IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochoya«r. telefon ssott. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Elnilprels 70 Hsün (ointehlioBlich 5 Heller Porto, 15. Jahrgang Donnerstag, 25. Juli 1935 Nr. 171 Stimmungswechsel in Frankreich Die Folgen der Llra-Abwertung Das Gespenst der schwarzen Revolution I« der Stellung der europäischen Mächte zu dem italienischen Raubzug nach Ostafrika ist eine überraschende Wendung« ingetreten. Leber Nacht hat sich in F r a n k r e i ch ein Stimmungsumschwung vollzogen, der nur durch den niederschmetternden Eindruck zu erklären ist, den die Ermächtigung der italienischen Regie rung, die Lira von der 40prozentigen Golddeckung zu lösen, hervorgerufen hat. Die wahre« Hintergründe des Spiels zwischen London Und Paris werden jetzt weithin sichtbar. Frankreich hat Italien offensichtlich vor allem deshalb geschützt, weil Italien zum Goldblock ge hörte, gegen den die Bank von England seit Jahr und Tag den erbittersten unterirdischen Krieg führt. Run hat Italien, kanpp nachdem es Laval gelungen ist, im Auftrag der französischen Finanzwrlt seine Schlacht gegen die Anhänger der Devalvation und damit gegen das Pfund Sterling zu gewinnen, dcnGoldvlock gesprengt. Empört schreien dir gestern noch italicnfreundlichen französischen Blätter auf, daß es Frankreichs Gold sei, das man hier dunklen Zwecken opfere, daß Frankreichs Gold auf dem Spiele stehe. Plötzlich ist Frankreich bereit, England im Völkerbund Weitgehmd zu unterstützen, plötzlich entdeckt man in Frankreich die militärische Schwäche Jtalims, seine Geldnot, seine kolonial- politischm Mißerfolge und die ungeheure Gefahr eines Aufflammens der panafr'kanischen, der panislamit ischen B e w r gu n g im schwarzen Erdteil und im Orient. Man erkennt, was man in London längst weiß und fürchtet, daß Mussolinis „kleiner Krieg" sich vielleicht zum großen Revolutionskriegder farbigen Rassen gegen die weißm Kolonialherren auswciten könnte, und man wamt Italien. Mussolini scheint aber noch immer ent schloffen, die einmal betretme Bahn nicht zu ver- laffm. Er steckt täglich neues Geld(das nicht ihm, sondern den Bankiers Frankreichs, Englands und der USA gehört) und neues mo ralisches Kapital in die Affäre. Der praktische Erfolg der Schwenkung Frankreichs ist, daß nunmehr die französische Dahn Djibuti Abeba für Was fentransporte freigrgeben wurde, währmd zugleich England sich die Geste leistet, seinerseits die Waffeneinfuhr nach Abeffinim vorläufig zu sperren. London.(Reuter.) In Angelegmheit der bevorstehenden BerhaNdlungen des Bölkerbund- rates über dm italimisch-ateffinischm Konflikt sind im Auslände Ansichten aufgrtaucht, daß 8 7 des Artikel- 15 des Paktes Italien freie Hand in Abeffinim geben könnte. Hiezu bemerkt der diplomatische Berichterstatter des Rmterbnros, daß London nie bereit sein wird, Mittel zu suchen, durch die sich der B ö l k e r b« n d- rat der Verantwortung entziehen würde. Um die Ehrenrettung des Völkerbundes Paris.(Tsch. P. B.) Nachdem der englische Botschafter Cark erneut mit dem Ministerpräsidenten Laval über den italienisch-abessinischen Streit Fühlung genommen hatte, wird nunmehr der Generalsekretär des Völkerbundes A v e n o l mit Laval über die endgültige Festlegung des Zeitpunktes der Einberufung des Völkerbundrates beraten. Man scheint in gut unterrichteten Kreisen damit zu rechnen, datz Italien der Ratstagung nicht fernbleiben werde, unter der Bedingung, daß der abessinische Streitfall nicht grundsätzlich aufgerollt, die Verhandlungen auf 48 Stunden beschränkt und sämtliche Entscheidungen, auch die über die etwaige Anwendung des Artikels 15 des Völker- hpndpaktes, auf die Ratstagung vom 25. August verschoben würden. Unter diesen Umständen werden die Aussichten für eine friedlich e R e g e I uzr g als weniggünstig bezeichnet, um so mehr, als Italien, wie „Oeuvre" feststellt, höchstwahrscheinlich ein Versa., ren nach Artikel 15 ablehnen dürfte. Italiens öffentliche Meinung sei durch die Vorbereitung auf den Kolonialkrieg in zu große Erregung verseht worden, als daß die italienische Regierung letzt an fünfwöchige Verhandlungen denken könnte, bevor sie mit militärischen Operationen beginnen würde. Di«„schwarze Gefahr* Paris.(Tsch. P. B.) Der.Temps" meldet aus Djibouti: oberung Charkums durch Lord Üitchener m Le* thargie versunken war, zu neuem Leben zu erwecken, als viele Jahre der fremdenfeindkich'en panafrikanischen und panislamitischen Propaganda. Eine unbestreitbare kritische Lage ist entstanden, die schon jetzt unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Es darf nicht sein, daß das Kolonisationswerk eines ganzen Jahrhunderts, das mit unseremBlut und mit unseremGelde besiegelt wurde, durch die Entwicklung einer Aktion gefährdet wird, die, geographisch gesprochen, auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt bleiben muß. Kampf bis zum letzten Mann Paris.„Echo de Paris" veröffentlicht eine Unterredung mit dem abessinischen Gesandten in London Dr. Ajaz Martin. Der Gesandte erklärte,, daß Abessinien seine Unabhängigkeit, die durch die Verträge der drei hauptsächlichsten Großmächte, England, Italien und Frankreich, garantiert ist, nicht aufgeben werde.„W i r lassen uns lieber bis auf den Gelder von drüben Reichsdeutscher Korrespondent in Wien verholtet Wien. Der Wiener Korrespondent der „Münchener Neuesten Nachrichten", Felix Kraus ist verhaftet worden. Hiezu wird amtlich mitgeteilt: Der Genannte war seit mehreren Jahren Vertrauensmann des unter Führung Dr. Hanns Steinacher stehenden BerbandeS für das AuS- landsdeutschtum mit dem Sitze in Berlin. In dieser Eigenschaft hat Felix Kraus ausDeutsch- land stammende Gelder nach Oe st erreich gebracht und für Zwecke der nationalsozialistischen Propaganda an österreichische nationalsozialistische Parteigänger ausgefolgt. Am Dollfuß-Gedenktag 150 führende Nationalsozialisten in Schutzhaft Wien. In den letzten 24 Stunden verhaftete die Polizei ungefähr 150 Führer der aufgelösten nationalsozialistischen Partei, als „Sicherheitsmaßnahme" gegen eventuelle Ausschreitungen bei dem heutigen ersten Jahrestag des nationalsozialistischen Putschrs und der Ermordung Dr. Dollfuß'. letzten Mannausrotte n", sagte der Gesandte. Der Korrespondent fügte hinzu, daß der Gesandte in London eine Anleihe von zwei Millionen Pfund Sterling vereinbare und im U u t.e r h a^u. s x friert ich empfangen wurde, wo ihm zu Ehren ein Bankett gegeben wurde. Weiters fügte der Korrespondent hinzu, daß England die Lieferung von Waffen nach Abessinien aügelchnt habe. Japan Schirmherr aller Farbigen? Tokio. Der offizielle Sprecher des japanischen Außenministeriums dementiert die Nachrichten, in denen behauptet wurde, daß Japan nach Abessinien Munition geliefert habe oder liefere. An offiziellen Stellen wird hecvorgehoben, datz die japanischen Jntereffen in Abessinien nur sehr beschränkt sind, und hiNzugcfügt, datz die Stellung, welche dir Regierung zu dem italirnisch- abeffinischen Konflikte rinnimmt, eine rein moralische sei. Es handelt sich insbesondere um die Frage des Prestiges gegenüber den asiatischen und afrikanischen Völkern. und damit die Beschränkung dieser Organisationen auf die ihnen überlassenen religiösen» kulturellen und charitativen Aufgaben polizeilich garantiert. In der Begründung dieser Maßnahme heißt es, daß sich die nicht nationalsozialistischen Jugendorganisationen in der letzten Zeit in einen mehr oder minder bewußten Gegensatz zum Staat und zur Nationalsozialist ischen Bewegung setzten und daß sich die Ausschreitungen und Urverfälle auf Angehörige der Hitlerjugend des Jungvolkes zusehends mehrten. Englische Waffen nach Abessinien — falls die Genfer Tagung schlecht ausfällt London. Außenminister Sir Samuel Hoare sagte im Unterhause zu, daß er noch vor den ParlamentSferien eine Erklärung über die Waffenausfuhr nach Abessinien und Italien atgeben werde. Handelsminister Runriman erklärte in Beantwortung einer Anfrage, daß während der letzten vier Monate keine Bewilligung zur Waffenausfuhr nach Italien oder Abessinien erteilt wurde. Man nimmt an, daß die britische Entscheidung über die eventuelle Erteilung der Bewilligung zur Waffenausfuhr nach Abessinien von dem Erfolg oder Mißerfolg der Besprechungen abhängcn wird, die eine Entspannung der Lage zwischen Rom und Addis Abeba bezwecken. Man hält es allgemein für wahrscheinlich, daß stl' London im Falle eines Mißerfolges dieser Besprechungen nicht gegen die Waffenausfuhr stellen wird. Sämtliche Eingeborenen nicht nur von Französisch-Somali, sondern auch der englischen Besitzungen in Ostafrika, ja sogar die Südaraber sprechen heute über nichts anderes als über die Gerüchte von einem bevorstehenden Krieg zwischen den Abessiniern und den Fremden. Man wägt die Aussichten ab, die die Abessinier mit »Allahs Hilfe" haben könnten und träumt von der Unterstützung, die man nötigenfalls den farbigen Brüdern, die sich in Gefahr befinden sollten, gelvähren könnte. Mit anderen Worten:' Der italienisch-abessinische Konflikt hat in einigen Monaten mehr dazu bcigetragen den afrikanischen Nationalismus, der bei der ErVie Jugendorganisationen an der Reihe Auflösung der„Deutschen Jugendkraft" Karlsruhe. Nach einer amtlichen Mitteilung hat der badische Minister dcS Innern dir Organisation„Deutsche Jugendkra ft" mit allen Untergliederungen unter gleichzeitiger Beschlagnahme ihreS Vermögens aufgelöst und verboten. Ferner wurde in Erweiterung der früheren Anordnung den nicht nationalsozialistischen Jugendorganisationen«nd denjenigen, die sich mit der Betreuung der Jugend befassen, jede Betätigung unter freiem Himmel sowie Turnen und Sport in geschlossenen Räume« untersagt 25. Juli 1934 Ein Jahr ist um, seit sich an dem„Schöpfer des neuen Oesterreich" das Schicksal, das er heraufbeschworen hatte, erfüllt hat. Die wirklichen Ereignisse jener Stunde, die Unzahl von privaten und politischen Erbärmlichkeiten, von Lügen, feigen Packeleien und gebrochenen Ehrenworten, mit denen die übrigen Funktionäre des christlichen Ständestaates den Tod ihres„Führers" begleiteten, liegen noch in dem trüben Dunkel, in dcni Tyrannen nicht nur leben, sondern auch sterben müssen. Aber so unflar wie das kriminalistische Beiwerk dieses Mordes war, so klar ist seüi politischer Hintergrund: das Chaos von Blut und Haß, das Dollfuß im Namen der Ruhe und Ordnung, im Namen der Bewahrung Oesterreichs vor der Naziherrschaft, geschaffen hatte, hat sich an ihm erfüllt. Ein Jahr ist um seither. In den Kirchen Oesterreichs werden heute Requiems für den „Märtyrerkanzler" gelesen, der ganze Polizei- und Spitzelapparat des Landes ist aufgeboten, um die behördlich anbefohlene Volkstrauer zu erzwingen, um die Leute, die nicht getreu dem Befehl schwarze Fahnen und brennende Kerzen in den Fenstern haben, zu vernadern. Der Haß, den der christliche Kanonier gesät hatte, hat ihn überlebt, er hat sich von seiner Person auf das Gewaltregime, das er schuf, vererbt, weil seine Nachfolger aus seinem Tod nichts gelernt haben. Arm in Arm nut dem Henker hat Dollfuß die Macht erobert— Arm in Arm mit dem Henker hat sein Nachfolger sie übernommen. Vielen hat der Tod Dollfuß' die Augen Lher den Austrofascismus geöffnet, nicht seinen Nachfolgern. Viele, die vorher blind der Löge geglaubt hatten,' das Dollfußregime sei notwendig gewesen, um Oesterreich vor der Naziherrschaft zu bewahren, die auf die schäbige Spießerphrase„Besser Dollfuß als Hitler" hineingefallen waren, hatten nach diesem 25. Juli gemerkt, daß Oesterreich erst durch den Sieg des Heimwehrfascismus, erst durch die Vernichtung der legalen Arbeiterbewegung, erst durch die Entrechtung des Volkes, zu einem Spielball der braunen Machtgelüste wurde. Erst der blutige 12. Feber hat den blutigen 25. Juli möglich gemacht. Hätten die Erben Dollfuß' das erkannt, dann hätte dieser 25. Juli vielleicht ein Wendepunkt werden können. Aber sie haben es nicht erkannt. Das schäbige und verantwortungslose Cliquenspiel um das Schicksal des österreichischen Volkes wurde fortgesetzt, ja es wucherte nach dem Tod des„Führers" zu unüberblickbarem Ausmaß. Immer größere Massen des Volkes, längst nickst mehr das Proletariat allein, wenden sich erbittert von der„Autorität" des Kuhhandels zwischen christlichen und Heimwehrfascisten ab, die christlichsozialen Arbeiter und der