ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«r. telefon sw7. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller («iuchliaSlich S Hollo« Porto) 15. Jahrgang Mittwoch, 31. Juli 1935 Nr. 176 Die Ratstagung beginnt Macht oder Recht Die Schicksalsfrage für Abessinien — und den Völkerbund I Genf.(Tsch. P.-B.) Der Bölkerbundrat, der Mittwoch um 5 Uhr nachmittag zusam- meutreten soll, um den abessinisch-italienischen Konflikt zu lösen, wird zunächst eine geheime Sitzung abhalten. Vorher werden aber bereits den ganzen Tag Beratungen der Staatsmänner und Diplomaten stattfinden. Die italienische Delegation ist bereits Dienstag nachmittag einge- troffen, Baron A l o i s i wurde für abends erwartet. Der Ratsvorsitzende Litwinow durste Mittwoch früh eintreffen, ebenso wie Eden und Laval. Die bisher geführten Berhandlun- ttn einiger Regierungen über den italienisch-abessinischen Streitfall bewegen sich, wie nunmehr auch in Graf bestätigt wird, in der Richtung, daß der Bölkerbundrat möglichst schnell ein Kompromiß für ein weiteres Schiedsverfahren erziele und auf diese Weise gegenwärtig die Aufrol- lung deS Gesamtproblems deS stalienisch-abessinischen Streitfalles in Genf vermeide. Baron Aloisi(Italien) Den Beratungen in Genf sind unmittelbar wichtige Konferenzen in Paris vorangegangen. Lord Anthony Eden hat auf der Durchreise durch Paris die Beratungen fortge- sttzt, die seit Tagen der Botschafter Sir H e n r y Clark mit L a v a l geführt hat. Möglicherweise werden die Diplomaten, die von Paris mit dem gleichen Zug nach Genf reisen, auch während der Fahrt konferieren. Sicher finden vor der Ratssitzung nochmals Konferen- zen der drei hauptbeteiligten Mächte statt. Lord Eden hat keine gebundene Marschroute. Das bedeutet, daß England halb ent- schlossen ist— wir haben darauf schon vor vier Dagen hingewiesen, seine Parole:*„Beratung des gesamten Streitfalls" bei ernstem Widerstand zu opfern. Es wird weitgehend der Füh- rung Frankreichs folgen, an dessen Standpunkt sich seit Italiens Solotanz auf valutarischem Gebiet ja Wesentliches geändert hat, das aber doch ein Kompromiß auf der Grundlage weitgehender Zugeständnisse an Mussolini anstrebt, eben deshalb, weil es von einem Krieg Italiens feinen eigenen Bankrott befürchtet. Es könnte sich wiederholen, was Frankreich 1917 mit Rußland erlebte, dessen Krieg auch mit französischem Gold finanziert war und das unter einem neuen Regime außerstande war, die Zarenschulden zurückzuzahlen. Wenn Italien Nicht selbst einen Bruch provoziert, dürfte das Ergebnis der Ratstagung eine P e rsch l e p'p u n g des Streites unter verschiedenen Vorwänden sein, wobei England allerdings fordern wird, daß Italien das Tempo seiner Rüstungen herabsetze. Aus dem Bölkerbundsrat wird man, sobald der Form genügt ist, die Verhandlung wieder in den Krtis der drei Westmächte zurückverlegen, zumal, da Rußland wenig Lust zeigen wird, sich allzusehr ru engagieren. England hätte selbstverständlich eine rasche Lösung vorgezogen, wird sich aber der These Lavals, daß Zeitgewinn die Hauptsache fei; fügen müssen. Tatsächlich hat Eden natürlich Recht, wenn er die Verschlep pung für gefährlich hält. Wir haben wiederholt dargelegt, daß der Zeitgewinn ein einseitiger Vorteil für Italien ist. » In den Kommentaren der Presse beginnen sich jetzt doch schärfer die Umrisse der wesentlichen Probleme des Streitfalles avzuzeichnen. Die französische Presse gibt zum 'Teil noch der Hoffnung Ausdruck, daß Italien durch afrikanische Eroberungen von seinen europäischen Zielen abgelenkt werden könnte. Wie irrig das ist, kann Frankreich am besten an seiner eigenen Geschichte überprüfen. Eine glänzende kolonialpolitische Entwicklung, wie sie Frankreich— zunächst von Bismarck gefördert— von 1880 bis 1911 zu verzeichnen hatte, konnte es nicht über den Verlust Elsaß-Lothringens trösten, wie Bismarck noch gehofft hatte. Je erfolgreicher Mussolini in Astika ist, desto übermütiger wird der italienische Imperialismus seine alten Forderungen auf Dalmatien, Savoyen, Nizza, Korsika und Malta betonen. In einem Artikel im„E ch o deParis" kommt P e r t i n a x, nachdem er Frankreichs Sympathien für die Ausdehnung Italiens in l-aval(Frankreich) Afrika betont hat, doch auf die entscheidende und ür Frankreich lebenswichtige Frage zu sprechen. Mussolini müsse verstehen, führt der bekannte französische Publizist aus, dass Frankreich in eine üble Lage käme, wenn Italien eine ganze Reihe von Vertrügen breche. West deutlicher umreißt das Problem die kommunistische„H umanite", wenn sie schreibt: Der Krieg in Afrika wird die Rechtfertigung einer Politik des Gewaltstreichs und der Zerstörung der Grenzen fein. Wenn erst einmal die Grenzen Abessiniens vernichtet find, werden auch die Grenzen Osteuropas und Oesterreichs gefährdet sein. Nichts anderes würde dieser Krieg bedeuten. Dagegen hat der„Excelsior" noch nicht begriffen, daß in Genf im Grunde auch über das Schicksal aller 1918 von Frankreich geschaffenen kleinen Staaten entschieden wird. Er wirft den kleinen Staaten vor, daß sie nicht verstehen wollen, daß in der Kolonialpolitik Macht vor Recht gehe. Die Politik Frankreichs hat seit dem Kriege die moralische Deckung nicht entbehren können, die ihr die These von dem Vorrang des Rechts vor der Macht gab. Sie hat der Welt einzureden versucht, daß Machtpolitik ein rein deutsches Prinzip sei, während Frankreich in frivoler Weise diese — oft genug durchlöcherte— These selbst preisgibt, bricht alles zusammen, was es seit 1918 aufgebaut hat.' Zahlreiche Blätter weisen auf die f i n a n z- politischen Seiten der Frage hin. Der diplomatische Mitarbeiter des„D a i l y Telegraph" schreibt, die scheinbare Teilnahmslosigkeit der französischen.Regierung beginne einem immer größer werdenden Interesse Platz zu machest. Die beiden Gründe seien anscheinend, daß die französische Politik ebenso fest auf dem Völkerbund begründet sei, wie die britischen, und daß. Frankreich über die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen eines italienischen militärischen Abenteuers beuruhigt sei. Italien, das an verzweifelter Geldknappheit leide, suche Hjlfe bei Frankreich. Laval wisse aber, dah es geführlich wäre, wenn er sich dem Vorwurfe aussehen würde, dass er die neuen französischen Steuern und Gehaltsabzüge für italienische Kolo- nialintereffen verschwende. Aber auch die französische„Informa- tionFinan eiere" schreibt, der britische Minister Eden werde in Genf Baron Aloisi auf verschiedene Umstände aufmerksam machen, die ein italienisch-abessinischer Krieg zur Folge haben könnte, vor»allem auf den Widerhall, den dieser Krieg bei den Völkern anderer Raffen, insbesondere bei den Negern, wecken würde, sowie auch auf das Echo auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet, das schon jetzt sich auf eigene Art zu melden beginnt. In Rom wird Verwunderung und Erbitterung darüber laut, daß die Bereinigten Staaten die Kriegsabstchten Italiens verurteilen und man weist auf die. Heuchelei der Vereinigten Staaten hin, die unter anderen Umständen die Rechte der Neger wenig achten. Dieser Standpunkt Italiens den Bereinigten■ Staaten gegenüber hat in Wirklichkeit einen sachlicheren Grund. Seit Jänner- des heurigen Jahres sind nämlich auf dem amerikanischen Markt die Bons (Schluß auf Seite 2)' Bauer oder Janker? Die niniergrllndc der neuen Suslemhrlse Die Stellung der Nationalsozialisten zum Großgrundbesitz war von jeher zweideutig und widerspruchsvoll. Kaum war das Programm bekannt geworden, das im Punkt 17„eine unseren nationalen Bedürfnissen angepasste Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke, Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation" fordert, da wurde„das unabänderliche Programm" auch schon dahingehend geändert, daß selbstverständlich kein Großgrundbesitz enteignet wird, der Punkt 17 beziehe sich lediglich auf die„jüdischen Spekulanten". Die spätere Stellungnahme gegen die Enteignung der Fürsten, ferner der Kampf gegen die SiedlungspläneBrimings und Schleichers, und schließlich die Schaffung der Harzburger Front, in welcher der Großgrundbesitz eine maßgebende Rolle spielte, stellten unter Beweis, daß die Nationalsozialisten an den Großgrundbesitz Nicht Herangehen wollten oder nicht konnten. Wie immer es sei: die Nationalsozialisten trugen zur Festigung des Bündnisses zwischen Junkern und Schlotbaronen, d. h. zwischen Eisen und Korn, bei und so überhörten auch sie vorerst Max Webers Parole:„D rutsche B au e r n sind wichtiger als.deutsches Kor nl" Aber die Interessen der Junker sind genau genommen nicht die Interessen der nationalsozialistischen Bewegung, die auch den Bauern viel versprochen hat und darüber hinaus versuchen muß, die Arbeiterklasse wie. die große Industrie durch Auflösung der Großstädte und Ansiedlung von Arbeitern zu schwächen, will sie Deutschland mit Erfolg in mittelalterliche Zustände zurück- fübren. SiedlmngisteineLebensnot- Wendigkeit für den Nationalismus. Die Bauern drängen nach Land, ihnen dauert eS zu lange, es von Rußland zu holen, und zum Kriegführen haben sie auch keine Lust. Also erheben sie ihre Stimme gegen den Großgrundbesitz. Vorübergehend war dies die Stimme der zweiten Revolution. Gegen Hugenbergl Hilgenberg fiel, aber hixr wurde lediglich die politische Konkurrenz beseitigt, wirtschaftlich geschah ihm nichts, die Agrarpolitik blieb und belastete die Massen immer stärker. Und daß Hitler und Goebbels dem„sturen Bock" Hugenberg zu sci- nem 70. Geburtstag so herzliche Briefe schrieben, ist mehr als eine Geste, denn im Gründe brauchen einander diese beiden reaktionären Kräfte immer wieder. Trotz aller Gegensätze und immer neuer Krisen kam es schließlich doch zum Harzburger Bündnis. Im ganzen scheint der Nationalsozialismus infolge seiner sozialen Vielfältigkeft uiw. in diesem Bündnis ökonomisch der schwächere Teil zu sein, deshalb wird er immer wieder stiefmütterlich behandelt. Das gefährdet aber seine Massenbasis und seine soziale Machtgrundlage. So muß er, gettieben von seinen Anhängern, immer wieder versuchen, innerhalb seines Bündnissystems eine höhere Quote herauszuschinden. Seine Anhänger können nicht begreifen, daß er mit seiner totalen Macht so wenig anzufangen weiß. So stek- ken die Demagogen in einem tollen Dilemma: jeder Schritt, den sie im Interesse ihrer ehemaligen Wähler machen wollen, ist zugleich ein Schritt gegen den Bundesgenossen. Immer krampfhafter muh man sich demzufolge bemühen, die Nazi-Utopien zu verwirklichen. Eben dariyn kündigt der„Völkische Beobachter" jetzt verschärf t e„a n ti k a p i t a l i st i s ch e" M a ß n a h m e n a n. Eine von vielen ist die Auflösung des Konsumvereins, der für den Krämer selbstverständlich jüdisch-marxistisch-kapitalistisch ist. Der geseigerte Antisemitismus und die neuen Vorjötze im Staatsapparat lHelldorfs Ernennung zury Polizeipräsidenten von Berlin I) liegen auf der gleichen Ebene, Die primitive mechanische Auffassung, daß sich im Nationalsozialismus das„Monopolkapital" austobt, wird durch niemanden besser als durch die Klagen eben dieses Monopolkapitals widerlegt. Die Ding« liegen ungeheuer komplizierter/ Der uto- > pische und für die Exportindustrie verhängnisvolle I r e a k t i o n ä r e„Antikapitalismus" der Natio- I nalsozialisien treibt die Gegensätze auf den Gipfel. Darum gesteigerter Antisemitismus, Machtkonzentration im Apparat, neue Sammlung der SA und SS, neue Differenzen mit Industrie, Wehrmacht und eigener Organisation. Schwer zu sagen, was Seite 2 Nr. 17« Mittwoch, 31. Juli 1938 Islam, Hindus, Farbige fir Aethiopien London. Wie die„Times" aus Alexandria melden, ist das Interesse der A e g y p t e r für den italienisch-abessinischen Streit groß und es zeigt sich warmes Mitgefühl für Abessinien. Im Ruhestand lebende ägyptische und türkische Offiziere bemühen sich in großer Zahl um den Eintritt in das abessinische Heer. Sorge herrscht auf den ägyptischen Märkten wegen der Preiserhöhung und des Mangels an Gerste infolge großer italienischer Ankäufe. ES wird erklärt, daß Aegypten bald genötigt sein werde, Gerste zu einem hohen Preise einzuführen. Wie die„Times" aus Kalkutta melden, veranstalteten dort Mohammedaner und Hindus eine große gemeinsame Kundgebung, bei welcher sehr scharfe Reden gegen Italien und die übrigen imperialistischen Mächte, insbesondere gegen das fascistische und das Hitler-Regime, gehalten wurden. (Tsch. P. B.) Die Türkei hat in Addis Abeba eine Gesandtschaft errichtet. Der erste türkische Gesandte Jzametin ist bereits nach Abesii« nien abgereist und wird Mitte August vom abessinischen Kaiser in Antrittsaudienz empfangen werden. In dem italienisch-abessinischen