ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«2. Telefon jjotz. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. PRAG. ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK EMnfyrels 70 HeKir (olMchlloMch I Heller Portei 15. Jahrgang Dienstag, 30. Juli 1935 Nr. 175 Demonstrationen bei cler Veisetrung cler Asche Otto Glöckels 75 Verhaftungen Wien. Bei der Beisetzung der Asche des ehemalige« sozialdemokratischen Funktionärs Otto Glöckels, Montag auf dem Meidlinger Friedhof waren etwa 800V Personen zugegen, darunter fast alle ehemaligen sozialdemokratischen Gemeinde- und Staatsrate. Bereits aus dem Friedhof selbst kam es zu kleineren Demonstrationen, wobei insgesamt fünf Personen verhaftet wurden. Auch auf der Straße wurden sodann diese Demonstrationen fortgesetzt, so daß Polizei eingreifen mußte, die 7V Personen i« Gewahrsam nahm. Oer weißsrüne Terror W i e n. In Wiener-Neustadt endete jetzt der Hochverratsprozetz-egen acht Angehörige dcr sozialdemokratischen Partei, die versucht hatten, eine neue Organisation revolutionärer Sozialisten z« gründe», verbotene Druck- und Zeitschriften verbreiteten und sich auch an Beratungen der österreichische» Emigration in Brünn beteiligten. Der Hauptangrtla^te T t ö ck l wurde zu drei Jahren, Df Hürz zu Jahren, die übrU gen Angeklagten zu 15 bis 24 Monate» schweren Kerkers verurteilt. Im September wird in Wien rin neuer Prozeß gegen 4V revolutionäre Sozialisten wegen derselben Delikte wie die genannten, stattfinden. 50 Verhaftungen bei Wiener Fußballspiel Wien. Während des gestrigen Fußballspieles Austria—Ferenzvaros auf dem Wiener Stadion nahm die Polizei etwa 50 Nationalsozialisten und Kommunisten fest,- die illegale Drucksortcn verteilten. New Yorker Bürgermeister gegen deutsche Presse-Angriffe Keine Kommunisten unter den Demonstranten Paris. Der New Dorler Bürgermeister La Tuardia wies in einer Unterredung mit dem Korrespondenten des»Journal" die Vorwürfe der deutschen Presse und der deutschen Oeffentlichkeit zurück, daß er die-freitägigen Ausschreitungen bei der Abfahrt der„Bremen" nicht verhütet habe. Der Bürgermeister versicherte, die New Dörfer Polizei hätte ihre Pflicht erfüllt. Die Verantwortung falle auf die deutsche Schiffahrtsgesellschaft. Die Polizei habe sie rechtzeitig auf mögliche Ausschreitungen aufmerksam gemacht, die Schiffahrtsgesellschaft weigerte sich jedoch entsprechende Maßnahmen zu treffen und unterließ es insbesondere, ein Verbot bezüglich der Besuche auf dem Dampfer zu treffen. Und so geschah es, daß unter den Besuchern„Kommunisten" an Bord der„Bremen" erschienen. Die zehn verhafteten Personen behaupten, keineKom- Munistenzusein, und erklärten, sie wollten nur kundgeben, daß sie die antireligiöse Kampagne in Deutschland verurteilen. Sie erklärten weiters, daß sie ihre Handlungen keineswegs bedauern. Englisches Parlament geht auf Ferien Neue Tagung erst Ende Oktober London. DaS Parlament wird kommenden Freitag auf Ferien gehen und in der zweiten Oktober.Hälfte wieder zusammentreten, um das Programm der gegenwärtigen Session zu beenden. In Abessinien wird schon gekämpft!! Militärgerichte In Erithräa Ungünstige Aussichten für Genf Wahrend die europäischen Kabinette noch über die Beilegung dos Konflikte- beraten, scheint es Mussolini darauf angelegt zu haben, ein ähnliches Fait arcompli zu schaffen, wie es Berchtold 1914 erfunden hatte,»m dem Kaiser die Kriegserklärung abznlisten. Wie englische Blätter mit Bcsttmmtheit berichten, hat auf abessinischem Gebiet bereits rin Gefecht stattgefunden, das durch den Bormarsch italienischer Truppen provoziert worden war. Die I t a l i e n e r scheinen zugleich h e f t i g e m Widerstand unter den Eingeborenen in ihren beiden Kolonien zn begegnen, denn sie haben Militärgerichte eingesetzt. Das ist anscheinend der Beginn der„Zivilisierung" des Landes«nd der Abschaffung der Sklaverei! Für die Genfer Berhandlungen bestehen die denkbar schlechtesten Aussichten. Abessinien selbst führt jetzt eine schärfere Sprache»nd überläßt es zwar dem Völkerbund, die Tagesordnung und die Borgangsweise zu bestimmen, hat aber an Italien eine Note.gerichtet, die für die Italiener vielleicht den Lorwand liefern wird, die Verhandlung z« sprengen.' In England glaubt man jetzt, daß Italien die Feindseligkeiten in der dritten Septem berwoche beginnen wird. 60 Tote In Abessinien London. Der Sonderkorrespondent der „Times" in Addis Abeba meldet, die eine Woche alte Nachricht aus Walkalt im Fernen Rordwcsten des Landes, wornach eine italienische Streitmacht in einem Bezirk vorgedrungen sei, der nach Ansicht des abessinischen Befehlshabers z« Abessinien gehört, habe sich bestätigt. Die Italiener und 20 Abessinier feien getötet worden, worauf die italienischen Soldaten in Lastautos abgefördert worden seien. Ferner meldet der Korrespondent, der Kaiser habe in einer für die„Times" bestimmten Botschaft erklärt, die Enttäuschung über die wenn auch.zeitweilige Versagung der Ausfuhrlizenzen für Waffen, werde mehr als ausgeglichen durch die Befriedigung über die nachdrückliche Unterstützung, die die britische Regierung den Bemühungen Abessiniens um eine völlige friedliche«nd unparteiische Löfun» des jetzigen Streites znteil werden lasse. Der Korrespondent fügt Hinz«, die abessinische Regierung hoffe auf eine schnelle, endgültige und allumfassende Entscheidung des Böl- derbundrates. Wenn Artikel 12, der beide Parteien verpflichtet, vor Ablauf von drei Monaten nicht zum Kriege zu schreiten, wirksam zur An wendung gebracht werden könnte, dann würde der Kaiser zufriedener sein als über irgend rin anderes Ergebnis. * London.„Daily Expreß" meldet aus Asmara(Erithräa) der Oberkom- missar von Italienisch-Ostafrika General de Bono habe sich genötigt gesehen, ein Sondergericht für die Anwendung des Militärgesetzes zu ernenne». Dieses Sondergericht sei für ganz Erithräa zuständig und trete an die Stelle der bisherigen Strafkammer. Es heiße, daß dieser ungewöhnliche Schritt durch An» ruhen unter den Eingeborenen und durch die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung strenger Manneszucht in den Arbetterabtellungen veranlaßt worden sei. General de Bono habe a«m eine Bekanntmachung erlaßen, in der er den Eingeborenen der Kolonie versicherte, daß dieZV.VVVaus Italien herbeigeschafften Arbetter ihnen nicht ihr Land wegnehmen würden, sie seien nur gekommen, um Straßen, Wasserleitungen und Brücken zu bauen. Entscheidende Tage Die Reaktion versucht es noch einmal in Holland „Antirevolutionär" Collin bildet ein„Fachmännerkabinett Amsterdam.(E.-B.) Die holländische Reaktion kämpft'einen zähen Kampf um die Wieder- gewinnung ihres verlorenen parlamentarischen Postens. Nach dem Scheitern der Regierungsverhandlungen des katholischen Prof. Aalbe r s c hat die Königin Wilhelmine nun neuerlich den zurückgetretenen Ministerpräsidenten Colijn, der der reaktionären„antirevolutidnä- ren" Partei angehört, mit der Bildung eines Ka- binettcs beauftragt. Colijn soll versuchen,' ein „Kabinett von Fachmänner'« auf außerparlamentarischer Grundlage" zu bilden. Die politische Lage muß als außerordentlich kritisch bezeichnet werden, da es bei der A b l e h n ü n g, die Colijns starre Goldblockpolitik nicht nur in der Opposition, sondern auch bei seinen bisherigen Koalitionspartnern, den Katholiken, gefunden hat, sehr unwahrscheinlich ist, daß eine neue Regierung Colijn eine Mehrheit im Parlament fände. Gegen die demokratisch selbstverständliche Lösung, die Regierungsbildung der Linken zu übertragen, sträubt sich nicht nur die gesamte Reaktion, sondern auch die Königin. Da in den letzten Monaten soivohl in gewissen Kreisen der katholischen Partei als auch bei den Antirevolutionären eine bemerkenswerte Propaganda für„st ä n d i sch e" Ideen betrieben wird und gerade in diesen Tagen die Reaktion sehr offen die„Vorzüge" der ö st e r r e i ch i s ch e n Lö- sung preist, verfolgt,die niederländische Arbeiterschaft die Entwicklung mit größter Wachsamkeit. Allerdings haben die Gemcindelvahlen so deutlich bewiesen, daß die Volksmeinung in steigendem Maße auf feiten der L i n k e n steht, daß ein„ständisches" Experiment für die Regierung außerordentlich riskant wäre. Man erwartet deshalb allgemein, daß die Königin nach all dem unverständlich langen Zögern den einzig demokratischen Ausweg, aus der politischen Krise suchen wird, die Regierung des Landes der Linken anzuvertnauen. kommunistische Umtriebe „der Katholiken?" München. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Nachdem in den letzten Wochen bereits mehrfach ganz offen Bündnisangebote von den K o m ty u n i st e n an die k a t h o l i- schen Jugendverbände in Deutschland gerichtet worden sind und das Organ des Zentralkomitees des internationalen kommunistischen Jugendverbandes im Juni in einem Aufsatz sich positiv mit dieser Frage beschäftigt hatte, sind nunmehr als Auswirkung dieser geheimen Weisungen in München kommunistische Flugblätter gesunden worden, die der katholischen Bevölkerung eine gemeinsame Front gegen den„Fase i's m u s" Vorschlägen. (Man wird die Meldung des DNB. mit viel Vorsicht aufnehmen müssen. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß die Meldung. bloß den Zweck hat, geplante Maßregelungen katholischer Verbände mit der durchsichtigen„Enthüllung" ihrer Beziehung zu den Kommunisten, zu begründen. Red.) Unruhiges Irland Die Meldungen, die seit zwei Wochen aus der nordirischen Hauptstadt Belfast kommen und von Straßenkämpfen zwischen protestantischen „Orange-Leuten" und Katholiken berichten, erinnern daran, daß man aus Irland selten von etwas anderem als von Unruhen vernommen hat.' Vor dem Kriege gab es die blutigen Aufstände der „Sinn-Fein"-Bewegung gegen die englische Herrschaft, während des Krieges erregte dieHinrichtung des irischen Nationalistenführers Sir R o g e r C as e m e n t Aufsehen, der nach einem Aufenthalt in Deutschland heimlich mit einem U-Boot an der irischen Westküste gelandet war, um bei seinen Landsleuten für die Losreißung von England und ein Bündnis mit den Mittelmächten zu agitieren. Nach dem Kriege gab es mehr als einmal wilde Straßenschlachten in Dublin und Cork, und auch seit Irland zum Freistaat geworden ist, haben die Unruhen nicht aufgehört. Die europäische Oeffentlichkeit weiß nicht viel von diesem westlichsten Land Europas, das eine so tragische Geschichte hat und als das klassische Land der Verschwörungen, Straßenkämpfe und politischen Attentate bezeichnet werden kann. Denn seit die Iren im 16. Jahrhundert von den Heeren der englischen Königin Elisabeth blutig unterworfen wurden, haben sie im Schatten Englands gelebt. Die britischen Aristokraten nahmen von ihrem Boden Besitz und ließen sich Pacht und Steuern zahlen, utzd während England zur Weltmacht wurde und seine Industrie, entwickelte, ist Irland die„grüne Insel" der Viehzüchter und Bauern geblieben,.ein armes uni ausgcbeuteteS Land,, das Jahr für Jahr Taüstsiöe seiner Bewohner als Auswanderer nach-Amerika schickte. Die Iren haben sich bis heute ihre eigene Sprache bewahrt, einen alten keltischen Dialekt, der mit dem in Wales noch gesprochenen„Gälisch" verwandt ist. Ein' für die Iren bezeichnender Hang zur Phantastik hat zur Folge gehabt, daß die Iren ttotz der unerhörten Leidenschaft ihres Kampfes gegen die englische Herrschaft immer wieder die furchtbarsten Niederlagen erlitten haben. Dabei haben sie den Kampf oft bewundernswert organisiert und mit größtem Heroismus geführt. Wer.die Geschichte Irlands studiert, wird wahre Musterbeispiele politischer Verschwörung in ihr finden, und es ist kein Zufall, daß die Iren den Ruhm für sich in Anspruch nehmen können, die Erfinder des „Boykotts" zu sein, den sie zum erftenmale vor 200 Jahren gegen einen englischen Grundbesitzer namens Ä o y c o t t angewandt.haben,'der sicherlich'nicht ahnte, daß sein Name unsterblich werden würde. Auch die Lahmlegung des Parlaments durch konsequente Opposition ist eine politische Waffe, die zuerst von den Iren angewandt wurde, als im Fahre 1880 die irische Nationalpartei als dritte Fraktion ins Londoner Unterhaus eingczo- gen war. Und viele'werden sich noch daran erinnern, daß vor zehn Jahren ein Ire, der von den Engländern verhaftete Bürgermeister von Cork, einen Rekord im Hungerstreik aufgestellt hat und als Märtyrer starb, ohne Nahrung angenommen — aber auch ohne seine Freilassung erreicht zu haben.'.'/..; An der Realität ihrer geographischen Lage, die Irland zu einer Verbindung oder, wenigstens zu einer Verständigung mit dem größeren und so viel mächtigeren England zwingt, ist immer wieder der leidenschaftliche Nationalismus der Jreü gescheitert. Im Jahre 1920 hat die damals von der Laboür-Party beherrschte englische Regierung den großen Schritt zur Versöhnung gemacht: Irland wurde zum Freistaat erklärt,' mit eigener Regierung und eigenem Parlament(dem„Dail"), und nur als Symbol der Zugehörigkeit zum englischen Weltreich blieb in der irischen Hauptstadt Lublin ein englischer Gouverneur, der aber kaum noch Befugnisse hat und eher die Rolle eines Botschafters spielt. Aber kaum war aus dem Irischen Nationalistenführer De Valera(einem halben Spanier übrigens) der Ministerpräsident des neuen irischen Freistaates geworden.^als die irischen Nationalisten ihn nicht mehr radikal genug fanden. Sie erklärten sich mit der erreichten Unabhängigkeit nicht zufrieden, verlangen die völlige Losreißung von Großbritannien und eine selbständige irische Außenpolitik, die in erster Linie gegen England gerichtet sein soll. Und obgleich De Valera dieser Stimmung Rechnung getragen hat — durch anti-englische Zollmaßnahmen, durch Nichtanerkennung des englischen Königs und durch Grit« L, Dienstag, 30. Juli 183r. 9h. 175 Englands Marine-Bauprogramm London. Der diplomatische Korrespondent des »Daily Herald" behauptet in der Lage zu sein, den Bauplan der britischen Admiralität für die nächsten sieben Jahre mitteilen zu können. Das Programm, das natürlich elastisch und vorläufiger Art sei, lautet: 1.836: kein Großkampfschiff, drei Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote, kein Flugzeugmutterschiff: 1937: fünf Großkampfschiffe, fünf Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote, ein Flugzeugmutterschiff; 1938: drei Großkampfschiffe, fünf Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote, kein Flugzeugmutterschiff; 1939: ein Großkampfschiff, fünf Kreuzer, neun FlotiUenführer und Zerstörer, drei U-Boote, ein Flugzeugmutterschiff; 1940: e i n G r o ß k a m p f s ch i f f, fünf Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote, kein Flugzeugmutterschiff; 1941: ein Großkampfs chiff, fünf Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote und ein Flugzeugmutterschiff; 1942: einGroß- kampfschiff, fünf Kreuzer, neun Flotillenführer und Zerstörer, drei U-Boote, kein Flugzeugmutterschiff, zusammen zwölf Groß- kampfschifse, 33 Kreuzer» 6 3 Flo- tillenführer und Zerstörer, 21 U-Boote und drei Flugzeugmutterschiffe. Unter Berücksichtigung der Kriegsschiffe, die nach den Bestimmungen der Washingtoner und Londoner Flottenverträge während dieser sieben Jahre die Altersgrenze überschreiten, werde die britische Flotte im Jahre 1942 folgende Stärke haben: 14 Großkampfschiffe(1935 15), 72 Kreuzer(50), 142 Zerstörer(84), 57 U-Boote(39) und 10 Flugzeugmutterschiffe(8). Japanischer Protest an Rußland Charbin. Der japanische Konsul in Chardin, Sato, hat.dem sowjetrufsischen Konsul Sla- wuzki eine Protestnote gegen die Beschießung eines japanischen Motorbootes auf dem Amur durch sowjetrusstsches Militär überreicht. Dir Note verlangt in energischem Tone von der Sowjetregierung Entschädigung und Garantien gegen eine Wiederholung derartiger Angriffe. Fernbleiben von allen gemeinsamen Beratungen der englischen Dominions— hat er heute doch schon mit einer sehr starken Opposition im„Dail" zu kämpfen, und ein großer Teil seiner ehemaligen Mitstreiter ist bereits wieder zum illegalen Kampfe zurückgekehrt. Es sind die»Blauhemden" des Generals O'Duffy, die dem fascistischen Borbild der Schwarz, und Braunhemden nacheifern und mit terroristischen Mitteln gegen die englische und die irische Regierung gleichzeitig kämpfen. Was die irische Geschichte so tragisch gemacht hat, war seit jeher der innere Kampf in Irland, der mit derselben Leidenschaft wie der Kampf gegen England geführt wurde. Wann immer eir» politische Bewegung in Irland ein Zü- geständnis von den Engländern erreichte, wurde sie von einer neuentstandenen Bewegung der Halbheit und des Verrats beschuldigt. Und seit jeher herrscht ein erbitterter Kampf zwischen den Katholiken und Protestanten in Irland, der gerade jetzt wieder so blutige Formen angenommen hat. Während England unter der Regierung der Königin Elisabeth bereits protestantisch war, find die Iren der katholischen Kirche treu geblieben, mit Ausnahme Nordirlands, der sogenannten»UI- st e r"-Provinz, deren Bevölkerung zum großen Teil den protestantischen Glauben annahm. Als Folge dieser religiösen Spaltung entwickelte sich ein immer heftigerer Gegensatz zwischen Ulster und Irland, der dazu geführt hat, daß Nordirland nicht dem irischen Freistaat angehört, sondern eine eigene Regierung hat, deren Ministerpräsident Craigavon öfter in London als in Belfast ist, und die treu zu England hält, weil nur die englische Macht Ulster vor dem Haß der Freistaat- Jrcn schützen kann. Wer in Ulster Katholik ist, gilt der dortigen protestantischen Mehrheit als Verbündeter des irischen Freistaates und ist vor Verfolgungen Nicht sicher, was dazu geführt hat, daß in Belfast, der nordirischen Hauptstadt, die Katholiken in besonderen Straßenvierteln wohnen, weil sie in der„Zerstreuung" nicht zu leben wagen. Und umgekehrt sind die Protestanten im irischen Freistaat verdächtig, mit den„Verrätern" von Ulster, den englandfreundlichen„Orange-Leuten", zu sympathisieren. Und wenn in Belfast Katholiken erschosien werden, dann wendet man, wie es jetzt geschieht, in Dublin, Cörk und Limerick Vergeltungsmaßnahmen gegen die Protestanten an. Die Neigung der Iren zum romantischen Nationalismus hat ein Eindringen sozialistischer Ideen in Irland bisher kaum zugelaffen. Nur in Rordirland hat die Labour-Party in den letzten Jahren einige Fortschritte gemacht, aber ihre Versuche, dem mörderischen Kampf der Nationen und Konfessionen Einhalt zu tun, haben bisher wenig Erfolg gehabt. Die Iren haben noch nicht erkannt, daß die Nutznießer dieses Kampfes die englischen Konservativen sind, die Irland umso sicherer beherrschen, je mehr ek sich selbst zerfleischt und die nur auf die Gelegenheit warten, zur Wiederherstellung der Ruhe Truppen in das unruhige Land zu senden. Ahm Aurednltek „Jawohl, Fräulein Sophie. Ich wollte den Kerl verprügeln, dachte mir dann aber, es sei besser, wenn ich ihn hineinlege. Ich entriß ihn den Händen der Weiber, die ihn gelyncht hätten, und sagte ihm, er könne keine bessere Frau finden als Magdalena." .Herr Beinsteller", sagte Sophie,„mir liegt nichts an den