nwnTprBl« 70 HiHtr (•hudiltetUch S H«fl«r Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHCSIOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Sonntag, 4. August 1935 Nr. 189 Völkerbund ohnmächtig gegen Kriegsgefahr Italien stimmt nicht für die entscheidende Entschließung Friedrich Engels Zu seinem vierzigsten Todestage Von Hermann Wendel Genf rüstet zur Septembertagung— der Duce zum Krieg Die gestrige Sitzung des Völkerbundrats hat die erschreckende Ohnmacht Genfs gegenüber Italien in erschreckender Weise klargestellt. Die fadenscheinige„Lösung" in Form einer Zweiteilung der Entschließung offenbarte schon au sich, daß sich der Völkerbund gegenüber Italien vorweg machtlos erklärte, das denn auch durch seinen Vertreter Aloifi sich der Abstimmung über die zweite, entscheidende Entschließung enthielt. Es ist eine blutige Farce, znr der der Völkerbund durch die Intransigenz Italiens sich erniedrigt sieht. Noch ist der Völkerbund nicht gesprengt, aber der u e u c P r e- siigeverlust ist fast tödlich für ihn. Die völlige Bloßstellung des Völkerbunds wird i« Augenblick der Genfer Tagung unterstrichen durch die Meldung aus Rom, die keinen Zweifel darüber läßt, daß Muffolini ohne Rücksicht auf die geplante Genfer Tagung im September nach wie vor entschloffcu ist, die Waffen in Aktion trete« zu lasten. Der Mechanismus des Völkerbundes erweist sich als schwächer als die völkerrechtlichen Modalitäten, die seit dem Wiener Kongreß von 1815 in Europa üblich wäre«. Seit damals wurde keine wichtige.Frage von einem Mächteduo oder Michteterzett erledigt, sondern immer vom„Konzert" der Großmächte. Das war in den orientalischen Fragen beim Pariser Frieden 1856 und beim Berliner Kongreß 1878, das war dann wiederholt bis zum Kriege«blich. Als Oesterreich sich 1908 dem Zwang entziehen wollte, wäre cs fast znm Kriege gekommen und, als 1914 Oesterreich tatsächlich den britischen Konfcreuzvorschlag ablehnte, war dies der letzte Tropfen, der das Faß znm Ueberlaufen brachte. Wenn heute nur drei Mächte verhandeln, so zeigt das— der Vertrag von 1906 ist ja nnr der Vorwand— daß Europa trotz dem Völkerbund und gerade wegen der schweren Mängel und Fehler des Bundes als Ganzes aktionsfähig geworden ist. Die gestrige Sitzung Genf. Der Völkerbundsrat ist um 19 Uhr fu einer nichtöffentlichen Sitzung zusammen- getreten, an die sich die öffentliche Schlußsitzung betreffend den abessinisch-italienischen Konflikt anschloß. Es wurden zwei Entschließungen vorgelegt. Die zweite lautet: „Der Rat beschließt, in jedem Fall am 4. September zusammrnzutreten, um dir allgemeine Prüfung der Beziehungen zwischen Italien«nd Abessinien nach ihren verschiedenen Seiten aufznnehmen. Ratspräsident Litwinow teilte mit, daß es notwendig gewesen sei» den Vertretern Abessiniens und Italiens sowie der direkt interessierten Staaten die Möglichkeit der Behandlung des ganzenKonflikts zu überlasten. Hierauf verlas Litwinow den ersten längeren Entschließung s-Entwurf, der sich mit der Fortsetzung? der Schlichtungs- und Schiodsverhandlungen befaßt. Die Entschließung besagt: Der Rat bezieht sich auf sei« Entschließungen vom 25, Mai 1935 über die Regelung deS Streites, der zwischen der italienischen«nd der abessinischen Regierung infolge deS Zwischenfalles von U a l N a l entstanden ist. Diese Regelung sollte nach der in Artikel V des italienisch-abessinischen Vertrages vom 2. August 1928 bestimmten Methode herbeigeführt werden. Der Rat stellt fest, daß die Arbeiten d«S Schlichtungs-«nd Schied SausschuffeS unterbrochen worden sind und daß zur Ermöglichung ihrer Wiederaufnahme di« beiden beteiligten Regierungen sich an den Rat mit dem Ersuchen gewandt haben, dir Vereinbarungen der beiden Regierungen hinsichtlich der genauen Tragweite des Auftrages des Ausschnffes zu interpretieren. Der Rat ist der Auffaffung, daß die Zuständigkeit d«S AuSschuffcS auf den Vereinbarungen zwischen den Streitparteien beruht. Am Schluß der Resolution heißt eS: 1) Der Rat nimmt zur KmmtniS, daß die Vertreter der beiden Parteien ihrem Willen Ausdruck gegeben haben, ein Schlichtungs-«nd Schiedsverfahren unter den im Artikel V des Ver-\ träges vom 2. August 1928 festgesetzten Bedingungen wieder avfzunchmen. 2) Der Rat nimmt die Erklärung der beiden Parteien zur Kenntnis, nach der die vier Mitglieder des Schlichtungs» und SchiedSanSschuffeS ohne weitere Frist einen fünften Schiedsrichter ernennen werden, dessen Enrennnng für di« Durchführung ihrer Arbeiten nötig werden könnte. 3) Der Rat rrch- nrt damit, daß dieses Verfahre« vor dem 1. September 1935'mit der Regelung des Streites abgeschlossen fein wird«nd fordert die beiden Regierungen auf, ihn von dem Ergebnis spätestens am 4 Sepemb« 1935 in Kenntnis zu fetzen. Außerdem wurde unter Absenz der italienischen Delegierten Baron Aiolsi die obgenannte kurze Entschließung betreffend den Wiederzusammentritt des Völkerbundrates angenommen. Advokat I i j e erklärte im Namen der abessinischen Negierung, daß er sich dem weiteren Schiedsverfahren unterwerfe und daß Abessinien mit Vertrauen der weiteren Erledigung des italienisch-abessinischen Konfliktes entgegensche. Hierauf brachte er den Ratsmitgliedern und namentlich dem Ministerpräsidenten Laval seinen Dank zum Ausdruck. BaronAloisi enthielt sich für Italien der Abstimmung über die zweite Resolution betreffend das Datum der Einberufung des Rates zur Erledigung der allgemei- nen Prüfung des Konfliktes und berief sich auf seine in der geheimen Ratssitzung vom 31. Juli abgegebene Erklärung. (In dieser Sitzung erklärte Aloisi, daß Italien an den Verhandlungen des Rates nicht werde teilnehmen können, so- bald dieser zur Lösung des Wesens des italienisch-abesiinischen Konfliktes schreiten würde.) Minister Laval besprach den Fortgang der Verhandlungen der Vertreter der drei Großmächte und Abessiniens und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Völkerbundrat schließlich seine große Aufgabe erfüllen werde. Er sei sich bewußt, daß die Lage ernst bleibe, halte aber seineAufgabe für nicht beendet. Er werde jede Gelegenheit zur Sicherung des Friedens ergreifen. Der britische Völkerbundminister'Eden gab eine kurze Erklärung ab, in der er u. a. anführte, daß die angenommenen Entschließungen die besten Aussichten auf friedliche Erledigung des italienisch-abessinischen Konfliktes geben. Er erklärte dann, laß man in zwei Aktionen an die Erledigung des Konfliktes herangehe, einerseits durch das Schiedsverfahren, andererseits durch Verhandlungen der drei Großmächte. Eden versprach dann, über die Ergebnisse der Verhandlungen der drei Großmächte dem Rate selbst Bericht zu erstatten. Auch die englische Regierung sei sich, wie Eden hervorhob, des Ernstes des Augenblickes bewußt. Hierauf ergriff der dänische Vertreter das Wort, der Eden für seine Kundgebung dankte und der Befriedigung darüber Ausdruck verlieh, daß der Rat von den Verhandlungen der drei Großmächte in Kenntnis gesetzt werden wird. Genf.(Reuter.) Es verlautet, daß die Dreier-Konferenz über Abessinien i n zehn Tagen in Paris stattfinden werde. In der Abendsitzung des Völkerbundrates, die nur drei Viertelstunden dauert, ergriff als erster der abessinische Vertreter das Wort und erklärte, daß Abessinien, indem cs die Entschließung des Völkerbundratcs bedingungslos annehme, im Interesse des Weltfriedens ein großes Opfer bringe. Jeze sprach den Mächten, die sich um die Erzielung der Einigung in friedlicher Lösung bemüht haben, den Dank aus. Zwei Tatsachen sind in der Abendsihung des Völkerbundrates zu verzeichnen gewesen: 1. die Zustimmung Italiens zu derDreier-Konferenz. Es verlautet aus autoritativer Quelle, daß, obwohl Abessinien an dieser Konferenz nicht teilnrhmen wird, in keinem Zeitpunkt der Versuch gemacht werden wird, ihm aufzuzwingen, was die drei Mächte beschließen werden. 2. ist eine erhebliche Besserung der französisch-englischen Beziehungen zutage getreten, die wieder so gut geworden sind, wie sic vor der Annahme der englisch-deutschen Marineabkomme» waren. Am 5. August 1895 starb, fünfundsiebzigjährig, Friedrich Engels im britischen Exil, in dem er bald ein halbes Jahrhundert verbracht hatte; seine Asche wurde seinem letzten Willen gemäß ins Meer gestreut, und lange trauerte die sozialistische Internationale um den, der nach dem Tode von Karl Marx in guten und bösen Tagen ihr bester uitb bewährtester Berater gewesen war. Heute aber, zur vierzigsten Wiederkehr dieses TrauertagS, gibt die russische Sowjetunion Briefmarken mit dem Porträt von Enge l s in vier Werten aus. .Ich habe", bekannte Engels gelegentlich, „mein Leben lang das getan, wozu ich gemacht war, nämlich zweite Violine spielen... und ich war froh, so eine famose erste Violine zu haben wie Marx". Diese allzu weit getriebene Bescheidenheit verführte durch Jahr und Tag zu falscher Einschätzung des Teils von weltgeschichtlichem Verdienst, der auf jeden der beiden Partner des seltenen Freundschaftsbundes entfiel: Marx galt als der große, geniale Schöpfer, Engels als sein hochbegabter, aber auf den andern angewiesener Helfer. In Wirklichkeit war Marx so gut auf Engels angewiesen wie Engels auf Marx. Jeder war der Gebende, jeder der Empfangende; vielfältig ereignete eS sich, anfangs selbst auf dem Felde der Nationalökonomie, daß Engels mehr als Gebender denn als Empfangender dastand. Vieles und Wichtiges gerade der wirtschaftlichen Grundlagen ihrer Lehre stammt aus seiner nie rastenden Gedankenwerkstatt, und es wird immer eine jener Ungerechtigkeiten sein, um die eine auf Kürze bedachte Terminologie nicht herumkommt, wenn man den wissenschaftlichen Sozialismus als Marxismus etikettiert; der blonde und blauäugige Rheinländer, in Aussehn, Haltung und Gebärde der echteste Germane, wie er in dem bei N. V. Martinas Nijhoff(Haag) erschienenen zweiten Band von Gustav MayerS klassischer Engels-Biographie besonders plastisch vor uns steht, hatte den gleichen Anteil an ihrer Herausarbeitung und Formung wie der schwarzhaarige, dunkle Sproß eines alten Rabbinergeschlechts. Eine Flamme, die von früh an in seiner Brust unverlöschbar brannte, erleuchtete E n g e ls den Weg aus den dumpfen Niederungen des Wuppertaler Muckertums zum Gipfel der Geistesfreiheit und von dem Kontorschemel des väterlichen Tuchschachers auf das Feld, auf dem es der Ueberwindung jeden Schachers galt. Welche sprühende Fülle von Begabung brachte der junge Barmer Kaufmannssohn zu dem gewaltigen Werk mit, das er nicht erst mit seinem klassischen Buch über„D ieLage der arbeitenden Klassen in England" begann! Fiebernder Erkenntnisdrang paarte sich ihm mit der Fähigkeit, die Welt und ihre Entwicklung in großen Zusammenhängen zu sehen, und was er selbst durchdrungen hatte, verstand er in einem klaren, glänzenden Deutsch:„Lieber straff als schlaff!" für andere durchsichtig zu machen. Welch« staunenswerte Summe von Einzelkenntnissen ist, um von Schriften wie„D ie Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" und„L u d w i g F