6 dem eibca g m nn i Liche no i thru Tief Men 3 nid tre ceiche : fein ei de t Ge bni Daru richt! rt". eine theis Rörpe inige uf an all er Ten, Cief den ften Sosialdemokra ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Samstag, 20. Juli 1935 Reichstags- Brandstifter wird Berliner Polizeipräsident 25 Reaktivierung des Grafen Helldorf Schärfster Kurs gegen ,, Reaktion" und ,, bolschewistisch- jüdische Anmaßung" angekündigt salaries Berlin. Das Deutsche Nachrichten- Büro meldet: Der Bolizeipräsident von Berlin Konteradmiral a. D. von Levezzow hat den Reichs- und preußischen Minister des Innern Dr. Frick um Enthebung von seinem Amte gebeten. Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat bis zur endgültigen Genehmigung durch den Reichskanzler Levezzow von seinen Dienstgeschäften entbunden und mit der vorläufigen Wahrnehmung mit sofortiger Wirkung den Polizeipräsidenten von Potsdam, SA- Gruppenführer Graf He! Idorf betraut. In Verfolg diefer Neuernennung fand, wie das DNB weiter meldet, Freitag mittag eine BeBrechung statt, an der mit Reichsminister Dr. Goebbels der Staatskommissär der Hauptstadt Berlin Dr. Lippert, der Polizei- General Da lueges, der stellvertretende Gauleiter Gör liter, Polizeipräsident Graf Helldorf und SA- Gruppenführer Uhl and teilnahmen. In dieser Besprechung wurden die Richtlinien festgestellt, nach denen in Zukunft in Zusammenarbeit zwischen politischer Gauleitung, SA Führung, Polizei und Stadtverwaltung der Kampf in der Neichshauptstadt gegen kommunistische Zersetzungsversuche",„ reaktionäre Treibereien" und wie das DNV sagt, gegen bolschewistisch- jüdische Anmaßung" weitergeführt werden sollen. Die Besprechung habe eine vollkommene Uebereinstimmung ergeben. Deutlich genug... Zu der Ernennung des Grafen Helldorf bemerkt der Berliner Berichterstatter des Havas büros, daß die der nationalsozialistischen Partei ungünstig gesinnte Propaga nda" ihn im Jahre 1933 beschuldigt hatte, er habe den Befehl zur Brandlegung im Reichstagsgebäude durch SA.- Abteilungen gegeben. Nach dem 30. Juni v. J. tursierten Gerüchte, daß sich auch Graf Helldorf unter den Opfern dieses Tages befunden habe. Sein neuerliches Erscheibrande 3 mußte Helldorf die Leitung der SA brandes mußte Helldorf die Leitung der SA Berlin- Brandenburg niederlegen. Wenn man ihn jetzt zurückholt, so offenbar deshalb, weil man sich an offizieller Stelle für ganz brutale Polizeimethoden in der Hauptstadt entschlossen hat. Das offizielle Kommuniquee sagt dies ja genug deutlich. des Kommuni Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto Nr. 167 Jesus oder Hitler? Mit wem hält es Herr Hilgenreiner? Die„ Lidové Listy", das Organ der tschechischen Rolkspartei und das Sprachrohr des Prager Erzbischofs, hat dieser Tage- wir haben gestern die entscheidende Stelle des Artikels zitieri den deutschen Christlichsozialen die Leviten geEreignissen in Deutschland eine mehr als ziveidentige Stellung einnehmen. Die alles durchdringende und alle Schwierigkeiten überwindende Eins heit der Kirche", die schon während des Katholis fentages bedenkliche Sprünge gezeigt haben soll, scheint endgültig zu dem Teufel„ Belial" gefahren zu sein, der während der Katholiken- Festtage eitei genannt wurde, die Harmonie der Katholiken allei Nationen der Republik weicht wieder jenem zähen und erbitterten Kampf der eifersüchtelnden Cliquen, der Nationen, Parteien und der einzelnen Hirten, der gerade den tschechoslowakischen Katholizismus auszeichnet. fen, weil die Deutschklerikalen zu den jüngsten nen auf her politiſchen ezene nach giveijähriger Weitere Stahlhelm- Verbote en gerichtete Berfolgungswelle in Deutic); Ruhepause sei somit ein Ereignis von ziemlicher Bedeutung. Deutlicher fann eine offizielle Nachrichten- Agentur wohl schon kaum mehr werden! * " Andererseits beinhaltet qué ja das wertvolle Zugeständnis, das trotz mehr als zwei Jahre intensivsten Kampfes gegen alle Feinde des Regimes selbst in der Hauptstadt die( offenbar deutsch nationale) Reaktion" und die ,, bols chewist is chiüMan versteht aber die Empörung der tschedische" Linke immer noch nicht völlig ausge- chischen Klerikalen über die deutschen Glaubensrottet werden konnten, sondern noch so lebendig und angeblich auch Gesinnungsgenossen, wenn sind, daß man jetzt einen ganz ausgepichten Po- man deren Haltung zu Deutschland und den deut Berliner SA, mit der er die ersten antisemi- grom- Spezialisten und hundertprozentigen schen Ereignissen aus eigener Anschauung fennt. tischen Krawalle auf dem Kurfürstendamm durch Draufgänger mit der obersten Leitung der an- Daß katholische Emigranten aus Deutschland bei führte. Später wurde er schon nach der geblichen Sicherheits"-Behörde betrauen muß. den deutschen Christlichsozialen mehr minder grob Machtergreifung faltgestellt, da er sich durch Dadurch werden offenbar auch die gestern von uns hinausgelehnt werden, daß man in den deutschkle= seine Beziehungen zu dem alles andere als rein- wiedergegebenen Betrachtungen der französischen rikalen Redaktionen Berichte von Häftlingen deutraffigen Hellscher Hannufien fompromit- Presse bestätigt, wornach die letzten Ereignisse in scher Konzentrationslager und deutscher Foltertierte, der bald darauf eines schönen Tages von Deutschland durchwegs als Anzeichen ern- zellen als uninteressant ablehnt, wußten wir sed unbekannten Tätern" ermordet wurde. Trobster Wirren anzusehen seien, die ernste Fol- langem, denn viele der so behandelten Katholiken feiner unbestreitbar großen Verdienste um die gen für die Innenpolitik des Dritten Reiches has haben, nach diesen Erfahrungen im Königreich Organisierung des Reichstags- ben fönnen. Christi, zu uns, sozusagen ins Reich des Belial, gefunden. Daß aber auch die neue, vorzüglich gegen die und land die Parteigenossen des Herrn Pater Hil. Weimar. Der thüringische Minister des helm kennzeichnen, alle Versammlungen, ein- genreiner nicht aus der Ruhe bringt, beweist Innern teilt mit: Auf Grund verschiedener schließlich Pflichtappelle, geschlossene Mitglieder ein Blick in die Deutsche Presse". Handlungen und Maßnahmen, die sich gegen versammlungen, Konzerte oder sonstige SaalverWas sich jetzt in Deutschland abspielt, der die Autorität des Staates richteten, anstaltungen des Stahlhelms sowie das öffentliche Geist des Hasses, der in Görings Katholikenerlay Levezzoi ist offenbar gegangen worden, und wegen Verbreitung unwahrer BeZeigen der Fahnen des Stahlhelm auf öffent zum Ausbruch kommt, hat in den letzten Jahrhun weil seine Polizei bei den letzten Judenpogromen hauptungen, die geeignet sind, die Haltung lichen Gebäuden und Grundstücken verboten find. derten in Europa wenig Parallelen. Der Visam Kurfürstendamm, als das Treiben der des Staates in der Oeffentlichkeit in Mißkredit marcksche„ Kulturkampf" und die antipäpstliche Breslau. Die Staatspolizeistelle für den Politik des italienischen Königtums nach der EinStreicher- Banditen schon zu arg wurde, doch nicht zu bringen, sowie wegen Verächtlichmachung einwohlwollend zus oder vielmehr weggeschaut hat, selner Parteigliederungen mußten mehrere füh Regierungsbezirk Breslau als Leitstelle für nahme Roms sind in Umfang und Tiefe nicht mit sondern es wagte, einige besonders arge Heßer rende Persönlichkeiten des Stahlhelm in Thürin Schlesien teilt mit, daß laut einem Erlaß des dem Kampf Görings und Fricks gegen den Kathoin Haft zu nehmen. Solche„ Objektivität" fann gen in Sch us haft genommen werden und Geheimen Staatspolizeiamtes vom 19. Juli der lizismus zu vergleichen. Damals rührte man an man heute, wo der radikale Kurs gegen Jud' und in das Konzentrationslager Bad Sulza überge- nationalsozialistische deutsche Frontkämpferbund gewisse Privilegien der Kirche, aber man ließ die führt werden. Aus den gleichen Gründen mußte( Stahlhelm) in seinen sämtlichen Gliederungen religiösen Gefühle und Ueberzeugungen ungeChrist angekündigt ist, nicht mehr brauchen. Der neue Polizeipräsident Graf eII- eine Verordnung erlassen werden, nach der das für den Bereich der Regierungsbezirke Bres schoren. Nun kommt ein Göring daher und verdorf ist ein Fachmann im Veranstalten von Tragen von Abzeichen oder von einheitlicher Klei- lau, iegnis und Oppeln mit sofortiger bietet den Katholiken, das Wort„ Führer" aus Judenpogromen; er hat seine Eignung hiefür dung jeder Art, die die Zugehörigkeit zum Stahl- Wirkung aufzulösen sei. schon im Herbst 1931, also noch lange vor der Machtergreifung, erwiesen, als er seine Berliner SA zu den Krawallen auf dem Kurfürstendamm einjeßte. Daß nicht der ganz große Pogromheter| Julius Streicher Polizeipräsident gewor= den ist, der für seinen„ Stürmer" in Berlin der= zeit 100.000 Abonnenten gewinnen will, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, daß Herr von Ribbentrop jezt in London und Paris den Boden er ei für eine Anleihe sondieren soll; in diesem ntiefe Stadium darf man die ausländischen jüdischen Lauf Bankiers denn doch nicht gar zu sehr vor den = ode Kopf stoßen, wenigstens nicht von hochoffizieller Fringe Seite. Für die Pogroms selbst gibt es ja die Os feil befannte Ausrede auf" unberantwortliche Ele- gesichts des Umstandes, daß das französische Bar Deutschland nicht aktuell ist. Zorgen mente", von der in den letzten Tagen ja wiedergenhe holt Gebrauch gemacht wurde. ann II., Bor 4. 61623. li auch e. Di ng un * Hitlers Appetit wächst Rückgabe der Kolonien, Anleihe etc. In Berlin sei man der Meinung, daß es an lament den französisch- russischen Hilfeleistungspakt bisher noch nicht ratifiziert hat, nicht Jesus anzuivenden, da nur Hitlerder Füh rer sei. Er verbietet ihnen das H als Abkürzung für Herz Jesu und versteigt sich dazu, den Millionen deutscher Katholiken sogar zu verbieten, daß sie in der Notwehr gegen den Nazistaat die Hilfe Gottes anrufen. Es sind selbstverständlich die Aeußerungen eines Jrren, aber da dieser Jrre einer der mächtigsten Männer in Deutschland ist, da der Irrsinn Methode hat und nichts, was seit Paris. ,, Oeuvre" erfährt aus Ber- weist darauf hin, daß er in dieser Angelegenheit 1933 in Deutschland geschehen ist, im kommenden lin, daß Hitlers Vertrauensmann von Rib- zu allererst mit England verhandeln müsse. Frank- Wortsinn noch normal ist, so sind die Ausbrüche bentrop Anfang August nach Paris zu kom- reich habe der Völkerbund nur das Mandat über Görings ernst zu nehmen. Sie kosten ja auch vielen men beabsichtige. Kamerun anvertraut. Weiters sagt das Blatt, daß Menschen Leben und Freiheit. die Frage einer Rückgabe der Kolonien an Man sollte also meinen, daß ein katholi sches Blatt diese Vorgänge mit größter AufAußerdem wolle Ribbentrop bei den großen merksamkeit verfolgt und die Gewissen der Gläu= Parifer Banken die Möglichkeit einer Anleihe bigen aufruft, den bedrängten Glaubensbrüdern anders so durch Gebete, Banken, bei denen er angefragt habe, sollen eine die Wirksamkeit des Gebetes zu glauben). Aber beteiligung französischer Banken in Aussicht ge- Freitag an! In der ersten Spalte wird das Thema stellt haben. mit Deutschland noch Der neue Polizeipräsident Graf Helldorf ausgeschlossen sei, daß die französische Regierung für Deutschland fondieren. Die Londoner denn der Gläubige hat ja den großen Vorteil, an art be nach dessen Mizglücken er ins Ausland flüchtete.| es fi Nach der Amnestierung wurde er preußicher Land- abhalten wolle. Das Blatt stellt jedoch sofort diese Anleihe nur unter der Bedingung einer Mit- man sehe sich die Deutsche Presse" vom tagsabgeordneter und Organisator der Noch immer Todesurteile Beinigung zur Ratifizierung vorgelegt wer Mili fie in Amic mmte tereff die politische Lage in Osteuropa deutsche Ansicht dahin richtig, daß es erklärt, daß dem Barlament in Frankreich nur jene Abkom= men, in denen es sich um Geldfragen handelt, mit Beschleunigung den. Der Text des französisch- russischen Battes sei gegen Februar- Kämpferber Kammer noch vor den Ferien zur Ratifizie rung vorgelegt worden, die aber erst nach den 2 in z.( Tsch. P.-V.) Das Schwurgericht Ferien erfolgen würde.„ Deuvre“ bedauert in Nied am Jun verurteilte am Freitag den 27- jedoch, daß die Natifizierung nicht schon vor den tärisch Jährigen Tischlereiarbeiter Otto Reifl aus Ferien erfolgt fci, wie es beispielsweise in der bon 200.000 auf 165.000 zurückgegangen sei. Sensation des Tages, eine beängstigende, niederg die Eberschwang, Angehörigen der aufgelösten kom- Tschechoslowakei der Fall war. Bu bei munistischen Partei, zum Tode durch den Strang, ihrer weil er nach den geber- Unruhen im Jahre 1934 Nan B di mhmen größte Imat Tele Belgische Arbeitslosenziffern Brüffel.