Konflikt sympathisiert die türkische Presie offen mit Abessi- nien, wohin sich eine große Zahl ehemaliger türkischer Offiziere begeben will, um in das abeffinische Heer einzutreten. Die abesiinische Regierung will insbesondere den ehemaligen türkischen General Vehib Pascha engagieren, der seinerzeit der türkischen Staatsbürgerschaft verlustig erklärt wurde, weil er gegen Kemals Reformen war. hiebei Schwäche und was Stärke ist. Und hierher gehört auch der neue Vorstoß gegen den Großgrundbesitz, der aus den Reihen der Nationalsozialisten kommt. Dem Nationalsozialismus droht dir Gefahr, daß die Bauern in die Gefolgschaft der exportierenden und großgrundbesitzfeindlichen Kapitals« und Bürgergruppen geraten, die ebenfalls genötigt sind, die Linie Hermann Müllers, Brünings und Schleichers fortsetzend, den deutschen Großagrarismus anzugreifen. Die„frankfurter Zeitung" ist besonders deutlich, auch die »Kölnische Zeitung" schlägt derbe Töne an. Alle reagieren sie wohlwollend auf ein Rede Darris, in welcher dieser die Notwendigkeit der Bauernsiedlung vertrat und treiben dse Dinge weiter, im vollen Bewußtsein dessen, daß sich hier eine Gelegenheit bietet, das heutige Bündnispaar Nationalsozialismus und Junker zu trennen. Es beginnt ein Wettrennen um den Bauern, so oder so mutz der Großgrundbesitz der Leidtragende sein. Die Großindustrie hat ja nie aufgehört, gegen den Großgrundbesitz Stellung zu nehmen, •jetzt wird sie immer offensiver. Das»Deutsche AbelSblatt" ruft in seiner Bedrängnis den Kriegsgott an und verteidigt den Großgrundbesitz im Hinblick auf seine Notwendigkeit für die Kriegswirtschaft! Abex die Bauern erwidern ihm: „Es ist eine grobe Irreführung der Oeffent- lichkeit, wenn... bei der Erörterung der Bedeutung von Groß- und Kleinbesitz für die Nahrungs- Mittelversorgung im Kriege als Beweis für die Notwendigkeit unserer Großbetriebe darauf hinge- wicsen wird, daß nach sachverständigem Urteil die Einrichtung riesiger Staatsgüter und Kollektivwirtschaften in Rußland für ein« kriegswirtschaftliche Versorgung besonders geeignet sein sollen.." (W. Clauß, N. S. Landost, LS. S. 35.) Damit polemisiert die Landpost zugleich »egeneinenFlügelderReichswehr, denn nach Pressemeldungen vom Juli 1933 soll das Reichswehrministerium der ReichSrcgierung eine Denkschrift überreicht haben, in welcher vor »Experimenten im Osten" gewarnt wird. Vor allem wird darin die Notloendigkeit des ostelbischen Großgrundbesitzes für die kriegswirtschaftliche Versorgung Deutschlands nachgewiesen. Wie bekannt, sind die Meinungen darüber sehr geteilt, denn Schleicher war ja wohl auch ein Milftär und auch der jetzt wieder verfolgte Duesterberg hat damals erklärt, daß Deutschland zur Planwirtschaft in Industrie und Landwirtschaft kommen müsse, wolle eS nicht wieder dem Boykott erliegen. Darrt ist aber noch heute nicht eindeutig, er will nur einen Teil des Großgrundbesitzes angreifen, im übrigen habe er dort,„wo er organisch gewachsen sei, durchaus seine Berechtigung". Aber es hat wohl auch finanzielle Gründe, wenn Darre gegen die Großagrarier Ostrlbiens vorgehen will: die Stützung der Bauern, das Halten der überhöhten Preise usw. wird nicht mehr möglich sein, wenn den Junkern,ein so hoher Anteil zufällt. Jedenfalls spricht mancherlei dafür, daß auch dieser Anlauf zum Siedeln nur ein Anlauf bleibt, denn außer Dgrrä und der Industrie l beide unter grundsätzlichen verschiedenen Gesichtspunkten!) werden keine Stimmen für die Siedlung laut. Darum ist bis heute seitens des landsäffigen Adels keine Opposition gegen das Hitler-Regime erfolgt. Hiller und Rosenberg scheinen weniger utopisch zu sein als Darrt und andere, sie dürften deshalb wissen, daß Siedlung Kampfansage an jene Bundesgenossen bedeutet, ohne die das ganze Harzbyrger Gebäude zusammenbricht. Der Kampf ist in eine neue, sehr bedeutsame Phase eingetreten, möglich, daß«s schon die letzte ist. F. W. 82 Roman von Emil Vachek,—i * Deutsch von Anna Aurednkek „Fräulein Sophiechen", flehte Beinsteller, „schweigen Sie um Christi willen! Sonst fang' ich zu heulen an, so wie vor einer Weile die Fanni heulte. Fühlen Sie denn nicht, daß alles der Dank für die unglückliche Tasche ist? Bevor ich Ihnen alles übrige adgezahlt habe, bin ich schon grau wie ein Greis. Sollte ich Ahnen aber den schönen Augenblick bezahlen, den Sie mir jetzt bereitet haben, da möchten zehn Menschenleben nicht ausreichen." Rach einer Stunde etwa trottete Beinsteller aus dem gastlichen Hause in der Fischgasse. Die Menschen, die ihm begegneten, hätten glauben können, er sei betrunken. Er hatte bei Petriceks nur eine Taff« kalten Tee mit Zitrone genommen. Erst vor dem Hause Nr. 6660 am ZiZkov hatte er sein Gleichgewicht wiedergewonnen und war mit eines» Schlage nüchtern. „Jesus Maria", jammerte er,„ich werde ja von Loisis und der Bande erwartet, die ich ein« laden ließ..." Seine Beine schlotterten. Wie wird er von Loisis loskommen? Wird ihn Sophie verurteilen, bis sie es erfährt? Als er so ganz verzweifelt und ratlos dastand, rauschte der majestätische Schatten der Schwarzen Kathi an ihm vorbei.„Herr Bein« steiler, du meine Güte, Sie haben mich erschreckt! Seien Sie nicht böse, aber ich muß jetzt ausspucken, damit mir leichter wird... Herr Beinsteller, was sagen Sie zu alldem? Erst die Sache mit der Sophie und jetzt wieder mit der Loisis?" Beinsteller spitzte die Ohren.„MU Loisis? Was soll denn mit ihr los sein?" Die Ratstagung (Schluß von Seite 1) der italienischen Anleihen in Dollars sehr stark gesunken. Als Grund hiefür wird die Möglichkeit des italienischen Krieges angeführt. Deshalb hat das Staatssekretariat der Vereinigten Staaten, um zu beweisen, daß es Staatsbürger, die Inhaber derartiger Bons sind, schützt, eine sehr reservierte Haltung zur Abeffinienpolitik Musso- linis eingenommen. Frankreich hätte also die stärksten wirtschaftlichen und moralisch-politischen Interessen, sich an Sie Seite Englands zu stellen und Mussolini zum Verzicht zu zwingen. Frankreich würde einen mehr als unzuverlässigen Verbündeten opfern, ater seine noch immer große moralische Autorität festigen, was vor allem seinen Bundesgenossen zugute käme, schwere Erschütterungen wirtschaftlichen und politischer Art vermeiden und wirkl'ch und nutzbar Zeit gewinnen, Zeit nämlich bis dahin, daß in Italien und Deutschland die fafristi- schen Systeme innerlich stärker abgewirtschaftet haben. Der Krieg dagegen öffnet für Mussolini in Afrika, für Hitler an der Donau hoffnungsvolle Persepktiven und die Möglichkeit, ihre Herrschaft durch außenpolitische Erfolge zu festigen. Die regierenden französischen Staatsmänner sind weit von dem moralischen und politischen Mut entfernt, sich aus der Hand eines Erpressers zu befreien und durch einen kühnen Zug die Initiative in dem großen internationalen Schachspiel an sich zu reißen. Vielmehr leote laut Havas-Bericht Laval dem Präsidenten Lebrun dar, daß er bestrebt sein werde, „Weder die englische noch die italienische Freundschaft anzutasten, sowie daß er bereit sei, die Verbindlichkeiten gegenüber dem Völkerbund zu wahre«, einer ernsten Krise des Völkerbundes aus dem Wege zu gehen und zu versuchen, die Rolle eines Schiedsrichters z« übernehme«. Nur die größten Staatsmänner haben es fertig gebracht, und auch da nur für kürzere Zeitspannen, auf sowielen Stühlen zugleich zu sitzen. Ta Pierre Laval höchstens in die Kategorie der mittleren Staatsmänner gehört, kann man sich leicht ausrech en, wann er zwischen all diesen Stühlen sitzen wird... „Die arme Loisis... Ich habe noch niemals gesehen» daß ein Frauenzimmer so mit Wachmännern gerauft hätte, wie die Loisis, Herr Beinsteller." „Die Loisis hat ntit Polypen gerauft?" fragte Beinsteller ungläubig.„Das ist nicht ihre Sache, die fürchtet sich vor der Polizei, wie Kinder vor dem Waulvau." „Na, Sie hätten sie sehen sollen— Vor einer Stunde etwa haben sie der Sach, der Holina und noch ein Bursche in Uniform abgeholt. Was wollen die hier, dachte ich mir und schaute ihnen nach und sah, wie sie auf die Hühnersteige lossegelten und bei der Loisis Haltmachten. Die Loisis saß inmitten einer ganzen Ladung von Flaschen, guten Weines und machte gerade ein Fäßchen mit Russen auf. Als die drei von der Polizei ihr befahlen, anitzugehen, weil sie falsches Geld in Umlauf gebracht hatte, und die Wohnung durch« stierten, fing Loisis zu toben an. Sie brüllte: „Ich laß' mir von hergelaufenen Kerls nicht die Hochzeit verderben. Ich bin doch immer mit der Polizei gut ausgekommen, und das ist eine Lumperei, die ich mir nicht gefallen lasse." Als es allen Dreien nicht gelang, sie aus der Tür zu schaffen, riefen sie noch zwei andere Kollegen zu Hilfe, worauf sie sie endlich alle fünf herausspedierten und in den grünen Wagen schoben. Bei der Rauferei haben alle ihr Teil von der Loisis abbekommen, und ich fürchte, es schaut für das Mädel mindestens ein Jahr Kriminal heraus. Vor einer Viertelstunde erst gingen die letzten zwei aus'ihrer Wohnung. Sie haben sogar im Keller und am Dachboden nachgeschaut und behaupteten, es müßten Maschinen im Hause sein, auf denen Loisis bas falsche Geld fabrizierte." „Jesus Maria", sagte Beinsteller,„das ist doch nicht möglich— Loisis— und Geld fälschen? „Sie sind wirtlich gelungen, Herr Beinsteller, man hat ja neunzigtausend Kronen falsches Geld bei ihr gefunden." Italiens Rüstungen Wien. Ueber die italienischen Einkäufe von Kriegsmaterial im Auslande erfährt das „Echo", daß Italien aus Oesterreich eine größere Menge von Eisen- und Metallwaren, elektrische Apparate und Maschinen aller Art einführt, kin Jugoslavien hauptsächlich Holz, Mais und Getreide ankauft und aus Rumänien Hülsenfrüchte und Vieh und von anderen Märkten Konserven und chemisches Material bezieht. London.„Daily Telegraph" meldet aus Kairo, daß die italienischen Truppen in Tripolis abgelöst und nach Erythräa und Jtalienisch- Somaliland gesandt werden. Außerdem werben die italienischen Behörden eine große Zahl tripo» titanischer Araber für die Arbeitslager in Erythräa an. Paul-Boncour Führer der vereinigten Unken? Paris.(Tsch. P. B.) Die Verhandlungen bezüglich des Zusammenschlusses der Parteien der französischen Sozialisten, der republikanischen Sozialisten, der Neosozialisten und der Unabhängigen Sozialisten sind soweit fortgeschritten, daß im Herbste der gemeinsame konstituierende Kongreß einberufen werden wird. Vorsitzender der künftigen Vereinigten Partei wird, wie verlautet, der ehemalige Ministerpräsident und Senator Paul- Boncour sein. Xampk um die spanische Bodenreform Madrid.(Tsch. P.«B.) Die politische Lage in Spanien hat sich neuerdings verschärft.. Die Hauptursache der Verschärfung ist der Bodenre- formplan, welcher die Linksopposition in Gegensatz zu den Gruppen der Regierungskoalition gestellt hat. Die zwei wichtigsten Links-Parteien, die republikanische Linke(Azana) und die republikanische Vereinigung(Martinez de Barrio), erklärten gestern in den Cortes, daß sie das Parlament während der Gesamtdauer der Verhandlungen über diese Revision verlassen werden, da sie dieselbe als einen der größten Angriffe gegen den spanischen RepublikanismuS erachten. Sie erließen zugleich eine Rote, in welcher sie erklärten, die erste Tat der Linken werde, wenn sie neuerdings zur Macht gelangen werde, die Aufhebung der gegenwärtigen Bodenreform sein. „Du meine Güte, du meine Güte", stöhnte Beinstellrr. „Jetzt sind Sie paff, was? Das gelungene ist aber, daß ich ihr vor ein paar Tagen prophezeite, sie werde plötzlich eine lange Reis« machen. Selbstverständlich bekam der Medo heute abend Ober- zum Nachtmahl. So einen Kater hatte nicht einmal die Sibylle..." lind so ein durchtriebenes Weibsbild wollte mich heiraten, dachte Beinstellcr. Das sechsundzwanzig st e Kapitel schildert den lebhaften Traum BeinstellerS uns berichtet, wie er«in berühmter Mann wird. Beinsteller mußte noch lange an den Fall Loisis denken. Als er im Bette lag, sah er sie, im Halbschlaf, inmitten einer Unmenge falschen Geldes herumtaiizen. Der Räuber Eliaschek war auch dabei, leistete Loisis Gesellschaft und verhöhnte Beinsteller.' Dann kam Foltr und die durchtriebene Magdalena mit der Chalupa, die eine Tochter um der andern willen verriet. Auch der geheimnisvolle Kater der Schwarzen Kathi war'dabei, und schließlich kam noch der Minister dazu. Mit dem hatte sich'S Beinstellcr wahrscheinlich ganz verdorben. Im Begriff, einzuschlafen, fiel ihm voll Sorge ein, daß der Petricek Sophie von seiner ruhmreichen Vergangenheit erzählen könnte, zu welcher sich Beinsteller nicht mehr bekennen wollte. Da war es intt BeinstellerS Schlaf vorbei. Er träumte mit offenen Augen von dem Tag— vielleicht war es schon der morgige—, da er vor Sophie als würdiger Mann treten könne. Er dacht« an die Zettungsberichte über seine Heldentat, die ihm den Weg in die Gesellschaft anständiger Menschen öffnete. Was sich in den wenigen Stunden ereignet hatte! Freitag nacht fing er »in« Bande von Spionen, SamStag wurde er der Freund des Ministers, mittags erftchr er von dem Verrat, um Mitternacht war er ein verlorener „Stahlhelm“ auch in Sachsen verboten Dresden.