Freitag, 12. IM 1935 15. Jahrgang Nr. 160' 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag»ufochova a. Telefon D077. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VRANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Bflztftprels 70 Heiter (•inschliaBlich i Heller Fortol ».England braucht sich nicht zu entschuldigen“ Selbstbewußte Rede Sir Samuel Hoares Freundschaft mit allen ländern Das Interesse am Frieden voran I Ueberraschende Wendung Amerikas Hallen wird an den Keltogg-Pakt erinnertl Washington.(Tsch. P.- D.) Staatssekretär Hüll berief de« italienische« Botschafter zusich und legte ihm zum erste« Male fett dem Appell des abessinische« Kaisers a« * Amerika die amerikanischen Bedenke« gegen Italien- starre Haltung gegen» :R i über den Bemühungen des Dölkerbuu» des rtm die Schlichtung des Strettes w dar. »n 1 Gleichzeitig hat der Staatssekretär I den Senatsausschuß gebeten, die neue« fl Reutralitätsgesetze, die Amerikas Han- n. I delsfreiheit im Falle eines Krieges zwi- d- j schen dritten Mächten erheblich einschränken würden, einstweilen zurütk- JI rustellen. Von amerikanischer Seite wird ei« ii. I gewisses Bedauern darüber zum t«| Ausdruck gebracht, daß die kürzlich an >c* I den abessinischen Kaiser gesandte Rote Je- in Rom als llnterstüchung des italienisch I scheu Dorgehens und als völlige llnin- nd teressiertheit Amerikas am Schichsal u» i Abessiniens aufgefaßt worden sei. Des- i halb betonte Hüll gegenüber dem ita» MI lienischen Botschafter, daß Amerika „g Wegen der Taktik Italiens starkbe- s o r g t sei. Die Rote an Abessinien, er- — klärte er Wetter, sei ein deullicher Hin- r weis darauf, daß Amerika eine Der- letzung des Kellogg-Paktes als Bruch des darin abgegebenen feier- lichen Versprechens betrachten würde. _ So lange die gegenwärtige Krise wei- !I ter bestehe, möchte das Staatsdeparte- — j«ent auf seine neutralen Rechte, U Kriegsmaterial an Kriegführende zu senden, nicht verzichten, da ein derart!, j ger Verzicht angesichts der starken De- _ i waffnung Italiens als ein wettere- ir- Preisgeben der schutzlosen abessinischen gl. 1 Regierung gedeutet werde« könnte. in'• ige ‘ui Washington.(HavaS.) Den Berichte« zufolge, die i« hiesigen politischen Kreisen vertret- e t i tet find, istLondondanerndmit Washington in Berdindung»nd verhandelt über die Opvortunität eines Irrte« eße st e s im Sinne des Pariser Briand-Kellegg-Pak- a.“| tes gegen einen allfälligen Einfall Italiens in in« I Abessinien. eß Ul- ß r 17 Sozialdemokraten £ in Wien verurteilt ! Wien. Nach zweitägiger Verhandlung wurde heute das Urteil gegen 17 Sozialdemokraten ge- »R I fällt, die im März d. I. wegen Schmuggels der ' in Brünn gedruckten„Arbeiterzeitung" nach Wien verhaftet wurden. Der Hauptange« sa»■ klagte Franz Ferdinand Olach erhielt 15 Mo- I nate, vier weitere Angeklagte 12 Monate und zehn Angeklagte 7 bis 8 Monate; zwei Angeklagte wurden freigesprochen. G General-Hungerstreik der Häftlinge In Oesterreich seck| Wien,(Tsch. P B) Die politischen Häftlinge ohne Rücksicht ans ihre politische Ge- 5--! sinnung find Mittwoch in den Hnngerstreik gc- (,| treten. An dem Streik nehmen sowohl die Strafgefangenen als auch die in gerichtlicher oder '* l polizeilicher Untersuchung stehenden Häftlinge, i sowie auch die im Konzentrationslager in Wollersdorf angehaltenem Personen teil, a Nur auf da» Gefängnis- Krankenhaus erstreckt » i sich der Streik nicht. London.(Reuter.) In seiner Rede vor dem Unterhause behandelte Hoare zunächst das Flottenabkommen. Er betonte, daß das Flottenabkommen keineswegs selbstsüchtig sei und daß England kein solches Abkommen unterzeichnet hätte, das nicht auch zum Vorteil der anderen Seemächte gewesen sei. Jedes Abkommen, das England mit Deutschland hätte abschließen können, hätte derart sein müssen, daß es die Aussichten eines allgemeinen Flottenabkommens nichi präjudiziere. England habe aus bestimmten tiefgreifenden Gründen im Interesse des Friedens die sich ihm bietende Gelegenheit ergreifen müssen. Zu viele Gelegenheiten zur Herbeiführung einer Abrüstung seien in den letzten Jahren entschlüpft. Hier habe jedoch ein Fall Vorgelegen, in dem die Marinesachverständigen auf Grund marinetechnischer Gründe der Ansicht waren, daß ein Abkommen geschloffen werden mußte. Hier sei eine Chance gewesen, die viel- leicht nicht wiedergekommen wäre, um eine der Hanptursachrn für die Berschlech- terung de» Berhältniffe» zwischen Deutschland und England vor dem Krieg zu beseitige«, nämlich einen Rüstungsbewerb zur See. Weiter habe das Abkommen zur Beseitigung des unbeschränkten U-Boot-KriegeS geführt. Kurz eS sei hier eine Chance gewesen, ein Abkommen abzuschlicßen» das auch zum Vorteil der anderen Seemächte mit Einschluß Frankreichs sei. Der französische Flotte würde auf Grund des gegenwärtigen Stärkeverhältnisses der britischen Flott nach dem Abkommen eine Dauerüberlegcnheit von 43 Prozent über die deutsch« Flotte gesichert, m Vergleich zu einer Unterlegenheit von 30 Prozent vor dem Kriege. Vom logischen und juristischen Standpunft aus sehen die Dinge vielleicht anders aus als vom praktischen, aber die englische Regierung brauche sich nicht zu entschuldigen» wenn sie einen praftischen Beitrag zum Frieden liefere. Hoare behandelte dann den Liiftpakt und wie? darauf hin, daß die Regierung nach wie vor einen Luftpaft, der von einer Luftbegrenzung begleitet sein müsse, anstrebe. Die Schwierigkeit bestünde jedoch darin, die verschiedenen Ansichten auf einen Nenner zu bringen. Wenn man das wolle, müsse man die Zweifel und Schwierigkeiten der Nachbarn, d. h. der fünf Locarnomächte, verstehen. Es sei bekannt, daß diese den Luftpaft nicht von anderen Friedensbcdingungen trennen wollen. Man befürchte, daß England das tun wolle. Demgegenüber betone er, daß der Friede eine Einheit sei. Sir Samuel sprach weiter von dem Interesse Großbritanniens am Ostpakt und am Nichtangriffspakt für Mitteleuropa und erklärte: Es handelt sich nicht darum, daß Großbritannien irgendeine neue Verpflichtung übernimmt; dadurch ist aber unser Interesse an der Regelung dieser Fragen nicht ausgeschlossen. Wenn Redner auch nicht der Ansicht sei, daß der Abschluß eines gesonderten Westlustpattes di« Gefahr im Osten vermehren würde, so meine er doch, daß ein Krieg in Mistel- oder Osteuropa zu einem' allgemeinen Konflikt führen könne. Das sei der Grund, warum die britische Regierung den Abschluß eines östlichen und Donaupaktes so bald wie möglich wünsche. Redner betonte dann, daß der deutsche Reichskanzler einen bestimmten Vorschlag zur Ostpaktfrage gemacht habe, zitierte diesen im Wortlaut und hob hervor, daß die Franzosen diesen Vorschlag als Berhandlungsgrundlage angenommen hätten und daß auch der Donau pakt nach diesem Muster behandelt werden könne. Der'deutsche Reichskanzler sei nunmehr in der Lage, einen wahren Beitrag zum Frieden zu machen, der alle Befürchtungen der Regierungen in Mittel- und Osteuropa sowie in Westeuropa beseitigen könnte. Er rate ihm, diesen Beitrag zu machen, da er auch sich selbst damst dienen würde. Er möge nunmehr den nächsten Schritt vorwärts tun und den Verhandlungen über den Ost- und Donaupakt weiterhelfen, womit er dem Abschluß de» Luftpaftes, den er wünsche, einen großen Impuls geben werde. Bezüglich Oesterreich wiederholte Hoare die Ansicht, daß England die Unabhängigkeit«nd Integrität Oesterreich» anfrechtzuerhalten wünsche und daß di« britische Regierung die österreichische Regierung in ihren diesbezüglichen Anstrengungen unterstütze. Die» fei einer der Gründe, warum die britisch« Regierung einen Donaapakt auf Richtangriff und Nichteinmischung für Mitteleuropa wünsche. Sir Samuel ging sodann zur abessinischen Frage über und erklärte: Ungeachtet der Gefahr, daß wir scharf kritisiert werden, waren wir bereit, konstruktive Vorschläge zu machen, um einen Krieg zu verhindern, welcher, wie sein Ende auch immer sein würde, ernste Konsequenzen für daS ganze System des Völkerbundes hätte.. Das ist einer