( A. P.) Arbeitsminister Delattre teilte über die Resultate von Zeelands Wiederaufbaupolitik mit, daß die Zahl der Erwerbslosen Familienpflege breitgetreten, natürlich im Ans schluß an die Egerer Henleinkundgebung. Die ziveispaltige Hauptmeldung des Blattes bringt die gewiß interessante, aber für die Katholiken im Augenblick doch weniger brennende Rede des Kaisers von Abessinien. Und erst in der vierten Spalte fommt man auf das Ereignis zu sprechen, das für die deutschen Katholiken doch die Er bezeichnete es als notwendig, im Hennegau schmetternde Nachricht sein müßte: auf Görings England wünsche, daß Frankreich neue Industriezweige anzusiedeln, da der dortige Erlaß, in dem zum erstenmal ganz offiziell der Verhandlungen mit Deutschland über mili- Bergbau teilweise erschöpft sei und 12.000 Berg- Primat Hitlers vo Jesus festgelegt Waffen und Sprengstoffe bei sich aufbewahrte und tärische Angelegenheiten einleite. arbeiter keine Aussicht hätten, selbst bei Behebung dungen gibt das Blatt erst auf der zweiten Seite Von Ribbentrop beabsichtige in Paris auch über die Frage einer Nüd gabe der de ut- der Wirtſchaftskrise wieder an ihren Arbeitsplatz einen ganz kurzen und sanften Kommentar zu den außerdem einen Bombenanschlag gegen die elektriſche Leitung zwischen Nieb und Everschwang berübte. fchen Kolonien zu verhandeln. Das Blatt zurückzukehren. Angriffen Görings, die doch für jeden gläubigen Seite 2 7. Kongreß der kommunistischen Internationale Kommende Woche wird in Moskau in Anwe= fenheit von mehr als 1000 Delegierten der siebente Weltkongreß der Komintern eröffnet werden. In der Hauptsache wird sich der Kongreß mit der Frage der Zusammenarbeit der kommunistischen Parteien mit den sozialistischen Parteien der einzelnen Staaten beschäftigen. Das Referat über den internationalen Fascismus und die Aufgaben der Arbeiterklasse, wird der aus dem Reichstagsbrandprozeß bekannte Bulgare Dimitroff halten. Der Kongreß wird ungefäh- drei Wochen dauern. Samstag, 20. Juli 1935 Ratstagung oder nicht? Zähes diplomatisches Ringen hinter den Kulissen * Mr. 167 den: zu dieser Kategorie gehören im Inlande ange= stellte Fremde, deren Arbeitgebern vor Intrafttreten des Ausländergesches eine eigene Genehmigung zu ihrer Beschäftigung nach dem Geseze zum Schutze des heimischen Arbeitsmarktes von 1928 erteilt worden ist. Genf. Das Nätselraten, ob die Sondertagung| Schiedsrichter bis zum 25. Juli nicht über die Mit dem Ablauf der Arbeitsbewilligung erlischt auch des Völkerbundrates kurz nach dem 25. Juli statt Nominierung eines fünften Schiedsrichters der Rechtsanspruch auf die Aufenthaltsbewilligung. Ueber die Gesuche aller übrigen Ausländer, finden wird oder nicht, hält noch immer an. Nach einigen; außerdem wenn die vier Schiedsrichter einer Reuter- Meldung aus London nimmt man feine Einigung über die Verlängerung welche die dritte Kategorie bilden, kann das Landess dort an, daß die Sondertagung wahrscheinlich am der gestellten frist bereinbaren könnten. amt( die Gesuche sind jedoch bei der zuständigen 29. Juli beginnen soll, und hofft, daß Italien In diesem Falle, der in der Resolution vorgesehen Bezirks- oder Staatspolizeibehörde einzureichen) dem beipflichte, damit der italienisch- abessinische ist, soll der Völkerbundrat zusammentrefen, um die nach seinem freien Ermessen entscheiden, d. h. es kann Streit völlig durch diskutiert(?) wer- Situation nach dem 25. Juli zu prüfen, bis zu die Aufenthaltsbewilligung ohne weiteres erteilen, den könne. Die ursprünglich beabsichtigte Vorkon- welchem Zeitpunkt die Schiedsrichter noch eine fann sie zeitlich, örtlich oder anders beschränken oder fie verweigern. Die Ansuchen politisch unzuverlässiger ferenz der drei interessierten Mächte England, Einig ung treffen fönnten. Personen sind von Gesezes wegen abzuweisen. Frankreich und Italien zur Behandlung des Kon= In Genf wird angenommen, daß dieses Auch für die Gesuche um Aufenthaltsbewilligung Christen eine Herausforderung, eine Gottesläfte- fliftes wird nunmehr auch in London für un= Kommuniqué der einfachen Verlängerung sind, ähnlich wie zur Meldung des Aufenthaltes, wahrscheinlich gehalten. rung, sein müssen. Aus einem Kommuniqué, das vom Völker- der Frist, bis zu welcher über den fünften Fristen vorgeschrieben: erwerbtätige Ausländer, die Was wäre wohl geschehen, wenn die Sowjet- bundsekretariat am Freitag abends veröffentlicht Schiedsrichter die Entscheidung fallen soll, voran- bereits vor dem 15. Juli 1935 in der Tschechosloregierung in ähnlichem Tone sprechen würde? wurde, scheint dagegen wieder hervorzugehen, daß geht, und es wird erklärt, daß der Völkerbundrat wakischen Republik ihren Aufenthalt hatten, haben Dann wäre die„ Deutsche Preſſe" voll der Em- man die Entscheidung hinausschie- am 25. Juli doch nicht zufammentritt. In Krei- ihre Gesuche bis zum 14. August 1935 einzubringen, pörung über die gottlosen Bolschewiken und schrie sen des Völkerbundes besteht cher Stimmung, die nicht erwerbstätige, ebenfalls vor dem Inkrafttreten das jedem Leser vierspaltig ins Gesicht. Wenn in In dem Kommuniqué wird daran erinnert, Ergebnisse der direkten Ber= des Gesetzes hier ansässige Ausländer spätestens bis Merito eine Stirche gesperrt wird, dann erhitzt man daß der Rat am 25. Mai beschlossen hat wiederzu- handlungen einiger Großmächte über den zum 21. September 1935.( Ausländer, die nach dem sich in der Entrüstung über die furchtbaren Chri- fammenzutreten, falls zivischen den vier Schieds- italienisch- abessinischen Konflikt abzuwarten, 15. Juli d. J. in die Tschechoslowakische Republik stenverfolgungen, ohne jemals zu bedenken, daß richtern, die mit der Erledigung des italienisch- da diese Verhandlungen nach den letzten Nachrich- kommen, 14 Jahre alt werden, die tschechoslowakische die Indios sich an den spanischen Pfaffen für abeffinischen Konflittes betraut waren, te in Ab- ten aus London und Paris ziemlich ver- Staatsbürgerschaft verlieren oder eines der Gründe jahrhundertelange Quälereien, für die Ausplün- tommen erzielt würde und wenn sich die vier sprechend fortschreiten. für die Einreihung in die erste Kategorie verlustig derung und Ausrottung ihrer Rasse rächen. Wenn gehen, sind verpflichtet, das Gesuch binnen sechs aber wenige Meilen von unseren Grenzen entTagen nach Ablauf zweier Monate von dem betref fernt der Katholizismus aufs schärfste angegrif= fenden Ereignisse an zu überreichen. In die Aufent haltsdauer von zivei Monaten wird auch ein früherer Aufenthalt eingerechnet, wenn er nicht länger als abgebrochen wurde, die auf die Absicht zur Wiederkehr in die Tschechoslowakische Republik schließen lassen.) ben will. ſen wird, verhalten sich die deutschen Christlich- Das Gesetz über den sozialen geradezu neutral. Während das Organ des Batifans, ber Aufenthalt der Ausländer spätestens binnen alvei Monaten und sechs Tagen ohne ei Jahre zurückliegt und unter folchen Umständen Staatenlose oder Inhaber von Aufenthaltsscheinen ohne Paß müssen sich binnen sechs Tagen nach dem Ueberschreiten der Grenze melden, Ausländer mit Paß zwei Rücksicht darauf, ob sie hier einen Eriverb ausüben wollen oder nicht.) Für erwerbtätig im Inlande gelten weder solche Personen, die sich nur mit ihrem Kapital ohne persönliche Tätigkeit an einem hiesigen Unternehmen beteiligen, noch ausländische Handelsreisende. Osservatore Romano, in schärfster Form gegen die Göringsche Kampagne Stellung Die Gründe, die zur Schaffung des Fremden nimmt, Hitler des Wortbruchs zeiht, und von der gesebes geführt haben, und sein Zweck find bekannt. unbedingten Prävalenz der göttlichen vor den Die Mittel, mit deren Hilfe das Gesetz vom 28. März weltlichen Geseßen spricht, scheint Hilgenreiner, 1935 die straffere Kontrolle der Ausländer in der der ein idealer Untertan Hitlers wäre, nichts an Tschechoslowakischen Republik sichern will, sind zweierden Auffassungen revidieren zu wollen, die er lei: eine besondere Meldepflicht, neben der auch für schon vor Jahren vorgetragen hat. Damals hat er die Fremden die allgemeine polizeiliche Meldepflicht den Segen des Allerhöchsten auf Hitlers Werk her- bestehen bleibt, und die Eröffnung der Möglichkeit, abgefleht und auch jetzt scheint er es mit Göring migliebigen Fremden den Aufenthalt auch ohne die zu halten, der in Jesus höchstens einen Unter- Gründe zu verweigern, die bisher dazu notwendig führer Hitlers sehen will. ivaren. Die Bestimmungen des Gesetzes vom 28. noch: März 1935 sind, ergänzt mit der Durchführungsverordnung vom 25. Juni und einer Kundmachung des Das Kreuz des Katholikentages trug die Aufschrift: Christus regnat Christus regiert. Hilgenreiner scheint die Ansicht Görings zu teilen, daß Christus nur soweit regieren darf, als es mit den Interessen des Dritten Reiches vereinbar ist. Die tschechischen Katholiken mögen also allen Grund haben, mit der deutschen Fraktion unzufrieden zu sein. Innenministeriums vom 3. Juli 1935, am 15. Juli dieses Jahres in Kraft getreten. Einfacher geregelt ist die Meldepflicht: sie bindet alle Ausländer( ausgenommen nur die diplomatischen Vertreter fremder Staaten) und alle Staatenlosen, sofern sie älter sind als 14 Jahre und in unserem Kleiner ist der Umkreis der Personen, welche das neue Ausländergeses zum Ansuchen um die Aufenthaltsbewilligung verpflichtet: auch hier sind wieder 1. die Exterritorialen( Gesandte, Konsuln und ihr Personal) ausgenommen, darüber hinaus aber 2. Staatenlose mit gültigen Nansenpässen; 3. Ausländer ohne Paß, iedoch mit besonderen, Intrafttreten des Gejeges erteilten Aufenthaltsbor bewilligungen, solange die gelten; sein dürfte 4. Ausländer, die sich im Gebiete der Tschechoslowakei länger als seit dem 1. Mai 1923 ohne Unterbrechung aufhalten und was bei den meisten hier angestellten Ausländern dieser Gruppe der Fall bereits eine Bescheinigung darüber in wie die seit 1. Mai 1923 hier Händen haben oder wohnhaften und entweder selbständig oder überhaupt nicht erwerbtätigen Ausländer auf die Ausstellung einer solchen Bescheinigung Anspruch haben, und 5. seit dem 28. Oktober 1918 in der Republit Juli 1935 um die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft angesucht haben, nachdem ihnen von einer inworden war. Diejenigen ertverbstätigen Ausländer, die bereits vor dem 15. Juli 1935 hier waren, können ihrem Erwerb weiter nachgehen; neu ankommende erst dann, bis sie die Aufenthaltsbewilligung in Händen haben. redend außerdem noch eine Arbeitsbewilligung nots Wollen diese oder jene angestellt werden, ist selbst wendig. Gesuchstellers und aller Ausländer, die mit ihm in Das Gesuch muß außer den Berfonaldaten des gemeinsamem Haushalte leben sollen, Angaben über Zweck, Ort und Dauer des Aufenthaltes sowie über das Gebiet( ob die ganze Tschechoslowakische Republik oder bestimmte Teile), für das die Bewilligung gela ten soll, enthalten. Der Behörde find zugleich die Pässe oder sonstigen Personaldokumente des Ansuchen den und aller übrigen eben erwähnten Personen vorzulegen, zumindest aber Lichtbilder oder Fingerabdrücke. Bis zur Entscheidung über das Gesuch ist der Aufenthalt frei; deshalb ist es notwendig, sich von der Behörde auf einer Abschrift oder einem Durch schlag des Gesuches bestätigen zu lassen, daß es übers reicht worden ist, um sich nötigenfalls mit dieser Bes ftätigung ausweisen zu können. Wir haben gestern auseinandergesetzt, daß Staatsgebiete länger als zwei Monate weilen oder, wir die religiösen Ursprünge des Kampfes wenn auch während einer fürzeren Zeit, erwerbstätig der zwei Kreuze nicht überschäßen. Wir erkennen sind. Alle die haben eigens dazu ausgegebene For in der heftigen Kirchenopposition nur mularien auszufüllen und in dreifacher Ausfertigung die neue Form, in der sich der Wider bei der zuständigen Staatspolizeibehörde( wo es stand gegen das Naziregime orga teine gibt, bei der nächsten Gendarmeriestation) abnisiert. Wird auch diese Form zerschlagen, so wird zugeben. Eriverbstätige Fremde, die bereits am 15. der Kampf sich in anderen Organisationen, mit Juli 1935 hier gelebt haben, müssen diese Meldung ununterbrochen ansässige Ausländer, die vor dem 15. taution erlegen, um die Bewilligung erhalten zu fön anderen Ideologien entwickeln. Aber die Haltung bis zum 14. August 1935 vornehmen; nicht Erwerbsder deutschen Christlichsozialen zu dem deutschen tätige, die sich seit dem 15. Juli d. J. in der Tsche Die Aufenhaltsbewilligung kann längstens für apei Jahre erteilt werden. Ausländer, die hier als Unternehmer tätig sein wollen, müssen eine Steuer Kirchenkampf gibt uns Gelegenheit, die Unauf- choslovakischen Republik aufhalten, sind an die gleiche ländischen Gemeinde das Heimatsrecht zugesichert In bestimmten Fällen kann die erteilte Bewilligung richtigkeit, die innere Zerrissenheit, die Zwie- dreißigtägige Frist( bis zum 14. August 1935) geschlächtigkeit der christlichsozialen Bewegung auf- bunden, falls sie staatenlos und im Besize von Nanzudecken. Jetzt muß sie vor ihren eigenen Leuten fenpässen sind oder wenn sie, wie manche Emigranten, erweisen, ob sie christlich oder Aufenthaltsbewilligungen ohne Bässe haben. Nicht nazistisch ist. Lange wird sich ilgenrei- erwerbstätige Ausländer mit ordentlichen Bässen, ner nicht mehr um die Entscheidung welche sich seit dem 15. Juli 1935, dem Tage des zwischen Heil Jesus" und„ eil Snkrafttretens des Fremdengesezes, hier aufhalten, Hitler" drücken können. Wenn aber die Ent- melden sich spätestens am 21. September 1935.