e u e r« buch und der Ausgang der klassischen Philosophie" und von der Fertigstellung des zweiten und dritten„Kapital s"-Bandes gar nicht zu reden, in Werken wie dem„Ursprung der Familie" und dem „Antidühring" mühelos verarbeitet: Geschichte, Nationalökonomie, Philosophie, Politik, Kriegswesen, Gesetzgebung, Literatur, Mathematik und Naturwissenschaften— um mathematisch und naturwissenschaftlich ganz sattelfest zu werden, setzte Engels nach dem Austritt aus der ererbten Baumwollspinnerei in Manchester den besten Teil von acht Lebensjahren in dieses Studium. Auch sein verblüffendes Sprachtalent ließ er nicht brachliegen, das ihn allein zum geborenen. Mentor und Mittler einer in vielen Zungen redenden internationalen Bewegung machte. Die großen europäischen Sprachen beherrschte er so ziemlich alle und manche kleine überdies;.eine Weile dachte er daran, eine vergleichende Grammatik der slawischen Sprachen zu schreiben, und lernte bei Gelegenheit so nebenbei Persisch, voll Freude jetzt „den liederlichen alten HafiS" im Urtext lesen zu können. Mussolinis Antwort: Krieg London. Reuter meldet aus Rom, Italien werde zu nichts weiter bereit sein, als seinen Fall auf der geplanten Dreimächte- Konferenz zu vertreten. Jeden Versuch einer Beeinflussung oder der Ausübung eines Druckes werde es ablehnen. Zn Italien erkläre man immer noch, dah der Konflikt nur„durch militärische Aktivität" geregelt werde« könne. Diese Ansicht werde durch den neuen Nnf Mussolinis zu den Waffe» unterstrichen. Man glaube, dah 100.009 Mann aufgerufe» werde«, so datz Italien eine Million Truppen unter den Waffen haben werde. Gutinformierte italienische Kreise erklären, dah es zu keiner befriedigenden Regelung der abessinischen Frage ohne mUUärische Operationen kommen könne und dah Abessinien die Stärke Italiens kennenlernen müsse.Trotzdem wird aber wahrscheinlich die Einberufung weiterer 160.000 italienischer Soldaten hinausgeschoben werden. Seite 2 Sonntag, 4. August 193!» Nr. 180 Denn als Mensch war dieser Kämpfer und Forscher alles andere als ein, seinen eigenen Ausdruck zu brauchen,„finsterer Gesinnungslümmel". Die reichen Einkünfte, die dem Teilhaber derFirmaErmenLEngelS zuflofsen, erlaubten ihm nicht nur, mit einer großartigen Selbstverständlichkeit die von allen möglichen Schicksalsschlägen heimgesuchte Familie Marx finanziell über Wasser zu halten, sondern auch selber von schmackhafteren Dingen zu leben als von Heuschrecken und wildem Honig. Wenn es sich so bot, ritt er mit Vergnügen eine Fuchshehe des englischen Landadels mit, und in so manchem seiner Briefe an Karl K a u t s k h, die dieser bald einundachtzigjährige Nestor der zweiten Internationale soeben unter dem Titel„Ausder Frühzeit des Marxismus" mit einem höchst aufschlußreichen verbindenden Text im Orbis-Verlag, Prag herausgibt, geht sehr eindringlich von gutem Pilsner und Bordeaux die Rede. Von seinem siebzigsten Geburtstag etwa berichtete der Gutgelaunte:„War auch draußen kein Nebel, so doch um halb vier in meinem Kopf, als ich zu Bett ging", und selbst mit kleinen Kindern aus dem Kreise seiner Nächsten kindlich zu spielen, fand der in soviel Arbeit Verstrickte Zeit und Lust. Aus den Briefen anKautsky erhellt auch, inwiefern Engels unserem Geschichtsabschnitt näher steht als Marx. Da er seinen Freund um ein Dutzend Jahre überlebte, wurde er Zeuge einer Entwicklung, die 1883 erst in minder deutlichem Umrissen sichtbar war. Die Durchsetzung der Weltpolitik mit imperialistischen Tendenzen, das russisch-französische Bündnis, der Anfang der transsibirischen Bahn und der japanisch-chinesische Krieg fallen ebenso in diese Zeit wie der Beging der deutschen Kolonialpolitik, der Sturz Bismarcks, das Ende des Sozialistengesetzes und der Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie. Niemand bewies ein so feines Gefühl für das leise Zittern der Erdoberfläche, das den Weltkrieg anksindigte, wie Engels; auch lebte und webte er in der Vorahnung sich anschließender revolutionärer Ereigniffe und hatte dabei volles Vertrauen zur Reife und Tatkraft der deutschen Arbeiterklasse.„Zum erstenmal in der Geschichte", schrieb er an K a u t s k y,„steht eine solid geschlossene Arbeiterpartei als wirkliche politische Macht da, entwickelt und großgewachsen unter den härtesten Verfolgungen, unaufhaltfam einen Posten nach dem andern erobernd, frei von allem Philistertum im philiströsesten, frei von allem Chauvinismus im siegestrunkensten Land Europas— eine Macht, deren Dasein und Anschwellen den Regierungen und den alten herrschenden Klaffen ebenso unbegreiflich und geheimnisvoll ist wie das An- schwellen der christlichen Flut den Gewalten des untergehenden Römertums, die aber ebenso sicher und unaufhaltsam sich emporarbeitet wie damals das Christentum/ so sicher, daß dle Gleichung ihrer wachsenden Geschwindigkeit und damit der Z e i t- punkt ihres schließlichen Sieges sich schon jetzt mathematisch berechnen läßt". Das„frei von allem Philistertum" allerdings war nur mit einem Körnchen Salz zu verstehn, denn wiederum kannte niemand besser als Engels die„verdammte deutsche Schlappheit des Denkens und des Wollens". Mit Unbehagen und nicht ohne Besorgnis stellte der große Antiphilister fest, daß„das alte Erbgift der Philfsterborniertheit und Phi- listerschlappigkeit" auch in der sozialdemokratischen Partei zerstörend wirke, aber gegen den„Spießbürger-Sozialismus", der ihm so un sterblich schien„wie der deutsche Spießbürger selber", hoffte er auf den gesunden Sinn der Arbeiter. Daß diese Miflionenpartei durch einen weltgeschichtlichen Sturm wie ein leckes Schiff auf den Strand geworfen werden könne, hielt er wohl in alle Ewigkeit für undenkbar, denn so sehr er, von der Relativität der Dinge überzeugt, platte Generalisierungen wie die von der„einen reaktionären Masse" ablehnte, so sehr er jeder sinnlos putschisti- schey Losschlage-Taktik widerstrebte, so sehr er als Ergebnis der kommenden Revolution zunächst die bürgerliche Republik erwartete, von so sprühender Aktivität war er bis in seine alten Tage. Was ihn als Jüngling zu Siegfried zog, die Abneigung gegen„das ewige Ueberlegen" Danzig. Die polnischen Zollstellen an der Danzig-polnischen Grenze haben ab SamStag mittag- 12 Uhr die Grenze für die Einfuhr sämtlicher Waren auS dem Gebiete der Freien Stadt Danzig«ach Polen gesperrt. Der Warenverkehr in umgekehrter Richtung wickelt sich weiterhin ungestört ah. Wettere Maßnahmen Aus Warschau wird gemeldet: Der Jnhcflt der ablehnenden Note des Danziger Senates an die polnische Regierung hat in Warschau starken Eindruck gemacht. Allgemein wird angenommen, daß die polnische Regierung mit ihren Gegenmaßnahmen nicht lange zögern wird, obwohl bis zur Stunde noch gänzliche Desorientierung darüber herrscht, welcher Art diese Maßnahmen sein werden, und insbesondere, ob sich die polnische Regierung mst der Ergreifung weitgehender wirtschaftlicher RetorsionSmaß- nahmen, wie z. B. Schließung der Der Boykott reichsdeutscher Waren Die„PragerPresse" beschäftigt sich in ihrem freitägigen Leitartikel mit der inneren Lage Deutschlands, unter anderem mit der Judenfrage. Es heißt da am Schluffe des Aufsatzes: „Die Nationalsozialisten führen bekanntlich den Boykott des deutschen Exports auf die internattonale Solidarität der Juden zurück. Sie haben ohne Zweifel damit recht, aber sie haben nicht recht, wenn sie die deutschen Juden dafür verantwortlich machen und vS sie büßen lassen oder gar von ihnen fordern, ihren Einfluß gegen den Boykott bei ihren ausländischem Glaubensgenossen zur Geltung zu, bringen. Di« deutschen"Juden könnten da verhältnismäßig wenig tun, selbst wo sie wollten. Aber die Rattonal- sozialisten haben insofern auch nicht ganz recht, weil der Boykott deutscher Waren keinesfalls allein auf jüdische Propagandä und Solidarität zurückgeht, wie besonders die Bereinigten Staaten zeigen. Dort haben sich Katholiken und Juden zulanunengetan, um die Einfuhr aus dem Dritten Reich gemeinsam zu bekämpfen und mtt der wirksamen wirttchaftlichen Waffe dem Nationalsozialismus entgegenzutteten. Die internattonale Solidarität der Katholiken ttitt ebenso in Erscheinung wie die der Juden. Aber die Sympathie mit den Verfolgten und Unterdrückten DeuttchlandS geht über Katholiken und Juden hinaus, und wenn die Gegner des Nattonal- und gegen„die philiströse Frucht vor der frischen Tat", blieb ihm immerdar treu. Wie er in der ReichsverfaffunSkampagne von 1849 als Adjutant W i l l i ch s unverzagt durch preußischen Kugelhagel gefegt war, so gedachte er, wenn es wieder einmal losging, selbst zu Pferde zu steigen, und nicht nur wegen seiner tiefgründigen Beschäfti- gung mit den Kriegswiffenschaften trug er bei seinen Freunden den von ihm gern gehörten Beinamen„Der General". Und so lautete das Telegramm, das Kautsky am 6. August 1895 von dem Ableben des Altmeisters verständigte: „General yesterday night 10.30 peacefully gone" I„General gestern nacht 10 Uhr 30 friedlich hin- >gegangen". Grenze Polens gegen Danzig und gänzliche Ausschaltung desDanziger Hafens von dem polnischen Ueberseehandel begnügen oder Repreffalien anderer Art anwenden wird, die ihr auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrages und der Pariser Konvention zustehen. * Gleichzeitig bringt die opposstionelle Preffe di« aufsehen'erregende Mitteilung, daß Senatspräsident Greiser erst vor kurzem i n B e r- l i n weilte, wo er längere vertrauliche Konferenzen mit Vertretern der deutschen Reichsregierung abgehalten hätte. Die Warschauer oppositionelle Preffe zieht daraus den Schluß, daß Greiser, der sich entschlossen hat, alle in dem Zeitraum von 15 Jahren zwischen Polen und Danzig abgeschloffenen Verträge zu brechen, in den Berliner Konferenzen sich vorher die Unter st ützung B e r l i n s in der weiteren Entwicklung des Konfliktes mit Polen sichern wollte. sozialismus innerhalb Deutschlands recht machtlos find, so find sie es nicht außerhalb Deutschlands. Das ist keine politische Einmischung, sondern einfach eine Kundgebung von mitempfindenden und mitdenkenden Menschen, die eine ihnen bekämpfenswert erscheinende Weltanschauung, ein ihnen reaktionär erscheinendes Regime und seine Methoden ablehnen. Aus den verschiedensten Ländern kommen wieder Meldungen', daß der Boykott deutscher Waren, der schon nachzulas- fen schien, beträchtlich zunimmt." Schwertfeser wird hlngerichtet! Wie wir erfahren, soll in den nächsten Tagen der Redakteur Schwertfeger von der^t,Berliner Börsenzeitung" hingerichtet werden. Er ist vor einigen Wochen verhaftet worden, weil er eS gewesen sein soll, der die Zensurbefehle des Goebbels an die Preffe-Ausländskorrespondenten mit- geteilt hat. Da diese Schweigdittate die grenzenlose Verlogenheit der amtlichen Friedensphrasen gerade;« notorisch erwiesen, erklitte man ihre Weitergabe alS Landes- und Hochverrat«nd verurteilte Schwertfeger heimlich zum Tode. Die ehemals rechtsdeutschnationale„Berliner Börsenzeitung" gilt zwar alS Organ deS Reichswehrministeriums, aber da sich die Goebbelsverbott zumeist auf RüstungSdinge bezogen, ist mit einer Rettungsaktion BlombergS für Tchwertfeger wohl kaum zu rechnen. Otto Strasser In Griechenland Paris. Havas meldet aus Athen, daß laut den Informationen der griechischen Polizei Otto Straffer, der ehemalige Vertrauensmann Hitlers und nunmehrige Führer der sogenannten „Schwarzen Front" aus der Tschechoslowakei nach Griechenland gekommen ist. Straffer besitze einen ordentlichen Paß und fuhr zunächst zu seiner Frau nach Samos. Bor einigen Tagen verließ er jedoch die Insel Samos und seither hat die Polizei seine Spuren verloren. Sobald man Straffer auffinde, werde er aus Griechenland ausgewiesen und unter Polizeieskorte an die Grenze geschafft werden. Otto Straffer wird beschuldigt, daß er beabsichtige, das Zentrum seiner Propaganda nach Griechenland zu verlegen. Albaniens Arbeitsminister — Schmugglerführer Tirana. König Achmed Zogu von Albanien hat seinen M in i st e r für öffentliche Arbeiten Atim Saraktchi unter der Beschuldigung verhaften laffen, Schmuggel bettieben zu haben. In Albanien besitzt der Staat das Monopol für die Fabrikatton von Zigaretten-Papier. Seit längerer Zeit wurde bemerkt, daß die- Einnahmen aus diesem Monopol erheblich sinken. Eine Untersuchung brachte zutag«, daß Zigarettenpapier in großer Menge aus Oesterreich eingeführt wird, und daß sich grciße Vorräte besonders im Hause des genannten Ministers befinden. Der Minister selbst stand an der Spitze einer Schmugglerbande. Bulgarische Armee wird von Republikanern„gereinigt* Sofia.