ambriit 70 Han« 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion uno vrwaltuhg frag xii.. fochova a. triefon nm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 15. Jahrgang Mittwoch, 7. August 1935 Nr. 182 Demonstrationen und Straßengeffechte In französischen Stödten Paris. Hervorgerufen einerseits durch die Rcgierungsdekrete über die Gehälter- und Lohnreduktionen und andererseits durch den Gegensatz zwischen den sozialistischen Arbeitern und reaktionären Vereinen ist es Montag und Dienstag in verschiedenen Städten zu Unruhen und Schießereien gekommen. I« der Umgebung des Bastille-PlatzeS in Pari- wurden, nach einer Meldung des Tsch. Preß-Bureaus, bei einem Zusammenstoß zwischen Anhängern der„Patriotischen Jugend" und Mitgliedern der sozialistischen Einheitsfront, welche vorher von de« Fascisten überfalle« worden«ar, RrvolverschLssr gewechselt, durch welche eine Person tödlich und mehrere schwer verletzt wurden. Die Polizei verhaftete 50 Personen. In Toulon demolierten streikende Arbeiter des staatlichen Arsenals nach einer Drmon- Ilration gegen die Lohnreduktionen das Lokal der monarchistischen Action francaise und einige Gast- biiuser, in welchen die Marineoffiziere zu verkehren pflegen. Einige Offiziere wurden verprügelt. Erst einem starken Gendarmerieanfgebot gelang es, die Demonstranten zu zersprengen. Im Kriegshafen Brest begannen die Kundgebungen der Arsenalarbeiter Montag und wiederholten sich im Laufe des folgenden TageS, als die Behörden in den Werkstätten Gendarmen aufmarschirren ließen. Die Arbeiterschaft er klärte, unter diese« Verhältnissen nicht arbeiten zu wollen und trat in den Streik, welcher rasch großen Umfang annahm. AlS die Gendarmerie eine Bersammlung verhindern wollte, versuchte« die Streikende« den Gendarmrriekordo« zu durchbreche«. Die offizielle französisch« Telegraphen- agentur Havas meldet, daß im Laufe deS Dienstag-Nachmittags in Brest Ruhe eingetrrte« sei. Dienstag nachmittags versammelten sich etwa 120k) Angestellte der Gesellschaft für öffentlichen Verkehr im Pariser Rayon, der die Autobuffe, di« Straßenbahn usw. gehören, in Paris und wollten im 18. Bezirk gegen die Regierungsdekrete manifestieren. Die Polizei trieb di« Versammlung auseinander und verhaftete hiebei etwa fünf Teilnehmer. Heute gegen abends versammelten sich etwa 500 Angestellte der Gasanstalten in der Vorstadt Clichy und wollten in einem ManifeftationSumzug nach Paris ziehen. Die Polizei schritt' ein. beschlagnahmte«di« im Zuge getragenen Standarten und trieb die Manifestanten auseinander. polen lehnt Danziger Argumente ab Warschau. Ter polnische Kommissär in Danzig Papse sandte dem Danziger Senat di« Antwort auf dir Rote vom 3. August. In der Antwort heißt es, daß die vom Senat angegebenen Gründe für die Notwendigkeit, einige Waren vom Einfuhrzoll zu befreien, nicht angenommen werde« können. Siir-Nann in seiner Partcikanzlel geschlagen und getreten! Wie es bei Henleins In Teplltz-Schönau zugehtI Wir erhalten von einem in der Sudeten« brutschen Partei an hervorragender Stelle tätigen Funktionär, der jedoch mit dem mißhandelten Mitglied nicht idantisch ist, fol- Oenden Bericht: In der Sudetendeutschen Partei, Bezirk Tep- lltz- Schönau, spukten nach den Wahlen allerlei Unannehmlichkeiten herum; es gab dies und jenes iu erledigen. Man mußte zurückschrauben, denn in der Hitze des Gefechts wurde manches getan, man- chcs gesagt und manches Mitglied geworben, was dann zu Komplikationen führte... Im Zuge eines solchen Reorganisationsprozesses sollte auch ein neuer Bezirksführer bestellt lverden. Warum man zur Person eines unbekannten Herrn aus einem anderen Bezirke griff, war Gegenstand verschiedener Gerüchte, die sich immer v)ehr verdichteten und schließlich auch zu Ohren des neu zu bestellenden Herrn Führers kamen... Tage vergingen. Da wurde am Freitag, dem 28. Juni 1835, ein Funllionär der Sudetendeut- lchen Partei, dessen Name uns bekannt ist, in daS ^eplitzer„Braune Haus", also in die Kanzleiräume der Sudetendeutschen Partei in der Nkauengaffe gerufen. Als er dort hinkam, sah er uch dem Mann aus dem fremden Bezirk gegenüber, der zu einer besonderen Führerfunktion Auserkoren war. Ohne nun eine Rechtfertigung des ahnungslosen SHF- Mitgliedes, das nicht wußte, zu welchem Behufs man es borlud, abzuwarten, wurde der Funk- tionärine in leeres Nebenzim- str e r geführt und dort von dem steuenMann geprügelt. Er bekam Schlüge in den Kopf und ins Besicht. Als er ob dieser Züchtigung Zusammen brach, verfechte ihm der intelligente Herr noch einige Fußtritte. Das ü r z t li ch e Zeugnis spricht von schweren Quetschungen und sonstigen Verletzungen. Einige Tage später erhielt der übel zugerichtete Funktionär, von dem wir wissen, daß er während der Wahlzeit Tag und Nacht für die Sudetendeutsche Heimatfront gearbeitet hat, die Mitteilung, daß er aus der Partei ausgeschlossen s e i. Statt daß ihn die Partei vor diesen eigenartigen Manieren eines werdenden Führers geschützt hätte, warf sie ihn aus der Partei hinaus. Die ganze Angelegenheit wird innerhalb der Sudetendeutschen Partei behandelt werden, da eine Berufung gegen den Ausschluß vorliegt. Wie ich erfahre, wird gegen diese Mißhandlung im Sekretariat in der Frauengasse, wobei eine größere Anzahl Menschen Zeugen dieser Gestapomethoden waren, die Strafanzeige erstattet werden. Soweit der tatsächliche Sachverhalt I Da entsteht nun wohl doch die Frage: Wo sind wir denn angelangt? Was ist das für eine Partei, die zuläßt, daß in ihren Kanzleiräumen Mitglieder von Mitgliedern geprügelt werden? Was würden diese Parteileute tun, wenn sie so frei und ungebunden einen Gegner in ein leerstehendes Nebenzimmer locken könnten? Und dann wage noch jemand daran zu zweifeln, daß diese sudetendeutschen Fascisten von den SA-Banditen nicht mancherlei gelernt haben! Der Mann, der auf diese Art die Liebe seiner Partei verspürt hat, ist ein anständiger Mensch, über dessen Ehrlichkeit und Intelligenz kaum ein Zweifel besteht. Wir würden nur wünschen, daß er und die anderen seiner.Kameraden" aus solchen wahren Geschehnissen die entsprechen^ >den Konsequenze« zögen. Krisenpolitik und Sozialismus Vom schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson Der augenblicklich in Stockholm weilende P. M.-Mitarbeiter unsere- Blattes hatte eine Unterredung mit dem sozialdemokratischen schwedischen Ministerpräsidenten Hansson, der sich über eine Reihe außerordentlich Inter» essanter und für die Sozialdemokratie bedentungsvoller politischer Fragen üvßerte. Die Ansführnngen des schwedischen Ministerprüsidente» werden ficherlich große Beachtung unserer Leser finden, da die Auffassungen Hanssons die Erfahrungen wiedergeben, die ei« kettender sozialdemokratischer Staatsmann in mehrjühriger Regierungszeit gemacht hat. Welchen Ursachen und welchen Methoden der schwedischen sozialdemokratischen Regierung schreiben Sie selbst, Genoffe Hanffon, den erstaunlichen konjunkturellen Aufschwung S ch w t d e n s zu? .Als wir 1932 noch in Oppositionsstellung waren, richteten wir den Hauptangriff gegen die sogenannte.Sparsamkeitspolitik" der bürgerlichen Parteien und der Regierung. Wir sahen in der Krise eine Krise nicht des Mangels, sondern deS Ueberfluffes und wir konnten die Bekämpfung der Krise nicht in einer Begrenzung des Bedarfs, sondern nur in seiner Steigerung sehen. Daher gaben wir für"die Wahlen voii 1932 die Parole aus: Steigerung der Kaufkraft. Die private Initiative hatte als Stimulans versagt. Wir stellten uns auf den Standpunkt, daß Staat und Gemeinden eingreifen müßten, um eine effektive Kaufkraftsteigerung zu ermöglichen. Als wir die Regierung übernahmen, erwies sich dieser Grundsatz als entscheidend. Solange wir in Oppo- sitimr standen wußten wir selbst nicht, wie ent« schekdend. Bezeichnend ist/daß wir in der Opposition nur 30 Millionen für öffentliche Arbeiten auf dem offenen Dlarkte verlangten, während wir in der Regierimg 200 Millionen begehrten. Die Krise zeigte sich bei uns in hauptsächlich zwei Symptomen: der immer schärfer ansteigende, ja katastrophalen Arbeitslosigkeit, und dem ebenso katastrophalen Preisfall für die landwirtschaftlichen Produkte. Unsere Politik stand also vor zwei Aufgaben:'Erstens das Volk in Arbeit zu setzen, zweitens aber die landwirtschaftlichen Preise zu stabilisieren und der Bauernschaft wieder zu einer angemeffenen Rentabilität ihrer Arbeit zu verhelfen. Auf diese beiden Aufgaben konzentrierten wir die Arbeiten des Reichstages von 1933 und mit vollem Erfolg. Die inArbeitgesetzte Arbeiterschaft wurde wieder vollwertiger Konsument der landwirtschaftlichen Pro d u k t e, die wieder rentable Landwirtschaft Käuferin der Industriewaren. Die Steigerung der Kaufkraft bedeutete also eine Selbstauslösung der Krise. Freilich, wir hatten auch Glück. Vor allem mit unserem Export. Es ist teils die hohe Qualität der s ch w e dischen Waren, die unseren Export gefördert hat, wohl aber hauptsächlich die s ch w e- dische Valutapolitik. Wir hatten schon 1931 den Goldstandard verlaffen.' Uns kam der Wirtschaftsaufschwung des Pfundblockes besonders zugute. Da wir aber seit 1933 imstande waren auch die Kaufkraft der Krone im Lande selbst zu heben, so kam uns diese Exportsteigerung