamicrter Tanz der Turnerinnen, Bilder aus dem Leben und ein Massen-Feuerkeulen- schwingen..« Zum Schluß der eindrucksvollen Kundgebung formierte sich ein gigantischer Fackelzug zum Zug durch die Stadt nach dem Marktplatz. Eine endlose Schlange roter Lampions ließ erst recht die Massen der Teilnehmer, die mit 10.000 nicht zu hoch geschätzt sind, hervortreten..Pulver ist schwarz, Blut ist rot", diese Freiheitsworte drängten sich dem Beschauer auf bei der Betrachtung der kampfesfrohen Facketträger. Durch Nacht zum Licht, verkündeten die roten Lampions, symbolisierten, daß trotz dichtest« Vernebelung letzten Endes das Licht der Aufklärung die Hirne der Menschheit erleuchten wird. Mit einer kernigen An- XX 1177 (Seite 2 Dienstag, 2. Juli 1938 Nr. 182 herrscht das Grau der Turnerklust das Bild der Straße. Es wird schließlich abgelöst durch Mau. Unsere Genossinnen marschieren in ihre» schmucken blauen Blusen und im festen Schritt und hinter ihnen schließlich Männer und Frauen aus all den übrigen Zweigen der Arbeiterbewegung, soweit es ihnen der Dienst für das Fest in allen seinen verschiedenartigen, oft ungeahnten Zweigen eine Stunde Freiheit gibt, (oder, wenn sie es nicht vorziehen, einmal am Straßenrand zu stehen, und selbst einmal den Aufmarsch der Massen zu erleben). Es war eia wahrhaft begeisternder Höhepunkt des Feste- und diese 28 unvergänglichen Minuten haben die wochenlaage Vorarbeit reichlich gelohnt. * Ein Wort der Anerkennung verdient die hervorragende Tätigkeit der Arbeiter-Samariter die während des Festzuges einen gutorganisierten Dienst eingerichtet und auf der Kampfbahn noch ein besondere- Zeit errichtet hatten, das der ersten Hilfeleistung diente. Und es war nur allzuftlbstvcrständ- lich, daß bei dem Zusammentreffen so großer Menschenmassen, den Anstrengungen der Anmärsche und der Uebungen kleine Unfälle und Unpäßlichkeiten nicht auSbleiben. Den wackeren Samaritern fei an dieser Stelle der Dank der Festveranstalter ausgesprochen. Und schließlich sei auch erwähnt ein Zeltlager der Kinderfreunde, das besondere Aufmerksamkeit erregte durch die Hiflung der Wiener Sturmfahne. Sn Erlebnis für die Festtellnehmer war die nicht angekündigte Ansprache des Genossen Dr. Czech, der mit dem Genossen Taub zu der Veranstaltung erschienen war. Da- Erscheine« unserer beiden führenden Genossen dokumentiert die innige Verbundenheit der Partei mit dem Atus, der Führer mit der Mitgliedschaft und die große Bedeutung des Atus- Kreisfestes. Bor stürmischem Beifall begrüßt sprach Gesundheitsminister Dr. Ezech über die verflossenen Kämpfe, erinnerte an den letzten großen Auf- marsch der Sportler bei der Arbeiter-Olympiade in Prag, den gesundheitlichen Wert derKörperkultur, ließ kurz den Auögang der Wahlen Revue passte» ren und konstatierte den unaushaltsamen Aufstiegwillen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, der seit den Wahlen über den Partettag in Brünn bi- zu diesem ausgezeichneten Fest stch herauskristalli- sierte. Die Worte der innigen Verbundenheit, die Genosse Czech sprach, werden Wiederhall finden in den Herzen unserer treu zur Sozialdemokratie stehende« Arbeiterschaft. » 7 Die Veranstalter können mit dem Verlauf deS Festes mehr alS zufrieden sein. Der Erfolg berechtigt dazu» stolz zu sein. Ungeachtet aller Gegnerschaft, unbekümmert um die Sabotage durch die Aussiger Bürger(die Geschäftswelt eingeschloffen, die gern die Kreuzer der roten Arbeiterschaft nimmt) war dem AtuSfest ein blendender Erfolg beschieden. Das Verhalten der Aussiger Spießbürger, die sonst bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit ihre Flaggen herauShängen, wenn es sich um nationalistische Veranstaltungen handelt, beim AtuSfest aber nicht eine Fahne zeigten, und die zum Steinerweichen jammern über den mangelnden Fremdenverkehr, wird bei paffender Gelegenheit noch besonders gewürdigt werden müffen. Aber trotz allem! Unsere Voraussagen sind nicht getäuscht worden! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat ein Fest gefeiert deS gegenseitigen Verstehens, des gegenseitigen herzlichen Aufgehens für einen großen Gedanken» für den Gedanken deS Sozialismus, der MenfchheitSbefreiung und der Solidarttät, die allgemein werden muh. Nach dem schönen, lebendigen Festzug begannen am Nachmittag nach einer kurzen Mittagspause, als Höhepunkte des Kreisturnfestes, das Schauturnen und die Endkämpfe tn der Leichtathletik. Den Beginn machten unsere Jüngsten; zuerst kleine Mädeln in Dirndl mit in mehreren Kreisen borgeführten Volkstänzen und nach.ihnen die Knaben mit zweckmäßigenFreiübungen. Als Gäste traten sodann Turnerinnen und Turner der DTJ au- dem 28. Bezirk(Karbitz-Aussig) mit rhythmischen und gymnastischen Vorführungen auf. Jedoch klappte es diesmal eigentümlicherweise bei den Frauen nicht ganz so wie bei den Männern. Neu und überraschend, wenn auch nicht in der Zahl, war das turnerifche Auftreten der— Fußballer, dessen Exaktheit und Disziplin sowie die Ausführung der Uebungen. Es war dies ein glücklicher Einfall der Kreisspielleitung und die AuS» führenden werden gewiß ein Beispiel für die übrigen, diesmal noch ferngebliebenen Fußballer sein, welche bei späterer Wiederholung sicher in einer Zahl antreten werden, die der Stärke ihrer Sparte im Kreis entspricht. Ihnen schloß sich ein Gemeinschaftsturnen der Turnerinnen an, welche an vielen Barren zu gleicher Zeit gleichmäßige Uebungen vorführten. Die Höhepunkte waren selbstverständlich die Massenvorführung« der Turner innen und Vie sportlichen Arbeitersport ist nicht Bürgersport. Hundert- fälttg hat er eS schon bewiesen, welch hehre Auffassung allen unseren Sportlern und Sportlerin«« innewohnt. Freude am Kampf, ohne Rivalität, ohne Neid, Freude darüber, daß dem ein« oder anderen eine bessere Leistung glückte. Doch ihre größte Freude ist es wohl, für den klaflenbewuhten Sport zu wirken, mit Gleichgesinnten das Können zu messen, Kraft und Willen zu stählen. So war es auch für den Beschauer ein Festtag. DaS Aussiger Stadion, das jetzt auch mit einer sehr zweckmäßig eingerichteten Tribüne auSgestattet ist, war von SamS- tag nachmittags bis Sonntag abends der Schmiplatz sportlicher Geschehniffe. Hunderte Sportler und Sportlerinnen, Turner und Turnerinnen trugen ftiedliche Wettkämpfe um die Siege in der jeweiligen Konkurrenz aus. Nichts störte diese so wunderbare Harmonie unter ihnen. Die Leichtathleten und Gerätewettkämpfer sowie die Schwer» th'l'et e n, sie alle fanden ein zahlreiche-, dankbarer Publikum. Mit Beifallsstürmen wurde jede gute Leistung bedacht. Wir erwähnen hier das Kugelstoßen im Dreikampf der 16jährigen Jugendturnerin Cuba(Prag) mit 8.96 Meter, den 400 Meter-Lauf, welchen der Aussiger Breite mit 87.2 Sek. gewann; beide Leistukgen bedeuten nicht nur neue Kreis-, sondern auch neue Bundes-Bestleistungen. Bei den Gerätewettkämpfen der Turner und Turnerinnen sah man wieder von Kraft, Mut und Geschicklichkeit erfüllte Uebungen, wurden sie nun am Barren, Pferd oder Reck vorgeführt; auch da danften die Zuschauer mit herzlichem Beifall fiir das Gebotene. Die Wassersparte gab sich im Warmbad Kleische ein Stelldichein und konnte sich ebenfalls soll eine wirkliche Menschheitskultur geschaffen werden, ein Fest, das über seinen Rahmen hinaus, wuchs, das die unvrrbriichliche Solidarität aller Werftätigen lebendig werden ließ, das allen» die sehen wollen, verkündet, daß der Menschheitsbefreier Sozialismus auf siegreichem Bormarsche ist! Turner. Leicht und beschwingt in Ausführung und Rhythmik die Vorführungen der 1200 Turnerinnen; Kraft und Straffheit bei den 1300 Turnern. Brausender Beifall und Jubel ob der wirklich vorbildlich gezeigten Vorführungen. Eine Gruppe der besten Turnerinnen und Turner erschien nun auf dem Platz und führte an verschiedenen Geräten Kürübungen vor, die gleichfalls ein glänzendes Bild der Körperbeherrschung boten. Ein alter Turngenosse gesellte sich zu ihnen, der mit ein paar Uebungen am Barren bewies, daß er trotz seiner weißen Haare doch noch sich jung und kräftig fühlt. Der Jubel und die Begeisterung nahmen aber kein Ende, als dann gemeinsam unsere RW und Turner und Turnerinnen auf dem Platz aufmarschierten, den Schluß der Veranstaltung bildend. Ihr tausendfaches»Freihefts fand ein ebensolches Echo. Nach der begeistert aufgenommenen Rede des Genossen Dr. Tz ech und nach dem grandiosen Abmarsch trugen die Fußball-AuSwahl« Mannschaften der Bezirke Aussig und Tep« l i tz das Schlußspiel aus. Teplitz blieb nach emer verlorenen Halbzeit glücklicher Sieger. Nun leert sich das Stadion rasch und das große herrliche Turn- und Sportfest des V. Kreises ist nun endgültig ab« j geschlossen. Veranstaltungen über Zuschauermangel nicht beklagen.- Auch dort gab eS schöne Kämpfe, von denen besonders die Wasserballspiel« lebhafte Anteilnahme fanden. Die Fußballer, Handball-, Raff- ball« und Faustballspieler trugen ihre Wettspiele, die zum Teil von Bezirksmannschaften durchgeführt wurden, auf verschiedenen Sportplätzen der nächsten Umgebung des Stadions aus. Ein schönes und erfrischendes Erlebnis war dal am Sonntag früh im Stadion auSgettagene Fußballspiel der Schüler von Teplitz und Bodenbach. Was diese Jungen an Sportgeist und Kameradschaftlichkeit zeigten, an dem könnten sich die„großen" Kollegen deS so beliebten Rasensports eia Beispiel nehmen. Sogar Lawn-TenniS und Tischtennis, die jüngsten Sparten im Atus, traten durch Turnierveranstaltungen in Erscheinung. Während im Lawn- T e n n i S die Aussiger dominierten, war das Tisch« tenniS mehr eine' Angelegenheit für die Prager, bei denen Möbius jun. keinen Bezwinger fand. ES wurde also Arbeitersport fast aller Arten geboten. Die Organisation klappte fast bei allen Sparten. nur in der Leichtathletik verzögerten einige gewiß ungewollte Vorkommnisse den Fluß der Darbietungen, die aber dann diesen Mangel vergesse« machten. vle Resultate der Wettkämpfe veröffentlichen wir In der nächsten Folge Der Nachmittag im Stadion spräche des Genossen Ullman«, die das Verhaften des Aussiger Bürgertums gegen den Festtag der Arbeiter-Sportler geißelte, fand die imposante Kundgebung ihren Abschluß. Und die tapferen Sportler konnten nun endlich ihre Quartiere aufsuchen. Mft dem mächtigen> t Festzuge am Sonntag erreichte das Fest seinen Höhepunkt. Um die Mittagsstunde herrschte auf dem Marktplatze reges Leben. Uebcrall wohin man auch sah, größere und kleinere Gruppen, geschart um die roten Fahnen, strebten ihren Stellplätzen zu, bis gegen halb zwölf Uhr aus allen Nebengassen des Marktplatzes die Massen der Festzugsteilnehmer den großen Platz überfluteten. Ein wundervoller Anblick als, Kopf an Kops, sich die Massen stauten zur kurzen Eröffnungsfeier. Begrüßenden Worten des Vorsitzenden des Turnkreises folgte eine kurze Ansprache des Vertreters des Bundesvorstandes des Atus Alois Ullmann. Er grüßte alle, die von fern und nah, allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz gekommen sind; vor allem die tschechi« scheu Turner, dieSozialistische Jugend und die wackere Republikanische Wehr, die ausnahmslos in den letzten Wochen große, schlvere, aber auch wichtige Aufgaben zu lösen hätte. Der Aufmarsch ist ein Bekenntnis zu unserer eigenen Kraft. Wir lehnen stolz alle Anbiederungsversuche der diversen Erlöser ab. Unsere Aufgabe steht klar und eindeutig vor uns: Kampf für die Freiheit, Demokratie nnd politische wie wirtschaftliche Gleichverrchti-nng! Ein vieltausendstimmiges„Freiheft" bekräftigte dieses Gelöbnis. Dann setzten sich die Massen in Bewegung. In 28 Minuten marschierten die Kolonnen, dicht geschloffen, in Sechserreihen vorüber. Voran die verantwortlichen Hauptfunktionäre des Festes, welchen ein langer Zug Radfahrer folgte. Ihnen schlossen sich die auSgerückten Hundertschaften der Republikanischen W e h r an mit ihren beiden SpielmannSzügen, die überall vom Spalier der Gleichgesinnten mit begeisterten Rufen begrüßt wurden. Dann marschierten tschechische S k a u t s und rote Falken, dann die langen Reihen unserer Sozialist!