1137 3 3 Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTE! IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077, HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 1 97 I e IT e 15. Jahrgang = it. r. t= t= r 1 www 1C [= II. 1= с 1= t3 er ie 211 be " 1h: die " 5. er ne ht in it, ent g= el e= h= C= En, nt on e= mt 211, les r= en b, in, in ent hle Ein ner Ene Ca ze. au ge= Mittwoch, 10. Juli 1935. 1936: drei neue Sender Der Angriff Italiens Wie das dem Postminister nahestehende ,, 3et" meldet, arbeitet dieser systematisch an der Erweiterung und Verbesserung des Rundfunkdienstes. Der Bau neuer Sender sei freilich sehr langwierig, da auch die größten ausländischen Firmen das nötige Material nicht lagernd haben und die Kosten in die vielen Millionen gehen: Trotzdem soll bis Ende dieses Jahres der neue Sender in Baňská Bystrice fertiggestellt und alle Rekonstruktionen in Kaschau und Liblice durchgeführt werden. Für das nächste Jahr bereitet das Ministe rium ein besonderes Investitionsprogramm vor, das den Bau von Sendern in Karlsbad und Budweis und in einer noch zu bestimmenden Stadt in Nordostböhmen( nach dem Práve Lidu" eventuell auf dem Jeschken bei Reichen berg) vorsieht. Es sei selbstverständlich, daß alle diese Sender tschechoslowatisch sein werden und über ihr Programm eine staatliche Zentrale entscheiden wird. Auch der Karlsbader Sender werde nicht rein deutsch sein, doch rechne man natürlich mit deutschen Relationen über inländische Politit, Literatur, Musit, Kunst etc. Englands Flottenpläne London. Belanntlich hat die englische Regierung das Flottenabkommen mit Deutschland als den Grundstein einer späteren allgemeinen Flot tenabrüstung hinzustellen versucht. Wie unwahr diese Behauptung ist, geht aus einer Meldung des ..Daily Telegraph" über die fünftige britische Flottenpolitik herbor: Nach Ablauf des Washingtoner Vertrages, b. i. nach Ablauf des Jahres 1936, foll die britische Kreuzerflotte von 50 auf 60 Fahrzeuge jeden Augenblick zu erwarten? Klägliche Rolle des Völkerbundes Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 158 Polens Arbeiter im Kampf Warschau, Anfang Juli. Ha a g. Die italienisch- abessinische Kommission beschloß am Dienstag, ihre Arbeiten auf unbestimmte Zeit zu vertage n. Die Kommissions. Anwendung bringen. Fast täglich gibt es in diemitglieder werden sofort abreisen. In den Erklärungen sowohl der italieniDie Italiener erklären, daß die Haager schen als auch der abessinischen Vertreter wird Schiedskommission nicht das Recht habe, die darauf verwiesen, daß der Gegensatz in der Grenzfrage mit Rücksicht auf das italienisch Schiedskommission des italienisch abessinischen abessinische Abkommen vom 15. Mai zu behanKonfliktes deshalb entstanden ist, weil die italie- deln, während die Abessinier ihrerseits erklären, nischen Vertreter von einer Behandlung der Grenzfrage als solcher nichts wissen woll- daß sie von einem solchen Abkommen nichts wisten, sondern wünschten, daß die Debatte auf die fen. Die Italiener erklären, sie hätten vorgeeinzelnen bekannten Zwischenfälle beschränkt schlagen, die Tagung der Kommission nach 14 werde. Die Abessinier werden aus diesem Grunde Tagen fortzusetzen, doch hätten die abessinischen an den Völkerbund appellieren. Vertreter dies abgelehnt. Alles deutet darauf hin, daß Jtalien alle weiteren Verhandlungen mit Abessinien für überflüssig hält und entschlossen ist, Genugtuung mit militärischen Mitteln zu erlangen. Die Einstellung der Arbei ten der Haager Schiedskommission scheint der richtige Augenblick hierfür zu sein. Einer Reutermeldung aus Rom zufolge bestehe in gewiffen italienischen Kreisen der Wunsch, die Operationen noch vor dem 25. August zu beginnen, d. h. bevor der italienisch abessinische Konflikt vor den Völker bund kommt, so daß der Völkerbund vor eine vollendete Tatsache gestellt würde. Es sei aber unwahrscheinlich, daß Italien den Feldzug gegen die annähernd eine Million Mann starke abessinische Armee eröffnen werde, ohne mindestens 250.000 Mann Truppen in seinen Kolonien zu haben. Voraussichtlich werde Italien bis Ende August warten, falls es nicht durch eine drohende Stellungnahme des Völkerbundes schon vorher zu einer Aktion gezwungen werde. Die sozialistischen Arbeiter Polens führen gegenivärtig einen harten Stampf um ihre staatsbürgerlichen Rechte, in dem sie auch die schärfste ihrer Waffen, den politischen Streit, zur sen heißen Juliwochen eine demonstrative Ars beitsniederlegung bald in der einen, bald in der anderen Großstadt, bald in einem der südpolni schen Kohlenreviere oder im ostgalizischen Petros" strie im ehemaligen Russisch- Polen. Die Sozialis leumgebiet oder in den Zentren der Textilindutische Partei zeigt den herrschenden Militärkreifen, daß ihre Opposition gegen den geplanten Wahlrechtsraub nicht nur die Angelegenheit von ein paar Dubend Parlamentariern ist, die sich im Sejm und Senat dagegen wehren. Sie bereitet gleichzeitig auf diese Weise die arbeitenden Massen darauf vor, daß sie sich in Zukunft notgedrun gen noch mehr als bisher außerhalb der ge* sezgebenden Körperschaften mit wirtschaftlichen Sampfmitteln für ihre Interessen einsehen müssen. Die Durchführung dieser politischen Demons strations Streits ist feine leichte Aufgabe. Die Jahres viele hundert von kleinen und mittleren Arbeiterschaft hat in Polen während des letzten Lohnkämpfen durchführen müssen. Alle diese kämpfe trugen Abwehrcharakter. Nicht Aufs besserungen der Löhne, die nach den Feststellungen des Internationalen Arbeitsamts mit zu den niedrigsten in Europa gehören, konnte das Ziei sein, sondern nur Verhinderung einer weiteren Verschlechterung. In mehr als der Hälfte der Fälle konnte auch dieser Zweck der Wirtschaftsfämpfe entweder garnicht oder nur unvollkommen erfüllt werden. Wenn die Arbeiter trotzdem für vergrößert, der Ausbau der zur 11- Boot England für Sondertagung sige Mittel, wie unter der gegebenen Situation nieberlegen, jo bebutt be om die teoret abwehr notwendigen Streitkräfte energisch be= trieben und auch die Marine- Luftwaffe be= trächtlich vergrößert werden. Alle Schlachtschiffe und Kreuzer follen je zwei Flugzeuge erhalten. Anfangs August soll eine Neuverteilung der Großkampfschiffe der britischen Helmats- und Mittelmeerflotte vorgenommen werden. Mussolini als Protektor der griechischen Monarchie des Rates? " Der Londoner Berichterstatter des„ Echo de Baris" teilt mit, die britische Regierung erwäge die eventuelle Einberufung einer Sondersession des Völkerbundrates in den Tagen um den 25. Juli herum. In Paris erwartet man mit großem Inter effe die Unterhaatsdebatte und hauptsächlich die Erklärung des britischen Außenministers Sir Samuel Hoare. Die dienstägige Unterredung Baris. Zu der Ankunft des griechischen Mis Hoares mit dem König und der Aufenthalt des nisterpräsidenten und Kriegsministers Kondylis Generalfcretärs des Völkerbundes Avenol in in Rom und zu seinen Unterredungen mit Mus- London geben zu der Folgerung Anlaß, daß in solini und Suvich melden die römischen Bericht London das vorwöchige Fieber bereits nachgelaffen erstatter, daß diese Unterredungen sich hauptsäch habe, während deffen verlangt wurde, daß Ita lich mit dem geplanten Mittelmeerpatt lien vor das Gericht des Völkerbunsowie mit der Frage einer Rückkehr des Königs de s/ gestellt werde und daß gegen Italien Georg auf den griechischen Thron befassen wer- Sanktionen in Anwendung gebracht wer den. Italien verhehle nicht seine Sympa den. Das Jannal des Débats" und eisigs anthien gegenüber einer allfälligen Wiederhers dere Parifer Blätter sprechen sich jest offen stellung der Monarchie in Griechenland. dafür aus, daß Italien über Abessinien eine Art Protektorat zugestan den werde. In diefer Lösung fehen sie das ein= General Mittelhauser bleibt aktiv Trots Ueberschreitung der Altersgrenze Baris. Matin" meldet, daß General Mittelhauser, Mitglied des Obersten Rates für Landesverteidigung und Inspektor der Wehrmacht 50.000 Aussteuerungen in Oesterreich der Krieg verhindert werden könnte. so das schon eine heroische Anstrengung. Sie muß noch umso höher gewür Die französischen Blätter haben wahrscheindigt werden, als die Kampfbedingungen durch lich recht. Die Errichtung des Protektorats dürfte verschiedene Umstände noch besonders erschivert dant Frankreichs Haltung das einzige Mitfind. Vor allem durch die tiefe 3 ersplitte tel sein, den Krieg zu vermeiden, denn eben wegen des Protektorates will Italien den Krieg füh den sozialistisch orientierten freien Gewerkschafführung der gewerbschaftlichen Richtungen. Neben ren. Die Franzosen vergessen nur, daß dieses ten gibt es noch zwei der Regierungspartei nahe Ende auch der Bankrott des Wölfer= bundes und eine nicht wiedergut3utionen und zwei, allerdings zahlenmäßig sehr stehende und von ihr geförderte Berufsorganisas machen de Erschütterung des mos schwach gewordene rechtsoppositionelle( flerifale ralischen Ansehens Frankreich s wäre. Hätte man 1917 Oesterreich ein Protet außerdem die nur illegal tätigen und durch innere und nationale) Gewerkschafts- Verbände und torat über Serbien angeboten, wäre es auch nicht Richtungstämpfe zerrissenen, aber durch die Verzum Krieg gekommen. Und eines Tages könnte elendung der proletarischen Klasse geförderten Deutschland erklären, daß es entweder ein Pro- Kommunisten. Dazu kommt noch die nationale teftorat über Desterreich wünsche oder zum Kriege Zersplitterung, die neben den polnischen Klassenentschlossen sei. Wird Frankreich dann auch so organisationen besondere deutsche, jüdische und " friedliebend" sein, das Recht einer kleinen Na ukrainische Berufsverbände entstehen ließ. Inner tion dem Frieden zu opfern? Das geschlossene halb der Anhängerschaft der Sozialistischen InVorgehen Englands und Frankreichs könnte Ita- ternationale sind diese nationalen Gegensätze erlien zum Frieden zwingen, ohne daß Abessinien freulicherweise in den letzten Jahren immer mehr geopfert würde. Frankreich scheint aber um jeden überwunden worden. Das gemeinsame Klassen Preis den Triumph Mussolinis zu wünschen. interesse hat auch in der jebigen Aktion gegen die nicht achtend der Tatsache, daß es noch für Wahlrechts= Verschlechterung die sozialistischen jeden Staat vorteilhafter war, Italien zum Feind als zum Bundesgenossen zu haben. denen durch das neue Gesetz die NA entzogen wird. Diejenigen Arbeitslosen, die noch weiter im Das neue Sozialversicherungsgesetz ist in Bezug der NA bleiben, erleiden eine Kürzung Oesterreich für die Bezieher der Notſtandsaus- 3ent des bisherigen Ausmaßes der NA aus Notstandsauses Bezuges, die im Durchschnitt 18 Brohilfe am 1. Juli d. 3. in Kraft getreten. Derzeit gibt es in Oesterreich rund 450.000 in den Alpen- Departements, der am 7. August 62 Jahre alt wird und damit die Altersgrenze erreicht, mit Beschluß des Kriegsministers außers Arbeitslose, von denen 210.000 die Notstands ordentlicher Weise bis zum 65. Lebensjahre dem aushilfe beziehen. Die Bedingungen für die Geaktiven Dienste erhalten werden wird. Er bleibt währung der NA sind nun durch das neue Gesek General außerhalb des systemisierten Standes wesentlich verschärft worden. und Mitglied des Obersten Rates für Landesverteidigung. Japan desinteressiert? Tokio. Der Sprecher des Auswärtiger Amtes dementiert, daß Japan in Italien wegen Abessinien protestiert habe. Japan habe keine po litischen Interessen in Abessinien und sei dort wirtschaftlich nicht mehr interessiert, als in an deren Ländern. macht. milienerhaltern mit drei Kindern, bei denen das Besonders groß ist die Kürzung bei den FaAusmaß der NA von 3.40 am Tage, auf 2.40 am Tage sinkt. Es wird weiter gestohlen Notstandsaushilfen können von nun ab nur solche Arbeitslose bekommen, die in den letzten zehn Jahren fünf Jahre beschäftigt waren. Da dies infolge der langen Dauer der Wirtschaftsfrise nur bei sehr wenig Arbeitslosen der Fall ist. terheim wird die Ueberführung in die Bestimmung des neuen Gesetzes für 50.000 Arbeitslose, die bis her die Na bezogen haben, bedeuten, daß diese die NA nicht länger bekommen fönnen. Wien. Das sozialdemokratische Arbei in Wiener- Neustadt, das während der Feberkämpfe 1934 polizeilich gesperrt und beschlagnahmt" worden ist, wurde in der letzten Zeit auf Kosten der ArbeiterkamDie Erhebungen der Arbeitsämter haben er- mer renoviert und wird nun der christlichen geben, daß es sich um 48.500 Arbeitslose bandelt, Arbeiterorganisation übergeben. Arbeiter aller Nationalitäten des Landes zusam mengeführt. Dagegen fonnte ein Bündnisangebot der Kommunisten schon deswegen nicht angenom Kampfes und damit seine ganze Durchführung men werden, weil es den legalen Charakter des tungen aber haben sich zwar allesamt auch gegen gefährdet hätte. Die anderen Gewerkschaftsrichdie Wahlordnung in der von der Regierungsfrakder sozialistischen Demonstrationsstreit aus innes tion vorgelegten Form erklärt, eine Unterſtüßung rer Schwäche jedoch trotzdem abgelehnt. war daher, wie offen zugegeben werden muß, in Der Erfolg der politischen Streifbewegung den verschiedenen Landesteilen ungleich. In der flerital- nationalistischen Grenzproving Posen be teiligten sich nur einzelne Fabriforte geschlossen, im Lodzer Tertilbezirk, der neuerdings von der rechtsopositionellen Demagogie durchwühlt wird, gelang trotzdem die Stillegung aller Großbetriebe, im Kohlenrevier war die Demonstration sehr eindrucksvoll, in der Hauptstadt Warschau fann man nur von einem Teilerfolg sprechen. Im Ganzen aber hat diese Aktion der Sozialistischen unbestrittene Führung innerhalb der ArbeiterPartei neue moralische Kräfte zugeführt und ihre schaft erwiesen. Tausende von nicht sozialistisch Seite 2 Mittwoch, 10. Auli 1935 Nr. 158 Ischechoslowakische Flugpolizei Graugrüne Apparate mit scharlachrotem Vorderteil Prag. Das Ministerium des Innern hat im Einvernehmen mit den Ministerien für Nationalverteidigung und öffentliche Arbeiten zum 1. Juli 1985 besondere Gendarmerie-Flugwachen in Eger, Reichenberg, Königgrätz, Beneschau bei Troppau und in Pretzburg errichtet. Die Aufgabe dieser Gendarmerie-Wachen ist es, über die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften und internationalen Abkommen über das Flugwesen sowohl seitens des heimischen, als auch der ausländischen Flugzeuge zu wachen und damit die ausschließliche Befugnis und Souveränität des Staates im Luftraum innerhalb der Staatsgrenzen zu schützen. Die Kommandanten der Gendarmeriewachen sind. Gendarmerie-Fliegeroffiziere. Die den Wachen zugeteilten Flugzeuge haben einen grau-grünen Grundton, der Vorderteil des Flugzeugkörpers und die Ränder der Tragflächen sind scharlachrot gehalten. Am Seitensteuer sind die Staatsfarben in einem Dreieck angebracht. Die Tragflächen und die Flanken des Flugzeugkörpers tragen das Staats- zugehörigkeitSzeichen und die Immatrikulierung (OK— PAA bis OK— PAE) in scharlachroter Farbe. Alle Weisungen dieser Wachen müssen von allen Flugzeugen, die sich über dem tschechoslowakischen Staatsgebiete bewegen, bedingungslos befolgt werden. Jüdische Decknamen für die Wiener Gauleitung der Nazi Wien.