15. Zahrgaug Freitag, 19. Juli 1935 Nr. 166 Kriegserklärung Görings an den katholischen Klerus Gott darf gegen die NSDAP nicht angerufen werden 911! I n. 3n feinet Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident und Chef der Geheimen Staatspolizei wendet sich General Göringin eine« Erlaß gegen die«ablehnende Haltung gewisser Streife des katholischen Klerus gegen den Nationalfazialismus und seine Einrichtungen" und kündigt an, daß er die Staatsbehörden angewiesen hat, mitallenMitteln gegen jene Mitglieder des Klerus vorzugehen, welche die„ Autorität ihrer geistlichen Stellung zu politischen Zwecken nrißgrauchen". In dem Erlaß heißt es n. a.» der nationalsozialistische Staat gewährleiste die Unversehrtheit der katholischen Kirche. Damit entfalle für die Kirche jede Beranlassmrg, über das Gebiet religiöser Betätigung hinaus politischen Einfluß anzustreben.«Sie darf daher weder Gott anrufen »egen diesen Staat, noch darf sie eigene politische KrSfte unter der Begründung organisieren, sie müsse ihr vom Staate drohende Gefahren abwehren." Dar Erlaß wendet sich sodann gegen die katholischen Jugendverbände und droht ihnen mit der Auflösung. Dieser Erlaß, der eine augenscheinliche Kriegserklärung an den katholischen KleruS darstellt, der den nationalsozialistischen Staat ablehnt, wird als Ablehnung der Note beurteilt, welche der Vatikan vor zwei Togen Deutschland als Protest»egen die Verletzung des unlängst vereinbarten Konkordats übersendet hat. Der Ministerpräsident verlangt von den ihm Unterstellteu Polizeibehörden, daß sie«die ganze Härte der bestehenden Be- stimmuugen" gegenüber der widerspenstigen katholischen Geistlichkeit in Anwendung bringen. An Berhastungen und Berurteilnngen von katho- fischen Priestern hat es in letzter Zeit keineswegs gefehlt, nunmehr aber sollen die Persekutionen planmäßig auf Grund zentraler Anweisung erfolgen. Bon den katholischen Religionslehrern soll gefordert werden, daß sie sich p o s i t i» für den nationalsozialistischen Staat einsetzen.. Es wird festgestellt, daß sich große de» »onstrative Prozessionen und Kirchen feste häufen und daß«an sich dabei «einer in der Bergangenheit noch nie dagewesenen Aufmachung und Werbung für diese Beraustal- t an gen bedient." Das Material, über das der Ministerpräsident verfüge,»ermittle den Eindruck, daß die politische Agitation unter der katholischen Bevölkerung ernsthafte, B er Wirrung anrichten könnte, wenn nicht für die entsprechende Gegenwirkung gesorgt wird. Besonders tadelnd wird konstatiert, daß von den Klerikern die Abkürzungen HA(Hitler-Nagend) auf Herz-Jesu und BdM(Bund deutscher Mädchen) auf Bund der Marienmidchen ange- wendet wird. Die Gläubigen würden auch zu Ausrufen wie„NnserhimmlischerFüh- ttt Jesus Christus treu Heil!" verleitet. Mit aller Deutlichkeit wird ausgesprochen, daß den katholischen Jugendver- bänden das letzte Stündlein geschlagen hat. Mir den Bereich ganz Preußens wird den katho- „Lieber sterben als die Freiheit verlieren“ Der Negus vor dem Parlament Ein Italienisches Protektorat abgelehnt Addis Abeba. Rach einer Parade der kaiserlichen Garde hielt der Kaiser seine angekündigte Rede im Parlament, das von einer ungeheuren Menschenmenge umlagert war. Der Kaiser beschuldigte Italien» daß es trotz ständiger Beteuerung seiner Friedensliebe seine Rüstungen fortsetze, nm Steffi« nienzuerobern. Mussolini habe alle Friedensangebote zurückgewiesen, und Abessinien der Barbarei und der Sklaverei beschuldigt. Die Sklaverei habe effektiv aufgehört. Run stehe der Krieg vor der Tür. Wir haben, sagte der Kaiser, alles getan, um den Frieden zu bewahren. Nm aber die Ehre der Ration zu wahren, lehnen wir den Borschlag eines italienisch en Protektorates ab»' Abessinien wird bis zum letzten Mann für die Unabhängigkeit seines Landes kämpfen. Der Kaiser werde mit seinem Bolk in der Schlacht kämpfen und lieber sterben als die Freiheit verlieren. Die Rede schloß mit einem Aufruf an da- Bolk, über alle Standes-, Klassen- und Religions- unterschiede hinweg zusammenzuhalten und zu sterben für Abessiniens Freiheit. Vor der Ratstagung Genf.(Reuter.) Die Regierungen Groß- Britanniens, Frankreichs und der übrigen Staaten, die Mitglieder des Völkerbundes sind, wurden telegraphisch ersucht, sich' auf eine Sonder- sitzung.des Rate s, die zwischen dem 25. Juli und dem 4. August zu B er Handlungen des italienisch-abessinischen Konfliktes einberufen werden soll, vorzubereiten. Italien stellt sich, wie es heißt, gegen die Einberufung einer französisch* englisch-italienischen Vorkonferenz, solange nicht der Boden vorher durch diplomatische Besprechungen geebnet ist. Die französische Presse konstatiert eine neue anti-italienische Wendung der britischen Politik, welche nunmehr darauf bestehe, daß die abessinische Frage im Völkerbundrat beigelegt werde. Territoriale Zugeständnisse angeboten London.„Times" veröffentlichen ein Interview ihres Korrespondenten in Addis Abeba mit dem Kaiser von Aethopien, der sich u. a. über die Möglichkeit territorialer Zugeständnisse dahin äußerte, daß nur ein Austausch von Gebieten in Frage komme. Wenn das Angebot bezüglich des Hafens von Zeila noch fortbestehe, dann sei Aethopien zu einer Kompensation an Italien bereit. Unbedingt lehne es Abessinien ab, eine der nördlichen Provinzen abzutreten. ES könne sich nur um einen Teil von O g a d e n an der Grenze von Italienisch-Somaliland handeln, allerdings unter der Voraussetzung, daß das Angebot auf Abtretung des Hafens von Zeila aufrechterhalten bleibe. — aber von Italien abgelehnt Zu dieser Erklärung des abessinischen Kaisers wird aus Rom aus gutinformierten Stellen mitgeteilt: Italien hat, was den Vorschlag betrifft, daß eS die Provinz Ogaden besetze, bereits sehr deutlich seine Meinung geäußert, u. zw. als Minister Eden anläßlich seines römischen Besuches das bri- tische Angebot gestellt hat. Es wird wiederholt. Irschen Jugendlichen das Trugen von Uniformen und jede sportliche Betätigung außerhalb der nationalsozialistischen Verbände u n tersa gt. Wenn in Preußen nicht eine totale Umorientierung der katholischen Jugendverbände eintritt, so haben diese Organisationen nach Görings Intentionen gänzlich verboten zu werden. Die Hitlerjugend hingegen ist durch die staatlichen Behörden noch mehr alS bisher zu unterstützen. Da die Göring unterstellte Geheime Staatspolizei ihre Tätigkeft über ganz Deutschland erstreckt, wird analog den preußischen Anweisnngen in ganz Deutschland verfahren werden. In deutschen katholischen Kreisen ist man, wie die„Prag« Presse" beldet, der Auffassung, daß angesichts der neugeschaffenen Beunruhigung ein baldiges Eingreifen des Batik a n s, wo man schon lange eine Rote üb« die SonkordatSverlebungen vorbereitet, unvermeidlich ist. Kerrl wird Kultusminister Berlin. Im Reichsgesetzblatt wird folgend« Erlaß veröffentlicht: Auf den Roichsmi- nister ohne Geschäftsbereich Kerrl gehen die bish« in, Reichs- und preußischen Ministerium deS Innern sowie im Reichs- und preußischen Ministerium für Wiffonschast, Erziehung und Volksbildung bearbeiteten kirchlichen Angelegenheiten üb«. Wegen d« Ausführung dieses Erlasses treffen die beteiligten Reichs, und preußischen Minister nähere Bestimmungen. daß sich Italien absolut nicht danach sehne, seine Kolonien um Wüstengebiete zu erweitern. Die erwähnte Eisenbahn wäre für Italien von keinerlei Nutzen, wenn damit nicht die Möglichkeit der militärischen Okkupation verbunden wäre, die zur Sicherung der Strecke notwendig sei. In einem Interview mit dem Vertreter des ägyptischen Blattes»Al A hr am" erklärte der Kaiser von Abessinien, er würde es nicht als freundschaftliche Geste ansehen» wenn Aegypten den italienischen Militärfliegern die Ueberflie» gung des ägyptischen Territoriums gestatten würde. Der Kaiser konstatierte, daß es den Italienern nicht gelungen sei, Zwietracht zwischen die christliche und die mohammedanische Bevölkerung Abessiniens zu säen. Er dementierte auch die Meldungen, die von Differenzen zwischen den abessinischen Befehlshabern wissen wollen. England läßt doch Waffen nach Abessinien? London. Nach einer Reuter-Meldung hat Groß-Britannien kein Embargo auf die Waffenausfuhr nach Abessinien beschlossen. Zwei Gesuche um Ausfuhrbewilligung, die soeben durchberaten werden, dürften wahrscheinlich g ü n st i g erledigt werden. Höherer Sold Der italienische Regierungschef hat den Sold der italienischen Truppen in Ostafrika erhöht. In Zukunft erhalten Soldaten und Schwarzhemden in Eritrea drei Lire. Für Somaliland find die täglichen Besoldungen noch um eine Lire höher. Beitritt Abessiniens zum Roten Kreuz? Bern. Die abessinische Regierung sprach sich dahin aus, daß sie sich gerne der internationalen Konvention des Roten Kreuzes vom Jahre 1929 betreffend die Besserung des Schicksals der verwundeten und kranken Soldaten im Felde anschließen würde. Ucker den Beitritt Abessiniens wird noch verhandelt. Kampf der Kreuze «Das deutsche Volk steht geschloffen' hinter dem Führer", Täglich kanu man's in den offiziell len Parteizeitungen der DNSAP lesen, jede Nachricht über Unzufriedenheit mit dem totalitären Regime wird als böswillige Erfindung angeprangert. In diese„einheitliche Bolksbegeisterung" für die Naziherrschaft platzt nun mit einemmal eich Erlaß des Herrn Göring hinein, der— fern von dem Verdacht ein Greuelmärchen" zu sein—- sehr auffchlußreiche Auskunft über wachsende W i- derstandskräfte gegen das Regime gibt. In diesem Erlaß, der sich gegen die sogenannte Kirchenopposition richtet, wird ausdrücklich auf die wachsende Opposition kirchlicher Kreise gegen das Regime hingewiesen und den Behörden befohlen,«mit allen gesetzlichen Mitteln gegen solche Mitglieder des Klerus vorzugehen, die die Autorität ihrer geistlichen Stellung zu politischen Zwecken mißbrauchen." Wörtlich wird zu- gegcken, daß es soweit gekommen sei»„daß gläu«' bige Katholiken als einzigen Eindruck aus dem Besuch des Gottesdienstes mitnehmen/ daß die katholische Kirche Einrichtungen des nationalsozialistischen Staates ablehnt, weil in den Predigten fortgesetzt auf polittsche Fragen und Tagesereignisse in polemischer Weise angespielt wird.„ftn manchen Landesteilen", heißt es in dem Erlaß weiter,„vergeht fast kein Sonntag, an dem nicht die religiöse Ergriffenheit des Gottesdienstes zue Vorlesung sogenannter Kanzelerklärungen über rein polittsche Dinge mißbraucht wird." Schließlich wird erklärt, daß die katholischen Iugendver- bände immer intensiver gegen das Regime politisiert werden und die Auflösung dieser Ber« bände angedroht. Der Erlaß ist ein sehr bedeutsames, aber gewiß nicht das einzige Kennzeichen, der zunehmenden Widerstände gegen das Regime. Seit Wochen ist der Kampf des Hakenkreuzes gegen das Christuskreuz, den manche schon für tot geglaubt hatten, wieder in ein akutes Stadium getreten. Hunderte Verhaftungen katholischer und protestantischer. Geistlicher, die mißlungene Verhaftung des Münsterer Bischofs ElemenSAugust, die Protestnote des Vatikans reimen sich sehr schlecht auf die angebliche ungetrübte Bolksbegeisterung für Hüler. Daß das Regime diesen Kampf gerade jetzt mit solch bemerkenswerter Schärfe aufnimmt, obwohl es doch wegen seiner diplomatt« scheu und finanziellen Bittgänge ins Ausland eher daran interessiert wäre, diese Dinge zu vertuschen, ist gewiß kein Zufall. Man gewinnt den Eindruck, daß die gespannte» kriegsschwangere außenpolitische Lage Hitler zu einer'„Expreß- totalisierung" um jeden Pr eis treibt, deren Tempo und Ausmaß alles das, was man fett der Machtergreifung im Dritten Reich erlebt hat, übersteigt. So wie in demokvatsschen Staaten, in kritischen außenpolittschen Zeiten, das Bedürfnis nach möglichst breiten Konzentrationskabinetten entsteht, so drängt der FaseiSmuS in der gleichen Lage nach erhöhter Totalität. Der scharfe Wind der P o g r o m h e tz e, der neuerlich wieder weht, die unwidersprochenen Gerüchte über Streichers Berufung in das Berliner Pofi- zeipräsidium, der Kampf gegen die Kirchen- opposition stehen alle auf gleicher Linie in diesem Totalisierungsprogramm. Die Organisationen und Parteien der Ackeiter sind längst offiziell aufgelöst und in der Illegalität untergetaucht. An der Jllegalttät aber gibt es nichts zu totalisie- ren. Der Kampf gegen sie wird mit den„üblichen" Terrormitteln geführt, was nichts daran ändert, daß diese wirksamste Opposition von Jahr zu Jahr an Stärke und Kampfbewußtsein zunimmt. Aber die Physische Existenz von Juden, das organisatorische Dasein von christlichen Kirchen ist offiziell noch nicht veckoten. Hier bietet sich ein Feld für gesteigerte Totalitätsansprüche und auf diesem Feld spielt sich der neue Kampf vor allem sichtbar ab. Freilich weiß auch Herr Göring, der Ches der Gestapo, sehr gut, daß es zu den soziologischen Gesetzlichketten des Faseismus gehört, daß die Grenzen Mischen legaler und illegaler Op« Position verschwimmen. Wenn die Berichte auk Westdeutschland und Bayern von überfüllten. Kirchen und nie dagewesener Beteiligung an kirchlichen Umzügen sprechen, dann ist das gewiß nicht darauf zursickzuführen, daß etwa Plötzlich eine Welle der Frömmigkeit das deutsche Volk erfaßt hätte. Weite Schichten der Bevölkerung, die von Erbitterung und Haß gegen daö Regime erfüllt sind, ergreifen eben jede sich die» Seite 2 Freitag, 19. JvN 1935 Nr. les Preissturz des Getreides In Polen Warschau. Die landwirtschaftlichen Organisationen richteten an die Landwirte einen Appell, daß sie nach der neuen Ernte das neue Getreide nicht massenhaft zmn Verkaufe anbieten, da ein übermäßiges Angebot einen weiteren Preissturz, der bereits sehr niedrigen Preise zur Folge haben müßte. Gegenwärtig werden für 100 Kilogramm neuen Roggen in Warschau ungefähr 11 Zloty <50 K8) und in Posen 10 Zloty(45 KL) gezahlt. Die landwirtschaftlichen Kreise rechnen auch mit-einem Preissturz des Weizens, u. zw. auf 13 bis 14 Zloty(SS KL) per 100 Kilogramm. tcnde Gelegenheit, um ihre Opposition zu demonstrieren. Die unausgesprochene Parole, unter der sich die Kirchen füllen, heißt nicht:»Für RKn!", sondern:»Gegen Hitler!" Ost genug kommt es vor, daß Arbeiter, die sm geschlossenen Kreis kein Hehl aus ihrer Genugtuung Über die Schwierigkeiten deS reaktionären Kleri- kaliSmus machen, dennoch sich den sonntäglichen Kirchenbesuch zur Gewohnheit-machen, um so gegen die braune Gewaltherrschaft zu demonstrieren. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß es dem fascistischen Regime in den dreieinhalb Jahren seines Bestandes nicht gelungen ist, die Opposition zu vernichten, ja, daß vielmehr der innere Widerstand heute größer ist, als kurz nach der Machtergreifung Hitlers. Man darf freilich trotz dieses merklichen Anwachsens der Opposition ihre aktuelle Wirksamkeit nicht überschätzen. DaS gilt insbesondere von dem klerikalen Kampf gegen das Regime. Man erinnert sich noch zu genau- an die Zeiten des erbitterten Krieges zwischen der italienischen»Katholischen Aktion" und Mussolini, der schließlich mit dem vollkommenen Umfall des Klerikalismus und seiner Verbündung mit dem italienischen FasciSmuS greifet hat. Und jeder Mensch weiß, daß Rom, wenn es seiner Politik paßt und wenn es seine Mächtsphäre in Deutschland gesichert bekommt, bereit sein wird, vor den Braunhemden genau so umzufallen wie vor den Schwarzhemden. Aber solange der Klerikalismus seine legale Opposi» tionsstellung noch innehäü, bleiben die Atrappen RomS brauchbar« Deckungsstellungen für den einzig wirksamen Kampf gegen die Herrschaft des FasciSmuS, den illegalen Klassenkampf. Der Erlaß Görings ist ein recht wertvolles Eingeständnis der Tatsache, daß«S allen Konzentrationslagern, allem Terror, allen Morden und Martern nicht gelungen ist, den Kampf gegen die braun« Herrschaft zum Schweigen zu bringen. Der FasciSmuS macht di« Entdeckung, daß die »totalitäre Autorität" den Klaffenkampf nicht liquidieren kann/ sondern ihm; nur n« u e F»r- men gibt. Er lebt in den illegalen Zirkeln der Betriebe, er lebt unter der Gestalt der»Gegensätze im Regime", in der Gestalt der Kirchenkämpfe, in der Gestalt der»Meckerei" unter der SA. Der offene Meinulngskampf unter der Demokratie wird unter der Diktatur des FasciSmuS zum Guerillakrieg, geführt hinter tausenderlei Schanzen, in tausenderlei Verkleidungen. Nirgend ist die Autorität in Wahrheit eine so fragwürdig« Angelegenheit, wie dort, wo sie nach der Totalität greift. Herr Göring wird eS auch eines Tages entdecken: mit TotalisterungSerläf» sen kann man den Kriegsschauplatz des Kampfes um die Freiheit verändern— der Krieg aber bleibt. Enthüllungen Uber die Schweizer Hitier-Irredenta Der Interpellant weist auch nach, daß seit 1933 tn der Stadt Bern neben den bereits bestehenden sieben reichsdeutschen vereinen zehn neue nationalsozialistische Vereine, u. a. eine Gruppe der Hitlerjugend» an deren Spitze der S o h n des Berner deutschen Gesandten steht, ins Leben gerufen worden sind. Grimm stellt in seiner Interpellation an den amtierenden Berner RegierungSrat die Frage, was er zu tun beabsichtigt, um den immer unerträglicher werdenden Umtrieben der nationalsozialistischen Jrredenta auf dem Gebiete der Schweiz entgegenzutreten. Bemerkenswert ist, daß- auch das in scharfer Fronde gegen die Sozialdemokratie stehende Bürgertum und seine Presse der Interpellation größte Aufmerksamkeit widmen und sie zum Teil in großer Aufmachung und mit zustimmendem Kommentar Publiziert. Genosse Grimm, Führer der Berner Sozialdemokraten, hat im Berner Großen Rat eine Anfrage eingebracht, die in der ganzen Schweiz größtes Aufsehen erregt, da sie durchschlagendes Beweismaterial über die unerhörten reichsdeutschenUmtriebeinder Schweiz«nthält. Genosse Grimm stellt in seiner Anfrage unter anderem fest, daß sich im Lehrkörper der Berner UniversitÄ der auf Adolf Hitler vereidigte Leiter der Ortsgruppe Bern der„National so z i a l i st i s ch e n Partei Deutschlands", Porzig» befindet. Weiterhin stellt Grimm die fast unglaubliche Tatsache unter Beweis, daß im Zentral- polizeibüro der B u n d e s v« r w al« tuns in Bern ein erst seit 1% Jahren eingebürgerter Reichsdeutscher sitzt, der engste Beziehungen zur Berner deutschen Gesandtschaft unterhält! l tion meldet amtlich: Im Zusammenhang mit dem Autounglück des Bundeskanzlers wird als Ergebnis der amtlichen Untersuchung des zertrümmerten Wagens Nachstehendes verlautbart: Die im Befund angeführten Beschädigungen, Lockerungen und Bruchflächen der Teile des Wagens weisen alle jene Merkmale auf, welche auf eine Entstehung unmittelbar durch de« Unfall schließen lasse«. Es wurden weder Anfeilunge« noch Verletzungen gefunden» die durch fremde Hand entstanden sein können. Sabotagehandlungen find daher als Ursache des Unfalles auSgeschlosse«. Materialfehler wurden an den Wagen trotz sorgfältiger Üeberprü- fung«i ch t gefunden. Kein Teil des Wei-, tungsgrstänges weist Merkmale früherer Lok- kerungrn auf und auch alle anderen Teile des WagenS lassen keines«»«gs den Schluß zu, daß? ein technischer Mangel den Unfall herbeigeführt. hat. Hitlernazl als Schweizer Polizeifunktionär! Hw’SUÄiÄ Anzeichen ernster Wirren Pari«. Der„TempS" befaßt sich im Leitartikel mit den Schwierigkeiten deS deutschen Regimes. Das Blatt' sieht in dem offenen Kampf gegen den Katholizismus, in dem Widerstand gegen das Sterilisierungsgesetz, in den, gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Juden, in den Gegensätzen Mischen der Regierung und der Stahlhelm- Organisation, in den Maßnahmen gegen die Studentenvereine, die sich nicht genug nationalsozialistisch zeigten, durchwegs Anzeichen ernster Wirre», die ernste Folgen für die Innenpolitik des Dritten Reiches haben könnten. Der„Temps" verurteilt die neuen judenfeindlichen Ausschreitungen und sagt, daß diese Verfolgungen Deutschland in den Augen der Welt ernstlich schädigen. Das Blatt verurteilt auch die Angriffe gegen di« katholische Geistlichkeit, weil diese die Sterilisierungstheorie nicht billigt, und bedauert, daß die bexanwortli- chen nationalsozialistischen Führer diese Angriffe öffentlich dulden, wenn nicht sogar billigen, wie zum Beispiel jüngst in Münster. In der Auflösung zahlreicher Abteilungen der Stahlhelmorganisation erblickt der ,T?emps" die Fortdauer der alten Eifersüchteleien zwischen den Nationalsozialisten und dem Stahlhelm, trotzdem dessen Führer Seldte Mitglied der Regierung ist. » Paris. Zahlreiche französische Blätter, di« über die judenfeindlichen Ausschreitungen in DeutsclMnd referiert haften, tvukven in Deutschland verboten. Der Berliner Berichterstatter der Agentur HavaS meldet, daß der Bürgermeister von Breslau den Juden das Betreten der städtischen Bade« und Schwimmanstalten verboten hat. Denjenigen Juden, die Abonnementkarten besaßen, wurde das Geld zurückerstattet. Dei Göring-Erlaß Im Spiegel der gleichgeschalteten Presse Die„Berliner Börsenzeit u n g" schreibt u. a., der Erlaß sei eine Abwehrmaßnahm«. Der Zweck der Maßnahme sei nicht Fortsetzung eine- aufgezwungenen Kampfes, sondern Beendigung de- Kampfes im Interesse von Volk und Staat, besonder- aber auch im Interesse der katholischen Kirche selbst. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt, daß die kirchlichen Oberen„da- geschilderte Treiben" auch verurteilen, daß sie aber gegen gewisse Teile des Klerus machtlos seien. Im„Angriff" heißt cs: E- gibt ein« Anzahl von Protokollen über Kanzelreden, die in letzter Zeit gehalten worden sind. Ihre Lektüre zeigt«fit seltener Klarheit, wie schroff und wie unverhohlen der politische Katholizismus seinen Kampf vorträgt und in welcher Maßlosigkeit schon wieder politt« fierend« Geistliche den nationalsozialistischen Staat und seinen Führer bekämpfen und beschimpfen. Da-„Berliner Tageblatt^ schreibt: Wenn sich der Erlaß auch zunächst nur auf Preußen bezieht, so darf doch angenommen werden, daß er in den außenpreußischen deutschen Ländern entsprechende Anwendung finden wird. Es handle sich bei dem Materials das zu dem Erlaß-geführt hat, außer den provozierenden Aeußerungen des niederen Klerus um Geheimorganisationrn im kirchlichen Gewände mit unverkennbaren politischen und staatsgegnerischen Zwecken. SS hat sich ein« besonders verwerfliche und gefährliche Art der Agitatton herausgestellt, das an verschiedenen Stellen unverhohlt austretende Spiel mit dem Gedanken an au-ländische Verwicklungen, die zu einem Umsturz in Deutschland führen könnten. Daß sich der Staat das nicht bieten läßt, müßten sich solche Agitawren selbst sagen. Erfolgreiche Krisenpolitik in USA 30-Stundenwoche und Erhöhung des Schulalters Washington. Der Arbeiten- Ausschuß des Parlaments«ahm Mittwoch einen Gesetzentwurf an, durch welche« die 30stü«dige Arbeitswoche einge- führt und ein Beschäftigungsverbot für Kinder unter 16 Jahre« in alle» Industriezweigen auf dem Gebiete der Bereinigte« Staate« ausgesprochen wird. Vock Demonstrationen? Paris. Trotz dem vo« der Regierung erlassenen Verbot aller Kundgebungen berufen die Staatsangrstelltrngewerkschaften namentlich der Eisenbahn- und der Postangcstellten ihre organisierten Mitglieder fiir Freitag abends zu einer Maniststation auf den Opernplatz gegen die Regierungsdekrete auf. Donnerstag abends halten zahlreiche GewerkschaftSorganisationen Protest- Versammlungen ab. Die breiten Schichten der französischen Bevölkerung haben nach einem Situationsbericht deS Tsch. Pr.-B. die,Regierungsdekrete r uh ig ausgenommen.' Die größte Unzufriedenheit zeigt sich insbesondere.unter den Staatsangestellten, die jedoch keine breiten Volksschichten hinter sich haben, und unter den ehemaligen Frontkämpfern, die aber,.wie es scheint, schließlich doch den Regierungsdekrete« zustimmen werden. Die große unabhängige Presse und dir konservativen Blätter appellieren an die Staats- treue der Bevölkerung und versprechen sich von den Ersparungsdekreten eine Gesundung der ftanzösischen Währung und eine Besserung der Lage. Die Linkspresse ist ganz der gegenteiligen Meinung. Sie fordert gleichzeitig, daß die Regierung ein aktives Wirtschafteprogramm vorbereite/ Die sozialistisch« Presse ist der Meinung, daß die Deflationsmaßnahmen der Regierung allenthalben die Kaufkraft der Bevölkerung geschwächt haben, und, wie die Erfahrungen auS anderen Staaten lehren/' nicht imstande sein werden, eine schließliche Devalvation des Franken aufzuhalten. Gegen den Krieg Rom.(AP) Bei der Apreise von Soldatert aus Parma kmn es zu Antikriegsdemonstrationen. Die Frauen besetzten mit ihren Kindern die Schienen. Die Abreise der Soldaten muhte verschoben und konnte erst insgeheim in der Rächt vorgenommen werden.— In einer Kaserne in Turin weigerten.sichgleichfalls Soldaten, nach Asrila zu gehen, so daß Karabinier! hcrbeigeholl werden mußten. 72 Boman von Emil Vachek. 