Mittwoch, 17. Juli 1935 Nr. 164 15. Jahrgang (•InichliaMich i Hall« Fort»! ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.»Mnoa mw mwAUDBO mo m. fochova a. Telefon m HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAOS. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Pogromnacht auf dem Kurfürttendamm Streicherhorden wüten In Berlin W— Geschäfte und Kaffee» häuser verwüstet und geplündert— Zahlreiche Verletzte Berlin.(Eigenbericht.)' Der Berliner Westen war Montag abends Schauplatz einer wilden P o g r o m h a tz, die selbst die Exzesse aus der Zeit des inzwischen vom Führer„zu Recht" ermordeten Grafen Helldorf in den Schatten stellte. Horden von Hakenkreuzlern beherrschten von 10 Uhr abend- an die belebtesten Straßen des Berliner Westens, vor allem den Anrfürstendamm. Jüdisch aussehende Passanten —. darunter mehrere ausländische Staatsbürger— wurden überfallen und blutig geprügelt, ebenso erging es de« Besuchern der großen Kaffeehäuser, die unter wohlwollender Duldung der Polizei von den Bauden überfalle««nd verwüstet wurden. Auftakt: ein antisemitischer Hetzfilm Der äussere Anlass dieser tmrsten Exzesse Ivar ein antisemitischer H e tz f i l m übelster Sötte, der seit kurzem im Ufa-Palast am Zoo läuft. In der Vorführung am Sonntag abends hatten einige Zuschauer ihrer Empörung über dieses Machwerk durch Pfeifen Ausdruck gegeben. Daraufhin gaben die offiziellen Parteiblätter„A n g r i f j* und „B ol k i s ch e r B e ob a ch t e r" in ihren Montagsausgaben das S ignalzu der Pogromhetze. Zahlreiche SA-Leute in Uniform uno Zivil folgten natürlich mit Vergnügen dem Aufruf zur willkommenen Judenhatz. Obwohl es in der Montagvorstellung zukeinerleiZwischen- fällen oder Protestäusserungen kam, wnrden nach Borführungsschluß die Zuschauer vor dem Kino von den Pogromstoßtrupps aufgehalten und alle Leute, die man für Juden hielt, von den brüllenden«nd randalierenden Haufen mit Prügeln empfangm. Bald dehnten sich die Ausschreitungen auch in die Umgebung des Kinopalastes aus und gegen 11 Uhr war der Kurfürstendamm ein richtiges Schlachtfeld, das die Streicherstoßtrupps weithin beherrschten, ohne daß die Polizei auch nur den Versuch unternommen hätte, gegen sie vorzugehen. Paris meldet: wirkliches Pogrom Die Korrespondenten der französischen Blätter, die besonders ausführliche und detaillierte Berichte abgaben, meldeten ihren Zeitungen, dass die unbeschreiblichen Schreckensvor- gänge auf dem Kurfürstendamm„den Charakter wirklicher Pogrome hatten", aber auch diese Charakterisierung gibt noch kaum ein rechtes Bild der wüsten antisemitsichen Tumulte. Ein Nationalsozialist, der einen Juden auf der Strasse misshandelt«, wurde auf das Polizeikommissariat geführt, wo sich aber bald eine grosse Menschenmenge ansanunelte, die seine Entlassung forderte. Als diese erfolgte, setzte die Menge die Demonstrationen fort, überfiel daS Cafe„Bristol", dessen Inhaber Jude ist, zerschlug die Fenster «nd die gesamte Einrichtung. Dann überfiel die Menge ein anderes Kaffeehaus, eine Zuckerbäckerei usw. Kaffeehausgäste«nd Straßenpaffanten wurden mißhandelt, darunter auch Ausländer. Die Volksmenge, unter der sich auch zahlreiche SA-Leute befanden, hielt. Automobile an» zwang die Insassen, die ein jüdisches Aussehen hatten, auSzusteige««nd mißhandelte sie. Die Ausschreitungen setzten sich dann vom Kurfürstendamm auch in die Berliner Vorstädte, besonders nach Reukölln fort. Erst um ' 3 Uhr früh trat Ruhe ein. »»Allerhand dunkle Elemente“ Das Hitlerregime, das besonders in letzter Zeit alle Anstrengungen macht, sich dem Ausland als„Hort der Kultur" vorzustellen, und alle Berichte über die barbarischen Misshandlungen von Andersdenkenden als„Greuellügen" verdächtigen Möchte, bemüht sich natürlich, die Schuld von sich abzuwälzen. Der amtliche Bericht der Staatspoli- rei sagt; Die verständlichen Demonstrationen gegen das anmassende Verhalten der Jude« haben auch gestern wieder sofort allerhanddunkl« Element« angelockt, die glauben, solche Gelegenheiten ungestraft benützen zu können, um ihre staatsfeindlichen Ziele verfolgen und durch Tumulte Staat und Bewegung in Misskredit bringen zu können. Die Gliederungen der Bewegung, insbesondere die SA, haben sich sofort der Polizei zur Verfügung gestellt, um durch schnellste Wiederherstellung der Ruhe der Minierarbeit dieser dunklen Kräfte den Boden zu entziehen." In Wahrheit aber waren die Exzesse ganz unverhohlen vonderoffiziellenHaken- kre uzpresse anbefohlen worden und von zahlreichen uniformierten SA-Leuten— wie verschiedene Augenzeugen übereinstimmend berichten— organisiert und kommandiert. Die Polizei sah stundenlang dem Wüten der Banden vollkommenuntätig zu. Erst in den späten Nachtstunden erschien Polizei und forderte die Exzedenten sehr freundlich auf, den Platz zu räumen, da auch einige Ausländer misshandelt und verwundet worden seien und man deshalb politische Schwierigkeiten erwarten müsse. UebrigenS gibt eS auch in Deutschland selbstverständlich keinen Menschen, der daran glaubt, dass die Polizei auch nur den geringsten Versuch gemacht habe, die Exzesse zu verhindern. Man wirft mit Recht die Frage auf, ob die Polizei sich ebenso machtlos gezeigt hätte, wenn einige Hundert sozialistischer Arbeiter auf die Strasse gezogen wären. Ebenso bewahrt die Polizei ängstliches Stillschweigen über die Anzahl derOpfer. Die Zahl der durch die Misshandlungen Verletzten be- i trägt aben nach der Aussage von Augenzeugen ge-| wiss mehrere hundert. Wien.(Eigenbericht.) Die Kampf- w o ch e gegen den austrofaseistischen Terror«nd für die Politischen Gefangenen hat Montag ihre« Höhepunkt erreicht. In allen Wiener Bezirken veranstalteten die Arbeiter glänzend gelungene Blitzkundgebungen, illegale Sprechchöre auf den Straßen und von Kanälen a«S; während der vorhergehenden Nacht und in den Morgenstunden streuten die Streukolonnen hunderttausende Streuzettel mit den Parolen der Kampfwoche: für die Freilassung der politischen Gefangenen, gegen Polizeiterror und Willkürherrschaft, für die Befreiung des Landes vom fafeistischen Regime. Von Gefängnis zu Gefängnis Der Hungerstreik der eingekerkerte» Genossen, der ursprünglich nur als eintägiger Proteststreik im Rahmen der Kampfwoche geplant war», wird vorläufig fortgesetzt. Im Bundeskanzleramt herrscht größte Bestürzung über das vorbildliche Funktionieren aller Aktionen, vor allem aber über die lückenlose Verbindung, die— allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz— zwischen de« verschiedenen Gefängnissen und zwischyr den Gefängnissen und der illegalen Kampfleitung bestehen. Die verantwortlichen Beamten der Gefängnisleitungen wurden in die Generaldirektio» für öffentliche Sicherheft zitiert und mußten einen harten Rüffel dafür einstecken, daß sie den illegalen Verbi«, dungsdienft mft den Gefangenen nicht verhindern tonnten. Henn Goebbels „schwedischer Film" Der Film, der den Pogromtrupps der Nazi als Anlass für ihre Tumulte diente, nennt sich „Petterson und Bendel" und wurde im Ufa-Theater am Kurfürstendamm als„schwedischer" Film vorgeführt. Das Berliner Publikum, das sich sett Beginn der Goebbels'schen Filmdiktatur hartnäckig für Auslandsfilme begeistert, sttömte zu der schwedischen Neuigkeit— und war verdutzt, dass sie sich als primitives antisemitisches Machwerk entpuppte. Ein Teil der Zuschauer machte seinen Gefühlen in Pfiffen Lust, die Goeb- belS-Zeitungen nannten daS tags darauf eine„jüdische Unverschämtheit"— und die SA-Leute organisierten schnell eine Kundgebung in dem Sttl, den sie einst von Goebbels gelernt haben. Herr Goebbels aber ist wieder um eine Erfahrung reicher. Um die Erfahrung nämlich, dass nicht jedes Schwindelmanöver den gewünschten Erfolg hat. Er hatte sich das so schön ausgedacht, als er in Schweden einen antisemittschen Film herstellen liess, der einen jüdischen Gauner in kräftigen Gegensatz zu einem bieder-ehrlichen arischen Kaufmann stellte. Erstens, hatte er gedacht, wird dieser Film Erfolg haben, weil er als Auslandsfilm firmiert. Zweitens, dachte er, werden die deuffchen Filmproduzenten, die dauernd mit Rasse-Argumenten gegen die von mir aus Geschästsgründen zugelassenen Auslandsfilme hetzen, erschüttert schweigen müssen, wenn ich ihnen einen hakenkreuzlerischen Film aus Schwede« vorsetze, und drittens, hoffte er, wftd sich das Publikum das Märchen von dem jüdischen Gauner und dem arischen Handelsmann gefallen-lass«», wenn es ausserhalb Deutschlands spielt. Herr Goebbels hat sich dreimal getäuscht. Sein „schwedischer" Film wird kein Erfolg, denn eS wird nicht viele geben, die ein auSgepfiffeneS Machwett sehen wollen, dessen Besucher noch hinterher Prügel riskieren. Der Trick mit der ausländischen Tarnung hat ebenfalls versagt, denn schon heute Weitz alle Welt, datz es sich um einen echten Goebbels-Film der Hugenbergschen Ufa handelt. Und am allerwenigsten hat sich ein Publikum gefunden, das sich daS Märchen gefallen lietz: die es gesehen haben, haben gepiffen, und die SA-Leute haben es vorgezogen, vor der Tür zu stehen. Obwohl buchstäblich der gesamte Wiener Sicherheitsapparat aufgeboten war— alle Urlaube waren rückgängig gemacht worden— reichte die Polizei nicht annähernd hin, die Kundgebungen in den Straßen zu verhindern. Ganz besonders eindrucksvoll waren diese Kundgebungen in den Bezirken Margarethen, Favoriten, Meidling, Hietzing«nd Brigittenau. Die Polizei konnte von den rund zehntausend Genossen, die sich an den Blitzkundgebungen beteiligt hatten, knapp 500 verhaften, die überwiegende Mehrzahl der Kundgebungen konnte aber trotz dem Terror und den willkürlichen Verhaftungen von„Rädelsführern", die man schon vor Beginn der Kampfwoche vorgenommen hatte, nicht verhindett werden. In den amtlichen Berichten— die die Kundgebungen«nd auch den Hungerstreik in den Gefängnissen und Konzentrationslagern überhaupt möglichst totschweigen möchten— wird die Aktion als eine Reihe„k. mmunistischer Ausschreitungen" geschildett. In Wahrheit wurde die Kampfwoche aus Anlaß des Jahrestages des blutigen 15. Juli 1927 gemeinsam von allen antifascistischen illegalen Organisationen veranstaltet. 