größte Teil der christlichsozialen Bauern und Kleinbürger stehen in Opposition zu dem Regime, das nun sogar die Oi^ani- sationen Dollfuß' auflösen, Dollfuß' Parteifreund K u n s ch a k mundtot machen mußte, um selbst am Leben zu bleiben. Aber alle Gewalt, alle Willkür konnte die Autorität nicht schaffen, die die Nachfolger Dollfuß' sich im Namen seiner Kanonen anmaßen. Kaum ein Jahr nach dem Tode Dollfuß' ist es nun so weit gekommen, daß seine Nachfolger in höchster Eile alle Vorbereitungen treffen, um ihrerseits die Erben ihrer wankenden Herrschaft einzusetzen: die Habsburger. Es ist kein Zufall, daß das Gesetz, durch welches Otto Habsburg die Rückkehr ins Land gestattet wird, in nervöser Hast beschlossen wurde. Ja der Bundestag, der bereits in die Sommerferien gegangen war, mußte in aller Eile wieder zurückkchren, um das Gesetz auf Befehl der Regierung anzunehmen, da man glaubt, nicht einmal mehr bis zum Herbst Zeit zu haben. Jeden Tag können Ereignisse eintreten, die die Blase der österreichischen„Autorität" zum Platzen bringen und für diesen Fall soll nach dem Willen Schuschniggs alles vorbereitet werden. Man kann sich über solche Befürchtungen des österreichischen Bundeskanzlers nicht wundern. In einem Lande, das durch den Autounfall seines Regierungschefs — ganz gleich wodurch er entstanden sein mag— so sehr aus dem Gleichgewicht gerät, daß seine Behörden auf die Meldung des Unfalles instinktiv mit polizeilichem und militärischem Märm reagieren, muß man mit Recht auf alles gefaßt sein. Daß man aber mit Recht auf alles gefaßt sein muß, da? ist die Schuld des Kanzlers, der heute vor einem Jahr ermordet wurde und nicht weniger, die Schuld dessen, der ihm im Amt nachgefolgt ist. Seite 2 Donnerstag, 25. Juli 1935 9tr. 171 Aber es ist eine Schuld, die die Verantwortlichen nicht nur ge^en das österreichische Volk, sondern gegen ganz Europa auf sich geladen haben. An den Tagen nach Dollfuss' Tode hing der Friede Europas— Oesterreichs wegen— an einem Haar. Ain Brenner standen die marschbereiten Truppen Mussolinis, die„österreichischen Legionen" Hitlers lvaren mobilisiert, die übrigen Nachbarstaaten Oesterreichs mussten ihre Vorbereitungen für den äußersten Fall treffen. Mit knapper Mühe ist da« inals ein Krieg mit unabsehbaren Folgen vermieden worden. Und heute? Ein Jahr nachher? Wieder riecht es in der Welt bedenklich nach Krieg. MuffoliniS Truppen stehen einmarschbereit an der äthiopischen Grenze. Nach menschlichem Ermesien ist der Kolonialkrieg in Ostafrika nicht mehr zu verhindern. Dass aber die unleugbare Gefahr besteht, dass dieser Kolonialkrieg auf Europa überspringen könnte, dankt Europa den Männern, die nichts aus dem Tode Dollfuss' gelernt haben. Be stünde heute in Oesterreich ein demokratisches Regime, bestünde dort eine intakte, legale Arbeiterbewegung, bestünde dort Freiheit der.Presse und deS Lebens, dann glaubte kein Mensch daran, daß eine ernstliche Aggression des Dritten Reiches gegen dieses Land in Frage käme. Bestünde ein demokratisches Regime und eine intakte Arbeiterbewegung, dann stände der„Rettungsanker" der Habsburger-Restauration, in deren Gefolge ebenfalls schwere europäische Wirren drohen müssen, überhaupt nicht zur Diskussion. Die Schüsse, die heute vor einem Jahr im österreichischen Bundeskanzleramt gefallen sind, hätten eine Warnung, eine ernste Warnung für die Verantwortlichen des autoritätslosen»autoritären" Regimes sein können. Sie haben die Warnung nicht verstanden, nicht verstehen wollen. Wenn erst die ersten Schüsse auf den Schlachtfeldern fallen, wird es zum Warnen zu spät sein... Exportschwierigkeiten dauern an Flüssiger Geldmarkt— Mäßige Belebung der Bautätigkeit Prag. Der Bankrat der Nationalbank hielt am 24. Juli l. I. seine ordentliche Monalssitzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsberichte für den verflossenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes: Die Lage der Weltwirtschaft wurde auch in dem vergangenen Zeitabschnitt durch die dauernden Bemühungen der einzelnen Staaten, der Jn- nrnwirtschaft unter Anwcdung von Autarkiemitt« l.n aus der Krisis zu helfe», charakterisiert, so dass die Bedingungen für die Entwicklung des internationalen Wirtschaftsverkehrs keine Besserung aufweisen, besonders, da eine Reihe von Problemen von internationaler Wichtigkeit ungelöst bleibt, wie z. B. die endgültige Stabilisierung der wichtigsten Währungen, und auch aus dem Grunde, weil die Entwicklung durch die allgemeine politische Unruhe gehindert wird. In der Wirtschaftsmtwicklung der Tschechoslowakei kann im allgemeinen eine dauernde Saisonbelebnng in den überwiegend für den Jnlandsmarkt arbeitenden Erzeugungsbranchen konstatiert werden, während die Erzeugung in den Exportbranche« immer noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Lage der Geldmarktes bleibt günstig. Die Flüssigkeit ist groß und fängt an auch in einer Tendenz zur Herabs etzung der Zinssätze und der anderen Kreditbedingungen immer mehr in grösserem Ausmasse zum Ausdruck zu kommen. Obgleich in den letzten Wochen die übliche mässige Saisonverminderung der Einlagen im Zusammenhang mit dem Erptebe» darf und nist der Fcriesi- ünd'ksrlaubSMt bec^- achtet wurde, weist das Einlagegeschäft im Vergleiche mit dem Vorjahre eine merkliche Besserung auf. Das Niveau der Grosshandelspreise hat sich im Juni infolge deS Ansteigens der Indizes in der Nahrungs- und Genuhmittelgruppe erhöht, wobei jedoch die TeilindizeS für Futtermittel, Jn- dustriestoffe und Erzeugnisse gesunken sind. Der Kleinhandelsindex erhöhte sich zum 15. Juni aus den üblichen Saisongründen. Der Index der empfindlichen Preise weist eine lleine Senkung auf, die einzelnen TeilindizeS decken sich mit der Preisentwicklung der Rohstoffe auf den Weltmärkten. Ende Juni war die Lage der Feld- und Hackfrüchte nach der Klassifikation des Landwirtschaftsministeriums gut und sehr gut. Durch das heisse und trockene Wetter seit dieser Zeit wurde das Reifen beschleunigt, und in den Frühdistrikten fing die Ernte früher an, als in der Periode vorher erwartet wurde, und durch den Mangel an Niederschlägen während des jetzigen heissen Wetters leidet die Frühjahrssaat und werden auch namentlich die Hackfrüchte, besonders Kartoffeln, stark bedroht. Auch die anderen Früchte haben ausgiebige Niederschläge dringend nötig. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni um S.8 Prozent gesunken. In der Jndustriebeschäf- tigung macht sich ein erhöhtesJnteresse für die Bautätigkeit bemerkbar, Mo nach borgehender Stagnation eine mässige Belebung zu verzeichnen ist. Auch in einigen Saison- Jndustriebranchen, welche für den Jnlandsmarkt arbeiten, wurde eine gewiss e A b s a tz v e r- besserung verzeichnet. Die anhaltenden, eher noch steigenden Exportschwierigkeiten sind jedoch ein dauerndes Hindernis für eine grössere Belebung in diesen Branchen. Auch unter den für die Absatzmöglichkeiten des Exportes so ungünstigen Umständen, können die bisherigen Resultate des Auhenhandels in den ersten sechs Monaten 1935 als g ü n st i g bezeichnet werden, der nicht nur im Gesamtumsatz, sondern auch im Export fertiger Produkte eine grosse Risistenz aufweist. Die Juniresullate sind Wohl schwächer; das Gesamtresultat des ersten Halbjahres 1935 im Vergleiche mit. derselben Pe- ' riode 1934 ist jedoch günstiger» Die Kursentwicklung der XL in dem vergangenen Zeitabschnitt gestallete sich ruhig pnd beständig. Binnen fünf lagen Genf. Im Völkerbundsekretariat wird alS sicher angenommen, dass sogleich nach Ablauf der für die erste Phase der italienisch-abessinischen Schlichtungsversuche vorgesehenen Frist, also bereits in der Rächt zum 26. Juli, die telegraphische Einladung an die RatSmitglieder ergehen wird, sich innerhalb von fünf Tagen in Genf zu versammeln. Otto konspiriert... Paris. Wie der^Jntranfigeant" meldet, ist Otto Habsburg am DienStag in Begleitung seines Vertrauensmannes Grafen Degerfeld und seines Adjutanten in einem Auto mit belgischer Marke auS der Schweiz in K o l m a r im Elsaß eingetroffen, wo er in einem Hotel abstirg. Im Laufe deS Dienstag und Mittwoch hatte er zahlreiche Besprechungen mit verschiedenen österreichischen Persönlichkeiten, darunter mit einem Prälaten. Die Namen dieser Persönlichkeiten konnten nicht frstgestellt werden. Mittwoch gegen Abend ist Otto HabSburg mit seinen beiden Ber- traurnsleuten wieder abgereist. Er soll sich nach Luxemburg begeben haben. Englische Wahlen Ende November? Paris. Nach den Informationen des Londoner Berichterstatters des„Echo de Paris" erwartet man, dass die Wahlen in England Ende November stattfinden werden. Vor Eröffnung der Wahlkampagne würde die Regierung noch gerne vom Parlament die Annahme der Neuregelung der Arbeitslosenunterstützung erhallen. Der Hollandgulden in Gefahr Amsterdam. Die Niederländische Bank hat ihren Diskontsatz um zwei auf fünf Prozent erhöht. Bereits an der vorgestrigen Amsterdamer Nachbörse machte sich eine ziemlich starke Nervosität bemerkbar, die zu Kurserhöhungen aus dem Wertpapiermarkt führte und Mittwoch vormittags auch auf den Devisenmarkt Übergriff. Insbesondere will man starke Guldenabgaben aus Paris wahrgenommen haben. DaS Kabinett hat am Mittwoch len festen Beschluß gefaßt, dm Kurs der holländischen Währung zu verteidigen. Wie verlautet, würde die Königin, falls Ministerpräsident Colijn die Demission des Kabinetts überreichm würde, diese nicht annehmen. Allgemeiner Preisabbau In Frankreich? Paris. Eine Reihe von Pariser Geschäftsleuten und Gasthausbesitzern hat beschlossen, ihre Preise um zehn Prozent zu senken und damii die Regierungspolitik der Preisdeflation zu unterstützen. Ministerpräsident Laval hat mit den Vertretern der verschiedenen Wirtschaftsverbände verhandelt, um eine entsprechende allgemeine Preisabbaubewegung in die Wege-zu leiten. Die neuen Notverordnungm, welche der am Donnerstag zusammentretende Ministcrrat zu verabschieden haben wird, dürften in dieser Richtung liegen. Unruhen in Mexiko Mexiko. Die Zeitschrift»E l d i a" teilt mit, dass sich im Staate TamaulipaS ungefähr 20.000 Bauern gegen den Gouverneur empört und seine Verurteilung gefordert haben. Nach Meldungen aus Ciudad Victoria Witt) der Gouverneur Raffael Villareal in seinem befestigten Palais direkt belagert. Rund 40 Stadtver« Wallungen des Staates haben dem Gouverneur die Anerkennung versagt. Die Ordnung muh durch Milstär aufrecht erhalten werden. Türkei verstärkt Grenzfestungen gegen Bulgarien Istanbul. Die türkische Regierung hat über Vorschlag des Generalstabcs entschieden, dass die türkisch-bulgarischen Grenzbefestigungen in Thrazien verstärkt und unweit von Kartlar Eli ein neuer befesttgter Punkt errichtet werden sollen. WesterS beabsichtigt die türkische Negierung 210 neue Milstärflugzeuge im Gesamtwerte von zehn Millionen türkische Pfund anzukaufen. Der Suezkanal verstopft Suez. Die italienischen Schiffe, die Truppen und Kriegsmaterial nach Masäua und Mo« gadisch in Ostafrika befördern und von dort nach Italien zurückkehren, verursachen eine grosse Verlangsamung des Verkehrs im Suezkanal. Attentat im argentinischen Senat Ein Senator tot, ein Minister und ein Abgeordneter schwer verwundet BnenosAireS. Dienstag nach mittags ergriff im Senate Senator d« la Torre das Wort. Er richtete ungewöhnlich scharfe Angriffe gegen den Fi» nanzminister. Dr. Pinedo und den Ack erbauminister Duhau und bezeichnete fenei» als Feigling.'Als FinainZmintst er Dr. Pinedo auf seinen Beleidiger zueilte und diesem der Senator Dord a Behere zu Hilfe komme« wollte, wurde» von der Zuhörertribüne plötzlich mehrere Schüsse abgegeben. Senator Dorda Behere sank schwer verwundet zusammen, während der im Senat anwesende Abgeordnete Ma« z i n i ebenfalls durch eine« Schutz niedergestreckt wurde. Der Landwirtschaftsminister Duhau wurde an der Hand durch einen Streifschuh leicht verwundet. Außerdem brach er, da er zu Fall kam, drei Rippen und erlitt eine Leberquetschung. Dorda Behere ist noch auf dem Wege zum Kranken Hause g e st o r b e n. Spater wurde festgestellt, datz der ehemalige Polizei kommifsür Baldes, der aus dem Staatsdienste entlassen worden war, das Attentat verübt hat. Die sofort auftauchenden Gerüchte, daß auch Finanzminister Dr. Pinedo verwundet worden feV haben sich nicht bestätigt. Die Polizei hat das Senatsgebäude besetzt und abgeriegelt. Der Attentäter wurde verhaftet. 