Etatlprels 70 Helltr (•InachlMlich S Hall« Md ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH,«edAktion und Verwaltung mag xii., fochova a. telefon sott. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS. PRAG. ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK TS. Jahrgang Freitag. 5. Juli 1935 Rr. 155 Die große Krise Europas Neugruppierung um die abessinische Fräse— Das Habsburger* Problem auf der Tagesordnung— Was wird aus Oesterreich Die außenpolitische Situation zeigt ein täglich wechselndes Gesicht. Derzeit dreht sich Europa um Abeffiuieu. Englands Widerstand gegen die italienischen Eroberungspläne hat es zu einer gewissen Annäherung an Deutschland bewogen. Frankreich antwortet darauf mit einer scharfen Wendung zu Italien hin. Die Beratungen der Generalstäbe von Paris und Rom ermöglichten es Mussolini, seine Garnisonen von der fran» zösischen Grenze abzuziehen. Er braucht sie für weitere Transporte nach Ostafrika und für Truppenkonzentrationen in Rorditalien. Die großen italienischen Manöver in Rorditalien sollen eine Drohung gegen Deutschland sein. Denn Hitler sieht mit dem Engagement Mussolinis in Abessinien die Zeit für einen nenen Vorstoß in Oesterreich gekommen. Der Heimwehrfaseismus fürchtet um seinen Bestand und sncht Rettung durch eine überstürzte Aufrollung der Habsburgerfrage. England wieder sucht neue Annäherung an Frankreich. Die Dinge find im Fluß. Im Intrigenspiel um Abeffiuieu wird um da- Schicksal Europas gewürfelt. Freigesprochen— aber Ins Konzentrationslaser überführt Zn diesen Tagen wurde in dem Riesenprozeß gegen Hamburger Sozialdemok r a ten von dem Oberlandesgericht Hamburg eine weitere Gruppe Angeklagter verurtellt. Auch diese Leute waren angeklagt wegen Einsammeln von Geldern, die zur Linderung der Rot, in der fich die Angehörigen der in den Gefängniffen und Konzentrationslagern fitzenden Familienväter befanden, verwendet wurden. Obwohl festgestellt wurde, daß die Angeklagten aus reiner Humanstät und vollkommen uneigennützig gehandelt hatten, wurden sie zu hohen Zuchthausstrafen verurtellt, und zwar Emil Welke, Berthold W i e l e, O. G r i l I und A. S ch w a r z zu je 2\i Jahren Zuchthaus und Heinrich Wulf zu V/ 2 Jahren Gefängnis. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Diese beiden vom Gericht freigesprochenen wurden jedoch nicht frei- gelaffen, sondern sofort von der Geheimen Staatspolizei ins Konzentrationslage rüberführt! Becks Mission In Berlin Im Dienste der deutsch-polnischen Bündnispolitik Berlin. Hebet den Inhalt der Verhandlungen. die der polnische Außenminister Beck mit den Berliner Regierungsstellen führt, wird vorläufig Stillschweigen bewahrt., In einer Er- HärUng an die Presse betonte Beck, daß die im Jahre 1934 eingeleitete deutsch-polnische Zusammenarbeit zu einem Bestandteil des europäischen FrtedenSwerks(?) geworden sei. Wie aus dieser Erklärung weiter hervorging, hatte Beck Mittwoch ein« länger« Aussprache mit Hitler. Vermittlung mit Frankreich? Baris. Die Blätter machen auf das Schweigen aufmerksam, das in eDrlin über die polnischdeutschen Verhandlungen beobachtet wird.„Magen aufmerksam, das in Berlin Wer die polnisch-' Außenministers Beck sei, zu erfahrend ob die polnische Regierung eventuell berufen sein könnte, die Aufgabe des Vermittlers zwischen Frankreich und Deutschland zu spielen. Loyalität— Obstruktion Prag. Der parlamentarische Klub der Sudetendeutschen Partei hielt am Mittwoch in den Klubräumen des Abgeordnetenhauses Beratungen ab. Wer die jedoch k«i n parteiamtliches Kom- muniquE ausgegeben wurde. Die Beratungen galten der Stellungnahme zur politischen Lage und der Aufnahme, welche di« Südetendeutsche Partei durch ihr Auftreten im ersten Sessionsabschnitt der neugewählten Nationalversammlung gefunden hat. Nach Informationen aus politischen Kreisen, die zur Sudetendcutschen Partei freundschaftliche Beziehungen unterhalten, hat die Sudetendeutsche Partei vor dem Beginn der parlamentarischen Arbeiten in bezug auf die parlamentarische Taktik einen verbindlichen prinzipiellen Beschluß gefaßt. Der Beschluß rechnet mit dr«, iEtappen der parlamentarischen Taktik, deken Praktische Durchführung von der Entwicklung der politischen Verhältnisse abhängig gemacht wurde. Die erste Etappe steht eine streng kor- rekte und kotz al e Halt ung der Sube- tendeutschen Partei im Parlament vor.x Sollte dieser Weg einer wohlwollenden Opposition auf die Dauer zu keinem greifbaren Wendung oder Manöver I London will nicht isoliert sein Paris. Die Mittwoch stattgefundene Unterredung Lavals mit dem brittschen Botschafter Sir George Clerk soll bezweckt hoben, dem französischen Ministerpräsidenten den Beschluß des englischen Kabinetts zur Kenntnis zu bringen, welcher von der französischen Regierung die Zusammenarbeit bei der Lösung des italienisch- a b« s s i n i s chöu Konfliktes verlangt. Die Beunruhigung wegen der ernsten italienisch-abessinischen Spannung sei in London je weiter desto größer und die britische Regierung wolleunterdemDruck ihrer öffentlichen Meinung das Bordringen der Italiener in Abeffi- nien energisch einstellen. Mailand. Ueb«r di« italienischen Sommermanöver liegen nun genauere Nachrichten vor. Rach dem Aufmarschplan werden etwa 500.000 Mann ausrücken. Die Manöver beginnen in Mailand mtt der llebung des verstärkten„Grenzarmeekorps"» das aus drei Infanteriedivisionen und einer Alpini- division besteht. Das Korps von Mailand schließt sich den Bozener Truppen an. Hier werden wieder drei Infanterie- und zwei Alpinidivifionen und das motorisierte Korps von B e r o n a, das bekanntlich nach Bozen verlegt wurde» in Aktion tre- Erfolg oder Ziel führen und auf der anderen Seite, bei der Regierungsmehrheit» auf kein Berständnis stoßen» dann will die Sudetendeutsche Partei im Sinne dieser Beschlüsse zur Obstruktion übergehen. Sollte aber auch diese Tltttik kein greifbares Ergebnis zeitigen» dann ist die Sudetendeutsche Partei entschlossen» daraus di« Konsequenzen zu ziehen und das Parlament zuverlassen. In ihrer Dauer ist die Länge dieser Etappen durch keinen Beschluß begrenzt, ihre Dauer hängt vielmehr von dem Gang der politischen Entwicklung und ihrer parlamentarischen Auswirkungen ab. Wie man sieht, will dir Partei HenleinS die ganze Speisekarte der deutschbürgerlichen Politik mal von rückwärts herunteressen. Früher hals begonnen mit Obstruktion, dann kamen diverse AuS, züge aus dem Parlament und dann die loyale Opposition. Die Sudelendeutsche Partei macht rS umgekehrt. Sie möchte loyal anfangen und illegal aufhören. Wohl bekommS! Abessinien kampfbereit London. Im Mittelpunkt deS Interesses der Morgenblätter steht di« Wochentagssitzung deS Kabinetts» in der die drohende Gefahr eineitalienisch-abessinischen Krieges mit seinen unmittelbaren und mittelbaren Folgen den Hauptgegenstand der Erörterungen gebildet haben soll. Allgemein wird berichtet» daß die nächste Bemühung der Regierung dahingrhen werde, sich mit FrankeeichjnsEinverneh m e n zu setzen. Die amerikanischen Blätter veröffentlichen ein Telegramm der Associated Preß, das den Inhalt eines Gesprächs mit dem Kaiser von Abessinien wiedergibt. Der Kaiser erklärt darin, daß Abessinien voraussichtlich seine ganze bisherige Tätigkeit, die der sozialen und wirtschaftlichen Entfaltung diente, werde aufgeben müssen, um seine ganze Energie dem Widerstand gegen die Absichten Italiens widmen zu können. ten. Schließlich beteiligt sich an dem Manöver dos Korps von Udine» dos auS drei Infanterie-, einer Alpini- und einer motorisierten Division besteht. Der Aufmarsch der drei Armeekorps wird sich den ganzen Juli über hinziehen» und erst Ende August sollen di« großen abschließenden Uebungen an der Grenz« von Süd- t i r o l stattfinden. Die italienische» Flieger werden übrigens mehrere große Bomben-AngriffS-Uebungen im Alpengebiet durchführen» und schließlich werden Einmärsche gegen die Grenze zu geprobt. Dir Manöverannahme besteht in einem »»Angriff von Norden" her, den die Süddivisionen zu verhindern haben. Habsbursergesetz beschlossen Riesengeechenk eines Bettlers taatee . Wien. Der Staatsrat hat das zustimmende Gutachten zu dem Gesetzentwurf der Regierung über die Aufhebung der sogenannten»Habsburger Gesetzentwürfe" genehmigt. _ In der im Staatsrate abgeführten Debatte erklärte Außenminister Berge r-Walde- n e g g, das Gesetz habe mit der Restauration der Habsburger„nichts" zu tun. Auch das Ausland habe keinen Grund zur Beunruhigung. Vie Verhandlungen mit Zita und Otto Vorläufig noch keine Rückkehr. Brüssel. Der österreichisch^ Staatssekretär K a r win sk y hatte Mittwoch eine Unterredung mit der Exkaiserin Zitta und mit Otto Habsburg über die Rückgabe des Eigentums der Habsbur- ger undLüber die Aufhebung des Gesetzes, das die Habsburge» der österreichischen Staatsbürgerschaft verlusttg erklärte,©r habe jedoch hinzugefügt, daß vorläufig eine Rückkehr Otto HabSburgS nach Oesterreich nicht als opportun angesehen werde. Vie drei Etappen der SDP — Exodus Die italienischen„Kaisermanöver** Ein Wink mit dem Zaunpfahl Rückkehr der Habsburger? Die verzweifelt« Situation der österreichischen»autoritären" Regierung, die bar jeder Autorität, ohnmächtig gegen jede freche Aggression der H e i m w e h r, zitternd vor angekündigt^n Nazi Putschs und in wachsender Sorge vor dem Hatz der Arbeiterschaft einen Rettungsanker sucht, treibt diese Regierung mit Wachsender Geschwindigkeit in desparate Abenteuer. Man mag es dahingestellt lassen, ob die Meinung mancher diplomatischer, Beobachter, die die Katastrophe deS Schuschni g g-" regimes schon für die nächsten Monate prophezeien, richtig ist. Ei n Mann jedenfalls scheint an diese düstere Prognose zu glauben— Herr Bundeskanzler Schuschnigg. Nicht anders als mit diesxm Glqu- ben läßt sich die kopflose Nervosität erklären, mit der seine Regierung sich. neuerdings wieder auf wahre Desparado-Abenteüer einläßt. Es ist bekannt, daß Schuschnigg für den rettenden Ausweg die Re st' a u r a t i o n des H a b s b u r g e r r e g i m e s in Oesterreich hält. Im Herbst deS vergangenen Jahres setzte er mit einer großzügigen systematischen Kampagne zum Zwecke der Wiedereinsetzung der Habsburger ein. ES wimmelte nur so von„Ernennungen Ottos zum Ehrenbürger", von„Treuekundgebungen" und monarchistischen Demonstrationen, an denen sich die Mitglieder der Regierung ganz ungescheut beteiligten. Dann aber» als Herr Berg e r- W ä l d« a g in Genf«inen deut-, lichen Wink der europäischen Mächte bekam und man ihn unzweideuttg wissen ließ, daß die klare Formulierung„HabSburgerrestau- ration bedeutet Krieg!" noch immer ungeschmälert in Geltung sei, wurde den Herren doch vor ihrer schwarz-gelben Forschheit bang« und die monarchistische Kampagne brach sang» und klanglos ab. Nun aber, da Herr Schuschnigg sich wieder das Wasser zum Halse steigen fühlt, verlieren selbst die ernsten Warnungen, vor denen er noch vor wenigen Monaten zurückgewichen ist, ihre Wirkung. Am Ende jener Regierungsweisheit, an deren Anfang die Kanonen standen, ist er bereit, lieber einen Krieg im Gefolge der Habsburgerrestauration heraufzubeschwören, als. die Konsequenzen zu ziehen und zu kapitulieren. Mit einer Wucht, die jene aller bisherigen monarchistischen Aktionen übertrifft, wird in den letzten Tagen wieder die Restaurierung der Habsburger in Oesterreich vorbereitet.' Es vergeht kein Tag» an dem die Blätter nicht wieder auffallend Ernennungen Ottos und seiner, sämtlichen Familienmitglieder zu Ehrenbürgern mil den, Herr Erzherzog Eugen ist ununterbrochen auf Reisen, um im ganzen Lande Stimmung für das„allerhöchste Kaiserhaus" zu machen und den verschiedenen Gemeinden Dank- und Anerkennungsschreiben> ihres„allerhöchsten Kriegsherren" zu überbringen. Schon vorgestern kündigte daS o f f i- z i e l t-e Regierungsblatt, die»Reichspost", an leitender Stelle ganz offen d i e A uf- hebung der Habsburge rge setze, durch welche das Kaiserhaus deS Thrones und seines Privatvermögens verlustig erklärt und deS Landes verwiesen wurde» für die allernächste Zeit an. Das Blatt schreibt in einem Leitartikel, betitelt,„Fort mit dem Revo« lutionsschuttl": „Freudig willkommen geheißen, wie«in Bote einer besseren Zeit, geehrt mtt allem, war einen verehrten Gast ehren kann, hat Feldmarschall Erzherzog Eugen in den letzten Tagen mehrere Kärntner Städte und Gemeinden besucht, um die Dank« schreibe» Ottos von Oesterreich für die Ehrenbürger-Ernennungen zu überbringen, mit denen Hirse Gemeinwesen in die u n a u f h ö r l i ch wachsende Reihe gleicher Kundgebungen eingetreten waren. ES hat im Ausland. Leut« gegeben, die sich über diese lange Kette von Ehrenbürgerrechten den Kopf zerbrochen haben. Jenseits von Politik spricht sich in diesen BemeinderatS- beschlüssen ein« Masse