I Sonntag, 21. Juli 1935 15. Jahrgang Paris. Das„Echo de Paris" berichtet einer langen Unterredung, die sein Sonderbr- Wit Musso- von richterstatter Henry de Kerillis l i n i hatte, Ueber den Konflikt mit Abessinien befragt, erklärte der italienische Mmisterpdäsi- dent: Ueber Misox gab das Flugzeug mit einer Sirene Alarmzeichen und-versuchte wiederholt zu landen. Der nötige Platz für eine Landung fehlte jedoch. Plötzlich stürzte die Maschine ab und wurde vollständig zertrümmert. In einer Entfernung von 50 Meter wurde ein Propeller gefunden, der stch in einen Stamm gebohrt hatte. ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 42. TELEFON 0077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EÜSWt 70 Hilter (•iMchlieSlid, 5 Heller Porto) Italienischer Protest gegen die Rede des Nesus Abbruch der Beziehunsen erwogen? Rom.(Tsch. P. B.) Der italienische Gesandte in Addis Abeba hat gegen die Rede des Kaisers von Abessinien beim abessinischen Anßen- minister-Energisch protestiert und mitgeteilt, daß sich die italienische Negierung weitere Entscheidungen v o rb e halt e. In hiesigen unterrichteten Kreisen werden die im Anschluß au den italienischen Schritt entstandenen Auf die Frage, ob Italien weiterhin, auch wenn es in Abessinien beschäftigt sein werde, die Unabhängigkeit Oesterreichs als beherrschender Faktor seiner Politik ansehr, antwortete Mussolini mit„I a" und fügte hinzu, Handlungen besagten mehr als Worte. Um zu handeln, werde er, wie bereits angrkündigt, Ende August von 500.000 Mann große Manöver in Rorditalien abhalten lassen. Im Oktober würden eine Million Italiener unter den Waffen stehen. Er habe daher von niemand etwas z« fürchten. Gerüchte dementiert, daß Italien die diplomatischen Beziehungen mit Abessinien abgebrochen habe. < London. Reuter berichtet aus Rom, daß man dort dcu sosorligcn Abbruch der diplomatischen Beziehungen a»f oic letzi-n Aenßerungen des abessinischen Kaisers hin e-ivonni Habe. Im Augenblick Halle man sich allerdings dazu noch n i ch t entschließen können. Die britisch« Gesandschaft in Addis Abeba hat eine Million Sandfäcke geschickt erhalten, da man, wie hier betont wird, den Krieg für u»- vermeidlich hält. Dreizehn Tote bei einem Flugunglück in der Schweiz Holländisches Postflugzeug stürzt Im Gewitter ab Bern. Die schwerste Flugzeugkatastrophe, die sich je in der Schweiz er» eignete, erfolgte am Samstag nm 12 Ahr 15 einige Kilometer nördlich M i s o x im Graubündner Tal. Ein aus Malland kommendes Flugzeug, das dort vormittag aufgestiegen war und Amsterdam um 18 Ahr 5V erreichen sollte, stürzt« aus 100Meter Höhe in einen Tannenwald. Es handelt sich um das Postflugzeug„Kra- saj" der holländischen Gesellschaft Rohal Dutch Air Lines, desien Flugroute von Mailand über Zürich, Frankfurt nach Amsterdam ging. Das Anglück hat 13 Personen das Leben gekostet, nämlich zehn Paffagie» ren, zwei Piloten und einem Mechaniker. Die PLffe der Opfer ermöglichten, die Personalien von elf Personen festzustellen. Es handett sich um Holländer und Engländer. In der Gegend, wo sich das Unglück ereig nete, herrschte seit früh einheftigesGewit- te r. Die Ursache der Katastrophe ist noch nicht ermittelt. Vielfach wird vermutet» die Maschine sei auf ein Drahtseil, das der Holzbeförderung diente» gestoßen, doch scheinst diese Version wenig wahrscheinlich. Eine andere Vermutung geht dahin, daß elektrische Entladungen des Gewitters die Magnete des Motors beeinflußt und diesen zum Stillstand gebracht hätten. lENTRAlORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Auch für einen Zweifrontenkrieg behauptet Mussolini gerüstet zu sein i Immer wieder stellt sich die Frage, welche , Richtung Wohl die wirtschaftliche Entwicklung in > der nächsten Zeit einschlagen werde. Die Bevölke- r rung ist bisher in allen Ländern bei der Aufbür- dung neuer Lasten, die sich aus der Wirtschaftskrise ergeben haben, damit getröstet worden, daß ■ nunmehr der Weg zur Entfaltung und zur Wie- • derkehr normaler Verhältnisse freigelegt worden i sei. Aber immer schon nach wenigen Monaten i zeigte es sich, daß diese Voraussage zil früh gemacht worden war. Selbst dort, wo sich wirklich : eine leichte wirtschaftliche Besserung einstellte, war i sie doch nicht stark genug, die schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise entscheidend zu mildern. Am Ende des sechsten Jahres der Weltkrise der kapitalistischen Wirtschaft— sie nahm mit dem New Docker Bankkrach im Oktober 1928 ihren Anfang'— läßt sich für die künftige Entwicklung keine günstige Prognose stellen. Als vor kurzem in Paris der Internationale Handelskammerkongreß abgehalten wurde, mußten die Sachverständigen des internationalen Industrie- und Handelskapitals feststellen, daß es um die Lage'der kapitalistischen Wirtschaft schlecht bestellt sei. Sie hatten I zweifellos insofern recht, daß tatsächlich, obwohl in allen von der Krise erfaßten Ländern seit fünf Jahren mit den verschiedensten kapitalistischen Rezepten gegen sie angekämpft wird, von einem Ende ihres Zerstörungswerkcs nicht gesprochen werden kann.' Gewiß, dieWeltwirtschaftals Ganzes und die Wirtschaft in der Mehrzahl der Länder hat den Tkefpunkt, auf den sie durch di» Krise znrückgeworfen worden war, überschritten. Betrachtet man einzeln« Gebiets für sich, so könnte man gar zu dem Urteil kommen, daß die Krise doch überwunden sei. Die von der wirtschaftlichen" Studienabteilung des Völkerbundes und von offiziellen Wirtfchaftsinstitutcn in den einzelnen Ländern geführten Statistiken über die. W e l t p r o d u k t i o n weisen nach, daß, aUe Länder zusammengenommen, die industrielle Produktion bereits um die Jahreswende 1934-85 den Stand des Hochkonjunkturjahres 1929 erreicht hatte. Da seither die industrielle Produktion fast überall einen weiteren leichten Anstieg genommen hat, so darf man schätzen, daß die i n d u- ftrielle Weltproduktion am Anfang Juli 1 9JJ 5 e t w a z e h n Pro- zent höher liegt als die von 192 9. Diese Feststellung klingt zunächst unwahrscheinlich, weil uns doch aus unserem eigenen Landi, aber auch aus anderen alten Industrieländern, die Tatsache bekannt ist, daß die industrielle Produktion erheblich gedrosselt ist und weit hinter den Ergebnissen des Hochkonjunkturjahres zurückblcibt. Der Widerspruch findet seine Aufllärung in der seit 1929 stark fortgeschrittenen Industrialisierung bisheriger Agrarländer. Einige europäische, aber auch amerikanische Agrarländer haben im Vergleich mit dem Jahre 1929 den industriellen Produktionsapparat erheblich ausgebaut. Lm Kampf gegen die Krise, die ja in der Agrarwirtschaft auch mit voller Wucht zu spüren war, wurde die stärkere Industrialisierung betrieben. Das Ergebnis ist ein wesentlich höherer Stand der industriellen Produktion gegenüber 1Ä29, so daß diese Staaten das Zurückbleiben der alten Industrieländer noch mehr als aufholen. So kommt es, daß trotz dcS scheinbar günstigen Standes der industriellen Wcltproduktion gerade die alten Jndustriewirt» schäften weiter durch die Krise zerstört werden uns in den betreffenden Ländern. Hunderttausend« oder gar Millionen von arbeitslosen Industriearbeitern vorhanden sind. Die Lage des W e l t h a n d e l s ist auch rein äußerlich klar: der Außenhandel der Welt hat in den ersten fünf Monaten 1935 keinen Aufstieg genommen. Er hält sich weiter auf dem tiefsten Stand, den er in der Krise erreicht hat. Es galten darum seiner Hebung die besonderen Anstrengungen der- in Paris versammelten^ wirtschaftlichen Experten des internationalen Kapitals. Die Erkenntnis, daß’ ein neuer Aufstieg, des Welthandels, der dann, auch eine starke i Erholung dec. übrigen Wirtschaft nach sich ziehen werde, vor allem die Herstellung einer Stabilität der führenden Währungen und die. Beseitigung der tausendfachen Hemmungen, die von den Staaten aufgerichtet worden sind, zur Voraussetzung habe, ist allgemein.