\ UNTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung prao xii„ fochova a. tufon 0077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Reim (•intchliefilich S Hell»r Port*! 15. Jahrgang Samstag, 27. Zuli 1935 Nr. 173 Nationalistische Kundgebungen in Rom Kundgebungen begreiflicherweise August nachmittags einberufen den 27. Juli, 12 Uhr Unabhängigkeit verteidige, Recht, sich seinen wähl e n. Man vergesse dieses Recht einen grossen wenn man zwischen Tausende Arbeiter bei der Einäscherung Otto Glöckels Wien. Freitag Vormittag wurde die Leiche des früheren Präsidenten des Wiener Stadtschulrates und ehe» maligen Abgeordneten Otto Glöckel im Krematorium eingeäschert. Es hatten sich tausende Arbetter und Arbeiterin» «en eingefunden. Es sprachen einige Redner, darunter ein Vertreter der schweizerischen Arbeiterschaft sowie ein Delegierter des Karlsbader Bezirkes, den Glöckel im alten österreichischen Reichsrat vertrat. die römischen starke Erregung ausgelöst. * 0er Negus zum Kampf entschlossen Der Negus Negesti erklärte dem Korrespondenten des„Paris Soir": „Ich bin überzeugt, das; ein Krieg für die italienische Armee ungünstig wäre, die durch Französisch- und Britisch-Somaliland in zwei Teile geteilt wäre. Die italienischen Abteilungen werden iü dem hohen Bergland auf unvorhergesehene Schwierigkeiten stossen und sie werden die modernen Waffen nicht verwenden können. Die Ogadenwüste besitzt überhaupt kein Trinktvasser. Der Kaiser fügte hinzu, er wünsche nicht den Krieg und hege festes Vertrauen in die Entscheidung des Völkerbundes, insbesondere wenn England und Frankreich sich auf die Seite des guten Rechtes, d. i. auf die Seite Abessiniens, stellen. Mein Land kann Italien weder territoriale noch wirtschaftliche Konzessionen gewähren. Wenn die Feindseligkeiten ausbrechen, werde ich der erste Soldat unseres Landes und unserer Armee sein und das Schicksal meiner Soldaten teilen", schloss der Kaiser das Gespräch. Der Pariser„Excelsior" gibt der Meinung Ausdruck, dass Abessinien infolge seiner Geldnot eigentlich nicht seine sondern nur das Herrnselberzu aber nicht, dass auch Wert hat, besonders, Italien und England wählen kann! Es ist vorstellbar, dass es den Abessiniern einen Krieg wert ist, die Herrschaft Englands statt die Mussolinis auf sich zu nehmen, genau so wie wahrscheinlich die Hälfte der Italiener mit grösster Begeisterung Untertanen Englands würden, um den Duce loszuwerden... fügt. Vor allem mangelt es an Geschützen, an Munition und an Flugzeugen. Eine wesentliche Verschärfung der Spannung brachten die grossen a n t i e n,g l i sch e n Kundgebungen in Rom. Die Menge— meist uniformierte Fascisten— brachte Rufe„Nieder mit England!" aus, die Plakate waren äusserst aggressiv gegen England und schliesslich wurde in Zurufen die Malta-Frage angeschnitten. Malta gehört bekanntlich zu der„Terra irre- denta" Italiens, obwohl seine Bewohner so wenig Italiener sind und sich als Italiener fühlen wie etwa die südtiroler Ladiner. In England haben Lein oder Nichtsein? Die Bedeutung der Völkerbundsitzung über den italienisch-abessinischen Streitfall, di« für Anfang nächster Woche zu erwarten ist, würdigt ein aussenpolitischer Artikel des Londoner„Daily Herald", des Organs der Labour-Party. Im ., Gegensatz zu derkonscrvativen Presse, die den Streitfall als eine aussereuropäische Ängelegen- \ heit behandelt und nur vom Gesichtspunkt der englischen Kolonialinteressen in Aegypten und im Sudan betrachtet, weist das Blatt der englischen Sozialisten mit aller Klarheit auf die europäi schen Bedeutung der kommenden Völkerbundsitzung chin. Der Völkerbund, so schreibt der„Daily »Herald", halbe nur eine Wahl: ,Do or Dien" , sHandeln oder sterben). Die Sätze, mit denen - er diesen Standpunkt begründet, verdienen wegen ihrer Entschiedenheit zitiert zu werden, schon "'deshalb, weil die Labour-Party durch di« noch in diesem Jahre bevorstehenden englischen Par- • lamentswahlen wieder zu einem entscheidenden Faktor der Weltpolitik werden dürft«. Das Blatt schreibt: „Es kann keine Frage sein, dass es sie Absicht der Gründer des Völkerbun des Mar, die Sicherung des Friedens nnd die Vermeidung des Krieges zu sei nem Hauptzweck zu machen. Das Grundprinzip ist, dah jeder, der ein Mit glied des Völkerbundes angreift, sich mit dem gesamten Völkerbunde im Kriege befinden wird. Angenommen, daß die Völkerbund satzung(wie die Verteidiger Mussolinis sagen) sich nicht auf außereuropäische Gebiete bezieht, wie kann man dann noch erwarten, daß sie in Europa Gel tung hat? Wenn Abessinien außerhalb des Gesetzes gestellt wird, was spricht dann dagegen, daß auch Litauen außer halb des Gesetzes steht? Wenn die Macht Italiens zu gefährlich für eine Maßnahme des Völkerbundes ist, wie steht es dann mit der Macht Deutsch lands? Wenn Italien das Recht zur Ex pansion mit kriegerischen Mitteln hat, warum soll dann Deutschland nicht auch berechttgt sein, aus seinen ökonomischen Schwierigkeiten den Ausweg einer ge waltsamen Expansion auf Kosten seiner Rachbarn zu suchen? Wenn der Völ kerbundpakt im Falle Abessiniens durchbrochen wird, ist das Gesetz des Völkerbundes tot. Die Liga mag weiter existiere«, als eine Art diplomatischer Börse, aber sie verschwindet als Funda ment des Gesetzes und als Instrument der Friedenssicherung. Man kann kei-..„ Neu Völkerbund haben, der Deutschland] den Krieg zu vermeiden, weil es finanziell schlecht im Schach hAt, aber Italien freie gestellt ist und nicht über genügend Waffen verband läßt." Türkei verkauft keine Schiffe Istanbul. Die italienischen Wünsche auf An lauf türkischer Handelsschiffe sind endgültig ab gelehnt worden, trotz den hohen Preisen, die die italienischen Beauftragten anzulegcn bereit waren. Insbesondere wollte Italien zwei kürz lich an die Türkei verkaufte 4000-Tonnen- Dampser zurückkaufen, u. zw. zu einem Preis, der weit über den selbst erzielten Verkaufspreis lag. Das Angebot wurde jedoch ebenfalls abge lehnt....., politische Musik Seit ein paar Tagen haben wir es hierzulande mit politischer Musik(oder mit Musikpolitik) nicht gerade erbaulicher Art zu tun. Die Verlegung eines für Karlsbad geplanten Internationalen Musikfestes nach.Prag hat viel Staub aufgewirbelt— wenn auch vor allem nur in etlichen Redaktio- nen. Die Gazetten, deutsche wie tschechische, haben sich sehr beeilt, zu einem Urteil über diese Angelegenheit zu gelangen, ehe noch alle Teile gc- hört worden waren. Und.so ist manche voreilige, manche falsche Meinung abgegeben und tags darauf richtiggestellt worden, ohne daß"aber aus deutscher oder tschechischer Seite ein einigermassen klares Bild über diesen Fall entstanden wäre, der durch Dutzende Kommentare jeden- falls mehr zur Affäre geworden ist, als not- wendig und nützlich gewesen sein dürfte. Immerhin: der Fall ist ungewöhnlich und die Affäre ist da. Und damit sehr üble Wirkungen, die unseres Erachtens um jeden Preis aus der Welt geschasst werden müssen. Man wird es nicht anders als mit Ruhe, Objektivität und mit dem Willen zur allgemeinen Versöhnlichkeit vermögen. Diese Tendenz leitet uns, wenn wir uns jetzt, da wir Lar zu sehen glauben, mit der Angelegenheit beschäftigen, die angesichts der turbulenten Ereignisse in drei oder vier Weltteilen wahrhaftig nicht solches Aufheben verdiente und schliesslich auch im Hinblick auf die brennenden Probleme, die uns im Lande beschäftigen, kaum wochenkcmge Aufregung mit bösen Folgen wert ist. Was ist geschehen? Karlsbad hat sich im Vorjahr darum bemüht, dah das für 1935 vor- geseherre internationale Musikfest in den Mauern der berühmten Badestadt stattfinde. Karlsbad wurde auch tatsächlich ausersehen. Aber kurz vor der Veranstaltung, die für Anfang September anberaumt war, sagte der Stadtrat von Karls- bad das Musikfest ab, da die Kursaison 1935 die finanzielle Lage der Stadt noch verschlechtert hatte, die unter solchen Umständen die mit dem Musikfest verbundenen Aufgaben guten Gewissens nicht tragen zu können erklärte. Einige Tage darauf gab die tschechoslowakische Sektion der internationalen Gesellschaft für internationale Musik bekannt, dass die Karlsbader Veranstaltung doch stattfinden würde. Daraufhin traten die Karlsbader Stadtväter nochmals zusammen, um über die Veranstaltung zu bera- ten, in der Meinung, dass eine staatliche Subvention die Durchführung ermöglichen oder erleichtern würde. Aber knapp vor dieser Stadt- ratssitzung langte in Karlsbad ein Prager Telegramm ein, des Inhalts, daß das Fest in P r a g durchgeführt werden würde. Es besteht also vor allem die Tatsache, dass die Gemeinde Karlsbad wirklich und fast in letzter Stunde eine interna- fionale Veranstaltung absagte, um deren Beherbergung sie sich beworben hatte. Dieser Karlsbader Entschluss, so wohlbegründet er auch vor allem in der finanziellen Schwächung der Stadl sein mag, ist zweifellos als Ausgangspunkt der nun üblen Affäre anzusehen. Wir verstehen es durchaus, daß der Ansfieg der vermutlichen Ko- sten von ursprünglich gegen hunderttausend aus etwa hundertvierzigtausend Kronen von den Karlsbadern als schwer tragbar empfunden wurde. Und es ist auch jenes Karlsbader Argument nicht von der Hand zu weisen, das daraus aufmerksam macht, dass ursprünglich die Mitwirkung der Tschechischen Philharmonie und Opernaufführungen im Stadttheater während des Musiksestes vorgesehen waren, während sich zu guter oder zu böser Letzt das Programm aus drei Konzerte des Karlsbader Kurorchesters und auf zwei Kammermusikaufführungen beschränken wollte. Man begreift schon, dass da die Karls- bader nicht mehr sehr begeistert waren. Und cs Wäre übrigens nur anständig gewesen, wenn jene Publizisten, die sich als Eingeweihteste'tri der Tagespresse jetzt mit dem Musikfest beschäftigten und Karlsbad unter Anklage stellten, die- sen Punkt loyal erwähnt hätten. Dennoch witd Heute Entscheidung über die Ratstagung Die Lage neuerlich verschärft Genf. Der Generalsekretär des Völkerbundes A v e n o l sandte den Mitgliedern des Rates Freitag mittags ein Telegramm, in welchen er an den Beschluß des Rates vom 25. Mai l. I. erinnert und betont, daß der Bölkervundrat zusammentrcten sollte, wenn bis zum 25. Juli keine Einigung entweder über den fünften Schiedsrichter oder über die Verlängerung der Frist des BersöhnnngsverfahrcnS erreicht würde. Die bisherigen Berichte des interessierten Regierungen zeigen, daß ein solches Einvernehmen nicht erreicht wurde und daher soll eine außerordentliche Rutschung stattfinden. Außerdem hat die abessinische Regierung in einer Zuschrift, die der Generalsekretär am 25. Juli erhielt, verlangt, daß der Bölkerbundrat sogleich einberufen werde. Der Ratspräsident schlägt daher den Ratsmitgliedern vor, daß im Sinne des Artikels 1, Absatz 4, des Statuts des Rates eine Sitzung des Bölkerbundratcs auf den 31. Juli oder 1. werde. Die Mitglieder des Rates mögen bis Samstage mittags mitteilen, ob sie mit diesem Vorschlag übereinstimmen. Nach vorübergehender Entspannung in dem ostafrikanischen Streit, der durch eine scheinbare Nachgiebigkeit Italiens der Beilegung näher schien, hat sich die Situation aufs neue bedeutend verschärft. Die Verhandlungen zwischen den Grossmächten dauern an. A v e n o l, der Pariser englische Botschafter S i r C l a r k, S u v i ch, Drummond und Laval beraten in fast permanenten Konferenzen über die Möglichkeit einer Einigung nicht so sehr zwischen Italien und Abessinien, als zwischen Italien und England. Es scheint, dass England schon zu sehr weitgehenden Zugeständnissen entschlossen ist, u. a. auch zu dem politischen Protektorat Italiens. Allerdings fordert England, dass alles im Rahmen des Vertrages von 1906 bleibe, dass Italien die Behandlung des ganzen Komplexes durch den Völkerbund zulässt und sich der Autorität des Völkerbundes unterordnet. Als wahrscheinlich wird setzt hingestellt, dass Italien an den Genfer Beratungen teilnehmen wird. Die Neigung Italiens, eventuell doch ein Kompromiss abzuschliessen, dürfte vor allem auf seine F i n a n z n o t zurückzuführen sein. Auch von Abessinien glaubt man, dass es Grund hätte, r Von einem Henlelnmann zu Tode getrampelt! Furchtbares Schicksal eines westböhmischen Genossen und seiner neunköpfigen Familie Karlsbad. Zn der Nacht zum Mittwoch ereignete sich in Elbenberg