n b ewegung auS, die weithin daS österreichische Volk ergriffen hat, ein Massensturm gegen ein entwürdigendes llnrech t, daS die Gewissen bedrücken wird, solange eS besteht und als eine Verletzung österreichischer Ehre empfunden wird. Die meisten dieser Beschlüsse find mit dem Hin- ( Seite 2 Freitag, S. Juli 1935 «r. ISS weis auf das Ranbges e tz begründet, das am S. April von der damaligen österreichischen Nationalversammlung beschlossen wurde,.. Aber die Freiheiten, di« man dem Volk damals versprach, hat unser Volk so reichlich zu spüren bekommen, daß eS zugleich mit Herrn Dr. Renner mich dem Geschöpfe seiner Staatskunst selbst, mit allen späteren Fassadenänderungen den Abschied gab und sich ein neues HauS, frei von dem schuldbeladenen Geiste des Jahres ISIS erbauen will..." Roch niemals hat eS ein österreichisches Regierungsblatt mit solcher Offenheit gewagt, die Rückberufung de r H a b s b u r g e r als unumstößliches nächstesZiel zu erklären. Der ebenso durchsichtige wie plumpe Plan ist, das In- und vor allem das Ausland glauben zu machen, daß eine„Massenbewegung", der sich Herr Schuschnigg nicht länger verschließen kann, die Rückberufung dec Habsburger nach Oesterreich gebieterisch fordere. Es zeugt aber schon von einem recht erheblichen Maß von Nervosität und Kopflosigkeit, wenn die Regierung meint, sie könne auf solche Weise irgendjemand von der„Massenbewegung" und dem„Massensturm" in Oesterreich für die Habsburgerrückkehr überzeugen. Jedes Kind im In- und Ausland weiß, daß die Gemeindetage und Bürgermeister, die diese Ehrenbürger-Ernennungen „beschließen", von der Regierung ernannt und keineswegs vom Volke gewählt sind und daß die ganze,,Massenbewegung" daher nichts anderes als ein« von der autoritären Regierung, auf Grund der letzten Autorität über die sie noch verfügt, bestellte und befohlene Komödie ist. ES gibt zwar einen Maflensturm in Oesterreich, aber der richtet sich, wie Schuschnigg sehr genau weiß, gegen ganz andere Dinge, als gegen die Habsburgergesetze. In seiner geifernden Wut gegen den«revolutionären Schutt" versteigt sich das offizielle Blatt der österreichischen Bundesregierung, die es sonst sehr gut versteht, im Ausland um Sympathien zu betteln, zu dreisten Beschimpfungen der Tschechoslowakischen Republik und des tschechoslowakischen Volkes. Nicht genug damit, daß sie das Enteignungsgesetz der Habsburger, das ja in Form des Bodenreformgesetzes auch in der Tschechoslowakei gilt, ein„Raubgesetz" nennt, erdreistet sie sich zu der Behauptung: „Niemals wird es für dieses Gesetz eine ausreichende Begründung geben, keine Staatsverfassung her Welt, soweit der Staat Anspruch erhebt, ein R e ch t S st a a t zu sein, kann einen solchen Gewaltakt in Recht verwandeln.. DaS übertrifft an Unerhörtheit wohl alles, was man bisher vom AustrofaftiSmus gewohnt war. Welche. Staaten sind wohl mit jenen gemeint, die durch den„Gewaltakt" der Habsburgerentsetzung das Recht verwirkt haben, sich Rechtsstaaten zu nennen? Auf keinen Staat mit Ausnahme.der Tschechoslowakischen R e p u b li k paßt diese infame Anpöbelung. Da- Blatt der Herrn Schuschnigg möge zur Kenntnis nehmen, daß man in unserer Republik wesentlich andere Anschauung von einem Rechtsstaat hat, als in der Regierung jenes Staates, in dem an Stelle von Recht und Gesetz Polizeiwillkür, fasristischer Terror und Gesetzlosigkeit herrscht und daß dar Volk der Tschechoslowakischen Republik nicht gewillt ist, sich von Rechtsbrechern und Gewaltherrschern über Recht und Unrecht belehren zu lassen. |. Daß dieser bezeichnende Arttkel des österreichischen Regierungsorganes, aber nicht bloße „moralische", sondern sehr besorgniserregende aktuelle politische Bedeutung hat, beweist unzweideutig sein Schluß. Dort heißt er klipp und klar: Man würde an unseren Willen, unsere Selbstbestimmung zu behaupten, in der Welt nicht glauben, wenn wir von unserer Selbstbestim« mung nicht Gebrauch machen würden, wo es um eine im Volke tiefempfundene sittliche Pflicht geht. Deshabb wird das unwürdige Gesetz fallen müssen. Da im fascistischen Oesterreich da- Volk, welches in Wahrheit die kriegsschuldbeladenen Habsburger haßt und ablehnt, jedes gesetzgeberischen Rechtes, sowie jeden anderen Rechtes beraubt ist, hängt das Fallen des Gesetzes natürlich von niemand anderem ab als von der, kraft ihrer Galgen und Kanonen herrschenden Regierung. Die kraft ihrer Kanonen und Galgen herrschende Regierung hat vorgestern durch den Mund ihres offiziellen Blattes gesprochen— gestern ist sie bereits zur Tat geschritten. Der Staatsrat ihrer Kreaturen hat — wie amtlich gemeldet wird— das Gutachten zum Bundesgesetz betreffend die Aufhebung der Landesverweisung und Rückgabe des Vermögens des HauseS Habsburg-Lothringen angenommen. Während in dem Arttkel der„Reichspost" die Frage der R ü ck k e h r der Habsburger noch schamhaft vertuscht wird, drckt Der dritte Legionär-Kongreß In Prag Prag. Donnerstag vormittags wurde im Sitzungssaale des Senates der dritte Kongreß der tschechoslowakischen Legionäre vom Vorsitzenden der Legionärgemeinde, dem Abg. Dr. P a t e j d l eröffnet. Dem Außenminister Dr. B e n e s, der als Vertreter des Staatspräsidenten an der Konferenz teilnahm, wurde bei seinem Erscheinen eine große Ovation bereitet und als der Vorsitzende bei seiner Eröffnungsrede den Namen des Präsidenten Masaryk erwähnte, kam eS zu herzlichen Kundgebungen für den Führer der Legionäre während des Weltkrieges. Dann gedachte Dr. Patejdl des Andenkens der Kriegsgefallenen. Zum Schluß sagt« er, daß die Kriegsteilnehmer nicht nur die Erinnerungen, sondern auch Bande der Brüderschaft verbinden, die durch das gemeinsame Programm des Friedens, der Freiheit und der Brüderschaft aller Rationen geheiligt find. Hierauf sprach über die Bedeutung des LegionärkvttgresseS der Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Dr. Benes. Bei Kommentierung der Worte Masaryks, die dieser am 6. Juli 1915 in Genf über die Notwendigkeit, jede Gewalt zu verurteilen, aber auch über die Notwendigkeit, sich eventuell auch mit der Waffe gegen jede Gewalt zu verteidigen, gesprochen hatte, betonte der Minister, daß diefe Worte damals eine Kampfansage an die alt« Monarchie bedeuteten, heute aber im befreiten Staate eine Botschaft des Friedens und das Programm unserer Innen- und Außenpolitik sind. Für die Innenpolitik bedeutet dies, daß wir, Angehörige verschiedener Parteien, Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten, in Ruhe, Frieden und Toleranz mit einander leben wollen, daß das Haus der Bundesgesetzgebung die Karten bereits auf: von der Stunde der Beschlußfassung über dieses Gesetz an, wird kein gesetzliches Hindernis mehr gegen die Rückkehr des„ErbkaiserS" nach Wien besähen. Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit und der bekannte Monarchi- stenführer von WieSner befinden sich bereits in Stenokerzeel» um alle Einzelheften der Rückkehr der Habsburger zu besprechen. Da in dem Gesetzestext ausdrücklich festgelegt ist, daß die Erträgnisse der ungeheuren Güter, die jetzt dem österreichifchen Volk und vor allem den österreichischen Kriegsbeschädigten weggenommen und den Habsburgern zugeschanzt werden, im Inland verzehrt werden müssen, besteht überhaupt kein Zweifel, daß Schuschnigg die unmittelbar bevorstehende Rückkehr Ottos vorbereitet. Wohl versucht die österreichische Regierung vorläufig noch, die Sache so darzustell.'n, als kehrte Otto einstweilen nur„als Privatmann" in seine Heimat zurück. Aber jedes Kind weiß, daß es sich die Wochen von der Rückkehr als„Privatmann" bis zur Thronbesteigung an den Fingern abzählen kann. Und ein Habsburger auf dem österreichischen.Karserthron— das bedeutet nach dem klaren Ausspruch des verantwortlichen Sprechers der kleinen Entente Krieg. Zwei Jahrzehnte nach dem Jahre 1914 zündeln die Schwarzgelben wieder am Frieden Europas herum. Europa wird gut tun, auf der Hut zu sein... wir in unserem Zusammenleben die Gewalt jeglicher Art ablehnen und daß wir einen politisch und sozial gerechten, festen und konsolidierten Staat aufbauen wollen. Mit einem Worte, dieses Programm bedeutet den Ausbau einer gerechten und toleranten, aber auch fest en und disziplinierten Demokratie. In der Außenpolitik bedeutet die- ein Pro- gramm des Ausbaues des internationalen Friedens.' Aber die Gewalt abzulehnen, bedeutet nach dv> Worten Masaryks auch, sich gegen Gewalt auch mit der Waffe zu verteidigen. DaS bedeutet praktisch, sich für die Verteidigung vorzubereiten. Die Rede Dr. Benes' wurde mit langandauerndem Beifall ausgenommen. . Dann begrüßten die Vertreter der ausländischen Gäste den Kongreß. So der blinde Oberst Lujo Lovric, weiter der Vertreter der ehemaligen Schleswiger Soldaten in der deutschen Armee, Andxesen, und schließlich der Vorsitzende der Fö- deral-Union der ftanzösischen ehemaligen Frontkämpfer, Professor Henry Pichot, der zugleich den erkrankten Vorsitzenden der Csamac Bozidar Nediä vertritt. Legionär-Entente Prag. Donnerstag nachmittags fand im Hotel Beranek eine Konferenz der Meinen Legionär-Entente statt, an welcher die Mitglieder der ausländischen Delegationen der ehemaligen Frontkämpfer und Kriegsbeschädigten aus d:n Staaten der Kleinen Entente, die zum Prager Legionär-Kongreß eingetroffen sind, als Gäste teilnahmen. China erfüllt das Ultimatum; Nanking. Der japanische militärische und I diplomatische Vertreter in Hsingking, General I Dojhara, teilt mit, daß in Uebereinstimmung mit 1 der japanischen Forderung die chinesischen Trup-| Pen vor tzen 10. Juli aus der entmilitarisierten I Zone entlang der Tschachar-Dschehol-Grenze zu-] rückgezogen werden. Aus dem Ministerrat Prag. In der Donnerstag, dem 4. Juli, 1 stattgefundenen Sitzung des Ministerrates wurde 1 das tschechoslowakisch-belgische Abkommen über j den Warenaustausch genehmigt. Weiter wurde die I Vereinbarung mit Deutschland vom 26. Juli d. I. I über das Zollkontingent für Perlmutterknöpfc, 1 die Regierungskundmachung über die provisorische I Inkraftsetzung dieser Vereinbarung und der ent- I sprechende Regierungsentwurf für die beiden s Kammern genehmigt. Gleichzeittg wurde der Be- 1 richt über das Ergebnis der Verhandlungen der 1 tschechoslowakischen und der deutschen Regie- I rungSkommiffion über die Regelung der Zählun- I gen für Waren im gegenseitigen Handelsverkehr.! zur Kenntnis genommen. Schließlich wurde das I am 26. Juni d. I. in Berlin vereinbarte Zusatz- 1 Protokoll betreffend die Erleichterungen im Reife- r und Bäderverkehr mit Zustimmung zur Kenntnis 1 genommen. Beschlossen wurde die Errichtung eines 1 St.a atspolizeiamteS für die« S t a bjt Brüx und mehrere umliegende Ge- I meinden. Zugestimmt wurde der Erteilung einer I Konzession für eine Seilschwebebahn mit elektti- I schein Antrieb von Tattanskä Lomnice zur Lom-| nicer Spitze, die vom Lande Slowakei erbaut und I betrieben werden wird. vte Staatsbahnen Im April 1935 Für den Monat April 1H35 weisen die Staats-| bahnen ein günstiges Ergebnis aus, und ztpar sowohl I im Personen-, wie im Frachtenverkehr, wozu einer« H seit- die Osterferien, andererseits das günstige I Wetter, beitrugen. Die Einnahmen aus dem Per« I sonenverkehr betrugen 57,7(gegenüber dem April 1 des Vorjahre-+ 2,9) Millionen, die Einnahmen I aus dem Jrachtenverkehr 151,3(ft- 10,7-) Millio- 1 neu; sonstige Einnahmen einschließlich der Anteils I an den Verkehrssteuern 38,1(ft- 4,8) Millionen.-| Die gesamten Betriebseinnahmen betrugen 274,1 I (ft- 18,4) Millionen Kd; ihnen stehen BetriebsauS- I gaben von 301,8(ft- 7,4) Millionen gegenüber, 1 wobei zu bemerken ist, daß hierin diesmal die viertel» 1 jährige Aktivitätszulage enthalten ist. Befördert wurden im April 17,4(ft- 0,38) I Millionen Personen und 8(ft- 0,22) Millionen»-.,. f i Tonnen Güter. Die Zahl der Angestellten betrug| Ende April 185.443(ft- 709), was auf die Auf. I nähme von Aushilfsarbeitern für den Bähnerhal- 1 tungSdienst zurückzuführen ist; die Zahl der defini- i tiven und Hilfsangestellten ist noch um 0.65 Prozent I zurückgegangen. 