- Auf dem Internationalen Handclskam- merkongreß ist sie erneut vertreten worden^ ohne üaß die allcrjüngste Entwicklung zu der Hoffnung 'wurde ferner den Notstandsarbeiten der staatlichen Berg- und Hüttenwerke im Rahmen der produktiven Arbeitslosenfürsorge. Dem erweiterten Jnvestitionsprogramm der Staatsbahnen wurden die Rechtsbegünstigungen nach den geltenden Vorschriften Anerkannt. Hilfsaktion für die deutschen Notstandsgebiete Endlich hat der Ministerrat auch die Einlösung des Versprechens in die Wege geleitet, das in der ersten Regierungserklärung vor dem Parlament gegeben wurde, daß nämlich für" die am meisten von der Krise betroffenen, also vorwiegend deutschen Notstandsgebiete eine eigene Hllfsaktion eingeleitet werden soll: Es wurde, wie das amtliche Kommunique meldet, beschlosien. Stabilisierung der Mehl und Getreidepreise auf der bisherigen Höhe daß das Ministerium für soziale Fürsorge und das Miuisterium für Finanzen einen Entwurf von Hilfsmaßnahmen im Sinne der Regie- rungserklärung für die durch langandauernde Arbeitslosigkeit besonders schwer betroffenen Gebiete vorbereiten. Es muß wohl nicht irsonders hervorgehobe« werden, daß dir Einleitung dieser Hilfsaktion in erster Linie dem Eingreifen unserer Partei zn danken ist, die dabei die volle Unterstützung der tschechischen sozialistischen Parteien fand. Die beteiligten Restarts wurden mit der Aufstellung eines ArbritSprogrammes in der Jugendfürsorge betraut. Ernennungen Genehmigt wurde das zusammenfassende Elaborat des Komitees für Pecsonalfragen betreffend die Erne nn ung und die Beförderung von Staatsange st eilten in allen D i e n st z w e i g e n, gemeinsam mit den einzelnen konkreten Ernennungsvorschlägen und den damit zusammenhängenden personalen Maßnahmen. Prag. Ueber die Sitzung des samstägigen letzten Ministerratrs vor den Ferien, die bis spät abends dauerte, wird ein offizielles Kommunique veröffentlicht, das über die Regelung der Getreide- und Bichlpreise folgendes sagt: „Erledigt wurden die mit der Durchführung der Regelung des Handels mit. Getreide, Mehl und Mühlenprodukten und einige» Futtermitteln gemäß der Regierungsverordnung vom 13. Juli 1935, Rr. 152 Sammlung der Gesetze und Verordnungen, zusammenhängenden Maßnahmen, und zwar insbesondere, was die Getreidepreise anlangt. Es wurde beschlosien, daß die Ge- treidepreise die gleichen bleiben, wie sie im Vorjahre von der Regierung festgesetzt wurden, und zwar für die Verladestation Prag. Die Summe der monatlichen Zuschläge blieb un verändert, ihre Austeilung auf die einzelne» Monate wurde nach dem Anträge der Getreidegesellschast geändert. .Weiter wurde im Sinne der gleichen Verordnung beschlosien, daß die Verkaufspreise für eingeführteS Mehl und Mühlenprodukte, sowie die Preise für den Verkauf dieser Produkte heimischer Erzeugung auf der gleiche« Höheblei- Ben, toie s i e am 15. Zulid. Z. w a re». Weiter wurde« einige Ergänzun- gen des bisherigen Vertrages des Staates mit der Getreidegesellschast beschlosien, und zwar insbesondere was die Einlagerung von 20.00V Waggons Weizen für den Staat anlangt. Genehmigt wurden auch Maßnahme« für die Erleichterung der Ausfuhr von Gerste, Malz und Hafer und Wetters wurden die Richtlinie» über die Verpflichtung der Getreideproduzenten zur Abnahme der überschüssige« Vorräte an Gerste, Hafer und Mais der letzten Ernte genehmigt." Auch die Regelung des Weizen-, Roggen-, irrste, und Haferanbaues im Jahre 1935/36 wurde dnrchgeführt. • Die sozialistischen Parteien haben in den bvrangegangenen Verhandlungen bekanntlich konsequent den Standpunkt vertreten» daß die Nehlprrise für den Konsum nicht verteuert werden dürfen; diesem Standpunkt ist also Rech- uung getragen und der Schutz der Konsumenten »°r einer Verteuerung des wichtigsten Rahrungs- uiittcls gesichert worden. Zur Durchführung wird eine ganze Reihe komplizierter Berordnun- »cn notwendig sein, die das Problem der Verwertung der alten Vorräte» der aus dem Aus- l»nd eingeführteu oder einzuführenden Getrei- "cinengcn und der neuen Ernte regeln Es kann jetzt schon gesagt werden, daß bei ocr obligatorischen Abnahme alten Getreides durch dir Landwirte und bei der beabsichtigten ^rduzierung der Anbauflächen auch der D ch u tz "cr kleinen Landwirte gesichert ist. vi« werden kein altes Getreide abnehmen müssen und wird bei Anbauflächen bis zu fünf Hektar uuch keine Reduzierung eintreten. Fortführung der Brotaktion Der Ministerrat hat ferner die Fortsetzung der Drotaktion für Ar- oeitslose in den der Arbeitslosigkeit am Leisten betroffenen Gebiete« beschlossen. -Im Bereich der allgemeinen produktiven Ar- usitslosenfürsorge wurden ebenfalls Mittel für kine» weitere» Zeitraum genehmigt. Zugestimmt Es handelt sich darum, daß wir erfahren, ob der Bölkerbung dazu geschaffen wurde, die Sendungder europäischen Zivi- l i s a t i o n in der ganzen Welt fortzusrtzen. Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen." Sekte 3 Sonntag, 21. Juli 1935 «r. 168 Protestnote des Vatikans Bischofssynode In Fulda berät Hirtenbrief Berlin. Der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo übergab dem Minister sür Auswärtige Angelegenheiten eine Protestnote betreffend die Kultus-Poli» tik der nationalsozialistische» Regierung in bezug auf die katholische Kirche. Die Rote sott eine Reihe VorfLNe anführen, in denen das Konkordat verletzt wurde, z. B. die Verordnung über die katholische« Organisationen und das Sterilisier««gsgesetz. Die deutschen Bischöfe find in der Kathedrale von Fulda zu einer Shnode zusammengetreten, um«inen Hirtenbrief an die Gläubig«» aus- zuarbetten, der in kürzester Frist in allen katholischen Kirchen von den Kanzeln verlesen werden soll und in dem der Standpunkt des deutsche« EpiSeo- pats z« den unlängst verfügten religionspolttischen Maßnahme» der national- sozialistischen Regierung enthalten sei« wird. Die Staatsanwälte verständigt Berlin. Der Reichsjustizminister hat den bekannten Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten gegen den politischen Katholizismus allen General» und Oberstaatsanwälten mitgeteilt und ihnen Anweisungen sür daS Strafverfahren in solchen Fällen gegeben.' Am Schluffe des Rundschreibens heißt es: ES ist durch größtmöglichste Beschleunigung der Untersuchung zu erzielen, daß der Tat ehesten- die Strafe folge. Stahlhelm— „staatsfeindlich“? Paris. Der Berichterstatter des HavaS- büros meldet, daß die Organisation deS„S t a h l- h c l in" wahrscheinlich sehr bald als„staatsfeindlich" aufgelöst werden wird. In ganz Deutschland wurde eine Polizeiaktion gegen den Stahlhelm eingeleitet. Mit Jntevoffe werde erwartet, welche Stellung des Führer des„Stahlhelm" S e ld t« einnehmen wird, der Rcichsarbeitsminister ist, und insbesondere ob er fein Portefeuille beibehalton wird. Blutiger Zusammenstoß zwischen Stahlhelmern und Nazis Hamburg.-Anläßlich eines von einer Hamburger Ortsgruppe derNSDAP veranstalteten pDeukscheit' MendS" sitnt'°eS indem bVkänffien Lokal»Lübscher Baum" zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Stahlhelmern und Nazis. Als der Festredner in seiner Rede sich scharf gegen die staatsfeindlichen Umtriebe des Stahlhelms wandte, begannen die im Saal als Mist« anwesenden Stahlhelmer zu pfeifen und Zwischen« rufe zu machen. Da wiederholte- Vermahnen nichts nützte, versuchte man mit Gewalt die Stahlhelmer au- dem Lokal zu entfernen. Dies« setzten sich zur Wehr und im Nu entstand eine kräftige Schlägerei zwischen den Nationalsozialisten und den Stahlhelmleuten. Bon Stuhlbeinen und Flaschen wurde eifrig Gebrauch gemacht. Erst der herbeigerufenen Polizei gelang er, die Ruhe wieder herzustrllen. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Die Polizei verhaftete einige Stahkhelmler. Staatsfeindliche Zirkus-Leute Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, sind im Einvernehmen mit der Reichskulturkammer die nachstehenden drei Artistenverbände wegen der„in ihnen tätigen staatsfeindlichen Elemente" von der geheimen Staatspolizei aufgelöst worden: Die internationale Artistenloge-Berlin, der internationale ZirkuSdirek- torenverband-Berlin und der Berufsverband deutscher Artisttk-Berlin. Gleichzeitig ist das Organ dieser drei Verbände, die Zeitschrift„Das Programm" verboten worden. Jüdische Eisdielen am Abend gesperrt Im Interesse der öffentlichen Ruh« und Ordnung und zur wirksamen Unterbindung weiterer unerwünschter Demonstrattonen ist seitens deS Polizeipräsidenten in Berlin für alle jüdischen Eis-Dielen in der Zeit vom 20. bis 29. Juli 1935 die Polizeistunde auf 19 Uhr festgesetzt worden. Zugs- und Kompagnie-Exerzieren Lehrziel der österreichischen Mittelschulen Bei der Feststellung deS neuen Lehrplanes für die österreichischen Mittelschulen ist auch auf die vormilitärische Ausbildung Rücksicht genommen worden. Sie erfolgt im Rahmen deSTur n- unterrichtes und der Wandertage. Von den drei Turnstunden in der Woche sind in jeder Turnstunde fünf bis zehn Minuten für militärische Ausbildung zu verwenden. Das Lehrziel ist die Einzelausbildung und die Ausbildung in der geschloffenen Form bis zum Zug sowie das Aufstellen der Schüler in,ber Kompanie, WaS das Wandern anbelangt, sv ist im" Lehtplan für Tstrnen M'der wärmen Jahreszeit die halb-«und ganztägige Wanderung mit etwa drei» bis vierstündiger Gehdauer vorgesehen. Auf Grund der Vorschriften sind gelegentlich der Wanderungen UebungSmärsche einzuschalten. Motorisierung der britischen Feldartillerie London. Im Armeebefehl wird ein« umfangreiche Reorganisation der Land-Artillerie angekündigt. Der König genehmigt« den Antrag, daß ' fünf leichte Brigaden der königlichen Artillerie in mechanisierte Feldbrigaden umgewandelt werden, welche mit löpfündigen Geschützen und 4.Szölligen Haubitzen ausgerüstet sein werden. polnische Repressalie» gegen Danzig Warschau. Im Amtsblatt erschien eine Verordnung deS Finanzministers, auf Grund welcher ab 20. d. M. die Zollabfertigung der im Danziger Zollamt aus dem Ausland«intreffenden Waren, welche für P o l e n bestimmt sind, n i ch t in dem Zollamt im Gebiete der Freistadt Danzig, sondern ausschließlich auf dem auf polnischem Gebiet befindlichen Zollamt erfolgen könne. Dies« Anordnung wird als R e p r e s s a l i e gegen den Senat der Freien Stadt Danzig wegen der Aufrechterhaltung der zwangsweisen Devisenbewirtschaftung betrachtet. berechtigt, daß die Regierungen, die in den meisten Ländern mehr oder weniger aus den Vertretern dieser kapitalistischen Kreise bestehen, daraus di« entsprechenden Konsequenzen zu ziehen vermöchten. Jeder Tag bringt statt des notwendigen Abbaues noch eine Vermehrung der den Außenhandel hindernden Schranken. ES e r w eist sich immer mehr als Wahrheit, daß die Krise in dem bestehenden Nahmen de« Wirtschaft keine Lösung finden kann. Denn ob es sich bei den in den einzelnen Ländern zu ergreifenden Maßnahmen darum handelt, die Agrarwirtschaft zu sanieren, den Außenhandel zu beleben.oder das Staatsbudget ins Gleichgewicht zu bringen, immer kehren sie sich am Ende gegen den Zweck, den sie eigentlich erreichen sollen; stets zeigt sich, daß die Wirtschaft nach der Durchführung dieser Maßnahmen nicht die vorgesehene Erleichterung gefunden hat. Aber zu einer Erscheinung haben sie in einer Anzahl von Ländern doch geführt: sie haben das kapitalistische Unternehmertum nicht nur mit geringeren Lasten belegt als die Arbeiterschaft, sondern haben es darüber hinaus auch ermöglicht, daß die Produktion trotz starker Drosselung wieder rentable Gewi n n e a b w i r f t. Es ist bei dem hohen Stand der Arbeitslosigkeit— wenn man die Zahlen des Internationalen Arbeitsamtes, die sich auf die offiziellen, aber nicht vollständigen Angaben der einzelnen Länder stützen, ergänzt, ergeben sich zur Zeit etwa 28 bis 30 Millionen Arbeitslose in der Welt— eine Tatsache von aufreizender Wirkung, daß in allen Industrieländern ein großer Teil der industriellen Unternehmungen schon 1934, aber auch in den ersten Monaten 1935 steigende Gewinne aufzuweisen hat. Diese Gewinne stammen entweder direkt aus staatlichen Subventionen, die im Zusammenhang mit Krisenbekämpfungsmaßnahmen gewährt worden sind, oder fließen aus der durch Rationaltsirrung..und, Lohnsenkung gestei- -»gerten Ausbeutung der Arbeiterschaft. National und auch interngtiongl sucht das kapitalistische Unternehmertum gerade diese Entwicklung zu beschleunigen, indem es innerhalb der Länder die Kartelle ausbaut und auch immer stärker zum Abschluß von Weltkartellen drängt. Die Aussicht, daß davon eine günstigere Entwicklung der wirtschaftlichen Laste ausgehen könne, ist nicht berechtigt, da die Kartelle nicht der Organisietung und planvollen Beeinflussung der Wirtschaft unter Wahrung der Gesamtinteressen dienen, sondern ausschließlich der Sicherung einer Monopolstellung zur Erzielung höherer Profite. Solange die Wirtschaft der Herrschaft des kapitalistischen Systems unterworfen ist, bleibt ihr die Möglichkeit zur vollen Entfaltung ihrer Kräfte genommen. 74 Roman von Emil Vachek h——— Deutsch von Sie ist so furchtbar mager. Ich kann nicht für mein Temperament und möchte die Loli sofort heiraten, aber ich fürchte, ich könnte einmal einett Seitensprung machen." Ich sagte ihm darauf— eigentlich sagte es Lolis Mutter: „Das hat gar nichts zu bedeuten; bevor ich heiratete, war ich auch eine Hopfenstange. Das ändert sich alles." Darauf sagte der Herr:„Es gibt aber auch magere Gattinnen, und es ist nicht zu leugnen, daß viele Frauen in der Ehe noch magerer werden, Ich weiß nicht, was ich in einem solchen Fall täte. Wenn mich die Loli wirklich liebt, muß sie sich bemühen, ein wenig dicker zu werden." Als ich das gehört hatte, sagte ich: Frau Kommerzialrat, das ist eine Kleinigkeit. In drei Monaten ist die Loli rund wie eine Kugel. Aber sie muß sich mir anvertrauen und mir in allem folgen.„Sie wär' ihr eigener Feind, wenn sie es nicht täte," sagte die Mutter,„die wird sich freuen, bis ich ihr das ausrichte." Aber die liebe Loli machte nur eine böse Grimaffe. Sie wäre gern dicker geworden, wollte aber von mir nichts hören.„Ich werde mich nicht so erniedrigen und bei der Kathi Rat holen, wozu gibt es denn Aerzte? Ich geh zum Onkel, der hat eine Klinik. Ich glaube nur an die Wiffenschaft und werde mit /hilf« der Wissenschaft so dick werden, daß ich beruhigt h-iräten kann." Dazu könnt' ich nur lächeln. Ich habe meine Meinung von den Herren der Wissenschaft. Wenn sich deren Frauen keinen Rat wissen, kommen sie doch zu mir. Ich kann warten. Nach einer Zeit fragte ich, wie ihr die Kur anschlägt und hörte nur Jubel. Der Onkel hatte gesagt, die Wissenschaft vermag alle-, und das sei eine Kleinigkeit. Ein Mensch, der mager ist wie eine Bohnenstange, kann dick werden wie eine geschoppte Taube. Und der Onkel verordnete Milch, Mehlspeisen, Eier, zehn Stunden Schlaf und keine Arbeit. Jedesmal, wenn ich kam, hörte ich die freudige Mitteilung: „Die Loli hat ein halbes Kilogramm zugenommen... Die Loli hat wieder ein Kilogramm mehr..." Da» arme Mädel liegt nur und ißt. Sie kommt mir— mit Verlaub zu sagen, wie ein Mastschwein vor. Jede-mal, wenn ich komm', ruft sie mich, zeigt mir die Fortschritt« und sagt bissig:„Was sagen Sie dazu?" Und ich erwidere:„Meine Meinung ist ja ganz nebensächlich.'Dir Hauptsache ist, was der Herr Bräutigam fasten wird. Mir kommt das Fräulein jetzt weniger hübsch vor." Die Loli aber lachte nur und erzählt«:„Der Rudi kommt in einer Woche von der Geschäftsreise heim, und ich bin überzeugt, daß er mit mir zufrieden sein wird."