Leuten; Sie mußten mich nicht rächen. Die ganze Sache war ein großes Mißverständnis für uns beide. Gott sei Dank, daß es aufgeklärt wurde, bevor es zu spät war. Er liebte mich nicht, und ich erkannte, daß ich ihn auch nicht liebte'" „Aber dann...", plapperte Beinsteller, der das Gefühl hatte, auf der Schwelle des Himmels zu stehen. „Sie wollten fragen, warum ich weggegangen bin? Lieber Herr Beinsteller, ich war außer mir, daß die eigene Mutter... Daß mich Herr Foltr betrogen hat, kann ich ihm nicht Übelnehmen. Und Magdalena? Vielleicht hat sie es nur aus Wut getan. Aber die Mutter! Hätte sie den beiden wenigstens gesagt:„Na, ich kann's ja nicht hindern, aber schön ist es von euch nicht." Aber sie sagte nichts Derartiges und da habe ich gesehen, daß sie ihr ganzes Leben Magdalena lieber, hatte als mich. Deshalb mußte ich gehen Und werde nie wieder nach Hause zurückkehren." „Das find Sachen, das sind Sachen", sagte Beinsteller mitleidsvoll,„so ein braves Fräulein muß eS treffen. Und ich werde den Foltr doch verbleuen— bis die beiden verheiratet sind." Der mißdeutete„Tee-Erlaß" Das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung gibt bekannt: Das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung hat mit einem Erlaß vom 22. Mai 1935 eine grundsätz. liche Entscheidung über den Verkauf von sogenannten diätetischen Teesorten getroffen. Mit Rücksicht auf die unrichtige Auslegung dieses Erlasses in einem Organ der Tagespreffe macht das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung aufmerksam, daß der Erlaß sich überhaupt nicht gegen den freihändigen Verkauf von Teesortenund Drogen richtet, welche auch außerhalb der Apotheken— in Geschäften, welche eine Konzession für den Handel mit Heilmitteln oder eine besondere Bewilligung haben— verkauft werden dürfen. Ebensowenig richtet sich der Erlaß gegen den freihändigen Verkauf von Teemischungen, welche unter der Bezeichnung„diätetischer Tee" in den Handel gebracht werden, soferne diese Teemischungen keine Ordinationen oder Aufzählungen von Krankheiten enthalten, die durch die betreffende Teemischung geheilt werden sollen. Der Erlaß richtet sich mithin lediglich gegen Personen, welche wertlose, übertrieben teuere Teemischungen oder solche Teemischungen auf den Markt bringen, zu deren Verkauf sie nicht berechtigt sind. Die tschechischen Nationalsozialisten Ober die Bedingungen der Einheitsfront Das Präsidium der tschechischen Nationalsozialisten hat sich Montag u. a. mit der Frage des Zujammengehens mit den Kommunisten befaßt, die in letzter Zeit wiederholt zu Einheits- aktionen aufgefordert haben. Die tschechische nationalsozialistische Partei ist zu diesem Vorgehen bereit, wenn die Kommunisten die Demotra- tiebedingungSlos anerkennen, chenso die Unverletzlichkeit der Tschechoslowakischen Republik, und wenn sie ferner für das Budget stimmen und in dieRegierung eintreten. Erfüllen die Kommunisten diese Bedingungen, so werde man weiter mit ihnen reden. Erst jetzt schien Sophie seine Absichten zu verstehen. „Sie wollten mich rächen! Aber warum? Sie sind mir nachgegangen? Warum sind Sie mir nachgegangen, Herr Beinsteller?" Sie wurde feuerrot und Beinstellec mit ihr. Dann blickten sie einander einen Augenblick in die Augen und verstanden einander. Aber äußerlich war ihnen nichts anzumerken. Sie schwiegen nur einige Minuten, und als Beinsteller endlich das Wort ergriff, klantz seine Stimme schon ganz anders:„Na, jetzt ist's erledigt, Fräulein Sophie- chen, nicht wahr?" „Ja. Ich bin froh, daß es so ausgefallen ist." „Sie hätten ja gar nicht zueinander gepaßt; der wäre kein Mann für Sie, Fräulein Sophie- chen. Sie verdienen— einen Helden!" „Aber Herr Beinsteller", meinte Sophie, „wie käme ich zu einem Helden?" Merkwürdigerweise hatte'sie vor ihm nicht die Scheu, wie vor anderen Männern. „Sie? Wenn keine andere es verdient— Sie bestimmt. Sie sind das beste Frauenzimmer, und ich werde bis zu meinem Tode nicht vergessen, wie Sie mich bedauerten. Es hat mich damals so ergriffen, daß ich seither ein anderer Mensch geworden bin." „Ich weiß, Herr Beinsteller, Sie suchen eine Greißlerei." „Greißlerei?" brummte Beinsteller unangenehm berührt.„Ich hwbe etwas ganz andres gesucht— davon werden Sie noch hören." „Das freut mich, Herr Beinsteller, freut mich von Herzen. Bleiben Sie nur dabei, Sie werden schon sehen, wie die Menschen Sie dann schätzen werden."—„Sie auch?" „Ich schätze Sie schon jetzt, Herr Beinsteller, schätze Sie, seitdem ich Sie kennengelernt habe, weil Sie eigentlich ein guter Mensch sind." „Und ich hatte Angst, daß Sie wegen der tollen Loisis böse auf mich sind", stotterte Beinsteller. Höchstpreise für Mehl. Der Prager Magistrat hat Montag Höchstpreise für Weizenmehl herausgegeben, deren Ueberschreitung im Groß- und Kleinhandel strengstens bestraft werden soll. Im Kleinhandel— hier ist auch die Umsatzsteuer eingerechnet— werden demnach in Prag kosten: das Kilo Weizengrieß 3.20 KL, Weizen-Doppel« nuller-Mehl 2.90, Nullermehl 2.80, Weizenmehl erster Sorte 2.65, und Weizenmehl Nr. 2 bis 4, KL 2.10. Eine neue Spionage-Affäre. In Leopoldov in der Slowakei wurde dieser Tage, wie„A-Zet" berichtet, der ungarische Magyar A r p ä d Kunos verhaftet, der dort seinen Urlaub bei seiner Mutter verbrachte. Er soll spioniert haben und mit verdächtigen Personen in Verbindung gewesen sein. Kunos befindet sich in Polizeihast. Obwohl er noch nicht verhört wurde, hat der Akt schon 160 Seiten. Es scheint sich also um eine große Affäre zu handeln. Symbolische Steinwürfe Teschrn.(Tsch. P.-B.) Trotz des Verbots der polnischen Regierung, in Polnisch-Teschen anläßlich des 15. Jahrestages der Teilung Teschens antitschechische Kundgebungen zu veranstalten, fand Sonntag vormittags auf dem Hauptplatz in Polnisch-Teschen unter Beteiligung von etwa 3500 Personen, darunter auch Teilnehmern in Uniformen, z. V. Legionären, Feuerwehren, So» koln, Skauts etc., eine öffentliche Versammlung statt, in der der Organisator der Versammlung Major j. R. P l o n k a sprach. Nach der Versammlung begab sich ein Zug zum Denkmal der gefallenen"Legionäre; das in der Nähe-der Staatsgrenze steht/ wo der Beamte der schlesischen Wojwodschaft Kattowitz R z y m a n eine Rede hielt. Ein Teil der Teilnehmer demonstrierte sodann bei der nach Tschechisch-Teschen führenden Brücke. Einige Demonstranten warfen Steine in der Richtung der tschechoflowakischen Zollgebäudes.;' Kriegsgericht In Barcelona Barcelona. Das Kriegsgericht, das dieser Tage seit Proklamierung des Belagerungszustandes zum ersten Male hier zusammengetreten ist, hat heute zwei Personen, die während der Unruhen in Barcelona einige„Ueberfälle" mit der Waffe in der Hand unternommen hatten, zu acht JahrenKerker verurteilt. „Dafür konnten Sie doch nichts, Herr Beinsteller, was die alles versucht hat— es ist wirklich zum Lachen. Sie bildete sich ein, daß wir beide uns lieb haben..." „Das war wirklich ein furchtbar blöder Einfall, nicht wahr, Fräulein Sophiechen", lispelte Beinsteller. Sie lächelte, wich aber mit der Antwort aus. Er glaubte, daß sie ihm nicht antwortete, um ihn nicht zu beleidigen. Mit übermenschlicher Anstrengung begann er ein anderes Gespräch.„Wir plaudern hier von so lächerlichen Sachen, inzwischen geht die Sonne unter und Sie haben heute kein Dach über dem Kopfe. Wissen Sie, wo Sie heute übernachten werden? Wohin wollten Sie gehen?" „Zum Wasser, Herr Beinsteller", sagte Sophie ruhig.„Aber was ist Ihnen?" „Zum Wasser?" „Na ja— ich wollte mit dem Dampfer nach Branik zur Tante fahren." „Ach so", sagte Beinsteller und verspürte dabei eine unbegreifliche Enttäuschung.„Aber weshalb wollen Sie nach Branik, von dort haben Sje einen sehr weiten Weg in die Arbeit. Ich hab' eine Idee, Fräulein Sophiechen. Ich habe einen Bekannten, einen sehr braven Kerl; bei dem könnten Sie bleiben, bevor Sie etwas Passendes fin- ■ben."„Ich danke schön, Herr Beinsteller; es ist wirklich sehr lieb von Ihnen,' daß Sie sich so um mich sorgen. Aber ich kann es nicht annehmen." „Aha, ich weiß schon, was Sie denken", sagte Beinsteller voller Bedauern.