1 Für dar erste JahreSdrittel ergibt sich folgen« I der Bild: Oänner-Svril plus oder mimi«| 1035 oeaenüb. d. Lori, t Einnahmen: in Millionen Kt a) Personenverkehr 210,5 — 0,8 b)- Güterverkehr 591,2 + 17,1 e) Sonstige 115,1 + 7,8 Summe der Einnahmen: 916,8 + 28,6 Summe der Ausgaben: 1.090,8 + 18,7 Roman von Emil Vachek *■— Deutsch von Anna AurednKek Sophie ging vor dem Hause auf und ab. Die Stunde, da Herr Föltr das Haus verließ, hatte längst schon geschlagen. War ihm vielleicht etwas zugestoßen? Angst vor einer Unkorrektheit bannte sic eine weitere halbe Stunde vor das HauS. Herr Folir verurteilte indessen Sophie; er fand sie gefühllos. Endlich faßte sie Mut und wagte es. Als fi« LazarpS im Bett erblickte, stürzte sie mit einem lauten Schrei zu ihm, der die Stärke ihrer Lieb« bewies. »Toni, um Gottes willen! Toni!" Sie sprach auch diesmal nicht viel, aber Foltr war es ein Vergnügen, einen Satz von einigen Worten aus ihrem Munde zu vernehmen. Er fühlte, wie die Gespenster des Todes von seinem Lager wichen. »Ohne dich wär' ich wahrscheinlich geswrben", sagte er mit hohler Stimme.»Du bist wie ein Engel erschienen und-wirst mich retten^ Hole den Arzt, Sophie!" »Den Arzt? Nein... ich werde dich auf deine Art kurieren. Hast du Tee und Zitrone?" »Ja... aber!" »Vom Doktor darfst du gar nicht sprechen. Di« Leute würden sagen: Andre kuriert er und zu sich holt er den Arzt." »Dann tue ein paar Tropfen Wegericheffenz in den Tee", flüsterte Foltr.»Ich staune, nicht früher daran gedacht zu haben." Da sie die Essenz nicht finden konnte, schüttete sie ein wenig Wasser in den Tee. Toni trank gierig, als wäre es ein Lebenselexier. Dann warf Sophie alle Röcke und Decken, die sie arkftreiben konnte, auf Foltr und blickte ihn so innig an, daß er die Gewißheit gewann, wieder gesund zu werden..Er schlief allmählich ein, und als er am Morgen erwachte, sah er Sophtt, die hier, auf einem unbequemen Stuhl, die erste Nacht mit ihrem Liebsten verbracht« und, wie eS sich gehörte, nicht eine Stunde lang die Aug^n geschloffen hatte. Foltr war gesund. Er hatte Hunger. Sie holte für ihr letzter Geld die leckersten Speisen, die der Magen, der auch die Pillen yerdaut hatte, be« reitwilligst aufnahm. Als sie zurückkehrte, saß Toni schon beim Fenster und machte Brustmuskel- übungen. NachdenAich sagte er:„Wegerichextrakt I DaS hätt' ich nie geglaubt! Ich habe das Luderchen nicht gut genug gekannt. Es hat mich gesund gemacht." Und ihre schlichte Antwort lautete:.Ja." »Du und der Wegerichextratt", setzte er nach einer Weile hinzu, denn er sühtt«, daß er undankbar gesprochen hatte. Sie schwieg und wärmte nur mtt ihrem Atem das frische Hemd, das sie ihm reichte. FoltrS Augen flogen zu den jetzt verödeten Festem des Dr. Knobloch. Mit einem leichten Seufzer sagte er:»Du bist nicht wie andre Frauen, Sophiechen, du bist«in Engel und ich werde dich heiraten." Er fragte gar nicht, ob sie damit einverstanden war, verkündete den Antrag wie«in Urteil., Kaum hergestellt, war er eben wieder der alt« Foltr. »Bis ich mich erholt habe, will ich die schwarze Warze beseitigen, di« du auf der rechten Schläfe hast. Wenn du die Stell« dann anschaust, kannst du an den Foltr denken, der dir sein Leben widmet, weil du das seine gerettet hast." DaS siebzehnte Kapitel führt uni zu Beinsteller zurück. Er schildert, wie sich wunderbarerweise der Dieb in«inen Privatdetektiv verwandelte und beschreibt die Lebensgefahr, worin er sich befand./ Die Aufgabe, die sich Beinstcller gestellt hatte, wäre selbst für ein Detektivbüro ungeheuer groß gewesen. Er wollte in Groß-Prag einen Menschen ausfindig machen, den er nur einmal gesehen hatte und wollte ihn der Spionage überführen. Beinsteller war überdies allein und gänzlich mittellos. Er hatte seine Ersparniffe verbraucht und sah, daß, wenn er die Republik retten wollte, er die Hand neuerlich in fremde Taschen stecken müsse. Beinsteller war ein Mensch mit prakttscher Ethik. Er fagte sich: Es handelt sich doch um eine Menge gerechter Dinge und es kommt auf ein« Sünde mehr oder weniger nicht an. UebrigenS habe ich Sophiechen verfprochm, daß mich niemand mehr stehlen fehen wird und das mutz mir mit Gottes Hilfe gelingen... Als er dann das Geld hatte, ging er daran, seinen Plan zu verwirklichen. Vor allem hieß es, Geduld haben. Er wußte wie alle Leute, daß es drei, vier Mächte gibt, die für militärische Angelegenheiten der Republik Interesse haben. Eine davon hatte gewiß jenen majestätisch aussehenden Man« in ihren Diensten. Er entschloß sich daher, die Gefandtschasten dieser Staaten zu beobachten, wo sein Mann sich gewiß zu schaffen machen würde. Nachdem Beinsteller vier Wochen in der Nachbarschaft gewisser Gebäude verbracht hatte, gelangte er zu der Ueberzeugung, daß die Beamten verdächtige Besuche anderswo als in den Kanzleien empfangen. Es blieb ihm daher nichts andre- übrig, als diese Beamten zu bewachen. Einig« gingen zu Fuß, andre fuhren mit der Elektrischen.! Auf der Gesandtschaft aber, die Beinsteller am ! meisten interessierte, gab es nur große Herren, die in Autos herumfuhren. Glücklicherwesse war der Autodrofchkenstand gleich an der Ecke. Beinstellec war aber genötigt, feine moralische Gesundung im Interesse der gerechten Sache noch einmal zu unterbrechen. Dafür erzielte er gleich ein Resultat. Als er am zweiten Tage die Wohnung de» Legationsrates Baron Radanyi bewachte— es war kurz nach dem Mittagessen—, kam sein Mann vorbei ynd trat in das Haus. Beinstellcr erkannte ihn auf den ersten Blick. Derselbe wohlgenährte Körper, der majestätische Gesichtsausdruck eines Richters beim Strafgericht, der ihn seinerzeit verwirrt hatte, derselbe spöttische Blick. Beinpeller sagt« sich: Habe ich nicht gleich gewußt, daß dieser blgtternarbige Kerl damit zu tun hat?"' Radanyi war nämlich klein, sein Gesicht voller Blatternarben. Beinsteller folgte jedenfalls vorsichttg seinem Mann und war zuftirden, als dieser an der Wohnung des Barons schellte. Boller Freude, wenn auch etwas enttäuscht, eilt« Beinsteller dir Stiegen hinab. Wie einfach war doch das Ganze! Und wie verlogen waren die Kinos! Er mußte sein. Leben nicht aufs Spiel setzen, mußt« den Mann nicht unterirdisch verfolgen, ihm nicht im Flugzeug nachstellen, keinen Bomben ausweichen oder sich von einem Felsen stürzen lassen. Er wurde nicht von einer feindlichen Bande entführt, man band ihn nicht mit einem Knebel im Mund an die Bahnschienen—- sein ganze» Risiko beruht«.auf zwei kleinen Taschendiebstählen. Er trat vor» HauS und spuckte verächtlich aus. Jetzt hieß eS nur den Mann erwarten, ihm bis zu seiner Wohnung folgen, dann die Polizei rufen— und das nennt man Detekttvdienst. Jede seiner kleinsten Operation«» in d«r Elektrischen war zehnmal, beschwerlicher al» dieses Entlarven eines Spions. (Fortsetzung folgt.)! «r. 155 Freitag, 5. Inst 1S3». Seite 3 fudetcndeutsdieE Zeifspie^ef Die Wahrheit über die Konsumvereine Henlelndemasogie im Lichte der Zahlen Unter dem Titel„Herr Senator Enhuber, Sie rechnen falsch!" schreibt Genosse Rudolf Fischer(Prag) im„Konsumg. Familien« blatt": Im Senate hat Herr Enhuber seine Jungfernrede gehalten. Dabei ist er als.Leiter des Gewerbe- und HanvelSstandeS der Sudetendeutschen Partei" gegen die Konsumvereine losgezo- gen. Während er das Wirken der landtvirtschaft- lichen Lagerhäuser und die Tätigkeit der Kreditgenossenschaften anerkennt, wendet er sich heftig gegen die Konsumvereine,«die schon seit je ein Pfahl in unserm Fleische waren". Herr Enyubcr beruft sich dann auf Steuerfachleute aus dem Finanzministerium. die angeblich berechnet haben, „daß der Staat durch.die Bevorzugung der Konsum« an Steuern, Frachtermäßigungen und Subventionen jährlich XL 100,000.000.— ausgibt, bzw. verliert". Herr Enhuber hat jedoch den „Fachleuten" keinen Glauben geschenkt. Er hat selbst geforscht; das Resultat seiner Berechnungen ist für die Fachleute niederschmetternd. Nicht 100 Millionen K£ büßt der Staat bei den Konsumvereinen ein, denn„es beträgt der Entgang für den Staat an E r w e r b steuer XL 15,000.000, an U m s a tz steuer 10 bis 15 Millionen, an Einkommen steuer ungefähr 13 Millionen, zusammen ungefähr 87 bis 40 Millionen XL jährlich". Herr Enhuber ist ein sehr ungenauer Rechner, wenn er im ungewissen bleibt, ob der Entgang bei einer Steuergattung 10 oder 15 Millionen XL ausmacht. Beide Ziffern sind falsch und beruhen auf Annahmen, die Herr Enhuber ziffernmäßig nicht stützen kann. Zu den 40 Millionen XL rechnet Herr Enhuber noch „die ungeheuren Frachtermäßigungen und alle Sanierungen hinzu", und er kommt dann zu dem Schlüsse, „daß die Staatsbeamten recht haben, wenn sie sagen, man brauchte uns nicht unser« armen Beamtenkreuzer so zu beschneiden, wenn man dort die Steuern einheben würde, wo sie cinhcvbar sind". Wegen der grösteren Staurraufbringung sind wir mit Herrn Enhuber einer Meinung; nur sind es ganz andere Stellen und ganz andere Unter, nehmungen als dl« Konsumvereine, wo mehr Steuern geleistet werden können. Da» soll gleich bewiese» werden. Alle Konsumgenoffenschaften der Tschechoslowakischen Republik erreichen zusammen«inen Jahresumsatz von XL 1.880,000.000.—Im „verbände deutscher Wirtschaftsgenossenschaften" beträgt die an di« Mitglieder zur Ausschüttung gelangende Rückvergütung durchschnittlich 2.05 Prozent. Die tschechischen Verbände liegen unter diesem Durchschnitte. Die sonstige Erübrigung beträgt im Verbände(nach Abzug der Verlust«) 0.23 Prozent. Die Kaufleute zahlen von dem an ihre Kunden gegebenen Rabatte kein« Steuer, sondern nur von dem ihnen verbleibenden Gewinne. Die allgemeine Erwerbsteuer beträgt von den ersten XL 80.000.— des Gewinnes nur yi Prozent, von weiteren XL 110.000.— 2yi Prozent und steigt erst auf 4 Prozent für di« XL 140.000.— übersteigenden Gewinne. Wenn die Konsumgenossenschaften des Verbandes deutscher Wirt« schaftSgenoflenschaften dm ihnen verbleibenden „Gewinn", d. i. 0.23 Prozent ihres Umsatzes, somit XL 1,058.000.—, in derselben Weise wie die Kaufleute zu versteuern hätten, wobei jede der 1576 Verteilungsstellen als eigene Handelsunternehmung angesehen wird, hätten sie 5290.— XL an Erwerbsteuer für den Staat zu bezahlen. Bei Einrechnung der Rückvergütung— di« alles andere, nur kein Gewinn ist— beträgt die staatliche Erwerbsteuer bei der gleichen De, rechnungsgrundlage— s-s Prozent von XL 14,628.800.— XL 73.144.—. Die gegenwär. tig«. Bemessung, 27» von den eingezahlten Anteilen, ergibt XL 45.824.—. Selbst dann, tveim die Konsumgenossenschaften düseS Staates die Hälfte ihrer gesamten Erübrigung an Erwerbsteuer ab-, führen müßten, di« Leistung aus diesem Titel somit XL 81,982.000.— betragen würde, entfielen hievon auf den Staat nur XL 4,660,000.— Weil die Umlagen in der Regel die Höhe von 600 Prozent erreichen. Bet der Rechnung de» Herrn Enhuber geht es mit der Erwerbsteuer ganz fehl. Wie ist es mit der Umsatz steuer bestellt? Hier ist der Irrtum des Herrn Enhuber noch größer. Rur die Großem kau tsgenosimschaftrn der Konsumvereine(GEE, BDP. nsw.) sind so wie die gewerblichen und landwirtschaftlichen Genossenschaftszentralen im Verkehr« mit ihren Mitgliedern von der Umsatzsteuer befreit. Für di« in ihren Betrieben erzeugten Waren oder für solche, wo di« Umsatzsteuer bei der Einfuhr etngchoben wird, mutz die Steuer bezahlt werden. Für die Massenartikel, wie Zucker, Fette, Margarine, Salz, Seif«, Textilien u. v. a., ist die Umsatzsteuer schon beim Erzeuger pauschaliert. Diz Begünstigung der Konsumgenossenschaftszen tralen aus dem Titel der Umsatzsteuer erreicht nicht 0.2 Prozent ihres Umsatzes. Herr Enhuber erklärt jedoch in der gesetzgebenden Körperschaft mit einer verblüffenden Unbekümmernis, daß er 10 bis 15 Million» XL an Begünstigung„errechnet" hat. Die Koissumgenoffenschaften zahlen von jeder Krone ihrer Losung, die der Umsatzsteuer unterliegt, die Steuer pünktlich«md in bollem Ausmaße. Sie muffen in ihren Büchern genaue Ausschreibungen führen. Bei den Händlern ist die Behörde auf meist nicht überprüfbare Angaben und Schätzungen angewiesen. Wer schuldet dem Staate 1583 Millionen XL von de« Käufern bezahlter Umsatzsteuer und verschuldet dadurch di« Notlage des Staates und seiner Beamten- Der Herr Senator scheint nicht zu wissen, daß die Konsumgenoffenschaften die E i n k o m- mensteuerin genau derselben Höhe abführen müssen wie Privatunternehmer. Die Steuer wird im Abzugswege von den Bezügen der Arbeiter und Angestellten eingehoben und zeitgerecht ab» geführt. Jede steuerpflichtige Lohnkrone wird der Besteuerung unterworfen. Die Steuerbehörde hat durch die Bucheinsicht ein« leichte Kontrolle. Wo besteht die gleiche Prüfungsmöglichkeit beim Kleinhandel? Wie groß« Beträge an nicht bezahlter Einkommensteuer sind derP rivatwirt« schäft abgeschrieben wor-en? Ein Senawr sollte wissen, wenn er von ungeheuren Frachtbegünstigungen der Konsumgenossenschaften spricht, daß nur die Eisenbahner-Genossenschaften«ine solche von 50 Prozent der normalen Fracht genießen. Das ist«ine Begünstigung, die der Staat als Arbeitgeber seinen Angestellten gewährt. Nach der Statistik des Verbandes deutscher Wirtschastsgenoffenschaften— ähnlich sind die Verhältnisse bei andern Verbänden— beträgt der Unterschied aus dem Titel ,'Fracht und Zufuhr" zwischen den allgemeinen und den Eisenbahnergenossenschaften 0.71 Prozent des Umsatzes zugunsten der letzteren. Bei den deutschen Eisenbahnergenoffenschaften sind dies im ganzen Jahre 1934 XL 188.337.89. So sieht die„ungeheure Frachtbegünstigung" der