— Aber es fiel genau so au», wie ich vorauSgesagt hatte, liebes Fräulein Sophie. Der Rudi kam, musterte die Loli, machte ein sauere» Gesicht, zog die Mama beiseite und sagte»„Sind Sie fest überzeugt, dckß die Loli ganz gesund ist? Mir geht es nicht in den Kopf, daß sie überall Fleisch zugenommen hat, nur dort nicht, wo e» mir gefällt. Dort ist sie genau so, wie sie war. Gnädige Frau, die größte Zierde einer Frau ist der Busen, bei der Loli wird er aber immer weniger... Sie kann meinetwegen überall mager sein, das würde an meiner Liebe nichts ändern, aber dort—• ich kann nichts dafür—, da bin ich wirklich empfindlich." Die Mutter weinte, die Loli weinte und der Bräutigam weinte— versicherte aber immer wieder, er könne nicht» sür sein Temperament. Dann empfahl er sich, und die Frauen glaubten, es sei alle» zu Ende. Eine» Tage» saß ich hier in meiner Stube und dachte über Loli» traurige» Schicksal nach. Da öffnest sich die Tür. Es war Loli. Sie war so dick wie ein Bierfaß, bi» auf die gewiße Stelle, die so dürftig war wie die Staatskaffe. Sie können sich vorstellen, wieviel Selbstüberwindung e» sie gekostet hatte, bevor sie nach dem Vorhergegangenen zu-mir kam. Aber ich hatte ihr längst verziehen und ließ mir nur da» Versprechen geben, daß sie sich nicht mehr an die Wiffenschaft wegwerfen werde. Dann ging ich an die Arbeit. Kaum war ein Vierteljahr vergangen, war der liebe Rudi so toll in Loli vernarrt und hatte e» so eilig mit der Hochzeit, daß alle Leute lachten. So wie die Loli zu mir kam, mußten Sie zu mir kommen, Fräulein Sophiechen. Nichts für ungut? Sagen Sie mir jetzt, was Sie zu mir führt. Denken Sie, Sie sprechen mit Ihrer Mutter. Ich werde mein Bestes tun. Ich kann solchen Fräuleinchens auf mehrere Arten helfen. Manche suchen Hilfe bei mir, wenn sie unvorsichtig waren. Das hat Mutter Natur uns Frauen in die Wiege mitgegeben..." Nach diesen Worten machte die Schwarze Kathi eine bedeutungsvolle Pause. Als ihr die erwartete Zustimmung nicht zuteil wurde, setzte sie ihre Rede fort:„Da» ist nichts für Sie, die einen so tugendhaften Lebenswandel führt. Andre wieder, denen noch nicht so ein Unglück paffiert ist, sind um ihren Körper besorgt und kommen zu mir, damit ich sie maffiere. Ich habe schon große Herrschaften massiert; Herren und Damen, sogar «in wirklicher Lord war unter ihnen." Da Sophie auch zu diesen verführerischen Reden schwieg, fuhr Kathi fort:„Sie wollen wahrscheinlich Lektüre haben, Sie tun recht daran. Meine Romane, die schon alle Frauen weit und breit gelesen haben, finden Sie in keiner Bibliothek. Auch bei keinem Buchhändler. Dort sind nur Bücher zu haben, bei denen man einschläft Bei der Lektüre meiner Bücher vergeht einem der Schlaf. Hier sind Tausende solcher Bücher, einige davon haben sogar elf Bände. Biele meintr Kunden lesen mein« Bibliothek schon zum dritten», mal und klagen, daß ich sie nicht vergrößere. Das „Niemals In Massen gegen motorisierte Streitkräfte 1! Englische Ratschläge für die abessinische Kriegführung London. Die»Speetator" schreibt 1 über die Chancen in einem italienisch-abessi- j nischen Kriege, daß es den Abessiniern durch ge-! söncktes Borgehen gelingen könnt«, die italienische 11 Armee in Gruppen auszuläsen und niederzumachen. Es werde den Italienern nicht schwer fallen»,! Addi» Abeba zu nehmen. Dann aber säßen sie i n einerFalle. Denn die Aufrechterhaltung der> Verbindungen werde sehr schwer sein; selbst die s gesamte ttalienische Luftflotte würde für den i I Nachschub nicht genügen. Die abessinischen Schüt«[ zen könnten dann die Italiener in einem Guerilla- i krieg von Süden her aushungern. Die nordabessi-|! yischen Truppen aber könnten die Italiener bis A in die Gebirgszone verfolgen und sie dann aus- 11 einanderreihen und einzeln vernichten. Der Endsieg sei den Abessiniern sicher, wenn sie niemals in Massen gegen motorisierte Streit- kräfte vorgingen. Wenn sie aber P a r t i sank n a r t i g vorgingen und sich ihre Beweglich«» test wahrten, könnten sie die Italiener bi» zur Er«| schöpfung,, treiben, zumal sie mit jeder Schlucht 11 vertraut seien. Im übrigen könnten sie war-- ten, bis Italien finanziell z u- i sammenbreche, und das Verlorene danach!I wiedergewinnen, ja möglicherweise noch etwa» s l dazu. Selbst die viel stärkere und mit den afrika- nischen Verhältnissen ganz anders vertraute Ko« lonialarmee Frankreichs unter Lyautheh habe I Jahre gebraucht, um mit Marokko fertig zu wer« I den. Der„Baltimore Sun" schreibt, i r Mussolinis Hartnäckigkeit zeige, daß für ihn k mehr auf dem Spiele stehe als die Eroberung einer Kolonie. Es gebe nur eine Erflärung: er habe Angst vor einer Krise, die seinen Sturz herbeiführen könnte. Er dürfte jÄoch die Lehren von Adua nicht vergessen. New Kork. Jtaljen, das dieser Tage in Grie-[ chenland bedeutende Schiffskäufe getätigt hat,, kaufte jetzt auch hier mehrere Dampfer für Tran?« 1 Portzwecke. Es sind dies die Dampfer„Montawk"-1 und„Montana" der„Atlantic Transport Line" und„Edison" der„National Steam Navigation] f Company", von der griechischen„Furneß-Reede- A rei" den Dampfer„Fort George". Ecuador wünscht Einwanderung 500.000 Hektar angeboten Die Regierung des südamerikanifchen Frei-, staates Ecuador hat einer Zweiggesellschaft de» 1 Pariser Zentralkomitees für jüdische Ansiedlung I dast vom Staatspräsidenten unterzeichnete und I vom Parlament gebilligte Angebot gemacht, ein Optionsrecht auf 500.000 Hektar Land binnen( fünf Jahren auSzuüben. Dabei ist nicht bloß an[ die Opfer de» Dritten Reiche» gedacht, die Einwanderung dorthin soll auch anderen verfolgten| t und verdrängten Europäern offenstehen. Besonder» Facharbeiter und Lehrkräfte sind erwünscht, ri Die Erschwerung der Einwanderung nach Palä- j t stina und seine beschräntte Aufnahmefähigkeit haben zu den Verhandlungen geführt, deren Ergebnis dieses Angebot ist. Selbstverständlich sollen!« die Eingeborenen nicht benachteiligt werden. An-| L fangs kommender Woche wird in London über die! Pläne zur Ausführung dieser Einwanderung be-1i' raten, die 50.000 Familien eine neue Existenz verspricht. kann ich aber nicht, teures Fräulein. Bücher, die[ zu den meinen nassen, werden nicht mehr ge' schrieben. Diese Liebel Diese Abenteuert Die Mordet Und ein Band kostet nur fünfzig Hellet, Leihgebühr!" Da Sophie diese blutrünstigen Schauder-! romane keine» Blickes würdigte, sagte die Schwarze Kathi vorwurfsvoll:„Aber Kindchen- warum sagen Sie nicht gleich, daß ich Ihnen Karten legen soll?" Ehe sich Sophie dessen versah, sat sie auf dem niedrigen Schemel. Die Schlvarze Kathi hatte auf dem hohen Lehnstuhl Platz genommen, hielt die Karten in der Hand und sagte zärtlich:„Ihr jungen Mädels seid manchmal st dumm." „Warum schämen Sie sich vor mir? Sehe» Sie dort den Kasten! Dort find sechs Kater, ausgestopft natürlich. Dieser schwarze hier ist scho» der siebent«. Ich benütze nur schwarze Kater, die ich Medo nenne. Da» ist ein magischer Name. Mit Hilfe dieser Kater fährt da» Schicksal wie I auf der Elektrischen vor, und dieser Neger ist del beste Schicksalsführer. Sie werden ihn schön I freundlich anschauen und dabei denken: Karten, j Karten, Karten, zeiget mir mein Schicksal. Dek Medo wird Sie anblinzeln, sich dann auf meine» Schoß sehen, und die Karten werden fallen, wie sie eben fallen müssen. Ich lese ja nur ab, was sie bringen. Sogar meine Tochter, die Medizkne- rin, die zu den Ungläubigen gehört, wundert ftÄ I darüber, daß ich alle» errate, wa» anderen ver- borgen bleibt. Jetzt hat mir zum Beispiel dk< Medo schon ein Zeichen gegeben, daß Sie in gr->-1 ßer Sorge sind. Ist das wahr, Fräulein?" „Jawohl", flüsterte Sophie, die von de»l Augen des Katers, der sie anstarrte, förmlilh I betäubt war. ,Ha, der Medo ist ein Patentkerl, wirklior- ba" an den Präsidenten der Republik, in dem M a s a r y t gebeten wird, für den Fall, daß ihm der Friedensnobelpreis verliehen werd«, zugunsten Carl v. Ossietzkys, des Opfers der Hülerschen Konzentrationslagerhülle, auf den Nobelpreis zu verzichten. In der Begründung dieser Bitte heißt es, daß durch die Befreiung Ossietzkys die heutigen Friedensstörer an ihrem schivächsten Punkt getroffen werden können. Die Notiz, des Leitmeritzer Blättchens entstammt den„Sudetendeutschen Presse-Briefen",des Herrn Henlein.