(Tsch. P. B.) Der Oberste Militär« rat beendete dieser Tage seine Tagung, die unter dem Vorsitz des Kriegsminister General Canew stattfand. Er befaßte sich hauptsächlich mit der Wiederherstellung der Disziplin im Offizierskorps. Es wurde beschlossen, einstweilen etwa zehn Offiziere zu pensionieren, die dem Führer der Kapitänsliga, dem Obersten in der Reserve, Damjan Weitsche w, der vor einer Woche Bulgarien verließ, nahestehen. Nach und nach sollen noch weitere 20 bis 30 Offiziere in den Ruhestand versetzt werden. Wie verlautet, werden dieser Tage etwa 250 Offiziere, die gleichfalls Anhgyger Weltschews sind, in verschiedene Pro« vinztzattttsonen versetzt^werden."' Die betteffen« den Ukase sind bereits ausgeferttgt, wurden aber vom Zaren, der in Euxinograd bei Barna weilt, bisher noch nicht unterschrieben. Insbesondere werden Oberst Kalende« row, der ehemalige Minister des Innern, Kolew, der ehemalige Vertreter des Kommandanten der Reserveoffizicrsschule, K r a ft e w, und Oberstleutnant Stojtschew pensioniert werden, welch letzterer am 19. Mai 1934 Kommandant der Leibwache des Zaren war, in welcher Funktion er viel zu dem Erfolge des vorjährige« Umsturzes beitrug. Vorher war Stojtschew Militärattache in Paris und in London. Er ist in europäischen Sporttteisen als einer der beste« bulgarischen Reiter bekannt. Polen sperrt die Grenze nach Danzig 86 Roman von Emil Ynrh^k* Deutsch von Anna Aurednltek Als Beinsteller, der glückliche Bräutigam, aus seiner Trunkenheit erwachte und Sophie in die Arbeit begleitet hätte, ging er mit der Miene eines Menschen einher, der süße Trauben genascht hat und einen sauren Apfel nachessen soll. Vor der Polizeidirektion angelangt, dachte er:„Ich kann die arme Loisis doch nicht stocken lassen", und ttat, ohne zu zögern, ein. »Lieber Herr Beinsteller", sagte der Beamte, der ihm respektvoll einen Stuhl anbot,„es handelt sich nicht um das Mißverständnis, daS ist schon aufgeklärt. Aber die Loisis hat ja die Hälfte unserer Zijkover Mannschaft zerkratzt. Die Worte, die sie dabei gebrauchte, kann man überhaupt nicht wiederholen. Das war ja öffentliche Gewalttätig- keit." „Stellen Sie sich vor, Herr Kommiffär", erwiderte Beinsteller,„daß Ihnen jemand einen Taufender gibt und sagt: Geh und kauf was Gutes ein. Und Sie gehen mit dem Tausender, den sie zum erstenmal im Leben sehen, kaufen ein und trinken, während man das Geld wechselt, ein paar Stamperln Schnaps. Nachdem Sie das Kleingeld bekommen haben, gehen Sie nach Hause und sagen sich: Herrgott, der Schnaps kribbelt im Magen, ich muß etwas effen. Und Sie essen ein paar Russen, worauf Sie wieder Durst bekommen. Jetzt will ich den Wermut kosten, der dem Ferdl gehört, sagen Sie dann. Der Ferdi ist gewiß nicht böse. Dann kriegen Sie wieder Appetit auf die Fische, worauf sich neuer Durst entwickelt. Der Wermut ist alle geworden und Sie öffnen eine Flasche Potter. Wenn dann drei leere Flaschen vor Ihnen stehen und Sie alle dreifach sehen, kommen Leute und sagen:„Sie sind ein Falschmünzer!" Stellen Sie sich das-vor! Sie haben den Tausender be- kcmmen, haben Schnaps, Wein, Porter und wieder Wein in sich und sagen dann ein Wort oder zwei. Drauf versetzt Ihnen Herr Sach, der wegen seiner Sitten berühmt ist, einen Schlag. So geht es weiter, bis 8 81 daraus geworden ist. Und drei zerkratzte Wachleute. Wie möchten Sie sich in dieser Patsche fühlen?" Der Kommiffär überlegte und sagte dann: „Wissen Sie bestimmt, daß die drei Flaschen leer waren und daß Loisis so gemischt hat?" „So wahr ein Gott über mir ist", log Beinsteller ritterlich.„Sie können ja hingehen und sich's anschauen. Der Alkohol sttntt jetzt noch aus allen Winkeln." „Dann laffen wir sie wegen Trunkenheit einsperren", sagte der Beamte. „Glauben Sie nicht, Herr Kommiffär, daß das arme Weibsbild schon ost genug unschuldig eingesperrt war? Haben Sie vergeffen, daß sie wegen der gestohlenen Mobilisierung gesessen ist, von der sie überhaupt nichts wußte? Sitzt sie heute nicht wieder wegen einer Sache, zu der sie so unschuldig gekommen ist wie der Pilatus ins Credo? Und wenn sie sich dort erhängt? Was dann? Wollen Sie sich das aufs Gewissen nehmen?" „Na, schön", sagte der Kommiffär,„ich will es vorderhand einstellen und oben anfragen, was ich tun soll." „Tun Sie das, Herr Kommiffär, und sagen Sie, da der Beinsteller für sie bittet. So, und jetzt laffen Sie sie vorführen und lesen Sie ihr die Leviten. Ich weiß, das laffen Sie sich nicht entgehen; aber dann soll sie laufen. UebrigenS können Sie ihr sagen, daß sie wieder eingesperrt wird, falls sie mich belästigt." Als die Loisis vorgeführt wurde und man ihr mitteilte, daß sie straflos ausgehen werde, machte diese Mitteilung gar keinen Eindruck auf sie. „Ich möchte mir ausbitten, daß man mich ins Unglück bttngt und mich dann dafür noch bestraft", schnaubte sie die beiden Männer an. „Nicht ich— dieser Lump", sie wies auf Bein- fteller,„der muß eingespertt werden." „Aber Loisis", beschwichtigte der Beamte, „Herr Beinsteller hat sich so edel gegen Sie benommen und Sie führen sich so auf?" „Edel nennen Sie das? Da ist die Loisis andrer Meinung. Glauben Sie, ich weiß nicht, daß er reich geworden ist und mich mit seiner Für- spräche abschüttelt, die niemand von ihm verlangt hat? Dazu ist die Loisis zu gescheit. Du buckliger Lausbub, du willst den langen Haubenstock heiraten? Du hast mich mst dem Tausender prellen wollen, damit du mich loswirst?" „Aber Loisis!" schrie der Kommiffär, ,Lerr Beinsteller..." „Herr Beinsteller", rief Loisis mit höhnischem Lachen,„da schau, jetzt ist er schon der Herr Beinsteller, die Loisis aber muß natürlich die Hure bleiben. Herr Bcinsteller hat mir die Ehe versprochen» und er ist ein Trottel, auch wenn man ihn Herr Beinsteller nennt, wenn er glaubt, daß ich ihn für den Schmarren freigebe." „Was willst du eigentlich von mir, Loisis?" fragte Beinsteller. „Eine Million", erwiderte Loisis, ohne mst der Wimper zu zucken.„Ich will die Hälfte von dem, was du bekommen hast. Mindestens eine Million— dann sind wir quitt." Es dauerte lange, ehe Loisis überzeugt war, daß Beinsteller keine Belohnung angenommen hatte. Sie glaubte es erst, als sie es in allen Zeitungen las. Dann sagte sie:„Mach, daß du fortkommst! Werfen Sie den Menschen hinaus, Herr Kommiffär, sonst werf ich ihn hinaus! So ein Geschäft konnte er machen und nimmt nicht einen Heller! So einem Teppen muß ich nicht nachweinen, der hätte mich nie ernährt!" „Ich werde an dich denken, Loisis, wenn es mir einmal gut gebt", sagte Beinsteller. „Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich krepiere« kann, bis ich einmal abzieh'", kreischte die Loisis. „Ich hab schon meinen Wohltäter gefunden; er ist bucklig und hat sein Handwerk verlernt. Aber es ist besser als nichts..." Sie sah dabei so aus, daß Beinsteller unwill« kürlich zurückwich. Er hatte Angst, daß sie sich auf ihn sttirzen könnte. Aber Loisis fiel plötzlich zu Boden und konnte nur schluchzen, als man sie aufhob: trotzdem kam der erwartete hysterische Anfall nicht. Das Schluchzen verwandette sich in Weinen und wurde immer leiser. Beinsteller stand neben ihr und streichelte ihre Haare. Jetzt flüsterte sie:„Warum hast auch du mich verraten, Ferdl? Das hättest du mir nicht antun sollen— jetzt bin ich wirklich unglücklich." Das achtundzwanzig st e und letzte Kapitel schildert eine feierliche Hochzeit im Altstädter Rathaus. Ein angenehmer Herbsttag, ein Sonnabend, der Tag der bürgerlichen Hochzeit. In Kriegszeiten, als eS viele Tote gab, begrub man die Armen in gemeinsamen Maffengräbern. Jetzt gibt es viele Hochzeiten, aber nur ein Rathaus. Dort werden die Eheanwärter in Gruppen, sozusagen en bloc, in den ehelichen Hafen geworfen. Der Bürgermeisterstellvertreter, der diese Arbeit bewältigt, wartet im Salon. Die Gänge und Säle find voll von Hochzeitspaaren, Verwandten, Freunde« und Neugiettgen. Auch Magda stand auf dem Gang; sie war ganz in Weiß, das traditionelle Kränzlein aus grüner Myrthe im Haar. Georg, der sich an ihrer Rockfalte hielt, war das naive und lebende Ausrufzeichen zu diesem Kränzlein. Herr Foltr war blahgrüner als gewöhnlich, in festlichem Schwarz mst blütenweißer Krawatte. (Fortsetzung kolat.V Rr. 186 Sonntag, 4. August 1938 Sekte 3 tfudetendeutscfieT Zeitspie&et Staatlicher Buchwart-Lehrsans in Teplitz-Schönau Der vom 8. bis 27. Juli in den Räumen der Stadtbücherei abgehaltene dreiwöchige staatliche Buchwartelehrgang, der gleich seinen Vorgängern, die Aufgabe verfolgte, den Teilnehmern einerseits eine gediegene theoretische Unterweisung zu geben und sie andererseits vraktisch in denjenigen Arbeiten auszubilden, die in den öffentlichen Gemeindebüchereien der Orte mit weniger als 10.000 Einwohnern au leiten sind, war von 50 Hörern(36 Männern und 12 grauen) besucht. Die starte Beteiligung ist sicherlich nicht zuletzt auf die herrschende allgemeine Beschäftigungslosigkeit zurück- zuführen. Der Berufsstellung nach waren unter den Hörern 13 Arbeiter, 16 Angestellte, 13 Lehrer und Professoren, 7 Studierende und ein Kaufmann. Fast die Hälfte(22) gehörte der Altersstufe zwischen 20 und 30, 13 der zwischen 30 und 40, 7 der jstvischen 40 und 60 Jahren an, zwei Teilnehmer zählten weniger als 20, sechs mehr als 60 Jahre. .. Zwei kamen aus Mähren-Schlesien, die übrigen aus verschiedenen Gebieten Böhmens; besonders Westböhmen war start vertreten. Vortragende waren