( Für scheidung fällt, wird sie eine nüßliche Klärung Fremde, die erst nach dem 15. Juli 1935 das Staatsgebiet betreten, gelten die folgenden Bestimmungen: bringen! Roman von Emil Vachek Die Hühnersteige 73 Deutsch von Anna Auredniček Das zweiundzwanzigste kapitel belehrt uns, wie man Warzen beseitigt, und teilt uns die geheimnisvolle Prophezeiung der Schwarzen Kathi mit.. Nach seiner Gesundung schritt Herr Foltr gleich an die Beseitigung der Warze von der Schläfe des Fräuleins Sophie und begann detaillierte Gespräche über die Heirat. Diese fünf Gruppen bilden die erste Kategorie der Ausländer: sie sind nicht verpflichtet, um eine Bewilligung zum Aufenthalte anzusuchen, und auch ihren Familienangehörigen kommt diese Begünstigung zugute. Die zweite Kategorie muß zivar ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung einreichen, hat aber einen Rechtsanspruch auf ihre Erteilung, d. h. das Gesuch eines solchen Ausländers kann nicht abgewiesen wernen. Längstens 15 Tage vor Ablauf der Aufenthaltss bewilligung ist um deren Verlängerung anzusuchen. wieder abgenommen werden. Uebertretungen des Ge fetes sind strafbar. Dr. Herbert Bollatschek. Bersonalveränderungen im Verteidigungs schen Rechtssektion des MNO nach dem Sektionss minifterium. Zum neuen Vorsitzenden der politi chef Dr. Vit e t, der in den Ruhestand übertritt, wurde der bisherige Vorsitzende der Legislativabteilung Dr. Jaroslav Vorel ernannt. " " ich werd mir übrigens überlegt. mir übrigens überlegt. Du wirst eine gute Frau Also, Fräuleinchen, auch Sie haben endlich sein und ich kann auch für mich bürgen." das vielleicht der Anfang der Enttäuschungen, die auch noch so sehr sträuben. Da habe ich zum Bei Er hatte sich alles so anders vorgestellt. Ist mußte so fommen, es finden ihn alle, wenn sie fich den Weg zur Schwarzen Kathi gefunden. Es den Mann in der Ehe erivarten? Er fügte da spiel ein Fräulein aus guter Familie her etwas gereizt hinzu:" Du scheinst dich darob natürlich ihren Namen nicht nennen, bei mir ist es gar nicht zu freuen?" Toni! Ich freue mich sehr, aber hast du Mädchen meine Kundschaft war. Sie sagte immer: wie im Beichtstuhl deren Mutter schon als dich nicht zu schnell entschlossen? Du tennst mich Jch niese nicht einmal, ohne mich mit det Er sagte:„ Sophie, ich mag die Warze an nicht gut genug, du wirst vielleicht einmal bereuen. Schivarzen Kathi zu beraten. Ich bedauere es Dafür erschien nach neun Uhr die Loisis, um sich mit einem Gläschen Schnaps zu erfrischen. deiner Schläfe nicht sehen und werde sie dir binnen Es gibt so viele hübschere Frauen auf der Welt!" aber nicht, denn ich bin immer gut dabei gefahren. Hübschere vielleicht, Sophie. Aber ein Jch schäme mich auch nicht, denn die Schwarze Der ganze Erfolg von Beinstellers Versuch, sich drei Tagen entfernen. Du sollst sehen, was ich aufzumuntern, war, daß er völlig betrunken an fann, denn du wirst gar nichts spüren. Erinnere Herz wie du hat keine andre und das ist die Kathi weiß mehr als alle Professoren zusammen." dem Tisch saß, der mit allen Sorten Alkohol, die dich, daß dich meine Billen nach einmaligem Ge- Hauptsache in der Ehe. Ich hab' mir's überlegt. morgen in vierzehn Tagen komme ich zu euch und Hochzeit!" ,, Und ihr Töchterchen, sie heißt Loli das -Y Franz Pavliks Witive ausschenkte, begossen war, nuß gefund gemacht haben. Ich habe gegen War Bei meiner zarten Gesundheit hat es keinen Sinn, tann ich ja sagen, diese Loli, ein reizendes und jedem, der ihn ansprach, zugrunzte:„ Kusch, zen eine Salbe, die kennt außer mir nur ein Brief- aufzuschieben. Deshalb gehen wir's an! Bon sehr braves Fräulein, sehr gebildet, nur ein biß du nicht, daß ich zum Minister gehe, der mit nichts draus, wenn es ein bißchen brennt. Jn halte um deine Hand an. In sechs Wochen ist spottet. Verzeih', Mama," sagte sie,..aber du du Maulwurf, und halt' mich nicht auf. Siehst Nachtmahl und gefühltem Sett auf mich wartet?" Diese Antwort erhielt auch Loisis, die ihn doch alte Kameraden! Als sie sich über seine Antwort wunderte, erKlärte die Schankwirtin:" Das erzählt er schon träger in Brünn. Halt jest still und mache der einer Weile hört's wieder auf. Ich habe die Salbe zum Regiepreis hergegeben, aber von nun an Salbe aufschlagen will?" Auf diese Art wurde über die chen zu mager, hat ihre Mutter immer vers Zukunft auf die Worte dieser dummen Frau geben?" bist wirklich zu naiv; wie kannst du nur soviel nicht Luder, er hat mich sehr getränkt, aber wir sind zehn Minuten trocknet's ein und tibelt nicht mehr. Wundersalbe Foltrs eintrocknen konnte. An diesem Fräulein Loli gesagt. Ich habe natürlich gar ansprach, weil sie dachte: Der Beinsteller ist ein werd' ich aufschlagen. So, jezt ist's fertig, in Sophiens in türzerer Zeit entschieden, als die Mein Wort darauf, Fräulein Sophie, das hat un fragit du denn nicht, warum ich bei der Abend ſollte Sophie jedoch noch ein andres auf- darauf geachtet und habe mir gedacht: Wart' nur, Sophie jagte diese vorwurfsvolle Frage weg, als sie darüber nachdachte, warum der An- der Schwarzen Kathi sprechen. Deine Zeit wird den ganzen Abend, aber es ist so blöd, daß wir Schreden ein und sie fragte schnell in ihrer lapis trag Foltrs sie nicht so freute, wie er sie freuen schon tommen! Und ich wartete. Ich mußte nicht sollte, wurde sie von Loisis eingeholt. Dieses lange warten. Mit einemmal fing die Loli an „ Mein Gott, bist du schwer von Begriff! tampfluſtige Weibsstück überfiel Sophie ſtets, recht schlecht auszusehen, wurde noch magerer, .", dabei versuchte er, aufzustehen, fiel aber aber ein verheirateter Mann muß an seine Sophie daher Loisis hinter sich spürte, ergriff sie so groß wie ein vierstödiges Haus eine uns " Ja", sagte Beinsteller, ich komm' ja schon Ein lediger Mann fann Menschenfreund sein, wenn sich eine Gelegenheit bot. Sobald Jungfrau ließ den Kopf hängen. Kurz, es war eine Liebe, Lebensgefährtin denken. So... und jetzt kommt in panischem Schreden die Flucht. Diesmal floh glüdliche Liebe natürlich. Ich sagte ihr: ,, Ver gar nicht mehr lachen. Denk' dir schon was andres aus, Ferd!!" unter den Tisch, wo er friedlich einschlief. " daren Art:„ Warum?" Jezt hast du deinen Minister", höhnte die noch ein Pflaster... fertig. Ich wäre für eine Witte. Sie ahnte nicht, daß der Minister tatsäch lich eine Stunde schon zum Fenster herausschaute und die armselige Gestalt seines Helden erivartete, den er tatsächlich liebgeivonnen hatte, baldige Hochzeit, was sagst du dazu?" Herr Foltr glaubte wahrscheinlich, Sophie werde ihm zu Füßen fallen und mit reichen Tränen der Dankbarkeit für diese Gnade danken. Zu sei„ Na, ich werde halt warten, bis er wieder ner Ueberraschung tat sie aber nichts dergleichen. beisamunen ist", erklärte Loisis.„ Wenn er nicht Sie neigte den Kopf und fragte nach einer Pauſe, aufwacht, pad' ich ihn zuſammen und versuch, ihn deren Länge Herrn Foltr beinahe erschreckte, mit nach Hause zu tragen. Vielleicht hilft mir leiser Stimme: Hast du dir's auch gut überlegt, jemand dabei. Aber der Ferd! benimmt sich, als Toni?" mär' er närrisch geworden." Mein Gott, wozu überlegen? Ich hab' es fie in das Stiegenhaus des Vorderhauses, das in die geheimnisvolle Behausung der Schwarzen Kathi mündete. Ueberzeugt, daß Loisis ihr folgte, betrat Sophie zum erstenmal diese Wohnung. " „ Das sind Gäste", rief die Schwarze Kathi, die auf dem Spirituskocher etwas braute. Meine Amtsstunden sind eigentlich schon vorbei, aber bei so einem außergewöhnlichen Besuch... Spazieren Sie nur herein!" trauen Sie sich der Schwarzen Kathi an, die tann alles richten." Aber die Loli stedte nur die Zunge auf mich heraus. Und die Mutter flagte:„ Liebe Frau Kathi, ich bin schon ganz verrückt davon. Das Mädel hat sich in einen Herrn verliebt et ist auch eine sehr gute Partie. Aber er ist sehr wählerisch und sagt:„ Alles gefällt mir an der Coli, ihre Seele, ihr Gesicht, ihre Familie, ihre Erziehung und ihre Mitgift. Nur ihre Magerteit Die Schwarze Kathi führte die verwunderte gefällt mir nicht. Sophie in ihr Amislotal. ( Fortseßung folgt.) g L A t g m S n น 6 E L 81 ge 1 ei be ia fo B t A e 4 t t 4 t 4 g 通 ch b 13 t: et 11. ge 13 3, Mr. 167 Samstag, 20. Juli 1935 Sudetendeutscher Zeitspiegel Ist dieser Haß noch zu verstehen? lesen da u. a. wörtlich:.... am Berliner Nurfürstendamm hat es einigeerregte Stras Benszenen gegeben. Sie müssen nun dazu dienen, um das beginnende Verständnis unDie Karlsbader Deutsche Tagester den Völkern zu sabotieren, das ist der zeitung" ist gezwungen, die folgende viel wahre Hintergrund dieser Kampagne. Ein paar sagende Berichtigung zu veröffentlichen: eingeworfene Fensterscheiben(!!) bildeten den Anlaß größter Sensationsberichter stattung und stärkster Beleidigung des deutschen Volkes..." หน el at ht I, 111 rd ht 1 ie, 15 111 де be 11. et hr er ce it = ,, Auf Grund des§ 11 des Gesetzes vom 10. Juli 1933, Sammlung Nr. 126, ersuche ich Sie, in Vertretung des Arbeiterrad und Kraft= fahrerbundes CSR in Turn- Teplit um Daß die Nazis die Wahrheit in der dreisteVeröffentlichung der nachstehenden Pre- Be- sten Weise auf den Kopf zu stellen pflegen, ist die berichtigung des in der Nummer der D. Regel. Daß aber eine in der CSR erscheinende 2." vom 9. Juli 1935 auf Seite 3 unter dem Zeitung es wagt, eine solche, natürlich auch gegen Titel ,, Ist dieser Haß noch zu verstehen?" ver- die Republik gerichtete zynische Notiz, zum Teil öffentlichten Artikels. Unwahr ist die Behauptung, sogar in Fettdruck, zu publizieren, das ist der daß von seiten der Teilnehmer am Arut- Feste Gipfel! am Sonntag, dem 7. Juli 1935, bei einer Schießübung am KF- Fußballplatz auf eine Scheibe geschossen wurde, die als Ziel den Kopf Adolf Hitlers trug; wahr ist vielmehr, daß beim Arut- Fest eine Schießübung weder am K. F. K.- Platz noch anderswo statt fand, daß damals auf eine Scheibe überhaupt nicht geschossen wurde, geschweige denn auf eine solche, die als Ziel den Kopf Adolf Hitlers trug. In Vertretung des Arbeiterrad- und Kraftfahrerbundes CSR Turn- Teplitz: der Bevollmächtigte JUDr. Richard Pasch." So Und nun kann man wieder hübsch von Neuem erfinden-! Achtung auf kommunistische Quertreibereien! Sozialistische Jugendtage ohne Einheitsfrontmanöver Die kommunistischen Jugendlichen Kündigen in ihrer Jugendzeitung an, daß sie bei den Jugendtagen, die die sozialistische Jugend in der nächsten Zeit veranstaltet, mit aufmarschieren wer den, um die Geschlossenheit des antifascistischen Lagers darzutun. Im Zusammenhang mit dieser Ankündigung appellieren die Jungfommunisten an die sozialistische Jugend, gemeinsame Besprechungen abzuhalten, die der Vorbereitung der Jugendtage gelten sollen. Die sozialistische Jugend hat gegen die Teilnahme tommunistischer Jugendlicher an ihren Jugendtagen nichts einzuwenden, wenn sich die Kommunisten in unsere Reihen eingliedern und fein anderes Streben verfolgen als das, die Reihen der Antifascisten zu stärken. Es fällt der sozialistischen Jugend, die die Organisierung ihrer Kundgebungen schon längst beendet hat, jedoch nicht ein, mit den Kommunisten Besprechungen abzuhalten, deren Zweck allzu durchsichtig ist. Die Abmarschzeiten in unseren Ortsgruppen und den Aufmarschplan bei den Kundgebungen können die Kommunisten jederzeit aus den sozialdemokratischen Zeitungen erfahren. Auf Wunsch werden sie die entsprechenden Angaben auch von unseren Jugend- Vertrauensmännern erhalten. Wenn sie mitdemonstrieren wollen, haben die kommunistiichen Jugendlichen nichts anders zu tun, als diese Aufmarschpläne zur Kenntnis zu nehmen und sich noch ihnen zu richten. Was die Abhaltung von Besprechungen betrifft, so sei darauf hingewiesen, daß der Beschluß des Brünner Parteitages in der Frage der Einund daß die Führung der kommunistischen Jugendheitsfront auch für die sozialistische Jugend gilt bewegung noch immer die konkrete Antwort auf die tonkreten Fragen schuldig geblieben ist, die der Sozialistische Jugendverband im Dezember des Vorjahres stellte. Für den Verbandsvorstand des Sozialistischen Jugendverbandes: Rudolf Geißler. Karl Kern. Egerer Zeitung und ,, Nationalsozialistische Pressekorrespondenz" nalso gegen Auch Böhmisch- Leipa als Beispiel ten die Löhne für Grasmäher aufbringen können, so kommen ihnen Heimatfrontler zu Hilfe und mähten das Gras ohne jeden Verdienst. und die„ Kameraden" Landwirte werden sich ins Fäustchen gelacht haben, indessen ein paar arme Teufel, die da hofften, durch Grasmähen ein paar Kronen zu verdienen, noch um eine bescheidene Hoffnung ärmer geworden sind. Sanktionen Seite 3 ,, sozusagen unmöglich"? Genf.( Tsch. P.