„Eine derartige unglaubliche Zumutung verdient wahrhaftig in aller Oefftiftlichieit a n g e p r a n g e r t zu werden" zetert das HiAerblatt—. Die schmähliche Polemik der Leitmeriherin gegen den beachtenswerten Vorschlag der tschechischen Zeitschrift verdient selbst das Anprangern nicht mehr! Die„legalen"- Terroristen. Die Henlein- Partei beklagt sich bekanntlich gern über den Terror der— anderen! Diese Klagen illustriert vortrefflich die S p r e n g u n g einer Falkenauer Bersammlu n g, in der Simon Starck über ein völlig unpolitisches Thema, die Lob s- bachregulierung nämlich, sprechen wollte. Die Henleinianer ließen Starck überhaupt nicht zu Worte kommen und machten, nach bewährtem Terrorrezept, auf der Starck-Versammlung eine Nazi-Kundgebung. Die Hetze. Der„Brünner Tagesbote" macht, dem Zug der Konjunktur entsprechend, in fadester Sozialistenhetze. So läßt er sich aus Klagenfurt berichten, daß in einem Klagenfurter Sozialistenprozeß«in Angeklagter erklärt habe,„die Arbeiter würden am liebsten Dr. Otto Bauer z u s a mm e«schießen". Ein ärgerer Kohl ist wohl selten verzapft worden. Ta er aber der schlechten Sache deut, wird«r pu- blizies. Griechische Abwehr gegen Italienischen Zwang Die Bewohner der griechischen, aber von Italien beherrschten Insel K a l y m n o s in der Dodekanesgruppe wehren sich unbeugsam gegen das GÄot der Fremdherrschaft, ihren Glauben zu wechseln und die italienische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Das letztere Gebot soll natürlich dazu dienen, später das Mandatsgebiet„von Rechts wegen und aus dem Willen des Bolt«»" in eine auf ewig üalienische Kolonie umzuwandeln. Der erste Aufstand im Jänner d. I. wurde brutal durch Verhängung des Stand„rechts" unterdrückt. Die zweite Erhebung brachte viele Jn- selbewohner ins Gefängnis. Trotz aller Drohungen der Italiener sind dieorthodoxenKir« chenseitJaNuar geschlossen. Seit einem halben Jahr haben die Popen keine Tauf«, Trauung rü>er kirchliche Beisetzung vorgenommen. Der Gouverneur wagt nicht mehr, seine Residenz ohne starkes bewaffnetes Ge»eit zu verlassen. In der letzten Zeit bieten die Italiener alles auf, um die Kalymnoten in ihre Bürgerlisten zu bekommen. Dann würden sie z ü r Raubkrieg- armee nach Afrika geschickt werden, Wenigstens für Arbeitstruppen sollen sie sich bereitfinden lassen. Aerzten sind phantastische Gagen geboten worden, wenn sie zur erythräischen Armee gingen. In Griechenland verfolgt man diese Ivb kenne keine Vernunft rnebr. lob kenne I Versuche mit größter Erregung und erklärt sie als nur noch Brutalität*ctne Brandmarkung Italiens. Zum Jubllfium der Brotkarte Bor 20 Jahren, in der ersten Hälfte des Jahres 1015, ein Jahr lang tobte der Krieg bereits an allen Fronten, wurde die Bevölkerung der alten Monarchie von einer Regelung der Lebensmittelversorgung überrascht: Die Lebensmittel, zunächst nur Mehl und Brot, wurden rationiert, die Mehl- undBrotkarte war da! 595 Gramm Brot oder 425 Gramm Mehl pro Person und Woche, auf mehr hatte niemand Anspruch. Es war nicht eben viel, aber man nahm eS auf die leichte Schulter, man lachte darüber, Witze flackerten auf und schließlich fühlte man den Mangel ja noch nicht allzusehr. Aber es blieb" nicht bei den Mehl- und Brotkarten, es folgten jene für Kartoffel, Fleisch, Fett, Milch, Eier, Hülsenfrüchte, Tabak, Kaffee, Kohle, schließlich ür alle möglichen Ersatzstoffe. Es kam die Zeit des„Anstellens" und zu guter Letzt hatten die Menschen dutzendweise Karten, für die sie überhaupt nichts bekommen konnten. Nichts zu essen, kein Licht, keine Kohle, frierend und hungernd saßen tausende proletarische Mütter mtt ihren Kindern in kahlen Stuben und zu alledem die bange Sorge um den Gatten, den Bruder, den Vater. 1915, 1916, 1917, 1918, vier KriegSjahre und dann noch zwei Nachkriegsjahre dominierten -Karten". Wären die-Menschen auf das angewiesen gewesen, was sie auf die Karten erhielten, so wären mindestens die Städte und Jndustrieorte der ehemaligen Monarchie entvölkert worden. Es entstanden neue Menschentypen: die „Hamsterer"»„Schleichhändler"» Schieber und Wucherer. Hamsterer wurde, wer über Geld oder Gegenstände verfügte, die es ihm gestatteten Vorräte aufzustapeln und allen Rationierungsmaßnahmen zum Trotz den Krieg bei bestem Wohlbefinden„durchzuhalten." Schieber und Wucherer, die ersteren zugleich auch Hamsterer in großem, verstanden es musterhaft mtt Respekt zu sagen, aus Dreck Geld zu machen, aus der blutigen Not ihrer Mitmenschen Kapital zu schlagen. Die„Schleichhändler" führten diesen Namen vielfach zu unrecht. Es gab solche, die man als Schieber und Hamsterer im kleinen ansprechen konnte, aber die größere Zahl waren Menschen, die auf Um- und Schleichwegen unter ungeheuren Opfern, ein bißchen Getreide oder Mehl,«in Stück Brot, ein paar Kartoffeln aufzubringcn suchten, um wenigstens dann und wann sich und die hungrigen Kinder einmal sättigen zu können. Solange man für Geld im Schleichhandel etwas erhielt, kaufte man wahllos.' Viele Stunden weit wanderten die armen Frauen zu Fuß und per Bahn, um ein Stück Brot aufzutreiben, gab eS kein solches, dann waren auch Kartoffeln oder Hülsenfrüchte, Pferdebohnen nicht ausgeschlossen, frohwillkommen. Aus dem Schleichhandel wurde ein Tauschhandel. Für Geld war nichts mehr zu haben, die rationierten Lebensmittel wurden immer spärlicher, obendrein wurden sie auch vielfach verschoben und von den Karten, die immer zahlreicher geworden waren, wurde niemand satt. Zuerst gingen di« kleinen Wertgegenstände, wie Ringe, Ohrgehänge, Schmuck etc. soweit sie nicht schon dem Riesenschwindel„Gold gab ich für Eisen" zum Opfer gefallen waren. Manch teures Andenken wurde für schlechtes Bros, Mehl oder angcfaulte Kartoffel umgetauscht. Dann kam das andere an die. Reihe: Bettwäsche, Leibwäsche, alles was in besseren Tagen mühsam Stück für Stück erworben wurde, wanderte in die Mühlen und Bauernhöfe. Manche Müllers-, manche Baucrntochter kam so zu einer bunten, aber reichen„Ausstattung", die sie nichts oder fast nichts kostete. Auch das ging zu Ende und dann kam das letzte; hungernde Frauen boten sich, ihren Körper, ihre Ehre an, um sich einmal sattessen zu können, um ihren Kindern ein Stück Brot, ein biß« Sette i Sonntag, 21. Juli 1935 Nr. 168 U«s«u»bere Konkurrenz gefunden den bei beranstal- durch den Auf der einen Seite ist die Feststellung angenehm, die durch diese Aktion dem Pilsner'Erzeugnis, was die Qualität anbelangt, zuteil wird, auf der anderen Seite ist diese Aktion bezeichnend für die Erfindungsgabe der amerikanischen Unternehmer und weiter ein Beweis, mit welchen Schwierigkeiten die tschechoslowakischen und insbesondere die Pilsner Brauereien arbeiten müssen, um ihr Erzeugnis vor dieser unlauteren Konkur- sener Bürgern das amerikanische Pilsner schmeckt. Unter diesen Photographien sollten die Namen der„Fachleute" angeführt werden, die das amerikanische Pilsner in gleicher Qualität wie das echte Pilsner befunden haben. Luftkriegs-Probe in London London. In der nächsten Woche wird die Luftverteidigung Londons auf die Probe gestellt werden. 