« schenJugend und der Jungmetallarbeiter. Mit eigener Musikkapelle folgen Abordnungen der tschechischen Arbeiterturner. Hinter ihnen marschierten die langen grauen Kolonnen des Atus. Zunächst die Turnerinnen, in Hundertschaft« gegliedert. Immer wieder neue Mteilungen. Längst ist die Begleitmusik vxrklungen. Da klingen Lieder auf. von unserem Kampf und unserem Ziel:„Brüder zur Sonn« zur Freiheit". Fahnengruppen! Die Fahnen der Vereine. In den Reihen mischen sich unter die alten schweren VereinSfahnen, Zeuge« der harten Bergangenheft der Arbeiterbewegung, leichte beschwingte Fahnen in flammendem Rot und hinter ihnen geschlossen, Mann an Mann, die Massen der Turner, schier endlos. Wann wir schreiten Seit an Seit. Dieses Lied wird zur lebendigen Wahrheft. Junge und Alte mit strammem Turnerschritt marschieren auf, hart klingt ihr Massenschritt und aus ihrem Antlitz spricht der Trotz: jetzt erst recht. Minutenlang be58 Roman von Emil Vachek Deutsch von Anna Aurednitek Da muß man froh sein, wenn man mit heiler Haut davonkommt. Ihnen zeigt e» sich ganz deutlich im vierten Häufchen. Und hier ist der grüne Zehner. Der bedeutet Zeit. Kurz und gut, Ihr größtes Glück wird sich Ihnen bald zeigen, vielleicht schon heute um zehn Uhr." „Und wer wird eS sein?" fragte atemlos die Maschin.„Ist es wirklich der— der— mit dem wir uns zweimal verfehlt haben?" „Der? Der ist doch der rote Bub, den haben Sie schon hinter sich. Der ist es nicht. ES ist etwas Besseres. Sollte er es aber doch sein, dann heißt eS, daß eine große Veränderung mit ihm vorge- gangen ist. Etwa» daß er sich sterblich in Sie verliebt hat, wo er Sie doch früher nur ganz gern hatte. Sollte er es wirklich sein, dann halten Sie ihn fest, Frau Maschin, auch wenn Ihnen sein Gesicht nicht gefällt."» Wie betäubt wankte Frau Maschin aus der Wohnung der Schwarzen Kathi. Dessenungeachtet hatte sich noch die Kraft, ihr bestes Kleid anzuziehen und ihre Stube zu schmücken. Sie stellte Teewaffer auf und wartete wie zur Säule erstarrt auf den Schlag der Turmuhr. Um zehn Uhr sollte sie ihr Schicksal besuchen. Wer es wohl sein wird? Gewiß er— Herr Aschner... Der sterblich in sie verliebt ist. Frau Maschin spürte bebend, wie die alten Erinnerungen in ihr erwachten, da sie Herrn Aschner so innig geliebt hatte. ES schlug zehn Uhr. Jemand schritt über die Pawlatsche. Es war der Briefträger, der die Post für Frau Duffek brachte. Loisis, die erwachte, kreischte ein Lied. Küchendunst erfüllte die Luft und Frau Maschin fühlte, wie unsinnig es sei, das Schicksal zu erwarten, wenn Loisis kreischte und der Krautgeruch au« der Küche der ChalupaS ihr in die Rase stieg. Seufzend faltete sie das Tischtuch und zog ihr Alltagskleid an. Herr Foltr erwachte au« seiner Betäubung, als er Sophiechen zum Haustor begleitet hatte. Er blickte ihr noch nach, als jemand hinter ihm nieste und eine herrische Sttmme befahl:„Erlauben Sie!" Es war Dr. Knobloch» der mit seiner Assistentin vor dem Schlafengehen noch einen Spaziergang machte. Herr Foltr wußte nun wieder, daß er rundliche, lustige Frauen mft rosigen Wangen gab— solche, die ihm gefielen. Auf einer Sefte der Straße entfernte sich der groteske Schatten der Frau, welcher er vor einer Stunde seine Liebe gestanden hatte. Auf der anderen Seite der Gasse entfernte sich der verführerische Schatten der Frau, die er in Wirklichkeit liebte. Herr Foltr stieß einen Seufzer aus und Sophie drehte sich um. Sie winkte ihrem Geliebten zu, war im Begriff weiterzugehen, als sie den andern weiblichen Schatten bemerkte. Sie schien sehr überrascht, blieb einige Augenblicke stehen und kam dann zu Herrn Foltr zurück.„Wer ist die Frau, drüben auf der andern Seite?" Herr Foltr erschrak über die Frage und über die Betonnung, mit der sie vorgebracht worden war. Da schau, dachte er, man könnte glauben, daß sie kaum bis fünf zählen kann, und sie errät auf den ersten Blick, auf wen sie eifersüchtig sein muß. „Das ist die Assistentin des Herrn Doktor Knobloch hier im Hause", qpttsiortzte er-mit gespielter Ungezwungenheit. J' „Die Assistentin sam!" '„Was ist settsa« Indessen war Dr. Knobloch und seine Freundin hinter"der Ecke verschwunden. „Nichts", antwortete Sophie,„ich glaubte, diese Frau nach ihrem Gang zu erkennen. Wie lange ist sie schon hier?" „Sehr lange schon", erwiderte Herr Foltr. Ihm schien es, als sei er schon zumindest ein Jahr in diese Schönheft verliebt. Sophie war völlig beruhigt. Herr Follr aber kehrte höchst aufgeregt in seine Ordination zurück. Nun war der Würfel gefallen.„Mein Gott, wie angenehm lebt man ohne Frau", seufzte er und nahm seine amerikanische Brille ab.„Sophiechen ist ja ein ausgezeichnetes Mädchen, aber..." Er stieß einen langen Seufzer aus, kleidete sich aus und konnte lange nicht einschlafen. „UÄrigenS, Schönheit vergeht. Nach zehn Jahren schauen alle Frauen gleich aus, man unterscheidet nicht eine Schöne von einer Häßlichen. ES bleibt nur der Unterschied der Herzen. Ich habe gut gewählt." Endlich schlief er ein und die schöne Assistentin kicherte ihm ins Ohr:„Eine Nacht mit mir ist besser als ein Jahr mit der andern." Als er^M nächsten Morgen erwachte, hatte er dasselbe peinliche Gefühl wie gestern abend. Er fühlte sich kränker denn je und es war ihm eine Qual, auf der Straße hübscheren Frauen zu begegnen, als Sophie es war. Als er mittags nach Hause kam, erwartete ihn eine große Ueber« raschung. Die Hausmeisterin empfing ihn mit den Worten:„Sie ist nicht mehr bei ihm." „Wer ist nicht mehr bei wem?" „Na, die Assistentin und-Dr. Knobloch sind nicht mehr beisammen." Er war sprachlos vor Schrecken. „Sie waren gestern miteinander in der Bar, wo sich der Doktor einen Affen angetrunken hat. Auch sie war sternhagelvoll, bezahlte mit seinem Geld die Zeche für eine ganze Gesellschaft junger Burschen, ging mit ihnen davon und ließ den Dok-< tor sitzen. Er hat ihre Sachen hinausgeworfen« sie liegen hier bei mir, und ich soll ihr ausrichten, sie möge ihm nicht mehr vor die Augen kommen. Das war ja zu erwarten. Er hält es mft keiner länger als einen Monat aus. Man möchte gar nicht glauben, was für ein widerliches Pack in so einem feinen Hause wie dem unseren zu finden ist." Herr Foltr ließ den Kopf hängen und ging nach Hause. Sr konnte vor Aufregung gar nicht zu Mittag essen. Nun wird er sie nie wieder dort am Fenster sehen. Sie hat ihm nicht angehött, er konnte sich aber dennoch an ihrem Anblick erfreuen. Dann peinigte er sich mft Selbstvorwürfen: Du bist ein Heide, Toni! Seufzest einem so merkwürdigen Frauenzimmer nach und möchtest Sophiechen, diesem Schatz, den Laufpaß geben? * Während die stille Frau Maschin die zehnte Abendstunde erwartete, spielte sich auf der Hühnersteige eine Szene ab, die besiNderS in letzter Zeit nicht zu dm Seltenheiten gehörte. Nach drei Uhr erschien ein Wachmann auf der Hühnersteige. Er ging weder zu Beinsteller noch zu Loisis, sondern begab sich zu Chalupa« und kam nach einem Augenblick wieder heraus. Ihm folgte wankend, aufgeregt und mit gesenktem Kopfe Mutter Chalupa. Bevor sich die Hühnersteige und das ganze Haus geeinigt hatten, ob die Chalupa Wäsche veruntreut oder noch Schlimmeres angestellt hatte, kam die Alte wieder zurück. Sie kam aber nicht allein. Mit ihr ging Magdalena, die verlorene und wiedergefundene Tochter, und hatte so ein fesches Kleid an, daß sie sämtliche Frauen mehr denn je baßtm. Während Mutter Chalupa den Kopf zu Boden senkte, maß Magdalena die Versammlung mit so zynischer Keckheit, daß niemand auch nur zu mucksen wagte und dik Duffek in die Wohnung schlich und brummte:„Ich geh lieber, sonst muß ich das Luder noch einmal verprügeln." (Fortsetzung folgt.)! Nr. 152 DirnStag, 2. Juli 1235 Sette S Der Katholikentag in Prag Eine grobe Veranstaltung und ein kleines Ergebnis Belagerungszustand über Barcelona Verschärfung der sozialen Konflikte in Afrika zu bezahlen— Italien den Be» durchge- sollen, leinfrontgeficht— bekommen hätte, und wenn man dann vor allem dafür gesorgt hätte, daß ein würdiger und nicht den Kurort noch schädigender Abschluß möglich gemacht worden wäre. Aber wir glauben, daß die Herren vom Genossenschaftsverband, die Hausbesitzer usw. eben wieder einmal einer Henleinagitationaufden Leim gegangen sind. Denn bekanntlich haben Vertreter aller Parteien für die kurörtlichen In» terefsen interveniert, und nun, da man vielleicht doch schon einem Ergebnis dieser vielen Bemühun schluß, sich in der Angelegenheit der geplanten! und die Durchführung der Neuwahlen am 8. |Parlamrntsneuwahlrn mit den opvosttionelle«!September erfolgen. Bolksparteien sowie mit den sozialistischen Par, teien der nationalen Minderheiten ins Einver- nehmen zu setzen. Der ErckntivauSschnh der Partei wurde zu diesbezüglichen Verhandlungen mit de« erwähnten Parteien ermächtigt. leichten der Lage Daß die katholische Kirche eine große Regie und einen buntfarbigen Prunk zu entfalten Weitz, hat auch der Prager Katholikentag bewiesen. Unter dem flammenden Riesenkreuz bei dem Wen- zelsdenlmal— dessen architektonische Wirkung auch nicht dadurch beeinträchtigt wurde, datz es von einer jüdischen Firma geliefert worden ist— wurde Samstag abends eine eucharistis che Feier abgehalten. Die Armut der Kirche fand dabei durch eine sechsspännige goldene Kutsche des Kardinallegaten, adelige Kavaliere zu Pferd usw. Ausdruck. 