der Gründe unserer Bestrebungen, um die Basis für eine friedliche Lösung zu finden. Wir haben keinen anderen Grund außer rein friedliebende. Di« Behauptung, daß wir unsere eigenen Kolonialinteressen im Auge haben und Truppen in den Nachbarkolonien konzentrieren, ist vollkommen abwegig. Ich hoffe, daß die italienische Presse, die die Verantwortung für die Verbreitung so grundloser Beschuldigungen trägt, diese meine Erklärung veröffentlichen wird. Ich möchte es klarstellen, daß England von jeher Italiens Wunsch nach überseeischer Ausdehnung verstanden hat. Wir haben uns in der Vergangenheit bestrebt, in praftischer Weise unsere Sympathien mü den italienischen Aspirationen zu beweisen. Wir anerkennen das Bedürfnis der italienischen Expansion und anerkennen auch, daß einige der Vorwürfe gegen die abessinische Regierung berechtigt sind. Aus der Vergangenheit haben wir genug Erfahrungen, daß man Forderungen anpassen und Konflikte lösen könne, ohne zum Kriege zu schreiten, und ich bin ständig entschlossen, nichts zu verabsäumen, um das zu verhindern, wovon ich überzeugt bin, daß eS ein U n g l ü ck sein wird. Was das Verhältnis Großbritanniens zu den übrigen Ländern anlangt, erklärte Sir Samuel: Frankreich und Großbrstanuien find die westeuropäischen Großmächte, welche vor allem die Verantwortung für die im Jahre 1819 getroffene Regelung tragen. Wir sind deshalb besonders an den Aenderungen dieser Regelung interessiert, die von Zeit zu Zeit als dringende Forderung austreten. Wir standen an der Sette Frankreichs, wir haben durch viele Jahr« mit ihm zusammengearbritet und werden auch in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten. In diesem Sinne genügt e», auf die gemeinsame Erftärung vom 3. Feber und auf die in Stress beschlossene Resolutton hinzuwrisen. Wir beharren auf den Prinzipien der Zusammenarbeit, die in diese Resolutton ausgenommen wurden. ES ist nicht die Gewohnheit Großbritanniens, alte XSchluß auf Seite 2). Die Feuerkreuzler Frankreich vor der Entscheidung Die innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs beginnen einer Klärung entgegcnzueilen. Aus dem Wirrwar konfuser Gefühlspolitik, die seit der fascistischen Pariser Feberrevolte Frankreich in Atem hält und jede politische Stabilität verhin» dert, beginnt sich die kommende große Linie der französischen Politik zu entwickeln. Ein Links» block ist im Werden, ein Linksblock von einer Konzeption, die nur in Frankreich, dem Lande der Elastizität nicht nur in geistig-kultureller, sondern auch in politischer Beziehung möglich ist—1« Sozialdemokraten, bürger» liche Radikalsozialisten und Kommun i st e n sind dabei, sich, wenn auch unter Widerständen, zu einem Oppositionsblock zusammenzuschließen, der nicht nur der aktuellen Fronde gegen die allzu kompromißlerische Regierung Laval, nicht nur der Abwehr der fascistischen Gefahr, sondern auch k o n str u k ti v e n, sozial-re-^ publik a nischen Zielsetzungen der Zukunst gelten soll. Diese Entwicklung ist unverkennbar, wenn auch jener Teil der Radikalsoziali» sten, der noch hinter der Regierung steht, alle Anstrengungen macht, sie zum mindesten aufzuhalten. Schon haben gemeinsame Manifestationen der drei Parteien stattgefunden, schon sind gemeinsame Komitees im Entstehen, die die programmatische 'Plattform dieser antifascistischen Notgemeinschast herzustellen haben. Dabei wird die organisatorische wie auch die ^ideologische Unabhängigkeit der einzelnen Blockpartner voll gewahrt, kein« wie immer geartet« weltanschauliche VermischüNgStaktik betrieben werden. Die Voraussetzung für diese Block-Gemeinschaft deS aktiven Antifascismüs war eine v oll- kommene Schwenkung der kommuni st ischen P a r t e i, eine Schwenkung, die man, ohne jede Gehässigkeit, durchaus als Kapitulation bezeichnen kann. Als Kapitulation der Unvernunft vor der Vernunft. Nach Frankreichs Rußlandpakt haben sich die französischen Kommunisten radikal umorientiert; sie haben sogar eingesehen, daß es ihr! Pflicht ist, einer Regierung des enffchiedenen Republikanis« mus, die über kurz oder lang kommen wird, nicht nur keinerlei Hindernisse zu bereiten, sondern im Gegenteil—: sie zu unterstützen. Es mag sein, daß die unverkennbaren organisawrischen Fortschritte des französischen Fascismus die kommunistische Partei Frankreichs zur Besinnung gebracht haben; weit wahrscheinlicher ist jedoch, daß die Moskauer Wandlung von der parteiegoistische.i Agitation zur sozialistischen Realität auch hier segensreiche Folgen gezeitigt hat. Wie steht es um den französischen Fascismus, wie stark ist seine Stoßkraft, wie weit und wie tief geht sein propagandistisches Fluidum? Antiparlamentarische und antidemokrattsche 'Gruppen gab es in Frankreich seit jeher. Sie waren Sekten, die isoliert von den bretten Massen blieben, kleine Gruppen von sehr lärmenden Unentwegten, die eS zu nichts mehr als zu einigen Stinkbombenangriffen und diver« sen'W irtshausraufereien brachten. Die einigermaßen komische Rolle, die die Royalisten des Herrn Leon Daudet gespielt haben und noch heute- spielen, ist bekannt. Auch der RoyaliS- muS hat seine Sturmtruppen, akademische Jünglinge aus dem gehobenen Mittelstand, die sich »Camelots de Roi" nennen und deren Spezialität es ist, die notwendigen aktuellen Bon mots für den Pariser Operettentheater-Betrieb zu liefern. Sie scheiden von vornherein auö jeder ernsthaften Betrachtung der Situation aus. Auch was später kam, inspiriert vom Hitlerismus und verwaisten Bewegungen, stagnierte nach kurzem Anlauf oder ging an inneren Differenzen unter. Die erste Ausnahme von diesen dilettantischen Versuchen, im demokratischen Frankreich fascistische Ideologie heimisch zu machen, ist die »Feuerkreüzle r"-Bewegung des Colonel de la Roque. Dieser antidemokratischen! Gruppe, der außerordentliche Geldmittel aus den Safes der Industrie zufließen, ist es nicht nur inr Pariser Bezirk gelungen, ansehnliche Massen deS unzufriedenen Mittelstandes hinter ihre Fahnen zu bringen. Colonel de la Roque hat, nach bewährtem Muster, kein anderes Programm als das der Negation. Er entrüstet sich über die »Fäulnis der Parlamentsdemokratie", drapiert Seite 2 Freitag, 12. Juli 1935 Nr. 160 sie vcüe Sir noarcs und die Debatte (Schluß von Seite 1) Protesttelegramm an den Präsidenten der spanischen Republik Das Bekanntwerden der Todesurteile gegen vier spanische Arbeiter im Pro» zeß von Turon veranlaßte den in Paris tagen» den Borstand des Internationalen Ge« Werkschaftsbundes, das folgende Tele» gramm sofort an den Präsidenten der spanischen Republik zu senden: „Präsident der Republik Spanien, Madrid. — Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes, am 2. Juli in Paris tagend, hat mit äußerster Beunruhigung von vier Todesurteilen in Turon erfahren. Verlangt im Namen der Menschlichkeit Begnadigung der Verurteilten.— Schevenels, Generalsekretär." Wir erinnern bei dieser Gelegenheit daran, daß der Präsident der spärlichen Regierung ge» legentlich der Delegation des JGB und der SAJ die feste Zusage gegeben hat, daß keine Todesurteile mehr aus Anlaß der Herbstkämpfe vokk- streckt werden sollen. sich indessen, ein französischerHenlein, als gleichsam»neudemokratisch" und be- treöbt von Woche zu Woche eine heftigere, aggressivere Propaganda. Der Colonel hat militärisch aus gebildete Sturmtruppen geschaffen, die Sonntag für Sonntag mehr oder weniger bewaffnet exerzieren und Zusammenstöße nut Antifascisten provozieren. Die Meldungen über die Bewaffnung der Feuerkreuzler sind nicht einheitlich, fest steht jedenfalls, daß der bürgerkriegslüsterne Colonel über größere Bestände moderner Gewehre, M.