368 Militärflugzeuge werden an den Hebungen teilnohmcn. Bon Montag abend bis Dienstag früh wird hie Luftstreitmacht von»Südland", bestehend aus 176 leichten, mittleren und schweren Bombenflugzeugen, eine große Anzahl Angriffe auf die Hauptstadt unternehmen. 15 Geschwader Kampfflugzeuge und ein Erkundungsge- Drei Mau« im Im» ertrunken . Innsbruck. Freitag mittags ertranken Bermeflungsürbetten in der Nähe von Martins- bruck an der Schweizer Grenze ein Schweizer Ingenieur und zwei Arbeiter im hochgehenden Inn. Sie wollten den Muß in einem Boot übersehen, das mit einem Drahtseil am Ufer befestigt war. Das Book kenterte und alle drei Insassen ertranken. Ihre Leichen wurden noch nicht geborgen. Auch die Namen konnten nicht festgestellt werden. schwader, zusammen 192 Flugzeuge, werden sich, unterstützt von 194 Lustabwehr-Abteilungen von »Nordland", um die Abwehr der Gefahr bemühen. Der zweite Teil der Uebungen wird am Dienstag morgen beginnen und am Freitag sein Ende nehmen. Die südländischen Luststreitkräste werden sich bemühen, wichtige militärische und strategische Punkte in der„feindlichen Hauptstadt" zu zerstören. Bei diesen Uebungen sollen die neuesten Angriffs- und Verteidigungsmittel ausgeprobt werden. Der Mann in die Untersuchungshaft, Fra« und Kinder in den Tod. Samstag vormittags spielte sich im 15. Wiener Bezirk eine Familientragödie ab, die drei Menschenleben forderte. Der Lagcrangestellte einer großen Wiener Firma, Leopold Vollauf, wurde am Freitag wegen Diebstahls von Stoffen verhaftet und in die Untersuchungshaft des Landesgerichtes eingcliefert. Seine 27jährige Frau Hermine, die mit^ihren zwei Kindern völlig mittellos dastand', öffnete nun früh in ihrer Wohnung den Gashahn. Als die durch den Gasgeruch aufmerksam gewordenen Nachbarn in die Wohnung eindrangen, fanden sie die Frau, ihr vierjähriges Söhnchen und ihr 18 Monate altes Töchterchen tot auf. Furchtbarer Tod. In der Judengasse in Eger fiel der 5jährige Josef Ströhl beim Ballspiel in einen Trog mit kochendemWasser. Das unglückliche Kind erlitt schreckliche Brandwunden und starb kurz nach der Einlieferung ins Egerer Krankenhaus. Ein vierzehnjähriges Mädchen in Neusatz tötete ihren Geliebten, den Fliegerunteroffizier Masten, durch einen Schuß aus dessen Dienstgewehr. Das Mädchen gab an, daß Majcen ihr ursprünglich die Ehe versprochen hatte und mit ihr seit Feber des laufenden Jahres in wilde r E h e lebte. Nun habe er sie davongesagt, weil er die Ankunft seiner angetrauten Kampf um eine Moschee Lahore. Hier kam es Freitag zu aufregenden Szenen, als 5900 Mohammedaner gegen eine Moschee anstürmten, die von Sikhs teilweise zerstört worden wär. Größere Zusammenstöße konnten nur dadurch verhindert werden, daß britische Truppen und Polizisten«ine enge Kette um die Moschee zogen. 30 Rädelsführer wurden verhaftet. Zwei Personen getötet und einige verletzt,'als die britischen Truppen in die Menge der Mohammedaner schossen. Die Mohammedaner nächtigten entgegen dem Verbot in den Straften und versuchten den Polizeikordon zu durchbrechen, um in die Moschee zu gelangen. Auch einige Polizisten wurden, verletzt. Liebestragödie im Hegerhaus Kremster. Samstag nachts hörte der Heger Han ä k einen Schuß fallen und hierauf Stöhnen. Als er aus dem Hegerhaus hinauslief, fand er seine Tochter Anna stöhnend neben ihrem Geliebten, dem Arbeiter Karl B r ä z d i l, liegend vor. Bräzdil, der einen Herzschuß hatte, gab kein Lebenszeichen mehr, während Anna Hanäkovä noch lebte» Der Vcrzlveifelte Vater wollte seine Tochter ins Hcgerhaus bringen, aber sie verschied in seinen Armen. Die Ursache der Liebestragödie wird untersucht. Vom Rundfunk taptehleuwartu«ms den Programmen! Montag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Polkas auf Schallplatte«, 17.50: Chansons, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Vorbach: Kunstwanderung durch das alte Eger, 18.40: Aus dem Manuskript von Veidl, 19: Deutsche Presse, 21.30: Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.20: Deutsche Sendung: Leichte Musik.— Brünn 12.30: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Lie- derftünde, 20.30: Saxophonsvlo.— Mährisch- Ostrau 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Franz Mazik: Kulturelle Aufgaben der Arbeiterschaft.— Kascha« 20.15: Militärkonzert. ■- Dienstag: Prag, Sender L: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 13.40: Duette und Opern von Smetana, 15: Salonorchesterkonzert, 16.30: Bunres Programm.— 18,20: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief, 18.30: Lieder schlesischer Komponisten/19: Deutsche Presse, 21.20: Ein Arzt spricht über erste Hilfe, 21.35: Musikalische Spiele, 22.30: Tammusik. Sender S: 7.30: Leichrc Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Winternitz: Zukunft des Detailgeschäftes, 14.35: Leichte Musik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung, Arbeiterfunk: Soziale Information, 17.45: Süß und Pe- scha: Das Brünner Arbeitslager, 20.05: Volkslieder verschiedener Völker.— Mährisch-Ostra« 18.20: Deutsche Sendung: 19.25: Schauspiel aus dem Atelier: Die Getauften von Rakous.— Prrßbnrg 20.05: Unterhaltungsmusik. Frau erwartete. In ihrer Verzweiflung habe die Betrogene das Dienstgewehr, das sich im Zimmer befand, ergriffen und ihren Geliebten erschossen. 31 Fl«gze«gkatastrophcn i« sechs Monaten. Die Zeitung Nishi-Nishi teilt mit, daß das japanische Flugwesen'in den ersten sechs Monaten dieses Jahres große Verluste davongetragen hat. Es sind insgesamt 31 Flugzeuge abgestürzt, wobei 46 Flieger den Tod fanden. Bon den: tödlich abgestürzten Fliegern gehören 20 dem Militärflugwesen an, 22 waren Marineflieger und nur vier Verkehrsflieger. Für hundert Millionen Zwetschken. Nach Meldungen aus Vinkovce schätzt man die heurige .Zwetschkenernte im Savetal auf hundert Millionen Dinar. Reue Höhlon in dor Mittrlslowakei. In den vergangenen Tagen wurden im Bezirke Banova im Flußgebiete der Behrava bei der Gemeinde Slatinky in dem bewaldeten Mhang hinter der sogenannten „Dupna diera" Tropfsteinhöhlen entdeckt. Die Höhlen wurden von einheimischen Bewohnern unter der Führung des Fachlehrers BalaLowjech aufgefunden. Sie«rußten mehrere Tag« lang einen Verbindungsstollen aus der Höhl«„Dupna- diera" graben. Gleichzeitig wurde ein langer Gang entdeckt, wo zahlreiche Menschenschädel und viele menschliche und tierische Knochen wurden. Exkursionen, von den Staatsbahnen tet. Vom 27. Juli bis 4. August quer Böhmerwald für Xö 370, vom 10. bis 25. August Ferienaufenthalt im Riesengebirge für Kd 650, vom 4 bis 25. August Kuraufenthalt in Karlsbad für Xö 1120, am 11. August nach De«tschbrod zur Havlikrk-Lusstellstng für Xc 80, vom 15. August bis 5. September nach LühaiovicefürXL 970, Trenöianskö TepliceXö 1050, nach P i st h a n Kö 1010, vom 25. August bis 15. September, nach Bechhnt lLibusina Bad) Xc 750.