-B.) Das Völkerbundsetretariat hat am Freitag den Bericht des Wirtschafts- und Finanzunterausschusses der 13glic= drigen Kommission des Rates veröffentlicht, die ( kurz nach der offiziellen Ankündigung der deutschen Aufrüstung im März d. I.) mit der Beratung der Fragen der Sanktionen gegen Staaten betraut war, die internationale Verpflichtungen verletzen. Der Bericht des Wirtschafts- und Finanzunterausschusses beschäftigt sich eingehend damit, Die Emigrantenhezze. Der ,, Nord mäh- wie wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen die rische Grenzbote" meldet mit schmaßen- Wirksamkeit des Völkerbundpaktes erhöhen könn= dem Behagen, daß sich eine antisemitische ,, Ab= ten. Der Ausschuß hat auch eine ganze we hrtommission" in Arenys de Mar Reihe von Hindernissen aufgezeigt ( Katelonien) an die zuständigen Behörden ge- und, wenn er sich auch nur mit rein technischen wandt und die Entfernung" von 50 jü= Fragen befaßte, konnte er doch nicht die heutige dischen Emigranten verlangt habe. wirtschaftliche Lage der Staaten außer acht lassen. Wahrscheinlich ist die Affäre nicht mehr als eine unter denen die Wirksamkeit wirtschaftlicher und schöne Erfindung wunschträumender verhinderter finanzieller Sanktionen sozusagen un= Pogromisten im Sudetenland. Aber sie dient der möglich gemacht wird. Es ist nämlich selbstver= Aufhebung gegen die Emigranten im allgemeinen ständlich, daß wirtschaftliche Sanktionen auch beund das ist wert, sie ungeprüft und unbesehen ins deutende wirtschaftliche Schwierigkeiten für StaaBlättchen zu bringen-! ten verursachen können, welche diese Sanktionen anwenden. In der letzten Sibung der Verwalin Böhmisch tungskommission eipa wurde mit Mehrheit beschlos Entgleisung in die Wahrheit. Selbst der Dieser Tage wird in Genf die 13gliedrige sen, Heinrich Mann, der keinen diesbezüg lichen Antrag gestellt hatte, in den Böhmisch- Saazer Anzeiger" kann nicht umhin, sei- Kommission tagen, um in einer Plenarsizung ihre nen regierenden Nazi- Brüdern im Reich indirekt Aufgabe zu beenden. Leipaer Heimatsverband aufzunehmen. eine sanfte Rüge zu erteilen. Er stellt betrübt fest, daß die Reichsdeutschen aus= ,, Echte Kameradschaft." In der Schriftlei- bleiben und daß sie, der Devisen- Schwierigtei Demonstrationen terpresse lesen wir: ten wegen, die ihnen das Reich macht, lieber abzuEinen echten Kameradschaftsdienst eriviesen reisen, als sich so einzuschränken" pfle= in der letzten Zeit Mitglieder der Sudetendeut- gen. Diese Notiz findet sich in der Rubrik„ Volksschen Partei in Blottendorf einigen Landwirtschaft", in der man, im Gegensatz zur Rubrik wirten des Ortes. Da die Landwirte in diesen" Politik" noch nicht auf jeden Fall die Tatsachen schlechten Zeiten nur unter großen Schwierigkei zu ignorieren scheint Bekränze dich selbst! SIEG IN ABESSINIEN Frischer Lorbeer von abessinischen Gräbern... Hungernde Saar E Wowan -G aber nicht staatsfeindlich Paris. Troz dem von der Regierung erlaffenen Demonstrationsverbot erteilten die Führer der Gewerkschaftsorganisationen der Staatsangestellten unter Zustimmung der beiden großen französischen allgewerkschaftlichen Verbände ihren Mitgliedern Instruktionen, Freitag abends zwischen 18 und 20 Uhr auf dem Opernplatz zu demonstrieren und sich dort einzeln von allen Seiten zu versammeln. Polizei zu Fuß und zu Pferde hatte schon vorher in großer Zahl sämtliche Zugangsstraßen besetzt und die sich sammelnden Gruppen auseinandergetrieben. Die Manifestanten sammelten sich aber immer wieder in den Straßen, sangen die Internationale und stießen Rufe gegen die Regierungsdekrete aus. Ihre Gesamtzahl be= trug etwa 25.000. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen, die jedoch durchwegs unbe= deutend waren. Bis 21 Uhr betrug die Zahl der Verhafteten etwa 300. Die Bedeutung und das Ausmaß der Demonstrationen brauchen jedoch, wie das Tsch. P.- Büro meldet, nicht übertrieben zu werden. Die Demonstrationen waren eher ein Ausbruch der Unzufriedenheit als die Aeußerung einer staatsfeindlichen Revolte. Deutschland und der Balkan. Die deutschen Blätter richten jetzt die heftigsten Angriffe gegen Rumänien. Der bevorstehende Abschluß des sowjetrussisch- rumänischen Vertrages hat in Deutschland große Nervosität ausgelöst. Hatte man sich doch der Hoffnung hingegeben, daß der seinerzeitige Aufschub von Titulescus Moskauer Reise, die jetzt vor der Verwirklichung steht, auf Hin dernisse zurückzuführen sei. Man hatte sogar die Illusion gehegt, daß es wegen der alten rumäni schen Archive noch zu Differenzen kommen fönnte. Mit breitem Behagen wird die Fusion CuzaGoga geschildert, die sich der Sympathien des Nationalsozialismus erfreut. Gleichzeitig suchen die Blätter Polen gegen Rumänien scharf zu machen. Eine andere Taktif schlägt man gegen Jugosla= wien ein. Obwohl dort bisher alle Propagandaversuche ergebnislos waren, hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Hitlers Rede vom 2. Mai wurde in serbischer Ueberseßung überall zur Verteilung gebracht, und zwar auf Betreiben des Belgrader Filialleiters der Deutschen Lufthansa, Neuhausen, der die nationalsozialistische Propaganda in Jugoslawien leitet. Gleichzeitig hat Göring einige seiner Belgrader Bekannten nach Berlin eingeladen und ihnen ein eigenes Flugzeug zur Verfügung gestellt. Langsam scheint diese Propaganda auch zu wirken. Die Br. Presse" hat fürzlich die Interessengemeinschaft Jugoslawiens und Deutschlands in der Anschlußund Habsburgerfrage auffällig betont. Der letzte Ministerrat Für heute nachmittags ist der letzte Ministers Saarbrücken.( A. P.) Es ist den beteiligten[ tionstiften fönnen nicht helfen. Der Email- InduDie„ Egerer Zeitung" informiert ihre Refer aufs vortrefflichste. Auch über den natio- Stellen bis jetzt nicht gelungen, den Ausfall aus- strie gab man Erinnerungs- Teller in Auftrag, die ozialistischen Kurfürstendamm zugleichen, den die Saarkohle durch Einschränkung jetzt unverkäuflich herumliegen. Pogrom bom lekten Montag. Da liest man der Ausfuhr erlitten hat. Das gilt namentlich für Die zweite Sorge sind die enormen Preiszum Beispiel in der Freitag- Nummer eine Notiz Flammkohle, deren Unterbringung auf dem deutit ei gerungen, über die schon ausführlich die Sensationsmacherei der schen Markt besondere Schwierigkeiten bereitet. berichtet wurde. Lohnforderungen jedoch werden Auslandspreſſe. Die Notiz ist ein Auszug aus Die Zahl der Feierſchichten auf den Flammkoh- mit Entlassung geahndet. Den städtischen Arbei- rat vor den Ferien einberufen worden; aus dem einem Artifel der„ Nationalsozialisti- lenzechen mußte daher weiter erhöht werden. Von tern von Saarbrücken wurde sogar eine zehnpro- Umstand, daß am Vormittag noch eine Reihe von ichen Preisetorrespondenz". Wir der innerdeutschen Rüstungskonjunktur kann die zentige Lohnkürzung angekündigt. Den Eisenbah- ministeriellen Beratungen stattfinden sollen, geht Saar als Grenzgebiet nur wenig profitieren. Ob- nern wurden zwar die Grundlöhne erhöht. Da- hervor, daß noch nicht alle Probleme, die zum Abgleich die Nationalsozialisten die Saar zu Beginn für baute man aber die Frauen und Kinderzu schluß gebracht werden sollen, endgültig bereinig! der Frühjahrsbelebung übernahmen, obgleich zirka lagen ab, so daß trop Lohnerhöhung eine monat- jind. Man erwartet von dem Ministerrat die end15.000 Personen das Saargebiet verließen, ob- liche Einbuße von durchschnittlich 15 bis 20 gültige Festlegung der Getreidepreise( die auf je= gleich ferner Tausende in die Landhilfe und zum Mark herauskam. Im übrigen wird mitgeteilt, den Fall so erfolgen soll, daß keine Mehl= Arbeitsdienst abgeschoben wurden, Hunderte bei daß aus der Stadt Saarbrücken mehr Leute ins preisverteuerungen resultiert), und Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: bad, 10: In die Welt hinaus, Wanderlieder, 12.15: obgleich schließlich die Gemeinden troß ihrer Ber- quo Stimmen abgegeben wurden. Auf die Freidesvertretungen, sowie des üblichen Juliavances Brag, Sender 2: 7: Uebertragung aus Karls. Reichswehr und Schußpolizei Aufnahme fanden, Ausland ausgewandert sind, als für den Statuss die Durchführung der Ernennungen in die Lans Blasorchesterkonzert, 13.15: Schallplatten, 18: schuldung zu Notstandsarbeiten gezwungen wur heit der Abstimmung wirft dies nachträglich ein ments der Staatsangestellten. Dagegen ist die Sonntag: Deutsche Sendung: Konzert des Orchesters der tsche- den, obgleich man mit öffentlichen Arbeiten und mehr als merkwürdiges Licht. hischen Philharmonie, 19: Deutsche Presse, 19.15: 3wangseinstellungen einfeßte, eine Zuzugssperre Salonorchesterkonzert, 22.35: Schallplatten: Mo- verhängte und Facharbeiter in die mittel- unt 3art, 22.40: Deutsche Presse, 22.45: Jazzorchester westdeutsche Rüstungsindustrie übernahm, ist den: M Sender S: 14.30; Deutiche Arbeiter noch die Zahl der Arbeitslosen in Japanische Flottenmanöver Tokio. Die japanische Admiralität fündigt Frage der Arbeitsvermittlung und der Erweite rung der 40- Stunden- Woche allem Anscheine nach noch nicht so weit gediehen, daß man noch vor den Ferien mit konkreten Maßnahmen rechnen könnte. Sie dürften für den Herbst vorbehalten bleiben. Unter diesen Umständen ist damit zu rech= endung: Ruth Körner: Moskauer Straßenle- vier Monaten nationalsozialistischer Herrschaft große Flottenmanöver an, die in der ben, 14.45: Frühere Verhältnisse, Posse mit GeBrünn 9.15: Salonorchester, 20.20: Tänze um 120 Prozent, von 35.000 auf 75.000 ge- 3eit von Ende Juli bis Anfang Oktober unter| nen, daß die politischen Ferien schon bald im Mährisch- Ostrau 17.45: Chan- stiegen. Die Betriebe der Holzindustrie sind Oberleitung des Chefs des Admiralstabs, Prinz September ihr Ende finden und weiteren intensia jang. und Rhapsodien. fons zusammengebrochen. Die Aufträge auf Muni- Fushimi, stattfinden sollen. ben politischen Beratungen plazmachen werden. Seite 1 Samstag. 20. Juli 1935 Nr. 167 In drei Wochen zweimal abgebrannt Nächtlicher Blitzschlag und Brand in Chinitz-Tettau Eine vom Schicksal verfolgte Holzhauerfamilie Ein kopfloses Dementi zu Goebbels'„schwedischem Film" Herr Goebbels scheint von dem Pfeif-Erfolg seines schvedisch getarnten Filins„Petterson und Bendel" und dem schlechten Eindruck, den die Kurfürstendamm-Ärawalle nicht nur im Auslande gemacht haben, völlig aus der Fassung gebracht worden zu sein. Seine Behauptung, die S.A. habe sich an den Krawallen nicht beteiligt, ist unmittelbar nach ihrer Verlautbarung durch die Disziplinar-Appelle der Berliner SA.-Lcitung selbst widerlegt worden. Aber noch verunglückter ist das zweite Dementi, das.er jetzt auf dem Wege über das Deutsche Nachrichtenbüro in die Welt geschickt hat. um seine Urheberschaft an dem aus- gcpfiffenen aniiseniitischen Hetzfilm zu bestreiten. Er will in diesem Dementi die Behauptung auf- rechterhaltrn, das; es sich um die deutsche Fassung eines echten schtvedischen Films gehandelt habe, und er beruft sich zu diesem Zweck auf das Zeugnis eines sckitvedischen Filmdirektors Svenson, der erklärt haHn soll, er verstehe die Entrüstung der deutschen Juden nicht, denn der Film„Petterson und Bendel" sei erstens schon fünf Jahre alt und zweitens garnicht antisemitisch. Dieser Dcmentiversuch ist so kopflos, das; er sich tatsächlich nur mit äußerster Verlegenheit seines Urhe-! bers erklären läßt. Denn wenn man wirklich vor fünf Jahren in Schweden, als es dort noch gar keine Tonfilmateliers und in Deutschland noch keine Hitler-Regierung gab, einen nicht antisemitischen Film„Petterson und Bendel" gedreht hat, dann beweist das doch nur, daß die jetzt in Goebbels' Auftrag hergcstellte deutsche Fassung (deren antisemitischer Eharakter ja von der Goebbels- und Streicher-Presse selbst betont wurde) eine Fälschung sein mutz. Um so erheiternder ist wieder der Diensteifer der„B o h e- m i a", die als einziges Prager Blatt das Goebbels-Dementi kommentarlos ihren Lesern vorgesetzt hat. Zwei Glas Bier Amerikanisches Lustspiel Plymouth(Massachusetts). Einer der er- sten Repräsentanten der hiesigen A h- stinenzlerbelvegung, M. Tripp, wurde zu einer Geldstrafe von 50 Dollar verurteilt, weil er in berauschtem Zustand ein Auto gelenkt hatte. Tripp gab zu, vor dem Besteigen des Wagens zwei Glas Bier genossen, zu haben. Spiel mit Streichhölzern Moskau. Wie aus Minsk gemeldet wird, wurde das weißrussische Kollektivdors Sabolatjo durch ein verheerendes Schadenfeuer zerstört. Infolge des starken Windes griff der Brand auch auf die ersten Häuser einer b e n ach- bar t e n Kollektivwirtschaft über und zerstörte auch diese fast vollständig. Die Untersuchung der Brandürsache ergab, daß zwei fünfjährige Kinder, die ohne Aussicht waren, mit Streichhölzern gespielt hatten. Ohne Kommentar. Das Statistische Reichsamt berichtet über Verurteilungen und Bestrafungen durch deutsche Gerichte im Zeitraum vom 30. Duni 1933 bis zum 1. Juli 1934. Laut dieser Statistik wurden im Laufe des Berichtsjahres„auf der Fluchterschossen" 184 Personen, sterilisiert 12.863 Personen, R e h V e r g.