50.000 Flugzcttel mit der Aufforderung zu den Attionen und ihren Parolen, die zu Beginn der Kampfwoche in allen Wiener Betrieben und in den Gemeindehäusern illegal verbreitet wurden, trugen die gemeinsamen Unterschriften der illegalen sozialdemokrattschen und kommunistische« Zentralleitung und der ülegalen freie« Gewerkschaften. Vie SDP gründet Gewerkschaften Einer Meldung der„Lidove Noviny^ zufolge geht die Sudetendeutsche Pattei nunmehr daran,„Gewerkschaften" zu gründen. Es war dies vorauszusehen, einerseits weil die Henlein- patter bestrebt sein mutz, ihren Maisieg zu untermauern, andererseits weil die deuffchen Unternehmer ihr Geld für die Henleinpattei doch nicht umsonst hergegeben haben wollen. Schon ist es vorgekommen, dass eine Unternehmerorganisation sich über die bestehenden Gewerkschaften der Arbeiter hinwegzusetzen versuchte, erst ein energisches Eingreifen von Regierungsstellen veranlasste die Ausrede, es sei ein„Irrtum" vorgelegen; jedenfalls haben die„Lidovi Noviny" recht, wenn sie sagen, die deuffchen Unternehmer könnten den Augenblick nicht erwarten, in dem sie den Vertretern der anderen, vor allem der sozialistischen Gewerkschastsorganisaffonen sagen können: Wir unterhandeln ausschliesslich mit der Patter Konrad Henleins, welche bei den Wahlen die Mehrheit erlangt hat und damit das Recht, als die einzig berechtigte Vertreterin der deuffchen Arbeiterschaft angesehen zu werden. Welche Form und welchen Namen die SDP den zu schaffenden Gebilden geben will, ist nicht bekannt, keinesfalls werden es, soweit es auf ihre wirlliche Funftion ankommt, Gewerkschaften im hettömmlichen Sinne sein. Da die Henleinpattei auf dem Boden der wenn auch sagenhaften„Volksgemeinschaft" steht und grundsätzlich den Klassenkampf verwirft, wird und kann das bestimmende Motiv der H«rlein-„Gewerffchasten" lediglich Harmonieduselei und die Tendenz sein, jeden Streik, jeden Kampf der Arbeiter, in der Abwehr sowohl wie im Ringen um ein höheres Lebensniveau zu verhindern. Nicht um Gewettschasten, nur um A n t i-Gewerffchasten kann es sich handeln, nicht um Organisationen zum Wohle und zur Verteidigung der Arbeitnehmer, als vielmehr der Interessen der Arbeitgeber. Die deuffchen Jn- dustttellen haben den Wahlkampf der SDP nicht nur mit heissen Segenswünschen, sondern auch durch hochherzige Griffe in ihre Stahlgepanzerten unterstützt und wünschen jetzt, datz ihnen dieser Opfermut auch gehörig Früchte trage. Die im Zeichen der„Vollsgemeinschast" stehenden Henlein- Arbeiterorganisationen werden die Aufgabe haben, die deuffche Arbeiterschaft ihren besitzenden Bolks- gemeinschaftlern wehrlos auf Gnade und Ungnade auszMefern. Wobei das Mass der Gnade vom Profitinteresse der deuffchen Unternehmer bestimmt werden wird, ein Mass, das, wenn es wirklich in vollem Umfange zur Anwendung gelangen sollte, den deutschen Arbeiter bald auf den Lebensstandard eines chinesischen Kulis herabdrücken würde. Herr Henlein dürste kaum zweifeln, dass es ihm gelingen wird, den deutschen Unternehmern mit seinen„Gewerkschaften" in grösserem Stile Zutreiberdienste zu leisten. Wie die Wahlen bewiesen haben, hat es auch reichlich genug proleta- ttsche Wähler gegeben, die sich über das wahre Wesen der SDP täuschen liehen und der Partei ihrer bösattigsten polittfchen und sozialen Widersacher nachliefen. Selbst wenn man annehmen wollte, daß ein Großteil dieser Gefolgschaft Henleins ernüchtert ist, nachdem die paradiesischen Früchte, die von einem Siege der SDP erwartet wurden, vollständig ausgeblieben sind, es bliebe auch dann noch als günstiger Antrieb für die Hen- lein-Gewerkschaften der offene und stille Terror der Henlein-Anhänger unter den Arbeitgebern übrig. Wer wollte daran zweifeln, datz die für Henlein begeistetten deuffchen Ausbeuter versuchen werden, die Angehörigen der freien Gewerkschaften, aber auch jene der christlichen und der tschechischen Gewettschasten aus den Betrieben nach und nach zu verdrängen, indem sie bei Neuaufnahmen — im Falle nicht, schleunigst eine Regelung der Frage der Arbeitsvermittlung erfolgt.— ausschließlich in den Henlein-Gewerkschaften organisierte Arbeiter aufnehmen werden. Bei dem heutigen Stande der Massenarbeitslosigkeit, der jeden heute noch Beschäftigung um das bißchen Arbeit und Existenz bangen läßt, bildet schon der Bestand von„Gewettschasten", die im Dienste des Unternehmertums stehen, eine hohe Gefahr. Unseren Gewettschasten erwachsen angesichts der kaum bezweifelbaren Absichten der SDP große und neue Aufgaben. Bei diesen Absichten geht eS um nichts geringeres als um Sein oder Nichtsein .her freien Gewettschasten, denn könnte sich der lhu Wien demonstriert gegen den Schuschnigg-Terror Höhepunkt der Kampfwoche Kundgebungen In allen Bezirken— Gegen 500 Verhaftungen Die Polizei reicht nicht aus Stift 9 Nr. 164 Die Vertreter der Metallarbeiter beim Fürsorgeminister Für die Befreiung der eingekerkerten Parlamentarier Brüssel.(Havas.) Mitglieder der Parlamente einer Reihe von Staaten hielten hier eine Sitzung ab, in der über die Mittel beraten wurde, wie die Befreiung sowohl von Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften als auch von Angehörigen außerparlamentarischer Kreise, di« in Ländern mit autoritärem Regime eingekerkert sind, zu erreichen wäre.. In der Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, in Brüssel im September d. I. eine großeinternationale Konferenz zu veranstalten, und eine Erklärung ausgearbeitet, in der verlangt wird, daß Thaelmann, Meiendorfs und Madalena, sowie auch die eingekerkerten Priester und Pazifisten in Freiheit gesetzt werden. ternehmerterror ungehemmt für Henleins Gründung auswirken, dann würde die Zukunft aller von den Unternehmern unabhängigen Gewerkschaften aufs äußerste bedroht sein. Was dies andererseits für die Zukunft und die Lebensmöglichkeiten der deutschen Arbeiter bedeuten würde, illustriert zur Genüge die Anwerbung von freiwilligen AÄbefts- diensflern für landwirtschaftliche Arbeiten um die vorstellbar schäbigste und schändlichste Entlohnung, die bisher gewagt wurde, der aber im Zeichen der Henleirffchen Völlsgemeinschast auch noch der betrügerische NinchuS einer um das deutsche Volk verdienstlichen Aktion verliehen wird, obwohl es sichtbar dabei um nichts anderes geht als um die BrotloSmachung deutscher landwirtschaftlicher Ar- beiter. Daß auch für die Regierung mit der Gründung dieser, trotz aller Verbrämung, die ihnen die Hitler-Henleinsche Phraseologie verleihen wird, gelben Gewerkschaften ernste Aufgaben erstehen, brauchte eigentlich nicht erst ausdrücklich betont zu werden. Die demokratische und ■ staatstreue Haltung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft hat bisher wenig Vergeltung und Anerkennung gefunden. Soll es nun auch geschehen dürfen— und dies ohne Rücksicht auf die Gefahren, die damit für den Staat selbst verbunden sind— daß auf das Bekenntnis zum Staate die Strafe der Arbeitslosigkeit steht? Henlein wie seine Drahtzieher geben vor, es sei ihr Ziel, an die Stelle des Klaffenkampfes den Gemeinschaftsgeist zu setzen. In Wahrheit waren die Gegensätze innerhalb des deutschen Volkes, war der von den Handlangern des deutschen FasciSmus geschürte Haß niemalS'so groß als seitdem die SDP die Fahne des VolksgemeinschaftS- TrugeS entrollt hat. Die in Vorbereitung stehende 'Aktion, derrri"'Ziel ausschließlich'die Zertrümmerung der freien Gewerkschaften als einem Schutz- schild der Arbeiterschaft ist, wird diese Gegensätze nur noch verschärfen. Henleins Protektoren wollen der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft eine Schlacht liefern,— es wäre traurig um diese bestellt, wenn sie sich nicht zu wehren verstehen würde. An der Regierung aber liegt es, ob der jetzt schon in manchen Kreisen verbreitete Glaub«, di« Einflußsphäre des Dritten Reiches erstrecke sich bereits kaum behindert auch auf das sudetendeutsche Siedlungsgebiet, neue Festigung findet, oder ob die heimische Demokratie, die bisher keine sehr heldenhafte Figur gemacht hat, sich endlich auf ihre Selbstachtung und ihr Selbstbewußtsein besinnt. W. R. Prag. Am Dienstag sprachen die Genossen Kaufmann und May als Vertreter des Internationalen Metallarbeiterverbandes in Komotau beim Fürsorgeminister Genossen N e- c a s vor, um ihn über den Stand der Notstandsarbeiten zu berichten, die in einer am 15. Jänner 1935 vom Herrn Ministerpräsidenten präsidierten Ministerkonferenz für die Bezirke G r a s l i tz, R o t h a u und R e« d e k beschlossen worden waren. Bei dieser Gelegenheit referierten die Genossen auch über eine Reihe von Schwierigkeiten, die sich bei der Administrative, beziehungsweise bei der Durchführung verschiedener Erlässe zum Protertnote des Vatikans StadtdesVatikan.