-G's, und motorisierte Unterabteilungen verfügt. Sogar eine Fliegerstaffel hat er— ganz wie Adolf Hitler— sich jetzt zugelegt. In blutrünstigen Reden droht der»Führer", vortrefflich assistiert von seinem Stab, mit„Bürgerkrieg",„Wrechnung" und„völkischer Erneuerun g". Prinzipiell antisemitisch sind die Feuerkreuzler zur Zeit nicht; es scheint noch zuviel„nichtarisches" Geld im Finanzierungsetat der Organisation vorgesehen zu sein. Was de la Roques Chancen wesentlich ein- engt, ist die Tatsache>— im Gegensatz zum Hitler- fascismus der deutschen Morddiktaturzeit— daß das flache Land, in Frankreich ein viel wesentlicherer Faktor als im hochindustriellen Deuffchland, den Feuerkreuzler-Rummel im Ganzen entschieden a b l e h n t und in der großen Masse seiner Bevölkerung fest hinter den antifasci« stischen Radilaisozialisten steht. Ein bedenkliches Symptom hingegen ist, daß der FascismuS de la Roques zahlreiche Stützen in der Bürokratie hat, daß selbst die Re« gä e r;ung des Republikaners Laval,-durch mancherlei Rücksichten, ja durch Bindungen gehandicapt, nicht wagt, ernsthaft gegen die Bürgerkriegsgarden des Colonel einzuschreiten. An der Energie, der Schlagkraft und der kompromißlosen Aktivität des kommenden Linksblocks dürste das Feuerkreuz- lertum scheitern. Scheitern, e h e es zu einer akuten Gefahr für die französische Demokratie geworden ist. Ist es jedoch so weit, so dürfte der Colonel de la Roque auch das Kompromiß-Kabinett Lavals mit ins politische Grab nehmen, das einer Regierung der entschiedenen Linksrepublikaner unter Führung Pierre C o t s Platz machen dürste. Freundschaften z« opfern«nd neue zu gewinnen. Wenn wir neue Freundschaften aufsuchcn werden, werden wir eS so tun, damit wir unsere alte« Freundschaften nicht in Gefahr dringen. Das Verhältnis Großbritanniens zur Sowjetunion ist jetzt das beste seit der Einsetzung der Sowjetregierung. Bezüglich Deutschlands, erklärte Sir Samuel, könne er nur wiederholen, daß das Grundprinzip des englischen Verhaltens zu Deutschland das eines praktischen Realismus und das Streben nach Verstehen sei. Redner hob sodann das freundschaftliche Verhältnis zwischen Großbritannien und Japan hervor und fügte hinzu: Ich würde nicht aufrichtig gegenüber unseren japanischen Freunden vorgehen, wenn ich ihnen nicht sagen würde, daß die Freunde Japans und Großbritanniens durch einige kürzliche Ereignisse in Nordchina beunruhigt worden sind. Ich hoffe, daß dieses Kapitel der Unruhe sein Ende nehmen wird. Was China anlangt, empfehle Sir Samuel ein gutes Verhäünis zwischen China und Japan. Das britisch-amerikanische Verhältnis ist glänzend und es ist sicher, daß es so bleiben wird. Wir wollen keinen eifersüchtigen und egoistischen Standpunkt Ländern gegenüber einnehmen, deren Kolonialbesitz kleiner oder weniger verschiedenartig ist als unserer. Wir wollen die Versprechen einhalten, die wir in unseren Verträgen und Abkommen gegeben haben, und wir sind bereit, mit Europa auf der Basis der kollektiven Sicherheit zu arbeiten, wir sind enffchloffen, unseren ganzen Einfluß einzusetzen, um alte Animositäten zu versöhnen, aber wir werden ihn so zur Geltung bringen, um uns durch den Wunsch nach Gewinnung neuer Freundschaften nicht alte Freundschaften zu entfremden. Großbritannien beschränkt seine Freundschaften nicht auf diesen oder jenen Staat, schloß Sir Samuel seine Darlegung, und wir bieten allen Ländern im Westen und im Osten, welche bereit sind, mit uns an der Festigung und Sicherung des Friedens und für dessen gerechte und loyale Einhaltung zu arbeiten, die Hand. Liberale Kritik an Hoare und Hitler London.(Reuter.) Nach dem Staatssekretär für Aeußeres, Sir Samuel Hoare, ergriff der Führer der liberalen Opposition HerbertSa- m u e l das Wort. Er sagte, er stimme mit den Grundsätzen des britisch-deutschen Flottenabkommens überein, sei aber überzeugt, daß es besser gewesen wäre, wenn diesem Vertrag ein provisori» , siber Charakter gegeben worden, wäre, da ihn sehr Viele Faktoren im Auslands als eine Durchbrechung der in Stresa gebildeten Front ansehen können. Ebenso wie Frankreich, sagte Herbert Samuel, sehen auch wir die Gefahr, die aus den ständigen Erklärungen des Reichskanzlers Hitler über seine FeindschaftgegendieSowjetunion entstehen kann. ES ist taffächlich nicht ausgeschlossen, daß Deutschland im Osten Attionsfreihrit haben will, um später AktionSfrciheit im Westen haben zu können. Der Gegensatz zwischen der Politik Großbritanniens und Frankreichs entsteht aus der Disharmonie der Methoden, der Lage in Europa zu begegnen. Hinsichtlich des italienisch-abessinischen Konfliktes sind wir besonders durch die von Italien gewähtte Methode beunruhigt. Nach Ansicht Herbert Samuels wäre es nicht richtig, wenn Italien vermeinte, die Gesinnung eines großen Teiles der öffentlichen Meinung in Großbritannien nicht beachten zu müssen. Arbeiterpartei verurteilt britische Außenpolitik London. Namens der oppositionellen Arbeiterpartei sprach das UnterhauSmstglied A t t l e e. Er übte scharfe Kritik an der britischen Außen- politik und sagte, daß die heutige Rede Sir Samuel Hoares einen S ch r itt nach rückwärts bedeute, der zu der Borkriegs- Außenpolitik führe. Er gab weiter dem Zweifel Ausdruck, daß neue Verträge oder Pakte irgendeinen Wert haben könnten, wenn alle Verträge zerrissen wurden, insbesondere von Japan, Hitler und Mussolini und auch von Großbritannien selbst, als eS den britisch-deuffchen Flottenvertrag abschloß. Am Schluß seiner Rede verurteilte AtÜee die brittsche Außenpolitik, weil sie nichts unternommen habe, um in Europa das Regime des Rechtes gegen das Regime der Gewalt unterstützen. Winston Churchill gab dem Bedauern Ausdruck, daß sich Großbritannien in eine Lage gebracht habe, in der es ihm sehr schwer ist, Italien etwas vorzuwerfen, ohne sich der Einwendung auszusetzen, daß es, wenn es sich um besondere brittsche Interessen handle, wenig Rücksicht darauf nehme, was es selbst dem Völkerbunde bei Vertragsverletzungen empfiehlt. Lloyd George sagte in seiner Rede, es sei höchst wichtig, daß Italien nicht denke, daß England unter keinen Umständen die Zusammenarbeit zur Geltendmachung der Genier Resolutton suchen wird, die wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen gegen diejenigen betreffe, welche d-ie Verträge gewaltsam verletzen. Wenn der Völkerbund die abessinische Frage nicht löst, dann schwindet auch der letzte Schatten seiner Autorität. Austin Chamberlain erflärte, daß er mit der von Sir Samuel Hoare geschilderten Außenpolitik vollkommen übereinsttmme. Paris Ist zufrieden Paris. Der erste Eindruck der Unteehaus- rede Sir Samuel Hoares in Paris ist günstiger als erwartet wurde. Die französische politische Oeffentlichkeit nahm den gemäßigten Ton der Rede des britischen Außenministers, den Wunsch der britischen Regierung nach einer Beruhigung der Verhältnisse in Europa und die Ergebenheit Großbritanniens für den Völkerbund mit Dank zur Kenntnis. Die Erklärung über das brittsch- deutsche Flottenabkommen und über den»praktischen Realismus" der britischen Politik hat zwar in Paris nicht besonders überzeugt und in dem Passus über Oesterreich wird eine direkte Verurteilung der monarchistischen Kampagne vermißt, doch wird dafür die klare Erklärung über den geplanten westeuropäi- Chlna nimmt japanische Forderungen an? Tokio. Der Nankinger Berichterstatter der »Riffchi Nitschi" berichtet, daß nach dem Eintreffen des chinesischen Boffchafters in Japan Tfiangtsoping in Nanking dort eine Besprechung von außergewöhnlicher Bedeutung zwischen den Mitgliedern der Nankingregierung«nd den Führern der Kuomintang stattgefunden hat. ES wurde eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die im wesentlichen auf die Annahme der Forderungen Japans in China hinauslaufen. Um den guten Willen Chinas zu einer dauernden Berständigung mit Japan zu beweisen, soll die japanfeindliche Bewegung in ganz China unterdrückt werden. Die besonderen echte und Interessen Japans in Nordchina werden anerkannt. Dir chinesische Armee soll japanische Ratgeber erhalten und chinesische Staatsmänner sollen nach Japan entsandt werden. In der Meldung wird ausdrücklich hervorgrhoben, daß sich auch die Kuomintang zu einer Polittk der A n- Näherung an Japan enffchlossen hat. scheu Lustpakt gewürdigt. Auch der Passus über Abessinien und die