(DRB.) Ter Minister des Innern hat für das Gebiet des Landes Sachse« das Tragen von Abzeichen oder von einheitlicher Kleidung jeder Art, die die Zugehörigkeit zum RSDFV(Stahlhelm) kennzeichnet, ferner das Abhaltrn von irgendwelchen Versammlungen einschließlich geschlossener Mitgliederversammlungen und sogenannter Pflicht-Appelle, sowie von anderen Veranstaltungen(Konzerte usw.) im Freien oder in geschlossenen Räumen durch de» NDDFB(Stahlhelm) verboten. In der Verbotsbegründung heißt es unter anderem: ES kann heute als erwiesen angesehen werden, daß eine Reihe von alten unverbesserliche« Staatsseinden im sächsischen Stahlhelm Unterschlupf gesucht hab«, um eine getarnte Wühlarbeit gegen das Dritte Reich zu beginnen. Erwähnenswert ist unter anderem, daß sich in einer westsächsischcn Industriestadt in kürzester Zeit 19 Fälle ereignet haben» wo Stahlhelmer wegen staatsfeindlicher Aenßernngen zur Rechenschaft gezogen werden mnßten. Die Führung selbst mußte sich der allgemeinen Stimmung bewußt sein» sonst wär« cs nicht zu erklären, daß sie i» den letzten Tagen in auffallender Hast dir Mit- gliedsgelder in Sicherheit gebracht hat.(Sic müßte ja polizeiwidrig blöd sein, hätte sie das nach der wochenlangen Kampagne nicht getan!) Die älteste katholische Zeitung geht ein! Dir 1686 gegründete„Augsburger Postzeitung", die älteste katholische Tageszeitung und eine der ältesten deutschen Zeitungen überhaupt, die durch ihr hohes Niveau einen weit über Bayern hinausreichenden Leserkreis hatte, stellt am 1. August ihr Erscheinen ein und folgt damit der vor einem halben Jahr eingegangenen, 1609 gegründeten München-Augsburger Abendzeitung. Doch Entlassungen in Kladno? Die Berg- arbeiterverbände im Kladnoer Revier habe» sich mit den Ergebnissen der staatlichen Untcr- suchungSkommission befaßt, die keineswegs Beruhigung schaffen. Die Kommission hat festgestellt, daß 779 Bergarbeiter überzählig feie» und die Unternehmer fordern in einem Memorandum neuerlich die Senkung der Löhne ui» •20 Prozent. Die Verbände konnten sich bisher über die Grundlinien eines gemeinsamen Vorgehens gegen die Anschläge der Unternehmer leider nicht einigen.- Die nationalsozialistische Jednota fordert in einem Memorandum staatliche Eingriffe, um eine Aenderung der Jnvesti- tionspolitik der Unternehmer und der Verkaufsmethoden durchzusetzen. Wie das"„Rüdt Prävo" redigiert. DaS ,,Prävo lidu" stellt fest, daß in. kommunistische» „Rude Prävo" die Red« Piecks auf dem Kongreß der Komintern nicht nur stark gekürzt' sondern auch mit einer wesentlichen Entstellung wiedergegeben wurde. In der Moskauer „Pravda" heißt es, daß Pieck ausdrücklich die Einheitsfront zum Kantpf für die Demokratie gefordert habe, um diesen zumKampf sür die wirklich „proletarische Demokratie" zu erweitern. Im„Rrtde Prävo" aber wird Pieck in de» Mund gelegt, er habe die Einheitsfront gefordert, die den Kampf für die Reste des Parla- I Mentarismus zum Kampf um die„proletarische ID i k t a t u r" erweitern müsse. Mensch, am Morgen erwachte er als Bräutigam der Loisis, die auf gefälschtem Geld schlief, mittags darauf verriet Foltr Fräulein Sophieche»- abends war Beinsteller ihr anerkannter Ritter uni Loisis war verhaftet und hatte daher allen Anspruch auf ihn verloren. Ein ganzer Roman, dessen Held Beinsteller war. Diese Gedanken waren Ferdl zwar angenehm, aber er war seht müde. Endlich schlief ee dann wieder ein. Es war schon Heller, lichter Tag, als ihn ci» entsetzliches Gepolter weckte. »Er lebt", grölte Karl draußen,„ich hört'- daß er etwgs in den Bart brummte." AIS n» 9 Beinstellen in seiner Sommerschlaftoilette die Tüt öffnete— er hatte löchrige Schwimmhosen an—' erschrak er fürchterlich. Nicht nur der Karl sta»i da, auch der Pepi mit dem kleinsten Rotzbube»' dem Franzl, hatten sich eingefunden. Die Kerlchen drängten sich an ihn, als wollten sie ihn bestehlen. Sie umarmten ihn, und Karl war so ergriffen, daß er schluchzte. Das Merkwürdigst kam aber erst. Hinter der Tür hatte sich die ga»^ Hühnersteige versammelt, nur Magdalena und die eingesperrte Loisis. Sogar die Schwarz' Kathi stand da. Es waren überhaupt so viel' Frauen beisammen, daß Deinsteller sich fein'* dürftigen Anzuges schämte und ein Bettuch u>»- band. Dann sagte er:„Ich freue mich zwar, vo» einer so großen Gesellschaft geweckt zu werdenmöchte aber doch gern wissen, warum du wie besessen blökst, Karl, und warum mich die andere» anglotzen wie die Kuh das neue Tor." „Herr Beinsteller, Herr Beinsteller!" rirl Karl, konnte aber vor Tränen nicht weitersprechen. Sein Weinen steckte di« Weiber an, insbesondere die Chalupa, und binnen kurzem heust die ganze Gesellschaft, bis auf Beinsteller. erschrak entsetzlich und die verschiedensten Befürck- tungen jagten durch seinen Kopf. Am Ende hast er sich gar in seinem Freund Petricek getäusB' (Fortsetzung folgt.) Nr. 176 Mittwoch, 31. Juli 1335 Sekte 3 fudctendeuiscficr Zeitspiegel Arbeitslosen versicherungsanstalt? Unter diesem Titel bringt das»Prager Montagsblatt" vom 29. Juli einen Artikel, aus deut wir nur nachstehende interessante Feststellung entnehmen wollen: „AuS den Kreisen der Sudetendeutschen Partei wird eine Anpassung an die produktive Arbeitslosenunterstützung derart gefordert, daß jeder Arbeitslose wöchentlich ungefähr den Betrag von 20 bi- 25 Kc erhalten würde, ohne Rücksicht darauf, ob er organisiert sei oder nicht— allerdings wär« er dafür verpflichtet, Arbeit im öffentlichen Interesse zu leisten." Dies scheint sogar dem„Prager Mon- tägSblatt", das sicherlich nicht der Arbeiterfreundlichkeit geziehen werden kann, zu ungeheuerlich, so daß es nachstehenden Passus unter Klammern beisetzt:(„Gegen diesen Vorschlag wäre nichts einzuwenden, wenn der Arbeitslose für seine Arbeiten auf ortsübliche Weise honoriert würde— es scheint abet nicht tragbar zu sein, d e n A r b e it S l os e n für«inAlmostn sch were Arbeit, verrichten zulassen und dabei möglicherweise weitere qualifizierte Arbeiter aus dem Arbeitsprozeß auSzuschalten.") Was also dem»Prager Montagsblatt" für untragbar erscheint, das scheint den Herren„Führern" der Henleinpartei als Jdealzustand. Nach dem Verrat an den Landarbeitern, die doch auch zum Großteil die Henleinpartei gewählt haben und den Verkauf der Jugend an die Großbauern, wollen sie nun die übrigen Arbeitslosen zwingen, um ein Bettel ihre Arbeitskraft zu verlaufen. Was sagen die Henleinarbeiter zu diesem neuerlichen Verrat ihrer Interessen? Jetzt erhalten die Arbeitslosen 20 Kö ohne zum Frondienst gezwungen zu sein, nach der»fabelhaften Arbeitsbeschaffungsidee" der Henleinführer sollen sie um 25 XL zum Frondienst gezwungen werden. So sieht die Att>«i- trrfreundlichkeit der Volksgemeinschaft nach den Wahlen aus. Kommentar überflüssig. Das Echo einer LUgenmeldung Ein Geschäftsreisender, der für eine deutsche Firma in unserer Republik Vertretungen hat, sendet uns folgenden Zeitungsausschnitt aus der „Bayerischen Ostmark" vom 11. Juli 1935, auf den ihn Kunden mit dem Bemerken aufmerksam machten, daß wenn in derartig erbärmlicher Weise gegen die Tschechoslowake« gehetzt werde, die Ge- schästsverbin-üngen gelöst werden wüßten. Umgekehrt Legen natürlich die Dinge auch so, daß die sudetendeutsche Geschäftswelt durch die Aufnahme derartiger Schauernotizen in reichsdeutschen Zeitungen geschädigt werden muß. Unter der Ucbcrschrist:„Eine unerhört« deutschfeindliche Provokati»»— Wie lenze n»ch duldet die tschechostvwakische Regierung die Hetz« der Viarzisten"— läßt sich die ,bayerische Ostmark" aus Berlin melde«:" Berlin. Das Treiben dir Emigranten«ad sonstigen deutschfeindlichen Elemente nimmt nachgerade Folgen an, die allmählich iedes Motz des Erträgliche» übersteige«. Wie die»Karlsbader deutsche Zeitung" meldet, fand am Sonntag aus dem Bundesfrst der sozialdemokratischen Radfahrer.«nd Kraftfahrcrvcreinigung Aruk auch ein Scheibenschießen statt. Dabei wurde, wie das Karlsbader Blatt schreibt, unter anderem auch auf eine Scheibe geschossen, die als Ziel den Kopf Adolf . Hitlers trug. Diese««erhörte Beleidigung des Führers»nd des ganzen Deutschland geschah unter Aufsicht der tschechoslowakische« Staatspolizei. Wie bekannt wird, befand sich»ater den Trilnrhmeni des Festes». a. auch der sozialdemokratische Minister Dr. Czech. Damit gewinnt di« ganze Ange legonhcit einen Charakter, der über de« Rahme» der sonst in der Tschechoslowakei übliche» Verleumdungen deS neatn Deutschland irt Kreisen der Emigranten hi«a»Sgeht. In Gegenwart eines Mitgliedes deS tschechische» Kabinetts konnte eS geschehe», daß das Oberhaupt des Deutsche» Reiches auf das unerhörteste beleidigt wurde. Wir fragen; Welche Stellung gedenkt die Regierung in Prag zu diesem skandalösen Fall einMnrhmrn?" Diesen anmaßenden Sätzen, für die aber in erster Linie das Karlsbader Blatt verantwortlich Au machen ist, das die erlogene Notiz in die Welt iandte, kommt in dem zitierten Artikel noch ein massiver Angriff gegen die Regierung unserer Republik wegen ihrer toloranten Haltung zu der Frage der Emigration und hie Schauernachricht, daß unter Führung des Hoch- und Landesverräters Strasser, der bekanntlich mit der Sozialdemokratie nichts zu tun hat, und des ehemaligen Reichsbannerhelden Großmann s?) eine Emigrantenlegion aufgestellt werden soll. Wir wiesen schon öfters nach, daß Henleinsche und Hitlerzeitungen im Kombinieren und Verfertigen von Schauernachrichten und Lügenmeldungen ohne Konkurrenz sind und sich gegenseitig ergänzen..'. Hier ist erneut für diese Behauptung ein Beweis erbracht. Es ist deshalb allen Ernstes die Frage zu stellen, toas die Regierung unseres Staates zu tun gedenkt, um solche Auswüchse, wie sie die Notiz des Karlsbader Blattes gezeitigt hat, ein für allemal zu unterbinden. Sie wird ja über die notwendigen Machtmittel verfügen, derartige Meldungen, die glatt aus den Fingern gesogen find, unmöglich zu machen. Es ist einwandfrei festgestellt, daß auf dem Fest des„Aruk" überhaupt nicht geschossen wurde, daß also ganz selbstverständlich nicht nach einer Scheibe mit dem Kopf Hitlers geschossen wurde. Henlelnleute organisieren eine Strafexpedition gegen Sozialdemokraten In Kaplitz haben einige Arbeitslose über Veranlassung der SHF gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Ziehensack, wegen angeblich parteilicher Arbeitereinstellungen Beschwerde geführt und eine Untersuchung der Angelegenheit herbeigeführt. Das Ergebnis derselben wurde dem Genossen Ziehensack durch den Stadtrat mtt folgendem Schreiben bekanntgegeben: „Beim hiesigen Amte langte mit 26. VI. 1935 eine Beschwerde ein, daß der Bräuhausobmann Herr Stadtrat Ziehensack bei Aufnahme der Arbeiter für die Heuernte vom parteipoliti- schen Standpunkte aus vorgeh«. Der Stadtrat hat sich mit dieser Beschwerde in seiner Sitzung vom 1. Juli 1935 befaßt und konstatiert» daß ei» parteipolitisches Vorgehen nicht in Bertacht kommt, da auch Arbeiter anderer politischer Gesinnung in der Lohnliste für die Heuarbeiten vorkommen." Aber man irrt, wenn man glaubt, daß die bürgerliche Gemeindemehrheit mit diesen Feststellungen zufrieden war, im Gegenteil, man wollte offenbar den Leuten von der SHF zeigen, daß man Verständnis für ihre Wünsche habe und wenn auch bei dieser Gelegenheit kein Vorwand für die Ausschaltung von Sozialdemokraten bei Aufnahme von Arbeitern gegeben war, so mußte sie eben im Interesse der Sude- teydeutschen Partei gesucht werden. Man fand sie auf sehr originelle Weise. Man teilte nämlich dem oben genannten Genossen mit, daß auf Grund des 8 5 des Gesetzes Nr. 76 vom Jahre 1919 Mitglieder des Stadtrates, der Gemeindevertretung oder dtr Kommissionen zu Arbeiten der Gemeinde nicht her- angezogen werden dürfen. Das heißt also, daß man die arbeitslosen Mitglieder dieser Körperschaften, das sind nur Sozialdemokraten, zugunsten der Heyleinleute von den Arbeitsstellen der Gemeinde fern halten wolle. Da der oben zitierte Paragraph nur von Lieferungen und von der Beschlußfassung über Fragen spricht, von denen einet der Mitglieder an Sitzungen persönlichen Vorteil ziehen könnte, so ist für den einfältigsten Menschen ohne-werteres- klar, daß hier eine eklatante Gesetzesverletzung vorliegt, die sich unsere Genossen nicht gefallen lassen