i I Nr. 162 Sonntag, 14. Juli 1935 15. Jahrgang t n r EmMs 70 Honet WMcMMUck S H.II« r«M 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung rag m. fochova a. Telefon flöff. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. OHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS» FRAG» if n l. r 4 n kr \t 7» n r. IN ch n m ch ch Y, W i s' t>ik| [ie* T«? LlC'j its« t uii jRc*J ii>1 ift» xis' dc< I ei"* ei"' ck"' »ei'ik iit» Ai» !>e< nH* hfl cst'" d-r N-" Tvit r ik st v Autounglück Schuschniggs Frau Schuschnigg tot— Nervenschock des Bundeskanzlers Dementierte Attentatsgerüchte Wie«. Bundeskanzler Schuschnigg hat ans der Fahrt«ach sei»«« LrlaubsortSt. Gilgen im Salzkammergut am Samstag gegen halb 1 Ahr mittags einen schweren Autounsall erlitte«. Der Wagen des Bundeskanzlers stieh gegen eine« Baum. Der Bundeskanzler wurde ausdemWageugeschleudert und blieb unverletzt hat aber eine« Rervenchock erlitten. Die Gattin des Bundeskanzlers» Frau Herma Schuschnigg, wurde schwer verletzt und ist bereits ihren Verletzungen erlege«.Der Sohn des Bundeskanzlers wurde leicht verletzt. Bo« de« Deglettversone« wurde der Chauffeur tödlich, ein Ä t i« minalbeamter leicht verletzt Das Kinderfräulein blieb unverletzt Der Bunde s L a n z l e r befindet stch in L i n z in Spitalspflege. Während«ach offizielle« Meldungen Schuschnigg der Tod seiner Frau bereits mitgeteilt wurde und er an der Bahre der Tote» weilte, meldet das DNB, daß der Kanzlei jede Erinnerung an de« Hergang der Ereignisse verloren und sogar die Tatsache des Unglücks selbst vergessen habe. Als Ursache des Anglücks wird angegeben, daß der Chauffeur durch einen Sonne« st ich das Bewußtsein verloren habe. Demgegenüber sind allerhand Gerüchte verbreitet, die von ausge st reuten Nägeln wisse« wollen, die einen Pneumattkd efekt und damit das Anglück selbst verursacht hätten. Der Direktor des Sicherheitsweseus für Oberösterreich erklärte im Nundfunk ausdrücklich, daß das Anglück nicht durch fremde Schuld verursacht worden sei. Am so mehr stnde« darum die verschiedenen Gerüchte Nahrung... Wie das Unglück geschah Wen.(Eigenbericht.) Nach einer Darstellung aus dem Bundeskanzleramt hatte Bundeskanzler Schuschnigg während der Fahrt der grasten Hitze wegen das Dach des Wagens teilweise öffnen lassen. Durch die so entstandene Oeffnung wurde in dem Augenblick, da der Chauffeur die Herrschaft über den Wagen verlor, der Bundeskanzler in weitem Bogen herausgeschleudert. Fran Schuschnigg prallte dagegen mit dem Kopf gegen den Rahmen des halbgeöffneten Daches und brach das Genick. Sie war sofort tot. Ihre Leiche wurde im Karmeliterkloster in Linz ausgebahrt. BundeSkommissär Adam meldete um 17 Uhr im Wiener Rundfunk folgende Einzelheiten: Samstag früh um 9 Uhr 3V begab sich Dr. Schuschnigg mit seiner Gattin Herma und seinem Sohn Kurt nach St. Gilgen im Salzkammergut, um dort die Sommerferien zu verbringen. Adjutant Oberstleutnant Bartl und Gendarmeriemajor Kern begleiteten außer einem D«tek- tiv den Bundeskanzler. Das Auto wurde vom Chauffeur Tichh gelenkt. Die Adjutanten fuhren im zweiten Wagen. Die Katastrophe ereignete sich um 12 Uhr 28 zwischen den Gemeinden Aften und Piechling. Das Auto fuhr mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern, als plötzlich der Chauffeur mit seinem Wagen auf die linke Seite der Straste geriet und an einem Baum anfuhr. Der Bundeskanzler wurde auf die Straste geschleudert» wo er bewußtlosliegen blieb. Seine Gattin stiest bei dem Zusammenstoß mit dem Kopfe an die Decke des Automobils und war wahrscheinlich sofort tot. Der Sohn Kurt erlitt eine leichtere Verletzung im Gesicht, der Chauffeur wurde tödlich verletzt. Der Benzinbehälter sing Feuer, doch konnte der Brand rasch gelöscht werden. An Ort und Stelle wurde sofort die Untersuchung ausgenommen, doch gelang es nicht, daS Unglück aufznklären. Die Straße war in bester Ordnung und an keiner Stelle beschädigt. Der Chauffeur Tichh war als verläßlich bekannt und stand im Dienste des Bundeskanzlers schon ein« Reihe von Jahre«. Es ist möglich, daß er von einem Unwohlsein befallen wurde und die Herrschaft über die Maschine verlor, aber«S ist auch ein M a s ch i- «««defekt nicht ausgeschlossen, der nicht rechtzeitig bemerkt wurde. Starhemberg— Schuschniggs Stellvertreter Bundespräsident Miklas ist sofort nach Linz abgereist. Um 3 Uhr nachmittags traten beim Finanzminister Buresch die in Wien weilenden Minister und Staatssekretäre zusammen. Minister Bursch erstattete Bericht über den Unfall. Vizekanzler Starhemberg, dem die Stellvertretung des Bundeskanzlers obliegt, befindet sich auf dem Wege von Italien nach Wien und auch die übrigen Minister werden ehestens nach Wien zurückkehren. Habsburger-Gesetze in Kraft Wien. Das Bundesgesetzblatt veröffentlicht am Samstag das Bundesgesetz betreffend die Aufhebung der Landesvertvcisung und die Rückgabe des Vermögens der Familie Habsburg-Lothringen. Das Gesetz ist damit in Kraft getreten. hat am 10. Juli einheitlich bei allen polftischen Gefangenen eingesetzt. Diese Protestaktion richtet sich in erster Linie gegen die skandalöse Behandlung der politischen Häftlinge, aber auch gegen die barbarischen Formen der politischen Justiz im heutigen Oesterreich überhaupt. Dazu gehört insbesondere die praktisch schrankenlose Strafgewalt d e r P ol i z e i, die ohne Verfahren, ohne Verteidigung, ohne Beweis zahllose Menschen wegen des bloßen Verdachtes einer politischen Gesinnung zu Gefängnis bis zu einem Jahr ver- urteilt— was sie bei Betrügern keineswegs darf. Dazu gehört ferner die zur Regel gewordene doppelte Bestrafung wegen eines und desselben Delikts erst durch die Polizei und dann durch das Gericht. Die politischen Forderungen der Häftlinge lau ten daher in erster Linie: Freilassung aller in Haft und in Konzen- trationslagern befindlichen politischen Gefangen»». Auflassung der Konzentrationslager. Beseitigung der Methode der Geiselaushebung und der Haftbarmachung Unbeteiligter. Aufhebung der außerordentlichen Strafgewalt der Polizei. Einschränkung der gerichtlichen Unter- fuchnngShast auf sechs Wochen. Keine Vorhin- dernng der Fürsorgeaktiimeu für Gefangene. Steuerdefekt? Chauffeur stellt Unwohlsein In Abrede Während der Chauffeur am Abmd bereits att 1 o t gemeldet wurde, wird knapp vor Blattschluß mitgeteilt, daß er n i ch t gestorben, sonder« vielmehr ans seiner Ohnmacht erwacht ist und einvernommen werden konnte. Der Chauffeur stellte mtschiedcn in Aberde, daß er von einem Unwohlsein befallen worden sei. Vielmehr scheint mit großer Wahrscheinlichkeit ftstzustehen, daß ein Steuerdefekt deS Kraftwagens die Ursache des Unglücks ist. Der zerttümmerte Wagen wird von der BvrsuchS- station der Wiener Polizeidirektion untersucht werd«. In Wim ist überall daS Gerücht verbreitet, daß es sich nicht um einm Unfall, sondern um einm politischen Anschlag handle. Aehnliche Nachrichten wurden auch von reichsdmtschm Seit« der« wiedergegeben- Das Bundeskanzleramt in Wim dementiert diese Gerüchte ganz mtschiedm. Selbst der Korrespondevt der„P r a g« r Presse" meldet jedoch seinem Blatt gleichfall- die Attentatsgerüchte, wenn auch mit der entsprechenden Reserve. Es heißt in der Meldung: In Wien werden Gerüchte verbreitet, daß das Autounglück auf einen Anschlag zurückzuführen sei. Es wird erzählt, daß auf der Straße N ä g e l gestreut waren, die einen Pneudefekt perursachten, der sich infolge der hohen Geschwindigkeit des Autos zur Katastrophe auswirkte. Außerdem wiro in Wien erzählt, daß dem Chauffeur angeblich irgendein Mittel in seine nMor- genkaffee gegeben wurde, damit er von Uebelkeit befallen werde. Diese Gerüchte, die sich natürlich nicht überprüfen lasten, dürften aber kaum der Wahrheit entsprechen. * Prag. Der Vorsitzende der Regierung Jan Malhpetr richtete an den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ein Telegramm, worin er ihm seine Anteilnahme und sein ttefes Beileid anläßlich deS tragischen Todes seiner Gattin zum Ausdruck bringt. Auch Außenminister Dr. Benes richtete an Dr. Schuschnigg ein Beileidstelegramm. Die Forderungen der Gefangenen werden durch eine Protestaktion der Arbeiterschaft in den betrieben unterstützt, die Deputationen zu den Behörden entsendet. Mit einem Aufruf wenden sich die Männer und Frauen in den Kerkern des österreichischen FascismuS an die österreichische Öffentlichkeit sowie mit der Bitte um moralische Unterstützung an das Gewissen der gesamten Kulturwelt. Huebers Beisetzung Wim. Am Freitag fand im Wiener Krematorium die Einäscherung der Leiche des verstorbenen ehemaligen sozialdemokratischen Abgeordneten und Gewerkschaftsführers Anton H u e b e r statt. Bei der Feier hielten der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Arbeiterkammer» K. Weigl, als Vertreter der tschechoflowakischen Sozialdemokraten Abgeordneter Brodeckh und all Vertreter der deutschen Sozialdemokratm in der Tschechoflowakci Abg. Schäfer Abschiedsrede«. Ein soziales Problem! Rückgang des deutschen Bevölkerungsanteils Die Entwicklung der Bevölkerungsbewegung km deutschen Gebiet und in den gemischten Gegenden unseres Landes hat in den deutschen Zeitungen und Zeitschriften warnende Betrachtungen und alarmierende Artikel ausgelöst. Dem verhältnismäßig starken Geburtenrückgang in der deutschen Bevölkerung wird die außerordentlich hohe Geburtenhäufigkeit der flotvakischen Bevölkerung gegenübergestellt. Die so durch dies« natürliche Bevölkerungsbewegung bewirkte weiter« Zurückdrängung des deutschen Elements wird beklagt und sie ist Anlaß zu Appellen an die deutschen Männer und Frauen, dieser bedrohlichm Entwicklung Einhalt zu tun. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1930 waren noch 22,3 Prozent der Gesamtbevölkerung der Tschechoslowakischen Republik deutscher Nationalität. Seither ist, wenn man der natürlichen Geburtenbewegung in den letzten Jahren folgt, zweifellos eine Verschickung m diesem Verhältnis zu ungunsten der deutschen Bevölkerung eingetreten. ES zeigt sich nämlich tatsächlich, daß der Geburtenanteil der Deutsch en k e i n e s w e g s dem Bevölkerungsanteil entspricht. Im Jahre der letzten Volkszählung, also 1930, entfielen von den gesamten Geburten im Staatsgebiet 18.3 Prozent auf die.Deutschen. Schon das wären um fast 4 Prozent weniger als es nach dem Bevölkerungsschlüstel hätten sein dürfen. In den folgenden Jahren ist nun der Geburtenanteil der Deutschen weiter zurückgegangen.. Im Iah« 1933 war er aus 17.8 gesunken und bis 193h sank er weiter auf 17.3. Zu dem andauernden Geburtenrückgang, dessen Folg« dies« Entwicklung zuerst ist, kommt noch ein anderes: die Sterblichkeit unter der deutschen Bevölkerung nimmt weniger ab, als unter den anderen Nationalitäten, die jüdisch« ausgenommen. Ziehen wir einmal zum Vergleich mit dem Jahre 1933, für das die endgültigen Ziffern vorliegm, die Bevölkerungsstatistik von 1930 heran. Auf je tausend Einwohner kamen bei den Nationalitäten Geburten: tschechisch-ftowakische 1930: 22.35, 1933: 19.01, deutsche 1930: 18.38, 1933: 15.2; Gestorbene: tschechoslowakische 1930: 13.79, 1933; 13.28, deutsche 1930: 13.72, 1933: 13.48. Während also 1930 die Sterblichkeitsziffer unter den Angehörigen der tschechischen Nationalität (auf je tausend Einwohner) noch um ein geringes höher war, älS die der Deutschen, ist sie im Jahre 1933 für die Deutschen höher. In Mähren-Schlesien, der Slowakei und in Karpathorußllmd war 1933 in allen Bezirken ein Uckerschutz der Lebendgeborenen über die Gestorben«« vorhanden. In Böhmen hingegen gab es acht politische Bezirke und 26 Gerichtsbezirke in denen, ein Ueberschutz an Gestorbenen über die Lebendgeborenen zu verzeichnen ist. Diese Bezirke haben also einen natürlichen Bevölkerungsrückgang, der» wenn nicht ein Umbruch in dieser Entwicklung eintritt oder«in Zuzug stattfindet, zu einem Ausstecken der Bevölkerung führen muß. Sehen wir uns die Bezirke an, um die es sich dabei handelt! Es ist lein Zufall, daß wir da Bezirke finden, die