(Reuter.) Der Vatikan sandte an Deutschland eine Rote, in der gegen die Verletzung de- kürzlich abgeschlossene« Konkordates protestiert wird. Der Protest richtet sich gegen die Art und Weise, in der in Deutschland die Katholiken behandelt werde«. Auch Frankreich muB sparen Zehnprozentige Herabsetzung des Budgets Paris, Obzwar von offiziellen Stelle» alle vorzeitig« Informationen dementiert werden, stimme» die Blätter doch in der Ansicht überein, daß die Einsparungen rm Staatsbudget, mit denen sich der Dttnisterrat am Dienstag befaffen sollte, mindestens zehn Milliarden Francs erreichen werden. Davon werden, wie der„Matiu" schreibt, sechs Dtillrarden auf die Einsparung« im eigentlichen Staatsbudget, zwei Milliarden auf den Boranschlag der Departements und der Gemeinden und 1>/> L> Milliarden auf das Eisenbahnbudget entfallen. Die Pariser Preff« ist bestrebt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, und weist insbesondere auf die absolute Notwendigkeft einer Gesundung der öffentlichen Finanzen zum Schutze der Währung hin.- ■ Dis Regierung befaßte sich fest 9 Uhr früh mft den Spardekrer« und hat' nur eine rurze Mittagspause eingeschoben. Um 23 Uhr war es«och nicht sicher, ob der Ministerrat noch in der Rächt die Sparmaßnahmen genehmigen wird oder ob die Beratungen noch am Mittwoch werden fortgesetzt werden müssen. Englische Flottenparade London.(Tsch. P. B.) Am Dienstag fand bei schönem Wetter bei Spithead«in« große Parade der englischen Kriegsflotte statt. Als der König an Bord der Dacht„Victoria and Albert" eintraf, wurde« von den Schlachtschiffen, mit einer Salve von 21 Schüssen und von der Viertelmillion Zuschauer, die Gesetz über den StavtSbeitrag ergeben, und überreichten hiefür dem Minister eine Reihe von Unterlagen. Der Minister versprach, nach Aufhörung der Vertreter der Metallarbeiter demnächst eine spezielke Kommission einzuberusen, bei der diese Schwierigkeiten und Härt« besprach« und eventuelle Milderung«, bzw. dir Beseitigung derselben berat« werd« soll«. Die Vertreter der Metallarbeiter nahm« diese Zusicherung mit Befriedigung zur Kmnt- nis, da auf diesem Wege manche Erleichterung herbeigeführt werd« kann. dicht gedrängt am Strande zwischen South Sea und Le« on Solent standen, mit Ovationen begrüßt. Die Dacht, auf deren Kommandobrücke der König stand, fuhr langsam die etwas 48 Kilometer lange Linie der 157 mit Flaggen geschmückten Kriegsschiffe entlang. Als hie Dacht bei der Gruppe der Schlachtschiffe anlangte, startet« von zwei Flugzeugmutterschiffen 118 Flugzeuge, die in musterhaft« Formationen am wolkenlosen Himmel vor dem König defilierten. Hierauf empfing der Herrscher die einzelnen Delegationen. neue Brüskierung des Stahlhelm Berlin.(Reuter.) Dienstag früh erfuhr die Stahlhelm-Organisation eine unliebsame Ueberraschung, als ihr mitgeteilt wurde, daß di« Delegation der Britischen Legion das Stahlhelm-Heim nicht besuchen werde, wie ursprünglich festgesetzt worden war. Das Mittag- essen, das im Stahlhelm-Heim zu Ehren der Gäste gegeben werden sollte, wurde mit der Be- I gründung abgesagt, daß die Gäste zu Göring auf deffen Herrschaft unweit von Berlin geladen wurden. Aber eine noch größere Üeber-» raschung rief die Nachricht hervor, daß Göring auf seinem Sommersitz überhaupt nicht anwesend sein wird, da er aus Süddeutschland nicht rechtzeitig zurückkehren könne. Ble Gleichberechtigung der Frau Gegenstand der nächsten Völkerbundstagung Auf der Tagesordnung der künftigen Äölker- bundsversammlung in Genf, die im September stattfindet, befindet sich auch die Frage der Stellung der Frau mit besonderer Berücksichtigung des Abkommens, das anläßlich der paaamerikanifcheu Konferenz in Montevideo im Jahre 1933 unterzeichnet wurde und das den Frauen die gleiche» Rechte wie den Männern verbürgt. Es handelt sich nunmehr um die Erweiterung dieses Abkommens zu einer internationalen Konvention. Das an den Völkerbund gerichtete Ersuchen ist von zehn südamerikanischen Staaten unterzeichnet. Der Völkerbundsrat hat den Generalsekretär beauftragt, den Mitgliedern der Versammlung alle Kundgebungen der Frauenorganisationen, die auf diese Angelegenheit Bezug hab«, zuzustellen. Außerdem wird über eine internationale Konvention verhandelt werden, welch« in der Frage der Staatszugehörigkeft den Frauen dir gleichen Rechte zusichert wie den Männern. Völkerbundrat erst Anfang August? Paris. An den Parffer politischen Stellen 'ist man der Ansicht, daß der Volke Äbundrat, der nach dem Beschluß der Maitagung am 25. Juli zusammen treten soll, seine Tagung um etwa eine Woche verschieben und erst Anfang August zusammentreten wird. Bis dahin wird, wie man annimmt, der diplomatische Meinungsaustausch zwecks einer friedlichen Beilegung des italienisch- abessinischen Konfliktes fortgesetzt werden. * Neapel. Das Flugzeug-Mutterschiff„Mi- raglia" hat heute mit einigen Flugßeugeskadern an Bord die Fahrt nach Ostafrika angetreten. Der Unterstaatssekretär der Luftschiffahrt verabschiedete sich von dem Kommandanten des Schiffes. * i? Kairo. Wie verlautet, hat di« Regierung die Ausfuhr von Kamelen aus Aegypten nach Erythräa verboten, da italienische Agenten alle Kamele in Aegypten aufiaufen. Die Verordnung 152/35 Uber das neue Getreidemonopol Prag. Die vom letzt« Ministerrat angenommene Novelle zum Getreidemonopol ist unter Nr. 152 in der Sammlung der Gesetze und Verordnungen erschienen. Die wichtigsten Aen- derungen sind folgende: An Futtermitteln fallen neu unter das Monopol denaturierter Zucker, Melasse, Bruchreis, Hirse, Wicken, Pferdebcchnen, etc. Einheimisches Mehl und Mahlprodukte fallen auch weiterhin nicht unter das Monopol, doch ist eine Beschränkung, bezw. Erweiterung des Monopols nach Anhörung der Getrei- degesellschast ausdrücklich vorgesehen. Die Bestimmung der Preise ist einer eigenen Regierungsverordnung Vorbehalten, die noch im Laufe dieser Woche erscheinen dürste. Neu ist die Bestimmung, daß die Gesellschaft verpflichtet ist, auf Weisung der Regierung Vorräte anWeizen, Roggen und Hafer zu bild« und aufrecht zu erhalten, und zwar auf Rechnung des Staates. Zur Liquidierung der alten Vorräte werden die Produzenten, die im laufenden Wirtschaftsjahr der Monopolverwaltung mehr als 20 Zentner Getreide verkaufen, verpflich- t«t sein, nach von der Regierung genehmigten Richtlinien die alt« Vorräte an Gerste, Hafer und Mais von der Monopolgesellschaft abzunehmen. Um einer Überproduktion vorzubeugen, ist für Weizen, Roggen, Hafer und Gerste eine Regelung, d. h. Einschränkung der Anbauflächen vorgesehen, und zwar„mit Rücksicht auf den Stand dec Anbaufläch« zum 30. Juni 1935 und unter Berücksichtigung der wirffchaftlichen Verhältnisse in den einzelnen Ländern und auch in kleineren Verwaltungsdistrikten." Im Berordnungswege können die Produk« tionS- und Absatzverhältniffe der Mühlen geregelt werden. Die Handelsmühlen können verpflichtet werd«, sich an der Liquidierung dec alten Vorräte entsprechend zu beteiligen. 70 Roman von Anna AurednKek „Kann er uns aus der Kammer nicht entwischen?" fragte Herr Patek. „Gott bewahre, Herr Patek, die hab' ich erprobt, nicht wahr, Herr Mayer?" sagte Bein- steüer mit boshafter Genugtuung. Mayer war so gebrochen von seinem Unglück daß man ihn hinaustragen mußte. Der Hausmeister aber tobte vor Wut. „Der Herr muß sich erst ein wenig abkühlen," sagte Beinsteller.