„Sie glauben: dieser Beinsteller kann doch nur Diebe als Bekannte haben, zu denen werde ich nicht gehen. Der alte Pe« tricek ist nämlich wirklich ein Dieb, und wir sind alte Kameraden; sonst ist er aber ein braver Mensch und ein Kavalier. Und sie, die Petricek, erst recht. Er hat eine Frau, mit der er schon achtzehn Jahre oder noch länger lebt. Es gibt keine Frau mit besserem Herzen als seine Fanni." „So war's nicht gemeint, Herr Beinsteller", sagte Sophie und umfing ihn mit einem so strahDie sogenannte Gewerbesperre Yon Dr. Egon Sdiwelb Am 26. Juli ist in der Gesetzessammlung die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassene Regierungsverordnung vom 16. Juli 1935, Slg. Nr. 162„überzeitweiligeBeschrän- kungen in einigen Unternehmungszweigen" erschienen. Diese Verordnung ist das vorläufige Ergebnis der seit Monaten und Jahren andauernden Bestrebungen nach Verkündung einer Gewerbesperre zum Schutze der Inhaber der bestehenden gewerblichen Unternehmungen. Diese Bestrebungen, die in allen von der Krise heimgesuchten Ländern vorhanden sind, haben bei uns durch den Wahlsieg der tschechischen Gewerbepartei, deren Eintritt in die Regierungsmehrheit und den Einzug eines gewerbeparteilichen Abgeordneten in das Handelsministerium, naturgemäß eine Verstärkung erfahren. Die ersten Entwürfe, die bekanntgeworden sind, haben mit Recht in den Kreisen der Gewerkschaften Widerstand hervorgerufen, da die von ge- werbcparteilicher Seite geplante absolute Gewerbesperre keineswegs die beabsichtigte Wirkung einer Förderung des kleinen Mittelstandes hätte haben können, sondern nur zu einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Lage auf dem Arbeitsmarkte geführt hätte. In einer Zeit, in der Zehntausende und Hunderttausende von Angestellten und Arbeitern arbeitslos sind, ist es nicht angängig, den von diesem Unglück Betroffenen den Versuch, durch Gründung einer kleinen selbständigen Existenz den notdürftigen Unterhalt zu verdienen, abzuschneiden. Eine absolute Gewerbesperre muß aber auch eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt durch Gründung neuer Unternehmungen verhindern. Den Bedenken, die gegen die ursprünglichen Entwürfe laut getvorde» sind, ist durch die nunmehr vorliegende Regierungsverordnung in erheblichem Maße Rechnung getragen, insbesondere durch die Ausnehmung des fabrikmäßigen Betriebes. Trotzdem bleibt aber die Regierungsverordnung ein wichtiger Markstein in unserer wirtschaftspolitischen Gesetzgebung, weil sich in ihr in allgemeiner Weise die grundsätzliche Abkehr von der WirtschaftS- und Gewerbepolitik des Liberalismus dokumentiert. Die Gesetzgebung der letzten Jahre hat schon auf einigen Gebieten der gewerblichen Produktion eine Art Gewerbesperre durch Bewilli- gungszwang eingeführt. Um nur die wichtigsten Zweige zu nennen, verweisen wir auf die Gesetzgebung über die Z.u.ckerrübenerzeu« g u n g, auf die Maßnahmen über die. Erzeugung von Kunstfett und auf die Maßnahmen auf dem Gebiete der Glasindustrie. Gleichzeitig mit der von uns besprochenen Verordnung ist auch eine besondere Verordnung über die Erzeugung und den Handel mit Brimsenkäse(160/35) erschienen und in Kraft getreten. Auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Produktion sind die reglementierenden Eingriffe der Staatsgewalt noch wesentlich intensiver gewesen.(Getreidemonopol.) Unsere Verordnung Nr. 162/35 beschränkt sich nun nicht mehr auf einen einzelnen Gewerbezweig, sondern erfaßt die Erzeugung und den Handel mit Zuckerwaren, Galanteriewaren, Kolonialwaren, Schuhwaren, die Bekleidungsbranche, die Lebensmittelbranche und Textilbranche. Die Beschränkungen, die die Bel lenden Blick, als wollte sie alles abbitten und belohnen.„Ich wollte die Herrschaften nur nicht überflüssigerweise belästigen, da ich bei der Tante gern gesehen werde. Aber um Ihnen zu beweisen..." „Sie wollen hingehen?" rief Beinstellcr mit solcher Begeisterung, daß sich die Vorübergehenden nach ihnen umschauten.„Ja." „Fräulein Sophie, ich wäre jetzt imstande, für Sie sogar einen Menschen zu ermorden", beteuerte Veinsteller,„wenn Sie mir jedoch noch das Händchen reichen wollten..." Sophie erfüllte lächelnd seine Bitte und überließ ihm ihre Hand sogar etwas länger als gewöhnlich. Beinsteller war außer sich vor Freude. Tie Well drehte sich um ihn. Diese vielen Ereignisicl Die unverhoffte Lösung von Sophies Verlobung, ihre Erklärung, daß sie Herrn Follr nie geliebt hab«, ihr nettes Benehmen ihm gegenüber... Er begleitete Sophie in die Fischgaffe in der Altstadt, wo er vor einem kleinen alten Häuschen stehen blieb. „Hier sind wir", sagte er.„Die Baracke ist zwar alt, aber sie werden gut darin wohnen. Wanzen gibt es keine. Bleiben Sie jetzt hier im Gang stehen, ich will nachsehen, ob die Petricek nicht zufällig im Kino ist oder ob der Petricek nicht gerade sitzt. Bin gleich wieder da!" Bevor Sophie ein wenig ihre Gedanken ordnen konnte, stand Beinsteller wieder neben ihr. „Alles ist berett", berichtete er.„Die Fanni hatte die Augen voller Tränen. Sie ist ganz gerührt, weil ich ihr erzählte, was Ihnen das Gesindel angetan hat." „Herr Beinsteller", sagte Sophie,„warum tun Sie das alles? Wie soll ich es Ihnen vergelten? Ich bin von der eigenen Familie verraten, von einem mir nahestehenden Menschen gedemütigt, wie ein lässiger Hund aus dem Hause gejagt; und Sie haben sich meiner angenommen. Wie ein Kavalier! Ich fühle mich bei Ihnen so geborgen."(Fortsetzung folgt.) Nr. 175 Dienstag, 30. Juli 1935 Sette» fudctendeutscficr Zeifspie^ef —■ ordnung mit Gesetzeskraft vorsieht, haben Meier« lei Inhalt. ES wird erstens bestimmt, daß Han. delsgrsellsch-ften und Gesellschaften de- Handel-» und de- bürgerliche« Rechte- nnd juristischen Persimen sowie Personen, die bereit- eine Gewerbeberechtigung in den erwähnte« Branchen besitzen, die Gründung eines neuen Gewerbes nur nach Durchführung eines bestimmten Berfahrenö möglich ist. Die Etablierung von Einzelpersonen ist nicht beschränkt. Was der Unterschied Mischen Handelsgesellschaften und Gesellschaften des Handelsrechts ist, sagt die Verordnung nicht. Dies wird der Praxis mancherlei Kopfzerbrechen verursachen, ebenso wie die Anerkennung der Ge« werberechiSfähigkeit der Gesellschaften des Privatrechts, mit der sich die Verordnung auf ein theoretisch wie praktisch sehr umstrittenes Gebiet begibt. Bereit- bestehenden Unternehmungen der erwähnten Branchen, wird zweitens, gleichgültig, ob ne von Einzelpersonen, Gesellschaften oder juristischen Personen betrieben werden» die Gründung von neuen BerkaufSlokalitäten, von Zweigetablis« sementS und Niederlagen(Verkaufsstellen, Reparaturwerkstätten), gleichfalls nur nach Durchführung deS erwähnten Verfahrens erlaubt. Tas Verfahren besteht darin, daß die Gelverbebehörde nach Anhörung der Handel-- und Gcwerbekammcr und der zuständigen Gewerbegenossenschaft, der auch das Berufungsrecht zusteht, darüber entscheidet, ob die Neugründung, resp. Erweiterung des Unternehmens nicht einen wirtschaftlich ungesunden Einfluß auf dir Konkurrenzverhältnisse haben wird, und zwar sei es im allgemeinen odzr auch nur mit Rücksicht auf den engeren Umkreis des Standortes des Gewerbes. Vor Rechtskraft dieser Entscheidung kann der Betrieb nicht begonnen werden. Auf juristische Detail- kann in diesem zusammenfassenden kurzen Bericht nicht eingegangen werden. Soviel sei nur gesagt, daß die Fassung des Tatbestandes austerordentlich weit ist und die Behörde danach tatsächlich eine sehr weitgehende Machtbefugnis haben wird, denn die Gründung jedes neuen Gewerbes und jeder neuen gewerblichen Niederlassung ist natürlich für die Konkurrenzverhältnisse, das heistt für die K o n k u r r e n t e n, wirtschaftlich schädlich. Dir Gewerbebehörden werden sich daher bei ihren Entscheidungen von dem Gedanken leiten lassen müssen, daß die Notverordnung nicht jeden Schaden verhindern will, der den Konkurrenten durch die Neugründung oder Erweiterung eine- Unternehmen- entsteht, denn Iväre dies Absicht de- Gesetzes, so wäre ja jede Neugründung und Erweiterung linear verboten worden, sondern nur einen überdurchschnittlichen wirtschaftlich ungesunden und unangemessenen Schaden. Wichtig ist jedenfalls, daß die Bestimmungen «uf Fabrikbrtriebe keine Anwendung finden, insofern nicht Verkaufsstellen oder Niederlagen für den Detailverschleitz errichtet werden. Die Bestimmungen der Verordnung beziehen sich auch auf Gcwerbeanmeldungen und Anmeldungen von neuen Betricbsstätten und Zweig« etabliffements, die vor Inkrafttreten der Verordnung erfolgt sind und über die noch nicht entschieden worden ist. Die Verordnung besagt, daß das neu eingeführt« Verfahren auch über solche zurückliegende Anmeldungen durchzuführen ist, ohne aber zu bestimmen, dast etwa der Betrieb dieser vor Inkrafttreten der Verordnung angemeldetcn Gewerbebetriebe und Niederlassungen bis zur Durchführung des Verfahrens eingestellt werden müßte. In der Kolonialwaren- und Lebensmittelbranche können darüber hinaus binnen drei Wochen nach Inkrafttreten der Verordnung selbst rechtskräftig erteilte Gewerbeberechtigungen widerrufen werden, unter der Voraussetzung, daß die An-' Meldung nach dem 1. Juni 1935 erfolgt ist. Hier wirft die Verordnung zurück und greift in erworbene Rechte ein, ist aber unserer Ansicht nach trotzdem durch das Ermächtigungsgesetz gedeckt. Durch das Ermächtigungsgesetz ist die Regierung eben ermächtigt worden, Verfügungen zur Abwendung und Milderung von Schäden und Störungen des Wirtschaftsleben- zu treffen, insbesondere durch angemessene Regelung der Preis, und Erzeugung-Verhältnisse, des Umlaufs, des Verbrauchs und des Kredites. Derartige Maßnahmen sind nun in vielen Fällen ohne Eingriffe in ertvorbene Rechte nicht denkbar.