in anderem Zusammenhang in den letzten Jahren des öfteren in der Presse gmannt worden sind. Es sind die« selbenBezirke, in denen dieMas- senarbeitslosigkeit nnd di« soziale N.o t a m k r a s s e st e n wüten! Braunau, Tetschen, Friedland, Neustadt a. d. Tafelfichte, Komotau, Tannwald» Gablonz, Zwickau, Deutsch-Gabel, Marienbad, Reichenberg, Eibogen, Haida, Rumburg, Schluckenau, Hainspach, Trautenau, Warnsdorf, Karlsbad u. a. In diesen Bezirken mit starker deutscher Bevölkerungsmehrheit sind die zahlreichen Jnduq strieftiedhöfe anzutreffen; hier lcken hunderttausende Menschen seit Jahren entweder von Löhnen, die so statt gckrückt wurden, daß sie unter das gesunken sind, was zur Bestreitung der Lebens« haltung notwendig ist; oder sie sind ebenfalls seit Jahren als Arbeitslose aus eine Unterstützung angewiesen, die, wenn sie nicht durch die Anstrengungen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ausgebaut wordm wäre, nicht einmal die allerschlimmste Not von d«n Männern, Ein Hungerstreik in den österreichischen Gefängnissen und Konzentrationslagern Seite 2 Nr. 162 Sonntag, 14. Juki 1935 Die neue Verordnung über dasGetreidemonopol vom Ministerrat genehmigt Frauen und Kindern fernhalten könnte. Hier sind die Gemeinden, in denen man Dutzende Wohnungen besuchen könnte, um in jeder aufs stärkste erschüttert zu sein von dem Ausmaß des menschlichen Elends, dem die arme Bevölkerung dieser Industriegebiete verfallen ist. DieKinder müde, mager, gespenstisch abgezehrt, krank; die Eltern halb verhungert, mürbe und hoffnungslos. Ja, wer glaubt denn, daß solches Elend nicht in der Bevölkerungsbewegung unseres Landes seinen Niederschlag finden muß! Wir sehen in ihm die stärkste Ursache für die Verminderung des deutschen Anteil- an der Gesamtbevölkerung, weil eben die Mehrheit der Deutschen in unserem Staate in diesen einstigen Industriezentren konzentriert ist. Und diese Ursache läßt sich nicht durch Appelle mit der Berufung auf die Moral oder auf das»Interesse unseres Volkstums" beseitigen. Der Geburtenrückgang in diesen deutschen Elendsbezirken ist nicht eine Folge der Geburten b e» fchränkung; e r d e m o n st r i e r t nur den durch-dieun vor stellbar grenzenlose Not und Armut hervorgerufenen Geburtenausfall. Wenn im Zwickauer Bezirk eine Untersuchung durch d«n Stadtarzt ergibt, daß 76 Prozent aller Schulkinder blutarm, schwach, unterernährt sind und 16 Prozent davon zur Skrofulose neigen, so wird damit der Verfall in grauenhafter Weise illustriert, denn Zwickau ist nur ein trauriges Beispiel von vielen! Wer kann von diesen Kindern, die unter Hunger und Erwerbslosigkeit als nächste Generation heranwachsen, erwarten, daß von ihnen die deutsche Bevölkerung im Ablauf eines Jahrzehnts einen starken und gesunden Zuwachs erfährt? Wenn das Problem des Rückganges der deutschen Bevölkerung in unser»» Lande zur Diskussion gestellt wird, dann darf man auch nicht verkennen, daß es sich dabei zuerst um eine soziale Angelegenheit handelt. Eine soziale Angelegenheit, die deshalb eine so scharfe Zuspitzung erfahren hat, weil die Wirtschaftsvernichtung durch das ka- pitalistischeSysteM gerade im sudetendeutschen Gebiete ein so gewaltiges Ausmaß erreicht hat. Und Wirtschaftsvernichtung, das ist nicht bloß Vernichtung von Kapital und Maschinen, das ist vor allem Vernichtung von Menschen. Oder genügt als Beweis dafür der Verfall der Bevölkerung in den vorstehend ausgeführten Bezirken noch nicht? So ist die Entwicklung der deutschen Bevöl- kerungsbewegung in der Tschechoslowakischen Republik mehr als eine Angelegenheit des„Volkstums", sie geht alle an, sie ist ein ernstes soziales Problem. Als solches will es das deutsche Bürgertum allerdings nicht sehen. Denn"es müßse'sich dann gegen das kapitalistische System wenden, müßte gegen die kapitalistische Jnteresscnpolitik, gegen den Lohnabbau, gegen die Maffenentlaflun- gen und andere Maßnahmen ankämpfen; kurz es müßte mit der Sozialdemokratie für den weitesten sozialen Schutz der Massen, für die Aenderung dieser gesellschaftlichen Ordnung kämpfen, damit in einer besseren die Voraussetzung für die Entfaltung und den Aufstieg der Bevölkerung gegeben sind. Indem eß die Verminderung des deutschen Bevölkerungsanteil- aber zu einer billigen Sache des„Volkstums" macht, bewahrt sich das deutsche Bürgertum dieses Staate- vor dieser Kon- seguenz. Prag. Der samstägige voraussichtlich vorletzte Ministerrat vor den politischen Ferien hat, wie der offizielle Bericht trocken und ohne Anführung der begreiflicher Weise mit Spannung erwarteten Detalls mittellt, u. a. den Verorderungsentwurf„über die Aenderung und Ergänzung einiger Bestimmungen der Regierungsverordnung vom 13. Juli 1934, Nr. 137 betreffend die Regelung des Handels mit Getreide, Mehl und Mül- lereiprodukten sowie einigen Futtermitteln" angenommen, d. h. das Getreidemonopol ne« geregelt. * Die Festsetzung der Getreidepreise ist, wie verlautet,«och nicht erfolgt, sondern soll im Laufe der nächsten Woche nach Borberatungen in einem engeren Komitee vom Ministerrat vorgenommen werden. Dar»Prävo Lidu" schreibt über die neue Monopol-Verordnung u. a.: Wir können mit Befriedigung sagen, daß wir in der Regierung das Verlangen der Partei und der Konsumenten, daß ReiS und Mehl aus dem Monopol ausgenommen bleiben und es außerdem bei der staatlichen Finanzgarantie in dem bisherigen, nichterweiterten Umfang bleiben soll, durchgesetzt haben. Ein weiwres Plus ist das Uebereinkommen über die Beschränkung der Anbauflächen überschüssiger Getreidesorten(hauptsächlich Weizen und Gerste). Auch die Fimge der von der Gewerbepartei geforderten Gewerbesperre ist nach dem „P r ä v o L i d«" erfolgreich in der Richtung gelöst worden, daß cs sich nicht mehr um einen gewerblichen numernS clausuS handelt, sondern lediglich«m den begründeten Schutz des Gewerbes gegen die maßlose Konkurrenz deS Großkapitals. Aber auch hier gehe eS nicht um ein Verbot der Filialen von Großbetrieben, sondern um ein Be- willigungSverfahrrn, daS von vernünftigen gesamtwirtschaftlichen Rücksichten geleitet sein wird. Endlich soll trotz der schwierigen Finanzlage auch für die Regelung der dringendsten Forderungen der Staatsangestellwn, vor allem der A l t p e n s i o»i st e n, ein nicht««wesentlicher Betrag bereitgrstrllt werden., ist Kampf gegen Habsburg Hochverrat? Vor dem Wiener Landesgericht hat ein Prozeß gegen den Klaviermachergehilfen Franz O l a h und sechzehn Mitangeklagte stattgefunden, die beschuldigt waren, illegale sozialistische Literatur, darunter die»Arbeiter-Zeitung" und den -Kampf", verbreitet zu haben. Die Anklage lautete,, gegen Olah, Droh und Großbaintner auf Hochverrat, gegen die übrigen auf daS Verbrechen der Störung der öffentlichen Ruhe. Die Hochverratsanktage gründete sich auf die Verbreitung der Nummer 3 der Monatsschrift»Der Kampf", und zwar ausschließlich auf einen darin enthaltenen Aufsatz von Otto Bauer, der gegen die Wiederkehr der Habsburger nach Oesterreich Weitere Regierungsverordnungen betreffen „die Verarbeitung einiger heimischer Oelsanun (Winterraps und Sojabohnen) bei der Erzeugung von künstlichenSpeisefettenim Jahre 1985", die„Regelung der Vorschriften betreffend die Zwangsbeimischung von Spiritus zu Betriebsstoffen auf Grund der heurigen Gesetzesnovelle über die Verbrauchssteuer von Mineralölen" und die„Erzeugung von K l ü m- Pen käse und vonBrimse sowie deren Distribution und die Schaffung eines Syndikates von Brimsenproduzenten in TurL. Sv. Martin zum Zwecke der Hebung der Schafzucht und der Vereinheitlichung der Produktion und des Absatzes der Brimse". Die Schafzucht soll auch durch entsprechende Maßnahmen zugunsten des Absatzes heimischer Wolle bei der Vergebung von öffentlichen Lieferungen von Wollwaren gefördert werden. Weiter wurde der Bericht d«S Personalkomitees der Minister über die Anträge auf Aenderung der Systemisjerung der Dienststellen und über die Vorbereitungen zur Aufnahme der R e s y st e m i s i e r u n g S- arbeiten sowie auch die Mitteilung zur Kenntnis genommen, daß das Gesamtelaborat über die Ernennungen undBeför- derungen von Staat sangestellten aus allen Dienstzweigen, das für den Julitermin in dem üblichen Ausmaße der Maflenernennungen vorbereitet wird, dem Ministerrate in der nächsten Woche zur Genehmigung unterbreüet werden wird. Endlich wurde die weitere Verlängerung der gellenden Bestimmungen über die Einstellung periodischerDruck- s ch r i f t en beschlossen. * Von dem Vorferienprogramm der Regierung bleiben jetzt im wesentlichen nur noch die Ernennungen in die Landes- und Bezirksvertretungen übrig, über die in den letzten Tagen wiederholt Verhandlungen stattgefunden haben. Man rechnet damit, daß diese Verhandlungen in den ersten Tagen der nächsten Woche zum Abschluß kommen werden und der letzte Ministerrat etwa am Donnerstag die Ernennungen in die Vertretungskörperschaften beschließe« wird. Stellung nahm und die Arbeiter zum W8>erstarck> gegen die Restauration auffovderte. Dies« Anklage, in der der Kampf gegen Habsburg mit dem schwersten Verbrechen gegen den Staat identifiziert wurde, hatte begreiflicherweise auch im Auslande Aussehen erregt. Es ist nun im Zusammenhangs mit der jüngsten Aufrollung der Habsburgerfrage sehr bezeichnend, daß die Hochverrats- anklage gegen Olah und Genossen fallen gelassen wurde. Sie wurden nur wegen Störung der öffentlichen Ruhe zu erheblichen Kerkerstrafen verurteilt— Olah zu fünfzehn Monaten. Offenbar hat es die österreichische Regierung doch nicht gewagt, im Zeitpunkt der Aufhebung der Labsburgerausweisung und der Rückgabe des Habsburgervermögens das Haus Habsburg auch noch demonstrativ vor der ganzen Welt unter den Schutz-es Hochverratsparagraphen zu stellen. Nächtlicher Straßenkampf in Belfast Zwischen der„Orange-Partei" und irischen Nationalisten. London. Die nordirische Hauptstadt Bel-] fast war in der Nacht auf Samstag der Schau-. platz schwerer parteipolitischer Unruhen und blu- tiger Straßenkämpfe, bei denen zwei Personen I getötet und über 40 verletzt wurden. Mitglieder der protestantischen O r a n g e-P artet, die] den Jahrestag der Schlacht am Boynefluß ge-] feiert hatten, wurden von irischen Rationalisten I angegriffen und mit Steinen und anderen Wurf- j geschossen beworfen. Nach kurzer Zeit entwickelte 1 sich ein Straßenkampf, an dem hunderte j von Anhängern der beiden Parteien teilnahmen 1 und in deren Verlauf von beiden Seiten Schüsse] abgefeuert wurden. Die Nationalisten schossen j von den Hausdächern auf die Orangisten. Als der Kampf seinen Höhepunft erreicht 1 hatte- traf die Polizei mit mehreren i Panzerwagen ein. Gegen 1 Uhr morgens A konnte die Ordnung wieder hcrgestellt werden. 1 Unter den Getöteten befindet sich eine Frau, die j einen Lungenschuß erhielt. Wiederaufrichtung der Arbeiter bewegung in Jugoslawien Die Vertreter der sozialistischen Bewegung> au- allen Teilen Jugoslawiens haben sich auf der 1 Konferenz am 7. Juli 1935 in Cilli dahin ge« I einigt, daß sie sofort an die Erneuerung der poli- 1 tischen Bewegung unter dem Namen»Sozia-'] listischer Bund des arbeitendenW Volkes" herantreten und einen Aktionsaus« I schuß eingesetzt, welcher diesen Beschluß durchfüh-| ren wird. Die aktuellsten Forderungen des Sozialisti« I schon Bundes des arbeitenden Volkes sind: a) Allgemeine Amnestie aller politischen.