(Eigenbericht.) In der Nacht von DienStag auf Mittwoch ging über den Mader- winkel ein schweres Gewitter nieder, welches in der Ortschaft Chinitz-Tettau ein neues Brandunglück hervorrief. Der Blitz schlug in das »euerbaute Blockhaus des Holzhauers Pickl sen., das sofort lichterloh in Flammen aufging. Bei Pickl wohnte sein Sohn Emmerich und besten junge hochschwangere Frau» deren kleines Anwesen vor dreiWochen ebenfalls ein Raub der Flammen wurde. Pickl jun. wurde von dem Donnerschlag betäubt und mußte bewußtlos aus dem brennenden Hause gerettet werden. Der Blitz selbst tötete im Stalle eine Kuh, während ein daneben angebundenes Kälblein unversehrt blieb. Der Einschlag wurde ans der Nachbarschaft beobachtet, weshalb ! die Chinitzer Feuerwehr in wenigen Minuten zur Stelle war. Infolge Waffcrmangels— das Haus steht einsam im Walde— hatten die Löscharbeiten ausgebürgert 13.121 und in Konzentrationslager eingeliefert 49.102 Personen. TL die meisten Einlieferungen in Konzentrationslager vor den: 30. Juni 1933 erfolgten, ist die letzte Zahl ganz ungenau. Sie ist uni ein Mehrfaches übertroffen lvorden. Tschechoslowakische Republik und Sowjet- Union. Wie unser tschechisches Bruderblatt in Brünn, die„N o v a D o b a", mitteilt, sind, zum Zeichen der Freundschaft der Sowjetunion mit der Tschechoslowakischen Republik aus dem Museum der'bolschewistischen Revolution in Moskau jene Erinnerungen, die sich mit den Kämpfen zwischen derRotenArmee und den tschechoslowakifchen Legionären befassen, entfernt worden. Exminister Haußmann gestorben. Gestern starb im Sanatorium Sanopz in Prag JllDr. Jiri Haußmann, Präsident des Obergerichtes in Prag und ehemaliger Minister. Dr. Haußmann, der 1868 in Prag geboren wurde, trat im Jahre 1890 beim Landesgericht in Prag die Gerichtspraxis an, Vier Jahre später wurde er an das Owerlandesgericht berufen, bei welchem er fast seine ganze Dienstzeit vom Auskultanten bis zum Präsidenten verbrachte. Im Jahre 1918 wurde Dr. Hmißmann mit der Organisierung des Gerichtswesens in der Slowakei betraut, welche Aufgabe er in den nächsten beiden Jahren aüsführte. Im Jahre 1926 war Dr. Haußmann in der Beamtenregicrung Eernh Justizminister und war mit der Leitung des Ministeriums für Verpflegung berraut. Präsident des Oberlandesgerichtes war er seit I9ßl. Soldatenselbstmord. Das Preste-Referat der 2. Division teilt mit: Am 18. Juli um 12 Uhr mittags brachte sich der Soldat Jan Majerskh- Sädeckh vom 2. Feldbataillon des 35, Infanterie-Regimentes in Kralovice in selbstmörderischer Absicht eine Schutzverletzung bei. Er durchschoß sich den Brustkorb. Nach der ersten Hilfeleistung wurde er mit dem Automobil in das Divisionskrankenhaus nach Pilsen überführt, wo er trotz ärztlicher Fürsorge um 20 Uhr 15 Min. seiner Verletzung erlag. Tie Ursache des Selbstmordes wird amtlich untersucht. Eine Illusion, solange es Fasrismns gibt, muß wohl im Wesentlichen das bleiben, was folgender Meldung aus Genf zugrundeliegt: Die Internationale Kommistion für geistige Zusammenarbeit prüft bei ihrer gegentvärtigen Tagung die Frage einer Re Vision der Schulbücher/ insbesondere der Geschichtsbücher. Auf Anregung Emile Borels, Mitgliedes des Institut nur geringen Erfolg. Die Pickl hatten am Bortage die Heuernte beendet und sie wurde ein Raub der Flammen bis auf eine einzige Fuhre, die noch nicht abgrladen war und mit dem Wagen aus dem Schuppen gezogen werden konnte. Bon dem Hausrate verbrannte der größte Teil dessen, was die j u n g e n L e«t e d r e i Wochen zuvor aus ihrem brennenden Hause gerettet hatten. Auch ein Fahrrad, das tri der ersten Feuersbrunst noch mit Feuerhaken den Flammen entriffen werden konnte, ist ihnen diesmal zum Opfer gefallen. Die zweimal nacheinander vom Brandunglück verfolgten Eheleute Pickl haben alles bis auf dir Alltagskleider verloren. Francais, hat die Kommission den Vorentwurf eines bilateralen Abkommens„zur Beseitigung oder wenigstens Milderung der Differenzen, die bei der Darlegung historischer Ereignisie in den Schulbüchern entstehen können" ausgearbeitet. Bei der Debatte wurde die Ansicht ausgesprochen, daß statt eines bilateralen Abkommensentwurfes eine bloße Erklärung annehmbar wäre, welche folgende Grundsätze enthalten soll: 1. ein möglichst großer Teil des Studiums soll der Geschichte der ausländischen Staaten gewidmet sein; 2. aus den Geschichtsbüchern soll jede feindselige Beurteilung ftemder Nationen eliminiert werden; 3. im Geschichtsunterricht sind vor allem solche Tatsachen hervorzuheben, die geeignet sind, das gute Einvernehmen upd die Zusammenarbeit unter den Völkern zu fördern. Es Ivurde festgestellt, daß insbesondere Frankreich und Deutschland einer gegenseitigen Revision ihrer Schulbücher zu- gestinkmt haben. Die Kommistion fiir geistige Zu- fammenarbeit behandelte auch die Frage dokumentarischer und pädagogisch informativer Zentren. Zu den 33 bereits bestehenden derartigen Zentren sind fünf weitere hinzugekommen. Auch das Problem der Arbeitslosigkeit der intellektuellen Jugend wurde in Beratung gezogen. Fascismus in allen Preislagen! Wie tschechische Blätter mitteilen, offeriert das Pardubitzer Sekretariat der Fascistengemeinde schwarze Hemden je nach der finanziellen Lage, und zwar in P o p e l i n e zu 25, in Sa- t i n zu 35 und in S e i d e zu 65 XL. In wenigen Monaten hat sich die neue Jugendzeitschrift„Das junge Voll" guten Ruf verschafft. Wodurch das gelungen ist? Dadurch, daß diese Zeitschrift Leben und Leiden, Alltag und— den viel selteneren— Festtag der Jugend, vor allem der arbeitenden Jugend, spiegelt, daß in ihr oft junge Menschen zu jungen Menschen sprechen, und daß sie dem Leser außerdem in knapper Form mit den wichtigsten Ereig- nisten im Lande und den bedeutendsten weltpolitischen Geschehnissen bekannt macht. Und außerdem sprechen immer wieder Dichter, die für die Jugend Bedeutung haben/ zu ihr. Man kann sich von Heft zu Heft der schönen Entwicklung dieser Zeitschrift freuen. Im Juli-Heft berichtet der Leitaufsatz„Die Jugend verschafft sich Gehör" von den Hilfsmaßnahmen für die Jugend, die in der vom Ministerpräsidenten Malypetr abgegebenen Regierungserklärung angekündigt wurden, und von der Unterschriftensammlung, die, eingeleitet von der Sozialistischen Jugend-Internationale, dem Büro der Internationalen Arbeitskonfcrenz überreicht s wurde. Joseph Luitpold Sterns hier wiederabgc- druckter Aufsatz„M a r x und die Kinder" zeigt nicht nur den großen Gelehrten als Freund seiner Kinder, sondern als den großen Freund alle' Kinder, der in seinen Schriften so wuchtige Anklag gegen die Ausbeutung der Kinder erhoben und der' Arbeiterklasse den Weg zur Befreiung der Kinder geloiescn hat. Ein„Brief aus dem Reich" berichtet von der durch die Gleichschaltungs-Terrorflut in die Jllegalstät gedrängten Arbeiterjugend, Wolf: Harten erzählt in der Geschichte„Ecke Hongkong-: Road" die Geschichte eines Shanghaier Kulis, dci „Blick in die Welt" zeigt die großen Ereigniffe d.u Zeit. Ein Jungsozialist erzählt festelnd vom Ar/ beits- und Schulungslager in Hirschberg am Sce| Martin Grill läßt in der Skizze„Wovon lebt dr/ Mensch?" die seltsamen Wege ahnen, auf denen dir Arbeitslosen unferer Tage doch ein paar Heller) verdienen, Arthur Krämer berichtet über den Dict-f ter Schalom Asch, Altmeister Gottfried Keller spricht durch den Mund des alten Hediger aus dem „Fähnlein der sieben Auftechtrn" besonders heute beachtliche Worte der Mahnung an den Redner. Ein Jungbuchdrucker und eine junge Arbeiterin berichten von Schicksalen junger Proletarier, Ge-. dichte von Grill, Theodor Storm und Bert Brecht- und Bilder von Slama, Masereel und Georg j Trapp ergänzen den Inhalt, geben ihm besonders^ Nuancen.— Nicht nur dem jungen Menschen ist■ „DaS junge Volk" zu empfehlen! Auch jenen Er-f wachsenen, die mit der Juoend mitleben wollen! (Bestellungen an die Vertvaltung des„Jungen Volk", Prag VII, Föchova 62.) Schonzeit für Wild. Mit Erlaß des Lant) despräsidenten wurden die Schonzeiten für Wild für 1935 folgendermaße geregelt: 1. Die Schonzeit der Rehböcke beginnt am 1. Oktober 1935 und endet am 15. Mai 1936. 2. Die heurigen Rehkitzen, Gemsbock, Mufflonwidder. .Haselhuhn untz Wachtel werden durch das ganze Jahr 1935 geschont. 3. Die Schonzeit der Rebhühner endet am 14. August um 24 Uhr und beginnt wieder am 16. November. 4. Die Schonzeit der Wildenten endet am 15. Juli um 24 Uhr und beginnt wieder am 1. Jänner 1936. lieber- trctüngen dieser Verordnung werden nach der Bc-■ stimmnng des§ 10 Gesetzes vom 25. Juni 1929, Slg. d. G. u. B. Nr. 98, geahndet. Mazocha-Rvise. Für die vom 27. bis 29. Juli stattsindcnde Mazocha-Reise werden Meldungen ausnahmsweise bis Mittwoch, den 24. Juli, in der Geschäftsstelle des Touristenvereines„Die Naturfreunde", Aussig, Marktplatz 11, entgegengenommen. Dort erhält man auch kostenlose Prospekte für die übrigen Mazocha-Reisen, welch« vom 10. bis 12. August und vom 81. August bis 2. Scp-■ tcmber stattfinden. Die Reisekosten betragen 238 Kd, es sind darin einbezogen: Bahnfahrten(Schnell- züge), Verbindungsfahrten zwischen den einzelnen Höhlen per Auto, Skächtigungen, Abendeffen, Mittagstisch, Frühstück, Einlaßkarten, Führer, Unfall-' Versicherung, Trinkgelder und Reiseausweis. Ohne Bahnfahrt, jedoch mit Verbindungsfahrten per Auto betragen die Reisekosten KL 110.— Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Freitag-Ziehung der II. Klaste der 33. tschechoslowakischen Klastenlotterie wurden nachfolgende Lose gezogen: 20.000 KC die Lose Nr. 3696. 8080, 40669 10.000 K£ die Lose Nr. 45283, 59174, 93828. 2921 5000 Ke die Lose Nr. 51269, 43580, 45021. 2895, 8528, 27054, 46335 2000 Aö die Lose Nr. 29009, 70012, 46003, 98543, 84259. 31439, 39420, 90790, 96815, 3933, 36838, 57793. Sttatzen in Moskau Menschen drängen, hasten, laufen, lieber die Neglinnaja, die Petrolvka, den Teatralni Plosch- tschad, den Kusujetzki Most. Sie sprechen wenig, bleiben nur vor den„Halt" leuchtenden Verkehrsampeln stehen, lächeln manchmal und rauchen fast immer. Die Moskauer Frauen, Männer und Jugendlichen verbrauchen täglich 25 Millionen Zigaretten. Und der Bedarf ist im Ansteigen. Die Stummeln, die langen Pappemundstücke werfen sie in die etwa dreiviertel Meter hohen, dunkelgrünen Abfallkübel, die in der ganzen Stadt— fechs bis zehn Schritte voneinander entfernt— aufgcstellt sind. Die Straße ist so sauber, daß man sie eigentlich niemals zu kehren brauchte. Aber spritzen muß man sie. Und das ist noch sehr schwierig. Meistens gehen Männer mit langen Gartenschläuchen umher und schließen diese Schläuche an jeden Wasierhahn, den sie entdek- ken. Dann verwandeln sie den Weg buchstäblich in einen Fluß oder gar in einen kleinen, reißenden Strom: Und leider gibt es in Moskau viele Wasserhähne! Aber schon rasen über den Roten Platz und die anderen so großen Plätze und breiten Straßen einige nach amerikanischem Muster erbaute Spritzwagen und bald werden so viele kein, daß sie in der ganzen Stadt arbeiten werden. Und diese Spritzwagen und Gartenschläuche siud nur ein kleines Beispiel unter vielen. Das Veraltete und das Vorbildliche, das Rückständige und das Uebermoderne findet sich in Moskau dicht nebeneinander. Hier gehen noch Turkmenen und Usbeken, Jakuten und Kirgisen in ihren langen, bunten Gewändern oder ihren dicken, schweren Pelzmänteln und Mützen. Dort beginnt eine völlig neue Mode mit einfachen, geraden Linien, ganz auf das Praktisch? gerichtet. Hier stehen noch ärmlich gekleidete Bäuerinnen und bieten Aepfel oder Zitronen feil:„Schöne, gute. 50 Kopeken das Stück! Kaufen Sie, Bürger! Nehmen Sie, Bürgerin!" Und dort kommt eine Gruppe von Bauarbeiterinnen— oder schon Architektinnen?!—' in Monteursanzügen und in hohen Stiefeln. Hier haben Blumenhändler ihre duftenden Waren ausgebreitet; in einem Monat wird vielleicht an der gleichen Stelle ein Palmenhaus errichtet sein. Hier— in der Grocholskij— gibt es noch kleine, schlechte Holzhütten; in einem Jahr werden sich vielleicht gerade auf diesem Platz die netten, hellen Häuser einer„Traktorenstraße" oder die Riesenbauten einer Ssiwtsew Wraschek erheben. Die Russen wissen das. Sie haben unzählige Beweise. Und sie gedulden sich. Geduldig stehen sie„otschered". Tie endlos langen Reihen—„Schlangen"— sind aus dem Moskauer und.Leningrader Straßenbild noch immer nicht verschwunden. Aber man steht nicht mehr um Brot, Gemüse, Milch und Fleisch, wie noch vor wenigen Jahren. Die Lebensmittelabteilungen der Prodmag, Jusnab, kurz aller Kon- sumgenosienschaften sind glänzend versorgt. In der ehemaligen Twerskaja und heutigen ulice Gorkowo wurde unlängst ein riesengroßer, für jedermann frei zugänglicher Delikatestcnladen eröffnet. Und die tausende Konservenbüchsen und Marmeladegläfer feinsten Inhalts, die duhende Sorten lebender und geräucherter Fische und frischer Gemüse, die verschiedenen Wildbret- und Geflügelarten werden vom Publikum nicht mehr bloß bestaunt, weil sie zu teuer sind, sondern in Masten gekauft, weil die Preise herabgesetzt wurden. Die Speisekarten der zahlreichen Restaurants bieten eine vor kurzem noch kaum geahnte Auswahl. Und die Kantinen und Büffets der großen Warenhäuser führen verbilligte Menus ein. Es sind keine Eßwaren mehr, auf die die Rusten warten. Es sind vor allem— Zeitungen. Der Bedarf an Druckschriften aller Art ist in Sowjetrußland ungeheuer groß. Und die Papiernot noch nicht ganz behoben.„Prawda" und„Jswestja", die Rcgierungs- und Parteiblätter erscheinen in je einer Million Exemplaren. Um sie jedoch abonnieren zu können, muß man nachweisen, daß einem die Lektüre gerade dieser Blätter wichtig ist. Sonst muß man sich mit den— übrigens durchwegs gedruckten und schön ausgestatteten Fabriks-, Häuserblock- und Fachzeitschriften bzw. Zeitungen begnügen, die in 34 Millionen Exemplaren täglich herausgegeben werden und sich mit allen, politischen, wirtschaftlichen und lokalen Fragen beschäftigen. Und geduldig stehen die Rusten bei den Haltestellen und warten auf die Tram oder den Auto- oder Trolleybus. Die Moskauer Verkehrsmittel fahren in sehr unregelmäßigen Abständen, sind ungewöhnlich billig und daher ständig überfüllt. Sie befördern täglich 6 bis 10 Millionen Menschen! Erst wenn nach der eben eröffneten Sokolniki-Linie auch die anderen geplanten Streiken der Untergrundbahn— der„Metro", auf die jeder Moskauer so stolz ist!