„Sie, Hausmeister, wir haben Ihre Kleider noch nicht durchsucht! Gott weiß, was daran versteckt ist. Ziehen Sie ihn aus, Herr Zach; wir wollen das Zeug im Zimmer daneben untersuchen, damit er uns dabei nicht im Wege ist. Sie, Herr Mayer, könnten sich übrigens auch auskleiden. Schnell, Jungens, da nützt kein Weinen... auch das Hemd herunter! Herr Hausmeister, wenn ich bitten darf! Man kann nicht wissen, vielleicht ist ein Totschläger unter dem Kragen eingenäht!" „Du diebischer Lump du!" brüllte der Hausmeister. »Ist schon recht, Herr Hausmeister, nichts für ungut. Ich habe von Ihnen gelernt; und jetzt hereinspaziert ins Badezimmer... Helfen Sie den Herren, Herr Zach, dort sind sie gut aufgehoben. Es gibt keinen Ausgang." Die Spione wehrten sich zwar, konnten gegen die fünf Mann aber nichts ausrichten, um so mehr, als sie nackt waren. Sie wurden in daS Badezimmer gezogen und Beinfteller ließ wie zufällig die Dusche fließen. Als Herr Patek dagegen protestierte, erklärte er:„Das ist meine Privatnummer, Herr Patek, die überlassen Sie mir, ich werde vor dem Minister alles verantworten. Glauben Sie ja nicht, daß den Schmutzfinken das bißchen Wasser schaden wird! Wir dürfen nicht vergessen, daß sie uns mit Geld und Gassenmädeln verführen wollten. Dagegen ist ein kaltes Bad gar nichts.. Als sein Rachedurst gestillt war, wurden die durchnäßten Spione aus der Dusche befreit und Beinsteller befahl ihnen, sich anzuziehen. Dann sperrte er sie wieder in das Badezimmer und ließ sie dort im Finstern. Sie sollten erleid«, was er gelitten hatte. Hierauf ging man an die Hausdurchsuchung. Sie war von ungeahntem Erfolg gekrönt. Im Keller fand man ejn ganzes photographisches Laboratorium, und es war ersichtlich, daß der Hausmeister hier gearbeitet hatte. In Mayers Arbeitszimmer wurde eine ansehnliche Korrespondenz entdeckt, die nur Spionage bettaf. In der eisernen Kaffe lag die Kopie des entwendeten Dokuments und der Schlüssel zu der Geheimschrift. Als die Untersuchung um 2 Uhr morgens beendet war, wußte man, daß Beinsteller ein Nest gefährlichster Spionage aufgedeckt hatte. Es war mit Geld reichlich versorgt. In einem Versteck fand man für eine Million Tausender. Nun ließ man die Gefangenen hinaus. Sie waren in einem trostlosen Zustand. Namenüich Mayer, deffen Nerven zerstört waren, erweckte mit seinem bleichen Gesicht und den zitternden Gliedem allgemeines Mitleid. Der Hausmeister hielt sich besser, nieste aber auch ohne Unterbrechung. „Ihr seid hier fabelhaft eingerichtet, Jungens," sagte nun Beinsteller,„was mich aber gar nicht verwundert, denn für die Tausender könnte man ein Hotel aufstellen." Als Mayer von den Tausende« hörte, zitterte er noch mehr. „Wie können Sie nur so auf das Geld versessen sein, schämen Sie sich! Ich verstehe ja, wie schwer Ihnen der Abschied von den Papierchen ist. die so rein sind wie Jungftauen, so neu und ohne Fältchen, aber gönnen Sie uns doch auch, daß wir uns ein Weilchen mft ihnen fteuen..." Jetzt senkte Mayer den Kopf und ließ sich wie ein Lämmchen zu dem wartenden Auto führen. Es war halb 3 Uhr, als Beinsteller wieder auf der Kampa landete. Die ganze Gesellschaft war schon schläfrig, doch Beinsteller erllärte: „Allem voran geht der Dienst. Will man den Lunacek noch erwischen, so muß die Aranka Föl- deffy standepede verhaftet werden." So wurden denn zwei Detekttvs mit den Verhafteten und der Beut« fortgeschickt, Beinsteller aber fuhr mit Herrn Patek und Her« Holina ins Hotel Beranek. Trotz der frühen Morgenstunde war die lustige Medizinerin noch nicht ins Hotel zurückgekehrt. Man mußte aber nicht lange auf sie warten. Sie fuhr im Auto vor, war in sehr ge- hobmer Stimmung, die noch lustiger wurde, als Beinsteller ihr im Vestibül entgegentrat. „Ach, Onkelchen, was wollen Sie denn wieder von mir?" fragte sie. „Sie haben mir doch gesagt, ich soll am nächsten Tage wiederkommen. Ich halte bei Damen stets Wort." Aranka duzte ihn.„Bist ein fesches Haus, Onkelchen. Du mußt aber später kommen, bis ich ausgeschlafen bin." „Mich schickt aber der Herr Mayer..." „Der Herr Mayer," lachte Aranka Földessy, „Ihr seid beide Spitzbuben, du bist der größere. Komm und sag mir, was der Mayer will." Beinsteller blinzelle seinen Begleite« zu, die sich hinter Lehnstühlen versteckt hatten und folgte fröhlich Fräulein Aranka. Sie öffnete die Tür, tätschelte ihn und sagte:„Vielleicht hat es noch ein Weilchen Zeit, ich will nur eine Dusche nehmen ..." Als Beinstefler nichts einzuwenden hatte, ging sie in daS Badezimmer und ließ die Tür offensteh«. Man horte das Rieseln deS Wassers und das Kichern des Mädchens. Dann rief sie: „Onkelchen. ich hab meinen Schlafrock versessen. er hängt in meinem Kasten. Bitte, bring ihn herein!" »Mit größtem Vergnügen, mein Herzchen", sagte Beinstefler. Er schloß ganz sachte die Tür auf und ließ jetzt seine beiden Begleiter ein. Tann ging er ins Badezimmer.* Die verführerische Aranka ruhte lässig auf der Chaiselonque. So wie sie Gott erschaffen hatte. „Nun, mein lockiges Onkelchen", lachte sie, „du feuriger Liebhaber, schickt es sich um vier Uhr morgens in das Badezimmer einer Dame einzudringen? Wo hast du denn den Schlaftock?" „Sie sind ja sehr hübsch, liebes Fräulein", sagte Beinsteller,„aber nicht hübsch genug, um mir d« Kopf zu verdrehen wie dem Lunacek." Aranka war mit einem Schlag nüchte«. „Dem Lunacek?" rief sie.„Woher kennen Sie ihn? Und was wollen Sie damit sagen?" „Ich will sagen, daß Sie ihr Hemd nicht bekommen, bevor Sie mir und den Herren erzählen, wer der Lunacek ist." Jetzt erblickte Aranka die Detekttvs. Sie stieß einen furchtbaren Schrei aus:„Wer sind die Leute?" „Die Behörde, Fräulein. Auch ich bin die Behörde. Wir wiff« alles und in diesem Augenblick sitzt auch Herr Mayer mit seinem Gehflfen im Schatten. In einer Stunde werden Sie ihnen Ge- seflschast leisten und könnm bis an Ihr Lebensende dort sitzen, w«n Sie nicht im Guten sagen- wer der Lunacek ist." Aranka war noch gebrochener als Mayer. Als sie zu sich kam, erzählte sie bereitwifligst, Lunacek fei ein Offizier, der so wahnsinnig in sie verliebt fei, daß er als Instrument für Mayers Spitzbübereien benützt werde. Sie hatte diese Nacht in verschieden« Bars mft ihm verbracht und erwarte ihn um sieben Uhr früh. Da wofle er sich die Dokumente holen, die Mayer indessen photographiert hatte. Sie war vöflig verwirrt und erzählte ihre« Untersuchungsrichtern eine Menge Dinge, die zur völligen Aufklärung der ganzen Angelegenheit beftrua-n..(Fortsetzung folgt.), Nr. 164 Mittwoch, 17. Juli 193?» Srile 3 „Oer Staat bin ich!“ Das„Närodni Sjednoceni" kann seim schwere Niederlage nicht verschmerzen. Daß Kra- maL und Stkibrnh nach jahrelanger Zermürbung der Massen durch das Krisenelend und trotz hemmungsloser agitatorischer Ausnützung dieses Elends nicht stärker ins Parlament zu- rückkehrten, als im Jahre 1929. daß sie, die davon geträumt hatten, die Regierungsbildung zu diktieren, von der Regierungsbildung ausgeschlossen blieben, das ist freilich ein Schlag, der nicht so leicht verwunden werden kann. Darum ist es nicht verwunderlich, daß dem Abgeordneten JeZek die politische Entwicklung nicht gefällt. Daß er sie für Volk und Staat schädlich findet. Daß er ihr, im Leitartikel der„Rä- rodni Listy" vom Sonntag, eine andere Konzeption gegenübergestcllt, eine keineswegs neue Konzeption: die allnationale Koalition. Herr JeZek wird sich erinnern, datz bis zum Jahre 1926 die allnationale Koalition regiert hat, datz gerade Antontn Svehla, der von JeZek als einer der wenigen wirklichen Staatsmänner des Landes gerühmt wird, wie dies gegnerischen Politikern nach ihrem Tode öfter widerfährt, datz gerade Svehla die allnationale Koalition durch den Bürgerblock ersetzte, dem die Partei des Herrn JeZek angehörte, datz im Jahre 1929— und zweifellos mit Zustimmung des noch lebenden Svehla— der Bürgerblock von der grotzen Konzentration abgelöst wurde, der die Partei des Herrn JeZek bis zum Februar 1934 angehörte, datz Jejeks Ruf, wenn er Gehör fände, demnach eine vieljährige Entwicklung, die in auhenpoliti- schcn wie innerpolitischen Interessen des Staate- gleich lies verwurzelt ist, rückgängig machen würde. Gerade diesen Rückfall in überholte Formen des Regierens hat am 19. Mai wenigstens das tschechische Volk, wenn auch leider nicht das ludetendeutsche, sehr deutlich abgelehnt. Eine solche Argumentation durfte freilich aus Herrn JeZek nicht viel Eindruck machen. Die Taktik des Närodni Sjodnocent ist nicht das einzige Beispiel dafür, datz eine angeblich neue politische Idee sich bei näherem Zusehen als altes, abgebrauchtes Schlagwort entpuppt, und keineswegs das markanteste. Interessanter ist die Begründung, die H^rr JeZek seinem Vorschläge gibt. Die KoalitionSpartcien verfolgen engherzige, parteipolitische Interessen. Das Närodni Sjednoceni hingegen vertritt die Interessen der Nation und des Staates, woraus folgt, datz die anderen Parteien sich feiner Führung zu unterwerfen haben. »Der Staat bin ich", das war immer die Parole der antidemokratischen, autoritätssüchtigen politischen Faktoren, einst der Schlachtruf des Absolutismus, Leute der fascistischen Reaktion. A» Herr Abg. JeZek geht so weit, datz er sogar der Hlinkapartei die höhere staatsmännische Weih« verleiht und beklagt, datz sie aus parteimäßigen Gründen außerhalb der Legierung belassen wurde. Das mag wohl sein, aber eS scheint doch, datz dir parteimätzigen Gründe bei den Ludäci zu suchen sind. Wie aber steht es Mit der staatsmännischen Legitimation dcS Närodni Sjednoceni? Die Nationaldemokraten haben vom Sturz der rotgrünen Koalition bis zum