— Anmeldungen mit" Anzahlung im Bazar neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 383.35. Wetterprognose:„Stellenweise Regen". Nach der vorübergehenden Erwärmung und Wetterbeffe- rung am Samstag beginnt über das Binnenland erneut kühlere Luft vom Westen her einzudringen. In Böhmen und in der Südslowakei ist die Temperatur am Samsfag stellenweise auf'30 Grad angestiegen. München hatte jedoch um 14 Uhr bei regnerischen: Wetter bloß 21 Grad. Am späteren Nachmittag regnete es bereits auch in Westböhmen teilweise in Begleitung von Gewittern. Andauernd schönes und heißes Wetter beschränkt sich auf den Süden und Südosten des Erdteiles, wo SmnStag nachmittags überall 80 bis 35 Grad C. verzeichnet TSdttcher Verkehrsurrfall in Komotau Samstag nachmittags ereignete sich in Koknotau ein schweres Verkehrsunglück. Der 15 Jahre alte in einer Komotauer Delikatessenhandlung beschäftigte Lehrling Franz Fleischer aus Eidlitz, ein Sohn des Werkarbeiters Josef Fleischer, fuhr mit einem Stoßwagen zur Bahn. In der Bahnhofstraße fuhr der vom Marktplatz zum Bahnhof verkehrende Staatsautobus plötzlich den Jungen von rückwärts an, so daß dieser zu.Fall kam. Der schwere Autobus ging über den Knaben hinweg und verletzte ihn derart schwer, daß der arme Lehrling noch wahrend des Transportes ins Krankenhaus verschied. Der tragische Vorfall hat unter der Bevölkerung große Aufregung verursacht. Ku-Klux-Klan-Leute als Lynchrichter New Aork. Wie aus Port Lauderdale in Florida gemeldet wird, ereignete sich dort ein Fall von Lynchjustiz. Ueber hundert maskierte Ku-Klux-Klan-Männer entrissen der Polizei einen N e g e r, der einen Messerangriff auf eine weiße Frau verübt haben soll, schleppten ihn in den Wald und knüpften ihn an einem Baume auf. Die maskierten Männer durchsiebten dann den hängenden Leichnam des Negers mit einigen hundert Revolverschüssen. Die Polizei hatte die Absicht, den Neger in einem Kraftwagen in Sicherheft nach Miami zu bringen, als die maskierten Männer den Kraftwagen anhielten und Neger aus dem Wagen herauszerrten. Das Tsch. P.-D. meldet aus Pilsen: Ueber die Erfindungsgabe der amerikanischen Bierbraukonkurrenz sind den Pilsner Brauereien interessante Informationen und Beweise zugegan gen. Eine Brauerei aus dem Westen der Ver einigten Staaten entsandte nach Pilsen einen Vertrauensmann, der von verschiedenen Pil se n e r Bürgern schriftliche Erklärun gen beschaffen sollte mit der Bestätigung, daß sie das Pilsener Bier amerikani schen Ursprungs verkostet hätten und bezeugen können, daß es dem e ch t e n P il- sener Bier g I e i ch k o m m e. Außerdem sollten in den Pilsner Restaurationen Filme vpn biertrinkenden Gesellschaften hergestellt wer den, um in den amerikanischen Blättern als Beweis dafür veröffentlicht zu werden, wie P i l- i renz zu schützen. wurden.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, vom Westen her fortschreitende Wetterverschlechterung^'stellenweise Regen, tagsüber erneut kälter, frischer Westwind. Wetteranssichten für Montag: Wetterlage noch immer nicht stabil. Westbis Itordweftwind. Kindesmörderin nach 15 Jahren überführt. In Grubersdorf in Kärnten wurden die Eheleute Anton und Johanna Hofer unter der Beschuldigung verhaftet» daß die Frau, Mutter von neun Kindern, im Jahre 1920 ihre damals dreijährige Tochter erwürgt und ein Jahr später ihren ebenso alten Sohn vergiftet habe. Johanna Hofer hat nach längerem Leugnen ihre Tat zum Teil eingestanden. Kann der Mensch 180 Jahre alt werden? Bekanntlich hat man in den letzten Jahren im Kaukasus eine Anzahl Greise entdeckt, die ein Alter erreicht haben, das eines Methusalem würdig gewesen wäre. Ein gewisser Laguiachvili, der in der Nähe von Tiflis wohnt, ist heute 150 Jahre alt. Er erinnert sich noch an den Einzug der russischen Truppen in Georgien im Jahre 1801, als der Zar das Land dem russischen Reiche einberleibte. Er hat einen Sohn, der 110, einen Enkel, der 80 Jahre alt ist! Ein anderer, ein Abkhasier, Khapara Kiout, soll 152 Jahre alt seiy. Diese erstaunlichen Fälle von Langlebigkeit sind im Institut für Experimental- mcdizin in Moskau genau studiert worden. Der Forscher Läzarev, ein berühmter Biologe, der sich .mit diesem Problem befaßt, hat eine Kurve für die Empsindlichkeit der Nervenzentren des Gehirns aufgestellt: beim Neugeborenen von Null ausgehend, hebt sich diese Kurve nach und nach bis zum Alter von 20 Jahren und kehrt dann sehr langsam bis Null-zurück, wenn die Alterssteigerung sich 180 Jahren nähert. Mit anderen Worten gesagt, ist der menschliche Organismus so eingerichtet, daß die totale Abnützung des Nervensystems 180 Jahre erfordern würde. Theoretis«^ also könnte der Mensch dieses Alter erreichen. In unserer schnellebigen, unruhigen Zeit, die ganz andere Anforderungen an unsere Nerven stellt, ist der Organismus fast immer ( sehr viel schneller abgenutzt, so daß die wenigsten I Menschen heute noch ein hohes Alter erreichen. 3aaeSfl€uialUitea iWie Amerikaner ihr„Pilsner" verzapfen wollen I« die flachwellige Senke Hingebreitel, in ein weit ausgespanntes Netz von Landstraßen eingeflochten, ohne Reize im alten Innern, unfertig, willkürlich im neueren Zuwachs, liegt Königinhof, tschechisch Dvür Krälovö, an der noch jungen Elbe.' Es ist eine Stadt mit reichlich dreizehntausend, bis auf einen geringen deutschen Anteil, tschechischen Einwohnern. In einer, wenig schönen Straße gibt es ein wenig schönes deutsches Hotel. Abends speiste da eine deutsche Gesellschaft, anscheinend ein deutscher Klub; die Herren sahen aus, als gehörten die Maschinen-, Textil- und Holzwarenfabriken von Königinhof alle ihnen, und die Damen machten.den Eindruck, als seien sie mit industriellen Bilanzen verheiratet. Man erriet enggeflochtene Beziehungen innerhalb des Kreises und exklusiven Abschluß nach außen gegen die tschechische Umwelt, und man fühlte sich dicht an die Reibungsfläche nationaler Gegensätze geraten, hinter denen sich ja so und so oft nur soziale Gegensätze verbergen. In den Tagen des Umsturzes flogen auch prompt tschechische Steine in die deutschen Hotelfenster. Danach bekam das vom deutschen Turnverein erbaute Hotel«inen tschechischen Pächter; es war eine Art politischer Mimikry, die heute nicht mehr nptig erscheint, nachdem allerorten die„Deutschen Häuser" ganz offenkundig die Standquartiere und Arsenale der deutschen Henlein-Partei geworden sind. In einem alten Buche von 1741 steht über diese Stadt der Satz:„Allhier ist weiter nichts zu sehen." Rnd das stimmt auch heute noch...Durch einen Umstand ist die Stadt aber doch berühmt geworden: durch die Geschichte mit der Königin« htzfex Handschrift, Im Jahre 1817 wollte der Bibliothekar Hanka in einem Gewölbe der Stadtkirche alte tschechische Handschriften entdeckt haben, zwölf Blätter mit vierzehn epischen und lyrischen Gedichten mft» Gedichtfragmenten aus der tschechi- chen Heiden- und Heldenzeit, Kapitelbruchstücke des dritten Buches eines Epos aaf Pergament. Die erste Ausgabe in neutschechischer und deutscher Uebersetzung erschien 1819 und erregte überall Aussehen. Die Zeit war günstig. Eben erst hatte Herder die Beziehungen zwischen Dichtung und Muttersprache klargestellt, Verständnis für die BolkSpoesie geweckt und in den„Stimmen der Völker" Dichtungen aus zwanzig Literaturen gesammelt und vereinigt. Der Königinhofer Fund bedeutete die Entdeckung einer mittelalterlichen tschechischen Dichtung, die allgemein und nicht nur von den Tschechen begrüßt wurde. Goethe, Jakob Grimm, Chateaubriand waren unter den Gra- tulanten; Goethe übersetzte ein Gedicht„Das Sträußchen"-aus den Königinhofer Pergamenten ins Deutsche. Und es blieb nicht bei diesem einen Fund. Noch andere, darunter die„Grüneberger Handschrift", kamen zum Vorschein. Das tschechische Nationalbewußtsein stärkte sich an diesen Resten einer alten literarischen Kultur. Aber schon einige Jahre später äußerten zunächst deutsche und dann auch slawische Forscher Zweifel an der Echtheit dieser Handschriften, und schließlich bewies ein ganzer Chor gelehrter Stimmen, daß Hanka die Handschriften gefälscht habe. Dobrovsky, der bedeutendste tschechische Sprachenforscher, bestritt die Echtheit der angeblichen Dokumente, Palacky verteidigte sie. Es entbrannte ein jahrzehntelanger heftiger