1 vouwev von Anna AurednKek Das einundzwanzigste Kapitel ist ein Kapitel der Trauer. Denn es erzählt, wie der tapfere Beinsteller aus den Wolken der Liebe in die Arm« der schlamperten Loisis fällt und wie ihn der Minister vergeblich zum Nachtmahl erwartet. Als Beinsteller aus der Elrttrischen stieg und überlegte, ob er wohl heute zum Nachtmahl einen gutgekühlten Sett trinken werde» erblickte er, die alte Frau Chalupa. Da schau, meine Schwiegermutter, dachte er. Und weil die Chalupa, die schlecht zu Fuß war, mühselig einen schweren Korb schleppte, eilte Beinsteller ihr entgegen. Der Korb war mit Lebensmitteln vollgepfropft, oben guckte das rubinrote Halsband an dem langen Hals der frisch geschlachteten Gans heraus.»Din gute» Omen, Ferdl", summte er leise.»Die erste Bekannte, der ich begegne, ist mein Schwiegermutter!." Er bückte sich und sagte in gewählten Worten:»Guten Tag, der Korb ist zu schwer für Sie, lassen Sie mich ihn tragen!" »Gern, gern, wenn Sie's freut, Herr Beinsteller. Mein Arm ist ja schon ganz steif." Beinsteller wog den Korb und sagte:»Du meine Güte, Sie haben wohl da» große Lo» gezogen? DaS sind ja Vorräte wie für ein Bankett." »Für morgen, Herr Beinsteller, für morgen." »Sie haben ganz recht, warum sollen sich nur die Bürgerlichen di« Magen mästen. Unsereiner kann sichl auch einmal erlauben." Dabei floß ihm der Schweiß von der Sttrn, nicht, weil ihm der Korb zu schwer war» sondern von der furchtbaren Anstrengung, die ihm die gewählle Redeweise verursachte. »Aber, Herr Beinsteller, Sie reden von dem morgigen Tag, als sei's ein gewöhnlicher Sonntag und als wären Sie gerade vom Mond heruntergefallen. Haben Sie denn vergessen, daß wir morgen«in Fest feiern?" «Fest? Davon weiß ich wirflich nichts. Ich hatte diese Woche so viel Arbeit, liebe Nachbarin, daß ich mich gar nicht gekümmert habe, was bei uns los ist." »Dann sind Sie Wohl der einzige Mensch auf der Welt, der nicht weiß, daß meine Tochter heiratet und daß wir, wie man in noblichen Häusern sagt, morgen Verlobung feiern." Beinsteller stellte den Korb hin und rief: »Donnerwetter, noch einmal! Fräulein Magda wird also doch heiraten I" »Aber nein: die Magda noch nicht, da» So- phiechen." Es folgte eine Pause, denn Beinsteller war keines Wortes mächtig. «Sie sind ja ganz außer sich", fuhr die Chalupa fort.»Wenn man Sie anschaut, glaubt man der Loisis, die erzählt, daß Sie die Sophie im Kopfe haben. Die macht jetzt eine andere Partie. In sechs Wochen heiratet sie einen feinen Arbeiter, der nebenbei Volksdoktor ist. So ein Glück! Ich kann's gar nicht fassen. Sophie— Braut! Noch dazu früher al» Magda. Aber Beinsteller, sind Sie nicht beschrien? Sie sind ja ganz grün im Gesicht. Wenn Ihnen nicht besser wird, gehen Sie zu Herrn Foltr— das ist nämlich mein Schwiegersohn—, der wird Ihnen gewiß helfen." Beinsteller blieb allein mit seinem neuen Leben, dem Brief des Ministers in der Tasche und der gewählten Sprache. Er war verraten worden. Wer? Sophie? Die trug keine Schuld, sie hatte ihm nicht die leiseste Hoffnung gemacht. Der Verräter war mächtiger als Sophie. ES war sein Schicksal. Beinsteller, kreidebleich, stand seinem Schicksal gegenüber. Zuerst flog seine gewählte Sprache zum Teufel.»Ja, so schaut er aus, der Schmarrn! Ich soll der Gauner bleiben, ein Fingerzeig Gottes!" Dann kam der Brief des Ministers an die Reihe:»Auch recht, ich werde halt wieder eine Rute der Menschheit und werde sofort meine Kadetten zusammentreiben. Der Minister kann aber nichts dafür, dem kann ich die Schande nicht antun und mich mit seinem Brief in der Tasche ex- wischen lassen." Er zog den Brief aus der Tasche und riß ihn in kleine Stückchen. Der Wind, der erbarmungslos das Haus Nr. 8660 am ZiZkov unckrauste, erfaßte den Brief und sorgte dafür, daß von ihm ebensowenig übrigblieb, wie von Beinstellers gewählter Sprache. Jetzt sollte auch BeinstellerS neues Leben den Laufpaß bekommen. »Jetzt will ich von dem neuen Leben Abschied nehmen", rief er und ging, wenn auch ohne Kadetten, zur Stadt zurück. Er war schon in der Hybernergaffe angelangt, wo sich'» an drei Stationen so gut angeln läßt, und spähte schon wie ein Wolf nach Beute aus, um das alte Leben wieder aufzunehmen. Das Leben, das keine so niederschmetternde Ucberraschung bot, wie er sie soeben erfahren hatte, keine so höllischen Qualen verursachte, die seine gewählte Sprache bewirtte. ES war Sonnabend. Ueberall. sah man Gevatter vom Lande, Reisende, die gedankenlos zu den Bahnhöfen ritten, überall wimmelte es von Frauen, die vom Einkauf heimkehrten. Es war ein ideales Jagdrevier, aber Beinsteller ließ eine Gelegenheit nach der andern vorübergehen. Hier stand ein dicker Onkel vom Lande, ein Kaufmann, mit zwei Koffern und einem halben Dutzend Päckchen beladen. Sein Rock war aufgeknöpft, in der Brusttasche wölbte sich die verführerischeste Geldtasche, die das Schicksal BeinstellerS jemals geboten hatte.. Dennoch blieb Beinfieller zwei Schritte weit stehen, als sei er an den Boden gebannt,' und der Gebatter vom Lande verschwand mitsamt feinen Päckchen im Wagen, der.davonsauste. Schon wälzte sich ein neuer Menschenknäuel heran, der neue Opfer brachte, die danach schrien, abgeräumt zu werden. Beinsteller reckte sich jn seiner ganzen Kraft und wieder wurden seine Finger steif. Er sah einige Augenpaare, die vorwurfsvoll auf ihn gerichtet waren. Es waren die Augen des Präsidenten Kvech, des Ministers und der Sophie,.. Beinsteller wußte nun, daß chn der Fluch dieser Augen so lange verfolgen würde, bis es ihm gelang, sich ihrem Bann zu entziehen. »Ich bin nicht mehr d«r alte Ferdl", schluchzte er, am ganzen Körper züternd.»Du würdest lachen» Eliaschek, wenn du mich sehen könntest. Mich haben die Herren gründlich verdorben—» ich bin gar nichts mehr.wert. Ich paß' ja nicht einmal mehr ins Gefängnis. Mein ganze- Leben ist verpftrscht..." Er überlegte, was er tun sollte. Trinken? Vielleicht mußte er sich betrinken, um diesen Fluch zu bannen. Und«r eilte, obwohl es noch nicht Essenszeit war, zur»Alten Hundehütte". Dort trank er, trank wie ein Schwamm, und wartete, bis et genügend Begeisterung ht sich verspürte, um den Fluch und das Pech zu überwinden. Der Augenblick der Erlösung kani aber nicht, obwohl er" ein« unglaubliche Menge Alkohol hin- untergoh. Es dämmerte schon, die Dunkelheit brach an und die täglichen Stammgäste kamen und hießen Ferdl freudig willkommen. Auch der Dichter Gusta Maschoha war schon da und dichtete neue Verse zu seinem Epos»Die Heldentaten Ferdinand»". Der Augenblick der Erlösung kam aber nicht. fFortsetzung folgt y Nr. 166 Freitag, 19. Juli 1935 Sekte 3 tfodefcndeuferäcr Xcitepicgcf Henleins Volksordnung und die Arbeitslosen Arbeitsvermittlung gegen Taschengeld Die Henleinpartei will die Zusammenfassung aller Bolkskräste sein. Bei der Wahl haben auch Wähler mit den verschiedensten Interessen diese Partei gewählt, unter ihnen auch viele Arbeits- lose. Wir halten eine solche Partei für ein Unding, denn man kann nicht gleichzeitig zwei Herren dienen. Das zeigt sich schon heute. Ein Beispiel dafür ist der freiwillige Arbeitsdienst, die Arbeitsvermittlung von Arbeitslosen auf das Land gegen ein Taschengeld von 10 Kronen wöchentlich. Wir geben nachstehend den genauen Wortlaut eines Fragebogens der Kreisstelle TeplitzSchönau der Hcnleinpartei wieder. Sudetendeutsche Partei Wahlkreis VI—Laun KreiSstelle Teplitz Schönau, Frauengasse 5/1, Fernruf 130 Bezirk: Betrifft: F. A. D.»Freiwilliger Arbeitsdienst" Landdienst. Einlauf Rr.:........ Landhelfer-Meldnng Verpflichtung. Ich Eudesgeferttgter erkläre mich bereit aus die Dauer ungefähr... Wochen als Landhelfer bei Bauern im Siune des F. A. D. freiwilligen Arbeitsdienstes„Landdienst" gegen freie Kost, freie Wohnung und ein wöchentliches Taschengeld von 10.— Kö zu arbeiten. Ich«nterordne mich freiwillig den herausgegebenen Weisungen und sehe meine Arbeit als freiwillige Hilfe im Rahmen der Bolksgemeinschaft au. Ich werde mit allem meinem Tua und in meiner Arbeit als deutscher Volksgenosse handeln. Dies bestätige ich mit meiner eigenhändigen Unterschrift: (Unterschrift) Bor- und Zuname: Beruf: ....... Alter: ledig oder ver heiratet?...... Ist Besitzer der Eechkarte? War in der Landwirtschaft tättg?.... Mitgliedsnummer: Bestätigung der Ortsgruppe(Stempel): Eingeteilt bei dem Bauer:............ in Straße, Hausnummer.... Freiwilligen Arbeitsdienst für die Volksgemeinschaft nennt man das. Eine Woche Feldarbeit gegen Kost, Unterkunft und 10 KL Taschengelds Wovon sollen die Familienangehärigen leben, wenn der Arbeitslose verheiratet ist? Und wie wirkt fich dieser freiwillige Arbeitsdienst der Henleinpartei auf unsere Landarbeiter ans? Die existieren wohl für Henlein nicht? Glaubt man denn auf diese Weise den Arbeitslosen helfen zu können und etwa die Wirtschaftskrise einzudämmen? Die Sudetendeutsche Partei ist behaftet mit dem Widerspruch der in ihr vereinigten verschiedenen Interessen. Würde diese Partei sich auf die Seite der Arbeitslosen stellen, dann müßte sie andere Arbeitsbedingungen fürsiefordern. In diesem Falle würde sie sich aber die Gunst der anderen verschmerzen. Diese Arbettslosenfürsorge wird nicht unternommen, um den betroffenen Menschen wirkliche Hilf« zu bringen, sondern um fich die Arbeitslosen weiter dienstbar zu erhalte». Eine Fürsorge mit politischen Hintergedanken ist aber verderblich, denn sie hat Folgen für den Charakter. Henleins Großagrarier bekommen billige Arbeitskräfte, ein paar Arbeitslose kommen auf das Land, so daß gleichzeitig zwei»StandeS- gruppen" befriedigt werden. Scheinbar, denn eine Volksgemeinschaft, die auf solchen Illusionen beruht, hat keine Dauer. Die Realitäten des Lebens sind stärker als die Wünsche einiger Phantasten und ihrer wirtschaftlichen Nutznießer. stimmt die Ernüchterung? Nach ihrem großen Wahlsieg suchen die Hen« keinführcr durch Feste und diverse Tagungen chre Anhänger weiter in Stimmung zu er- haltm. Da sie die hochgespannten Erwartungen der Wähler auf rasche Besserung der sozialen und nationalen Verhältnisse nicht erfüllen können, veranstaltet man nach reichsdeutschem Muster— Spiele. Zu den politischen Spielereien gehören auch die vielen Bezirks- und Kreistagungen der Partei und ihrer.Gliederungen". Biel zu tun gibt? mit der Schaffung der einzelnen»Stände- gruppe n". Mit der Errichtung der Ständegliederung der Arbeiter im fünften Wahlkreise soll man angeblich bald fertig sein. Mit den Henlein-B a u e r n wird ebenfalls fleißig— beraten. So fand am letzten Sonntag in B ö h m- L e i p a ein»Kreisbaucrntag" statt, dessen Besuch jedoch viel zu wünschen übrig ließ. Was die in Leipa versammelten Bauern und Nichtbauern an polittschen Weisheiten zu hören bekamen, war nicht sehr vielversprechend. So gab der Kreisleiter Abg. May(der seit zwei Jahren praktisch in der Politik tätig ist) nachstehendes zum Besten: »Wenn«S besser werden soll, muß der U m- bruch auch im tschechischen Volle kom men, eS muß eine Umgestaltung des ganzen öffentlichen Lebens eintteten. Der Friede und die neue Zukunft sind nur zu erringen, wem: Gerechtigkeit allen zuteil wirb, di« hier zusam- menleben und»asammenksben müssen: Di« Situation ist nicht hoffnungslos, aber eS sind Betge von Mißtrauen und Unkenntnis zu versehen." AuS diesen Worten klingt schon jetzt viel Pessimismus im Gegensatz zu den vor den Wahlen gehörten hohen Tönen. Wie sehr hat man die deutschen Sozialdemokraten als„VollSver- räter" geschmäht, weil sie in richttger ErkenntniS der Machtvcrhättniffe auf tschechischer Seite Partner suchten und fanden. Wir wollen nicht Hinweisen auf da- albern« Gerede von Henleinanhän- gern, daß nach dem 19. Mai alle Tschechen aus dem deutschen Sprachgebiet verjagt würden, daß alle von ihnen besetzten Posten den Henleins übergeben würden usw. Wenige Wochen nach dem grandiosen Siege muß Wg. May verblümt eingestehen, daß die Henleins aus cige- nerKraft gar nichts ändern können und auf den»Umbruch" im tschechischen Lager warten müssen. Erst dann werde es besser werden!