Feber 1934 mitregiert. Sie sind für alles mitverantwortlich, was auch die jetzige Partcienkonstellation bis Feber 1934 getan hat. Bis Feber 1934 war das Staatspolitik, seit Feber 1934 ist es Partcipolitik. Die Nationaldemokraten sind aus der Regierung ausgetreten, weil die Zivnostenskä banka sich der Devalvation der Krone, der bisher immerhin wirksamsten wirtschaftspolitischen Maßnahme dieser Koalition, widersetzte. Sie sind seither gegen alles Sturm gelaufen, was sie bis dahin mitbeschlossen hatten und sie waren in den Mitteln dieser Agitation keineswegs wählerisch. Sie vereinigten sich schließlich mit Stiibrnhs Liga, die ihre staatsmännische Veranlagung dadurch bewiesen hat, datz sie, selbst mit Affären reichlich belastet, die Ausschlachtung persönlicher Affären betrieb und die Abschaffung der gebundenen Kandidatenlisten zu ihrem einzigen Programmpunkte machte, bis sie in der Nachahmung hitlerischer Agitationsmethoden ein geeigneteres Lockmittel für Dumme zu finden glaubte. Aber das alles macht nichts. Malypetr, Benes, Srämek, von B e chy n i und Cz« ch gar nicht zu reden, sind Parteiagitatoren, aber Staatsmänner sind K r a m ä t, der einer wechselvollen, aber ehrenhaften politischen Laufbahn dadurch ein Ende setzte, datz er sich mit dem Manne verband, der vom Mangel an Beweisen lebt, dieser Mann selbst, dann Herr Prof. H o d ä t, der die Führung einer grotzen Wirtschaftsorganisation der Stvatzenagitation opfert« und dabei um sein Mandat kam, und schließlich auch Herr Karel K u t, der beschuldigt wird, von einer fremden Macht Geld genommen zu haben, nachdem er vorher durch die Herausgabe eines pornographischen Blattes bekannt geworden war. Er wäre wirklich der Gipfelpunkt staatsmännischer Einsicht, wenn die Träger der politischen Verantwortung sich der Führung dieser Männer unterstellten und das im Namen der Nation und des Staates l Aber der innigste Herzenswunsch des Herrn JeZek ist doch dieBefeitigungderdeut- ichen Parteien aus der Regie- r u n g. Er ist entsetzt über den Maffenanhang, den Henlein im sudetendeutschen Volke gefunden hat, und empfiehlt gleichzeitig das Mittel, das am geeignetsten wäre, diesen Anhang noch zn vermehren. Herr JeZek sieht nicht, oder will nicht sehen, daß der Wahlsieg Henleins nicht etwa dem„zu tfudetendeuisdicr Zeitspie&ef Sudetendeutsche Partei im Dienste der Unternehmer Industriellenvertreter wirbt für Standesgruppe der Arbeiterschaft Unser Karlsbader Bruderblatt„Volkswille" hat das Verdienst, mit konkreten Unterlagen aus die systematische Arbeit hinzuweisen, die die SDP unter den Lohnsklaven im Interesse der Unternehmer in dieser Zeit vornimmt. In einem großauf» gemachten Treispalter berichtet der„BolkSwille" über eine am 17. Juni inMähr.- Schönberg abgehaltene Versammlung der SDP, in welcher die Gründung einer Standesgruppe der Arbeiterschaft vollzogen wurde. Das Referat in dieser Arbeiterversammlung erstattete merkwürdigerweise der Unternehmervertreter Ingenieur Robert S i e g l, der nach Ansicht des„Führers" offenbar der berufene Mann ist, um über das Thema:„Stellung des Arbeiters und Unternehmers im Wirtschaftsleben", vorzutragen. WoS sagte denn dieser Sendbote des Herrn Henlein den Arbeitern von Mähr.-Schön» berg? Nicht viel Neues und auch nichts, was mit unserer Zeit im Zusammenhänge steht. Er machte sich seine Aufgabe sehr leicht und begnügte sich damit, die Phrasemvon der Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern wie sie schon in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verzapft wurden, zu wiederholen. So z. B.: Der Unternehmer ist der Kopf des Ganzen. Er mutz sich sorgen, datz die Arbeiter ein« Beschäftigung haben. Er hat „1. die Pflicht, di« ihm gehörigen Produktionsmittel so zU verwenden, datz die Werte, di« mit Hilfe dieser Produktionsmittel geschaffen werden, einer möglichst grotzen Anzahl von Volksgenossen zugute kommen und ihnen Arbeit und Verdienst schaffen. 2. hat er die Pflicht, tatkräftig und mit Einsatz seiner ganzen Person mitzuarbeiten, ja nicht nur das, er hat auch die ganze Verantwortung für das Gedeihen des Unternehmens und damit für alle seine Mitarbeiter zu tragen, mit einem Wort, ' er darf nichts anderes fein, als der erste Arbeiter feines Unternehmens." Es kommt nun die Aufzählung der grotzen Leistung des Unternehmers als eines unermüdlichen SargerS für das Wohl seiner Arbeiter, einer Leistung,„die nicht gerade innerhalb der vorgeschriebenen täglichen Arbeitszeit von acht Stunden ^^fletstet werden kann, sondern die d^n.Unternehmer ost Tag und Nacht und auch während seiner Er- holungszeit auf Spaziergängen usw. in seinen Gedanken beschäftigt." Und immer strahlender und strahlender wird das Bild des Unternehmers I Was kennt er alles, wie rackert er sich, wie mutz«r physisch und psychisch ein ganzer Kerl sein: Er mutz„die praktische Handarbeit au« eigener Erfahrung kennen", mcht minder wichtig ist es,„datz der Unternehmer ein guter Menschenkenner" ist, er mutz dafür sorgen,»daß der Arbeiter auch Interesse und Freude an seiner Arbeit hat" er mutz sich darum kümmern,»datz der Arbeiter die Ueberzeugung bekommen mutz, datz sich der Unternehmer auch um ihn kümmert und für ihn sorgt", er mutz dann und wann„durch eine Kleinigkeit der Arbeiterschaft al« solcher eine kleine Freude machen". So und ähnlich redete der Siegl, ohne daß ihn einer der Arbeiter beim Schlafittchen genommen und ans dem Versammlungslokal hinaus« befördert hätte. Im Gegenteil: der Erfolg der Bergroßen Entgegenkommen" geschuldet ist, das nach der Lesart der„Närodni Listy" den Deutschen in diesem Staate entgegengebracht wird, sondern der Berzweiffung eines von der Not gequälten Volkes, das in dieser Not die moralische und geistige Widerstandsfähigkeit gegen Seelenkauf und demagogische Phrase verlor. Die wahre staatsmännische Aufgabe ist es, die Ursachen dieser blinden Berzlveiflung zu beseitigen, nicht die deutschen Parteien, die an dies er staatSmännis chen Aufgabe Mitwirken wollen. Nickt die allnationale Koalition wird es schaffen, sondern nur Arbeit und Brot für die Hungernden und die Anerkennung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Deutschen, die mit energischem Einschreiten gegen staatsfeindliche Umtriebe keineswegs unvereinbar ist, ihm vielmehr erst die gehörige Wirksamkeit verschaffen würde. Die Frage ist leicht zu beantworten, wessen Parteiinteresse mit dieser staatsmännischen Aufgabe im Widerspruch steht. Unser Parteiinteresse ist die soziale und kulturelle Hebung der arbeitenden Massen, also der ungeheuren Mehrheit des Volkes, des sudetendeutschen zunächst, dem wir angehören, aber im Verein mit allen demokratischen Kräften des tschechoslo- wakischen Volkes auch die soziale und kulturelle Hebung der ungeheuren Mehrheit der gesamten Bevölkerung im Staate. Und dieses Parteiinteresse ist mit dem wahren Interesse> des Staates durchaus im Einklänge. Es wird zum vollen Durchbruche gelangen, wenn die werftätigen Massen dem Herrschaftsanspruch reaktionärer Machtgruppen: der Staat bin ich! den berechtigten Anspruch der Volksmaffen entgegensetzen: der Staat sind wirk sammlung scheint groß gewesen zu sein, denn die Ortsgruppe des JnhustriellenverbandeS in Mähr.- Schönbexg war so begeistert, daß sie«inen Bericht an den Haupwerband der Industrie weitergab und die Leitung des Verbandes ersuchte, allen Mitgliedern der Jndustriellenvereinigung, die in der Versammlung entwickelten Gedankengänge und den Verlauf der Gründungsversammlung des Arbeiterstandes der STP in Mähr.-Schönberg näherzubringen. Die Henleinleute haben sofort gemerkt, daß man die Arbeiter, die heute vor Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, aller schlucken, mit den dümmsten Mätzchen an die Leine der Unternehmer bringen kann. Und die Unternehmer werden, soweit sie dar noch nicht begriffen haben, sehr rasch verstehen, was die SPD für sie bedeutet. Eine Stelle des Berichte- über die Gründungsversammlung in Mähr.-Schönberg sagt ihnen das schon mtt aller Deutlichkeit; eS heißt dort: Irbeitslosenzlffer inNordböhmen um 5.44 Prozent gesunken Mit Ausnahme der schulentlassenen Lehrlinge und Lehrmädchen und den Angehörigen von drei Berufsgruppen ist bei allen Berufiategorien im Juni eine Verminderung der Arbeitslosenziffer in Nordböhmen eingetreten, und zwar von 124.858 auf 118.055, also um 8083«Her 5.44 Prozent.»Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Nordböhmen ist weiter geringer als in der gesamten Republik, wo er 9.5 Prozent beträgt und auch geringer als in Böhmen, wo er 7.7 Prozent auS- macht. Das ist zum Teil auf die starke Industrialisierung NordbühmenS, di« verhältnismäßig schwache Landwirtschaft und nicht zplcktzt auf die schwache Bqubewegung zurückzuführen.. Zählen wir doch Ende Juni 11.398 arbeitslose Bauarbeiter in Nordböhmen, inmitten der Saison eine fast noch nie gekannte Ziffer im Baugewerbe. Im Vergleich mit Ende Juni 1934 zeigt sich Heuer eine Erhöhung der Anzahl der Arbeitslosen um 2699, d. i. um 2.34 Prozent,(im ganzen Stgateum 3.40 Prozent), gegenüber Juni 1933 jedoch ein Rückgang um 26.698, d i. um 18.44 Prozent, und gegenüber Juni 1932 ebenfalls noch ein Rückgang um 2048, d. i. um 1.70 Prozent. Bon den 602.760 im ganzen Staate angemeldeten Arbeitslosen entfallen auf Nordböhmen noch 19.58 Prozent. Die gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung mit dem Staatszuschutz erhielten 29.132 gänzlich und 14.547 zeitweise Arbeitslose. Noch Immer zuviel Verstand? Auf dem BundeSfestin Egex sprach auch der aus dem deuffchen Teil Böhmens stammende Schriftsteller Bruno Brehm über„deutsche LebenSordnung". Brehm, der k. u. k. Offizier gewesen ist, hat eine Reihe lesenswerter und sprachlich-künstlerisch auf hohem Niveau stehender Romane geschrieben. Ihr« Tendenz war eher altösterreichisch-kaiserlich als deutschnationalplebejisch. UM so mehr mußte es einen wundern, daß gerade dieser Autor unter den ersten war, die sich ostentativ zu Hitler bekannten. Damit hat er sich natürlich in einem auch den Weg zur Hestlein- partei geebnet. Was er in Eger zu sagen hatte, beweist nur, daß die Krankheit, die ihm 1938 befallen hat, rapide Fortschritte gemacht haben muß. Bruno Brehm sagte laut„B o h e m i a" unter anderem: Di« Wege, die un» der Verstand, dieser erfindungsreich« und doch so hilflose Verstand, vom wahren Wege weggeführt hat, müssen mühsam zurückgegangen werden, weil sie alle an den Abgrund geführt haben. Daß die Wege dcS deuffchen Bürgertums zum Abgrund geführt haben, der sich 1914 bis 1918 austat, und daß sie trotz dieser Erfahrung aufs neue, zum Abgrund führen, steht zu Recht. Daß es aber der B e r st a n d gewesen ist, der diese Wege gewiesen hat, ist eine durch nichts zu beweisende Behauptung. Es war ein erschrek- kender Mangel an Verstand, dem dieses Ergebnis zu dankest ist. Und wenn Brehm die deutschen Bürger von den Abwegen des Verstandes auf die Heerstraße der Dummheit zurückfüh- ren. will, so wird er keine große Mühe und lei« nen l a n g e n Marsch haben. Es ist eine Selbstüberschätzung der deuffchen Bourgeoisie, wenn sie glaubt, sie sei auf dem Wege des Verstandes zu weit vorgedrungen. Es waren höchstens Einzelne und eS waren seltene Exemplare der Gattung„deuffcher Bürger", die dem Verstand folgten. Die große Bürger-Masse, eben die, zu welcher Bruno Brehm in Eger gesprochen hat, hat nie mit dem Geist gegen das dumpfe Gefühl gesündigt, sondern weit öfter Unzucht wider den Geist getrieben und e» aalt von ihr, waS R ü k- „Wenn die allgemeine wirffchaftliche Lage es in der Zukunft wieder einmal notwendig erscheinen lassen sollte, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Erzeugnisse zu erhalten, allgemeine Lohnkürzungen vorzunehmen, dann müssen die wirtschaftlichen.Nor- wendigkeiten offen und ehrlich zwischen Arbeitern und Unternehmern besprochen und im beiderseitigen Interesse ein Ausweg gesucht und gefunden werden." Aber trotz alledem! Man muß der SDP für die Offenheit, mit der sie für die Unternehmer an die Arbeit geht, dankbar sein. Es wird so nicht schwer sein, den Kampf gegen sie aufzunehmen. Und dieser Kampf muß unverzüglich von den Gewerkschaften, der Partei, der gesamten Arbeiterbewegung, im Interesse unseres Volkes, das auf erbärmlichen Wegen gleichgeschaltet und versklavt werden sofl, ausgenommen und mit aller Schärfe und mit allen Mitteln geführt werden. Er wird, was immer man auch heute im Lager der SPD darüber sagen mag, mit einer Niederlage der „Volksgemeinschaft", die von Henlein und den Unternehmern errichtet wurde, enden, weil allen reaktionären Methoden und Scheinerfolgen zum Trotz die Welt und die Menschheit schon auf Grund geschichtlicher Gesetze die Wege der Vernunft gehen I muß, wenn sie nicht zugrunde gehen will. kert in dem sinnigen Pers sagte:„Phantasie das Riesenweib, saß zu Berg, hatte neben sich zum Zeitvertreib, Witz den Zwerg der V e r- stand, abseits stand"! Was Brehm fordert, ist von denen längst erfüllt wordtn, an die er die Forderung richtet, und einem Egerer Bundesfest die Botschaft eines Kreuzzuges gegen den Verstand zu bringen, heißt Eulen nach Athen tragen. Mit fremden Federn schmücken sich unsere Henleinfascisten, weim sie in der bürgerlichen Presse verlautbaren: „Die Interpellation der Sudetendeuffchen Partei ist von Erfolg begleitet gewesen: Ms erste Staatshilfe wurde Freitag ein Betrag von 150.000 KC als Vorschuß für die von der Unwetterkatastrophe im Erzgebirge Betroffenen Überwiesen." Jedes Kind weiß, daß die Zuwendung erfolgt ist auf Grund der Vorsprache unserer Genossen Abg. De Witte und Katz, die als die ersten Parlamentarier in den betroffenen Gemeinden waren und dort die nativendigen Erhebungen pflogen. Daß. sofort 150.000 Kronen zur Verfügung gestellt wurden, haben also die Geschädig- ten den Sozialdemokraten zu danken. Flucht eines gefährlichen Einbrechers aus der ZwangSarbcüsanslalt. Der bekannt« Kqssenein- brecher Franz Grünt wurde zur Berbüßung seiner Strafe in die ZwangarbeitSanstält in Mährisch-Schönberg eingeliefert. In den fetzten Tagen arbeitete er mtt anderen Sträflingen in Temenitz und diese Gelegenheit benützte er zur Flucht. Die Gendarmerie eröffnete sofort die Nachforschungen nach dem Flüchtling, doch blieben diese bisher erfolglos. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Grünt sich in der Olmützer Gegend aufhält, Wo er eine Meng« Bekannte hat. Alttürgermeister Jakob gestorben. Dienstag morgens ist in Karlsbad im 71. Lebensjahr« Ali- bürgermeister Hermann Jakob gestorben, yakpb trat gls Deutschnationaler im Jahre 1898 in das Stadwerordnetenkollegium ein, gehörte später dem Stadtrate an und bekleidete seit dem Umswrze nach den ersten Gemeindewahlen dar Bürgermeisteramt. Ende 1933 schied Jakob infolge der Auswirkung des Bereinsgesetzts aus seinem Amte. Ratstagung der Kleinen Entente am 15. August in Belgrad Laibach.„Slovanec" erfährt aus Bled, daß Ministerpräsident und Außenminister Stoja- d i n o v i t seinen Kollegen von der Kleinen Entente vorgeschlagen habe, daß der Rat der Kleinen Entente für den 15. August nach Belgrad einberufen werde. Die letzte Tagung des Ständigen Rates der Kleinen Entente ist bekanntlich kürzlich wegen der jugoslavischen Ministerkrise verschoben worden. London. Die Zusatzkredite für das Militärflugwesen belaufen sich auf mehr als 5 Millionen Pfund. Im ganzen betragen die Zusatzkredite 11,750.000 Pfund Sterling. Washington. Der mUitärifche Ausschuß deS Repräsentantenhauses eröffnete eine Aktion, deren Zweck es ist, den Kongreß von der Notwendigkeit zu überzeugen, 40 Millionen Dollar für den Bau von 600 bis 800 neuen Militärflugzeugen zu widmen. Das Kriegsministcrium teilte dem Ausschuss« mit, daß das amerikanisch« Fluawesen 710 neu- Flugzeug« benötige G Beiter Mittwoch, 17. Juli 1835 Nr. 164 Da» Autounglück de» Bundeskanzler» Schuschnigg Man sieht hier das zertrümmerte Auto, das gegen einen Baum gerast war. TiKesnealgLelKa Begräbnis unter dem Klero-Faseismus Die Einäscherung Huebcrs. Zu dieser Meldung in der Sonntagsnummer unseres Blattes wirb uns nachträglich aus Wien mitgeteilt, daß die Einäscherung des Genoffen Anton Hueber unter einem starken Polizeiaufgebot vor sich ging. Vor dem Krematorium befand sich ein U e b e r f a l l k o m- ma n d o. Je sechs gut bewaffnete Wachleute unter Führung eines Polizeioffiziers standen in der Halle zu beiden Seiten des Sarges und in den Nebenräumen waren ebenfalls gut ausgerüstete Polizeiorgane untergebracht. Es fehlte auch nicht an „Gehet m« n", die unter den Trauergästen hcrumhorchten. Die Wiener Polizeibehörde hatte nach vielen Verhandlungen, seit den Feberereignissen zum ersten Male, erlaubt, daff. am Sarge des Toten Abschieds Worte-gesprochen werden durften unter der Bedingung) daff politische und staatliche Fragen nicht berührt werden. Es sprachen aus der Tschechoslowakei die Genoffen Senator Brodecky und Abg. Schäfer. B r o- d e c k y sprach für den Internationalen Gewerkschaftsbund und für die tschechoslowakischen Gewerkschaften vom O. S. C. und Schäfer in Vertretung der Zentralgewerkschaftskommission des deutschen Gewerkschaftsbundes. Das Lebenswerk Huebers würdigte in einer tief ergreifenden Trauerrede sein jahrelanger Mitarbeiter auf gewerkschaftlichem Gebiete, der Wiener Genosse K a r l W e i g l. Seine letzten Abschiedsworte an den toten Führer und Freund waren begleitet von dem Schluchzen aus der Masse der Leidtragenden, die die weite Halle füllte. Ein Mann, der rief:„W ir wollendaS Lebenswerk Huebers, die Gewerkschaften, zurückhaben, das man uns geraubt hat", wurde natürlich festgenommen und abgeführt! Kein Tag ohne Flugzeugkatastrophe London. Auf dem Flugplatz in Heston stürzre ein Flugzeug ab und geriet in Brand. Zwei Passagiere wurden getötet und sechs schwer verletzt. Das Flugzeug sollte die Paffagiere nach Spithead bringen, wo König Georg die Marineübungen leitet, die den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten bilden. Zu dieser Festlichkeit haben sich bereits Hunderttausende von Zuschauern eingefunden. 