77 Roman von Emil Vachek. 1*^* Deutsch von Anna Aurednllek Jetzt folgte eine sekundenlange starre, gläserne Ruhe. Das Ticken der Wanduhr klang wie Sturmgeläute. Toni schluchzte wie besessen. Sein Blick bohrte sich immer tiefer in das Tischtuch. Mit ersterbender Stimme wiederholte er: „Jawohl, um die Hand Ihres Fräuleins Tochter!" Vier Sekunden lang klopften vier Herzen stürmisch. Allen fiel ein Stein vom Herzen, als Foltr seine Augen endlich von dem Tischtuch losritz und Magdalena ansah. Als er in ihren Augen die zusttmmende Antwort las, flüsterte er stockend:„Fräulein Magdalenchen..." Das vierundzwanzig st e Kapitel, zeigt uns den Kater Medo VII. in tödlicher Gefahr. Er bekommt Sahne statt Milch und LoisiS ist schwer gefährdet. Die Brautwerbung versetzte natürlicherweise das ganze Haus Nr. 6600 Zizkov in große Aufregung. Namentlich die Hühnersteige, die sich seit Mittwoch ohnehin in ständiger Erregung befand, da Herr Aschner plötzlich mit all seinen Koffern eines Reisenden bei der Witwe des lebend Verstorbenen eingezogen war. Jetzt setzte ein zweites Ereignis die glatte Fläche des Daseins in Bewegung. Alle gönnten Sophie das unerhörte Glück, denn sie war im ganzen Haus beliebt. Es überraschte nur einigermatzen, daß LoisiS besonders wünschte, Sophie sobald als möglich unter der Haube zu sehen. AIS Loisis an jenem denkwürdigen Morgen erwachte und ihren beliebten Morgentrunk, Allasch mit Rum, zu sich genommen hatte, dachte sie: Heute werde ich endlich den Trampel los. Jetzt stand ihrer Ehe mit Beinsteller nichts mehr im Wege. Ihre Feiertagsstimmung wurde nur von d r Prophezeiung getrübt, die sie gestern abend aus dem Munde ihres Orakels, der Schwarzen Kathi, vernommen hatte. Sie war, da der Weg zu Ferdl freigeworden war, zu der Alten gegangen, um die Karten zu befragen und erhoffte die Antwort:„Erwarte dein Glück." Die Schwarze Kathi war aber Mit den Karten sehr unzufrieden:„Ich will Sie nicht schrecken, meine Liebe, aber heute wollen mir die Kartell ganz und gar nicht gefallen. Ihnen stehen große Sorgen bevor!". „Wird aber zum Schluß alles gut ausgehen?" „Liebe Loisis, das Leben ist kein Roman, in dem alles gut ausgeht, ich kann Ihnen nur sagen, datz Ihnen eine grotze Reise bevorsteht. Sie wird sehr unerwartet kommen." Loisis überlegte.„Eine Reise? Wohin? Ich bin ja seit undenklichen Zesten nicht mehr in der Eisenbahn gefahren." „Sie verlangen zu viel von den Karten. Ich lese hier nur, datz eS eine lange, lange Reise sein und daß sie plötzlich kommen wird." Diese beunruhigende Prophezeiung ging Loisis jetzt durch den Kopf. Mit einem Male ging ihr der Knoten auf. Wie dumm sie war: die lange Reise— das ist die Reise in den Hafen der Ehe. Und— an ihrer Seite schlief wirklich und wahrhaftig der Ferdl Beinsteller. Dieser Tatsache waren heute nacht gewisse Ereignisse vorausgegangen. Gegen Mitternacht etwa erwachte Beinsteller unter dem Tisch in der„Alten Hundshütte". Kaum hatte er sich gerührt, so vernahm er di« süßen Worte:„Du haft dir Zeit gelassen, du Strolch; jetzt komm, wenn du kannst. Frau Paw- lik, zwei Schwarze mit Rum!" Es war Loisis, die ihm aus der Unterwelt ans Licht verhalf. „So besoffen habe ich dich noch nicht gesehen, Liebling", sprach sie voller Eifersucht,»hoffentlich war es nicht wegen der langbeinigen Sophie?" „Loisis höre, kannst du mir erklären, wie ich hergekommen bin? Wenn ich nicht irre, hätte ich beim Minister sein sollen. Der Arme wird ja außer sich sein» weil ich nicht gekommen bin." Loisis erzitterte bei dieser unverständlichen Bemerkung. Sie überwand aber die Versuchung, Ferdl durch radikale Mittel zur Vernunft zu bringen, und sagte beinahe zärtlich:„Schau, Ferdl, wir haben uns so schön getroffen, du stehst ebenso einsam in der Welt wie ich, und ich muß dir gestehen, datz ich schon lange an dich denke. Du bist meine letzte Liebe. Von der letzten Liebe gilt ja dasselbe wie von der ersten; ein Mann kommt nie los von ihr. Tun wir uns zusammen, du fängst wieder zu arbetten an und ich halt' deine Sachen in Ordnung. Das ist doch nett von mir, nicht wahr?" Aber Beinsteller beantwortete ihren Antrag auf ganz merkwürdige Weise. Er richtete sich, so gut er konnte, auf und rief:„Wieviel Uhr ist es denn, Frau Pawlik? Ich kann's von hier aus nicht sehen..." Und als er hörte, datz Mitternacht vorüber sei, jammerte er:„Loisis, du Weibsstück, du hältst mich hier mit deinem Ge- guatsche auf und der Minister erwartet mich seit vier Stunden." Loisis hatte Geduld mit ihm.„Ferdl, wohin gehst du denn?" Sie hätte eigentlich fragen sollen:„Wohin kriechst du?", denn Beinsteller mühte sich, auf die Beine zu kommen, kroch aber auf allen vieren und versuchte mit der Hartköpfigkeit, die ihm eigen war, mühsamst die Tür zu erreichen. „Er ist verrückt geworden", kreischte Loisis. „Ich will ihn heiraten, und er ist verrückt geworden." „Bor Freude wahrscheinlich, Loisis", meinte Gustl Matschoha. Beinsteller kauerte sich plötzlich nieder und plapperte:„Kinder, ich geh' zum Minister, haltet mich nicht zurück." Jetzt ritz auch Loisis die Geduld. ,Lfch plag' mich seit acht Uhr mit ihm, komm' seinetwegen um jedes Geschäft und hör' nicht einmal ein gutes Wort von ihm. Schnarch' weiter, du Zigeuner, und kriech' mir auf den Buckel." Im Lokal waren nur Ferdl, Gustl Matschoha und Franz Pawliks Witwe zurückgeblieben. „So werde ich nie an Ort und Stelle kommen", sagte Ferdl.„Ich bitte dich, Gustl, hol' daS Frauenzimmer zurück und sag' ihr, sie kriegt einen Tausender, wenn sie mich zum Minister bringt." Matschoha holte berettwilligst die Loisis, die übrigens vor„Der alten Hundshütte" wartete. „Bist du schon wieder bei Verstand?" fragte Loisis mit harter Stimme. „Loischen, ich bitte dich um Gottes willen", stöhnte Beinsteller,„latz mich nicht in dem Elend und führe mich zum Minister, ich tue dafür alles, was^u nur willst." „Habt ihr es jetzt gehört?" fragte Loisis die beiden Anwesenden.„Ihr werdet auch bestätigen, datz mir Ferdl vor euch und gutwillig das Eheversprechen gegeben hat." Gustl Matschoha erhob sich und rief mit ungeahnter Kraft:„Loisis, meine Hand gehört dir, hat Beinsteller gesagt." „Na, siehst du, Vagabund!" Loisis atqiete erleichtert auf.„Hättest du es gleich gesagt, dann wär? ich heute nicht um mein Geschäft gekommen." Da Beinsteller nicht anders befördert werden konnte, lud sie sich mit Hilfe des BohemienS Matschoha Ferdl auf den Rücken und trug ihn nach Hause. Ehe sie die Tür aufmachte, fragte sie vorsichtshalber:„Weißt du, was du mir versprochen hast?" „Datz ich dich heiraten werde." „Willst du mir's schriftlich geben?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 171 Donnerstag, 25. Juli 1935 Seite 3 fadcfendcu/sdier Zeitspielet Abg. Neuwirth will den„Sozialdemokrat“ konfiszieren Ein Heimatfrontadvokat und das PreBgesetz Unsere Leser werden sich nicht wenig wun« dem, heute neuerlich eine Berichtigung des Herrn Dr. Hans Neuwirth in unseren Spalten zu senden. Eine Berichtigung des Artikels.Henleins Vertraute", der im.Sozialdemokrat" am 26. Mai 1935 erschienen ist, eine Berichtigung, die die Leser in fast unverändertem Wortlaut schon vor einigen Tagen sich zu Gemüte führen konnten. Tie unten angeführte Berichtigung hat, obwohl sie recht nichtssagend ist, doch eine interessante Borgeschichte, die wir unseren Lesern nicht Vorrathalten wollen.» Der Herr Neuwirth schickt« unserem verantwortlichen Redakteur am 29. Mai 1935 eine Prcffeberichtigung, die den verantivortlichen Redakteur nicht erreichte und überdies dem Gesetze nicht entsprach. Der»Sozialdemokrat" hat die Berichtigung daher nicht bringen können und auch nicht gebracht. Herr Dr. Neuwirth klagte unseren verantwortlichen Redakteur beim Strafbezirksgericht in Prag und am 17. Juni fand vor dem Gerichtsrat Janöi'k über diese seine Klage die Hauptverhandlung statt. Der Vertreter deS Genossen Dr. Strauß, Genosse Dr. Schwelb, wandte ein, daß der verantwortliche Redakteur unsere- Blattes die Berichtigung überhaupt nicht bekommen hat, daß er aber, hievon abgesehen, zu ihrer Veröffent» lichung nicht verpflichtet war, da die Berichtigung dem Gesetze nicht entsprochen hat. Der Richter schloß sich dieser Einwendung des Verteidigers des Genossen Dr. Strauß an und so mußte er sich der- Herr Abgeordnete und Advokat der Sudetendeutschen Partei vom Gerichte sagen lassen, daß die von ihm verlangte Berichtigung sich al- Grundlage für eine Preffeklage nicht eignet, den Bestimmungen des Gesetzes nicht entspricht und darum vom verantwortlichen Redakteur nicht gebracht werden muß. Die Pressenovelle auS dem Jahre 1933 enthält nun die Bestimmung, daß, wenn eine Presse- berichtigung dem Gesetze nicht entspricht, der Richter den Fehler, den der Einsender bei der Einsendung der Berichtigung gemacht hat, korrigieren kann und daß der Richter die Berichtigung so um- stilisteren känv, daß sie den Bestimmungen de» Gesetzes entspricht. Diese Bestimmung ist ganz offenkundig zum Schutze von Personen erlassen, die sich in den Fragen des PrefserechteS nicht auskennen und nicht imstande sind, eine Berichtigung selbständig zu verfassen. Wenn der Richter derart mit Zustimmung des Einsenders die Berichtigung um« stilisiert, so hat das nach dem Gesetz zur Folge, haß der Einsender der Berichtigung zum Ersatz her Prozeßkosten an den Redakteur, der die falsch stilisierte Berichtigung nicht ausgenommen hat, verurteilt wird. So geschah eS auch im Falle des HerrnDr. Neuwirth. Der Richter wandte mit Zustimmung deS Dr. Neuwirth die für rechtsunkundige Kläger bestimmte gesetzliche Bestimmung an und ersetzte hie ungeeignete Berichtigung deS Dr. Neuwirth durch eine, die den Bestimmungen der Gesetzes entspricht, trug dem»Sozialdemokrat" die Beröffentlichung der so umgeänderten Berichtigung auf, was zur Folge hat, daßDr. Neuwirthden Prozeß verloren hat undalSZeichen dafür dem»Sozial- Demokrat" die Prozeßkosten befahlen muß. Herr Dr. Neuwirth war mit dieser Entscheidung, zu der er im übrigen im voraus seine Zustimmung gegeben hatte, nicht zufrieden und weidete die Beschwerde an das Strafkretsgericht in Prag an. Späterüberlegte er es sich aber und zog die Beschwerde wieder zu- rück. Als wir, wenn auch nur privat, davon verständigt wurden, daß der Kläger Dr. Neuwirth hie Beschwerde gegen die zu unseren Gunsten in erster Instanz getroffene Entscheidung zurückge- iogen hat. haben wir die vom Gericht stilisierte und adjustierte Berichtigung am 19. d. M. zum Abdruck gebracht. Durch ein Versehen wurde bei Abdruck dieser Berichtigung das Wort»a u ch" ausgelassen und an Stelle des Wortes»a u S« landsdeutsche" das Wort»ausländische" gesetzt. Herr Dr. Neuwirth stellt« darum beim Gericht den Antrag, unS dadurch zum neuerlichen Abdruck der Berichtigung zu verhalten, daß unsere Auflage beschlagnahmt wird. Wir bringen darum hie Berichtigung neuerlich. Sie hat folgenden Wortlaut: Presseberichtigung her Artikels»Henleins Vertraute", welcher in der Nummer 123 des.Sozialdemokrat" vom 26. Mai 1935 erschienen ist. ES ist unwahr, daß ich Bevollmächtigter der bereinigten Bankkontore für die Tschechoslowakei und Oesterreich bin. l ES ist weiters unwahr, daß ich in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Nationalsozialisten Franz Riedel stehe und es ist ferner auch unwahr, daß ich mit diesem im Oktober 1934 eine auslandsdeutsche katholische Bewegung in Prag organisierte. Dr. Hans Neuwirth. Anmerkung der Redaktion: Zu der obigen Vorgeschichte dieser Berichtigung und zu der Berichtigung sechst wollen wir nun auch noch jene Stelle bringen, die das Gericht dem Herrn Dr. Neuwirth in der von ihm eingesandten Berichtigung g e st r i ch e n hat. In der von Herrn Dr. Neuwirth verfaßten Berichtigung hat es u. a. geheißen: „Wahr ist vielmehr, daß ich mit einer Gesellschaft dieses Namens in keinerlei Zusammenhang stehe und sie nicht einmal dem Namen nach kenne." 