voll zugute. Es ist gewiß auch die Valutapolitik, die eine Voraussetzung und Ergänzung unserer Krisenpolitik war." Wie gedenkt Ihre Regierung, Genosse Hans- son, den noch vorhandenen Rest der Arbeits- loscnzahl, die jawohl struktureller Natur ist, zu bekämpfen? .Unsere letzte Arbeitslosenziffer ist rund 50.000. Dies obwohl heute rund 100.000 Menschen mehr in Arbeit stehen als in der Zeit der letzten Hochkonjunktur 1929. Wir stehen in Schweden nämlich heute vor zwei Problemen, die in ihrer Wirkung einander diametral entgegengesetzt sind. Auf der einen Seite zeigt unser Bevölkcrungsnach- wuchs eine stetig sinkende Tendenz. Wir stehen vor einer wirklich ernsten Gefähr der Ueber« alter ung unseres Volkes und bei gleichbleibender Tendenz kann man damit rechnen, daß um 1950 ein Rückgang unserer Bevölkerungsziffer zu erwarten ist. Gleichzeitig aber stehen wir im Augenblick vor dem Problem ganz ungewöhnlich hochzifferiger Jahrgänge im Produktionsleben unseres Landes unterzubringen. Allein unter den letzten fünf Jahren haben wir einen Zuschuß von einer Viertelmillion neuer Arbeitskräfte über die normale Ersetzung älterer Arbeitskräfte. Trotzdem wir also eine ausgesprochene Konjunktur haben und nicht nur die Krise überwunden, war es nicht möglich, den gesamten Zuwachs an Arbeitskraft so rasch aufzusangen. Die Ueberwin- dung dieser Schwierigkeit ist nun unser Hauptproblem auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung. 1933 war unsere Parole: Erhöhung der Kaufkraft. Bei den Wahlen von 1934— den Landtagswahlen—-.Erweiterung der Produktion". Ueber die Einzelheiten der Methoden für die Erweiterung unserer Produktion sind wir uns noch nicht völlig klar. Doch haben wir vor allem ein umfassendes Bauprogramm. Eine Erweiterung unserer Bauindustrie ermöglicht nämlich eine Verknüpfung der beiden einander so widersprechenden Probleme der Gefahr der Be- völkerungsverminderung auf der einen Seite und der im Augenblick so hohen Zuwachsziffertt aus der anderen. Bessere und billigere Wohnungen, sowohl auf dem Lande wie in den Städten, wirken der Abnahme der Bevölkerung entgegen, gleichzeitig aber ermöglicht die Erweiterung der Bautätigkeit, die ja eine der effektivsten Schlüsselindustrien ist, eine raschere Aufsaugung des Zuwachses an Arbeitskräften. Das ist also unser gegenwärtiges Programm." Welche der Mechoden Ihrer Negierung, sehen Sie, Genoffe Hansson, als z i e l f L h r e n d zum Sozialismus an? »Ich hatte ost Gelegenheit diese Frage besonders mit amerikanischen Sozialisten zu diskutieren. Sehen Sie: wir haben in Schweden nicht eine, sondern zwei Krisen überwunden, eine wirtschaftliche und eine politische. Mit dem Anwachsen der Krise wuchs auch bei uns in den Mittelschichten eine antidemokratische, teilweise fascistische Tendenz. Was wir bewiesen haben, das ist, daß eine demokratische Regierung handeln kann und daß der Reichstag und die Demokratie handlungsfähig ist. Das bedeutet eine Rettung unserer De m o kratieund damit die Rettung der politischen Basis für eine sozialistische Arbeiterbewegung. Was nun die Sozialisierungsfrage selbst anbelangt: Ich bin zuviel Marxist, um nicht zu wissen, daß man Sozialismus nicht»machen" kann, sondern daß Sozialismus ein Produkt der Entwicklung sein muß. Ich halte nicht viel von am Schreibtisch ausgearbei- teten Sozialisierungsprojekten, sondern viel mehr von einer organischen Entwicklung der Wirtschaft. Die Frage der Möglichkeit der Sozialisierung hängt innig damit zusammen, wie weit den breiten Volksmassen die Notwendigkeit gesellschaftlicher Eingriffe in der Volkswirtschaft klar geworden ist. Sie ist also eine FragederErfah« r u n g, die das Volk mit den Wirtschaftsformen macht. Für heute stellt sich diese Erfahrung in unserem Voll so dar. daß es zwar die Entwick- «eite 2 Mittwoch, 7. Anguss ISIS Nr. 182 lungSfähigkeit der Privatwirtschaft kennt, aber auch, mit welch ungeheurem Risiko die reine Privatwirtschaft verbunden ist.-Wir haben diese Erfahrung deutlich genug an den Kreugerun- ternehmungen gemacht. Ein Schulbeispiel, wie es möglich ist für einen einzelnen privaten Unternehmer eine Unternehmung riesengroß aufzublasen, wie aber der Zusammenbruch ein ebenso ungeheures Risiko für alle ist. Aus dieser Erfahrung ergibt sich für das Bewußtsein deS Volkes die Notwendigkeit eines Systems der gesellschaftlichen Kontrolle. Ich stehe mit dem englischen Nationalökonomen Salier auf dem Standpunkt, daß wir in den nächsten Jahren durch ein Sy st em der Kombination der Privatwirtschaft unddergesell- schastlichen Kontrolle gehen werden. Diese Kontrolle ist nicht immer möglich, wenn man will, aber man muß sie durchführen, wenn man kann. Der Weg zum Sozialismus ist ein ökonomischer Entwicklungsprozeß. Marx hat uns gelehrt, daß die kapitalistische Ordnung in zwei Linien verläuft, der technischen Entwicklung und der Akkumulation des Kapitals und der Betriebe in den Händen Einzelner. Es ist das Risiko der Krise, das den gesellschaftlichen Eingriff notwendig macht und im Bewußtsein des Volkes die Notwendigkeit einer gesellschaftlich kontrollierten Wirtschaft einpflanzt. Solche Ansätze kontrollierter Wirtschaft finden sich bei uns viele. Wir haben große Betriebe, zum Beispiel die Wein- und Spritzentralc, die an sich selbständig, nicht direü unter der Leitung des Staates steht, sondern unter Kontrolle des Staates, aber ihre Gewinne an die Allgemeinheit abführt. Eine soziali« stische Partei hat als Ziel eine b e st i m-m te ökonomische Ordnung, aber sie muß alle Methoden anwenden, die sich aus der Entwicklung selbst ergeben." Man frägt sich, Genosse Hanffon, naturgemäß bis zu welchem Punkt sich das Bürgertum und die bürgerlichen Parteien eine solche Politik der Sozialdemokratie und der sozialistischen Parteien gefallen laßt? »Die Frage nach dem— wie wir sagen— Sprengpunkt zwischen bürgerlicher und sozialistischer Poli- t i k beschäftigt uns natürlich sehr. Man kann sagen, daß heute die Stimmung breiter Masten auch det bürgerlichen Wähler die ist: das i st eineguteRegierungundsieleistet etwas. Natürlich in den politischen Exponenten der bürgerlichen Wähler, den Parteien ist die Stimmung freilich etwas anders. Gewiß, sagt man sich auch hier, daß eine gute und handlungsfähige Regierung am Ruder ist, aber man hat hier Angst, daß die allzulange Dauer einer sozialdemokratischen Regierung eine Durchsetzung des staatlichen administrativen Apparates bedeutet und daß eines Tages die Regierung daraufhin mit einem fertigen Programm eines sozialistischen Projektes hervortreten kann— wenn es nämlich den bürgerlichen Parteien, die bisher aus Gründen der gesunden Vernunft die Politik der sozialistischen Regierung unterstützt haben, nicht mehr möglich ist, sich aus dem Zwang der Regierung zu folgen, zu befreien. Das ist speziell bei den Liberalen der Fall, die bisher mit uns gegangen sind. Man hat Angst, daß wir auch in der Regierung bessere Sozialisten sind, als uns die Bürgerlichen, die uns folgen, haben wollen. Es ist selbstverständlich, daß das schwedische Finanzkapital alle- daransetzt, uns zu stürzen und es arbeitet hinter den Kulissen mit aller Energie daran. An einen Gprengpunkt in den eigentlich wirtschaftlichen Fragen zwischen den Sozialisten und den uns bisher gefolgten Bürgerlichen glaube ich jedoch vorläufig nicht. Viel eher gibt es Gegensätze in den rein politischen Fragen, so etwa in der Verteidigungsfrage, die ja jetzt aktuell geworden ist und dem Reichstag von 1936 zur Verhandlung vorliegen wird. Für die Wahlen von 1936 wird die Verteidigungsfrage aber kaum mehr eine Rolle spielen. Es ist ein interesianter Zufall, daß 1936 in allen skandinavischen Ländern Wahlen zu den Parlamenten stattfinden werden: in Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland. Diese Wahlen werden eine Kraftmeffung für unsere sozialistischen Methoden sein. Es ist gewiß möglich, daß bei uns vor den Wahlen eine Konstellation eintritt, die uns nicht mehr in der Regierung findet. Wir sind ja in der Regierung nicht um jeden Preis, sondern nur solange als wir etwas nützen können, wenn wir uns auch wohl bewußt sind, daß Abessinien sucht Celd Paris.(Tßch. P.-B) Der abessinische Gesandte in London, Dr. Hartin, hat dem Vertreter des„Jntranffgeant" erklärt, daß er, wenn möglich, fünf Millionen Pfund auf dem englischen Markt für sei« Land freizumachen versuche. Andernfalls würde er eine Anleihe bei Pierponi Morgan aufnehmon. Abessinien brauche dieses Geld, nicht nur um Krieg führen zu können, sondern auch für die Nutzbarmachung der ungeheueren Bodenreichtümer des Landes. Abessinien sei durchaus bereit, Konzessionen für die Ausbeutung seiner Petroleum-, Kupfer- und Goldvorkommen zu erteilen. Was die etwaigen feiirdlichen Auseinandersetzung mit Italien anlange, habe Abessinien ein« Sonderkriegssteuer eingeführt, die fünf Millionen Pfund Sterling erbringen soll. Jeder Abessinier sei bereit, für die Freiheit und das Herrscherhaus zu sterben. es notwendig ist, den breiten Wählermassen vor Augen zu führen, daß auch eine sozialistische Regierung eine Politik kontinuierlich durchführen kann. Manches wird dabei von unserer Bauernpartei abhängen, die noch vor kurzem eine konservative Partei war, mit der ein Bündnis von sozialistischer Seite für unmöglich gehalten wurde. Aber die Krise hat dahin gewirkt, daß die Bauernpartei die ökonomische Kraft der Arbeiterllaffe zu schätzen gelernt hat, daß die Bauern durch den Zwang sich zu organisieren auch die Ideologie der Arbeiterklasse zu verstehen gelernt haben und daß daher das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern in Schweden nicht nur ein zufälliges ist. Wenn in politischen Fragen auch ein Moment eintreten kann, wo die Wege zwischen den Parteien auseinandergehen, so müssen sie sich doch notwendig wieder treffen." Die abessinischen Soldaten seien ausgezeichnet« Schützen, doch fehle es an Mausergewehren. Tanks und Flugzeuge seien so gut wi« nicht vorhanden, aber was könnten sie auch in einem Lande auSrichten, daS bergig zerllüftrt sei und kein« großen Siedlungen besitze? Rom.