Konsumvereine aus. . Soll an dieser Stelle nachmals eine Gegenüberstellung der. S üd v e n t i o.n e n gemacht werden, die den Konsumvereinen vdm Staate als Brocken zweimal seit seinem Bestände dann gegeben wurden, wenn er große Stützungsaktionen für-di« Privatwirtschaft vornehmen mußte, mit den Summen, die er für diesen Zweck aufgewendet hat. Soll immer wieder darauf verwiesen werden, daß HandÄ und Gewerbe jährlich' vom Staate, vom Lande und von den Handelskammern, für welche di« Konsumgenoffenschaften Umlagen bezahlen müffen, viele Millionen an Unterstützungen aller Art erhalten? Die Konsumgenossenschaften sind die Letzten, die nicht wünschen, daß dem Kleingewerbe geholfen wird. Nicht der von ihnen erzielte Umsatz ist die wesentlichste Ursache des Niederganges von Handel und Gewerbe. Diese liegt vielmehr darin, daß die Zahl der Händler eine viel zu große geworden ist. Der Kleinhandel kann sich der durch das Großkapital hervovgerufenen Umwälzung der Handelsmethoden nicht anpaffen. Die„moderne" Handelstechntk erschlägt den kleinen Kaufmann ebenso, wie die Schuhfabrik den Schuster um sein Brot gebracht hat. Die Kraft der Konsumgenossenschaften beruht auf der Größe ihrer Organisation und ihrer starken Anpassungsfähigkeit, nicht aber auf Unterstützungen der öffentlichen Hand, die ihnen, trotzdem sie g e- meinnützige Unternehmungen sind, lange Belgrad. Donnerstag vormittags wurde die außerordentliche Session der Skupschtina durch einen UkaS des RegentschaftSrateS eröffnet. Der Sitzung wohnten das diplomatische Korps, Vertreter der in- und auSländffchen Preffe und ein ungemein zahlreiches Publikum bei. DaS Erscheinen der Regierung StojadinoviL wurde von den Abgeordneten mit Hochrufen und Händeklatschen begrüßt; ebenso wurde die Regierungserklärung mit großem Beifall ausgenommen. Das FrikdenSprogramm der auswärtigen Politik Jugoslawiens wird nach der Erklärung des Ministerpräsidenten auch von der neuen Regierung als unverändert« Direktive für die zukünftige Arbeit der Regierung betrachtet werden. Solange in der Frage der Rüstungseinschränkun- gen keine positiven und dauerhaften Resultate erzielt werden, werde auch Jugoslawien seine Pflicht für die Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner bewaffneten Macht nicht vernachlässigen dürfen. Als Richtlinien inderJnnrnpolitik betrachtet die Regierung die Verfassung Vom nicht in dem Maße zuteil werden wie der Privatwirtschaft. Wer ohne Dorurkril prüft, wird bestätigt finden, daß die Konsumgenoffenschaften gegenüber dem Privathandel sehr geringe Steuerbegünstigungen genießen, die ausgewogen werden dadurch, daß sie andere Steuern genauer und pünktlicher bezahlen müssen als jener. Der Herr Senator Enhuber gehört zu jenen wenigen, die trotzdem die Kürzung der Beamtengehälter den Konsumvereinen zur Last legen. Und wieder rechnet er falsch, denn die nebulösen 87 bis 40 Millionen XL, die e r errechnet hat, können doch die Gehaltskürzung nicht einmal zu einem Viertel decken, die laut Voranschlag für das Jahr 1935 doch XL 175,095.400.— beträgt. Die Konsumgenossenschaften durften erwarten, wenn der Vertreter der größten Partei„den Pfahl im Fleische" untersucht, daß er sich wenigstens jen« Ziffern zur Hand nimmt, die offiziell veröffentlicht worden sind. Herr Senator Enhuber hat es vorgezogen, statt dessen„selber nachzurechnen". Für die— absichtlich oder nicht — gemachte grundfalsche Rechnung gibt es nur eines: Note 5. Die„Bohemia" geht z« Gericht. Der.Bo- hemia" hat«r auf unseren Artikel hin die Argumente verschlagen und sie begnügt sich mit der Ankündigung, daß sie wegen einiger Stellen unseres Artikels zu Gericht gehen werde, wo wir Gelegenheit haben würden,.einen unserer häufigen de- und wehmütigen Rückzüge anzutreten". Die.Bohemia" lasse sich gesagt sein, daß wir zwar oft dem Pretzgesetz Genüge tun mußten, aber daß es nie de- und wehmütig geschah unddaßeSihrgegenüberschongar nicht der Fall sein wird. Das Preßgesetz verlangt oft schwer zu erbringend- stiristische Beweise auch für allgemein bekannt« und für die normale Logik beweisbare Dinge. Wird man da zum Rückzug gezwungen, so bedeutet das noch lange nicht, daß man Unrecht hat. Die Meinung der Welt über die.Bohemia" wird kein Preß- geri'cht ändern können. Bezeichnend ist es aber, daß die„Bohemia" gar nicht versucht, ihre Behauptungen zu beweisen oder- die unseren zu widerlegen,-sondern gleich zum Richter läuft, um sich in einer politischen Streitsache vor einer kaum zuständigen Stelle ihre Thesen bescheinigen zu lassen.■ Jakob Zeuge im Wesemann-ProzeB 7 Die Schweiz verlangt Auslieferung auf Zeit Der Prozeß gegen den Jakob-Entführer Dr. Wesemann soll gleich nach den Baseler Ge- richtsferien beginnen. Di« Baseler Staatsanwaltschaft verlangte von der deutschen Regie- tung die Auslieferung Jakobs für die Verhand« lungszeit, da Jakob als der maßgebende Zeuge kür die sachlich-korrekte Durchführung des Prozesses unentbehrlich sei. Die Schweiz will alle Garantien dafür übernehmen, daß Jakob nach Beendigung des Prozesses wieder nach Deutschland überstellt wird. Die Schweizer Oeffentlich- keit erwartet gespannt, wie sich das Nazi-Regime zum Verlangen der Schweiz stellen wird. Berner Kantonsreslerung gegen Fasdsten Bern. Der Regierungsrat des Kantons Bern beschloß nach Kenntnisnahme eines, bestimmten Falles, daß die Uebernahme einer lestenden Stelle in einer schweizerischen Gruppe ausländischer Parteiorganisationen mit der Bekleidung eines bernischen Staatsamtes unvereinbar sei. Er forderte demgemäß einen deutschen Professor der Universität Bern auf, entweder seine Parteifunktion ober das Lehramt aufzugeben. Jahre 1081, das Prinzip der ft a a t l i ch« n national«» Einheit, strenge Gesetzlichkeit und die Gleichberechtigung aller Bürger. Das Arbeitsprogramm werde sich erstrecken auf die Gesetze über eine« r« wettert« Selb st Verwaltung, über das Wahlrecht und das Bersammlungs« und Der« einSrecht. In wirtschaftlicher Hinsicht werde die Re- gietung ihre Fürsorge den Landwirten, dem Gleichgewicht im Staatshaushalt, der Aufrechterhaltung des Wertes der nationalen Valuta, der Erleichterung der Steuerlasten und der Belebung der wirtschaftlichen Tätigkeit im Lande zuwen- den. Schließlich wird in der Erklärung betont, daß die Regierung das Vermächtnis des verstorbenen Königs Alexander I., am besten durch Beruhigung und Beschwichtigung der politischen Gereiztheit, durch Konzentration aller konstruktiven Volkskräfte und durch Erweiterung der Grundlagen der staatlichen Autorität bewahre». Zum Internationalen Genossenschaftstag In einer Zeit, in der sich die Staaten und Völker immer mehr gegeneinander abschließen. haben weltumspannende Organisationen, wie die Internationale Genoffenschaftsbewegung, doppelt große Verpflichtungen zu erfüllen. Sie erheben das Banner für die Verständigung der Völker untereinander. Sie sind es, die den heiligen Willen zu friedlicher Zusammenarbeit hochhalten und durch unermüdliche Arbeit unter den Massen des schaffenden Volkes den Boden für ein« bessere Ordnung der Dinge vorberekten. Der Internationale Genossen- schaftSbund umfaßt derzeit mehr als 90 Millionen Verbraucherfamilien in 4 0 Staaten der ganzen Welt. Die von ihm vertretenen Grundsätze genossenschaftlichen Wirkens erobern sich die Hirne und Herzen des Volkes in allen Ländern. Alljährlich, am ersten Sonntag im Juli, feiert die internationale Genoffenschaftsbewegung, zum Zeichen ihrer Verbundenheit, den Internationalen Ge- nossenschaftstag und ruft damit die Massen ihrer Anhänger, aber auch die gesamte Ver- braucheröffenttichkeit auf, getreu nach ihren Grundsätzen an der Neugestaltung der wirtschaft!- lichen Ordnung zu bauen. Dien st anderGc meinschaftl So lautet der oberste Grundsatz genossenschaftlicher Wirtschaft. Die deutschen Konsumgenossenschaften in unserem Staate handeln nach diesem Grundsatz. Ihre 250.000 Mitgliederfamilien leben seit Jahren unter dem furchtbaren Druck der Krise. Und dennoch steht das Derk, das sie selbst in ihren Konsumgenoffenschaften geschaffen haben, unerfchüttert. Gerade in der Rotzest zeigt sich der Wert genossenschaftlicher Wirtschaft. In den letzten fünf Jahren wurden von unseren Konsumgenossenschaften mehr als 75 Millionen XL Rückvergütung ausbezahlt. Beinahe sieben Millionen XL wurden von unseren Konsumgenossenschaften in der gleichen Zeit als Unterstützungen an arbeitslose und bedürftige Mitglieder auSge« geben. Die Vorteile beim täglichen Einkauf verschaffen den Mitgliedern weitere Ersparnisse und bedeuten ein größeres Stück Brot für die einzelne Familie. Die Eigenproduktion der Konsum« genoffenschaften und ihrer Zentralorganisation, des GEE-VerbandeS, vermögen eS, kraft ihrer guten Organisation, ihre Produktion äüfrecht- guerhalten, ja sogar zu erweitern. Die gesamte wirtschaftliche Entwicklung weist darauf hin, daß nur durch eine planmäßige Erfassung des Bedarfes und durch seine planmäßig« Befriedigung Ordnung in das Chaos der Wirtschaft gebracht werden kann. Eine Wirtschaft des Volkes kann nur von diesem selbst aufgebaut werden. Die Konsumgenossenschaften sind die. Träger planmäßigen Wirtschaftsaufbaue-. Sie sind es, die dem schaffenden Volke die Möglichkeit geben, in gemeinnütziger, verantwortungsvoller Arbeit, seine eigenen Jntcreffen zu wahren. Di- Konsumgenoffenschaften lehren dem Volke, sich selbst zu helfen, durch den Zusammenschluß aller Familien in den Selbsthilfeorganisqtionen der Verbraucher. Die Genossenschaftsbewegung ruft deshalb allen Mitgliedern und allen Verbraucherfamilien zum Internationalen Genossenschaftstag zu: Selbsthilfe ist die beste Hilfe! Fördert di; Konsumgenossenschaften! Werdet Mitglieder! ver Landeshaushalt Mähren-Schlesiens Brünn. In der donnerstägigen LandeSaus- schußsitzung wurde das Budget für daS Land Mähren-Schlesien für daS Verwaltungsjahr 1983 beschlossen, u. zw. auf dem Niveau des diesjährigen Budgets, weil die fortdauernde wirtschaftliche Unsicherheit und die geschwächte finanzielle Grundlage des Landes vorläufig di« Ausarbeitung eines Wirtschaftsplanes auf einer breiteren Grundlage nicht gestattet. Der laufende Bedarf ist mit einem Betrage 862,690.000 XL und die laufende Deckung mit einen! Betrage von 362 Millionen 696.000 XL festgesetzt. DaS Gleichgewicht wurde durch verschiedene Opfer erreicht. Der Bedarf d«S JnvestitionSbudgetS von 20 Millionen 930.000 XL ist nur mit 1,800.000 XL gedeckt, so daß der Rest durch Kredite aufgebracht werden muß. An alle Abonnenten k und Verschleißer! a Anläßlich deS Feiertages am Samstag, I* dem 6. Juli, wird in den Druckereien nicht gearbeitet und entfällt daher die Nummer|?1 vom Sonntag, den 7. Juli._. Ä Sie Verwaltung.' nHHnaBQMaaaaaHunaaaMBaaiBaaHaaa Jugoslawiens Wendung zur Demokratie StojadlnovK verspricht Innere Reformen Seite 4 yrektag, S. Fusi 1938 Nr 155 Das Leben für die Kameraden geopfert Auf dem Militärschießplatz in Milowitz soll- 1m— nach einer Meldung des„Telegraf"— Montag die Unteroffiziere Koltnek und Zahrädka an der Hülle eines Fesselballons einige Reparaturen vornehmen. Dabei mußten sie in das Innere der Ballonhülle steigen, welche mit giftigen Gasen gefüllt war, die beim Abdichten des Stoffes entstehen. Obwohl sie Gasmaskm trugen, zeigten sich bei ihnen nach kurzer Zeit schon Bergistungserscheinungen und beide Unteroffiziere sanken ohnmächtig zusammen. Der längerdimmde ZugSführer Jaroslav K u k e r a, der die Arbeit beaufsichtigte, eilte sei- «m Untergebenen zu Hilfe. ES gelang ihm auch» beide rechtzeitig auS der Ballonhülle zu befreien und mit Hilfe eine- zweiten Unteroffiziers an die frische Luft zu zichm. Er selbst bezahlte aber sei- nm Mut mit dem Leben. Als ihm Soldaten zu Hilfe kamen, war es schon zu spät. Bon Benzoldämpfen vergiftet, wurde Kukra bereits in Agonie gefunden und starb trotz sofortiger ärztlicher Hilfe, ohne daS Bewußtsein noch einmal erlangt zu haben. Märtyrer der Arbeit Vergmannstod im Brüxer Revier. Brüx. I« Zentrum-Schacht bei Niedrrgeorgenthal wurde der 30jährige Bergmann Bladislav L o i t a t aus Maltheuern von herabstürzender Kohle am Kopfe getroffm und so schwer verletzt, daß er nach wmigen Minuten vrr schied. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe und ei« zweijähriges Kind. Für eine größere Wirksamkeit des Bölkerbundpaktes Der dreizehngliedrige Ausschutz, der vom Völkerbundrat damit betraut wurde, die Möglichbeit einer größeren Wirksamkeit-es Bölkerbundpaktes zu prüfen, behandelt gegenwärtig in Gens die Frage der Durchsetzung wirtschaftlicher und finanzieller Sanktionen. Ein Sonder-UnteräuSschutz für diese Frage soll prüfen, auf welche Art es am wirksamsten wäre, mit wirtschaftlichen u. finanziellen Maßnahmen gegen Staaten vorzugehen, di«einseitig internationale Berpflichtungenver- l e tz« n. Der juristische Unterausschutz hat bereits einm Bericht über seine Verhandlungen in der Vorwoche veröffentlicht. Aus diesem Bericht geht hervor, datz der Unterausschuß k e i n e einheitliche Ansicht in der Frage erzielen konnte, ob der Völkerbundrat, im gegebenen Augenblicke über di« Anwendung wirtschaftlicher und finanzieller Sanktionen zwar einstimmig, aber ohne Rücksicht auf die eventuelle negative Stimme des beklagten Staates, entscheiden könne. Bei der Interpretation des entsprechenden Völkerbund-Artikels waren die Mitglieder des Unterausschusses verschiedener Meinung, wobei der Vorschlag gemacht wurde, diese Frage von» internationalen Gerichtshof im Haag entscheiden zu lassen. Vesuv speit Rom. In der Nacht zum Mittwoch hat der Vesuv, der schon seit einiger Zeit in Tätigkeit war, plötzlich eine starke Eruption zu verzeichnen gehabt, bei der sich durch di« Explosion von K r a- tergasen eine Höhlung in der Krale r w a n d bildete. Di« Ausbrüche waren von einem starken inneren Grollen begleitet. Wie das italienische Presse-Büro aus Neapel meldet, wird durch die starke. Eruptionstätigkeit des' Vesuv keine unmittelbare Gefahr hervorgerufen, da sowohl die Gase und der Rauch als auch die Magmastücke und die Lava den Krater frei passieren können und deshalb keine Gefahr einer Ansammlung von Dämpfen und Gasen unter solchem Druck besteht, datz hierdurch eine katastrophale Eruption entstehen könnte. „Großes Glück" hatte eine italienisch-amerikanische Rundfunkgesellschaft, die schon seit Monatey daran arbeitete, eine Hör- Sendung aus dem Innern des Kraters zustande zu bringen. Bei der ersten Uebertragung am Mittwoch, die nach Italien, Amerika, Frankreich, der Schweiz, Oesterreich, Portugal, Spanien und Belgien gesendet wurde, hat sich somit der „Haichtbeteiligte", in diesem Falle-er Vesuv, von seiner besten und interessantesten Seite hören lassen. Hitlergrenzer erschießen drei Schmuggler Dresden. Beim Aeberschrekten der sächsischböhmischen Grenze aus der Richtung der Tschechoslowakei wurden Donnerstag nachmittags bei Altenberg Schmuggler von sächsischen Grenzbeamten angernfen. Die Schmuggler flüchteten weit auf deutsches Gebiet und eröffneten auf die sie verfolgenden sächsischen Grenzbeamten das Feuer. Bei dem sich harauf entspinnenden Feuergefecht werden drei der Schmuggler erschossen. Zwei sächsische Grenzbeamte wurden verletzt. M Der Mim MM ein MmNer? In Preßburg wurde vor einigen Tagen der Oberwachmann Krajöoviö unter dem Verdacht verhaftet, seine Geliebte, das Dienstmädchen Rosa Fencl aus Neuhaus, vor einigen Jahren ermordet zu haben, um sich in den Besitz ihrer Ersparnisse zu setzen. Als die Untersuchung gegen ihn im Gang war, wurden auch die Akten der in den letzten Fahren nicht aufgeklärten Frauenmorde vorgenommen. Das Ergebnis dieser Nachforschungen war, daß Krajkovik in Zusammenhang mit nicht weniger als vier Morden an Frauen gebracht wird. Das Dienstmädchen Rosa Fencl überwarf sich im Jahre 1932 mit ihrer Familie, als sie erklärte, den Preßburger Wachmann Krajkovic heiraten zu wollen. Sie verließ ihre Heimatstadt Neuhaus in Böhmen und ihre Angehörigen kümmerten sich seither nicht um sie. Erst als vor kurzem ihre Mutter erkrankte und die Tochter sehen wollte, forschten die Verwandten dem Mädchen nach. Krajkoviö bestritt jedoch zur allgemeinen Ueberraschung, die Rosa Fencl zu kennen. Als eine Hausdurchsuchung bei ihm vorgenommen wurde, fand man einen Koffer, auf dem das Monogramm R. F.— Rosa Fencl— stand. Der erste ernste Verdacht tauchte auf und die Behörde begann mit aller Energie dem Fall nachzugehen. Die Verdachtsmomente verdichteten sich immer mehr, doch Krajcoviö stellte hartnäckig jede Schuld in Abrede. Man ging seinem Vorleben nach und entdeckte, daß er bereits einmal, in seinem früheren Dienstort Komorn in der Slowakei, wegen Mordverdacht in Untersuchung stand. Damals wurde an der Besitzerin eines öffentlichen Hauses, Malvine S o b o l a k, ein Raubmord be gangen. Krajöoviö, der mit der Fran ein Verhältnis unterhalten hatte, konnte damals nichts nachgewiesen werden. Immerhin wurden auch in jenem Falle schwerwiegende Tatsachen ans Licht befördert. So hatte der Wachmann kurz nach der Ermordung der Frau seine Schulden bezahlt, ohne angeben zu können, woher er das Geld genommen hatte. In gewissen Preßburger Kreisen war es nicht unbekannt, datz Krajkovik, der übrigens verheiratet ist, in der Preßburger Unterwelt und Halbwelt gute Beziehungen hatte. Er hat sich für dieses Milieu aber nicht aus beruflichen Gründen interessiert, sondern seine eigenen Ziele dabei verfolgt. Es stellt sich jetzt heraus, daß er an Prostituierten Erpressungen begangen hat. Diese Feststellungen führten dazu, ihn auch in Verbindung mit dem bestialischen Mord an der Prostituierten Anna Fibiovä zu bringen, deren Leiche vor Jahren zerstückelt an verschiedenen Stellen der Stadt Pretzburg gefunden wurde. Immer waren eS Orte, in deren Nähe Krajkovik zur kritischen Zeit Dienst hatte oder wohnte. Bisher hat die Untersuchungsbehörde eine große Anzahl von Indizien gegen den Oberwachmann zusammengetragen, doch ist eine Ueberführung nicht gelungen. Krajöoviö, der als Wachmann die llnter- suchungsmethoden und die Art, des Verhörs ja genau kennt, leugnet hartnäckig und gibt nicht die geringste Schuld zu, wenn sich seine Aussagen auch in manchen Punkten nicht mit seinen früheren Behauptungen decken. Wie in allen. Mordangelegenheiten der letzten Zeit, taucht auch jetzt der Gedanke an die Ermordung der Slowakin Ottilie Vranskä auf, die unter ähnlichen Umständen wie die Prostituierte Fibiovä ums Leben gekommen ist. Militärauto stürzt mit drei Soldaten Wien. Bei einer Uebung des motorisierten Jägerbataillons Nr. 1 bei der Ortschaft Zois im Bereiche des Neusiedler-Sees stürzte ein mit drei Soldaten besetztes Auto in voller Fahrt um. Der Soldat Wilhelm Kausl wurde getötet, der zweite schwer und der dritte leicht verletzt. Früher: Breituersteuern— jetzt wirtschaftliche Not Wien. Der Grinzinger Heurigenwirt Josef Rockenbauer» der weit über die Grenzen Oesterreichs auch im Ausland bekannt ist, hat Selbstmord begangen.' Die Ursache der Tat, dit in ganz Wien großes Aufsehen hervorrief, sind finanzielle Schwierigkeiten infolge schlechten Geschäftsganges. Gräßlicher Tod einer Fünfzehnjährige« Wien. Die 15jährige Elfriede Groß aus Petersdorf bei Jägerndorf in der Tschechoslowakei, die bei ihrem Onkel in Wien zu Besuch weilte, wurde, als sie die elektrische Wäscherolle in der Wäscheputzerei ihrer Tante betätigte, aus noch nicht festgestellter Ursache von der Rolle erfaßt und mit den Händen voran gegen die Plätterolle gezogen, die den Kopf des Mädchens vom Körper abtrennten und zerquetschten. Malaria Jerusalem. Die Euphrat-lleberschwemmun- gen, die in diesem Jahre besonders großes Unheil, anrichteten, haben im Südirak den Ausbruch einer Malaria-Epidemie verursacht. Besonders schwer wurden die beiden Städte Hillah und Kiel heimgesucht, wo täglich etwa 200 Krankheitsfälle eintreten. Die Zahl M Toten ist noch unbekannt. Lebenslänglich, abzüglich 14 Monate«... Die»Königliche Tafel" in Budapest hat im Berufungsverfahren das lebenslängliche Zucht» Hausurteil gegen Rakosi bestätigt. Mer sie hat auch nach etwas anderes getan. Sie hat nämlich in Weiser Milde, Rakosi ein Jahr zwei Mo- nate der Untersuchungshaft auf die lebensläng, liche Strafe angerechnet... Nur hoffnungslose Zivilisten mit gesundem Menschenverstand und sonst nichts werden diese„Milderung" als etwas sonderbar, gegebenenfalls auch als offenen Hohn ansehen. Für die Bürokratie indessen er- scheint das Sinnlose ganz in der Ordnung. Die 14 Monate werden dem Opfer der ungarischen Rache„justiz" Wohl im Jenseits gutgeschrieben werden. Letzte Moratoriumsverlängerung bei der Deutschen Bolksbank für Böhmen(Sitz Leitme» ritz.). Mit Erlaß vom 25. Juni 1935 verlängerte das Finanzministerium nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 10. November 1924 das Moratorium für die Deutsche Volksbank für Böhmen, reg. Gen. m. b. H. in Leitmeritz, bis zum 31. Dezember 1935. Femsterstnrz einer Greisin. In O b e r l e u- tensdorf stürzte die 92jährige Arbeiterswitwe Johanna Schmiedel aus dem Fenster ihrer im ersten Stock gelegenen Wohnung. Die Greisin wurde söchver verletzt in das Bruxer Krankenhaus gebracht, wo sie ihren Berletzunge« erlag. Ob Selbstmord oder ein llnglücksfall vorliegt, konnte nicht klargestellt werden. Hirtentod in den karpathoruffischen Wäldern Donnerstag früh wurde im tiefen Walde der staatlichen Forstverwaltung in Poroskov im Bezirke Perekin der in Poroskov wohnhafte Hirte Johann P a v e l i ö erschossen aufgefunden. Mit Rücksicht darauf, daß Pavelik in der Hand ein Gewehr hielt, ist es wahrscheinlich, daß er beim Wildern betreten und bei einem Schußwechsel tödlich getroffen wurde. Die Gendarmerie hat die Untersuchung eingeleitet. Die Sowjetflieger. Der ZentralvollzugsauS- schutz von USDZR hat der Studentin des Instituts für Körpererziehung in Leningrad, Kuta l'owa, für ihre kühne Leistung durch Fallschirmabsprung auS 7750 Metern Höhe ohne Sauerstoffapparat den Orden des Roten Sterns verliehen.— In Charkow erreichte der Flieger Tkatschuk mit dem Flugzeug„5ß—5' eine Höhe von 8371 Metern ohne Anwendung eines Sauerstoffappartes und schuf dadurch einen neuen Weltrekord. Kriegsende. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Asuncion ist die Demarkationslinie im ehemaligen Kampfgebiet des Gran Chaco nunmehr endgültig festgelegt worden. Hinter den Fronten der beiden Heere wurden Truppen-Sam- melpsätze errichtet. Die Demobilisierung hat bereits begonnen. Ein Ferienlager für Studenten ist in dem schönen Flußtal von Soukcnik bei Tabor am 1. Juli eröffnet worden und wird bis 31. August bestehen bleiben. Sport verschiedener Art, Spiele, Baden, Ausflüge werden der körperlichen Erholung der Besucher dienen. Für die geistig« Nahrung werden Vorträge scher Volkswirtschaft, Soziologie, Literatur>md Kunstgeschichte sorgen. Außerdem wird Gelegenheit geboten fein, sich nicht nur in der tschechischen und deutschen, sondern wahrscheinlich auch in der englischen und französischen Sprache zu vervoll- konnnen. Auf Wimsch werden Nachhilfestunden in' allen Studienfächern von pädagogisch geschulten Kräften erteilt werden. Die Kosten betragen für den Tag 12 bis 14 Kl. Für Fälle besonderer Mittellosigkeit sind Ermäßigungen vorgesehen. Anmeldungen und Auskünfte durch den Gewerkschaftlichen Studentenverband, Prag H., Na Zbokenci,18. Fünf Anwesen durch Blitzschlag verbrannt. Während eines Gewitters schlug der Blitz in die elektrische Leitung und verursachte Kurzschluß, wodurch ein Feuer entstand, da» fünf Anwesen in einem Dorf in der Umgebung von Colmar vernichtete. Der Schaden wird auf mehr als eine Million Franken geschätzt. Leopold Wölfling gestorben. Der vormalige Erzherzog Leopold von Oesterreich, Erzgroßherzog von Toscana, der im Jahr« 1902 seinen Austritt auS dem österreichischen Kaiserhaus vollzog und seitdem unter dem Namen Leopold Wölfling lebte, ist am Donnerstag früh in seiner Berliner Wohnung gestorben. Leopold Wölfling war in dritter Eh: mit einer Berlinerin verheiratet und lebte in den letzten Jahren in größter Armut. Ertrunken. Auf dem Indus unweit des Dorfes Raj schlug ein mit 40 Bauern besetztes Boot plötzlich um. 26 Insassen konnten sich retten, während die übrigen 14 ertranken. Dichterlorbeer. Die goldene Medaille, die her König von England alljährlich für daS beste lyrische Werk erteilt, welches in Großbritannien erscheint, wurde diesmal dem jungen englischen Dichter L a u- renc Whistler für seinen Gedichtband„Foor WällS"(.Vier Wände") zuerkannt. Die feittckiche Usberreichung der Medaille fand durch den bekannten Dichter John Masefield statt, der sich auch mit großem Lob über das Werk deS 23jährigen Whistler aussprach. Das 1. Bundesfest des Aruk in Karlsbad hat folgendes Programm: Samstag, 6. Juki: 8 Uhr 30 Einmarsch der Wettkämpfer in den Festplatz(KFK.