< AuS den Spalten der Henleinschen»Rundschau" klingt ebenfalls immer wieder der Appell an die junge tschechische Generation zwecks»Verständigung" und Schaffung einer»neuen Ordnung". Die junge tschechische Generation wird aber kaum jemals etwas für deutsche Antidemokraten und Kapitalistenanwälte übrig haben. Deshalb kann Herr Abq. May samt seinen Nachläufern steinalt werden, ehe der von ihn gewünschte»Umbruch" im tschechischen Lager kommt. Den begierig aushorchenden Bauern wurde geraten, sich innerhalb der»Bolksgemeinschaft" geistig durchzusehen, damit sie eine Macht darstellen und sich genossenschaftlich zu organisierest. Statt direkter sofortiger Vorteile also neue organssatorische Müh und Plage! Die Eroberung der bisher von den Landbündlern verwalteten Verbände gehört mit zu den Zielen der SHF-Bauern. Ob das gelingt, ist allerdings eine andere Frage.' Biele Bauern haben zwar für Henlein gestimmt, sind aber seelenruhig M i t« glieder des»Bundes der Landwirte" geblieben und suchen dprt weiter Rat und Tat. Da der B. d. L. nun seine Leute »siebt", ist es sehr leicht möglich, daß so mancher Henleinbauer sich nun wieder für die Landbünd- ler entscheidet. Auf jeden Fall kommen die geblufften Hen- lein-Wählcr aus den Kreisen der Werktätigen darauf, daß sie sich gewaltig-— verspekuliert haben. Dazu gehören ja auch vielt Arbeitslose. Sie glaubten wirklich, die Henleins würden ihnen Brot und Arbeit schaffen. Dabei dachten sic, di« von den Sozialdemokraten geschaffenen Fürsorgeeinrichtun- gen als»selbstverständlich" weiter in Anspruch nehmenzu können. Beide Gruppen(Henlein-Bmitrn und-Arbeiter) fuhren also auf zwei Geleisen und gerieten damit inS Gedränge. Die Rechnung, durch Verrat an den alten Parteien wirtschaftlich zu profitieren, ist geschestert. Wird man durch bittere Erfahrung klüger werden? Krach In der Ostrauer Henleingruppe Die Henlein-Ortsgruppe in Mä hrisch- Ostrau ist in bedenkliches Schwanken gekommen und gegenwärtig in zwei Lager: die einander wütend bekämpfen. Dieser Tage sollte eine Versammlung der Ortspartei sein, die jedoch im letzten Augenblick abgesagt wurde. Die gegenwärtige Führung der Pattei hat nämlich mächtige Angst vor der Opposition. In diesem Zusammenhang ist die Absetzung des früheren OttS- gruppenleiterS Hellmann durch die BrzirkS- führung der Henleinpattei als besonders bemerkenswert anzüsehen. Als Grund für die Absetzung wurden llnbotmäßigkett und absichüich« Irreführung deS Amtes angegeben. Der Unbotmäßige scheint aber über beträchtlichen Anhang zu verfügen. ES ist aber nicht bekcrnnt, ob die»Unbot- mätzigk«it" mit gewissen finanziellen Unregelmäßigkeiten zusammenhängt, die bei der Verrechnung der Wahlgelder vorgekommen sein sollen. Man hört, daß bei den Wahlen nicht weniger als 10.000 XL aus der Ortskasse verschwunden sind, ein Umstand, der bei Leuten mit so sauberen Händen, wie sie die Hen- leinanhänger zu haben behaupten, einigermaßen verwunderlich ist. Die Amtsenthebung der früheren Ortsgruppenleitung soll auch, wie der»Duch Casu" meldet, mit einer Revision der OrtSkasse zusammenhängen, die von einem Abgesandten der zentralen Leitung der Henleinpartei durchgeführt wurde. Es ist bezeichnend, daß die Amtsenthebung Hellmanns trotz der Vorkommnisse, die ihnen zugrunde liegen sollen, zu einer moralischen und materiellen Stärkung der früheren Ortsgruppen- leitung geführt hat, die ständig an Anhang gewinnt und heute schon über hie Mehrheit verfügt. Ob das auf einen ausgesprochenen Sinn der Henleinanhänger für Sauberkeit oder auf begründete Bedenken gegen die Revision durch die Zentrale zurückzuführen ist, läßt sich nicht ohne weiteres sagen.»Keineswegs erscheint aber eine Beilegung des Kampfes zwischen den beiden Lagern ohne die schwerste Erschütterung der Hen« leinortsgruppe als möglich. Auch in Mährisch- Ostrau kam eS bereits, wie in anderen. Orten, zu MaffenauAritten aus der Sudetcndeutschen Partei. Henleins Vertraute Presseberichtigung des Artikels„HcnleiicS Vertraute", welcher in der Nüstilsielt* 123 des „Sozialdemokrat" vom 26. Mai 1935 erschienen ist:' Es ist unwahr, daß ich Bevollmächtigter der Vereinigten Bankkontore für die Tschechoslowakei und Oesterreich bin. Es ist weiters univahr, daß ich in enger Zusammenarbeit mtt dem bekannten Nationalsozialisten Franz Riedel stehe und es ist ferner unwahr, daß ich mit diesem im Oktober 1934 eine ausländlsche katholische Bewegung in Prag organisierte. D r. Hans Neuwirth. Die Behauptungen, die Herr Abg. Dr. Neuwirth mit Hilfe des für solche Zwecke allzubrauchbaren Preßgesehes aus der Welt zu schaffen sucht, waren einem Attikel des Wiener „NeuigkeitS-WeltblatteS" entnommen.?ES ist sehr leicht, die Floskel„Es ist unwahr..." zu gebrauchen, ob damit auch Tatsachen wdggewischt werden können, ist eine andere Frage. Wir können uns nicht helfen, der damalige Bericht des genannten Blattes erscheint uns richtiger als die „Berichtigung" des Herrn Dr.J Neuwirth. „Ein trauriger Fall” Die„L i d o v L L i st y", daS Zentralorgan der tschcchischklerikalen Pattei, beklagt sich über die Behandlung, die die deutschen Christlichsozialen den in letzter Zeit immer zahlreichtr Werdenden Emigranten aus/lreichs-eutscheü Zcn- trumskreisrn zuteil werden läßt.t Das Blatt schreibt u. a.: „Seit Wochen kommen in unsere Redaktion katholische Emigranten aus Deutschland, denen es gelungen ist, über die Grenze zu kommen, die Mehrzahl aus Konzentrationslagern. Sie kommen in daS tschechische katholische Milieu und wir helfen ihnen auS Leibeskräften. Sie kommen aber erst bitter enttäuscht durch die Aujnghmt, die sie bei unseren deutschen Katholiken gefunden haben, wo nicht immer Verständnis für die Leiden derjenigen vorhanden ist, die durch die Welt irren. Unsere Deutschen, auch die Katholiken, berufen sich oft mit Stolz auf die Bande des Blutes, der Sprache und der Kultur,.die sie mit dem deutschen Volk im Nachbarreiche verbinden. Sie versagen aber, wenn eS darum geht, die Aufrichtigkeit solcher Worte zugunsten der ärmsten der Stammesbrüder praktisch nachzuweisen. Sie greifen zu Ausflüchten. und Ausreden. Das ist nicht das beste Zeugnis und ein trauriger F a l l, der aber einmal festgehalten werden muß." Julius Streicher Der Bajazzo des Terrors Bon F. Roth. Bierdunst und Dabakqualm brütet über grobgchobelten, weiß gescheuerten Tischen. DaS Rednerpult auf der Bühne ist ein brennender Fleck: wie ein ttesiger roter Fliegenpilz steht eS im dunklen Waldschatton der grünen Kulissen und Eufftten. Die Schritte der Kellnerinnen, vollfühtt mit gewölbten männlichen Sohlen— solche Stiesel gibt- nur im Deutschland der Militäranwär- ier— knirschen im Weißen Sand auf den schmalen Gängen. Die SA-Kapelle schmettert schon zum drittenmal den Badenweilener Marsch dahin — mit entsetzlich simplen und arroganten Rhythmen: aber cs ist die Lieblingslomposi^in des »Führers"... Die Bogenlampen tränen fast in all dem trüben Brodem von Masseneclebnis, Alkohol, Einheitsgesinnung. Die Bühne wird hell. Hakenkreuzfähnriche stillen mtt ihren Standarten den Hintergrund. Bon ganz hinten ein« hölzerne Kommandostimme. -Parteigenossen l Nationalsozialisten! Daitsches Bohlk. In unserer Mitte weilt heute der Franken» lührer Parteigenosse Julius Streicher... Ein Taifun des Beifalls! Die trockene Stimme er- lrinkt im Getös«: grade noch hört man:»Ach erteile ihm sofort das Wottl" Da steht er nun oben, hinter dem roten Fahnentuch mtt dem kreisrunden schwarz-weißen Blickfang: Juliu? Streicher, Intimus des»Füh rers und Reichskanzlers", Oberregifseur des Ju« denbotzkottS, Herausgeber des schmutzigsten aller Schmutzblätter, Regierungspräsident, Stadtrat, M. d. R.l Ein Mann Ende d«r Vierziger, mit breiten Schultern und krampfig geloülbter Brust, mit fahlem Schlächtergesicht und ratzkahlem Schädel, über den er gleich nach dem ersten Redesatz mit zwei Fingern fährt,, um mit Schwung die Tropfen vorn ins Publikum zu schleudern. Aber nicht lange hält's ihn hinter der schützenden Ber- schaluitg. Dröhnend in sich steigerndem, sich schrill überschlagendem Redefluß— die Glatze glüht schon wie ein Feuerüall— tritt er ganz vor an die Rampe. Die Hundepeitsche, er hat sie vom Pull ausgenommen, saust jetzt taktmäßig klatschend die steif rhombischen Plustern seiner Retthose entlang, die nach rechts und nach links wie zwei große Stacheln des Terrors abstehen. Zwischenrufe!„JW's den Juden!"»Ran an'S Speck!",»Immer feste Saures den Jidden!" Jetzt ist der Redner da, wo er sein Publikum haben will und das Publikum ihn. So redet er vor ihm, pein schreit und rumort er zwei Stunde» lang, vorn auf der Bühne hin- und hettchreitend, die Linke in die Hüft« gestemmt, mit der Peitsche die Akzente gebend, ein Sergeant vor der strafexerzierenden Kolonne: Julius Streicher! • Es ist kein Zweifel: Bon allen Nazirednern, Hitler mit eingeschlossen, ist dieser frühere BolkS- schullchrir, wegen schlimmer Geschichten schon sehr frühzettig aus der Vädaaoaik-ntt-rn». sicherlich der, welcher die Primittvität deS Dritten Reiches und das Negroide dieser Kulturrückbfl- düng am reinsten verkörpert, am klarsten erkannt hat, am kompromißlosesten ihnen Rechnung trägt. Ohne Julius Streicher würde das Dritte Reich schon längst angefangen haben, langweilig zu wirken. Ohne seinen»Stürmer" würde es ganz der Monotonie perfektester Gleichschaltung und hanettester Saft- und Kraftlosigkeit des Legalln verfallen sein, die seiner Anziehungskraft jetzt schon gefährlich genug ist. Streicher und sein.Werk" leben davon, daß überall da, wo sie sind, immer noch der Rcvolverschuß dröhnend zur Decke fähtt, den anno 23 Hitler selbst im Münchener Bürge»» bräu— jeder Zoll ein Old-Sheaterhand— einst gelöst hatte. Und so etwa? braucht das Dritte Reich mehr noch als Devisen. Sonst wird es von Reichswehr oder Kirche, von Etatssorgen und Exportbestrebungen, von vaterländischer Stattsttk oder vaterländischer Literatur versponnen, ver» mahlen und verspeist— von allen Tatsachen und Einrichtungen der Ordnung nämlich und der bürgerlichen Seriosität. Die Karpfen vermodern im eigenen Fett, wenn der Hecht nicht wäre. Julius Streicher i st der Hecht! Herr Streicher nennt sich den»Frankenführer". Er ist eS, grade wenn man der nationalsozialistischen Parteihierarchie und ihren Titula« tuven folgen will, aber durchaus nicht. Im Gebiet Franken fungieren nämlich als Gauleiter, wie auch Streicher einer in Nürnberg ist, noch zwei w-ftere Nationalsozialisten Erstens einmal der frühere Lehrer Hans Schemm, der diesen seiner, Parteiposten auch als bayrischer Kultusminister beibehalten hat. Herr Schemm residiert in Bayreuth sOberfranken) und beherrscht ganz souverän den Parteigau Bayrische Ostmark, zu den, Oberfranken, Teile von Mittelsranken und Niederbayern gehören. In Oberfranken und in Mittelfranken zum großen Teil bat Herr Strei» cher, der»Frankenführer", also höchstens als Regierungspräsident ba der Regierung in Anü- bach mitzureden. In der Partei hat er nichts zu vermelden. Unterfranken mit der Hauptstadt Würzburg untersteht wiederum einem berüchtigten früheren Zahnarzt Dr. H«l m u i h als Gauleiter, der zugleich dort auch Regierungspräsident ist. Diese ganze, nicht sehr klare or,za- nssatorische Aufteilung des Gebietes, als dessen Herrn sich Herr Streicher so gern bezeichnet, hat seine besonderen Gründe in der Person Streichers und dem Mißtrauen, das ihm, abgesehen von Hitler selbst, alle Untergötter der NSDAP, vor allem in seiner näheren bayrischen Nachbarschaft ontgegenbringen. Man sperrte ihn auf diese Weise gewissermaßen in sei- nemNürnberg i n d i e I s oli e rz e l l e ein. Ueber das Weichbfld der Äadt hinaus sollte der Saft- und Kraftmensch neben den Entscheidungen bleiben! Man muß wissen, daß gerade für die Machtverhältnjffe im Hitlerreich der Gauleiter als omnipotent gilt, nicht aber irgendeine rhetorische Größe, so populär sie auch sein mag. Streichers»Stürmer", an dem er schon vor Fahren nachweislich 60.000 bis 100.000 Marl « Sekte 4 Frrttag, 19. Juki 1935 Nr. 166 Tod zweier Arbeitsloser in einem onfgelassenen Schacht in Görsdors Re I^uiKatur cles Tages Gfirlng Zu der neuen Terrorwelle in Deutschland AgesneuigLeiten Jehntanfende ertrunken H a n k a tt. Nachrichten ans chinesischer Quelle besagen, daß bei ben Ueberschwemmungen in der Provinz H o p e i 50.000 bis 100.000 Personen ums Lebe« gekommen sind. Ans Pei-ing wird gemeldet, daß sich die durch den Gelben Fluß verursachte Ueberschwemmung biS nach Rordkiansu ausdehnt, wo 100.000 Kulis damit beschäftigt find, die Dämme des Wejschan-Dcrs zu befestige«. Cholera... Hankau. Ein ans dem Han-Tale kommender Missionär teilte Mit, daß sich dort 3 0 0.0 0 0 F liichtlinge aus den Ueberschwemmungs- gcbieten aufhalten und daß unter diesen die Cholera wüte. 50 von 100 wollen nicht! Danzig. Aus Danzig wurden 1400 Arbeitslos e nach Deutschland zur Arbeit geschielt. Davon lehnten jedoch 7 O O Personen ab, nach Deutschland abzureisen. Die Serie der Grubenkatastrophe» Banlear(Kentucky). I« den Kohlengruben von Vanlear ereignete sich Mittwoch nachmittags eine Grubengas-Explosion, durch die— wie man begründeterweise annimmt— z e h n Bergleute den Tod gefunden haben.' Der Kampf gegen den Krebs Kingston(Ontario). Wie Dr. C o n n e l I von der Queens University mitteilt, ist es ihm gelungen, eine neue Serie biologischer Produkte zu entdecken, von denen eines die Fähigkeit besitzt, ein weiteres Wachstum des Karzinoms zum Stillstand zu bringen und möglicherweise auch eine völlige Heilung herbeizuführen. Grotta«. Gestern früh wurden in dem aufgelassenen Kohlenschacht„Barbara" in Görsdorf die schwarzverfärbten Leichen zweier wahrscheinlich beim Wildschurf durch Kohlengase vergifteten Männer aufgefunden. Eine Gendarmeriepatrouille aus Grottau begab sich nach Görsdorf und stellte fest, daß sich das Unglück folgendermaßen abgespielt hat: Donnerstag 9m 3 Uhr früh stieg der ehemalige Schlosser Stefan Drahoüovsky in den acht Meter tiefen, von Kohlengasen erfüllten ausgelassenen„Barbara"-Schacht. Er wurde durch die Gase vergiftet und fiel zu Boden. Nach 4 Uhr Ci» weiblicher Kapitän für Fernfahrten Unter den Kapitänen der Sowjetflotte gibt es auch eine Reihe weiblicher Kapitäne für Fernfahrten. Einer der besten weiblichen Kapitäne ist die 27jährige A. Schtschetinina, die den Dampfer„Tschawytsch" führt. Sie fährt bereits zehn Jahre zur See und hat im Jahre 1927 das Technikum in Wladiwoswk absolviert. Später hat sie längere Zeit im Fernen Osten gearbeitet. Bereits d r e i m a l hat sie den Weg von W e st- e u r o p a nach dem Ferne« Osten zurückgelegt. Gegenwärtig bereitet sie sich auf eine Fahrt von Odessa nach Kamtschatka vor. ,^Heil Hitler" straffrei? Dor dem Krcisge- richt in Leitmeritz hatte sich der zur Zeit ar- beltslose Schiffer P. aus Schönpriesen zu verantworten, weil er einen Bekannten auf der Straße laut mit„Heil Hitler" gegrüßt hatte. Der Senat sah den inkriminierten Tatbestand als erwiesen an, erklärte jedoch,— ein ausgesprochenes Novum—„daß der bloße Gebrauch des Grußes noch nicht strafbar sei" und sprach P. frei Internationale Konferenz für öffentliches Unterrichtswesen. Tsch. P.