(Tsch. P.-B.) In hiesigen zuständigen Kreisen verlauten nunmehr die Einzelheiten des 9. Mobilmachungsbefehls, der noch im Laufe des Dienstag amtlich iekanntgegebrn werden wird. In dem MobilmachungSkommuniqut heißt es, daß infolge der fortschreitenden Mobilmachungsmaß- nahmen der abessinischen Truppen Mussolini als Kriegsminister die Mobilmachung zweier neuer Divisionen u. zw. der Divisionen A s s e t a und C o s s e r i a befohlen habe. Die Division Cos- s e r i a wird durch eine Division Cofferia Rr. 2, ersetzt, dj« A s s e t a durch eine neue Division T r e n t o, die vollständig motorisiert sein wird. Außerdem ist eine 6. Schwarzhemden-Division T e v e r e gebildet worden, die auS den italienischen Freiwilligen im Auslande, Frontkämpfern, Einzug der„Kultur“ in der afrikanischen Wüste Gesteigerte Kriegsrüstung 88 Roman von Emil lfijrhrk. Deutsch von Anna AurednlCek Alle diese Menschen grüßten, salutierten und rührten sich nicht von der Stelle. Der Minister wollte den Zug nicht eröffnen, ex schob Beinsteller vor und versicherte, daß bei einer Hochzeit der Zeuge immer hinter dem Bräutigam und der Braut ginge. Der Minister war nämlich Beinstel- lers Zeuge und bot jetzt dem ältlichen Fräulein Fanni den Arm, auch Frau Petricek genannt, die Sophiechens Zeugin war. Sakrament, die haben mir was Sauberes angetan, dachte Beinsteller. Er schämte sich, hob dann aber stolz den Kopf und blickte Sophiechen liebevoll an, als wollte er sagen:»Siehst du, Mädel, all diese Ehrenbezeigungen? Das ist, weil du mich» den Beinsteller, Trafikanten vom Poktk und Helden, heiratestl Wäre der grüne Kräutler an meiner Stelle, so krähte kein Hahn nach dir!" Und er wälzte alle die Ehren auf Sophiechens Schulter; sie waren sozusagen sein Hochzeitsgeschenk. Mit stolzen Schritten, gleich einem geborenen Befehlshaber, führte er die lange, würdige Suite die Stiegen hinauf. Endlich waren alle vor dem großen Saal angelangt, wo sich ihnen die Mieter des Hauses Nr. 6660 am ZiZkov mit dem Hausherrn Buchwein anschlossen. Beim Anblick dieser Feier rissen alle Mund und Augen auf. Schon öffnete der Diener den Herrschaften die Tür und Beinsteller trat stolz erhobenen Hauptes ein. Neben ihm, krampfhaft seinen Arm pressend, trippelte Sophiechen. Sie war von dem Pomp noch mehr eingeschüchtert als die Mutter Chalupa, die sich unbekümmert um Magdalenas drohende Blicke in den Saal drängte, um wenig stens im Hintergrund der Feier beizuwohnen. Der Bürgermeister lächelte liebenswürdig, putzte sein Augenglas, zeigte dem Minister und den Hochzeitsgästcn seine schönen Zähne und sprach:»Es ist überflüssig, so intelligenten Brautleuten den Ernst der Zeremonie vorzuhalten, der sie sich unterziehen..." Trotzdem! sprach er aber vom Ehestand, erwähnte die Verdienste des Bräutigams, die Tugenden der Braut und sprach eine ganze lange Weile. Im Winkel lauschte Mutter Chalupa. Sie trank andächtig die Worte, wovon sie keines verstand, obwohl sie jede Silbe hörte. Sie wußte nur, daß es eine besonders erhebende Feier war, von der ein Bruchteil ihr, der Mutter der Braut, zufiel. Das verlieh ihr einen verzwei- felten Mut. Sie bahnte sich mit den Ellenbogen den Weg, versetzte den Offizieren des Stabes und der Ministerien einige Rippenstöße, den Kommissären und Gerichtsräten einige Püffe. Wenn man sie nicht durchlaffen wollte, sagte sie nur:»Ich bin ihre Mutter." Dann öffnete sich gleich die Men- scheMvand und Frau Chalupa befand sich schließlich dicht hinter den Zeugen, drei Schritte vom Bürgermeister enffernt. Der Bürgermeister sprach immer weiter. Die Zahl der von der feierlichen Hochzeit angelockten Zuschauer wurde immer größer. Alle Pärchen lauschten und sahen nicht ohne Neid die Festlichkeit. Nur Magda und Foltr standen abseits im Gang und empfingen ärgerlich ihre Zeugen, die sich endlich einstellten. Nur diese Zeugen bewahrten Herrn Foltr vor sicherem Unheil. Magdalenas Zorn erreichte den Höhepunkt, als trotz ihren Drohungen Mutter Chalupa es wagte, den Hochzeitsgästen zu folgen. Vor dem Rathaus wartete eine dichtgedrängte Menge. Zum letztenmal verursachte Beinsteller der Polizei einige Mühe. Eine ganze Reihe von Wachleuten hielt die Ordnung in den Straßen aufrecht. Die frischgestrichene Trafik auf dem Poitk war gesperrt. Ein Zettel hing an der Tür mit der Aufschrift: Wege« Hochzeit bis 3 Uhr gesperrt. Indessen war oben alles vorüber. Grün wie Herr Foltr hatte Beinsteller sein J a gesagt» dir aschgraue Sophie ihm Gehorsam und Treue versprochen. Eine lange Reihe von Männern und Frauen war angestellt, um den Neuvermählten die Hand zu drücken. Als erster kam der Bürgermeister, ihm folgte der Minister. Mutter Chalupa weinte an der Brust der Zeugin Petricek. Die Offiziere schlugen die Haken zusammen. Vizepräsident Kvech sprach Beinsteller zum erstenmal mit»Herr" an. Zuletzt kam die Hühnersteige an die Reihe. Beinsteller zitterte bereits das Kinn. Sophie war längst keines Wortes mächtig. Sie strahlte nur alle Menschen mit liebevollen, begeisterten Augen an. »DaS ist schön von euch", begrüßte Beinsteller die Hühnersteigler.„Nächstens müßt ihr auf ein Glas Wein kommen." Beinsteller hatte kein Hochzeitsmahl. Der Minister wünschte, daß die Neuvermählten mit ihm speisten, und Beinsteller konnte sich nicht entschließen, auch nachmittags.die Trafik gesperrt zu lassen. Am Samstag nachmittag! Wenn das beste Geschäft ist! Nun erschien der Bürgermeisterstellvertreter, um die anderen Trauungen zu schließen, die für diesen Tag anberaumt toaren. Im Augenblick, da der Bürgermeister Beinstellers Arm nahm, um ihn mit der Braut und den Zeugen in sein Kabinett zu führen, traten Magda und Herr Foltr, von ihren Zeugen begleitet, ein. Mutter Chalupa stand unentschlossen zwischen beiden Gruppen. Herr Foltr senkte die Augen, Magdalena blickte herausfordernd umher. »Einen Moment, Herr Bürgermeister", sagte Beinsteller.»Ich muß hier noch etwas in Ordnung bringen." Und er ging auf Herrn Foltr zu:»Sie Kräutler, ich war eine Zeitlang scharf auf Sie", sagte er und versetzte Foltr«inen freundschaftlichen Rippenstoß.»Aber jetzt, jetzt, loben wir Sie Freiwilligen und Kriegsverletzte« zusammengesetzt sein soll. Ihre Leitung übernimmt der General Soscardi. Die freiwillige studentische Jugend wird gleichzeitig in Schnellkursen auf baldige Eingliederung in die für Ostafrika bestimmten Truppenteile vorbereitet. Bei den von de« neuen Mobilmachungen betroffenen Truppenteile» handelt es sich diesmal um in Piemont nahe der französischen Grenze gelegene Divisionen. Lolidarisch mit dem Angegriffenen Alexandria. Die Hafenarbeiter in P o r t S a i d haben beschlofserr, die Arbeit für italienische Schiffe i« Falle des Ansbrnches der Feindselig« Leiten zu verweigern. Japan liefert Abessinien Waffen London. Wie die Abendprcsse meldet, hat die abessinische Regierung am vergangenen Freitag einen Vertrag mit Japan für eine Großlieferung von Waffen und Munition abgeschlossen. Gleichzeitig seien die Vorbereitungen für die Entsendung einer japanischen Militär- und Handelsdelegation nach Abessinien so gut wie beendet. USA-Beobadrter für Europa Paris. Nach einer Meldung der Agence Eco- nomique et Financiere aus Washington wird sich Senator Pope, Mitglied des auswärtige» Scnatsausschusscs, am 13. August nach London und von dort nach Paris, Genf und Rom begebe». In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß Pope die Rolle eines halbamtlichen Beobachters', der Vereinigten Staaten im italienisch-abessinischen Konflikt spielen werde. Kühe auf Kreta wiederhergestellt Athen.(Tsch. P.-B) Wie auS Gandia gemeldet wird, ist die Ruhe in den Streik- und kl»- ruhegcbieksn vollkommen wiederhergestellt. Dit Arbrtt ist überall ausgenommen worden. Zu neue» Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Eint Untersuchung ist eingeleitet worden. Italienische Irredenta Im Tessin Bern.