13 Dortmund. Die Zahl der Toten des Grubenunglücks in Dortmund hat sich auf 13 erhöht. Von den im Krankenhaus untcrgebrachten Verletzten sind in der Nacht zwei Bergleute ihren Verletzungen erlegen. Ein schweres Autounglück bei Sandau Lin Toter— zwei Schwerverletzte Am verflossenen Sonntag, in den frühe« Morgenstunden, hat sich an der Ortsgrenze von Groh-Bo cken bei Sandauein schweres Autounglück ereignet, dem ein Menschen- leben zum Opfer fiel. Etwa gegen vier Uhr früh fuhr ein viersitziges Praga-Personenauto von Sandau gegen B.-Kamnitz. Gelenkt wurde der Wagen von dem Chauffeur Liebisch aus B.-Kamnitz, im Wagen sahen ferner der Besitzer John und deffen löjähriger Bruder auS G e r S d o r f und der Besitzer einer Autoreparaturwerkstätie, namens Goth aus B.-Kämnitz. In der Kurve am, Ortscingang von Groff- Bocken scheint der Wagenführer die Herrschaft übel den mit erheblicher Geschwindigkeit fahrenden Wagen verloren zu haben und das Auto raste an eine starke Gartenmauer: Die Wirkung des Anpralles war furchtbar. Der vordere Teil des Aritos wurde vollständig zertrümmert. Der 39- jährige Liebisch, der den Wagen steuerte, wurde aufderStelle getötet. Es wurde ihm der Brustkorb eingedrückt, mehrere Rippen gebrochen und die Lunge zerrissen. Der 16jährige John und Goth erlitten mehrfache, zum Teil sehr s ch w e re Verletzungen und mußten sofort in das Kamnitzer Krankenhaus überführt Werden. Der Besitzer des Autos erlitt leichtere Verletzungen. Gestern nachts bemerkte ein Gefängniswärter irr Pankrac, daß sich-auSmeinem Zellenfenster ein Mann auf" ein Seil schwang, auf dein er sich in den Hof herunterließ.’ Das Seil hatte der Flüchtende aus Leintüchern gedreht und außerdem warf er einen Strohsack auf den Hof, um beim Abspringen keinen Schaden zu nehmen. Der entsprungene Häftling, Josef S r b, kroch längs der elektrischen Leitung empor und beabsichtigte, in einen Gang zu kommen, wo Parteien verkehren, um am Morgen ungehindert das Gebäude zu verlassen. Inzwischen wurde Alarm geschlagen und Polizei und Gefängniswärter machten sich daran, den gefährlichen Mann zu verhaften. Beim Kriechen längs der Leitung rutschte Srb aus und fiel aus erster Stockwerkshöhe zu Boden, ohne Schaden zu nehmen. Seine Verfolger, die auch Schreckschüsse abgegeben hatten, warfen sich nun auf den Gefangenen, fesselten ihn und führ- Helden des Alltags Die Zeit neigt zum Kolossalischen, zu Mammut-Veranstaltungen. Da bricht prangend und prunkvoll ein Stück Mittelalter in unsere Tage; in rotem Purpur, in goldener Staatskaleschc kommt ein Abgesandter des Papstes gefahren, j Tausende und Abertausende säumen gaffend die Straße und für 72 Stunden scheint es, es habe hier in Prag nie einen Hus und nie einen ZiZka gegeben. Die Zeit neigt zum Kolossalischen,' zu Mammut-Veranstaltungen.. Auf dem sportlichen Gebiete sehen: wir es augenblicklich an der Tour de France. Ein grandioses Fressen von Kilometern! Ein heroischer Kampf der sogenannten Giganten der Landstraße! Stetig Mann treten vier Wochen lang die Pedale, kämpfen um den Sieg, wie zum Tode Verurteilte nicht einmal um ihr Leben kämpfen würden, und Millionen stehen am Weg, stundenlang harren sie auS, um auch nur einen flüch- Schwere Wolkenbrüche in Spanien Madrid. Die Provinzen Terouel, Alicante und Cuenca wurden von Stürmen und Wolkenbrüchen heimgesucht. Zwei Personen wurden vom Blitz getötet. Die Wolkenbrüche verursachten Ernteschäden in der Höhe von mehreren Millionen Peseten. TeilweiseEiuftelluug der Persone«- fchisfahrt ans der Elbe Die unerhörte Trockenheit hat die Schwierigkeiten, die bereits seit einiger Zeit bei der Elbeschiffahrt zu verzeichnen waren, in den letzten Tagen noch erhöht. Schon bisher war es nur unter den größten Schwierigkeiten möglich, den Verkehr der Pevsonenschiffahrt aufrechtzuerhalten. Die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft sah sich am Samstag genötigt, den Verkehr auf der Strecke Aussig— Leitmeritz einzustellen. Man rechnete damit, daß die Einstellung nur vorübergehend nötig sein werde, doch ist noch nicht abzusehen, wenn der Betrieb wieder ausgenommen werden kann. AufderStrecke Aussig— Dresden bleibt die Persone n s ch if fahrt aufrechterhalten. Die Elbeschiffahrt hat in den letzten Jahren keine gute Zeit gehabt. Auch im vorigen Jahre mußte infolge des durch die Trockenheit bedingten niede- rigen Wasserstandes der Verkehr zeitweise eingestellt werden. Schätze aus gesunkene» Schiffen Brest. Der italienische Dampfer„Artig- li o", der sich auf die Bergung untergegangener Schiffe spezialisiert hat und der aus dem Innern des untergegangenen Dampfers„Egypt", der im Meere in einer Tiefe von 70 Fuß in der Nähe der britischen Küste liegt, Gold- und Silberbarren im Werte von etwa vier Millionen Francs geborgen hat, beabsichtigt, ein zweites Mal zu dem gesunkenen Dampfer zurückzukehren und im Schiffsinneren nach weiteren Wertgegenständen zu suchen. Eisenbahn und Pferdefuhrwerk. Auf der Eisenbahn Jseo Soresina(Italien) wurde ein Pferdefuhrwerk von einem Zuge erfaßt, als es gerade die Schienen überqueren wollte. Von der ten ihn in ein« Zelle ab) aus der er nicht entspringen kann. Srb,.der 81 Jahre alt ist, ist neunmal vorbestraft. Vor dem Krieg ermordete er eine Trafikantin in Karolinenthal und wurde zu z w a n z i g Iah- ren schweren Kerkers verurteilt. Nach dem Umsturz wurde er wegen R a u b s zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die Strafe sollte er in Karthaus abbüßen. Es gelang ihm zu entspringen. Einige Jcchre darauf wurde er gefangen und seit 1934 sitzt er in Pankrac. Die gestrige Flucht bewerkstelligte er, indem er mit Feilen, die er in einem Bruchband versteckt hatte, die starken Gitter durchsägte. Srb stand in letzter Zeit in ärztlicher Behandlung. Die Flucht dieses gefährlichen Verbrechers wird eine Verschärfung der Gefangenenkontrolle in Pankrac zur Folge haben. tigen Schatten der Vorübergehenden zu erwischen. Ruhm für den Aufglitz einer Sekunde. Ruhm für die Dauer der Ehrenrunde. Die mit verschärfter Haut, mit verquollenem Kopf, mit gebrochenen Knochen in den Spitälern liegen, sind schon längst vergessen? Die Zeit neigt zum Kolossalischen, zu Mammut-Veranstaltungen. Sie neigt zu dem, was ihr mit Gewalt oder mit Dreistigkeit in die Augen springt. Das Selbstverständliche, und mag cs noch so heroisch sein, achtet sie nicht. Da hat eine Schrankenwärterin durch ihre Geistesgegenwart ein großes Eisenbahn-Ünglück verhütet.> Die bürgerliche Presse brachte diese Meldung in zweü drei, trockenen Zeilen. Es ist ja nur ein« Schrankenwärterin, eine Proletarierin, kein purpurgeschmückter Kardinal- Legat, kein Tour-de-France-Fahrer» kein toter Feldmarschall, der in Afrika frischfröhlich einen Krieg anfacht. Und doch: Diese Schrankenwärterin, diese Neue Aussagen gegen Krajkovik Preßburg. Beim Untersuchungsrichter meldete sich am Dienstag eine neue Zeugin gegen den Wachmann K r a j c o v i c, der unter dem Verdacht steht, eine ganze Reihe von Frauenmorden begangen zu haben. Die Zeugin, eine vierzigjährige Bedienerin im Staatlichen Krankenhaus, gibt an, sie sei im Jahre 1932 zufällig mit einem Wachmann bekamst geworden, der sie zu einem Spaziergang aufforderte und sie dann abends in einem Park trotz ihrem Sträuben vergewaltigte. Als sie dann in andere Umstände geriet, suchte sie vergeblich den Wachmann aufzutreiben, von dem jie nicht einmal den Namen kannte. Das Kind sei aber nach ein paar Tagen gestorben. Die Zeugin will in Krajkoviö bestimmt jenen Wachmann erkennen. Auf dem Rückwege habe er sie damals noch gefragt, ob sie nicht e i n Mädchen mit einer größerenMit- g i f t kenne, da er Geld brauche. Im Jänner 1932 hat Krajäovie ferner bei einem Großkaufmann in Prcßburg um 30 Kä drei Kisten erstanden, die er angeblich zur Uebersiedlung benötigte. Krajäoviä transportierte die Kisten am Abend mit einem unbekannten Burschen auf einem Handwagen ab. In der Wohnung wurden die Kisten nicht gefunden. Wozu sie Krajcovico brauchte, ist vorläufig ungeklärt. vierköpfigen Familie, die im Wagen saß, wurden alle bis auf ein zweijähriges Kind, das unverletzt blieb, getötet. Im Atter von 102 Jahren und neu« Monaten ist in Paris der Doyen der medizinischen Akademie Dr. Gueniot gestorben. Er war während des Krieges von 1870/71 Leiter einer Lazarettadtei- lung. Außer seinen medizinischen Arbeiten hat er anekdotenhafte Erinnerungen an Alt-Paris aus dem Krieg« von 1870/71 und der Herrschaft der Kommune veröffentlicht siUvie ein Buch mit dem Titel: „Wie mutz man lüden, um 100 Jahre alt zu werden" geschrieben. Dieses Buch hat nach seinem Erscheinen bereits mehrere Neuauflagen erlebt. Motorlos« Flugzeuge in de» Ural. Der Zentralaeroklub der USSR organisiert eine Exkursion motorloser Flugzeuge in den Ural. Die Exkursion wird aus drei Luftzügen oestehen, die von einem Mowrflugzeug geschleppt werden.