direkt liebenswürdige Apo- strophierung Frankreichs haben in Paris einen günsttgen Eindruck hervorgerufen. Der Stand- puntt Großbritanniens in der abessinischen Angelegenheit wird als nicht minder entschieden als der Standpunkt Italiens angesehen. Im ganzen ist man der Ansicht, daß die britische Regierung durch die Erklärung Hoares dieletzteMöglich« keit zu freundschaftlichen Verhandlungen zwischen England, Frankreich und Jtallen bieten will. Vie abessinische Regenzeit (A. P.) Man hat bid darüber gespottet, daß der Kriegsbeginn in Abessinien ungefähr vorausgesagt werde. Dies hängt jedoch mit der Regenzeit zusammen. In Abessinien und Erythräa gibt es, abgesehen von den Küstengebieten, nur den Wechsel von Regen und Trockenheit. Die Regenperiode dauert vom Juli bis zum September, die Trockenheit vom Oktober bis Januar. Dann folgt eine Uebergangszeit vom Feber bis März, während von April bis Juni schon reichliche Regenfälle zu verzeichnen sind. Die Wintermonate eignen sich am besten für die KriegSfühcung, so daß die Kriegsgefahr vom September ab akut wird. ' Die Operationen würden von Italienisch« Somallland ausgehen müssen, da Erythräa an felsiges, unwegsames Gebiet angrenzt. Zunächst müßten von Somaliland aus die weiten Steppen von Ogaden durchquert werden. Dann folgen Plateaulandschaften, die jn das fruchtbare Hochland von Harrar übergehen. 4 Der tägliche Zwischenfall Rom. Ein abessinischer Offizier bedroht« den italienischen Konsul in Harar, wo gleichzeitig Einheimische einen eingeborenen italienischen Soldaten mit Steinen bewarfen. Der italienisch« Gesandte in AlHiS Abeba hat formal protestiert. 6« Roman von Emil VnrhMc. Deutsch von Anna AurednKek „Schade," rief der Minister,„das wird aber nicht recht gehen, Herr Beinsteller. Wir haben ein strenges Gesetz; militärische Auszeichnungen dürfen nur Militärpersonen verliehen werden." »Das tut mir leid, Herr Minister, Sie ahnen ja nicht, wie mich so etwas gefreut hätte. Vielleicht könnt' ich's für mein Geld kaufen." „Auch in dieser Form wird es leider nicht zu machen sein," sagte lächelnd der Minister. „Aber seien Sie beruhigt, Herr Beinsteller; Sie werden schon nicht leer auSgehen. Wir werden Ihnen einen schönen Brief schicken, der Ihre Heldentat schildern und Ihre seltene Uneigennützigkeit betonen soll. Den können Sie dann einrahmen lassen und in dem Geschäft aufhängen, von dem Sie träumen. Zu Ihrer Hochzeit schicke ich Ihnen von meinem Gut einen Korb voll guter Sachen. Bei uns ist öfter Schweineschlachten. Das wird mein ganz persönlicher Dank sein." „Ich hab' eine andre Idee, Herr Minister," sagte Beinsteller.„Lassen Sie sich die Medaille und geben Sie mir schriftlich, daß ich sie bekäme» wenn es möglich wäre." „Das werden wir noch besprechen, lieber Freund— was den Mayer anlangt, so halte ich es nicht für richtig, ihn gleich zu verhaften." „Um GotteS willen!" schrie Beinsteller und hielt sich den Kopf mü beiden Händen.„Sie möchten was Schönes anstellen l Der Mensch soll so lange ftei herumlaufen, bi» er un» alles sagt. Jetzt glaubt er, daß ich zu ihm hatte. Er hat ge- wih wieder etwas vor, wobei er mich braucht. Ich werde ihm, so gut ich kann, behilflich sein, um so viel als möglich zu erfahren. Einsperren können Sie ihn, Herr Minister, bis ich alles weiß." „So war's ja gemeint, Herr Beinsteller. Machen Sie es nur, wie Sie sagen. Sobald wir die ganze Bande in Händen haben, sind Sie der Held des Tage», und niemand wird es wagen. Ihnen Ihre Vergangenheit vorzuwerfen." „Ich kann's schon nicht mehr erwarten und bin außer mir, daß ich noch eine ganze Woche darauf warten muß." - Der Minister überlegte eine Weile.«Mir ist es auch nicht ganz recht, Herr Beinsteller, Ihretwegen nicht. Wir müssen Sie nämlich bitten, gewisse Vorsichtsmaßregeln, die wir bezüglich Ihrer Person treffen müssen, nicht Übelzunehmen. Sie konnten sich im Gasthaus oder vor Ihrem Fräulein versprechen— ich weiß ja, daß Sie tS nicht absichtlich täten, aber es könnte alles verderben... Kurz— ich muß darauf bestehen..." „Wenn ich mich nicht irre, wollen Sie mich hinters Gitter stecken?" „Das nicht gerade, Herr Beinsteller, dazu hab' ich ja kein Recht. Aber wenn Sie nichts einzuwenden haben, wird ein verläßlicher Mann mit Ihnen gehen... Sie können ja sagen, er sei Ihr Vetter... Dieser Unteroffizier wird nicht von Ihrer Seite weichen. Sie werden mir sozusagen zur Disposition sein." „Ich bin damit einverstanden, Herr Minister, obzwar ich nicht einmal aus dem Schlaf von der Angelegenheit sprechen würde. Aber es ist ja eigentlich ein« Auszeichnung, denn Beinsteller ist der erste Dieb, den sich der Kriegsminister persönlich zur Disposition genommen hat." Da» neunzehnte Kapitel berichtet von neuen unerhörten Heldentaten des Ferdl Beinsteller, beschreibt die militärischen Betrachtungen des Herrn NecaS und bringt«ine neue bezaubernde Persönlichkeit in die Erzählung. Als Beinsteller mit seinem Schutzengel, dem Stabsrottmeister Karl Necas, das Ministerium verließ, sah er sich nach der Elektrischen um. „Mein Lieber", rügte Necas,„machen Sie doch keine Dummheiten; im Dienst des Ministeriums rührt man sich nicht ohne Auto. Sie glauben doch nicht, daß ein Ministerialstabsrott- meister mit der Elektrischen auf den ZiZkov klettern wird?" Bis auf diese Exentrität war Herr Necas ein ganz angenehmer Mensch.„Hier sieht's ja aus wie in einer Wachstube", sagte er, als sie in Bein- stcllers Wohnung angelangt waren.„Jetzt wollen wir uns ein Bier und ein gutes Mittagessen holen lassen, damit es gemütlich wird." Sobald sie zum erstenmal angestoßen hatten, tat sich eine neue Wett vor ihnen auf. Sie saßen da, erzählten die unglaublichsten Histörchen, jeder aus seinem Fach, oder spielten Poker und andere verbotene Spiele, die im Ministerium beliebt waren. Am Nachmittag wurde dann Beinsteller vom Ministerium eine Flasche Wein und eine Handvoll Zigarren übermittelt. was sich täglich wiederholte. Gegen Abend erst verdüsterte sich das Gesicht des Herrn Necas.. „Das ist kein Dienst für einen Stabsrottmeister aus dem Ministerium, mein Lieber! Außerdem hab' ich schon Durst. Himmelherrgott, warum darf ich mich nicht von Ihnen wegrühren?" „Ihnen kann geholfen werden, Herr Necas. Sie dürfen sich nicht rühren, aber ich werde mich rühren und in ein feines Befiel gehen. Dort kriegt man ein so delikates Bier, daß die Seelen der Verstorbenen vom nahen Wofichaner Friedhof hinkommen. Dort werden wir uns erhottn." „Dieses Bier hier schmeckt mir nämlich gar nicht. Ich will Ihnen daher entgegenkommen Md mit Ihnen gehen. Geben Sie aber auf Ihren Mund acht, denn ich habe den Auftrag, Ihre Reden zu kontrollieren." „Sie können sich auf mich verlassen, Herr NecaS. Im Wirtshaus quatsch' ich nie, dort beobachte ich nur die Leute." Hierauf gingen sie zur„Men Hundshütte", und als sie am nächsten Morgen erwachten, klagte Herr NecaS:„Hören Sie, ist Ihre Zunge auch so steif wie die meine?" .Heine Ahnung, Herr Necas; ich habe Ihnen ja gesagt, daß ich im Wirtshaus nur di« Menschen beobachte. Aber ich wundere mich gar nicht, daß Sie eine steife Zunge haben..." „Woflen Sie mir damit etwa einen Vorwurf machen?" entgegnete Herr Necas kleinlaut.„Hab' ich mich in dem verfluchten Wirtshaus vielleicht gehen lassen?" „Machen Sie sich keine Sorgen. Alle waren begeistert, wie unterhaltend Sie sind; am meisten der Gustel Maschoha,'er die Wirtin heiraten will. Der ist auf alles Militärische wie versessen und war entzückt, wie Sie ihm von den PanzerautoS erzählten, die das Ministerium jetzt im geheimen ausprobiert." „Du allmächtiger Vater! Das habe ich er« zähtt?" „Nur eine Weile. Dann sprachen Sie mit Karasek von der berittenen Polizei und den Maschinengewehren, die man aus Frankreich gebracht hat. Wenn ich nicht irre, erzählten Sie auch von dem geheim verwahrten Benzin im Falle einer Mobilisierung." Herr Necas war fahl wie eine Leiche. „Der Karasek ist ein Luder. Ich hab' ihm gleich angesehen, daß er Sie einsperren lassen will, ging ihm daher nach und erzählte ihm, daß Sie in Sibirien einen Klaps von einer Granat» ec« wischt haben und seither phantasieren, sobald Sie das dritte Glas auSgetrnnksn haben. Er ließ eS sich sagen. Nach einer Stunde aber waren wir schon beide verdächtig. Sie küßten mich ununterbrochen und brüllten:„Holla, ihr Jungens, wenn ihr wüßtet, was Beinsteller und ich vorhaben, würdet ihr auf atten vieren vor uns kriechen und unsere große Zehe durch die Fußsocken schlecken." Der Karasek warf uns böse Blicke zu, er backte wahrscheinlich. Sie seien auch ein Dieb, und wie wollten gemeinsam jemanden berauben. 