(SDA.) Die Presse der SüdschwciZ veröffentlicht Einzelheiten und die aus der Untersuchung wegen irredentistischer Umtriebe bekannte» Namen und verlangt ein energisches Einschreiten gegen die an diesen Umtrieben Beteiligten. J>» Vordergründe derselben stehen die Redaktrice des Blättchens»Adula", Fräulein B o n t e m p i, und ein gewisser Colombi, dir beide Subsidien aus dem Auslande bezogen. Amerikanischer Protest gegen Judenverfolgungen Washington. Die Vertreter der jüdischen Organisationen in den Bereinigten Staaten haben b» Staatsdepartement gegen die Judenverfolgunge» in Deutschland protestiert und gefordert, daß die amerikanische Regierung gegen dieses Borgehe» amtlicher deutscher Stellen im Namen der Mensch« lichkeit Protest einlegen. über Len grünen Klee, ich und Sophiechen. U»d nennen Sie unseren besten Kameraden... Sim Sie Raucher? Dann kommen Sie zu mir, ich suche Ihnen die feinsten, trockensten Kuba aus." »Höre ihm nicht zu» dem Lümmel", leiste Magdalena. »Und Ihnen, Jungfer Magdalena, lege i» einen guten— Schnupftabak zur Seite", sagte Beinsteller zu ihr gewendet.»Sie werden iS» brauchen, aus Ihnen wird eine giftige Alt« werden." Jemand schluchzte in seiner Nähe und Bei»« steller drehte sich um. Es war Mutter Chulup»' die weinte. Da sagte er ihr:„Heulen Sie rttÄ/' Mutters Sie können stolz auf Ihr Werk sein. haben aus einem Bräutchen zwei gemacht. Welches Mutter ist je so etwas gelungen? Sophiechen läN Ihnen sagen, daß sie nicht mehr böse ist." »Mein goldenes Sophiechen!" seufzte b»* mütterliche Herz der Chalupa. »Wenn sie golden ist, kannst du bei ihr blei« ben!" zischte Magda.»Ich ziehe auS, die golde»e Sophie soll weiter um dich sorgen." »Ich glaube nicht, daß die Mutter dabei 3 1’ kurz kommen wird, Jungfer Magdalena. Sie verflucht wenig Heller von Ihnen gesehen. phiechen möchte der Mutter viel mehr fehle»' Uebrigens haben wir uns die Sache schon zurecht« gelegt. Keine Angst, Mami, Kopf hoch! Ich werde Ihnen einen ordentlichen Kostgänger verschösse» und ein paar Krönlein werden bei uns auch f»* Sie abfallen." „Mein goldener Schwiegersohn", schlug Mutter Chalupa, und ehe sich's Beinsteller versah, hatte sie seine Hand erwischt und drückte eine» Kuß darauf.. »Ist schon gut", sagte Beinsteller,»aber t» mein Quartier kommen Sie nicht. Es ist immer für beide Teile besser, und man behäll einander lieb, wenn jeder auf einem anderen Ende de» Welt wohnt." (Fortsetzung folgt.) Nr. 182 Mittwoch, 7. August 1935 Seite 3 fudetmdeutsdiev£citspicgel Dorftragödie im tiefsten Böiimerwald Ein Landstreicher ersticht den Ortsvorsteher— Genosse Six aus Chinltz-Tettau findet als Opfer sozialer Pflichterfüllung den Tod Aus dem Böhmerwalde wird urrd geschrieben: Die Bevölkerung des Hochlandes um Rehberg wurde vorige Woche durch einen tragischen Todesfall tief bewegt. Der sozialdemokratische Bcrfteher, der zu Rehberg gehörigen Ortschaft Chinitz-Tettau ist in Ausübung seiner Pflichterfüllung für die Allgemeinheit das Opfer eines mörderischen Anschlages geworden. Rehberg leidet, so wie alle armen Böhmerwaldgemeinden, sehr an dem fast unlösbaren Problem der Versorgung der Ortsarmen. Die Krise wirft Leute, die jung in die WeU hinausgewmidert find, oder sogar ihre Zusländig- keitSgememde nie gesehen haben, wieder gestraa» det in die Heimat zurLck. Gemeinden, die selbst in ihrer Mehrheit von Notleidenden Arbeitslosen bewohnt sind, sollen ihnen nun Obdach schaffen und für ihren Unterhalt sorgen. Im sozialdemokratisch verwalteten Rckhberg haben vor einem Jahr die Arbeitslosen durch grötztenteils unentgeltlich verrichtete Arbeit«in Armenhaus gebaut. Es konnte aber seinem Zwecke nicht zugeführt werden, weil darin zunächst einige Schulklassen untergebracht werden mutzten, für die sonst einfach keine Räumlichkeiten aufzutreiben waren. Deshalb mutzten die Gemeindearmen— in diesem Fall ohne Schuld der armen Gemeinde— weiter in die„Umfuhr" gegeben werden, d. h. von Haus zu Haus auf Kost und Herberge gehen. Nach Rehberg kehrte im Vorjahr ein gewiffrr Max Fürch zurück, der zwar in Bayern geboren und ausgewachsen, aber noch immer hierher heimatszuständig war. Drüben diente er meist als Pferdeknecht, ist aber dann wegen Beteiligung an mehrevm Messerstechereien, wie sie im bayerischen Wald« üblich sind, abgestraft und ausgcwiesen worden. In Rehberg verlangte Fürch Quartier und Verpflegung. Da ihm die gebotene Versorgung nicht entsprach, ging er mit einem Karren auf Wanderschaft und pilgerte durch den Böhmerwald. Dabei heiratete er in Böhmisch Röhren eine Ebenfalls in Gemeindeversorgung stehende Frau. Für die 800 Kd Mitgift, die Böhm. Röhren gab, tauschte Rehberg eine weitere versorgungspflichtige Person«in. Im vorigen Herbst kehrte Fürch wieder nach Rehberg zurück. Man schaffte dem Paar ein notdürftige- Obdach und kaufte ihm eine Ziege dazu. Im Frühjahr verklapste Fürch die Ziege und andere Habseligkeiten und ging wieder auf Wanderschaft. Unlängst stellte er sich mit Frau und Wägelchen neuerdings in der Heimatsgemeinde ein. Diesmal gelang es, die Leute bei einem Bauern unterzubringen. Sie «nutzten ober die Bleibe nach kurzer Zeit verlaffen, weil Fürch die verlangte Arbeit nicht leisten wollte. Also sollte sich wieder die Ortschaft Chinitz-Tettau kümmern, die für die OrtSarmen ihres Bereiches nach einer älteren Vereinbarung aufzukormnen hat. Der Vorsteher Genosse Six wuhte sich aber keinen Rat, da in den meist überfüllten Holzhauerhäuschen kein Wohnraum aufzutreiben war. Obwohl selbst in Miete«ud die meiste Zett arbeitslos, beherbergte und verpflegte er das Paar 12 Tage lang aus eigenen Mitteln. Dann sollte es provisorisch in einem sogenannten FlachSbrennhauS untergebracht werden. Dort gab es am ersten, Abend mit dem Besitzer Streit, weil Fürch feuergefährlich hantierte. Genosse Six wurde als Schlichter gerufen. Böser Ahnungen voll, wollte er einer Kontraverse mit Fürch ausweichen und mit dem Fahrrad nach Rehbcrg fahren, um bei dem Bürgermeister Rat einholen. Ein Zufall hielt hin zu rück. Ueber dem Hause kreiste ein großer Raubvogel und lietz seine Beute, einen jungen, noch lebenden Kuckuck, fallen. Genosse Six trug diesen Vogel über Wunsch seines tierliebenden 8jährigen Töchterchens ins Haus. Neuerdings gerufen, ging er mit dem Kind an die Streitstelle. Dort versuchte er Fürch gut zuzureden und lud ihn ein, diese Nacht in seinem Miethäuschen zu schlafen, damit anderntags mit Hilfe des Bürgermeisters eine bessere Lösung gefunden werden könne. Der Landstreicher aber zückte ohne jeden Wortwechsel ein langes Messer und stach vor den Augen des entsetzten Kindes blindwütend auf Genossen Six ein. Six erlitt Stichwunden im Gesicht, in der Brust»ud durch euren mörderischen Schnitt wurde ihm der Bauch amfgetrennt. Tödlich verwundet lief Six noch über 206 Schritt seinem Häuschen zu, bis er zusammenbrach. Sein Kind holte mit dem verzweifelten Ruf:„den Die Lase im Kohlenbergbau Augenblicklich besser, aber Befürchtungen für die Zukunft Wie wir dem„Glückauf" entnehmen, macht sich im Monate August im Kohlenbergbau die erwartete saisonmäßige Belebung geltepd. Die Gruben dürften bereits in den nächsten Tagen etwas besser beschäftigt sein und die Bergarbeiter wieder mehr Schichten verfahren als bisher. Leider ist aber nicht damit zu rechnen, daß die bessere Beschäftigung von Dauer sein wird. Eine dauernde Belebung der Kohlenwirtschast wäre nur dann möglich, wenn die Fabriken wieder besser beschäftigt sein würden. Dazu kommt noch, daß unsere ohnedies zusammengeschrumpste Braunkohlenausfuhr nach Deutschland bedroht ist. Die Httlerregierung hat in der letzten Zeit ihre Bestrebungen nach Drosselung der tschechoslowakischen Kohlenausfuhr nach Deutschland sehr verstärkt. Eine Verringerung des Kohlenbezuges durch Deutschland würde vor allem der deutsche Tata habens gestochen" die ersten Helfer herbei. Es dauerte aber zwei Stunden, bis aus dem zehn Kilometer entfernten Autzergefild ein Arzt geholt werden konnte und bis Six mit einem Lastauto in das Strakonitzer Krankenhaus übergeführt wurde Eine sofort vorgenounnene Operation konnte aber sein Leben nicht mehr retten. Als sich sein Zustand als hoffnungslos herausstellte, wurde Genosse Six sterbend mtt einem Sanitätsauto in die Heimat zurückgebracht und verschied aus dem Wege, in Rehberg. Fürch legte sich nach vollbrachter Bluttat seelenruhig auf sein improvisiertes Lager und lietz sich von der Gendarmerie widerstandslos verhaften. Er wurde vorerst in das Bezirksgericht Bergreichenstein und von dort nach dem Kreisgerichte in Klattau eingeliefert. Fürch soll sich übrigens schon vorher in Autzergefild geäußert haben, wenn ihm der Vorsteher von Chinitz keine Wohnung verschaffe, so werde er ihm den Buch auftrennen. Das Messer kaufte er unlängst in Neuern. Freitag wurde Genosse Six unter großer Beteiligung auf dem Rehberger Friedhofs begraben. An seinem Grabe sprachen Bürermeister Genosse Webinger und Genosse Gruber für die Ortsgruppe der Forstarbeiter tiefempfundene AbschiedAvorte. Bergarbeiter in den tschechoslowakischen Braunkohlenrevieren zu spüren bekommen. Die Absichten der Hitler-Regierung bedeuten also eine Gefährdung des deutschen Arbeitsplatzes für nicht wenige deutsche Bergarbeiter in Rordwrftböh- men und Falkenau. Für die Arbeiter im Steinkohlenbergbau wiederum bildet die zunehmende Kohleneinfuhr aus Polen und der ständige Rückgang der Kohlenausfuhr nach Ungarn und Oesterreich eine Gefahr für ihre Exi- stenz. Die Ablehnung der Kohlenausfuhr im Kompensationswege(gegen Einfuhr von Lebensmitteln) durch die Agrarier hat zu einem schweren Rückgang der Ostrauer Kohlenausfuhr nach Ungarn, aber auch nach Oesterreich geführt. Es besteht die Gefahr, daß auch der Rest dieser Ausfuhr verloren geht. Zeigen schon diese Ausführungen, wo der Hebel angesetzt werden müßte, damit die