bei G r a s l i tz ein Vorfall mtt leider tragischem Ausgang. In der Nähe des Gasthauses Dannler kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem im Jahre 1884 geborene« PhilippHöser ans Grünberg und dem 22jährigen Bäcker Adolf Keilwert aus Graslitz. Im Laufe der Auseinandersetzung warf Kellwert den Höfer zu Boden«nd bearbeitete ihn in viehischer Weise mit den Füßen. Höser erhielt schwere Verletzungen in der Bauchhöhle, so daß er in das Graslitzer Krankenhaus überführt werden mutzte, wo er Donnerstag mittags starb. Am den auf so ungeheuerliche Weise ums Leben Gekommene« trauern eine Witwe und acht Kinder, von denen vier unter vierzehn Jahren sind, während die andern zwar bereits der Schule entwachsen sind, jedoch in gemeinschaftlichem Haushalt mit den Ettern leben. Höser war Sozialdemokrat, während sein Verderber Mit- gliedderSHF ist und im letzten Wahlkampf besonders akttv austrat. Keilwert hatte schon vorher im Gasthause ein Messer kaufen wollen, hat aber dann auch ohne Messer seine unselige Tat zu verüben vermocht. Er wurde verhaftet und dem Bezirksgericht in Graslitz eingeliefert. Seile 2 SamStag, 27. Juli 1935 Rr. 173 man nicht sagen können, daß die Karlsbader Stadträte gerade vorbildlich geschickt gehandelt hätten. Wenn man eine solche Sache übernimmt, dann muß man doch wohl oder übel auch damit rechnen, daß schließlich die Nachteile größer als die Vorteile sein könnten. Und man hat auch nicht gerade den Eindruck, als ob die Karlsbader sich sehr um die Subventionierung bemüht hätten, die allem Anschein nach jetzt dem Prager Asyl des Musikfestes mühelos zufällt. Aber wiederum muß auch gesagt werden, daß diejenigen unter den Veranstaltern, die jetzt so bitterböse aus Karlsbad find, sich der Suventionierungsange- legenheit anscheinend nicht mit dem nötigen Nachdruck angenommen haben. Und auch das ist sicherlich befrenrdlich, daß es den eigentlichen Veranstaltern, deren etliche doch im Prager Radiojournal sehr gut zu Hause sind, nicht gelang, die Zusicherung einer Rundfunkübertragung des Karlsbader Musikfester zu erwirken. Man muß schon begreifen, daß die Karlsbader auch über diesen Umstand verschnupft waren, da sie ja, was voraus zu wissen war, die Veranstaltung nicht nur aus Liebe zur modernen Musik bei sich aufnehmen woUten. Es sind also Fehler auf zumindest zwei Seiten geschehen. Was Karlsbad anlangt, so wollen wir annehmen, daß es seinen Verzicht doch zumindest anders ausgesprochen hätte, wenn cs sich über die Wirkungen und Folgen des Schrittes völlig llar gewesen wäre. Die bösen Folgen sind nun da. Auf deutscher wie auf tschechischer Seite fanden sich Stimmen, die den Karlsbader Stadtrat verdächtigen, er hätte sich bei seinem späten, überraschenden und— das muß ausgesprochen werden.— etwas skandali- sierenden Verzicht von politischen Erwägungen leiten lassen, die nicht in der tschechoslowakischen Demokratie, sondern jenseits der Grenze beheimatet sind. Erfreulich, daß das Präsidium der Karlsbader Stadtvertretung nun in einem Kommuniques diese Verdächtigung mit Ueber- zeugungskraft zurückweist. Wir wollen denn auch wirllich annehmen, daß auch der rechte Flügel der Karlsbader Stadtvertretung sich bei diesem Beschlüsse nur von sachlichen, wenn auch zu spät erkannten und nicht gerade geschickt vorgebrachten Beweggründen leiten ließ. Weit schlimmer aber ist der Umstand, daß nun ein Teil der tschechischen Presse, unter Führung des„Denkov", also des Organs der größten Partei und deS Ministerpräsidenten, den Karlsbader Vorfall dazu benützt(besser gesagt: mißbraucht), um gegen die Autonomie der Gemeinden Sturm zu laufen, die unter solche staatliche Ueberwachung gestalt werden mögen, daß keine von ihnen in einer internationalen, gesamtstaatlichen Angelegenheit fürderhin in die Lage versetzt werden könnte, dem Gesamtprestige Unannehmlichkeiten zu bereiten. Es wird gut sein, wenn der„Den- kov" zur Mäßigung gerufen wird, da er da unter dem Vorwand der Demokratieverteidigung der Demokratie ans Lebenslicht will. Es scheint, daß gewissen Leuten die Affäre um daS Musikfest sehr gelegen kommt! Es werden das wohl dieselben Herren sein, die immer zögern, wenn irgendeine Subvention ins deutsche Gebiet fließen soll und die nicht nur für ein Musikfest in Karlsbad, sondern auch für die Arbeitslosen im deutschen Gebiet nichts übrig haben. Und jetzt möchten sie aus einem gewiß unangenehmen und überflüssigen Fall, der aber doch ein Einzel- und AuSnahmsfall ist, Kapstal schlagen für ihre chauvinistischen, Volks- und demokratiefeindlichen Bestrebungen, sehen Wasser laufen aus ihre Mühle des Deutschenhasses, der sich auf dem Transport von ein paar Partituren aus Karls- bad nach Prag geradezu gemüllich ausleben läßt. Es ist aber doch wohl anzunehmen, daß sich auch diese künstliche Aufregung bald wieder legen wird. Denn Erfolg wird ihr nicht beschieden sein. Es scheint uns, daß in der Affäre des Musikfestes keiner der Beteiligten das Recht hat, an- zullagen, geschweige denn zu urteilen. Und es wäre insbesondere für die breiten notleidenden Volksmassen auf tschechischer wie auf deutscher Seite unerträglich, wenn daS Um und Auf einer NSDAP und Berlin.(AP) Was bedeutet die Treibjagd gegen di« Stahlhelmer? An ihnen will das Regime den Protektor des Stahlhelms, die R e i ch S- w e h r, treffen. Auch hier handelt es sich um ein« Vorbeugungsmaßnahme gegen gewisse parteifeindliche Absichten der Reichswehr, von der man weiß, wie sehr sie seit Jahresfrist den Stahlhelm gefördert hat. Die Stahlhelm-Führer, meist ehemalige Offiziere, bekommen gute Stellen im neuen Heer. Die SA-Führer aber, gestern noch betreßt und mst goldenen Sternen herumlaufend, werden auf den Kasernenhösen als Gemeine gedrillt. Die Schilderung von dem Sturmführer, den sein Unteroffizier tagtäglich auf d^m Kasernenhof bekennen ließ:»Ich bin nicht der Sturmführer 3E, sondern der Rekrut X" hat die Runde durch die ganze Presse gemacht. Hier übt also jetzt die Gegenseite für diese geflissentlichen Demütigungen Revanche, gleichzeitig den eigenen Anhang beschwichtigend und angesichts des Vordringens so vieler führenden Persönlichkeiten aus der Bor-Hitlerzeft einen Kampf gegen die Reaktion vortäuschend. Daher der Jubel über die Wiederkehr des Grafen Helldorf, der die Illusion erweckt, als seien die Zeiten vor dem 30. Juni wieder da, als könnten die Braunhemden Wieder die Straße erobern. Haussuchungen bei Hindenburg gegen Stahlhelmverbot Berlin. Die Polizei hat die Sonderausgabe eines Blattes beschlagnahmt, in welchem die Reproduktion einer Handschrift Hindenburgs,, erschienen war, in der der verstorbene Reichspräsident die Aufhebung der Verordnung der preußischen Regierung forderte, durch di« der Stahlhelm verboten wurde. In dem Blatt war auch ein Kommentar vorhanden, in welchem die nationalsozialistischen Behörden offenbar eine Kritik ihres Standpunktes dem Stahlhelm gegenüber erblickten. Frankreich kürzt Abgeordnetengehälter Paris.(Havas.) Das Präsidium der De- putiertenkammer hat beschlossen, daß die zehnprozentige Kürzung der Staatsausgaben sich auch auf die Abgeordnetengehälter beziehen wird. solchen Veranstaltung dazu beitragen würde, daS Zusammenleben der beiden Nationen auch nur im mindesten zu erschweren. Für die Arbeiter ist eS letzten Endes ziemlich gleichgültig, ob die Herren vom Internationalen Musikfest einander in Karlsbad oder in Prag begegnen. Versöhnende Wendung Gestern abends erreichte uns aus Karlsbad die jedenfalls erfreuliche Nachricht, daß im Laufe des Freitag der Bürgermeister der Stadt mit den Prager Beran st alterndes Musikfestes, darunter mit Professor H ä b a, eine längere Aussprache hatte, die für beide Teile zufriedenstellend verlief. Unter anderem wurde auf Initiative der Prager vereinbart, daß das Karlsbader Kurorchester an dem Musikfest in Prag mitwirken wird. Stahlhelm Düsterberg und Prinz Eitel Fried- r i ch, dem Sohn des Exkaisers, das steigert die Illusion, als befände man sich noch im Juli 1933, als Hugenberg zurücktrat, die Bismarckbündler zu Paaren gejagt wurden, Oberfohren und Bazille durch»Selbstmord" endeten, O l- denburg-Januschau auf dem Königsberger Hauptbahnhof und Herbert v. Bismarck in Danzig von SA-Leuten angerempelt wurden. Alles soll in einer Dachorganisation unter dem Protektorat des Kyffhäuserbundes zusammengefaßt werden, dessen man sicher zu sei- glaubt, seitdem der monarchistische General Horn durch den Oberst Reinhardt ersetzt würde. Beim Reichsbund deutscher Offiziere blier diese Osfensivoefreilich schon stecken. Hier mischt' sich die Reichswehr ein, und höchstswahrscheinlich wird die Partei dort nicht ihren Willen durchsetzen. G Königsberg.(Tsch. P.-B.) Der Lbcrpräsi- deut der Provinz Ostpreußen hat den Landesverband Ostpreußen des nationalsozialistischen deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm) einschließlich seiner Untergliederungen mst sofortiger Wirkung unter gleichzeitiger Beschlagnahme des Vermögens aufgelöst. Antitschechische Kundgebung In polnlschleschen Warschau.(Tsch. Pr-B.) Di« polnischen regierungsfreundlichen Blätter, darunter„Ga- .zetta Polsha", und,„Ezas"; veröffentlichen das Programm der vom Regierungsblock vorbereiteten Kundgebung ist Teschen am 28. d. M., den Jahrestag der Teilung des Teschener Gebietes. Auf dem Ringplatz von Teschen wird Vormittag eine öffenliche Versammlung stattfinden, in welcher der Redakteur deS Legionärorgans„Slon- ska Brigada" Wolicki eine Rede halten wird. Nach dieser Versammlung werden sich die Teilnehmer auf den Schloßplah begeben, wo unter dem Denkmal der gefallenen Legionäre neuerdings Reden gehalten werden sollen. Nachmittag werden gemeinsame Beratungen der polnischen Unabhängigkeitsorganisationen stattfinden, bei denen Referate über das Teschener Gebiet gehalten und entsprechende Resolutionen gefaßt werden sollen. krnst oder Spa5? Das„PragerAbendb la t t", also ein Organ der Regierung, schreibt in seinem Leitartikel vom 2s. Juli, nachdem eS eine Polemik der amtlichen Berliner„Diplomatischen Korrespondenz" gegen di« Habsburger zittert hat, folgendes: »Wir zittere« diese Wort« nicht etwa deshalb, um di« S elbst verstand l i ch kvit darzutun, daß sichHitlerdeutschland den Habsburger« entgegen« stellt. ES interessiert uns diesmal mehr die Argumentierung als daS Meritum der Sache selbst. Deutschland argumentiert keineswegs mit dem Anschluß, sondern mit der Tatsache, daß die Restauration der Habsburger den Frieden bedrohen könnte. An der Aufrichtigkeit dieser Begründung ist nicht zu zweifeln, den« Deutschland braucht den Frieden, wie immer sich auch die Absichten der deutschen Regierung für die entferntere Zukunft gestalten mögen. Die Störung des Friedens würde heute Deutschland ebenso unliebsam empfinden, wie alle seine Nachbarn. In diesem Punkte ist die Politik Deutschland- und Frankreichs auf einer Linie zu- sammengekmnmen. Wenn wir aber die Lage näher analysieren würden, so würden wir finden, daß sich noch mehrere solche gemeinsame Anknüpfungspunkte finden ließen, denn schließlich und endlich bildet die gegenseitige Abhängigkeit Aller von Allen in dem heutigen Europa, ja in der heutigen Welt das typische Merkmal unserer Zeit. Die These von dem unteilbaren Frieden müssen selbst diejenigen annehmen, die sonst Gegenargumente vorzubringen pflegen. Der Friede ist unteilbar und daher muß alles verhindert werden, was ihn stören könnte." Eine erstaunliche Entdeckung, von der es zur Kandidatur Hitlers für den Friedensnobelpreis nicht mehr weit ist! Dabei ist dieser Artikel zu einer Zeit geschrieben worden, da die g r ö.ß t e Hitze vorüber war, so daß eine natürliche Erklärung für die merkwürdigen Ansichten eine? offiziösen Blattes wegfällt. Darüber, ob Hitler für oder-gegen die Habsburger ist, gehen die Ansichten in der tschechischen Presse weit auseinander. Wir- sind durchaus geneigt, mit dem „Prager Abendblatt" anzunehmen, daß er gegen sie ist. Aber daß er nicht aus Eigennutz, nicht wegen des erstrebten Anschlusses-sondern aus purer. Friedensliebe gegen die Habsburger ist, das zu entdecken, blieb dem anonymen Autor deS zitierten Artikels Vorbehalten, der geeignet ist, die ganze europäische Situation in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Brünner Kommunist In Wien verurteilt Wien. Der kommunistische Journalist Friedrich Hermann, ehemaliger Redakteur der „Roten Fahne", ein gebürtiger Brünner, hatte sich heute in Wien wegen illegaler kommunistt- fcher Tätigkeit vor Gericht zu verantworten. Er wurde zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. Wien. In der Wiener Lobau nahm di« Polizei Frettag neuerlich eine Razzia und ein« Durchsuchung zahlreicher Weekend-Häuser und Zelte vor. Einige Personen wurden verhaftet.