■ Gefangenen und deren Wiedereinsetzung in die M staatsbürgerlichen Ehrenrechte; b) Aufhebung des Gesetzes zum Schutze des I Staates und Abschaffung des außerordentlichen 1 Gerichtes zum Schutze des Staates; c) Herstellung der richterlichen Unabhängig« I kcst;,, I d) Durchführung der inneren Staatsein- t richtung durch Herbeiführung einer allgemeinen I Verständigung; e) vollkommene Presse-, Bersammlungs- 1 und Organisationsfreiheit in politischer, kulturel- I ler und beruflicher Hinsicht; f) Auflösung der Nationalversammlung und I Ausschreibung der Neuwahlen auf Grund i des geheimen, allgemeinen und gleichen Wahl- I rechtes, mit dem Proporz für den ganzen Staat; I g) sofortige. Inangriffnahme großer öffent« r kicher Arbeiten bei gleic^eitiger Sicherstellung des| 40stündigen Arbeitstages und gleichbleibendem I Lohn, Einführung der Minimallöhne, welche die» Erhaltung der Familien gewährleisten müssen;»W h) sofortige Einführung der Arbeitslosen- I und Altersversicherung für alle Arbeiter ohne» Unterschied; i) dauernde Durchführung der Agrar« I reform und Sicherstellung des wirtschaftlichen I Verdienstes der landwirtschaftlichen Bevölkerung; I j) Unterstützung der internationalen politi- I schon Abrüstung, kollektive Friedenssicherung und I Anerkennung der Sowjetunion; k) Kampf dem FascismuS und Aufbau deS| Staates auf Grundlage der Gleichberechtigung i und Freiheit aller Staatsbürger. Anna AurednKek Na wart', du Affe, dachte Beinsteller, wird gar nicht lange dauern und das Lachen wird, dir vergehen. Auch dieses Geheimnis war ihm sofort klar. Mayer arbeitete mit Hilfe dieses Geschöpfes, da- als Lockvogel verwendet wurde, wo man mit Geld nichts auSrichten konnte. Dieses Fräulein, das jetzt schamlos halbnackt im durchsichtigen Schlafrock vor ihm stand, war der Lockvogel. Ihr sündiger Körper betörte die Menschen, auf die Mayers Geld keine Wirkung ausübte. Hier steckte das Hauptgeheimnis, das Beinsteller lösen sollte. Das Fräulein hatte indessen aus dem Kasten ein Tablett mit einer Batterie verschiedener Likörflaschen und Gläser gebracht. »Wir sollten unser Bekanntwerden feiern", sagte sie und mischte geschickt fünferlei Schnäpse, die sie in ein Gläschen schüttete. In das andre Glas goß sie reines Wasser. »Auf Ihr Wohl!" sagte sie, bot Beinsteller dar Wasser und goß hurtig die Schnäpse hinunter. »Sie siüd eine Nummer", sagte Beinsteller etwas gereizt,»machen einem Appettt und traktieren dann mit Wasser." Das Fräulein lachte und legte ihre weiche Hand auf Beinstellers Bein.»Alterchen, wer Platin verkauft hat, darf nippen. Wer es wegführen soll, muß seinen Kopf beisammen haben. Aber damit Sie nicht leer ausgehen, bekommen Sie einen Kuß, der nach dem guten Tropfen riecht." Ehe sich Beinsteller dessen versah, gab ihm daS Fräulein einen Kuß. Als sie sich an seinem Staunen genügend geweidet hatte, reichte sie ihm einen Briefumschlag aus grauem, hartem Papier. »So, hier ist daS Platin. Einen Augenblick, Onkelchen, es muß noch versiegelt werden." Beinsteller erschrak: Wie konnte er den Briefumschlag öffnen, wenn er versiegeü war?»Könnten wir nicht noch einmal auf Ihr Wohl trinkens Diesmal aber umgekehrt, Fräulein. Ich will Sie auch dann so kosten lassen, damtt Sie ja nicht zu kurz kommen." »Onkelchen, Sie sind ein Strick", lachte das Fräulein. Sie hielt das Siegel in der Hand.„Wir können es ja versuchen." Sie mischte wieder gewandt, reichte Beinsteller das pure Wasser und gab ihm wieder einen Kuß. Aber da packte sie Beinsteller und küßte sie mit gespielter Leidenschaft. Das Fräulein lachte und schrie:»Wenn Ihr Bart nur nicht so stechen würde!" Dabei vergaß sie glücklich das Siegel, Beinsteller steckte unbemerkt den Briefumschlag ein, und sofort war seine Leidenschaft verraucht. »Sie sind wirklich ein Spitzbub", sprach atemlos das Fräulein.»Aber Sie sollen mich kennenlernen. Morgen können Sie zu mir kommen. Ich will Sie alles verkosten lassen, was Sie wünschen..." »Könnte es nicht noch heute sein?" bettelte Beinsteller.»Ich bin gleich wieder da, wenn ich mir ein Taxi nehme und wenn mich Herr Mayer damit zum Legationsrat schickt." »Mein Gott! Was haben Sie gesagt?" lachte das Fräulein,»Sie kennen auch den LegationS- rat?". »Den Radanyi?" «Na, wir sind ja nur mit ihm in Verbindung! Sie wissen aber wirklich viel." »Ich weiß alles, Fräulein! Ich bin Herrn Mayers rechte Hand und konnte es gar nicht erwarten, Sie kennenzulernen." Das Fräulein tätschelte seine Wangen und sagte:»Jetzt hat sich Ihr Traum erfüllt. Sie haben sogar einen ungeheuren Eindruck auf mich gemacht, hahahaha... Aber jetzt gehen Sie schon, damit Herr Mayer nicht zu lange auf das Platin warten muß. Morgen kommen Sie, aber lassen Sie sich, bitte, rasieren!" Krmzitürken, dachte Beinsteller, wie anders ist doch alles, wenn man ein anständiger Mensch ist. Am Ende hab' ich gar noch Glück bei den Frauen. Wenn der Minister hört, wie ich das gemacht habe, wird er noch bitten, daß ich die Medaille nehme, mtt der er solche Flausen macht. Unten beim Portier erkundigte er sich, wie daS Fräulein auf 15 heiße, und erfuhr, seine neue Bekannte sei Fräulein MUE. Aranka Föl- dessy aus Rytra, Hörerin der medizinischen Fakultät an der deutschen Universität. Eine saubere Medizinerin, dachte Beinsteller, als er sich in der Elettrischen niedersetzte. Es wäre eine Narretei, für Mayer überflüssiges Geld auszugeben. Wenn das Luderchen im Zivil nicht Ballettänzerin ist, dann will ich hängen. Unter solchen Betrachtungen gelangte Beinsteller in daS Bierhaus»Zum Montag". Herr Patek führte ihn in die Wohnung im zweiten Stock und befahl kurz und militärisch:»Geben Sie her!" Ueber Dampf öffnete er geschickt den Briefumschlag und prüfte aufmerksam den Inhalt: „DaS ist entsetzlich", sagte er,»das dürfen sie nicht in die Hände bekommen. Ich lasse den Kerl sofort verhaften." „Man darf bei dem ersten Malheur nicht gleich volle Hosen haben, Herr", riet Beinsteller, „das zahlt sich immer schlecht aus. Ich weiß noch nicht alles, was ich wissen muß, ich bin erst am Anfang einer großen Enthüllung. Mit diesem Kuvert geh ich zum Mayer, den Sie auf frischer Tat ertappen müssen. Stecken Sie ein paar andre Papiere hinein, die Sie leicht aus der Hand geben können, kommandieren Sie ein paar Detektivs und ich mach' mich mit der Botschaft auf den Weg. In der Tür halt' ich dann den Hausmeister auf— das ist auch ein sauberes Mistvieh—, Sie folgen mir und stürzen herein, sobald ich das Zeichen gebe. Dann nehmen wir den Mayer gefangen. Bis dahin hab' ich verschiedenes von ihm erfahre» und wir können mehrere Leute verhaften. Jedenfalls die ungarische Medizinerin, die sich so gut aufs Trinken versteht wie der Necas." „Sie sind wirklich ein famoser Detektiv!" i rief Herr Patek voll Bewunderung.»Ihr Plan ist ausgezeichnet. Ich nehme ihn auf, obwohl Ihr Leben vielleicht in Gefahr kommt." »Das gehört zur Sache", erwiderte Bein-1 steller schlicht.»Also kein langes Gerede, die l Detektivs werden wir ja wohl auch nicht gleich I erwischen und der Mayer könnte alles verpatzen, I wenn er den Hausmeister zu der besoffenen Medi-1 zinerin schickt." „Keine Angst, Herr Beinsteller, mit Verhaft| tungen ist gerechnet. Sie werden von drei Detek-1 tivs auf der Kampa erwartet." „Du meine Güte", jammerte Beinsteller,| „Prager Geheime sind wie die Kälber. Wenn sie I vor den Fenstern deS Hausmeisters herumspazie« I ren, so hat'S der Kerl gewiß bemerkt. Der ist mit I allen Salben geschmiert." »Ich habe vorgesorgt. Die Leute erwarte» I unS im Wirtshaus. In einer Viertelstunde ist I alles erledigt. Sie werden ja sehen. Bitt«, Herr I Bein steller." Na ja, dachte Beinsteller doller Genugtuung. I Vor einem Momang sprach er wie mit einem Tep-1 pen mit mir und jetzt sieht er, wer der Beinsteller I eigentlich ist; das«bitte, bitte" hat ja kein Ende. I In einem kleinen Wirtshaus auf der Kamp» I traf man die drei Geheimen. Beinsteller war an-1 genehm überrascht, daß Herr Zach und Herr! Holina dabei waren. „Na, JungenS, Ihr habt euch gewiß nftl träumen lassen, einmal unter dem Kommando des I alten Ferdl von der Hühnersteige zu stehen." „Himmelkruzi", brummte Holina,»das geht I mir wirklich auf die Nerven." .(Fortsetzung folgtji) Nr. 162 Sonntag, 14. Fusi 1935 Seite S e 8 it n -d (* t; t* :3 IN ie t* i« r* ft* ßi ri& «s ni & tt* |U* !* rt>* jh< in/ erv bi* jf' ek* 'ek» fi* ie' jii* K* ist nS- ep' flt« iÖ* -iF* jf* .et« «ie bt< Frau Vandervelde besucht die politischen Gefangenen in Österreich Im Auftrag der Internationalen Liga für Menschenrechte hat Fmu Jeanne Bänder« ve ld e, die Gattin des belgischen stellvertretenden Ministerpräsidenten, die auch belgische Gefängnisärztin ist und einen Studienauftrag des belgischen Justizministeriums besaß, die österreichischen Gefängnisse und Strafanstalten besucht und sich über die Behandlung der politischen Gefangenen informiert. Unter anderem besuchte siedieBerurteiltendesSchutz- bund Prozesses sowie die Opfer der Standgerichte nach dem Feberaufstand, die langjährige Kerkerstrafen zu verbüßen haben. Die österreichischen Behörden konnten einer international so bekannten Persönlichkeit, die obendrein die Gattin eines aktiven Ministers ist, nicht allzu viele Hindernisse in den Weg legen. Immerhin ist es bezeichnend, welche Einrichtungen der österreichischen Juftizpflege Frau Vandervelde n i ch t zu Gesicht bekam: Während sie das Konzentrationslager Wollersdorf besichtigen konnte, wurde ihr der Besuch des berüchtigten Konzentrations lagers Messendorf bei Graz verwehrt. Diese Tatsache allein bestätigt alle»Greuelnach« nachrichten", die in ganz Oesterreich über die unmenschlichen Verhältnisse in diesem Konzentrationslager im Umlauf sind. Ferner bestritt die Wiener Polizei— unter Ausnutzung der besonderen lokalen Berhältniss«, daß nämlich zwei Gefangenenhäuser aneinander grenzen— daß es ein Polizeigefängnis in der Hahn« gaffe(Wien, 9. Bezirk) gäbe: dies ist das sogenannt«»Schubhaus", das heute mit dem Polizeigefängnis verwaltungsmäßig vereinigt ist, in dem sich aber u. a. die sogenannte„Anhalte- abteilung für Frauen"— das ist ein Konzentrationslager in einem Gefangenenhaus, also unter besonders schlechten Bedingungen, befindet. Der Besuch der Frau Vandervelde hat auf die zahlreichen politischen Gefangenen als ein Beweis internationaler Anteilnahme an ihrem Schicksal sehr tröstlich gewirkt und vielfach wahre Begeisterung erweckt. Der 14. Juli in Frankreich Militär in Bereitschaft.— Polizeiflugzeug« über der Hauptstadt. Paris. An den französischen amtlichen und politischen Stellen herrscht die feste Ueberzeugung vor, daß der heutige Nationalfeiertag und besonders die Umzüge wenigstens in Paris einen ruhigen Verlauf nehmen werden. In den Provinzstädten sind Zusammenstöße nicht ausgeschlossen, obwohl die Präfekten und Polizeikom- miffäre überall persönlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich sein werden. Alle politischen Gruppen und Parteien, die sich an den Straßen Umzügen beteiligen werden, haben von sich aus ebenfalls Aufrufe zur Aufrechterhaltung der Ruhe und zur würdigen Gestaltung der Manifestationen erlassen. Das Tragen von roten Fahnen im Zuge ist verboten, nicht verboten sind aber Vereinsfahnen, selbst rote mü Aufschriften. Das Militär bleibt am Nachmittag nach der Parade in den Kasernen in Bereitschaft. Militär« und Polizei-Flugzeuge werden den ganzen Nachmittag über Paris kreisen, um die Bewegung in der Stadt zu beobachten. Privaten Flugzeugen wurde von der Polizei verboten, über Paris und den Vorstädten zu fliegen. Der Innenminister hat Anweisung gegeben, daß Ausländer, die an den politischen Kundgebungen des 14. Juli teilnehmen, unverzüglich ausgewiesen werden. Sudetendeutscher Zeitspiegel Henleins Gesinnungsterror Denn Henlein und seine Wortführer in LohÄitätstelegrammen ihren Wahlerfolg als eine „freiwillige und langersehnt« Aeußerung des Volkswillens zur Einigung des Sudetendeutsch- tumS" hinstellen, so wissen die Herren„Führer" entweder gar nichts von d«m, was sich in den Landgemeinden abgespielt hat— was übrigens gleichbedeutend wäre mit unserem Zweifel über die„innere Verbundenheit zwischen Volk und Führer"— oder aber, und dies scheint uns wahrscheinlicher, sie schreiben nicht di« Wahrheit! Als eines der beliebtesten Mittel, den Ar- bellern die„richtige Aeußerung des Volkswillens" beizubringen, galt der Unternehmerterror. Nachfolgend ein solcher Fall: Bei den Wahlen am 19. Mai wurden in der Dorfgemeinde Klein-Herrlitz für unsere Partei 7 Stimmen abgegeben; außer den vier Wahlkommissären aus Benisch stimmte noch die Familie des Genossen Josef F i tz(Vater, Mutter