'Forfietzung folgt.) - Nr. 160 Freitag, 12. Juli 1935 Seite 3 Um Henleins Zukunft Die Revue„Nase D ob a" untersucht die Gründe der Entstehung der Henleinpartei. Einer der ersten sei ohne Zweifel die großdeutsche Bewegung; dazu komme die schreckliche Not in den deutschen Bezirken. Aber auch wir selbst, schreibt das Blatt, haben zur Entstehung dieser Bewegung beigetragen durch die Art, wie wir mit unserem deutschen Aktwismus verfahren sind. Ein Drittel unserer Deutschen ist der Demokratie treu geblieben. Das sind die Leu», di« im Augenblick des Mißerfolges aus ihrer politischen Front nicht desertieren wollten. In der Bewegung Henleins gibt eS Leute und ganze Gruppen, welche die Partei, sobald sie in die aktive Legalität eintreten wird, in Häufen'verlassen werden. Ueber die Zukunft der Henleinbewegung schreibt die Revue, daß sie voraussichtlich zunächst auf die Politik angewiesen sein werde, welche die Kommunist e n schon IS Jahre betreiben. Es ist dies eine politische Linie, die die Moral der eigenen Reihen schwer schädigt. Die Sudetendeutsche Partei wird eine solche Stellung nicht mehrere Jahre aushalten können. Die Revue„Ütok" schreibt zu dem Henlein- Problem u. a.:„Wer"den Glauben an die Demokratie, an den Sozialismus und an das Kommen eines neuen Deutschlands verloren hat, wird gezwungen sein, mit Henlein einen ähnlichen Vertrag zu schließen, wie ihn England mit Hitler abgeschloffen hat. Wer diesen Glauben aber nicht verloren hat, wird bald die Wahrheit deffen erkennen, daß die tschechoslowakische Selbständigkeit und die Zukunft der tschechoslowakischen Nation fest verbunden sind mit der Zukunft dereuropäischenDemokratie und des S o z i a l i L m u i." Die Erkrankung des Finanzministers Die„HospodäkskäPolitika" lehnt die Vermutung ab, daß eS sich bei dem Urlaub des Finanzministers nur um einen politischen Urlaub handle. Der Finanzminister sei tatsächlich krank, kein Wunder bei einem Mann, der durch mehr als vier Jahre das Finanzreffort verwaltet.. Dar Blatt ist überzeugt, daß der Urlaub des Ministers nichts an der bisherigen Finanzpolitik ändern werde. ES sei aber auch sicher, daß die Fragen, die mit der weiteren Regelung deSGetrei de Monopols zusammenhängen, nicht gerade leicht zu lösen sein werden. AuS den bisherigen JnterventionSeingriffen seien der Staatskasse keine Schäden erwachsen, hauptsächlich deshalb, weil im Vorjahre eine Mißernte war. die Preise stiegen und die angehäuften Vorräte schließlich ohne Verluste liquidiert werden konnten. Dar bedeutet allerdings nicht, daß man in der Zukunft nicht sehrborsichtig sein müsse, damit es nicht zu einer Schädigung der StaatSkaffe komme Mehr als früher sei in der kommenden Zeit die Zu« sauimcnarbcit aller, positiv und.konstruktiv eingestellten Leuten notwendig, hauptsächlich in der öffentlichere Verwaltung. Bor allem sei die Zusammenarbeit der Chefs der Regierung und des Gouverneurs der Rationalbank mit dem leitenden Beamten der Finanzministeriums vonnöten. Malypetr in Lftny Läny. Amtlich wird gemeldet: Der Präsident der Republik empfing in Läny am Donnerstag, dem 11. Juli, den Vorsitzenden der Regierung Jan Malypetr. Um di« Gewerbesperre, über die Verhandlungen betreffend den von der Gewerbepartei angestrebten numeruS clausus für das Gewerbe schreiben die„Lidovt Noviny", daß die Regierungsverordnung offenbar eine erheblich kleinere Reichweite haben wird..Der numeruS clausus für Fabrikstmternehmungen könne als erledigt gelten; auch die allgemeine Gewerbesperre werde kaum verwirklicht werden, höchstens in einer sehr gemilderten Form. Die Sperre werde sich wahrscheinlich nur auf die Filialen beziehen, d. h. auf die Verkaufsstellen nach Paragraph 39 der Gewerbeordmmg(der freien oder handwerksmäßigen Gewerbe) und auf die Lager, Verkaufsstellen und Reparaturwerkstätten nach Paragraph 40, Diese Filialen wird der Unternehmer nur dann errichten können, wenn die Gewerbebehörde entscheidet, daß sich dies auf die Konkurrenz nicht ungünstig auswirken wird. Das Blatt erklärt, daß das Verlangen der Gewerbepartei, die betteffende Verordnung noch vor den politischen Ferien zu erlaffen, weder für das allgemeine Interesse noch für die Gewerbetreibenden selbst von Vorteil ist. Die Sokoluniform des LetteidignugsminifterS. Tie tschechischklerikalen„L i d o v ö L i st y" halten sich darüber auf, daß der neue Verteidigungsminister Machnkk dieser Tage bei einer Truppeninspizierung in Sokoluniform erschien. Im Gegensatz zum„Ceskt Slovo", das dieses Verhalten des Ministers beifällig begrüßte, erklären die ,Md. Listy". daß schließlich der nächste Verteidigungsminister bei offiziellen Gelegenheiten in der Uniform der Bauernreiterei, der Nationalgarde oder der Schützenvereinigung erscheinen könnte. Der Verteidigungsminister sei in Ausübung seines Amtes eben nur Minister für nationale Verteidigung. Von den Soldaten, die er inspiziere, seien keineswegs alle Sokoln; es seien unter ihnen nicht nur Angehörige anderer tschechischer Korporationen, sondern auch Deutsche, Ungarn, Ruthenen und dergleichen. Sie alle dürfen in dem Verteidigungsminister nichts andere» al» den demokrattschen Vertreter der Armee in der Regierung sehen, nichts l«nehr und nichts weniger. Sudetendeutscher Zeitspiegel Ein Petroleumlager bei Prestitz? Der erste Fund dieser Art In Böhmen Nacb anstrengender Arbeit Franzbranntwein Wir entnehmen der„Novä doba" eine interessante Neuigkeit, die allerdings schon alten Ursprunges ist. In Prestitz, das auf der Strecke Pilsen—Eisenstein liegt, wurde Petroleum entdeckt, vor dreizehn Jahren! Damals bemerkte die Greisin Sestäkovä in dem bei ihrem Hause fast inmitten der Stadt stehenden Brunnen, daß er durch eine Petroleumschicht„verunreinigt" sei. Sie dachte an einen Bubenstreich und schöpfte das Petroleum von der Wasserfläche ab. Sie irrte sich, denn nach kurzer Zeit zeigte sich wiederum Petroleum auf dem Wasser. ES war zum Leuchten und Heizen gut verwendbar. Daher hielt die Alte ihre Entdeckung geheim und nur guten Bekannten ließ sie wissen, sie mögen zu ihr tun Petroleum schicken, denn sie habe davon genug. Allerdings blieb die Entdeckung nicht ganz geheim. So erfuhr davon der Schachtbesitzer Kreysa aus Stankau, der vor sieben Jahren das erst« Schurfrecht erwarb. Durch 7 Jahre bezahlte er hiefür die Gebühren, ohne davon Gebrauch zu machen. Es waren dabei andere Interessen im Spiele. Bor kurzem kam das Petroleumvorkommen auch dem Jng. L. Prochäzka aus Pilsen zu Ohren, der darauf mit Kreysa in ein Vertragsverhältnis trat Das Bergrecht wurde nun auf 20.000 Hettar ausgedehnt. Bei der Untersuchung des Pettoleum» wurde festgestellt, da es sich um Nit dem Auto in den Hus-Festzug Am Mittwoch meldeten die tschechischen Blätter, daß in Lobositz ein Auto in eine HuS- feier hineingerast und daß aus dem Auto Rufe: „Heil Hitler" und„Heil Henlein" erschollen seien. Zu dieser Affäre wird nun gemeldet: Im Verlauf der Husfeier in Lobositz fuhr ein Auw in raschem Tempo durch die Straßen, die gerade der Hus-Festzug passierte. Rücksichtlos jagte das Auw in die Straße hinein, obwohl der Lenker sehen muhte, daß die vielen Teilnehmer an dem Festzug nicht so rasch zur Seite springen konnten. Ein Festbesucher wurde von dem Auto erfaßt und zu Boden gestoßen. Er erlitt erhebliche Verletzungen. In dem Fejtzug entstand sofort eine Panik, bei der auch einige Kinder niedrrgeswßen wurden. Selbstverftändlich bemächtigte sich der