■ 79 Roman von Emil Vachek n [7 Deutsch von Anna AurednKek Jetzt wurde Loisis nachdenklich.„Aber, Ferdl", sagte sie dann mit süßer Sttmme,„warum willst du mich eigentlich nicht heiraten? Bin ich dir nicht gut genug, du Lump? Bin ich nicht ein resches Frauenzimmer, gut erzogen, aus feiner Generals- familie, und sparsam?" „Ich weiß, Loisis, du hast ein gutes Herz, darum handelt sich's gar nicht. Aber ich habe mir vorgenommen, Junggeselle zu bleiben." »Das kannst du ohne weiteres, Ferdl! Wir müssen doch nicht zum Magistrat rennen. Bleib du ruhig Junggeselle und ich bleibe Fräulein. Wenn du dir aber einbildest, ich lasse dich laufen, nachdem ich für dich soviel erlitten und getan habe, und trotz dem Versprechen, das du mir vor Zeugen gegeben und hier unterschriHen hast, dann kennst du die Loisis fchlecht." „Loisis", erwiderte Beinsteller diplomatisch, „davon red' ich ja gar nicht. Du sollst mir nur ein paar Tage Zeit zum Ueberlegen lassen. Sogar der Verurteilte hat drei Tage Bedenkzeit, ob er den Galgen annimmt oder nicht." »Gut, überleg' dir's", erklärte Loisis.„Aber du bleibst schön hier bei mir. Und damit du nicht meinst, daß du mich foppen kannst, nehm' ich dir die Hosen weg. Ich wundre mich übrigens, Ferdl, daß du solche Faxen machst; deine langbeinige Hopfenstange heiratet doch..." Das war ein Schlag mit dem Beil. Wäre Beknsteller nicht auf dem Bett gelegen, die Worte hätten ihn umgeworfen. Gewiß, sein gestriges Benehmen war nicht schön gewesen, es hatte ihn aber die Demsstta"»/» vergessen lassen, die ihm zugefügt worden war. Jetzt erstand wieder alles vor ihm, was er durchlebt hatte, als er glaubte, auf der Schwelle des Glückes zu stehen. Er neigte den Kopf, wehrte sich nicht mehr und versprach Loisis, alles zu tun, was sie von ihm verlangte. Jetzt war ihm alles gleichgültig. Er verkaufte, ohne zu zögern, seine Freiheit, um seine Hose zurückzubekommen und war so apathisch, daß er gar nicht merkte, daß ihn Loisis mit seinem eigenen Kognak bewirtet«. Eine Stunde nach der andern verging. Die Mittagszeit rückte heran und Loisis erzählte Beinsteller, daß jetzt die langbeinige Ziege ihren Liebsten erwarte. »Loisis", sagte Beinsteller, der aus seiner Betäubung erwachte,»der Kognak war vergiftet, mir ist nicht recht wohl. Ich könnte am Ende was anstellen, was mir später leid täte, wenn mir fremde Leute in den Weg kämen. Ich geh' lieber. Hier hast du einen Tausender. Ehrlich verdientes Geld. Kaufe dafür in der»Asien Hundshütte" gute Sachen und lad' das Gesindel für abends ein. Wir wollen den Tag feiern! Wenn einer unserer Bekannten irgendeinen Zorn hat, soll er mitkommen, dann gibt'S eine Prügelei." »Und was'ist's mit dem Minister, Männchen?" fragte Loisis und nahm Mayers Tausender in Empfang.»Gehst du nicht mehr hin?" „Minister?" fragte Beinsteller in grenzenlosem Schmerz.»Was für ein Minister? Was quatschst du eigentlich? Mir wird etwas geträumt hwbenl" Dann ging er. Er ging aber nicht weit. Es trieb ihn zu dem jungen Mann, der bei Fräulein Sophie den Sieg davongetragen hatte. Er stellte sich ihn als Prinzen vor. Als er dann aber das auSgemergesie Männchen mit der ungesunden Gesichtsfarbe sah, spuckte er nur auS und sagte:»Elender Regenwurm! Er ist aber nicht bucklig und schaut nicht wie ein Dieb aus. Hätt' ich's nur gleich gewußt!" Dann sah er Loisis, die mit seinem Tausender ins Wirtshaus der Witwe Bawlik eilte. Er fühlte, daß eS für ihn besser wäre, jetzt nicht unter Menschen zu gehen'; er war in einer Stimmung, etwas Unverzeihliches auszuführen. Außerdem wollte er noch einmal den glücklichen Nebenbuhler sehen, den Sophie vielleicht begleitete. Er suchte sich eine Stelle aus, wo er vor dm Blicken der zurückkehrendm Loisis verborgen blieb; dort setzte er sich auf einen Haufen Scherben. Er hatte sich überflüssigerweise versteckt. Loisis kam nicht zurück, sie war wahrscheinlich der Versuchung des Geldes unterlegen und feierte ungesäumt ihren Triumph. So verbrachte er etwa zwei Stunden, zwei glühend heiße Stundm. Endlich kam ein Regenschauer, den Beinsteller aber ebensowenig spürte, wie vorher die Sonnenstrahlen. Er erwartete nur den Augenblick, wo der glückliche Neben- buhler mit Sophiechen im Haustor erscheinen würde, mit Sophiechm, seiner für ewig verlorenen Braut. Er erblickte Fxäulem Sophie, aber— in Begleitung der Schwarzen Kathi. Die Alte weinte vor Freude und schrie:»Na, was jetzt, werden Sie meinm Medo noch verspotten? Zum Glück hat sich der Kater in den Keller versteckt. Sie hätten ihn sonst auf dem Gewissen. Hab ick Ihnen nicht gesagt, daß der, an welchen Sie denken, es nicht gut mit Ihnen meint, und daß Sie der andre heiraten wird?" Beinsteller war heute zum zweitenmal nahe daran, in Ohnmacht zu fallen. Träumte oder wachte er? Was hatte es zu bedeuten, daß Sophiechen barhäuptig, mit vorgebundener Schürze aus dem Hause ging? Was bedeutete das unsinnige Geschrei der Schwarzen Kathi? Es ließ Sophiechen vorübergehen, wagte es nicht, ihr vor die Augm zu treten, stürzte sich aber auf die Schwarze Kathi. »Was das bedeutet?" jubelte die Schwarze Kathi.„Ich prophezeite ihr, daß. der Bengel, der nicht einmal weiß, daß es sich schickt, der Schwarzen Kathi einen Besuch zu machm. wenn man ins HauS heiratet, daß der sie sitzen läßt und ein andrer sie aufrichtig liebt. Mit deal andern meinte ich Sie, Herr Beinsteller, und&• werden gewiß einsichtsvoll gegm mich sein. Sie werden Uhren und Ketten gewiß nicht zu andern Leuten tragen, wenn die Schwarze Kathi da ist- die sie Jhnm ebensogut abkaust." „Na ja", flüsterte Beinsteller.„Aber warum ist sie fortgegangen?" „Fortgegangen? Sagen Sie lieber, davongelaufen. Sie, mußte davonlaufen, denn es iß eine Schande, daß der Bengel um Magdalenas statt um ihre Hand anhielt." „Um Magdalena?" brüllte Beinsteller. „Das ist eine tödliche Beleidigung, die niht ungerächt bleiben darf!" „Aber, Herr Beinsteller, sie ist selbst schust daran, warum hat sie nicht auf meine Prophezeiung gehört? Sie können übrigens sehr frot sein, daß es so ausgefallen ist... Und", fuhr sie nach kurzer Pause fort,„wenn Sie die Absicht haben, dem Kerl ein paar herunterzuhauca- so kann es nicht schaden." Jetzt fiel ihr der arme Medo ein.»Ich muß jetzt zu dem armen Tschapperl, dem Medo,(t lauft seit dem Morgen mit nüchternem Magen herum. Ich will es aber gutmachen und ihm statt Milch Sahne geben." Doch Beinsteller hörte ihre letzten Warft nicht mehr. Wuterfüllt rannte er nach Haust» Er wollte die Ehre Fräulein SophiechenS retten. Als er in der Hühnersteigr anlangte worein deren Bewohner schon außer Ran- und Band- Das Triumphgeschvei der Schwarzen Katt' hatte das ganze Haus alarmiert. Alles drängte sich auf der Pawlatsche und besprach den Fall. große Dort führte Frau Duffek. (Fortsetzung folgt.' 9bt. 173 Sette S SamStag, 27. Ank! 1938 fudetendeutsdier Zeitspielen Gewissenlose Täuschung der Arbeiter Peinliche Frage an die Wollner, Schreiber und Ein Manöver ganz ungewöhnlicher Art, um die Arbeiter zu täuschen und in den armen Arbeitslosen trügerische Hoffnungen zu erweck n, haben sich die Henleins in Karlsbad g lüstet. Es ist notwendig, daß die sudetendeutsche Arbeiterschaft in allen unseren Gebieten erfährt, wie die SdP cs anlegt, um den Arbeitern und Arbits- losen /vorzuspiegeln, daß sic— die Henleins— beispiellos und mit Erfolg bemüht sikrd, das Los der Aermsten zu listdern und wie es ihnen angeblich gelingt, als die einzige Pa tei dazustehen, deren Bemühungen um die hungernden Menschen von Erfolg gekrönt sind. Gestern nämlich brachte die„Karls- hader Deutsche Tageszeitung" in ganz großer Ausmachung eine Meldung, an deren wesentlichen Stellen es heißt, daß die Abgeordneten der SdP Wollner, Schreiber und R i ck e r l am Donnerstag beim Arbeitsamt und beim Mitt i st e r i« m für soziale Fürsorge interveniert haben(nämlich in der Frage der Ernäh» rungSzutrilnng, Anm. d. Red.). Dann heißt es in der„Karlsbader Deutschen Tageszeitung" wörtlich: „Die Abgeordneten der SdP erhielten dar- . anfhin die sichere Zn s a g e, daß die Ueberweisung der in Abzug gebrachten Geldbeträge für die Arbeitslosenäktion und für die Kinderernährung, die in manchen Bezirken fast . dreißig Prozent betrugen, sofort wieder durchgeführt werden und daß binnen drei Tagen die Verteilung nach dem bisherigen Schlüssel wieder erfolgen könne. Auch jene Bezirke, die bei der letz« . ten Zuteilung für die Periode vom 17. Juli bis 18. August überhaupt keine Karten mehr erhalten . konnten, werden im alten Ausmaße wiederum bestellt werden... Die Promptheit, mit der hier die SdP eingeschritten ist und durch Ziffern« . mäßiges Material bei den Behörden so rasch Abhilfe erreichte, ist zu begrüßen.. Zu dieser Meldung ist zunächst folgendes zu sagen: Schon seit Tage.n, sieht in Vertretung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Genosse Taub mit dem SdP-Abgeordneten Nickeri Minister für soziale Fürsorge Genosse NeLas in ununterbrochene Verbindung und diese Verhandlungen haben es herbeigcführt, daß wirklich nachträgliche Zuteilungen erfolgen werden. Davon und auch vom Ausmaß dieser Zuteilungen werden wir die Oeffentlichkeit morgen ausführlich über- zeugen. Dagegen ist an der ganzen Meldung der -karlsbader Deutschen Tageszeitung", die in diesem Falle'als Vublikationsorgan der SdP Henleins erscheint, kein wahres Wort. Wir haben nämlich festgestellt, daß weder beim Fürsorgeminister Necas noch bei irgend einem der Beamten, die bei der Entscheidung dieser Angelegenheit in Frage kommen, irgendjemand von der Henleinbewegung vorgesprochen hat. Und da sich also diese Volksbeglücker die ganze Vorsprache ausden Fingerngesogen haben, sind also auch die angeblichen Zusicherungen, und alle Angaben, die in der Sache gemacht werden, erfunden. Wir fordern die Genannten SdP- Abgeordneten Wollner, Schreiber und Nickerl namentlich auf,«ns und der gesamten Oeffentlichkeit bekanntzugeben, wann und bei wem sie intervenierten und wer ihnen Zusagen gemacht hat, wie sie in der .Karlsbader Deutschen Tageszeitung" dargestellt werden. Was immer die Herren in ihrer Verlegenheit antworten werden— es steht fest, daß hier em offensichtliches Täuschungsmanöver vorliegt, daß die SdP darauf aus ist, sich einerseits mit fremden Federn zu schmücken, andererseits in demagogischer und irreführender Weise auch auf diesem Gebiete in den Menschen falsche Hoffnungen und trügerische Illusionen erweckt. Ein sonderbarer SHF-Aufruf In der„Deutschen Landpoft" lesen wir: „Die Rundschau" vom 21. Juli bringt einen Aufruf an die Bauernkameraden mü der Aufforderung, der Bezirksstrll« der SdP. in Bodenbach mitzuterlen, welche Bauernkameraden und Kameradinnen nach T e t s ch e n und Bodenbach lan d w irts ch a f tli ch e Produkte liefern. Was dieser Aufruf bedeuten soll, wird sofort klar, wenn man weiß, daß schon wochenlang in den Dörfern SHF.-Jünger predigen, daß die Kameraden in den Städten von BdL.-Bauern nichts mehr laufen sollen, auch wenn diese die Milch durch di« Milchhändler liefern. Es seien bereits genaue Listen angefertigt, und zwar blaue und schwarze. Die Herrschaften mögen sich nur mit solchen Methoden nicht die Finger verbrennen. Dieser Kampf gegen politisch anders Gesinnte übertrifft schon den seinerzeit von den Marxisten geführten und hat wohl nichts mit Vollsgrmeinschast zu tun. Vielmehr ist die Frage berechtigt: Ist das Volks- - gemeinschaft, wenn z. B. in die Stadt Bodenbach die heimische Landwirtschaft nur zehn Prozent Frischmilch verkaufen kann, während die übrigen neun Zehntel von tschechischen Molkereien«inge- führt wird? Bodenbach ist eine zu 95 Prozent deutsche Stadt und mehr als 75 Prozent der Einwohner sind eingefleischte SHF.