2000 Geistliche mit brennenden Ker, zen assistierten. Das Glaubensbekenntnis wurde bei diesen Feier in s e ch s S V r a ch e n wiederholt. Es wäre nur zu wünschen, datz der Kathy-, liziSmus auch im Alltag der Republik soviel Jn- ternationalität offenbarte. Barcelona. Krirgsmimster Gilm Rob- leS und Innenminister Portela find in Barcelona eingetroffen. Der Beschluß hinsichtlich der Verhängung deS Belagerungszustandes über Barcelona hat Nebrr- raschnng ausgelöst. Man glaubt, daß daS Ministerium den Sabotageakten der letzten Tage Einhalt tun wollte. Minister Gil Nobles erklärte in den Beratungen mit dem Kriegsminister und den zuständigen katalanischen Faktoren, die einzige Ursache für die Verhängung Die Ausschreibung von Neuwahlen soll den umlaufenden Gerüchten zufolge noch Mitte Juli Verunglückter Bergarbeiter. Im Robert- schacht bei S e e st a d t l wurde der 88jährige Bergmann Herbert Behr von herabstürzenden Kohlenmassen verschüttet. Behr erlitt einen Bruch der Wirbelsäule, zwei Rippenbrüche und eine Gehirnerschütterung und ist kurz nach seiner Einlieferung inS Krankenhaus verschieden. gen nähergekommen ist, sollte das noch schnell zu einer PropagandafürdieHenlein- front benützt werden.' Es ist nur schade, datz die schlimmen. Folgen derartiger Schnitzer auch jene Einwohner der Kurorte mit bützen müssen, die einem derartigen Treiben nicht gewogen sind und sich nicht in allem und jedem den Henleinschen AgitattonSbedürfnifsen unterordnen. Prag. Die Feierlichkeiten des Katholikentages, welch« Samstag und Sonntag ihren Höhepunkt erreichten, haben unter Beweis gestellt, datz derKatholizismus auch in derTschechoslowakei noch imponierende Menschenmassen ajlf die Deine zu bringen vermag. Die Schätzungen über die Teilnehmerzahl gehen zwar weit auseinander, doch mag man die Meldung als verlätzlkch gelten lassen, wonach die Sonderzüge, die in den Prager Bahnhöfen einliefen, allein über 300.000 Pilger in die Hauptstadt gebracht haben. In dieser Zahl spiegelt sich auch die bessere wirtschaftliche Fundierung des bäuerlichen und kleinbürgerlichen Elements, das noch immer die stärksten Kaders der streitbaren Kirche stellt. Ein zahlenmäßiger Vergleich mit Arbeiter-Veranstaltungen, etwa mit der vorjährigen Olympiade, ist daher nicht möglich. Darum fehlt solchen Festivitäten, wie dem Katholikentag, auch die Leuchtkraft des Opfers, das jeder Teilnehmer eines Arbesterfestes dem großen Gelingen darbringt. Sonntag vormittags wurde im Strahover Stadion eine sogenannte Völkermesse unter großer Beteiligung kirchlicher und weltlicher Würdenträger gelesen, an der sich schätzungsweise 280.000 Personen beteiligten. Wieder gab eS eine glanzvolle Prunkentfaltung. Sogar die Beteiligung von diversen Ordensrittern in prächtigen Uniformen weiß der Festbericht zu melden. Bei diesem Akt wurden auch die Glocken aller Prager Kirchen geläutet. Warschau. Die Hauptleitung der opposi- tionrllen sozialistischen Partei hat in einer in Warschau stattgefundenen Beratung den Beschluß gr» faßt, an den Parlamentsneuwahlen, welche auf Grund der neuen vom Regierungsblock führten Wahlrechtsreform stattfinden nicht k^eilzun eh men. Gleichzeitig faßte die Parteileitung deS Belagerungszustandes über die Provinz Bar- relano sei die Verschärfung der sozialen Konflikte in Barcelona. Innenminister Portela erklärte zu Journalisten, er denke an keine neuen Maßnahmen. Lediglich die Zensur werde wrtterhin die Veröffentlichung von Nachrichten über Sabotageakte und über Anschläge verhindern, denn eines der extremistischen Ziele sei, Panik unter der Bevölkerung z« schaffen. Bürgerliche Kurortehilfe oder die Demonstrationen In Karlsbad Für Freitag nachmittags hatte der Karlsbader Bezirksgenosse ns chaftsver« band im Einvernehmen mit dem Handelsgremium, der Handelsgenossenschaft, den Hausbesitzervereinen und anderen wirtschafllich interessierten Körperschaften eine Versammlung in das Schützenhaus einberufen, bei welcher der ehemalige deutschnationale Abgeordnete Jng. Kallina referierte. Die Versammlung beschloß eine Resolution und als der Vorsitzende die Teilnehmer fragte, wer die bereits festgesetzte Deputation, die die Resolution der Bezirksbehörde überreichen sollte, begleiten wolle, da meldeten sich spontan etwa 800 Personen. Ein Aufmarsch oder Umzug war polizeilich nicht bewilligt, so daß die Veranstalter eigentlich das Ende vom Lied hätten voraussehen müssen. Nach dem amtlichen Bericht forderte die Polizei die Ansammlung auf, auseinander- z u g e h e n, in ganz vereinzelten Fällen, in denen der dreimaligen Aufforderung der Polizei nicht Folge geleistet wurde, sei vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht worden, doch wurden weder Kurgäste noch andere Personen attackiert. Angehalten wurde lediglich eine Frau, von der sich herausstellte, datz sie gar nicht wußte, worum es ging, und der SDP-Abgeordnete Dr. K l i e b e r, der nach Legitimierung auf freien Fuß gesetzt wurde. Der offizielle Bericht meldet, daß Lis Samstag mittags trotz eifrigem Suchen kein einziger Kurgast festgestellt werden konnte, der bei den Auseinandersetzungen von der Polizei irgendwie attackiert worden wäre. Was hätten Wohl die bürgerlichen Zeitungen geschrieben, wenn mitten im Kurbetrieb 900 Arbeiter plötzlich eine Demonstration im Kurviertel hätten veranstalten wollen? Da wäre sicher kein Wort der Verurteilung zu scharf gewesen. Aber wenn Gewerbetreibend« unter Zutun des Herrn Kallina demonstrieren, dann ist die Sache natürlich ganz anders... Mit Recht stellt daher unser Karlsbader Bruderblatt, der„V o l k s w i l l e", fest: Immerhin war ein solcher Ausgang der Ver- sammlung sicher alle? andere, als eine Förderung des Kurortes. Wie überhaupt di« ganze Veranstaltung ein gründlicher Danebenhieb war. Es hätte mehr Sinn gehabt, wenn di« Versammlung kein polittscheS Gesicht— noch dazu so deutlich ein Hen- tigkeit und der sozialen Liebe nach der Lehre der Kirche umbauen wollen." Eine feine»soziale Gerechtigkeit", die unter dem Protektorat Jnnitzers in Klüsterreich mit Kanonen und Galgen verwirklicht worden ist. Vor dem Fascismus wird in der Botschaft des Episkopats nicht getvarnt. Dadurch wird die zwieschläch- tige Haltung Roms am besten charakterisiert. Es möchte seinen Frieden mit den Fascisten aller Länder schließen und gleichzeitig die Arbeiter mit salbungsvollen sozialen Phrasen ködern. Mit dieser Methode läuft der Katholizismus in Gefahr, nach beiden Seiten den Anschluß zu verlieren. Die in ihrer großen Mehrheit freisinnige Prager Bevölkerung verfolgte den Katholikentag mit jenem neugierigen Interesse, das sie jedem großen Schauspiel entgegenbringt. Kein kulturkämpferischer Geist flammte auf. Denn die politischen Gegner des politisierten Katholizismus von heute hatten das Gefühl, daß ein Stück Vergangenheit aufziehe, das bei den großen Kämpfen der Gegenwart arg ins Hintertreffen kam und Wohl sollte gebietsmäßige und wirtschaftliche Zugeständnisse an Italien erleichtern, wie sie möglicherweise im Rahmen einer vereinbarten Regelung zustande gekommen wärest. Die britische Regierung würde als Gegenleistung für die Abtretung keine Zugeständnisse verlangen mtt Ausnahme der Weiderechte für ihre Stämme in denjenigen Gebieten, die an abgetreten würde«. Dieser Vorschlag wurde nicht Herzens gemacht und nur der Ernst konnte di« Abtretung britischen Gebietes ohne eine gleichwertige Gegenleistung rechtfertigen. Ich bedauere es sehr, daß sich dieser Borschlag dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini nicht empfahl, drr nicht in der Lage war, ihn alS eine Grundlage für die Lösung der Streitfrage anzunehmen. Der Leist Stresemanns In Paris hat die Tagung der F i d a e (Ehemalige Frontkämpfer der alliierten Staaten); stattgefunden, zu der zum erstenmal auch deutsche Vertreter zugezogen waren, die Hitler persönlich ernannt hatte. Eine 50köpfige Delegatton deutscher Frontkämpfer erschien in Lyon und legte am Grabe der Kriegsgefallenen einen Kranz nieder. Auf dem Rathaus wurde sie von H e r r i o t empfangen, der in seiner Rede Stresemanns gedachte und auch erwähnte, daß er, Herriot, in Lausanne die Hand zur Verständigung geboten und die Streichung der Reparationen konzediert hatte. Es wird in Hitler-Deutschland keinen angenehmen Eindruck ,machen, durch den französischen Politiker daran erinnert zu werden, datz Stresxmann, den die Nazi„Verweseman" schimpften, den Franzosen noch immer als der Repräsentant deutschen Frie- I denöwillenS erscheint. Streiks In Berlin Berlin.(AP) Auch in Berlin haben in den letzten Tagen einige Streiks stattgefunden, die zwar von kurzer Dauer waren, aber ein größeres Ausmaß hatten. Sn den RütgerS-Werken in Berlin-Treptow fand ein Ausstand statt, der anderthalb Tag« dauerte und sich gegen die Ersetzung der 2t unden löhne durch Akkordsätze richtete. Darauf wurde« die alte» Lohnsätze wiederhrrge- stellt. Zu passiver Resistenz kam es im Gaswerk Berlin-Köpenick, wo der Dtundenlohn von 72 auf 66 Pfennig gesenkt worden war. Auch hier wurde der alte Stundenlohn wieder eingeführt. Für diesen Lohnkonflikt ist besonders kennzeichnend, daß die von der Belegschaft angerufene Deutsche Arbeitsfront ausdrücklich erklärte, sie sei für Lohnfragen nicht zuständig. Darauf erfolgten Massenaustritte aus der Arbeitsfront. Zu einem Streik kam es schließlich in dem RüstungSbettiebe Wolff in Berlin«Borfigwalde, in dem in fiebrrhaftem Tempo selbst Sonntags, und zwar in drei Schichten gearbeitet wird. Der Aufschlag für die Sonntags, arbeit wurdr gestrichen. Zunächst fanden sich die Arbeiter damit ab. Als sie aber von dem Ausgang des Lohiikampfes bei den Wandererwerken erfuhren, erschienen sie am Sonntag nicht zur Arbeit, worauf der alte Zuschlag wieder gezahlt wurdr. „basier Zeitung" von Goebbels verboten Berlin. Der Vertrieb der schweizerischen Zeitung„Basler Nachrichten" ist ün deutschen Reichsgebiet auf Veranlassung des Reichs« propagandaministers auf unbestimmte Zeit verboten worden. Damit ist auch das einzige deutsche Blatt der Schweiz, das noch in Deutschland ge- gestattct war und sehr viel gelesen wurde, verboten. Es heißt, daß die„Basler Nachrichten" in Deutschland etwa 60.000 Abonnenten hatten, also doppelt so viel als in der Schwei» selbst. Für die deutschen Teilnehmer wurde Samstag im Baumgarten eine Messe gelesen. Der unrühmlichst bekannte Wiener Kardinal I n n i t- z e r hielt eine Ansprache, wobei er allerdings dir Wohltaten der llerofascistischen Diktatur in Oesterreich zu schildern vergaß. Bei einer anschließenden Autoweihe— so was gehört auch zu einem Kirchenfest— dankte Jnnitzer nicht nur mit einem katholischen,„sondern auch mit einem deuttchen Gruß" und mtt„Heil". Unter dem„deutschen Gruß" wurde bisher der Hitlcrgru verstanden. Was meinte da Herr Der Streik in Staab Staab, 30. Juni. Die Streiklage ist unverändert ernst. Der Bruder des eigentlichen Chefs denkt nicht daran, seinen Standpunkt zu ändern. Er hat sich bcreit erklärt, generell eine Zulage von fünf Prozent bei sofortiger Wiederaufnahme der Ariett zu gewähren. Die Belegschaftsvrrsamm- lung hat dieses Angebot einsttmmig avgelehnt. Diese Stimmung drr Arbeiterschaft ist begreiflich, wenn man erfährt, daß die Arbeitsleistung durch die ungeheuere Rattonalisiernng fast verdoppelt wurde, während der Lohn im Durchschnitt für alle Arveiterkategorien um 13 Prozent in der heurigen Saison heravgedrückt wurde. Die Arbeiten müssen teils in drückender Sonnenglut, teils bei einer Ofenaußentcmperatur von 70 biS 80 Grad geleistet werden. Herr Friedrich Salz drohte der Ber- handlungSdelegation, fall- die Arbeit bis Samstag mittags nicht wieder ausgenommen werde, die Oefen vermauern zu lassen und für dieses Jahr überhaupt nicht mehr in Betrieb zu setzen. Trotzdem aber versucht die Firma Streikbrecher anzuwerben und sie verspricht dafür eine bedeutend bessere Entlohnung. DieseS brutale Verhalten des Unternehmers hat wett über die Arbeiterkreise hinaus größte Empörung hrrvorgerufen. Jnnitzer eigentlich? Ist die Kirche schon so weit, daß sie glaubt angesichts der national-fascistischen Welle mit lleinen Anbiederungen das AuSlangen finden zu können? Die völlige politische Ratlosigkeit des Ka- tholizismus findet in einer sogenannten Bot schaft des EspikopatS beredten Ausdruck. Es heißt dort: Die Arbeiterschaft, wird vom glas- seukampf gewarnt und aufgefordert, in die Reihe« jener zu treten, die di« menschlich« a_ Gesellschaft auf Grundlage der soziale« Ärrrch» I niemals mehr im Vordertreffen stehen wird. Sensationelle Erklärung Edens England war bereit, die Zeche Mussolini lehnte abl London,(Tsch. P.