und Tochter) für die Liste Np. 6. Nun war aber Genosse Fitz, von Beruf Maurer, bei dem Henleinmanne Bauunternehmer Jos«f B a r i s ch in Beschäftigung, welcher Genosse Fitz schon vor längerer Zeit zum Übertritt in die Henleinpartei zu bewegen versuchte, was jedoch Genosse Fitz als charaktervoller Mensch und überzeugter„Roter" mit entsprechender Begründung entschieden ablehnte, wobei unser Genosse auch klipp und klar zum Ausdruck brachte, daß er von einer hakenkreuzlerischen Mordpartei nichts wissen will. Bei den Landeswahlen am 26. Mai macht« unser Wahlkommissär Genosse Paul M ü ck aus Benisch kurz vor Schluß des Wahlaktes die Wahrnehmung, daß der Genosse Fitz, als einziger noch fehlender Wähler, noch niiÄ abgestimmt hatte und beeilte sich den Säumigen in dessen Wohnung aufzusuchen. Zu seinem Befremden mußte Genosse Mück von der erstaunten Frau Fitz erfahren, daß ihr Mann morgens von zu Hause wegging, ohne anzugeben, wohin er gehe, die Frau jedoch der Ansicht war, daß er im oder beim Wahllokale sich cmfhalte. Bei der Stimmenzählung fünf Stimmen für Liste 6. (Die Tochter war zu dieser Wahl noch nicht wahlberechtigt.) Genosse Fitz wurde nun vom Gendar- meriewackitmeister wegen Nichtausübung der Wahlpflicht einvernommen und erklärte eine wichtige Besorgung g^häbt zu haben. Er der- langte, dem Herrn Bezirkshauptmann vorgeführt zu werden, um ihm die Lage in den Landgemeinden zu erklären. Genosse Josef Fitz hat nicht gewählt, in devechtigter Sorge um seinen Arbeitsplatz. Genosse Josef Fitz wurde vom Bauunternehmer Josef Bari sch, trotzdem am 28. Juni samt seinem Sohn wegen an- geblichen Arbeitsmangel entlassen. In Wirklichkeit aber(denn der Betrieb Barisch deutet nicht auf Arbeitsmangel) deshalb, weil Genosse Fitz höchstwahrscheinlich am 19. Mai mit seiner Familie sozialdemokratisch wählte, am 26. Mai ober sich der Wahlpflicht entzog, well er aus seiner demokratischen und sozialistischen Ueberzeugung her- «us wicht hitlcristisch wählen konnte, auS Furcht vor dem Verlust d«S Arbeitsplatzes nicht seiner Ueberzeugumg gemäß sozialistisch wähle« durfte. Kleine Wochenschau Französischer Fascismus Goebbels gegen Reichswehr Die Feuerkretnder vermehren sich durch Spaltung.,. Eki Duell, das wohl bald entschieden sein wird. Wieder Adel In Oesterreich Der britische Leu »Na alsdann. jetrt’n hab’n wir wieder Ausricht auf Dollarprinzessinnen!“ „Tin Schelm, der Schlechte« davon denkt!“ Richard Strauß am Ende seiner Präsidentschaft Berlin. Das amtlich«„Deutsche Nachrichtenbüro" meldet:»Der Präsident der Reich*- mufikkammer Dr. Richard Dtoantz hat den Präsidenten der ReichSkulturtammer, Reich-Minister Dr. Goebbels, gebeten, ihn mit Rücksicht aus sein Alter und seine« Gesundheitszustand von seine« Aemtera zu entbinde«. ReichSministee Dr. Goebbels hat diesem Ersuchen siattgegeb« und gleichzeitig den Generalmusikdirektor Doktor Prof. Peter Raabe zum Präsidenten der ReichSumfikkammer und den Komponisten Dr. h. r. G r a t n e« zum Leiter des Berufsstandes der deutschen Komponisten ernannt." Dieser Rücktritt ist keinesfalls ein freiwilliger, und schon deshalb sehr bemerkenswert. Richard Strauß, zweifellos der bedeutendste unter den lebenden deutschen Musikern und der überhaupt berühmteste Komponist unserer Zeit, hat sich vor zwei Jahren zum Präsidenten der Musikkammer jenes Reiche- machen lassen, dessen Gründung, Inhalt und Bestand von aller wahren Kultur und Musik so weit entfernt ist wie— Richard Strauß von dem Vorzug, ein Vorbild an Charakter zu sein. Das große musikalische Genie StraußenS, das allein genügt hätte, ihn seinen blendenden Aufstieg und Weg nehmen zu lassen, hat ihn nie gehindert, zeitlebens auch rin« Art GeschäftStüchtigkeit an den Tag zu legen, die gerade unter Musikern nicht gewöhnlich ist. Und jetzt ist weder das Alter noch der Gesundheitszustand StraußenS überzeugender Grund eine- ! Rücktritts, dessen Ursachen eben anderswo zu suchen sind. Bis zum gestrigen Tage nahm man rechtens an, daß sich Richard Strauß bei ausgezeichneter Gesundheit befindet, und das Alter hat ja den damalS schon fast Siebzigjährigen keineswegs gehindert, die Musikpräsidentschaft anzunehmen, die er, tat« sächlich mit Juden.versippt und verbandelt", schon im Hinblick auf den blutigen Raffehaß, der das Dritte Reich auszeichnet, hätte zurückweisen müssen. Und nun dürfte gerade dieser Punkt zum Schlußpunkt für StraußenS hohe Funktion geworden sein. Entgegen einer kräftigen Opposition hat Präsident Strauß schließlich doch die Uraufführung seiner jüngsten Oper, der »Schweigsamen Frau" am Dresdener StaatS- theater durchzusetzen vermocht, obwohl das Textbuch dieses Werks den I u d e n Stephan Zweig zum Verfasser hat. Nach der Urauffiihrung aber drangen die Führer der»nationalsozialistischen Kulturgemeinschaft" auf den Rücktritt Strau» ßenS, so daß ihm wohl nichts anderes übrigblieb, als zu gehen. Wie wir Richard Strauß zu kenne« glauben, wird er auch nach diesem Rücktritt wieder auf die Butterseite zu fallen verstehen. Sträubens letzte Opern(»Di« ägyptische Helena". .Arabella" und auch die»Schweigsame Frau" 1 zeigten den Komponisten unverkennbar im Abstieg, verrieten Mangel an Erfindungskraft, an Kraft überhaupt und ließen im wesentlichen doch nur mehr den beispiellosen Beherrscher der Orchesterapparates, des Klangzaubers erkennen. Bon den Tantiemen dieser Werke dürfte der schwerreiche Strauß kaum sehr viel reicher geworden sein. Dagegen hat er sich mit seiner Hal hing zu Hitlerdeutschland nicht nur viele Sympathien, sondern auch, was ihm wichtiger sein dürfte, manches Geschäft verdorben. Etliche demokratische Bühnen sind seitdem den Werken Strauß' ganz oder stark ausgewichen. Beispielsweise hat der Widerstand eines Großteils des Publikums die Lahmlegung der Strauß-Werke amPrager Deutschen Theater herbeigeführt. Dem Komponisten war das, eben schon wegen der Tantiemen, nicht gleichgültig. Jetzt aber wird er wohl damit rechnen, daß ihm, so wie vor ihm anderen, die unfreiwillig ihre neudeutschen Würden aufgeben mußten— man denke an Herrn Kleiber— solche Pforten sich neu erschließen werden— es gibt ja leider auch bei uns genug Leute, die nur darauf warten, mit solchen Ehren Geschäft« zu machen. Jedenfalls: die für Herrn Strauß unrühmliche Präsidentschaft hat keineswegs rühmlich für ihn geendet. Ganz zu schweigen von Hitlerdeutschland selbst, das zum Schluß hauptsächlich durch den Juden Stephan Zweig sich genöttgk sah, den großen Namen Richard Straußens ander Liste der Offiziellen zu streichen und an seine Stelle einen Herrn Peter Raab« zu setzen, der in Aachen und Elberfeld ein geschätzter Theaterkapellmeister gewesen sein und vielleicht auch sonst seine Meriten haben mag, den aber wohl außer den Musikern kein Mensch kennt. Deswegen hat man sich wohl auch beeilt, hinter Herrn Raabe gleich Paul Graener zu nennen, einen in Deutschland geschätzten Musiker, der aber wohl auch nun eher Aussicht hat, von den Nazis auf dem Schild erhalten, als unsterblich zu werden. Nie 4035 Millionen Investitionsarbeiten im heurisenJahr Von der Investitionskommission wurde dem samstägigen Ministerrat mitgeteUt, daß die Investitionstätigkeit der Staatsverwaltung in diesem Jahre im Rahmen des Budgets der einzelne» Ressorts, Staatsunternehmungen und Investitionsfonds Arbeite« für 1.416,622.090 KL, für 1.828,000.900 KL außerordentliche Investi- tionsarbeste« und auf dem Gebiete der Selbstverwaltung mit Hilfe der produktiven Fürsorge Investitionsarbeiten im Gesamtbeträge von 790,696.000 KL aufweist. Weitere 21,770.000 Itt für die Emührungs* und Mlichaktion Prag.(Amtlich.) Auf Antrag dcS Mini- sterinmS für soziale Fürsorge beschloß der Ministerrat die Fortsetzung der staatlichen Berkösti- gnngSaftion für Erwerbslose für eine weiter« Periode von fünf Wochen, vom 15. Juli bi- 18. August 1935, mit einem Gesamtaufwand von 19,770.000 AL. Für die Milchattion zugunsten der Kinder von Erwerbslosen wurde ein Betrag vo« zwei Millionen Ai bereitgestellt. BSderkredlt von 20 Millionen KC Auf Anregung der zuständigen Bäderkreiso wurde dieser Tage unter Führung der Zwnostensta banka«in Konsortium tschechoslowakischer Banken geschaffen, das unter Mitwirkung der NationaLanl einen Kredit in Höhe von 20 Millionen KC zur Finanzierung des BäderverkehreS aus Deutschland nach der Tschechoslowakei auf Basis der diesbezüglichen zwischenstaatlichen Vereinbarungen bereitstellen wird. Auf Grund dieses Kredites werden die deutschen Banken und andere in Deutschland zur Ausstellung von Kreditbriefen, Reiseschecken und anderen Zahlungsüberweisungen dieser Art berechtigten Stellen Zahlungsüberweisungen auf die in den Bädern bestehenden Filialen der Konsortiums- Banken ausgeben. Man erwartet, daß dies« Aktion, di« durch den. Zentralverband tschechoslowakischer .Bäder, und-Mineralquellen tatkräftig unterstützt wurde und der auch volles Verständnis der Regierung und der Staatsverwaltung zuteil wurde,' bedeutend zur Belebmttz des heurigen BäderverkehreS bei uns beitrage« wird. Der Ministerpat hat bereits seine Zustimmung zu den Maßnahmen der Staatsverwaltung bezüglich der Realisierung der Bankvorschüffe auf daS Bäderkonto gegeben. Brüxer Brauukohlcnförderung auf dem Tiefstpunkt. Die Draunkohlenförderung in den Revierbergamtsbezirken Brüx, Komotau und Teplitz betrug im Juni 1935: 742.000 Tonnen gegen 851.000 Tonnen im Dkai 1935, bei 802.000 Tonnen im Juni des Vorjahres und 1,229.000 Tonnen im Juni 1929. Die Juni- Förderung Ist damit die niedrigste Mo- natsförderung seit 192 9, beträgt ungefähr die Hälfte der Mcnatssüvderung Juni 1913. Trotz dem hohen Förderausfall von 109.000 Tonnen gegen Mai d. I. mutzten dennoch 64.000 Tonnen auf Depot gelegt werden, wodurch sich dessen Stand auf 720.000 Tonnen erhöhte. Bei einem Arbeiterstand von 20.808 Personen wurden im Juni.— der geringeren Förderung entsprechend— gegenüber Mai um 37.000 Schichten weniger, daher 340.000 Schichten Verfahren. Karl Kautsktz— tschechoslowakischer Staatsbürger. Der 81jährige Karl Kautsky, der Altmeister des wissenschaftlichen Sozialismus, hat dieser Tage im Wege der Kanzlei des Genossen Dr. Soukup eine Zustellung des Landesamtes in Prag erhalten, daß ihm über sein Ansuchen die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Karl KautSky, der in seinen Jugendjahren noch der Freund und Mitarbeiter von Kari Marx und Friedrich GngclS war, stammt be- kanntlich auS einer alten Prager Familie, die schon seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Prag ansässig war. Seine Eltern übersiedelten bald nach Wien, Kautsky blieb aber die ganzen Jahre hindurch bis zum Jänner 1919 nach Prag heimatzuständig. Erst durch seine Ernennung zum Staatssekretär im deutschen Außenministerium, eine Stellung, in der er nur wenige Monate verblieb, wurde er automatisch preußischer Staatsbürger. Erst dieser Tage hat die deutsche Gesandtschaft in Prag amtlich mitgeteilt, daß Kautsky die Entlassung aus dem deutschen Staatsverband bewilligt wurde, worauf dann erst das Landesamt ihm die hiesige Staatsbürgerschaft verleihen konnte. Gleichzeitig mit Kautsky erwirbt auch seine Fmu L u i s e, die gleichfalls als Schriftstellerin tätig ist, die tschechallowakricho Staatsbürgerschaft Seife 4 Sonntag, 14. IM 193k Nr. ISS Ae JCarifaUur des Tages! Exkronprinz Wilhelm Um ihrem Nürnberger Parteitag mangels anderer Laten doch mit einer„revolutionären" Tätigkeit aufwarten zu können, haben die Nazi einen neuen Kampf gegen die„Reaktion" eröffnet, in dem sie wieder den Stahlhelm, die Mona r ch i st e n und vor allem auch die H>p hen- zoll.ern angreifen,: deren im Lande weilendes Oberhaupt, der Exkronprinz Wilhelm, bereits in persönlichen Konferenzen mit Hitler die Erfahrung machen mutzte, daß Parvenüs sich, nachdem sie emporgekommen, zu den„Hochgeborenen" wesentlich anders benehmen, als vor dem Aufstieg. Der Dank des Dritten Reiches Der ehemalige tschechoslovakische Lent- 1 nant Nowakovsky in Deutschland einge- sperrt. Reichsdeutsche Blätter teilen