(Tsch. P. B.) Die Wiener Polizei ist in der letzten Zeit neuerlich einer illegalen nationalsozialistischen Organisation auf di« Spur gekommen, u. zw. handelt es sich um die Wie- ner Gauleitung der Nationalsozialisten. Es konnte die Person des Gauleiters festgestellt werden, der sich des falschen Namens Rosenberg bediente, ebenso wie auch die übrigen Führer der illegalen nationalsozialistischen Bewegung unter falschen hauptsächlich jüdisch klingenden Namen auftraten. Als der vermeintliche Rosenberg merkte, daß ihm die Polizei auf der Spur sei, verschwand er plötzlich aus Wien. Seine Nachfolger werden sich nicht mehr falscher Namen bedienen, sondern nur Ziffern tragen. organisierten Männern und Frauen schloffen sich dem Proteststreik an, viele gingen in diesen Wochen, nach dem Zeugnis der bürgerlichen Preffe. aus den regierungstreuen Gewerkschaften auch organisatorisch ins sozialistische Lager über. Die Regierungs-Gewerkschaften haben die Aktion der Sozialisten dazu ausgenutzt, um noch im letzten Augenblick kleine Aenderungen an dem Entwurf der Wahlord- n u n g durchAusetzen, die nach Entgegenkommen an die Arckeiterintereffen aussehen. Der reaktionäre Charakter des neuen Wahlrechts liegt vor allem darin, daß die Kandidaten für das Parlament nicht mehr von den Parteien, ja überhaupt nicht mehr von den Wählern selbst ausgestellt werden dürfen, sondern nur von Wahlausschüssen, die sich aus Vertretern der Selbstverwaltung, der »Wirtschaft" und allerlei gemeinnütziger Vereine zusammensetzen, tatsächlich in der Mehrheit aus Vertrauensmännern de- staatlichen Verwaltungsapparats. In diesen Ausschüssen sind die Vertreter der Gewerkschaften nun unter dem Eindruck der sozialistischen Aktion noch rasch etwas vermehrt worben. Eine entscheidende Stimme aber werden sie nirgends haben. Die Gegenanträge der Sozialistischen Partei im Sejm hatten zwar den moralischen Erfolg, daß auch«in großer Teft der bürgerlichen Opposition und der nationalen Minderheiten dafür stimmte. Selbst von den Re- gierungÄbänken her wurde anerkannt, haß die Sozialisten als einzige Fraktion überhaupt einen konstruktiven Gegenentwurf für das Wahlrecht vorgelegt hatten. Aber im entscheidenden Augenblick wurde dieser Entwurf natürlich glatt niedergestimmt. Trotzdem kst der Erfolg der sozialistischen Aktion nicht nur ein moralischer, sondern auch von .politischer Wirkung. Die,Regierung hat Offenbar „.eingesohen, daß die Sozialistische Partei in den Massen noch Anhang genüg besitzt, um selbst im Falle ihrer künstlichen Ausschaltung aus dem Parlament ein ernsthafter Gegner zu bleiben. Infolgedessen ist von den im Winter viel diskutierten Plänen einheitlicher Zwangsgewerkschaften nach deutschem oder italienischem Muster jetzt keine Red« mehr. Man fürchtet anscheinend, daß sich in solchen Einheitsgewerkschaften das sozialistische»Gift" erst recht durchfreffen würde. So bleibt wenigstens die Koalitionsfrei« h e i t den Arbeitern Polens bis auf weiteres erhaltest und damit die Grundlage für weitere Kämpfe, die über kurz oder lang auch mir lebensunfähigen Konstruktionen wie der neue»» Wahlordnung fertig werden dürfte»». Pie Schweiz wehrt sich Daß man in der Schweiz den Fall Jakob nicht in Vergessenheit geraten laffen will, obwohl die Berliner Regierung das Schiedsgerichtsverfahren mit allen Mitteln zu sabotieren versucht, beweist die Nachricht,, daß demnächst in Basel der Prozeß gegen den Gestapo-Spitzel Wesemann stattfinden soll, der an der Entführung Bertold Jakobs beteiligt war. Aber man beginnt in der Schweiz einzusehen, daß es nicht genügt, geschehene Uebergriffe des Hakenkreuz-Terrors zu verfolgen, sondern daß es nötig ist, künftigen Attacken vor« zubeugen. Das Verbot der letzten im Dritten Reich erlaubten Schweizer Zeitung, der„Baseler Nachrichten", hat die Schweiz mit dem Verbote des„Stürmers" und des Blattes„Der Reichsdeutsche" beantwortet, das in dreister Art gegen die demokratischen Institutionen und die freiheitliche Preffe der Schweiz hetzte. Zu gleicher Zest hat man sich den„Bund der Reichsdeutschen in der Schweiz" näher a»»gesehen, der mit den Schweizer„Frontisten" gemeinsam die haken- kreuzlerische Verseuchung des Schweizervolkes betreiben will und die Züricher Krawalle gegen Erika Manns„Pfeffermühle" und E. F. Bu- rians„D 34" mit auf dem Gewissen hat. Und man hat einen NniversitätSprofessor in Bem, der Mstglied dieses Bundes der Reichsdeutschen ist, vor die Wahl gestellt, entweder den Bund oder die Universität zu verlasien. Bemerkenswerter aber noch als diese Abwehrmaßnahmen sind die Pläne, die man in der Schweiz zur Stärkung der inneren Freiheit erlvägt. Man hat nämlich erkannt, daß es notwendig ist, zur Aufrechterhaltung der äußeren Unabhängigkeit vor allem die geistige Freiheit zu währen, die durch die Terror- »natznahmen der reichsdeutschcn Verleger gegen auslandsdeutsche Schriftsteller und durch die Ueberflutung der Schweiz mit gleichgeschalteten deutschen Filmen gefährdet wird. Die Schweizer Bundesregierung erwägt also eine Hilfsaktion für die Schweizer Schriftsteller, die durch das Gleich- schaltungsbegehrcn der reichsdeutschen Verleger in ihrer Existenz bedroht sind— und sie plant ebenso, wie die„Neue Züricher Zeitung" berichtet, die Gründung eines Schweizer Filmateliers, in dem nicht-gleichgeschaltete deutsche Filme hergestellt werden sollen, die, wie man hofft, auch außerhalb der Schweiz Interesse und Absatz finden werden. Man darf diese Absichten der Schweizer Regierung nicht nur als gut, sondern — im Hinblick auf die Verhältnisse bei uns— sogar als vorbildlich bezeichnen. Pie deutsche Ostseeflotte und die USSR Finnland deutscher Auf marschraum? Berlin. Sachkenner verweisen darauf, es sei nicht zufällig, daß der Panzerkreuzer„Deutschland" und die Kreuzer ,Löln" und„Leipzig" einen verhältnismäßig geringen Tiefgang haben und nicht nur für Operationen in der Ostsee, sondern auch für den schmälsten Teil des Finnischen Meerbusens geeignet seien. Die U-Boote werden speziell auf Operationen in der Ostsee eingerichtet. In verstärktem Maße wird von deutschen Agenten das Gebiet der finnischen Schären erforscht, die ein ideales Operationsfeld für U-Boote, Torpedoboote, Flugzeuge und anderseits auch für solche Spezialschiffe wie die finnischen Uferschutz-Panzerschiffe vom Typ des Schiffes„Jlmarinen" sind. Deutsche Agenten verschaffen sich gleichzeitig genaue Kenntnisse über sämtliche Flugplätze Finnlands und regen den Bau neuer Flugplätze an, wobei zu bemerken ist, daß das finnische Flugwesen selbst kaum solch ausgedehnte Flugplatzanlagen brauchen würde. Hier werden offensichtlich, wie versichert wird, Stützpunkte für die deutsche Luftflotte vorbereitet. Kinderschänder Flünchmeyer — ein deutscher Nationalheld Opladen. Das DNB. meldet: In einer Massenkundgebung am Montag abends gab der Pfarrer a. D. Münchmeyer(berüchtigter Sittlichkeitsverbrecher) Kenntnis von- einem Schreiben des Direktors des erzbischöflichen Gymnasiums des Opladener AloysianumS, Dr. Neuenhäuser, wonach auf Anordnung des erzbischöflichen Generalvikariates in Köln den Zöglingen des AloysianumS, die zum großen Teil der Hitlerjugend angehören, nicht gestattet werde, an der Münchmeyerkundgebung teilzunehmen. Diese Mitteilung hab« bei den Versammlungsbesuchern größte Empörung ausgelöst und im Anschluß an die Kundgebung zogen über tausend Versammlungsteilnehmer zum Aloysia- num. Zum eigenen Schutz wurde Direktor Dr. Neuenhäuser durch die Ortspolizei in Schutzhaft genommen. 64 Komm von Emil Vnrh^k Deutsch von . Ann« AurednKek In dem Augenblick, da er dies dachte, überflutete ihn ein schwacher Lichtkegel und eine andre Stimme als die des Hausmeisters fragte mit fremdländischer Betonung:»Haben Sie schon genug?" „Genug", gestand Deinsteller de« und wehmütig. „Wo haben Sie Ihre Legftimation?" fragte die Stimme weiter. Das achtzehnte Kapitel beweist, daß ein gescheiter Mensch auch dann nicht verloren ist, wenn er schon mit einem Fuß im Grabe steht, und«S erzählt, daß der KriegSmiuister Beinsteller seinen sieben Freund nennt. Obwohl ihn die Frage überraschte, faßte Beinsteller neuen Mut, denn er hoffte, von seinen Feinden nun doch nicht ohne weiteres ermordet zu werden.„Was für eine Legftimation verlangen Sie?" fragte er.„Ich habe überhaupt keine Legitimation. Ich verlange meine Lumpen und will, daß man mich herausläßt." „Schweigen Sie! Sie sind von der Polizei!" fuhr die Stimme fort. „Ich bin von der Polizei, das ist ein guter Scherz! Wie sind Sie darauf gekornmen?" »Was haben Sie denn in dem Hau» gemacht, wenn Sie nicht von der Polizei sind?" »Hch hab« Herrn Meyer besucht", sagte Beinsteller in seiner Verzweiflung. Jetzt erscholl ein Gelächter, das Licht erlosch und eine andere Stimme nahm das Wort:»Wenn Sie nicht sofort gestehen, daß Sie von der Polizei sind, sst kommen Sie gleich wieder unter die Dusche." Beinsteller zitterte wie Espenlaub und schrie: „Ich will alles bekennen." „So kommen Sie heraus", sagte die Stimme, die Tür wurde geöffnet und Beinsteller stand vor dem teuftisch lachenden Hausmeister, hinter welchem— o Entsetzen' die Gestalt Mayers auftauchte. heraus mit der Sprache, Sie Nichtsnutziger", brüllte Mayer.„Wenn Sie bei der Wahrheit bleiben, bekommen Sie Ihre Kleider und ein Glas Grog. Sollten Sie aber Versuche machen, uns zu belügen, werden Sie so lange geduscht, bis Sie die Wahrheit gestehen." »Lieber Herr", wimmerte Beinsteller,„ich will alles gestehen. Ich bin ein fünfzigmal abgestrafter Dieb. Ich habe mir Sie ausgesucht, um Sie zu bestehlen, ßoenn mich der Hausmeister nicht erwisckit hättcL" „Sie sind also ein Dieb!" sagte Mayer und musterte Beinsteller.„Wenn Sie ein Dieb sind, warum haben Sie mir dann einige Tage aufgelauert?" »Ich— und aufgelauert?" sagte Beinsteller, dem mit einmmal ganz heiß wurde.»Das ist ein Irrtum, warum sollt' ich lauern?" „Bilden Sie sich nicht ein, daß Sie mich belügen können. Sie Knirps", schrie Mayer und näherte sich Beinsteller mit geballten Fäusten, „ich weiß mehr von Ihnen, als Ihnen lieb ist. Sie sind das Individuum, das mir meine Tasche mit gewiffen Papieren geklaut hat, und wollen jetzt erpressen, da Sie wissen, wo ich wohne. Gestehen Sie lieber, leugnen verschlimmert nur Ihre Situation." „Ich hab' keine Ahnung, von welchen Papieren Sie reden, gnädiger Herr. Ich stehle keine Papiere." „Das glaub' ich gern", lachte der Spion. „Sie haben sie gestohlen, weil Sie dachten, es sei Geld, und es hat zwei Monate gedauert, bevor Sie wußten, daß sie mehr wert sind als Geld. Hätt' ich Sie nicht erwischt, wäre morgen gelviß Ihr Brief gekommen mit der Drohung, mich anzuzeigen, wenn ich Ihnen nicht Zehntausend gebe. Aber ich habe Ihre Pläne durchkreuzt. Jetzt geben Sie mir die Papiere zurück! Sollten Sie sich weigern, werden Sie diese Stube nicht lebend verlaffen." .„Aber natürlich gebe ich sie Ihnen zurück. Ich habe sie auf meiner Bude versteckt und Sie können sie mit mir holen. Da wir uns setzt so geeinigt haben, Herr Mayer, und uns verstehen, sollten Sie gut gegen mich sein und mir auch ein kleines Geschäftchen vergönnen." Mayer lachte.»Gib ihm seine Kleider und einen Grog", befahl er dem Hausbesorger.«Ich habe nichts gegen das Geschäftchen einzuwenden", sagte er, während sich Beinsteller ankleidete. „Habe mir gleich gedacht, daß wir beide uns verstehen werden, gnädiger Herr." „Sie sollen mich kennenlernen", fuhr Mayer fort,«ich gebe Ihnen einen Tausender für die Papiere; hier ist er, sehen Sie? Sie können noch mehr verdienen, wenn Sie gescheü und ergeben sind." „Das bin ich immer, Herr Mayer, ganz besonders aber für solche Papierchen." „Ist schon recht; falls Sie es nicht sind, will ich Ihnen zeigen, was Sie erlvartet." Und er fuchtelte mit einem Browning vor Beinstellers Augen.