-B.) Völlerbundsminister Eden gab im Unterhaus folgende Erklärungen über seine Reisen nach Paris und Rom ab. Zur italienisch-abessinischen Strettfrage erklärte er: Ich teilte Mussolini die ernste Besorgnis der englischen Regierung über die Wendung der Er eignisse zwischen Italien und Abessinien mit. Daranf beschrieb ich Mussolini die Art des von England ins Ange gefast» ten Beitrages, den ich ihm als provi sorischen Vorschlag vorlegen durfte. Dieser Vorschlag lautete allgemein gesprochen folgendermastenr Zwecks Erzielung einer endgültigen Rege lung des italienisch, abessinischen Strettes würde die b r i t i s ch e R e- gierung bereit sein,Abessi nien eine« Gebiets st rei fe« in Britisch.Somali land anzubieten und damit Abessinien einen Zugang zum Meere zu gebest Dieses Vorschlag Auch Ausländer können im Dritten Reich dienen Berlin. Im Reichsgesetzblatt wurde ein Erlaß des Reichskanzlers veröffentlicht, durch den auf Grund des Wehrgesetzcs vom 21. Mai, 1935 dem ReichSkriegsminister die Befugnis übertra» gen wird, männlichen Personen, die die deutsche ReichSangrhörigkeit nicht besitzen, die Genehmigung zum Eintritt in rin Wehrdienstverhältnis in Derrtschland zu erteilen. Der polnische Außenminister morgen in Berlin Paris. Der Berliner HavaSkorrespondenl meldet, daß der polnische Außenminister Beck am 3. Juli d. I. in Berlin zu einem offiziellen Besuch der deutschen Regierung eintrifft. Sein Aufenthalt in Berlin wird zwei Tage dauern. An Berliner amtlichen Stellen wird der Reise Becks große Bedeutung beigemessen. Wahlenthaltung der polnischen Opposition Zum Protest gegen die Wahlrechtsreform An alle Abonnenten und Verschleißer! Anläßlich des Feiertages am Samstag, dem 6. Juli, wird in den Druckereien nicht gearbeitet und entfällt daher die Rümmer vom Sonntag, den 7. Juli. Die Verwaltung. VetteL DienStag, 2. Juli 1935 Nr. 182 die übrigen Bäume noch nunmehr drei elternlosen Kindern, den Tod. N l m b a ch der dentsHen Christophhammer Schanghai. In der internationalen Niederlassung ereignete sich in einer Spielzeugfabrik, die mehrere hundert Arbeiter beschäftigt, eine heftige Explosion. Es wurden 15 Arbeiter getötet und 7 5 t> e r le tz t. Die Fabrik wurde vollständig zerstört. Doppelmord eines Wahnsinnigen Bomben in Valencia Balencia. In einer Borstadt von Valencia ervlodierten einige Bomben, wodurch die Lichtversorgung in einigen Gemeinden der Umgebung gestört wurde. Das Attentat soll mit der beabsichtigten Verkünduna des G e n e r a l st r e i k s in Verbindung stehen. Durch die Strasten und Gassen ziehen verstärkte Polizeilvachen. Der Bevölkerung bemächtigte sich Unruhe, weil die Anhänger der Volkspartei aus den Landgemeinden in Valencia zu einer großen Kundgebung zusammenkamen. Seine Heide» Söhne erschossen Der 71 Jahre alte Häusler Josef Svi- h l i k aus Oudraji bei P i s e k sollte Montag in eine Anstalt für Geisteskranke überführt werden, weil sich bei ihm seit einiger Feit Anzeichen von Verfolgungswahn zeigten. Svihlik verdächtigte seine beiden Söhne, dast sie ihm nach dem Leben trachten und ihm Gift in die Speisen mischen. Während Samstag abends die beiden Söhne an einer Unterhaltung teilnahmen, durchstöberte Svihlik das Haus und fand ein scharf geladenes Gewehr. Er wartete nun solange, bis die Söhne nach Hause kamen und einschliefen. Dann feuerte er aus nächster Nähe zwei Schüsie auf sie ab, die beide tödlich waren. Svihlik flüchtete und wird von einem grosten Gendarmerieaufgebot in den Wäldern' der Umgebung gesucht, weil die Gefahr besteht, dast seinem Wahnsinn noch weitere Menschenleben zum Opfer fallen könnten. Grubenunglück in Indien Kalkutta. Bei dem Grubenunglück bei Bagdili wurden 20 indische Bergleute getötet und 25 Bergleute verletzt. Sechs von ihnen wurden bei der Explosion untertags getötet, die übrigen kamen ums Leben, als versucht wurde, sie durch ein Flammenmeer hindurch zu retten und sie sich bereits fast in Sicherheit befanden. Der Brand in den Gruben wütet weiter. Man befürchtet neue Explosionen. Selbstmord-Epidemie im Braunauer Ländchen In den letzten Tagen ereigneten sich in und um die Stadt Braunau in Böhmen eine geradezu erschreckliche Fahl von Selbstmorden, die bei der Bevölkerung grotze Aufregung hervorriefen. So erhängte sich am 25. Juni in einem Walde bei Birkigt der erst 26jährige Wilh. Goldmann aus Markausch, den offenbar die Arbeitslosigkeit in den Tod getrieben hat. Am 24. Juni er- schost sich in seiner Autogarage der 41 Jahre alte Papierwarenhändler Richard Hartmann in Braunau, nachdem er den ganzen Tag über frohgestimmt an einem Fest der Schützen teilgenommen hatte. Am gleichen Tage fand man den landwirtschaftlichen Arbeiter Richard Aust, 23 Jahre alt, in seiner Wohnkammer im Hause des Landwirtes in Hauptmannsdorf, bei dem er beschäftigt war, erhängt auf. Im gleichen Dorfe ertränkte sich die über 50 Jahre alte Frau Albine Kinzel im sogenannten Schlögelteich und im Drcchselteich in Dittersbach suchte der Schneidermeister Pohl, Vater von Brand in einer Filiale der„Biela" fordert ein Todesopfer In einer Filiale des Konsumvereins„BLela" in Winterhammer bei Saar in Mähren brach gestern früh ein Brand aus, bei welchem der Lagerhalter Josef M i n a t ums Leben kam. Die Ursache des Brandes ist bis jetzt unbekannt. Der Vorfall tvird von der Gendarmerie untersucht. v d 8 d werden und den durch die Wirtschaftsnot ohnedies hart betroffenen Menschen Rettung zuteil wird. Der sozialdemokratische Abgeordnete des Weiperter Gebietes, Gen. de Witte, Karlsbad, hat die erforderlichen Schritte bereits eingrleitet. Gewitterstürme und Wolken brüche in Ostböhmen Freitag mittag ging ein schwerer Sturm über die Ortschaften Barzdorf und Märzdorf im Bezirk Braunau. Durch den Sturm wurden in den beiden Orten masienhaft Bäume entwurzelt und grohe Schäden an den Dächern angerichtet. In Barzdorf wurde eine Scheuer glatt umgelegt und die Telephonleitungen vollständig zerriffen. Merkwürdigerweise blieben die übrigen Ortschaften des Braunauer Bezirkes von dem Unwetter verschont. Kilometer weit von Christophhammer biö auf die Ulmbacher Strasse trug. Die armen Erzgebirgler sind durch diesen Schicksalsschlag neuerdings hart betroffen worden^ Mehr als 20 Familien haben das Dach über dem Kopf verloren, mußten nun bei Verwandten und Bekannten unterkriechen, bis die Schäden wieder gutgemacht sind. Ho fsentlich gelingt esde« erantwortlichen Funktionären es Staates, hier rasch und um- ehend Hilfezu bringen, damit ie ärgsten Schäden behoben Duell Pariser Bürgermeister Paris. Der neue Pariser Bürgermeister, Chiappe, hatte Samstag früh eine Duell- begegnung auf Pistolen mit seinem.Vorgänger in diesem Amte, Godin. Insgesamt' wurden vier Kugeln gewechselt. Godin wurde am Schulterblatt leicht verletzt. Das Duell wurde eingestellt, die Gegner schieden jedoch unversöhnt. Katastrophale Gewitterstürme im Randgebiet Katastrophale Ileberschwemmung in Japan Tckkio. Bei einem Wolkenbruch über Kiusu und der Gegend von Kwansaj kamen nach den amtlichen Berichten 7t? Personen ums Leben, 68 Personen wurden verletzt und 12 werden vermistt. Die Städte Kioto, Osaka, Kobe und Umgebung wurden von der Ueberschwemmung am schwersten betroffen. In Kioto wurden fast 27.000 Häuser überschwemmt, von denen 191 einstürzten. Weiter wurden 82 Brücken zerstört, von denen einige seltene Baudenkmäler darstellten. Orkanartiger Sturm über Nordböhmen Warnsdorf meldet ebenfalls ein furchtbares Unwetter, das FAeitag über das nördliche Böhmen niederging, das Bäume wie Strohhalme knickte, Dächer aütrug-und. die Fernleitungen zerstörte. Am furchtbarsten soll der Sturm in Teichstatt gewütet haben. Hier trug er ein für 2000 Personen berechnetes Zelt des deutschen Turnvereins vom Platze und vernichtete dasselbe vollständig. Auch die Licht- und Radioanlage des Zeltes wurde restlos vernichtet. Bergarbeitertod Kalkutta. Auf einer Kohlengrube in Bagdigi im Gebiete von Dhambad, Provinz Bihar, ereignete sich eine Explosion, bei der 16 B e r g ar- beiter den Tod fanden, während weitere 23 Bergarbeiter verwundet wurden. Tie Opfer sind durchwegs Inder. Wirbelsturm im Erzgebirge Am Freitag, dem 28. Juni,«m 10 Uhr vormittags ging im Weiperter Gebiet ein Wirbelsturm nieder, der große Verwüstungen angerichtet hat. Biele tausende Waldbäume wurden entwurzelt, von der Gewalt der Elemente geknickt, alö wären es Zündhölzer. Oftmals sind ganze Strecken vollkommen verbrochen, dann wiederum find mitten im Hochwald einzelne Stämme bis zu einem halben Meter im Durchmesser umgelegt, während ringsherum stehen. Wenn man von Grenze entlang gegen fährt, begegnet man auf Schritt und Tritt dem Bilde der Verwüstung. Hier hat der Sturm besonders arg gewütet. Baumriesen find umge- worfcn, recken ihr Wurzelwerk zwei bis drei Meter empor, viele Meterzentner Waldboden wurden mit aufgewühlt. Es ist meist hundertjähriger Wold, der betroffen wurde. Der ganze Wald bis Christophhammer sieht aus, als ob in ihn schwere Artillerie hineingcschossen hätte. Hier wurden nach einer Schätzung des Forstpersonals 12.000 Festmeter Holz verbrochen. In Christophhammer ist das Bild am trostlosesten. Bier Dächer wurden vollstündig abgedeckt. und 5 Dächer schwer beschädigt, zum