— gebaut sind, werden sie entlastet sein; erst dann werden die Pasta- giere genügend Platz in den Fahrgelegenheiten haben. Und nun arbeiten die Komsomolzen, die Stoßbrigadler Tag und Nacht in sicberhaster Eile« um diese zweiten,. dritten, vierten und fünfte« Linien zu vollenden, einen Teil des immensen' unvorstellbar dichten und lebendigen Verkehrö unter die Erdoberfläche abzulenken. Dieser Verkehr, dieses ununterbrock'ene Ra» sen der eleganten ausländischen und stabilen ruf' fischen Autos, dieses endlose Drängen und Stauen der Masten, dieses Rot-Gelb-Grün-Rot-1 Leuchten der Ampeln, dieses Auffchimmern dek Pfeile und Anzeigen; perechod sdjeS—Uebergang hier!— dieses ganze Vorwärtsstreben und Eile» ist überhaupt zu einem Wahrzeichen der Stadt ge-■ worden. Aber manchmal sieht man in den Stra- ßen Moskaus mit ihrer ganzen zuversichtlichen, starken und trotz allen Schwierigkeiten lebensbejahenden Atmosphäre einen sonderbaren, schneeweißen Wagen: auf den vier weißen Rädern Iie*) gen weiße Bretter und zwischen den vier weiße» Pflöcken zu den Längsseiten steht ein weißer Sarg. Langsam zieht ein Pferd an der Deichsel- Langsam gehen zivei oder drei Leute in Werkanzügen— Trauerkleider sind im Sowjetstaat u»-: bekannt— hinter dem Wagen her. Die Russe» begraben ihre Toten still, einfach, ohne Pomp- ohne Gesang, fast ohne Blumen. Man sieht sie selten weinen. Nur die allernächsten Verwandte»' nur der beste Freund geben dem Toten das Geleit: ein letztes Zeichen der Solidarität und Liebe» !— Ist diese ernste Pflicht erfüllt, dann wende» sie sich wieder ihrer Arbeit zu, dem Aufbau Landes, der Vollendung des zweiten Fünfjahreplans. Sie trauern nicht um das Gewesene, sondern schaffen zäh am Gegenwärtigen und bereite» unerschrocken das Zukünftige vor. Nr. 167 Samstag, 2». Juli 1935 Seite 8 Entdeckung eines Soldaten-Maffengrabes ans der Völkerschlacht bei Leipzig Warschau. Wie aus Leipzig gemeldet wird, wurden in der Gegend, die der Schauplatz der Völkerschlacht war, bei Bauarbeiten in einer Tiefe von einem Meter meisschliche Skelette aufgefunden. Maa glaubt, daß es.sich um ein Massengrab polnischer Soldaten bandelt, die unter dem Befehle des Fürsten Jofef Ponietotuski, der dort gefallen ist, kämpften. Die Fundstätte wurde durch den polni» schen Konsul in Leipzig, Czudowski, besichtigt. Einr eigene wissenschaftliche Kommission wird die Herkunft der Skelette bestimmen und die Frage entscheiden, ob es sich tatsächlich um polnische Soldaten aus der Völkerschlacht handelt. Die Eisenbahnstrecke Salzburg—Innsbruck ist zwischen Leogang— Hochfilzen durch Stein- schlag unterbrochen worden. Die Unterbrechung soll noch in der Nacht auf Samstag beseitigt werden. Die internationalen Züge werden über den Hilfsweg— Rosenheim— Kufstein umgeleitet. Mord oder natürlicher Tod? Die bereits gemeldete Verhaftung der Frau des Wiener Klavierfabrikanten L u n e r wegen des Verdachtes, daß sie ihre Hausgehilfin Anna Augustin ermordet habe, gibt eine Reihe von Rätseln auf. Nach dem Gutachten des Gerichtssachverständigen ist es möglich, daß das Hausmädchen eines natürlich e n Todes, und zwar an der sogenannten Pemphigus-Krankheit gestorben ist. Andererseits sind aber auch an dem Körper der Toten Spuren v o n Mißhandlungen festgestellt worden. Frau Luner selbst macht in ihrem Verhör einen überaus verwirrten Eindruck. Ein schweres Erdbeben wurde gestern früh in der Stadt Tokio und in nördlicher Richtung bis Sendai wahrgenommen. Bisher wurden keine Schäden gemeldet. Die Erdstöße dauerten mit kurzen Unterbrechungen etwa 20 Minuten an. Der Flieger Brook, der einen Flug London- Kapstadt unternommen hatte, stürzte bei Mersa Matruh ab. Er blieb unverletzt, sein Flugzeug wurde jedoch vollständig vernichtet. Der Hanuibalr macht Ernst... In Martignh im Kanton Wallis ist soeben ein E l e f a n t mit einem Treiber von Paris angekommen. Wie bereits gemeldet, hat der amerikanische Schriftsteller Halliburton den Elefanten bestellt, um mit ihm nach dem Muster des spanischen Heerführers Hanni« bal eine Alpenüberquerung durchzuführen. Für diese Reise ist folgende Route vorgesehen: Martigny— St. Bernhard— Pisa und Rom. Die ganze Reise wird voraussichtlich 35 Tage dauern. • Eine kuriose Neuheit ist der Versand von Bier in Konservendosen, wie er neuerdings durch- eine amerikanische Brauereifirma betrieben wird. Dadurch werden die Auslagen für den Rücktransport und die Evidenz der leeren Flaschen erspart. Außerdem braucht das Bier beim Umfüllen eine kürzere Pasteurisation. Ferner ist das Gewicht um 65 Prozent, die Raumbeanspruchung um 6s Prozent geringer. Angeblich hat die Firma durch diese Neurinführung einen steigenden Umsatz zu verzeichnen. „Lufitama" wird gehoben. Eine Gesellschaft hat den Plan gefaßt, den Tresor der am 7. Mai 1915 torpedierten»Zusitania" zu bergen, um in den Besitz-er darin befindlichen immensen Werte zu gelangen. Dazu gehören Goldbarren im Werte von mehreren Millionen Francs. Dafür wurde ein eigenes Schiff namens„Ophir" ausgerüstet, an dessen Bord sich Taucher befinden. Ein Brandstifter. Tie Polizei in U z h o r o d derhaftete Aron Hillmann, den Besitzer des Grund« irückes, auf dem sich die Kerzenfabrik der Firma Friemann und Klein befindet, deren Rohstoffmaga- im dieser Tage ausbrannte. Hillmann wird beschuldigt, den Brand gelegt zu haben, da er mit den beiden Fabrikanten Differenzen hatte. Bereits in der vergangenen Woche versuchte Hillmann, daS Magazin in Brand zu stecken, doch kam das Feuer nicht zum AuSbruch. Wetterlage unbeständig. In Südosteuropa war es auch am Freitag noch sehr warm. Auf der Balkanhalbinsel wurden nachmittags bis zu 35 Grad ver- z.ichnct, und. auch aus Karpathorußland wurden 30 bis 31 Grad gemeldet. Di« kühle Luft, welche von Westen her in Begleitung von Schauern und Gewittern vordringt, ist jedoch bereits bis in die Ost« siowakei gelangt. In einem großen Teil des Binnenlandes betrug die Temperatur Freitag nachmittags nur 20 bis 22 Grad. An einigen Orten wurden nach Hieg-Mällen sogar nur 16 bis 17 Grad verzeichnet. Ter allgemeine Wettercharakter dürst« noch unbeständig bleiben.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, stellenweise noch Regenschauer, im allgemeinen jedoch vorüber« »chend verminderte Riederschlagsneigung. Nur mäßig warm, auch im Osten der Republik Abkühlung, Westwind.— WeiterauSsichtenfür Sonnlag: Andauern des herrschenden Wettercharafters. Jetzt massen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Blufflen-ZaHberdimg begießen, wenn sie schön blähen sollen 1 Paket Kö 5‘60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XU., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Doloflug nach Kapstadt. Der Engländer Brook ist vom Flugplatz Lympne zu einem Soloflug nach Kapstadt gestartet, wo er in vier Tagen eintreffen wird. Der sawjetrnffische Dramatiker Sarchi, der bei einem Äntomobilunglückin der Nähe von Moskau am 17. Juli schwer verletzt worden war, ist Donnerstag seinen Verletzungen erlegen. Bei dem gleichen Unglück erlitt der berühmte Filmregisseur Pudovkin einen schweren Nervenschock. Zum Abschluß der großen Flottcnrevuc in Ports» mouth war Dienstag abends ein großes Feuerwerk und eine Illumination sämtlicher Kriegsschiffe, deren märchenhafte Wirkung noch dadurch erhöht wurde, daß alle Scheinwerfer in Tätigkeit gesetzt wurden. Der ungeheuere Andrang des Publikums geht aus der Tatsache hervor, daß allein in Stokes Bay und Lee-on Solent mehr als 100.000 Zuschauer versammelt waren. Motorboot ohne Schraubenantrieb. Vor zwei Jähren haben die Versuche mit einem hydrodynamischen Boot des Systems Okena§ ek das Interesse der Oeffentlichkeit erregt.. Dieses Boot wird durch den Rückstoß deS Wassers betrieben und besitzt daher keine Schrauben. Das Doot wmÄe Vertretern ausländischer Staaten vorgeführt. Gegenwärtig sind Bestcllungsverhandlungen im Gange. Polen hat, nachdem das Boot von Marineoffizieren des technischen Dienstes der Admiralität geprüft wurde, vier solcher Wachboot« und der tschechoslowakische Staat ein G a n z- metallboot bestellt. Die Boot« werden- im \ September bereits im Betrieb stehen. Vom Irrsinn der Gegenwart Bon Julius Epstein. Bor mir liegt eine Reihe von Zeitungsaus- scknitten aus jüngster Zeit. Es sind kleine, äußerlich unscheinbare Notizen, wie sie der aufmerksame Zeitungsleser täglich finden kann. Ich greise willkürlich ein paar dieser Ausschniste heraus: „Rach Meldungen aus Santiago hat sich die Republik Chile entschlossen, die enorme Menge von 500.000 Schafen zu vernichten, da weder für die Wolle noch für das Fleisch irgendwelche Verwendung besteht. Ter Vertrag von Ottawa verhindert Chile an der Ausfuhr von Fleisch und außerdem sind im Land« selbst die Preise außerordentlich gesunken." „Budapest. Dieser Tage wurde polnische Kohle aus Kattowitz über Gdingen auf dem Seeweg über die Ostsee, die Nordsee, über den Atlantischen Ozcan, durch Gibraltar, über das Mittelländische Meer, durch die Dardanellen, über das Schwarze Meer bis Braila und von dort auf dem Donauweg transportiert. Die normale Bahnsttecke Kattowitz—Budapest über die Tschcchosiowakei beträgt im ganzen etwas über 400 Kilometer und ist wesentlich kürzer als allein die Strecke Kattowitz— Gdingen." „Auf Kuba(3.6 Millionen Einwohner) leben über 400.000 Menschen in völliger Armut. Das Elend ist so groß, daß vor einigen Wochen' die Regierung der USA sich bereit erklärte,. Nahrungsmittel im Werte von fast 7 Millionen Dollars unter die Hungernden zur Gratisverteilung zu bringen. Die Gabe wurde refüsiert; aus politischen Gründen, wie eS hieß, weil vermieden werden sollte, daß die kubanische Regierung, die das Vertrauen Roosevelts, aber nicht das des eignen Dolkes besitze, auf solche Art gestützt werde. Doktor Chrus Wicker von der Miami-Universität hat jetzt folgende Feststellung mitgeteilt: «Die Annahme der Nahrungsmittel wurde verweigert, weil sie zollfrei hätten importiert wer« den müssen. Das hätte für das kubanische Schatzamt einen Einnahmcnentgang bedeutet und in nächster Folge eine Gefährdung der Zinszahlung auf die Regierungsbonds, die in kubanischem und USA-Kapitalbesitz sind. Ein Schulbeispiel für die Grausamkeit, deren die Selbstsucht des Privateigentums fähig ist.'" Arbeitskraft. Beide sind im Uebcrfluß vorhanden. Sie aber genügen, um alle Dinge in ausreichendem Maße herzustellen, alle materiellen Güter,' deren der Mensch begehrt. Läßt man menschliche Arbeitskraft in organisierter Weise auf die unerschöpflichen Rohstoffquellen der Erde los, so erhält man spielend genügend Nahrung, Kleidung, Wohnung, Verkehrsmittel(worunter ebenso Eisenbahnen wie die modernsten Automobile und Flugzeuge zu verstehen sind) uw die gesamte Menschheit— ja das Vielfache ihres heutigen Bestandes — damit glänzend zu versorgen. Dieser einfache Satz als einfache Feststellung materieller Möglichkeit dürfte einer der wenigen vollkommen unwidersprochenen Aussagesätze über unsere Wett sein, Nur ein wahrhaft notorischer Ignorant kann heute noch an ihm zweifeln. Tatsächlich ist an ihm seit der endgültigen Widerlegung der Theorien des eng- lichen Pfaffen Malthus, der ihn bestritt, kaum gezweifelt worden. Warum also das ungeheure Elend, warum der katastrophale Irrsinn der massenhaften Warcnvernichtung, der tausenderlei Beschränkungen der Freizügigkeit, der dauernden Kriegsgefahr, warum mit einem Worte der heutige Zustand der Wett? Der Raummangel gestattet nicht, eine theoretische Untersuchung über dies außerordentliche bedeutsame Problem anzustellen. Es ist dies auch nicht notwendig. Sie ist so oft und so gründlich angestellt worden, daß es hier genügt, ihr Ergebnis allgemeinverständlich auszudrücken. Es lautet ganz einfach: Das ökonomische Elend der W elt rührt nicht von der Unmöglichkeit her, genügend Güter herzustellen, sondern einzig und allein von der Unmöglichkeit, siezuverteilen, esistalsokeinPro- b l e m der. Technik, sondern e i n§ der Soziologie.(Wenn heute nicht genügend produziert wird, um alle Menschen gut zu Versorge«, so nicht deshalb^ weil technisch nicht genug produziert werden könnte, sondern einzig deshalb, weil das Produkt nicht verteilt werden konnte.) Wer verhindert die richtige Verkeilung der produzierten oder doch leicht produzierbaren Güter? Die Antwort darauf lautet: Die Produ zenten.(Natürlich sind hier unter„Produzenten" nicht die eigentlichen Produzenten aller Güter, die Arbeiter verstanden, sondern die Konstituenten jener Klasse der Produktionsmittelbesitzer, die Kapitalisten.) Ja, die Klasse der Produktionsmittelbesitzer verhindert die auskömmliche Bedürfnisbefriedigung der Welt. Grotesker Weise liegt rs keineslvegs im Interesse des kapitalistischen Schuhproduzenten, daß alle Menschen Schuhe haben, vielmehr liegt es lediglich in seinem Interesse, daß die Menschen nur unter der Bedingung. Schuhe haben; daß sie diese zu einem Preis von ihm laufen, der ihm einen anständigen Profit sichert. Können sie diesen Preis nicht zahlen, sondern höchstens einen, der die Herstellungskosten plus eiiiem kleinen Risikoaufschlag deckt, dann sollen sie lieber gar keine Schuhe haben. Das internationale Stahlkar-, test legt reiitable Eisenwerke dann still, wenn der jeweilige Profit ihm nicht genügend hoch erscheint — im Verhältnis zum Profit eines anderen, oft in einem Nachbarlande arbeitenden Stahlwerkes, das seiner Kontrolle untersteht. Dadurch errcicbr es unter anderem, daß die Nachfrage nach Stahl steigt, somit der Preis, somit der Profit, wenngleich nunmehr nur eine zahlenmäßig kleinere Kon- sumentenmenge ihr Bedürfnis an Stahl befriedigen kann.