Verhältnisse im Kohlenbergbau sich bessern, so sei Der„Tag der Freiheit“ In Dux Felix Fechenbach zum Gedächtnis Am 7. August jährt es sich zum zweiten Male, daß Felix Fechenbach einer tödlichen Kugel zum Opfer gefallen ist. Die deutsche Presse verbreitete damals die Nachricht, er sei bei einem Fluchtversuch erschossen worden. Sie fand mit diesem plumpen Märchen nirgends Glauben. Ueberall begegnete dieser feige Meuchelmord eines Wehrlosen der empörtesten Mscheu. Aber unsere Zeit ist schnellebig und zu reich an Ereignissen. Anderes Geschehen hat die Erinnerung an Fechenbach verdrängt; die Wiederkehr seines Todestages ruft sie wach.» Dem Märtyrertode entsprach das ganze, so ftüh vernichtete Leben dieses aufrechten Mannes. Den Kampf für Menschenrecht und Freiheit zu führen, war sein stetes Ziel. Dahinter trat jede Rücksichtnahme auf die eigene Person zurück. Alles, was er tat, geschah im Dienste des Sozialismus. Niemals hat er es darauf angelegt, Ehren einzuheimsen oder für sich selber einen Vorteil zu erringen. , Als im Jahre 1918 das langst brüchig gewordene und durch den Krieg vollends unterminierte militaristische und dynastische System Unrettbar zugrunde gehen mußte, stellte er sich als blutjunger Mensch in die vorderste Reihe neben Kurt EiSner. Es war kein Zufall, daß dieser nach der Uebernahme der Macht Fechenbach zum Manne seines uneingeschränkten Vertrauens machte. Er hätte keinen Besseren finden können. Das selbstlche Streben der beiden Männer scheiterte an der gleich wiedererstandenen nationalistischen Clique, die das Tun der beiden Männer in lügenhafter und haßvoller Verdrehung zu Hoch- unb. Landesverrat stempelte. Von einem unreifen Burschen, dem Grafen Arco, wurde Eisner nicdergeknallt. Fechenbach machte man jenen Prozeß, der, wie kaum ein zweiter, Staub aufgewirbelt hat. Der Hpvuch eines verfassungswidrigen .Volksgerichtshof" schickte ihn auf lange Jahre ins Zuchthaus. Noch selten war ein schlimmeres Fehlurteil gefällt worden. Nicht nur die Freunde und Genossen des unschuldigen»Verbrechers" lehnten sich dagegen auf. Zu ihnen gesellten sich in großer Zahl Männer und Wissenschafter, die ihrer politischen Einstellung nach auf anderem Boden standen. Ein jahrelanges, zähes Ringen setzte ein. Unrühmlich genug war sein Ende. Wohl kam Fechenbach wieder in Freiheit. Aber das über ihn verhängte Urteil wurde nicht aufgehoben, sondern er wurde„begnadigt", und auch das nur auf Grund eines politischen Kuhhandels schlimmster Art. Das Gegenobjekt war kein anderer als Adolf Hitler. Der saß damals wegen des in München im November 1923 angezettelten PutsckeS auf der Festung Landsberg. Gleichzeitig mit Fechenbach wurde ihm der Rest der Strafe im Gnadenwege erlassen. Hätte Fechenbach seine Strafe ganz verbüßen müssen, so wäre sie erst im August 1933 zu Ende gewesen, wenige Tage nach seiner Ermordung. Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus hatte Fechenbach aber nun noch ein paar Lebensjahre vor sich, in denen er sich, wie ehedem, bis zum äußersten für alle Schwachen und Bedrückten des werktätigen Volkes eingesetzt hat. Als politsscher Journalist suchte er seine Ausgabe zu erfüllen, zunächst als freier Schriftsteller in Berlin und dann als Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung in Lippe-Detmold. Dort ereilte ihn das Schicksal. In seiner ganzen Tragweite hat er es kaum vorhergesehen. Wühl bestürmten ihn seine Freunde bald nach der Machtübernahme durch Hitler, er solle zu seiner Sicherheit Detmold verlassen. Aber nur seine Frau, mit welcher ihn die glücklichste Eh« verband, samt den drei kleinen Kindern veranlaßte er zum Weggehen. Auch sie tat alles, ihn zu ihrer Begleitung zu belvegen. Ueber die große Liebe zu seiner Familie stellte er die vermeintliche Pflicht. Er blieb. So war es unabwendbar, daß Fechenbach anfangs März 1938 in Schutzhast' in das Detmolder Gerichtsgefängnis gebracht wurde. Sein letztes Werk, das er seiner Frau widmete, ist im Detmolder Gerichtsgefängnis entstanden. Die Veröffentlichung hat er nicht mehr erlebt. Unter dem Vorwand, daß er in einem Konzentrationslager— dem berüchtigten bayerischen Dachau— untergebracht werden müsse, erfolgte am Morgen des 7. August 1933 sein Wtransport von Detmold im Kraftwagen. Nur sechzig Kilometer weit fuhr das Auto. Dann taten die Schergen ihr blutiges Werk und vernichteten daS Leben eines der Bestens Sie leisteten gründliche Arbeit: nach wenigen Stunden schlossen sich für immer die Augen jenes Helden, der«S im reichsten Maße verdient hat, daß wir heute und für alle Zeiten seiner in steter Dank« barkett gedenken. A. S. noch auf einige Forderungen der Bergarbeiter- gewerkschaften hingewiesen, deren Berücksichtigung die Lage der Bergarbeiter verbessern würde. Die Gewerkschaften fordern die Herabsetzung der Kohlentransportkosten, die Aufhebung der Kohlensteuer, die Einführung von Kohlenzwangssyndikaten und die Verkürzung der Schichtzeit im Bergbau. Kladnoer Bergarbeiter Im Arbeitsministerium Kladno.(Tsch. P.-B.) Heute findet im Ministerium für öffentliche Arbetten eine Beratung der Vertreter der Kladnoer Bergleute statt, bei der die A n t w o r t auf die von der Bergarbeiterdelegation am 26. Juli d. I. hinsichtlich des Ergebnisses der amtlichen Erhebungen in den Kohlenbergwerken von Kladno gestellten Fragen erteilt werden wird. Die Anfragen der Vertreter der Bergleute richten sich namentlich darauf, ob die amtliche Untersuchungskommission die außerordentlichen Jnvestitionsarbei- t e n im Jahre 1934, die von den Grubenbesitzern durchgeführt wurden, weiter die P r e i s e der für die eigenen Unternehmungen gelieferten Kohle, die Preise des aus eigenen Unternehmungen gelieferten Materials und schließlich die Gc w i n n e der eigenen Kohlenverkaufs st el« len berücksichttgt habe. Die Beratung wird lediglich informativen Charakters sein. Programm 6er tschechischen christlichen Gewerkschaften Kritik am Kapitalismus— Der Klassengegensatz Die„Lidove Noviny" berichten über ein Programm, welches der Reichsgewerkschaftsrat der christlichen Arbeiterorganisationen in der Tschechoslowakei ausgearbeitet hat. Dieses Programm bedeutet nach der Meinung des Blattes ein« bemerkenswerte Annäherung an jenes der sozialistischen Gewerkschaften. Der allgemeine Teil des Programms beginnt mit einer scharfen Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, welche Ueberfluß und Hunger zugleich hervorgebracht hat. Die kapitalistische Wirtschaft hat die Gesellschaft in zwei Hauptklassen geteilt: die Klasse der Produktionsmittebbesitzer, die nach Profit streben und die Klasse des Jndustrie- proletariats, deren Lebensniveau unter die Grenze aller Gerechtigkeit herabgedrückt und die völliger Arbeitsunsicherheit preisgegeben wurden. Deswegen ist die Reform der Gesellschaftsordnung und der Umbau des gesamten Staates notwendig. In den wirtschaftlichen Einzelforderungen spricht sich das Programm für einen Wirtschaftsplan aus, der von einem staatlichen Wirtschaftsrat auSzuarbeiten ist. Bis zur Schaffung dieses Wirtschaftsrates ist eine vorläufige a l l st a a t- liche Gewerkschaftszentrale zu schaffen, in der alle Gewerkschaftsorganisationen vertreten sind. Was die Industrie betrifft, sprechen sich die christlichen Gewerkschaften für Jndu« striesyndikate aus, in denen auch den Gewerkschaften ein gewisser Einfluß eingeräumt ist. Weiters wird für eine einheitliche Arbeitsvermittlung Stellung genommen sowie für die Errichtung größerer Krankenkassen, welche ein Gebiet von zehn bis 15 Bezirken umfassen sollen. Politisch spricht sich das Programm für die Demokratie aus. .' Die SHStettung vom Kreisturnfest der Arbeiterturner In Aussig erscheint Mittwoch, den 7. August. Was bringt die Bildzeitung? Aufnahmen: der Massenkundgebung am Marttplatz, der Freiübungen und Veranstaltungen am Stadion, der turnerischen und sportlichen Wettkämpfe im Warmbad Kleischr und der Kampfbahn, sowie Auszüge aus der„wahrhaften" Berichterstattung der»SPB" und anderen bürgerlichen Zeitungen. Seite 4 Mittwoch, 7. August 1935 Nr. 182 Ml UNn im Hm MW MngM S a l z b u r g. In der Molkerei der Firma Worhrle in Henndorf bei Salzburg stürzte Dienstag früh infolge Reißens des Seiles der Auszug mit 13 Arbeiterinnen in die Tiefe. Dabei erlitten fieben Arbeiterinnen tödliche Berletzungen. Einige von ihnen kümpfen im Krankenhause von Aclsburg, wohin ste überführt wurden, mit dem Tode. Internationale kalken republiK„Trotz alledem“ in Berncnil l'Elang(Frankreich.) Berneuil ist eine Gemeinde mit 700 Einwohnern und wird von einer sozialistischen Mehrheit verwaltet. Am Ausgang des Dorfes befindet sich ein Park mit einem Schloß. Der wundervolle Park und Wald wurde für das internationale Zeltlager zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Kommunen^Dörfer) sind unter alten ehrwürdigen Bäumen verschiedener und seltener Art, umgeben von wilden, efeu-umrankten Gesträuchen, aus dem blühende Heckenrosen leuchten, aufgeschlagen. Das Lager vereinigt bereits 600 französische, 80 deutsche und vier Skauts aus der Tschechoslowakei, 44 deutsche und zwölf französische aus der Schweiz, 86 englische und eine Anzahl Arbeiterkinder aus Italien, Deutschland und Oesterreich, welche von den Fascisten aus ihrem Hcinratland vertrieben wurden. 