Festteilnehmer eine ungeheure Erregung ob des Verhaltens des AuwfahrerS, der nicht stehen blieb und sich nicht aufhalten lieh. ein Urprodukt handelt Das PcüfmrgSergebniS war sehr günstig, was u. a. auch die Petroleumsgesellschaft in Rumänien feststellte. Dr. Jng. Prochäzka ließ auf Grund eines! RateS der Chemiker den Brunnen reinigen und! um zwei Meter vertiefen. Sooft dann der Brun-] neu ausgeschöpft wurde, war 14 Tage später] auf dem Wasser eine 4 bis 7 Zentimeter dicke■ Petroleumschichte. Gegenwärtig ist der Brunnen! gut verschlossen und in einigen Tagen soll er in' Gegenwart berufener Fachleute wieder geöffnet! werden. An eine Vertiefung des Brunnens wird nicht gedacht, weil dadurch die Wasserversorgung| der Stadt leiden würde. Es ist aber wahrscheinlich, daß auf einem bisher nicht bestimmten Ort in der Umgebung von Pkestttz Bohrungen vorgenommen werden, um daS Rätsel deS Petroleumlagers zu lösen. Denn das steht jetzt noch nicht fest, wo das eigentliche Lager ist und wie reich sein Petroleumvorkommen sein wird. Man kann jedenfalls begierig sein, was diese Versuche an den Tag bringen werden. Würden die Vermutungen, die von einem größeren Petroleumvorkommen zwischen Pkestitz, Klattau und Pilsen sprechen, sich bewahrheiten, so hätte das sicher bedeutende Auswirkungen volkswirtschaftlicher Natur. Einige der Autoinsassen reckten angeblich die zrnn Hitlergrutz erhobenen Hände zum Fenster hinaus und eS wurde aus dem Wagen: »Heil Hitler" und„Heil Henlein" gerufen. Wie Augenzeugen angeben, drehte das Auto in einer Nebenstraße noch einmal um, und wieder ereigneten sich die für die Insassen des Wagens bezeichnenden Szenen. Die Gendarmerie stellte auf Grund der erkannten Autonummer fest, daß das Auw dem Salesler Wirt Friedrich Schäfer, dem Besit- zer eines der größten Ausflugslokale von Salefl, des„Meeraner Hofes" gehört, der angeblich mit einer Tschechin verheiratet ist: Dieser Mann ist den Behörden als schneller und rücksichtsloser Autofahrer bekannt. Erst vor kurzem fuhr er in Schreckenstein zwei Mädchen nieder und raste weiter, ohne sich um seine Opfer zu kümmern. Damals wurde er von den Behörden empfindlich bestraft. Jetzt wurde ihn: der Führerschein weggenommen und gegen ihn Strafanzeige erstattet wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, schwerer Körperverletzung und wegen Vergehens nach dem Schuhgesetz. Die Untersuchung bet Affäre ist noch nicht völlig ebgeschlossen. Polizei gegen Streikende Bremen.(A. P.) Auf den Schiffswerften von Vegesack bei Bremen wurde Polizei gegen sttrikende Arbeiter eingesetzt, wobei 15 Arbeiter schwer verletzt und viele verhaftet wurden. Auf den Werften werde» U-Boote hergestellt. Der Streik hatte sich gegen Ueberstundenlristung ohne Bezahlung«nd gegen einige Werkmeister gerichtet, die Arbeiter geschlagen hatten. Trotz des Eingreifens der Polizei wurde die Arbeit erst wieder ausgenommen, nachdem die Wrrkmeiswr entlassen«nd die Lohnforderungen wenigstens teilweiss bewilligt waren. Der Fall Torgier Kaum noch Zweifel möglich In einer Moskauer Parteiversammlung, über die nicht in der Presse berichtet worden ist, I sprach Georg D i m i t r o f f, der jetzt die I mitteleuropäische Abteilung der Komintern leitet, ! über den Reichstagsbrandprozeß von Leipzig. Er führte aus, es habe innerhalb der Angeklagten mehrere„Schichten" gegeben: Van der Lubbe, die drei Bulgaren und— so sprach Dimitrow —„mein, ich muß wohl schon sagen, ehemaliger Genosse Torger." Inzwischen sind die beiden Kinder Torglers, ein etwa 18jähriger Sohn, der seinerzeit nach l London emigrierte und eine zwölfjährige Tochter, di« nach Prag in Sicherheit gebrüht wurde, der I Aufforderung ihrer Eltern folgend, zu ihnen i ins Dritte Reich zurückgekehrt. Bei alledem muß man die Möglichkeit noch nicht ausschliehen, daß Torglcr irgendwelche : Verpflichtung eingegangen ist, um sich endlich aus dem Gefängnis zu retten., * Redakteur als Hochverräter? Berlin. Wie eine Korrespondenz meldet, wurde der Redakteur der„Berliner Börsenzeitung" Schwertfeger in Haft genommen, ' weil er die vertraulichen Presseanweisungen des : Propagandaministeriums für eine bestimmte Geldsumme regelmäßig an eine französische Nachrich- tenagentur weitergegeben hat. Vermutlich‘ wird gegen den Verhafteten Anklage wegen Landes« [ oder Hochverrates erhoben werden, woraus schwere Zuchthausstrafe steht. Lieber hinter den Kulissen — als vor dem Völkerbundrat Die Geldquellen des Nationalsozialismus i Der bekannte deutsche Bankier Jakob G o l d s ch m i d t, rin frommer Jude, ist im Auftrage Schachts in New Nork eingetroffen, wo er mit den Finanzgewaltigen der Wallstreet über eine Anleihe für das Dritte Reich verhandell. Der Nationalsozialismus ist Jakob Goldschmidt reichlich zu Dank verpflichtet, denn er war cs. der als Direktor der Darmstädter Bank den Nationalsozialisten über die Nordwolle und andere Jndu- striekonzerne Millionen zuführte. Obwohl in den Straßen Berlins Propagandaplakate gegen die jüdischen Geschäfte kleben und jedem Deutschen bei Strafe der öffentlichen Verfemung verboten ist, mit Juden zu verkehren oder Geschäfte zu machen, ist Goldschmidt noch heute Aufsichtsrat von 14 Aktiengesellschaften. Ob Jakob Goldschmidts Bemühungen in USA glücken werden, ist mehr als zweifelhaft. Freilich wäre es nicht das erstemal, daß die internationale Finanz Hitler zu Hilfe kommt. Bereits im Jahre 1932 hat Paul Faure in der französischen Kammer darüber Enthüllungen gebracht, und später wiesen„Le Rempart",.L'Oeuvre" und „Forces" auf diese geheimen Verbindungen der internattonalen Finanzwelt zu den heutigen Machthabern in Deutschland immer wieder hin. Auch englische Publizisten haben ausführlich über die internationale Finanzierung des Natiönal- sozialismus geschrieben. Bon den als ausländische Geldgeber des Nationalsozialismus bezeichneten Firmen haben nur Schneider-Creusot und Morgan gegen diese Behauptung protestiert. Alle anderen haben geschwiegen. Und wenn Goebbels in seinem Buch„Kampf um Berlin" versichert, daß die nationalsozialistische Bewegung niemals Geld von Personen oder Organisationen genommen habe, die außerhalb des Nationalsozialismus stehen, so sagt er etwas, was nicht zutrifft. Wieviel Geld die NSDAP vom Ausland bezogen hat, wird erst später einmal bekannt werden. Aber bis zur Machtübernahme waren es schon viele Millionen. Warum aber finanzierte die ausländische Finanz Hitler? Man muß in das Jahr 1929 zurückgehen. Am 24. Oktober krachte die New Aorker Börse. Milliarden von Dollars gingen in wenigen Stunden verloren, aber auch von Europa kam di« Kunde, daß die in Deutschland von Amerika investierten Milliarden durch die Krise gefährdet seien. Das ausländische Risiko zumindest mußte Staatsfeiertag In gespannter Situation Pari». Die Regierung hat Maßnahmen beschlossen, durch welche am UnaühängigkeitStag« die Aufrechterhaltung der Ruhe bei den Manifestationsumzügen der Rechten, sowie der Linken in Paris und auf dem Lande gesichert werden soll. Insbesondere hat die Regierung das Tragen roter Fahnen und die Teilnahme von Schuljugend an den Umzügen der politischen Parteien verboten. Weiters wurden Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, daß die Umzüge der gegnerischen politischen Lager, die jeder an einem anderen Ende von Paris stattfin- den werden, einander begegnen. Paris. Der„Petit Parisien" schreibt zu dem Besuch des britischen Botschafters Clerk bei Laval: Wie es scheint, wünschen die Engländer nunmehr in enger Fühlungnahme mit Frankreich zu bleiben und keine neuen derartigen Fehler zu begehen, wie der englisch-deutsche Flottenpatt einer war. Der Wunsch Abssiniens nach Einberufung des Völkerbundsrates entspricht keineswegs den Wünschen der Großmächte, die hoffen, daß es ihnen eher gelingen wird, den Konflikt beizulegen, wenn sie htnter denKulis, s e n Einigungsverhandlungen führen. Russisch-japanisches Komitee für die russisdi-mandschurische Grenze Tokio. Mittwoch nachmittags besuchte der Sowjetbotschafter