-Kameraden." Die ehemalige dicke Freundschaft zwischen den Landbündlern und Henleins unter der glorreichen Politik Dr. Spinas endet also nicht nur in schärfster politischer Gegnerschaft, sondern auch mit wirtschaftlichen Kämpfen. Und zwar in Form des Boykotts jener Land- bündler, die ihren Grundsätzen treu geblieben sind. Zu diesen gehört der ehemalige Landbundmacher A u st e n in Politz a. E. allerdings nicht. Er ist auf die„Butterseite" gefallen und hetzt nun gegen seine einstigen langjährigen Parteifreunde. Was bei diesem Boykotwersuch praktisch herauskommen wird, bleibt abzulvarten. Die Schlußbemerkungen des„Landpost"-Artikels zeigen eigentlich sehr deutlich, daß die stramme nationale Einstellung der Henleins nicht vorhanden ist, wenn es sich um den•— Geldsack handelt. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß gerade die„besseren" Kreise ihre Waren recht gern bei Tschechen und Juden kaufen(oft auswärts), wenn sie dabei besser fahren. Wenn das heimische Gewerbe von „besserer" Gesellschaft leben sollte, wäre es schon längst erledigt. Ob daher die Masse der Henleinnachläufer der Boykottparole ohne weiters Folge leisten wird, ist fraglich. Und das um so mehr, als sich die meisten von ihnen seitens der Henlein front ganz andere, für sie vorteilhafte Dinge erwartet haben I Ein Boykott landbündlerischer Bauern brächte ihnen sogar noch Nachteile, denn ein Monopol henleinfreundlichcr Bauern bei der Lieferung landwirtschaftlicher Artikel würde nur ein Preisdiktat nach oben zur Folge haben. Das ganze ist offenbar nur ein Parteimanöver, um den Henleinbauern b o r j u« spiegeln, daß sie auf Kosten ihrer landbünd- lerischen Kollegen ein Geschäft machen können. Die Rechnung hat um so mehr ein großes Loch, als die Henleins den Einfluß der tschechischen Konkurrenz in bezug auf Preisgestaltung und Marktbelieferung absolut nicht zu brechen vermögen. Die Geschichte wird demnach unausweichlich mit einer blamablen Enttäuschung der genasführten Henleinbauern enden. Sie stehlen wie im Dritten Keich I Karlsbad. In D a l l w i tz bei Karlsbad wurde dieser Tage von einigen Mitgliedern des Ortsschulrates eine Revision der Rechnungslegung für 1834 verlangt, da diese mit Anfang Juli noch immer nicht erfolgt war. Bei der Revision wurde festgestellt, daß ein Betrag von 20.000 Kc fehlte. Der für den Abgang verantwortliche Geschäftsführer des OSR ist Oberlehrer Enz- mann, ein ehemaliges hervorragendes Mitglied und Agitator der Deutschen Nationalpartei. Jetzt dürste er vermutlich Henlein- m a n n sein. Vie sie lügen! Eine ganze Reihe sudrtendeuffcher Provinz- blätter bringt die Nachricht, daß der„Sozialdemokrat" weil er eine Pressebcrichtigung des Abg. Reuwirth nicht im Wortlaut abgrdruckt hatte, ab 19. Juli eingestellt worden sei und solange nicht erschcinon dürfe, bis er die Berichtigung nachgeholt habe. Hier wird der Wunsch des Herrn Reuwirth mit der ein wenig anderen Wirklichkeit absichtlich verwechselt. Tatsächlich wollte Herr Reuwirth wegen zweier kleiner Druckfehler in seiner weltbewegenden Berichtigung den „Sozialdemokrat" einstellen lassen. Daß es ihm nicht gelungen ist, haben wir unseren Lesern bereits mitgeteilt. Den Meldungen der gleichgeschalteten Presse zufolge müßte aber der„Sozialdcmo- kart" seit 19. Juli nicht mehr erscheinen. Hier hat man ein drastisches Beispiel für die Lügenmethoden der sudetcndeutschcn Goebbelspresse. Schreckenstat einer Minter Freitag früh gegen 8 Uhr gab die Gatttn eines Jndustrievertreters in Leitmeritz auf ihren 18jährigen Sohn in dessen Wohnung zwei Schüsse ab und entleibte sich dann selbst. Der 18jährige Oskar Kubik hatte in letzter Zeit einen leichtsinnigen Lebenswandel geführt. Als er Freitag früh um 4 Uhr voy einer Bummelreise nach Hause kam, wurde er von seiner Mutter erwartet, die nach einer Auseinandersetzung zwei Schüsse auf ihn abfeuerte und sich dann durch drei Schüsse tödliche Verletzungen beibrachte. Der junge Mann erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Aus einem hinterlassenen Schreiben geht hervor, daß die Mutter zur Waffen griff, weil sie den Leichtsinn ihres Sohnes nicht mehr mit ansehen kqnnte. Halbe Kurtaxe für Henlelnleute In reichsdeutschen Seebädern Wenn eine Zeitung schreiben würde, daß die sudetendeuffche Henlein-Partei eine Filiale der braunen Diktatur in Deutschland ist, würde das der Zeitung mindestens eine Berichtigung eintra- I gen, wenn nicht eine Klage der Führer der SHF. Schon deshalb, weil ja Konrad'Henlein nicht weiß, wie es in Deutschland zugeht, und was dort los ist. Vielleicht nimmt er aber wenigstens davon Kenntnis, daß die Mitglieder der Henlein- Partei in Deutschland in den Seebädern Vergünstigungen genießen. Eine Angestellte aus der Aussiger Umgebung erhielt auf ihre Anfrage nach Preisen für Pension, Kurtaxe usw. im Seebad Wangeroog die Mitteilung, daß die Kurtaxe täglich 90 Pfennige beträgt. Auf ihre Mitteilung, daß sie Mitglied der Sudetendeutschen Partei, Vorsitzender Konrad Henlein ist, teilte man ihr mit, daß dann nur die Hälfte, nämlich 45 Pfennige, Kurtaxe zu zahlen sind... Da man nicht annehmen kann, daß die Badeverwaltung der schönen Augen--^-i-bie sie übrigens gar nicht sehen konnte,— der Anfragerin willen, die Kurtaxe um 50 Prozent herabsetzte, müssen schon andere Gründe vorhanden sein, gerade den Angehörigen einer bestimmten Partei Sonderrechte einzuräumen. Unter einer Lehmwand begraben Ein tragischer Unfall, der ein Menschenleben forderte, ereignete sich im Aussiger Bau- Tonziegelwerk, vormals Sikora. Der Arbeiter Josef K u b i t e I arbeitete an einer Lehmwand. Plötzlich lösten sich über eine Sandschicht gelagerte Lehmmassen, stürzten in die Tiefe und begruben den Arbeiter unter sich. Der sofort herbeigeholte Arzt konnte nur noch den Tod des Arbeiters feststellen. So starb ein Arbeiter in der Ausübung seines Berufes, ein Opfer der Arbeit. * Zu dem tragischen Unfall wird uns mitgeteilt, daß der verschüttete Arbeiter ein Opfer kapitalistischer Sitten wurde. Das Unterschrammen der Lehm- und Sandwände, das den Unfall verschuldet haben soll, ist im Betriebe gang und gäbe. Infolge der niedrigen Löhne, die im Be- triebe gezahlt werden, lassen sich die Arbeiter leider veranlassen, die Unsitte anzuwenden, nur, um sich die schwere Arbeit etwas zu erleichtern und den Verdienst etwas zu steigerst. Von den Arbeitern wird über mangelhafte Aufsicht geklagt. Es ist jedenfalls eigenartig, daß ein Arbeiter allein an einer gefährlichen Stelle arbeiten durfte uird erst aufgefunden wurde, als er verschüttet war. Allgemein ist die Arbeiterschaft und die Nachbarschaft des Betriebes der Auffassung, daß im Betriebe manches anders wäre, wenn anstelle der intensiven politischen Betätigung, die Betriebsführung den Betrieb eingehend beobachten würde. Die Aufsichtsbehörde sollte den gesamten Betrieb einer eingehenden Kontrolle unterziehen! Der Haß gegen den Geist! Durch„E i g e n- bericht" läßt sich die Henleinpresse aus Prag drahten, daß die polnische Regierung Heinrich Manns ,4? a fe" für Polen verboten habe. Das Buch, so zetere die Goebbels-Filiale in der Republik,„spare nicht mit schweren Beleidigungen Hitlers". Kein Blatt hat bisher von diesem unrühmlichen„Verbot" Notiz genommen, nur die Henleinblätter verzeichnen sie mit Genügtuung, denn die Erfolge der Unkultur gegen die Kultur betrachten sie eben stets als ihre Erfolge! Italienfeindiiche Stimmung in England Paris. Der Londoner Korrespondent.des „Echo de Paris" berichtet über eine stark italienfeindliche Stimmung unter der Bevölkerung Englands. Die Labourparty greife Italien und dessen Regime heftig an. Der Erzbischof von Canterbury setzt sich für die abessinischen Christen ein. Zahlreiche englische Offiziere'beabsichtigen, als Instruktoren in die abessinische Armee einzutreten, und auch ein freiwilliges Fliegerkorps ist in Entstehung begriffen. Die englischen Finanzkreise dringen darauf, daß Italien sofort eine Million Sterling für den Ankauf englischer Kohle bezahle. Da die italienische Regierung die Ratenzahlungen verläufig einzustellen beschloß, drohte England, weitere Kohlenlieferungen an Italien einzustellen. Labour in Bewegung Die allgemein« Empörung der britischen Oeffentlichkeit über den mussolinischen Raubzug gegen den einzigen noch selbständigen Staat Afrikas ist am stärksten in der Arbeiterbewegung. Lokalorganisatiouen fordern die Leitung der Arbeiterpartei ans, sich an die Spitze der Protestbewegung zu stellen. Freitag abend sprachen in einem großen Londoner Meeting gegen den italienischen Raubkrieg die Vorkämpferin deS Frauanwahlrechts Sylvia P a n k h n r st» Dr. George Brown(Neger) von der Liga der farbigen Völker, ein nicht namentlich genannter Abessinier und unser italienischer Genosse Pietro Nenni, der auch in Mitteleuropa sehr bekannt ist. Morgen Sonntag marschieren in Durham 100.000 Kohlenarbeiter auf. L a n s- bury, Morrison, Cripps und andere führende Labonrmänner sprechen und neben den Berufs- und Klassrnforderungen wird auch die Meinung der Bewegung über die Raubgelüstr der Faseistonregierung gesagt werden. Im„Daily Harald" weist Hannon Swaffer, der poleniische Chronist, darauf hin, daß vor Jahrzehnten die Liberalen Gladstone und nach ihm Lloyd George das ganze. Land aufgrrufai hätten und daß jetzt die Labourparty allein das tut. Statt des Luiden stürzt das holländische Kabinett Haag.(Havas.) Ministerpräsident Colijn ersuchte die Königin im Namen des Gesamttabinetts um seine Entlassung. Die Königin nahm den Rücktritt des Kabinetts an, betraute aber die Minister damit, bis zur Ernennung des neuen Kabinetts die laufenden Regierungsgeschäfte weiterzuführen, und ersuchte sie, alle Maßnahmen zu treffen, die zur Verteidigung'des Landesinteresses in der ge, genwärtigen schwierigen Lage in ihren Kräften stehen. DaS Kabinett wird deshalb, wiewohl es sich im Zustand der Demission befindet, alle seine Machtbefugnisse zuni Schuh der holländischen Währung einsetzen. Haag.(Reuter.) Der Führer der katholischen Partei Aalberse wurde von der Königin mit der Aufgabe betraut, eine neue Regierung zu bilden. Wahlen In Holland Amsterdam.(Tsch. P.-B.) In den Provinzen Nord-Brabant, Zeeland, Utrecht, Limburg, Friesland und Nord-Holland fanden Ergän- zungSwahlen zur ersten Kammer statt, durch die die Hälfte der fünfzig Sitze dieser Körperschaft neu verteilt wird. Auf Grund der vorliegenden Abstimmungsergebnisse verteilen sich die 25 Kammersitze wie folgt: 11 Katholiken, 5 Sozialdemokraten, 3 Christlich-historische, 2 Anti-Revolutionäre, 2 Nationalsozialisten(NS-Bewegung) sowie je 1 Liberaler und Demokrat. Die erst« Kammer besteht nunmehr aus 16-Katholiken, 11 Sozialdemokraten, 7 Christlich-historischen, 6 Anti-Revolutionären, 3 Demokraten und 2 Na- tionalsozialisten und fünf Liberale. Konsrefi der Komintern Moskau.(Tast.) Donnerstag um 19 Uhr wurde im Kolonnensaal des Gewerkschaftshauses der 7. Weltkongreß der kommunistischen Internationale eröffnet. Anwesend waren Delegierte aus 65 Ländern. Den Kongreß eröffnete der Führer der kommunistischen Partei Deutschlands, Wilhelm Pieck, der eine große Eröffnungsrede hielt. Das Präsidium wurde aus 42 Personen gebildet. Der Kongreß wählte Ernst Ichäl- mann, der in einem Kerker Deutschlands schmachtet, einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Den Kongreß begrüßten Vertreter der chinesischen und der spanischen kommunistischen Partei sowie eine Delegation der Arbeiter Moskaus. C« ch i n antwortete auf die Begrüßung. Am Schlüsse der ersten Sitzung nahm der Kongreß einstimmig die von Ereoli vorgeschlagene Begrüßungsadresse an Stalin an. Bersarbeiterfllkt In Amerika beiseiest Washington,(Reuter.) Die amerikanische Bergarbeitersöderation hat beschlossen, den Vorschlag Roosevelts, dem zufolge die gegenwärtig geltenden Lohn- und Arbeitsverträqe bis 16. September verlängert werden sollen, zu akzeptieren. Damit wird ein Ausstand von 460.000 Bergarbeitern, der am 31. Juli proklamiert werden sollte, verhindert. Seite« Samstag, 27. Juli 1935 Nr. 173 Willy Poft ftiegt rrm die Wett Der Start um einige Tage verschoben Burbank.