mit, datz Otto Knopp und der 35jährige Georg Rowakow- s k y aus Brünn wegen Betruges von der Berliner Polizei verhaftet wurden. Die beiden beteiligten sich an Geschäften einer fragwürdigen Gesellschaft für den Verkauf von Südfrüchten, die die Ware kaufte, nicht bezahlte und gleich weiterverkaufte. Nach acht Jahren tritt wieder der Name des ehemaligen tschechoslowakischen Leutnants Georg NÜWakowsky in den Vordergrund, der in den Jahren 1923/24 der traurige Held einer Spionageaffäre'war. Er mißbrauchte damals seine Stellung als Adjutant- des Landesmilitärkommandanten in Brünn zu Spionagediensten. Im Jahre 1924 wurde Rowakowsky in Verbindung mit dem Prozetz gegen den deutschnationalen Mg. B a e r a n aus Brünn zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt. Bekanntlich wurde Baeran später wegen Ktankhest bedingt aus der Hast entlassen. Er mutzte das Ehrenwort geben, datz er Karlsbad nicht verlassen werde, brach jedoch dieses Ehrenwort und flüchtete nach Deutschland, wo er in Rechtskreisen Anschlutz suchte. Auch Rowakowsky, der im Kerker erkrankte und dem eine Strastinterbrechung bewilligt wurde, zog eS vor, nach Deutschland zu gehen, wohl in der Meinung, datz man dort seine Spionagedienste lohnen würde. Aber selbst nach deiy Hitlerum- sturz fand er nicht den erhofften Dank. Auch die Nazi-Machthaber überlietzen ihm seinen Schicksal. Rowakowsky sank immer tiefer und suchte schlictzlich sein Leben durch Betrügereien zu fristen, bis er verhaftet und eingesperrt wurde. Vom Rundfunk ■avtahlMiwertei au« rinn ProarMNMii Montag Das««geheuere Aeberschu»emmu«gsu«glück i« China Shanghai. Aus de» Iteberschwemmungsgebieten treffen eben Taufende von Flüchtlingen in Hankau ein. Sie berichten, Tiemonen am Han-Mutz sei völlig überschwemmt und mehrere tausend Men» s ch e n seien dort ertrunken. Auch Fangtscheng am Hanflutz stehe völlig unter Wasser und habe ebenfalls viele Toter» beklagen, lieber 300.000 Menschen sind in Lebensgefahr. Große Verluste an Menschen und schwere Sachschäden werden auch aus andere« Orten am Haufluß und am mittleren Bangtse gemeldet. Bei Ztschang sind infolge mehrerer Bangtse• Deichbrüche über hunderttausend Menschen obdachlos geworden. Die Aeberschwemmung hat bereits katastrophalen Umfang angenommen und nühert sich in ihren Auswirkungen der Riesenüberschwemmung vom Jahre 1931. Das Hochwasser hat bereits 86 Bezirke in de« Provinzen Honan, Hupei, Kiansi und Tschekiang überschwemmt. 4fr 4fr In Hankau ist der chinesische Stadttell Tschiaukau vollkommen überschwemmt. Das Fabriksgebüude der englischen Zigarette«- Gesellschaft ist tellweise eingestürzt. Zwischen Kaifoeng und Tsinan sind die Deiche des Gelben Flusses mehrfach geborsten. Es haben sich große See« gebildet, deren Wassermengen sich tellweise in Richtung des Kaiserkanals, tellweise in Richtung auf das atte Flußbett mit der Mündung in Rordkiangs« ergießen und in ihrem neue« Lauf großeZerstörunge« anrichten. Brigitte Helm nach England entflohen? Paris. Eine Privatagentur meldet aus Berlin, datz die bekannte deutsche Filmschauspielerin Brigitte Helm, die von einem deutschen Gericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, da sie mit ihrem Auto eine Frau überfahren hatte, vordem A«tritt der Strafe nach England g e f l o h e n ist. Die deutschen Behörden haben verboten, datz die Helm künftig in Deutschland filmen darf, auch wenn sie später zur Verbüßung der Strafe zurückkehren sollte. Raubmord in Karpathorntzland Ujhorod. Vor zwei Tagen wurde auf dem Waldwege, der aus der Gemeinde Sinevirflä Poljana im Bezirk Volove zum Ozer-See führt, die Leiche der 33jährigen Eernflovä-^ diL seit Septenwer v. I. vermißt wird, gefustden. Dabei der Eermkovä das Geld, das sie auf die Reise mitgenommen hatte, nicht gefunden wurde, glaubt man, datz sie ermordet worden ist. sfr Im Gemeindewalde unweit Bolovö wurde Jura Gelbis aus der Gemeinde Ricky tot aufgefunden, der wahrscheinlich beim Wildern erschossen worden ist. J'accase— unmodern. In Paris wird morgen ein Mann zu Grahe getragen, den ein tragisch verkettetes Privatschicksal durch Jahre hindurch in den Blickpunkt der Weltgeschichte gestellt hatte: Oberst Alfred D r e y f u-s. Die Tage, da sein Name in aller Munde war, da sein Schicksal Europa aufrüttelte, liegen unvorstellbar weit zurück.— 1894: ein unbedeutender, kaum sympathischer Offizier wird wegen Diebstahls französischer Militärdokumente zugunsten Deutschlands angeklagt und zu lebenslänglicher Deportation nach den Teufelsinseln verurteilt. Das Gerücht fliegt auf, daß Dreyfus einem Justizmord zum Opfer gefal- len sei. Das Gerücht verdichtet sich immer mehr, setzt ganz Europa in Unruhe, steigert die Unruhe zu wilder Empörung, wühlt in allen Ländern die Zeitgenossen dieses Schicksals auf. Die besten Männer dieser Zeit, Emile Zola allen voran, stellen sich an die Spitze des Kampfes für die Wiedergutmachung des Justizmordes; in allen Sprachen schreit Zolas bren- nendes„J'accuse" auf, die Empörung der zivilisierten Welt erzwingt schrittweise die Aufdeckung des militärisch-politischen Intrigenspieles, das zur Verurteilung Dreyfus' geführt hat, die Rückkehr hes Verurteilten von den Teufelsinseln, die Wiederaufnahme des Pro- zesses, die Begnadigung und schließlich die formelle Rehabilitierung des Mannes.... Und 1935? Tausendfacher Rechtsbruch, Folter und fascistischer Mord steht auf der Tagesordnung der Weltgeschichte; tausendfache Gewalttat, deren geringste turmhoch das Einzelunrecht an Dreyfus überragt. Nicht ein Unschuldiger wird nach den Teufelsinseln verbannt, sondern ungezählte Tausende werden in den Konzen- trationslagern geschändet, zu Tode gemartert, „auf der Flucht erschossen", von den Dollfuß- kanonen ermordet, von den christlichen Henkern erwürgt. Und wo bleibt die Menschheit, die vor vier Jahrzehnten um eines einzelnen Rechtsbruches, halber den Empörungsschrei ausstieß„Ich klage an", und diesen Schrei ein Jahrzehnt lang nicht verstummen ließ, ehe das begangene Unrecht nicht wieder gutgemacht war? Die Zeit, deren Gesicht den Stempel des Weltkriegs, den Stempel Mussolinis, Hitlers, Dollfuß" trägt, hat sich nebst aller anderer Rechte, selbst des Rechtes anzuklagen begeben. Die Zolas unserer Zeit sind ihren Zeitgenossen lästige und peinliche Hetzer" und im Namen der menschlichen Würde, die das Unrecht gegen Dreyfus nicht ertrug, fahren heute feierliche Freundschastsdelegationen in das Land der Konzentrationslager, um dort die Herren zu versichern, daß man selbstverständlich die„Ein- Mischung in die Verhältnisse eines fremden Staates" auf das schärfste verurteile... Das „J'accuse" ist unter dem Diktat des Fascis- muS unmodern geworden. Justizminister Dr. Derer empfängt Dienstag, den 16. ds. keine Parteienbcsuche.'• Die Rot unter den Studenten. Die gegenwärtige Krise wirkt sich erklärlich auch auf den Hochschüler aus. Frau Dr. Alice Masaryk empfing Direktor Hawlikek von der Deutschen Studentenfürsorge und informierte sich «ingehend über die schwierigen Lcbensverhält- Ein See steht in Flammen Paris. Ueber der Gegend von G i s o r s ging Freitag abends ein heftiges Gewitter nieder, das vor allem das Dorf Etrepagny heimsuchte. Dott schlug der Blitz nicht weniger als dreißigmal ein. Ein G u t s h o f wurde zerstört; eine Alkoholbrennerei wuroe ebenfalls ein Opfer des Blitzes. 15.000 Hektoliter gerieten in Brand. Um eine Explosion zu vermeiden, leiteten die Feuerwehrleute den brennenden Alkohol in den benachbarten Fluß. Dann wurden die Schleusen geschloßen. Di Dorfbewohner hatten so das seltsame Schauspic'. eines Feuersees, aus dem 15 Meter hohl Flammen emporschlugen. nisse der unbemittelten deutschen Hochschüler Ganz außerordentliche Aufmerksamkeit wandt sie dem studentischen Gesundheitsdienste zu, fü dessen weitgehende Unterstützung sie sich auösprach Dem bei dieser Gelegenheit überreichten Rot appell der deutschen Studentenvertreter sichert Frau Dr. Alice Masaryk ihr besonderes Verständnis und ihre Einflußnahme zu. Hmdcrson erkrankt. Der Präsident de: Abrüstungskonferenz, Artur Henderson, ist au Freitag während einer Fahrt nach Chesterfield, wo er eine öffentliche Rede halten wollte, er krankt. Rach Mitteilung der Aerzte ist sein" Krankheit ungefährlich. Windhose zerstört ein spanisches Dorf. Dos Dorf Fuentes de Baldepero bei Valencia wurde Freitag von einer Windhose vollständig zerstört. Die zum größten Teil aus Lehm, gebauten Häuser der 1500 Einwohner sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Rur die Kirche, die Burg, sowie drei aus Stein erbaute Wohnhäuser sind erhalten geblieben. Auf der Landstraße nach Baldepero wurden starke Bäume entwurzelt und auf die Wohnhäuser geschleudert. Der Verkehr ist unterbunden. Bei der Katastrophe sind, soweit bis jetzt feststeht, eine Person getötet und mehrere verletzt worden. Erdstöße in Kalifornien. In Los Angeles, Hollywood, Pasadena und Long Beach wurden gestern Vormittag leichtere Erdstöße verspürt, die einige Minuten andaüerten. In den Wohnungen gerieten die Möbelstücke ins Schwanken, sonst wurde aber kein Schaden angerichtct. Ein Dorf in Flammen. Das im Kreise Hohensalze gelegene Dorf Liebensee ist von einem Gryßfeuer vernichtet worden. Elf Anwesen mit sämtlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sind ein Raub der Flammen geworden. Das gesamte tote und lebende Inventar ist mitverbrannt. Bei den Lösch- und Rettungsarbeiten wurden zahlreiche Personen verletzt.- Der Mörder des Benediktiner-PaterS. Das Budapester Strafgericht fällte gestern dos Urteil im Prozeß gegen den Mörder des Benediktiner-Paters Dr. Kassian Mattyasovfly. Der jugendliche Mörder Andreas L e st i, der bei dem Ermordeten als Diener angestellt war und nach der Tat das Opfer beraubte, wurde zur Höchststrafe von 15 Jahren. Zuchthaus verurteilt. Wetterlage unverändert günstig. Die Gesamtwetterlage ist nahezu unverändert geblieben. Aus dem Hochdruckgebiet über der Nordsee mrd Skandinavien strömt bereits seit einigen Tagen warme Lust gegen Westeuropa. In Frankreich werden dabei Samstag nachmittags rund 30 Grad erreicht. Auch bei uns ist eS im westlichen und mittleren Teil der Republik andauernd wärmer als im Osten. Im Ostteil des Festlandes ist zwar«ine leichte Erwärmung eingetreten, trotzdem wurden dort durchschnittlich am Samstag nur 20 Grad verzeichnet. In unseren Gegenden traten in den Mittagsstunden an einige Orten lokale Gewitter oder Regenschauer auf, größtenteils ist es aber trocken geblieben. Wahrscheinliches W e t t e r von heute: Bis auf einzelne Lokalgewittcr im allgemeinen schön und ziemlich warm.— Wet- teraussichten für Diontag: Keine wesentliche Veränderung. mal Li-d-r. 14.50 Deutsch- S-ndmig: Gisela Ratsch: irgendwie grausam und traurig ist oder ihn an sein Ter Kampf um d:e ge.fNge Selbstbehauptung der*'-..—J*' Pro,: Sender L.: 10.05 Deutsche Preffe. 12.10 Schallplatte«. 13.25 Arbeitsmarkt. 17.50 Schweizer Militärmusik. 18.20 Deutsche Sendung: Manuskript: Max Brod als Liederkomponist. 18.50 Dr. Hruby: Wirtschaftliches Relief. 21.00 Französische Volkslieder. 22.30 Tanzmusik. 22.45 Deutsche Nachrichten. — Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Hebräische Weitz Gott, wieso das kommt; aber je mehr es von. einem Ding auf der Welt gibt, desto schlechter wird es. Je mehr Detektivgeschichten geschrieben und gedruckt werden, desto schlechter werden sie. Statt daß sie sich aus ihrer eigenen Ueberlie- ferung heraus zu immer größerer Vollkommenheit entwickelten, geht es mit ihnen bergab. Wir leben in einer Zeit mannigfaltigen Verfalls; eine dieser Dekadenzerscheinungen ist der Verfall der Detektivgeschichten. Vorbei sind die Zeiten des Sherlok Holmes, des strengen Methodikers, des reinen Gehirndetektivs, vollgepfropft mit Kenntnissen, Beobachtungen, Beweisen und reiner Logik. Vorbei die i Zeiten der männlichen, intellektuellen, ich würde Frau.- 14.35 Operettenmusik.'-'»riinn: 12.30>Leben unangenehm erinnert Da greift er nach Salonorchesterkonzert. 