-B. meldet aus G t n f: In Genf findet die 4. Internationale Konferenz für öffentliches Unterrichtswescn in Anwesenheit von Vertretern von 40 Staaten statt. Sämtliche drei Staaten der Kleinen Entente sind vertreten. Die Tschechoslowakei vertritt Direktor Kepl vom Ministerium für Auswärtige Angele- genheüen. Interessant ist, daß auch Deutschland seinen Vertreter nach Genf entsandt hat. Die Konferenz wurde von dem Schweizer Delegierten, Staatsrat Lachenal, dem Vorsitzenden des'Exeku- tivausschusses des Internationalen Erziehungs- Instituts in Genf, eröffnet. Die Konferenz wird sich vor allem mit den die Lehrerschaft an Volksund Mittelschulen betreffenden Fragen befaffen. Es wird auch das Problem einer Verbesserung des Unterrichtsplanes diskutiert werden. Es wurden die Berichte der einzelnen Unterrichtsministerien für das Jahr 1934-35 geprüft. Als Spion verhaftet. Die Gendarmerie in B e r e h o v o verhaftete auf Weisung der Staats- anwallschast wegen Verdachts der Spionage in Berehovd den 28jährigen Redakteur Josef Horvath aus Budapest, der sich vorübergehend bei seinem Vater, einem in Berehovo wohnenden pensionierten ungarischen Gerichtsbcamten aufhielt. Es wird daran erinnert, daß der Verhaftete in der Revisionisten-Liga in Ungarn tätig war und dort Kampagnen gegen den tschechoslowakischen Staat veranstaltete. Di« Mörderin der HausgrhUsin verhaftet. Die Wiener Fabrikantensgattin Josefine L u n e r, die wegen des gewaltsamen Todes ihrer Hausgehilfin Anna Augustin verfolgt wird, ist Mittwoch abends in einem Gasthause in Mauer bei Wien früh kam vereinbarungsgemäß Rafael M l ä d e k aus Görsdorf zur Grube. Auch er stieg in die Grube hinab, wahrscheinlich um Drahoüovsky fortzuschaffen. Er blieb gleichfalls im Kohlenschachk Die Leichen der.beiden Männer wurden um halb 6 Uhr früh aufgcfunden. Sie waren früher in der Fabrik Kosmanos beschäftigt gewesen und schon seit längerer Zeit arbeitslos. Sie waren beide 50 Jahre alt, verheiratet und hatten jeder zwei Kinder. Bei den Reftungsarbeiten erlitt Iwan Ethel eine leichte Vergiftung. Sein Zustand ist jedoch bereits, befriedigend.... verhaftet worden. Die Verhaftete leugnet jede Schuld an dem Tode ihrer Hausgehilfin. Selbstmord im Erziehungsheim. Selbstmord durch Erschießen verübte am 17. Juli in der Lan- deserziehungsanstalt in O p a t o v i c e n. L. der Zögling Miroslav R o c e l aus Troubsko bei Brünn. Als Schlofferlehrling verschaffte er sich einen Patentschlüssel zu dem Dienstraum, in welchem der Revolver des Nachtwächters aufbewahrt wird. Die Ursache seines Selbstmordes steht, wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, mit dem Institut, in dem er sich befand, in keinem Zusammenhang.— Seit der Errichtung der Landeserziehungsanstalt in Opatovice hatte die Anstaltschronik zwei Selbstmorde von Zöglingen zu verzeichnen. Der jetzige Fall ist der dritte. Ein Personenzug und ein Güterzug stteßen unweit von Paseo bei Washington zusammen. Drei Reisende wunden getötet und sechs verletzt. Zwei Waggons des Pcrsonenzuges entgleisten und beide Lokomotiven wurden schwer beschädigt. In den Trümmern der Waggons wird noch nach eventuellen weiteren Opfern gesucht. Selbstmord eines Unglücks-Chauffeurs? Seit Ende Mai d. I. wird der 23jährige Chauffeur Stanislav K o u t n h aus Chropyne bei Kremsier vermißt und es besteht die Befürchtung, daß er aus Furcht vor einer Strafe Selbstmord verübt habe. Koutnh fuhr am 26. Mai eine 23gliedrige Exkursion in einem Autobus aus Roznova zur Talsperre der Bystricka, wobei der Autobus in den Grwben fuhr und drei Passagiere infolgedessen schwer und zehn weitere Paffagiere leicht verletzt wurden. Der Chauffeur ist nach dem Unfall verschwunden und die Gendarmerie hat ihn bisher nicht ausforschen können. Die Uebrrfiedlung der Assyrer aus dem Irak. Nach der Entscheidung des Völkerbundsrates wurde eine Sonder-Kommission nach dem Irak und nach Französisch-Syrien entsandt, um an Oft und Stelle die Möglichkeiten der Ansiedlung assyrischer Flüchtlinge aus dem Irak in französifchen"Kolonien zu prüfen. Die Kommission stellte fest, daß es nötig sein werde, individuell vorzugehen und jeden Assyrer zu befragen, ob er' den Irak verlassen wolle, um so festzustellen, wieviele von ihnen umgesiedelt werden müssen. Die iranische Regierung gewährt eine finanzielle Beihilfe, die höchstens zur Umsiedlung von 12.000 Personen ausreichen würde. Zur Durchführung der ganzen Aktion würden 800.000 Pfund Sterling notwendig sein. Marischkas Gläubiger zahlen schwer drauf. Am Donnerstag fand in Wien eine Versammlung der Gläubiger des ehemaligen Theaterdirektors Hubert Marischka statt, die mit großer Mehrheit den vorgeschlagenen Ausgleich annahm. Um dieses Abkommen zu ermöglichen, mußte aber eine ganze Reihe von Gläubigern von ihren Forderungen Abstand nehmen, was besonders, von den Komponisten Lehar und Kalman gift, während sich die übrigen Gläubiger mit Quote« unter,40 ProzMt begnügen und andere wiederum zu geringeren Ratenzahlungen auf lange Frist ihre Einwilligung geben mußten.■ Sie ging so tief, daß Franken i aber Hitlev und mit ihm Streicher zur Macht die| kamen, änderte sich freilich dieser berechnete Wurschtigkeitsstandpunkt dem„Antistürmer" gegenüber merkwürdigerweise sehr schnell. De» „Abtrünnige" mußte vor den Verfolgungen der Streicherschcn Palastgarde in ein Krankenhaus fliehen. In Nürnberg erzählte man, daß er schon längst vor dem 30. Juni nicht mehr am Leben gewesen sei. pro anno als Herausgeber verdient hat, ist vor längerer Zeit auch in Berlin heimisch geworden, lieber die Ergebnisse seines Wirkens hat die Tagespreise der ganzen Welt berichtet. Immer, selbst als die NSDAP noch in den Säuglingsstrümpfchen steckte, hat es um den Bajazzo des Naziterrors Streicher tolle Gerüchte gegeben. Die saftigsten Anekdötchen, die neckischesten Geschichtchen, dekoriert mit SpitzenhöSchen und Damenschlüpfern, gehören nun einmal zum ganzen Komplex. Bei der Nürnberger SA war Julius grade deshalb wenigstens zeitweise der Mann, für den man durchs Feuer ging. Grade auch die Frauen von Streichers Parteiintimi sollen sich der strotzenden arischen Männlichkeit des Julius nicht haben entziehen können; der SA imponierte, wenn der ftarke Mann dem oder jenem verhaßten Parteibürokraten wieder einmal ein Geweih aufgesetzt hatte... Wie viele innere Parteiaffären knüpfen sich an Streichers Namenl Manche davon von einem Ausmaß, daß sie schicksalhaft für die ganze Hitlersche Konstruktion hätten werden können! Nach dem'ersten Parteitag in Nürnberg, dessen Leiter er war, wurde er öffentlich von Terlneh- merseite beschuldigt, nicht richtig abgerechnet zu haben. Die Nazi-Mitglieder, welche diese Abrechnung forderten, flogen dank Hitlers Kame- radie zu seinem Julius aus der Partei hinaus; nur die Sache blieb oberdunkel. Es kam dann, in Papens Kanzlerzeit, zur erfassen drohte. ein« ganze Zeitlang so gut wie keine SA. parteioffiziell war, mehr kannte. Als Hitler an die Macht kam, zählte z. B. die Revolutionstruppe in AnSbach noch ganze sechs Mitglieder. Es handelte sich damals auch um große Unterschleife, die der Rebell Steegmann gegen den Streicher beweisen konnte. Soweit war es dank des Wirkens des„Franlenführers", daß sich die Zersetzung des Terrorinstrumentes über ganz Deutschland unbedingt fortgepflanzt hätte, wenn nicht Hitler jenes Zipfelchen des großen Wunders seiner Machtübernahme hätte schnell packen und so das schon über sein ausschlaggebendes Werkzeug verhängte Schicksal hätte wenden können. Es war Julius Streicher, der um ein Haar der Herostratos seiner Partei geworden wäre! Skandalös« rings um Streicher! Jrer gibts so viele, daß es in Nürnberg bis zum Anbruch des Dritten Reiches einen eigenen, regelmäßig erscheinenden„Antistürmpr" als Wochenblatt gab, der von einem besonders eingewcihten früheren SA-Mann herausgegeben wurde und ferne Spalten ausschließlich mit den Streicherschen Realitäten. mit den Erotica und Kleptomanica sei« Herr Julius Streicher ist vielleicht eine» der beschäftigst«« Leute des zivilisierten Erdballes. Er ist nicht nur der in die Geschichte der Pornographie rühmlichst eingcgangene Herausgeber des„Stürmer" mit nicht zu knapper Ver« lcgertantieme. Er ist nicht nur Regierungspräsident in Ansbach. Nicht nur Gauleiter seine» engeren Machtrayons. Er hat auch die Polizeidirektion Nürnberg-Fürth übernommen und dirigiert das Amt durch Subalterne seiner aller» engsten Auswahl durchaus persönlich. Der Stadr» rat in Nürnberg, der die Geschicke dieser dem» schesten aller Großstädte verantwortlich allem lenkt, ist lediglich noch eine Zusammenstellung unmittelbarer Strcicherscher Dienstboten. Herr Hiller hält den Mann. D«r hatte sa insbesondere bei der Affäre Straffer treu zu ihm gestanden. Das vor alleckt dankt wohl er ihm. Aber Herrn Streicher umgibt ja nun noch- eine besondere Schmutz- und Schundatmosphäre aus- den Bezirken arischer Erotik, was in dieser De» ziehung über sein besonderes Verhältnis zur Parteiführung in Nürnberg ganz allgemein er«, ßählt wird, entzieht sich einfach der Darstellung. ner Affären füllte. Seine Auflage Ivar schließlich so groß wie die des„Stürmers" selbst. Aber Her» Julius klagte durchaus nicht, wie ganz Nürnberg von ihm erwartete. Er stellte sich in seinem Blatt ungefähr auf denselben Standpunkt, den Herr Hitler selbst etwa zu den Prager, oder Pariser „Greuelnachrichten" recht bequem, aber auch großen Revolte der SA-FührerS Steegmann in-wenig imponierend omnimmt— von„Abtrün» Nürnberg, die sehr schnell den ganzen Süden zu I nigen" kann man nicht beleidigt werden... Als Einstürzend« Wand begräbt Sechzigjährig«. In Metin bei Groß-Mezerik entstand am Donnerstag in der Häuschenkolonie an der Skaäis- stratze ein Brand, der in kurzer Zeit auf sieben Gebäude Übergriff. Die Löscharbci- ten wurden dadurch erschwert, daß der nahe Teich vor kurzer Zett abgelaffen wurde. Als der Brand bereits gelöscht war, betrat die 60jährige Doh- nalovä das ausgebrannte Häuschen ihres Sohnes, um sich von den Schäden zu überzeugen. In diesem Augenblick stürzte'eine Wand ein und die Greisin wurde von den Ziegelsteinen auf der Stelle erschlagen. Bei den Löscharbetten wurde auch ein Feuerwehrmann verletzt. Schrecklicher Tod einer Zehnjährigen. In M i r e t i tz, in der Nähe von Chrudim, kam die' zehnjährige Rosa Ondrasek beim Erdbeere n su ch e n an einen Steinbruch, dessen Grund mü Wasser gefüllt war. Das Kind glitt aus, stürzte in die Tiefe und ertrank. Rumänischer Leutnant als ungarischer Spion. Das Bukarester Militärgericht fällte nach 20tägiger Verhandlung das Urteil in dem Spionageprozeß gegen Leutnant Antonescu und dessen Mitangeklagte. Antonescu, der überführt wurde, mit seinen Mitschuldigen ungarischen Spionageagenten vertrau» liche militärische Jnformattonen geliefert zu haben, wurde zu 20 Jahren Zuchchaus und Zwangsarbeit verurteilt. Vier Angellagte erhielten fünf bis sieben Jahre Zuchthaus, ein Angeklagter wurde in contumaciam zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Baka-Auskage in Warschau zertrümmert. Im Zentrum der Stadt in der Marschallkowska-Straße hat in den'Morgenstunden des Donnerstag ein Mann, dessen- Identität bisher nicht festgestellt werden konnte, mit einem Eisenstabe die großen Auslagescheiben des Verkaufshauses der Firma Bata eingeschlagen. Der Wert der vernichteten Auslagen beträgt gegen 12.000 Zloty. Durch die Glassplttter wurden die in den Auslagen befindlichen Waren beschädigt. Der verhaftete Attentäter, allem Anschein nach ein Arbeiter, weigerte sich das Motiv seines Handelns anzugeben. Der Mann wurde in das Gefängnis eingeliefert. Für Abergläubische bringt des Tsch P. B. folgende Hundstags-Meldung aus Monte Carlo: „Eine 65jährige Amerikanerin aus Los Angeles, Frau A. M. Sherwood, wollte Mittwoch im Spielkasino von Monte Carlo auf 13 setzen, da der Kellner, der sie im„Cafö de Paris" bediente, die Nummer 13. hatte. Als sie dann ins Kasino eilte, glitt sie über eine Bananenschale aus und brach sich das Bein an zwei Stellen."— Wen soll man mehr bedauern — die Amerikanerin oder alle, die nicht alle werden....? 60 Waggon„Pilsner" täglich. Die großen ! Hitzen der letzten Tage haben einen Rekordkonsum an Pilsner Bier mit sich gebracht. Dementsprechend ist auch der Bicrausstoß der Pilsner Braue» reien ein wesentlich höherer.' Das Bürgerliche Bräuhaus verzeichnet— laut„Pr. Pr."— einen Ausstoß von 40 Waggons täglich. Die beiden anderen Konzernbrauereien haben einen täglichen Ausstoß von 20 Waggons. Bon der Musikschule Petschau.