(Kalifornien.) Der bekannte einäugige Flieger Willy Post, der von seiner Frau und dem Filmschauspieler Will Roge rs begleitet wird, startete gestern in Burbank zu dem geplanten Transozeanflug mit dem Endziele Moskau. Post will den Stillen Ozean und Sibirien überfliegen und eventuell seinen Flug von Moskau bis zurück nach Amerika fortsetzen, so daß er den ganzen Erdballumflie gen wird. Bald nach dem Start brach Post den Flug aus vorläufig unbekannten Gründen ab. Er ging mit dem Flugzeug in Albuquerque(Neu-Mexiko) nieder und erklärte, er werde auf einige Tage nach Los Angeles zurückkehren und erst dann den geplanten Flug über den Stillen Ozean und Sibirien nach Moskau an treten. DerFeinil steht iaRoin... Die Italienischen Sozialisten zur politischen Lage Unter den Auslandsvertretungen der in ihrer Heimat zur Illegalität verurteilten sozialistischem: Parteien nimmt dix Italienisch: Sozialistisch: Par. tei eine Sonderstellung dadurch cüi, daß ihre orgq nisatorischen und geistigen Grundlagen nicht au den engen Kreis politischer Flüchtlinge, sondern auf die, breiten Mass:n der nach Millionen z ä h l e n d e n p r o l e t a r i s ch e n Ausland s i t a I i c n c r gestellt sind. Wonn daher in diesen Tagen der Generalrat des Partita So- cialista Italianü sich nach eingehenden Debatten ausführlich und programmatisch zur politischen Lage äußerte, so sprachen durch ihn nicht nur die Treuhänder eines politischen Vermächtnisses, die• Auslandsdelegierten illegaler Gruppen. Die Stimme des italienischen Proletariats außerhalb> der Grenzen des fascistischen Dittäturbereichcs verstärkt die Bedeutung, die Resonanz und die Aktionskraft aller Deklarationen des P. S. I. Der Generalrat der italicnischrn Sozialisten hat sich daher auch nicht damit begnügt, eine mehr oder minder zutreffende Kritik an der fascistischen Politsk zu üben, sondern darüber hinaus die theoretischen Probleme des Sozialismus im Brenn- punkt der beginnenden Krise des Fascismus sowie die Frage der proletarischen Einheit angeschnitten. Für die Marschroute einer geradlinigen Unifizie- rungspolitik der Arbeiterklasse sprach sich der Sekretär der Partei, Genosse Pietro N e n n i, aus,] ipährend einige Debatteredner, so E. G. Modigliani und G. Sarrägat einige grundsätzliche Vorbehalte einwendcten und der Genosse Blasco für die Minderheit der Pariser Ortsgruppe die These der vierten Internationale vertrat. Bei der Abstimmung blieb eine dementsprechende Entschließung in bedeutungsloser Minderheit. Für eine engere Zusammenarbeit mit der Labour Party trat der Londoner Delegierte, Genosse D. R o n d a n i, ein. Die Bewertung Sowjetrußlands qls sozialistisches Faktum stand naturgemäß im Mittelpunkt aller Erörterungen. Angelo T a s c a, der Herausgeber der theoretischen Zeitschrift Politika Goeialista umschrieb seinen und den Standpunkt der Mehrheit in einer Rede, in der er Rußland als eine„offene Tür zum Sozialismus" bezeichnete, deren Schließung von außen oder von innen verhindert werden müsse. Innenpolitisch sei das Ziel daher eine Demokratisierung im Sinne einer kollektiven Grundgesetzlichkeit, außenpolitisch die Verteidigung der Sowjetunion, ohne jedoch hierbei in jene Solojetmystik zu verfallen, welche wie alle Mystizismen reaktionär sei. Das Ergebnis der Debatten des Generalrats wurde in einer Entschließung niedergelegt, welche gegen zwei Stimmen der Minderheit Annahme sand. Sie stellt als Endziel der Einheitsaktion die einzige proletarische Partei auf, ohne zu verhehlen, daß diesem Ziele noch ungeheure Schwierigkeiten entgegenstehen. Das Gebot der Stunde ist die Mobilisierustgsfähigkeit der italienischen Arbeiterklasse zu stärken, ihr Bewußtsein zu klaren, im Geiste der Freiheit und des Sozialismus die Eroberung und Ausübung derpolitischenMacht vorzubereiten. Die anzustrebende organische Einheit wird auf demokratischer Grundlage erstrebt, die Gewähr bietet, daß die Freiheit der Auseinandersetzung von keiner Bürokratie erstickt wird, deren Direktiven frei von der Gesamtheit der Partei, nicht von unbeweglichen Hierarchien bestimmt werden. Zum abessinischenKrieg erklärt die Entschließung, daß die Italienische Sozialistische Partei, lvelche den Krieg als unausweichliche Foege des fascistischen Herrschaftssystems voraussagtc, ihn ebenso entschieden bekämpft wie bisher vom italienischen Sozialismus die früheren Abenteuer Crispis und Giolittis auf afrikanischem Boden be« kämpft wurden. Der Feind derArbeiter- klasse steht in Rom, nicht inAbes- s i n i e n. Wenn nunmehr der Krieg und seine Opfer den zur Verzweiflung, getriebenen Mittelschichten die Augen öffnen wird, so muß es Aufgabe der Sozialisten sein, den Weg der Rettung aufzuzeigen, die Mittelschichten zum Befreiungskampf heranzuziehen. Der Sturz des Fasismus dient den nationalen, den wirtschaftlichen und den Monschheitsinterefsen des italienischen Volkes. Dem Sturz der fascistischen Bastille muß der Aufbau einer neuen Gesellschaft folgen. In einem besonderen Abschnitt befaßt sich der Generalrat ferner mit der europäischen Kriegsgefahr, wobei einleitend erinnert wird, daß die Arbeiterklasse in zahlreichen Ländern Europas einen festen Standort einnimmt oder sich, wie in England, im Vormarsch befindet. Der Grneralrat lehnt in einer überaus scharfen Formulierung alle Spekulationen auf den Krieg zur Lösung der politischen Probleme ab, proklamiert die Verteidigung der Sowjetunion und die Pflicht der Arbeiterschaft, sich allen fascistischen und imperialistischen Bestrebungen entgegenzuwerfen, ohne jedoch ihre besondere, revolutionäre Mission zu vergessen. In der Bekräftigung ihrer klassenkämpferischen und internationalistischen Grundauffassung bekennt sich die Italienische Partei nach wie vor zum Geiste und zur Tradition von Zimmer- w a l d. Nach einer personellen Erweiterung des Parteidirektoriums, zu welcher die Mitglieder den Grneralrat durch Referendum bevollmächtigt hatten, wurde der Arbeitsplan für die kommende Zeit erörtert, für den Angelo T a s c a die Richtlinien, vor allem hinsichtlich der ideologischen Vertiefung und theoretischen Klärung des sozialistischen Gedenkens umriß. Lustkampf über Kladno Die Rachtflugübung klaglos verlaufe». Kladno. Die Nachtflugübung begann Donnerstag kurz nach 10 Uhr abends unter Beteiligung des zivilen Luftschutzes der Bevölkerung. Die Kladnoer Bevölkerung verhielt sich diszipliniert. Die Stadt war in Dunkel gehüllt. Nach der Meldung des ersten Fliegers machten Sirenen-, Hupen- und Glockensignale die Bevölkerung der Stadt auf die„Gefahr" aufmerksam. Die Straßen waren leer. Im ganze» wurden vier „Angriffe" durchgcführt. Die Flieger wurden von Scheinwerfern ausgeforscht und verursachten der Stadt keine„Schäden", so daß der zivile Luftschutz keine Gelegenheit zum Eingreifen hatte. Die Uebung nahm einen glatten Verlauf. Neber das Ergebnis dcS Fliegerangriffes, besten Erfolg oder Mißerfolg, entscheiden die Sachverständigen. Die Uebung wurde um 12 Uhr nachts mit Sirenen- und Glockensignalen abgeschlosten. Auf der Spur eines Verbrechens In Oleschna bei Nepomuk fand man nach dem Niederbrennen einer Scheune die Leiche einer Frau. Zuerst wurde angenommen, daß die Frau während des Brandes erstickt sei, spätere Nachforschungen ergaben jedoch, daß hier ein Mord begangen wurde. Polizei und Gendarmerie haben die Nachforschungen ausgenommen. 25 Millionen Lei Provision— für einen gefälschten Brief Bukarest. Der Polizeioberst Calatorescu wurde unter dem Verdacht der Teilnahme an einem Betrug, den zwei Bukarester Kaufleute an belgischen Industriellen begingen, verhaftet.' Die Belgier wollten in Rumänien eingefrorene Forderungen in Höhe von 80 Millionen Lei mit Genehmigung der Nationalbank nach Belgien ausführen. Die beiden rumänischen Kaufleute versprachen den belgischen Industriellen die notwendige Ausfuhrbewilligung der Bukarester Nationalbank zu verschaffen. Als Provision forderten sie 26 Millionen Lei. Tatsächlich wurde den Belgiern ein Schreiben der Nationalbank übergeben, tvelches eine Transferbewilligung enthielt. Dieses Schreiben erwies sich als gefälscht. In der Zwischenzeit hatten die beiden Betrüger die 25 Millionen bereits einkassiert und sich dafür große Mietshäuser gekauft. Oberst Calatorescu wurde verhaftet, well der Verdacht besteht, daß er ebenfalls gegen Beteiligung an dieser Provision seine Beziehungen als hoher Staatsbeamter mißbraucht habe, um das erwähnte Schreiben der Nationalbank zu erhalten. Ein Brief verrät das Versteck eines Flüchtlings Krcmsier. Seit drei Wochen sucht die Gendarmerie im ganzen Lande Dkähren-Schlcsien den 23- jährigen Chauffeur St. Ko u t n y, der am 26. Juni während der Fahrt von Roznov zur Talsperre an I der Byftricka den Unfall eines mit 25 Personen be- I setzten Autobusses verschuldet hatte. Koutny ver schwand nach der Katastrophe und konnte noch nicht eruiert werden. Sonntag wurde im Walde bei Ho- donkn di« Leiche eines unbekannten erschoßenen Mannes aufgefunden, besten Beschreibung auf den vermißten Koutny paßte, doch konnte der Vater des Chauffeurs in dem Toten seinen Sohn nicht erkennen. Drei Tage später erhielten Koutnys Verwandte von ihm aus Kvasy in Karpathorußland einen Brief, in den: er um andere Kleider bittet und mitteitt, daß er die Flucht fortsetzen werde. Die Anhaltung des flüchtigen Chauffeurs wurde angeordnet. AntobuSkatastropke Sei Moskau Moskau. In einem Vororte Moskaus wurden bei einem Zusammen st oß zwischen einem AutobuS und einem Eisenbahnzuge sieben Autobuspastagiere getötet und sieben wettere verletzt. Riesenstreik in der norwegischen Fischindustrie Oslo. Das sozialdemokratische„Arbeiter» bladet" meldet, daß die Arbeitgeberverbände allen Arbeitern der gesamten norwegischen Fischkonservenindustrie sowie sämtlichen Waldarbeitern gekündigt haben. Das Blatt kündigt einen Streik der ausgesperrten Arbeiter an und rechnet mit Sympathie st rciks in anderen Wirtschaftszweigen. Laguardia gibt nicht nach New Bork. Das Staatsdepartement erinnerte den Bürgermeister Laguard ia daran, daß durch die Verweigerung einer Masseurkön- zession an einen deutschen Staatsbürger der Handelsvertrag mit Deutschland verletzt wurde. Bürgermeister Laguardia erklärte demgegenüber, daß er seine Entscheidung nichtändern werde. „Heilt Hitler"— nur z« naheliegend! In Lörrach(Baden) stand, wie die englische Presse meldet, ein Maschinensetzer unter der Anklage vor Gericht, die„deutsche Grußformel"„Hell Hitler" absichtlich in„Hellt Hitler" versetzt zu haben. In dieser gewiß sinnvol- l e r e n Formulierung ist der Gruß in meh. reren tausend Exemplaren in die Welt gegangen. Der Maschinensetzer verteidigte sich damit, daß es sich tatsächlich um einen Satzfehler ohne politische Nebenabsicht gehandelt habe. Das Gericht, das ihn zu s ieben Monaten Ge- f ä n g n i S verurteilte, glaubte ihm nicht, weil „diese Veränderung der richtigen Formulierung nur zu naheliegend sei". Günstiger Stand der Anmeldungen für die Prager Herbstmeffe. Die deutsche Presseabteilung der Prager Mustermesse teilt mit: Das Interesse der Firmen für eine Beteiligung an der heurigen Prager Herbstmesse(30. August bis 8. September) und der bisherige Anmeldungseinlauf ist günstig. Sowohl in den Gruppen der allgemeinen Messe, als auch in den verschiedenen Fachmessen sichern sich die Firmen bereits jetzt günstige Plätze für ihre Kojen. Besonders überraschend ist der Zustrom von Anmeldungen seitens der Eportindu- strie, welcher einer sowohl zahlen- als auch wertmäßig gleich günstigen Beteiligung wie zur Frühjahrsmesse entspricht. Dies gilt insbesondere für die Gruppen Glas- und Porzellan, Spielwaren und Lederwaren. Ein wichties Moment für die Entscheidung der Firmen bildete das günstige Datum der Herbstmesse, die heuer über Wunsch der Erporiindustrie in den Exportgruppen bereits am 30. August beginnt, so daß die Besucher der Leipziger Messe ohne Zeitverlust auch zur Prager Messe fahren können. Diese Vorverlegung des Messebegiunes findet nach verschiedenen Meldungen auch in ausländischen Interessentenkreisen ein günstiges Echo, so daß zu hoffen ist, daß die Prager Herbstmesse einen noch größeren Auslandsbesuch aufweisen dürfte, als die verflossene Frühjahrsmesse. Kindesmord. Die Hausangestellte Anna V y ch o d i l aus Tschakow bei Littau, die bei einem Landwirt in Stellung ist, entledigte sich ihres neugeborenen Kindes, indem sie cs in ein Feuerloch des geheizten Ofen- kess e l s warf. Die entmenschte Mutter wurde verhaftet. Opfer dar Not. In Lundenburg durchschnitt sich die 73jährige Johanne Parte mit einem Messer die Kehle. Noch vor der Einlieferung ins Krankenhaus verstaub die Greisin. Nahrungssorgen dürften sie in den Tod getrieben haben. Schwere Explosion. Das Sprengstofflager von Derindje, das sich gegenüber vom türkischen Kriegshafen Goeldchuek im Golf von Ismit befindet, ist Freitag aus unbekannter Ursache explodiert. Der Bahnkörper der Eisenbahnlinie nach Anatolien wurde schwer beschädigt, so daß der Zugsverkehr unterbrochen werden mußte. Einzelheiten über etwaige Verluste an Menschenleben stehen noch aus. Erneuerung fascistischer Organisationen dl Bulgarien. Der bulgarische Innenminister General Atanasow gestattete die Erneuerung der fasci- stischcn Organisationen„Rodna zastita" und „Nacionalni legre", welche von der Regierung Gcorgiew aufgelöst worden waren.