werden und deshalb schon die notwendigen Schritte zur Abwehr dieser Hungermaßnahme gegen Sozialdemokraten bereits eingeleitet haben. Denn hier muß man den Anfängen Widerstand entgegensetzen, sonst macht das Beispiel Schule, das die SHF dem Dritten Reiche nachmachen möchte; keine Arbeit für Sozialdemokraten, so schafft man Arbeitsplätze für die eigenen Leute, so verwirklicht man die Wahlversprechen. Ausslger Advokat wegen Verdachtes der Veruntreuung verhaftet Am 27. Juli wurde der Aussig« Advokat Franz Zink aus Aussig» Teplitzer Straße, wegen des Verdachtes.der Beruntreumrg größerer Geldbeträge, die ihm als Rechtsvertreter anvertraut waren, verhaftet und in dir Haft des Kreis- gerichtS Leitnwritz eingelieferl... Die Verhaftung hat in Aussig großes Aufsehen erregt, besonders in den Kreisen, die der ehemaligen, inzwischen aufgelösten Partei, in der der jetzt Verhaftete in früheren Jahren«ine große Rolle spielte, nahestanden. Schon im vergangenen Winter ereignete sich ein Vorfall, der im letzten Moment noch günstig für Dr. Zink gestaltet werden konnte. Damals ist der Advokat, ohne seine Gläubiger und seine Klienten zu verständigen, in ein Sanatorium gegangen. Im letzten Moment, als schon mit Strafanzeigen gedroht wurde, konnte die Sache vertuscht werden. Henleins Auslandsreisen. Die„Lidove No- viny" vermerken die Nachricht, daß Konrad Henlein dieser Tage die Reise nach England angetreten habe, und bemerken dazu, diese Reise werde, ähnlich wie die Schweizer Reise Henleins, als Erholungsreise ausgegeben. Das Blatt erinnert nun daran, daß Abg. M a y in einer Kundgebung der Sudetendeutschen Partei in Steinschönau erklärt hat, daß Henlein in der Schweiz war, wo es ihm gelang, Interesse für unsere Verhältnisse zu erwecken, und daß er nun auf Einladung englischer Journalisten nach England fährt. Die »Lidovk Noviny" sagt hiezu folgendes:»Ueber Henleins Reisen ins Ausland entstehen deshalb verschiedene Vermutungen, weil die Sudetendeutsche Partei darüber nicht richtig informiert, warum Henlein eigentlich ins Ausland reist. Wenn Henleins Schweizreise als Erholungsreise bezeichnet wurde und wenn dieser Tage ein Abgeordneter der Sudetendeutschcn Partei sagt, daß Henlein in der Schweiz Interesse für unsere Verhältnisse erweckte, so ist daraus zu ersehen, daß die Auslegung der Reisen als Erholungsreisen nicht vollständig ist. Henlein reiste Wer Deutschland. Aber seine Presse teilte bisher darüber nichts mit, welche Eindrücke er von Deutschland mitbrachte, obgleich dies viele Leute sehr interessieren würde. Konrad Henlein tritt als„einfacher Mann aus demBolke" auf. Da einfache Männer aus. dem Volke nicht nach der Schweiz und nach England auf Urlaub und Erholung fahren können, muß man annehmen, daß er mit diesen Reisen auch andere Aufgaben verbindet". Kinderrepnilik in Ostböhme«. In Wiesen bei Halbstadt, das ist eine ansehnliche Gemeinde nahe der Grenze des Dritten Reiches im Bezirk Braunau, in der die Sozialdemokraten über eine Mehrheit in der Gemeindestube und auch den Gemeindevorsteher stellen, ist am 23. Juli an einem der schönsten Plätze des Ortes eine Kinderrepublik, die aus 25 Zelten besteht und 120 junge Menschen in sich schließt, feierlich eröffnet worden. Sie wägt den Namen»Kinderrepublik Roter Aufbruch 1935", und ist das Werk der Kinderfreunde des Gaues Trautenau. 11.000 Kronen mußten aufgebracht werden, um den Staat der Kinder drei Wochen zu erhalten und darin schon liegt die Kraft und die Opferwilligkeit der Menschen, die trotz der Not der Zeit, die doch in Ostböhmen geradezu grauenhaft« Formen angenommen hat, diese Summe aufbrachten, um den werdenden. Menschen unserer Klasse einen anschaulichen Begriff von dem Die neugebauten Städte Palästinas sind Spiegelbilder des Europa der Gegentoart. Die .Häuser in modernster Architektur, glatt, schmucklos, aber gefällig, breite Fenster, viel Ballone, flache Dächer, in keiner Wohnung fehlt das Badezimmer. Fremd muten nur die hebräischen und arabischen Schriftzeichen auf den Firmenschildern und den Plakatwänden an. Es wird hebräisch gesprochen, aber der Tourist kann sich mit europäischen Sprachen leicht zurechtfinden. Im Wrigen gibt es Kinos und Kaffeehäuser, Banken und Bars, Buchhandlungen und Luxusgeschäfte, ausgezeichnete Theater und gute Musil— es ist der kapitalistische Betrieb und der kapitalistische Geist der europässchen Städte. Man merkt freilich bei schärferem Zusehen, daß da noch ein anderes wirksam ist, ein Geist und'Wille, da etwas-Neues zu Mckffttt."-r.'»'s., Ganz änd'krs dass jüdische Dorf Palästinas. Das arabische Dorf lebt noch religiös im Geiste und technisch in den Zeiten Mohammeds— nur die kriegerische Kraft ist erloschen. Der Fellache fühlt sich noch durchaus in Lvhensabhängigkeit zu seinem Effendi, in Sippenabhängigkeit zu seinem Clan, die Gebote des Muftis, seines religiösen Oberhauptes, sind ihm Gesetz. Er benützt natürlich den Autobus, der ihn auf breiten, asphaltierten Straßen in die Stadt bringt. Er findet sich dort zurecht, besiicht zuweilen das Kino, hört im Kaffeehaus^ie Vorlesung der Zeitung. Mer diese Eindrücke aus der modernen Welt lockern kaum merklich seine Lebensgewohnheiten, verändern sein Weltbild nicht.-Der Holzpflug, von Kuh und Dromedar gezogen, mit dem er den Acker bestellt, ist noch genau von derselben Primitivität, wie jener seiner Urahnen, als sie im Lande seßhaft wurden. Er ist blutarm, ungebildet, kann weder lesen noch schreiben, noch ist die Frau ihm nicht Gefährtin sondern Sklavin, nirgends im Dorf zeigt sich irgend aus dem Inneren eine Kraft, um diese alte Tradition zu überwinden. Da- arabische Dorf ist erstarrt. Das jüdische Dorf wurzelt nicht in den Jahrhunderten; es ist eine Schöpfung der letzten Jahrzehnte, nicht allmählich, organisch gewachsen aus dem sozialen Boden einer Sippe, sondern konstruktive, echt koloniale Schöpfung wurzelloser Idealisten; also nicht das Werk von Bauern oder Bauernsöhnen, sondern von hochgezüchteten Städtern. Die Juden sind bekanntlich das älteste Stadwolk in der Welt, seit zwei Jahrtausenden vom Ackerboden getrennt; mehr iwch: auch der gewerblichen Handarbeit entwöhnt. In den mittelalterlichen Zünften war für sie kein Raum. Ihrer ökonomischen Pyramide fehlte der massive Unterbau einer mit dem Boden verwurzelten Bauernschaft und der breiten Masse industrieller Arbeiter; erst in den letzten Jahrzehnten haben sich ihnen manche Industrien erschlossen. Stadtmenschen also waren eS, in der erstickenden Enge der verdüsterten Ghettos Rußlands und Polens ausgewachsen, die das Palästinadorf geschaffen haben. Sie hatten sich in früher Jugend vom Ghetto befreit, hatten hungernd in den Gymnasien und Uni« versitäten studiert, hatten den Geist der sozialistischen und nationalen Revolution eingesogen: diesen Geist verpflanzten sie auf das Dorf. Die Begründer des jWischen Dorfes in Palä- sttna waren also vornehmlich Intellektuelle; sie gaben dem Judendorf eine merkwürdige geistige Physiognomie, di« sie von allen Dörfern der Welt unterscheidet. Dieser intellektuelle Zustrom ins Dorf hat nie gestockt. Nach der russischen und polnischen Einwanderungswelle kam die deutsche, und immer trug sie auch akademische Jugend oder doch Jugend aus dem gebildeten Mittelstand ins Land. In erstaunlich kurzer Zett verwandeln sich Philo» Wesen eines demokratischen Staates, von dec Selbstverwaltung, von einer Republik zu geben. Aber die Kinderrepublik hat auch eine große agitatorische und organisatorische Aufgabe zu erfüllen, sie ist der Auftakt zu dem„Tag des Noten Aufbruches" am 10. und 11. August in Braunau, bei dem zehntausend deutscher und tschechischer Arbeitet zu einer gewaltigen und festlichen Kundgebung aufmarschieren werden und zu dem die in der Kinderrepublik untergebrachten Falken für den Aufmarsch der Kinder und der Falken aus dem KreiSgebiet Trautenau die propagandistischen Vor- bedingung'-n und die technischen Vorbereitungen zu treffen haben. Barbarei der Spießbürger. Bei der Beerdigung eines pensionierten, in völliger Armut verstokbelien Bergmannes«; D. kam es zu empörenden Skandalszenen. Der Bergmann war verheiratet gewesen, hatte jedoch seine letzten Lebensjahre in gemeinsamem Haushalt mit einer anderen Frau verbracht. Bon der „rechtmäßigen" Gattin aufgeputscht, versammelten sich zahlreiche Frauen vor dem Sterbehause und beschimpften den Toten und seine Lebensgefährtin in der rohesten Weise. Während die Beerdigung selbst noch halbwegs in Ordnung stattfinden konnte, warf sich später vor dem Friedhof eine Menge von mehr als 50 Personen auf die Freundin des Bergarbeiters, verprügelten sie, r i ß ihr die Kleider zum Teil vom Leibe und versuchte, sie in einen in der Nähe gelegener; Teich zu werfen. Ein Arbeiter, der der Insultierten zu Hilfe eilen wollte, wurde erheblich verletzt. sophen in Biehbüchter, Mathematiker in Getreidebauern, StaatSrechtlcr in Gärtner. Frau Dr. Phil. Ruth, der ich beim Rundgang durch den Stall vorgestellt wurde, eben als sie eine Kuh ganz sachgemäß molk, hatte vor wenigen Jahren noch in Berlin Kunstgeschichte studiert und eine bemerkenswerte Mhandlung über gotische Plastik publiziert. An den gelbgetünchten Wänden ihres kleinen Zimmers, in das sie mich nach der Arbeit eingeladen hatte, hingen in schmalen Rahmen Photos von der Werirdisch schönen Kathedrale in Reims, auf dem Arbeitstisch lagen kunsthistorische Werke. Ihr Sinn für das Schöne ist keineswegs erloschen; angeregt plaudert die anmutige vergeistigte Frau bis tief in die Nacht Wer die weltanschaulichen Offenbarungen der Kunst. Um sechs Uhr morgens läutet aber der Gong sie wieder in den Kuhstall. Für Frau Dr. Ruth bedeutet der Weg von der reinen Kunst zum Dünger des KrchftalleS keineswegs einen Abstieg in soziale und geistige Tiefen, sondern im Gegenteil die Erfüllung eines sinnvollen Daseins im Dienste einer erleuchteten Idee. Soll ihr gepeinigtes, geächtetes Volk nach zwei Jahrtausenden ruhelosen Wanderns endlich eine Heimstätte finden, so müssen Kühe sorgsam gewartet werden. SoU aber diese Heimstätte anders werden als sonst die kapitalistischen Gemeinwesen der Welt, eine Heimstätte, gegründet auf den Ideen des So- zialismus, daun muß eben der Sozialist inS Dorf: jeder, auch Frau Dr. phil. Ruth— keiner dürfe sich auSschlicßeni Kunstgeschichte für die Feierstunde, der Arbeitstag dem sozialistischen und nationalen Aufbau des Landes I Das ist natürlich nicht so zu verstehen, als wären die jüdischen Dörfer Palästinas Siedlungen von Akademikern; sie finden sich dort eingesprengt inmitten einer Jugend, die vorwiegend aus dem jüdischen Kleinbürgertum stammt oder von „Luftmenschen", deren Väter nichts als„dir Schriften" gelernt und«von der Luft gelebt" haben. Aber aus welcher sozialen und kulturellen Schicht sie auch kommen, sie haben irgend etwas ausgeprägt Intellektuelles; allen gemeinsam ist die Verzehrung und Liebe für das Buch, der Sinn für das Geistige. Als sie sich abends, nach schwerer Arbeit, zum Vortrag versammelt hatten— keinen ihrer Gäste entlassen sie, bevor er ihnen nicht aus seinem Wissensgebiet vorgetragen—, da hatte ich den Eindruck, vor einem akademischen Publikum zu stehen. Aufmerksam folgten sie der Erörterung kompliziertester Probleme und diskutierten nachher bis Mitternacht die großen Fragen der Welt mit Scharfsinn und gebildetem Verstand. Es gibt nirgends Bauern von dieser Weltweite des Horizonts. Denn jedes Dorf ist ein kleines Völkerbabel. Da sind Russen und Spanier, Polen und Thrazier, Deutsche und Amerikaner, Jemenit«« und Holländer, Franzosen und Ungarn, Balten und Italiener, Belgier und Bucharcr — Juden sind sie natürlich alle, aber sie bringen irgend ein Element der Kultur ihrer Wirtsvölker mit, sind mit ihren Stammländern durch Erlebnisse und menschliche Beziehungen verbunden, das Interesse für deren Schicksale bleibt wach. In der Dorfbibliothek I— kein Kibuh ohne große Bibliothek!— findet man darum das Beste der Weltliteratur; nirgeirds fehlt Shakespeare und Goethe, Dostojewskij und Dickens, nirgends aber auch Marx und Lenin und die Reihe der sozialistischen Klassiker. Nun mögen ja Zweifel wach werden, ob das auch ganz richtige Bauern seien, von Schrot und Korn, die den Pflug fest anzupacken versieben, Strapazen ertragen und die schweißtreibende Arbeit in sengender Sonne. Sie haben in ttopischer Glut Sümpfe entwässert, Steppenboden in Gärten verwandelt, Brunnen und Kanäle gegraben, Stra- krau Dr. phil. Ruth melkt Kühe Buch und Pflug im PalUstlnadorf Von unserem Spezialkorregpondenten Julius Brauntal Seite 4 Mittwoch, 31. Juli 1935 Nr. 17» ßen gebaut. Hunger, Durst, die verzehrende Hitze des Tages und nächtliche Kälte erlitten» haben Ivie die Beduinen jahrelang in Zelten gehaust— zum Teil heute noch!