(Von den durch die Stillegung entstandenen Arbeitslosen ganz zu schweigen I) Kaffee gibt's genug für alle Menschen. Es gibt aber nickt genug zahlungskräftige und zahlungswillige Kaffeekonsumenten, die bereit wären, die gesamte Kaffcernte der Welt zu verbrauchen.(Der Mensch lebt nicht von Kaffee allein!) Also schüttet man den zu hohem profitenthaltendem Preise nickt absetzbaren Kaffee ins Meer und erhöht den Preis des übrig bleibenden Restes, um ein Beträchtliches, wodurch natürlich die Konsumentenschicht weiter sinkt, aber der Profit des Kaffee-Erzeugers höher steigt als wenn er die gesamte Ernte zu niedrigem Preise (ohne oder mit ganz geringem Profit) verkaufte. Diese Beispiele können zahllos vermehrt werden. Sie sollten hier nur dazu dienen, das oben Gesagte zu illustrieren. Sie sollten zeigen, daß die Klasse der Produktionsmittelbesitzer, also die Kapitalistenklasse, die heute außerhalb Rußlands die alleinige Instanz der Entscheidung über das was produziert werden soll und über das Maß, wieviel davon produziert werden soll, ist, auf Grund eines anderen Interesses entsckeidet als es das der bedürftigen Menschheit ist. Sie entscheidet einzig und allein— und sie muß kraft ihrer Existenzbedingungen als Klasse so entscheiden— nach ihrem Profitinteresse. Dieses steht aber in stets wachsendem Widerspruch zu dem Interesse der ungeheueren Mehrheit der Menschen, nämlich der arbeitenden. Diese Mehrheit wird gebildet vom Proletariat, von der Beamten- und Angestelltenschaft, von den Mitgliedern der freien Berufe, soweit sie sich durch die eigene Arbeit von Hand und Kopf erhalten oder dadurch zu ihrem Erhalt beitragen, also von Aerzten, Rechtsanwälten, Schriftstellern, Künstlern usw. usw., kurz, von weit mehr als von 90 Prozent. jedes Volkes.(Das russische natürlich ausgenommen.) Neunzig Prozent der außerruffifchen Menschheit leiden unsägliche und späteren Generationen geradezu unglaubbar erscheinende Qualen materieller Art, weil zehn Prozent dieser Menschheit die Verteilung des nötigen und leicht produzierbaren Sozialprodukts— da nicht in ihrem Interesse gelegen— nicht wünschen. Das ist die einfache und ganze Wahrheit. „Die ostenglischc Fischsaison von 1033 beschleunigte die Krise. Die Natur erhöhte die Schwierigkeiten der Fischer, indem sie einen ganz außergewöhnlich reichen Fang bot. Das brachte die Saison vorzeisig zu Ende und verursachte unter der Mehrheit der Fischer große Leiden." „Die bulgarische Regierung hat, um sich den Ertrag ihres Zündholzmonopols nicht schwächen zu lassen, angeordnet, daß jeder, der dabei bettoffen wird, sich auf der Straße von einem anderen Raucher Feuer geben zu lassen, bestraft wird. Es muß für jede Zigarette ein neues Zündholz benutzt werden." „Im ganzen wurden also vom Mai 1931 bis zum 31. Mai dieses Jahres(1934) 28,392.704 Säcke tz 60 Kilogramm Kaffee vernichtet.(Ueber 90 Prozent dieser Menge wurden verbrannt.) Sechs unscheinbare, meist ganz klein gedruckte Zeitungsnotizen und welch ein Ausmaß von Irrsinn! Wenn irgend ein Privatmann, und nur er solchem Unfug frönte, er wäre mit Recht längst hinter den Mauern eines Irrenhauses verschwunden, Ivenn ein einziger absoluter Herrscher Derartiges vollführte, die Welt hallte wider von der Verurteilung solcher Monomanie der Raffgier auf Kosten der Millionen Mitbürger. Da es aber eine Klaffe— wenn auch eine zahlenmäßig winzige tut—, gilt der, der ihr das Privileg zu solchem Tun entreißen möchte, ass Rebell, als Staatsgefährlicher, als Bolschewik und weiß Gott noch was alles. Dies, wiewohl er sich.in der allerbesten Gesellschaft befindet. In der Gesellschaft der erlauchtesten Männer der ökonomischen Wissenschaft, in der Gesellschaft eines Adam Smith, David Ri- earde, Karl Marx, Friedrich List bis zu der unserer Zeitgenossen Oppenheimer und Keynes. Nichts ist für unsere Epoche des Zerfalles kapitalistischer Wirtschaftsformen charakteristischer als die geradezu ungeheure Diskrepanz zwischen technisch durchaus möglichem Optimum gesellschaftlicher Bedürfnisbefriedigung und dem überaus geringen Maße ihrer wirklichen Durchführung» Es bedarf keines großen theoretischen Studiums, einzusehen,— eS ist vielmehr einem sechsjährigen Knaben möglich—,. daß zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse der zwei Milliarden Menschen, die auf unserem Planeten wohnen, nichts weiter notwendig ist als zwei Dinge: Rohstoff und Amel Wunderapostel in Frankreich (AP.) Wo Not und wirtschaftliche Sorgen sind, da fehlen nicht die Wunderapostel. Amerika hat seinen Huey Long, seinen(Loughlin und Townsend, England seinen Mosley, Holland seinen Muffert, Norwegen seinen Quisling, Schweden seinen Furugard und Ekström, Rumänien seinen Cuza und Vajda-Voevod. Alle Rattenfänger von Hammeln lassen sich ja nicht hier auf einmal aufzählen. Jetzt hat auch Frankreich seine Wun- deräpostel. Es sind gleich ihrer zwei, die in der Gemeinde CizKy im Departement Niivre(Loiregebiet) eine„Diktatur" aufgerichtet haben. Der eine ist der ehemalige Deputierte Philibert Besson, genannt der ,,d(putt Phantome", um dessen Person schon unzählige Legenden gewoben worden sind und der, von einem Gericht wegen Dolumen- tenentwendung abgeurteilt, wegen dieser Gefängnisstrafe seinen Kammersitz verloren hatte. Don einem Versteck aus, in das er auch Filmreporter berief— einige Tage lief sogar ein Besson-Film, bis er vom Innenministerium verboten wurde—, organisierte er die Wahl seines Freundes Archer zu seinem Nachfolger im Wahlbezirk. Archers Auftreten war nur in der Form von der seines Borgängers verschieden. Er erklärte sogleich am ersten Tage in der Kammer, daß die Arbeitsmethoden des Parlaments unrationell seien, daß er sie reformieren und daher in jeder Kammersitzung das Wort ergreifen werde. Das war sein Debüt. Scherzhaft sagt man, deshalb habe sich die Kammer so langfristig vertagt und es vorgezogen, Laval Vollmachten zu erteilen. Archer ist nämlich der andere Diktator. Er ist gleichzeitig Maire von Cizely und spielt sich dort als unumschränkter Herr auf. Besson und Archer verkünden allen Ernstes, daß sie in Frankreich, dann in Europa und schließlich in der ganzen Welt die Einheitswäh« tun g einführen wollen. In Cizely haben sie bereits mst ihren Experimenten begonnen. Die Bevölkerung ist eingeteilt in Federcs(das sind die Käufer) und Fidtristes(das sind die Lieferanten). Der Gestehungspreis muß von den FedkrkS in gesehlickem französischem Gelbe gezahlt werden. Darüber hinaus wird der Nutzen in einem anderen Geld, in„Europa-Münzen" gezählt. Vorausgesetzt, daß die Verdienstspanne überall gleich hoch ist, bleckt jedem Lieferanten derselbe Prozentsatz an Europageld und richtigem Geld. Tas Neugeld kursiert also in einem geschlossenen Kreis und soll damit den Umlauf vermindctn. Das veranlaßt Besson und Archer zu der Behauptung, daß man faktisch in Cizely alles für die G e- stehungSkosten kaufen könne. Daher sei dort das Leben um 30 bis 50 Prozent billiger als in Frankreich. Dies System wollen die beiden nun auf ganz Frankreich erweitern(bis die Behörden dem Unfug ein Ende machen). Besson kündigt bereits Riesenversammlungen in Paris an, in denen er für seine Idee werben will. Es wird behauptet— doch ist dies nicht nachprüfbar— daß das Europa- geld bereits außerhalb von Cizely angenommen werde. Archer, der von Beruf Elektro-Jngenieur ist, und schon einmal eine Kanone erfunden hat, die nachher nicht funktionierte, hat aber noch andere Verrücktheiten auf Lager. Der Kampf zwischen Auto und Eisenbahn soll verschwinden, indem man beide—r verbietet. In Cizely will Archer Schwebebahnen errichten lassen. Es handelt sich dabei um kleine Gondeln, die dem Frachten- und Personenverkehr dienen sollen. Sie fallen von nur 15 PS-Generatoren angetrieben werden, im Betriebe spottbillig sein und eine Stundengeschwindigkeit von 250 Kilometern entwickeln. Er behauptet, daß die Errichtung von nur emem Kilometer Schwebebahn nur 200.000 Francs koste. Das ist natürlich alles verrückt. Aber daß es Besson gelang, seinen Freund Archer zum Deputierten wählen zu lassen» obwohl sich der ganzq Propagandaapparat der Regierungsparteien auf diesen einen Wahlsprengel stürzte, das verschaffte beiden bei ihren Landsleuten Sympathie und Respekt, und viele, die vor zwei Monaten noch in ein Hohngelächter ausbrachen, erklären heute schon:„Warum denn nicht?" Die Not treibt den Rattenfängern immer Nachläufer zu, nicht nur in Cizely! Ceite 6 Die Zeitung als Plakat ,, Sozialdemokrat" I reicht bleibt. Bis in den Anzeigenteil hinein zieht sich die antisemitische Note des Blattes, die nicht weniger abstoßend wirkt, wenn sie sich den Ton " Mit seiner Riesenauflage steht der Völ-| dazu werden, um die Bedeutung der Worte zu einer scheinbaren Sachlichkeit gibt. Diese soge= fische Beobachter" heute an der Spiße der unterstreichen, Bilder veröffentlicht, die Massen, nannte„ Sachlichkeit" wird vor allem dadurch reichsdeutschen Zeitungen. Kein Wunder, denn Massen und immer wieder Massen, Uniformen, markiert, daß man nichts als problematisch gelten er ist das offizielle Organ der Nationalsozialisti- Uniformen und immer wieder Uniformen in einer läßt, sondern alles im Ton der unfehlbaren schen Partei, und nicht nur alle jene, die sich der brutalen Einförmigkeit zeigen, die schließlich ihre Spruchweisheit verkündet. Auch hierin zeigt sich Bartei angeschlossen und im Laufe der Zeit ihr Wirkung nicht verfehlen kann und dem Leser der Plakatstil des Blattes und einfachen Gemütern gleichgeschaltet" haben, sondern auch, wer über fagt:„ Dies alles steht hinter uns; wie magit du pflegt das, was eindringlich genug behauptet die Stellungnahme und Absichten des Regimes in armer Tropf glauben, daß unser Regime nicht die wird, auch bereits als bewiesen zu gelten. Einzelfragen orientiert zu sein wünscht, liest die erwarteten tausend oder zehntausend Jahre zu So ist im Grunde der„ Völkische Beobachter" fen Offiziojus, aus dem er immerhin hofft, mehr dauern vermag". nicht mehr eine Zeitung alten Stils, sondern eine zu erfahren, als aus den Nesten der früheren und Man spürt auch heute noch im„ Völkischen Werbeschrift und ein auf jeder Seite in vielerlei noch erlaubten bürgerlichen Presse, die sich die Beobachter" deutlich die geschickte und gewiffen- Variationen sich wiederholendes Plakat mit dem Möglichkeit des Weitererscheinens durch ein lose Propagandatechnik des Wahlmachers Goeb= Untertert: Werdet Nationalsozialisten", oder Wohlverhalten im Sinne eines mehr als hundert- bels. Die Säße sind im Plakatstil geschrieben, die auch„ Das Dritte Reich ist Euer Glück": prozentigen Nationalsozialismus zu erkaufen Ueberschriften atmen Platatstil. Otto Friedrich. Jeder Artikel sucht. Es wäre jedoch falsch, den Erfolg des ,, Völkischen Beobachter" lediglich auf die Macht zurückzuführen, die hinter ihm steht und in ihm ihr Sprachrohr findet. Man muß vielmehr zugeben, daß der Völkische Beobachter" bereits in der Zeit des Aufstieges der nationalsozialistischen Bewegung zum wichtigen Hebel ihres Erfolges wurde. Man ist daher genötigt, auch die Frage zu stellen, durch welche Qualitäten der Völkische Beobachter" ein Massenpublikum, abgesehen von seiner politischen Bedeutung, an sich zu feffeln bermag. könnte ohne Abänderung von der ersten Seite des Blattes heruntergenommen und an sämtliche Anschlagsbrette des Reiches geschlagen werden, was ja auch in nicht seltenen Fällen, insbesondere in fleineren Gemeinden, geschieht. Samstag, 20. Juli 1935. Nr. 167 Kreditanstalt der Deutschen r. G. m. b. H., Prag. Prager Zeitung Rosen auf dem Graben Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs- Kapital 830 Millionen Kč. Haftungs- Kapital 82 Millionen Kč. 81 Niederlassungen. lichen Gewalttätigkeit frei. Wegen der unbestreit person aber erhielt Ernst B. vierzehn baren Beleidigung einer Amts; Tage Arrest- bedingt auf zwei Jahre. Der Film Wege des Lebens Die Auslandsberichterstattung ist auch stets auf die jeweiligen Absichten des Regimes eingestellt. Der Versuch einer objektiven Würdigung fremden Volkstums und fremder Politik wird unterlassen. Kleine, vom Nationalsozia= Gestern wurde im Myilbek- Pavillon( Graben) lismus bezahlte Blätter müssen vor dem unkundi- in Prag eine aroße Rosenausstellung eröffnet. die gen Leser die Rolle der Weltpresse übernehmen, erste Ausstellung dieser Art nach zehn Jahren. Alle Technisch gesehen ist das Blatt durchaus und ihre zustimmenden Aeußerungen werden als Ausstellungsräume des Pavillons sind mit Rosen in modern. In der für Deutschland, von geringen Gewinn desSystems gebucht, während sie in Wahr- allen Farben und Schattierungen gefüllt. Für den Ausnahmen abgesehen, unbekannten