3« Oktober 1934 wurde der tschechoslowakische Staatsangehörige Frodl auS Landskron, der lange Zeit in Deutschland lebte, nach dem Hitlernm- sturz aber über die Grenze in seine Heimat ging, wett er sich den Segnungen deS Dritten Reiches entziehen wollte, auf geheimnisvolle Weise nach Deutschland verschleppt. Neun Monate wurden durch die Lehrmeister des Dritten Reiches an Frodl GleichschaltungSversuche unternommen, dann gelang es ihm neuerlich zu fliehen und in die Tsche- chostowakei zurüchznkehrem Run war es auch möglich, daS seinerzeit an ihm begangene Verbrechen aufzuklüren. Am 19. Just konnte die Gendarmerie bereits die, Menschcnräuber verhaften. ES sind dies der Organisator des Menschenraubes namens Redölka, der HenleinfunktionLr Tschimer und der Boykott gegen Arbeiter Der„Teplitz-Schönauer Anzeiger", das Publitationsblatt der Teplitzer Henleinorgasation, enthielt zweimal nacheinander folgende Notiz: DtandeSgruppr Arbeiter«nd Angestellte. Alle arbeitslosen Kameraden und Kameradinnen der Ortsgruppe Teplitz-Schönau, welche als Hopfenpflücker eingeteilt werden wollen, melden sich Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in der Ortsgruppcnkanzlei, Frauengasfc. Das Mitgliedsbuch ist unbedingt bei dieser Meldung vorzulegen. Besonders machen wir darauf aufmerksam, daß spätere Meldungen nicht mehr berücksichtigt werden können, daher sind die angeführten Tage unbedingt einzuhalten. Eine Meldung der als Partieführer bereits eingcteilten und gemeldeten Kameraden ist nicht mehr notwendig. OrtSleitung Teplitz-Schönau. Wer also kein Henleinmann ist, der kann verhungern. Wenn man bedenkt, daß ein großer Teil der Agrarier und der industriellen Unternehmer in der Henleinpartei organisiert ist, kann man ermessen, was dies für die Arbeitslosen bedeutet, die dieser Partei n i ch t angehören. Wer ein Stück Brot für sich und seine Kinder erwerben will, muß also seine Gesinnung aufgeben, das heißt, seinen Charakter preisgeben. Ist das deutsche Freiheit und Würde? Schämen sich die wirtschaftlich Beffer- gestellten nicht, einen solchen Druck auf ihre ärmeren Volksgenossen auszuüben? WaS würden diese Leute sagen, wen« die sozia- listischen Arbeiter beim Einkauf in den Geschäften nach dem Mitgliedsbuch deS Kaufmannes fragen oder wenn sie die Milchlieferanten fragen wollten, welches Mitgliedsbuch der Milch liefernde Bauer besitzt. Sie hätten dazu genau dasselbe Recht wie die Henleinpartei zu ihrer Arbeitsvermittlung, wenn man eine solche Handlungsweise überhaupt als Recht auffaffen könnte. Brutaler kann wohl der Klassencharakter der sudetendeutschen Gesellschaft nicht demonstriert Diese««Satz hat daS Dtrafbezirksgericht dem Herrn Dr. Neuwirth n«S sein« Berichtigung ,e- strichen»nd damit ausgesprochen, daß wir nicht verpflichtet find zu verisfentlichen, daß Herr Dr. Neuwirth mit den vereinigten Bankkontore« in keitrerlei Zusammenhänge steht«nd fie nicht ein- mal dem Namen nach kennt. Ferner hat Herr Dr. Neuwirth auch behauptet, daß es wahr sei, daß er im Oktober 1934 an einer Tagung auslandsdeutscher Katholiken in Prag teilnahm, daß diese Tagung keinesfalls nationalsozialistischen Charakter trug, daß an dieser Tagung auch Angehörige der Vaterländischen Front, der Deutschen christlichsozialen Volkspartei in der Tschechoslowakischen Republik und deutsche katholische Organisationen in der Tschechoslowakischen Republik teilgenommen haben. Auch dies« Satz wurde dem Dr. Neuwirth vom Richter gestrichen und die Beschw«de, die He« Dr. Neuwirth gegen diese Streichung üb«, «eicht hat, hat Herr Dr. Neuwirth, wie schon oben dargestellt worden ist, kostenpflichtig zurückge- zogen. Die Leser werden sich also schon ihren Reim darauf zu machen wissen, was sie von dieser ganzen Berichterei des mit dem Preßgesetz auf dem Kriegsfuß sichenden Abgeordneten zu halten haben. Autounternehmer Schubert ans Müh- risch-Rothtvafser. Nedälka, gegen den schon längere Zeit der Verdacht besteht- ein Konfident für das Dritte Reich zu sein und beschuldigt wird, auch einen reichsdeutfche« Chauffeur ans Mester geliefert z« haben, versprach vor der Entführung dem Landskroner Flüchtling eine« Posten in der deutschen Schweizerei am Grulicher Schneeberg und köderte ihn damit. Schubert fuhr die zwei und Tschimer bis zur Oberwegbaude, von wo sie dann de» Rest des WegeS bis zur deutschen Schweizerei zu Fuß znrüchlegten. Dortselbst warteten bereit- vier handfeste Münner, auf den in die Falle gelockte« Frodl und überwältigten ihn. Die Menschenrüuber wurden bereits dem Kreisgerichte in KöniggrLtz eingelle» fert. w«den. D« arme Teufel soll seinen Nacken beugen, dann erst ist« d« richtige Bolksgrnosse. Die Arbeitsvermittlung Henleins geht auch den Staat an. Bürger des Staates ist schließlich jeder ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Stellung und seine politische Gesinnung. Das ist der Sinn des demokratischen Staates, daß die wirtschaftlich mächtigen Gruppen nicht mehr den Staat als ihr alleinige- Exekutivorgan ansehen können. Wohin würde es führen, wenn jede Partei das Beispiel der Henleinpartei nachahmte? Die un- vcrmeidliche Folge müßte die moralisch« Zer- srtzung des StaatSgefühls sein«nd daraus müßte sich daS politische Chaos entwickeln. In der Praxis entpuppt sich die Henleinpartei heute schon als die Klassenpartei des Besitzes. Den proletarischen Anhang braucht man nur, um mehr politische Geltung zu erlangen. Für ein Almosen und„ein paar Wochen Hopfenpflücken soll der proletarische„Volksgenosse" seine Menschenwürde aufgeben. Was diese Partei an aufrechten Arbeitern gewonnen hat, wird sie daher bald wieder verlieren. Ihre Taten sprechen deutlicher als ihre verschwommenen Wahlphrasen. Nächstenliebe, Anstand und Gerechtigkeitssinn sind Eigenschaften, die ein christliches Blatt eigentlich schätzen und pflegen sollte. Wie es die»Deutsche Presse" des Herrn Pater Hilgenreiner damit hält, entnehme man folgendem Nachruf, den das Blatt unserem Genossen Otto Glöckel widmet: D« sozialdemokratische Schulreform« Otto Glöckel gestorben. In Wien starb in seiner Wohnung im 6V. Lebensjahre der ehem. Vizepräsident d-S Wiener Stadtschulrate» und seinerzeitige Unterstaatssekretär Otto Glöckel, hinreichend bekannt durch seine rote Schulreform, durch die er das Schulwesen ^enosseJKar^chusteij Mittwoch nachmittags ist im Karlsbader Krankenhaus unser Genosse Karl Schuster an den Folgen einer Krebs-Operation gestorben. Mit Schuster geht wieder ein Mitkämpfer Oswald Hillebrands, Dominik Löws und des eben jetzt von tragischem Tod auf die Bahre gestreckten Otto Glöckel dahin. Schuster wurde am 15. Jänner 1877 in Wien geboren und als früh verwaistes Kind von Pflege-Eltern aufgezogen. Er lernte Maurer mir war schon mit 18 Jahren in der jungen Bau- arbeiterbewegung tätig. 1905 kam er als Beamter der Krankenkasse der Bauarbeiter nach Karlsbad und leitete nebenberuflich das Gewerl- schaftssekretariat. Die westböhmischen Bauarbeiter hatten eben den großen Streik von 1905 verloren. lieber schwerste ZesteN half ihnen Schusters Energie und Rührigkeit hinweg. Der zweite große Streik im Jahre 1911 fiel besser aus, wenn er auch nur teilweise erfolgreich abgeschlossen wer- den konnte. Run aber ging es aufwärts. Nach dem Kriege gründete Schuster mit Eduard Hausmann den selbständigen deutschen Bauarbeiter- Verband in der Tschechoslowakei, dessen westbüh- mischer Sekretär er wurde. 1926 trat er in dre Dienste der Partei über. In der Partei hatte Schuster seit 1905 nicht minder fleißig und aufopfernd als in der Gewerkschaft gearbeitet. Er gehörte seit damals der Bezirks- und Kreisvertretung Karlsbad der Partei an und war in ganz Westböhmcn, vor allem aber im Böhmerwald, ein gesuchter und in jede-tz Ort bekannter Referent. Als Vertreter des Wahlkreises Pilsen gehörte er 1920 bis 1925 dem Abgeordnetenhaus an. 1927 übernahm er die Leitung der»Volkszeitung", die er mit Liebe und Sorgfalt betreute, obwohl er erst spät zum Journaliftenberuf Lbergegangen war. Auch in der Redaktion des „Volkswillen" arbeitete er seither fleißig, umsichtig und als hilfsbereiter Genosse und Kollege. Im Mai erkrankt« Genosse Schuster an einer Denen-Entzündung und bei der Untersuchung entdeckten die Aerzte, daß-r auch an Magenkrebs litt. Der Versuch, diesem Uebel operativ beizukommen, führte nun zu Schusters Tod. Wer ihn kannte — und das waren vor allem in Westböhmen unzählige Genossen—, wird dem geraden und ehrlichen Menschen, dem unermüdlichep Funktionär, dem schlagfertigen und witzigen Redner Karl Schuster, einem echten Sohn des Volkes, ein dankbares und herzliches Gedenken bewahren. Wiens besonder« dem Einfluß der Sozial! st en auszuliefern versuchte. Ihm ist auch die szt. Abschaffung der Verpflichtung der Schuljugend zur Teilnahme an religiösen Uebungen zuzuschreiben. Der„Segen" dieser Reformen zeigte sich gar bald in einer Verwilderung der Wiener Jugend. Noch im letzten Augenblick konnte den Sozialisten ihr verderblicher Ei n- f l n ß auf die Jugend entrissen werden. Bei der sozialistischen Feberrevolte de» Vorjahre» versuchte Glöckel zu entfliehen. Im Waldviertel jedoch wurde sein Auto angehalten, er selbst von der Gendarmerie verhaftet und nach Wien zurückgebracht. Rach mehrmonatlichem Aufenthalt im Konzentrationslager in Wollersdorf verbrachte er einige Wochen im Krankenhaus von Wiener-Neustadt. Herzkrämpfe hatten seinen Tod herbeigeführt. Die. Gesinnungsgenossen des Fey und des Starhemberg spielen sich also auf die Moralisten hinaus! Sie haben die Stirn, eilt Kulturwerk, das die Bewunderung der ganzen Welt erregt und begeisterte Zustimmung in allen Kulturstaaten, von den besten Pädagogen Europas und Amerikas gefunden hat, als«ine Parteisache hinzustellen und es für die angebliche Verwilderung der Wiener Jugend verantwortlich zu machen! Mit Verlaub, welch- Wiener sind denn verwildert? Die Menschen, die durch die Glöckel-Schule gingen, die Menschen, die ihr Leben für eine hohe und gerechte Sache einsetzten, wie ein Josef Gerl, oder aber das eidbrüchige klerikale Pack, das Gewalt und Lüge nicht scheute, um sich an die Macht zu bringen? Die Henker, Wechselfälscher» Hurentreiber und Saufbrüder, die Oesterreich und Wien besudeln» auSbeuten und peinigen, gehen auf das Konto der schwarzen Erziehung. Herr Starhemberg und andere Stammgäste der Kaukasienbar, Herr Feh und ähnliche Totschläger und Kindermörder, gehören zu der Fraktton, der es nie an religiösen Uebungen, aber immer an der Moral gemangelt hat. Und die F r e u n d e der Gesellen, von denen man al» einzig erfreulich melden kann, daß auf fie das Goethewort paßt:„Einer dieser Lumpenhunde wird vom andern abgetan" wagen«S, einem Otto Glöckel Kot ins Grab nach- zvtverfenl Grulicher Menrchenräuber verhaftet Ein Henlelnfunktionär Im Dienste der Hunnen Wer kein Henleinmann ist, mag verhungern «eite 1 Donnerstag, 25. Juki 1935 Nr. 171 3agegneuigfeetten Vrvettersterven Katastrophe« in saseistischen Betrieben Kupari vor schwerer Feuersgefahr bewahrt Dubrovnik. In der Nachbarschaft des Seebades Kupari brach Dienstag gegen Abend in dem Pinicnhain auf der Gorikina- tz ö h e ein Brand aus, der sich infolge des herrschenden Windes mit unglaublicher Geschwindigkeit gegen das tschechoslowakische halbstaatliche Seebad Kupari ausbreitete. Dank den« Einschreiten der Fcnerwehrmannschaften, des Militärs und der Marine sowie dank der Hydranten- und Feucrlöscheinrichtnngen des Bades Kn- pari gelang es, den Brand auf die genannte Höhe zu b e s ch r 8 n k r n, so das; das Bad Kupari mit allen Gebäuden und Parks unversehrt blieb. Die G ä st e des vollkommen besetzten Seebades ohne Unterschied der Nationalität halfen bei der Abwehr des Brandes. Das Feuer war vis zum Morgen vollkommen bewältigt, im Bade zog völlige Ruhe und Ordnung rin und die wenigen Gäste, die die Angst nach Dubrovnik flüchten liest, kehrten wieder nach Kupari zurück. Wie uns ausdrücklich mitgeteilt wird, ereignete sich unter den Gästen kein Unfall und auch das Bad Kupari nahm keinen materiellen Schaden. Die anmutig bewaldete Gorikina-Höhe, eine Frucht zehnjähriger Arbeit des jugoslawischen Staates und der Dubrovnik-Gesellschaft, wird, so- ferne die abgebrannten Pinien nicht von selbst zu neuem Leben erwachen, wieder bepflanzt werden. Der Brand entstand durch Unachtsamkeit der Pension Lido im benachbarte» Srrbrn. Neue Flucht vor dem Hochwaffer Schanghai. Der Tuschan-Sec südwestlich von Schantung ist über die Ufer getreten«nd hat eine katastrophale Ucberschwenimung verursacht. An 400.000 Personen fliehen vor dem Hochwaffer. Tausende und Abertausende von Menschen suchen ihr Heil auf Bäumen. Im Tale des Aangtsce fand das Rote Kreuz 30.000 Leichen. Man ist der Ansicht, daß in den Fluten des Gelben Flusses über 100.000 Personenertrunten sind.» Der Tod fährt in die Stube Ein ungewöhnlicher Unfall, der den Tod eines Kindes zur Folge hatte, ereignete sich in Groß-Uhlersdorf, An einer Straßenkreuzung konnte ein mit Steinen beladenes Lastauto eine Steigung nicht nehmen, wollte zurück und fuhr in das Häuschen eines Arbeiters namens S ch i n d l e r. Die HauLwand wurde durchbrochen, Schindler sowie ein bei ihm weilender Freund schwer verletzt. Schindlers Töchterchen, ein fünfjähriges Kind, wurde von den Rädern des Wagens erfaßt und sofort getötet./' Schon wieder ein Großfeuer in Prag VH. Mittwoch um 19 Uhr brach auf dem oberen Bahnhof in Prag-Bubna Feuer aus, und zwar im Altpapierlager der Firma Viktor Wolff. In dem Lager, wo mehrere Firmen untergebracht sind, verbreitete sich der Brand weiter auf die Magazine der UP-Möbelfirma, der Dachpappenfirma Kunz-Kladno, der Firma Kypta, Kunststeine, Höchst am Main. Dienstag abends brach in einem Werk der I G- F a rbenindustrie in Höchst am Mai infolge Selbstentzündung eines Gefäßes mit leicht brennbarer Flüssigkeit ein Brand aus. Das Feuer griff schnell um sich, so daß das ganze Gebäude, indem sich ein Säurebetrieb befindet, in hellen Flammen stand. Zwei Arbeiter kamen bei dem Brande ums Leben, acht weitere Arbeiter mußten mit lebensgefährlichen Brandwunden ins Krankenhaus gebracht werden. Der Schaden wird auf ein« ein hälb MillionenMark geschätzt. Köln. Im alten Gaswerk Ehrenfeld ist am Mittwoch vormittags einer der drei Gasbehälter in Brand geraten. Die Behälter haben zusammen ein Fassungsvermögen von 192.000 Kubikmeter. Einzelheiten über die Ursache und den Umfang des Brandes sind noch nicht bekannt. und der Firma Zadak, Dachpappe und Teer. Auf der Brandstätte erschienen die Feuerwehren aus der Prager Zentrale und die freiwilligen Feuerwehren aus ganz Prag. Auch Polizeibereitschaft wurde entsendet. Gegen. 