Teil fast vollkonrmen vernichtet. Der ganze Ortstril, durch den der Orkan brauste, bietet einen schrecklichen Anblick. Zahlreiche Häuser wirken wie Ruinen. Balkenwerk, Schiefer, Schindeln und Pappe, Möbel- und Kleidungsstücke, Haushaltungsgrrätr liegen wahllos auf der Straße herum, durcheinander und übereinander. Vielfach ist man mit dem den Erzgebirglern angeborenem Fleiß bereits daran geschritten, die ärgste Verwüstung zu beseitigen. Ein Teil der Betroffenen sind arme Häusler, die anderen Waldarbeiter, die kaum das Salz in die Suppe verdienen, mehrere von ihnen sind arbeitslos. DLm sieht genau, welchen Weg der Sturmwind genommen hat, denn er hinterließ eine graueichaste Spur. Ein ähnliches Bild bietet sich in Pleil- Sorjgenthal und auch im benachbarten W e i p e r t, wo es sogar FabriKsgebüude abgetragen hat. Drei Häuser wurde« dort vollkommen qbgedeckt, eine Scheuer eiugerissen, so daß das Dach auf dem Erdboden fitzt. Granen und Verwüstung sind auch hier die Begleiterscheinungen des WirbelsturmS. Auch der Wald in diesem Gebiete weist furchtbare Schäden auf. Neben Sorgenthal stand früher ein bewaldeter Berg mit vielen hunderten Bäumen, Hochwald mit dicken Stämmen. Dort ragen jetzt zersplitterte Strünke empor. Aller Wald wurde«iedergebroche» Und als letzter Rest stehen inmitten des unbeschreiblichen Wirrsals fünf Bäume kerzengerade» als sei überhaupt nichts weiter geschehen. Auch dort sieht man den Weg, den die rasenden Elemente nahmen, kilometerweit in das Landschaftsbild eingrzcichnet. Der Schaden im Wald bei Sorgenthal wird von der dortigen Forstdirektion mit 4000 Fe st metern angegeben. Der Waldfchaden im Weiperter Rayon wird ebenfalls auf mehrere tausend Fe st meter Holz geschätzt. Dazu kommen noch die ungeheueren Sachschäden an den Häusern, so daß die Schadenssumme in die Millionen geht. Die Bewohner stehen vor ihren zertrümmerten Hütten und machen sich an die schwierigen Aufräumungsarbeiten. Biele haben durch das Unwetter das Letzte verloren, das fie durch die schwere Wirtschaftskrise hindurch gerettet haben: Das Dach über dem Kopf. Ein Genosse berichtet, wie es zugegangen ist: Vormittags» etwas vor zehn, zog sich ein Gewitter zusammen. Es wurde immer dunkler und dunkler und um etwa 10 Uhr zuckten die ersten Blitze auf. Wenige Sekunden später ist das Unheil bereits geschehen. Die Menschen wurden in ihren Wohnungen, in ihren Stuben, von dem Unwetter überrascht und es ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, daß überhaupt niemand eine ernstliche Verletzung davontrug. Wie schwer es die armen Erzgebirgler getroffen hat, geht daraus hervor, daß sie von der Versicherung überhaupt nichts ausbezahlt erhalten, denn gegen Elementarkatastrophen find fie zumeist nicht versichert. Ein Mann namens Kun- Wenzel, dessen Haus ganz vernichtet wurde, erzählte, daß er nun nichts mehr besitze, als was er auf dem Leibe trägt. Und das war armselig genug. Ein anderer erklärte, daß er sein Dach erst frisch decken ließ und es noch nicht einmal bezahlt hat. Nun hat es der Wirbelsturm neuerdings vernichtet und nun weiß er nicht, wie er sich aus sei- «er verzweifelten Lage wird retten können. Mtt welcher Gewalt der Sturm gewütet hat, sieht man auch daraus, daß er Möbelstücke und Zwei Todesopfer eines Unwetters in ULhorod Ujhorod. Ein schweres Gewitter, das Samstag in Verbindung mit einer Windhose über das Uzhoroder Gebiet niederging, hat außer großen Materialschäden und Verletzungen d»n' Verlust zweier Menschenleben im Gefolge gehabt. In der Mitrakova ulice fiel ein Stück eines Blechdaches auf den elektrischen Leitungsdraht, wodurch eine elektrische Verbindung mit dem Rest des Daches, der Dachrinne und dem Geländer eines Balkons hergestellt wurde. Ein dreijähriges Kind, das aus dem Balkon spielte, berührte das Geländer und wurde durch den Strom getötet. Im Krankenhaus starb der Forstmanipulaüt Otto Heisler, der bei Kleider, ganze Pappkartons und Kisten, viele dem samstägigen Unwetter verletzt worden war. Unwetter über Trautenan Am gleichen Tage ging' auch über die Stadt Trautenau ein Gewittersturm, der einen Wollenbruch in seinem Gefolge führte und schweren Schaden an Kulturen, Häusern, Anlagen und den Licht- und Telephonleitungen anrichtete. Viele Bäume wurden geknickt oder entwurzelt, Dächer beschädigt und die Pflanzungen meist vernichtet. Am schlimmsten aber erging es dem in Trautenau eben gastierenden Zirkus Kludsky, von dem das große Zeltdach zerfetzt und abgetragen wurde, die großen Tragbalken niedergerissen wurden und, auf die Sitzreihen fallend, diese zerschlugen. Die Zirkuswägen wurden vom Sturm von ihren Standplätzen abgetrieben und einige stark beschädigt, so der Wagen mit der Licht- und Kraftanlage, wobei diese Anlage unbrauchbar gemacht wurde. Auch die Tierwägen litten stark unter dem Gewittersturm, doch blieb es bei der Unruhe der Tiere und einigen leichtverletzten Pferden. Vom Personal, das mit aller Kraft größeren Auswirkungen des Elements entgegenwirkte, erlitt ein Artist eine bedeutende Verletzung am Kopfe- einig« andere kamen mit leichten Körperschäden davon. I. Bundesfest des IRUK Das große Festspiel das im Rahmen des 1. Bundesfestes des Aruk am Samstag, dem 6. Juli, abends 8 Uhr, stattfinden wird, führt den Titel Eine Komödie deren AnSgang du mitbestimme» wirst.,, Dieses Festspiel wird von einem großen Sprech- und Bcwegungschor aufgeführt, ist ein« beißendspöttische Charakterisierung der aktuellen Weltereig- niffe und wurde von dem brannten Schauspieler Vasa H o ch m a n n, Aussig verfaßt. Die Solis werden von hervorragenden Kunstkräften der Stadttheater Teplitz-Schünau und Aussig gesprochen. Tas Bühnenbild entwarf der bekannte proletarische Künstler Georg H. T r a p p. Eingeleitet wird das Festspiel, das ungemein packend und sehenswert ist, durch einen Chor der 300 Arbeitersänger des Bezirkes Karlsbad. Der Eintrittspreis ist 3 KL, Dauer-Abzeichen-Besitzer zahlen ein« Krone Zuschlag. DaS Kabarett zum Weltgcwiffen des Schauspirlerkollcktivs„Truppe 35" daS auf große Erfolge im Wahllampfe Hinweisen kann, und sicher wird Vasa H o ch m a n n mit seiner„Truppe 35" auch durch das Festspiel viele neue Freunde gewinnen, besorgt die Abschluß« Festfeier, welche am Sonntag, dem 7. Juli, um halb 9 Uhr im„Arbeiterheim" in Mtrohlau stattfinden wird. Niemand sollte versäumen, durch den Besuch dieser beiden Veranstaltungen wirkliche proletarische Festkultur kennen zu lernen. Unvergeßliche, lebenswahre Kunst werden die Teilnehmer des 1. Bundesfestes aus diesen Feiern mit nach Hause nehmen. Eintritt zur Festfeier KL 2.50. Dauerabzeichen hat keine Gültigkeit. 8«eß Schiffszusammeustötze London. In der Einfahrt des Hafens von Harwich stieß der dänische Dampfer„Esjerg" mit dem auf der Stteckc Vliffingen—Harwich verkehrenden Dampfer„Prinzessin Juliana" zusammen. Die „Prinzessin Juliana", auf der 811 Personen reisten, wurde besonders schwer beschädigt, ebenso der dänische Dampfer, der 133 Fahrgäste mitführte. Auf dem holländischen Schiffe wurden drei Personen verletzt, die ins Krankenhaus gebracht werden mußten, fFahrgäste beider Schiffe mußten auf andere Dampfer gebracht werden. * Rom. Bei einer Nachtübung auf dem Meer« in der Näh« von Taranto stießen zwei Wachtschiffe zusammen. Hiebei wurden sechs Marine* soldaten getötet und sieben leicht verletzt. Beide Schiff« konnten mit eigener Kraft den nächsten Hafen erreichen.* Vom Rundfunk empfehlenswerte* au* den Programmen: Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Tanzmusik, 12.30: Konzert, 13.40: Deutscher Arbeitsmartt, 18.20: Deutsche Sendung: Dr, Moucha: Neue Bücher, 18.35: Arbeiters»«!: B. Schwab, Wegstädfl: Der öffentliche Angestellte in der Selbstverwaltung, 18.55: Sozialinformationen, 19.30: Mujiks Salonquartett, 22.25: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14: Orchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.40: Chansons, 14.50: Deutsche Presse. Brünn 18.30: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 17.40: Deutsche Sendung: Festa: Der gegenwärtige Stand des Fernsehens, 21.35: Jana- Lek-Abend.— Mährisch-Ostra» 11: Schallplatten, 13-40: Duette aus Opern von Smetana, 17.50: Grieg in seiner Klaviermusik.— Preßburg 19.40: Russische Romanzen, 20.25: Violinkonzert von Beethoven.— 9t. 159 Dienstag, 2. Juli 1835 Sette 5 Koehreiepti t«>»~ ü ä, Inhalt einer Flwch. Opeld« und d."' J ProU.-..... 1 n-i 7,»cken-Oo«kta Kr 1 kg Marmntada. I Eaekchen irocKen,• j O—Jrta Hü,»ia»ind in jeaer res« die OpeMa-Beratung^ Prag am C rnnaiKD a MARMELADE IN 10 MINUTIN! E R®! M!?-*-" ,4“ u* I«.■;».<«»». Tr ocken-Opekta. Slb(Hl® H" ai Marmelade K2 3’50. 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Weidenhoffer heißt, ist ein« Entdeckung des bekannten Regisseurs Gustav Machath, welcher ihr in seinem letzten Film„Nocturna" ihre erst« Rolle gegeben hat. , Gold, das gegen den Krieg geschützt ist Washington. Der Finanzminister erhielt den vertraulichen Auftrag, noch vor dem 1. August die unterirdischen Kammern in den Militärkasernen in Louisville(Kentucky) fertigzustellen, wohin aus Philadelphia und aus New Dort größere Goldreserven gebracht werden könnten. Im Kriegsfälle sind diese Unterstände uneinnehmbar. Sie befinden sich inmitten der Festung Knox, in der auch Artillerie und Tanks untergebracht sind. Do» der Ocffcntlichkcit wenig beachtet, trat — nach einem anderthalbspalten langen Artikel der„Rumburger Zeitung",— der sozialdemokratische Parteitag in Brünn zusammen. Aber nicht nur dieses so wenig bekannte Blatt, sondern alle dem HenleinfasciSmus unterliegenden Zei- tungen haben an die Spitze ihrer Berichte oder ihrer Kritik über den Parteitag der deutschen So- zialdemokrüten diese"Behauptung gestellt, ob- zwar jeder dieser Artikel an und für sich diese dämliche Feststellung widerlegt. Denn ein Par- teitag, der von der Oeffentlichkeit wenig beachtet wird, findet, auch in der gegnerischen Presse keine Resonanz, man übergeht ihn ohne Kommentar oder aber man begnügt sich mit der Meldung, daß dieser Parteitag stattfindet. Wenn aber, so wie es anläßlich des sozialdemokratischen Parteitages in Brünn war, alle bedeutenden deutschen Zeitungen diesem Parteitag, kaum daß er zusarmuengetreten war, lange Artikel widmen und— soweit man dazu imstande war— über alle Geschehnisse auf diesem Parteitag an auf- fallender Stelle dieser Zeitungen Berichte bringen, dann ist wohl die Behauptung, der Parteitag sei von der Oeffentlichkeit wenig beachtet worden, nicht ernst zu nehmen. Besonders dann nicht, wenn ein bürgerliches Blatt diese Feststellung zum Ausgangspunkt einer— wenn auch unmöglichen und schief gestellten— Kritik über diesen Partestag macht. Tatsache ist, daß der sozialdemokratische Parteitag von Brünn, in allen politischen Kreisen und bei allen Parteien, ganz