(Staatlich genehmigte und subvenfionierte Lehranstalt.)Die Einschreibungen und Aufnahmsprüfungen für Schüler beiderlei Geschlechte- finden am 2. und 3. September 1935 statt. Der Besuch der Musikschule und Bürgerschule ist gleichzeitig möglich. Gründliche Ausbildung zu tüchtigen Berufsmusikern in sämtlichen Orchesterinstrumenten, Klavier, Orgel, Chorgesang und allen theoretischen Fächern. Prakttsch« Hebungen im Zusammenspiel: Streichorchester(62 Schüler), Harmoniemusik(62 Schüler), Kammermusik für Streich- und Blasinstrumente und Kirchenmusik. Es finden Symphcnie-, Kammermusik-, Harmoniemusik-Konzerte, Schülerabende und große Choraufführungen statt. Die Zusendung der Pro- spette erfolgt kostenlos durch die Direktion.. Das Barometer geht zurück. Die vom Weste« her fortschreitend« Abkühlung ist am Donnerstag bis zu den Grenzen der Republik gelangt. In Sachsen und Bayern wurden um 13 Uhr meist nur 2l bis 23 Grad verzeichnet, dagegen betrugen die Temperaturen bei unS durchschnittlich noch 27 bis 28 Grad. In der Südwestsiowakei traten am Nachmittag Gewitter auf. In den böhmischen Ländern ist es seit den Morgenstunden meist trocken geblieben. Der Barometerstand geht über dem Binnenland andauernd zurück. Bei westlichem Winde ist in den nächsten Tagen unbeständiges und kühles Wetter zu erwarten.■*— Wahr- schein! ich esWetter von heute: Unbeständig, wechselnd bis vorwiegend bewölkt, Neigung zu Regenschauern oder Gewittern, von-Weste« her allmähliche Abkühlung, im Karpathengebiei schwüler, Wind aus westlichen Richtungen.— W e ite raussichten für Samstag: Unbeständig mit Regenschauern. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen* Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatten, 18-20: Deutsche Sendung: Querschnitt aus der Operette: Der arme Jonathan von Millöcker, 19: Deutsch« Presse, 21.10: Reportage vom Sommerlager der Nmca, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik. 14.10: Deutsche Sendung: Klavierkompositwne«, 14-40: Kulturrelief.— Brünn 16.30: Uebertra- gung aus Karlsbad: Rezitattonen, 19.30: Walzerzauber.— Mährisch-Ostra« 20.30: Schauspiel aus dem Atelier: Modch« freigesprochen.— Preßbuft 21.10: Mauderquartett, 21.50 Unterhaltungsmusikmusik.— Rr. 166 Freitag. Id. IM 1935 Seite 5 Amerikanische Eindrücke Bon Gerhart Seger I. Es ist schon banal, die Worte zu zitieren: .Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen", und dennoch sind sie die türzeste Formulierung einer immer aufs neue erlebten Erfahrung. Was man sich auch aus der umfangreichen Amerikaliteratur angelesen haben mag— alles verblasst vor den ersten Eindrücken der Wirklich- leit, wenn das Schiff am Pier in New Dort anlegt und— man dann New Dort verläßt. So typisch amerikanisch dem Europäer die riesige Stadt New Dort mit ihren phantastischen Wolken- krahern auch erscheinen mag, Amerika beginnt erst hinter New Dort. Diese Stadt, mit ihrem Gesicht dem Meere und dem alten Erdteil zugewandt, ist mehr«in amerikanischer Borort von Europa, mit einem durchaus europäisch anmutenden Kulturleben. Amerika ist nicht ein Land, es ist ein Kontinent. Schon landschaftlich: größere Gegensätze als zwischen dem eisigen Norden und der sonnendurchglühten Wüste von Arizona, zwischen dem Osten mtt seinem harten Winter und dem ewigen Frühling Kaliforniens sind kaum vorstellbar. Dazu kommt das merkwürdige Gefühl der Weiträumigkeit, das der Europäer empfindet, wenn er den ungeheuren Kontinent in Eisenbahn, Auto und Flugzeug durchquert; der Europäer, gewohnt, alle paar Eisenbahnstunden an eine andere LandeS- grenze zu kommen und seinen Patz borzeigen zu müssen, hat sich zu vergegenwärtigen, daß ein einziger der achtundbierzig amerikanischen Bundesstaaten, Texas, größer ist als Deutschland. Wenn auch der in Amerika außerordentlich weit entwik- kclte Flugverkehr die Entfernungen beständig vermindert— daS Gefühl der Unendlichkeit dieses Kontinentes, das so viel zu der Vorstellung von den noch immer unbegrenzten Möglichkeiten beiträgt, bleibt bestehen. Mein Flug von New Dork nach San Francisco(ein Göttergcschenk von einer wohlbestallten Organisation in New Dork, die mich durchaus zwei Tage vor meiner ersten kalifornischen Bortragsverpflichtung haben wollte und den Flug daher ermöglichte) Lauerte siebzehn Stunden. Zur gleichen Strecke braucht- der schnellste Expreßzug noch immer drei Tage und vier Nächte; aber trotz der ungeheuren Fluggeschwindigkeit war der Eindruck von der Weite dieses maßlosen Landes womöglich noch stärker als während tagelanger Eisenbahnfahrt. Der Wechsel vom flächen Osten zum hügeligen mittleren Westen, zu den ansteigenden Rocky Mountains und den westen Schneeflächen und hohen Steinwüsten Nevadas, und schließlich die sanfte Landung unter den Palmen Kaliforniens—. dieser Flug vom Ufer des Atlantischen zum Ufer des Pazifischen-Ozean war ein unvergeßliches Erlebnis. Zum Raumgefühl, das die Weite des Landes und die Vielfalt der Landschaft erzeugt, tritt ein anderes nicht minder ausgesprochenes Empfinden: Amerika ist das Land der Gegensätze. Was im alten Europa jahrhundertelanges enges Zusammenleben, was kulturelle Tradition und soziale Ueberlieferung allmählich abgcschliffen haben, steht sich in Amerika in unverminderter Eindeutigkeit gegenüber. Allerdings mit einer deutlichen Einschränkung nach der sozialen Seite hin: wenn man vom sozial weit zurückgebliebenen Süden absieht, spürt man in Amerika nicht ganz so stark im öffentlichen Leben, d. h. auf der Straße und in den Restaurants, in der Eisenbahn und im Kino, den Hauptzentren des sozialen Lebens, den Gegensatz zwischen Arbeiter und Unternehmer, Angestellten und selbständigem Geschäftsmann wi: in den meisten europäischen Ländern. Dessenungeachtet aber bestehen, wirtschaftlich gesehen, die krassesten Gegensätze und Unterschiede; alles in Amerika ist ins Extreme gesteigert, der ungeheure Reichtum so gut wie die niedrigste Armut. Diese Gegensätzlichkeit macht das Leben in Amerika, trotz aller Standardisierung, phantastisch bunt. Während sich das pckstische Leben— wenigstens bis zur gegenwärtigen Zeit— im wesentlichen auf dem Hintergründe der beiden ein« gesessenen Parteien abspielt, zeigt zum Beispiel das religiöse Leben eine verwirrende Fülle von Kirchen und Sekten, schießen alle Augenblicke neue Bewegungen hervor und verschwinden ebenso rasch wieder. Daher wackit auch der Amerikaner eifersüchtig über den verfassungsmäßigen Rechten der ungehinderten Rede«, Bersammlungs-, Presse- und Organisationsfreiheit. Ein Beispiel für viele: in einer großen Stadt des Westens wurde ich von der Rundfunkstatton der größten Zeitung der Stadt, einem ziemlich konservativen Blatt«, zu einer Rundfunkrede über Dcuttchland aufgefordert. Als ich den Leiter des Station fragte, ob er ungefähr den Anhalt meiner Rede wissen oder gar ein Manuskript sehen wolle, fragte er maßlos erstaunt zurück:.Aber warum denn? Sie sind unser Gast und sprechen selbstverständlich, was Sie wollen!" Millionen Einwohnern, im Lande der höchst entwickelten verwegensten Kapitalmachti— mit insgesamt 22.000 an! Die amerikanische Kommunistische Partei ist ungefähr von derselben .Größe". Es gibt Ansätze zu einer dritten Partei, neben den Republikanern und Demokraten zu einer Arbeiter- und Bauernpartei, aber das be- schränkt sich vorläufig auf vereinzelte Staaten und fällt zahlenmäßig noch nicht ins Gewicht. Reben der festen Verwurzelung der durchschnittlichen amerikanischen Bevölkerung in den beiden überlieferten Parteien, die sich trotz aller Angriffsflächen der amerikanischen Politik beinahe unverminderten Einflusses auf die Wähler erfreuen, drängt sich besonders eine psychologische Tatsache als die vermutlich ausreichende Erklärung für die Ein- flußlosigkett der sozialistischen Gedankenwelt auf: es gibt im amerikanischen Englisch ein Zauberwort, das die Phantasie und den Glauben der meisten Menschen, unbeschadet selbst der schreck- ttchen wirtschaftlichen Krise, völlig gefangen nimmt, das ist die.Chance". Das Wort bedeutet in Amerika viel mehr als in Europa. In Europa bedeutet cs eine gute Gelegenheit, in Amerika ist es die unerschütterliche Zuversicht in die jedem einzelnen Menschen irgendwann einmal offenstehende Möglichkeit, sein Glück zu machen. Roch immer herrscht in Amerika ein wenig Goldgräberatmosphäre, wenn auch nicht im Sinn« und Grad« der verflossenen Pionierzeit und des Zuges nach dem vielversprechenden Westen, so doch im Sinne einer den Europäer abenteuerlich anmutenden Hoffnung auf den mehr durch Glücksumstände als durch eigene Leistung und Fähigkeit hervorgerufenen Aufstieg. Der Glaube an die geheimnisvoll im Schoße der Zukunft schlummernde Chance verchindert mehr als alles andere die Erkenntnis der gemeinsamen ökonomischen Lage und der daraus folgenden Gemeinsamkeit der Interessen; Lieser Glaube erhält den individualistischen Optimismus und schafft eine Lebenseinstellung, auf der natürlich keine Arbeiterbewegung erwachsen kann._ Erst wenn der Glaube an die Chance erschüttert ist, wenn di« Hoffnung des Einzelnen auf gerade seinen Aufstieg aus der breiten Masse der von ihrer Hände oder ihres Kopfes Arbeit Lebenden erlischt, wird die psychologische Bereitschaft zur Organisation, zu gemeinsamem Kampfe um eine bessere Zukunft erwachsen. III. Die wirtschaftliche Krise, die, wie alles in Amerika, ein gigantisches Ausmaß erreiM hat, beschleunigt freilich die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit der Arbeitenden in, einem für die amerikanische Entwicklung der letzten' Zeit übe?« laschenden Tempo. Einstweilen aber äußert sich die durch die tiefgehende, schon sechs Jahre dauernde ökonomische Krise hervorgrrufene Erschütterung des Glaubens an die Chance, äußert sich das wachsende Gefühl der ökonomischen Unsicherheit in dem Zulauf zu den phantastischesten Bewegungen. Bier davon, die größten, seien flizziert: In Kalffornien ist«ine riesige Organisatton entstanden, die buchstäblich auf ein vergessenes Buch gegründet ist, auf das utopische Buch Brl- lamy's:.Mückblick aus dem Jahre Zweitausend". Diese Organisatton, die in ihrer Blütezeit im Herbst des vergangenen Jahres allein in Kalifornien 960.000 zahlende Mitglieder umfaßt«, hat außerdem in ihrem Programm Elemente der auch in Europa bekannten Gedankengänge d«r sogenannten Technokratie, sie nennt sich ,^ltopian Society", Utopische Gesellschaft. Ihr erstes und wahrscheinlich letztes polittsches Auftreten erfolgte im letzten Herbst bei der Gouverneurswahl in Kalifornien, wo die Demokraten dem amtierenden, sehr reaktionären Gouverneur Merriam den linksstehenden, in Europa gut bekannten Schriftsteller Upton Sinclair entgegenstellten. Seine Kandidatur wurde weniger von der demo« kratsschen Partei, als von der Utopian Society und der von ihm geschaffenen Parallelorganisation .Epic"(die Anfangsbuchstaben des Schlagwortes von Sinclair ,^nd Poverty In California",, die Armut in Kalifornien abzuschaffen)unterstützt. Aber obwohl Upton Sinclair geschlagen wurde, hat die ihn unterstützende utopische Bewegung noch immer einen großen Zulauf. Es find verschiedene Spaltungen vorgekommen, doch besteht diese seltsame Bewegung noch und beweist durch ihre Existenz die Stärke des noch verschwommenen, seiner selbst nicht bewußten, aber unzweifelhaft antikapitalistischen Gefühls. Eür anderer Krisenprodutt ist die von einem Arzte namens Dr. Townsend gegründete Bewegung, der allen alten Leuten je 200 Dollar monatliche Mtersrente aus öffentlichen Mitteln geben will, mit der Bestimmung, diesen Betrag aber auch bis zum letzten Cent im lausenden Monat auszugeben. Die Folge ist nach Ansicht des Dr. Townsend, daß der gesamte Betrag, der den. alten Leuten aus öffentlichen Mitteln gezahlt wird, durch den Ausgabezwang wieder in die Wirtschaft zurückfließt. Daß diese Milchmädchen- vechnung ein großes Loch hat, sieht Dr. Townsend ntdk ein: wenn, so sägen di« verantwortlichen Politiker in Amerika, z. B. für zehn Millionen alt« Leute monatlich zwei Millionen Dol- lar aus öffentlichen Mitteln hergegeben werden, so flösse zwar dieser Betrag infolge des Ausgabenzwangs wieder in die Wirtschaft, aber doch nicht aus der Wirtschaft zurück in die Staatskasse; die Summe würde für Miete, Lebensmittel, Kleidung und andere Bedürfnisse ausgegeben, aber davon erhielt der Staat doch nur«inen sehr geringen Betrag in Form von Steuern zurück, sicher nicht mehr als den zehnten Teil. Neunzig Prozent der großen Summe müßte also im zweiten Monat neu aus der Staatskasse gegeben werden, und so fort das Jahr hindurch—«in« gigantische Inflation I Trotzdem hat Dr. Townsend viele Hunderttausende von Unterschriften für seinen Plan erhalten, denn auch in Amerika ist die Zahl der Menschen recht groß, die sich von den wirtschaftlichen Gesetzen und der finanziellen Tragweite solcher Dinge keine Vorstellung machen können. Schließlich müssen in diesem