(Man denke nur an die Zinsfußherabsetzungen!) Die oben dargestellten Bestimmungen gelten nicht für Erwerbs- und Wirtschaftsgen osie n s ch a f t e n, nnd zwar auch dann nicht, wenn die Erwerbs« und Wirtschaftsge- nossenfchasten statutengemäß berechtigt sind, auch an Nichtmitglieder zu verlaufen. Diese Feststellung ergibt sich aus der Erivägung. dast das Gesetz zwischen den verschiedenen Arten der Erwerbs- und WirtschaftS"enossen>'chaften in keiner Richtung unterscheidet. Für Erwerbs« und Wirt« schastsgenossenschaften gelten vielmehr besondere Bestimmungen,>md zwar in der Richtung, daß eine Erwerbs« und WirtschaftSgenosscnschast nur dann gegründet und ins GeuüssenschastSregister eingetragen werden kann, wenn sie den Nachweis erbringt, dast sie f ä h i g i st, d e n g e p l a n« ten Fwcckzu erfüllen und Mitglied eines Revision-Verbandes bereit- ist oder nachweist, dast sie von einem Revisionsverband ausgenommen werden wird. Die Handhabung dieser Bestimmungen ist nun in weitem Maste den autonomen Organen der Genossenschaftsbewegung überlassen, indem der erwähnt« Nachweis dem Gericht durch die Erklärung einer der Genossenschaft-zentralen zu erbringen ist. Als Genossenschaft-zentralen mit dieser Berechtigung werden anerkannt: Der Verband Tentrokooperativ in Prag, die Interessen» Nochmals die„Illustrierte Presse“ Wann hört dieser Skandal endlich auf? Es ist von uns bereits öfters darauf hingewiesen worden, daß in unserer Republik das Erscheinen einer illustrierten Wochenzeitschrift geduldet wird, die, um in der im Presscrecht üblichen Sprache zu reden,»nach Form und Inhalt nur als Ersatz einer verbotenen Druckschrift anzusehen ist"— also in diesem Fall der bei uns verbotenen „B e r l i n e r I l l u st r i e r t e n". Bei der»Illustrierten Presse" ist zwar als »Verleger und Herausgeber" ein»Mentor, Illustrierte Pressen-Berlag G. m. b. H. in P r a g II.", ein»verantwortlicher Redakteur" Emil Schmidt, Prag II., und als Druckort ein D. Tit- telbach in P r a g angegeben. Wer aber die»Berliner Illustrierte" kennt, wird sich auf den ersten Blick davon überzeugen können, daß Inhalt, Aufmachung, Romanteil, ja sogar die Inserate— S werden nur Markenartikel aus dem Dritten Reich angekündigt— und die Lettern eine haargenau« Kopie des bei uns angeblich verbotenen ProduftS des gleichgeschalteten Ullstein-Verlags sind. Bei der Durchsicht der B i l'd e r findet man kein einziges aus der Tschechoslowakei, dafür aber beispielsweise in der letzten Nummer(vom 25. Juli) einen Artikel über»Deutschlands Außenminister ist Erbhosbaucr"(zweiseitig, mit fünf Bildern), eine zweiseitige Reklame für München, wcbei die angeblichen Verbimste des deutschen„Arbeitsbeschaffungsprogramms" um die Restaurierung eine- Kirchturms»gebührend" hcrvorgehoben werden, eine zweiseitige Reklame für Münchener Bier; man sieht die holdvertrauten Visagen Hitlers. GöringS und Blombergs, dazu kommt eine Borreklame für einm„Alt-Münchener Film" und auf den restlichen drei Bildseiten etwas über Kleinasien. Der Gesamtcharakter der»Illustrierten Presse" ergibt sich mit hinreichender Deutlichkeit schon aus dieser Zusammenstellung— auch wenn»schlauerweise" das Titelblatt eine Aufnahme»Englische Eignungsprüfung für Autofahrer" zeigt. Soweit der Bildteil. Was aber im jetzt laufenden Roman eines Herrn Horst Biernath geboten wird, ist— neben der selbstverständlichen treuteutschen Familiendusseligkeit und dem obligaten„Erdaerucki"— nichts weiter als eine bewußte, shstcmatische Verhetzung» die sich allerdings scheinbar gegen— Litauen richtet. Aber der Fall, bleibt dcr-gleichr, da es gesinnungstüchtigen Henleinschen»Volksgenossen"- nicht schwer fallen wird, an die Stelle Litauens das Land zu sehen, das wirklich gemeint ist. Da wird von einem jungen deutschen Diplomaten erzählt, der aus Ehrgeiz das furchtbare Verbrechen begangen hat, eine reiche„Nationallitauerin"(so heißt es in dem Roman!) zu heiraten, die obendrein noch ausgerechnet S i- m o n e heißt(!!) und selbstverständlich„mit ihrer Ehe nicht auch die Staatszugehörigkeit gewechselt hat", da„die Annahme einer anderen Staatszugehörigkeit doch kein chemischer Prozeß ist, der dieBlutzusammenketzung(Il) ändert". Dazu kommt(alles in der gleichen Nummer vom 25. Juli) eine düster- Gestalt von einem Litauer, der als ein Mann, der offenba'' auch das Führerprinzip verkörpert,»die Nation als eine geschichtliche Erfindung" benutzt, um ikdaS ehrgeizige Streben nach Macht und Geltungsbedürfnis zu befriedigen". Das gilt allerdings nur für f r e m d r a s s i g e Führer. Die Enthüllung der heldischen Eigenschaften de- nordischen Menschen ist offenbar späteren Fortsetzungen vorbebalten, in denen der„artvergessene" deutsche Diplomat wahrscheinlich von den dunklen Mächten ms Verderben gestoßen werden wird. Nimmt man noch dazu, daß»Litauen" aller der Schandtaten beschuldigt wird, die nach Henleinscher Ideologie von der Tschechoslowakei verübt worden sind, dann bleibt nur noch die eine Frage: Wie lange werden sich die für solche Fälle zuständigen Instanzen noch an der Nase herury- fübren lassen? Zentrale der Genossenschaftsverbände in Prag nnd die Geldzentrale des gewerblichen Genossenschaftswesens. Wenn ein« dieser GenossenschastSzentralen über die Herausgabe der Bescheinigung für das Registergericht entscheidet, muß sie ihrerseits wieder die Aeußerung deS zuständigen Revision-« Verbandes, z. B. also für unsere deutsche Ge- nossens• Folgenschwerer Zusammenstoß. Auf der Staatsstraße nach Brünn stieß ein vom Chauffeur Hlousek gelenkter Autobus mit einem Lastauto zusammen. Bei dem Zusammenstoß erlitten fünf Personen zum Teil schwere Verletzungen. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Todesopfer ein« Wallfahrts-Rauferei. Samstag fand in Tahanovce bei Kosice eine Wallfahrt statt, bei der es zu einer blutigen Rauferei zwischen der Dorffugend kam. Einer der an der Rau-, feiet Beteiligten, nämlich Jan Huöko aus Polov, wurde getötet. Schwarzfahrt in den Tod. Unweit der Eisenbahn-Haltestelle S v o b o d a bei Esen in Karpa- thorußland wurde Sonntag früh d« 18jährige Jan Boksan Misak von einem Personenzug überfahren. Misak hatte die Gewohnheit, den Zug ohne Fahrkarte zu benützen. Der Schwarzfahrer sprang meist auf der dem Stationsgebäude abgekehrten Seite auf die fahrenden Züge auf, um so der Aufmerksamkeit des Eisenbahnpersonals zu entgehen. Bei einem solchen Versuch dürfte er unter die Räder geraten und getötet worden sein. Die Staatsbahndirektion Königgrätz vergibt im öffentlichen Wettbewerbe den Umbau derBrük- kenspreizen über den Elbgraben und den Bach in Kilometer 106,610 der Strecke Belkh Osek—Parsch- nitz bei Trautenau bei der Station Arnau. Höhe-. res in den Amtsblättern. Einreichungsfrist der Offerten bis 20. August 1935. Auf AttilaS Spuren. Ingenieur Fr. S t k« p a n, ein flowakischer Wünschelrutengänger, will in der Nähe von Kosuty das Grab des Hunnen« königs Attila entdeckt haben. In der-Tiefe von 20 Metern gelang es ihm, neben Opfersteinen und anderen Metallgegenständen einen Metall- s a r g zu entdecken, der 2.80 Meter lang und 1.50 Meter breit ist. Die Untersuchungen der Fachleute werden ergeben, ob es sich um den Sarg Attilas oder eines avarischen Fürsten handelt. Neues Krankenhaus in Friede!. Am 1. August wird in Friede! ein neues Krankenhaus, dessen Bau drei Jahre in Anspruch nahm, seinem Zweck übergeben werden. DaS Krankenhaus dominiert über die ganze Gegend und macht den Eindruck eines großen Sanatoriums. Aus allen Räumlichkeiten ist ein schöner Blick auf die Beskiden möglich. Das Krankenhaus kann vorläufig 160 Pattenten bergen. Es ist mit den modernsten Einrichtungen versehen. Kraftfahrzeugsteuer. Mit 1. Juli 1985 trat das Ges. Nr. 77 v. 12. April 1935.übet den Verkehr ^üpd.die Versteuerung von Kraftfahrzeugen in Kraft. Aus den wichtigsten Bestimmungen der Durchführungsverordnung zu diesem Gesetze ist besonders jene anzuführen, die die Anmeldepflicht bettifft. Alle Eigentümer und Besitzer von Kraftfahrzeugen sind verpflichtet, die Anmeldung der Fahrzeuge bis 31. Juli 1935 dem zuständigen Ge- fällskontrollamte zu überreichen. Hiebei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein der Steuer unterliegendes oder um ein steuerbefreiteS Fahrzeug oder ob das betreffende Kraftfahrzeug schon Ende 1934 für daS ganze Jahr 1935 angemeldet wurde. Es ist auch notwendig alle Evidenznummern, welche Erzeugern und Händlern zugeteilt wurden und die nicht an ein besttmmtes Fahrzeug gebunden sind— sogenannte„Handelsnummern'' — anzumelden. Schleppwagen sind mit den zugehörigen Motorwagen auf einer Anmeldung anzumelden; ansonsten muß für jedes Fahrzeug, bzw. für jede einzelne Evidenznummer eine besondere Anmeldung überreicht werden. Motorfahrzeuge, welche zu Fahrten nicht benützt werden und mit Evi- denznummern nicht versehen sind, sind gleichfalls, jedoch auf besonderer Drucksorte bis spätestens 31. Juli 1935 beim zuständigen Gefällskontrollamte an«, zumelden. Näheres fft in den Belehrungen, die jeder einzelnen Anmeldmrg beigesügt sind, etithalten- Eventuelle weitere notwendige Attskünfte erteilen die zuständigen Gefällskontrollämter, woselbst auch die Anmeldungen zur Versteuerung(das Stück für 1.-—• Xö) sowie die Anmeldungen für die nicht in Be-, Nutzung stehenden Fahrzeuge ldas Stück für 50 Heller) erhältlich sind. Vom Rundfunk lM*tahl«niw«rlM aus«len Proaramarasi Mittwoch: Prag: Sender L.: 6.00—7.30: Gymnastik, Musik, 10.05: Deutsche Presse. 11.00 Konzert. 12.30-—13.80 Mittagskonzert, 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt, 15.00 Nachmittagskonzert, 16.50 Konzert. 18.20—19.000 Deutsche Sendung. 18.35 Arbeitersendung Karl Rothe: Erfolg und Tüchtigkeit, 18.55: Sozialinformationen, 19.00 Deutsche Presse. 20.25: Uebertragung aus Brüssel. Konzert.— Sender S.: 7.30 Schallpl., 8.00 Frauenghmnastik, 14.00 Schallplatten. 14.15 bis 15.00 Deutsche Sendung. 21.00 Volkslieder.— Brünn: 6.00—7.30 Frühkonzert, 10.15 Deutsche Presse. 12.05 Schallpl., 13.40 Deutscher Arbeits- marlt. 17.40—18.20 Deutsche Sendung. 18.20 Schallpl.. 19.00 Deutsche Presse. Wetter.— Mäbr.- Ostrau: 6.00—7.30 Frühsendung. 11.00 Schallpl., 13.40 Schallpl., 17.50 Slowak. Volkslieder 19.00 Deutsche Presse. 20.25 Konzert.— Bratislava: 6.00 bis 7.30 Frühsendung, 13.40 deutsche und magyo* rische Presse. 18.50 Schallpl.. 19.00 Deuffche Presse, Wetter.— Kascha«: 6.00—7.30 Frühsendung. 9.30 Schallpl.. 11.00 Konzert. 