— haben Entbehrungen aller Art und die Tücken des subtropischen Klimas durchgc- halten, bis die Dörfer geschaffen, bis die Wirtschaften zur Blüte gebracht waren. Ihnen war nichts Leichteres zugemutet worden, als der Bauernschaft irgend eines Landes. Dieses Fegefeuer der Mühsale hat den Menschen des jüdischen Dorfes verwandelt. Das sind in Physigionomie und im Gehaben nicht mehr die Juden, die wir in den europäischen Städten zu sehen gewohnt sind. Es ist, als hätte sich ein Krampf gelöst: jener entsetzliche Krampf der Minderwertigkeit, der Demütigung, der innerlichen Bedrückung, unter dem dieses geprüfte Volk im Stillen leidet. Hier sind sie aufrecht, frei, selbstbewußt; sie stehen sicher und fest auf eigener Erde, die sie der Natur qualvoll abgerungen. Die harte Arbeit in Flur und Werkstätten hat ihren Körper gehärtet; er ist sehnig, schlank, gebräunt. Sie schauen schon wie richtige Bauern aus, ein wenig intellektueller vielleicht, aber scharflinig die Gc- sichtszüge und hart wie die des Landvolks überall. Md sie verstehen, wie es scheint, nicht schlecht ihre Arbeit. In der Ergiebigkeit des Weizens stehen sie allerdings noch hinter den europäischen Ländern; günstiger ist der Gerste-Ertrag der jüdischen Wirtschaft, aber in der Milchwirtschaft steht die jüdische Produktion mit 3300 bis 4000 Liter — gegen 500 bis 600 Liter der arabischen Kuh -— in der ersten Linie. Selbst die dänischen Bauern, durch Erfahrungen vieler Generationen Meister der Viehzucht, züchten, warten nicht sorgsamer ihr Vieh als die jüdischen Bauern. Im Wein haben die jüdischen Bauern den französischen überholt: 5 Tonnen pro Hektar gegenüber dem französischen Durchschnitt von 4 Tonnen. Aber der wichtigste Produktionszweig des Landes ist die Orange— die kernlose, saftüberquellende Palästinaorange gehört, wie man mir sagt, zur ausgiebigsten und kultiviertesten. Die jüdischen Bauern scheinen also im Wettbewerb zu bestehen. Aber da sie noch traditionslos sind, ist ihr Sinn dem Neuen aufgeschlossen. Willig nehmen sie Anregungen der Fachleute von der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt entgegen, sie verwenden die modernsten Maschinen, verwerten die letzten biologischen und chemischen Forschungs- ergebnisse, forschen, experimentieren selbst. Die Probleme der eigenen Wirtschaft, ihre Ergiebigkeit und Rentabilität, Jnvcstitutionen und Experimente nehmen in ihrem Denken und Diskutieren den breitesten Raum ein. Aber sie verfallen nicht in Dumpfheit, die Arbeit verschlingt den Geist nicht, der Pflug verdrängt nicht das Buch. „Wir kamen, um aufzubauen und selbst aufgebaut zu werden. Wir kamen, zu erlösen, um selbst erlöst zu werden"— so sangen sie im Chor zu meinem Abschied. Und dann, in hebräischen Worten, die--„"Internationale". Der Gesang rauschte unter dem funkelnden Sternenhimmel Arabiens. Die Beduinen, die sich in ihren Zelten vor unserem Dorf gelagert hatten, lauschten. Sie haben diese Melodie schon oft gehört, sie summen sie mit. Konzentrationslager für unbotmäßige Landarbeiter Hörigkeit, Leibeigenschaft, Zinsbauernschaft, und im weiteren Gefolge die schandbaren Gesin- deordnungcn in Deutschland mit ihren Gefängnisandrohungen werden lebendig beim Lesen der nachstehenden Nottz der„Frankfurter Zeitung": „Das Bezirksamt in Aibach(Bayern) hat 8 Dienstknechte, die ihre Stellung böswillig verlassen haben, in Schutzhaft genommen, und will auch künfttg mit den schärfsten Mitteln gegen den Unfug des Dienstentlaufens einschreiten." „Dienstknechte", also doch wohl landwirtschaftliche Arbetter werden in Schutzhaft genommen, weil sie ihre Stelle„böswillig" verlassen haben. Und künftig soll mit noch schärferen Mitteln vorgegangen werden gegen den„Unfug des Dienstentlaufens". lieber die Gründe der Landflucht braucht inan sich den Kopf nicht zu zerbrechen. Man zahlt den landwirtschaftlichen Arbeitern zu geringen Lohn. Weil damit nicht auszukommen ist, gehen die Leute lieber zu Saisonarbeiten. Vor dem Kriege gab es für Dienstboten, Dienstknechte und sonstiges gemeines Gesinde, eine Gesindeordnung, die seit dem Jahre 1810 in Kraft war. Diese Gesindeordnung war der letzte Rest, den die preußischen Junker aus dem Zeitalter der Leibeigenschaft in die neuere Zeit hinübergerettet hatten. Nach den Bestimmungen dieser Gesindeordnung konnte das Dienstpersonal von der Polizei zwangsweise der Herrschaft wieder zugeführt werden, wenn es den Dienst aus irgendeinem Grunde verlassen hatte. Auf Antrag der„Herrschaft" konnten weiter Geldstrafen bis zu fünf Talern oder Gefängnis bis zu drei Tagen verhängt werden. Diese vorsintflutlichen Bestimmungen wurden durch eine der ersten Taten des Rates der Volksbeauftragten im Jahre 1918 beseitigt. Nunmehr gab eS kein„Gesinde" mehr, es gab nur noch freie Arbeiter mit gleichen Rechten. Die gewerkschaftlichen Landarbeiterorganisatio- ncn wachten darüber, daß kein Rückfall in die barbarischen Zeiten der Vorkriegszeit erfolgte... Einer Schutztruppe des sterbenden Kapitalismus blieb es Vorbehalten, den feudalen Zu- jländcn zur Auferstehung zu verhelfen. g« Deutschlands Flottenrüstungen Die beiden Panzerschiffe„Admiral Scheer" und„Deutschland" im Hafen von Königsberg. Sie gehören dem in seiner Konstruktion allgemein bestaunten Typ der 10.000-Tonnen- Kreuzer an, die mit dieser relativ kleinen Wasserverdrängung ein Höchstmaß von Panzerschutz, artilleristischer Armierung und vor allem Schnelligkeit vereinigen. Im Vordergrund ein„Spielzeug", der Modellkreuzer„Hindenburg" der Schiffsbauschule Potsdam. In kurzem wird auch statt dieses Spielzeugs ein schwerbewaffneter Riese in der deutschen Flotte schwimmen. Militärauto verunglückt Zwei Tote Pilsen.(Tsch. P. B.) Dienstag, den 30. Juli, um 2 Uhr 40 Min. ereignete sich auf der Straße von StraZice nach Do^iv im Bezirk Rokycany eine Havarie des Militärautos des Artillerieregiments 301. Der Gefreite Mrkus erlag auf der Unglücksstelle seinen Verletzungen. Der Artilleriekapitän I. F r ä ft a ist nach der Ueber- führung ins Pilsner Divisionskrankenhaus gestorben. Auch der Artillerist D r d a wurde mit einem Sanitätsauto ins Pilsner Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist im ganzen befriedigei'd. Er hat zahlreiche Abschürfungen am ganzen Körper und eine Schulterquetschung erlitten. Sämt- liche Verletzten gehören deyr Artillerieregiment 30"i an. Der verstorbene Kapitän Fräfta war verheiratet. Die Ursache des Unglücks wird untersucht. Das italienische Reinsdorf 35 Tote zngestanden Mailand. Nach einer Meldung der Agencia Stefani beläuft sich die Zahl der bei dem Explosionsunglück der Sprengstoffabrik in Taino ums Leben gekommenen Arbeiter auf 35. Die Beisetzung hat am Montag in Gegenwart von Vertretern der Behörden stattgeftuiden. Tod im Schacht Kattowitz. Dienstag vormittags wurden auf der Kohlengrube„Hildebrand" in Nowa Wies in einem Kohlenschacht infolge Einsturzes der Kohlenwände vier Bergarbeiter verschüttet und von der Außenwelt abgeschnitten. Die sofort eingeleiteten Rettungsarbciten blieben bis in die späten Nachtstunden erfolglos, so daß die Befürchtung besteht, daß alle vier Bergarbeiter den Tod gefunden haben. Auf der Kohlengrube„Frieden" in Neu- Beuthcn wurden im Laufe dcö Dienstag-Vormittag zweiBergarbei ter von hexabstür- zender Kohle verschütt e t. Sie erlitten schwere Verletzungen. Einer von ihnen ist nach der Ueberführung ins Krankenhaus gestorben. Sechs Millionen Bente— unter den Augen der Polizei Ein Meistereinbruch in der Hauptstraße von New Aork New Aork. In dem Geschäfte eines großen Juweliers in der 5. Avenue raubten zwei junge Banditen am Hellen Tage und untex den Augen der Polizei ein herrliches Halsband aus Rubinen, das seinerzeit der französischen Königin Marie Antoniette gehört hatte. Außerdem bemächtigten sich die Diebe auch anderer Juwelen im Werte von insgesamt 250.000 Dollar(sechs Millionen Kö). Während Scharen von Spaziergängern die Straßen bevölkerten und ein Pplizist etwa 50 Schritte von denk Juweljerladen entfernt war, betraten die Banditen das Geschäft. In der Maske vornehmer Käufer ließen sie sich einige Schmuckstücke vörlegen. Plötzlich überfielen sie den Geschäftsführer und einen im Verkaufslokal anwesenden Mann und fesselten die beiden. In aller Ruhe wählten sie dann mit Kennerblick den wertvollsten Schmuck und nahmen vor den Augen zahlreicher Passanten aus der Schaufensterauslage die Rubinhalskette von unschätzbarem Wert. Sie vergaßen auch nicht, eme Echtheitsbescheinigung, die mit dem Schmuck zusammen ausgestellt war, mitzunehmen. Mit ihrer Beute verließen sie unbehelligt das Geschäft. Von den Räubern fehlt jede Spur. Hochbetrieb in Wild-Ost Hsingking. 200 Banditen überfielen 70 Kilometer östlich von Hsingking den Nachtexpreß von Hsingking nach Korea. Sie brachten durch A u f- reißen der Sch jene n den Zug zum Entgleisen, der die Böschung hinunterstürzt«. Die Trümmer des Zuges wurden unter schweres Feuer genommen. Ein Europäer, fünf Japaner und ein Chinese fanden'den T o d.■ Fünf Japaner und drei Chinesen wurden verwundet. Fünf Japaner und 20 Chinesen wurden von den Banditen entführt. Der— wie wir berichtet haben— von Banditen gefangen genommene deutsche Journalist Dr. Herbert M üI ler würde jetzt wieder fr e.i- ge lass en. In den. Händen dcx Rävstcr'befindet sich nur noch dex ehemalige politische, Sekretär Lloyd Georges, der Journalist Jones. Abbitte an das Drftte Reich. Ditz Freimaurer, die Marxisten und'die Juden— von den Radfahrern gar nicht zu sprechen— bemühen sich bekanntlich seit langem durch böswillig er- fundene Greuelmärchen im Ausland Stimmung gegen das Dritte Reich zu Machen. Hie und da aber gelingt es doch diese Verleumder auf frischer Tat zu packen und das blamable Dementi folgt auf dem Fuße. Und so steht die internationale Greuelpropaganda seit gestern zerknirscht und beschämt vor dem wahrhaft entlarvenden De- menti des amtlichen deutschen Nachrichtenbüros: Berlin, 30. Juli. DNB. Gegen anerkannte deutsche Bühnen- und Filmkünstler, wie' Emil Jannings, Otto Gebühr, Angela Salo k k e r u. a. wird im Ausland mit der Behauptung Stimmung gemacht, baß sie Nicht arischer A b st i m m u n g seien oder-daß ein Spielverbot gegen sie besteht. Diese Behauptungen sind frei erfunden und werden lediglich zu dem Zwecke ausgestreut, um die be- treffenedn Künstler zu schädigen. Gott sei gelobt. Es war also nur ein Greuel- Märchen. Und das Ausland, das bereits in recht schlechter Sttmmüng gegen das Reich Streichers war, ckann erleichtert aufatmen: man tut den Leuten doch unrecht; aber schließlich siegt die Wahrheit und es stellt sich heraus, daß an dem Greuelmärchen, Emil Jannings sei kein Urarier, kein wahres Wort ist.— Zwar werden noch täglich Proleten in SA-Kasernen halbtotgeprügelt, in Konzentrationslagern gemartert, „auf der Flucht erschossen", zwar wüten noch die Stteicherbanden mtt Gummiknütteln gegen, harmlose Passanten des Kurfürstendamms— aber daß der Jannings ein Jud ist, ist eine böswillige Erfindung. Das Ausland nimmt es erleichtert zur Kenntnis und lesstet feierlich Abbitte. Reichsdeutsche Segelflieger in Brünn. In den Nachmittagsstunden des Müntast landeten in kurzen Intervallen in Brünn vier reichsdeutsche Segelflieger mit ihren Segelflugzeugen. Um 16.10 Uhr ging Otto Bräutigam aus Klatsche bei Dresden, um 17.05.Uhr Ernst Steinhof aus Sanderhausen in Thüringen, um 17.30 Uhr Rudolf Eltschner, Kaufmann aus Merseburg a. d. Saale und um 18.05 Uhr Hans Friedrich Heinemann aus Bergdorf bei Hamburg nieder. Alle Teilnehmer, die sich an dem Rhocner motorlosen Flugwettbeweck» beteiligten, legten unter sehr günstigen Wetterverhältnisse» eine Entfernung von zirka 500 Kilometer in der Zeit von annähernd fünf Stunden zurück und landeten glatt am Brünner Flughafen. Auch unweit von Tisnov landete um zirka 18 Uhr ein reichsdeutsches Segelflugzeug, das von Herbert Barthaun gesteuert wurde. 