Archivrat Dr. M o u ch a, Direktor der Bücherei der technischen Hochschulen in Prag, Dr. Elisabeth Schenk, Leiterin der deutschen Zentralwanderbücherei, Prof. Oskar Dreyhausen, staatlicher Bücherei-Instruktor, Buchwartin Berta Hein und Fachlehrer H e r g e t, staatlicher Bildungsreferent. Der Hauptteil der 100 Unterrichtsstunden war der Einführung in die Büchereiverwaltung, der Kata- logisationslehre und der Unterweisung in den für unsere Gemeindebüchereien besonders in Betracht kommenden Erscheinungen des deutschen und ausländischen Schrifttums gewidmet. Daneben wurden die Hörer mit der gesetzlichen Regelung des öffentlichen Büchereiwesens in unserem Staate, mit der besonderen Bedeutung der Stellung des Buchwar- tes, mit den gesetzlichen Vorschriften über die Ge- Meinde-Gedenkbücher, die Ortsbildungskommissionen und die Bezirksbildungsausschüffe usw. be- lannt gemacht. Der aus einer schriftlichen Arbeit und einem mündlichen Examen bestehenden Prüfung unterzogen sich 46 Teilnehmer; das Ergebnis war in 19 Fällen ein sehr gutes, in 23 ein gutes, in 4 Fällen ein genügendes. Als Vorsitzender der Prüfungskommission und Vertreter des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur fungierte Sektionsrat Dr. F. Kovar. Gelegentlich der Verteilung der Zeugnisse am Nachmittag des 27. Juli hielt der Geschäftsleiter des Kurses, Fachlehrer Herge t, eine Ansprache, in der er die Bedeutung hervorhob, die unseren Gemeindebüchereien und ihren Buchwarten bei der Erziehung des Volkes zur Demokratie zukommt. Es wird immer gemütlicher bei«ns. Die „R a n n i n o v i n berichten, dass anläßlich des HenleinfesteS in N e s ch w i tz a. E.— einer alten Nazihochburg— der Ort mit Fahnen und Girlanden festlich geschmückt war, daß aber neben den deutschnationalen Fahnen nur wenige Staatsfah nen zu sehen waren. Als besonders bezeichnend führt das Blatt an, daß die Gebäude der P o st, der Gendarmerie und desBahn- hofsvorstandes zwar keine Staatsflaggen, Wohl aber schwarz- rot-goldene aufwiesen und daß bei der Gendarmeriestation das Wappenschild mit dem Löwen einen Kranz von Eichenlaub trug. Da sage noch jemand, daß die Nazi nicht loyale demokratische Staatsbürger sind! Und von den berufenen Hütern der Staatsautorität wundere sich niemand, wenn man sie in den nazistischen Kreisen so ernst nimmt wie Hitler etwa den Völkerbund! Krach In der Volksgemeinschaft Troppauer Parteiversammlung der SdP aufgeflogen I In der Partei der„Volksgemeinschaft" gibt es, wie wir schon wiederholt berichteten, mächtigen Stunk. Besonders in Schlesien und Nordmähren hat die Krise der Henleinbewegung großen Umfang angenommen. In der schlesischen Metropole, in der die Henleinbewegung bei den Wahlen einen gewaltigen Erfolg errungen hat, so daß die Henleinleute glaubten, die Stadt sei schon restlos in ihrem Besitz, ist die Partei der„Volksgemeinschaft" in voller Auflösung begriffen. In einer Versammlung in Troppau hat ein Teil der Rivalitäten, die zwischen den führenden Troppauer Henleinleuten herrschen, eine Rolle gespielt, nämlich der Gegensatz zwischen dem Oberteilherrichter Stecker, der jetzt die Ortsgruppe leitet, und dem Mitgründer der Troppauer Hen- leinpartei, Dr. Hampl-Zattig, auf den die jungen Leute schwören. Dr. Hampl-Zattig, den man des Verrates an der Partei verdächtigt hat, war schon vor der Versammlung aus der Partei ausgeschlossen worden, und zwar im Kurzverfahren eines jener Schiedsgerichte, durch die die Kommandanten der Henleinfront alle Mißliebigen rasch entfernen. Man hört, daß die Anschuldigungen gegen Dr. Hampl-Zattig durch nichts bewiesen wurden und daß bei dem ganzen Kampf viel persönliche Ränkesucht im Spiele ist.— Ein großer Teil der früheren Nationalsozialisten ist auf der Seite Dr. Hampls. Die Troppauer Mitgliedschaft hotte erwartet, daß in der Monatsversammlun», an der der Gauleiter B a r w i g, also ein„hervorragender" Führer, teilnahm, die Machenschaften zur Sprache gebracht würden, die neben dem Streit Dr, Hampl-Stecker die Gemüter der Troppauer Hen- leinanhänger erregt hatten; es handelt sich da vor allem um das Verschwinden von Einnahmegeldern, die für die Unterstützuno der Arbeitslosen bestimmt gewesen sind. Aber Herr Barwig, der schon manches gewöhnt sein mag, hat darüber geschwiegen und seine Troppauer Kumpane auch. Offenbar um von den Troppauer Dingen abzulenken und das Reinlichkeitsbestreben der Henlein- Partei darzutun, wurde einiges über die Unterschlagungen B i l l(Neu-Titschein) und D o l e- Z a l gesprochen. In der Aussprache wurde das Thema Dr. H a m p l zur Sprache gebracht, und zwar waren die lautesten Rufer im Streit die— Ordner, die zum größten Teil junge Leute aus dem Turnverband und aus der früheren nationalsozialistischen Partei sind. Es ist recht schade, daß die Versammlung, gerade als die Auseinandersetzung interessant zu werden versprach, vom Regierungsvertreter aufgelöst wurde, der— offenbar mit Recht— befürchtet haben dürfte, es werde angesichts der schönen Einigkeitsstimmung der Bolksgemeinschaft- ler zu einer regelrechten Schlacht kommen. SS Gemsen vor den Bremer„Richtern“ Massenprozesse sesen Sozialdemokraten auch In Lelpzlsund Hamburg Die Wiener Schulschande ist wieder da Volks- und Bürgerschulen werden anfgelassen Wien. Die Stadt Wien hat mit Wirkung vom nächsten Schuljahr an die Schließung von Neun Volks- und Bürgerschulen angeordnet. Eine dieser Schulen in der Leöpold- Ernst-Gaffe im 18. Bezirk wird in eine Zins- k a s e r n e umgewandelt werden. Mit dem Umbau wurde bereits begonnen. Statt Schulen— Kasernen Wien. In der P o l i z e i! a s e r n e in der Rarokkanergaffe wird eine Polizeioffiziersakademie errichtet. Das Institut wird im Herbst eröffnet werden. Bor dem Strafsenat des Oberlandesgerichtes in Bremen hat— wie die„Pr. Pr." meldet — ein Monsterprozeß gegen insgesamt 88 frühere Angehörige der SPD. und des Reichsbanners begonnen. Gegenstand des Prozesses bilden die Versuche, das illegaleReichS- banner an der Unterweser und in Rord- hannovcr wieder zu organisieren. Weiter werden sich sechs frühere Sozialdemokraten vor dem Reichsgericht in Leipzig zu verantworten haben, fünf weitere Angeklagte haben bereits in Hamburg vor Gericht gestanden, so daß etwa gegen 100 Personen in diesen Prozeß verwickelt sind. Auch im Auslände hergestrlltes illegales Propagandamaterial sollen die Angeklagten ver teilt Haven. Ihre Bücher und Schriften waren mit wissenschaftlichen Titeln wie„Aristoteles", „Wissen der Dichtkunst",„Schopenhauer über die Religion" usw. getan». Der traurige Fall Torgier Der frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete T o r g l e r, der vor einiger Zeit aus dem Gefängnis Plötzensee entlassen wurde, befindet sich jetzt angeblich in der Reichsführerschule der NSDAP, zu Bernau. Er arbeitet dort an einem Buch, welches seine politische Wandlung vom Kommunisten zum Nazi und Anhänger des Dritten Reiches darstelle. Der Haß tobt sich aus Wien. Der Bürgermeister von Wien hat die Umbenennung der bekannten Wiener Gemeindebauten»Karl- Marx-Hof" und .Friedrich-Austerlitz-Hof" in »Heiligenstädter Hof" und„Raben-Hof" angeordnet. Schuschnigg eröffnet Mussolinis Aufmarschstraße Wien. Samstag vovmitag wurde die neuerbaute, größte und höchstgelegene österreichische Alpenstraße auf den Großglockner feierlich eröffnet. Diese Straße ist 46 Kilometer lang und verbindet Salzburg und Kärnten auf der Linie Bruck—Funsfern leiten—Heiligenblut. Der Bau der Straße dauerte 8 Jahre und kostete 26 Millionen Schilling. Beim Bau sind 18 Arbeiter ums Leben gekommen. Der wahre Grund der eiligen Fertigstellung der Glocknerstaße liegt natürlich nicht in ihrer Bedeutung für den Fremdenverkehr, sondern in ihrer außerordentlichen militärischen Bedeutung für Herrn Mussolini. Es ist auch rin offenes Geheimnis, daß in der Bauleitung Mitglieder des italienischen General- ß a b e s beschäftigt waren und daß während der letzten Jahre der allergrößte Teil des Geldes für die Erpreßarbeit an der Fertigstellung der Straß« aus italienischen Quellen stammte. Die Glockner- Itraße bildet für Mussolini gegebenenfalls ein iheales Aufmarschgebiet in Oesterreich, sie verkürzt u. a. den Weg von Venedig nach Salzburg um 160 Kilometer. Und da Mussolini ja Oesterreich nicht zum Vergnügen zu seinem Kolonialland gemacht hat, ist die Eile der Fertigstellung und die freudige Feierstimmung seiner Statthalter sehr begreiflich. Kleine Wochenschau Hoffentlich erholt sldi der Führer Henlein In England gut Schlechte Verständigung zwischen Laval und Mussolini 2^—i /vt .Ff'* IT —•\ 1 1 i z Wir brauchen die Heimwehr, sie ist so eine gute Kulisse für die Nazis Danzig— Danzig denk an die deutsch-polnische Freundschaft Helmuth von Gerlach gestorben Aus Paris kommt die Kunde, daß Helmuth von Gerlach, fast ein Siebzigjähriger, an einem Herzschlag gestorben ist. Sein Leben war Fehde. Fehde gegen den Ungeist und gegen das Unrecht eines altpreußischen Herrentums, das er kannte, weil er selbst aus seinen Reihen kam.„Alles verstehen, heißt alles verzeihen"— aber viel wissen heißt auch viel hassen I Die Familie Gerlach hatte dem alten Preußen Minister, Generale und Staatsmänner gegeben. Mit Helmuth von Gerlach gab sie ihm einen unermüdlichen Widersacher. Aus der traditionellen Beamtenlaufbahn schied er frühzeitig aus. In seien Erinnerungen hat er über das Milieu der Jugendjahre aufschlußreichen Bericht gegeben. Gerlachs starkes soziales Wollen führte ihn zuerst auf einen Irrweg. Im„Verein deutscher Studenten" folgte er noch dem sozial maskierten Anti- semifismus der Aera Stöcker. Dann schloß er sich denNationalsozialisten um Friedrich Neumann an. Sie vertrat er auch von 1903 bis 1906 im Reichstag. Wer ein Denken von ehrlicher Unerbittlichkeit fiihrte ihn weiter. Helmuth von Gerlach wurde Demokrat und Pazifist. Beides nüchtern, real und deshalb dem wilhelminischen Kaisertum dotwelt verhaßt. Die Revolution legte in seine Hände die Verhandlungen mit Polen. Er hat sie als preußischer Staatssekretär vorsichtig und versöhnlich geführt. Die nationalistische Meute heulte Verrat. Sie glaubte zum Verhandeln gehöre eine geballte Faust auf den Tisch. Helmuth von Gerlach führte in seiner „W elt am Montag" einen scharfen Kämpf. Wer was seine Gegner als Demagogie schalten, war nichts als das schonungslose Aufdecken der kompromißlosen Wahrheit, ihres Hintergrundes und ihrer Konsequenzen. Gerlach nahm nicht nur zu den großen Fragen der Innen- und Außenpolitik Stellung. Ucber- all wo er Fallen der Bürokratie und Justiz witterte, suchte er das Geflecht mit der Waffe seiner gutgeschmiedeten Sätze schonungslos zu zerreißen. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" hatte in ihm nicht nur einen rührigen Vorsitzenden, sondern einen mutigen Wegbereiter. Im Präsidium der„Deutschen Liga für den Völkerbund" suchte er dem Verständigungsgedanken zu dienen. Nach Stresemanns Tod war dort für ihn kein rechter Platz mehr. Je weiter die deutsche Reaktion fortschritt, um sn lebhafter wurden seine Mahnungen. Aber die Front des Widerstandes, die er forderte, kam nicht zustande. Er selbst, ohne Mitglied einer Partei zu sein, hat einmal sein Verhältnis Zum Sozialismus schlicht festgelegt:„Aber meine Herren, der Sozialismus.ist doch heute die,. Gesinnung jedes anständigen Menschen." Im Dritten Reich war für diesen Mann kein Raum. Nur mit Mühe konnte man ihn bewegen, Deutschland zu verlassen. In Paris wirkte er hingebungsvoll für die Opfer des Hitlertums und jede Zeile, die er schrieb, war ein ungebrochener Protestwille gegen das Deutschland von heute. Sein Leben war Fehde, denn er hatte Glauben. Seine Waffe war Spott, denn er kannte die W elt l O. F. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmeni Montag: Prag, Sender L.: 6.00 bis 7.30: Gymnastik, Musik. 10.06: Deutsche Presse, Wetter. 11.00: Schallplatten. 12.10: Mittagskonzert. 13.15: Schallplatten, 14.00: Deutsche Nachrichten. 15.00 Konzert. 17.50: Schallplatten. 18.05: Schallplatten. 19.00: Deutsche Presse. Wetter. 21.00: Konzert.— Sender S.: 7.30: Konzert. 8.00 bis 8.15: Frauenghm- nastik. 14.00: Lieder. 14.20: Deutsche Sendung.— Brünn: 6.00 bis 7.30: Frühienduna. 11.00: Schallplatten. 13.25: Sozialissformationen. 15.00 bis 16.30: Konzert. 17.40 bis 18.29: Deutsche Sendung. 19.00: Deutsche Presse, Wetter. 20.35: Programm aus Prag.— Müh risch-Ostrau: 6.00 bis 7.30: Frühsendung. 7.80: Schallplatten. 11.00: Schallplatten. 15.00: Konzert. 17.55: Ortsnachrichten. 18.20: Deutsche Sendung, deutsche Presse. Wetter. 22.30: Lieder.— Pretziurg: 6.00 bis 7.30: Frühsendung. 13.35: Deutsche und magyarische Nachrichten. 15.00: Konzert. 19.00: Deutsche Presse.— Kascha»: 6.00 bis 7.30: Frühsendung. 9.30 Schallplatten. 11.00: Schallplatten. 15.00: Konzert. Dienstag: Prag, Sender L.: 6.00 bis 7.30: Frühsen- dung. 10.05: Deutsche Bresse. Wetter. 15.00: Konzert. 16.30: Uebertragung aus dem Baumaarten, Promenadenkonzert. 18.00: Schallplatten. 19.00: Zeit, deutsche Presse. Wetter. 19.10: Schallplatten.' 19.25: Flötenkonzert. 20.30: Vollslieder. 21.00: Konzert. 21.50: Konzert. 22.30: Tanzmusik.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 8.00: Frauengymnastik. 14.15: Deutsche Sendung.— Brünn: 6.00 bis 7.30: Frühsendung. 10.15: Deutsche Presse, Wetter. 11.00: Konzert. 15.00 Konzert. 17.40: Deutsche Sendung, Arbeitersendung, Sozialinformationen. 18.20: Tanzmusik. 19.00: Deutsche Presse, Wetter.— MSHrisch-Ostran: 8.00 bis 7.30: Frühsendung, Schallplatten. 11.00: Konzert. 12.30: Orchesterkonzert. 15.00: Konzert. 18.20: Deutsche Sendung. 21.05: Konzert aus Prag.— Preßharz: 6.00 bis 7.30: Frühscndung. 12.15: Mittagskonzert. 15.00: Konzert. 17.40: Schallplatten. 19.00: Deutsche Presse. Wetter. 21.05: Konzert aus Prag.' — Kaschari6.00 bis 7.30: Frühsendung. 9.30: Schallplatten. 11.00: Konzert. 14.00 Schallplatten. 15.00 Konzert, 20.30: Klavierkonzert. 21.05: lieber» tragung aus Prag. Seite£ Sonntag, 4. August 1935 Nr. 180 Ruffischer Nordpolflug mißglückt Moskau. Der sowjetrussische Flieger L e- wanewski startete gestern um 4 Uhr früh zum Fluge nach San Francisco über den Nordpol. Das ganz« Land verfolgt mit Spannung den Flug des sowjetrussischen Fliegers Lewanewski und seiner Begleiter. Die heutigen Blätter sind vcillauf dem Fluge gewidmet und bringen zahlreiche Photographien, Karten und Artikel Lewanewskis, Baidukows und Lewtschenkos, der Erbauer des Flugzeuges, sowie bekannter Journalisten, Professoren und Polarflieger. Alle heben die außerordentliche Schwie- Oesterreichischer Nazi— Spion in der Tschechoslowakei Koöiee. In Kosice wurde der österreichische Staatsangehörige Anton Gruber verhaftet und in die Hast der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Gruber desertierte im Jahre 1934 aus dem österreichischen Bundesheer und flüchtete nach Deutschland, wo er in die Hitler i- schen Sturmabteilungen eintrat. Durch das bei Gruber vorgefundene Material wurde erwiesen, daß er in der Tschechoslowakei Spionagetätigkeit betrieb. Kindertragödie In Böhmisch-Märzdorf ereignet« sich eine erschütternde Kindertragödie. Vor einiger Zeit starb dcirt ein Mann namens B. H u- d e c, der zwei minderjährige Kinder hinterließ. Die Kinder, die mit besonders großer Liebe am Vater hingen, nahmen sich seinen Tod sehr zu Herzen. Vierzehn Tage nach dem Ableben des Vaters starb sein Töchterchen aus Gram, jetzt hat der Sohn seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. 2000 Häuser eingestürzt— 60 Dörfer vernichtet Neue Schreckensberichte über das chinesische Hochwaffer Schanghai. Infolge anhaltender schwerer Wolkenbrüche in der Provinz F u k i e n wurde die Küstenstadt Tsuanschou und deren Umgebung bis zu fünf Meter u n ter Wasser gesetzt. 2000 Häuser sind eingestürzt. Die Verkehrsverbindungen sind unterbrochen. Augenzeugen berichten, daß 60 Dörfer in der Umgebung von Tsuanschou vollkcenmen vernichtet worden find. Es handelt sich bei dem Unwetter um die größte Ueber- schwemmung, di« in den letzten 100 Jahren die betroffene Gegend heimgesucht hat. Neger-Revolte in Rhodesien London. In den Kupferbergwerksbezirken don Nord-Rhodesien herrscht unter den schwarzen Bergleuten große Unruhe. Polizeiliche Verstärkungen sind aufgeboten worden. Eine Anzahl Agitatoren wurde verhaftet. Auch Truppen sollen nach den Unruhebezirken unterwegs sein. Die amtliche Untersuchung der Vorfälle vom Mai, wo 14 Negerbergleute durch Schüsse von Polizei und Truppen getötet worden waren, hat nicht zur Beruhigung der Gemüter beigetragen. Regierungsbeamte haben zugegeben, daß die Steuererhöhung, dje den Anlaß der Unruhe bildeten, in manchen Fällen zur Verdoppelung der Abgaben der Neger geführt haben. Es wurde erwähnt, daß ein Neger» der einen Weißen beschimpft hatte, eine Gefängnisstrafe erhielt, j»ährend ein Weitzer, der einen Neger durch einen Schuh verwundet hatte, nicht einmal vor Gericht gestellt wurde. Aus dem Reiche des Raffenwahns Liegnitz.(DRB) Die Staatspolizei- stelle Liegnitz teilt mit: Wegen unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit in Verbindung mit Raffenschande und artvergessenem Verhalten wurden in Ligenitz acht Juden und acht arische Mädchen, in Görlitz vier Juden und vier arisch« Mädchen in Schutzhaft genommen. Die Schutzhäftlinge sehen ihrer Ueberführung in ein Konzentrationslager entgegen. Wie eine Greuelmeldung entsteht. Die „Vaster Nachrichten", die dem Geschehen in Hitlerdeutschland gegenüber eine wohlwollende Neutralität bewahren, aber doch nicht— wie unsere Henleinblätter— soweit gehen, das zu verschweigen, was sie erfahren, geben aus dem >,Frankfurter Volksblatt" eine Meldung der Geheimen Staatspolizei in Frankfurt am Main wieder, die besagt, daß dort ein 31jähri- ger jüdischer Kaufmann und seine arische Braut wegen Rassenschande festgenommen wurden. Angezeigt wurden sie von den Eltern der r i g k e i t des Fluges und di« guten Eigenschaften der Flieger, sowie des Flugzeuges hervor. Einige Minuten vor dem Start sandten die Flieger die letzten Grüße an ihr Heimatland und betonten, daß sie im Herzen den Siegeswillen ihres Landes mitnehmen. MitzglLtkt— Notlandung In später Nachfftunde wird gemeldet, daß der Flug aus unbekannter Ursache mißlungen ist. Das Flugzeug mußte um halb 11 Uhr abends auf einem Flugplatz östlich von Leningrad notlanden. Braut, die sich der Verbindung widersetzt hatten. Die Braut, die„verführt" wurde und ein Kind erwartet, ist ins Konzentrationslager geschafft worden, wohin auch der Bräutigam kommen wird, gegen den vorerst ein Verfahren wegen staatsfeindlicher Aeußerungen eingeleitet ist. Zwei Menschen der Freiheit beraubt, wefl sie sich liebten, eine Schwangere im Konzentrationslager, auf Anzeige der eigenen Eltern,— dafür ist das Wort Greuel beinahe schon zu schwach. Aber der Fall ist wieder ein Beispiel dafür, wie die Greuelmeldungen entstehen: sie entstehen dadurch, daß die Greuel im Dritten Reich stattfinden und von der Nazi-Presse auch noch als Ruhmestaten veröffentlicht werden. Genosse Dr. Ludwig Czech, Minister für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung hat seinen Erholungsurlaub angetreten. Verdientes Lob. Wir haben vor einigen Tagen auf den sonderbaren Umstand hingewirsen» daß die„Rote Fahne" anläßlich der Zwischenfälle, die sich beim Umzug der deutschen Turner in Brüx ereignet haben, den Henleinleuten zu Hilfe gekommen ist. In der letzten Nummer der„Rundschau" wird nun diese Kritik des„Sozialdemokrat" an der Hilfeleistung der Kommunisten für die Sudetendeutsche Partei abfällig glossiert und den Kommunisten, bzw. der„Roten Fahne" recht, gegeben. Dieses Lob der Henleinleute haben die Kommunisten wohl verdient. Der Nazi-„Aufbruch" endlich verboten. Das Landesamt in Prag hat die Herausgabe der Zeitschrift„D er Auf bruch" verboten. Die Zeitschrift wird von Otto Karl K n a h l in Prag VII., Bubenflä 19, herausgegeben, in der Druk- kerei„Gutenberg" in Dux gedruckt und erscheint vierzehntägig in Prag. Das Verbot erfolgte, weil ! aus dem Inhalte der Druckschrift ersichtlich ist, daß sie den Zwecken der verboten ende n tfch e n nationalsozia listis ch« n A rb e i- ter Partei(DNSAP) diente. Und solche Hände liegen brach... Der jugendliche Arbeiter Heinrich Pelka in Pilsen, der von seltenen Gelegenheitsarbeiten lebt, baute in seiner reichlichen Freizeit ein Segelflugzeug, das, bis auf einige wenige Konstruktionsfehler, allen Anforderungen entspricht. Heinrich Pelka hat bereits einen Bersuchsflug unternommen. I« die Lust geschleudert. Der Bürgermeister von Eisenberg in Mähren wurde, als er das Mladen von schweren Marmorplatten, die für ein Kriegerdenkmal bestimmt waren, beaufsichtigte, von einem seltenen Unfälle betroffen. Als er auf einem Hebebalken stand, stürzte eine Marmorplatte auf di« andere Seite des Balkens. Der Bürgermeister wurde infclge Hochschnellens des Hebels drei Meter hoch in die Luft geworfen. Beim Fallen auf das Pflaster erlitt er so schwere Verletzungen, daß er sogleich ins Krankenhaus überführt werdrn mußte. Ei««euer Aufstieg in der Tatra. Dieser Tage führten die beiden Mitglieder des tschechoslowakischen Alpinistcntlubs E a b e l k a und Frau Stäflova, die erste Besteigung des Volov-Kammes vom Menguöov-Tal durch die Südwand durch. Diese Wand zu bezwingen, versuchten bereits ftüher heimische und polnisch« Bergsteiger. Antifascistische Demonstrationen auf Malta. Auf der Insel Malta haben•* dieser Tage verschiedene italienfeindliche Kundgebungen stattgefunden. Wie man weiß, hat die englische Regierung vor kurzem den italienischen Sprachunterricht an den maltesischen Schulen verboten. In La Ballette sammelten sich vor einem öffentlichen Gebäude mehrere Hundert.Menschen und riefen:„Es lebe England I" Die Polizei mußte einschreiten, um die Demonstranten zu zerstreuen. Bier Personen sind verhaftet worden. Um weitere Zwischenfälle zu verhüten, wurde das italienische Konsulat durch besondere Wachen geschützt. Druckfehler sinnstörender Art gab es in unserer gestrigen Notiz über das„Mißtönende