gleich ob es sich um deutsche oder tschechische Parteien handelt, die größte Beachtung gefunden hat, deren sich überhaupt ein Parteitag in den letzten Jahren hierzulande erfreute. Bei einer Bergtour im Dachsteingebiet sind der 18jährige Student Wilhelm Gärtner aus Linz und sein, Begleiter, ein Handelsangestellter aus Steyr, von der Scheiblingwand zirka 800 Meter tief abgestürzt und tot liegen geblieben. Turin. Zu einem großen Verkehrsunglück kam es Samstag in der Nähe von Turin. Ein großer Autobus mit Anhängewagen befand sich auf einer AuSflugSfahrt mit 150 Kindern des Salksianrr-JnstituteS. Während der Fahrt stürzte der Wagen um. Fünf Kinder wurden an Ort und Stelle getötet, weitere h» n- dertzehn verletzt, hievon zwei sehr schwer. o Bukarest. Ein furchtbares Unglück wird au» dem Städtchen Piatra Olt gemeldet. Ein mit Ausflüglern vollbesetzter A u t o b n S wurde von einem in voller Fahrt befindlichen P r r- sonenzug' erfaßt und völlig zertrümmert. Fünf Insassen wurden getötet, 17 schwer verletzt. Unter de» Opfern befinden sich mehrere Frauen und Kinder. Wir lesen im„Neuen Vorwärts": Bor dem OberlandeSgericht in Hamburg findet augenblicklich eine Reihe Prozeffe gegen 15 0 ehemalige Sozialdemokraten statt. Di« Anklage lautet, wie in der Verhandlung am ersten Tage bekannt wurde, gegen sieben Angeklagte, und zwar: W. Schmedrmann, W. Ro- perS, Dr. Dietrich, H. Weidt, O. Schuhmann, Klara Hippe, Inga Dingler auf Hochverrat, weil sie angeblich die sozialdemokratische Partei neugebildet und gleichzeitig für di« A«- gehörigen der im Konzentrationslager und Gefängnis fitzenden MitmenschrnGeldergefam- meltundverteilthabcn. Alle Angeklagten bestritten, sich des Hochverrates schuldig gemacht zu haben, gaben jedoch zu, aus Mitgefühl Sammlungen durchgeführt und die gesammelten Gelder verteilt zu haben. Bei der Verteilung der Gelder fragten sie nicht nach der früheren Parteizugehörigkeit. Während der Verhandlung wurde festgestellt, daß biS in die letzte Zeit hinein, in Deutschland Gefangene schwer mißhandelt werden, um Ge- ständniffe von ihnen zu erprcffen. Drei der Angeklagten, und zwar Schmedemann, Weidt und Ro- perS erklärten, daß sie vieles von dem, waS sie auSgesagt hätten, zurücknehmen müßten, da diese Angaben unter dem Druck der furchtbare«Mißhandlungen gemacht worden seien. Weltrekord einer Fra«. Die Studentin deS Li rif t fr(ft d 6 e r JnstitttteS für Körpererziehung Kütalowa stellte einen neuen Weltrekord Im Fallschirmabsprung ohne Sauerstoffapparat auf. Sie sprang in 7750 Meter Höhe ab. Die Hitze und ein Orkan haben in ganz Ungarn große Verwüstungen angerichtet. In der Stadt Szegeth hat die am SamStag und Sonntag herrschende tropisch« Hitze vier tödliche Schlaganfälle verursacht. Die Zahl der Hitzschläge in der ungarischen Tiefebene ist sehr beträchtlich. Im nördlichen Teil des Komitats Szabolcs wurde die kleine Eisenbahnstation des Kurortes Sospo durch den Orkan vollständig vernichtet. In der Stadt Kapuvär hat ein Großfeuer gewütet, dem in kurzer Zeit zwölf Häuser und 21 Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. Die Leistung der Deutschen Jugendfürsorge: 30.000 XL im Tag. Seit dem Bestehen der Tschechoslowakischen Republik hat der Schittzver« band der Deutschen Jugendfürsorge in B ö h m e n allein 180 Millionen Kron«» fürs deutsche Kind ausgegeben. 60 Millionen davon brachte die Zentralstelle, die Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen in Reichenberg auf, 120 Millionen die 101 Zweigvereine, die Bezirksjugendfürsorgen. 30.000 XL sind so, Tag für Tag durch 16 lange Jahre für das Wohl des deutschen Kindes aufgewendet Zwei Jahre für«in freies Wort. Der katholische Priester P. Beningne aus Mainz wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und zwar wegen eines Artikels, den er in der Zeitschrift„FranziSkuSblatt" veröffentlichte und in welchem er di« Vaterlandsliebe zweier Belgier, die während des Weltkrieges von den deutschen Behörden in Belgien hingerichtet wurden, lobte. Easablanea. Zwischen Rabat und MrkneS stürzte ein A u t o e a r um und geriet in Brand. Acht Reifende wurden schwer verletzt, die übrigen dreizehn konnten bisher nicht geborgen werden. Man befürchtet, daß sie in den Flammen»mgekommen sind. * Wie«. Auf der Triesterstraße bei Günseldorf, südlich von Wien, ereignete sich Samstag ein Ber- kehrSunglück, dem zwei Wiener zum Opfer sielen. Der 38jährige Obsthändler Ferdinand MarkoviL und seine 28jährige Gattin fuhren mit ihrem Motorrad gegen einen am Straßenrand stehenden Leichenwagen, wurden auf die Straße geschleudert und blieben mit fürchterlichen Verletzungen liegen. Beide sind kurz darauf gestorben. Die vom Richter als Zeugen vernommenen Kriminalbeamten erklärten, daß sie sich auf diese Mißhandlungen nicht besinnen könnte«. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten insgesamt 15 Jahre Zuchthaus und 28 Monate Gefängnis. DaS Urteil lautete: Schmedemann 21/£ Jahre Zuchthaus; Röpers, 1 Jahr 10 Monate Zuchthaus; Weidt, 1 Jahr 10 Monate Zuchthaus; Schuhmau«, 1*6 Jahre Zuchthaus; Dr. Dietrich, 1 Jahr Gefängnis; Mara Hippe, sieben Monate Gefängnis; Inga Dingler, Freispruch. Allen Angeklagten wurden 7 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. I« der Urteilsbegründung erklärt der Präsident, daß das Gericht zu diesem Urteil gekommen sei auf Grund der anständigen und aufrechten Haltung der Angeklagten und weil die Neubildung der sozialdemokratischen Partei nicht als erwiesen angesehen werden könne, obwohl letzteres nicht ganz von der Hand zu weisen sei. Im großen und ganzen steht der Präsident doch in den Anhängern der ehemaligen sozialdemokratischen Partei anständige, ehrenwerte Menschen und aufrechte Kämpfer für ihr« EineGedenktafel für Jiri Walker. Auf dey Heiligen Berg bei O l«; ü tz wurde am Sonntag eine Gedenktafel für den Dichter Jiki Wolker am Hause„Na Vyhlidce" enthüllt, wo der Dichter seine Ferien verbrachte und seine ersten Gedichte schuf. Nach einleitenden Worten des Schriftstellers F. Bäbler sprach Prof. Dr. Slävit aus Prag, über das Thema„Jiri Wolker und der Heilige Berg". Die Gedenktafel, ein Werk des akademischen Bildhauer- K. Lenhart aus Olmütz, wurde durch die Initiative des Klubs der Kunstfreunde in Olmütz und mit Unterstützung der Verehret und Freunde des Dichters errichtet. Die Feier wurde unter sehr zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung abgehalten. Die Sängervereinigmrg„Sestnäctka" aus Olmütz trug einige Chorlieder vor. Prostitution? Verboten... DaS Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret deS spanischen Ministers für Arbeit und Gesundheitswesen, durch daS in Spanien jedwede Prostitution verboten wird Und alle Einrichtungen, die sie duldeten, aufgehoben werden. Geschlechtskranke Personen werden sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen müssen. JohanniSbad amerikanisiert. Am Sonntag wurden in Johannisbad die ersten und einzigen „Warms Sprin gs"-Bäder in Europa feierlich eröffnet und dem Betrieb Übergeben. Diese Warm Springs-Bäder Johannisbads sind genau nach dem Muster der Warm Springs- Bäder im Staate Georgien in USA erbaut. Bon der Festversammlung wurden Begrüßungstele« gramm« an Präsident Masaryk und Präsident Roosevelt gerichtet, der die Warm SpringS-Bäder in Amerika ins Leben rief und dessen Liebenswürdigkeit die Vorführung des auf seine eigenen Kosten hergestellten Filme zu danken ist, der die Einrichtung der Warm Springs und das Fortschreiten der Heilbehandlung von Lähmungen des Körpers oder verschiedener Körperteile durch Massagen unter Wasier veranschaulicht. Die Bäder wurden unter zahlreicher Beteiligung der Aerzte» schäft eröffnet. Goebbels ist auch ein Mensch— aber waS für einer! Samstag fand in Berlin für sämtliche nationalsozialisttsche Organisationen deS Gaues Berlin der Berliner Gautag statt. Reichspropagaudaminister Dr. Goebbels sagte in einer großen Versammlung auf dem Tempelhofer Feld u. a.: Manche glauben, wir sehen es nicht, wie heute auf allen Straßen das Judentum versucht, sich weiter breit zu machen und wie die bürgerlichen Intellektuellen sich wieder anschicken, ihnen wieder Hilfsbrüderschaft zu leisten. Man kommt mit der abgedroschenen P h ras e, der Jude sei a u ch e i n M e n s ch, ja er ist einer, aber WaS für einer. Wir wollen den Juden nicht mehr, er hat in der deutschen Volksgemeinschaft nichts zu suchen. Er hat sich den Gese^n der Gastfreundschaft anzubequemen und nicht so aufzutreten, als wäre er unseres-, gleichen., Brennende Bahnüberführung. Am Montag gegen 13.15 Uhr geriet die hölzerne Bahnüberführung auf der Streck« Pilsen—Eger zwischen den Stationen Jos efihütte—Schweißing—Tscherno- schin in Brand. Wegen der ungeheuren Hitze und der Gefahr des Einsturzes der verbrannten Konstruktton wurde der Verkehr auf vier Stunde« unterbrochen. Zwei Schnellzüge erlitten drei Stunden und zwdi Personenzüge zwei Stunde« Verspätung. Wieder 25 bis 30 Grad. In Mitteleuropa ist Montag wieder eine starke Erwärmung eingetreten. Am Nachmittag überschritten die Temperaturen bei schönem Wetter nahezu durchwegs L5 Grad und er- reichten hie und da wieder 80 Grad. Auch Dienstag dürfte das Wetter in unseren Gegenden unter dem Einfluß deS derzeit über der Ostsee liegenden Druck«, Hochs bleiben. In Westfrankreich, wohin vom Ozean kühlere Luft eingedrungen war, wurden um 11 Uhr nur 14 bis 18 Grad verzeichnet;, an der Wärmegrenze traten dort strichweise Gewitter auf. Bei uns können Gewitter erst am Mittwoch im Westen und Südwester«, des Staates erwartet werden.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauerndes schönen Wetters, warm, W e t t eraus sichten für Mittwoch: In den böhmischen Ländern vom Südwesten her zunehmende Gewitterneigung, später etwas kühler. Karpathengebiet schön und warm. Fluglinie Prag—Troppa». Am Montag wurde der regelmäßige Verkehr auf der neuen Strecke der Staatlichen Aerolinien Prag— Köntggrätz — M.- Ostrau— Troppau eröffnet. Für die nächste Zeit ist folgender Flugplan vorgesehen: Von Prag nach Mähr.