10 Uhr abends war das Feuer lokalisiert und die Feuerwehr ging daran, die restlichen kleineren Brandherde zu beseitigen. Der Schaden ist beträchtlich, zur Zeit jedoch nicht genau feststellbar. Selbstmordversuch Krajcoviks Preßburg. Der Oberwachmann KrajöcviL, der wegen des Verdachtes, eine ganze Reihe von Frauenmorden begangen zu haben, in Untersuchung steht, hat seine anfänglich an den Tag gelegte Sicherheit verloren. Ganz aus der Fassung geriet er, als ihm der Untersuchungsrichter mitteilte, daß er zur Konfrontierung mit Zeugen nach Komorn gebracht werden solle. Kräjcovic erlitt einen Tobsuchtsanfall. In der Nacht auf Mittwoch unternahm er einen Selbstmordversuch, indem er verschiedene kleine Gegenstände, Glassplitter, Nägel, Drahtstifte und einen Löffel schluckte. Die erlittenen Verletzungen sind nicht lebensgefährlich, doch wird Krajcoviö wahrscheinlich operiert werden müssen. ,j Militärflugzeug abgestürzt Insassen retten sich mit Fallschirme« Budwcis. Bei einer Flugübung auf dem provisorischen Flugplätze in Vierhof bei Böhm.- Budweis stürzte in den späten Nachinittagsstun- den des Mittwoch ein Flugzeug des Flieger-Regiments 1 aus Eger, der Doppeldecker„APb—32— 102" ab. Das Flugzeug fiel bei der Gemeinde Plav, etwa neun Kilometer von Budweis entfernt, auf ein Feld und wurde vollkommen zertrümmert. Die zweigliedrige Besatzung des Flugzeuges bemerkte in großer Höhe eine plötzliche Störung an der Lenkvorrichtung des Flugzeuges, die sie vergeblich zu beseitigen trachtete. Der Beobachter Leutnant Michal K o l p a k aus Michalan in der Slowakei sprang aus einer Höhe von etwa 2000 Metern mit dem Fallschirm ab und erreichte etwa sechs Kilometer von den Trümmern des Flugzeuges entfernt glücklich den Boden. Auch der Pilotflieger Stabsrottmeistcr Vyborny sprang unmittelbar nach dem Beobachter mit dem Fallschirm ab. Er brach sich aber den Unterschenkel des rechten Beines. Er wurde in das Militärdivisionsspital in Böhm.-Budwcis übergeführt. Am Donnerstag iverdcn die Trümmer des Flugzeuges und die Ursache der Havarie von einer Kommission aus Prag untersucht werden. An dem in Brand geratenen Gasbehälter, der 60.000 Kubikmeter Inhalt hat und zur Zeit mit 10.000 Kubikmetern Standgas gefüllt war, wurden Anftreicherarbeiten ausgeführt. Plötzlich löste sich ein größeres Eisenstück, fiel aus beträchtlicher Höhe auf die Decke des Behälters und riß ein Loch. Durch die sich dabei bildenden Funken entzündete sich das ausströmende Gas und brannte in einer Flamme von mehreren Metern Höhe. Gegen 13 Uhr war der Brand gelöscht. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Mailand. In den piemontesischen Eisen- w e r k e n T u r i n hat sich am Dienstag eine Ex- plosion ereignet, durch die ein Arbeitsraum einstürzte. Vier Arbeiter wurden getötet und neun verletzt. Zwei der verletzten Arbeiter schweben in Lebensgefahr. Wo find die Waffen? Paris. Wie der„Matin" meldet, verschwand auf geheimnisvolle Weise eine Lieferung von 3 2 8 großen Ki st en mit Waffen uns Munition, die in P a r i s bestellt wurden und für Argentinien bestimmt waren. Nach der Verweigenmg der Ausschiffung der Ladung war das Schiff nach Le Havre zurückgekehrt, wo jedoch die Zollbeamten feststellten, daß sich in den Kisten statt Gewehren und Munition nur S t e i n e und Sand befanden. Die Behörden sind bemüht, festzustellen, wo diese bedeutende Waffen- und Munitionssendung abhanden kam, ob in Frankreich oder während der Ueberfahrt. Dampfer werden unmodern London. Während des vergangenen Jahres sank die Welt- Dampfer-Tonnage um 1,830.000 Tonnen, indessen die Tonnage der Motorschiffe um 700.000 Tonnen z u n a h m.(Im Juni betrug die Gesamttonnage aller Staaten 64.8 Millionen Tonnen.) Don allen maschinell betriebenen Schiffen verwendeten im Jahre 1914 88.80 Prozenr Kohle, während jetzt nur noch 50.15 Prozenr der Schiffe Kohle verfeuern. Demgegenüber stieg die verhältnismäßige Anzahl de: Schweröle verfeuernden Schiffe von 2.60 auf 30.65 Prozent und die Zahl der Schiffe mit Explosionsmotoren von 0.40 auf 17.2 Prozent an- Dor Browning in der Hand des Vierzehnjährigen Nshorod. Dienstag nachmittags führte ein 14jähriger Knabe zwei Nachbarkinder, einen neun- und einen dreizehnjährigen Knaben ins Haus, indem er ihnen versprach, ihnen etwas zu zeigen. Im Hause entnahm er dem unversperrten Koffer seines Bruders, emes Lehrers, einen scharfgeladenen Browning, den er mit dem Rufe ,Lände hoch!" auf die Nachbarskinder in Anschlag brachte. Aus dem Browning löste sich ein S ch u ß, der dem neunjährigen Knaben in die rechte Lunge drang. Der Knabe ist dieser Verletzung e r l e g e n. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Tod in den Flammen. Am Mittwoch nachmittags manipulierte die 30jährige Marie Ne- snidalovä in ihrem Gemischtwarengeschäft in der Skodcvä ulice in Pilsen mit einem bisher nicht festgestellten Brennstoff, offenbar mit Spiritus oder Petroleum, so unvorsichtig, daß ihre Kleider Feuer fingen. Nach vergeblichen Versuchen, die Flammen in der benachbarten Wohnung mit Hilfe der Federbetten zu ersticken, lief die Ne- snidalovä mit den brennenden Kleidern auf die Straße, wo Passanten die Flammen löschten. Die Unglückliche wurde in beklagenswertem Zustand in das Krankenhaus geschafft, wo die Aerzte feststellten, daß die erlittenen Brandwunden lebensgefährlich sind. Die wirkliche Ursache des Unglückes konnte polizeilich noch nicht genau festgestellt werden, weil die Nesnidalovä an große« Schmerzen leidet und nicht vernehmungsfähig ist.' Das Genick gebrochen. Bei Maltheuern in Nordwestböhmen ereignete sich ein tödlicher Autounfall. Das Auto des Brüxer Möbelfabrikanten B ö h s fuhr gegen den Eisenmast einer Telephonlcitung. Der Chauffeur Max Z e r n e r aus Brüx brach sich das Genick und war sofort tot. Böhs kam mit leichteren Verletzungen davon^ Eisenbahnertod. In der Nacht zum Mittwoch wurde im Ujhoroder Hauptbahnhof der 36jäh- rige Verschieber Jan Petrus, Vater zweier unversorgter Kinder, beim Rangieren von Waggons von einem Lastzug erfaßt. Petrus wurde das rechte Bein abgetrennt und das linke Bein mehrfach gebrochen. Außerdem erlitt er schwere innere Verletzungen, denen er am Morgen im Krankenhaus erlegen ist. Tollfirschrn. Dem Krankenhaus in Berc- hovo wurden zwei Kinder des Bauern Julius Thöt aus dec Gemeinde Kidous eingeliefert, di« Tollkirschen gepflückt und gegessen hatten und sich dadurch schwer vergifteten. Kurz nach der Einlieferung ist der achtjährige Knabe g e st o r b e n, während sich der Zustand seiner sechsjährige» Schwester besserten Typhusfälle in der Slowakei. In B a j c(Slowakei) haben sich drei Typhus-Fälle ereignet. Die Erkrankten, Bajcer Arbeiter, wurden dem Neuhäusler Krankenhaus zugeführt. Wetterlage noch nicht stabil. Die nach Südosten zurLÄveichenden Kaltlustreste geben zwar strichweise noch Anlaß zu stärkerer Bewölkung, sonst aber hat sich das Wetter erheblich gebessert. Ja Nord- und Westdeutschland ist die Temperatur am Mittwoch überall auf 25 Grad gestiegen, in Frankreich, wo eS heiter ist, auf 26 bis 30 Grad. Die Regenfälle in den Beskiden und Karpathen haben aufgehört. Die allgemeine Wetterlage ist zwar günstig, aber noch nicht stabil. Von Nordwesten her dringt wieder ein wenig kühlere Luft gegen das Binnenland vor, was die Ausbildung lokaler Gewitterstörungen zur Folge haben kann.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den südwestlichen und südlichen Teilen der Republik vorwiegend hester und warm, sonst wechselnd bewölkt, mäßig warm, Novdwcstwind, vereinzelte Gewitter- nicht ausgeschlossen.— Wetteraussichte« f ü r Freitag: Bis auf vereinzelte lokale Störungen trocken und im allgemeinen schön. Vom Rundfunk empfehlens wertes aus«lan Programmen! Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11- Salonorchesterkonzert, 12.10: Opernszenen, 12.30: Militärkonzert. 15-Tschechische Philharmonie, 18.20; Deutsche Sendung: Gabriel: Wesen und Zweck des Bundesgedankens' in den deutschen Radiovereinen, 18.30: Dr. Pollak: Ultraviolettklima von Prag, 18.50: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.25: Salonorchesterkonzert, 20.45: Flötenkonzert, 21.15: Uebertragung von den Salzburger Festspielen. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14: Mozart, 14.15: Deuffche Sendung: Buntes Allerlei für die Frau.— Brünn 18.05: Meixner: Vom schlechten und guten Deuffch, 18.50: Unterhalwngs- musik.— Mährisch Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Gröbel: Wesen und Bedeutung der Volks- wirffchaft.— Preßburg 16.30: Orchesterkonzert, l „Das Geheimnis des 25. Juli" Zum Jahrestag der Ermordung Engelbert Dollfuß' Vor einem Jahre wurde der österreichische Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß ermordet. Die Tat und ihre unmittelbaren Folgen brachten Europa hart an den Rand des Krieges. Mussolini schickte seine Divisionen an den Brenner. Joden Augenblick konnte das Chaos eines Weltkrieges über die schwer geprüfte Menschheit hereinbrechen. Wer hat den Bundeskanzler Dollfuß ermordet? Bis heute hat kein Gericht Oesterreichs den Namen des wahren Mörders festgestellt. Bis heute ist die Welt in dieser Frage auf allerdings ungeheuer schwer wiegende Indizien angewiesen, Indizien, die dem unbefangenen und unbestechlichen Blick die Mitschuld von Mitgliedern der österreichischen Regierung an dem Verbrechen vom 25. Juli 1934 beweisen. Der Militärgerichtshof, der mit verdächtiger Geschwindigkeit schon am 26. Juli 1934 zusam- nlcntrat, verhandelte zunächst gegen zwei Angeklagte, Holzweber und P l a n e t t a. Beide wurden zum Tode durch den Strang verurteilt und sofort hingerichtet. Solzweber als Führer der Aufständischen und Planetta als vermeintlicher Mörder des Bundeskanzlers. Tote können erfahrungsgemäß nie mehr als Zeugen auftreten und einem überhaupt nicht mehr unangenehm werden. Dies war der ersichtliche Grund der ungeheueren Schnelligkeit, mit der die Behörde zwei Menschen, die mehr vom 25. Juli wußten als ihr lieb sein konnte, ins Jenseits beförderte. Freilich kann man psychologisch das absolut unverantwortliche Vorgehen der Regierung und der Polizei besonders gut verstehen— vor allem die rasche Hinrichtung Planettas— wenn man weiß, was heute feststeht, daß nämlich das Beweisverfahren klar und eindeutig ergeben hat, daß Planetta nicht den tödlichen Schuß abgegeben hat. Dr. Dollfuß wurde von zwei Schüssen getroffen. Planetta gestand,. einen Schuß abgefeuert zu haben. Er wußte, daß ihm dieses Geständnis sein Leben kosten würde. Warum sollte er sich unter diesen Umständen weigern, die