„Ohne Erbarmen— verstanden? Sollten Sie mich vielleicht verhaften laffen, werden Sir an der nächsten Ecke von gelviffen Leuten niedergeknallt. Wenn Sie mir aber treu dienen, dann— ja dann— sind Sie so reich, daß Sie nicht mehr stehlen müssen." „Gnädiger Herr, ich werde Ihnen dienen, daß es eine Freude sein wird, wenn Sie einsichts- Fremdensesetz ab 15. Juli in Kraft Prag. In der Gesetzessammlung ist die Durchführungsverordnung zum Gesetz über den Aufenthalt von Ausländern erschienen. Die Bestimmungen treten mit 15. Jusi in Kraft. Ein Ausländer/ der sich am Tage des Inkrafttretens des Gesetzes in der Tschechoslowakei befindet und hier erwerbstätig ist, mutz binnen 80 Tagen um die Aufenthaltsbewilligung ansuchen. Bis dahin kann er seine Erwerbstätigkeit fortsetzen, darf jedoch keine neue beginnen. Der Aufenthall kann in der Regel höchstens auf zwei Jahre bewilligt werden. Gewisse Erleichterungen von der Meldepflicht gelten für Ausländer, die seit dem 28. Ottober 1918 ihren Wohnsitz in der Tschechoflo- tvakei haben. Der Ausschutz der parlamentarischen Spar» j und Kontrollkommission trat Mittwoch zu seiner» ersten Sitzung nach den Wahlen zusammen, un» 1 sein Arbeitsprogramm festzulegen. Der Vorsitzende 1 Beran konstatierte einleitend, datz es der Grund- I satz der früheren Sparkommission war, ohne Un- I terschied der Parteien und Gruppen sachlich und| unparteiisch dahin zu wirken, daß die Staatswirt- I schäft zum Wohle des Staates und der Bevölkerung 1 sparsam geführt werde. An diesem Grundsatz will 1 auch die jetzige Sparkommiffion sesthallen. Die] außerordentlich schwere Zeit legt jedoch der neuen 1 Sparkommiffion weit mehr neue, wichtige Auf- j gaben auf. Als erste und wichtigste Sache wird sick 1 die Kommission mit dem Staatsvoran- 4 schlag für das künftige Jahr zu befassen haben.] Einen Bericht über den Stand der Anbei- 1 ten amBudget erstattete der zuständige Sek- i tionSchef des Finanzministeriums Dr. Kafka. 1 Ein zweites Referat, das dieJnvcstitions- I ar beiten und dieOrganisierungeini- j ger Industriezweige betraf, erstattete] Architekt Bittermann, der Leiter der Volks- 4 wirtschaftlichen Abteilung beim Ministerpräsidium. 4 An der anschließenden Debatte beteiligten sich alle 4 AuSschußmitgliedcr. Zum Sekretär der Kommission W wurde neuerdings SektionSrat Dr. S o ch r ge- I wählt. Waggonbeistellung auch im Juni schwächer. 1 Im Monat Juni 1935 wurden auf den tschecho« I slowakischen Eisenbahnen bei 22 Arbeitstagen i 345.007 Waggons geladen, was gegenüber dem 1 Juni des Vorjahres einen Rückgang nm 8101 4 Waggons bedeutet. Im In lande wurden 319.121 I -(—3186 s Waggons verladen, litt das Ausland| lvaren 25.886(—4913) Waggons bestimm». I Mit Kohlen wurden 71.808(—2420) Waggons 1 geladen. StaatSangestelltenvertretv: heute beim Mini» I sterprisidenten. Die Arbeitsgemeinschaft des Staats«! angestellten-Zwölferau-schusse- und der Exekutive| der Staat-angestellten hielt am Dienstag eine PI-- 1 narsitzung ab, in der Vertreter des Finanzmnnste- I riumS einen eingehenden Berichr über die finanzielle R Lag« der Staatsimrtschaft und über die Fragen der I öffentlichen Angestellten erstatteten. Nach der Aus- V sprach« wurde beschlossen, dem Vorsitzenden der Re- 4 gierung, der dar Präsidium der Arbeitsgemeinschaft 1 bereits am heutigen Mittwoch empfängt, die drin- 8 gondsten und unaufschiebbaren Forderungen der I öffentlichen Angestellten vorzulegen.- voll sind", rief Beinsteller und schlug sich beteuernd an die Brust. Nun führten die beiden Beinsteller vor das Haus und setzten ihn neben Mayer ins Automobil. Der„Hausmeister" hatte sich in einen Chauffeur verwandelt. Zehn Minuten später hielt das Auto in der romantischen Gegend Zi«jkov 6660. „Jetzt gehen Sie und bringen Sie die Sachen. Dieser Mann, den Sie ja kennen, wird mit Ihnen gehen. Ich muß Ihnen Wohl nicht erst sagen, daß auch er einen gewissen Gegenstand in der Tasche hat. In der anderen Tasche hat er da» bewußte Papierchen. Es liegt ganz in Ihrer Hand, in welche Lasche er greifen wird." „Er wird schon in die richtige greifen", schmunzelte Beinsteller,„ich zittere ja auf einen neuen Verdienst." Vom„Hausmeister" begleitet, begab sick Beinsteller auf die Hühnersteige und übergab dem Kraftmeyer alle Papiere. Dieser überprüfte sie und reichte ihm den Tausender.„Um vier Uhr seien Sie immer zu Hause", sagte er beim Weggehen.„Sie werden bald von mir hören." Beinsteller begleitete ihn vor Ims Haus und flüsterte:„Je früher ich von Ihnen höre, desto besser." »»Sie können in einer Woche damit rechnen." Nachdem das Auto davongerast war, nahm Beinsteller den Tausender voller Ekel und gab ihn in die andere Tasche. Dann sagte er befriedigt:„Ich glaube, das habe ich nicht schlecht gemacht. Die Kerle sind mir auf den Leim gegangen, als ich nicht mehr ein und aus wußte. Die Dusche werde ich ihnen schon heimzahlcn; mit Wucherzinsen, natürlich." Auk dem Weg zur Hühnersteige setzte Beinsteller sein Selbstgespräch fort:„Ich soll Fräulein Sophiechen nie zur Frau bekommen, wenn ein Bursche jemals in größerer Gefahr geschwebt hat als ich. '^rtsetzimg folgt.) Nr. 158 Mittwoch, 10. Juli 1935 Seite 3 tfudeiendeutsdier Zeitspielel Kommunistische Moral, beleuchtet an dem Fall Eggerstädt In der Prager kommunistischen„Roten Fahne" konnte man kürzlich folgenden Greuel» bericht aus einem deutschen Konzentrationslager lesen: ein Toter mahnt zur Einigkeit Ein erschütternd« Appell deS ermordete« sozial, demokratische» Polizeipräsidenten Eggerstädt. Der Ehemalige Polizeipräsident von Mona wurde, wie bereits bekannt, von SS-Leuten im Konzentrationslager erschossen. Ein jetzt Freigelassener veröffentlicht folgende eidlich in Paris zu Protokoll gegebene Aussage: „Eggerstädt wurde von Nationalsozialisten im Konzentrationslager der Vorwurf gemacht, als Polizeipräsident nicht genügend entschlossen gegen die Arbeiter durchgegriffen zu haben. Seine Behandlung war die viehischeste, die je einem Gefangenen im Konzentrationslager Marienburg zuteil wurde. Für ihn wurde vor dem Hauptgebäude eine besondere Hundehütte gebaut, an der er Tag und Nacht mit einer Kette um den Hals befestigt war. Ging jemand vorüber, dann mutzte Eggerstädt gleich einem Hund anschlagen und wütend an der Kette zerren. Nie ging ein SS-Mann vorbei, ohne ihm einen Futztritt zu geben oder ihm eins mit der Peitsche zu versetzen. Eggerstädt wurde im vollsten Sinne deS Wortes systematisch zum Tier herabgewürdigt. Als sein Gesundheitszustand die Fortsetzung dieser unmenschlichen Behandlungsweise nicht mehr ermöglichte, brachte man ihn in den Saal. Dies bedeutete aber keinerlei Verbesserung für ihn. Die Hundekette von seinem Hals verschwand nicht. Sie wurde jetzt nur an seinem Bettrand befestigt und es war ihm streng verboten, sich inS Bett zu legen. Krank lag er viele Wochen lang auf dem eisig kalten Betonfutzboden. Die Mitgefangenen, Antifascisten, erbarmten sich seiner. Sie stellten nachts Posten auf, lösten seine Ketten, legten ihn inS Bett und wachten über ihn. Vielmals sagte er zu uns:„Genossen, erleichtert mir das Sterben. Verzeiht mir mein« Irrungen in der Vergangenheit. Ich wollte, ich könnte mit meinem Tode gutmachen, was ich in der Vergangenheit verschuldet habe." Seine Erschiessung konnten wir nicht verhindern..." Eggerstädt hat seine bitter errungenen Erkenntnisse mit dem Tode bezahlen müssen. Sein« letzten Worte sind eine aufwühlende Verpflichtung an uni alle, die wir Frieden und Freiheit und Ende des schrecklichen Terrors wollen, unsere Kräfte zur Hilfe für diejenigen zu vereinen, die all Opfer des Kampfes wehrlos den braunen Peinigern ausgeliefert sind. Jeden menschlich Fühlenden mutz bei der Lektüre dieses Dokumentes ein Grauen überkommen, daS so stark ist, datz es noch die Frage erstickt, ob das Eingeständnis von.Irrungen", die Eggerstädt in der Vergangerchett begangen haben will, nicht vielleicht eine Draufgabe des kommu- nistischen Chronisten darstellt und wo denn eigentlich die Behauptung deS Titels, Eggerstädt sei als ein Gchwurzeuge der Einheitsfront gestochen, wie sie die Kommunisten auffassen, ihre Rechtfertigung in dem Inhalt des Berichtes findet. Aber sei'S darum! Der Fall Eggerstädt hat näinlich die kommunistische Presse schon einmal beschäftigt und manche unserer Leser werden sich vielleicht noch daran erinnern, wie wir die Ehre dieses Opfers der braunen Banditen gegen einen Trotz kommunistischer Kaffeehausliteraten und Hinterlandskrieger zu verteidigen gezwungen waren. Daran wollen wir heute erinnern. Als im Hechst 1933 die kommunistischen »Neuen Deutschen Blätter" in Prag zu erscheinen begannen, wurde dort ein Gedicht des richtig linierten Poeten Johannes R. B e ch e r veröffentlicht, daS unter dem Vorwand der Ehrung von vier In Hamburg Hingerichteten kommunistischen Arbeitern in Wirklichkeit deren Andenken in gröblichster Weise schändete: denn dieses Gedicht war nicht nur von einer Unzulänglichkeit ohnegleichen in künstlerischer Beziehung, sondern auch von einer nicht alltäglichen Niedrigkeit der Gesinnung, die vom sicheren Port deS Schwiegervaterlandes Mähren aus sozusagen gereimten Unflar auf daS Grab eines ManneS warf, von dem dir .Rote Fahne" jetzt berichtet: Seine Behandlung war die viehischeste, die je einem Gefangenen im Konzentrationslager Marienburg zuteil wurde. Ueber diesen Mann wagte eS ein Johannes R. Becher— unter dem Beifall der offiziellen kommunistischen Presse— folgendes zu schreiben: Herr Eggerstädt, Mitgli^> der SPD, Lieh aufmarschieren die SA, Doch die Proleten standen dicht und zäh. Auch diese Bier. Und rot blieb Mona> Herr Hitler fand sie im Gefängnis vor. Herr Eggerstädt hat sie gut aufbewahrt... Als wir daraufhin— es war am 28. Dezember 1933— dem Herrn Becher auf die Finger klopften und jenseits der Erörterung darüber, ob die kommunistischen Anwürfe gegen Eggerstädt eine sachliche Berechtigung haben(sie haben es nicht), der Meinung Ausdruck gaben, dass es im Interesse der deutschen Emigration gelegen sei, sich von dem antifascistisch verbrämten Schmutz und Schund— kein Talent und kein Charakter —, der sich jetzt über unser Land ergiesst, abzu- grenzen, rückte zunächst der»Gegenangriff" zu einem Gegenangriff in Sachen Johannes R. Becher aus.. Der„Gegenangriff", jenes kommunistische Organ, in dem sich das bolschewistische Libertinertum am ungezügelsten auslebt und daS seine klägliche Existenz jener Demokratie verdankt, die es zum Dank dafür zu bespucken nicht müde wird, der in Ton und Haltung so sympathische „Gegenangriff" also belehrte uns, datz man mit Eggerstädt kein Mitleid haben dürfe, dafür aber wohl mit den dürftigen geistigen Produkten von Literaten, die den AuÄruch der Barbarei in Brünn miterlebt und den Anschluss nach Sowjet- Ruhland nicht versäumt haben(und meinte wutschäumend, womit sich auch das mangelhafte Deutsch erklärt):' Demnächst werden wir es wahrscheinlich noch ^erleben, datz er(der sozialdemokratische Autor) die Gebrüder Rotter, Herrn Bell, di« Herren Noske, Zörgiebel und Heilmann— bloß weil sie von de« braunen Banden ermordet worden sind oder nicht ihrer Verdienste um die Wegbereitung des braunen FasciSmuS entsprechend behandelt Das Unwetter, welches am 28. Juni über das Erzgebirge hinwegging, hat in einigen Ortschaften schreckliche Verwüstungen angerichtet und die Bewohner der vom Sturm betroffenen Häuser vielfach um den Ertrag ihrer Lebensarbeit gebracht. Besonders hart wurden die Gemeinden Weipert, Pleil-Sorgenthal und Chri- stovhammer von dem Unwetter heimgesucht und ohne rasche und ausgiebige Hilfe müssten die um ihr Hab und Gut gebrachten Menschen der Verzweiflung anheimfallen. Deshalb muss die von unserer Partei zugunsten der vom Unwetter' betroffenen Bewohner des Erzgebirges eingeleitete Aktion um so höher gewertet werden als man weiss, dass gerade die Leute, die während des Wahlkampfes den armen Teufeln deZ Erzgebirges das Blaue vom Himmel herunter versprochen haben, nach der Wetterkatastrophe hilflos dastanden und an nichts anderes als Almosen dachten. Die sozialdemokratischen Funktionäre des Erzgebirges setzten sich sofort mit den Parlamentariern des Kreises, den Genossen DeWitt« und Katz in Verbindung, um mit ihnen unmittelbar nach dem Unwetter die einzelnen vom Sturm betroffenen Orte und di« Stellen der Verwüstung aufzusuchen, photographische Aufnahmen und die notwendigen sonstigen Erhebungen über den Umfang und die Art deS Schadens zu machen. Mit diesem Material wurden die beiden genannten Genossen bereits am 2. Juli sowohl beim Mini- Rußland warnt Japan vor einem Vordringen in die Ostmongolei New Nork. Den Meldungen hiesiger Blätter zufolge warnten die Sowjetämter am Montag das Oberkommando der japanischen Armee, dass jeder japanische Versuch der militärischen oder wirtschaftlichen Kontrolle über die Ost-Mongolei auf den scharfen Widerstand der Sowjets stossen werde. Die Sowjetämter zeigten an, dass sie die Entwicklung der Ereignisse von dem Augenblick an, als die japanischen Verhandlungen mü der Regierung in Urga begännen, aufmerksam verfolgen und weiter, dass die Sowjetbehörden keine augenblickliche Aktion beabsichtigen, solange noch nicht bekannt