-Ostrau geht«in Fugzeug immer Dienstag. Donnerstag und Samstag, in umgekehrter Richtung ain MöNkag, Mittwoch und Freitag ab. Aenberung der Wildschonzettrn in Böhmen. Eine Verordnung des Landespräsidenten in Prag vom 22. Juni 1835 ändert die Wildschonzeiten für daS Jahr 1935 in Böhmen auf folgende Art: Dis Schonzeit der Rehböcke beginnt am 1. Oktober 1985 und endet am 15. Mai 1936. Die heurige« Rehkitzen, GemSböcke, Mufflonwidder, tzaselhähne und Wachteln werden durch das ganze Jahr 1935 geschont. Die Schonzeit der Rebhühner endet am 14. August um 24 Uhr und beginnt wieder am 16, November. Die Schonzeit der Wildenten endet am 15. Juli um 24 Uhr und beginnt wieder am 1. Jänner 1986. DaS UutersuchungSinstitut der Tschechoslowakischen DiabetScrfürsorge bleibt im Juli d. I. geschlossen. Nach Durchführung von Adapttonen wird daS Institut mit dem 1. August seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Der letzte k. u. k. GeneralstaiSchef gestorben. I« Budapest ist, 78 Jahre alt, der Generaloberst ArthurArz, Ritter von Straußen« bürg, gestorben. Er war der letzte GeneralstabS- chef der k. u. k. Armee, deren Operationen er in de« zweiten Kriegshälfte leitete. Arz, der einer sieben- bürgischen Patrizierfafamilie entstammte, machte di« übliche Karriere eines Generalstäblers und war 1914 Sekttonschef im Kriegsministerium. Als solcher leitet« er die Mobilisierung, die im großen und ganze« reibungslos verlief. Als nach der Entlaffung Brudermanns der General Boroeviö das Kommando der 8. Armee übernahm, folgte Arz im Kommando des 6.(Kaschauer) Korps. Als Truppenführer bewährte er sich bei Limanova, Gorlice und während der Sommer-Offensive von 1915. An der Spitze der 1. Armee nahm er dann an dem strategisch glänzenden Feldzug teil, den die deutsche 9. Armee, Falkenhahns, die Donau-Armee Mackensens und eben di« k. u. k. 1. Armee im Herbst 1916 gegen Rumänien führten. Bald darauf wurde er zum Nachfolger Conrads als Generalstabschef ernannt. Conrad mußte gehen, weil der Kaiser persönlich stärket hervortreten wollte und die Persönlichkeit Conrads vielfach als Hindernis erschien. In Arz erhielt Conrad, trotz der guten Qualitäten, die Arz als Truppenführer hatte, einen der großen Aufgabe nicht gewachsenen Nachfolger. Das zeigte sich in bollem Umfange erst im Jahre 1918, al? Arz es zulietz, daß man die große Offensive an der Piave nicht nur Unt unzulänglichen Mitteln unternahm, sondern diese Mittel auch noch, statt sie zu konzentrieren, auf einer hundertfünfzig Kilometer langen Front verzettelte. Dennoch wurde nach der Piaveschlacht nicht Arz, sondern Conrad zum Sündenbock erwählt. Seit dem Kriege lebte Arz zuerst in Wien, später in Budapest, da ihm die Ungarn eine Gnaden- pension gewährten, obwohl er rumänischer Staats, bürget war. Drei furchtbare Autobus-Katastrophen Idee. Seite 8 „Sozialdemokrat" Dienstag, 2. Jnli 1S3S. Nr. 152 Arbeitsanfall. Gestern arbeiteten um vier Uhr nachmittags die Arbeiter Karl Drna aus KrL und Bohuslav Vanik aus Hostivar an einem Neubau in der Vratisladovä in Zizkob, als ein Lehm klumpen sich löste und auf die beiden fiel. Beide wurden nur leicht an der Schulter und am Arm verletzt ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Die Staatsbahnen veranstalten vom 4. bis 17. Julil einen Ausflugszug nach Karpatho- rußland für KL 560.—-, vom 13. bis 21. Juli Streifzüge durch die Slowakei für KL 570. Anmeldungen mit Angeld von 8 bis 17 Uhr im Bazar neben dem Wilsonbahnhof. Telefon 383.36. Xunst und Mssen, Ter Zeichner Hcllmut Krammer zeigte die gediegene Sachlichkeit seines Könnens und sein spezifisches Talent. Atmosphäre deutlich und lebenswahr zu machen, in einer Ausstellung in den Räumen des Deutschen Handwerkervereins. Landschafts- Motive wechseln mit intuitiv gemeisterten charakteristischen Straßenszenen; auch Prags Kirchen, besonders die weniger bekannten, kommen hier zu ihrem vollen künstlerisch-architektonischen Recht. Dkeisterlich Ist eine kolorierte Lithographie, die ungemein nuan- eiert und bildhaft gesehene Zeichnung:. Blick vom Museum auf den Wenzelsplatz. Krommers künstlerische Sprache ist niemals laut oder gar herausfordernd; eher bescheiden und von einer gewissen ängstlichen Zurückgezogenheit. Trotzdem überzeugt ste. durch ihren ausgeprägten Formsinn und ihr instinktives Gefühl für Farben und Stimmung. Reben Prager Sujets sieht man Provinzmotive; bemerkenswert ist die Acht-Bilder-Serie aus Brünn. Auch hier gibt Krommer keine Photo-Klischee, sondern individuell gestaltete und persönlich erlebte Rachgestältung. P—re Antifascistischer Gelehrter im Exil Opfer der Tevisensperre.— Nach zwei Monaten Untersuchungshaft freigesprochen! Prag. Dieser Angeklagte, der Montag vor dem Strafsenat Hr u s k a erschien, hat sich wohl kaum jemals träumen lassen, daß er unter Betrugsanklage stehen und zwei Monate in Untersuchungshaft sitzen werd«. Roderich von R. stammt aus Preu- tzisch-Schlesien^ ist reichsdeutscher Staatsangehöriger Lnd Kunsthistoriker vort Berufs Er steht heute tm vierzigsten Lebensjahr und hat seinerzeit, als das Dritte Reich" auÄrach, seine Gelehrtenstube verlassen und ist mit seiner Freundin Waltraute P. ins Exil gegangen, obwohl er persönlich sich um Politik nicht kümmerte und keiner der in Hitler- deutschland verfolgten Parteien angehörte. Aber er sah viele Freunde und Bekannte, die er schätzte, fliehen und hatte wohl auch die natürliche Abnei- gung des Kulturmenschen gegen das Regime, das sich mit Mord und unerhörter Grausamkeit in Deutschland installierte. Kurz— er ging ins Ausland und suchte mit seiner Gefährtin in Prag Zuflucht. Die materielle Lage des parteilosen Flüchtlings gestaltet« sich bald überaus trist. Er hatte sich in den Weinbergen mit Waltraute P.«ingemie- tet, und zwar als Untermieter einer Frau Barbara H ä l a, der er monatlich 480 Kc bezahlen sollte, wobei Bad, Heizung und Telephon noch separat zu vergüten waren. Es scheint, daß der weltfremde Gelkhrte sich von der grausamen Wirklichkeit des Emigrantenlebens keine rechte Vorstellung gemacyt hat. Da die erwarteten Geldmittel infolge der Devisenmaßnahmen desDrit- ten Reiches ausblieben, geriet er immer tiefer in Geldschwierigkeiten und das Ende vom Liede war, daß die Vermieterin, der er längere Zeit die Miete schuldig bleiben mußte, Strafanzeige erstattete. Die Prager Polizei machte, wie stets in derartigen Angelegenheiten, ganze Arbeit. Waltraute P wurde unverzüglich als„lästige Ausländerin" ausgewiesen. Roderich v. R. dagegen unter Anklage des Betruges dem Untersuchungsgefängnis überstellt, wo er zwei Monate in der Gesellschaft aller möglicher krimineller Existenzen zu verbringen hatte. Es half ihm wenig, daß er sich darauf berief, daß seine Gefährtin die mit tausend Schwierigkeiten verknüpfte Ueberweisung der nötigen Barmittel veranlassen werde. Die Staatsanwaltschaft erhob die Anklage. Im Verlauf der Verhandlung stellte sich indessen heraus, daß die Verteidigung des Angeklagten der Wahrheit entsprach. Es wurde nachgewiesen, daß die lang erwartete Ueberweisung inzwischen ftattgeftmden hat und die Ansprüche der Vermieterin bereits befriedigt sind. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten demgemäß frei. rb. Liebevoller Verwandter bittet umBarlehen für da« Brautgeschenk Ei» komischer Betrugsprozeß Prag. Einen besonders originellen Gaunertrick hat sich der 33jährige Wenzel Laube aus Bauschowitz zurechtgelegt. Laube lebt von Diebstählen und Betrügereien und ist entsprechend vorbestraft. Als er. dem Strafsenat Waldmann diesmal vorgeführt wurde, lautete die Anklage— abgesehen von einigen Taschendiebstählen— auf das siebenfache Verbrechen des Betruges- Bei diesen Betrügereien ging Laube sehr systematisch vor. Er inspizierte zunächst die Aushänge- tafel des Rathauses, auf welcher die Eheausgebote kundgemacht werden. Dann stattete er, naivem er auf schlaue Art die Familienverhältnisse des Brautpaares ausbaldowert hatte, der Familie der Brant einen Besuch ab. Dort stellte er sich, indem er einen rührenden Wortschwall losließ, als liebevoller Verwandter des Bräutigams vor. Er sei eigens zu dem Zweck nach Prag gekommen, um seinem geliebten Vetter, Bruder-oder Schwager(nämlich dem jeweiligen Bräutigam) ein schönes Hochzeitsgeschenk zu bescheren. Run sehe er leider, daß er nicht genügend Geld mitgenommen habe. Die hochgeschätzten künftigen'Verwandten möchten ihm doch aushelfen, denn er wolle dem„lieben Jungen und seiner Braut" unbedingt eine Freude machen. Man muß sagen, daß sich dieser Trick fabelhaft bewährte. Ueberall wurde der liebe„Verwandte" mit offenen Armen ausgenommen, köstlich bewirtet und empfing auch ohne weiteres die im Einzelfall geforderten 100 bjs 150 sic. In einem Fall ging die Vertrauensseligkeit einer solcherart angezapftei? Brautmutter soweit, daß sie dem lieben„Vetter", weil sie momentan kein Geld zur Verfügung hatte, ein Sparbuch auf 16.000 KC anvertraute, mit der Aufforderung, den nötigen Betrag zu beheben. Laube ließ sich, da» nicht zweimal sagen und verschwand mit hiederen Dankes- worten— natürlich auf Nimmerwiedersehen, wie in allen anderen Fällen auch. Aus dem Sparbuch behob er 10.000 KL, die er vergeudete. Dann fälschte er in der Rubrik„Eingezahlt" eine Reihe von Eintragungen, so daß der gefälschte Schlußsaldo schließlich auf 81.000 Kt lautete. Bei diesem Stande der Ding« wurde er schließlich bei einer Hotelrazzia verhaftet, wobei ihm übrigens noch die Uebertretung der Falschmeldung zuwuchs, denn natürlich hatte er sich in dem Hotel unter falschem Namen gemeldet. Und da die Manipulationen mit dem Sparbuch auf die Absicht weiterer Gaunereien schließen lassen, wurde die ohnehin reichhaltige Anklage noch um einen Punkt erweitert. Der Gerichtshof verurteilte den geriebenen Kunden zu einem Jahr schweren und verschärften Kerkers. rb. Der Mm Das große Mysterium des Vatikans Der Aufmarsch(bekannter und neuer) katholischer Filme beim Prager Katholikentag war einigermaßen verwirrend, weil man nicht recht wußte, welche von diesen Filmen wirklich der heute geltenden Tendenz des Katholizismus entsprechen. Di« beiden französischen Filme, die uns damit überzeugen wollten, pgß sie auf der Leinwand billig herzu« stellende Wünderniren vorführten, scheinen auch von manchen strengen Katholiken nicht gerade als ge- schmackvolle und geschickte Werbung empfunden wor- i den zu sein, und der verunglückte französische Passionsfilm„Golgatha" ist zwar von dem Prager Erzbischof Kaspar den Gläubigen wärmstens empfohlen, vom Pariser Kardinal Verdier aber schärfstens verdammt worden. So bleibt also von der, Fülle des Gebotenen am Ende nur dieser italienische„Myste- rien-Film" vom..Anno Santo", der von der höch-- sten katholischen Autorität beglaubigt ist: von Papst Pius XI, ber hier sozusagen selbst die Hauptrolle stnslt. Wer erwartet, in diesem Film etwas von der Stellung des Katholizismus zu den Problemen unserer Zeit zu erfahren, wird ebensowenig befriedigt werden wie der, den das im Film-Titel verheißene „Mysterium" ins Kino lockt. Das einzig Positive ist die Betonung der Jnternationalität der römischen Kirche, die keinen Unterschied zwischen den Völkern und Raffen machen will unn stolz darauf ist,, 400 Millionen Anhänger in allen Teilen der Welt zu haben. Der Film zeigt, womit sie dies« Anhänger fesselt: nicht mit Mysterien, sondern mit Tradition und Kunst, mit Organisation und mit Pomp. Der Film zeigt die Pracht der Stadt des Vatikans, die wohl die prunkvollste Residenz unseres Erdteils ist, in ihrer Renaissance-Herrlichkeit, an der Künstler wie Michelangelo und Raffael, wie Bramante und Bernini mitgeschaffen haben— und in ihrer hoch- modernen Ausstattung mit Radio-Sender, Bahnhof, Autopark, Rotationsmaschinen und Scheinwerfern- Und i» dieser großartigen Szenerie begibt sich das Schauspiel der Feiern des„heiligen Jahres"(jenes Jahres 1033, das in Wahrheit das unheilvollste der Nachkriegszeit war): ein Schauspiel von halb orientalischem und halb mittelalterlich-spanischem Pomp, bei dem der italienische Priester-Gelehrte, den wir zuvor etwas asthmatisch aus seinem Auw steigen sahen, als Haupt der Christenheit geschmückt, auf-strahlendem Throne aus dem Portal des Petersdomes über den von Leibgardisten, Kirchenfürsten, Priestern, Edelleuten, Pilgern und Neugierigen gefüllten Platz getragen wird, um den apostolischen Segen zu erteilen und einen Märtyrer heilig zu sprechen, begleitet vom Jubel des römischen Publikums, der fast die Formen annimmt, dje er bei gelungenen Opernaufführungen und spannenden Fußballspielen zu erreichen pflegt. Ein lehrreicher Film also, gerade weil er keine Probleme löst und keine Mysterien enthüllt. Aber er zeigt die anschaulichen Mittel, mit denen sich das Papsttum(neben seinen diplomatischen Methoden) seit anderthalb Jahrtausenden zur Geltung zu bringen verstanden hat.