18.25 Schallvlatten. Nr. 175 DienStag, 30. Juli 1935 Seite 5 Japans Rolfe im italienisch-abessinischen Konflikt Mysteriöser Tod eines Gendarmen , Wien. In Skt. Pölten versah gestern der 24jährige Gendarm Rudolf Klein aus Annabcrg bei dem dortigen Konzentrationslager den Wachdienst. Als er sich bückte, fiel ihm der Revolver aus der Tasche, wobei sich ein Schutz entlud. Der Gendarm war auf der Stelle tot. Familientragödie. Im XX. Wiener Bezirk vergiftete sich die 67jährige Private Theresia Petzl mit ihrem Sohn, dem 40jährigen Post-' beamten Josef Götz, mit Leuchtgas. Die Ursache des Doppelselbstmordes bildete eine unheilbare Krankheit des Götz. D-rfbrand.(MTJ.) In der Ortschaft Nyöger bei Steinamanger brach Montag ein Grotzfeuer aus, das sich sehr rasch ausbreitete und in ganz kurzer Zeit mehr als 50 Wohnhäuser mit einer grotzen Zahl von Stallungen und Wirtschaftsgebäuden einäscherte. Infolge der katastrophalen Dürre waren die Löscharbeiten äutzerst erschwert. Taifun. Tie Insel Formosa ist von einem Taifun heimgesucht worden. Auf weite Strecken ist der Verkehr unterbrochen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist der Sachschaden, besonders an den Häusern, überaus bedeutend. Bor allem hat Ostformosa schwer gelitten. . Gift statt Medizin. In Valencia verabfolgte ein Gefängnisarzt mehreren Sträflingen versehentlich anstatt eines Abführmittels eine giftige Arznei. An den Folgen der Vergiftung sind zwei Gefangene kurz darauf g e st o r- den, während zwei andere lebensgefährlich erkrankten. 100.000 Dollar für zwei Journalisten. Der Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros in Pei- ving Dr. Herbert Mueller und ein englischer Schriftsteller namens Jones wurden auf einer Wagenfahrt von Peiping noch Dolonor von chinesischen Banditen gefangen genommen. Ihr russischer Chauffeur wurde ebenfalls gefangen, aber dann freigelaffen, um die Forderungen der Banditen zu überbringen, die angeblich 100.000 Dollar Lös egeld verlangen. Autobusstreik in London beendet. Der Streik der Straßenbahn- und AutobuSschaffncr, welcher am Samstag ausbrach, wurde Montag beendet. Ganzmetalluftschiffe tu der Srwjettmivn. Der Lustschiffbautrust der Sowjetunion hat ein neues Luftschiff„W-7-T s ch e l j u s k i n e tz" gebaut. Er handelt sich um ein hawstarreS Luftschiff mit einem Rauminhalt von 0.500 Kubikmeter. Das Luftschiff wurde von jungen Fachleuten konstruiert »nd ist ganz auS einheimischem Material gebaut. I« Laufe bei nächsten Jahre wird der Trust mit dem Bau bon starren Luftschiffen mit großem Rauminhalt beginnen. Der Spleen Es gibt Amerikaner, die ihre Sorgen haben. Edward L. H a n n a» der Mäzen der„Raketen- Vereinigung von Cleveland" im Staate Ohio, hat einen„R aketenfonds"in Höhe von 20.000 Dollar geschaffen, durch den seine utrb seiner Frau Bestatt« n g auf dem Mond sicherge- stellt werden soll,„falls es ihm und seiner Frau bei Lebzeiten nicht möglich sein sollte, den M a r S in erreichen". Der Haifisch als Handelsobjekt Ein junger Engländer namens Cran will eine Expedition nach Australien führen, um den Haifisch industriell auszuwerten. Sein Ziel ist Haifischhaut so populär wie Kalbfell zur Herstellung von Leder- d>aren zu machen, trotzdem soll dieses Haifischleder vicht teurer sein. Dieser unternehmungslustige Geschäftsmann hat mehrere Jahre mit dem Studium des Haifischs Und seiner Gewohnheiten in den australischen Ge- iväfsern verbracht. Er hat hunderte von Haien er- iegt und zweifelsfrei feftgestellt, daß dieser Raubfisch einen ungeheuren wirtschaftlichen Wert hat. Es ist kaum ein Teil an ihm, der wertlos ist. Die Haut gibt das schönste Leder, wenn sie gegerbt ist und ist außerdem stärker als Kalbsleder. Stiefel und Schuhe, Handtaschen, Aktentaschen und Koffer könnten aus Haifischleder hergestellt werden. Für die Verarbeitung als Ueberzug für Polstermöbel bietet Haufischhaut ungeahnte Möglichkeiten, da dieses Leder in einer Weise gefärbt werden kann, die man bei gewöhnlichem Leder nicht anwenden kann. Die Leber des Hai's liefert ein werwolles Oel, das vndizinisch hochwertiger ist, als das Leberöl des Kabeljau, da cs mehr Vitamine enthält. Ein ge- ivöhnlicher Hai soll ungefähr 18 Gallonen Oel liefern. Die Chinesen schätzen die Flossen als eine große Delikatesse. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1000 Tonnen Haifischflossen nach Honkong eingeführt. Das Fleisch des Haifisches wird zu Mehl ver- vrbcitet, das als Futterbeimischung für Rinder, Schweine, Pferde und Geflügel verbraucht wird. Der Expeditionsleiter hat acht Spezialboote aus Stahl, mit Dieselmotoren ausgerüstet, für den Haifischfang bauen lassen. Sic sind dazu bestimmt, in Verbindung mit einem Mutterschiff zu arbeiten- Jedes Boot hat zehn riesige Netze, die in einer Nacht eine ungeheure Menge Wasser durchziehen können. In der Näh« von Sydney hat man 68 Haie während einer Nacht gefangen. Das Mutterschiff ist aß Fabrik eingerichtet, wo der Fang gleich zerteilt wird. (I. Ul.) Noch vor kurzem hat Japan eine Erklärung abgegeben, es sei an Abessinien nicht interessiert und würde sich im italienisch-abessinischen Konflikt neutral Verhalten. Jetzt hat es aber diesen Standpunkt geändert und scheint gewillt zu sein, in der Affäre mitzuspielen. Die letzten Pressenachrichten sprechen klar von einer Vorstellung, die der japanische Botschafter in Rom Sugimura, im italienischen Autzen- ministerium machte und auch von einer Mitteilung, die das japanische Autzenministerium dem italienischen Botschafter in Tokio zukommen lietz und die die Vorstellung bestätigt. Dadurch entstand bei den italienischen Regierungskrcisen eine diplomatische Mißstimmung gegen Japan, die sich leicht in einen Konflikt umwandeln kann. Was konnte eigentlich Japan zu dieser Kursänderung veranlassen? Das mandschurische Abenteuer ist noch weit nicht beendigt. Der Vormarsch in Nord-China geht trotz der Nachgiebigkeit der Nanking-Regierung und der Unterwerfung der Kuomintang nicht glatt vor sich. Dazu kommt noch der gefährliche Streit mft der Aeußeren Mongolei, gegen die Japan scharf vorzugehen versucht. Dieser Streit strengt die japanische Diplomatie im höchsten Grade an. Alle diese Schwierigkeiten sind nicht nur vorhanden, sondern sie häufen und überstürzen sich. Zwischen dem japanischen Interesse an Abessinien und dem militärisch-diplomatischen Vorgehen gegen die Mongolei läßt sich vielleicht bei einer näheren gründlichen Untersuchung der beiden Aktionen eine Verbindung seststellen. Sie kann leicht als ein japanisches Diversionsmanöver gegen diejenigen Staaten angenommen werden, die Japans rasche hegemonische Entwicklung im Fernen Osten als übereilt empfinden. Aus allen vermutlich haltbaren Gründen, die Japans plötzlich erwecktes Interesse an Abessinien erklären könn- Der fascistische Zerrspiegel Paris am 14. Juli.— wie es wirklich war und wie Deutschland es sieht Es liegt System in der Skrupellosigkeit, mit der das deutsche Voll von der gleichgeschalteten, durch Diktaturvorschriften des Propagandaministeriums dirigierten Presse nicht nur über sein« eigenen Angelegenheiten, sondern-auch sicher'all« Vorgänge im Auslande belogen wird. Da kommt uns zufällig eine Nummer des „Dresdner Anzeigers" in die Hände, in der dieser— natürlich nicht aus eigener Anschauung— über den 14. Juli in Paris„berichtet". Und zwar tut er es so, als ob Paris an diesem Tage ganz und gar im Banne der vom Obersten d« la Roque geführten„Croix de F e u", der fascistischen„Feucrkreuzler" gestanden hätte, während der in Wahrheit imposante Aufmarsch der vereinigten Linksparteien als ein wildes Getümmel„einzelner Haufen einhertrvtten- der Männlein, Weiblein und Kinder" geschildert wird. In dieser Tonart krampfhafter Verhöhnung tut sich der Artikel 160 Druckzeilen lang gütlich, durch diese Lange sich selbst widerlegend, denn einem wirllich bedeutungslosen Vorgang widmet man nicht so viel Raum. Und, es ist ja auch der Aerger über den moralischen Erfolg der Linksfront, der dem Blatte die Beschimpfungen diktiert hat. Von I o u h a u x, dem Führer der französischen Freien Gewerkschaften, heißt es, daß er Schritt um Schritt dem Zuge vorangestolpert sei und unter dem Beifall des Pöbels„Tod dem Obersten de la Roque!" geschrien habe. Zwei mitmarschierende Abgeordnete werden als Veitstanzkranke mit heiser gebrüllten Stimmen(ä la „Führer"?) geschildert. Und so wird der ganze Aufmarsch verhört „Schieffitzende Sportmützen und Sowjetsterne än der Brust, verzerrt« Gesichter und rote Halstücher, Gebrüll und Kreischen, geballte Fäuste und haßerfüllte Ausrufe— und über allem dennoch Hilflosigkeit und Ohnmacht, Verwirrung und das Gefühl des Betrogenseins." Betrogen sind jedoch nur die Leser der reichsdeutschen Presse, ohne daß sie ein Gefühl dafür haben können, da ihnen ia alle Bergleichsmöglichkeiten kehlen. Man kann dieses verlogene Geschimpfe Wohl am wirksamsten-widerlegen, wenn man ihm die Feststellungen eines unparteiischen Augenzeugen gegenüberstellt. Als solcher darf der Pariser Mitarbeiter der„Prager Presse",,Dr. I. Stavnik, gelten. Er schätzt die Massen, die an diesem Tage in Paris im Demonstrationszi^ge der Linkspar« teiengnarschierten, auf des Z e h n f a ch e der Gefolgschaft de la Roaues und ihres rechtsbürger- lichen Anhanges. Er schreibt: „Die Croix d« Feu können sehr Wohl in Paris 20.000 Mann mobilisieren. Dies ist aber auch alles, was sie machen können. Dagegen ist der Beweis geliefert, daß die Linksparteien«ine ungeheure numerische Ueberlegenheit besitzen, daß die Massen der Bevölkerung mit ihnen sympathisieren, daß sie seit dem 6. Februar 1034 sich recht gut organisiert haben, daß also eine taktische Ueberlegenheit der 20,000 disponiblen Croix d« ten, ist nur einer beachtenswert. Japans Streben nach wirtschaftlicher