-Platz in Fischern); Festeröffnung. Reigenfahren Kunstfahren) Langsamfahren, Radball- und Rad» Polospiele um die Bundesmeisterschaft, Sondeivor- führungen der Schüler im Reigen- und Kunstfahren. Auf der Staatsstraße— Karlsb a d — Eger"(Start Ortsgrenze Fischern) wird ein 10-Kilometer-Straßenrennen, ein' 10-Kilometer» Paaxfichren, ein 10-Kilometer-Tempofahren, ferner zwei 5-Kilometer-Tempofahren der Motorradfahrer Und ein 100-Kilometer- Zuverlässigkeitsfahren der Motorradfahrer ausgetragen. Auf dem A t u s« platz qm Rosenbühl in Fischern(beim Oberen Bahnhof) gehen die Mannschaftskämpfe vor" sich, an denen auch der Atus und die RW teilnehmen. Abends um 8 Uhr auf dem Festplatz großer Freilicht-Fest- abend. Sonntag, 7. Juli: 5 Uhr 30 aüf der Staatsstraße Karlsbad— Eger(Orts grenze Fischern) großes internationales 100-Kilometev-Straßenrennen; 9 Uhr 80 Aufmarsch durch Maierhöfen, Fischern und Karlsbad zum Mar kl Hallenplatz, wo eine große Kundgebung für Freiheit, Friede« und Sozialismus stattfindet. Am Nachmittag sind Sondervorführungen des Verbandes der tschechischen Arbeiterradfahrer, der Aruk-Bundesmeister, Radballspiele des SDCaM Pilsen geg^n Aruk, Sondervorführungen des Atuskreises, Sechscr-Rasenradballspiele, ein großer Fahnenaüfmarsch und als Abschluß ein Fußballwettspiel des- Exbundesmeisters Graslitz gegert eine westböhmische Auswahlmannschaft vorgesehen. Abends im Arbeiterheimsaale in Altrohlau gwhe Abschlußfeier mit dem Kabarett»Zum Welt gewissen" unter Führung von Basa Hochmann. Das große Festspiel daS im Rahmen des 1. Bundesfestes des Aruk am Samstag, dem 6. Juli, abends 8 Uhr, a« KFK- Platz staüfinden wird, führt den Titel Eine Komödie, derenAusgang d u m i t b e sti m m eü wirst,,. Diese? Festspiel wird von einem großen Sprech- und Bewegungschor aufgeführt, ist eine beißend- spöttische Charakterisierung der aktuellen' Weltereignisse und wurde von dem bekannten Schauspieler Basa Hochmann, Aussig, verfaßt. Die Soli» werden von hervorragenden Kunstkräften des Stadt» theaters Teplitz-Schönau und Aussig gesprochen. DaS Bühnenbild entwarf der bekannte proletarische Künstler Gcmg H. Trapp. Eingeleitet wird da» Festspiel, das ungemein packend, und sehenswert tfo durch einen Chor der 800 Arbeitersänger des Bezirkes Karlsbad. Der Eintrittspreis ist 8 Xc, Dauer-Abzeichenbesitzer zahlen 1 KL Zuschlag, DaS Kabarett»um Weltgewissen des SchaufpielerkollektivS„Truppe 35 besorgt die Abschlutz-Festfeier welche am Sonntag, dem 7. Juli, um halb 9 Uhr abends im.Arbeiterheim" in Altrohlau stattfinden wird. Niemand sollte versäumen, durch den Besuch dieser beiden Beranstalwngen wirkliche proletarische Festkultur kennen zu lernen. Eintritt zur Feftfeier Kd 2.50. Dauerabzeicheü hat keine Gültigkeit. Auf der Drahtseilbahn zu« Jeschken wird 83 Prozent Nachlaß gewährt an Staatsangestellte. Militär« und Gendarmerie-Gagisten, Mitglieder von führenden Körperrrziehungs», touristischen und Sporwrganisationen bei Teilnahme von wenigstens sechs Personen des gleichen Verbandes und bei gemeinsamen Expeditionen von wenigstens 20 Personen, wenn der Führer die Fahrkarten im voraus besorgt. Schulen genießen 50 Prozent Ermäßigung, wobei der Lehrer oder Professor freie Fahrt hat. Die Lösung... Die beiden mexikanischen Dörfer San Andres und San Eristobal beschlossen, den langjährigen Grenzkonflikt zwischen den beiden Gemeinden im Wege der Gewalt zu lösen. Dieser Tage hatten die bewaffneten Einwohner der beiden Dörfer einen Zusammenstoß, wobei drei Personen getötet und fünf schwer verletzt wurden. Vom Rundfunk Sa« S tag: 1 Prag, Sender L: 7.30: Übertragung aus Karlsbad, 8.30: Orchesterkonzert, 9.15: Kammer- duos, 12.18: Mittagskonzert, 14.15: Nachmittags« konzert, 18: Deutsche Sendung: Herrmann Götz, ein vergeffener Meist«:, 19: Deutsche Presse, 22.85: Deutsche-Presse. Sender S: 14.80: Deutsche Sendung: Glühende Landschaft, Hörfolge.— Brünn 10.30: Orchesterkonzert, 18: Deutsche Sendung: Di« Trutzige, Bauernkomödie.— Mährisch-Ostrau 9.15: Orchesterkonzert.— Preßburg 22.45: Unter« haltung-musL— Kascha» 20.15: Orchesterkonzert« Rr. 15b Freitag, 5. Fall IMS Sette 5~ Eine internationale »Falkenrepublik" bei Paris, August 1935 In diesem Jghre errichten die Roten Falken km Monat Augüskihre internationale Republik in der Nähe von Berneuil l'Etang, unwett von Paris, die 1000 Kinder aus zehn v er- schiedenen Nationen umfassen wird. In einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Unruhen wie der unsrigen ist es für die Arbeiterorganisationen, eine besondere Freude zu sehen, daß ein organisierter Teil der Jugend sich voll Vertrauen der Erziehung zur Freiheit und zur internationalen Solidarität widmet. Aus diesem Grunde haben die großen Arbeiterorganisationen und Vertreter der Länder, deren Rote Falken an der internationalen Falkenrepublik beteiligt sind, das Patronat für diese Republik übernommen. Wir, die Unterzeichneten» richten daher als Vertreter unserer Organisationen den Appell an die Arbeiter und ihre Organisationen», den Arbeiterkinderfreunden all das Wohlwollen und die Hilfe zu geben, die sie nötig haben, um ihr Unternehmen gut durchzuführen. Wir sind der Ueber- zeugung, daß die Hilfe, die unsere Organisationen den. Roten Falken geben, eine Arbeit ist für den Sieg der Gerechtigkeit ud des Friedens durch die Macht der arbeitenden Massen. Emile Bandervelde (Sozialistische Arbeiterinternationale). SchevenelS, Mertens (Internationaler Gewerkschaftsbund), Koos Vorrink.. (Sozialistische Jugendinternationale)'« Leon Blüm .(Sozialistische Partei Frankreichs SFJO). Belin (Französischer Gewerkschaftsbund). Reinhard (Sozialdemokratische Partei Schweiz), Dr. Ludwig Cz ech (Deutsche sozialdem. Partei der Tschechoslowakei). Federation der Sozialistischen Gemeinde» -'• Frankreichs. Französisches Lehrersyndikat., Dramatischer Selbstmord im Krematorium. Donnerstag um 1 Uhr mittags fand im Prag- Weinberger Krematorium die Einäscherung, des Zimmermalers Kkepelka statt. Im Augenblick, in dem der Sara hinter den Vorhängen verschwand, zog seine 49jährige Witwe Angela eine Pistole und jagte sich eine Kugel in die Brust. Sie war auf der Stelle tot. ReurS Abkommen mit Deutschland iiber das Zollkoutinzeut, für. Perlmuttcrknöpfe.,. Das ursprüngliche Abkommen über das Zollkontingent für Perlmutterknöpfe wurde seitens der deutschen Regierung zum 1. Juli d. I. gekündigt. Am 26. Juni d. I. wurde auf Grund eines Notenaustausches dasselbe Zollkontingent, und zwar auf 63 Zentner Perl- mutterknöpfe pro Vierteljahr mit einem Zoll von 700 RM für 100 Kilogramm vereinbart. Sendungen von Perlmutterknöpfen nach Deutschland werden von dem deutschen Zollamte in Bodenbach abgefertigt. Der Absender von Perlmutterknöpfen muß sich jedoch die Kontingentbescheinigung bdschaffen, welche-auf Grund der Bestimmungen des Handelsministeriums vom Jnduftrieverbande der Kleinmetall-, Zellulose- und Drechflererzeugung ausgegeben wird. DaS neue Mckommen über die Zollkontingente für Perlmutterknöpfe gllt zwar vom 1. Juli d. I, aber praktisch wird sich di« Abfertigung in Bodenbach noch um einige Tage verzögern, da eS noch vorläufig der Erledigung einiger administrativer Maßnahmen bedarf. Die neue Verordnung über Betriebseinstellnngen Bon Dr. Ego» Schwelt In der Gesetzessammlung vom 28. Juni ist die Regierungsverordnung vom 25. Juni 1935 Slg. Rr. 134 über Verfügungen gegen die Einstel- l u n g d e s Betriebs von Fabrikbetrieben, gegen Massenentlassungen von Angestellten und über die Regelung der Kündigungsfristen bei den ArbeitS-(Dienst-)Verhältnissen der Angestellten dieser Betriebe erschienen. Diese Verordnung tritt an die Stell« der ersten, im Vorjahre unter Nr. ,78/1034 getroffenen Maßnahme dieser Art, deren Wirksamkeit mit 30. Juni 1035 terminiert war. Die alte Verordnung hat sich, wie bekannt, in vielen Fällen sehr segensreich auSgewirft und demgemäß bewährt. ES wurde daher nicht für notwendig gehalten, wesentliche Aenderungen an ihr vorzunehmen. Die neue Verordnung enthält also mit ganz geringen Abweichungen, von denen noch die Red« sein wird, die gleichen Bestimmungen wie die vorjährige. Six trat am 80. Juni 1035 in Kraft und gilt b,iS Ende drSnächstenJahres(31. Dezember 1986). Ein Unterschied gegenüber der Verordnung Rr. 78/1984 besteht darin, daß in der Verordnung Rr. 184 von der Betriebseinstellung oder Massenentlassung in einem Fabrikbetrieb die Rede ist, während die Verordnung Rr. 78/1984 von Fabrik- Unternehmungen gesprochen hatte. AIS Betri e b im Sinne der neuen Verordnung ist nach 8 1, Abs. 2, jede wirtschaftliche Einheit anzusehen, die sich durch Verwaltung oder Verrechnung von der Verwaltung und Verrechnung anderer wirtschaftlicher Ein- Zst es richtig, daß... Ist«S richtig, daß im Schwarzen Meer Tau- sende von Kisten mit Orangen versenkt werden! Ist es richtig, daß man arme Fischer, die herumtreibende Apfelsinen fischen wollten, polizeilich daran hinderte? Ist es richtig, daß in Amerika jede dritte" Baumwollstaude vernichtet wird? Ist eS richtig, daß Milch infolge willkürlicher Maßnahmen des Milchkartells in Oesterreich auf den Landstraßen vergossen wurde? Ist eS richtig, daß in Brasilien riesige Kaffeevorräte ins Meer versenkt werden, damit die Kaffeepreise infolge Ueberproduftiön nicht fallen? Ist es richtig, daß im Ruhrgebiet die Kohlest sich anhäufen und anderswo der Arbeitslose sich aus Schmutz und Schutt noch brennbares Material, heraussuchen muß? Ist eS richtig, daß beim jetzt stattgefundene« Katholikentag die Kirche ihre Macht mit allem Pomp entfaltet, aus dem zu ersehen ist, daß. die Kirche unerhört reich sein muß? Ist eS richtig, daß man zu Lieser»Schau" zu Hunderüausenden Fahrgelder, Ermäßigung«« usw. für das Volk in allen Teilen der Tschechoslowakei gibt«,-während in wirklichen Notstands- jj gebieten Familien wochenlang von-Suppen out:i Kartoffelschalen leben müssen?' Ist es richtig, ist es richtig, stundenlang- könnte man dies« Fragen fortsetzen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.- Der Brillantenschmuck, die Ringe, Nadeln usw., den die kirchlichen Vertreter während der letzten Tage trugen, repräsentiert ein unerhörtes Vermögen. Nie aber würde es den Herren selbst einfallen, für das arme Volk wirklich etwas zu tun, zu spenden. Da bleibt eS nur bei frommen Segen, frommen Gebeten. Andererseits aber sind die wenigen Heller, die sich manch armes Dienstmädel, manch armer Kerl- vom Munde abspart und spmdet, der Kirche höchst angenehm. Das summiert sich auf der Welt, ja allen Ländern, Stätten, Dörfern! Dazu kommen die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern der diversen Schauobjekte in den Kirchen». W o bleibt all dieses Geld? Wo? Das Volk ist ja so gläubig, und glaubt, glaubt alles... Die Struktur unserer Landwirtschaft< In der Tschechoslowakischen Republik entfallen von der Gesamtbevölkerungszahl von 14,729.536 Personen mehr als 5,101.000 Berufszugehörige zur Landwirtschaft. Davon sind 1,672.864 berufstätige Personen, etwas über eine Million mitarbeitende Familienangehörige und 2,400.000 Familienmitglieder vhne eigenen Beruf. Diese landwirtschaftliche Bevölkerung, die also 34.6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, verfügt nach den Ergebnissen der letzten landwirtschaftlichen Betriebszählung von 1930 im ganzen Staatsgebiet über 1,648.604 Betriebe. Auf die einzelnen landwirtschaftlichen Produktionsgebieten und den Größenklassen nach verteilen sich diese Betriebe wie folgt: V,> Zahl der Produktionsgebiet Betriebe fn Proz Rübenbaugebiet 416.029 Getreidebaugebiet, 634.430 Getreide-Kartoffelbaugebiet,, 249.188 Futterbaugebiet 348.937 bis 1ha Ibis 10 ha 10 bis 80 ha 30 bis 100 ha mehr als 100 ha nten 33.4 57.4 7.8 1.1 0.S 29.9 56.1 11.9 1.5 0.6 20.2 62.8 14.2 2.2 0.6 24.6 60.3 12.9 1.6 0.6 Aus- der Tabelle ist zu ersehen, daß der Zwergbetrieb am stärksten im Rübenbaugebiet ver« treten ist. Hier haben mehr als ein Drittel aller Betriebe weniger als ein Hettar Bodenbesitz. Selbstverständlich sind diese Zwergbetriebe nicht selbstgenügsam. Ihre Besitzer sind durchweg noch auf andere Einnahmsquellen angewiesen und haben sie, betwr unsere Industrie durch die Wirtschaftskrise vernichtet wurde, zum erheblichen Teil in der Beschäftigung in der Industrie gefunden.' Das Ueberwiegen des kleinbäuerlichen Besitzes(von ein bis zehn Hektar) ist tmrch die Bodenreform gefördert worden: So sind von 1,283.286 Hektar beschlagnahmter landwirtschaftlicher Fläche 622.154 Hettar in den Kleinbesitz übergegangen, und zwar an insgesamt 624.084 Bewerber, so daß jeder etwa einen Hektar Bodens zugeteilt erhalten hat. Der kleinbäuerliche Betrieb ist prozentuell am höchsten im Grtreide- Kartoffelbaugebiet, wo er 62.8 Prozent bettägt, sodann im Futterbaugebiet. Diese Struktur unserer Landwirtschaft kommt auch kn den Ziffern zum Ausdruck, die die Maschinisierung und den Stand der technischen Einrichtung belegen. Auf je 1-00- Hektar Ackerland (also nicht landwirtschaftlicher Boden überhaupt!) entfallen in Böhmen 5.3 Sämaschinen, 1.8 Mähmaschinen, 7.0 Göpeldreschmaschinen, 2.4 Motordreschmaschinen, 7 Kartoffelerntemaschinen. Dabei ist Böhmen und nach ihm Mähren-Schlesien mit Maschinen am besten ausgestattet, so daß es demnach um die technische Ausrüstung der Lamd- wirtschaft in der Slowakei und in Karpathorutz- lan-d noch viel ungünsttger steht. Eine Agrarpolitik, die wirklich die Interessen der überwältigenden Mehrheit der zur Landwirtschaft gehörigen Bevölkerung wahrnehmen will, muß bei der landwirtschaftlichen Struktur der Tschechoslowakischen Republik auf den Schutz des Zwerg- und Kleinbauern bedacht sein. Sie darf darum auch nicht auf eine Drosselung der Jndustri« abzielen, in der' hunderttausende Zwergbauern das zur Sicherung ihrer Existenz notwendige Nebeneinkommen gefunden haben. Romain Rolland will Sowjetrusse werde«. Der weltbekannte französische Schriftsteller Romain Rolland hat bei seinem jetzigen- Aufenthalt in Rußland erklärt, daß er das sowjetrussische Bürgerrecht erwerben wolle. (Europa-Archiv, M.) Gefahre« beim Bade« Fast Sonntag für Sonntag fordert das Wasser seine Opfer; di« deutsche Lebensrettungs- gesellschast sieht es als ihre Pflicht an, auch an dieser Stelle besonders darauf hinzüweisen, daß die meisten aller ErttinkungSfälle auf mangelhafte Schwimmfertigkeit, sowie auf die gänzliche Außerachtlassung der wichtigsten Vorsichtsmaßregeln beim Baden im freiem Flusse verursacht werden. Biele Badeunfälle werden vermieden, wenn folgendes beachtet würde: Allgemeines: über Luft, Sonne»-»nd.. ,»j,. Schwimmbäder:.A- 1. Bei mildem und windstillem Wetter beginnen.