Abgabe eines zweiten Schusses zuzugeben, hätte er einen solche» abgegeben? Aus den Zeugenaussagen und den Gutachten der Sachverständigen gxht unzweideutig hervor, daß der Schuß, den Planetta auf den Bundeskanzler feuerte, nicht der tödliche war. Tödlich mußte, der ztveite Schuß sein, der aus einer bis heute unbekannt gebliebenen Pistole aus einer Entfernung von nur 10 bis 15 Zentimeter abgefeuert lvurde und dessen Kugel nie gefunden werden konnte. Sie war einfach verschwunden. Ein Mitglied der Regierung spielte von Anfang an eine höchst verdächtig« Rolle: Emil Fey, Bundesminister fsir das Sicherheitswesen, Thcrcsicnritter und manches andere noch, vor und nach dem Putsch mannigfach verbandelt mit den Nationalsozialisten, mit Rintelen.und zahlreichen anderen ebenso dunklen Existenzen. Er wußte lange vor dem Puffch von dessen Bevorstehen, er tat nichts Entscheidendes zu seiner Verhinderung. (Vielmehr stellte sich heraus, daß am Tage des Ereignisses, am 25. Juli, in den Waffen der Ballhausivackie keine Munition war!) Fey ver- handelle während des Putsches ungeniert mit den Aufständischen, er ging mehrfach zum sterbenden Dollfuß(wiewohl er neben zahlreichen anderen unwahren Behauptungen auch behauptet hat, nur einmal bei diescin gewesen zu sein), er telephonierte an die Zentralstellen der Exekutive und veranlaßte diese, nichts gegen die puffchi- stische Besetzung des Ballhauses zu unternehmen, er gewährte den Nationalsozialisten freien Abzug und manches andere noch. Die Welt weiß heute, daß Emil Fey, der saubere Maria-Theresien- Ritter, erprobter Arbeitermörder vom Feber 1934, da er mit Haubitzen und Minenwerfern gegen Arbeiter, Frauen und Kinder schießen ließ, im Falle des Gelingens diese? vom Dritten Reich angezettelten Puffches sofort auf die Seite der siegreichen Nationalsozialisten getreten wäre, sie weiß, daß er Dollfuß verraten, wenn nicht bewußt in die Falle gelockt hat. Das er mindestens im allerhöchsten Grade mitschuldig ist an dem Verbrechen vom 25. Juli, unterliegt in der gesitteten Kulturwelt keinem Zweifel. Ein Mann, österreichischer Jurist, Augen- und Ohrcnzeuge des Wiener Prozesses gegen Planetta und Holzweber, hat es unmittelbar nach den Ereignissen unternommen, aus genauester Kenntnis aller Details die Dinge so zu schildern wie sie sind: Dr. Fritz Kreisler, dessen Broschüre»Wer hat Dollfuß ermordet?. Das Geheimnis des 25. Juli" die lebendigste, bis heute völlig unwiderlegte Anklage gegen Emil Fey ist, die sich denken läßt. Am Jahrestage des blutigen Ereignisses, das ganz Europa in ein neues Meer von Blut und Tränen zu stürzen drohte, lohnt es sich, noch einmal auf diese Broschüre und ihr Ergebnis hinzuweisen, was an dieser Stelle natürlich bereits damals geschah, unmittelbar nach dem die Schrift erschienen war. In wahrhaft souveräner Beherrschung des gesamten Materials rekonstruiert diese Broschüre von europäischer Bedeutung Hergang und Hintergrund der Tat vom 25. Juli. Sie kommt naä mühevoller Untersuchung zu einem für die Regierung Schuschnigg, aber vor allem für Fey vernichtenden Ergebnis. Wer unter' Aufgabe seiner bürgerlich gesicherten Existenz ins Ausland geht und einsiS aus dem moralischen Grunde der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, die unerhörte Anklage, meisterhaft fundiert, der Regierung Schuschnigg(der gleichermaßen Mitwisser ist), vor allem aber dein Ehrenkavalier Fey ins Gesicht schleudert, lügt nicht. Dr. Fritz Kreisler aber tat noch mehr. Ec erklärte sich bereit, zurück nach Wien, und zwar direkt in die Strafhaft des Landesgerichts z» gehen und daselbst jede Anflage tvegen Verleumdung, Hochverrats oder irgendeines anderen Deliktes, begangen durch die Veröffentlichung seiner Broschüre, zu erwarten, allein unter folgende» Bedingungen— wahrhaft selbstverständliche für einen Rechtsstaat— daß er Einsicht in die auf de» Puffch bezüglichen Prozeßatten nehmen könne, daß ihm gestattet werde, ausländische Verteidiger zuzuziehen und daß das Verfahren ein ordentliches und öffentliches sei. Die österreichische Regierung schwieg. Sie schweigt noch heute. Sie ging nicht auf den im höchsten Grade loyalen Vorschlag Dr. Fritz Kreislers ein. Sie, die ztvar die Frechheit besaß- Kreislers Behauptungen Verleumdungen zu nennen, weigerte sich, ihm unter den selbstverständ- lichen, hier wiedergegebenen Bedingungen Gelegenheit zum Wahrheitsbeweis vor einem österreichischen Gericht zu geben. Sie wird schon gewußt haben, warum. Europa Nr 171 Donnerstag, 25. Juli 1935 Seite 5 Bremen.(AP.) An dem Neuaufbau der Flottenbasis von Wilhelmshaven arbeiten zur Zeit 8000 Personen. Unter anderem sverden unterirdische Erdöltanks- sowie Rauchstationen errichtet. Diese dienen der R a u ch e r z e u- flitn.g, um dem Feinde die Sicht unmöglich zu machen. Sofia.(AP.) Die Regierung hat den republikanischen Oberst Weltschew, den Organisator des Staatsstreiches vom 19. Mai 1934, aufgefordert, das Land zu verlassen und ihm einen Auslandspost zur Verfügung gestellt. Es wurde ihm vorgeworfen, dah er nach dem Scheitern seiner Pläne neuerdings Anschlug an linksradikale Kreise gesucht hab«. Warschau.(AP.) Der Rat der Deutschen in Polen verhandelt in der Wahlfrage mit dem Ministerpräsidenten Slawe!. Anderseits verhandelt die Jungdeutsche Partei(Nationalsozialisten) auf eigene Faust mit dem Innenminister, so dast wenig Aussicht auf ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Minderheit in der Wahlfrage besteht. Stambul.(AP.) Die Türkei will in Thrazien eine Festung errichten, und zwar in K i r k- L a r e I i, einem Schlachtort des Balkankrieges, der 50 Kilometer von Adrianopel und 30 Kilometer von der bulgarischen Grenze entfernt ist. Damit soll ein Ausgleich für Adrianopel geschaffen werden, deffen Festung auf Grund des Lausanner Vertrages geschleift werden muhte. Kairo.(AP.) Abessinien hat ein« eigene Ge- sandtschast in Kairo errichtet, der in der heutigen Situation eine groste Bedeutung zukommt. Zagreb.(AP.) Der flowenische Buchdruckerstreik hat sich voy Laibach aus jetzt auch auf Marburg und Cilli ausgedehnt. Die Garung in Irland London. Die gespannte Lage in Ulster und in einigen Teilen des Irischen Freistaates dauert weiterhin an. In Calway rissen irische Hafenarbeiter die englische Flagge von einem aus Belfast kommenden Schiff herunter und bedrohten die Besatzung mit Tätlichkeiten, falls sie an Land gehen würde. J^ Limerick haben die Hafenarbeiter ebenfalls die Ausladung nordirischer Güter verweigert. Wie aus Belfast weiter gemeldet wird, sind dort die katholischen Hafenarbeiter nicht mehr in die Arbeit zurückgckehrt. Ein Mühlenwerk mutzte geschlossen werden, weil 20 protestantische Mädchen die Arbeit solange verweigern wollen, bis sämtliche katholische Angestellten entlassen seien. Neuerdings ist es in Belfast auch zu schweren Reibungen mit italienischen Familien gekommen. Mehrere italienische Familien sind schwer bedroht worden und drei von ihnen wurden mit Gewalt aus ihren Wohnungen entfernt. Die italienische Kolonie hat dirscrhalb Vorstellungen bei dem Konsul in Belfast erhoben und um Schutz vor den Feindseligkeiten gebeten. Bon italienischer Seite sind R e p r e s- sali en ergriffen worden, indem italienisch« Aufträge an Belfaster Firmen in Höhe von einer halben Million Mark zurückgezogen worden sind. »Loch-Nesi".Phantasien in der Slowakei. In Surany bei Neutra(Slowakei) herrscht grosse Aufregung. Mehrere Bewohner behaupten mir aller Bestimmtheit, im Neutrafluh ein slowakisches»Loch-Netz-Ungeheuer" gesehen zu Haben. Das Tier soll drei Meter lang sein, einem Tintenfisch gleichen und Enten und Gänse verzehren. Die Suranyaner liegen nun Tag und Nacht»auf dem Anstand", um das mysteriöse Tier beim Auftauchen sogleich zu erlegen... Selbstmord. In der Nähe von Kulm fanden Bähnbeamte den völlig zerstümmelten Körper eines S e ch z i g j ä h r i g e n, der sich vor einem Zug geworfen hatte. Die Identität des Unglücklichen konnte bisher nicht ermittelt werden. Der Film als Lehrmittel. Die bulgarische Regierung will in den Schulen als Erzie- hungs- und BiWungsmittel den Film einführen. Zn diesem Zwecke werden in allen größeren Städten des Landes besondere„Schulbiographen" eröffnet werden, in denen Kultur- und Erziehungsfilme werden vorgefuhrt werden, die zollfrei werden eingeführt werden können. Erdgas-Fund i» Ungarn. In der Umgebung der im Komitat Sopron gelegenen Gemeinde Mihalyi wurde in einer Tiefe von 1800 Metern eine Erdgasquelle gefunden, die noch reicher ist, als die bisher in Ungarn aufgedeckten Erdgasquellen. Die Bohrungen hat die Europeen Gas Electric Company durchgcführt, die in verschiedenen Gegenden Ungarns Bohrungen nach Erdöl- und Erdgas-Vorkommen ausführt. Na, find wir froh! Aus Mailand wird gemeldet: Der amerikanische Schriftsteller Halliburton ist mit dem Elefanten„Miß Dolly" Dienstag abends um 1 Uhr nach Ueberquerung der Alpen auf Hannibals Spuren in Aosta eingetroffen. Im Laufe der Lustmanöver, die gegenwärtig über London und den angrenzenden Grafschaften im Gange sind, stieß Dienstag nachts bei Bayshot (Grafschaft Surreh) ein Bombenflugzeug beim Niedergehen mit solcher Wucht auf, daß es zerbrach und in Flammen aufging. Von den fünf Mann der Besatzung erlitten drei Verletzungen, die jedoch nicht lebensgefährlich sind. Die Maschine selbst brannte völlig aus. volKswlrtsdiait und Sozialpolitik Aktive Zahlungsbilanz 1934 Denkmäler für die Opfer des letzten Krieges Die Volkswirtschaftliche Bedeutung der Aktivität unserer Aussenhandelsbilanz geht aus der Zahlungsbilanz für 1934 hervor, über die soeben das Statistische Staatsamt das Material veröffentlicht. Im Gegensatz zur Aussenhandelsbilanz, die nur eine Uebersicht über die Entwicklung der Ein- und Ausfuhr vermittelt, weist dieZachlungs- bilanz alle Einnahmen und Aus- gabenaus, dieimVerkehr mit dem Aus lande getätigt werden. In der Zahlungsbilanz erscheinen also in der Gruppe„Laufende Posten" außer dem Außenhandel die Dienstlei stungen, worunter zusammengefatzt sind die Provisionen für Kommissionäre, die von tschechoslowakischen Staatsbürgern und Firmen an das Ausland oder von Ausländern an Kommissionäre in der Tschechosiowakei gezahlt werden. Außerdem werden unter den Dienstleistungen noch die gegenseitigen Verpflichtungen des In- und Auslandes aus dem Versicherungswesen, dem Eisenbahn- und Wassertransport, dem Postverkehr, der Teilnahme an internationalen Institutionen, der diplomatischen Auslandsvertretung, dem Fremdenverkehr und der Auswanderung verrechnet.. In den„Laufenden Posten" gehören die entgeltlosen Ueberwei» s u n g e n, die in der Hauptsache aus deü Geldsendungen der Auswandsretz hestehPi; ferner der PostenE i nkamm e n,.worunter di«,Einnahmen und Ausgaben aus dem in der Tschechoslowakei befindlichen Besitz von ausländischen Aktien, Anleihen, sonstigen Wertpapieren und Immobilien und dem ausländischen Besitz von tschechoslowaki« schen Aktien usw. aufgeführt werden, und außerdem Ausgaben, die aus der Verzinsung von Staats-, Gemeinde- und anderen Krebsten entstehen. In der Gruppe Kapitalposten erscheinen die Verpflichtungen aus der Verschuldung an das Jtetae Spur vo» Lepej Uzhorod. Trotz angestrengter Nachforschungen ter Gendarmerie muh den flüchtigen Räubern Lepej und Klevec hat deren Verfolgung bisher kein positives Ergebnis gezeitigt. Die Spuren beider Verbrecher führen von der Polonina Kuk, welche von 50 Gendarmen mit sieben Polizeihunden durchsucht wurde, in der Richtung zur Polonina Borzava im Nachbarbezirke Svaljava. Es ist interessant, daß sich zwischen den Gegenständen, welche die beiden Verbrecher beim Zusammentreffen mit den Gendarmen forigeworfen haben, ein Briefumschlag vom Bezirksgerichte Bolovc befindet, welches in der Nacht zum Freitag der Vorwoche auSgeraubt worden ist, also kurz vor Eröffnung der gegen die beiden Verbrecher gerichteten Hauptaktion der Gendarmerie. Bei dem Einbruch in das Bezirksgericht in Volove wurden nur Gegenstände von uwbedeutendem Werte entwendet. Wie bereits gemeldet wurde, haben die Verbrecher auf einem Lagerplatz einen Teil ihrer Oderkleidung zurückgelassen und weil die Rächte in dieser Höhe sehr kühl sind, nahm die Gendarmerie an, daß die Flüchtigen in den Dörfern versuchen würden. Leben-mittel und Kleidungsstücke zu erlangen. Allem Anschein nach werden die Verbrecher von einzelnen Bewohnern mancher