Zusammenhang zwei ausgesprochen reattionäre Bewegungen erwähnt werden: die„League sor social justier", Liga für soziale Gerechtigkeit, des katholischen Geistlichen C o u g h l i n, der, Pfarrer einer kleinen Gemeinde des sehr katholischen Detroit, seine Laufbahn als Rundfunkredner begann und in den letzten Monaten sich auch öffmtlich in den größten Bersammlungssälen in Cleveland, Detroit und New Dork gezeigt hat. Der Inhalt seiner Reden ist ebenso Versihvommen wie das Programm seiner Organisation; mal unterstützt er die Bemühungen des Präsidenten Roosevelt, dann wieder greift er ihn aufs heftigste an. Di« nach Millionen zählende Anhängerschaft seiner Liga erklärt sich offenbar nur aus dem antikapitalistischen Gefühl der breiten Massen, die, dumpf, hte wachsende Unsicherheit.der so lange funktionierenden Wirtschaftsordnung spüren und nach. einem Ausweg suchen. Das gleiche gllt von derjenigen Bewegung, die wegen der Eigenschaften ihres Gründers und Führers am ehesten mtt dem hitlerdeutschen Fa- scismus verglichen werden kann, von der„Share of wealth"(Teilt den Reichtum)— Bewegung des Senators von Louisiana, H u.e.v Long. Seines Zeichens Rechtsanwält, ein guter. Aber völlig gewissenloser Redner, ein smarter Beherrscher des amerikanischen politischen Apparates, selbstherrlicher Diktator des Staates Louisiana, hat Huch Long eine Zeitlang unausgesetzt die öffentliche Meinung beherrscht, soweit sie sich in Rundfunk und Presse widerspiegelt. In der letzten Zeit ist seine Popularität wieder im Abnehmen begriffen, es hat zumindest gegenwärttg nicht den Anschein, als ob seine verwegenen Versprechungen(jedem Amerikaner ein Jahreseinkommen von 6000 Dollar und Universitätserziehung für jedes Kind) neue Anhänger fänden. Ein gefährlicherer Reaktionär ist entschieden der amerikanische Zeitungskönig William R. H e a r st. Er verfährt genau nach der Methode des früheren deutschnationalen ZeitungSmagna« ten Alfred Hugenberg, der mit seiner antikommunistischen und antisozialistischen Hetze dem Fasciö- mus den Weg bereitet hat; auch Hearst läßt durch seine Zeitungen ununterbrochen auf die— in ir. Der stärkste Eindruck für jedermann, der mtt der Borstellungswelt europäischer. polittscher Or ganisationen, besonders der modernen sozialistischen Arbeiterbewegung, nach Amerika kommt, ist wohl daS Erstaunen über die Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit der amerikanischen Arbeiterbewegung; um zunächst von der polittschen Bewegung zu sprechen. Die Sozialistische Partei gibt ihre Mitgliedschaft— in einem Land« von 126 Abtretung britischer Inseln an Amerika als Kriegsschuldenzahluug? Der demokratische Senawr Lewis machte im amerikanischen Senat den Vorschlag, England sollte die Bahama-Jnseln, Jamaika und die Bermuda-Inseln als Teilzahlung der Kriegsschulden an die Bereinigten Staaten abtreten. Nach dem Anerbieten Englands,«inen Teil von Britisch- Erhtrea an Italien abzugeben, sei eine derartige Schuldenregelungsfrage akut geworden. Unsere Karte zeigt die Inseln, die der amerikanische Senator tordert. Erzwungen« Pogrom-Pause Am Dienstag nachmittag verbreitete der Nazirundfunk eine amtliche Erklärung, wonach die»Gliederungen" der Partei sich sofort der Polizei zur Verfügung gestellt hätten, als„die Empörung über das anmaßende Verhalten der Juden von dunklen Elementen für ihre staa t s f e in d l ich e n Ziele ausgenutzt" worben seien. Zusammen mit der Polizei, so hieß es weiter, haben SA und SS die Ruhe sofort wiederhergestellt; Staat und Partei würden gemeinsam die Ordnung gegen alle Störungsversuche sichern. Hier war also dieselbe SA, die auf Juden und dunkelhaarige Ausländer, einen dänischen Pressephotographen und zahlreiche Schaufensterscheiben mtt durchschlagendem Erfolg eingehauen hatten, amtlich zur Judenschutztruppe erklärt. Einige Stunden. später hörte man aus den Nazisendern einen Befehl der SA-Gruppe(Division) Berlin-Brandenburg. Dadurch wurde den SA-Leuten die Beteiligung an Demonstrationen verboten, es wurde ihnen befohlen, bis aus weiteres nur in Uniform auszugehen und den Sturmführern wurde aufgegeben, sich durch Appelle in den Sturmlokalen von der Befolgung dieses Befehls zu iBerzeugen. Hierdurch hat die SA-Gruppenleiturig vor aller Well wieder einmal die braune Ehre derSA gerettet indem sse ihre Beteiligung an dem Pogrom amtlich■ feststellte. Wenn man auch jetzt, schon wegen der Anwesenheit der britischen F r o n t k ä m p f e r d e l e g ä- tion die Hetzhunde zurückpfeift, so ist damit selbstverständlich das alterprobte Mittel nicht aufgegeben, Unmut und Empörung über Rot und Elend auf die Juden abzulenken. Soeben hat der Internationale Gewerkschafts- b u n d eine Menge Berichte aus allen Teilen Deutschlands und den verschiedensten Industrien erhalten, die übereinstimmend von rasch zunehmendem Rohstoffmangel und den Anzeichen einer schweren Wirtschaftskrise Zeugnis ablegen. In vielen Fällen hat die Rohstoffnot bereits zur Wiedereinführung d er Kurzarbeit und zu großen Entlassungen geführt.;Ohne die freundliche Hilfe gewiss er Finanz- mächte im Ausland wäre der,Zusammenbruch der Naziwirtschaft wohl schon eingetreten. Das wissen die Macher natürlich am besten selbst und darum haben sie zur inneren Entlastung di« Judenhetze arrangiert, die jetzt nur eine kurze Unterbrechung aus taktischen Gründen' erfahren hat. Amerika wirklich nicht vorhandene l—„rote Gefahr" Hinweisen, und er versucht einen künstlichen Nationalismus zu erzeugen, zu dem die amerikanische Bevölkerung ihrer.gemischten Zusam- mensetzuNg^zufÄge' Nicht' s«HA neiglbAllerdings ist es merkwürdig, daß keine der vielen Kampagnen die Hearst durch seine Presse geführt hat, einen Erfolg hatte; seine Zeitungen werden ihrer besonders sensationellen Aufmachung wegen viel gelesen, aber sein Polittscher Einfluß entspricht nicht im entferntesten der Auflageziffer seiner—• miserablen— Matter. Diese Verhältnisse können sich aber bei der durch die Krise erzeugten Labttität der politischen Lage rasch ändern, und Hearst ist von allen bekannteren Amerikanern der finsterste Reaktionär. Reben diesen Bewegungen, die der Krise entwachsen sind oder die Krise für dunkle politische Zwecke ausnutzen wollen, zeigt sich nun aber auch eine stetig zunehmende Wandlung in der American Federati o n o f Labor, dem Amerikanischen Gewerkschaftsbund. Während diese auf ganz anderen Organisationsformen beruhende Gewerkschaftsbewegung, als wir es in Europa von Gewerkschaften kennen, der Ueberlieferung von Samuel Gompers folgend sich von eigenen polittschen Aktionen immer fevngehalten hat und ihre sozialen Bestrebungen durch wechselnde Zusammenarbeit mtt entweder republikanischen oder demokratischen-Abgeordneten beider Parlamente verfolgte, wirkt- die Krise immer mehr in der Richtung einer Politisierung der amerikanischen Gewerkschaften. Besonders die Verteidigung des National Jndustry Recovery Acts, der NMA, deS Rooseveltschen Versuches einer gemäßigten Planwirtschaft mit gesetzlicher Regelung von Löhnen und Preisen, bringt die amerikanischen Gewerkschaften in die Frontlinie deS polittschen Kampfes. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Unterstützung der SMA den Gewerkschaften außerordentliche Vorteile gebracht hat; mit der verhältnismäßigen Sicherung von Arbeits- und Lohnbedingungen durch die rund 600 sogeirannten codes, d. h. die regelnden Bestimmungen für alle Industrien und Geschäftszweige, haben die Gewerkschaften ihre Mitglieder- zahlen steigern und ihre Finanzen durch die Ver« meidung von Arbeitskämpfen wesentlich verbessern können. Deshalb sind die Gewerkschaften auch entschlossen, durch Generalstreiks die von dem rechtesten kapitalistischen MügÄ kommenden Angriffe gegen die NRA abzuschlagen. ... Der gewallige Kontinent Amerika, die Vereinigten Staaten» werden in dem dort üblichen gigantischen Ausmaß von der Krise heimgesuchtalles ist im Fluß, niemand vermag zu sagen, welchen Weg die Entwicklung nehmen wird, ob es Roosevelt, einem Manne von unbändiger Energie, gelingen wird, eine neue Periode wiederkehrender kapitalisttscher Prosperität auf der Grundlage einer halb staatlichen, halb privaten Seite 6 „Sozialdemokrat" Fr-s-s, rs. Juki 193?. Nr. IS« Der Koburger Marsch oder Kriegsromanttt andersherum Der„Koburger Marsch" ist bekanntlich Hitlers Lieblingsmarsch, doch davon wollte Franz Schauwecker, Autor preußisch ausgerichteter Kriegsbücher, in seinem gleichnamigen Feuilleton, das er unlängst in der»Berliner Börsen-Zeitung" veröffentlichte, nichts berichten. Er wollte vielmehr die belebende, anfeuernde Wirkung preußischer Militärmärsche auf deutsche Soldaten, die sich todmüde anno 1918 beim Chemin-des-dames mehr rückwärts als vorwärts schleppten, einer darauf gar nicht mehr neugierigen Nachwelt vor Augen führen. Daß er es tut, könnte uns gleichgültig bleiben. Wie er es aber tut, läßt aufhorchen, denn der Leser entnimmt dem Schauwecker- fchen Text ganz ungewohnte, neue Töne, die, wenn sie ein antimilitaristischer, pazifistischer Dichter in seinen Büchern verwendete, ihm den Borwurf des Landesverrates, der Knochenerweichung, der Glorifizierung des»inneren Schweinehundes" eingetragen hätte Es scheint überhaupt gegenlvärtig die Tendenz vorzuherrschen, die Kriegs-Wirklichkeit nackt und realistisch zu schildern, nachdem man es nicht mehr als nötig erachtet, die berüchtigte»Dolchstoß",Legende zu kultivieren, wie man es aus innerpolitischen Gründen während der Weimarer »Systemzeit" getan hat. Denn auch die soeben bei Junker und Dünnhaupt erschienene»Geschichte des Ersten Garderegiments zu Fuß", als deren Herausgeber so erlauchte Namen wie Prinz Eitel Friedrich und Rudolf v. Katte zeichnen, wird mit der so ganz und gar unheroischen, ja geradezu lapidaren Feststellung beendet:»Der Krieg war nicht-Mehr zu gewinnen." Aber noch die Tatsache, daß»ohne Hoffnung auf Sieg gekämpft werden mußte", wird von den Herren Eitel Fritz, Katte und Schauwecker dazu benutzt, bei einer den Krieg nur vom Hörensagen kennenden Jugend neue Kriegsromantik zu wek- len. Wie das geschieht, soll an Hand des Schau- weckerschen»Koburger Marsches" aufgezeigt werden. Schauwecker desillusioniert zuerst einmal den Krieg und bemüht sich, ihm die Romantik zu nehmen. Das sieht so aus: »Der Weltkrieg hat keine funkelnden und bunten Angriffe geschossener Reihen gekannt; eS gab kein« fahnenflatternde Sturmlinie voll malerischer Gruppierung vor effektvollen Hintergründen; nirgendwo war Trompetengcschmetter und Trommelwirbel zu hören, nirgendwo waren stolz gebäumte Rosse mit pathetisch sich göbärdenden Reitern zu erblicken, nivgendwo sah man begerste- rungsjauchzende Gesichter mit strahlenden Augen — da hätten wir lange suchen können.. Und jetzt wird Schauwecker burschikos: »Ganz im Gegenteil, bitte sehr: das vergrub sich in den Kies und Dreck, das wühlte in Kot und Kreide mit verkrusteten Händen, das kroch durch Schlamm und Geröll mit Augen,, rot entzündet von GaSnebeln, das wand und schlängelte sich zwischen Erdbrocken, Granatsturz, Stank des EkrasitS, Balkensplittern, Drahtverhaurost und Sandsack- gefetz mit leeren Mägen, verschweißter Wäsche und hundert Flüchen auf der Lippe." »Das"— das waren Menschen, Soldaten 11 Nachdem er geschildert, um wieviel angeblich bester die Lebens- und Sterbensbedingungen gewesen, unter denen die feindlichen Franzosen zu kämpfen hatten, fährt er in seiner realistischdramatischen, unromantischen und ekelhaft burschikosen Erzählung fort. »Und auf der anderen Seite lagen wir, verlaust, verschmiert, verhungert, halbe Gerippe, mit Sehnen wie Draht, mit Kinnbackenknochen, die kokett durch die Haut guckten, in Morschen Uniformen, mit minderwertiger Munstion am Schluß— bitte sparen, jeden Schuß genau überlegen, nicht mehr als zwanzig Schuß pro Tag und Geschütz. Irgendeine Erhebung gab es für uns nicht. Wo denn? Was denn? Musik? Siegesgewißheit? 