(Anfangsdauer 10 Minuten.) 2. Dauer des Sonnenbades allmählich steigern. 3. Bei hochstehender Sonn«— im Sommer von 9 bis 16 Uhr— Kopf und Nacken schützen. 4. Nicht nur in der Sonne liegen, sondern sich bewegen, jedoch nach 5-—10 Minuten Lage und Stellung zur Sonne wechseln — sonst Sonnenbrand. 5. Leidende, besonders Nervöse, dürfen Sonnenbäder nur auf ärztliche Anordnung neh men. Für Herzkranke sind Sonnenbäder direkt schädlich!. 6. Nicht unmittelbar nach der Mahlzett sonnenbaden—-eine Stunde später! 7. Sonnenbad nie in nasser Kleidung nehmen. 8. Richt sonnenheiß ins kalte Wasser gehen, oder Brausen, sondern im Schatten erst abkühlen. Schwimmbad: 1. Bei mildem Wetter beginnen.'(Dauer 10 Minuten.) 2. Nicht sofort nach der Mahlzeit baden— eine Stunde später— nicht abgehetzt ins Wasser gehen. ,8., Nach Bade sofort gründlich trockenreibep, .nasse Bildekleidung oblegen- oder gegen 'trockene wechseln. I. Ohrenleidende müssen die Ohren durch eing«fettete Watte abdichten. 5. Tritt Frösteln oder Unbehagen ein, das Bad sofort abbrechen! Lvrmoidung von Ertriirkungsfällon bettn Flußbaden: 1. Nichtschwimmer und umgeübte Schwimmer sollen das Baden im freien Fuß überhaupt unterlassen! Sie tun besser, in dm beaufsichtigten Flußbadeanstalten zu baden. 2. Meide Badeplätze, die Du nicht kennst! 8. Mute Dir nicht Leistungen zu, die Deine Kraft übersteigen! 4. Rufe nie im Scherz um Hilfe! Es kann dann leicht vorkommm, daß Dir dieselbe im Ernstfälle versagt bleibt! heiten des gleichen Unternehmens unterscheidet. Diese terminologische Amderung ist für die Berechnungsgrundlage dessen von Bedeutung, war als Massenent« laffung anzusehen ist. Früher war das gesamte Fabrikunternehmen maßgebend, jetzt mtscheidet,-wenn mehrere in diesem Sinn« selbständige Betriebe zu einem Unternehmen gehören, der einzelne Bettieb. Als an die Beschränkungen dir Verordnung gebunden« Massenentlassung ist eS also jetzt anzusthen, wenn binnen vier Wochen in Fabrikbetrieben bis zu 700 Angestellten 15 Prozent, mindestmS aber zehn Angestellte, in Bettieben mit mehr als 700 Angestellten mindestens 10 Prozent entlassen(gekündigt) werden. Der Begriff.Angestellte" umfaßt hier Arbeiter im engeren Sinne und Privatangestellte in gleicher Weise. Die Aenderung bedeutet teilweise eine Er- weiterung, teilweise eine Einengung der Freiheit deS Unternehmers mehrerer Bettiebe. Eine Erweiterung insoferne, als z. B. die Grenzzahl von zehn entlassenen Arbeitern in jedem einzelnen selbständigen Betrieb separat berechnet wird, so daß der Unternehmer unter Umständen Hooftmal neun Arbeiter entlassen kann, als«r selbständige Betriebe hat, ohne mit der Verordnung in Widerspruch zu geraten. Eine Einengung der Freiheit de» Unternehmer» bringt die neu« Stilisierung insofern mit sich, als die Entlassung von 15 Prozent, resp. 10 Prozent der Arbetter eine» selbständigen Betriebe- an die Erfüllung der Voraussetzungen der Verordnung gebunden wird, auch wenn dieser Prozentsatz im Verhältnisse zur Gesamtzahl der Belegschaft de» ganzen, au» mehreren Bettieben bestehenden Unternehmen» nicht erreicht wird. Eine Ertveittrung der behördlichen Jngerenz bringt 8 S. Abs. 2, der Verordnung Nr. 134/1935 mtt sich. Nach bisherigem Rechte blieben Aenderungen in der Zahl der Belegschaft, die sich auf eine längere Zeit als vier Wochen erstreckten, außerhalb deS Anwendungsgebiete» der Verordnung. Wenn der Unternehmer die Abbaumaßnahmen über eine vier Wochen übersteigende Zeit verteilte, jo war er an die Beschränkungen der Verordnung nicht gebunden, eS lag keine Maffenentlassung im Sinne der Verordnung vor. Jetzt kann das Ministerium, in dessen Kompetenz der Fabrikbetrieb gehört, im Einvernehmen mit dem Ministerium für soziale Fürsorge der BezirkSbehörde anordnen, in Fabrikbettieben, in welchen im Verlaufe eine» Kalenderjahres die Zahl der Angestelltenschaft um 40 Prozent gesunken ist, zu prüfen, ob eine derartige weitere Angestelltenentlassung, welche innerhalb vier Wochen 6 Prozent der Angestelltenschaft erfaßt, begründet ist. Eine solch« von den Behörden nicht als begründet anerkanntt Entlassung von 40 Prozent der Belegschaft im Kalenderjahr und 6 Prozent in vier Wochen wird der Maffenentlassung in ihren Wirkungen gleichgestellt. Aus 8 5, Abs. 8, der Verordnung Nr. 134/85 muß ttotz der nicht ganz klaren Dtttion geschloffen werden, daß auch in einem solchen Falle die Behörde entscheiden kann, daß der Dienstgeber diese Entlassungen nicht durchfiihren darf(8 2, Abs. 1). Davon abgesehen hat der Unternehmer den Dienstnehmern, deren DttnstverhältniS durch eine derartige, nicht als begründet anerkannte Maßnahme beendet worden ist, alk vollen Lohn durch 14 Tag« zu be- zahlen(8 5, Abs. 8). Die besonderen, verlängerten Kündigungsfrist en im Fall« der BettiebSeinstelluug sind in der neu«» Verordnung(8 7) in der gleichen Weise geregelt, wie in der Verordnung aus dem Vorjahr(8 8). Auch nach der neuen Verordnung wird einerseits die Kündigungsfrist verlängert, andererseits der Beginn der Lauf» der Frist aufgeschoben. Der Lauf der Kündigungsfrist beginnt erst mit dem Tage der Entscheidung über die Zuläffigkeit der Be- triebSeinstellung, bzw. wenn eine ausdrückliche Ent scheidung nicht erging,'drei Wochen nach EinlängÜn der Anzeige des Unternehmers über die beabsichtigte BettiebSeinstelluug. Die Kündigungsfrist beträgt- bei Arbeitern, di« bis zu fünf Jahren im Unternehmen beschäftigt waren, zwei Wochen und steigt für jede weiteren fünf Jahre Dienstzeit um je ein«' Woche, höchsten» jedoch auf sechs Wochen. Für Privatangestellte(Angestellte in höheren Diensten) betragt» die Kündigungsfristen je nach der Dienstzeit zwii, drei und fünf Monate, bedeuten also gegenüber den Bestimmungen des PrivatangesttlltengesetzeS keine wesentliche Verbesserung der Rechtslage. Die längeren Kündigungsfristen des Privatangestellten-' gesetze» sind jedoch ebenso wie alle übrigen gesetzliche« BestimmuWen, die längere Kündigungrfristen festsehen, durch 8 7, Abs. 8, der Verordnung 184/85 auch für den Fall der Bettiebseinstellung ausdrücklich aufrechterhalten., Die Errichtung neuer Fabriken und di« Wieder-' inbetriebsetzung von solchen, die bereit: eingestellt waren, soll durch 8 8, Abs. 2, der neuen Verordnung dadurch erleichtert werden, daß solche Betriebe unttr Umständen von den Vorschriften.der Verordnung ausgenommen werden.„Wenn es sich um eine neu ent-,. stehende Erzeugung handelt oder um eine Erzeugung, die nach mindestens fünfzehn Monate langer Ein« stellung wieder neu ausgenommen werden soll, kam« über Gesuch de» Dienstgeber» da- Ministerium, in dessen Wirkungskreis der Fabnkbetrieb gehört, im Einvernehmen mit dem Ministerium für soziale Für-,. sorge aussprechen, daß sich die Bestimmungen dieser Verordnung auf«inen derartigen Betrieb nicht beziehen." In dieser Bestimmung kann eine Schädigung der Jrtteressen der Arbeiterschaft nicht erblickt werden, weil sie ja nur Betriebe betrifft, die im Zeitpunkt de» Wirksamkeitsbeginns der Verordnung entweder noch nicht existiert haben oder mindesten» fünf, viertel-. fahre gestanden find. Seite 6 „Sozialdemokrat" «tÄa®, 5. Juli 1935. Nr. 155 Das Schaf im Kuhstall Eine moderne Tierfabcl aus der RcichenVerger Umgebung Die Reichenberger Stadtvertretung hat das Gesuch Heinrich Manns um Einbürgerung so lange ad acta gelegt, bis ein Vertrauensmann Information bei der DeutschenRegierung einholt, aus welchen Gründen Mann ausgebürgert wurde! Es war einmal ein kleines ausgehungertes Rudel von Wölfen. Eines Nachts brachen sie in einen Schafstall ein. Die Mehrzahl der Insassen wurde von den hungrigen Bestien zerrissen, andere erdrückten einander in ihrer Todesangst, und nur wenigen gelang es, den blutgierigen Wölfen zu entspringen. Eins von den glücklich dem Blutbad Entronnenen erreichte oi|f seiner Flucht einen Kuhstall. Mit klopfendem Herzen, und doch glücklich, den Wölfen entkommen zu sein, wandte es sich an die anwesenden Kühe mit der Bitte, ihm den Aufenthalt in dery warmen, duftenden Kuhstall zu gestatten. Es beanspruchte keinerlei Futter, das könne es sich draußen auf der Wiese selbst beschaffen. Es bitte nur um einen Winkel in dem geräumigen Stall,, wo es sich des Nachts zur Ruhe hinlegen könnte. Die Kühe waren gewohnt, alle wichtigen Entscheidungen dem Ochsen zu überlassen. Die ihm mangelnde Männlichkeit ward durch seinen mächtigen Fett- und Flesschanscktz reichlich ausgewogen, und gab ihm überdies die nötige Würde. Der Ochse erhob sich behäbig von seiner Streu, peitschte mit seiner Schwcifquaste einigemal gedankenvoll die saftleeren aber fleischigen Lenden, und sprach, halb zu den Kühen und halb zu dem Gast gewandt:„Ich nehme an, dass du ein deutsches Schaf bist, wie ja auch ich ein deutscher Ochse bin. Ich will dir gerne entgegenkommen, denn wir Deutschen bilden ja eine Volksgemeinschaft und gedenken stets unserer kulturellen Verbundenheit. Das können wir nie genug Wiederkäuen. Aber, wenn ich auch nur ein 'Ochse bin, so hab' ich doch vom Gymnasium hev behalten, dass man beide Teile hören muss: Audiatur ad altera pars! Du kannst uns ja msi deiner Erzählung die schönsten Greuelmärchen erzählen? Ich denke, teuere Milchschwestern, wir holen uns erst schriftlich eine Information von den Herren Wölfen ein, aus welchen Gründen du zur Flucht gezwungen wurdest, und du dich quasi selbst aus dem deutschen Schafstall ausgebürgert hast? Dann erst wollen wir dein Gesuch in Erwägung ziehen!" Die Kühe muhten zustimmend, bloß ein ziemlich ausgewachsenes Stierkalb meinte:„Der Vorschlag ist unmännlich, undeutsch. Der mag für einen Ochsen passend sein, aber nicht für uns Männer. Und, schliesslich: wer von euch kann einen leidlich guten deutschen Brief schreiben? Wir wollen persönlich von den Wölfen die Wahrheit erfahren, durch eine Deputation, mit dem Ochsen als Wortführer!" Die Kühe, denen das Wort eines Stierkalbes werter war, als das von zehn Mastochsen, muhten doppelt freudig; der Ochse fügte sich willig der Mehrheit, und vor dem Hinaustraben sagte er wohlwollend zum Schaf:„Du kannst hier so lang warten, bis wir zurück sind. Dort im Winkel liegt ein Haufen weicher ad acta, da kannst du dich drauflegen, und dich ein wenig ausruhen." Rundreise mit der Bürokratie. Ein Leser schreibt uns: Die Bahnverwaltung hat vor Jahresfrist Rundreisefährkarten eingeführt, die sich grosser Beliebtheit erfreuen und viel benutzt werden. Es geht aber scheinbar nicht an, dass eine Einrichtung, die geeignet wäre, im Konkurrenzkämpfe der Essenbahnen mit den Autobusunternehmungen sich zugunsten der Bahn auszuwirken, in richtiger Weise gehandhabt. wird, vielmehr muß auch hier unsere Bürokratie ihre „Tüchtigkeit" erweisen. In den amtlichen Bestimmungen über die Ausgabe heißt es wörtlich: „Die Bestellung muß spätestens drei Tage vor Antritt der Fahrt erfolgen". Abgesehen davon, daß man bei der zur Bestellung der Rundreisekarten bestimmten Kanzlei beim Wilsonbähnhof schlangestehen muß, ehe es einem ermöglicht wird, das Bestellformular auszufüllen, wurde einem Reisenden, der Dienstag, den 2. Juli, einen solchen Fahrschein für Freitag, den 5. Juli, bestellen wollte, die Auskunft zuteil, daß an eine Ausfertigung der Fahrkarten früher als in 10—14 Tagen nicht zu denken sei. Dabei ist zu bedenken, daß in den Reisebüros solche Fahrscheine gleichfalls zu haben si^>, innerhalb einiger Stunden ausgestellt werden, allerdings mit einem Preisaufschlag von 5 Prozent! Bon der Stefanik-Bolkssternwarte Prag-Petrin. Im Juli ist die Sternwarte dem Publikum. außer Montag täglich von 21 bis 22 Uhr zugänglich. Finischer Arbeitersport in voller Tätigkeit Im Laufe der letzten Wochen fanden zwölf Bezirksfeste statt, die mit gutem Erfolg dZrch- geführt wurden. An den Festen nochmen 8000k