Ortschaften heimlich mit Lebensmitteln versorgt und über die Bewegungen der Gendarmerie unterrichtet, wodurch die Verfolgung erschwert wird, zumal einzeln«. G«.nh.arM.e r^s.e st en noch keine telephonif.chr.Verbindung besitzen «der das Telephon nachts nicht funttioniert. setzt aber der Musikinstrumentenindustrie in der Tschechosiowakei ihre Aufmerksamkeit zugewandt hlcken. • Ein Optimist. Im Oberhause trat Lord Mar- leh(Arbeiterpartei) für den Bau bombensicherer Unter st ände für die Mehrheit der Bevölkerung ein. Er berechnete die Unkosten auf eineinhalb Milliarden Pfund Sterling. Lord Peversham, der namens des Innenministeriums antwortete, erklärte, der Vertreter sei zu pessimistisch. Nach dem Urteil der Regierungssachverständigen sei Schutz gegen Gas durchaus möglich. Die Behauptung, daß es Giftgase gebe, gegen deren zerstörende Wirkung keine Maske etwas ausrichten könne, entbehre jeder Grundlage. Pestseuche. In Kaschgar in Chinesisch- Turkestan brach eine Pestseuche aus. Es wurden unverzüglich hinreichende Mengen von Antipestserum dorthin gesandt. Kain? Am 11. d. M. fand eine Gendar- meriepatrouille, die nach der Räuberbande Jlko LepejS auf der Polonina Jzvor Opolsna, nächst der Gemeinde Nikka, fahndete, durch einen Polizeihund aufmerksam gemacht, den Leichnam Jiki G e I b i k, der elf Tage vorher durch einen Schutz aus einem Militärgewehr von hinten, der ihn in die rechte Brustseite traf, erschossen worden war. Das Verbrechen wird der Lepejbande zur Last gelegt. Jetzt hat aber die Gendarmerie über direkte Anzeige des Vaters des Erschossenen den Bruder Alex Gelbiil verhaftet, der seinen Bruder Jiki einigemale mit dem Tode bedrohte, und -war deswegen, weil er ihn mit seinem Vater während eines Streites zu Hause'»«prügelte. Alex wurde zwar von allem Anfang verdächtigt, aber er wies sein Alibi nach. Der Verhaftete wurde in die Haft des Bezirksgerichtes in Bolovö übergeführt. Ehrung eines Mörders. Die Stadt Apolda hat eine neue Straße zur Erinnerung an den R a- thenau-Mörder Oberleutnant Kern, der sich vor der Festnahme das Leben nahm, Erwin-Kern- Straß« getauft und sich selbst damit ein»Kulturdenkmal" gesetzt. angezogen worden. Im Jahre 1828 schloss die Zahlungsbilanz bei einem geringen Ueberschutz von 2 Millionen K$ mit 27 Milliarden 170 Millionen KS ab. In den folgenden Jahren ist sie bis 1933 zurückgegangen, e r st 1934 hat sie sichwie- der erhöht. Die Hauptziffern der Zahlungsbilanz sind(in Millionen K£): Einahme« Laufende Posten Während man schon zum nächste« rüstet Präsident Lebrun weiht das Denkmal für die Gefallenen in den Sommerschlachten 1918 ein, das bei S o i s s o n s errichtet wurde. Baßgeigen für Amerika. Die nordwestböh- mische Musikinstrumentenindustrie, in der die Arbeitslosigkeit besonders stark wütete, hat jetzt mehrere Großaufträge auf die Lieferung bon Baßgeigen nach Amerika erhalten. So hat u. a. S ch ö n b a ch den Auftrag zur Herstellung von 300 Geigen für Jazz-Kapellen be kommen. Bemerkenswert in diesem Zusammen-«rrpsluqlunurn au» vrr an vas Hang ist, daß die amerikanischen Jazz-Kapellen j Ausland, dann die Auslandsguthaben, die Ver- bisher inDeutschland zu bestellen pflegten,. rechnung aus dem Außenhandel mit Wertpapieren, ' aus der ausländischen Kapitalsbeteiligung und aus dem Goldankauf der Nationalbank. Um eine Uebersicht über die Entwicklung unserer Zahlungsbilanz in den letzten Jahren zu ermöglichen, sind in der nachstehenden Tabelle die Jahre 1933, 1932 und 1928 zum Vergleich her- 1934 1933 1932 1928 Außenhandel 7316 5889 7371 21243 Dienstleistungen Entgeltlose 798 624 821 1729 Ueberweisungen 136 179 266 611 Einkommen 298 365 482 448 Summe der lauf. Posten 8548 7057 8940 24031 Kapitalposten Tscheo slowakische Auslandsschuld Tschechofl. Aus- 35 176 1041 395 landsforderungen 625 316 297 524 Außenhandel mit Wertpapieren, Kapitalbeteiligungen, Immobilen, ’C'O«4 Mi* ’ Goldkäufe der Nationalbank 292 368 358 2220 Summe der Kapitalposten 952 860 1596 3139 Laufende u. Kapital« posten zusammen 9500 7917 10536 27170 Ausgaben: Laufend e Posten 1934 1933 1932 1928 Außenhandel 6483 5926 7615 19328 Dienstleistungen Entgeltlose 575 465 811 1578 Ueberweisungen 21 18 18 49 Einkommen 629 695 763 1019 Summe der lauf. Posten 7708 7104 9207 21974 Kapitalposten Tschechoslowakische Auslandsschuld 329 345 956 897 Tschechofl. Aus landsforderungen 425 21 140 837 Außenhandel mit Wertpapieren, Kapitalbeteiligungen, Immobilien, Goldkäufe der Nätionalbank 950 164 265 3490 Summe der Kapitalposten 1644 530 1361 5194 Laufenden. Kapitalposten zusammen 9352 7634 10568 27168 Es schließt demnach die Zahlungsbilanz der Tschechosiowakei für 1934 mit einem Urber- i schuß von 148 Millionen KL ab. 1933 hatte der Ueberschutz 283 Millionen KL betragen; im Jahre 1932 gab es ein Defizit von 32 Millionen KL und 1928 einen Ueberschutz von 2 Millionen KL. Wenn der tschechosiowakische Gesamtaußenhandel im vergangenen Jähre nicht das hohe Aktivum von 833 Millionen KL gebracht hätte, so würde die Zahlungsbilanz mit einem beträchtlichen Passivum abschließen. In diesem Falle hätte dann die Tschechosiowakei erhebliche Goldzahlungen an das Ausland zu leisten; ein Zustand, der aus Gründen der Wäh- rungsstabilität und aus dem gesamwolkswirt- schaftlichen Interesse heraus nicht erwünscht ist. Aus den einzelnen Gruppen der Zahlungsbilanz ist unter den„Dienstleistungen" als bemerkenswert hervorzuheben, dass der Ueberschutz aus dem Fremdenverkehr, der 1933 121 Millio- nen KL betrug, auf 252 Millionen KL gestiegen ist; der Ueberschutz aus den Eisenbahntransporten ist mit 133 Millionen KL nur um 7 Millionen KL geringer als 1933. Bei den Provisionen für Kommissionäre dagegen ist das Passivum von 81 Millionen auf 131 Millionen KL angewachsen. Die Entwicklung der Bilanz der entgeltlosen Ueberwei- sungen lässt Rückschlüsse auf die schwere Schädigung der tschechoslowakischen Auswanderer durch die Wirtschaftskrise zu. Im Jahre 1928 wurden von den Auswanderern über 600 Millionen KL in dic Heimat geschickt, 1934 waren es nur noch etwa 130 Millionen KL. Bei allen diesen Vergleichen mutz man die Anfang 1934 vorgenommene Kronenabwertung berücksichtigen. In der Gruppe„Kapitalposten" ergab sich 1934 ein Passivum von 692 Millionen KL; davon entfallen 294 Millionen KL auf die Verpflichtungen aus der Verschuldung an das Ausland; dieser Betrag erreichte im Jahre 1933 nur 169 Millionen KL. Bei den Auslandsforderungen ist die Tschechosiowakei mit 200 Millionen KL aktiv, obwohl die Bankkonti der ausländischen Korrespondenten mit 516 Millionen KL aufgeführt sind. Gegenüber 1928 ist die Gesamtzahlnngs- bilanz 1934 um etwa 60 Prozent zusammengeschrumpft. Iw dieser Entwicklung kommt ebenfalls die vernichtende Wirkung der Weltwirtschaftskrise zum Ausdruck. Andererseits ist auch die Zunahme der Zahlungsbilanz von 1933 zu 1934— die Einnahmen stiegen von 7919 Millionen auf 9500 Mill. KL, die Ausgaben von 7634 Millionen auf 9352 Mil, llonen KL— ein Zeichen der Intensivierung des gesamten Wirtschaftsverkehrs unserer Republik mit dem Ausland. Seite 6 „Sozialdemokrat^ Donnerstag, 25. Juli 1935. Nr. 17k Gorge« in Hollywood Chaplin- schwindende Millionen—„Nasales" und„anständiges" Englisch. Hoffnungen auf den farbigen FUm. Die große wirtschaftliche und soziale Krise, in der sich die Vereinigten Staaten von Amerika befinden, hat auch vor den Toren der Filmstadt Hollywood nicht Halt gemacht. Noch behaupten zwar die großen amerikanischen Filmfirmen ihre internationale Machtstellung, aber dafür haben sie auch . mit doppelten Schwierigkeiten zu kämpfen: mit den Problem der inneramerikanischen Entwicklung, deren Ausprägung in der Gesetzgebung Roosevelts auch sie betrifft, und mit der Weltkrise, die sich auch für die Filmindustrie in Einfuhrdrosselungen, Devisenschwierigkeiten und im Entstehen eigener Produktionsstätten in den meisten europäischen Ländern bemerkbar gemacht hat. Der amerikanische Berichterstatter des„Paris-Midi" hat kürzlich ein paar interessante Beispiele für die Verluste der Holly- wood-Grötzen in letzter Zeit genannt: Charlie Chaplins Vermögen, das im Jahre 1934 noch 3 Millionen Dollar betrug, ist inzwischen auf 2% Millionen gesunken, Mary P i ck f o r d's Vermögen hat sich in der gleichen Zeit von 2 Millionen auf 1,7 Millionen verringert, und Douglas Fairbanks, der vor einem Jahre noch eine Million Dollars versteuerte, wird heute nur noch auf 50.000 geschätzt. Man muß dabei wissen, daß diese drei bestbezahlten Schauspieler der Stummfilmzeit schon längst keine Schauspieler im Hauptberuf mehr sind, sondern als Mitbegründer und Mitinhaber der "Filmgesellschaft„United Artists" zu den großen Unternehmern von Hollywood gehören. Der Rest, der ihnen nach den bisherigen Verlusten bleibt, ist selbst im Falle Douglas Fairbanks noch so groß, daß zum Mitleid kein Anlaß besteht. Und das gilt von der Lage der amerikanischen Filmindustrie überhaupt: bemitleidenswert ist sie durchaus nicht, aber sie wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Besondere Gefahr droht ihr von der immer stärker werdenden englischen Konkurrenz. Die Londoner Filmleute, die" mit ihren historischen' Ausstattungsfilmen nicht nur in ganz Europa, sondern auch drüben in Amerika beträchtliche Erfolge Erzielten, erklären" immer deutlicher, daß sie sich das Ziel gesetzt haben, Hollywood zu übertrumpfen. Sie sind bemüht, London zu einem Anziehungspuntt für international berühmte Regisseure und Schauspieler zu machen, sie haben sich R e n e C l a i r aus Paris geholt und locken zahlreiche Hollywood-Stars in ihre alte englische Heimat zurück. Und sie entwickeln«inen literarischen Ehrgeiz, mit dem sie die technische Routine der Amerikaner überstrahlen wollen, zumal es ihnen gelungen ist, so berühmte Autoren, wie Bernard Shaw und H. G. W el l s für die Filmarbeit zu interessieren. Das Prinzip, mit dem die Londoner Filmindustrie gegen Hollywood anzukämpfen entschlossen ist, heißt tatsächlich: Mehr Qualität auf Kosten der Quantität— und es hat in Hollywood solchen Eindruck gemacht, daß der amerikanische Filmtrust beschlossen hat, schon in der nächsten Saison die Zahl seiner Filme herabzusetzen und dafür jeden einzelnen bester zu dotierens Die Frage der Qualität ist aber nicht nur eine Angelegenheit der finanziellen Großzügigkeit(zu der die englischen Filmfirmen durchaus in der Lag« zu sein scheinen) und nicht nur eine Sache der guten Manuskripte, Regisseure und Darsteller,— sie-ist im Kampfe zwischen englischem und amerikanischem Tonfilm auch eine Sprachenfrage. cw-' Wer— wie wir in Prag seit einem halben Jahre— amerikanische und englische Filme zu vergleichen Gelegenheit hat, wird nicht überrascht sein, zu hören, daß vor wenigen Tagen in einer Londoner Versammlung von Theater- und Filmleuten erklärt wurde, das englische Publikum rebelliere gegen die amerikanischen Filme, weil es ihre„nasale" Sprache nicht hören wolle, sondern„anständiges" Englisch. Und dieses anständige Englisch soll nun im Londoner Film besonders gepflegt werden, was ihn nicht nur dem englischen Publikum lieb und wert machen wird, sondern ihm auch im übrigen Europa einen Vorsprung vor den amerikanischen Filmen verschaffen kann, deren„Slang" auch Filmbesuchern, die hinglänglich Englisch verstehen, oftmals rätselhaft bleibt. Der Mut der englischen Filmleute, die es wagen, den Wettkampf mit Hollywood aufzunehmen, scheint auch in Frankreich den seit längerer Zeit schon eingeschlafenen Filmehrgeiz wieder zu wecken. Immer öfter wird in der Pariser Presse die Fordeung erhoben, mit der Abhängigkeit des französischen Films von den amerikanischen Firmen(die heute die Hälfte der französischen Produktion beherrschen), ein Ende zu"machen. Und die Kunde von dem neuen Wunderapparat des alten FilmerfinderS Louis Lumiöre, der die Herstellung und Vorführung plastisch wirkender Filme ermöglichen soll, hat große Hoffnungen auf eine neue internationale Blüte des französischen Films wachgerufen. In dieser bedrohlichen Situation, die nur durch den künstlerischen Ruin der gleichgeschalteten deutschen Konkurrenz erleichtert wird, hat Hollywood zu seiner bewährtesten Wafte gegriffen: zum technischen Fortschritt. Seit zwei Jahren schon hat Hollywood die große Neuigkeit angekündigt: daß cS den Diegeszug deS farbigen FUmrS starten werde,— und seit einem Jahre weiß man, daß es ernst gemeint