17.40 Deutsche Sendung-etwas anderem, das ihn abenteuerhast durch den Kratochwil: Entwicklungstendenzen der Wirtschast. I dunklen Wald der Stunden fuhren konnte; das, 20.35.Schallplatte«.— Mähr.-Ostrau: 11.00 j wonach er greift, ist leider weder die Geschichte von Schallplatte«. 18.20 Deutsche Sendung: Arbeiter-! den drei Musketieren noch von den Kindern des funk: Dr. Lederer: DaS Mieterschutzgesetz. Chinesi- Kapitäns Grant oder dem Sohn des Bärenjägers, sche und japanische Lyrik.— Pretzbnrg: 21.20 Ope- sondern eher eine Detektivgeschichte, rrttenouvertüren. Dienstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Schallplatte«: Dvorak. 15.00 Konzert der tschechischen Philharmonie. 16,30 Salonorchesterkonzert. 18.00 Deutsche Sendung: Jng Jakl: Fahrt im Schlußwagen des D-Zuges. 19.00 Deutsche Presse. 21.15 Klavierkonzert. 22.30 Tanzmusik.— Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.00 Alte Prager Gärten. 14.35 Opernszenen.— Brünn: 11.00 Schallplatte«. 17.40 Deutsche Sendung: Arbeiterstmkr Soziale Informationen. 17.45 Schuster: Fürsorge und Mittelstand.— Prrßbnrg: 18.05 Klavierkonzert. 18.35 Violinkonzert. 21.40 Unterhaltung»-! vurfik. Detektivgeschichten Von Karel Eapek. Manchmal braucht das der Mensch; manch- fühlt er, daß alle ernste und hohe Literatur beinahe sagen wissenschaftlichen Detektivgeschichte. Der heutige Durchschnittsdetektiv ist(in neunzig von hundert Fällen) kein fachmännischer Beobachter mehr, sondern ein bloßer Held; kein fanatischer Gehirnmensch mehr, sondern ein gewöhnlicher Liebhaber. Die lautere Lösung des Geheimnisses genügt ihm nicht mehr; er nkuß am Ende das Mädchen heiraten, das er so oder so den Klauen der Bösewichte entrissen hat. In die strenge männliche Welt des Scotland Dards, der Detektive und Verbrecher drang ein weibliches und romantisches Element ein und störte die fachmännische Reinheit. Es gibt keine reinblütigen Detellivgeschichten mehr; das, was sich dafür ausgibt, ist in niederschmetternder Mehrheit eine Kreuzung zwischen Kolportageroman und Detektivgeschichte. Ich habe wirklich nichts gegen das andere Geschlecht: aber es gehört nun einmal Nicht in die Detektivgeschichte, höchstens noch als Opfer. Auf andere Weise sollte es sich nicht in männliche Angelegenheiten einmenoen, wie es nun einmal die Lösung von Rätseln und die Jagd auf kriminalistische Raubtiere find. Äbald sich ein Mädchen in eine solche Sache einmischt, verwickelt sie die ganze intellektuelle Situation in unangenehmer Weise durch sentimentale Beziehungen. Gewöhnlich verliebt sich der Detektiv in sie, sei er nun einAma- I teurdetektiv oder ein Polizeiinspektor. Meist geht eS in der ganzen lasterhaften Intrige entweder um ihr Leben oder um eine ungeheure Erbschaft(von der sie bis zur Stunde keine Ahnung hatte), die ihr in den Schoß fallen soll. Und gewöhnlich kriecht kurz vor Schluß das unglückselige Mädchen wie ein Lamm in die Falle des Bösewichts, wird im Auto entführt, auf einer einsamen Farm gefesselt, und heftet die vor Entsetzen geweiteten Augen auf die gezückte Revolvermündung» als im gleichen Augenblick die. Tür auffliegt... Kurz, seit die Detellivgeschichten aufgehört haben, eine ausschließlich männliche Lektüre zu sein, entarten sie in ärgerniserregender Weise. Die anmutige Leserin, an die sie sich wenden, wird Nicht so sehr durch das logische und beobachtende Verfahren des Detektivs unerschrocken in Spannung gehalten, als vielmehr durch die'atemlose Erwartung, ob der Detektiv-Held der Schlamastik entkommen wird, in die ihn die eifrige Sorge um seine Dame gxbracht hat; die Handlung gipfelt nicht mehr in der Lösung des Rätsels, sondern im Kuß und im Hochzeitstermin; es geht nicht mehr um die Enträtselung eines Geheimnisses, sondern um erotische Hindernisse. Wieder verfällt vor unseren Augen eine Gattung populärer Literatur. Die Märchen sind untergegangen, die Epoche der Detektivgeschichten endet. Rur der Kitsch bleibt. Deutsch von Julius Mader. Nr. 162 Sonntag, 14. Juli 1935 .Seite 5 Taten der norwegischen Arbeiterregiernng Schadhafte Grubenlampe verursacht Ex- plosion. In den Kohlengruben von Laumonier (Belgien) ereignete sich am Samstag eine GrubengaS-Explosion, durch die fünf Bergarbeiter schwer und drei weitere leicht verletzt wurden. Massenverurteilung wegen Spionage. Das Honved-Gericht in Budapest verurteilte gestern sechs Personen wegen Spionage zu Zuchthausstrafen Von 4 bis 18 Jahren und eine Person wegen des gleichen Deliktes zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren. Blutige Polizei. In T a c o m a(Staat Washington), kam es Freitag abends zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen streikenden Arbeitern einer Bugholz-Fabrik und der Polizei» die die Ordnung erst nach Anwendung von Tränengasbomben wiederherstellen konnte. Bei dem Zusammenstoß wurden sechs Personen schwer verletzt. Die Streikenden «fordern die Einführung der 40stündigen Arbeitswoche und Lohnerhöhung. Bei den Ueverschwemmungen in Colorado sind sieben Personen zugrunde gegangen und drei werden vermißt. Man befürchtet, daß sie ertrunken sind. Die Wasiermasien haben die Hauptstraße in einer Länge von 4 Meilen überschwemmt und die Ernte vernichtet. Sonderzige zur Prager Herbstmesse. Als Beweis für das große Interesse, welches jeder Prager Messe entgegengebracht wird, kann auch die Tatsache angesehen werden, daß bereits jetzt von den tschechosiowakischen Staatsbahnen Messe-Sonderzüge angezeigt werden. So wird am 1. Meffesonntag am l September je ein Sonderzug aus O l m ü tz und Brünn, am 8. September, dem Schlußtag der Messe, ein Sonderzug aus Pilsen nach Prag abgefertigt werden. Für die Sonderzüge aus Kö- niggrätz, Preßburg und Kasch au sind die Tage noch nicht festgesetzt. Die Tschechoslowakei in der deutschen Einfuhr Mit dem allgemeinen Rückgang der tschechoslowakischen Ausfuhr ist auch die Einfuhr Deutschlands aus der Tschechoflowakei in den letzten Jahren zurückgegangen. Es betrug die Einfuhr aus der Tschechoflowakei: 1929 480 Millionen ReichSmar! 1982 140 1938 122 1934 162„ 1. Vierteljahr 1935 31,9„„ Im Jahre 1929-besetzte die Tschechoflotva- kei in der deutschen Einfuhr nach den Bereinigten Staaten, Frankreich, England, Niederlande, Argentinien und Britisch-Jndien die siebente Stelle. Fm ersten Vierteljahr 1935 steht sie an fünfzehnter Stelle. Ihre Einfuhr ist damit geringer als die der sechs vorgenannten Länder und die aus Niederländisch-Jndien, der Schweiz, Dänemark, Belgien, Schweden und Spanien. (I. F.) Seit ihrem Regierungsantritt im März des Jahres hat die- norwegische Arbeiterregierung, obgleich sie sich nur auf eine Minderheit stützt, mehrere bemerkenswerte Errungenschaften erzielt. Das große Problem für die neue Regierung bestand in einer Erhöhung der Beträge aus öffentlichen Kassen, die zur Neubelebung des Wirtschaftslebens und zum Kampf gegen die ArbettS- losigkeit verwendet werden. Nach lang hingezogenen Verhandlungen mit der Bauernpartei, deren Unterstützung für die Minderheitsregierung der Arbeiterpartei erforderlich war und auf die sie rechnen kann, wurde ein Budgetvorschlag zur Bekämpfung der Krise am 2. Juli vorgelegt. Er fordert eine Erhöhung deS Voranschlages der Regierung Mowinckel um 34 Millionen Kronen und eine Gesamtaufwendung von 77 MMonen Kronen. Ein Teil dieses Betrages war bereits in den Voranschlägen der vorhergehenden Regierung vorgesehen, war aber dem durch die Anträge der Arbeiterpartei geförderten Druck der öffentlichen Meinung für eine aktive Krisenpolitik zu verdanken. Unter Mithilfe der Bauernpartei schlug die Arbeiterregierung die Aufteilung der zusätzlichen Mittel unter die am schwersten von der Krise heimgesuchtcn Gemeinden vor. Ferner beantragte sie di« Schaffung eines Fonds zur Linderung der Arbeitslosigkeit, auch der Arbeitslosigkeit der I u g e n d, Kredite für die F i s ch e r, einen Garanticfonds zur Verfügung der Regierung, zusätzliche Wege- und Bahnstreckenbauten und«ine Stützung der Landwirtschaft. Die zusätzliche Ausgabe soll nach d«m Antrag bis zu«inem gewissen Maße durch Anlechen, durch gesteigerte direkte Besteuerung und durch eine Umsatzsteuer eingebracht werden. In Anbetracht der von vornherein zwischen der Arbeiterpartei und der Bauernpartei gebildeten festen Front waren die Oppositionsparteien nicht in der Lage, über einige schwache Proteste hinaus etwas gegen die Regierung zu unternehmen und der Sieg der Regierung wurde am 6. Juni mit 90 gegen 51 Stimmen bestätigt. Das norwegische Gewerkschaftsgesetz, das den Streikbruch begünstigt und vor acht Jahren in das norwegische Strafgesetzbuch ausgenommen worden ist, war für die Arbeiterbewegung während dieser ganzen Jahre ein Gegenstand der Erregung. Wenn sie ihre Existenz in den Augen der Arbeiterklasse rechtfertigen wollte, mußte di« Arbeiterregierung als eine ihrer ersten Maßnahmen die Abschaffung dieses Gesetzes erwirken. Am 14. Juni erhielt sie dazu die Zustimmung des Parlaments, Die gesetzliche Entziehung des Gemeinde« Wahlrechtes für Personen, die öffentlich Unterstützungen erhalten, hat zahlreiche schwer arbeitende Bauern und Arbeiter ohne ihre eigene Schuld getroffen. Sowohl die Arbeiterklasse wie die bäuerlichen Wähler haben dennoch» trotz dieses Gesetzes, Kandidaten zu den Gemeindevertretungen gewählt, obgleich manche von ihnen durch dir Bestimmungen daran gehindert waren, ihre Mandat« auszuüben. Die AbschaffungdieseS Gesetzes gehört ebenfalls zu den Maßnahmen der Arbeiterregierung. Am 25. Mai gelang es der Regierung, auch in dieser Frage die Mehrheit davonzutragen, obgleich nicht nur von tun Konservativen, sondern auch von der Bauernpartei Opposition gegen diesen Antrag gemacht wurde. Das neue Regime in Norwegen hat sich als fähig erwiesen, nicht nur in Norwegen, sondern auch im Auslände, Vertrauen zu erringen. So wurde zum Beispstl die neue norwegische Staats» 1753 wurde das British Museum begründet und bis auf den heutigen Tag ist es die reichste Sammlung von Kulturdenkmälern aller Völker und besonders der aus der Zeitgeschichte bereits ver- schvundenen und der primitiven— vorzugsweise derjenigen,. über deren Siedlungsländer nun der Union Jack weht. Gelehrte aus allen Ländern haben im British Mnseum Dokumente vergangener Zeiten studiert, ein Karl Marx und 80 Jahre später Vladimir Jljitsch Lenin gehörten zu den Stammgästen, der Bibliothek. Ein kleines Beispiel von ihrem Reichtum: ein Berliner Mittelschullehrer hatte die Schicksale seine- Jägerbataillons im Weltkrieg niedergeschrieben. Das Büchlein war nur in kleinerer Auflage erschienen und längst vollständig vergriffen. Einer seiner Kollegen und Bataillonskameraden hätte die Schrift gern gelesen, aber selbst der Verfasser besaß kein Exemplar. Da kam der Professor bei einer Reise nach England auf den Gedanken, die Bataillonsgeschichte in der Bücherei des British Museum zu verlangen, und wenige Minuten darauf hatte«r das Buch vor sich liegen! Nun berichtet eine Londoner Zeitung, daß ihr manchmal Briefe zugehen von Provinzlern, die fragen, was sie in der einen Stunde, die sie in London dem British Museum widmen können, sich ansehen müßten. Dafür wird ihnen der Hinweis auf einige der interessantesten Museumsstücke gegeben: Der Stein von Rosette. Während Napoleon- ägyptischem Feldzug 1799 fand der Ingenieur-Offizier Bouchard im Nildelta nahe dem Ort Rosette(arabisch Rashid)«inen schwarzen Granitstein von unregelmäßiger, frag- menthafter Form, etwa 1 Meter lang und 75 Zentimeter breit. Der Stein trug zahlreiche Hieroglyphen eingemeißelt— daneben aber die grie- chischeUebersetzu ng: der langgesuchte Schlüssel äugt VerständniS ber altäghptischen Symbol« schrfft' war gefunden! Natürlich brauchte es noch jahrelanger Gelehrtenarbeit, um nun auch den inneren Bau der Hieroglyphenschrist zu rekonstruieren. AIS der Oberbefehlshaber Napoleon Bonaparte von der Auffindung des werwollen Steines erfuhr, ließ er sofort Kopien des Textes Herstellen und an alle Archäologen in Europa senden— er dachte gar nicht