sei, welchen Erfolg di« Bestrebungen der Mongolen haben werden, den japanischen Militärkräften die Gewinnung einer Basis in der Mongolei zu verwehren. Obwohl die ÜSSR sich niemals bestrebt hat, ein Protektorat über die Ost-Mongolei zu erwerben, bestanden nach der Erklärung sowjetamtlicher Kreise zwischen Moskau und Ulan-Bator« lange Jahre hindurch sehr enge Beziehungen, worden find— den werktätigen Massen als Märtyrer vorzustellen.., Aber nicht genug an diesen Worten, aus denen die nackte Bestialität spricht, ivürdig dem Zynismus eines Goebbels und Streicher» doppelt verächtlich, weil vom Prager Kaffeehaußtisch gesprochen und nicht aus der deutschen Illegalität an unser Ohr gedrungen, das selten solche Roheit vernahm! Auch der von uns damals gezüchtigte Herr Becher grw sich mit der Lektion nicht zufrieden. In der Moskauer„Deutschen Zentral» Zeitung" hielt er dann mit uns— wie er glaubt — gereimte Abrechnung. Eggerstädt im Konzentrationslager gefoltert und auf der Flucht erschossen: das sollte ein Grund sein für«inen Kommunisten, sein Andenken nicht zu schmähen? Bloss weil er von den braunen Banden ermordet worden ist? Lächerlich! Becher hatte bald jxine Fassung wiedergefunden: Datz späterhin Herrn Eggerstädt Ermordete die SA, DaS ändert nicht.s daran, er heisst: „Bluthund von Altona." Unsere Belehrungen haben nichts gefruchtet, Herr Becher hat nicht einmal beschämt geschwiegen, sondern sich zu der Dreckigkeit der Gesinnung, die nur noch von der Unfähigkeit zur dichterischen Gestaltung einer Tatbestandes überboten wird—„SA" reimt sich niemals auf„Altona" — ausdrücklich und mit einem gewissen Geusenstolz bekannt. Nun, da ihm aus den eigenen Reihen die Worte entgegenschallen» der Tod Eg- gerstädts sei eine Mahnung: unsere Kräfte zur Hilf« für diejenigen zu vereinigen, di« als Opfer deS Kampf«? wehrlos den braunen Peinigern auSgeliefert sind. wird er wohl nicht mehr hysterisch schreien:„DaS ändert nichts daran!" Er möge sich, wenn er diese Zeilen liest, geohrfeigt fühlen. —g— sterpräsidenten als auch dem Innenminister vorstellig, um in eindringlicher Weise auf daS grosse Ausmass der durch den Sturm angerichteten Schäden aufmerksam zu machen und schnelle Hilfe für die Menschen, die vielfach daS Dach über dem Kopf verloren haben, zu verlangen. An beiden Stellen brachte man den Darlegungen und Wünschen unserer Genossen das grösste Verständnis entgegen und nachdem noch Genosse Dr. Czech im Ministerrate die Forderung um rasche und ausgiebige HUfe für das Erzgebirge wiederholte, bewilligte der Ministerrat als erste Hilfe für die vom Unwetter betroffenen Orte 180.000 KC, die nunmehr von einem durch den Bezirk eingesetzten Ausschuss in zweckmäßiger Wesse Verwendung finden werden. Neudek beschämt die Stadt Belchenberg Der Bürgermeister der Stadt Neudek, Karl Winter st ein, hat mit einem im„Prager Tagblatt" veröffentlichten Offenen Brief Heinrich Mann ersucht, bei der Stadt Neudek ein EinbürgerungSgesuch einzubringrn, da eS sich die Mehrheit dieser Stadt zur hohen Ehr« rechne« würde, Heinrich Man« zu ihrem Gemein» debürger zu zählen. Stojadlnovit: Jevtit 2:1 Belgrad. In der Dienstag-Sitzung der Skuptschina wurde die Wahl der'Parlamentskommissionen vorgenouunen. Es wurden im Ganzen zwei Kandidatenlisten aufgestellt, eine Liste des regierungstreuen„Klubs der Parlamentsmehrheit" und eine Liste der dem früheren Ministerpräsidenten Ievtik treugebliebenen Abgeordneten. Bei diesen Wahlen» der ersten geheimen Abstimmung, erhielt die Regierungsliste eine starke Zweidrittelmehrheit. Die Abgeordneten' der vereinigten Opposition Makek- Davidovik nahmen an der Abstimmung infolge der beschlossenen Abstinenz nicht teil. Die Befestigung Helgolands. Wie berichtet lvird, wird Helgoland zu einem deutschen Gibraltar ausgebaut. Die Insel ist heute befestigter als vor 20 Jahren. In unterirdischen Gängen arbeiten ganze Kolonnen von Reichswehrsappeuren ununterbrochen. ES wird behauptet, dass bet der Kontrolle seinerzeit 60 Prozent der unterirdischen Befestigungen den Augen der Kommissionsmitglieder entzogen worden seien. Das Hochland von Helgoland ist eine hervorragende Flugplatzfläche für Bombenflugzeuge. Die Stimmung der Bevölkerung ist jedoch gedrückt, zumal die Zollfreiheitsprivilegien aufgehoben werden und die Insel wirtschaftlich ruiniert wird. Anton H u eb e r, der Mann, dessen Namen unauslöschlich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung verbunden ist, ist tot. Aus Wien, der Stadt, die die stolzesten Erfolge und die barbarischeste Schändung seines Werkes gesehen hat» kommt die Nachricht, dass ihn. gestern— wenige Wochen vor seinem 74. Geburtstag— ein Schlaganfall hingerafft hat. Unter den Jüngeren in unserer Bewegung gibt eS kaum viele, die noch recht ermessen können» was der Mann, dessen Augen sich gestern geschlossen haben, für die Arbeiterschaft der Länder der ehemaligen Monarchie, was er speziell für die Arbeiterschaft Böhmens und schliesslich nach dem Umsturz für die Arbeiterschaft seiner engeren Heimat Oesterreich bedeutet hat. Wenn an der Wiege der politischen Arbeiterbewegung Oesterreichs Viktor Adler stand— an der Wiege der g e- werkschaftlichen Arbeiterbewegung stand dessen enger Freund und Mitarbeiter A n t o n H u e b e r. Im Jahre 1890, als die erste gegen Staatsgewalt und Unternehmertum erzwungene Mai- feier bie Arbeitermassen geweckt und mit Selbstgefühl erfüllt hatte» stürzte sich der junge Drechslergehilfe mit feuriger Begeisterung in die Bewegung. Aus dem typischen harten und erbarmungslosen Proletarierleben heraus hat er den Weg zur Partei gefunden. Sein Vater starb, als Anton zwei Jahre alt war; als Fadcnknüpferin hat die Mutter ihn und seine drei Geschwister in bitterster Armut aufgezogen. Mit dreizehn Jahren kam er in die Lehre, mutzte dort ohne Rücksicht darauf, dass dem schmalen, schwächlichen Buben die„Proletenkrankheit", die'Tuberkulose, im Genick saß, von 5 Uhr früh bis 11 Uhr nachts arbeiten. Dann kam die harte Zeit als Fabrikarbeiter, aber gleichzeitig die erste Verbindung mit Klassengenossen, die erste Begegnung mit Viktor Adler— und Anton HueberS Schicksal stand fest— das Schicksal einer proletarischen Kämpfers bester Art. Kurze Zeit nach seinem aktiven Eintritt in di« Bewegung schon gründete er den Fachverein der Drechslergehilfen, 1892 schon war er G e h i l f e n o b m a n n des Fachvereines, zwei Jahre später wurde er zum Sekretär der Gewerkschaftskommission gewählt. Und von diesem Augenblick an war er der unbestrittene Führer der gesamten Gewerkschaftsbewegung in Oesterreich. Als er.sein Amt antrat, war die Gewerkschaftsbewegung in unzählige lokale Fachvereine zersplittert. Seine organisatorische Energie erst hat allmählich ihre Zusammenfassung in grossen I n- dustrieverbänden durchgesetzt. Als er sein Amt antrat, arbeiteten die Arbeiter auf dem Gebiet der damaligen Monarchie noch elfbis zwölf Stünden täglich; unter seiner Führung haben die Arbeiter Schritt für Schritt zähe die Verkürzung derArbeitSzeit erzwungen» bis schliesslich 1918 der allgemeine Achtstundentag Gesetz wurde. ES gibt buchstäblich keinen gewerkschaftlichen Erfolg der österreichischen Arbeiter während der vergangenen viereinhalb Jahrzehnte» der nicht an den Namen HueberS geknüpft wäre. Arbeitslosenversicherung, Lohnkämpfe, gewerkschaftliche B i l« dungSarbeit, was immex errungen lourde, wurde unter der gewerkschaftlichen Führung dieses ManneS errungen. Und als in den letzten Jahren vor dem Krieg der nationalrevolutionäre Geist schon an den Grundmauern der morschen Monarchie rüttelte und es fast schon schien, als sollte dieser Geist in der Gewerkschaftsbewegung die ts ch e ch i s ch e Arbeiterschaft von der deutschen trennen, da war«S wieder Hueber, der die Gewerkschaften aus der drohenden Krise herausführte und vor der nationalen Spaltung bewahrt», wodurch er sich auch ein grosses Verdienst um die Arbeiterschaft auf dem Gebiete unserer Republik erwarb. Bis zum Jahre 1931, volle 41 Jahre hindurch, hatte Anton Hueber die Führung der österreichischen Gewerkschaften inne. Im September 1931 dann, an seinem siebzigsten Geburtstag, der eben in di« Zeit"des Gewerkschaftskongresses fiel, hat er, müde vom Alter und einem arbeitsreichen Leben, sein Amt niedergelegt. Den Ansturm deS FasciSmuS, den Rechtsbruch der Kano- ncnfascisten, die blutige Niederknüppelung der österreichischen Arbeiterbewegung, die barbarische, hassvolle Zertrümmerung deS herrlichen Werkes, an dessen Aufbau er unermüdlich mitgewirkt hatte, erlebt« er schon fern der aktiven Politik. Anton Hueber, der Vater der österreichischen Gewerkschaften, ist tot, aber das Werk, daS er geschaffen hat, lebt Iveiter. Und wenn auch der Kampf der österreichischen Gewerkschaften heute i n d e t Illegalität in anderen Formen geführt wird, als zur Zeit, da Hueber die ersten Anfänge des Gewerkschaftskampfes organisierte, der Geist dieses neuen Kampfes ist der Geist jener österreichischen Arbeiter, die ihre gewerkschaftliche Schulung unter Führung HueberS erhalten haben. Und wie immer daS österreichische Proletariat schliesslich nach seinem Sieg über den FasciSmuS sein Leben organisieren wird, eS wird niemals den Namen des ManneS vergessen, der am Beginn dieses Kampfe» mit dabei war, den Namen Anton Hueber»...« Regierungshilfe für die Opfer der Sturmkatastrophe im Erzgebirge Srffolg einer sozialdemokratischen Intervention Gelte i Mittwochs 10. Muli 1935 Skr. 188 Wasserkatastrophen in USA Biele Tote«nd Bermitzte— Tausende Obdachlose Ein Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Pilsen Pilse«.(Tsch. P.-B.) Von den bei dem Eisenbahnunglück bei Chrast verwundeten Personen starb in der Nacht zum Dienstag«n Pilsner Krankenhause der 35jährige Lokomotivheizer des verunglückten Zuges Fr. D a r d a aus Pilsen an den Folgen der schweren Brandverletzungen sowie der erlittenen inneren Verletzungen. Der zweite lebensgefährlich Verletzt«, der Lokomotivführer Fr. Zeman, gleichfalls aus Pilsen, konnte Dienstag vormittags, als er vorübergehend aus der Bewußtlosigkeit erwachte, von der Gendarmerie über die mutmaßlichen Ursachen einvernommen werden. Den übrigenBerletzten, die sich noch in Krankenhausbehandlung befinden, geht es besser. Die mit der Wegschaffung der Trümmer verbundenen Arbeiten waren Dienstag vormittags noch nicht beendet, obwohl die ganze Nacht hindurch an der Freimachung der Strecke gearbeitet wurde. Der Paffagierverkehr muß noch immer durch Umstergen aufrechterhalten werden. Die Aufräumungsarbeiten an der Stelle des Unglücks wurden am Dienstag vormittag beendet, so daß die Strecke wieder befahrbar ist. Um 10.30 Uhr konnte der erste Zug Nr. 604 nach Prag die Stelle passieren. Im Pilsner Krankenhaus befinden sich noch neun Personen, die bei dem Unfall leichter verletzt wurden. Der Zustand des schwerverletzten Lokomotivführers Fr. Zeman aus Pllsen, der die Nacht über in Bewußtlosigkeit lag, ist noch immer äußerst kritisch. Eine Halbinsel in Flammen Reval. Auf der Halbinsel Koppel bei Reval vernichtete Montag nachts ein Großfeuer eine Reihe von Holzlagern und Fabriksgebäuden im Werte von 300.000 Kronen. Der starke Wind begünstigt« das Feuer, so daß bald der ganze nördliche Teil der Halbinsel in Nammen stand. Bei den Löscharbeiten kam ein Feuerwehrmann ums Leben. Mehrere andere wurden verletzt. Außer sämtlichen Revaler Feuerwehren wurden auch Truppenabteilungen zur Bekämpfung des Brandes eingesetzt, der erst früh soweit eingedämmt werden konnte, daß eine weitere Ausdehnung insbesondere auf die Wohnviertel und Werftanlagen nicht mehr zu befürchten steht. Beleidigung der rumänischen Flagge durch deutsche Matrosen Bukarest. Im Hafen von Constanza ist es von reichsdeutscher Seite zu einer Beleidigung der rumänischen Flagge gekommen. Das deutsche Petroleumschiff„Emmy Friedrich" hatte es unterlassen, wie es im Seeverkehr bei der Landung üblich ist, die rumänische Flagge zu hissen. Die Besatzung des deutschen Schiffes wurde auf die Unterlaffckng aufmerksam gemacht. Zwei Matrosen ergriffen daraufhin unter verletzenden Gesten die an Bord befindliche rumänische Flagge, wobei sie Beleidigungen gegen Rumänien und feine Flagge ausstießen. Da das deutsche Schiff in der Nähe rumänischer Kriegsschiffe ankerte, wurde der Vorgang von rumänischen Marineoffizieren beobachtet, die das Hafenkommando sofort in Kenntnis setzten. Die beiden Matrosen sind nach den vorliegenden Berichten von Bord des Schiffe? verschwunden, doch ist man ihnen bereits auf der Spur. Die Garung in Danzig Danzig.