120 Wallonen und 76 Flamen aus Belgien werden erst einige-Tage später in die internationale Faktenrepublik kommen. Das ganze Lager ist in drei Kommunen, und zlvar in eine Sturmfalken-, eine Rotfalken- und ein« Iungfalkenkommune eingeteilt. Die von 500 Rotfalken bewlchnte Kommune ist die stärkste. Lagerpräsident ist der französische Abgeordnete Georges Monnet, der Führer der französischen Kinderfreunde. Die Leitung des Lagers liegt in den umsichtigen Händen unseres Freundes Kurt und seines Stellvertreters, des Genossen Faiseur(Paris). Außerdem hat jedes Dorf seinen Bürgermeister und andere Verwaltungsorgane. Die Küche wurde im Schloß untergebracht. In fünf großen Kesseln wird das Essen für die Lagerteilnehmer gekocht. Das Sanitätszimmer, befindet sich ebenfalls im Schloß. Die Waschanlage ist äußerst praktisch eingerichtet und mit einer großen Anzahl Duschen versehen. Die französischen Kameraden und Kameradinnen waren schon lange am Werk, um den Ar- beiterkindcrn aus den verschiedenen Ländern einen angenehmen vierwöchigen Ferienaufenthalt in proletarischer sozialistischer Gemeinschaft zu bereiten. Arbeiterkinder werden in internationaler Verbundenheit ein Stück verwirklichten Sozialismus erleben. Die Franzosen und die Falken und Skauts aus der Tschechoslowakei trafen am 1. August nachmittags in Berneuil l'Elang ein. Die Engländer, Belgier und Schweizer waren schon früher gekommen und bereiteten bereits am Bahnhaf den Neuangekommenen einen herzlichen und freudigen Empfang. Bevor an den Aufbau der Zelte geschritten wurde, versammelten sich alle Falken Mtt ihren Fahnen am Platz-vor dem Schloß- zu einer kurzen, aber imposanten Begrüßungsfeier. Nachdem in verschiedenen Sprachen das Lied„Wir sind die junge Garde" gesungen worden war, richtete unser Kamerad Kurt herzliche, den Sinn und Ztveck des Lagers beinhaltende Begrüßungsworte in drei Sprachen(französisch, deutsch und englisch) an die Versammelten. Nach ihm begrüßte auch der Lagerpräsident, Genosse Monuet, die. Fugend herzlichst. Und nun waren die fleißigen Hände aller Falken am Werk, die Zelte aufzustellen, Strohsäcke zu stopfen und alle Arbeiten, die notwendig waren, zu verrichten. Um 7 Uhr abends versammelten sich die Be- lvohner der Falkenrepüblik auf dem Schloßplatz, um den roten Fahnenwall, zur Eräffnungsseier. AuS 1000 Arbeiterkinderkehlen erklang begeistert das Lied„Wir sind das Bauvolk der kommenden Zeit". Nachher begrüßte Genosse Monuet die zur Feier erschienenen Gemeindevertreter. Unser Lagerpräsident appellierte noch an die Bewohner der Falkenrepublik, treu zusammen zu halten, nicht müde zu werden und zu bauen an einer schöneren kommenden Zeit. Mit dem Absingen der„Fnternationale" fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Am zweiten Tag gab es auch noch viel zu schaffen. Es wurde weiter gehämmert und ge- zimmert und das wohnliche Einrichten der Zelte Vollendet. Am Nachmittag konnten sich schon die Falken, welche nicht mit Wach-, Küchen- und anderen Gemeinschaftsarbeiten beschäftigt waren, beim fröhlichen Spiel tummeln. Obwohl sich unsere Fugend aus Frankreich, der Tschechoslowakei, Belgien. England nicht von Mund zu Mund verständigen können, so verstehen si« einander doch und schließen Freundschaft, weil sie wissen, daß alle Brüder und Schwestern einer großen und schönen Idee und Bewegung sind und das gleiche Ziel, die Befreiung der Arbeiterklasse, erstreben. E. M. Prag.(A. P.) Die Witkowitzer Eisenwerke haben auS der Sowjetunion eine Bestellung auf 80.000 Räderpaare und 6000 Keffelröhren erhalten. Hamburg. lA. P.) In den Sprengstoffwerken Alfred Nobel streikten 2000 Arbeiter vier Tage lang gegen die Weigerung der Direktion auf Auszahlung der sogenannten Schädlichkeitszuschläge und gegen die Erhöhung der Versicherungsabzüge. Die Fordermrgen der Arbeiter wurden angenommen. Marseille.(A. P.) Hier ttaf ein 24jähriger Leutnant der italienischen Alpenjäger mit sieben Mann ein, die aus Italien desertiert sind. Heinrich Mann an die Bergstadt Graupen Der deutsche Schriftsteller Heinrich Mann übersandte der Stadtgemeinde Graupen, die bekanntlich seine Aufnahme in den Heimatsverband zugefichert hat, folgenden Brief: Dank. Meine Nichteinbürgerung in Reichenberg hat mehr Aufsehen gemacht, als wenn man mich eingebürgert hätte. Das war nicht meine Ab.sicht, ich wollte mich nicht vordrängen. Obwohl ich schreibe, will ich immer nur, daß die Dinge für sich sprechen, und meine eigene Bedeutung ist mir gleichgülttg. Nun haben auch bei dieser Gelegenheit die Tatsachen gesprochen. Eine Anzahl Gemeinden der Tschechoslowakei sahen sich gedrängt, mir das Heimatsrecht anzubieten. Tschechische oder deutsche Gemeinden, örtlich wett getrennte Gemeinden im Norden des Staates und in der Slowakei— jedesmal ist das Angebot zurückzuführen auf werktätige Männer, die Vertteter sozialistischer Parteien. Das bedeutet über meine Person hinaus Vieles. Deutsche außerhalb des Dritten Reiches wollen zeugen für einen zu Unrecht ausgebürgerten Deutschen. Nichtdeutsche wollen einem Deutschen, den sie für echt und richttg hallen, ihre Anerkennung gewähren. Alle diese belohnen einen„Anttfascisten" für seine Haltung. Der Begriff„Antifascist" ist neu und wichttg. Er besettigt Klassenunterschiede und eint Parteien. Er stellt eine wirkliche, große Menschengemeinschaft her. So kommt es, daß Arbetter, Proletarier mich zu den Ihren zählen wollen, und daß ich ihnen sagen darf: ihr habt recht, ich danke euch. Ich habe allerdings von jeher unter dem Volk M arbeitenden Merischcn bei^tättd'en,'und selbst ein redlicher Arbetter, habe ich mich ihm nahe gefühlt. In neuerer Zett stellt sich aber heraus, daß ich auch als denkender Mensch, ebensosehr wie als arbeitender, Zusttmmung und guten Willen nur beim Proletariat finden kann. Die entarteten Nachkommen der ehemaligen Bildungsschicht fürchten heute das ehrliche Denken und hassen einen Gestalter, der sie selbst nur zu gut dargestellt hat: daher auch meine Ausbürgerung und die jämmerliche Angst, Schriften wie die meinen in die Grenzen zu lassen. Die Literatur, ob sie es will oder nicht, ist im Begriffe, ganz und gar sozialisttsch zu werden. Warum? Weil außerhalb der sozialisfischen Welt keine Literatur mehr bestehen kann. Die Literatur geht unweigerlich zu den Arbettern, wett bei ihnen die Menschlichkett geachtet, die Kultur verteidigt wird. Dagegen ist das„Dritte Reich" des verkommenen Spießbürgers aufgebaut auf dem Haß gegen Kultur und Menschlichkeit. Es sicht daher auf tönernen Füßen. Man braucht eS im Grunde nicht zu fürchten, so sehr es sich anstrengt, furchtbar zu sein. Das Ende der Kolosse mtt tönernen Füßen ist im Voraus bekannt. Heinrich Mann. 'Bergmannstod Brüx. Als der 62jährige Bergmann Franz Brrgner auf dem Moritz-Schacht bei Bruch obertags mit dem Abtragen einer alten Maner beschäftigt war, stürzte plötzlich die Mauer um und begrub ihn. Der Lerunglückte konnte nur noch alS Leiche geborgen werden. Wieder zwei Bergleute verunglückt. Der auf dem Pilutoschacht beschäftigt« 53 Jahre alte Oberhäuer Johann S u ck und der auf dem Saxoniaschacht beschäftigte 41 Jahre alte Bergmann Emil I a n d a gerieten zwischen fahrende Kohlenhunte Suck erlitt Quetschungen des Brustkorbes, Janda einen Bruch des rechten Unterschenkels. Beide kamen in Pflege des Brüxer Krankenhauses. Tot geborgen Der Bergmann Mahnert in Ober- leutcnsdorf, dessen Bergung die Stel- lungsmannschasten seit drei Tagen ununterbrochen versuchten, konnte endlich aus seinem steinernen Grab herausgeholt werden. Leider gelang es nicht, Mahnert zu retten. Er mutz schon viele Stunden vor dem Austauchcu der Bergungs-. lolonne gestorben sein. Ballon-Unglück Prag.(TNO.) Dienstag um 10 Uhr vormittags havarierte in Milovice ein militärischer Lenkballon. Beim Anprall auf die Erde wurde die Besatzung aus der Motorgondel geschleudert, wobei Unterleutnant des Präsenzdienstes Salzman ernste Verletzungen erlttt. Der Ballon flog ohne Besatzung davon und wurde vom Wind über die Wolken in südlicher Richtung getrieben. Wem hat ers„heimgezahlt" Selbstmörder hinterläßt-- sieben kleine Kinder! Der 35jährige Häusler Strefäek in Krasna bei Neustadt! bezichtigte seit einiger Zeit seine Frau der Untreue. Der Vorwurf war völlig grundlos, aber der Verdacht war bei dem Häusler zur Psychose geworden. Am Montag sagte Strejäek plötzlich:„Fetzt werde ich cs i h r h e i m z a hl e n!", ging, ohne noch ein weiteres Wort von sich zu geben, auf den Boden seines Hauses und erhängte sich dort. Sie« benKinderim Alter von 1—7 Fahren stehen an keinem Grabe und vor dem Nichts. Eine schreckliche Tat Rosenheim(Oberbayern).