daran, die weitere Arbeit zu einem Monopol seines anleihe von 20 Millionen Kronen am 31. Mai auf dem schwedischen Markt mit eiitem Ziilsfatz von.3.5 Prozent Md zu einem Kurs von 97 Prozent untergebracht. Die Anleihe wurde in einer und einer halben Stunde überzeichnet. Weiterhin machte die konservative Partei bei Gemeindenachwahlen m zwei kleinen Gemeinden im fernen Norden, Norwegens im Beginn des Monats Juni die«gefährliche" Finanzpolitik der Arbeiterregierung zu ihrem Hauptschlager bei den Wahlen. Sie hatte bis dahin ip diesen Gemeinderäten die Mehrheit gehabt; die Arbeiterparte« erhöhte jedoch ihren Stimmenanteil, nach.einer außerordentlich starken Wahlbeteiligung(90 Prozent in einer der beiden Gemeinden) und erhielt in beidon die Mehrheit. Landes zu machen! Nachdem die Franzosen Aegypten verlassen hatten, brachten die Engländer den Stein nach London. Die zweisprachige Beschreibung dürfte aus der Zeit um 300 v. Ehr. stamen, als dürfte aus der Zeit um 300 v. Ehr. stammen, als das griechische Element die geistige Oberhand in Aegypten gewonnen hatte. Im Nachbarraum Elgin-Denkmäler — Fig Ten und Reliefs,' Säulen und Kapitale vom Pa«/herum und anderen Bauwerken der Akropolis, die— gleichfalls 1799 der englische Botschafter in Konstantinopel Lord Elgin nach England schaffen ließ. Es ist viel über einen„Raub" dieser Denkwürdigkeiten durch die Engländer gesprochen worden, aber dem Lord war cs darum zu tun, wenigstens einen Teil der hellenischen Bauwerke vor der Vernichtung zu retten, die als Moscheen und—■' Pulvermagazine dienten. Auch ein« ganze Kariatide aus dem Erechcheion ließ Lord Elgin nach London schaffen. Der dafür geleistete Ersatz sügt sich allerdings so schlecht in den historischen Rahmen, daß gerade dieser Anblick das Verlangen nach Rückgabe der Entführten den Hellenen wachgerufen hat, die noch nicht dreißig Jahre auch dem Elginschen Abtransport die türkische Herrschaft abgeworfen und ihren Staat aufgerichtet haben. Neben dem vielbesuchten Mumiensaal sind die jüngsten Funde aus dem chaldäischen Ür in Mesopotamien, halbwegs zwischen Bagdad und dem persischen Golf» untergebracht. Dort in den Königs-' gräbern und in der. Gruft der Königin Shuh-Ad hat man auch die Reste von Menschenopfern, von Rindern, Wagen und viele Prunkstücke aus Gold und Silber gefunden. Im römisch-britischen Saal findet man inmitten goldener Ziertane und Gemmen die berühmte Portlandvase. Diese klassische Base aus blauem Glas mit erhobenen weißglästknen ünk^geTMNenartig behandel-^ ttn Figuren' darauf,'solldst Asche 8 es römischen? Kaiser- SeptiMuS SeveruS(193—211 n. Chr.) enthalten.haben. Eines Tages wurde sie von einem irrsinnigen Museumsbesucher in hundert Stücke zerschlagen. Man hat sie wieder zusantmcngesetzt, denn sie ist einer der größten Schätze, die wir von der Vergangenheit überkommen haben. Das Drttify Museum Kurzprogramm für einen Tag Frau und Kultur Aufgabe« in nnserer Feit In unserer Zeit— einer Zeit der Millio- nen-AöbeitSlosigkeit, scheint eS gewagt, überhaupt von Kultur zu reden. An notwendigsten Lebensbedürfnissen herrscht Mangel: an Essen, Trinken. ZAeSdung, Wohnung. Doch die Mehrheit im Staate und wir selbst gehören nicht zu jenen, die gleich den Browning entsichern, wenn daS Wort »Kultur" fällt. Und deshalb soll einmal untersucht werden, wie weit die Frau» insbesondere jedoch die arbeitende Frau im Zusammenhang mit der Kultur unserer Zeit lebt. Dies bedeutet: als Theater-, Konzert» und Vortragsbesucherin, als Lernende fremder Sprachen, als ZeitungS-, Zeitschrift- und Buchleserin, als Hörerin von Radio-Veranstaltungen sowie auf jedem Gebiet weiterer Bildungsmöglichkeiten. Schon vor der Krise war es den großen Massen der Frauen auf Grund ihrer materiellen und kulturellen Lage nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der hier aufgezählten Kultur-, Unter- Haltungs- und Lehrgegenstände in Anspruch zu nehmen. Nicht allein die wirtschaftliche Situation hat also den Kulturverbrauch der grau herabge» mindert. Dank des unermüdlichen Kampfes der Arbeiter-Bewegung begann sie überhaupt erst am kulturellen Leben mehr und mehr teilzunehmen. Worunter nicht nur das Interesse an rein ästhetischen, künstlerffchen und philosophischen Fragen verstanden werden darf. Sondern ebenso die Mitarbeit am politischen, gewerkschaftlichen und ge- uossenschaftlichen Ausbau. Jene hoffnungsvollen Ansätze haben in den letzten Jahren, unter der verhängnisvollen Auswirkung von Wirtschaftskrise und Weltarbeitslosigkeit schwer gelitten. Ein geradezu verzweifel- ttS Ringen der organisierten Arbeiterschaft begann, um daS erreichte Kultur-Niveau wenn nicht noch auszubauen, so doch wenigstens zu halten. Ein Ringen, an dem auch überall die organisierte Werktätige Frau aktiv teilgenommen hat. Mächtige Feinde stehen uns in diesem Kampf gegenüber. Denn während die Arbeiterschaft ihrem Kulturbestreben den Sinn qibt, selbständig denkende und enffcheidende Menschen mit sozialem Bewußtsein zu erziehen, benutzen ihre Gegner alle Kulturmöglichkeiten, um dieses soziale Bewußtsein zu trüben. Da sind die großen Film-Produzenten. Sie nehmen fast eine Monopol-Stellung ein. Ihre Macht benutzen sie jedoch, um den Film, der neben dem Radio heute das hervorragendste und modernste Kultur-Instrument sein könnte, mit läppischen Machwerken zu entwürdigen. Ihr Grundsatz lautet: die Menschen für zwei Stunden von der Erinnerung an ihr Elend abzulenken. Die sozialistische Arbeiterschaft hat auf dem Gebiet der Filmproduktion nur erst Ansätze gemacht. Abgesehen von Sowjet-Rußland» das Hervorragendes zur Hebung des ethischen und künstlerischen Niveaus des Films leistete. Gleiches kann man höchstens von einigen amerikanischen, deutschen und österreichischen Herstellern behaupten. Wenn in diesem Zusammenhang von Deutschland und Oesterreich die Rede fft, so gilt dies selbstverständlich für jene Zeit, in der Gewerkschaften und sozialistische Kulturorganisationen die Möglichkeit hatten, Fllme aus der Geschichte der Ackeiter- Bewegung zu produzieren. Auch die tapferen Versuche junger Film-Künstler, sogenannter„Avant- Gardisten", sollen hierbei nicht unerwähnt bleiben. Diese sind in den meisten Fällen Freunde des kulturellen Fortschritts, Kämpfer gegen Reaktion und Kitsch. Sie schaffen— dem Willen der großen Filmtrusts entgegengesetzt— oft unter schweren finanziellen Opfern und persönlichen Entbehrungen, Wecke, die das reale Leben unverfälscht und ohne Konzession an den sogenannten, in Wahrheit jedoch bewußt irregeleiteten Publikums-Geschmack, widerspiegeln. Da aber der Film beträchtliche Kapital-Investitionen erfordert, wird das Bestteben solcher Organisationen und ihrer künstlerischen Mitkämpfer immer mehr erschwert. Der verlogene Kitsch triumphiert in allen fünf Erdteilen. Die aufgeklärte arbeitend« Frau hat hier ein« wichtige Aufgabe zu erfüllen: ihre Umgebung zu beeinflussen! Die Film-Konfektion, der süßliche Kitsch darf von der werktätigen Frau, um im Jargon des Fachmanns zu reden, keine gute „Mund-Propaganda" erhalten. Gerade darauf aber legen Filmproduzenten mehr Wert als auf sachliche und gründlich« Krittk! Die Stellung des Rundfunks wird immer beherrschender. Selbswerständlich, daß er auch auf das kulturelle Bewußtsein der Frau den größten Einfluß ausübt. Der Rundfunk hat noch mehr ass der Film die Möglichkeit, an die Frauen aller Schichten heranzukommen, über alle staatlichen und kulturellen Grenzen hinweg international zu wirken. Man bedenke, daß er nicht nur die außerhalb des Hauses arbeitende Frau erfaßt. Er tritt auch an jene heran, die in weltfernen Gegenden lebt, von allen Kulturzentren abgeschnitten, die im engen Kreis ihrer Häuslichkeit wirkt, und der «S Kircher, Sorgen sowie mühevolle Tagesarbeit nicht erlauben, regelmäßig Bücher und Zeitun« tzen zu lesen oder ins Kino zu gehen. Hier hat die in ihren vier Wänden lebende Frau die Möglichkeit, geistige Belehrungen und Genüsse aufzuneh- tnen. Wo die organisierte Arbeiterschaft noch ein Machffaktor im Staate ist, hat sie eS verstanden, sich eine Position im Rundfunk zu schaffen: die Arbeiter-Sendung l Ganz bewußt richtet sich diese Sendung gegen alle Einflüsse des fafcistsschen Rundfunks jenseits der Grenzen. Die Arbeiter-Sendung gestattet es an die Frauen aller Kreise heranzutreten, sie mit den Ideen des demokratischen Sozialismus und der modernen Arbeiter-Bewegung bekannt zu machen, ihr politisches, ihr kulturelles Verantwortungsbewusstsein zu wecken. Tageszeitungen, Wochenzeitschriften mtt all ihren Spielarten— Magazine, Roman-Zeitungen, Modeblätter, illustrierte und Witzblätter sowie die ausgesprochen nur für Frauen geschriebenen Journale— früher an erster Stelle, sind vom Radio auf den zweiten Platz zurückgedrängt worden. Dies bedeutet jedoch nicht, daß ihr Einfluß herabgemindert wurde. Auch hier kämpft di« organisierte Arbeiterschaft gegen übermächtige Feinde. Gegen die Konfektionäre der Literatur. In billiger, aber bunt und marktschreierisch hergerichteter Aufmachung überschwemmt solche Massenware sevbst das letzte Dorf. Der Inhalt dieser. Warenhaus-Literatur dient fast ausschließlich dem Zweck, fleinbürgerliche Frauen-Jdeale zu konservieren und eine illusionäre Well aufrecht zu erhalten, die es in Wahrhest längst nicht mehr gibt. In unserer Zeit des furchtbarsten Elends und drohender Kriegsgefahr kennen solche Machwerke keine anderen Sorgen, als Romane und Novellen zu veröffentlichen, in denen hochherzige Großindustrielle ihre armen, aber ehrlichen Sekretärinnen heiraten. Hausfrauen werden für Kochrezepte interessiert. Es heißt darin:.„Man nehme, man nehme..." Keiner aber sagt ihnen jemals, wo-, her sie es denn nehmen sollen. Aehnlich ist es mit den Schnittmustern. Ueber die neusten Minelinien und-Torheiten der sogenannten„oberen Zehntausend" wird berichtet, über das,.was man. ttagen„darf" und was nicht. Doch außer solchen, unverbindlichen Direktiven hüten sich die Beränt-■ wörtlichen wohl, den Frauen irgendeinen Weg aus ihrer Not zu zeigen. Gegen derartiges,Literatur-Opium kämpft wiederum allein die politisch-aufgeklärte Frau. Sie stellt dem Kitsch gegenüber die TageSpreffe und die Frauenzeit-, schristen ihrer Partei und ihrer Organisation. Das Buch war früher ausschließlich Privileg der Besitzenden. Auch daS hat sich mit dem' Aufstieg der Arbeiter-Bewegung geändert. Kleine» aber sozial werwolle Bibliotheken sind keine Seltenheit mehr in Arbeiter-Wohnungen. Partei, Gewerkschaften und Genossenschaften errichteten in allen Städten Leihbibliotheken. Eigene Verlage und Buchgemeinschaften wurden gegründet. Ihre Produktion hat die Bestimmung, belehrend und erzieherisch zu wirken und insbesondere die arbeitende Frau aiff ihr Recht als selbständige, unabhängige Gefährtin des Mannes im Betrieb und stn persönlichen Leben hinzuweisen. Diese Bücher Wollen ebenso wie die guten Filme keine Ablen-. kling von den Nöten des Tages, sondern sie for-' dern auf zum akttven Kampf. Einem solchen Werk muß gerade von Seiten der Frau tatkräftigste Unttrstützung zuteil werden. Die so lange währende Krise hat daS Theater als Kulturinstrument für die Mehr-, zahl der Frauen fast vollkommen auSgeschalt-tj Berfllche der organisierten Arbeiterschaft, sich Einfluß auf daS Theater zu verschaffen, sind bisher schwach geblieben. In den fascistisch regierten Ländern, in denen bereits wie in Deutschland und Oesterreich beträchtliche Forffchritte erzielt warey» sind diese Forffchritte vollkommen liquidiert worden. Innerhalb der Arbeiter-Bewegung aber hat. die'politisch denkende und handelnde Frau Gelegenheit, im Rahmen von Sänger-Vereinen» Theater-Truppen, Spiel« und Sportgemeinschaften nicht nur sich sewst den grauen Alltag vorübergehend zu verschönern, sondern auch alle, anderen Frauen aufzurufen, den grauen Alltag für immer zu verändern!, Seite 6 Sozialdemokrat* Smmtag» 14. Juli 1935. Nr. 1HS Lebensroman eines Entgleiste« mit^ausnahmsweise" glücklichem Ende Prag. Der Gerichtshof tagt diesmal nicht zu einer