(AP.) Unter den Beamten hat sich eine„Union der oppositionellen Beamten" gebildet, was für die dahinschwindettde Autorität des Regimes kennzeichnend ist. Ueber die Person des zurückgetretenen Volkstagspräsidenten W n u ck, der mit dieser Gründung in Zusammenhang gebracht wird, gehen die verschiedensten Gerüchte um. Nach der einen Version soll er verhaftet, nach der anderen nach Polen geflüchtet sein. Auf der anderen Seite steht fest, daß der ehemalige Senatsprä- fident Rauschning nach Danzig- zurückgekehrt ist. Die Verhaftung des Polizeipräsidenten F r o* b.o ß, der alle Regierungen im Amt überdauert hätte, wird damft erklärt, daß man diesen Gleichgeschalteten opfern wollte, um die Aufmerksamkeit von den Schiebungen der langjährigen führenden Mitglieder der NSDAP abzulenken. Die „Danziger Volksstimme" ist wieder erschienen. Daß man ihrer Verbotszeit von fünf auf drei Monate verkürzte, kennzeichnet den Massendruck, der in Danzig bereits spürbar, ist. Die Verhaftungen verschiedener höher Gerichtsbeamten sollen darauf zurückzuführen sein, daß diese eine Strafuntersuchung gegen führende Nationalsozialisten wegen Devisenspekulationen eingeleitet hatten. Im übrigen üb^n die Nationalsozialisten auf die Deutschnütionalen einen unerhörten Druck aus, um sie auf die Weis« zur Trennung von den anderen Oppositionsparteien zu zwingen und dadurch die Zwei-Drittel-Mehrhsit zu erreichen. Die Unterschriftensammlungen für ein Volksbegehren ist in vollem Gange. Bei einer Volksabstimmung würde sich die Hälfte der Wahlberechtigten beteiligen müssen. Die einfache Mehr- New Jork. Laut amtlichen Meldungen sind bei dem Hochwaffer im Staate New Aork 36 Menschen ums Leben gekommen; acht Personen werden vermißt. Wie eine Havasmeldung besagt, handelt es sich um das größte Hochwaffer» das bisher den Staat New Dork betroffen hat. Seit Samstag gehen unaufhörlich Wolkenbrüche nieder. In den letzten Stunden ist der Spiegel des 191 Quadratkilometer großen Seneca-Sees um 20 Zentimeter und seit Samstag um insgesamt 43 Zentimeter gestiegen. Zahlreiche Dämme haben den Wassermaflen der aus den Ufern getretenen Flüsse nicht Widerstand zu leisten vermocht und sind geborsten. Dutzende von Ortschaften sind von der Außenwelt vollständig abgeschnitten, tausende von Menschen obdachlos. In mehreren Fällen wurden Wohnhäuser samt den Einwohnern von den Fluten weggespült. JnBirmingham stieg der Che- nogo-Kanal um sieben Meter. Die Waffermaffen rissen zwei Brücken fort, zerstörten mehrere Gebäude und überfluteten einen großen Teil der Stadt. Tausende von Arbeitern und Angestellten werden in den Geschäftsvierteln zurückgehalten, da die heit der Teilnehmer ist entscheidend. Hier würde natürlich wieder ein ungeheurer Terror der Nationalsozialisten einsetzen, di« jed« Betefligung an der Volksabstimmung als Landesverrat erflären wollen. Wie ernst man in Berlin di« Lage ansieht, geht daraus hervor, daß Heß, der bereits als todkranker Mann gilt, seinen Kuraufenthalt abbrechen mußt« und im Flugzeug nach Danzig geschickt wurde. Die Stimme des Urwaldes „Gestern in den frühen Abendstunden sah man einen originelle n Umzug in den Mra- ßen von Köin'gsüerg. Von zwei Seiten flankiert Ivurde ein ühler Judenjüngling durch die Straßen geführt, der ein großes Plakat auf der Brust trug, das folgende Inschrift hatte: „Ich bin der Judt, der in Kranz mit einem deutschen Mädchen oha« Badehose gebadet hat." Begleitet wurde der Zug durch eine gewaltig« Menschenmenge, die in entrüsteten Zurufen ihrer Empörung Ausdruck verlieh. Und als dann der Angeprangerte in der Traghenner Kirchenstraße gär versuchte, die für ihn scheirchar. plötzlich unangenehme Situation durch Flucht in einen Hausflur zu beenden, wurde er von den deutschen Vo lksgenossen herausgeholt und-erhielt hier nun sogleich ein ,paar kräftigePüffe. Das Ueberfalllommando setzte den Juden schließlich in Schutzhaft. Hoffentlich wird diese Keine Leftion der frechen Mischpoke zur Warnung dienen, deutsche Mädchen ein« und für allemal in Ruhe zu lasser. Denn sonst könnte es vorkommen» daß eines Tages die halbe Synagogengemeinde mit einem Plakat vor der Brust durch die Straßen wandern müssen. Wir warnen davor." Aus der„Preußischen Zeitung" Königsberg. Den Greuelmärch^n, die sie selbst über ihre Barbarei verbreiten, kann sechst das wildeste „Greuelmärchen"„staatsfeindlicher Untermenschen" nidjt das Wasser reichen—l Automobilisten-Riedertracht Chamonix. Auf der Straße von Genf nach Ehamonix fuhr ein unbekanntes Auto auf einen anderen Wagen auf und schleuderte ihn in einen G ebirgsbach, worauf es davonfuhr. Der in den Dach geschleuderte Wagen wurde vollständig zertrümmert und von den Fluten davongeschwemmt. Die in chm sitzenden Personen konnten bisber nicht gesunde» werden. . Eine Masarykfeier in Genf. Montag fand in der tschechoslowakischen Beseda„Slovan" in Genf eine Gedenkfeier des ersten öffentlichen Auftretens Prof. T. G. Masaryks in der Schweiz im Juli 1918, und zugleich eine 600-Jahresfeier des Feuertodes des Magisters Hus statt. An der Feier nahm außer allen in Genf lebenden Tschechoslowaken auch ein« Delegation aus teil. An Masaryk wurde ein Begrüßungstelegramm gerichtet. Bergarbcitertod. Im Kohlenrevier von Brennberg in der Nähe von O l d e n b u r g ereigneten sich Montag zwei tödliche Unfälle. Auf dem Barbara-Schachte verschütteten die Erdmassen einen Bergarbeiter, der nur noch als Leiche geborgen werden konnte, und im benachbarten Hermesschachte wurde ein Bergarbeiter vom Schwindel ergriffen und stürzte 20 Meter tief ab Er blieb tot liegen. Hagel zerstört Häuser. Montevideo wurde Montag bon einem heftigen Hagelschlag heimgesucht. Eine Reihe von Häusern stürzte ein und der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik. Zwei Personen kamen ums Leben, etwa 250 wurden verletzt. Kommunistische Propagauda im sapamscheu Heer? In Tokio wurde ein 21jähriger Unteroffizier des Gardercgiments und zwei schon lange gesucht« von dem Hochwasser gefährdete« Drücken, die zu den Wohnviertel« führen, von der Polizei gesperrt werden mußten. Allein in Birmingham wird der Sachschad« auf über eine Million Dollar geschätzt. Helena, Staat Montana. Nach den ersten Berichten sind bei dem Wolkenbruch bei Wheeler im Staate Montana 24Personen ums Leben gekommen und 4 00verwundet worden. Und 20.000 Obdachlose in China Schanghai. Das Hochwasser im Flußgebiete deS Aangtsekiang hat auch die Provinz Kinangsi schwer betroffen. Die Provinz ist fast zur Hälft» überschwemmt. Hunderte vo« Deichen sind am Pojang-See«nd Kan-Fluß geborsten Aus allen Teilen der Provinz treffen ununterbrochen Flüchtlinge in Tantschang ein. Einer Meldung aus Hankau zufolge find bereits 4400 Häuserzerstört worden 2 0.0 0 0 Menschen haben damit ihr O b- dach verloren Die Eisenbahnstreike Hankau—Peiping ist durch den Einsturz einer Bahn- brücke mrterbrtzchen worden. kommunistische Agitatoren wegen kommunistischer Umtriebe verhaftet. Der Unteroffizier wird vor das Kriegsgericht gestellt werden Pariser AuSstellungS-Lotterie. Die Stadt Paris hat mit der französischen Regierung ein lleber- einkommen getroffen, demzufolge eine Lotterie ausgeschrieben wird, deren Ertrag von 280 Millionen Francs der Finanzierung der für das Jahr 1937 vorbereiteten Großen Pariser Ausstellung gewidmet ist. Reue AutotuSverbindung durch de« Böhmer- Wald. Bom 1. Juli bis 80. September wurde über den Sattel von Neumark auf der Strecke Neuern— Eeskä Kubice versuchsweise eine AutobuSlini« oin- geführt, welche unseren Touristen Gelegenheit bieten soll, verkehr-technisch bisher nicht erschlossene Gebiete d«S Böhmerwaldes zu besichtigen. Die 30,5 Kilometer lange Strecke wird täglich zweimal befahren. Der Autobus hält auf Verlangen auch außerhalb der fahrplanmäßigen Stationen. Abfahrt von Neuern um 10 Uhr 85 Min. und 19.05 Uhr, von Eeflä Kubice um 7 Uhr 55 Min. und um 13 Uhr 10 Min. In den beiden Endstationen ist guter Anschluß an Touristenzüge vorhanden. Luftverkehr Pro,—®«4nf verbilligt. Die beliebteste Strecke der staatlichen Aero-Linien, der sogenannte Adria-Expreß, ermäßigt ab heute die Tarife um 13 bis 16 Prozent. Ein« Fahrkarte nach Susak kostet ab P r a g 630(früher 720) KJ, eine Rückfahrkarte Kd 1134, ab Brünn 530 KL, abPreßburg 450 KL, äbKöniggrätz 700 KL, ab W i e n(via Pveßburg) 510 KL, ab Kasch au 620 KL, ab L Z h v r o d 650 KL, ab Karlsbad oder Marienbad 720 KL. Der Flug nach Susak dauert ab Prag nur 305 Minuten, ab Brünn 240 Minuten, och Prrßbu^ 180 Minuten. Ankunft in Susäk um 12.05 Uhr direkt im Hafen, so daß die Reisenden sofort auf das daneben ankernde Schiff umsteigen können. Jeder Reisende ist versichert und hat Anspruch auf die kostenlose Beförderung von 15 Kilogramm Reisegepäck; für ein Mehrgewicht wird ein Zuschlag bezahlt. Die Autofahrt zum Flugplatz ynd zurück ist umsonst. Kinder bis zu drei Jahren Es ist leider unmöglich, eine ins einzelne gehende Beschreibung zu bringen. Die Vorführungen am SamStag rollten in rascher Folg« ab und boten einen sehr lebendigen Ausschnitt aus der vielgestaltigen und erfolgreichen Arbeit des Arbeiterradsports. An dem Bundesfest nahmen als Vertreter der SASJ Senator Genosse Heinrich Müller, für die Zentralkommisfion sirr Körperkultur Genosse Sil ab a, für die DTJ Genosse Char- v a t, für die tschechischen Arbeiterradfahrer die Genossen I o n a S, N e m e k e k und M a s i k, für den AtuS Genosse Köhler und für den 6. Atus-Kre,s Genosse M' kur- teil. Die Genossen Jonas, Mülle r und Silaba sprachen zu den Festteilnehmern und fanden ihre Ausführungen begeisterten Beifall. Nun lassen wir die wichtigsten Ergebnisse auf sportlichem Gebiete folgen: Reigenfahren Vierer» Schulrrigeu: 1. Politz 51, 2. Sodau 49.5 Punkte.— Sechser-Schulrrigen: 1. Eger 53. 2. Steinschönau 46 Punkte..— Sechser- Schmuckreigen: 1. Eger 53 Punkte.— Vierer- Schmuckrei» gen: 1. Udwitz 31 Punkt«.— Bierer-Kunstreigen (Sportlerinnen) 1. Biela 39.32 Punkte.— Vierer» Kunftreiaen: 1. Warnsdorf 59, 2. Eger 49.2 Punkt«. -— Vierer-Steuerrohrreige«: 1. Warnsdorf 49.65 Punkte. Kunstfahren Einer- Kunstfahren r 1. Effler(GaberSdorf) 15.48,2. Geißler(Turn) 15.42 Punkte.— Zweier- Kunstfahren: 1. Kosten 17.01, 2. Steinschönau 14.47 Punkte.— Gruppen Kunstfahren: 1. Kosten 15.81, 2. Steinschöanu 15.19, 3. Neutitschein 12.84 Punkte. Um di« Radtall-VundeSmeisterschast Dreier-Radball: Wistritz gegen Sodau 1:5, Neutitschein gegen Türmitz 1:5, Wistritz gegen Reu» titschein 2:4, Türmitz gegen Sodau 1:7, Neutitschein Sport vom Sonntag ASK. Predlitz gegen S K. Kleische 1:2(1:0) Vor einer größeren Zuschauermenge gelang es mit großer Mühe SK Kleische, ihren punklegleichen Gegner ASK Predlitz, wenn auch knapp, zu schlagen. Mit diesem Treffen wurde die Gruppenmeisterschaft entschieden und nun hat Kleische Gelegenheit, bei den demnächst stattfindenden Spielen um di« Halbkreismeisterschast ihr weiteres Können zu zeigen. Di« erste Halbzeit gehörte zum Großteil Predlitz, welche auch nach kurzer Zeit den Führungstreffer erzielte. Auch Kleische hatte mehrmals Chancen, sich einen Vorsprung zu sichern, aber es fehlt« der nötige Druck vor dem gegnerischen Tor. In der zweiten Halbzeit setzten beide Vereine mit flottem Tempo ein, jedoch ohne Erfolg. Kleische drängt öfter vor Und zwingt somit Predlitz ins eigene Feld. Ein prächtiger Flankenschuß des Rechtsaußen wurde zum Ausgleichstreffer verwandelt, so daß spontaner Beifall des Publikums- einsehte. Run gibt Predlitz den Ton an, doch an der Verteidigung der Hausherren scheitert jeder Angriff. Durch einen Prachtschuß des Kleischer Mittelstürmers wurde dann das Skore auf 2:1 erhöht und brachte damit den Endstand. Beide Mannschaften zeigten Disziplin und guten Sport. Dem Schiedsrichter. Genossen See- mann-Teplih, sowie den unermüdlichen Ordnern und Funktionären gebührt besonderer Dank und Anerkennung. W. zahlen zehn Prozent, bis zu sieben Jahren 50 Prozent. Es empfiehlt sich, die Plätze im Flugzeug rechtzeitig zu bestellen, da das Interesse ziemlich groß ist.— Staatsangestellten gewährt die staatliche Aero-Linie auch auf diesem Adria-Expreß sowie auf der Strecke Pystian—Wien und auf der Expreßlinie Prag—UZHorod—Bukarest eine 33pro- zenfige Fahrpreisermäßigung. Ueber schriftliches Ansuchen, das amtlich bestätigt sein muß, erhallen auch die Angestellten der Länder und Selbstverwal- tungskörper sowie Lehrer dieselbe Ermäßigung. DaS Wetter. In einem großen Teil des Binnenlandes herrschte gestern schönes und erneut wärmeres Wetter. In der Republik erreichte die Temperatur vereinzell 25 Grad, in Bayern und in der Schweiz wurden nachmittags stellenweise 27 bis 28 Grad Celsius verzeichnet. In Frankreich haben jedoch Gewitter eine mäßige Abkühlung gebracht. Die Gewitterzone rückt langsam gegen Mitteleuropa vor. Ungünstiges und kühles Wetter dauert noch immer im Osten des Festlandes an, wohin andauernd kühlereLuft aus HÄHcren Bretten zugeführt wird.— Wahrscheinliches Wetter heute: Im westlichen und mittleren Teil der Republik ziemlich heiter, weitere Erwärmung. Wetteraussichte« für übermorgen: Im Westen des Staates Vereinzelle.G e w j t t e r und tagsüber wieder etwas kühler! Vom Rundfunk aus den Programmen! Donnerstag: Prag, Sender S: 10.05 Deutsche Presse, 11.50: Salonorchester, 12.10: Schallplatten: Bach, 12.30: Jazzorchesterkonzert, 18.20:' Deutsche Sendung: Der Fluch der Kröte, Melodram, 19: Deutsche Presse, 21.35: Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.35: Tanzmusik. Sender S: 7.80: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: AuS dem Lande der tausend Seen.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Alexander Stern: Die alte Tuchmacherstadt Brünn, 20.20: Offenbach: Die Banditen, Auszug a. d. Operette. — Mährisch-Ostra« 16.20: Deutsche Sendung: Jng. Korngold: Die Energie der Atome, Unterhaltungsprogramm.— Preßburg 18: Violinkonzert.— Kascha« 16.30: Orchesterkonzert. gegen Sodau 0:7, Wistritz gegen Türmitz 3:2. Sodau wurde Bundesmeister.— Zweier-Radball: Komotau gegen Altsattl 6:2, Tetschen gegen Altsattl 5:0, Komotau gegen Tetschen 4:5. Tetschen wurde BundeS- meister.