Sportler und an den Massenfreiübungen 6000 Tur-' ner und Turnerinnen teil. Die Besucherzahl betrug rund 23.000. An den Veranstaltungen in H-el- sinkt und T a in p e r e nähmen auch die die Verbandsschule besuchenden tschechischen Borturnerinnen teil und Genossin Patoäkova hielt beide Male kurze Ansprachen. In Helsinki spielte eine Moskauer Fußballmannschaft gegen eine Tül-Mannschaft und siegte 7:0. Norwegische Arbeiterfußballer trugen in Tampere gegen ein Tul-Team ein Spiel aus und gewannen es mit 4:0. Der erste leichtathletische Wettkanwf S o w i e t« rußland gegen Tul, der in Helsinki stattfand, endete mit dem Siege der Russen mit 50:36 Punkten. Die 200 Meter lief Lulko(SS2R) in 21 Sek. und über 3000 Meter siegte S. Znamensk: in der guten Zeit von 14:33.4 Min. und schufen gleichzeitig neue Sowjet-Bestleistungen. Oer Schweizer Olympia-Kredit Wie bereits berichtet wurde, hatte der Nationalrat den vom Bundesrat befürworteten Kredit von 36.000 Frarsten für die Nazi-Olympiade in Berlin verweigert. Nachdem die Ständekammer den Kre- Sonntag jedesmal von 10 bis 11, nachmittag? von 3 bis 4, abends von 8 bis 10. Eintritt 2 ssi, Kinder und Studierend« 1 XL. Beobachtungsprogramm im Juli: In der ersten Hälfte des Monates wird bei klaren Abenden der Mond, die Venus und der Jupiter beobachtet werden können, in der zweiten Monatshälfte Venus und Jupiter und als Ergänzung des Programms auch einige Doppclgestirne und Sterngruppen. Der Schloßgarten der Prager Burg wird der weiteren Oeffentlichkeit am 5., 6, und 7. Juli jedesmal von 8 bis 18 Uhr- zugänglich sein. Eintritt 1 Kc, Kinder die. Hälfte. Katholikentags-Teilnehmer vermißt. Vermißt wird der 70jährige Franz LZykydal aus Horovan, Bezirk Hodonin, der als Teilnehmer am Katholikentag am 28. Juni seine Ubikation— die Knabenschule in der Fleischmarktgasse— verlassen hat und nicht mehr zurückgekehrt sst. Er ist mittlerer Statur mit graumelierten Haaren und glattrasiertem Gesicht. Er trägt slowakische Tracht.— Vermißt wird die am 6. Mai 1923 in Trensschin geborene, in Unter-Potschernitz wohnhafte Friedrik« Lulova. Sie ist schlank mit hellen Haaren und dunkelblauen Augen. Sie trägt ein hellbraunes Kleid mit rotem Band und gelben Schuhen. Sechzehnjähriger ertrunken. Donnerstag vormittags zog ein Flößer in Hollcschowitz die Leiche des 16jährigen Lehrlings Vaclav Stuhlik aus Neu- Wysotschan aus der Moldau. Stuhlik war am 2. d. beim Baden ertrunken. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. dit bewillmt hatte, mußte der Nationalrat neuerlich dazu Stellung nehmen. Mit 88 gegen 37 Stimmen stimmte nun der Nationalrat für den Kredit, so daß derselbe bewilligt sst. Die Bürgerlichen hatten es mit der Angst zu tun bekommen, nachdem die Nazi-Presse wegen der Verweigerung ihr Mißfallen und Tadel an die Adresse der Schweizer Be- -hörden kundgetan hatte. Aber auch die bürgerliche. Sportpresse der Schweiz ist mit grobem Geschütz angerückt und hat die bürgerlichen Nationalräte daran erinnert, daß im, Herbst Neuwahlen stattfinden. So ist denn die bürgerliche Opposition im Nationalrat auch prompt umgefallen, wie es von ihr nicht anders zu erwarten war. Die Opposition wurde schließlich nur noch' von den sozialistischen Vertretern mit Einschluß von ein paar aufrechren Bürgerlichen gebildet, die jedoch nicht den Sport als solchen mißbilligen wollten, sondern damit gegen Hitler-Deutschland demonstrierten. Neue Satus-Bestleistung im Stemme«. Bei einem Turn- und Sporttag in Bern erzielte Leu- zinger(Zürich) im Reißen links mit 130 Pfund eine neue SätuS-Beftleistung. ESK Pvcßiurg gewann Donnerstag in Prag das Liga-Qualifikationsspiel gegen Bikwria ZiZkov überraschend mit 2:1.. Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 81623. De« ganzen Monat Juli geschloffen. Olly Flmt in dem Lustspiel.Der Schlafwagenkontrollor. Mitteilungen aus dem Publikum. Tn« Sie etwas für Ihren Körper! Letzten Endes ist er Ihr größtes Kapital, denn mit Ihren Händen, Ihrem Kopf schaffen Sie Arbeit und Verdienst.- Sorgen Sie durch regelmäßige Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein dafür, daß Ihr Körper (und damit auch Ihr Geist!) allen Anstrengungen gewachsen ist! Diese kleine Pflege sind Sie Ihrem Körper schuldig: das wird Ihnen auch Ihr Arzt bestätigen. Der Dün Film- Beratnngsstclle. In der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tschechoslowakei freigegeben: Zwei deutsche Fllme: .Endstafion"(Elekta-Film) und»Lärm um Weidemann"(Slavia-Fllm), ein österreichischer Film: »Alles für die Firma"(Beda Heller-Jiün), ein ungarischer Film:»Kleine Mutti"(Universal-Film), ein italienischer Film:»100 Tage"(Julius Schmitt- Film), vier amerikanische Filme:»Charlie Chans Heldenmut"(Fox-Film).»Eskimo" und„Biva Billa"(MGM-Film).»Der Tod auf Urlaub" (Paramount-Film) sowie mehrere Kurzfilme verschiedener Herkunft. Verlanget überall Volkszünder jährigen Krieg richteten seine Nachkommen das zerstörte Anwesen wieder her, nanntest sich aber nur mehr noch Walt. ' Die Famlliennamen Czech und Böhm geben manches Rässelraten auf, wenn man z. B. folgende Eintragungen liest: Schönau 1616 Gallus Czech oder Böhm. Beide Familiennamen kommen durch zehn Generafionen hindurch im Teplitzer Bezirk gleichzeitig vor. Auch die beiden Namen Meißner und Meixner sind dasselbe, da der erste Namensträger von Meißen stammte. Obwohl die Juden ihre Familiennamen erst vor 150 bis 200 Jahren bekamen, finden wir z. B. als Ausnahme im Jahre 1539 in Teplitz den reichen Juden Marx. Auch die Tragner saßen schon vor 400 Jahren in Wistritz, desgleichen die Aschenbrenner(damals Aschenbrürr genannt) in Pihanken, die Sommer in Dreihunken, die John in Jüdendorf, die Weiß in Weiskirchlitz. die Rudolf in Tischau, die Waller in Eichwald, welches beweist, daß die ersten Ansiedler den Wald rodeten und mit Verwalter nichts zu tun hatten. Auch die Sigmund gehörten zu den ersten Bewohnern unserer Umgebung. Leider hat sich der Ortsname Zuckmantel' so verändert, daß erst nach langem. Studium und bei Vergleich der alten Schreibarten tassächlich ein Sigmund als Gründer von Zuckmantel anzusprechen ist. Als Beweis der Veränderung des Namens Sigmund dient der heufige Famlliennamen Sigmantel. Leicht verständlich ist z. B. Pihanken als Siedlung beim Hanke(früher Hänke), Dreihunken als Siedlung der drei Brüder Honig. Es gab vor 300 Jahren interessante Familieu- namen, di« heutzutage beinahe als ausgestorben gelten, wie Spanus, Judenfeind, Fensterrigel, Ja- mer, Laux, Truste, Hirnlos, Herklotz, Bruchlos, Bamfester, Pfendensack, Hosendarsch, Kwatsch, Wek- kebrod, Weihrauch usw. Sell 300 Jahren haben nun unsere Famlliennamen feste Formen angenommen und ein jeder muß vorlieb nehmen mit seinem Namen, ob er ihm nun gefästt oder nicht, er trägt ihn stets bei sich als sein zweites Ich«. R. Zettl(Zuckmantel)',' Ich bringe hier einige Beispiele aus dem Teplitzer Bezirk: In Eichwald wohnte im Jahre 1595 ein Bartholomäus mit seinem Weibe Katharina. Sein Broterwerb war das Müllerhandwerk. Vielleicht um sich finanziell besser zu stehen, hatte er den Nebenberuf als Henker. Er halle infolgedessen schon zwei Beinamen. Er wird tassächlich einmal als Barthol. mistcr, Hänke und ein anderesmal als Barthol. Hänke, molitor(Müller) verzeichnet gefunden. Den Famlliennamen Müller haben jedoch feine Nachkommen nicht mehr verwendet, aber der Name Hänke veränderte sich mit der Zeit teils in Henke und in Hanke. Ein zweites Beispiel: Im Jahre 1607 kam nach Zuckmantel ein Melchior mit seinem Weib Christina, und kaufte das Anwesen des Christoph Fischer um 118 Schock Meißner Groschen, gelegen am Ende des Dorfes. Er hatte fünf Kinder und bei den ersten Eintragungen wird er als Melchior am Ende von Zigmantl geführt, bei den späteren nur noch als Melchior amende und zuletzt als Melchior Mende. Man ließ also das a einfach weg und der uns anfangs so unerklärliche Famlliennamen Mende halle das Licht der Welt erblickt.. Ein drittes Beispiel: Um daS Jahr 1390 wanderte von Thüringen nach Eger«in Mann«in, namens Thomas. Von kleiner Statur, ward er in den Egerer Stadtbüchern als Thömaslein eingeschrieben. Dem späteren Stadsschreiber mochte daS Wort zu lang gewesen sein und er machte aus dem Thömaslein eG Thömel, welches sich später in Demel veränderte. Ein viertes Beispiel: In Tischau lebte um 1600 ein Seyfried(aus dem Taufnamen Sigfried entstanden), veränderte sich in einigen Jahren in Sey« fert und zuletzt in Seifert.(Anfangs würde man glauben, der Mann habe mit Seife gehandelt.) ' Um 1590 lebte in Tischau«in Peter Wunderwalt, woraus hervorgeht, daß wahrscheinlich sein Großvater unterhalb des WaldeS wohnt«. Er übersiedelte im Jahre 1599 nach Zuckmantel und fluch« | tete im Jähre 1623, als feindliche Retter ihn mit i dem Tode bedrohten, nach Teplitz. Nach dem 80« Die Deputation wurde von dem Führer der Wölfe auf's zuvorkommendste empfangen, was um so bemerkenswerter war, als doch Wölfe im all gemeinen etwas unzugänglich sind, die aufge- freffenen Schafe in den diversen Wolfsmägen schon längst gleichgeschaltet waren, und die Deputierten, namentlich der Wortführer, aufreizend appetit erregend aussähen, so daß man sehen konnte, wie" den Wölfen das Wasser im Munde zusammenlief. „Ihr wollt also erfahren", meinte der Leit wolf,„warum wir gegen die Schafe so streng bor gegangen find? Weil es eint Mischrasse ist? Die einen stammen aus Merino, andere aus Austra lien, wo die Wilden nackt Herumlaufen. Der Schafsbock rühmte sich sogar, aus der Schafsherde des Juden Laban herzurühren, deren Mütter der rasseschänderische Jude durch geschälte Stäbe, die er ihrer Geilhett aüfpflanzte, bewog, Farbige zu zeugen! Einige dieser Schafe haben sogar Bücher geschrieben! Brauchen wir Bücher? Wir brauchen Blut! Wollt ihr eure Kälber rassisch vergiften lassen? Genügt es euch nicht, wenn euere Stiere sich als Männer betätigen? Ihr habt den Boden, auf dem ihr grasen könnt, uns ziemt das Blut! Blut und'Boden halten unsere Rasse rein! Und so waren wir gezwungen, diese räudigen Schafe umzulegen—" „Umzulegen?"— frug der Ochse, indem er den Führer verständnislos anglotzte. „Unschädlich zu machen—" „Wie macht man das?" frug da der Ochse in seiner Ahnungslosigkeit wieder. „Wie man das macht?" heulte der Führer höhnisch,„das können wir dir gleich zeigen! Ein kurzes Aufheulen des Rudels, und schon saßen die Wölfe den Deputierten am Nacken, rissen ihnen die Halsschlagader auf, und schlürften den hervor quellenden Blutstvom gierig auf, bis die Armen in die Knie sackten und, verendend, sich langsam auf die Seite legten. Der Ochse aber, noch im Todeskampf den Boden mit der Schweifquaste«schlagend, röchelte: „Das— ist— mir— für meinen Ochsen- vxrstand— zu hoch!",'■ s Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich ssö 16.—. vierteljährig K4 48.—, halbjährig Kt 06.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags- und ZeitungS«A.»G„ Prag. Die Herkunft der Familiennamen Mancher von uns wird einmal nachdenklich werden und sich wundern, warum er«inen oft ganz eigentümlichen und unerklärlichen Famlliennamen sein eigen nennen muß. Meistens wird er es aufgeben, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber die moderne NämenSforschung hat doch manches Selssame aufgehellt,"mancher sonderbare Name konnte gedeutet werden. Ich will versuchen,' das Dunkel um die Entstehung unserer Familiennamen«in wenig zu lichten und das Rätsel zu offenbaren. Fm 13. Jahrhundert gab es in Böhmen schon Ansiedlungen, die ziemlich viele Einwohner hallen. Außer Prag z. B. Eger, Elbogen, Kaaden, Teplitz, Aussig usw. Alle Bürger, Bauern, Handwerker und Taglöhner hatten damals nur Taufnamen wie Nie» los, Cunrat, Matel, Steffen, Jokoff, Endres, Han» nutz, Bartt, Jorg, Aßmutz, Thomas, Merten usw. Die Einwohner der Ortschaft kannten sich untereinander sehr gut und man kam mit nur einem Namen vollkommen aus. Doch die Bevölkerung wuchs und es kamen Fremde, die sich seßhaft machten. Bei den amtlichen Eintragungen kam man nun in Verlegenheit mit den zahlreichen Taufnamen, da ihre Auswahl sowieso nicht groß war und Verwechflungen statssanden. Man griff also zum schnellsten Mittel, man belegte die Familien mit Beinamen. Der Jorg wurde eingetragen Jorg Smid, well er von seinem Broterwerb als Huf- und Wagenschmied lebte. Der Aßmuß war zugewandert'von Zettlitz: also hieß er künftig Aßmus Zettlitzer, Melcher, ein langer dürrer Landsknecht, ward eingeschrieben als Melchior Lang ustv. Doch im Laufe der Jahrhunderte und durch den oftmaligen Wechsel der verschiedenen Amts- schreibe!, änderten sich nun viele Familiennamen so, daß ihre ursprüngliche Form nicht wiederzuerken- nen ist." Außerdem war die Entstehung einzelner Famlliennamen auch noch kurz vor dem 80jährigen Krieg an, Zufälligkeiten geknüpft.