(DNB.) In Irlach bei Halfing brannte in der Nacht zum Dienstag das Anwesen der Gütlers-Eheleute Stefan und Elise Mayer vollkommen ab. Auf den Trümmern des Wirtschaftsgebäudes wurde zunächst die Frau des Gütlers völlig v erk ohlt geborgen. Später wurde auch die L e i ch e ihres Mannes gefunden. Sie trug um den Hals einen Strick, woraus hervorgeht, daß Mayer Selbstmord verübt hat. Der 17jährige Sohn der Gütlers-Eheleute nimmt an, daß Stefan Mayer zuerst seine Frau im Bett erwürgt und in das Wirtschaftsgebäude geschafft hat. Dort lagerten große Vorräte an Heu und Getreide. Diese steckte Mayer in Brand und erhängte sich dann. Ferner wurde festgestellt, daß Mayer seine Frau und seine drei Kinder-öfterschwer mißhandelt hat. Reben rund 300 Meterzentner Heu sind das Getreide und sämtliche landwirtschaftlichen Maschinen und Wagen verbrannt. Das Wohnhaus und das Vieh konnten gerettet werden. Mayer hatte imWeltkrieg«inen Kopfschuß erhalten und befand sich früher bereits viele Mo- natc in.einer Heil an stalt für Geisteskranke. Militärische Erziehens und Psychologie. Ein Genosse schreibt uns: Die Geschichte mit den Dragonern, die Mitte September abrüsten sollen und die sich weigerten, sich die Haare auf drei Millimeter schneiden zu lassen, erinnert mich an ein Erlebnis während meiner Waffenübung. Dort gab es unter den Reservisten, die nur noch 14 Tage zu dienen hatten, immer große Erregung, wenn ein Kommandant den Erlaß genau auslegte. Unter den Reservisten waren Leute solcher Berufe, bei denen eine gewisse Haartracht zur Existenz gehört: also Reisende, leitende Beamte, Oberkellner usw. Man empfand einen derartigen Befehl immer als eine schwere Erniedrigung und glaubte sich als„Sträfling" behandelt. Mitunter wurden Zwangsmaßnahmen gettoffen, so.14 Tage Einzelarrest" nach Absolvierung der Waffenübung bei verheirateten Leuten, die noch dazu zu Hause eine selbständige kaufmännische Existenz zu verteidigen hatten(ein solcher Reservist war ich. Nach Intervention bin ich am dritten Straftag entlassen worden). Ich will also die Oeffentlichkeit darüber informieren, wie ungeschickt ein solcher Erlaß gehandhabt wird. Soldaten, auch gute Tschechen, werden mit' solchen Schikanen sehr schlechte VaterlandHverteidiger, es bleibt immer ein Rest von Demütigung und nicht.durchführbarer Revanche zurück und das äußert sich später-immer in einem Gefühl starker Abneigung gegen jeden militärischen Vorgesetzten. Dieser Herr Major, der die Durchführung seiner Anordnung so gut mit Strafen zu unterstützen vermag, kann ja ein vortrefflicher Soldat mit ausgezeichneten Kenntnissen sein, daß er aber ein guter Psychologe sei, ist auf alle Fälle zu bestreiten Er hat der demokratischen Gesinnung sehr geschadet. Hätte er dem Wunsche der Mannschaft entsprochen und sich nachgiebig gezeigt, er wäre der„feinste Kerl" gewesen, der Verständnis für die kleinen Schwächen seiner Mannschaft aufweist. Für solche Vorgesetzte geht der Soldat durchs Feuer, für„scharfe" Vorgesetzte hat man nichts anderes übrig, als Haß. Ich meine also, daß hier die demokratische Oeffentlichkeit eingreifen und ein Wort für die Soldaten einlegen soll, die nichts anderes taten, als ein Keines menschliches Recht befürwortet zu haben: einen Haarwuchs zu tragen, der halbwegs für das Zivil- leben paßt." Selbstmord eines Bankkasiiers Prag. Dienstag früh erschoß sich in den Räumen der Böhmischen Eskomptebank und Kreditanstalt der 40jährige Kassier der Anstalt Artur Muneles. In einem hinterlassenen Schreiben gibt er als Grund seiner Tat Angst vordemWahnsinnan. Kampf mtt einem Hirsch Ein höchst ungewöhnliches Abenteuer erlebte ein junger Mann aus Klo st ergrab, als er mit fei* nem Fahrmd von Mariaschein nach Klostergrab fuhr, Ein Hirsch ttat ihm plötzlich auf der Straße entgegen und versperrte ihm die Passage. Weder Bitten noch Drohungen halsen, das Tier wich nicht von der Stelle. Ter junge Mann hatte einen Korb mit Teegebäck hei sich; um den Hirsch versöhnlich zu stimmen, gab er ihm ein Stück nach dem andern zu fressen. Ms er noch einen Rest für sich behalten wollte, drang der Hirsch auf ihn ein, warf ihn mit dem Rade zu Boden und begann auf ihm herumzutrampeln. Der Radfahrer schrie gellend um Hilfe, worauf Dorfbewohner herbeieilten und ihn aus seiner gefährlichen Lage befteiten. Er kam zum Glück, von geringfügigen Verletzungen abgesehen, mit dem Schrecken davon. Wolfsplage 1« Karpathorntzlaud Fm Bereich der Forswerwaltung Eerno- h l a v a in Karpathorußland fand eine großangelegte Wolfsjagd statt. Die Wölfe pflegten in letzter Zeit sehr zahlreich aufzutreten, Viehherden auzufallen, ja, selbst sich bis an die Dörfer heranzuschlcichen. Es gelang den Jägern, sechs W ö l f e zu erlegen. Die Arbeiten im Relson-Schacht. Dienstag wurde im Nelson-Schacht nach längerer Pause, während welcher die unerläßlichen Jnstand- setzuvgsarbeiten in der wiedcrgewonnenen Strecke durchgeführt wurden, ein neuer Grubenabschnitt gewälttgt, und zwar in der Richtung von der Salesius-Seilbahn zu dem Hauptschacht. Starke Verwüstung zeigt die Settbahnstrecke. Der gesamte Streckengewinn betrug Dienstag 500 Meter. Tote wurden keine gefunden. Sofort nach beendeter Gewälttgung befuhr eine Kommission des Revierbergamtes den neugewonnenen Grubenteil. Renn Tot«. Einer der bei dem Stein- bruchunglück in L i e g n i tz verschütteten Bergarbeiter, der Montag in später Abendstunde noch lebend geborgen wurde, ist kurz darauf feinen schweren Verletzungen erlegen. Damit ist die Zahl der Todesopfer bei dem Unglück im Basaltbruch Taschenhof auf Neun gestiegen. Die Freundschaft mit„Totschlag" besiegelt. Der 27jährige Josef P i k n a und der 25jährige Fan Sandtner aus Dubrovky, die bei Karlsdorf an der Donau arbeiteten, veranstalteten ein Alkoholgelage, um„ihre Freundschaft" zu besiegeln". Auf dem Heimweg gerieten beide, völlig grundlos, in heftigsten Streit. Schließlich zog Pikna ein M e s s e r und stach es dem neugewonnenen Freund in die B r u st. Noch unter den Händen seines Mörders verschied der Gestochene. Pikna wurde in Hast genommen. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Bohu- mir B r a d ä d, hat sich auf Drängen der Aerzte ins Sanatorium begeben und wird während der Dauer seiner Kur Zuschriften nicht beantworten. Seine Korrespondenz erledigt das Sekretariat des Abgeordnetenhauses. Selbstmord. In Böhm.«Budweis beging der 48jährige Kaufmann Franz Lechner Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. Lechner hatte bereits vor einem Jahre einen Selbstmordversuch be- gangen, war wber damals von Hausbewohnern rechtzeitig gerettet worden. Den Beweggrund der Tat bildeten wahrscheinlich finanzielle Sorgen. Der neue Borsitzeude des Heilfonds der ösfent- lichcn Angestellten. Am 1. August d. I. hat der neuernannte Vorsitzende des Heilfonds der öffentlichen Angestellten, ObersektionSrat im Ministerium für sozial« Fürforge JUDr. Josef K o t« k, sein Amt übernommen. Die Wetterlage. Unter dem Einfluß des Hochdruckgebietes über dem mittleren Atlantischen Ozean, das bis nach Mitteleuropa reicht, dürfte die vorwiegend heitere und trockene Witterung anhalten. Nur im Nordosten dcS Staates sst zeitweise stärkere Bewölkung zu erwarten im Zusammenhang mit Regenschauern. Wahrscheinliches Wetter heute: Im ganzen schön und ziemlich warm ,im Nordosteu der Republik etwas stärkere Bewölkung als im Südwesten. Wetterausfichten für morgen. Andauern des herrschenden Witterungscharakters. Vom Rundfunk tm pfehlenswerte* au*«tau Programmen* Donnerstag: Prag, Sender S: 10.05: Deutsch« Presse, 12.30 Alle in die Sonne, 15: Konzert des Salon« orchesterS, 18: Tanzmusik, 18.20 Deutsche Sendung: Kinderlieber, 18.35: Landwirtschaft, 19: Deutsche Preffe, 19.25: Konzert des Prager Funkorchester». 21.40 Violinkonzert, 22.35 Schallplatten: Mozart. Sender S: 7.30:, Leichte Musst, 14.15: Deutsch« Sendung: Glückliche Reise, lustige Hörfolge.-* Brünn 13.25: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Jurda: Schädlinge der Krankenversicherung, 18.20: Leichte Musik.— Mähr. Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Aus den intime*. Kompositionen von Camillo Horn.— Preßbärs 18: Saxophonkonzert.— Kascha* 20.40: Li^linkonzert. Nr. 182 Mittwoch, 7. August 1938 Seite 8 Den Vater erschossen Wien. Der 17jährige Mechanikerlehrling Max Lauermann geriet mit seinem 57jähri- gen Vater, einem pensionierten Lokomotivführer, in Streit. Der Vater ergriff eine Hacke und wollte damit auf seinen Sohn losgehen. Dieser zog eine Pistole und feuerte einen Schuß ab. Das Projektil zerriß dem alten Lauermann die Halsschlagader, so daß er vor den Augen seines entsetzten Sohnes verblutete. Blutiger Sturm auf ei« Bethau» Bombay. In der Gemeinde Phenhera im Distrikt Chanparan der Provinz Bihar versuchten rund 3000 Hindu- in das muselmanische Bethaus «inzudringen. Die Polizei machte von der Schußwaffe Gebrauch. Hiebei wurden fünf Hindus erschossen, sieben Personen wurden verwundet. Radiofabrik niedergebrauut Wilna. In der Nacht auf Dienstag wurde hier eine Fabrik für Radioapparate von einem Brand erfaßt. Das Fabriksgebäude stürzte ein. Der angerichtete Sachschaden übersteigt eine Million Zloty. Polizei gegen Kulis Shanghai. Zwischen Rikscha-Kulis und mehreren französischen Polizeibeamten der französischen Niederlassung ist eS zu schweren Zusammenstößen gekommen. Die Kulis entführten mehrere Polizeibeamte auf chinesisches Gebiet und mißhandelten sie dort. Erft einer verstärkten Polizeitruppe gelang es nach hartem Kampf mit dem Gewehrkolben, die Kameraden zu befreien. Di« KuliS bewarfen außerdem verschiedene Straßenbahnen mit Steinen, die zum Teil zertrümmert wurden. Die Zusammenstöße erfolgten, weil die Rikscha-KuliS nicht der französischen Aufforderung auf Eintragung ihrer Fahrzeuge nachkamen, was die französischen Behörden mit einer Lizenzentziehung beantworteten. Der französische