—- Dreier-Radpolo: Witkowitz gegen Eger 7:1. Der Sieger errang damit die Bundesmeister- schaft. Di« Radball-Festmeisterlchaft Zweier-Radball: Kosten gegen Littmih 3:2, Allrohlau gegen Sodau 3:1, Altrohlau gegen Kosten 7:1, Türmitz gegen Altrohlau 2:8. Festmeister: Allrohlau.— Sechser-Radball: 1. Kreis gegen 8. Kreis 3:1, 2. Kreis gegen 7. Kreis 9:0, 1. Kreis gegen 2. Kreis 3:1. Festmeister wurde die Dkann- schaft des 1. Kreises(Teplitz-Saaz). Internationale Radballspiele. Zweier- Radball: Aruk gegen Verband Pilsen 8:2.— Dreier-Radball: Aruk gegen Verband Pilsen 6:0. Straßenradrennen 10 Kilometer Tempofahren: 1. Wassermann (Asch) 15 Puntte.— 10 Kilometer(Einzelrennen): 1. Gößnitzer(Altsattl) 19:51, 2. Richter(Komotau) 20:14 Min.— 10 Kilometer(Paar-Rennen): 1. Mraz—Bouda(Pilsen) 21:15, 2. Ji§a—Stipek (Pilsen) 22:11, 8. Glöckner—Götz(Neudek) 24:24 Min.— 100 Kilometer(Straßenrennen): 1. JiSa (Pilsen) 2:51:16, 2. Andkl(Pilsen) 2:51:18, 8. Glöckner(Neudek) 2:51:40 Std. 2X5 Kilometer Tempofahren(Motorradfahrer): 1. Feistauer(Karbitz) 29, 2. Franz(Kroch- witz 34 Punkte. Wehrsportliche Wettkämpfe Dreier- Mannschaftskampf: 1. Atus-Bezirk Karlsbad 178.75, 2. Atus Neurohlau 169.11, 8. Aruk-Bezirk Neudek A 163.72 Punkte.— Drri- kampf für Radfahrer: 1. Hamp«(Settenz) 116, 2. Gänsler(Udwitz 100.33 Punkte. Sportergebniffe vom 1. Aruk-Bundesfest Nr. 158 Mittwoch, 10. Juli 1935 Seile 5 Wie es kommt... Wie es kommt, daß die sonderbare Ansicht vorherrscht, die politisch^ Spannung in Europa wäre vor allem eine Folge des Umstandes, daß kein Staat sich finde, der mit dem Ab rüsten als erster beginnen wolle?— Das kommt wohl daher, daß die wenigsten wissen, daß sich ein solcher Staat bereits gefunden hat. Dieser Staat heißt San Marino, hat 13.000 Einwohner und ein stehendes Heer von zwanzig Mann, das nun auf zehn Mana herab« gesetzt werden soll. Die Artillerie wird von dieser Abrüstungsmaßnahme allerdings nicht betroffen; sie besteht nämlich bloß aus einer einzigen Kanone, die zum Abfeuern von Freudenschüssen dient. Wie eS kommt, daß sich immer wieder Leut« finden, die an der Post allerhand zu bemängeln haben?— Das kommt wohl daher; daß die wenigsten wissen, welch unerhörten Anforderungen die Post mitunter gerecht werden muß. Die amerikanische Postverwaltung zum Beispiel, hatte kürzlich Marken mit dem Bild der SüdpolforscherS Byrd herausgegeben, worauf der dringende Wunsch geäußert wurde, die mit diesen Marken frankierten Sendungen auch denselben Weg gehen zu lassen, den derjenige ging, dessen Bildnis die Marken tragen. Anscheinend von der Ueberzeugung ausgehend, daß ein Wunsch noch selten so berechtigt war wie dieser, schickte, die Post die Brief« und einen eigenen Beamten per Flugzeug in da- Byrd-Lager in der Antarktis, dort wurden die Briefe feierlichst abgestempelt(was einige Tage in Anspruch nahm), und als dies geschehen war, brachte man di« Briefe wieder zurück nach New Nork, um sie den Adressaten zuzustellen. Wie es kommt, daß einzelnen Spitzenleiftua- gen die ihnen gebührende Anerkennung als Rekord versagt bleibt?— Das kommt wohl daher, daß sich mitunter sogenannte Psychiater in di« Sache einmischen. Dieser Tage, zum Beispiel, meldete der Linzer Polizeibericht, daß am Pöstlingberg«in Hilfsarbeiter wegen Bedenklichkeit angehalten wurde. Bei der Bisitierung des Mannes, der einen Leibesumfang von nahezu zweieinhalb Metern hatte, stellte sich heraus, daß«r unter seinem Rock und in der Hose 800 leere Flaschen, 180 Tabakpfeifen, 30 Messer, 80 Eßlöffel, 15 Gabeln, 10 Scheren und drei Kilogramm Altpapier, lauter wertlose Gegenstände, im Gesamtgewicht von etwa vierzig Kilogramm, geschleppt hatte. Dreihundert Flaschen mit sich spazieren zu führen, daS ist unzweifelhaft ein Rekord, wenn auch diese Tatsache in dem betreffenden Polizeibericht lediglich mit den Worten gewürdigt erscheint: »Der Mann wird auf seinen Geisteszustand untersucht werden.* Bei welcher Gelegenheit bemerkt sei, daß kürzlich ein kühner Draufgänger einen Rekord im— Biertunken dadurch aufzustellen vermochte, daß er innerhalb dreißig Tagen.500(fünfhundert!) Liter Bier hinter die Binde goß. Merkwürdig, daß der Bericht über diesen Rekord keineswegs mit den Worten schloß:»Der Mann wird auf seinen Geisteszustand untersucht werden.* * Wie eS kommen kann, daß eine Partei auf die Zustellung einer Geldsendung vergebens wartet? — Antwort auf diese Frage gab der Postadjunkt Kirsner, der dieser Tage unter Anklage des Verbrechens der Amtsveruntreuung, begangen durch Unterschlagung von zweitausend Schilling, vor dem Wiener Schöffengericht stand. Aufgefordert, sich zu rechtfertigen, erklärte der Mann, daß eS nicht seine, scndern Sache der Postverwaltung sei,, sich zu verteidigen, welche Behauptung er durch die unbedingt überzeugende Argumentation zu unterstützen vermochte:»Ich bin ein Säufer, und einem Säufer soll man kein Geld anbertrauenl" Ernst Mache!. Eine Kirche vom Blitz getroffen. Die Kirche in Rocca de Georgi(bei Pavia)■ wurde am Montag während eines Gewitters von einem Blitz"getroffen und schtver beschädigt. Das Gewölbe der Kirche ist eingesiürzt. Ein neuartiges Fensterglas. In den Vereinigten Staaten wird ein neuartiges Fensterglas erzeugt, daß die SonNenwärme nicht durchläßt, Durch ein besonderes Verfahren ist eS gelungen, ein Bla» herzustellen, dar die wärmeübortragenden(infraroten) Strahlen der Sonne nur zu einem geringen Bruchteil durchläßt und die Wärmewirkung der Sonne auf ungfähr 30 Prozent herabgemindrrt. Dieses Fensterglas eignet sich in vorzüglicher Weise für die heißen Landstriche und sichert in diesen Gegenden den durch dieses Glas geschützten Räumen eine angenehme Temperatur. Vernichtet Pasteurisierung der Milch die Bitamine? Die Frage, ob bei der Pasteurisierung der Milch die Vitamine vernichtet werden, ist eingehend erörtert worden und es haben sich gewichtige Stimmen sowohl für als auch gegen die Pasteurisierung geäußert. Eine klare Feststellung aber, ob durch die Pasteurisierung wirklich Vitamin« zerstört werden, ist nicht erfolgt.— Nun befaßt man sich in England mit dieser Frage Und will dem Problem auf folgond« Weise auf den Grund kommen: es werden 8000 Schulkinder invier Gruppen geteilt, von denen durch eine bestimmte Zeit der einen Gruppe pasteurisierte, der anderen nicht pasteurisierte, der dritten gemischte und schließlich der vi«ten Gruppe Nahrung ohneM ilch verabreicht werden wird. Nach einer bestimmten Zeit sollen die verschiedenen Gruppen ärztlich untersucht und es soll dann entschieden werden, ob die Pasteurisierung in England eingeführt werden bürd oder nicht. Damit ist nun der Uebelstand klar aufgezeigt. ES ist aber außerdem noch zu bedenken, daß die auf solche Weise verteuerten Futtermittel die Existenz der kleinen Viehzüchter insofern besonders schwer schädigen, weil auf der anderen Seite der Viehpreis verhältnismäßig niedrig ist und das teure Futtergetreide in keinem Verhältnis zu diesem Viehpreis steht. Eine monopolistische Preisregelung in der Getreidebewirtschaftung müßte daherin er st er Linie darauf Bedacht nehmen, daß die Erzeugungskosten in der Viehzucht nicht unnötigerweise erhöht werden und dadurch eine allgemeine unerträgliche Situation in einem T e i l e d e r V o l k s w i r t s ch a f t herbeigeführt wird, wie dies leider jetztderFallist. Aus diesem Grunde hat der Kleinbauernverband bei den zuständigen Stellen folgenden Vorschlag zur Novellierung des Getreidemonopols unterbreitet: 1. Der Einkauf von Futtergetreide wäre jenen kleinen Viehzüchtern bis zu einem Höchststand von fünf Stück Rindvieh und nur dann, wenn sie infolge geringer Erzeugung nicht verpflichtet sind, Getreide zu liefern, im Orte zu Produzcntenprei- sen zu gestatten. Um einen Durchbruch des Monopolgedankens zu vermeiden, müßte der gesamte Futtergetreidebedarf in den einzelnen Gemeinden von einer landwirtschaftlichen Fachkommission festgestellt werden. Die Zukäufer von Futtergetreide sollen im Wege des Gemeindeamtes eine Anweisung erhalten(Schein), mittels der sie das auf sie entfallende Futtergetreide von dem größeren Produzenten zu den ortsüblichen Produzentenpreisen beziehen können, nachdem vorher amtlicherseits zu bestimmen wäre, daß das durch die Kommission erhobene und festgestellte Gesamtquantum an Fut- tergetreide bei einzelnen Großlandwirten zurückbleiben kann, also diese Menge nicht an den Kommissionär abgeliefert werden braucht. 2. Falls dieser Vorgang größere Schwierigkeiten bereiten sollte, so könnte verfügt werden, daß alljährlich ein größeres Gesamtquantum an Futtergetreide(das sind: Gerste, Hafer, Winterweizen) seitens der Monopolgesellschaft zu einem um etwa 20 bis 30 XL ermäßigten Preis an die bedürftigen Viehzüchter abgegeben wird. Selbstverständlich müßte auch hier nur derjenige bezugsberechtigt sein, dem amtlicherseits Bezugsscheine zur Verfügung gestellt werden. 3. Die Erhebung, wieviel Futtergetresde auf den einzelnen Landwirt pro Rind oder Pferd entfällt, obliegt der im Punkt 1 erwähnten Fachkommission..' •. Ai^f diese Weise wäre eine Koatxosse gegeben und kamen die kleinen Viehzüchter zu billigem Futtergetreide. Damit Ware aber auch der schwierigen Lage der kleinen Viehzüchter einigermaßen Rechnung getragen. Andererseits haben auch die Konsumentenkreise ein Interesse daran, daß die kleinen Viehzüchter instand gesetzt werden mit billigen Futtermitteln, Vieh und tierische Produkte billig zu erzeugen, weil auf diese Weise eine unnötige Verteuerung dieser wichtigen Lebensmittel vermieden wird. Zur Novellierung des Getreidemonopols Vom Zentralverband der deutschen Kleinbauern und Häusler wird uns geschrieben: Das Getreidemonopol hat eine erhebliche Verteuerung des Futtergetreides nach sich gebracht. Diese hat zur Folge, daß die Viehzucht in den landwirtschaftlichen Kleinbetrieben, die alljährlich Futtermittel zukaufen müssen, schwer geschädigt wird. An der Zeit der guten Wirtschaftskonjunktur konnten die Kleinlandwirte ihre Viehzucht und ihren ganzen landwirtschaftlichen Betrieb dadurch auf^der Höhe halten, daß sie ihren Verdienst aus dem handwerklichen oder Arbeiter-Nebenberufe für die Landwirtschaft, besonders aber zur Erhaltung der Viehzucht auf einer bestimmten Höhe verwendeten. Nachdem nun nahezu 80 bis 90 Prozent der Kleinlandwirte und Häusler den Nebenberuf infolge der Wirtschaftskrise verloren haben, sind sie gezwungen, ihre Existenz mit den Einnahmen aus der Landwirtschaft zu bestreiten, doch können sie ihren Viehzuchtbetrieb infolge Wegfalles der Nebeneinnahmen aus dem Arbeitsberufe nicht mehr auf der früheren Höhe erhalten. Die Nebeneinnahmen dienten zum großen Teile kür den Zukauf von Futtermitteln, weil nahezu drei Viertel der Kleinlandwirte bis zu einem Ausmaß von fünf Hektar, besonders in den Gebirgsgegenden, Futtermittel zukaufen mußten. Diese Futtermütel bestanden zu zwei Dritteln aus Futterkleie und Kleie, zu einem Drittel aus Kraftfuttermitteln(Oel- kuchen). Die allgemeine Verteuerung der Kraft- ,futtermittel und der Wegfall des Nebenverdienstes zwang"dre viehzüchtenden Kleinkindwirbe/sichinün Zukauf von Futtermitteln v o kW i'r g e n d aüf Futtergetreide und Kleie zu beschränken. Schon dadurch erfuhr die Biehzuckit bei ihnen eine Einschränkung/ Die vorjährige Mißernte steigerte denBedarf nach zugekauften Futtermitteln. Doch konnte dem nicht Rechnung getragen werden, da durch die Einführung des Getreidemonopols auch eine Verteuerung des Futtergetreides erfolgte. Viele Kleinbauern und Häusler waren neuerdings gezwungen, ihren Biehstand einzuschränken, was natürlich ein weiteres Ein« schrumpfen der Existenzbasis dieser Schichten zur Folge hatte und sie in die ärgste Bedrängnis brachte. Dadurch wurde ein Notzustand in vielen landwirtschaftlichen Gebieten heraufbeschworen, der sich in großer Unzufriedenheitüber die Regierungsmaßnahmen auf a g r a r w i r t s ch a f t l i ch e m Gebiete äußert und sicherlich auch bei den letzten Wahlen in politischer Hinsicht seinen Ausdruck fand. Wenn man in Betracht zieht, daß nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung des Statistischen Staatsamtes vom Jahre 1930 1,168.205 landwirtschaftliche Betriebe in der Republik sind, mit einem Ausmaß bis zu 5 Hektar, und die insgesamt einen Rindviehbestand von 1,453.860 Stück aufweisen— wovon in der Größenklasse von zwei bis fünf Hektar 2.4 Rinder durchschnittlich auf einen Betrieb entfallen, bei einer Anzahl von 438.348 Betrieben—, so kann man ermessen, wieviel ärmliche Existenzen hier ihr Leben von der Viehzucht fristen und wie sehr sie durch diese außerordentliche Verteuerung der Futtermittel geschädigt wurden. Bor der Einführung des Getreidemonopols war es jedem kleinen Viehzüchter möglich, in seinem Wohnorte bei den größeren Landwinen Futtergetreide zum ortsüblichen Produzentenpreis ein« zukaufen: Das Monopol beseitigte diesen Zustand, alle Landwirte, die Getreide verkaufen, müssen dies an die Kommissionäre(Lagerhäuser) liefern, und jene kleinen Viehzüchter, die Futtergetreide brauchen und im eigenen Betrieb nicht genug er« zeugen,, müssen cs.vom Kommissionär. entlauf en,, und zwar zu einem übermäßig hohen Preis, der sich nicht nur auS dem allgemein erhöhten Monopolpreis, sondern auch aus dem Gewinn des Kommissionärs(XL 7.