1 In den Bergen abgcstürzt. In Vorarlberg sind drei Kletterer vom Roten Rum der Zimba, genannt das„Vorarlberger Dtatterhorn" abgestürzt. Der eine von ihnen war auf der Stelle tot. Die beiden anderen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Auf dem Stadtwand-Grat am Schneeberg bei Wien stürzte ein Wiener Klettever 150 Meter tief ab, auch er Ivar sofort tot. Tragödie von 1835. Die 25jährige Zuzana K r z k o v a aus Budinej, die in s ch w e r st e r Not lebte, warf sich zwischen den Stationen Podkoivan und Vitna mit ihrem dreijährigen Töchterchen vor einen fahrenden Zug. Während die Mutter sogleich getötet wurde, kam das Kind mit ganz leichten Verletzungen davon. Ein Streckenwächter fand das Kind am frühen Morgen beim Abgang der Sttecke vor. Es lag, fest an den bereits erkalteten Körper der toten Mutter geschmiedet und schlief. Hilferufe in der Nacht. Ein mysteriöser Vorfall beschäftigt die Turner Polizei. In der Nacht auf Montag durchfuhr gegen Mitternacht ein Personenauto ohneScheinwer- f e r und ohne beleuchtetes Nummernschild in rasendem Tempo die Stadt. Aus dem Auto ertönten gellende Hilferufe, e ne Frau hatte sich mit dem Oberkörper aus dem Wag en fenster gezwängt und rief verzweifelt um Hilfe. Obwohl sich ein Motorradfahrer sogleich an die Verfolgung machte, gelang es dem Autolenker, der Vollgas gab, im Schutze der Dunkelheit zu entkommen. Der Hauptmann von Turzovka. In der Gemeinde Turzovka in der Slowakei erschien dieser Tage ein elegant gekleideter Jüngling, der sich als Amerikaner flowakischer Herkunft auSgaV. Er behauptete, steinreich zu sein, verlobte sich mit der Tochter eines angesehenen einheimisches Landwirtes und gab— auf dem Papier— eine großzügige Spende für den einheimischen Sporr- verein. Kurz vor einem Sportfest, das zu Ehren des illustren Gastes gegeben werden sollte, kam ein in Turzovka beheimateter Schlosser, der schon lange in Amerika lebt, zu Besuch seiner Verwandten in di« Heimat. Er erfuhr von dem Amerikaner und suchte ihn sogleich im Gasthaus auf. Doch mußte er zu seiner Verblüffung feststellen, daß der„Amerikaner" kein Wort Englisch sprach und von amerikansschen Verhältnissen keine Ahnung hatte. Auf der Gendarmeriestation entpuppte er sich später als ein gewisser Georg B a r a n e k, 26 Jahre alt und mit ,22 Vorstrafen wegen Betrugs und Heiratsschwindels. Sich selbst den Bauch aufgeschlitzt. Der Arbeiter Jaroslaus Slavik ist jetzt nach wochenlangem TodeSkmnpf im Prercnrer Krankenhaus gestorben. Slavik hatte sich in einem Tobitschauer Gasthaus nach einem Streit mit seiner Braut selbst den Bauch aufgeschlitzt. Trotz schwerster innerer Verletzungen hielt der Unglücklich« unter furchtbaren Schmerzen noch fast einen Monat durch. Slavik war erst 18 Jahre alt. Tödliches Unglück bei einer Filmaufnahme. Bei den Aufnahmen zu dem MGM-Film„U-Boot A. L. 14" wurden echte Geschütze und Torpedos verwendet, welche die' gespielten Szenen durch einen kleinen Fehlgriff in ttaurige Wirklichkeit umsetzten und zwei Matrosen töteten.—? Eine teuer ettauste Echtheit der Bildert Goldfunde. In den ehemaligen Bittenberger Silbcrgrubcn(bei Pribram) wurde bei Untersuchungen in großer Tiefe eine mächtige Quarz- a n l a g e festgestellt. Analysen ergaben, daß eine Tonne Quarz 18 Gramm reines Gold enthielt. Die Lesehalle des Nationalmuseums wird im Monate August geschlossen. Korrespondenzen mögen daher an di« Direktton des Nationalmuseums, nicht aber an einzelne Personen adressiert werden. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Andaucr deS unbeständigen und kühlen Wetters, Nordwestwind. Im Südosten des Staates stärkere Niederschlagsneigung als in- den übrigen Gegenden.— Wetteraussichten für D o n n e r S t a g: Etwas besseres, aber noch unbeständiges Welter, namentlich in den Karpathenteilen des Staates. Vom Rundfunk UlptalilaMwartu«ms den Programmen! Donnerstag: Prag Sender L.: 6.00—7.30 Gymnastik. Musik, 10.05 Deussche Presse, Wetter, 11.00: Konzert, 12.05: Schallpl., 15.00: Konzert, 17.40: Berichte, Schallpl., 18.20—19.00: Deutsche Sendung, 19.00: Deussche Presse, Wetter. 19.10: Schallpl. 20.25: Konzert. 22.15: Uebcrtragung aus der Schweiz: Konzert.— Sender S.: 7.30 bis 8.00: Frauengymnastik, 14.15-—14.50: Deutsche Sendung, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn: 6.00—7.30: Frichsendung, 10.15: Deussche Presse. 11.00: Schallpl., 13.25: Schallpl.. 16.30: Radioschrammeln, 17.00: Konzert, 17.40—18.20: Deutsche Sendung, 17.40: Arbeitersendung. 19.00 Deutsche Presse, Wetter.—• Mähr.-Ostva«: 6.00—7.30: Frühsendung, 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt.— Bratislava: 6.00 bis 7.30: Frühsendung, 13.35: Deutsche und ungarische Presse, 17.40: Schallpl.. 18.00: Klavierkonzert.— Kascha«: 6.00—7.80 Frühsendung, 10.05: Schallpl., 13.25: Schallpl., 17.40: Schallpl.. 18.30: Arbeitersendung. i Nr. 176 Mittwoch, 31. Juli 1935 Seit, 5 Die französische« Flieger als Kriegsgrund Unaufgeklärtes aus de« Augufttage« 1914 Zahlen über unsere Fremdenverkehrspropaganda Der„Deöer" vom 3V. Juli teilt über die Fremdenwerbung unserer Staatsbahnen einig« Fahlen mit. die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Seit dem Jahre ISIS bis jetzt haben die Staatsbahnen 3.3 Millionen Stück Propagandamatcrial veröffentlicht. Davon first» 42.000 Alben in sechs Sprachen, 64.000 Uebersichten über internattonale Eisenbahnverbirchungen in tschechischer, deutscher, französischer und englischer Sprach«, 513.000 Broschüren in sieben Sprachen, 1,781.500 Flugschriften in neun Drachen, 168.000 Ansichtskarten, 242.400 Plakate in sechs Drachen, 4600 Landkarten, 2880 Orientierung-plane, 12.000 Tiefdruckbilder, 10.000 Bilder in Eisenbahnwaggons und 10.000 Bergröhe, rungen von Photographien. Außerdem haben sich die Eisenbahnen an 110 Ausstellungen und Messen beteiligt. Wir anerkennen gerne, dass dies eine sehr anerkennenswerte Bilanz ist. Aber wir müssen darauf Hinweisen, daß es andere, speziell mit der Propaganda für unseren Fremdenverkehr betraute Instanzen gibt, die mit ihren Leistungen offenbar hinter ihren Aufgaben Zurückbleiben. Sonst wären die offensichtlichem Mängel, auf die wir vor kurzem aufmerksam gemacht haben, nicht zu erklären. Es wäre zu wünschen, wenn sich diese Stellen ebenfalls vernehmen liehen und der öffentlichen Meinung eine Uebersicht über ihre Tätigkeit vorlegen würden. Der besteuerte Selbstmord. Die Bundesregierung von Ohio(USA.) hat eine bestimmte Sorte von Selbstmorden unter einen hohen Bersteuerungssatz gestellt. Es handelt sich um jene„Selbstmordspezialität", die den Freitod tä.i ein Mittel dazu ansicht, den Erben in den Besitz der BersicherungSsumme kommen zu lassen. Da diese Selbstmorde in Ohio geradezu epidemisch auffrrten, hat der Staat beschlossen, hieraus ein lukrative Einnahmequelle zu machen und ein Gesetz erlassen, nach dem 6 6% der durch Freitod auSgelösten Versicherungssumme in Zukunft an den Staat gehen. Geheimnisvolle Strahle«. Die»New Jork Times" melden, dah im Laborawrium des Signal- Korps von Fort Monmouth(New Verseh) Strahle» entdeckt worden seien, die die Feststellung von Kriegsschiffen und Flugzeugen in einer Entfernung von über 5 0 Meilen von der Küste ermöglichen sollen. Weitere Einzelheiten werden jedoch geheim gehalten. Auch sei das Fort streng abgesperrt worden. Ei» Boot kentert— fünf Todesopfer. Auf dem Garda-See ist ein Boot gekentert. Bier Mitglieder einer Reisegesellschaft und der Fährmann sind e r- trunken. Segelflugzeuge funke«. Nach der gelungenen Rundfunkreportage von einem in der Höhe von V00 Metern über Oltnütz fliegenden Segelflugzeug, die von der Brünner Rundfunkstation gesendet wurde. Plant di« Segelflugabteilung der Masaryk-Flugliga in Olmüh in« Rundfunkreportage von einem Segelflugzeug bei Luftakrobatte und eine Reportage zwi- slben mehreren Segelflugzeugen und der Erdstation. Die Meldungen, die in den ersten Wochen des Nordafrika-Konfliktes zu uns kamen, erinnern lebhaft an die unheilschwangeren Juli« und Augusttage des Jahres 1914. Es ist schwer zu sagen, ob diese erfundenen Kampfhandlungen, die sowohl von abbessinischer wie von italienischer Seite verbreitet wurden, nur Ausfluß der Kriegspsychose sind, oder ob sie bewußte Regie erfunden hat. In den unheilvollen Augusttagen 1914 haben wir Aehnliches erlebt. Damals dienten angebliche Kriegshandlungen, die in Wirklichkeit nie stattfanden, zur Begründung der deutschenKriegserklärungan Frankreich. So meldete die.^kölnische Zeitung" am 2. August 1914: Soeben läuft eine militärische(!) Meldung ein» daß heute vormittags französische Flieg er in derUmgebungNürtt- bergs Bomben abwarfen. Da eine Kriegserflärung zwischen Frankreich und Deutschland bisher nicht erfolgt ist, liegt ein Bruch des Völkerrechts vor. Diese Meldung geht auf eine Nachricht des offiziösen„Süddeutschen Korrespondenzbüro" in München zurück, wonach die Eisenbahndirektion Nürnberg mitteilte, daß auf der Strecke Nürnberg—Kissingen, sowie auf der Strecke Nürnberg —Ansbach Flieger gesehen wurden, die Bomben auf die Bahnstrecke warfen. Die Eisenbahndirektion Nürnberg hatte die Meldung unter Vorbehalt an den Generalstab weitergegeben. Bald darauf hat die Eisenbahndirektion die Meldung aber als unzutreffend erkannt und darüber dem Generalstab telephonisch Mitteilung gemacht. Auch der preußische Gesandte in München berichtete noch am 2. August an den Reichskanzler: „Die auch hier vom Süddeutschen Korrespon- denzbüro verbreitete militärische Meldung, daß heute französische Flieger in der Umgebung von Nürnberg Bomben abgeworfen haben, hat bisher keine Bestätigung gefunden. Es sind lediglich unbekannte Flugzeuge gesichtet worden, die augenscheinlich keine Militärflugzeuge waren. Das Werfen von Bomben ist nicht festgestellt, noch weniger natürlich, daß dieFlie- ger Frazosen waren." Trotzdem erklärte der Reichskanzler Beth- mann-Hollweg am 4. August im Reichstag, daß französische Flieger bis nach Süddeutschland hinein Bomben geworfen hätten. Diese französischen Flieger haben tatsächlich gar nicht existiert, konnten also auch keine Bomben geworfen haben. Ebenso ist eS mit den französischen Fliegern, die am 2. August angeblich im Eifelgebiet„festgestellt" worden sind. Aber noch geheimnisvoller verhält es sich mit dem Flieger, der von deutschen Truppen bei Weselher- untergeschossdn worden sein soll. Diesen Flieger hat nie jemand gesehen, und das angeblich herabgeschossene in Wirklichkeit aber gar nicht existente Flugzeug, muß sich, wie inj einem Zaubermärchen— sofort in Rauch aufgelöst haben, denn es ist seitdem spurlos vom Erdboden verschwunden. Alles,.was von dieser mysteriösen Angelegenheit noch übrig blieb» ist der eine Weltkatastrophe auslösende Auftrag des Reichskanzlers vom 3. August 1914 an den deutschen Botschafter in Paris, worin die Weisung erteilt wurde, Frankreich den Krieg zu erklären. In diesem Telegramm heißt es: „Französischer Flieger, der belgisches Gebiet überflogen haben muß, wurde bei Versuch, Eisenbahn bei Wesel zu zerstören, schon gestern herabgeschossen. Mehrere französische Flugzeuge sind gestern über Eifelgebiet zweifelsfrei festgestellt. Auch diese müssen belgisches Gebiet überflogen haben. Gestern warfen französische Flieger Bomben auf Bahnen bei Karlsruhe und Nürnberg.— Frankreich hat uns somit in Kriegszustand versetzt. Bitte Ew. Exz. vorstehendes heute Nachmittag 6 Uhr dortiger Regierung mitzuteilen. Ihre Pässe fortdern und nach Uebergabe der Geschäfte an amerikanische Botschaft abzureisen. Tatsächlich dienten dann diese angeblichen französischen Fliegerangriffe zur Begründung der Kriegserklärung an Frankreich. Wie die Meldungen über den Bombenabwurf bei Karlsruhe, über das abgeschossette Flugzeug bei Wesel und über die E i f el- flieget zustande kamen, das konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Man hat in den Akten des Auswärtigen Amtes und des großen Generalstabes auch keinerlei Telegramme oder sonstige Benachrichtigungen darüber gefunden. Interessant ist, was der Militärflieger, Hauptmann a. D. Willi M e Y e r zu diesen Fliegeraffären sagt. Er gehörte mehrere Jahre als militärischerSachverftändiger dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß für Kriegsschuldftage an und äußerte sich u. a. über die Möglichkett, die Nationalität eines Fliegers festzustellen, wie folgt: Wie hat man„zweifelsfrei" festgestellt, daß die Flugzeuge über der Eifel französischen Ursprungs waren? Selbst für den Fachmann war cs damals nicht ganz einfach, einwandftei die Nationalität eines auf einem Kriegsflug befind- lichenFlugzeuges vom Boden aus festzustcllen.Wer war der Flugfachmann, der am 2. August 1914 zufällig in der Eifel anwesend und befähigt war, die Feststellung zweifelsfrei vorzunehmen? Die Truppe vermochte im Anfang die Flugzeuge Deutschlands und Frankreichs kaum zu unterscheiden.' Zu den Fliegerbomben von Nürnberg ist noch festzustellen: die Meldung des preußischen Gesandten in München, daß bei Nürnberg keine Bomben geworfen wurden, ist vom 2. August datiert, trägt aber erst den Eingangsvermerk des Auswärttgen Amtes vom 3. August nachmittags! Der verhängnisvolle Auftrag zur Kriegserflärung ging am 3. August nachmittags 1 Uhr 5 Minuten zum Telegraphenamt. War zu dieser Zeit das Münchner Dementi über dir Nürnberger Fliegerbomben schon im Auswärtigen Amt eingelaufen? Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat jedenfalls darüber nichts festgestellt. Hauptmann Meyer, dessen fachmännischer Aeußerung besonders Bedeutung zukommt, wirst noch die Frage auf, wer von den verantwortlichen Flugpersönlichkeiten, die meist noch in Berlin anwesend waren, gutachtlich zu den Behauptungen von den Bombenabwürfen gehört wurde. Es sei mtt großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß ein Fachmann diese MeÜ>ung(beim damaligen Stand des Flugwesens) kurzerhand als absurd und einen solchen Einsatz der Flugzeuge als unsinnig bezeichnet hcwen würde. Wie es bei alledem möglich war, daß mit den Bombenabwürfen französische Flieger, die nur in der Phantasie eines von Kriegspsychose Besessenen existiert haben, die deutsche Kriegserklärung begründet werden konnte, wird wohl ewiges Geheimnis bleiben. Von historischer Bedeutung wäre es allerdings, wenn festgestellt werden könnte, ob es sich bei diesen schicksalsschweren Meldungen wirklich nur um K r i e g sp s y ch o s e handelte, oder ob nicht doch chauvinistische Regie die Hand im Spiel gehabt hat. Das Schiedsgericht im Fall Jacob Bern.(SDA.) Der schweizerische Gesandte in Berlin und das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches haben die Schiedsordnung in der Angelegenheit deS von deuffchen Spitzeln von Basel über die deutsche'Grenze entführten jüdischen Emigranten Berthold Jacob unterzeichnet. Das Schiedsgericht wird nach dieser Ordnung die Umstände festzustellen haben, unter denen Berthold Jacob von Straßburg auf schweizerisches Gebiet und von dort am 9. März 1935 in die Hände der deutschen Behörden gelangt ist, und darüber entscheiden, ob dadurch die schweizerische Gebietshoheit in einer von der deutschen Regierung zu vertretenden Weise verletzt worden ist oder nicht. Wenn das Gericht zum Schluß gelangt, daß durch diese Vorfälle die schweizerische Gebietshoheit verletzt worden ist, so hat es zu bestimmen, wie diese Gebietsverletzung wieder gutzumachen ist. Dem Schiedsgericht gehören an: Rafael Erich, finnischer Gesandter in Stockholm, Michael H a n s s o n, Mitglied deS rumänisch-ungarischen Schiedsgerichtes» Dr. Andreas I u h a s z, Mitglied des ungarischen Oberhauses, Staatsrat Freiherr von F r e y- tag-Loringhoven, Mitglied des deutschen Reichstages und Prof. Max Huber ehemaliger Präsident des Ständigen Internationalen Gerichtshofes. „Staatsfeindliches Vermögen" Karlsruhe.(DNB)-Auf'Grund deS Ge» setzes übet die'Einziehung Volks-und staatsfeindlichen Vermögens wird für den Bereich des Landes Baden das Vermögen der katholischen Verbände„Windhorstbund",„Badenwacht" und „Schoferschar" zugunsten des Landes Baden eingezogen, da es nach Feststellung des ReichS- und preußischen Ministers des Inneren zu volks- und staatsfeindlichen Bestrebungen bestimmt gewesen ist. Girr Hitlerdeutscher fährt«ach Bodenbach Von Zeit zu Zeit bekommt man einmal eine reichsdeutsche Zeitung zu Gesicht; eS ist niemals ein Vergnügen, diese Maulkorbpresse zu lesen» und wer nicht als Henleindeutscher für das Dritte Reich schwärmt, verliert an diesen Zeitungen nicht das Geringste. Manchmal aber findet man doch etwas darin, was auch für„hüben" von gewissem Interesse ist. Da schildert z. B. im„Dresdner Anzeiger" ein waschecht braun gefärbter Hans Birke eine Elbdämpferfahrt von Dresden nach Bodenbach. Angeblich hat er sie unternommen,„um selbst einmal einen fleinen Eindruck von der sudetendeutschen Not zu bekommen". Schuld an der Notlage der sudetendeutschen Bäder und Grenzorte- sind seiner Meinung nach die Deviseneinschränkungen— sehr richtig; nur daß das von reichsdeutschcr Seite verhängte Einschränkungen sind, verschweigt er vorsichtig— und„vor allem die Verkehrspolitik der tschechischen Regierung". Was die daftir können soll, daß die Dresdner nicht mehr so zahlreich wie früher nach HerrnS- kretschen, Tetschen, Bodenbach, Salesel, Teplitz usw. kommen, behält er als sein Geheimnis. Er aber fährt mutig nach Bodenbach. Bei der Mittagsrast in Schandau sitzt am Nebentisch cin Ehepaar.„Ach, mir fällt eben ein—" sagt der Mann zu seiner Gattin,„hast du auch nichts in Zeitungspapier eingewickelt? Vielleicht die Butterdose oder so etwas? Ich habe dir doch gesagt,-daß die Tscheckien keine deutschen Zeitungen binüberlasscn!" Daß reicbsdeutsche Zeitungen in der Tschechoslowakei erst verboten worden sind, nach dem aus Angst vor der Wahrheit verhängten Verbot fast aller in der Tschechoslowakei erscheinenden Zeitungen für Deutschland, das ver- schiveigt HanS Birke wiederum. Dafür benimmt sich jenes Ehepaar nachher auf dem Dampfer be» der Paß- und Zollkontrolle in HerrnSkretschen so blöd, wie viele Menschen heute in Deutschland nun einmal gemacht werden. HanS Birke schildert die Szene: „Der tschechische Grenzbeamte fragt das Ehepaar:„Haben Sie etwas zu verzollen?" „Rein!" sagt die Gattin sehr bestinunt. Aber der Gatte ist vorsichtiger und meint:„Ich weiß es nicht. Sehen Sie bitte nach!" Nervös greift die Frau nach den Rucksäcken und will sie auspacken. Aber ihr Mann drängt sie zurück und flüstert ihr bissig zu:„Laß ihn doch selbst suchen!" Der Tscheche hebt die Butterdose aus dem Rucksack, ein Bündel Wäsche. Dann sagt er:„Ich danke. Guten Tag!"„Heil Hitler!" antwortet erleichtert und gewohnheitsmäßig die Frau. Der Tscheche zuckt zusammen und zögert im Schritt, während der Mann seine Gattin in die Seite knufft:„Bist wohl toll, wo ich dir's doch gesagt habe..." Die Leutchen können von Glück reden, daß sie es mit einem höflichen und nachsichtigen tschechischen Beamten zu tun hatten, der bloß„zusammenzuckte"— drüben im Dritten Reich, wenn dort jemand aus Versehen und alter Gewohnheit etwa mit„Freiheit!" grüßen würde, zuckt etwas ganz anderes. Dann im Hotel in Bodenbach fühlt der wak- kere Birke„den deutschen Besitzer in den Räumen", nur weil das Hotel sauber, das Zimmer gemütlich ist. Im übrigen aber findet er weder Bodenbach noch Tetschen besonders reizvoll. Und überhaupt tut dieser Biedermann, der doch diese Fahrt aus Mitgefühl mit den notleidenden Su« detendcutschen unternommen haben will, so ziemlich alles, um seinen Lesern eine solche Grenzfahrt nach Böhmen von vornherein zu vernichten. Man spürt daraus die eigentliche Absicht seiner Schilderung, unter dem Vorwande brüderlicher Verbundenheit mit den Sudetendeutschen vor der Tschechoflowakei grauslich zu machen. In seinem versteckten, aber deutlich spürbaren Eifer, der Tschechoflowakei eins auszuwischen, schildert er sogar die Sudetendeutschen als schlechte Kerle, vor denen man auf der Hut sein muß. So soll auf der Rückfahrt nach Herrnskret- schen ein fliegender Händler versucht haben, dem guten Birke ein Taschenmesser für 14 Kronen anzudrehen, da ser dann„an seine Kundschaft"(wo nimmt ein Hausierer auf einem Elbdampfer Kundschaft her?) für fünf bis sechs Kronen verkauft habe. Birke spricht von einem tschechischen Händler, da aber ein solcher sich schwerlich aus einen deutschen Dainpfer zwischen Bodenbach und HerrnSkretschen verirren wird, wird es tvohl ein Sudetendeutscher gewesen sein, der als Staatsbürger der Tschechoslowakei natürlich auch „Tscheche" ist, worauf sich der treuherzige Birke ja herausreden könnte. Er aber erzählt:„Als HerrnSkretschen wieder herankam, war ich ftoh, daß der„fliegende Händler" mit seinem Kram und seinen„tschechischen„Bolkssitten" den guten, sauberen, ehrlichen deutschen Dampfer verlassen mußte." Und auch der sudetendeutsche Kellner war ein schlechter Kerl, von dem er schreibt:„Ich bat den tschechischen Kellner","— einen tschechischen Kellner auf der Terrasse eines„gut bürgerlichen" deutschen Hotels in Bodenbach, wo sich das abgespielt haben soll, würde man wohl vergeblich suchen—,„mir meine zwei glänzenden Fünfmarkstücke zu wechseln, weil ich mich beim Umrechnen in Kronen nicht sicher fühlte. 78 Kronen bekam ich daftir. Wie ich später erfuhr, hätten es 86 sein müssen. Der Kellner hatte eben daS„Wechselgeld" gleich einbehalten." Das fft ein ganz offenbarer Scftvindel! Zu jener Zeit, als nach dem Datum der Nummer des „Dresdner Anzeigers", in der seine Schilderung! erschienen ist, HanS Birke seine Reise unternahm, stand nämlich schon seit Wochen vorher und auch noch wochenlang nachher der Kurs 100 Reichsmark— 813 KC. Birke hätte also für 10 Reichs- Mark nicht 86, sondern 81 Kä erhalten müssen, wenn— sein Geld Reichsbanknoten gewesen wären. Daß aber deutsches Silbergeld überall wesenflich niedriger im Kurse steht als Papiergeld und daß ihm die zwei Fünfmarkstücke mit 78 Kö sogar über dem Kurs berechnet worden sind, braucht ein so gewissenhafter Berichterstatter anscheinend nicht zu wissen. Und wenn er es Weitz, darf er es um einer Zwecklüge willen verschweigen. Das ist Moral des Dritten Reiches. Biel besser hat ihm jedenfalls der Hoteldiener des Bodenbacher Hotels gefallen, der ihn nach seiner Schilderung aus seinem Sinnieren riß: „Sehen Sie da das Reklameplakat des tschechischen Schuhkönigs. Ich war lange in Deutschland und weiß, daß dessen Waren dort ebenfalls zu haben sind. Ist das nicht bedauerlich, daß Deutsche immer noch die Waren tschechischer Chauvinisten kaufen?— Ich schwieg darauf." Noch lieber der schweigt er, wie wir gesehen haben. Tschechische Niedertracht erbittert ihn auf Schritt und Tritt:„Bedrückt schlenderte ich durch die Straßen, die in schlechtem Zustand und voller Staub waren. Beinahe hätte mich ein Auto überfahren, das links am Verkehrsteiler vorbeifuhr. Schimpfend sprang ich ein paar Schritte zurück:„So eine Wirtschaft! Der Kerl fährt links!" Aber ich mußte mich von dett Richtungspfeilen am Brrkehrsteiler belehren lassen. Man fährt eben links in der Tschechoflowakei." Welche Gemeinheit! Nebexströmt vom Glücksgefühl, dem Ausland, das„für uns reiselusttgen Deutschen' leider immer eine magische Anziehungskraft besessen" hat, wieder entronnen zu sein, fährt Hans Birke heim, zurück ins Dritte Reich, an das er denkt, „an das zusammengeschmvlzene Arbeitslosenheer, . die deutsche Heimat, wo alle Schlote rauchen." Wie könnte er die Wahrheit sagen, die er ja auch gar nicht sagen will! Nie und nimmer könnte sonst sein Reisebericht im„Dresdner Anzeiger" erscheinen.• Aber das ist die Art, in der diese Sorte „Volksgenossen" mit biedermännisch. gespielter Treuherzigkeit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchten: einmal de:»„sudetendeutschen Bruder" zu pousstercn, zum zweiten aber und gleichzeitig, und sei es auch auf Kosten eben dieses„Bruders", reiselustige Deutsche von der Tschechoflowakei abzuschrecken. Und wenn diesem Hans Birke der Dampfer der Sächsisch-Böhmischen Dampfschiffahrtsgesellschaft„geradezu als ein Symbol für die deutsche Geradheit und Zuverlässigkeit" erscheint, so ist er selber mitsamt dem „Dresdner Anzeiger", der wider besseres Wissen ein so albernes und innerlich verlogenes Gesckwätz abdruckt, ein sprechendes Symbol für die elende Zweideutigkeit dessen, was heute so überheblich auf sein Deutschtum pocht. Manfred. Seite 6 Sozialdemokrat" Mittwoch, 31. Sali 1935. Nr. 176 Magda Schneider rn der Filmoperette„Eva" nach Lehar fcMall W Hvoliliü Kartell erhöht die Preise Das Kartell der Porzellanindustrie in der Tschechoslowakei hat seinen Abnehmern mitgeteilt, daß es für einige. Waren die Grundpreise heraufsetzt, und für alle Waren einen Zuschlag von fünf Prozent auf die Grundpreise erhebt. Die Maßnahme wird damit begründet, daß bei der bedeutenden Verschuldung aller Fabriken die bisherigen Preise die Gestehungskosten nicht deckten.„Zwecks Gesundung der Verhältnisse" wird eine„allmähliche" Fortsetzung der Preiserhöhung angckün- digt. Eingesendet. Generalversammlung der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix. Die 52. ordentliche Generalversammlung der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix in Wien wurde heute abgehalten. Der Versicherungsbestand des Phönix verteilt sich Ende 1934 auf 888.916 Polizzen in 23 Ländern Europas und des nahen Orients. Diese Polizzen lauten insgesamt über KL 13.247,229,960.— versicherter Summe und Kä 24,181.488.— jährlicher Rente. An Prämien wurden im abgelaufenen Jahre KL 685,393.976.25 vereinnahmt, die Erträgnisse der Kapitalsanlagen haben KL 162,833.763.78 betragen. An Versicherte und deren Hinterbliebene sind KL 371,418.415.11 ausgezahlt worden. An Steuern und Abgaben aller Art wurden KL 37,084.150.40 entrichtet, für Zwecke der Arbeitsbeschaffung KL 13,565.380.50 aufgewendet und Wohlfahrtszwecken KL 1,034.471.50 zugeführt. Die Gewährleistungsmittel der Gesellschaft wurden durch Zuweisung von KL 371,537.275.28 aus KL, 3.145,620.384.