„Rodna zas- tita" ist nach dem italienischen Muster organisiert und wird von General Skojnow geführt. Sie ist nicht sehr zahlreich. Die„Nacionalni legte" rekrutiert ihre Mitglieder hauptsächlich aus den Reihen der Hochschuljugend und der älteren Jahrgänge der Gymnasien und folgt mehr dem Hitlerheispicl. Ihr Führer ist wieder Ivan DoLev. Die Gruppe zählte früher bereits 20.000 Mitglieder. Di« bekannte Wiener Schauspielerin Olga Lewinski, Mitglied des Burgtheaters, die vor Jahren auch am Deutschen Theater in Prag auftrat, ist in Wien im Alter von 83 Jahren gestorben. Kapellen— Kaplikky. Der Innenminister verfügt« die Abänderung der tschechischen Bezeichnung der zur Ortsgemcinde Schönfelden gehörenden Ortschaft K a p l i c e im polittschen Bezirk Kaplitz in „Kaplikky". Die bisherig« deutsche Bezeichnung„Kapellen" bleibt unverändert. Eine große Obstschau wird Anfangs September in Prag stattfinden. Als Rahmen wurde die Äärtenbaümesse gewählt, die eine Sondcrveranstal- tung der Prager Messe bildet. Die Organisation der Gartenbaumeffe liegt in den Händen von tschechischen und deuffchen StandeSorganisationen. Die Sektion für AnSflugSzüge der Cfl. Staatsbahnen veranstalten folgende Exkursionen: Dom 10. bis 25. August Ferienaufenthalt imR i e s enge b i r g e für KL 650.—, vom 4 bis 25. August Kuraufenthalt in Karlsbad für KL 1120.—, 11. August nach Deutschbrod zur Havlikekaus- stellung für Kd 60.—, 15. August bis 5. September nach Luhäcovice für KL 970.—, Treu« kianskk Teplice für KL 1050.— und Piestany für KL 1010.—, 17. August bis 1. Septencker Ferienaufenthalt in den flowakischtn Bädern Lubochüa KL 650.—, Stubianske Teplice KL 630.—, Herjany KL 640.—, 25. August bis 5. September Libusina Bad in Bcchynk für KL 750.—, 24. August bis 2„ September Hohe Tatra und Demänova-Höhlen für Kk 565.—, 2. bis 24. September Kurexkursion nach Sliak für KL 1100.—. Anmeldungen mit Anzahlung täglich im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 383—85. Wahrscheinliches Wetter Samstag: Bis aus vereinzelte Gewitterstörungen schön und warm.— Wetteraussichten für Samstag: Allgemeine Wetterlage ohne erhebliche Acnderung. Vom Rundfunk aus den Programm«« 1 Sonntag: Prag: Sender L.: 6.30: Gymnastik, 7.00: Uebertragung aus Karlsbad. Promenadenkonzert des Kurorchesters, 12.05: Pressenachrichten, anschließend Konzert, 14.10: Schallplatten, 16.00 Promenadenkonzert, 17.45 Zigeunerkapelle, 18.00: Deutschs Sendung, 19.00: Deutsche Presse und Wetterbericht, 20.45—21.15: Uebertragung aus Turin, Oper„Francesca da Rimini", 22.45: Presse. Sender S.: 14.80— 15.30: Deutsche Sendung. 14.80: Arbeitersendung. Josef Kant: Export und internationale Arbeiterbewegung- Brünn: 6.30: Frühsendung, 8.30: Orgelkonzert, 9.00: Cembalokonzert. 13.30: deutsche landwirt- kchaftliche Sendung, 18.00— 19.00: Deutschs Sendung, 21.15: Diolinkompositionen. Mähr' Ostrau: 6.80: Frühsendung, 8.30: Orgelkonzert, 18.00: Deuts ch e Sendung. 20.05: Schallplatten. Preßburg: 6.30: Frühsendung, 9.40: Kon- zertüberttagung aus Brünn, 12.00: Presse, Werter, 16.00: Uebertragung Prag Konzert, 19.00: Deutsch« Presse, Wetter, 22.45: Magyarische Berichts Kaschau: 6.30: aus Prag Frühsendung, 11.00: Konzert auS TrenL.-Teplih. Nr. 173 SamSwg, 27. Juli 1935 / Seite 5 Menschenraub in Sa« Franeiseo China und die amerikanische Rüstungsindustrie.— Totenschiffe, Leichenschiffe und Blutschiffe.—„Geschanghaite Tra mps".— Die Enthüllungen des Reverend Hiram S. White. MTP San Francisco im Juli. Der Krieg in Ostasien ist ein Gott wohlgefälliges Werl, denn seine Lieblingskinder, die menschenfreundlichen Rüstungsindustriellen der USA, verdienen an ihm gute runde Dollars. Sie sind alle sehr fromm und darum fest davon überzeugt, daß Gott diesen prächtigen Krieg nür geschaffen hat, um sie dabei verdienen zu lassen. Prosperity for everl„Reverend Smith, ich spende Ihnen 5000 Dollar für Ihre Church, wenn Sie jeden Sonntag dafür beten, daß dieser gute Krieg noch recht lange dauern möge!" Denn solange dieser gute Krieg dauert, solange rollen die Dollars. Die amerikanische Rüstungsindustrie erlebte noch nie derartige Prosperity. Nicht nur in Schanghai sitzen die Vertreter ihrer Konzerne. In Lankau hat L. B. Gale, Präsident des Gale-Syn- dikats und Großaktionär des Miranda-Trusts, persönlich sein Hauptquartier aufgeschlagen. Er vertritt die American Armement Corporation und beliefert nicht nur Japan, sondern auch sämtliche kriegsführenden Gruppen Chinas. Er vertritt auch den Söley-Konzern zu London. Wenn die direkte Einfuhr aus USA Schwierigkeiten macht, geht die Ware über Rio, wo Major Sackville und der brasilianische Kapitän Raoul Figuerra alle erforderlichen Formalitäten besorgen. Im vergangenen Jahr verkaufte der Soleykonzern durch Mr. Gale an die verschiedenen Regierungen Chinas 100.000 Mausergewehre, 700.000 Karabiner, 50.000 Maschinengewehre und die nötige Munition, an Japan 70.000 Stück 8.65 Millimcter- LewiS-Maschinengewehre. Der Repräsentant der Curtiß-Wright, Mr. Fawcett, verkaufte an China zwanzig Flugzeuge des gleichen Typs, den acht Wochen zuvor Japan bezog. Auch die llnsted Aircraft liefert an China Flugzeuge und nimmt dafür im Tauschhandel Rohstoffe in Zahlung. Ebenso oder ähnlich agieren Electric Boat, Federal Laboratories, Du Pont de Nemours, Driggs und Vickers. Das Geschäft ist nicht ganz risikoloS. Die chinesischen Küsten werden scharf kontrolliert, und ost fallen die Transporte in„unrechte" Hände, die in Wirklichkeit genau so„recht" sind wie di« anderen. Immerhin ist der Waffenschmuggel offiziell verboten, und sowohl der japanische als auch der englische Küstenschutz behandeln Schmuggelschiffe gern als„gute Prise". Das Risiko wird geringer, wenn die„Ware" über Rio oder Buenos Aires geht, die Waffen als„Weizen" dellariert werden, und wenn— wie kürzlich— eine gemeinsame 10 Millionen Dollar-Lieferung der amerikanischen Du Pont de Nemours Corporation und der englischen Imperial Chemical Industries nicht von den Lieferanten selbst, sondern von der „neutralen" Rekonstruktion Finance Corporation finanziell perfektuiert wird. Stehen derartige Hilfsmittel aber nicht zur Verfügung, so verwendet man„Blutschiffe". » Blutschiffe oder Leichenschiffe sind etwas anderes als Totenschiffe. Totenschiffe sind eine harmlose Angelegenheit; sie dienen dem Transport der Leichen in Amerika verstorbener Chinesen nach China, damit die Toten in heimischer Erde bestattet werden können. Sie sind ein rundes, ruhiges Geschäft und zahlen sich gut aus. Leichenschiffe ren tieren sich freilich ebenfalls, aber sie sind eine gefährliche Sache. Sie transportieren keine Leichen, sondern Waffen und leichtentzündliche Sprengstoffe, die leicht den Untergang des Transportschiffes verursachen köimen, zumal dieses oft gezwungen ist, die übliche Route zu vermeiden, um nicht einem Wachtschiff in die Hände zu fallen, und sich darum mühsam durch Riffe und Untiefen hindurchzuwinden. Daß es dabei nicht immer ohne Leichen abgeht, ist verständlich; die Leichenschiffe tragen ihren Namen darum mit Recht, und sie sind auch nicht beliebt. Es ist nicht leicht, Besatzungen für sie anzuheuern. Ein Schiff ohne Besatzung ist aber kein Schiff, und darum wird das Leichenschiff meist zum Blutschiff. Die Besatzung des Blutschiffes wird nicht angeheuert, sondern„geschanghait". Sein Kapitän steht in Verbindung mit den Wirten übelbeleumdeter Hafenkneipen. Diese greifen sich Tramps und andere Gestrandete des Lebens auf, bewirten sie großzügig, bearbeiten sie mit Drogen, lasten sie im Rausch den Kontrakt unterschreiben und schaffen dann die besinnungslosen Opfer in Booten auf das Blutschiff, wo sie zuerst ihren Rausch ausschlafen dürfen und dann an die Arbeit gestellt werden. Nichtsecleute werden schnell angelernt; Prügel und Milk« und Sozialpolitik Streiflicht über Deutschlands Wirtschaft Die Konjunktur in der Verbrauchsgütererzeugung hat in Deutschland in den ersten Monaten 1935 einen erheblichen Rückschlag erlftten. Im April lag der Verbrauchsgüterindex um beinahe sechs Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Pro- duktion der Textilindustrie ist von 103,3 Prozent im Vorjahre auf 91,7 Prozent im April dieses Jahres gefallen. Der Beschästigungsstand in den Vcrbrauchsgüterindustrien ist in den ersten Monaten 1935 gesunken. Die Wirtschaftsgruppe Maschinenbau meldet für Juni 1935 einen Auftragsrückgang. Während einzelne Zweige der Gruppe ihr« Produktionskapazität beinahe voll auSnützgn könnten, bleibe bei der Mehrzahl der Ausnutzungsgrad unter 50 Prozent. Man hoffe, den gegenwärtigen Beschäftigungsgrad in den nächsten Monaten aufrecht erhalten zu können.— Das heißt also, daß an Neueinstellungen nicht zu denken ist. In der Maschinenindustrie ist der Exportanteil am Auftragseingang bedeutend zurückgegangen. Er betrug 1934 16 Prozent— 1931 56 Prozent! Im Sommer 1935 sind in Deutschland mindestens eineinviertel Million Arbeiter und Ange- Fußtritte, auch Drohungen mit der Waffe, besorgen dies vorzüglich. Natürlich desertieren die so „Geschanghaiten" sofort nach der Landung, aber gerade dies liegt durchaus im Jntereffe des Kapitäns, denn er kommt dadurch ja um die Auszahlung der Heuer herum. Manchmal kommt es natürlich zu einem Meutereiversuch, und dann werden etliche Geschanghaite kurzweg erschossen, ohne daß sich die Landbehörden darum bekümmern können. In diesem Falle verdient der Kapitän des Blutschiffes nicht nur an der Heuer-, sondern auch noch an der Verpflegungsersparnis. Es gibt Wirte in den kalifornischen Häfen, die mit diesem Geschäft enorme Vermögen verdient haben. Die Behörden wiffen Bescheid, aber entweder können sie nichts tun, weil die Menschenhändler jeden formellen Verstoß gegen die Gesetze streng vermeiden, oder die Beamten wollen nichts tun, weil sie selber dabei verdienen. Reverend Hiram S. White erllärt, daß allein in San Francisco jährlich mindestens 1000 Menschen„geschanghait" würden. Er versuchte, eine Volksbewegung gegen dies Schandsystem ins Leben zu rufen, aber er hatte Pech. Eines Abends wurde er mitten in der Stadt von Kidnappern aufgegriffen, „gedrogt", an Bord eines Blutschiffes gebracht, verprügelt, zerschunden und zu Matrosenarbeit gezwungen, und erst nach der Ankunft der„Swallow" in Schanghai gelang es ihm, zu entfliehen. Seine Enthüllungen haben enormen Staub aufgewirbelt, und die kalifornischen Behörden mußten wohl oder übel eine Untersuchung einleiten, aber die Sache schlief schnell ein, und es blieb alles beim Alten. Allan E. King(MTP) stellte weniger im Export beschäftigt als in der gleichen Zeit im Jahre 1929. Das Vollscinkommen von 1934 soll nach den bisherigen Berechnungen um etwa zehn Prozent höher liegen als 1933. Diese Steigerung geht aber nicht auf eine entsprechende Erhöhung des Arbeitseinkommens zurück, sondern auf eine starke Befferung des Unternehmereinkommens. Bei 36 von der deutschen Reichskreditgesellschaft untersuchten Jndustrieünternehmungen wurde1934 eine Verdoppelung des Gewinnsaldos gegenüber 1933 festgestellt. Die Löhne und Gehälter haben gegenüber 1933 keine Erhöhung erfahren. Wurden im Jahre 1933 noch 22 Prozent der industriellen Nettoproduktion ausgeführt, so waren es 1934 nur noch 13 Prozent. Deutschlands Anteil an der Weltausfuhr ist damit 1934 auf neun Prozent zusammengeschrumpft. Die Hauptvereinigung der deutschen Eier« wirtschaft hat soeben die Ankaufspreise um 14 Prozent je Kilogramm erhöht. Die Eier, von denen bisher schon.das Stück 11 und 13 Pfennige kostete, werden damit erneut verteuert. Deutschland ist das weitaus teuerste Land der Welt. Sein Großhandelsindex