— per Meterzentner) den Manipulations-, Einlagerungs- und Transportspesen zusammensetzt. Es soll hier nicht gegen den Monopolpreis, der ja an sich schon eine erhebliche Verteuerung brachte, Stellung genommen werden, sondern lediglich gegen die vollkommen überflüssige Verteuerung, die dadurch entsteht, daß der kleine Viehzüchter im Dorfe seinen Bedarf an Futtergetreide nicht mehr zu Produzentenpreisen im Orte bet den größeren Landwirten decken kann. Pioniere des Lebens Mit besonderer Erlaubnis der Büchergilde Gutenberg, Wien-Prag-Zürich, bringen wir einen Vorabdruck auS dem soeben erscheinenden Buch„Berge um'unS* von Heinz Scheibenpflug. Von des Tales tiefster Stufe, durch Bergwald und Mattenflur bi» hinauf zu den letzten übergoldeten Zinnen dex Berge, und in alle Ritzen steigt das Leben und ein wundersames Blühen. Ein reiches Fruchten und Weiterweben finden wir allerorten, auch dort, wo es scheinbar nicht mehr möglich ist und die Gefahren für die Lebewesen ins Unendliche steigen. Ueberall hat das Leben den Kampf ausgenommen und ihn, in stetiger Umformung seiner Form und seines Wesens, in ständigem An« und Einpassen auch überall zu einem siegreichen Ende geführt. Nun glauben wir den ganzen Weg gegangen zu sein und haben dennoch manches vergessen. Noch müssen wir die Frage nach dem„wie weit* klären, noch kennen wir die Grenz« nicht, an der mit dem Leben endgültig Schluß sein wird. Gibt es auch an den höchsten Stellen der Alpen noch Leben oder ist dort alles unter Schnee und Eis begraben? Gibt es Wesen, die dem stärksten und wütendsten Winddruck, dem ständigen CiSnadelregen in 4000 Meter und mehr noch gewachsen sind? Es dünkt uns geradezu«in Wunder, zu sehen, daß wir auch nrch ganz droben, ganz hoch km Gratfels und im Firnschutt, am ausgesetzten Gipfel und am windüberfallenen Steilhang ein Blühen finden, das sich nicht beugen und nicht hemmen läßt, das jede letzte Ritze besiedelt und immer wieder kommt, wenn e» auch zehnmal zurückgeschlagen wird. Wir fanden dieses Kämpfen schon unten an der Waldgrenze, wo wir die prächtigen Baumgestalten der Kampfbäume und Wet« terzirben fanden, und wir fanden dieses zähe Ringen immer wieder. Wir haben schon weiter vorne gehört, welche Entbehrungen ein hochalpines Gewächs zu ertragen hat, wie schwer sein Ringen um har Leben ist. Am Abschnitt„Rote Blumen, schwarze Tiere und warmer Föhn* haben wir da» Heldenbeispiel der Alpenazalee gezeigt, das ihr schwere» Kämpfen mit wunderbarer Karheit zeigt. Und auch diese Seite des alpinen Leben» macht un» daS Blühen am Berghang so lieb und vertraut, läßt es besonders ausgezeichnet erscheinen vor allem anderen Leben. Freilich ist daS südliche Blühen prangender, ist die Schönheit der Glashauspflanzen eine aufdringlichere und die sanften Hänge des Tales sind bunter und reichhaltiger. Aber hier finden wir die Einsamkeit, die wir suchen, wenn unser Pfad bergan gerichtet is', wir finden die Schlichtheit, die uns Erholung vor dem Protzentum der Niederung gewährt, wir finden unS gewissermaßen selbst wieder in diesem Bergblühen. Wir finden das Leben der Bergsteiger dem Leben der alpinen Pflanzen so ähnlich und gleicher Heldenmut zeichnet beide au», den bergerklimmen« den Menschen und die bodengedrückte, aber doch sonnenleuchtenden Planzen der allerhöchsten Stellen. Vielleicht vermenschlichen wix zu viel, vielleicht glorifizieren wir nur zu sehr, aber so ist unser Empfinden, so ist unser Fühlen und daraus entspringt die große Liebe zu den Pflinzen, zum Blühen der Berge. Am rasenden Tempo streicht der Sturm um die Felskanten und die Eisnadeln stäuben auf unter seinem heftigen Peitschen. Schwarz stehen die Schnecwolken hinten am Horizont und das Thermometer im Bergobservatorium fällt unun« terbroch.en. Hier heroben schneit eS nicht bei Null Grad oder weniger darunter, sondern hier wirbelt eS bei enormen Tieftemperaturen haarscharfe, stechende, winzige EiSnadeln durch die Luft. Ganz dicht am Boden rollen und schieben sich Steinchen, vermicht mit dem stäubenden Hartschnee dahin, die FelSober» fläche förmlich polierend. Eng hineingepreßt in die Felsspalte, ganz dicht an die winzigen Unebenheiten des rauhen Gesteins gedrückt, liegt die Rosette de» rotüberlaufenen Mannsschilde», eine der höchstgehenden Pflanzen der Alpen überhaupt. Sie stellt den TypuS der Pionierpflanze dar, im kargen Boden, in den extremsten klimatischen Ver hältnissen und am weitesten hinauf gehend. Das ist der pflanzliche Vorposten, der nicht nur angesichts der Eisfelder, sondern hoch über ihnen steht und das Leben den unwirtlichen Hang hinaufschiebt, immer ein Stückchen weiter, um Millimeter kämpfend und, stets wieder zurückgeworfen, doch nicht aufgebcnd. Man hat den Alpenmannsschild, eine Pflanze, die zu den Primelgewächsen gehört und den schönsten Typus der Polsterblumen darstellt, noch in der enormen Höhe von 4043 Metern angetroffen und er gehört daher zu den neun Pionieren, zu den neun Pflanzen, die am allerhöchsten steigen. Die Steinbrech« spielen hier eine große Rolle, vor allem natürlich ganz klein bleibende Arten, die vorwiegend weißblühend sind. -So geht der Moossteinbrech(Bild 49) auf der Schulter des Matterhorns bis 4200 Meter. ES wird in diesem Höhenrekord deS Blühens nur noch vom Gletscherhahnenfuß übertroffen, dessen in dieser Höh« vollends rot gefärbten Blumenbüschel zwischen Eisflecken und Abstürzen in der Höhe von 4270 Meter angetroffen wurden und die auf den höchsten Stellen deS Wege» zum Matterhorn sowie am Gornergrat, auf den Hochzinnen der Monte« Rosa-Gruppe und auf anderen Hochmassiven der höchsten Alpengebiete eine häufige Erscheinung sind(Bild 50). Aber auch ganz winzige Formen der kleinsten alpinen Teufelskralle, ein winzige» dunkelblaues Blümchen inmitten angedeuteter Blättchen, dann der Moschus- und der flachblättrige Steinbrech gehen bis 4000 Meter hoch. Hieher gelangt dann auch die schwarze Schafgarbe, der„schwarze Speik* der biederen Aelpler, hier allerdings nurmehr ein schwacher Abglanz einer weiter unten recht stattlichen weißblühenden Pflanze. Bis 4200 Meter gehen dann schließlich ein anderer Steinbrech und ein Enzian, damit auch dieses echt alpine Geschlecht vertreten sei auf den höchsten Zinnen. Es ist der kurzblättrige Enzian, und von einem blauen Prangen und satten Leuchten ist allerdings nicht viel zu sehen, wenn er seine winzigen, nur knapp einen Zentimeter großen Blüten in die Felsfugen preßt, aber er ist da, blüht, fruchtet und zeigt sich als Sieger über alle Gefahren und Widrigkeiten. Das ist der Alpen höchstes Blühen. Es wundert uns nicht zu hören, daß in den asiatischen Gebirgen, daß auf dem alpin-vulkanischen Riesenleib des Kilimandjaro die Planzen höher steigen und weiter hinauf gelangen. Sie haben doch der höheren Temperatur wegen 1000 Meter„Vorgabe"- um die auch der Wald, das Krummholz und die Matten, wohl anders aussehend, aber doch gleichen Bedingungen entsprechend wie unser alpinen, höher steigen können. Die Verschiebung nach oben erklärt sich aus derAnfangstemperatur, die allen südlicher gelegenen Gebirgen natürlich auch noch weiter oben ein reicheres Leben sichert. Und so finden wir denn im Himalaja die Zone der Pioniere erst weiter oben. An der Höhe über 5000 Meter beginnen wir die höchsten Pflanzen der Welt zu suchen, die, wie es sich dem„Dach der Welt" und der nahen „Göttinnenmutter", dem heiligen und noch immer unerstiegenen Berg geziemt, hier gedeihen müssen. Und wir sind wieder erstaunt, noch höher steigen zu müssen, als wir selbst hier vermutet hätten. Nicht bei 5000 Meter, erst viel weiter oben ist das Blühen zu Ende, hebt sich die letzte Blume dem Himmel zu, der zwar noch immer fast gleich weit im Unendlichen, aber doch um eine Spur näher ist als auf unseren heimischen Bergen l Hier blüht eine unscheinbare lleine Korbblüte, die aber, die» klingt besonders interessant, dem Edelweiß nahe verwandt ist, die Saussurea. Sie hat ihren Namen zu Ehren de» Schweizer Naturforschers Theodore Saussure erhalten, der sich im 18. Aahrhundert große Verdienste um die Erforschung der Pfanzen und ihres Lebens erwarb. Er hat daS höchstgelegene und das ehrendste Denkmal der Welt erhalten, eine Pflanze darf ganz oben, in Höhen, über die nur die Adler sich in schwingendem Schweben erheben und deS Menschen siegeSbrül- lende Flugzeuge steigen, seinen Namen tragen. Auf 5800 Meter geht die Sauffurea in Tibet, auf 6088 Meter in den Bergen OstturkestanS! Letztes Forschen fand im Himalaja eine noch höher gehende Pflanze, ein winziges Nelkengewächs, die Arenaria mosciformiS, noch in 6200 Meter Höhei Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 10. JnN 1935. Nr. 15S Was kostet Greta Garbo? „Greta Garbo kostet in lila Farbe ganzseitig 10.000 Dollar in der„Saturday Evening". Auf- lage zweieinhalb Millionen Stück. Zeitungen mit weniger Auflage naturgemäß billiger, ab 4000 bis 7000 Dollar. So lautet die Antwort auf meine Frage, was Greta Garbo kostet, gegeben von einem sachlichen Beamten in der Office der Firma„F a m o u s namcs"(d. h. Berühmte Namen) zu New Dor! mit Zweigniederlassungen in Washington und Chicago. Aüch ein Einfall Amerikas, diese Firma zu gründen, und bestimmt kein schlechter. Man wendet sich an berühmte Persönlichkeiten aus dem Film-, Sport- und Modeleben, ihren Namen und ihre Photo der Firma zu überlassen. Die Entschädigung, die ein solcher Star dafür erhält, ist verhältnismäßig gering, zirka 600 Dollar. Dafür erscheint aber das Bild des Stars in Tausenden von Zeitungen, Magazinen, auf Tausenden von Plakaten. Millonen Menschen in USA. lesen tagtäglich, daß Greta Garbo das und das Augenfeuer nimmt, daß Silvia Sidney ihr Haar nur mit dem »^"-Schampoon wäscht. Der amerikanische Geschäftsmann kennt ganz genau die Mentalität seines Volkes und weiß, daß es ungeheure naiv und gutgläubig ist. Der Amerikaner aus dem Volk hat für seinen Star eine grenzenlose Verehrung, es bildet sich ein wahrer Kult darin aus.'Greta Garbo nur einmal im Pyjama sehen, auch nur aus dem Bilde, genügt, und Tausende von Frauen werden dieselbe Art von Pyjamas tragen. Der Hut der„Königin Christine", den die Garbo in dem gleichnamigen Film trug, eroberte von Amerika aus die Welt. Bringt heute ein Fabrikant eine neue Seife, eine Schokolade, ein Abführmittel heraus, wendet er sich an die Firma der„Berühmten Namen" und erhält gegen eine entsprechende Zahlung, die wie bei der Garbo bis in die Tausende von Dollar geht, je nach der Popularität des Stars, Photo und—„Gutachten" des Stars.„Mae West trägt nur Wäsche von....",„Marlene Dietrichs Schlankheit nur durch„T"-Abführmittel, täglich gebraucht". Und der Amerikaner glaubt an diesen Bluff, glaubt seinen Film- und Fußball- oder Boxlieblingen und kauft... Für die jeweils in Mode stehenden Stare bedeutet dieses Werben natürlich eine glänzende Reklame, weshalb auch die Entschädigungen klein sind, wird doch die Popularität gehoben, flammt z. B. nachts in Riesenlettern, über ganz New Dork sichtbar, am Broadway auf:„Max Baer verdankt seine Kraft nur den stärkenden„Muskel-Pillen" oder in zweieinhalb Millionen Zeitungsexemplaren der„Saturday-Evening" bekennt sich seitengroß, in lila Farbe Greta Garbo zu ihrem Lieblingsparfüm. Busineß is busineß(Geschäft ist Geschäft) auch die Popularität. Olaf Barrou-Prag. MtltW MitUWstMen der ArbeiterfLrsorge finde« jede« Sams- 1 a g do« 5—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smekkagaffe Nr. 27, statt. Hohenelbe Als der Berghauptmann Christof von Gendorf im Jahre 1533 die Berggercchtsame der »Herrschaft Elbgebirge" erwarb, ließ er sich auch das Recht zusprechen, auf seinen Gründen nach freiem Ermessen»Bergflecken oder Städte" zu bauen. Noch im gleichen Jahre erhält er die königliche Bestätigung einer neuen Stadt, die er auf der Wüstung des verschwundenen Gießdorf aufbauen läßt und die er Hohenelbe nennt. Das ist das Gründungsjahr; im Juli 1933 hat Hohenelbe sein 400jähriges Jubiläum gefeiert. Die kleine Stadt wird Mittelpunkt neu erwachenden Lebens in diesem vom Gebirgswalde schon wieder halb eroberten Winkel. Dreizehn Jahre später ist das Schloß fertig, das sich Gendorf als Herr der Stadt erbauen läßt, ein Wasserschloß mit wehrhaften Türmen. Die Stadt ist klein; 1550 zählt sie nur 220 Einwohner und noch um 1600, vier Jahrzehnte nach dem Tode des Gründers, sind es erst 450. Handwerker und Händler, denen ein Chronist nachrühmt, daß sie „sehr künstreich in allerhand Hanthierungen seyn", führen ein beschaulich-wohlhabendes Leben. Allmählich entwickelt sich Hohenelbe von der Bergstadt zur Leinenweber- und Tuchmacherstadt. Handelsbeziehungen erstrecken sich bis nach Nürnberg und Venedig. Bis 1783 ist Hohenelbe eine Herrenstadt geblieben. Auf den Kärntner Gendorf folgt Wallenstein, der wie vielen anderen Besitz auch die Herrschaft Hohenelbe erworben hatte. Bei der Verteilung der Güter nach Wallensteins Ermordung kommt Hohenelbe an das Geschlecht von Morzin. Es residiert hier mehrere Generationen hindurch und führt zeitweise ein pietistisch-merkantilistisches Regime. Gute Zeiten wechseln mit schlechten, und während früher ein Hang zu fröhlichem Leben Anlaß bot,»gegen Fressen, Saufen und Huren" drakonische Strafen änzudrqhen und ein Chronist des 16. Jahrhunderts»Unartiges von den Frauen und Mädchen der Stadt" berichtet und es mit gegen lluL der Sarki Lteratue 4:10.6, 3. Atus A 2; 50 Meter Freistil(Frauen) Heisz(Atus A) 36.4 Sek.; 6X50 Meter Freistil 1. Atus A 3:17.2, 2. Prag 3:20.7 Mm. Im Was serball