-» erhöht. Der Realitätenbesitz des Phönix in 13 Staaten umfaßt Ende 1934 insgesamt 156 Gebäude und einige Baugründe im Werte von KL 467,449.474.90. Die Hypothekaranlagen verteilen sich auf 508 Hypothekardarlehen mit zusammen KL 202,944.055.14. Die Darlehen auf eigene Polizzen belaufen sich auf KL 296,057.526.30. • Der Wertpapierbestand hat einen Buchwert von KL 1.514,078.774.10, hievon entfallen 91.7% auf festverzinsliche Anlagewerte und 8.3% auf diverse Aktien und Beteiligungen an Versicherungsanstalten in 9' europäischen Staaten. Aus dem Rückversicherungsverkehr mit diesen Gesellschaften hat der Phönix bis Ende 1934 Rückversicherungen von zusammen KL 1.571,349.67.— erhalten, während aus dem Gesamtgeschäfte des Phönix Rückversicherungen an 41 Gesellschaften in England und in fast allen Staaten des europäischen Kontinents abgegeben wurden. In der Gruppenversicherung gemeinsam mit der Metropolitan'Life Jnsurame Company in New Aork sind 45.947 Angestellte und Arbeiter auf Kapitalien von rund KL 486,000.000.— versichert. In der Generalversammlung wurde die Verteilung einer Dividende von 5% des Aktienkapitals wie im Vorjahre mit zusammen KL 900.000.—. beschlossen. Den Kapitalsreserven sind' aus dem Ueberschuß der Jahresrechnung weitere KL 1,575.000.— Mgeführt und auf neue Rechnung KL 842.163.66 vorgetragen worden.(Für die Umrechnung der Schillingbeträge auf Kö wurde der mittlere Kurs der Prager Börse am 31. Dezember 1934(1 Sch.= 4.50) verwendet.)/ 2821 Reich und schön blühen auch Ihre Blumen, wenn Sie zu ihrer Pflege Blumen-Zauberdung verwenden. 1 Paket KL 5.60, durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tt. 62, und bet allen Kol. porteuren erhältlich. Agger ZMng Ei» sauberes Kleeblatt Dokumentenfälscher an der Arbeit Prag. Die drei Angeklagten, die dem Strafsenat K n a n t e aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurden, haben dem Untersuchungsrichter ziemlich Arbeit gekostet. Da ist zuerst einmal die 55jährige Private Hermine Z o l l m a n n, die durch, mehrere Monate bei einer Verwandten lieb Kind spielte und sich deren Vertrauen in einem solchen Grad zu erwerben wußte, daß diese alte und kränkliche Verwandte ihr ein.Sparkassenbuch auf 4500 KL anvertraute, mit dem Auftrag 100 KL abzuheben. Hermine Zollmann vollzog den Auftrag zur größten Zufriedenheit und stellte ordnungsgemäß das Sparbuch zurück, in welchem tatsächlich eine Auszahlung von hundert Kö gebucht war. Leider mußte sich die Inhaberin deS Einlagebuches kurze Zeit nachher überzeugen, daß Hermine Zollmann in Wirklichkeit fast das ganze Guthaben der vertrauensseligen Verwandten abgehoben hatte und daß dieser nur zehn KL und neunzigHeller verblieben waren. Diese Veruntreuung war auf fachmännische Art verschleiert worden. Ein in solchen Dingen wohlerfahrener Fachmann hatte den Auszahlungsvermerk gefälscht. Die weiteren Erhebungen führten auf die Spur des 34jährigen Franz P i ck, der seiner Angabe nach Privatbeamter ist. Dieser Franz P i ck beschäftigte sich mit der Herstellung verschiedener chemischer Präparate und so bestand der begründete Verdacht, daß dies:r Chemiker an der Fälschung des Einlagebuches beteiligt war. Pick war nämlich ein guter Bekannter der Zollmann und als man seiner Vergangenheit,nachging, konnte festgestellt werden, daß er seinerzeit mit einem internationalen Betrüger großen Formates, namens ft o ä) a n int engsten Einvernehmen stand, der in Wien unlängst eine zweijährige schwere Kerker- st r a f e ausgefaßt hat. Als man sich dann den Franz Pick näher hernahm, stellte sich heraus, daß feine Arbeitsgemeinschaft mit dem Berufsbetrüger K o ch a n allerhand kriminelle Früchte getragen hat. Dieses saubere Konsortium schaffte sich drei Sparbücher von verschiedenen Geldinstituten an, auf welche die Kumpane je fünf KL einlegten. Dann fälschte der Chemiefachmann Franz Pick diefe Einlagen auf hohe Beträge um. Ein Sparbuch wurde auf 5000, das zweite auf 1300 und das dritte gar auf 10.000 KL anfgefälscht. Der Kumpan Kochan übernahm dann die finanzielle Ausbeutung. Im Prager„Hotel Pari s", wo er als„Tr. Gustav Kranich" abstieg, lieh er sich von dem Hoteldirektor 1500 KL und gäb dabei das auf 5000 KL aufgefälschte Sparbuch zum Pfand. Natürlich verschwand er alsdann und begab sich nach P a r i s, wo er in gleicher Weise das Sparbuch Nummer zwei belehnte. Das dritte der gefälschten Sparbücher, die, wie gesagt, einen Wert von je fünftschechoslowakischen Kronen repräsentierten, hängte Kochan in Genf einem tschechoslowakischen Journalisten an. Dieser Kochan sitzt nun im österreichischen Kriminal, während sein stiller Teilhaber Franz P i ck sich vor dem Prager Gericht zu verantworten hatte. Als dritter im Bunde saß der 59jährige, aus Litauen stammende Kaufmann David Kru- c z a n auf der Anklagebank. Dieser Herr kam in unsere Republik mit einem Paß, der ihn als Touristen legitimierte und alfo zu keinem dauernden Aufenthalt berechtigte. Herr Kruczan kam aber(zufällig oder absichtlich) mit dem trefflichen chemi- fchen Fachmann Franz Pick zusammen und dieser fälschte seinen Paß gründlich um, so daß David Kruczan sich unberechtigterweise in'Prag häuslich einrichten und seinen, übrigens ungeklärten, Geschäften nachgehen konnte. Die Staatsanwaltschaft erblickte zwischen diesen verschiedenartigen Straftaten einen inneren Zu- fammenhang und erhob die Anklage gegen alle drei Beteiligten wegen betrügerischen Komplottes; gegen Hermine Zollmann außerdem wegen des Verbrechens derVeruntreuung. Es gelang allerdings nicht, das Komplott einwandfrei nachzuweisen und so erfolgte in diesem Punkte ein F r e i s p r u ch. Die sonstigen Straftaten der einzelnen Angeklagten standen aber einwandfrei fest. Tas Urteil lautete für Hermine Zollmann auf vier Monate schweren Kerkers(bedingt auf drei Jahre), für Franz Pick auf fünf Monate und für den rätselhaften Herrn Kuczan auf vier Monate s ch w e r e n und Vers ch ä r f t e n Kerkers. Die beiden letzteren Strafen si.cd unbedingt und hinsichtlich des David Kuczan wurde die Ausweisung aus dem Staatsgebiet ausgesprochen. rb. Kunst und Nissen Morgen Premiere der Berg-Revue„Lachen wieder modern". Armin Berg gibt mit seinem Ensemble in der Kleinen Bühne ein achttägiges Gast- Piel in seiner neuen Revue„Lachen wieder modern". Unter den Mitwirkenden befindet sich der in Prag durch seine Tätigkeit am Landestheater guwekannte Ady Berger, der gemeinsam mit dem Meisterpianiften Rawicz-Landauer ein großes Anziehungsmoment für den Besuch dieser Revue bilden wird. Beginn 8 Uhr. Preise KL 10.— bis KL 45.—. Vorverkauf: Deutsches Haus, Tel. 24.687; Neues Deutsches Theater; M. Truhläk. Ctua cler Härtel Bezirksorganisatron Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die tschechische und die deutsche Sozialdemokra- trsche Organisation in Liboch hat unsere Genoffen zu einem Arbeiterfest welches am Sonntag, dem 4. August 1935, stattfindet, eingeladen. Das Fest soll zu einer großen politischen Kundgebung ausgestaltet werden gegen den nationalen Chauvinismus, welcher besonders im Sprach-Grenzgebiet hervortritt. Bei der Kundgebung werden ei/t tschechischer und ein deut- fcher Sozialdemokrat sprechen. Genossen und Genossinnen! Es ist für uns eine Pflicht, die Genossen in Liboch durch eine starke Teilnahme zu unterstützen und wir fordern alle unsere Mitglieder, welche dazu Gelegenheit haben, auf. mit nach Liboch zu fahren. Unsere RW und der Atus werden aktiv mitwirken. Bei genügender Teilnahme Fahrt mit Separatautobus; Fahrtkosien 12 bis 14 KL. Abfahrt Sonntag früh, Rückfahrt abends. Anmeldungen sofort bei Genossen Fritz Mittenhuber, Prag" II., Fügnerovo nam. 4(Telephon 51351—5). Der Bezirksvertrauensmann. Spri- Spie l- Jföqierpjfcßc Atus Prag gegen DTJ Tlustovousy 61.5:53.5 Bei ungünstiger Witterung fand am Sonntag das DTJ-Fest in Tlustovousy statt. Trotz wiederholter Regenschauer fanden sich doch einige hundert Zuschauer ein. Vom Prager Atus beteilig- ten sich 20 Mitglieder, die eine herzliche Aufttahme fanden. Von den sportlichen Darbietungen wurde der leichtathletische Zehnkampf der Prager Sportler, denen eine starke DTJ- Mannschaft gegenüberstand, von den Zuschauern mit größter Spannung verfolgt. Der überaus starke Wind beeinträchtigte allerdings die Leistungen, besonders die der Läufer und Speerwerfer.. Am Vormittag gelangte ein Propagandavorlauf für die Schwedenstafette auf der hügelreichen Straße Dlusto- bousy—Trcklaty zum Austrag, bei dem die Prager Mtersmannschaft den zweiten Platz belegte. . Die Ergebnisse des Zehnkampfest 80 Meter: 1. Rossel(P) 9.3 Sek.. 2. Polak (T) 10 Sek. 800 Meter: 1. Prochazka(T), 2. Jüttner(P). 3000 Meter: 1. Chalupa(T) 10:07 Min^ 2. Prochazka(T) 10:03.7 Min. Kugel: 1. Nossek 9.60 Meter, 2. Paul(T) 8.50 Meter. Speer: 1. Lula(T) 88.50 Meter, 2. Amsler (P) 37.90 Meter. Diskus: 1. Nossek 29.57 Meter, 2. Paul 27.05 Meter. Hochsprung: 1. Kminek(P) und Klegr(T), beide 1.55 Meter. Weitsprung: 1. Rossek 5.32 Meter, 2. Klegr 5.28 Meter. 4X100 Meter: 1. Atus Prag 51.2 Sek., 2. DTJ Tlustovousy 51.4 Sek. Schwedenstafette: 1. Atus Prag 2:28.3 Min., 2. DTJ Tlustovousy 2:29 Min. Die Veranstalter des Sportfestes überreichten der Prager Atus-Mannschaft als Anerkennung eine schöne Mctallfigur. Nach Beendigung der Wettkämpfe verbrachten die Prager Genossen mit den tschechi- schen Genossen noch einige fröhliche Stunden bei einem Unterhaltungsabend. Um die Fußball-Meisterschast des V. Kreises Von der Spielleitung des V. Kreises wird mitgeteilt: Sonntag, den 11. August, beginnt die Vorrunde um die Kreismeisterschaft und haben folgende Gruppenmeister anzutreten: Nestersitz- P ö m e r I e gegen Steinschönau in Steinschönau; Anstoß 5 Uhr nachmittags. Sporitz gegen Bundesmeister Kleinaugezd in Kmno« tau II(Oberdorf); Anstoß halb 6 Uhr. Die Verlierer scheiden aus und tritt der Sieger des erste« Spieles am 18. August gegen den Gruppenmeistee Kleische im Aussiger Stadion an und der Sieger aus dem zweiten Spiele gegen den Gruppenmeister Zuckmantel am Stadion in Zuckmantel. Spiel« verbot im 3. Bezirk ab 12 Uhr mittags. DieS gilt ebenfalls für den 1. und 2. Bezirk am 18. August. Eine kommunistische„Einheits". konferenz in Haida Der Kreisleitung des V. Kreises gelangte zvr Kenntnis, daß am 10. und 11. August in Haida eine„Einheits" konferenz stattfinden soll, zu der auch alle Fußballvereine eingeladen wurden. Diese Aktion wurden von feiten der Kommunisten eingeleitet und der am 28. Juli in Böhm.« Kamnitz statigefundene Bezirksfußballertag hat es einstimmig abgelehnt, an dieser„Tagung" teilzunehmen, da weder der Kreis noch der Bund davon Kenntnis hat. Wir SporÜer sind schon morgen für eine Einheitsfront zu haben, aber erst muß der Kampf, der von den Kommunisten auf das gehässigste gegen die Sozialdemokratie geführt wird, restlos eingestellt werde«. AuS diesen Gründen nehmen wir Fußballer daher nicht teil. Allen Vereinsfimktionären zur Kenntnis.— Die Kreisspielleitung deS V. Kreises. Die amerikanische Arbeiter-Olympiade Zur ersten amerikanischen Arbeiter-Olympiade, welche Anfang Juli 1936 in Cleve land stattfm- den wird, fährt, wie bekannt, auch eine Delegation aus der Tschechoslowakei. Die Reise wird vom Verband derDTJ veranstaltet und nehmen an ihr außer den besten Turnern und Turnerinnen noch Ehrengäste teil. Außer der Tschechoslowakei zeigen auch Belgien, Frankreich und die Schweiz Interesse an eine Teilnahme und werden diese Staaten wahrscheinlich eine gemeinsame Gruppe Turner entsenden, welche den Westen Europas.repräsentieren sollen. England will sich durch ein« Gruppe Leichtathleten vertreten lassen. England gewinnt im TaviSenp gegen Amerika 5:0! Die Endrunde brachte dem Cupverteidkger England mit dem Gewinn der beiden restlichen Einzel einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Erfolg. Austin bestegte Budge 6:2, 6:4, 6:8, 7:5 und Perry gewann gegen Allison 4:6, 6:4, 7:5, 6:3. SK Nachod„demonstriert" weiter. Wie die Blätter melden, will SK Nachod zu dem neu auszutragenden Qualifikationsspiel gegen DSB Saaz nicht antreten. Da kann man ja begierig sein, wie sich die CsAF zu diesem„Protest" stellen wird,.. Ortsgruppe Prag.„Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß a>« 4. August 1935 in Liboch- Schelese« ein Arbeiterfest stattfindet: Abfahrt Denisbahnhof 7.27 Uhr. Ankunst Liboch 9.18 Uhr. Rückfahrt 18.34 Uhr und Ankunft in Prag 20.13 Uhr. Die Mitglieder sind höflichst eingeladen, an diesem Feste teilzunehmen". Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich KC 16.—. vierteljährig Kf 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192 Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde mm grapbendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/Vl 1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orkis" Druck«. Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag. Inserate werden laut der Voft« und Tele»