auf Goldbasis beträgt 100,8(1913 ist 100). In großem Abstand folgt ihm die Schweiz mit 88. Japanische Ezportdämmerung. Schon die Bemühungen Japans, mit England eine gegenseitige Abgrenzung der Absatzgebiete zu vereinbaren, haben gezeigt, daß sich dem japanischen Dumping zunehmende Schwierigkeiten entgegenstellen. Die Ver» vic Qualitötsmarkc, deren Umsatz großer ist als aller anderen inserierenden Marken zusammengenommen. rimereö Nicht marktschreierische Reklame, sondern die keinere, verläßlichere und gesündere Qualität hat gesiegt. Kenner nehmen daher nur„Primeros“ und lassen sich nichts anderes aufdrängen oder unterschieben, nur weil der Verkäufer bedeutend mehr an anderen Marken verdient! Denn ein kleines Doch oder Versager kann Sie fürs Leben unglücklich machen. Nur in Apotheken, Drogerien und Fachgeschäften fordern! Handlungen haben bisher kein Ergebnis gehabt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind zwar noch um 17 Prozent mehr Baumwollwaren ausgeführt worden als in der gleichen Zeit des Vorjahres, das sind mn 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren, aber inzwischen hat Aegypten seinen Handelsvertrag mit Japan gekündigt. Die ägyptischen und indischen Aufträge für den japanischen Export sind so zurückgegangen, daß eine weitere Steigerung kaum zu erreichen sein wird. Kanada liegt mit Japan sogar im Handelskrieg. Dazu kommt noch, daß die japanische Baumwollindustrie ihren Rohstoff seit der Abwertung des Den bedeutend teurer bezahlen muß, Ly Corel! i. die aus mehreren heimischen Stmmnfilmen bekannte Schauspielerin, wurde anläßlich im Rahmen des internationalen Tanzturniers stattgefundenen Konkurrenz als die schönste Frau Franzensbads preisgekrönt. Die Höllenmaschine Fieschis Zum hundertsten Jahrestag seines Attentats Don Hermann Wendel. Außer seinem Anfang, der Julirevolution von 1830, und seinem Ende, der Februarrevolution von 1848, ist von dem ganzen Regime des „Bürgerkönigs" in der Vollsüberlieferung nichts so lebendig geblieben, wie das Attentat FieschiS, uyd zwar ebenso sehr wegen seiner raffinierten Technik, als auch wegen der Zahl der Opfer und der politischen Nachwirkungen. Niemand war verblüffter als die Barrikadenkämpfer des Jahres 1830, die sich unter dem Feldgeschrei: Nieder die Dynastie! geschlagen hatten, als lediglich die jüngere Linie der Bourbonen auf die ältere, lediglich Ludwig Philipp auf Karl X. folgte. Das lohnte schon eine Revolution! Und während die Legitimisten den„Bür- gerkönig" als dreisten Emporkömmling mißachteten, galt ihm der Haß der entschiedenen Republikaner, weil er die Frucht der Volkserhebung frech stiebitzt hatte. Es lebe Ludwig Philipp? Nein, es lebe die nächste Revolution, die ihn wegfegen würde! Da sich zudem die soziale Lage der breiten Masten immer mehr verschlechterte, kam es bald zu Explosionen. 1831 schlugen sich die Lyoner Hungerweber mit dem Todesmut der Verzweiflung gegen die herrschenden Gewalten, 1832 lieferte das republikanische Paris der Soldateska des„Bürgerkönigs" eine erbitterte Straßenschlacht in der Rue St. Martin und dem anschließenden Gäßchengewirr, 1834 verwandelte sich wieder Lyon in einen feuerspeienden Vulkan des Bürgerkriegs, und die Pariser Barrikadenkämpfer des gleichen Jahres, die mit dem Gemetzel in der Rue Transnonian endeten, gingen in die revolutionäre Heldenlegende ein. Da alle diese Aufstände von der bewaffneten Macht des Staates schonungslos niedergeworfen wurden und am Stand der Dinge nichts zu ändern vermochten, bohrte sich ins Hirn einzelner Fanatiker der Gedanke ein, daß die individuelle Aktion in Form eines Anschlages auf das Leben des Königs sicherer zum Ziel führe. Zu diesen Fanatikern gehörte ein in sich gekehrter, mürrischer Graukopf namens Pierre M o r e y, Sattler seines Zeichens, Jakobiner von Gesinnung, besten Herz einst frohlockt hatte, als während der Schreckensherrschaft von 1793/94 die Karren mit den Opfern der Guillotine durch die Straßen gerollt waren. Ausgezeichnet als Barrikadenkämpfer der Julirevolution» hatte er in der„Gesellschaft der Menschen- und Bürgerrechte" die Flamme seines Grolls gegen das Bürgcrkönigtum stets neu geschürt, bis sein Entschluß fesfftand, Ludwig Philipp aus dem Wege zu räumen. Aber da der Einundsechzigjährige selber vor der Tat zurückschreckte, gewann er in dem um sechzehn Jahre jüngeren Korsen Josef F i e s ch i ein williges und brauchbares Werkzeug. Der, früher napoleonischer Sergeant- dann Bandit und Zuchthäusler, war unberührt von einer starken politischen Ueberzeugung, wie sie Morey beherrschte! nach 1830 hatte er sich als angeblicher politischer Märtyrer eine Pension erschwindelt und sich zugleich als Spitzel der Polizeipräfektur an die Geheimgesellschasten herangemacht. Entwurzelt, mittellos, dazu krankhaft eitel und ruhmredig, zeigte er sich zst allem bereft, was Geld abzuwerfen oder Aufsehen zu erregen versprach. Nicht zuletzt deshalb fiel Moreys Auge auf ihn, weil sich Fieschi rühmte, der Erfinder einer wirksamen Mordmaschine zu sein, die das Prinzig der Mi- trailleuse vorwegnahm, nicht des einläufigen Maschinengewehrs von 1914, sondern der fünf- undzwanzigläufigen Kugelspritzc von 1870. Auch der Korse dachte fünfundzwanzig Flintenläufe neben- und übereinander auf beweglichem Gestell zu befestigen, und auf einen Schlag loszufeuern. Nachdem er dem Gedanken gewonnen war, seine Erfindung am König zu erproben, bewog Morey den Spezerei- und Farbwarenhändler Pierre Theodore Florentin Pepin, Hauptmann der Nationalgarde, der ebenfalls in extrem republikanischen Vorstellungen schwelgte, für die Vorbereitung des Anschlags die nötigen Gelder zu lockern. Am 28. Juli 1835, dem fünften Gedenktag der Julirevolution, hatte Ludwig Philipp eine Truppenschau der Nationalgarde und Linie abzunehmen. Diesen Tag wählten die Verschworenen. Als um die Mittagsstunde der König mit einem glänzenden Gefolge den Boulevard du Temple heruntcrgeritten kam und gegenüber dem Hause Nr. 50 angelangt war, entlud sich jäh, unter Blitz, Donner, Pulvergeruch, die Höllenmaschine die an einem Fenster des dritten Stocks haarscharf eingerichtet war. Wildeste Panik folgte. Tote, Sterbende, Verwundete bedeckten das Pflaster. Der Marschall Mortier war töd- l i ch getroffen, ebenso der General L a- chasse de Verigny, zwei Obersten» andere Offiziere und Nationalgardisten, aber auch Zuschauer, Männer, Frauen, Kinder; insgesamt kostete der Anschlag achtzehn Tote und zweiundzwanzig Verletzte. Nur der König und seine drei Söhne kamen wie durch ein Mirakel heil davon. Vergeblich versuchte Freschi, sich an einem Seil aus dem Fenster lassend, zu fliehen, und nach etlichen Tagen waren auch seine Spießgesellen Morey und Pepin ausfindig und dingfest gemacht. Während der Verhöre und der Verhandlung vor der Pairskammer als Staatsgerichtshof bot keiner der drei das erfreuliche Bild männlicher Entschloffenheit, die zu ihrer Tat steht. Wenn Fieschi sein Verbrechen bald larmoyant beklagte, bald herostratisch rühmte, suchten Morey und Pepin mit Ausreden und Winkelzügen umsonst ihre Unschuld darzutun.s In der Morgenfrühe des 19. Feber 1836 trugen sie ihren Kopf auf die Guillotine. Einige Läufe der Höllenmaschine, zu scharf geladen, waren Fieschi unter den Händen zersprungen und hatten ihn sehr schwer verletzt. Aber auch im übertragenen Sinne gingen die Schüsse nach hinten los. Obwohl die Tat keiner Partei, Gruppe oder Gesellschaft an die Rockschöße zu hängen war, sanken sofort die Aktien der republikanischen Opposition außerordentlich. So wenig beliebt Ludwig Philipp bei den VdlkZmaffeir war. so verstand doch unter Millionen nicht einer den politischen Kampf nicht so, daß Unschuldige reihenweise hingestreckt wurden und das Staatsoberhaupt unbeschädigt blieb. Die Regierung deutete diese Stimmung schleunigst aus, indem sie von den Kammern die sogenannten Septembergesetze annehmen ließ, die durch Aenderung des Verfahrens vor den Schwurgerichten und durch Einfügung neuer Strasparagraphen die Bewegung der Opposition wesentlich erschwerte. Aber auch nach außen gewann der König an Autorität und Ansehen. Die legitimen Monarchen Europas, die den geschäftstüchtigen Ausnutzer der Julirevolution als„Barrikadenkönig" mißliebig und mißtrauisch betrachtetem begrüßten ihn— der Reußenzar freilich ausgenommen— plötzlich als einen der ihren; der Mcihagel Fieschis legitimierte Ludwig Philipp in den Augen der andern gekrönten Häupter als Bürgen der überlieferten Ordnung. Auf seine Wirkungen hin angesehen, könnte also das Attentat des 28. Juli 1835, zumal bei der anrüchigen Spitzel-Vergangenheit des Haupttäters, fast den Verdacht wecken, es sei von der Polizei gewünscht oder gar angestiftet worden. Aber schon der Umstand, daß in der Tat das Leben des Königs und der Prinzen nur an einem Haar hing, schließt diese Vermutung aus. Der Anschlag entsprang in Planung und Ausführung wirklich nur dem mehr oder minder umdüstertrn >irn einiger Einzelgänger. Seite S „Sozialdemokrat" SamStag, 27. AuN 1935. Nr. 173 Trager Rettung Kriminalität und Liebe Merkwürdige weibliche Passionen Prag. Alte Kriminalchroniken wissen bereits von Frauen zu berichten, die verurteilten Verbrechern glühende Liebesbriefe schrieben. Dem Räuber und Mörder L e c i a n, der vor einigen Jahren in Olmütz hingerichtet wurde, gingen haufenweise briefliche Liebeserklärungen zu, ehe man ihn zum Galgen führte, Äwohl dieser Meuchelmörder alles andere war, als eine heroische Gestalt. Als in Wien der Prozeh gegen den Frauenmörder Bauer verhandelt wunde, der durch nichts ausgezeichnet war, als durch seine zahllosen Liebschaften, war das Auditorium gefüllt mit hysterisch für den Angeklagten begeisterten Zuhörerinnen. Der Preßburger Polizist K r a j c o v i c, der gegenwärtig in begründetem Verdacht steht, zum mindesten zwei Frauen ermordet zu haben, erhielt in den letzten Tagen nicht nur Liebeserklärungen, sondern sogar einen ernsthaften Heiratsantrag von einer vermögenden Bürgersfrau. Ohne auf irgendwelche Erörterung dieses Problems einzugehen, konstatieren wir lediglich die Tatsache, daß es Frauen gibt, auf die die Kriminalität(auch leichteren Grades) eine unglaubliche und für normale Menschen unverständliche Anziehungskraft ausübt. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt auch dieser an sich ganz unscheinbare und alltägliche Prozeß ein psychologisches Interesse. Angeklagt war ein gewisser Heinrich S. ein unscheinbares, etwas verwachsenes Männchen,'des Verbrechens des Betruges. Di« Anklage beschuldigte ihn, der geschiedenen 29jährigen Henriette S. durch.listige Vorspiegelungen" etwa 6000 XL herausgelockt zu haben. Auf den ersten Blick also ein Heiratsschwindel gewöhnlichster Art. Der Angeklagte zeigte sich indessen vor Gericht keineswegs schuldbewußt, sondern eher verdrossen und angeödet..Die Sache ist die. hohes Gericht" erklärte er,.die Frau S. hat sich früher nie um mich gekümmert. Wir find seit vielen Jahren Nachbarn. Seit vier Jahren ist sie geschieden. Sie hat mir niemals auch.nur einen freundlichen Blick zugeworfen. Dann aber kam„die Sache" und seither war sie wie ausgewechselt." Was„die Sache" betrifft, so handelt es sich um eine Verurteilung wegen eines S ittlichkeitsdeliktes, die dem Angeklagten seine Stellung kostete. Es gelang ihm aber, sich bald eine neue Existenz zu schaffen.„Ich sage es nicht gern", fuhr der Angeklagte fort,„aber seither ist mir diese Frau geradezu auf dem Nacken ge- seffen. Sie hat mich fortwährend zum Wendessen eingeladen und Anspielungen auf eine Heirat gemacht. Ich habe ihr ausweichend geantwortet, denn sie war mir— mit Respekt zu sagen— wurst. Und wie ich mir dann ein Kommissionslager eingerichtet habe, hat sie mir die 6000 XL als Einlage direkt auf gedrängt-".. Der Angeklagte legte ein Sparkassabuch auf 12.800 XL vor, zum Beweis, daß er auf die Zuwendungen der Frau Henriette gar nicht angewiesen war und wies nach, daß er die 6000-XL inzwischen zurückgezahlt hat. Dann aber zog er unheilverkündenden Blickes einen Stoß Briefe aus seiner Brustiasche.„Wenn die Frau S. sich nicht gescheut hat. mich auf die Anklagebank zu bringen, so brauch' ich mich auch, nicht zu genieren."— Kurz gesagt, es waren feurige Liebesbriefe, aus denen hervorgehr, daß tatsächlich die Initiative bei dem Darlehen nicht auf feiten des Angeklagten lag.