—eis— Der Freund meiner Fran. Irgend ein alter VerwechflungS-Schwank„Ich heirate meine Frau" ist von der Berliner Film-Produktion ihrem heutigen Ehrgeiz entsprechend zubereitet worden und fügt sich als unauffälliger Bestandtefl der Prager Sommerspielzeit ein,— in der Hoffnung, daß die schon etwas welke Beliebtheit der Lil Dagover und der schon etwas mechanisierte Charme des Herr» Hörbiger den; Publikum das neckische Merkchen schmackhaft machen werden. (lu& der Partei Sylvia Sidney und Gary Grant in„Madame Butterfly" Mittellungen aus dem Publikum Erdbeer-Jam in 10 Minuten. Zutaten: 1 Kg. 85 Dkg. Erdbeeren Netto, 2 Kg. 15 Dkg. Zucker, 1 Flasche Opekta, Saft von 2 Zitronen. Rezept: Kleine oder mittelgroße Erdbeeren werden auf einer Platte ausgebreitet und ein wenig zusammengedrückt, dann gibt man in den Kochtopf immer eine Schicht Erdbeeren und eine Schicht Zucker, die letzte Schicht soll der Zucker sein. Das Kochgeschirr soll weder aus Aluminium noch aus Eisen sein, damit die Erdbeeren keinen Beigeschmack bekommen. Man läßt diese Mischung über Nacht stehen und kocht sie den nächsten Tag vom Augenblick des brausenden Kochens 7 Minuten. Dann rührt man den Inhalt einer Flasche Opekta und den Saft von zwei Zitronen hinein, läßt nochmals aufwallen und füllt heiß in Gläser. IleranstaÜungen Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, den.2. Juli, findet im Parteiheim(Nä- rodni 4) um 20 Uhr eine wichtige Mitgliederversammlung statt. Alle in Pxag anwesenden Mitglie- dek söffen erscheinen! Wir beteiligen ün» Äs Fremdenführer beim Kulturtag. Meldet Euch noch an, wir brauchen noch einige! Literatur Ein Jahr im Schatten. Roman von H e r m h- nia Zur Mühlen. Verlag„Humanitas" Zürich.— Die sehr bekannte Schriftstellerin, der wir schon viel Schönes und Spannendes verdanken, ist nun wieder mit einem neuen Roman an di: Oeffentlichkeit getreten.„Ein Jahr im Schatten" rührt an alle Skalen der Menschlichkeit. Das Problem der Ehe ohne Leibeigenschaft und Hörigkeit wird berührt. Großzügig und uneigennützig in ihrer Liebe ist Martina, die Heldin. In Wirklichkeit gibt eS wohl wenige Frauen, wie diese Gräfin Martina. Wohl, sind Frauen, trotz aller Emanzipation noch immer geneigt, für den Mann, den sie lieben, viel zu dulden, aber ihn probeweise einer andern zu überlaffen und abzuwarten, ob er sein Glück mit der „Neuen" findet oder oh er zunf ersten Glück zurückkehren wird— diese Hingabe dürfte sich nur vereinzelt finden. Ausschließlich Leidende und Ge- berwe kann dabei nur die Frau sein. Vermutlich entspricht diese Frau dem Ideal Mnffolinis von Ausweis für den Monat Juni (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die eingeklammerte Wahlfonds.) Bodenbach: KL 4.200(1.050), Brün«: 1.860 (340), Karlsbad: 5.080(1270), Landskron: SSO (130), Preßbnrg: 120(30), Pilsen-Budweis: 880 (220), Sternberg 160(40), Teplitz-Saaz 2350 (500), Trauten-«: 2270(480), Troppa« Kc 1280 (320). der Frau,„die zu gehorchen hat."— Aber Klemmt — dies der Kosename des Gatten— kommt zurück, in dem Zeitpunkt, da er sein großes Honorar mit der„Neuen" im Süden verbraucht hat und der siegreiche Nazismus in Deutschland ihm unmöglich macht, Gäd zu verdienen, da er ja eine Weltanschauung hat, die ihm verbietet, zum Gefallen der Nazi zu schreiben. Also wird die zarte Martina mit ihrer Kunst wieder Geld verdienen müffen. Köstlich schildert Hermynia Zur Mühlen ihren zeitweiligen Aufenthalt in dem kleinen Schlößchen, während des Jahres, das sie Klennni schenkt. Aristokraten und Proletarier, Arbeitslose, verlassene Dienstmädchen, unglückliche Gräsinnen, ein prächtiger Onkel und noch viele lernen wir kennen. Schließlich auch einen Schuljungen aus Razideutschland, der seine Ferien in dem Schlößchen verbringt. Ein jugendlicher Nazi, der so redet, wie er es von seinen Naziherrgöttern gelernt hat. Es sind viele internationale Menschenschicksale, die wir während des Jahres im Schatten kennenlernen. D. P. lieber das Thema„Trennung von Kirche und Staat" ist kürzlich im Verlag des Freidenkerverlages„V o l n a M Y s l e n k a" eine höchst lesenswerte Broschüre von Dr. E u g e n Cervinka unter dem Titel„Odluka statu od cirkve" erschienen. Diese anläßlich der Juni-Manifestation der Organisationen der Konfessionslosen herausgegebene Druckschrift gliedert sich in zwei Hauptteile, deren erster eine streng objektive Analyse der historischen Entwicklung vom Anfang des religiös fundierten „Gottesstaates" bis zum modernen unkonfeffionellen Laienftaat enthält und die einzelne» Phasen dieses Entwicklungsprozeffes zergliedert. Die fünf Kapitel dieses ersten Teiles tragen die lleberschristen: 1. Historische Bedeutung der Trennung von Kirche und Staat; 2. Recht und Religion; 3. Der Laienstaat; 4. Staatssouveränität und Kirchenrecht; 5. Die Abwehr der Kitche gegen den Laienstaat. Man kann sagen, daß hier auf geringstem Raum eine erstaunliche Menge wissenschaftlichen Materials in knappster Art zusammengedrängt ist. D«r zweit« Teil der Broschüre enthält den konkreten Vorschlag eines Gesetzentwurfes für die Trennung von Staat und Kirche, den der Autor hiemit zur öffentlichen Diskussion stellen will. Dieser in sechs Paragraphen gegliederte Entwurf führt den Grundsatz der ver- fassungSgemäß gewährleisteten Gewissens- und Konfessionsfreiheit bis in seine äußersten Konsequenzen durch. Eine dieser Konsequenzen wäre notwendigerweise die Beseitigung der Privilegien, deren sich gotvffse Religionsgemeinschaften auch heute noch erfreuen und deren Umfang der Oeffentlichkeit leider noch viel zu wenig zu Bewußtsein kommen- Die lesenswerte Broschüre ist, falls im Buchhandel nicht erhältlich, direkt vom Verlag„V o l n ä Myslenka", Prag II., Dkevnä 6, zu beziehen. (Preis Kc 6.—) Dr. 91.58. Eine Bibliographie deS Sozialismus gibt seit dem Jahre 1932 das Forschungsinstitut der„Dkl- nickä Akademie" in Prag, der Bildungsorganisation der tschechischen Sozialdemokratie heraus. Tas dritte Bändchen dieser Bibliographie, die von V- BLHounek redigiert ist, enthält die Titel aller Bücher, sowie Zeiffchriften und Zeitungsartikeln, die sich mit Fragen des Sozialismus befaffen und in der Tschechoslcqvakischen Republik im Jahre 1934 erschienen sind. Es sind dies Bücher und Artikel auS dem Bereich der Wirtschaft, Politik, der sozialistischen Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, deS Genoffenschafts- und Gewerkschastswesens sowie Sowjetrußlands. Ein Personen- und Sachindex macht das Büchlein übersichtlich und erleichtert seinen Gebrauch. Der Preis, der in der„Dklnickä Akademie", Prag II., Hhbernskä 7, erschienenen 60 Seiten umfassenden Broschüre beträgt KL 5.—(mit der Post KL 5.50). E. St. Der SektenheMge... Es gibt tatsächlich das, was man schlagwortähnlich die Ironie des Zufalls zu nennen pflegt. In Karlsruhe, im badenschen„Musterländle", hat jetzt ein Prozeß gegen eine Frau sigttgefunden, der in mehr als einer Beziehung bemerkenswert war. Frau V ö g t l e— der idyllisch-gemütvolle Name patzt nicht ganz zu dem lukrativen ekstatischen Gewerbe, das sie ausübte — war des f o r tg e s e tz t e n B e t ru g e s angeklagt. Sie hatte eine Sekte gegründet, riesigen Zulauf gehabt und ihre Gläubigen in seltener Unverfrorenheit bis■ aufs Hemd ausgeplündert. Meist waren es Frauen, die ihr, zum Opfer fielen. Betrugsfälle dieser Art sind keine Seltenheit, völlig von der Norm abweichend war nur das Verhalten der Betrogenen vor Gericht. Si« fielen nicht über ihre Ausbeuterin her, sondern beschimpften und bedrohten. das Gericht, weil es gewagt hatte, gegen die„Seherin" und „Prophetin" freventlicherweise zu verhandeln. Der Tumult wurde so groß, daß der Vorsitzende mit resigniertem Achselzucken in di« Worte ausbrach:„Ja, leben wir denn noch im 20. Jahrhundert?" Ein grotzez reichsdeutsches Blatt aber war so unvorsichtig, den bemerkenswerten Prozeß mit diesen Worten zu kommentieren: „Unter den gläubigen Anhängern der Frau Vögtle waren im Verlauf des Prozesses zahlreiche Opfer der raffinierten und skrupellosen Ausbeutung, die die Prophetin trieb, fest-< gestellt worden. Gerade die Ausgebeuteten aber> blieben allenBeweisengegenüber... anzugänglich. Sie riefen den Zorn Gottes auf das Gericht hernieder. Hier war offenbar die leichtgläubige Wundexsucht zur j Besessenheit geworden, die nicht mehr heil«! bar ist." Ach, wenn die geschtvatzige, gleichgeschaltete Plaudertasche nur geschwiegen hätte—l "Denn was ist das schließlich: "'Die Ausgebeuteten, die allen Beweisen gegenüber unzulänglich bleiben?! Die leichtgläubige Wundersucht, die zux Besessenheit geworden ist?! Ist es nicht haargenau das neue Deutschland, wie es unter dem Regime i der Nationalsozialisten geworden ist? Die Besessenheit der Wundergläubigen, die Beifall klatschen, wenn man sie betrügt, die Ausgebeuteten, die allen Beweisen des Verrats gegenüber, der an ihnen begairgen wurde, unzugänglich bleiben 7, wer sind sie wohl? Sagt statt Frau Vxigtle Adolf Hitler und der Karlsruher Prozeß der ge- I schäftstüchtigen Seherin und ihrer besessenen An- J Hängerinnen wird zum Gericht über das System. I Das System des Sektenhciligen Adolf Hitler und l seiner betrogenen Anhänger—! ErnstDittmar. J Bezugsbedingungen: Bei Zustellung Ms HauS oder bei Bezug durch die Post«wnatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96-— ganziährig KL 192.—.>— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post» und Tele» gravbendirettion mit Erlaß Lr. bewilligt.— Druckerei:-ßchä“. Druck-, Verlags- und Leitungs-A.-G, Prag.