Strafverhandlung. sondern zu einer„öffent- lich en Sitzung", d. h. er soll entscheiden, ob der 3Sjährige Rudolf S.. der vor drei fahren zu sieben Monaten schweren Kerkers bedingt auf drei Jahre verurteill wurde, in der Bewährungsfrist sich so aufgefijhrt hat. daß» die Löschung der Strafe angeordnet werden kann und er„wieder als unbescholten zu gelten hat, wie vorher". Der Lebenslauf dieses Rudolf S., dessen jähes Auf und Ab sich in den Akten abspiell, verdient in kurzen Zügen sostgehalten zu werden. Rudolf S.. aus einer Beamtenfamillc stammend, absolvierte die ehemalige k. u. k. Wiener-Neustädter Militärakademie Und wurde als Leutnant ausge- mustert, gerade als das blutige k. k. Oesterreich zusammenbrach. Als Tscheche wurde er in unsere Armee übernommen, diente einige Jähre bei verschiedenen Truppenkörpern u. war schließlich Kommandant einer selbständigen Abteilung irgendwo in Karpathoruh- land. Plötzlich liquidierte er den Dienst— es heißt, daß in der ihm anvertrauten Kaffe nicht alles stimmte. Rudolf S. suchte einen Zivilberuf und wurde Beamter in einem Keinen Bankhaus. Als er seinerzeit vor drei Jahren auf der Anklagebank saß. legte ihm die Anklage insbesondere seinen Leichtsinn und sein mangelhaftes Berantwort- lichkeits- und Pflichtgefühl zur Last. Unbegründet war dieser Vorwurf sicher nicht. Da er sich km Bürodienst nicht.bewährte, wurde er als Akquisiteur und insbesondere als Losverkäufer verwe M, eine Tätigkeit, die damals im Flor stand. Es scheint indessen, daß er sich auch hier nicht die erforderliche Gewissenhaftigkeit. in Geldsachen zeigte, denn eines Tages wurde er fr i st los entlassen. Inzwischen hatten sich aber die Berhältniffe aus dem Arheitsmarkt derart verschlechtert, daß Rudolf> S. keine Anstellung mehr finden konnte. Er verkam schnell und nach einigen Wochen aß er bereits di« Bet- telsuppen der Klöster und schlief in Ziegeleien oder in Strohschobern/bestenfalls im Nachtasyl. Zweimal wurde er wegen Vagabundage angehalten. In völlig zerlumptem Zustand begegnete ihm einmal einer seiner gewesenen Untergebenen, ein Deutscher aus Nordböhmen, den er als Rekruten ausgebildet hatte. Rudolf S. war bei seiner Mannschaft offenbar sehr beliebt gewesen, denn der Betreffende (ein Kaufmann) gab ihm hundert Kron«", und schickte ihm von daheim weitere dreihundert Kronen. Kurz darauf nahm sich ein anderer Freund seiner an und verschaffte ihm einen Posten als Hausierer mit We r t s a ch e n. Rudolf S. bekam eine Kollektion im Werte von 12.000 lic mit^und der Bekannte verbürgte sich für ihn. Aber Rudolf S. war dieser riskanten moralischen Belastungsprobe noch nicht gewachsen. Der Verkauf der Ringe, Ohrgehänge, Krawattennadeln usw. warf nicht soviel ab. daß er davon hätte auskömmlich leben können. Und so ging er hin und versetzte Stück f ü r S t ü ck. die ganze Kollektion. Dann stellte er sich der Polizei und sein vertrauenseliger Freund mußte als Bürge den Schaden für ihn tragen. Bor Gericht gestellt, wurde er zu sieben Monaten schweren Kerkers verurteilt. bedingt auf drei Jahre. Während der Bewährungsfrist sollte er nicht nur„ein besseres Leben" führen, sondern auch den angerichteten Schaden„nach seinen Kräften gutmachen". Das waren freilich Bedingunoen, die schon damals, im zweiten Krisenjahr, nicht so leicht zu erfüllen waren. Rudolf S. versuchte es trotzdem und er hatte unwahrscheinliches Glück. Er begann als gelegentlicher Markthelfer heim nächtlichen En-gros-Gemüsemarkt auf dem Havliöekplatz und der Lützow- sr r a ß e. half beim Ausladen der Gemüsefuhrwerke und-autos, holte Kaffee für die Verkäufer, bewachte die einzelnen Stände usw. Ein Jahr lang lebte er von den Trinkgeldern, die bei diesem schweren Dienst abfallen. Dann wurde er von einem Händler als Austräger ständig angestellt und da er eine hübsche Handschrift hatte, erledigte er seinem Dienstgeber auch die Korrespondenz und führte ihm die Bücher. Er arbeitete sich schließlich ganz in das Geschäft ein, und die Sache endete mit einem romanhaft-unwahrscheinlichen happy end. Er verlobte stch mit der Tochter seines Chefs und wurde deffen Teilhaber. Gewiß hat dieser Rudolf S. großes Glück gehabt. Sicher hat er aber auch in schwierigster Lage bewiesen, daß ein tüchtiger Mensch in ihm steckt. Der Gerichtshof erklärte ihn. da auch der Schaden gutgemacht ist. f ü r b e w ä h r t, so daß der Löschung der Strafe nichts im Wege steht. Mag in dieser furchtharen Zeit die Rückkehr eines Entgleisten in die Gesellschaft aus wirtschaftlichen Gründen/auch auf die schwersten Hindernisse stoßen — erfreulich bleibt, daß wir Gesetze haben, die diese Rückkehr möglich machen. rb. JCuftst and Wfesw Abschiedsvorstellungen des Wiener Revue-Gast- spieieS. Sonntaa. morgen und übermorgen finden in der Kleinen Bühne die unwiderruflich letzten Aufführungen der erfolgreichen Revue„Bediene dich selbst", mit den Autoren Grünbaum und Farkas in den Hauptrollen, statt..Täglich 8 Uhr. Preise 10 bis s5 Ke. Heute 14 Uhr 30 Nachmittagsvorstellung zu stark ermäßigten Preisen! Der Dönr Zirkus Barnum Dieser amerikanische Film(dessen richtiger Titel„Der große Barnum" heißt und der nicht die Geschichte, sondern die Vorgeschichte des.Zirkus Bar- num erzählt) ist zwar kein Muster-Film, aber ein Musterbeispiel amerikanischer Pietät— und als solches lehrreich, belustigend und sehenswert. Denn es ist ein M der Pietät, wenn sich die Gewaltigen von Hollywood des durch seine Reklamemethoden sprichwörtlich gewordenen Schaustellers Phileas Barnum erinnern, der mit dem Panoptikum und dem Zirkus jene Unterhaltungsformen auf die Höhe gebracht hat, die der Film dann ersetzt und verdrängt hat, und wenn die Hollywood-Leute in diesem um Fragen des Geschmacks und der Echtheit unbekümmerten Sensationsmacher den Vorläufer ihrer eigenen Unternehmermethoden und den Vater des„Amerikanismus" ehren. Sie'ehren ihn nicht, indem sie ihn heroisieren, sondern'— viel ehrlicher— indem sie sich heiter zu Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab...,.,... 1838 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Gortaweenottat" Verwaltung Prag XH., Fochova tf. 62. zum Preise von 16 Xi monatlich, und send« diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name:<>• G-naue Adresse:;•■•■■,«••■> Letzt« Post: Unterschrift:,.,».«»»- ihm bekennen und ihn(ähnlich wie sie eß mit dem alten Rothschild taten) der Nachwelt dadurch sympathisch machen wollen, daß sie seine lächerlichen Züge liebevoll nachzeichnen. Sie stellen den großen Barnum als einen närrischen Burschen hin, der mit der fixen Mee, Abnormitäten zu sammeln, seine nüchterne Frau zur Verzweiflung bringt. Sie zeigen ihn als den ungebildeten Kerl aus Connecticut, der„Vivat" für ein Schimpfwort hält und in guter Gesellschaft die tollsten faux Pas begeht. Sie lassen keinen Zweifel darüber, daß dieser Mann nicht mit Werten, sondern nur mit Attraktionen und Superlativen Geschäfte machte(und sich kläglich blamierte, als er die Sängerin Jenny Lind in Amerika managen wollte). Aber sie nötigen den Zuschauer, diesen närrischen Kerl aus Connecticut belustigend zu finden— und Respekt vor ihm zu haben, weil er sich durchsetzte und sich nicht unterkriegen ließ. Richt von den Skandalen des genasführten Publikums urw nicht von der Konkurrenz, die ihm den Laden über dem Kopf anzündete. Ein sehr merkwürdiges hohes Lied auf den Unternehmergeist, das hier angestimmt wird. Es ist zwar voller Uebertreibungen, aber unehrlich ist es wenigstens nicht. Es hat zwar für die Gegenwart kaum noch Geltung,— aber seine Absichtlichkeit ist von einer Art, die nicht verstimmend, sondern amüsant wirkt. Daß der(nicht geistreiche, sondern kindlich ulkende) Humor dieses(von Walter Lang grob, aber wirksam inszenierten) Films mehr im Dialog als im Sichtbaren zum Ausdruck kommt, könnte ein Hindernis für seinen Erfolg sein. Aber es dürft« durch die Tatsache überwunden werden, daß der Darsteller des asten Barnum der Schauspieler Wallace. B e e r y ist, den wir von den„Wolkenstürmern" bis„Abends um acht" so oft schon als unvergleichlichen Gestalter plumper Herzlichkeit und rauhbeiniger Männlichkeit erlebt haben, daß über seiner Erscheinung die Erinnerung an Jannings' beste Leistungen verblaßt ist. Er ist auch als Barnum wieder eine Sehenswürdigkeit. Und es spricht für Ado I p he M e n j o u(der Barnums Kompagnon Bailey Walsh spielt) und für Janet Brecher(die Barnums Frau darstellt), daß sie neben Beery allenfalls bestehen können. Die Liebe««d die erste Eisenbahn Da der Name dieses Berliner Films eine vollständige Inhaltsangabe ist. erübrigt sich die Nacherzählung der„Handlung", die eben nichts anderes ist als eine Verknüpfung. von Liebesgeflüster mit Reminiszenzen an die Frühzeit des„Dampfroffes", versehen mit Sjngschlagcrn. die Liebe und Eisenbahn nach dem Muster des geiswollen Satzes„das Leben ist eine Kettenbrücke" miteinander in Verbindung bringen. Und auch über die Darstellung kann man sich kurz fassen. Der„Star" ist Karin H a r d t. die über keine andere interessante Note als einen Zungenfehler verfügt, und um sic herum geistern Schatten der Vergangenheit: der alte Jakob Tiedtke. der statt Heiterkeit nur noch Mitleid erweckt, während Ida Wüst und Fritz Kämpers wenigstens»och fern an ihren einstigen Humor erinnern. Interessant an der Sache ist allenfalls das sozusagen Ideologische: erstens, daß der Goebbels-Film immer aufdringlicher die.„liberalistische" Tendenz von der freien Bahn, die dem Tüchtigen angeblich offensteht, predigt,— und zweitens, daß er sich jetzt für den technischen Fortschritt begeistert, nachdem die maschinenstürmenden Anfänge des Nazismus erledigt sind und Hitler zum Schutzheiligen des Auwmobils geworden ist. während Göring die Welt im Fluge erobern möchte.—eis— Mitteilungen ans dem Publikum. 1 Arzt auf 600 Einwohner in Zlin. Als der in diesen Tagen verstorbene Dr. Gerbec vor 34 Jahren nach Zlin kam, war er der einzige Arzt der Stadt und ihrer Umgebung. Die Entwicklung der Bata-Werke und die damit zusammenhängende Entwicklung der Stadt Zlin und ihrer ganzen Umgebung bedingte bald«ine weitaus größere ärztlich« Fürsorge, so daß nach und nach immer mehr Aerzte hinzugezogen werden mußten. Heute arbeiten in Zlkn fast fünfzig Aerzte, davon 38 im Baka-Krankenhaus. Der Erfolg ihrer gemeinsamen Arbeft ist der, daß Zlin heute ebenso wie die ganze Umgebung die gesündeste Gegend der ganzen Republik ist und daß auch das Ausland die Sorge um den Menschen in dieser Stadt als mustergültig anerkennt. Diese Sorge beginnt mit der Wiege und hält bis ins späte Alter an, sie ist gut durchdacht und wird bis in die letzten Einzelheiten durchgeführt. Die Miwrbeit der Aerzte Mit der Stadtverwaltung und den Baka-Werken bringt der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, in welcher die Bedingungen des Gesundheitswesens sonst ziemlich ungünstig sind, schon durch viele Jahre großen Nutzen. Wieviel wurde in Zlin während der großen Hitzen getrunken? Im Juni wurden in Zlin täglich durchschnittlich 83.000 Liter Milch und 10.000 bis 12.000 Flaschen Limonaden und Sodawasser ge- trunken. In den großen Hitzen wurden täglich bis 27.000 Limonaden verbraucht. A.uch bei dem erhöhten Getränke-Verbrauch hält immer die Milch das Primat. Es ist bezeichnend, daß überall dort, wohin die Baka-Leute am Sonntag auf Ausflüge kommen, die Nachfrage nach Milch auf Kosten alkoholischer Getränke steigt.— Der ungewöhnlich große Verbrauch an Limonaden läßt sich daraus erklären, daß einesteils die Flasche in Zlkn nur fünfzig Heller kostet, und daß andernteils Zlin noch immer über zu wenig Trinkwasser verfügt. Zpvrt-äpiet-Xörperpsiegr Moderns Gladiatoren In der bürgerlichen Sportpreffe macht« vor kurzem die Notiz»Sensationelle Transfers in Italien", nämlich im Fußballsport, die Runde. Die geschilderten Vorgänge erinnern an den Sklavenhandel und zeigen— was wir schon öfters dargetan haben— wie der bürgerliche Sport dem Kapitalismus verfallen ist. In der betreffenden Notiz heißt es u.