Musikfest". Dort sollte natürlich von der Karlsbader(nicht Prager) Generalabsage die Rede sein und gleich darauf von den KarlSbader (nicht Prager) Gemeindevertretern. Zigeunerzählung. Bei einer Zählung der Zigeuner, die die Gendarmeriestationen vornahmen, wurde festgestellt, daß in der Tschechoslowakei mehr als 8 0.0 00 Zigeuner über 14 Jahren leben. Ein erheblicher Teil der Zigeuner ist in der Slowakei ansässig. In UZHo- rod haben die Zigeuner ein« eigene Schule. Ei« H«nd bekommt rin Denkmal. Der bekannte sowjetrussische Physiologe Professor Pawlow beantragte, daß auf den Gründen des Instituts für experimentale Medizin ein D e n k- mal des Hundes errichtet werde, der der Gegenstand der häufigsten Forschungen des Professors Pawlow war. Im Sockel des Denkmals werden in Bas-Relief Szenen aus dem Laboratorium des genannten Professors veranschaulicht, in denen der Hund bei den wissenschaftlichen Forschungen eine hervorragende Rolle gespielt hat. Ei«« Viktoria Regia in Pirökany. Dem Botanischen Garten in Pießtany glückt«'eben die Züchtung einer Viktoria Regia in freier Natur, deren Heimat daS südamerikanische Guyana, ist. Die vom Botanischen Institut der Masaryk-Universität Mitte Mai gelieferten Setzlinge wurden auf der Badeinsel in einem Teich, der Zufluß aus schwefelhaltigen Quellen erhält, eingepflanzt. GelegeuheitSstempel aas Postmarken. In der Zeit vom 6. biS 12. August 1932 wird, das Postamt Prag I-, bei. seine» Philatelieschaltern mit dem Gelegenheitsstempel„Slavkov u Brna— ll. Napo- leonske hry." in grüner Farbe mit dem Datum„16 Juni 1936" auf Papierblättern und dgl. aufgeklebt« Postmarken zu 60 Heller und höherer Werte zu philatclistischcn Zwecken abstempeln. Die kalte« Sommernächte dies«» Jahres. Der Temperaturrückgang, welcher nach einem sehr warmen Juni in den letzten fünf Wochen«ingetreten war, ist besonders durch das zeitweise Auftreten ungewöhnlich kühler Rächte chrakterisiert. Die Epo, chen stärkster nächtlicher Abkühlung fielen auf den 8. und 9. Juli und dann auf den 31,'Juli bis 2 August. Die beiden Kältewellen waren verursacht durch den direkten Zufluß polarer Luft, welche sich, nach«ingetretcner Beruhigung und AuS- heiterung, durch nächtliche Ausstrahlung noch weiter abkühlte.— Wahrscheinliches W e t t e t heute: Wechselnd bewölkt und vorwiegend trok- ken. Im Westen der Republik ein wenig kühler, im Osten weiter« Erwärmung. Im mittleren Teil des Staates vereinzelt Gewitterneigung.— Wetteraussichten für Montag: Allgemeine Wetterlage ziemlich günstig. Italienische Truppen marschieren an die Grenze von Abessinien Täglich entsendet Italien neue Truppen-Transporte nach Eritrea. Dieses Bild zeigt italienische Truppen auf dem Bormarsch nach der abessinischen Grenze. Die Oede des Geländes läßt deutlich die Schwierigkeiten erkennen, mit denen die Italiener in diesem Kriegsgebiet zu kämpfen haben. Die Ausgestaltung des tschechoslowakischen Rundfunks Johannisbad. Die Programmkonferenz des tschechoslowakischen Rundfunks auf der Sokol«, baude im Riescngebirge hat Samstag ihre Beratungen abgeschlossen. Die Musiksektion hat u.. a. 20. Musterprogramme für Volks- konzerte, die gleichzeitig Erziehungszwecke« dienen sollen» aufgestellt. Die Musiksektioü empfiehlt auch die Ausschreibung eines Wettbewerbes für die beste Original- rundfunkoperette. Die bereits im Som- merprogramm eingeführten täglichen Nachmittagskonzerte von 15 bis 16 Uhr werden auch im Winterprogramm beibehalten werden. Das Interesse für die musikalische Rundfunkpro- duktion soll auch durch Aufgabe unterhaltsamer musikalischer Rätsel und pädagogische Veranstaltungen gefördert wer-- den. Die slowakische Sektion unterbreitete den Entwurf eines großen Originalprogrammes zur' Feier des 28. Oktober sowie eines Weihnachts-, Neujahrs- und Osterprogrannns. Besondere Aufmerksamkeit wird der Schn» lungvon Rundfunk regisseuren gewidmet werden, für die die Literarisch-dramatische Sektion einen fachlichen Lehrkurs vorbereitet. Die Sekfion behandelte und beantragte auch neue Arten der Propaganda der Literatur und- Belletristik durch den Rundfunk. Im Zu«' smnmenhang damit wurde von dieser Seftion eine Propaganda der öffentlichen Bibliotheken empfohlen, wozu durch Reportagen über die großen tschechoflowakischen Büchereien und durch Informationen für Bibliothekare und die Oeffcntlichkeit durch den Rundfunk beigetragen werden soll. Die Bortragssektion bringt Vortragszyklen. Ferner wurden die vorwiegend für die Hausfrauen bestimmten Bormit«/ tagsrelationen geregelt und mehrere Fragen über das Zusammenwirken der einzelnen Rundfunk«' fiationen behandelt. Das Generalprogramm des tschechoflowakischen Rundfunks wird in einer Sonder-, Publikation veröffentlicht werden. Banditen lasse« mit sich handeln. Der vo«' chinesischen Banditen entführte englische Journa«' list Johnes wird noch immer gefangen gehalten, doch wird erwartet, daß seine Freilassung bald erfolgt. Die Fahndungsstellen sind den Entführ rern auf der Spur und die amtlichen Stellen sind mit den Entführern in Verbindung getreten. Es scheint, daß den Entführern die Verschleppung deS Journalisten selbst unangenehm zu werden beginnt, denn sie gÄben sich bereits mit einem Lösegeld von 10.000 chinesischen Dollars gegenüber^ den ftüher geforderten 100,000 Dollars zufrih^, deru Rot treibt Malter und Tochter in den Tod. Die im ll. Wiener Bezirk wohnende 73jährige tschechoslowakische Pensionistin Betty T r n k o v& aus Pilsen und ihre 39jährige schwerkranke Tochter Sidonit tranken Freitag abends aus Furcht vor völliger Verarmung, Lysol. Die Mutter verschied bald darauf, die Tochter wurde mit schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die 4*iHfeeitung vom Kreisturnfest der Arbeiterturner in Aussig erscheint Mittwoch, den 7. August. Was bringt die Bildzeitung? Aufnahmen: der Massenkundgebung ain Marktplatz, der Freiübungen und Veranstaltungen am Stadion, der turnerischen und sportlichen Wettkämpfe im Warmbad Kleischc und der Kampfbahn, sowie Auszüge aus der„wahrhaften" Berichterstattung der„SPB" und anderen bürgerlichen Zeitungen. Nr. 180 Sonntag, 4. August 1935 .Seite 5- Verminderte Säuglingssterblichkeit Die Deutsche Jugendfürsorge teilt uns aus ihren statistischen Aufzeichnungen folgende Daten mit: Die Säuglingssterblichkeit hat sich im deutschsprachigen Randgebiete Böhmens,(dem Arbeitsgebiet der Deutschen Jugendfürsorge) in den Jahren 1927—1934 folgendermaßen entwickelt: 1927 starben 15.23 Prozent aller Geborenen, 1928 starben 13.82 Prozent aller Geborenen, 1929 starben 14.74 Prozent aller Geborenen, 1930 starben 13.15 Prozent aller Geborenen, 1931 starben 11.86 Prozent aller Geborenen, 1932 starben 11.95 Prozent aller Geborenen, 1933 starben 12.08 Prozent aller Geborenen, 1934 starben 11.35 Prozent aller Geborenen. Die Säuglingssterblichkeit ist also innerhalb der letzten acht Jahre wiederum um fast vier Prozent vermindert worden. Im Gründungsjahre der Deutschen Jugendfürsorge betrug sie noch über 20 Prozent. Würde heute dieser hohe Prozentsatz ungemindert bestehen, so hätten wir innerhalb der letzten acht Jahre 28.000 Kinder mehr begraben müffen. Wir hätten im deutschen Randgebiete im Jahre 1934 keinen Geburtenüberschuß von 6700, sondern nur noch knapp 3000 Kindern. Wir hätten in wenigen Jahren Hunderte Schulklaffen und Kindergärten unbesetzt und in zwei Jahrzehnten Tausende Arbeiter und Schaffende und Gründer von Familien weniger. Mit jedem Prozent, das die Deutsche Jugendfürsorge der Säuglingssterblichkeit in Zukunft noch abringen kann, erhält sie dem deutschen Volke in den Randgebieten Jahr für Jahr 400 Kinder. Englischer Dampfer verbrannt London.(Reuter). Auf dem englischen Dampfer„Pr ineeß E n a" brach kurz nach der Ausfahrt von Jersey nach Saint Malo in der Bretagne Feuer aus, das so rasch um sich griff, daß die Besatzung schleunigst die Rettungsboote besteigen mußte. An Bord be- sanden sich keine Passagiere- mehr, da sie der Dampfer in Jersey auSgeschifst hatte. Der Dampfer hatte Freitag abends Southampton mit 350 Passagieren an Bord verlassen. Er befand sich auf dem Wege nach Saint Malo, um dort für Ausflüge aus England Borbereitunsen zu treffen. Der Dampfer ist von den Flammen schon fast vollkommen Vernich t e t und wird bald sinken. Die Mannschaft der„Prinzeß Ena" wurde gerettet und von dem französischen Dampfer„Saint Julien" ausgenommen. vertranlichkeiten... Das badische Sonder- -ericht hat den 26jährigen S. A.-M a n n, Münze aus Radolfzell„wegen unverschämter Vertraulichkeit" zu 6 Pochen Gefängnis verurteilt. Er hatte seinen Führer schlechthin„A d o l f" genannt... Das trauernde Pferd. In der Stadt Bielsk 'm Polen starb vor einiger Zeit ein Gastwirt, der gleichzeitig auch Pferdeschlächter war und der in seinem Testament bestimmte, daß sein Reitpferd jeden Tag an sein Grab geführt werde. Das Testament des Verstorbenen wird durchgeführt und io können die Einwohner von Bielsk jeden Tag sm Pferd, dessen Säumzeug mit Flor behangen ist, zum Friedhof schreiten sehen. Der Enkel des-„roten Sultans" begeht Selbstmord. Abdul Kerim, der ein Enkel Abdul Hamids sein soll, wurde in einem istew Yorker Hotel t o t aufgefunden. Er wies ein« durch eine Kugel zertrümmerte Schläfe aus >md es scheint sich allen Anzeichen zufolge um einen Selb st mord zu handeln. ES regnet Banknote«, lieber die Bukarester Etraßen ergoß sich dieser Tage— in dieser geldknappen Zeit immerhin ein Phänomen— ein Eanknotenregen. Hunderte von Noten, nieist englischen und französischen Geldes, flogen nuf die Straße. Die Passanten, die eiligst herbei- kilten, um des unverhofften Segens teilhaftig zu iverden, wurden von Wachleuten gehindert, das Eeld einzustecken. Der einzigartige Fall findet seine Erklärung darin, daß die Polizei«ine Razzia in einem Kaffeehaus veranstaltete, das nls„schwarze Volute n-B ö r s e" galt. Da auf Valutenhandel hohe Strafen stehen, warfen ^ie Schwarzhändler di« Banknoten bündelweise auf die Straßen. Der meistgrheiratete Mann tödlich verwr- Slückt. Donnerstag abends schlug auf der Landstraße bei Albony in Nordostspanien ein mit 130 Stunden- Kilometer- Geschwindigkeit fahrender Kraftwagen an einem Eisenbahnübergang um. Bon den drei Insassen wurde der Fürst Alexis M d i v a n i, der die englische Staatsangehörig- kkit besitzt, auf der Stelle getötet, während eine Begleiterin und ein katalanischer Maler lebensgefährlich verletzt in eine Klinik eingeliefert werden wußten. Fürst Mdivani wurde nachgerühmt, Mj er der„meistgeheiratete" Mann der Welt sei. Sine seiner zahlreichen geschiedenen Ehe war die wst der bekannten Filmschauspielerin Pola Negri. Ei« iutrrnatioualer Trachten-Wettbewerb findet im Rahmen der Brüsseler Weltausstellung von, 14. bis 16. August statt. Tschechoslowakische Interessenten(die alle Kosten und auch die Fahrtpreise 4us Eigenem decken müssen) mögen sich an die Adresse Pavillon de la Tchecosiovaquie, Exposition Universelle, Bruxelles wenden. Scharnhorst und die Epigonen uns auf der Be tz schrägende