war. Erst kamen als muntere und siegreiche Vorposten die farbigen Grotesken des Micktz-Maus-Zeichners Walt Disney, dann folgte ein bunter Ballett-Film„Cucurucha", der in New Uork, London und Paris zwar viel Interesse, aber weniger-Beifall fand,— und nun ist der erste große farbige Sprechfilm erschienen. Er heißt „Becky Sharp", seine Handlung stammt aus dem einst berühmten Roman„Vanity Fair"(Der Markt der Eitelkeit) von Thackeray, seine Haupj^arstellerin ist Miriam Hopkins(die wir in Prag aus den Lubitsch-Filmen„Flucht aus dem Paradies" und „Künstlerliebe" kennen), und sein Erfolg soll in New Jork triumphal gewesen sein und ist auch in London, wo er jetzt gezeigt wird, nicht gering. Die amerikanische Filmindustrie scheint zu hoffen, mit dem Triumph des farbigen Films und dem Besitz des Technicolor-Patents, nach dem er hergestellt wird, ihre weltbeherrschende Position aufs neue festigen zu können. Ernst L u b i t s ch, der neue Herr der„Paramount", soll bereits die Herstellung einer ganzen Serie von färbigen„Opernfilmen" beschlossen haben. Ob der Kunstwert, dieser Produkte auch nur an den Durchschnitt der bisherigen Filme heranreicht, ist allerdings sehr zweifel- Prag. Der arbeitslose Maschineningenieur Friedrich S. hatte sich zu verantworten wegen des Verbrechens des Betruges und der Uebertretung der Veruntreuung und des Diebstahls. Es handelt sich um offenkundige Notdelikte. Was bei diesem Fall aber aufhorchen ließ, war die Art, wie sich der Angeklagte ber- anjwortete. Er bekännte sich vollkommen schuldig im Sinne der Anklage..Er hat ohne Geldmittel ein« verhältnismäßig teuere Wohnung gemietet, ohne die mindeste Aussicht, die Miete bezahlen zu können. Er hat in einem Gasthaus, wo er als Stammgast bekannt war, auf Kredit gelebt, obwohl er wußte, daß er die Rechnung nicht würde bezahlen können. In beiden Fällen hat er sich also durch betrügerische Vorspiegelungen Kredit beschafft. Der Schaden beläuft sich auf fast 3000 XL. Als schließlich die ewig vertröstete Quartierfrau und der nie bezahlte Gastwirt Strafanzeig« erstatteten, kamen.noch andere unschöne Dinge zutage. Der Angeklagte hat sich von einem guten Kameraden einen Photoapparat „ausgeborgt"— aber nur, um ihn sofort ins Versatzamt zu tragen und das Geld für sich zu verwenden. Einem andern Freund schwatzte er zu gleichem Zweck eine Schreibmaschine ab. Das unausweichliche Ende war diese Gerichtsverhandlung. Die Verantwortung dieses, zweifellos außerordentlich intelligenten und befähigten Menschen.ist dadurch bemerkenswert, daß kt seine Situation vollkommen nüchtern und unsentünental erfaßt. Er verschmähte jeden Appell an das Mitleid des Gerichtshofes. Auf di« Frage des Vorsitzenden, wie er dazu kam, ohne alle Geldmittel sich einen ganz unangebrachten Kredit zu erschleichen, antwortete er ohne Umschweife:„Das ist der Kernpunkt der Sache, Spart■ Spiet■ Xörperpstege Westböhmischer Arbeiterfußball Der Kreismeister Maierhöfen hatte den Bezirksmeister S a az zu Gast und siegte nach einem schönen Spiel mit 3:1(2:1). Sportbrüder Eibenberg trugen ein Nachtragsspiel zur Meisterschaft gegen Atus Karlsbad aus und bewiesen durch ihren 10:1-Sieg, daß sie noch nicht zu den „Toten" gehören. MSV Altrohlau schlug nach hartem Kampf ASB Neudek mit 4:1(2:0). Rot« Elf C h o d a u zeigt« sich von der besseren Seit: und SR Unter-Reichenau hatte mit 3:0 (1:0) das Nachsehen, FFK Falkenau gewann zwar gegen Neusattel mit 3:0, mußte aber in Granesau von der Turnerelf eine knappe 4:3- Niederlage einstecken. Atus Karlsbad verlor gegen die zweitklassigen S»dauer 0:1(0:1) und Aich gewann gegen Drahowitz komb. gar 10:1. Ueberraschenderweise konnte G r a s l i tz gegen ASK Pochlowitz nur ein 2:2(1:0) erzielen. Die beiden punktegleichen Spitzenreiter der zweiten Klasse Schankau und Weheditz trugen ein Entscheidungsspiel aus, das die Schankauer mit 1:0(1:0) gewannen und damit Bezirksmeister der zweiten Klasse wurden. Französische Arbeiter-Leichtathletik. Die leichtathletischen Meisterschaften von Paris, welche von den besten Sportlern des Pariser Gebietes bestritten wurden, ergaben folgende Resultate: 100 Meter: Jeansous(Midi) 11.1 Sek.; 200 Meter: Jeanfous 24 Sek.; 400 Meter: Tetard(Courbevoie) 52.2 Sek.; 800 Meter: Bleu(Levallois) 2:01.4 Min.; 1500 Meter: Leroux(Levallois) 4:17.1 Min.; 5000 Meter: Märtel(Chambly) 16:15 Min.; 110 Meter Hürden: Tremelet(Montreuil) 18.4 Sek.; Hochsprung: Mullier(Jvry) 1.65 Meter; Weitsprung: Tremelet 6.28 Meter;.Stabhoch: Ducar- donnet(Clichy) 2.90 Meter; Diskus: Le Douarin (Levallois) 34.39 Meter; Kugel: Le Douarin 11.22 Meter; Speer: Daubigny(Massy) 47.12 Meter; 4X100 Meter: Levallois 47. Montreuil 47.2 Sek.; 800X400X200X100 Meter: Levallois 3:40.2, Montreuil 3:40.3 Min. Drei neue Bestleistungen der französische« Arbeiterschwimmer. Bei einem Schwimmeeting in Lille wurden drei neue Bestleistungen ausgestellt, und zwar: 50 Meter Freistil: Vandeiibergh 30.3 Sek.; haft,— aber auch die ersten Tonfilme standen unter dem schon erreichten Niveau des stummen Filmes und haben ihn dennoch aus dem Felde geschlagen. Ernster ist die Sorge, ob der Farbfilm nicht durch die Kostspieligkeit" feiner Herstellung in seinem erhofften Siegeszuge behindert sein wird; denn es dürfte schwierig sein, in dieser Zeit der Weltkrise mit teuren Produkten den Weltmarkt zu erobern, so daß der farbige Film zwar eine Hoffnung, aber auch eine Sorge mehr für Hollywood bedeutet. Wir in Prag werden fteilich von der interessanten Entwicklung des amerikanischen Film? und seiner Konkurrenten voraussichtlich noch nicht viel zu sehen bekommen. Denn infolge des jahrelangen amerikanischen Filmbohkotts- werden wir wohl noch eine Saison lang ältere amerikanische Filme nachzuholen haben, die trotz ihrer„nasalen" Sprache und ihrer oft nur sehr mäßigen künstlerischen Qualität bei der heimischen Produktion zwar vielen mißlaunigen Angriffen, aber leider keiner ernsthaften, produktiven Konkurrenz begegnen,—eis— Herr Vorsitzender. Als ich arbeitslos wurde, konnteichmirgarnichtvor st eilen, daß man auch anders leben kann, als wie ich es gewohnt war. Irgendwie wird es schon gehen, dachte ich mir. Eine Weile ging es auch, denn ich hatte ein paar tausend Kronen erspart. Und wie das Geld Ende war, habe ich angefangen zu schwindeln. Das war freilich ein Wahnsinn." Vorsitzender:„Und wie betrachten Sie die Sache heute?"— Angeklagter:„Heute weiß ich, daß man nicht eine Wohnung für 300 XL monatlich haben muß und daß man sich für wenig Geld sattessen kann. Mer damals war ich ratlos wie ein kleines Kind. Später war ich froh, wenn ich drei Kronen für das Nachtasyl hatte. Und wochenlang habe ich bloß von der Suppe im Asyl gelebt. Da sind mir erst die Augen aufgegangen.-." Als die Betrügereien an seinen vertrauensseligen Kameraden zur Sprache kamen, zeigte sich der Angeklagte tief beschämt. Er hat aber, wie aus den Akten hervorgeht, den Schaden teilweise vergütet. Vors.:„Wovon leben Sie heute?"— Ang.: „Ich bin ein ganz guter Zeichner und finde Gelegen- heitsbeschäftigung. Ich verdiene 400 bis 500 XL monatlich."— Vors.:„Und damit kommen Sie aus?"— Ang.:„O ja— und ich habe davon sogar einen Teil des Schadens gutgemacht." Der Angeklagte hatte auf einen Verteidiger verzichtet. Ms der Staatsanwalt seinen Strafantrag gestellt hatte, wandte sich der Vorsitzende gn den Angeklagten:„Und Sie bitten uw«in mikdes Urteil?"— Ang.:„Ich überlasse die Entscheidung über meine Schuld dem Gericht." Das Urteil lautete so milde, als es nach den Bestimmungen des Gesetzes möglich ist. Der Angeklagte wurde zu drei Monaten Kerker verurteilt— bedingt auf drei Jahre, rb. 4X100 Meter Brust: COP 6:20 Min.; 10X50 Meter Freistil: Lille 5:55.1 Min. Die Meisterschaften der belgischen Arbeiterschwimmer, welche zum ersten Male ausgetragen wurden, waren sehr gut beschickt und wiesen außer den sportlich guten Ergebnissen auch einen guten Besuch auf. Die wichtigsten Ergebnisse find: 100 Meter Brust(Frauen): Verscharre(Antwerpen) 1:40.4 Min.; 4X100 Meter Brust(Männer): Antwerpen 5:04.3 Min.; 100 Meter Freistil(Jugend): Netzt(Gent), 1:20.2 Min.; 3X50 Meter Lagen: Gent 2:08.1 Min.; 50 Meier(Männer): Vithe(Tournai) 40.3 Sek.; 100 Meter Brust(Neulinge): Henderson(Ostende) 1:32.3 Min.; 100 Meter Brust(Jugend): Netzt(Gent) 1:25 Min.; 200 Meter Brust(Männer): De Bruyne Phil. (Antwerpen) 3:12,2 Min. Dir amerikanische Schwimmerin Leonore Knight verbesserte bei den Fraucn-Meisterschaften in New Nork den Weltrekord H. Madisons über 880 Yards Freistil von 11:41.2 auf 11:34 Min. Sie siegte gleichfalls über 500 Meter Freistil in 7:10.6 Min. und blieb damit nur um zwei Sekunden unter ihren eigenen Weltrekord. Träger N-tunq „Mir ginge« die Auge« auf.. Bekenntnisse eines gescheiterten Intellektuellen Claudette Colbert spielt in den neuen Filmen„Cleopatra" und „Nachtfalter"« Amerika schlägt im Daviscup die Nazi 4:1 In London wurden am Mittwoch die beide« restlichen Einzel zur Austragung gebracht. Nachdem die Amerikaner am Vortag bekanntlich das Doppel gewonnen hatten und dadurch mit 2:1 in Führuns gegangen waren, gelang es ihnen nun, auch die bei- den Einzel zugewinnen. Allison schlug Henkel 6:1. 7:5, 11:9 und Budge siegte iiber Cramm 0:6, 9:7, 8:6, 6:3. Somit lautet der Endftand 4:1 für die Amerikaner, welche nun gegen England als dem Verteidiger des Cups antreten. Die amerikanisch:» Spieler waren ihren Part« nein in Technik, physischer Ausdauer und Routine überlegen, gerade in den entscheidenden Augenblicken, wo den Vertretern des Dritten Reiches— wie gewöhnlich— die Nerven durchgingen. Die großgespannten Hoffnungen des Dritten Reiches samt ihrer Anbeter im Ausland« sind zunichte geworden. So wie wir es abschließend beim Kampfe mit der Tschechoslowakei feststellten, ist e$ eingetroffen: das überhebliche Selbstbewußtsein der Nazi auch in sportlichen Angelegenheiten wurde-n Fall gebracht, eher und unerwarteter als angenommen und doch verdient. Weltrekord im Gewichtheben. Der Wiener Frid H ä l a erreichte im Halbschwergewicht im beidarmigen Reißen 121 Kilo und stellt« damit einen neu«» Weltrekord auf. Die alte Leistung hielt Hussein (Aegypten) mit 120 Kilo. Aus dec Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei- Di« ffchechische und die deutsche Sozialdemokratische Organisation in Liboch hat unsere Genossen z" einem Arbetterfest welches am Sonntag, dem 4. August 1935, statifindet,«ingeladen. Tas Fest soll zu einer großen politischen Kundgebung ausgestaltet werden gegen den nafionalen Chauvinismus, welcher besonders im Sprach-Grenzgebiet hervoriritt. Bei der Kundgebung werden ein ffchechischer und ein deutscher Sozialdemokrat sprechen. Genossen und Genossinnen! Es fft für'uns eine Pflicht, die Genossen in Liboch durch eine starke Teilnahme zu unterstützen und wir fordern alte unsere Mitglieder, welch« dazu Gelegenheit haben, auf, mit nach Liboch zu fahren. Unsere RW un> der Atus werden aktiv mitwirken. Bei genügender Teilnahme Fahrt mft Separat autobus; Fahrtkosten 12 bis 14 XL. Abfahrt SoiiM tag früh, Rückfahrt abends. Anmeldungen sofort bei Genossen Fritz Mittenhuber, Prag II., Fügnerovf näm. 4(Telephon 51351—5). Der Bezirksvertrauensmann, l Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Casta Diva"(Bezaubernde Augen) (Jt.)— Alfa:„Karussell auf dkm Meere"(A.)— Avion:„Zum aufgegessenen Laden"(Tsch.— Vlasta Burian)— Flora:„Madame Butterfly"(A.— S- Sydney)— Gaumont:..Polenblut"(Tsch.— Anus Ondra)— Hvizda:„Der Fall des Kommissars Colt" (A.)— JuliS:„Das höchste Spiel"(Fr.) Kinema: Journale, Groteske. Reportage. Ab halb 3 bis halb 10.— Lueerna:„Zirkus Barnum"(A. W. Beery)— Passage:„Der Herr ohne Wohnung" (D.)— Praha:„Schwarzes As"(A.)— Stau«: „Stürmische Jugend"(Fr.)— Svktozor:„Wege des Löbens"(Fr.)— Alma:„Ihr letzter Rekord" (A.— Katharina Hevburn)— Belvedere:„Madame Butterfly"(A.)— Illusion:„Kuß im Schnee" (Tsch.)— Louvre:„Madame Butterfly"(A.)— Maeeska:„Es war einmal ein Walzer"(D.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in« Sans oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.— ganzjährig XL 192.—. Tarif billigst berechnet. Be: öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die ZeitunaSfrankatur wurde graphendrrektion mft Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrkiS". Druck-, Verlags, und ZeitungS-A.-G„ Prag. — Inserate werden laut von der Post- und Tcle-