Jurenew den japanischen Außenminister H i r o t a und teilte ihm mit, daß die Sowjetregierung den Vorschlag Hirotas auf j Bildung eines Grenzausschusses zur Lösung der Italien kauft rumänisches Getreide Bukarest. Der italienische Gesandte in Bukarest teilte dem rumänischen Handels» und Jndu- striennnister in einer Unterredung mit, daß die italienische Regierung beschlossen habe, eine gröbere Menge Getreide für die italienischen Truppen in Ostafrika in Rumänien anzukaufen. Die italienische Regierung hatte übrigens vor einiger Zeit bereits in Constanza größere Schiffsladungen von Weizen und Mais für die Afrika-Truppen erstanden. herabgesetzt werden. So kam es, daß der Präsident des amerikanischen Guaranty Trust,-Carter, eine Konferenz der Finanzleute einberief,An der u. a. Vertreter des Rockefeller-Konzerns/lsider Federal Reserve Banken und des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., teilnahmen. Man beschloß, Herrn Sid ney Warburg zu Httler zu schicken, um mit ihm zu verhandeln. Dieser Warburg ist ei» Teil haber des Bankhauses Kuhn, LoebLCo. und gleichzeitig Verwandter des Hamburger Bankiers Warburg. Dieser Gesandte der amerikanischen Hochfinanz hat nun seine Erfahrungen niederge schrieben. Sie sind in Holland unter dem Namen „Der Geldbrunnen des Rattonalsozialismus" erschienen. Dort kann man nachlesen, wie Warburg bei Hitler erschien. Er überbrachte ihm Empfehlungsschreiben von Rockefeller und Hoover. Hitler entwickelte seine Pläne, wie er zur Macht kommen wolle. Als notwendige Unterstützungssumme bezeichnete er 100 Millionen Mark. Nach Verstän digung mit New Nork wurden darauf 10 Millio nen Dollar an die NSDAP gezahlt. AIS Deck adresse fungierte das Berliner Bankhaus v. d. Heydt. Im Oktober 1931 erhielt Warburg einen Brief von Hitler. Wieder wurde eine Sitzung unter dem Vorsitz von Carter einberufen, und wieder wurde beschlossen. Sidney Warburg nach Deutsch land zu schicken. Das Rendezvous fand diesmal in Gegenwart des Rechtsanwaltes Lütgebrun« und des Bankiers Heydt statt Hitler forderte —, 800 Millionen Mark, ging dann aber auf 200 Millionen herunter. Die New Aorker Herren boten 15 Millionen Dollar und stellten den Schutz ihrer Interessen in Deutschland als Bedingung. Und Hit ler akzeptierte. Nach der Machtübernahme trat in diesem Freundschaftsverhältnis keinerlei Aen-e- rung ein. Im Feber 1933 war Sidney Warburg wieder in Berlin. Wieder forderte Hitler 100 Mil lionen Mark. Nach Verhandlungen mit New Aottk wurden 7 Millionen Dollar zugebMgt. 6 Millio nen wurden über die Banca Italia na in Rom gezahlt, zwei Millionen über die Rhe na n i a in Düsseldorf, eine deutsche Filiale der Royal Dutch, an deren Spitze bekanntlich Deterding steht, deffen Nazifreundlichkeit be kannt ist. Inzwischen verfintt Deutschland durch die Aufrüstung in Schulden. Dafür ist die Regierung bereit, Deutschland in noch größere Abhängigkeit...,, von der Wallstreet zu bringen. Dafür wurde Jakob! sowjetrussisch-mandschurischen Grenzfragen an-, Goldschmidt nach Amerika geschi-^ nehme. Srite 4 Freftag, 12. FuN 1935 Nr. ISS Der Führer der Aeuerkrenzler bt Ta Rocque, der seine Anhänger auf» forderte, überall Gegenlundgebungen gegen die französischen Linksverbände zu veranstalten. Als Antwort hierauf fordern die Linksverbände die Verhaftung de la Rocques wegen Hochverrates. Fürchterliches Unglück beim Drusch B n d a v r st. Auf einem Gut hei K c c s- lernet explodierte Mittwoch bei den Erntearbeiten«in Derschmaschmenkessrl. Zwölf Mensche« wurden schwer verletzt, sieben davon haben lebensgesährliche Verletzungen erlitt«, unter ihnen zwei Kinder. Einem Maschinisten wnrden beide Beine weggeriffen, einen Taglöhner, der SO Meter von der Unglücksstelle weggeschl rudert worden war, fand man erst gestern mit schweren Brandwunde« bewusstlos ans. Bor den Augen des Vaters ertrunken Komata«. Der 30jährige Oberbauarbeiter Ludwig Kugel aus Sporitz ging Mittwoch mit seinem Vater zu einem nahe gelegenen Teich, um dort zu baden. Während sein Vater am Ufer blieb, begab sich Kugel ins Wasser. Plötzlich rief er, von einem Krampfe befallen, um Hilfe und ‘— ertrank vor den Augen seines Vaters. Die Leich« des Verunglückten wurde später geborgen. Auto und Draisine Mittwoch stieß auf dem Bahnübergang in Wolfschlinge bei Aussig eine Motordraisine mit einem Lastrnaüto der Aussiger Arbeiterbäckerei zusammen, wobei der Führer der Draisine, Karl VokaleI, om Kopfe verletzt wurde und Oberrat Novotnh aus Leitmeritz, der,vom Dräisinensitz geschleudert wurde, einen Nervenschock erlitt. Beide wurden in das Aussiger Krankenhaus gebracht. Die Draisine wurde völlig zerschlagen, wogegen das Auto nur leicht beschädigt wurde. Der Krakatao * Amsterdam. 11. Juli. Di« Mellmngen aus Batavia Wer eine erhöhte Tätigkeit des Vulkans Krakatao werden jetzt auch von mehreren in, der Näh« votbeifahrenden Schiffen bestätigt. Bei den Ausbrüchen, die in Zwischenräumen von zwei Minuten erfolgen, wurde die ausgeworfene L a v a mehr erehundert Meter emporge- s chle udert. Die g a n z e Umgebung des Vulkans ist durch Aschen- und Dampfregen in Dunkelheit gehüllt.' Man ist der Ansicht, daß die Tätigkeit des Krakatao zu irgendwelcher Beunruhigung für die umliegenden Inseln zunächst keinen Anlatz gibt. (kitt Generalstäbler als Spion Helfingfors. Ein f i n n i s ch e r General- stahs-Offizier wurde unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Sywjetrutzlands verhaftet. Mörderische Hitze : Kansas City. Neun Staaten des Mittelwestens von USA. wurden von einer starken Hitzewelle- heimgesucht. Das Thermometer verzeichnete dieser? Tage bis zu 43 Gra d Celsius. 31 Personen sind bereits an Hitzschlag gestorben. 5000 Todesopfer der«everMwennnung tn Eytna Sutschau. Zahlreiche Dörfer des Flußgebietes des Iensze-Flus- s e s wurde« durch das Hochwasser vollkommen zerstört. Die genaue Zahl der Opfer ist«och nicht bekannt. Es scheint jedoch, daß diese Zahl 5000 erreichen wird, wovon 3000 Personen auf das Jensze-Gebiet allein entfallen. Hundert Leichen treibe« flußabwärts. Tausende Kulis sind mit der Errichtung stärke» rer Dämme des Gelben Fluffes bei Schantung beschäftigt, das vom Hochwasser bedroht ist. Das üferland des Gelben Fluffes gleicht einem große» See, aus dem stellenweise die Dächer der Häuser herausragen. H a« k a u. Der Ileberschwemmungskataftrophe in der Stadt Ztscha« fiele« 400 Personen zum Opfer. In Hankau st e i g t der Zangtsekiang weiter. Wetteren Meldungen zufolge bestehen Befürchtungen, daß in Rordchina etwa 200 Mellen von Peiping infolge des raschen Anschwellens des Iuntin- Fluffes eine neue Aeberschwemmung eintreten könnte. Marschall Tschankai- schek errichtete Provinz-Ausschüffe zur Hilfeleistung für die betroffene Bevölkerung. Streik Die Arbeiterschaft der Schotterwerke RadischerBergist gestern wegen Lohndiffe- rcnzen in den Streik getreten. Zuzug ist fernzuhalten. Die Arbeiter werde» ausgefordert, größte Solidarität zu üben. Dorfviertel abgebrannt Kattowitz. In der Ortschaft Choron in der Wojwodschaft Kielce brach in"einem Gehöft Feuer aus. Ehe die Feuerwehr eingreifen konnte, stand ein ganzes Dorfviertel in Hellen Flammen. Der Feuersbrunst fielen 25 Wohnhäuser, 32 Scheunen und 40 Stallungen zum Opfer. Ein großer Teil des Hausviehs kam in den Flammen um. Bei den Löscharbeiten erlitten zwei Frauen und vier Feuerwehrleute zum Teil schwere Brandvcrletzungen. Erdbeben in Japan Tokio. Im Distrikte Schizuoka, 100 Meilen südlich von Tokio, wurde Mittwoch ein heftiges Erdbeben verspürt. Zahlreiche Gebäude stürzten ein und an vielen Stellen der Stadt Schizuoka entstanden Brände. Auch der Verkehr wurde an vielen Stellen unterbrochen. Ein schwächerer Erdstoß wurde auch in Tokio wahrgcnonunen. Bei Heuleins wird's schon etwas mulmig. Wir lesen in unserem„Volkswille": In der Sudetendeutschen Partei ist eine Palastrevolution ausgebrvchen. Die Wahlen sind' vorüber, die Mitgliedschaft dieser Partei, die erhoffte, nach den Wahlen in Stellungen üntergebracht zu werden, fordert die Einlösung der Versprechungen. In den Versammlungen fängt es an, demo- kratisch zuzugehen. Außer den Rednern melden sich auch die Mitglieder der einzelnen Ständegruppen zu Wortss. Ein Vorgang, der früher nicht beobachtet wurde. Die Mitglieder verlangen Hilfe. Diese kann ihnen nicht gewährt werden, weshalb sich große Verbitterung bemerkbar macht. Vor einigen Tagen fand in einer Egeryr Gaststätte eine Besprechung unzufriedener Parteianhänger der SHF statt. In dieser gehüimen Besprechung wurden heftige Angriffe gegen die Führung der Sudetendeutschen Partei unternommen. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Leitung der Sudetendeutschen Partei über40Rebellenausder Partei ausgeschlossen. Gewiß ein sehr schöner Anfang, durch den die Henlein- Volksgemeinschaft so richtig charakterisiert wird. Jgnät Herrmanns Bestattung. Gestern fand im neuen Krematorium in Prag die Einäscherung der Leiche des Schriftstellers Fgnät Herrmann statt. Auf ausdrücklichem Wunsch des Verblichenen wurde von allem Prunk abgesehen. Anwesend waren neben den Familienmitgliedern u. a. der Vorsitzende des Senats Dr. Soukup, Kanzler Dr. Sämal, die ehemaligen Minister Dr. Fatka und Beöka» zahlreiche Abgeordnete und Senatoren, Vertreter der Behörden, viele Delegationen öffentlicher und privater Korporationen und zahlreiche Trauergäste aus Kunstkreisen, sowie aus dem Bekanntenkreise des Verstorbenen. Vor dem Katafalk wurden zahlreiche Kränze niedergelegt. Das Wort ergriff als einziger Redner der Chefredakteur dec„Närodni Lisch", Abgeordneter Hölecek, zu einem Nachruf, in dem er Herrmann als Menschen pries, der in seiner Seele ein großes Künstlertum mit ebenso großer Bescheidenheit verband. Unter den Klängen der Staatshymne öffnete sich der schwarze Vorhang, hinter welchem der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des großen Schriftstellers den Augen der trauernden Menge für immer verschwand. Einstellung deS Kulturkampfes in Mexiko? Die mexikanische Zeitung„El Correo de Chihuahua" meldet aus Culiacan, der Hauptstadt des Staates Sinaloa, daß der neue mexikanische Innenminister Silvano Barba Gonzalez strikten Befehl erteilt hat, diejenigen katholischen Kirchen wieder für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen, die vor längerer Zeit auf Anordnung des Staatsgouverneurs geschloffen worden sind. Es heißt, daß es sich dabei um einen ersten Schritt der mexikanischen Bundesregierung handelt, auf diesem Gebiete die Ordnung wiederherzustellen, und daß weitere Maßnahmen folgen werden. Ein mutiger Bischof. Der Bischof Clemens August von M ü n st e r hatte jüngst an den Oberpräsidenten von Westfalen das Ersuchen gerichtet, Alfred Rosenberg auf dem nationalsozialistischen Gautage nicht sprechen zu lasten. Der Bischof war daraufhin vom Reichsleiter Rosenberg sehr scharf angegriffen worden. Fetzt hat der Bischof von Münster auf die Rede Rosenbergs eine Antwort erteilt. Einer Prozession von etwa 6000 Menschen, die an dem Balkon des bischöflichen Palais vorüberzog, sagte Clemens August, er werde sich durch keinerlei Drohungen von seinen Pflichten als Bischof abbringen lasten. Er erinnere daran«, daß es ein Bischof von Münster war, der auf demselben Konzil dem korsischen Eroberer mannhaft entgegentrat und daß es ein Bischof von Münster war, den man vor 60 Jahren aus dem gleichen Hause abgeführt habe. Hunderte Ausbürgerungen in Deutschland. Im„Reichsanzeiger" werden immerzu weitere Listen von Widerrufungen erfolgter Einbürgerungen veröffentlicht. So ist in der letzten Nummer eine Liste des Regierungspräsidenten von Wiesbaden enthalten, die 61 Namen umfaßt, eine Liste des Polizeipräsidenten von Berlin, die 27 Namen aufweist, und eine Lifte des Regierungspräsidenten von Arnsberg mit 236 Namen. Es handelt sich größtenteils um Personen mchtarischer Herkunft, die erst nach dem November 1918 Reichsangehörige geworden sind. Unter den letzten Ausgcbürgerten befindet sich auch der frühere Professor der Universität in Halle Otto Hertz. Luftschutz in England. Der britische Innenminister hat Anweisungen für den Schutz der Zi- vilbovölkerunzWWn Luftangriffe hevtsttzgegeben. Kuba etwas beruhigt. Wie aus Washington mitgeteilt wird, hat sich die Lage auf Kuba so weit beruhigt, daß die kubanischen Behörden die ameri- kanffche Regierung ersucht haben, von der beabsichtigten Entsendung von TorpedobookSzcrstörern nach Kuba Abstand zu nehmen. Haifisch oder Ente? In der Bucht von S y d n« y, iy der es bekanntlich von Haifischen wimmelt, wurde Dienstag ein gewaltiger Haifisch lebend gefangen und öffentlich in einem großen Aquarium ausgestellt, wo ihn das Publikum besichtigen kann. Im Laufe des Nachmittags spie der Haifisch plötzlich einen vollständig unversehrten, mit Tätowierungen bedeckten Männerarm aus. Die Behörden erkannten, daß es sich hier um den Arm eines sehr wichtigen Zeugen in einem Kriminalprozetz handle. Dec Mann war plötzlich verschwunden und allem Anschein nach ermordet und ins Meer geworfen worden. Auf diese Weise hat der Haifffch den wichtigsten Zeugenbeweis in dem Mordprozeß geliefert. Eine Betrachtung der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei in den ersten sechs Monaten der letzten fünf Jahre läßt erkennen, in welchem Umfang jeweils durch die 1931 1932 Jänner 313.511 583.138 Feber 343.972 631.736 März 339.505' 633.907 April 296.756 555.832 Mai 249.686 487.228 Juni 220.038 466.948 Abgesehen von der kleinen Abweichung im Jahre 1932 wurde der jeweils höchste jährliche Stand der Arbeitslosigkeit im Februar erreicht. Dann setzte regelmäßig ein Rückgang ein, der bis in den Juli bezw. August andauert. Dann folgt wieder eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit. Wenn die im Sommer sinkende Bewegung der Arbeitslosigkeit zum Teil auch auf die saisonmäßige Belebung am Arbeitsmarkt zurückgeht, so ist doch zu beachten, daß auch die Stärke dieses saisonmäßigen Charakters von dem Umfang der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bedingt ist. Im vorigen Jahre betrug die Abnahmeder Arbeitslosenziffer vom Februar bis Juni rund 262.000, in diesem Jahre etwas über 230.000. Die Arbeitslosigkeit im Juli 1935 liegt um knapp 20.000 über der des Juni 1934. Aber um über.73.000 unter dem Stand jm Juni Milos Meixner bleibt in Haft Die Beschwerde des tschechisch-nationalistische« Hitlerverehrers vom Obergcricht verworfen. Am 27. Juni fanden vor dem Prager Kreisgericht gleichzeitig zwei politische Prozesse statt, über die wir seinerzeit eingehend berichtet haben. In beiden Fällen handelte es sich um Anklagen wegen staatsfeindlicher Anschläge in Verbindung mit ausländischen Faktoren. Angeklagt waren die kommunistischen Funktionäre K r o s n ä t(dessen Sache aber wegen Erkrankung ausgeschieden wurde), Abg. Hruska und Sekretär Richard S l ä n s k h. Im zweiten Prozeß saß der tschechische Ultranationalist Milos M a i x n e r auf der Anklagebank, der die fascisierende Zeiffchrift„N ä- r o d n i st ä 1 herausgibt, gleichivohl aber mit dem Prager Mitarbeiter des„VölkischenBeob- a ch t e r s" und des berüchtigten antisemitischen Hetzblattes„Der Stürmer" in Verbindung stand und allerlei mysteriöse Reisen ins Dritte Reich unternahm, die ihn u. a. auch in das Berliner Propagandaministerium pes Herrn Goebbels führten. Die Prozeffe endef^n damit, daß hinsichtlich der K o m m u n i st e n zwar die„Verbindung mit ausländischen Faktoren" nicht als erwiesen betrachtet wurde, wohl aber anderweitige staatsfeindliche Tätigkeit, so daß die Angeklagten zu schweren Kcrkerstrafen verurteilt wurden. Umgekehrt war bei dem nationalistischen Herrn Milos M a i x n e r zwar die Verbindung mit dem Ausland einwandfrei bewiesen, doch blieb der Inhalt, Gegenstand und Zweck in ein für den Angeklagten vorteilhaftes Dunkel gehüllt. Trotz der schwerbelastenden Indizien fand das Gericht nach dem kümmerlichen Beweismaterial, das die Prager Polizei beschafft hatte, keinen'zur Verurteilung ausreichenden Beweis für staatsfeindliche Umtri