zyklopische Mauern umschließen das achttorige Mt-Jerusalem. Drei Jahrtausende, Menschheitsgeschichte werden in dem bunten Gewirr lebendige das sich durch die engen Gaffen drängt.. Da sind Behuinen, hager, aufrecht; ihre Zelte sind kaum zwei Stunden entfernt auf einem Hang des Judäischen Gebirges aufgeschlagen.. Heuer gab es den gesegneten Spätregen. Ihre Kamele weiden auf den grünen Triften. Einer von ihnen prüft ein farbiges Glasgehenke, wahrscheinlich aus Böhmen. Woher mochte aber der Araber gekommen sein? Aus Transjordanien, aus dem Irak, aus dem Hodschas, möglicherweise aus Ur in Chaldäa im Gefolge Abrahams. Nichts in seinem Denken, in seinen Lebensgewohnheiten, in seiner Arbeitstechnik unterscheidet ihn von den Gefährten des Erzpatriarchen. Ob er noch zu Baal betet, oder zu Jahvä oder Allah— die soziale Verfassung, in die er eingegliedert ist, die primitive Organisation der Sippe und der Clans mit dem Scheck an der Spitze, ragt aus grauer Vergangenheit, hat Baal und alle Götter, die nachher kamen, überdauert. Aegypter, Perser, Assyrer, Makedonier, Seleukiden, Römer hatten um dieses Stück Judenland bluttg gekämpft, Byzantiner, Araber, Seldschucken, Kreuzfahrer batten es er- Äber Geschichte bestätigte vollauf die Maßnahmen Natterngeschmeißes. Selbst ein Mann wie Major F o ex t f d) schreibt: „Die Männer um Scharnhorst wußten, daß sie mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht einen neuen Menschen schaffen würden und die bewegten Klagen dmnaliger reaktionärer Kreise zeigen deutlich, daß die angebliche Gefahr dieser inneren„Befreiung" ein Segen für Volk und Staat war. Es find nicht allein di« lauten Verkündigungen der Errungenschaften der französischen Revolution gewesen, die Parolen„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", die die preußischen Heeresreformer führten. In Jugendaufzeichnungen dieser Reformer finden sich schon vor dem Jahre 1789 die Grundlagen einer neuen Soldatenerziehung und Menschenbehandlung, die auf das Pflichtgefühl und die Ehrempfindung abgestellt war. So war es denn auch nicht verwunderlich, daß die Befürtvorter der rrügemeihen- Wehrpflichtig'den Verdacht-- revo- ' kutionärek Bestrebungen kämen."-" Das ist nicht nur eine merkwürdige Herausarbeitung des liberalen Grundge d a n- kens der allgemeinen Wehrpflicht, die in das antiliberale Deuffchland doch schlecht hineinpaßt, sondern will wohl auch auf das Schicksal heutiger Erneuerer Hinweisen, die das Regime warnen, an den alten Formen und das heißt hier an der alten Wehrpflicht hängen zu bleiben. Und war es nicht ein Förtsch, der den Ley und Röhm im Namen des modernen Soldaten die Lächerlichkeit mechanischer Betriebsappelle und Unsinnigkeit de- blöden überholten Drills zum Bewußtsein bringen mußte und einen neuen Soldatentyp forderte? Erheben sich heute nicht viele Stimmen in und außerhalb ods Heeres, die auf die großen Lehren des Weltkrieges verweisend, nach dem heuttgen, dem Scharnhorst unserer Zeit schreien? Muh sich ein Blomberg nicht gegen den Borwurf wehren, die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht sei für das fortgeschrittene Deutschlomd ein Rückschritt gegenüber England, Amerika und den Keimen einer Wehrverfaffung, wie sie in der obert und wieder verloren, die Türken herrschten da und nun die Engländer— unser arabischer Freund, der das böhmische Glasgehenke im Sonnenstrahl funkeln läßt, blieb von allen Völkerftür- men unberührt. Wie zu Abrahams Zeiten züchtet er sein Bieh, treibt es auf die Weide über die ganze riesengroße Halbinsel von der Küste des Arabischen Meeres bis zum Libanon. Ungefähr ein Zehntel der arabischen Gesamtbevölkerung Palästinas, im nahen Transjordanien fast zwei Drittel, sind unstäte Wanderer der Wüste, Zeitgenossen Abrahams, Nomaden. Dann sieht man zuweilen Araber in prunkvollen Seidengewändern— es sind Effendi, Großgrundbesitzer aus alten feudalen Familien, mittelalterlich— feudal in ihrem sozialen und ökonomischen Denken, modern nattonalistisch in ihrem politischen; sie find die Träger des arabischen Rationalismus, von der Romantik einer vagen panarabischen Idee durchwirkt, aber zugleich die Träger jener Bewegung, die den Pan- Arabismus vereitelt, nämlich jener Kämpfe der großen arabischen Familien um Macht und Ruhm, wie wir sie aus der Geschichte der oberitalienischen Renaissance kennen. Sie besitzen elegante Autos, wohnen in Schlössern und Palais, ihre Söhne Kreisen junger Offiziere, denen schließlich auch ein Scheringer entsproß, sind Elemente eines über die alten Formen hinausweisenden revolutionären Militärsystems vorhanden, dessen Vollstrecker aber, wie damals das Bürgertum, heute nur das sozialistische Proletariat sein könnte. Was der Bauer gestern war, das ist heute der Arbeiter, sagt I u n g e r, ein bedeutender Führer eines antthiüerischen Nationalismus, sehr zutreffend, der soeben eine neue, sehr deutliche Arbeit zur gegenwärttgen Problematik der totalen Mobilmachung veröffentlicht hat. Unmißverständlich weist er darauf hin,„daß der eigentliche Prüfstein einer Herrschaft nicht das Maß des Jubels ist, der ihr gespendet wird, sondern der verlorene Krieg." Deutlich sieht er die Zusammenhänge zwischen Wehrform und Staatsform. Er sagt, nur scheinbar über die Vergangenheit philosophierend: „Häufig stoßen wir sogar auf den heuttgen beinahe unverständlichen Verzicht den Fortschritt und die Vervollkommnung kriegerischen Ausrüstung, aber auch diese denken haben ihren Hintergrund. So verbirgt sich in jeder Verbesserung der Schußwaffen, insbesondere in der Steigerung der Tragweite, ein in- diretter Angriff auf die Formen der Monarchie. Jede dieser Verbesserungen fördett den individuell gezielten Schuß, während durch die Salve die - geschloffene Befehlsgewalt verfinnbidlicht wird." Dann verweist'Jünger— nicht zufällig in diesem Gedankengang— auf die wachsende Bedeutung des Arbeiters für die Kriegsführung und meint, in der neuen Kriegsform„deutet sich der Anbruch des Arbeitszeitalters vielleicht am sinnfälligsten an,— sie macht den Weltkrieg zu einer historischen Erscheinung, die an Bedeutung der Französischen Revolutton weitaus überlegen ist." Damit weist Jünger aber auch auf seinen alten Gedanken hin, daß der Befreiung des Bauern von gestern heute die Befreiung des Arbeiters entspricht, der nun zum Mittelpunkt der Kriegsführung geworden isft Freilich, Jünger trifft sich nicht mit dem internattonalen Sozialismus, weil dieser den Krieg, dem Jünger allein zugetan ist, überwinden wird, aber wenn man schon eine Parallele zu Scharn- horst,juchen.will,, dann war es nie^pnd nimnyrr. R. ö h m und dann ist es auf keinen Fall Hier! oder sonst ein Nationalsozialist oder gar der ausdruckslose Blomberg, der Hitlerbyzantiner Reichenau oder der Bürokrat Frick, der unter das Wehrgesetz seinen Namen gesetzt hat, dann sind es weit eher jene Nationalrevolutionäre Füngerscher Prägung und vor allem jene in die Illegalität oder in die Emigration gejagten Sozialisten, die heute das Werk fortführen, das eine gestern fortschrittlich gewesene Klaffe feige und müde verlassen hat, um sich in Formen einer überholten Zeit und in die Arme einer schranken- lossen Diktatur zu stürzen. Vom Geist des Scharnhorst haben die Herren Deutschlands nichts, gär nichts mehr, die Kränze für ihn 5rücken nur die Sehnsucht nach solchem Geist und Charakter aus, und auch dies nur im besten Falle. Die Ev'-ronen betreiben Leichenschändung, sie sind noch nicht einmal bei Scharnhorst, wie er gestern war, wieweit sind sie entfernt von dem Scharnhorst, wie er heute wäre? Wieweit? So weit wie gestern die Junker vom Liberalismus, und so weit wie heute der Fascismus vom Sozialismus entftrnt ist. Und das ist unendlich weitl F. W. Die heute maßgeblichen deutschen Militärs haben sich nicht geschämt, an den GrWern der Generale Scharnhorst und Boy en anläßlich der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht Kränze niederzulegen.„Ehrung der großen Vorkämpfer der allgemeinen Wehrpflicht," so nennen sie das, sie, die Arierparagraphen und andere Bestimmungen in ihrem Wehrgesetz haben, über die ein Scharnhorst schon damals hinaus war. 120 Jahre ist es nun schon her, da Scharnhorst und andere Angehörige der Reorganisations- kommission in hartem Kampfe gegen die Reaktion die Wehrpflicht durchzusetzen vermochten, und gelungen ist es ihnen auch erst durch die Notwendigkett, des Krieges im Augenblick der Katastrophe. Dieselben Leute, mit denen Httler am 30. Jänner 1933 zur Macht kam, dieselben Reakttonäre ä la Hugenberg, dem anläßlich seines 70. Geburtstages von Hitler und Goebbels soeben seine erhabene nationale Gesinnung bestätigt wurde, standen der Wehrpflicht vor 120 Jahren feindlich gegenüber. Die alten Preußen, der legendär entstellte York, wie General von der Marwitz, ein Göring von gestern, sahen schon in den danmligen Reformern„Betrüger undVerräter, die im jüdischen Sold stehen." Lumpen wurden die Gneise n a u und Scharnhorst genannt, die ein Majestätsverbrechen begehen und nicht scharf genug bestraft werden können. Die Königsberger Junker hetzten sogar die französische Polizei auf den Freiherrn v. Stein und sie erwirtten tatsächlich, daß Stein vom König auf den Befehl Napoleons hin entlassen wurde. Und da triumphierte ein N o r k:„Ein unsinniger Kopf fft schon zertteten, das andere Ratterngeschme.iß wird sich in seinem Gift selbst auflöscn. die des der VMM M Sozialpolitik Neues Handelsabkommen mit Italien Am 1. August ist ein neues tschechoslowakischitalienisches Handelsabkommen in Kraft getreten., Es wird stiflschweigend um jeweils ein Vierteljahr verlängert, wenn es nicht einen Monat vorher gekündigt worden ist. Der gegenseitige Warenaustausch erfolgt auf der Grundlage des entsprechen- den Vorjahresquartals, mit einigen Ausnahmen für Waren, für die besondere Bestimmungen getroffen worden sind. Das Abkommen bringt zwar eine Erleichterung des gegenseitigen Warenaustausches, der von den letzten Devisen- und Kontingentierungsmaß- nahmen Italiens außerordentlich ungünstig beeinflußt worden war. Für eine Ausdehnung des Außenhandels läßt es jedoch nur wenig Raum. Im ersten Halbjahr 1934 und 1935 gestaltete sich der Handelsverkehr mit Italien so: 1935 1934 in Millionen Kronen Einfuhr.,. 89.123 Ausfuhr... 