Expansion ist der einzige Faktor, der es zu einer ernsten Aktion bewegen könnte. Die japanische Konkurrenz, wenn man das, Wort Dumping dabei nicht gebrauchen möchte, hat auf allen Weltmärkten, auch in Abessinien, ihre Wirkung ausgeübt. Es ist wahr, daß der japanische Import nach Abessinien nicht sehr bedeutend ist. Im Jahre 1034 belief er sich auf nur etwa zehn Millionen Den. Nun, gerade die Tatsache eines derartig geringen Absatzes, im Vergleich zu der bedeutenderen japanischen Ausfuhr in verschiedene andere Kolonialgebiete(z. B. Marokko, wo der japanische Import 1934 zirka 50 Millionen Uen betrug), kann es auf den Gedanken einer größeren Aktivität in Afrika bringen. Abessinien ist nach Japans Meinung imstande, seinen Markt für japanische Ware breit auszudehnen, und Japan würde Abessiniens Emporsteigen in Afrika, das dem japanischen in Asien ähneln kann, gern sehen. Diese Entwicklung Abessiniens muß aber, um Japans Rechnungen nicht zu zerstören, ohne europäische und besonders ohne italienische Vormundschaft vor sich gehen. Die Tatsache, daß Japan Italiens Protektorat über Abessinien unbedingt vermeiden möchte, kann durch einen Präzedenzfall bestätigt werden: Während des japanischen Vorrückens in der Mandschurei hatte Italien sich auf Chinas Seite gestellt. Es ist schwer anzunehmen, daß Japan diese Tatsache schon vergessen hat. Es versucht jetzt also, den möglichen 'italienischen Störungen seiner Absichten auf Abessinien zuvorzukommen. Daher seine neue Politik im italienisch-abessinischen Konflikt. Inzwischen bleibt Japan nicht bei platonischen Vorstellungen und beginnt Abessinien tatsächlich zu unterstützen: Der Londoner Reuterkorrespondent meldet, daß japanische Agenten große Waffen- und Muni- tionssendungen beschleunigt nach Dschibuti mit Bestimmung nach Abessinien expedieren. Feu über eine mehr oder minder unorganisierte Masse nicht mehr zu befürchten ist." Und er' skizziert dann das gegenwärtige Kräfteverhältnis der Rechts« und Linksparteien folgendermaßen: „Die Rechte verfügt Aber rund 20.000 gut organisiert«, wohlhabende Stoßkräfte, welche alle ihr eigenes Auto ober ihr eigenes Flugzeug besitzen. Dies kann bei etwaigen Demonstrationen von Bedeutung sein. Di« Linke verfügt Aber die ', ungeheure Masse deS Volkes, welche teilweise recht gut organisiert ist. Sie kann im Falle eines immer unwahrscheinlicher werdenden RechtSputscheS ein paar hunderttausend Mann sofort mobilisieren. Das Kräfteverhältnis ist derartig, daß jeder Versuch von Anfang an als Wahnsinn erscheinen muß. Nur ist zu bemerken, daß die Rechtskräfte sich geographisch auf die wohlhabenden Pariser Arrondissement- verteilen, in denen sie die Mehr- bcit haben: weshalb di« meisten ausländischen Besucher von Paris sich ganz falsche Vorstellungen von der wirklichen Bedeutung der Croix d« Fen machen, da die Fremden sich ja mehr oder minder ausschließlich in der Gegend zwischen Oper, Place de. la Goncorbe und Bois de Boulogne bewegen, die unstreitig eine Mehrheit von Croix de Feu haben." DaS sind Tatsachen, die am besten erkennen lassen, wie systematisch das deutsche Volk, soweit eS überhaupt noch Zeitungen liest, und ihnen glaubt, belogen und betrogen wird. Daß dies« Methode ihre Wirkungen hat und auf diese Weise mindestens breite Schichten des deutschen Volkes schließlich in j e d e r Hinsicht gegenüber dem Auslande blind und taub werden, das macht diese Lügenarbeit so gefährlich. Gefährlich für das deutsche Volk und für ganz Europa. Dr. Stavnik schließt seinen Beruht mit folgender Betrachtung: „DaS am 14. Juli klar zutage getretene Kräfteverhältnis zwischen den Republikanern und den Pseudo-Fascisten hat zur Folge, daß von einer Gefahr nicht gesprochen werden kann. Frankreich ist kein Boden für diktatorische Versuche. Es ist auch davor zu warnen, den Nachrichten über die Vorgänge innerhalb der Croix de Feu groß« Bedeutung beizumessen. Di« ganze Bewegung wäre niemals so aufgebauscht worden, wenn nicht(besonders di« ausländische) Presse sich so viel mit diesen Leuten beschäftigt hätte." Zu dieser Presse gehört vor allem di« reichsdeutsche, der sich aber auch die sudetendeutsche bürgerliche Presse so gerne zugesellt, wenn es sich um die Glorifizierung irgendwelcher FäsciSmen und um die Beschimpfung und Verleumdung der Linksparteien handelt. Nur fällt das Urtefl über diese sudetendeutsche, fascistisch begeisterte Presse noch schärfer aus, weil kein diktatorisches Regime sie zur Lüge zwingt. Sie lügt freiwillig! Manfred.. Ihre Blumen dürsten nach dem gutem Blumen-Zauberdung 1 Paket mst Postzusendung LS 6*60 durch «erwattnng ,Frauenwelt", Prag XU, Fochova 62 Ein Offizier der abessinischen Garde in Paradeuniform Sterbe««ach Matz! Wie»Mnion of Demokratie Control"(London) mitteilt, werden zur Zeit in Europa in riesigen Mengen fünf neue, ungeheuer gefährliche Giftgase, u. zw.:„T h o r- mit",„Feinmehl",.^Lewesit",„Ca- codylisoncyamid" und„D a s Namenlose" hergestelltl Hoch der Comfort! Der Schlüssel ist gefunden! Der Tode Auswahl zeigt dir die Kultur Zu der Europa sich emporgewunden! Stirb, wie du willst! Bor allem: sterbe nur! Wir litten Sie, die Wünsche vorzubringe», Denn wir erfinde» prompt das» was gefällt. Lei uns regiert der Geist lei allen Dingen, Wir find die Herren einer Gistgaswelt! „Thermit" zum Beispiel ist ein„F e« e r- regen"— Hier ist Herr Göring sicher Abonnent, Thermit genügt, um Städte«mzulege», Die Wirkung ist, so heißt«8,„eminent"! Das„Feinmehl" wollen wir hier nicht vergessen, ES ist ei»„Kitt", der in die Lungen geht, Und Fieber bringt—. Du brauchst dich nicht r* messen,,? Nach 10 Minuten bist du abgemäht DaS„Lewisi t" vergiftet alle Wunden, Wenn die Granate dich nicht«mgebracht, Hüllt dich, in spätestens zwei Biertelstunden, DieS Präparat in wirklich ew'ge Nacht—! Auch das Produkt mit dem gelehrten Titel, Ist ganz auf Massenwirkung eingestellt, Es ist ei« hochgeschätztes prima Mittel Für schnellen Abgang in die andre Welt! „DaS Namenlose" aber schlägt die viere, ES ist ein Gas, daS schneller wie ein Blitz „Verse n» t d i e Menschen, aber auch die Tiere", Triumph deS Menschengeistes— ohne Witz! Man kann, wir sehen eS, nach Maß jetzt sterbe», Wenn«S nun losgeht, rufen wir: All right! Wir präsentieren: Einen Berg von Scherben, Und nach der großen, die viel größ're Zeit! Pierr^ Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Verkürzung der Arbeitszeit Das Internationale Arbeitsamt sandte den Regierungen der Mitgliedsstaaten sämtliche Dokumente zu, die von der heurigen Internationalen Arbeitskonferenz in Angelegenheit des Abkommens Wer die Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden ausgearbeitet wurden. Der Abkommens», entwurf über die Kürzung der Arbeitszeit lautet: Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, daS dieses Abkommen ratifiziert, ist mit. folgenden Verpflichtungen einverstanden: 1. Der Grundsatz der 40-Stunden-Woch« wird in einer Weise geltend gemacht, daß dadurch nicht eine Senkung des Lebens-, st a n d a r d s der Arbeiter herbeigeführt wird, 2. mit der Annahme und Unterstützung aller Maßnahmen, die zur Erreichung dieses Zieles für geeignet angesehen werden würden sowie mit der Verpflichtung der genauen Geltendmachung d'-ses Grundsatzes in verschiedenen Berufskategorien auf Grund der detaillierten Dispositionen, die durch die betreffenden, von den Mitgliedsregierungea ratifizierten Abkommen getroffen werden. Diesem Abkommen ist eine Resolution angefügt, di: deutlich darauf hinweist, daß die Gel-' tendmachung des Grundsatzes der Arbeitszeitkürzung nicht die Herabsetzung deS Wochen-, Monatsoder Jahreslohnes der Arbeiterschaft bewirken darf. Die Resolution appefliert überdies an die einzelnen Regierungen, direkte Abkommen zwischen den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen zu unterstützen und die Erledigung allfälliger. Streitfälle im Wege der zuständigen Organismen für Lohnfragen zu ermöglichen. Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 30. Juli 1935. Nr. 175 1 Kaleidoskop„Drittes Reich" Von JE. Zett. In der Mitte des dritten Jahres der Herrlichkeit des„Dritten Reiches", nachdem von den zum»Wiederaufbau" verlangten 48 Monaten 30 Monate verstrichen sind, verlohnt es sich schon, ein wenig in das Kaleidoskop»Deutschland" hin- cinzuschauen. Wer kennt nicht so ein schönes— j.ht vielleicht unmodernes— Kaleidoskop unserer Kindheit? Man dreht es und blickt hinein und immer neue zauberhaft bunte Bilder erscheinen vor unseren Augen. Also drehen wir! Erwartet nun um Himmelswillen nichts Weltbewegendes von so einem Gediehe I Keinen zweiten »30. Juni", keinen neuen Reichstagsbrand, nichts Großes, nur einfach kleine Blicke in das Alltagsleben des»Einigen Deutschen Volkes", weder zauberhaft noch sehr vergnüglich. Es ist wahrlich nicht leicht, für Menschen zu schreiben, die mit der deutschen Sprache vertraut sind, wie sie früher war: schlicht, klar, einfach sozusagen Plandeutsch. Im»Dritten Reich" wird langsam, aber sicher eine neue Sprache geschaffen mit Worten, die unsere seligen Großväter in rotierende Bewegung zu versetzen geeignet sind. Dem „Pege"— Sie wissen doch, wer das ist— dem „Alten Kämpfer", der P. O. ist und es zum „Zellenwart" oder^ar„Blockwart" gebracht hat, mutz geistige Nahrung geweiht werden, die ihn immun macht gegen die Einflüsse der„Märzgefallenen", der„150-Prozentigen", der„Meckerer", „Kritikaster", den»Marxisten" und Greuel- hetzer. Schon als„Pimpf" hat er es gelernt, in der„H. I." lernte er weiter, in der„S. A." haben ihn