„Es nichts anderes als ein. rachsüchtiger Anschlag, wie sie gesehen hat, daß ich sie nicht mag", schloß der Angeklagte. Der GeUle^ende hün ist zue föezuMtng der(Uonnementege&ufir zu lärmenden! Wer im XucWonde Weißt, schädigt die Partei und deren Iresse Die Verwaltung Die Aussage der Hauptzeugin verlief angestchts der schlagenden Beweisstücke jämmerlich genug. Sie räumte schließlich ein, den Angeklagten„möglicherweise falsch verstanden zu haben". Nach kurzer Beratung wurde der* Angeklagte vollkommen freigesprochen. rb. Xunst und Wissen Gastspiel der Armin Berg-Revue:„Lachen wieder modern" in der Kleinen Bühne. Vorverkauf N. Deutsches Theater. Preise: XL 10.— bis XL 45.—. PI III ls II ■ Neu: fachärztlich geleitete I e Heilabteilung für exudative 1 Frauenleiden. Auskunft und | s Pauschaltarif: Pistyanbüro, — Praha I Pfikonv( der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die tschechische und die deutsch« Sozialdemokratische Organisation in Liboch hat unsere Genossen zu einem Arbeiterfest welches am S o n n.t a g, dem 4. A u g u st 1935, stattfindet, eingeladen. Das Fest soll zu einer großen politischen Kundgebung ästsgestaltet werden gegen den nationalen Chauvinismus, welcher besonders im Sprach-Grenzgebiet hervortritt. Bei der Kundgebung werden ein tschechischer und ein deutscher Sozialdemokrat sprechen. Genossen und Genossinnen! Es ist für uns eine Pflicht, die Genossen in Liboch durch eine starke Teilnahme zu unterstützen und wir fordern alle unsere Mitglieder, welche dazu Gelegenheit haben, aus, mit nach Liboch zu fahren. Unsere RW und der Atus werden aktiv mitwirken. Bei genügender Teilnahme Fahrt mst Separatautobus; Fahrtkösten 12 bis 14 XL- Abfahrt Sonntag früh, Rückfahrt abends. Anmeldungen sofort bei Genössen Fritz Mittenhuber, Prag II., Fügnerovo näm. 4(Telephon 51351—-5). Der Bezirksvertrauensmann. - 8piet- Xörperpstege Es war einmal... ein Staat, der aus freien Stücken mehr Mittel für die Pflege der Leibesübungen bewilligte als beantragt waren.(Doch hoffentlich nicht bei uns?) eine Stadtverwaltung, die v o n sich aus dazu überging Sportplätze zu schaffen.(Wer kennt sie?) ein Schiedsrichter, der es beiden Parteien und dem lieben Publikum recht machte. (Wo ist der?) ein Ball, der seine ursprünglicher und« Form behielt.(Nie sollst du mich befragen.) ein Vereinswirt, der den Alkoholmissbrauch energisch bekämpfte.(Im schwarzen Walfisch zu Askalon oder zum„Stehbier"?) ein Fußballer, dem kein„Stäbchen" mehr schmeckte.(Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.) ein Linienrichter, der im Spiel nie falsch den Tatbestand angab.(Zeugen werden gesucht!) ein Mittelstürmer, der mit beiden Beinen schießen konnte.(Such ihn mit der Laterne am Tage.) ein Vereinsfanatiker, der die ernste Wsicht hatte sich zu b e s s e r n.(Wir sind allzumal Sünder.) ein Spiel, ein richtiggehendes Wettspiel, bei dem die Tore sozusagen„in der Luft hingen".(Mensch, sprich die Wahrheit!) ein FuAaller, der auch Leichtathletik betrieb..(Donnerwetter, der Mann ist mir sympathisch!) eine Mannschaft, die beständig war.(Ich sah sie n i e, ich hört' nur von ihr sagen.) ein Protestgrund, der berechtigt war. (Allen Protestierenden zur gefälligen Beachtung, wenn sie beabsichtigen, dem Gegner eine„Gefälligkeit" zu tun.) Das„Shmbol" des bürgerlichen Sports In einer bürgerlichen Zeitung fanden wir unter dem Titel„Das Symbol der fünf olympischen Ringe" nachstehende„Erläuterung": „Vollkommene Gleichheit aller Menschen vor der olhntpischenFahn«, keine Politik im Sport, diese zwei olympischen Ideale kommen auch auf der olympischen Flagge symbolisch klar zum Ausdruck. Fünf miteinander verbundene Ringe in den Farben blau, schwarz, gelb, grün, und rot auf weißem Grunde bilden das Banner der olympischen Idee, das auf der ganzen Welt, überall, wo Sport betrieben wird, hoch in Ehren steht. Aus diesen sechs Grundfarben find die Nationalflaggen auf den fünf Kontinenten zusammengesetzt. Die olympische Fahne faßt alle Farben zusammen und ist so mit ein Symbol der Verbundenheit aller Nationen im Zeichen des Sportes."■ Da ist wohl jeder Kommentar überflüssig... Sowjetrussischer Sport. In Sebastobol schwamm der Matrose Diko 15 Kilometer in 4:29 Std. und erzielte^»ainit eine neue russische Bestleistung über Lilian Harvey und drei„Schüler" in dem Film„Dis Schule der Liebe". Versunkene Schätze auf dem Meeresgründe der Ostsee , Fast scheint es, als sei die ganze Welt vom Goldfieber erfaßt. Ein typisches Zeichen von Not und Verzweiflung.' In dieser Atmosphäre blüht der Wunderglaube, sei es, daß man auf irgend einen Messias inbrünstige Hoffnungen seht, sei es, daß man phantastischen Projekten nachhängt. Geldsucher auf Alaska und Goldsucher in Neu-Schottland und Kanada, Schätzesucher, die die Goldbarren der Lu- sitynia heben. wollen oder nach dem Kriegsschatz Napoleons graben. Jetzt werden aus Schweden und Finnland zwei neue derartige Versuche gemeldet. Eine schwedisch-amerikanische Gesellschaft bemüht sich allen.Ernstes, dem Meere den Schah des dänischen Königs.Waldemar zu entreißen, der.vor 600 Jahren bei einem Schiffbruch in der Nähe von Wisby auf Gotland verloren ging. Die Sage berichtet, daß der König von der reichen Stadt drei Fässer voll Gold, Juwelen und Edelsteinen als Lösegeld eingetrieben hatte. Bei der Abfahrt der Flotte brach jedoch ein furchtbarer Sturm los, der alle Schiffe vernichtete. Der König rettete mit Mühe sein Leben. Bei dem zweiten Schiffbruch handelt es sich um ein russisches Kriegsschiff, das während des russisch-schwedischen Krieges im Jahre 1721 unweit von Helftngfors sank. Nach den Aufzeichnungen der russischen Kriegsmarine befanden sich dort Wertgegenstände im Werte von vielen Millionen. Es handelte sich nämlich um die russische Kriegsbeute in Schweden, die in 14 großen Fässern untergebracht Ivar. Peter der Große, der'dringend Bargeld brauchte, wartete ungeduldig auf das Eintreffen des Beuteschiffes, das in einem furchtbaren Orkan unterging. 1735 erfolgte der erste Versuch, den versunkenen Schah zu bergen, durch einen englischen Taucher John Davis, der jedoch nur geringe Goldmengen aus der Tiefe holen konnte. Später wurden die Versuche nicht mehr wiederholt, und die Angelegenheit geriet in Vergessenheit, bis jetzt in Finnland ein altes Buch entdeckt wurde, in dem die Schiffbrüche der nördlichen Ostsee ausgezeichnet sind und alle Einzelheiten über den Untergang dieses Schiffes beschrieben werden. Es würde nunmehr eine Expedition ausgerüstet, die das Wrack auch schon gefunden hat und nun auf dem Meeresgrund schlüssel vereinbart, wonach ein Drittel Finnland, weitersucht. Man bat bereits, einen Teilungsein Drittel Schweden und ein Drittel der Bergungsgesellschaft zufallen soll. Neu-Jerusalem braucht mehr Frauen. Nahezu 50.000 Juden wandern im Jahre nach Palästina ein. Das sind die, die regulär das Land betreten, die Kapital hinter sich haben oder sonst alle strengen Voraussetzungen erfüllen. Zu diesen legalen Einwanderern kommen aber noch Tausende von Juden, die sich so einschmuggeln. Frauen sind sehr wenig vertreten, da man ihnen Schwierigkeiten Macht. Die Siedler sind sehr tüchtig. Land, das einst Wüste war, trägt jetzt reiche Felder. Neue Häfen, neue Städte sind erstanden, neue Eisenbahnlinien und Straßen durchkreuzen das Land. Aber diese neue Expansion hat ein ernstes Problem aufgerollt. Männer sind oft tausend pro Woche eingewandert und nur wenige Frauen erreichten das Land der Verheißung. P a- lästina leidet einen Mangel an heiratsfähigen Frauen. Der polnische. Verband der Rabbiner will eine Konferenz der Rabbiner aller Länder einberufen, um die Verwaltung von Palästina zu veranlassen, die Einwan- deruntzsquote sür Frauen zu erhöhen, andernfalls all die Anstrengungen, die gemacht werden, und all das Geld, das investiert wurde, um den Juden in Palästina eine nationale Heimat zu schaffen, vergeblich aufgewendet sein würden. Auf der Jahreskonferenz der polnischen Rabbiner wurde diese überaus wichtige volkswirtschaftliche Frage bereits eingehend be-' handelt. Doch scheinen die Bemühungen um Erhöhung des Kontingents für Frauen noch keinen Erfolg gezeitigt zu haben. diese Strecke.— In Moskau wurden die Meisterschaften der SSSR im Boxen ausgetragen. Die neuen Meister sind: Fliegengewicht: Tejmurjan (Moskau); Leichtgewicht: Serow(Leningrad); Mittelgewicht: Ogurenkow(Moskau); Halbschwergewicht: Michailow(Moskau); Schwergewicht: Be-' ljäjew(Leningrad). DTJ-Turnfest in Tlustovousy. Alle Genossen, die in Tlustü- bousy zu den leichtathletischen Wettkämpfen antreten, sowie jene Genossen, die als Kampfrichter fungieren, müssen Samstag, den 27. Juli, um 5 Uhr auf der Hetzinsel sein. Erteilung letzter Instruktionen.— Abfahrt: Sonntag früh um 6.45 Uhr vom Masarhkbahnhof. Alle Teilnehmer müssen um 6.30 Uhr auf dem Bahnhof beim Haupteingang gestellt sein.— Gäste laden wir herzlichst zur Teilnahme ein. PRAG /A\ Mitteilungen aus dem Publikum. Eine Porzellanbrücke in Karlsbad? Sogar die amerikanische Presse schrieb darüber, daß Baka die Absicht hege, eine Porzellanbrücke in Karlsbad zu bauen. In Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine Porzellanbrücke in dem Sinne, wie wir von einer Holz- oder Eisenbrücke sprechen. Dieser Porzellanbrücke würde eine Eisenkonstruktion zugrunde liegen und nur einige seiner dekorativen Teile wären aus Porzellan. Die Brücke hätte nämlich nicht nur den Zweck, dem Verkehr zu dienen, sondern soll auch mit seinem Grün und originellem Schmuck den Platz vor der Brunnenkolonade beleben, der zurzeit nut seiner einförmigen Umgebung aus totem Stein den Blick ermüdet. Es soll darum das Geländer der Brücke mit Grasbändern und Porzellanvasen mit Blumen verziert werden und in der Mitte der Brücke soll eine ovale Grasfläche mit einem Porzellanspringbrunnen angelegr werden. Aus diesem Grunde ist die Breite der Brücke auf 16 Meter projektiert und wird deshalb bei seiner gleichen Länge wie ein kleiner Platz mit frischem Grün und Porzellanverzierungen wirken. Diese letzteren erinnern gleichzeitig die Kurgäste an die Karlsbader Porzellanindustrie und unterstützen damit sicher den Msatz von Porzellanerzeugnissen. Die Brücke soll, falls der Stadtrat von Karlsbad einverstanden ist, gebaut werden. 100 Mediziner interessieren sich«m Praxis im Baka-Krankenhans in Zlin. Auch in diesem Jahre langten bei der Direktion des Bata-Krankenhauses in Zlin mehr als 60 Gesuche ein, um Bewilligung, während der Ferien im Krankenhaus praktizieren zu dürfen. Allen konnte allerdings nicht willfahrt werden. Die Diveksion nahm für die erste Hälfte der Ferien 6 Mediziner und für die zweite Hälfte 6 Medizinerinnen auf. Jede dieser beiden Gruppe» wird 6 Wochen hindurch im Krankenhaus prakti« zieren. Während dieser Zeit werden sie Gelegenhest haben, ihr theoretisches Wissen praktisch zu vervollkommnen und durch eigene Erfahrung die ausgedehnte sozial-hygienische Arbeit der Zliner Aerzteschaft auch außerhalb des Krankenhauses kennenzulernen. Auch einige Abteilungen der Balgwerke nahmen eine Reihe von Hochschulstudenten verschiedenster Fachgebiete zwecks Ferienpraxis auf. 100- Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Casta Diva"(Bezaubernde Augen). (Jt.— M. Eggerth.)— Alfa:„Karuffel auf dem Meere."(Ä.)— Avion:„Aergert nicht den Großpapa."(Tsch.— Vl. Burian.)— Hvezda:„Der Fall des Kommissars Colt."(A.— Menjou.)—* Julis:„Die Schul« der Liebe."(A.— Lilian Harvey.)— Kinema: Journale, Groteske, Reportage. M halb 2 bis halb 10.— Koruna:„Im letzten Augenblick."(A.)— Lueerna:„Zirkus Barnum' (A.— W. Beery.)— Metro:„Charlie Chans Mut."(A.)— Passage:„Die Schule der Liebe., (A.— Lilian Harvey.)— Praha:„Der Fall des Tyrannen."(F.)— Skaut:„Prokurator Alice Horn."(D.)— Alma:„Die Spionin."(A.)— Brseda:„Der Kongreß tanzt."(D.)— Illusion: „Das Lied der Lieder."(A.— Marlene Dietrich) — Louvre:„Madame Butterfly."(A.— S. Sydney.)— Maeeska:„Csibi, der Fratz."(D.)• Sport:„Die verkaufte Stimme."(D.)— U Bei- bohlt:„Die verkaufte Stimme."(D.— Josef Schmidt.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS ode«. bet Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitunaskrankatur wurde von der Posi- und Tele- mit 1g— Druckerei 1„Orfie"- Verlags. onh Zeitunas«A-G Prni