97 95. Die Ausfuhr der Tschechoslowakei nach Italien erreichte ihren tiefsten Stand im Jahr: 1933.. Die Halbjahrsziffern von 1935 kommen nur wenig über den Rekordtiefstand hinaus. Zm Schatten der Mauern Jerusalems Drei Jahrtausende im Nebeneinander Bon unserem Spezialkorrespondenten Julius Braunthal. Mit„Zatiberdung“ behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang* nicht Hexerei 1 Paket zu Kö 5*60 durch die Verwaltung der „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich I studieren in Paris, mindestens in Kairo, ihren > Boden laffen sie durch elende Fellachen dürftig be- v stellen, pressen ihnen dreißig bis fünfzig Prozent von S-eckt organisierten Reichswehr enthalten^tserträges ab, sie akkumulieren nicht, waren? Und mußte ein Schleicher nicht Indern thesaurreren und vergeuden was sie er- wieder im Kampf gegen die Junker an den uw- preffen, hassen die Juden, aber verkaufen ihnen pisch-n Versuch einer Neuordnung Deutschlands Are» Boden Im stolzen Effendt, der sich hier m Herangehen hatte man für ihn nicht manche ähn-^'- Maffc nnscht z,eht em Stuck spatmttt-l°lt-r- lich- Worte wie früher für die Reorganisations-^" L-hnsh-rr vorüber. Er grüßt so-b-n emen wmmission? Dabei soll beileibe nicht gesagt wer->'unaeren Bruder mit der gebotenen Höflichkeit Der den, Schleicher sei der Scharnhorst unserer^wirtschaft auch nicht etwa Seeckt und andere, aber in den l.sr besitzt em großes Hande^haus, sem Kapftal b» schmäht aber auch nicht das Wuchergeschäft in den Fellachendörfern seines Bruders. Er ist natürlich Nationalist, das gehört zum guten Ton, darin manifestiert sich das erwachende Selbstbewußtsein der auflommenden arabischen kapitalistischen Han-, dels- und Jndustriebourgeoisie. Wer. insgeheim wünscht er die° wettere EiMvanderung jüdischer Arbeiter und jüdischen Kapitals, denn er profitiert an beidem. Aber die Effendi ettrinken im Strom der müden, verlumpten Fellachen, der Aegypter und der Neger/ der Juden aus Buchara und dem Demen und jener aus Ostgalizien in schwarzen, lange» Kaftans über weiße Kniehose» und breiten hohen Mützen aus Biberpelz) Rabbiner im hohen Turban, wie sie Rembrandt gemalt, und armenischer Mönche, schaurig, als wären sie direkt vom Hofs Iwan des Schrecklichen gekommen, Derwische, Dominikaner, Nonnen und Franziskaner, schwarz verhüllte mohammedanische Frauen, prachtvolle Mädchen aus dem Hebron in reicher golddurchwirk- ter Seidenstickerei und hohen spätmittelalterlichen Spitzenhäubchen und Spitzenkragen, als wären sie aus dem Goldrahmen Memlingscher Gemälde herabgestiegen. Und sind die malerischen, doch entsetzlichen dichtgedrängten, übereinander gebauten Häuser längs der kaum zwei Meter breiten Gassen, mit ihren winzigen Höfen-und ihren- dumpfen Wohnzimmern, nicht noch unter Herodes gebaut? So muß Jerusalem ausgesehen haben, als- Christus auf einem Eflein einritt, so müffen die- Menschen dort gewohnt haben, bevor Titus die. Stadt belagerte. Gewiß, ich habe gelesen, daß sie indes zwei Dutzend Male erobert u»d zerstört wurde. Der römische Kaiser Hadrian ließ-den Pflug über die vernichtete Stadt ziehen, sie erstand wieder, kam-in die Gewalt byzantinischer Kaiser und arabischer Kalifen, fränkischer Kreuzfahrer und chorasmischer Türken, wurde im dreizehnten Jahrhundert zur Abwechslung von den wilden Tartaren Huläpus zerstört, ihre Mauern geschleift und erst im sechzehnten Jahrhundert vvn Sultan Soliman dem Prächtigen in ihrer heutigen Gestalt wiedererrichtet. Mer ich denke, viele der Wohngebäude blieben irgendwie verschont, zudem, gab es damals noch nicht die Errungenschaft des. Dynamsis, die Zerstörungen werden wähl'die stei- nernen Grundmäuertt unberührt"Kelässen haben darauf wurde offenbar geballt', kpieHur Zeit, als sich Crassüs den Goldschatz des Tempels holte. Nichts hat sich, so scheint es, verändert. Im Schat-. ten der vierunddreißigtürmigen Mauern Jerusa-. lems atmen drei Jahrtausende Menschheits-. geschichte— von Abraham bis zum BegiNn des Frühkapitalismus; nur ssäs letzte Jahrhundert hat dort noch nicht Einzug gehalten. Das Neue erstand jenseits der Mauern, an der Mittelmeerküste, in den neugebauten Großstädten, in de» Kolonien der Küstenebene. Seite 8 „Sozialdemokrat" Sonntag, 4. August 1838. Mr. 180 ZmgerZMmg Die StefänS-BolkSsternwarte in Prag ist im Lugust dem Publikum täglich um 20 Uhr außer ai> Montagen zugänglich, jeden Sonntag auch von 16 bis 11 und von 15 und 16 Uhr. Beobachtungspro. gramm: In der ersten August-Hälfte Mond und Jupiter, in der zweiten Augusthälfte bei günstigen Be- oba'chtungsbedingungen Jupiter und Saturn. Außer- dem kann das Publikum auch einige Doppelgestirne und Sterngruppen beobachten. Mmst und IWsseo Armin Berg setzt jetzt in derKleinenBühne dort fort, wo vor kurzem Fritz Grünbaum aufhörte. Eine wirklich heitere Angelegenheit, mit der übrigens sich zu befassen, Kunstkritik keineswegs berufen ist. Es handelt sich um eine Fülle von Witz urü> Witzen in der Verkleidung von Monologen, CouplÜS, Dialogen,, und Dramatisierungsversuchen, denen allen weder tiefer Sinn noch Wille zur Satire innewohnt, die durchwegs nur unterhalten wollen, denen das aber ausgezeichnet gelingt. Armin Berg hat sich mehr als in seinem kleinen Ensemble als bloße Staffage mitgebracht: Ady Berger weiß wirkungsvoll mit den Gaben umzugehen, die ihn als entfernten Verwandten des alten Wiener Hans-Wurst legitimieren, GerdaRedlichift ein talentiertes enfant terröble, und die Pianisten R a wie z und Landauer scheinen mit ihrer brillanten Technik hart an die Grenzen wirklicher Kunst zu reichend Vor allem aber macht Armin B e r g selber zum tausendsten Male das Rennen, mit einer unwiderstehlichen Komik, die das breiteste Lachen schon durch das sonnig-naive, immer vergnügte, immer sympathische Gesicht und Auftreten dieses Humoristen herbeiführt.' Man ist zwar nach den zweieinhalb Stunden keineswegs befriedigt und bereichert,.aber tags darauf bedauert man es dennoch, daß man den lustigen Wend nicht noch vor sich hat... g. DerDtm Die Karnevalsnacht Das'ist ein reißerischer Film reichsdeutscher Herkunft, dessen Handlung nach altem Kolportageschema gefingert ist. mit einem Heldenjüngling, der in falschem Verdacht steht, und einem brutalen Ehetyrannen, der stch vergeblich gegen den aussichtsreichen Nebenbuhler wehrt. Die Wogen das Schicksals gehen ebenso hoch wie die des Karnevals, in dem sich Scherze mit Schurkentaten vermengen. Die Hauptrollen sind nicht schlecht besetzt: den Jüngling spielt Gustav Fröhlich mit gewohnter Eleganz und als tobender Bösewicht hat Heinrich George eine Rolle, in der er sich ausleben kann.—eis— Vater Karafiat Der Wahrheit gemäß ist festzustellen, daß dieser tschechische Film der Ufa nicht übler ist als ihre deutschen Erzeugnisse, eher sogar ein wenig erträglicher, weil er anspruchsloser wirkt. Die Handlung besteht aus allerhand unernsten Konflikten, die nur dazu da sind, recht glücklich gelöst zu werden. Der Müller aus der Provinz, der in Prag versehentlich in ein Verbrecherlokal gerät, wird aus der Polizeihaft befreit. Der Sohn, der es sich wegen seines Leichtsinns und seiner Musikliebe mit dem. Vater verdorben hatte, findet am Ende wieder Gnad« (nachdem er den Ernst des Lebens als Stimmungssänger im Nachtlokal kennen gelernt hat). Und die brave Studentin aus dem vierten Stock, die sich hinsichtlich dieses Sohnes mst Enttäuschungen und Eifersucht quälen mußte, wird dann des happy ends Ria Byron in„Herr Vater Karafiat" teilhastig, das ihr die Mm-Autoren ganz öffemichi- lich von Anfang an gegönnt haben. Unter Jan S v i t a k s Regie wird das Ganze ohne allzu starke Uebertreibungen gespielt. Theodor P i s t e I gestaltet eine humorig gefühlvolle Kleinbürgerfigur, Ladislav P e s e k erweist in einer Nebenrolle erneut seine Begebung fürs Groteske,— und daß die beiden Liebenden Ria Byron und Arno V e l e c k h immerfort treuherzig schmachten, liegt nicht an ihnen, sondern an der Poesie dieses Fllms, die in dem Lied„Wo Du gehst, blühen gleich Rosen" gipfelt. © Weitere Gesellschaftsreise« der Naturfreunde in den mährischen Karst(Ma- cocha) finden vom 16. bis 12. August und 31. August bis 2. September statt. Näheres hierüber im ausführlichen Reiseprospest, das in der Geschäftsstelle, Aussig. Marktplatz 11, kostenlos ausgefolgt wird.— Zur Prager Herbst-Messe werden zwei Gesellschaftsreisen, und zwar am 1. und 8. September ausgeführt. Verlanget Sonderprospekte.— Für Urlaub und Erholung laden alle Naturfreundehäuser ein. Auskünfte und Aufklärungen durch die Hüttenverwaltungen und durch die Geschäftsstelle, Aussig, Marktplatz 11. Telephon 3033. §pvet-§piet-X»rp«epskege Amerika und Spanien gegen die Nazi-Olympiade Wie aus New Uork berichtet wird, hat der Vorsitzende des amerikanischen Olympischen Komitees, M a h o n e y, eine Erklärung abgegeben, wonach Amerika keine Leichtathleten nach Deutschland zur Olympiade 1036 schicken werde. Zur Begründung dieses Entschlusses führt Mahoney an, daß die letzten Geschehnisie— di« Juden- und Katholiken-Verfolgungen— unvereinbar seien mit den von Deutschland vor einem Jahr gegebenen Erklärungen, auf Grund derer Amerika seine Zusage zur Teilnahme gemacht habe.. In ganz Spanien wird ein von einem Komitee verfaßtes Flugblatt verbreitet, in dem die Regierung aufgefordert wird, den Zuschuß von 400.000 Peseten für die Nazi-Olympiade in Berlin zum Bauvon Sportplätzen im eigenenLande zu verwenden. Dies« Forderung , ist von vielen spanischen Schriftstellern, Wissenschaftern und Führern der, sozialistischen Arbeiterbewegung gefertigt.. Drunter und brüter geht es anscheinend i» Sport des Dritten Reiches, das beweise« die verschiedenen Sperren von Klubs usw. Jetzt kommt di* Meldung vom Ausschluß des Fußballvereines Duisburg 1900 aus dem DFB. wegen— S ch i e d S- richterbestechung! Es zeigt sich somit, da» sich im Nazi-Sport mehr abspielt, als bisher in W Oeffentlichkeit angenommen wird. Zl. 3876/35. cvluLtseyeetvung. Bei der Stadtgrmeinde Schlucken«« gelaugt zufolge Beschlusses der Stadtvertretung vo« 26. Juli 1935 die Stelle eines Konreptsvearnte« zur Besetzung. Diese Stelle ist in der Dienstklaffe II systeaM fiert und mit den Bezügen nach dem Gesetze$*■ 103/1926 in dem durch die Kürzungsvorschrifte» sich ergebenden Ausmaße verbunden. Die Bewerber haben nachzuweisen: 1. Die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft» 2. Die Zurücklegung einer der Dienstklaffe entsprechenden Vorbildung, das ist AbsolvieruM einer Mittelschule mit gutem Erfolg. 3. Die Beherrschüng der deutschen und tschechischen Sprache in Wort und Schrift; diese Kenntnis ist durch eine beim Stadtamt abzulegende Prüfung nachzuweis-.n. 4. Volle geistige und körperliche Gesundheit uns Wohlverhaltenheit. 5. Ein Alter von nicht mehr als 35 Jahre»- Bewerber mit Nachweis einer Praxis im autonomen Dienst erhalten den Vorzug. Die freie Wahl unter den.Bewerbern und bst Ablehnung aller Gesuche ohne Angabe von Gründen behält sich die Stadtvertretung vor. Ende der Bewerbungsfrist: 81. August 1935» 3062 Der Bürgermeister: Johann Rösler e. t- Waldsanatorium Dr. Schweinburg ZUCKMANTEL, Schlesien Erstklassige, physikalisch-diätetische HeilansU^ für innere, Nerven- und Stoffwechsel-Krankheit** 1 Mittige Pauschalkuren«H VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsum verefnes SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen sind die allerbesten! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins tzauS oder bei Bezug durch die Post«wnatlich Kü 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten.— Die Zeitungsftankatur wurde von der Post» und Telegraphendirektion mst Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis*. Druck-, Verlags» und ZritungS-A.-G„ Prag.