^ Der Zweck der Exkursion ist es, im Ural geeignete Partien für Segelflüge zu finden, sowie wissenschaftliche Forschungen durchzuführen. Abgestürzt. Wie aus Mittelberg im kleinen Walsertal gemeldet wird, ist der 23 Jahre atte Bautechniker Eduard Ellenrieder aus Ravensburg beim Versuche, die Nordwand des Widdersteins zu beklettern, abgestürzt. Er blieb auf einem Felsvorsprung« mit, zerschmetterten Gliedern tot liegen! Die Bergung der Leiche war sehr schwierig. Glimpflich abgelaufen. Montag nachmittags versagte bei einem tschechoflowakischen Autobus, der mit 30 Personen, größtenteils deutschen ch r i st- lichsozialen Turnern aus Zwittau besetzt war, die sich an dem Linzer Kongretz der österreichischen christlichen Turn«r beteiligt hatten, auf der Fahrt von Kernhof nach St. Aegyd in der Näh« von Mariazell plötzlich die Bremse, so datz die Jnsaffen in grötzte Gefahr gerieten. Der Chauffeur verlor aber nicht die Gesstesgegenwart und lenkte den Wagen auf eine sumpfige Wiese, wo der Wagen stecken blieb. Nur acht Insassen erlitten leichtere Verletzungen. Vom Rundfunk ÜMphlilMiwvtu au*»en Programmen« Donnerstag: Prag, Sender L: 10.08: Deutsche Press«, 11: Schallplatten: Dvokak, 12.10: Russische Lieder, 12.30: Mittagskonzert, 16.30: Salonorchester, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Bach: Kaffee und Tee in ihrer Bedeutung für die Botts- und Finanzwirtschaft, 19.25: Buntes Programm, 21.50: Lieder österreichischer Komponisten. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14,15: Deutsche Sendung: Donauabwärts zum Schivarzen Meer.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. O. Frey: Großstadt« Hygienie, 18.20: Schallplatten: Puccini, 22.30: Italienische Lieder.— Preßburg 18.05: Klavierkonzert, 21.30: Liederkonzert. einfache Frau, ist mehr wert als sämtliche toten Marschälle, mehr wert als sämtliche prunkenden Veranstaltungen, die zu nichts dienen, als zum Sensationskitzel und dazu, das Geld von einer Tasche in die andere zu jagen. Diese Schrankenwärterin hat Menschen gerettet. Einen ganzen Zug voller Menschen. Diese Schrankenwärterin hat Leid und Tränen von ungezählten Familien abgewendet und all das unter Aufbietung und Einsatz des eigenen Lebens. Unsere Zeit liebt das Kolossalische, daS Mammutmäßige. Unsere Zett täte besser daran, auf das Kleine zu achten, auf das im Schatten Lebende. Denn unsere Zeit könnte auch bestehen ohne tote Marschälle und ohne lebende Kardinäle, sie könnte bestehen ohne Tour-de-France-Fahrer, ohne Boxer, ohne Filmdiven, ohne große gott- und reklamebegnadete Künstler. Aber sie könnte nicht bestehen ohne die vielen Tausend Unbekann« ten, die an gesährdeten Stellen als Wächter stehen. W. Fluchtversuch in Pankrae Der Mörder mit der Felle im Brachband Die Tragödie der Ueberschwemmung 400-000 Chinesen obdachlos Schanghai. Das Aeberschwem mungsgebiet des Gelben Flusses dehnt sich«och Wetter aus. Jetzt ist auch der Süden der Provinz Hopei von den Fluten erreicht worden. MehralsZvü Dörfer wurden unter Wasser gesetzt. 400.000 Chinesen sind durch die Ueberschwemmung dieses Gebietes obdachlos geworden. H jetzt zur Einfuhr freigegeben wurden. Der Nim- Zug«lassene FUmc. In der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tsche- choslowakei fteigegeben: zwei deutsche Filme„Der Vetter aus Dingsda"(Arko-Film),„Zwischen Himmel und Erde"(Lepka-Film) und acht amerikanische Filme»Der Kriegsberichterstatter",„Der Fall des Kommissärs Coll"(beide Koruna-Film),„Die tanzende Venus",„Liebe nach Noten",„U-Boot A. L. 14",„M ata Har i" und„Sequoia" SPD-Emigranten! Donnerstag, nachmittags halb 5 Uhr Arbeitsgemeinschaft im Parteiheim Nä- rodni Nr. 4. Thema:„Masse oder Elite". Lteratur Wie führe ich vor einem Arbeit?-Schieds- oder Berficherungsgericht einen Prozeß? Unter diesem Titel bat Adolf Brumlik— der als volkstümlicher Erklärer bestimmter Gebiete des Arbeitsrechtes schon bekannt ist— eine kleine Broschüre erscheinen laffen.' Sie will es jedermann ermöglichen, eine Klage vor einem der im Titel genannten Gerichte selbst zu erheben und selbst zu führen. Man darf diese Absicht als gelungen bezeichnen. In schlichter, allgemein verständlicher Weise behandelt der Verfasser alle Teile seines Stoffes. Trotz der gedrängten Darstellung ist nichts Wichtiges unerwähnt geblieben. Die Broschüre ist als 18. Band der Bibliothek Sozialpolitik im Verlag deS Einheitsverbandes der Privatangeftellten.n Prag II. Na Zbokenei 18, erschienen. Preis: 2 Xc und Porto. Filme In Prager Lichtspielhäusern Alfa:„100 Tage". Jt.— Avion:„Madame Butterfly". A.— Sylvia Sydney.— 5-ettij: Geschloffen.— Flora:„Ihr Toreador". A.— Eddi« Cantor.— Gaumont:„Die goldene Katharina". Tsch.— A. Nedoöinfla.— Hvczda:„Fachmann fük Liebe". A.'— Eddie Cantor.— JitliS:„Das große Spiel". Fr.— Kinema: Journale, Grotesk«, Reportage.— Koruna:„H e j rupl" Tsch.— Vos lobet und Werich.— Lacerna:„Zirkus Barnum" A.—■ Wallace Berry.— Metro:„Leise flehen meine Lieder". D.— Maria Eggerth.— Passage:„Dagroße Spiel". Fr.— Praha:„Das schwarze As". A.— Staut:.Die blonde Venus". A.— Marlene Dittrich.— Svitozor:„Madame Butterfly". A.—• Sylvia Sydney.— Alma:„Salto in di« Seligkeit". D.— Belvedere:„Liebe unter Künstlern". A.—• Illusion:„DerletzteDiktator". Fr.— Renk Claire.— Raxy:„Das Gewitter". Ruff.— Nur bis Sonntag.— Sport:„Die Frau ün U-Boot". A. — G. Cooper, CH. Laughton. Verlanget überall Volkszünder Akzent wie die Chinesen, d. h. indem sie die Stimme heben oder senken, drücken sie eine andere Bedeutung aus. Manche Worte und Silben sind sogar identisch. Schließlich ist besonders bezeichnend, daß Wortstämme, die im modernen Chinesisch nicht mehr vorhanden sind, aber im primitiven Chinesisch Vorkommen, sich in beiden Sprachen, und zwar mit gleicher Bedeutung, vorfinden. Weniger weiß man über die anderen Stämme und deren sprachliche Herkunft. Am schwierigsten ist es abet in Zentral- und Südamerika, wo eine teilweise Verschmelzung mit den südeuropäischen Einwanderern stattfand und die Sprache bis zur Unkenntlichkeit verstümmeü wurde. Am rätselhaftesten sind die sogenannten„weißen Indianer", von denen Berichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert erzählen. Sie unterschieden sich nur im Aussehen, aber Sprache und Sitten waren die gleichen wie die ihrer rothäutigen Umgebung. Die Spuren dieser sonderbaren Menschen sind jedoch vollkommen verwischt. Der erste Wiener Theaterarzt Alljährlich ließen die Mitglieder der k. k. Schaubühnen in Wien einen Almanach für ihre Gönner erschein«,. In dem Almanach„Genaue Nachrichten von beyden k. k. Schaubühnen", 1772 zu Wien herausgegeben, rühmen mehrere Schauspieler und Schauspielerinnen in einer Danksagung die hohe Kunst des Theaterarztes, der sie vom sicheren Tode errettet hat; unter den unterzeichneten Künstlern ist auch Ritter Gluck, der Tonheros. Der Arzt, chem dieser Dank gilt, ist Josef vonQua- rin, k. k. mederösterreichischer Regierungsrat in Sanitätssachen und PhysikuS des Spitales der Barm herzigen Brüder und sein Name ist in den später regelmäßig erscheinenden Jahrbüchern der Wiener Hofbühnen vom ersten an als der eines Theaterarztes angeführt. Die Stelle war anfänglich eine unbesoldete Ehrenftelle. Joseph Freiherr von Ouarin war am 17. November 1733 als Sohn eines Arztes Peter Quarin geboren, 1751 wurde er Doktor, 1754 begann er in Wien Vorlesungen aus der Anatomie zu hallen, van Swieten, der Leibarzt Maria Theresias, wurde auf den jungen Lehrer aufmerffam, der daraufhin rasch aufftieg, kaiserlicher Rat, Regierungsrat, Sanitätsreferent und 1783 Leibarzt Josephs II. wurde. Als der Kaiser in Wien 1784 das Allgemeine Krankenhaus gründete, übertrug er die Leitung Quarin, den er am 5. Februar 1790, zwei Wochen vor seinem Tode, in den Frtiherrnstand erhob. Diese Ernennung gab Anlaß zur Bildung der Sage, Quarin habe dem Kaiser auf dessen Drängen gesagt, daß er unrettbar verloren wäre und der Kaiser habe, unter dem Eindruck der Offenheit des Arztes, diesen sofort geadelt. Leopold II. verlieh Quarin den Leopoldsorden. Franz I. ernannte ihn ebenfalls zu seinem Leibarzt. Die Wiener Universität erwählte ihn sechsmal zum Rector mag- nificus. Als Napoleon 1797 bis Leoben in der Steiermark vordrang, rief Quarin die Studenten auf und bewaffnete sie. Er verfaßte zahlreiche Fachschriften, die bekannteste dürfte„De curandis febri- bus et inflammattonibus commentatio", 1781 in Wien erschienen, sein. Joseph Freiherr von Quarin starb a>n 19. März 1814. Sein Andenken lebte noch lange in zahlreichen Anekdoten. Die Universität errichtet« ihm ein Denkmal, das jetzt im Arkadengang des neuen Wiener Universitätsgebäudes steht. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung MS Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—>, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunaSfrankatur wurde von der Post- und Tele» graphendirektion mtt Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:„Ork-iS". Druck-. Verlags- und 3eitungS-A.-G„ Prag.