Streft, der schließlich mit der Feststellung endete, daß tatsächlich eine großartige Fälschung vorlag. Hanka und seine Mithelfer hatten die mft dichte rischer Begabung verfertigten Fälschungen„samt ihren vielen Anachronismen"— wir zitieren hier nach Arne Noväks Schrift über die tschechische Literatur—„in eine zweifelhafte alttschechische Sprache übertragen, in sehr verdächtiger paläo- graphischer Weise abgeschricben und mit theatralischen Effekten als Königinhofer und Grüneberger Handschriften„entdeckt".. Es dauerte fünsundsechzig Jahre, ehe die Wissenschaft den verwegenen Betrug des allzuerfrigen Patrioten aufdeckte." Hanka hatte dem tschechischen Nationalbewußtsein einen Dienst erweisen wollen. Welche Verwirrung der Gefühle, welch bergeversetzender Ehrgeiz gehört dazu, mit einer Fälschung eine Geltung„beweisen" zu wollen, die nur durch wirkliche Leistung bewiesen werden kann. Hanka, dessen Königinhofer Handschrift man im Prager Nationalmuseum im Original von seiner Hand betrachten kann, hat es versucht. Und immer wieder wird Aehnliches gewagt. Erst im Jahre 1934 sind die„ältgermanischen Gräberfunde" aus dem Saazer Lande, die etwas für die Ge, schichte der Deutschen in Böhmen„beweisen" sollten, als Fälschungen entlarvt worden. Auch von diesen„Funden" war viel Wesens gemacht worden von Leuten, denen sie in den nationalistischen Streifen patzten, bis sich herausstellte, daß diese Urnenscherben und Göttcrfiguren, darunter die„Venus von Saaz", eine heidnische achtbrüstige Göttin der Fruchtbarkeit, von einem Scharlatan aus Ton gemacht und in einer Ofenröhre „gebacken" worden waren. In diesem Götterbäcker von Saaz hatte Hanka sein deussches Gegenstück gefunden. Fritz Mauthner, der übrigens gar nicht weit von Könrginhoj entfernt in Horschitz. geboren wurde, hat in einer Novelle mit dieser Böhmischen Handschrift seinen Spott getrieben, und in seinen Erinnerungen sagt er von Hanka, dem er ideale Beweggründe zugute hält:„Es muß ihm eine Lust gewesen sein, das hohe Alter der tschechischen Verse zu beweisen; es muß ihm ein Triumph gewesen sein, durch sein Talent und durch seine technischen Künste so viele Jahrzehnte die gelehrte Welt zu betrügen; und es muß seine Eitelkeit in unerhörter Weise befriedigt haben, als bedeutende Dichter und Sprachhistoriker in allen Ländern Europas begeistert von den kleinen Gedichten sprachen, die der arme Teufel irgendwo auk einer öden Bude geschrieben und dann in alt- ! flämische Sprachform gezwängt hatte. Wohl mag Hanka, wenn er wirklich ein Dichter ist, gejubelt haben, als er eine polyglotte Ausgabe seiner Handschrift herausgeben konnte, wie man vom Vaterunser polyglotte Ausgaben besitzt; wohl mag er gelacht haben, als flawische Philologen seinen Text behandelten, wie man Homer behandelt, und über einzelne Worte, die der Abschreiber mißverstanden hätte, gewagte Konjekturen aufstellten." Es war übrigens Professor T. G. Masaryk, der heutige Staatspräsident, der seinerzeit in den Streit um die Handschrift entscheidend eingriff und ihn mft dem endgültigen Nachweis der Fälschung beendete— nicht jeder Präsident kann wie Hindenburg sich rühmen, seit seiner Jugendzeit keine anderen als militärischen Bücher gelesen zu haben. Die Königinhofer Handschrift war als groteske Fälschung abgetan. Aber Hankas erzenes Denkmal auf dem Markt zu Königinhof steht; der Glaube hat eS dahin gesetzt. E. H. Nr. 188 Sonntag, 21. Juli 1935 Seite 5 Eine Ausstellung für den Fremdenverkehr Was sie zeigt und was sie lehrt tR. F.) Im Haufe Prag, Graben 5, ist am 18. d. M. eine„Propaganda-Ausstellung" eröffnet worden, die, wenn sonst nicht sehr viel, so -jedenfalls einen lehrreichen Einblick in den gegenwärtigen Stand unserer Fremdenverkehrswerbung bietet. Die Veranstalter sind die Fremden, Verkehrsabteilung der V e rsiche ru n gSg esells chaft „Phönix", deren Zentrale sich in W i«n befindet, und die Tschechoslowakische R e g i o n a- listenzentrale. Diese Ausstellung bestätigt den Eindruck, den der unbefangene Beobachter schon seit langem haben mußte: daß es mit unserem Fremdenverkehr, namentlich gemessen an den vorhandenen Möglichkeiten, geradezu erstauglich schlecht bestellt ist. Aufgabe der folgenden Zeilen soll es sein, auf die wesentlichsten Mißstände hinzuweisen und einige Vorschläge zu deren Beseitigung zu machen. In erster Linie fällt auf, daß eS sogar in unserer Fremdenve-rkehrSpropaganda eine Sprachenfrage gibt. Eigentlich sollte es jedermann klar sein, daß eine Propaganda unter den Fremden in einer Sprach« durchgeführt werden muß, die diese verstehen. Ein Gang durch die Ausstellung,'in Besuch bei der„E e d o k" oder bei den Informationsbüros der Staatsbahnen zeigt aber, daß in den für die Fremdenverkehrswerbung maßgebenden Kreisen diese Erkenntnis noch kaum aufgedämmert ist. Die deutschsprachigen Prospekte(von anderssprachigen, also englischen, französischen, schwedischen, holländischen usw., ganz zu schweigen) bilden eine geradezu der- schwindende Minderheit gegenüber den in tschechischer Sprache geschriebenen, die doch gerade für den Ausländer wertlos sind. Und um das Bild abzurunden, sei nur noch erwähnt, daß in den Schaufenstern der.E e do k", der sta a tli ch e n Zentrale für den Fremdenverkehr, deutschsprachige Prospekte über Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien, Bulgarien, Ungarn, Rußland usw. usw. in.fast unbeschränkter Auswahl erhältlich sind, während z. B. ein deutschsprachiger Prospekt über die Beskiden in den Räumen unserer Fremdenverkehrszentral« einen solchen Seltenheitswert besitzt, daß er für Interessenten nicht verfügbar ist. Gesellschaftsreisen ans Schwarze Meer, nach Grado und nach Brüssel werden auch in deutscher Sprach« propagiert. Für ebensolche Gesellschaftsreisen nach dem Böhmerwald, in die Slowakei und nach Kar« pathorußland, nach Eisenbrod usw. /ollen, dagegen einig« kleine Notizen'in den deutschsprachig.»«« Prager Zeitungen genügen! Da» Ganze erweckt den Anschein, als ob der nationalpoliti^ schen Borniertheit mancher Kreise sogar Staatsinteressen, wichtige Staatsinteressen, gwpfert werden. Und man darf sich nicht Wundern, wenn viele Fremde, und selbst manch» Einheimische, sich nach einem Besuch in unser'? staatlichen Zentrale für den Fremdenverkehr zu einer Reise nach— dem Ausland entschließen. Der zweite Hauptmangel ist die ausgesprochene Desorganisation, in unserer Fremdenverkehrswerbung. Es ist offensichtlich, daß zwischen den berufenen Stellen und den einzelnen Fremdenorten nur ein ganz loser und vielfach überhaupt kein Kontakt besteht. Neben dem„Cedok", über dessen Tätigkeit oben einige» festgestellt worden ist, gibt U die Abteilung für Fremdenverkehr in der Ber- stberungSgesrllschaft„Phönix", einem ausländischen Unternehmen, da» jedoch immerhin d-a ersten deutschsprachigen Gesamt Prospekt über di« Tschechoflowakei herauSgegeben hat und sich auch sonst in dankenswerter Weise um di« Hebung unseres, tschechoslowakischen, Fremdenverkehrs bemüht, di« Informationsbüro» der StaatSbahnen, auf die da» über„Cedok" Gesagte in noch stärkerem Maße zutrifft, und schließlich die sonstigen privaten BerkehrSbüroS, denen frei- lich nicht zugemutet werden kann, daß sie sich zu initiativem Borgehen auf einem Gebiete entschlie» ''.en sollen, wo der Boden noch kaum-aufgelockert ist und wo vom Gesichtspunkt der Privatwirt- 'Gastlichen Rentabilität aus kein besonderer Anlaß zu Wagemut gegeben ist. Dazu kommt ie Regional! st ische Zentrale, die wir zu ihren Bestrebungen nur beglückwünschen können, dir aber nicht die speziell für den Fremdenverkehr geschaffenen Organe zu ersetzen vermag,' terner ein„Klub der Freunde der Kleinen Entente", dessen Tätigkeit sich allerdings mehr aus