und eigent- heit nichts anderes sind, als Unkosten des Propa- Reichtum der Ausstellung zeugt die Zahl der Blüten bon 90.000 Stück. An der Ausstellung nehmen alle lich für den deutschen Leser und Geschmack un- gandaministeriums. Ab und zu holt man sich bedeutenden Rosenzüchterfirmen des Inlandes und handlichen Größe der englischen und französischen irgendeinen hineingeschneiten Ausländer, etwa vom Weltblätter erscheint das Blatt seit langer. Was Schlage des dekadenten Schwäbers. André außerdem auch ausländische Züchter teil( Irland, Dänemark, Holland, Frankreich und Deutschland). es aber von diesen Zeitungen unterscheidet, ist Germain, der sich in Prag nicht scheute, in welche die schönsten Proben der Produktion ihrer die verhältnismäßig geringe Ausnüßung des kommunistischen literarischen Zirkeln die Anwesen Rosenplantagen ausstellen. Die Rosensendungen aussischen Film ist die Hauptdarstellerin Jeanne el bDas einzige Sehenswerte an diesem französ Raumes, der breite, an Zwischenräumen reiche den als Genossen zu titulieren und nun im„ Völ- dem Ausland waren mit Flugzeugen eingetroffen. Iing, die außerhalb Frankreichs noch wenig beEaz, der in möglichst großer und breiter Schrift fischen Beobachter" dem Dritten Reich seine Sym- Die Ausstellung dauert bis 22. d. M. Sonntag tannt ist, obgleich sie zu den vornehmsten und bes auch für den primitiven Leser das Blatt überaus pathie bekundet, alldieweilen er zur Zeit dort vormittags wird auf der Ausstellung ein spezieller feeltesten Schauspielerinnen des französischen Films Teicht lesbar macht. Auffallend ist die sehr reiche seine namhaften Einfünfte zu verzehren sich ge- instruktiver Film über die Roſenzüchtung vorgeführt gehört, mit einer bewundernswerten Eleganz in Verwendung von technischen, allgemein gut gezwungen sieht. Die Auslandskunde wird vor werden, in welchem der ganze Vorgang der Züchtung Sprache und Bewegung. vom Samen bis zur komplizierten Züchtungs- und lungenen JI I ustrationen und die flotte allem unter zivei Gesichtspunkten betrieben: man Veredelungsoperation gezeigt wird. Art der Ueberschriften, die, ohne sich durch Intel- sucht das Auslandsdeutschtum für sich zu gewinligenz auszuzeichnen, doch immer so gefaßt sind, nen und dem deutschen Volke den Kriegswillen der daß sie dem Werbezweck des Blattes entsprechen. andern, insbesondere den„ angriffslüfternen und zerseßenden Geist" der Sowjet- Union, plausibel zu machen, während man selbst Friedensschalmeien bläst; die freilich trotz aller Regiekünste zu farz fommen müssen neben den Trompetenstößen, die militärische und unmilitärische Mitarbeiter an allen Ecken und Enden des Blattes ausstoßen. allenthalben den soldatiMan sucht eben Das ist überhaupt vielleicht das hervorste chendste Merkmal des ,, Völkischen Beobachter": er ist von der ersten bis zur legten Seite, bis in den Anzeigenteil, hinein, eingestellt aufna finalsozialistische Werbung. Der ,, Völkische Beobachter" ist ein ungeistiges, aber durchaus auf den Massengeschmack berechnetes wirksames Werbeorgan. Sprache und Auf- fchen Geist" zu nähren. Begeisterte Berichte über machung atmen den gleichen Platatstil, den Goeb- den Arbeitsdienst wechseln ab mit Schilderungen PISTYAN: Rheumatische Schmerzen, Neuralgien u. gicht. Ablagerungen heilt die aufsaugende Kraft der Thermen. Ausk.: Pistyanbüro, Praha I, Příkopy( Čedok) Gerichtssaal bels vor der Machtergreifung an den Berliner aus dem Leben der Hitlerjugend und Darstellun Vorsicht beim Verkehr ist zweifellos, daß dieser soldatische Geist" bei der Verwirrung, die heute im deutschen Denken herrscht, weithin auf ein Echo stößt. Dies um so eher, als man ihn gelegentlich unter dem Motto der Kameradschaftlichkeit" mit jenen sozialen Phraien zu bermengen trachtet, die man nach Guldünken drischt, um den reaktionären Charakter des Regimes zu verwischen, eine Verwischungstaktit, die auch im Wirtschaftsteil der Schriftleiter ein Herr Nonnenbruch, mit großem Geschick betreibt. Anschlagsäulen zu einer gewissen Vollkommen- nen kriegerischer und militärischer Ereignisse. Es heit entwickelt hat. Die Zeitung verliert so völlig den Charakter des Informativen, des Plaudernden, des Geselligen. Sie fennt feine weichen Zöne, und wenn sie welche findet, ist es die falsche Sentimentalität aus der rauben Kehle eines Marktschreiers. Wenn diese Stimme weich zu klingen sich bemüht, beginnt sie zu quärren. Deshalb wird die Wirkung weicherer Gefühle, abgesehen von einigen lyrischen Ergüssen, auch ausschließlich auf das Gebiet der Heimatkunde beschränkt. Bemerkenswert schöne Bilder über die sen und jenen Landesstrich Deutschlands finden ihre Ergänzung in einem Tert, der das Voltskundliche mit der bewußten biedermännisch sentimentalen Art der Blubo"-Gesinnung vorträgt. Dabei soll nicht verkannt werden, daß mit diesem volkskundlichen Teil sehr geschickt an den Hei mat stolz und das heimatliche Interesse einzelner Leserkreise appelliert wird. Man braucht dazu nicht einmal das Reich oder auch nur die Aber wie gesagt, es ist gar nicht so sehr der Inhalt des Blattes, mit dem er die Menschen zu werben vermag, als seine eindeutige, zweifellos schwungvolle Art, mit der es von der ersten bis zur letzten Zeile darauf eingestellt ist, dem Regime zu dienen und das Regime populär zu machen. Eines freilich wird man im Blatte völlig vers missen, das Geistige. Für Problematik, für Wiss senschaft in jeglicher Form, es sei denn für die mit„ Amtspersonen" Gestörtes Idyll auf der Parkbank " Prag. Bei Auseinandersetzungen mit den Hü tern des Gesetzes sei jedem gewöhnlichen Staatsbürger größte Vorsicht und Behutsamkeit empfohlen. Seine Worte wäge man in solchem Fall sorgsam ab, sonst wird man wegen Beleidigung einer Amtsperson" vor Gericht gestellt. Vor allem aber trachte man seine Arme und wände so wenig ais möglich zu bewegen und hüte sich insbesondere den Leib der Amtsperson zu berühren. Andernfalls läuft man Gefahr, wegen des Ver= brechens der öffentlichen Gewalttätigkeit angeflagt zu werden. Der 27jährige Privatbeamte Ernst B. saß in einer warmen Sommernacht mit einer Freundin auf einer Parkbank. Es war nach elf Uhr, also zu einer Zeit, da nach polizeilicher Verfügung das Verweilen im Part nicht mehr gestattet ist. Da nahte ein Polizist und forderte das Pärchen auf, den wurde nach der Behauptung der Ernst B. in groLeider sieht man sie hier in einem Film voller Schwächen. Der Regisseur Henri de la Falaise hat ein wenig interessantes Gesellschaftsstück( das 1: 1 New York spielt) umständlich und einfallslos in Szene gesetzt, die Mitwirkenden spielen in jener aufdringlich- konventionellen Art, die man ,, Chars gieren" nennt, und die Handlung besteht aus einem nicht sehr spannenden Konflikt und einem verlegenen Ende. Es ist der Konflikt zwischen einem reichen Vater, der gegen den Willen seiner Kinder eine zweite Frau heiratet, und seinem Sohn, der sich in diese Frau verliebt hat. Der Sohn erfährt erst nach träglich, daß die Geliebte seine Stiefmutter ist, der Vater erfährt noch später, daß sie die Geliebte dez Sohnes ist, und da im rechten Augenblick eine Börs senpanik den Vater auf andere Gedanken bringt, tommt es nicht einmal zu dramatischen Auftritten. DIE NAT Vereinsnachrichten ATUS PRAG -eisSonntag, den 21. Juli, Bades ausflug an die Beraun. Treffpunft um 8 Uhr an der End station der Fünfer- Linie in Hlu bočepy. Gäste willkommen. Leichtathletik: Heute, 3 Uhr nachmittags, Training auf der Sebinsel. Ortsgruppe Prag. Am 21. Juli uni viertel 8 Uhr in Vysočany am Bahnhof bei der Station der Elektrischen. Fahrt nach Měšice, Badetour an die Elbe. Führer: Kapuschinsky. weitere Provinz Brandenburg zu zitieren, son- Pseudowissenschaft der Rassentheoretiker und für Bart unverzüglich zu verlassen. Die Aufforderung Filme in Prager Lichtspielhäusern dern man versucht sogar, in einer Beilage, in dem eine ins Groteske getriebene Germanenverehrung, bem und verlebenden Ton ausgesprochen. Ernst B., ,, Berliner Beobachter", einzelne Stadtteile mit ist fein Raum. Der Gerichtsteil zum Beispiel der sich wohl auch vor seinem Mädchen als schnei( Jt.) Alfa:„ Karussell auf dem Meere"( A.) ihren Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten po- fennt weder soziale noch psychologische Problema diger Kavalier zeigen wollte, antwortete in glei- Avion: 3um aufgegessenen Laden"( Tsch. pulär zu machen. Solche Beilagen müssen auch tit, sondern er schildert das Verbrechen lediglich chem Ton, wobei er den Polizisten einen„ gro- Burian) den kommunalpolitischen Teil ersetzen, denn über im Ton moralischer Entrüstung, untermischt mit ben 2 ü'm me I"( hulvát) die kommunalpolitische Tätigkeit erfährt man recht jenem kleinen Einschlag von Pornographie, wenig, es sei denn, daß, nach einem, dem Vor- in dem freilich Streichers" Stürmer" unerBild der Sowjets abgegudten Schema, moderne Fabrikanlagen oder soziale Einrichtungen im Bilde vorgeführt werden, um dem Leser Macht und Größe des Dritten Reiches und seiner Leistungen vor Augen zu führen. Dabei fommt es den Verfassern freilich nicht darauf an, Werke und Institutionen, die samt und sonders aus der Zeit des von ihnen so befehdeten Weimarer Regims stammen, vorzuführen. Es genügt ja, daß über den Fabriken und über den Häusern neue Schilder mit den Namen nationalsozialistischer Größen prangen, um das annektierte Eigentum dem unwissenden Leser als eigene Leistung vorzuführen. Verhältnismäßig zu kurz kommt im ,, Völfischen Beobachter" das Feuilleton. Immer wieder die gleichen Verszeilen von falscher Martigkeit und ab und zu eine fleine Geschichte, die den Geist der Voltsgemeinschaft", die Frau am Herd" oder auch in einer für die jugendliche Phantasie bestimmten Form Das große Kriegserleben" populär machen soll. 11 Weit interessanter als dieser etwas stief= mütterlich bedachte Tett des Blattes ist der politische Teil, der einen ungewöhnlich großen Raum der an sich sehr stattlich gewordenen Beitung( Bivangsinserate) einnimmt. Auf der ersten Seite wird auch heute noch gewöhnlich ge= blitt und gedonnert. In fetten Riesenbuchstaben wird irgendein Erfolg des neuen Regimes aufge= tischt, irgendein gleichgültiges benales FührerLilian Harvey und Lew Ayres FTK nannte. Darauf Adria:„, Casta Diva"( Bezaubernde Augen) Sydney) Vlaita E. Flora: Madame Butterfly"( A. Gaumont: Volenblut"( Tich. Anny Hvězda:„ Der Fall des Kommissars Colt" Journale, Groteske, Reportage. Ab halb 2 Juliš: Das höchste Spiel"( Fr.) Lucerna: Zirkus Barnum"( A. Bassage: Der Herr ohne Wohnung Braha: Schwarzes As"( A.) Staut: wurde er, da er keine Legitimation bei sich hatte, Ondre) aufgefordert, auf die Wachstube mitzukommen. Als( A.) ihm der Polizist hiebei die Hand auf die Schulter Kinema: legte, rief er: ,, Mensch, rühren Sie mich nicht an!" wobei er den Polizisten nach dessen Aussage bef- 3. Beery) bis halb 10. tig zurückſties". Darauf wurde er für verhaftet er-( D.) klärt, wogegen er heftig protestierte und nach der Stürmische Jugend"( r.) Anklage fich der Abführung tätlich widersette". des Lebens"( Fr.) Diese ,, Tätlichkeiten" waren freilich äußerst harm-( A. loser Art. Der Verhaftete fuchtelte lediglich in der dame Butterfly"( A.)— Illusion:„ Kuß im Schnee" Luft herum, wobei er freilich den Polizisten meh:-( Tich.) fach berührte, ohne ihm aber nach dessen eigener Macesta:„ Es war einmal ein Walzer"( D.) Aussage irgendwie wehzutun. Das Resultat dieses nächtlichen Zwischenfalles war eine Anklage wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch ver= suchte Vereitelung einer Amts= handlung. Und natürlich als Zugabe eine Anklage wegen Amtsehrenbeleidigung. Bei der Verhandlung gab es verschiedene zum Teil erheiternde Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und dem als Zeugen erschienenen Polizisten, die sich um Einzelheiten des Vorfalles drehten. Der Polizist z. B. berichtete u. a.: ,,.. da forderte ich ihn im Namen des Gesetzes auf, mir zu folgen". Der Angeklagte protestiert: ,, Keine Spur! Er hat mich bloß am Arm gepackt und gesagt:„ o- jezt geh'n wir!" Ob die berühmte Beschwörungsformel: Im Namen des Gesetzes verhafte ich Sie", die den Staatsbürger seiner Freiheit entkleidet, wirklich nicht ausgesprochen, oder vom Angeklagten bloß überhört wurde, wurde nicht festgestellt. Der Gerichtshof beurteilte den Fall milde und Světozor: Weat Alma:..Ihr letzter Reford" Belvedere: Ma Katharina Hepburn) Louvre: Madame Butterfly"( A.) OPTIK u. FOTO DEUTSCH Popy Drehbänke, Fräsmaschinen, Horizontal- Bohr- und Fräswerke, Radialbohrmaschinen, Shaping- und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsderi, CSR. 2940 wort" wie eine biblische Weisheit verkündet und in dem amerikanischen For- Film„ Die Liebesſchule". sprach den Angeklagten vom Verbrechen der öffentBezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Boft monatlich Ke 16.-. vierteljährig Kč 48.- halbjährig Kč 96- ganaabria Kč 192. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Zeitungsfrantatur wurde vor der Boft- und Tele Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß. Truckerei: Ortis" Drud Verlags- und Zeitungs- A- G. Brea graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Inserate werden laut