der„Stuf" und der„Staf" instruiert und jetzt erhält er die letzte Weihe durch tägliche Lektüre des„V. B." und der vielen anderen tief- und hellbraunen, gleich- und ungleichgeschalteten Zeitungen. Sein„Ariertum" reicht bis zu den Kreuzzügen zurück, er schätzt„Blut und Ehre" ebenso wie„Blut und Boden", sein Großvater hätte ein„Erbhosbauer" sein können, wenn ihn das„System" in der„Systemzeit" nicht ausgesogen hätte, so daß er die„Scholle" verlassen mutzte. Jeden Tag liest er, was der Mann mit dem„kleenen Kopp und dem großen Band"(nicht etwa ein moderner Damenhut) dem Volke durch die Presse verkündet. Ihn, den braven Mann der „alten Garde", kann keine„Tarnung" irreführen, keine„Journaille" beeinflussen. Er hat tapfer geholfen, sie auszurotten oder ins„K. Z." zu bringen, die Kommunisten und Marxisten, die Katholiken Roms und die bösen Juden, die Kapitalisten und die Reaktion. Er ist von einer „Rasse", er ist gut' Freund mit der„Gestapo" und der„Fepo", er hat manchen Vollsv erräter in die„Columbiadiele" gebracht, er kämpft auch heute noch, da er(früher ungelernter Arbeitet) einen guten Posten bei dem„Wasa" hat, gegen all die vielen Staatsfeinde, denn er ist stolz darauf, ein Angehöriger des g e.e i n t e n deutschen Volkes zu sein, das zu 98 Prozent geschlossen hinter dem„Osaf" steht, der ihm das tausendjährige Reich des Friedens(neuerdings leider nur auf 300 Jahre) und des Wohlstandes bringt. Die„Bonzen" sind nicht mehr, die„Parteibuch- toirtschast" ist überwunden nach 14 Jahren Kampf. Heil! Heil! Heil! Was ein„Speak-easy" ist und wozu ein „Gangster" dient? Das erste war früher eine „Flüsterkneipe" in Amerika, wo man leise sprechen mutzt«, um nicht erwischt zu werden beim Genuß des verbotenen Alkohols, und den„Gangster",na den kennt ja sicher jeder. Deutschland ist ein einziges großes„Speak-casy". Ueberall steht man beisammen und flößt einander etwas von dem verbotenen Gift der Wahrheit ins Ohr. Echten und gefälschten Geist. Da flüstert mun einander ins Ohr mit scheuem Blick nach links und rechts.„Wissen Sie schon..." und.Laben Sie gehört..."„Was sagst du dazu.. und „Wie lange glaubst du, wird...", das ist das A und O der Gespräche. Aber leise, vorsichtig, die „Gangster" gehen um, die„Gangster" sperren ein, die„Gangster" richten hin! Mit ernstem Blick steht man vor den Litfaß-Säulen, liest man in den Zeitungen:„Heute früh jvurde im Hofe der Strafanstalt Plötzensee der N. N. und der M. M. hingerichtet. Der Führer hat von seinem Begnadigungsrecht... usw., usw. Alter Text, alte Melohje, nur die Namen der Opfer sind immer neu. Vier Hinrichtungen, sechs Hinrichtungen, acht Hinrichtungen an manchen Tagen. Wer zählt sie? Gewiß sind doch Verbrecher dabei, die selbst mordeten, aber die Mehrzahl? Ehrliche, tapfere Kämpfer für ihre politische Ueberzeugung. Man liest mit ernstem Blick, man geht scheu weiter. Irgendwo, in Plötzensee, in Hamburg, in Köln erklang in der Morgendämmerung die jammervoll« Armensünderglockc, standen die Vertreter der„gerechten" Justiz des„Dritten Reiches" und sahen zu, wie einem armen Menschen der Kopf abgehackt wurde„im Namen des Führers und Volkes". Der Scharfrichter geht um in Deutschland seit zweieinhalb Jahren, seit dreißig Monaten. Wie lange noch? Wenn einer drei Jahre arbeitslos ist, wenn er keiike„Alu"(Arbeitslosenunterstützung) mehr erhält und keine„Krise", wenn er ausgepowert ist bis aufs letzte und schließlich bei der„Wofa" landet(Wohlfahrtsamt), dann evhält er vielleicht „Afu"-Arbeit zugewiesen. Arbeitslosen-Fürsorge» Arbeit. Für 13 Wochen oder 26 Wochen. Man arbeitet auf den Stadtgütern, auf Abbrüchen oder sonstigen städtischen Betrieben. 32 Stunden in der Woche. Dtzr Stundenlohn 50 bis 75 Pfennige je Nach der Größe der Stadt. Es sind Kolonnen von 45 bis 65 Arbeitern mit einem Kolonnenführer(Schieber). Der„Schieber"— ein Ober- Nazi. Die Begrüßung„Heil H.", der Ton „S. A.-Ton". Viel Nazi-Drill ist trotzdem nicht hineinzubringen. Die Leute— aus allen möglichen Berufen stammend— halten zusammen und wehren sich. Jede Kolonne darf einen Obmann wählen, der Parteimitglied sein muß oder mindestens Mitglied der Arbeitsfront. Aus Opposition werden jedoch fast immer ehemalige SPDer gewählt oder Reichsbannerleute. Manchmal drei, vier ungültige, nicht anerkannte Wahlen bis schließlich der„Schieber" einen Obmann ernennt den.^Vertreter" und„Vertrauten" der Arbeiter. Jede Kolonne hat eine Hakenkreuz-Fahne, die bei Arbeitsbeginn feierlich mit„Deutschem Gruß" und Gesang gehißt und bei Arbeitsschlutz ebenso feierlich eingezogen werden soll. Wie auf Kriegsschiffen. Die Afu-Arbeiter machen bloß nicht mit. Trotz allen Bemühungen und Drohungen der„Schieber" und„Oberschieber". Passive Resistenz. Der„Budenfax" Emil:„Du, Franz, häng doch mal die.Pfanne' raus!" Franz antwortet nicht. Der Ownann Karl:„Franz, die Fahne muß herausgesteckt werden!" Franz:„Mensch, Watte doch, bis die Kolonne raus ist, dann steck' ick die olle Pfanne raus!", in den Bart gemurmelt werden dazu Dinge, die ihm unweigerlich einige Jahre einbringen würden, wenn die„Gestapo" davon erführe. . Aus der Kolonne ertönen dazu Kommentare: „Was brauchen wir ne Fahne?",„Verbuddel doch det Ding",„Wir sind doch keene SA.,»Wer hat früher ne Fahne gekannt?" usw. Eines Tages kommt der„Schieber" mit einer Liste. Winterhilfs-Sammlung.„Also' Leute, ich lasse jetzt die Liste herümgehen. Ihr wißt ja", und nun folgt her altbekannte übliche Salm,„es braucht jeder bloß eine Kleinigkeit zu geben. Wird vom Lohn abgezogen." f Er geht ab und die Liste geht um. Allgemeines Volksgemurmel.„Ach wat, Winterhilfe, Der Dkm Prokurator Allee Harr» .Das Problem der berufstätigen Frau ist im Film(von der amerikanischen Produktion abgesehen) noch sehr wenig, und wenn, dann sehr oberflächlich behandelt worden. Denn ein Beruf als dekorative Zugabe zur Heldin einer Liebesgeschichte oder als komische Note im Operettenmilieu« I scheu zwei Spielern, wobei der Teplitzer bewußtlos:» liegen blieb, drangen die Zuschauer in den Platz f Räumungsversuche blieben erfolglos, so daß dieses\ F „Spiel" vorzeitig ein Ende fand. Sonstige Fußballergebniffe. Königinhofl SK gegen SK Nachod 3:1(1:0).— Kop itz: t Teplitzer FK gegen SK Kopisty 7:2(5:1).— Ko« f mot au: DFK gegen SK Soborten 10:0.—Bo« j! denbach: Slavia Prag gegen SMg 4:3(3;2)« j — Warnsdorf: WFK gegen BSK Gablonz 6:1, (1:1).— Podebrad: SK gegen Bohemiatisik Prag 3:3(2:1).— Brünn: Zidenice gegen SK Huffowitz 4:1, DSB gegen Kral. Pole 2:0(2:0). s — Olmütz: SK gegen Polonia Karwin 2:1 (2:1).-— Orlau: SK gegen DSB Troppao q 6:1(2:11. .. Wassersport. Der Fxauen-Länderfampf Tsch«« j chöslöwake i—U ngarn tn Preßburg endet« i mit einem Sieg« der Ungarinnen Von 27:16 Punk« ten. Ueber 3 X100 Meter Lagen stellte die tschecho« slowakische Staffel als Zweite mit 4:27.7 Mn, M einen neuen Rekord auf.— In Wien siegte- W Ungarns Schwimmer über Oesterreich wft R 27:17 Punkten. Das Wasserballspiel endete 4:4, I nachdem die Wiener zur Pause 3:0 geführt hatten. W Cambridge-Achter in der Tschechoslowakei. Än> I Sonntag fand in Randnitz auf der Elbe ein I Ruderrennen statt, an welchem auch englische Ru« I derer teilnahmen. Die Gäste feierten in allen jenen R Konkurrenzen, in denen sie starteten, sichere Siege« und zwar: Achter: Cambridge 6:17.2, Raudnid» 6:27.4; Vierer: Cambridge 6:57:8, Raudnitz I 7:00.8; Skiff: Cambridge(Wilson) 7:43, Raud« I nitz(Straka) 7:51.6 Min. Daviscup England—Amerika 3:0. Montal I wurde der Wettkampf in London mit dem Doppel W fortgesetzt. Es brachte eine große UeberraschunglW 'Nicht Amerika gewann, wie angenommen wurde, M seinen ersten Punkt, sondern das englische Doppa.W buchte nach einem Fünfsatz den dritten Punkt und. R damit auch schon den Gewinn des ganzen Matchetz V Hughes—Tuckey siegten gegen Allison—Van Rh" f 6:2, 1:6, 6:8, 6:3, 6:3. Lrichtathletik-Ländrrwettkämpfe In Linz ge« I langte der Wettkampf Oberösterreich—Süd« k böhm« n zum Austrag, den die Oberösterreichet| mit 86:63 Punkten gewannen.— England ge« j wann in London gegen Frankreich mit 64:5"! Punkten. Die Franzosen siegten in den Laufbewer«] ben nur in einer Konkurrenz, während die Englän«: der in den Wurf- und Sprungkonkurrenzen aus« fielen. Die„Tour de France" wurde Sonntag be«! I endet. Sie war reich an Zwischenfällen, wobei au«' Todesfälle zu verzeichnen waren. Die letzte Etappe j Caen—Paris(221 Kilometer) wurde von Maes! (Belgien' in 6:57:45 gewonnen, welcher auch i" der Gesamtklasfifizierung als Sieger in 14t:32!2B| Std. hervorging. In der Nationenwertung siegte» k ebenfalls die Belgier vor den Franzosen. Veremsnaeknekten« Ortsgruppe Prag.„Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß am 4. August 1035 in Liboch- Scheleseu ein Arbeiterfest statffindet: Abfahri Denisbahnhof 7.27 Uhr. Ankunft Liboch 9.18 Uhr. Rückfahrt 18.34 Uhr und Ankunsi in Prag 20.13 Uhr. Die Mitglieder sind höflichst eingeladcn, an diesem Feste teilzunehmen".- Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, den 30. Juli 1935. 20 Uhr, Sitzung Parteiheim. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus ode«. bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig M 48.—, halbjährig KC 96.— ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die ZeitunaSfrankatur wurde von der Post« und Tele« graphendircktion mit Erlaß Nr. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrkiS". Druck-. Verlags« und ZeitungS-A.-G., Prag. i h> tz r tz r> % »i fi K r< fd r d. st t, st Q bi gi «I st st »I st «i y tz tz bi bi gl b, A Si ei st tz e