1918! Ach Gott, da bezog man alles aus sich selbst allein, da war man völliger Selbstversorger, da hatte man gerade den Grund und Boden fest, auf dem man zufällig stand, herumkroch, marschierte." Merkst du, lieber Leser, wie das unromantisch nackte Grauen sachte ins Romantische umgebogen wird? Schauwecker steigert die Effekte, er bereitet langsam das große»Wunder" vor, das ihm»eines wundervollen Nachmittags im Spätsommer 19-18" begegnen sollte. Noch hält er sich bei der Einleitung auf: „Wir waren die ganze Nacht hindurch marschiert... unabläffig die ganze Nacht, du meine Güte, mit Beiyen schwer wie Sandsäcke, und mit dem bezaubernden Bewußtsein, daß da lein Blumentopf mehr zu gewinnen war, daß man nur durch dir Röhre gucken konnte, schnurstracks in den Mond'rein, die kreisrunde Fratze des Vollmonds." Also und gut, das Regiment smnmelt sich auf dem Marktplatz eines Dorfes, Kompanie auf Kompanie, Bataillon auf Bataillon treten zu- sammen. Man wartet auf den Marschbefehl... vorwärts gegen den Feind. Die Musikkapelle spielt Märsche. Aber noch zündet nicht der Rhythmus des»Hohenfriedeberqers". Schauwecker gibt sich vielmehr folgender Meditation hin; „Wir alle wiffen, was da vorne auf uns wartet. Keiner von uns ist weniger als ein Fahr an der Front. Biele sind zwei- und dreimal verwundet Worten. Es ist im Sommer 1918. Das sagt alles. Unsere Aufgabe stst nicht mehr der -Sieg. Es gilt, den Sieg von denen da drüben, den ungeheuren Vormarsch des Gegners, zum Stehen zu bringen. Wer weiß, wie viele von uns zurückkommen werden... welche Schicksale aus uns.lauern... Es gibt da verdammt viele Möglichkeiten, die verdrehtesten Kombinationen, zum Beispiel verwundet in Gefangenschaft, nicht wahr? Oder wie wäre es mit einem kleinen Bauchschuß, drei Stunden lang hilflos auf platter Erde im Trommelfeuer und dann hinterher beim Rücktransport, eine Minute vorm rettenden, bombensicheren Sanitätskeller, ein verirrter Zufallstreffer — ein Schuß von Hunderttausenden— quer durch die Brust, der einep: die letzten Aussichten auf Rettung nimmt." Schauwecker ist neckisch geworden, er verniedlicht das Kriegsgrauen. Denn»dieses Warten ist so blödsinnig langweilig" auf dem Marktplatz. Was nämlich«in richtiger Soldat ist, der will doch marschieren! Und so geht es nun endlich los. Das „Wunder"-vollzieht sich: »Mit dem ersten Schritt nach vorn find wir mit einem Male mitten im Takt des Marsches, werden wir mit einem Ruck plötzlich erfaßt von der brausenden Gewalt der Musik und hochgehoben von einer ungeheuer hirrstürzenden Woge des Rhythmus." Hitlers LieblingSmarsch, der»Koburger", erklingt. Zwar hatte Schauwecker eingangs erklärt, daß nirgendwo Trompetengeschmetter und Trommelwirbel zu hören gewesen war, aber 1918 gibt es glücklicherweise doch die lang entbehrte Musikke. »Der Marsch erhebt sich klirrend, stampfend und schrestet ehern voran." Und Wunder über Wunder: »Da wird die Last von Gewehr, Tornister und Koppel leicht. Die zerschlagenen Füße in ihren Stiefeln wie aus Lehm und Blei gehen leicht... wie mit Flügeln." Es sind nicht die»Flügel der Nike", die hier beschwingend wirken, sondern ein preußischer Militärmarsch, der ihm zu einer»Flamme" wird. Wie im„Alten Testament" dem Zug der Israeliten durch die Wüste der Herr der Heerscharen unsichtbar in einer Wolkensäul« vorangeht, so auch bei dem Schauweckerschen Regiment, dem sich das biblische Gleichnis ebenfalls offenbart: »Ja, da steht eine Gestalt vor uns auf, die Gestalt eines Gottes in einer klirrenden Rüstung aus Feuer, der uns vorangeht und führt mit eine» unerbittlichen Zwang aus Krieg und Zorn und Entschlossenheit." Und nun ein Gloria dem»preußischsten" Marsch nöben dem»Armeemarsch Sieben", dem „Koburger", in dem— wie war doch Schauwek- ker vorausahnend l—„Deutschland schon beschlossen ist". Er faselt von einer»von. der Pflicht preußisch gebändigten Begeisterung", die „trächtig schwer von innen quillt", er überschlägt sich vor Kampfentschlossenheit, denn der„düsterrote Marsch" der Musik vermischt sich mit dem »feurigen Todesgedonner" der Schlacht.»Es geht alles ineinander Wer... Musik, Musik, Granaten!" Wem wird beim Lesen des Schauweckerschen Elaborats nicht speiübel?! . Die Begeisterung eines Kriegsromantikers findet ihre Krönung: »Und so erleben wir noch«in einziges Mal in einem wilden, finsteren, schweflig durchzuckten Tornado aus Lärm, Klang, Trompeten, Marsch, Geheul, Trommeln den riesenhaften Schwall einer verhaltenen, schmerzlich zerreißenden todessüchtigen Begeisterung, Schulter an Schulter auf dem Marsch nach vorn, Seele an Seele... ja, Seele an Seele." Armes deuffches Volk, verführte deutsche Jugend, die ihr mtt solcher Kost geistig gefüttert werdet, um euch reif zu machen für die Schlachtbank einer neuen deuffchen»Erhebung"! Wann werdet ihr die falschen Propheten des Krieges, die noch das Todesröcheln der Soldaten in einer musikalischen Apotheose verklärt wissen wollen, zu Paaren treiben? Mit der militärischen Aufrüstung geht die seelische Hand in Hand. Die hitlerdeuffche Kriegsromantik geht neu«, geschickte und gefährliche Wege, wie man aus dem Schauweckerschen Beispiel ersieht; wohin sie führen, wiffen wir: ins Chaos. Aber am Ende steht immer noch ein preußischer Mflitärmarsch mit seinem Sinne benebelndem Gift: der»Koburger Marsch". Gad M. Li ppm an n. Nancy Carroll und Gene Raymond in dem amerikanisch«» Film„Karussell auf dem Meere". des Festzuges usto. für die edle Sache der Leibeübungen zu werben. Dana wird der Alltag mit seinen Nichtigkeiten so klein und fern. Dann ist man mit ganzer Seele im Banne des feierlichen Erlebnisses dabei, sein Bestes zu geben. Und jn solchem weihevollen Augenblick festlicher Rührung werden fast immer Vorsätze gefaßt von edler Tiest. Vorsätze, die es wert sind, daß die ausübend« Menschen ihre Aufgabe mit dem Ende des Festaktes nicht als erloschen ansehen möchten, sondern nun erst recht, heißt es, im Nachgang des Erfolges di« reichen Früchte der festlichen Arbeit zu ernten bereit sein. Das aber geschieht wiederum nicht zuletzt bei der Arbeit auf dem Uebungsplatze. Dort erwartet Gefolgschaft und neuer Zustrom neu« Erlebnisse, seelisches Genießen und frohes Menschentum. Darum noch einmal:»Sorgt für beseelten Turnunterricht!" Aus„Satus-Sport". D-ager Leitung RosenauSstellung in Prag. In den Ausstellungssälen deS Myslbek-Pavillons auf dem Graben wird heute um 11 Uhr vormittags durch Primator Dr. Baxa eine Rosen-AuSstellung eröffnet werden. Es werden 1600 Rosen-Arten in 70.000 Exemplaren, darunter zahlreiche Neuheiten, die mittels Flugzeugs herbeigeschafft werden mußten, ausgestellt sein. Die Ausstellung dauert bis 22. Juli. Sorgt für beseelten Turnunterricht! Jeder wird schon beobachtet haben, daß es Vorturner und Vorturnerinnen gibt, die von ihrer Gefolgschaft über alles verehrt und geliebt werden, weil das Turnen unter ihrer Leitung, immer zu einem schönen Erlebnis wird. Ein schönes Erlebnis besteht aber nicht allein auS den Uebungen, die man bewältigen muß; sondern— und das ist wichtig— eS besteht auch aus der Darbietungsform, wie«S gegeben wird. Wer aber einen beseelten Unterricht geben will, der darf selber die eigene Seele nicht vergessen, sonst ist er nie imstande, die Seele seines, Schülers zu gewinnen und zu formen. Und vergessen wir nicht, die Masse der Gefolgschaft besteht aus Einzelwesen:„Wir aber können die Säle nicht füllen, wenn es uns nicht gelingt, die Seele zu, füllen."(Voogd.) Damit ist gesagt, daß Uebungsstun- sen und Veranstaltungen erfolglos sind, wenn die Leiter und Teilnehmer es nicht vermögen, ihre ganze Seel« in ihr Unternehmen hineinzulegen. Jawohl, auch die Teilnehmer der UechungSstunde und jeder anderen Veranstaltung sind für deren Gestaltung als Erlebnis mit verantwortlich. Denn wie sollen Gäste„warm" werden, wenn ihnen die ver- «insverbuindene Gefolgschaft„die kalte Schulter" eeigt? Nun zum eigentlichen Thema:„Wie ist der deseelte Unterricht?" Hierzu sei festgestellt, daß Form und Inhalt beim beseelten Turnunterricht ineinander überfließen. Stoff und. Persönlichkeit des Vorturners werden eins. Glaube darum niemand, daß es möglich sei, allein mit bi eil technischem Wiffen und Können seelische Turnstunden, Erlebnisse zu schaffen. Dennoch ist es nützlich— auch für den ieelenvollsten Borturner— zu wissen, daß es ffebungsgebiete gibt, die von vornherein die ganze Aufmerksamkeit der Gefolgschaft haben und ihre Freude auslösen. Während andere von Anfang an kühler, ja Ablehnend ausgenommen werden. So begrüßt jung und alt freudig immer die Lebensformen. Dagegen verhält sich die Gefölgschast surückhaltend gegen die Schulformen der Leibesübung. Lebensformen können als Erlebnis auch von einem weniger guten Vorturner nicht ganz verdorben werden; Schulformen dagegen kann ein stelenboller Vorturner doch noch zu einer lebendigen Sache gestalten. Deshalb ist es wohl angebracht, weitere Ausführungen zu dieser Frage zu machen. Die Leb e n s f o r m e n der Leibosübung sind kmmer eine fertige Tat; ein Lauf, ein Sprung, ein Wurf, die Ueberwindung eines Hinderniffes, die Bezwingung irgend welchen Widerstandes oder dj« Meisterung einer körperlichen Fertigkeit, sei sie nun ernster oder heiterer, nützlicher oder spielerischer Art. Immer aber ist die Lebensform der Leibes- Übung ein« abgerundete, abgeschlossene Tat, deren Zwang zur Bewältigung im Leben mehr oder weniger oft an jeden herantritt. Jede Tat, die ein fertiges Ganzes darstellt(siehe Sprung, Wurf usw) nimmt immer den ganzen Menschen in Anspruch. Er erlebt sie— soll die Tat gelingen— mit ganzer Seele und darum kann man dies« Uebungsform auch die„Erlebnisform" der Leibesübungen neirnen. Vorturner! Präge dir dieses Wort ein: „Erlebnisformen!" Deine Gefölgschast sucht sie. Ein Erlebnis aber ist es schon für groß und klein, für jung und alt, wenn es gilt, beim heiteren Spiel irgendeinen Spielvorgang zu meistern. Es ist ein- Erlebnis für den Spieler— er front sich der Tat — und ein Erlebnis für den Zuschauer— ihm ist es seelisch anregende Augenweide. Ein Erlebnis ist es auch, etwas fertig zu bringen, was mit Schwierigkeiten verknüpft ist oder wozu man besonders viel Geschicklichkeit, Kraft oder Hebung benötigt. Sei eS.nun das Erklimmen eines Berggipfels, das Durchschwimmen eines schnell dahin eilenden Flusses, das Meistern einer herrlichen Geräteübung oder das entscheidende Meisterstück im hin- und her- wogeuden Kampffpiöl. Ein Erlebnis ist es aber endlich auch, selbst als winziger Teil dabei sein zu dürfen, wenn große Massen zu öffentlichem Tun austreten und im Verband« der Maffenfreiübungen, Die chinesische Ueberschrvemmrmgs- Katastrophe (AP) Dammbrüche in der Hoangho-Ebene haben Hunderttausende obdachlos gemacht. Zehntausende ertrinken lassen und große Flächen in riesige Seen verwandelt. Die reißenden Fluten haben sich einen Weg in die niedriger gelegenen Ebenen von Nord-Honan und Hopci gebahnt und sich verheerend über das mit Dörfern und Kleinstädten übersäte, dicht bevölkerte Gebiet gewälzt. Trotzdem überall an der Verstärkung der Deiche fieberhaft gearbeitet wurde, konnten sie nicht standhalten. Und noch besteht die Gefahr West furchtbarerer, neuer Ueberschwemmungen. Den Hoangho nennt man den„Kummer Chinas", und es geht eine alte Tradition, daß alle 80 Jahre eine Riesenüberschwemmung komme, die sogar Millionen von Opfern erfordere. Dennoch verdanken die betroffenen Gebiete den Schlammassen, die die abziehenden Fluten hinterlassen, auch ihre Fruchtbarkeit. Wie der Nil, verbreitet der Hoangho seit Jahrtausenden nicht nur Schrecken und Verwüstung, sondern auch Segen und Fruchtbarkeit. Ungefähr zehnmal in geschichtlicher Zett hat der Hoangho in großem Stile seinen Lauf gewechselt. Er mündete wechselnd rechts und links Mitteilungen ans dem Publikum Wie„ncuqcboren" fühlt man sich nach einer leichten Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein. Regelmäßige Massagen mit Alpa machen den Körper widerstandsfähig, erstischen bei-Ermüdung, reinigen die Haütoberfläche und regen den Blutkreislauf an. Verlanget überall Volkszünder Kakteen mit begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KC 6.60 tn Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tr. 82, und durch alle Kolporteure erhältlich. Urania-Kino, Klimenlskä 4. Fernsprecher 61623. Den ganze« Monat Juli geschloffen. von der Halbinsel Schantung, zu Zetten auch in zwei Armen. Auch in ruhigen Zeiten ist er ein unheimlicher Geselle. Denn wandernde Untiefen und Bäne verursachen fortwährend kleine Laufänderungen, die den kundigsten Schiffer oder Bootsführer irreführen und in Gefahr bringen können. Versäumt ein Bootsmann, abends sein Fahrzeug ans Ufer zu ziehen, so kann es morgens spurlos verschwunden sein., Die Angelegenheit hat aber auch eine politische Seite. Dir politischen Wirren haben die Ueberwachung und Instandhaltung der Deiche und Dämme stark beeinträchtigt. Gerade in der Hinsicht erwies sich der Krieg der Generale als ein Fluch. Die Militärgouverneure, die oft nicht wußten, ob sie in Jahresfrist noch im gleichen Gebiet ihres Amtes walten würden, verwandten die dafür bestimmten Gelder zu anderen Zwecken, da, sie kein Interesse an diesen Schutzmaßnahmen hatten. Die Nanking-Regierung selbst hat zugegeben, daß die Katastrophen so ungeheuere Ausmaße annahmcn, weil keine Gelder dafür bereitstanden. Der größte Teil der Staatseinnahmen wurde für militärische Ausgaben verwandt. Die Vernachlässigung dieser Aufgaben hat nicht zum mindesten dazu beigetragen, den Japanern die Ausbreitung ihre« Herrschaft in Nordchinä zu erleichtern. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monaüich XL 16.—. vierteljährig Kä 48.—, halbjährig XL 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZettungSsrankatur wurde von der Post- und Tele- 'rnvbendireftion mit Erlasi Nr 13 800/V11/1930 bewilliat.— Druckerei;„Orbis" VerlaaS- und KesiunaS-A-G. Beoa