gewann Atus A gegen Prag 1:0 und 3:2. Im Tischtennis gewann Atus Brünn DTJ Brünn mit 8:1. Di« belgische Ball-Pelote-Meisterschaft der Arbeitorsportlor wurde in Brüssel in vier Tagen unter Teilnahme von zehn Mannschaften auSgetra- gen. Im Endspiel gewann Longtain gegen Vas- nelle mit 10:4 durch die größere Ausdauer. Der Schlafwagenkontrollor. Ein Berliner Film di« Flucht in die Vorkriegszeit angetreien hat uns die Geschichte eines Schlafwagen-Schaff» Handel und Wandel des Städtchens mit seinen siebentausend Einwohnern ist verknüpft mit dem Betrieb seiner Fabriken, den Flachs« und Baumwollspinnereien, den Garnbleichen und Leinenwebereien. Hohenelbe gehört zu den Standorten der böhmischen Leinenindustrie, die anschließend an die Textilindustrie der sächsischen Oberlausitz längs der Sudeten zwischen dem«schluckenau-Rumbur- ger Winkel und dem Braunauer Ländchen am Heuscheuergebirge seßhaft ist. Um Trautenau hat sich vor allem die Flachsspinnerei gruppiert! während dort die größten Betriebe 27.000 und 40.000 Spindeln zählten, liefen in guten Zeiten in den beiden großen Hohenelber Spinnereien nur je 11.000 Spindeln. Seit Ausbruch des Weltkrieges litt die böhmische Flachsspinnerei dauernd unter dem Rohstoffmangel, den der Ausfall der russischen Flachsproduktion mit sich brachte. Bemühungen, der und ners erzählt, der sich erfolgreich mit den damals noch so unvollkommenen Automobilen beschäftigt, was zu einem mehrfachen happy end führt. Der Regisseurs Eichberg, dessen Erfolge ungefähr aus der Zeit ftam*] men, in der dieser Film spielt, versucht, aus den Kleider- und Wagenmoden von damals komische Wirkungen zu ziehen. Die Darsteller gruppieren sich um den hinreichend bekannten Georg Alexander, erhandeln. Hochbetagte Laubenhäuser, deren altersschwarzes Holz in der Sonne silbern schimmert, stellen ihre Holz- oder schicferverkleideten Giebel, der Straße zugekchrt, auf hölzerne Säulen. Giebelschmuck und Säulenprofile sind bei jedem Hause anders; es ist Vielfältigkeit in der Einfachheit. Reichere Häuser variieren dieses alte Baumotiv in Stein. Die Hände kleinstädtischer Handwerker haben Giebel und Fassaden mit Renaissance- und Barockformen recht liebevoll geschmückt; die Kunst spricht ländlich-böhmischen Dialekt, und das ist anheimelnder als die irregeleitete Großspurigkeit, mit der man da und dort mitten in der Straßenreihe solche alte Laubenhäuser„städtisch" aufgestockt und ohne Mut zu neuer, eigener, zeitgemäßer Form verpatzt hat. Wie behaglich ist solch ein altes Rathaus: steinerne Lauben unten, darüber ein breites, gut aufgeteiltes Geschoß, ein geschwungener Giebel, ein untersetzter Vierkantturm mit welscher Haube, Laterne, Knauf und schmiedeeiserner Zier. Welcher Verfall von dieser formsicheren Naivität bis zu der„gotischen" Kirche, die sich störend in das alte Straßenbild drängt— Gotik von 18881 „Sehtette Dich selbst", das zweite Repertoirestück des Ensembles der Wiener Kamm erspiele, gelangt heute abends 8 Uhr in der Kleinen Bühne zur Erstaufführung. Wie auch in der ersten Revue, sind die Hauptdarsteller in„Bediene Dich selbst" Fritz Gründaum und KarlFarkas auch die Autoren. Für die Musik zeichnen Walter Hahn, der Dirigent, und Fritz Kramer. Preise: KL 10.—, bis Kc 45.—. Vorverkauf: N. D. Theater, Deutsches Haus, Tel. 24687. M. Truhläk. S. I. Prag. Mittwoch, den 10.Juli, gemeinsamer Gruppenabend aller drei Gruppen im Parteiheim: Bunter Unterhaltungsabend. '„Weinseligkeit" entschuldigt, so bringt der Dreißigjährige Krieg und die Zeit danach mehr Weinen als Wein; die einst so fröhlichen Hohenelber wenden sich einem trübsinnigen Mystizismus zu, der sogar sich an blutigen Geißlern erbaut. Die eingewurzelte Schaulust und Freude an dilettantischer Theaterspielerei findet nun an Passionsspielen und religiösen Schaustellungen ihr Genügen.„Beurlaub-Lied eines armen Sünders", „Der göttliche Jonas Christus Jesus leidet freuwilligen Schiffbruch aus innigst treuer Lieb uns zu erlösen",„Der durch den bittersten Weg des Schmerzlichsten Leydens Sein'Geliebtes Schaafs Mühsamst suchende Gute Hirt Christus Jesus"— so sind die Schauspiele betitelt, an denen sich die frommen Hohenelber damals erbaut haben. Die Zwangskatholisierung nach dem Dreißigjährigen. Kriege hatte auch die Auswanderung vieler Einwohner der Stadt zur Folge; sie flüchten ins Lutherische. Ein Augustinerkloster wird in Hohenelbe gegründet. Die Morzins bauen sich in Prag in der heutigen Nerudagasse ein Palais und leben fortan mehr dort als in Hohenelbe, das sie ihren Beamten überlassen. Es dauert nicht mehr lange; im Jahre 1783 wird Hohenelbe eine freie Stadt. Acht Jahre später erlischt die Hohenelbische Linie der Morzins. Ihrem letzten Sproß Xaver Josef hat Josef Haydn als-Kapellmeister für 300 Gulden Jahresgehalt im Hohenelber Schloß aufgespielt; man bewahrt noch eine Viola auf, die Haydn gespielt haben soll. I * Schlendert man zwei sonnige Sonntagvormittagstunden im Städtchen umher, so hat man alles gesehen: das Schloß der Grafen Czernin- Morzin hinterm hohen Parkzaun, das Kloster, von dessen Gangwänden alte gedunkelte Augustiner- portraits blicken, die Deckengemälde in der barocken Klosterkirche, aus der eben die Schar der sonntäglichen Beter ins Freie tritt, Deutsche aus dem Städtchen und tschechische Landbewohner, die dann, mit dem Gebetbuch in der Hand, den billigen Kram in ein paar Marktbuden betrachten, das Leder der Stiefel befühlen und bunte Kopftücher Der Liebesfachmann Der Amerikaner Eddie Cantor gehört zu jenen Komikern, deren Wirkung durch Wiederholung abgeschwächt wird, weil ihm die schöpferische Phantasie fehlt, die Chaplin hatte, und die sonderbare, nie ganz zu enträtselnde Menschlichkeit, die Auster Kraton immer wieder sehenswert machte. In dem ersten Cantor-Film, den wir zu sehen bekamen, im„Aan- däl in Rom", überraschte er uns als übermütiger Parodist und Grotesken-Hexer,— aber nun, da wir ihn innerhalb weniger Wochen schon zum dritten Male sehen, überrascht er uns gar nicht mehr. Di» Parodie hat sich verflüchtigt, die Groteske wirkt stereotyp, die Handlung des Films ist nur noch eine Sammlung von Lacheffekten, deren Zusammenhang mehr als willkürlich ist, und daß sich Eddie Cantor zur Aufpulverung seiner Komik mit immer der glei chen Schar von Revue-Girls umgibt(deren Humor äußerst fragwürdig ist), das macht die Selbstwiede r« holung nur noch deutlicher. Für solche, die Eddi» Cantor noch nicht kennen, hat freilich auch dieser Film, der in einer phantastischen Bäckerei und io einer komischen Gymnastikschule erotische Abenteuer, wider Willen vorführt, noch seine Reiz«. Denn et hat, wie alle Cantor-Filme, Technik und Schwung, —eiS— i (165.5 Kilometer). Sieger Zandoni. Die Etappe Seraing—Berschot(172 Kilometer) sich Jameaux. Die 148 Kilometer länge Etappe Berschot—Gemblaux gewann Siquet. fünfte Etappe Gemblaux—Namur(166.5 Meter) siel an I. Petit. Die sechste Etappe Möir cron—-Trozeguies(161 Kilometer) gewann Buhay und die letzte Etappe von Trozeguies nach Lüttich (165 Kilometer) gewann wieder Collin. In der Gesamtklassifikation siegte Siquet in 38:25 Std. vor Petit in 38:32 und Collin in 38:41 Stunden. Das Arbeiter-Turn- uad Sportfest in Preßburg Wir haben bereits gestern darüber berichtet und bringen nun kurz die wichtigsten sportlichen Ergebnisse. In den internationalen Konkurrenzen, wie sie in der Leichtathletik und in den waffersport- lichen Bewerben zustande kamen, zeigte sich das hohe Niveau des sozialistischen Sports und stärkte zugleich die Bestrebungen der slowakischen Arbeitersportler auf dem GÄiete der körperlichen Ertüchtigung. Die Teilnahme in den einzelnen Konkurrenzen war sehr zahlreich; außer den DTJ-Sport- lern aus Prag, Prerau, Brünn und Lundenburg nahmen auch Atus-Sportlerteil; aus Ungarn kam nur Genosse Nemeth, da die ungarischen Behörden einer Delegation die Abreise auf gemeinsamem Paß im letzten Augenblicke vereitelt hatten. Herzlich begrüßt wurden die österreichischen Genossen, die schöne Erfolge erzielen konnten. Sie gingen selbstverständlich unter falschen Namen und unter der. Bezeichnung„Atus A" an den Start. Die Ergebnisse: Sportler: 100 Meter: Kugler(Brünn V) 11. 5 Sek.; 200 Meter: Zanaska(Brünn) 24.8 Sek.; 800 Meter: Style(Brünn V) 2:15.8 Min.; 1500 Meter: Stippanitz(Atus) 4:38.5 Min.; 3000 Meter: Nemeth(Budapest) 9:27.8 Min.; Hochsprung: Kucman(Brünn V) 1.62 Meter; Weitsprung: Slavik(Preßburg) 5.64 Meter; Dreisprung: RihoSek(Presov) 11.22 Meter; Stabhoch: Barok(Bansso) 3.20 Meter; Kugel: Jilek(Brünn V) 11.62 Meter; Diskus: Bayer(Brünn V) 84.60 Meter; Speer: Stetina(Nove Zamky) 44.78 Meter; Olympische Stafette: 1. Brünn V 4:05, 2. komb. Staffel(Nemeth und drei Atus-Läufer), 3. Atus; Fünfkampf für Vierer-Mannschaften: Preßburg 1213.19 Punkt«. Sportlerinnen: 60 Meter: Pätrmanova (Prerau) 9.1 Sek.; Hochsprung: Patrmanova 1.30 Meter; Weitsprung: Komanek(Atus Lundenburg) 4,49 Meter; Kugel: Popova(Zwolen) 9.48 Meter; Schleuderball: Sturm(Lundenburg) 29.70 Meter; Dreikampf für Dreier-Mannschaften: 1. Lundenburg 612.93 Punkte; Dreikampf(Einzelbewerb): Sturm 219.64 Puickte. Wassersport: 200 Meter Brust: Petrbok (Prag) 3:11.4 Min.; 100 Meter Freistil: Heidewald(Atus A) 1:08.8 Min.; 100 Meter Brust (Frauen): Heizs(AtuS A) 1:40.2 Min.: 100 Meter Rücken: Janda(Prag) 1:27.8 Min.; 3X 100 Meter Lagen: 1. Prag 4:05.8, 2. Atus Al Rund um Belgien der Arbeiter-Radfahrer Im Schoße der großen belgischen Arbeitersport bewegung, aber ohne der Arbeiter-Turn- und Sport zentrale angeschlossen zu sein, weil ihr Charakter nicht vollständig dem AmateurismuS entspricht, existiert ein Verband der Radfahrer, welcher eine sehr be- merkenAverte Tätigkeit entwickelt, indem er zahlreiche Straßen- und Bahnrennen veranstaltet. Seit einigen Jahren haben indes die Bahnrennen an Interesse verloren, aber die Straßenrennen behaupteten sich mit Erfolg. Dieses Jahr wur.de zum achten Male die„Xout de Belgique" ausgetragen. Sie wurde in der Zeit vom 23. bis 30. Juni in sieben Etappen absolviert. 84 Teilnehmer, alle Belgier. nahmen daran teil. 31 Fahrer beendeten diese Tour, die infolge der großen Hitze sehr beschwerlich war. Im allgemeinen kann konstatiert werden, daß diese Veranstaltung ausgezeichnet organisiert und ihr Erfolg populär und beachtenswert war. Die erste Etappe war Namur—St. Mard(154 Kilometer) und wurde von Collin gewoimen. Die zweite Etappe führte von St. Mard nach Seraing ,.- dritte holte vierte Die Gilo- s- nach dem Kriege den inländischen Flachsbau zü> fördern, haben nur geringen Erfolg gehabt. Im» Jahre 1930 erreichten die böhmischen Flachsspin-I nereien nach Angaben der Fabrikantenorganisatjöir nur ein Achtel der Produktion von 1913. Seitdem ist es nicht besser geworden. Von 1928 bis 1933 ist die tschechoslowakische Textilausfuhr, von rund 7,2 Milliarden auf rund 1,6 Milliarden KL, genau um 77,35 Prozent zurück-I gegangen. Davon werden Wollwaren mit 80,73»« Baumwollwaren mit 80,45, Leinen- und Jute-I waren mit 68,29 Prozent betroffen. Nach einem« erst kürzlich, Ende Mai 1935 veröffentlichten Ex« I Pose Theodor Liebiegs, des Vorsitzenden im Allge«« meinen DeutschenTextUvcrband, sind von 116.000« Baumwollwebstühlen in der Tschechoslowakei nur» noch ungefähr 40.000 im Betrieb. Bon 3,625.000» Baumwollspindeln arbeiten nur noch 2,215.000« und auch diese nicht mit voller Belegschaft durch 4851 Stunden. Von 280.000 Flachsspindeln sind« 100.000 vernichtet oder völlig ausgeschaltet und! nur 170.00p arbeiten. Und so ist es überall:„JnH der Cottonstrumpfindustrie sind ungefähr ein Drit-M tel sämtlicher Maschinen stillgelegt. In den Be« I zirken Reichenberg, Gablonz, Friedland und Tui-1 nau haben 62 Textilfabriken ihre Tore wohl für! immer geschloffen. Aehnlich, zum Teil noch schlim« 1 mer, liegen die Verhältnisse in den Bezirken I Warnsdorf(25 geschlossen Fabriken), Rumburg1 (in Zwickau allein sind von 21 Fabriken 18 eingr.M gangen), sowie ist Ostböhmen, wo 37 Fabriken I stilliegen." Der Mensch kann im stillsten Winkel der« Welt wohnen— die Weltgeschichte findet ihn doch,« tritt an seinen Tisch und bringt oder nimmt ihm| sein Brot. Hinter der Traulichkeit dieser alten I Städtchen, die den Touristen so leicht täuscht und I ihn zu romantischen Schwärmereien vom„Glück» im Winkel" verführt, waltet die Wirklichkeit so« nüchtern wir in der lärmerfüllten Großstadt. Das z darf man nicht vergessen, wenn man die alten Lau» I benhäuser betrachtet. Es sind altertümliche, anhei« I melnde Gehäuse, aber der Sorgenwurm, der darin I nagt, ist von heute. E. H. Sprachenpflege.„Le Traduckeur", fran-i zösisch-deutscheS Sprachlehr- und, Unterhaltung-« blatt. Allen, die bereits Vorkenntnisse in der sran-M zösischen Sprache besitzen, ihr Wissen aber aus« unterhaltsame und zugleich bildende Weise vervoll«« kommnen w llen, wird die Zeitschrift von großem« Nutzen sein. Probeheft kostenlos durch den Verlag« des„Traductcur" in La Chaux-de-fondS(Schweiz).« Eddie Cantor und eine seiner vielen Partnerinnen-in dem Film „Sachverständiger in Liebesfachen". Bezugsbedingungen: Bet Zustellung mS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschalttingen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunaSftankatur wurde vor der Post- und Tcle« grapbendirektio« mit Erlaß Nr. 1Z.800/V11/19Z0 bewilligt.— Druckerei:.Ortis". Druck«. Verlags» und ZeitungS-A.-G„ Prag.