Generalkonsul sandte den chinesischen Behörden eine Protestnote, in der er darauf hinwies, daß die Niederlassung auf der Eintragung bestehe und nicht nachgeben wird. Die Friedrich Engels-Marken. Die S o w- setunionhat zum Andenken des 40. Todestages Friedrich Engels eine besondere Markenserie zu 3,10,15 und 20 Kopeken herausgegeben. Alle Marken zeigen das Bild Engels und sind von dem Künstler Sawjalow entworfen worden. Statt in die Freiheit in den Abgrund. Nach einer Meldung aus Mayerhofen(Tirol) stürzten zwei italienische Deserteure, die auf Touristenwegen nach Oesterreich gelangen wollten, in der Umgebung vom Schleg- eis in einen Abgrund»in'drm sie schwer verwundet liegen blieben. Einer von ihnen wurde von der Rettungsexpedition bereits tot aufgefun, den, der andere mit einer tödlichen Verletzung in die nächstgelegene Touristenhütte gebracht. Ein Retter, der sich selbst nicht mehr retten kannte... Der Streckenmeister Alexander H r d l i e z k a, der auf der Station Brüsau- Brünnlitz seinen Dienst versah, wurde in dem Augenblick von einem heranbrausenden Schnellzug erfaßt, als er ein K iv» d vom Betreten der Schienen abhalten wollte. Der Lokomotivführer bremste wit aller Kraft, Hrdliczka war jedoch nicht mehr zuretten. Die Räder zerstückelten ihn vollständig. Ein Regiffeur als Erpresser. Wie der Wiener .Morgen" erfährt, ist der Wiener Regiffeur Paul Guttmann mit seiner Frau wegen eines angeblichen ErpreffungSversucheS an dem Komponisten FranzLehär verhaftet worden. Zaharoff Nett das Inkognito. Robert Neumann, der bekannte Autor eines aufsehenerregenden Buches Mer Basil Zaharoff, teilte dem Interviewer des Wiener„Morgen" mit, daß man alles darangesetzt habe, das Erscheinen des Buches zu verhindern. Man habe versucht, die größtenteils aktenmäßigen Feststellungen zu unterdrücken, mit Zuckerbrot und Peitsche, mit Geldangeboten. Man sei nicht kleinlich gewesen. Dann sei man mit Prozessen gekommen, die zum Teil heute noch schwebten. Aber die Hauptsache sei, die englische Fassung seines Buche» werde am 1. September erscheinen. Die französische sei schon vor einigen Wochen in Paris herausgekommen. Schwierige Pofte«. Auf den Lustlinien der Bereinigten Staaten find jetzt mehr als 200 junge Damen al»„Stewardessen der Lust" engagiert wor, den. Sie haben für die Bequemlichkeit der Passagiere der Tourenflugzeuge zu wachen und find nach Jugend, Reiz und Anmut auSgewahlt worden. Sie müssen eine Unterhaltung auf gewissem intellektuellen Niveau stihren können, sollen sozusagen den Reisenden auch al» Führer dienen; sie müssen z. B. Auskunft geben können, welches Gebiet überflogen wird, müssen meteorologische Kenntnisse besitzen, über Politik, Literatur und Theater diskutieren können und eventuell als vierter Partner bei einer Bridgepartie fungieren können. Keine dieser Ge« sellschasterinnen darf Mer 25 Jahre alt oder gar verheiratet sein. Sogar das Höchstgewicht ist vorgeschrieben. Große Regenfälle verursachten inAfghani- st a n am Devgul-Paß bei KhunarkaS über weite Gebiete Ueberschwemmungen. 18 Personen kamen in den Fluten um. In Kanegram tobte ein Sturm, wie er seit Menschengedenken nicht in dieser Gegend gewütet hat. Mele Häuser wurden umgeweht und di« Straßen sind weithin von entwurzelten Bäumen gesperrt. Im Nordwesten Vorderindiens über- schwemmte der Indus bei Sullur die ausgedehnten Walder von Zindah Pirnpir, aus denen die wilden Tier«, insbesondere Bären, vor dem Wasser flüchteten. Die Tiere kamen zum Teil bi» in die Stadt, konnten jedoch verscheucht oder erschlagen werden. Voftswlrtsdialt and Sozialpolitik Unser Handel mit Europa Sinkender Anteil der europäischen Länder an der tschechoslowakische« Ausfuhr Der Richtungswandcl, der sich im Außen-' handel der Tschechoflowakei vollzieht, wird durch die vorliegende Länderstatistik erneut bestätigt. Es kommt darin zum Ausdruck, daß der Anteil der europäischen Länder an der tschechoflawakischen Ein. und Ausfuhr im ganzen zurückgeht, während der Anteil einer Anzahl von Ueberseestaaten steigt. Um die Uebersicht möglichst klar zu machen, geben wir in der nachstehenden Tabelle nur die Ausfichr aus der Tschechoslowakei nach den für ihren Außenhandel wichtigen europäischen Län- dern wieder. Der Ausfuhrwert ist in Millionen Kronen angeführt; für 1935 beziehen sich die Angaben auf das erste Halbjahr, während für 1933 und 1929 die ganzjährigen Ziffern einge setzt sind. Es betrug demnach die Ausfuhr nach: Land Järmer biS Jahr Jahr Juni 1935 1933 1929 in Millionen Kronen Deutschland . 584 1171 4692 Oesterreich k 346 721 3074 England. a 237 360 1420 Rumänien . 165 221 770 Frankreich 0 . 147 324 323 Schweiz, 0 , 136 270 559 M Holland„ 0' a 131 266 -442 Jugoslawien 0 a 130- 197'” 1155' Italien, 0 . 97 189 781 Polen., . 73 167 905 Schweden« . 73 112 308 Belgien, , 68 148 188 Ungarn a . 57 190 1306 Türkei e . 46 70 205 Bulgarien« 0 a 35 19 —. Norwegen« 0 , 34 46 113 Dänemark» a 33 76 302 Rußland. . 31 77 259 Daraus ist einmal-zu ersehen, welchen gewaltigen Absturz die Ausfuhr tschechoslowakischer Waren vom Jahre 1029 vis 1933 erfahren hat und daß der Absturz sehr unterschiedliche Ausmaße aufweist. Am geringsten ist die Ausfuhr in diesem Zeitraum nach Frankreich zurückgegangen; den stärksten Rückgang weist sie nach Jugoflawien auf, nämlich etwa 85 Prozent.' Im Fahre 1938 erreichte die tschechoslowakische Ausfuhr in den Krisenjahren ihren tiefsten Stand. Sie hat sich 1934 erholt und die Ziffern für das erste Halbjahr 1935 lassen einen Vergleich zu, wie sich in diesem Jahre unsere Ausfuhr nach den einzelnen Ländern seit dem Tiefstand 1933 entwickelt hat. Dabei gelangt man zu der Feststellung, daß nach einigen Ländern eine erfreuliche Steigerung eingetreten ist. Das gilt vor qllem für die Ausfuhr nach Jugoflawien, Rumänien, Bulgarien, England, Nor- wegen und Schweden. Leider muß man aber damit rechnen, daß diese günstige Entwicklung im ersten Halbjahr 1936 sich im zweiten Halbjahr nicht allgemein fortsetzen wird. So ist infolge der neuen Maßnahmen der rumänischen Regierung die Ausfuhr nach diesem Balkanstaat neuevdings fast gänzlich iris Stocken geraten. Für die Mehrzahl unserer europäischen Außenhandelspartner weist die Ausfuhr in diesem Jahre gegenüber 1933 entweder einen weiteren Rückgang oder eine Stagnation aus. Die Ausfuhrverminderung ist bedeutend nach Frankreich, Polen, Ungarn, Dänemark. Die Ausfuhr nach Rußland dürste in der zweiten Hälfte 1935 eine beträchtliche Belebung erfahren, so daß bestimmt wesentlich, höher, liege» wird als im Jahre 1933, Für die in der Tabelle aufgeführten Länder betrug der Wert der tschechoflawakischen Ausfuhr 1929 16 Milliarden 800 Millionen Kronen, 1933 noch 4 Milliarden 634 Millionen Kronen und im ersten Halbjahr 1935 2 Milliarden 423 Millionen Kronen. Nahmen diese europäisch«» Ländern 1929«»ehr als 81 Prozent der tschechoflowakischen Ge- samtauSfuhr auf, so waren es 1933 rund 79 Prozent. Im ersten Halbjahr 1935 betrug dieser Anteil noch 74 Prozent. Dadurch wird der Richtungswandel, der sich in der tschechoslowakischen Ausfuhr vollzieht, ganz klar: Anstelle der a»»s den verschiedensten Gründen immer enger werdenden Absatzmärkte in den e»»ropäischen Ländern mutz die tschechoslowakische Ausfuhr Merseeische Märkte zu gewinnen versuchen. Allmählich scheinen sich hierbei die ersten Erfolge Grirrnerrtnge« an Helmrrth von Gerlach Meine ältesten Erinnerungen an Helmuth von Gerlach reichen bis in di« Kriegsjahre zurück. Ich tvar damals ein Schuljunge von 13 oder 14 Jahren, aber schon brennend interessiert an allem politischen Geschehen und ein leidenschaftlicher Gegner des Krieges. Eines Tages brachte»nein Vater ein« Zeitung mit nach Hause, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte: die„Welt am Montag". Im allgemeinen waren damals deutsche Zeitungen wenig interessant— durch die Kriegszensur wurden sie fast so uniformiert wie jetzt die Presse des Dritten Reiches- Aber wir merkten schnell, daß die„Welt am Montag" eine Ausnahme bildete(die radikalsozia- liftischen Zeitungen kannte ich damals noch nicht): natürlich war fie auch sehr vorsichtig geschrieben, aber zwischen den Zeilen sagten dort Gerlach und Hans L e u ß und manchmal auch andere so kritische Dinge, daß rnan aufhorchte und Höfstmng schöpft«. Seit diesem Tage kam die W. a. M. jede Woche in unser Haus. Kurze Zeit darauf fragte mich ein Mitschüler, ob ich Lust hätte, den beiden Kindern von Gerlach Stunden zu geben. Obwohl es sich um Mathematik handelte(wovon ich sehr wenig verstehe), war ich natürlich Feuer und Flamme. So begannen mein« Stunden im Hause Gerlach— aber so gut ich mich Mit Gerda und Wolfgang ur»d ihrer Mutter verstand, so enttäuscht war ich. daß der Vater gar keine Notiz von mir nahm. Wie sollte er auch auf die Idee kommen, eurem schüchternen Obersekundaner Beachtung zu schenken? Das änderte sich erst, als ich— kurz nach dem Umsturz von 1918— in einer Versammlung, in der Gerlach referierte, in der Diskussion sprach. Er war nicht wenig erstaunt, in dem Hauslehrer seiner Kinder, der selbst noch zur Schule gi»»g, einen Gesinnungsfreund und jungen Mitkämpfer kenuen- zulernen. Seitdem hat er mir immer sein warmes Interesse bewahrt. Bald begegneten wir einander häufig in Der« sammlungen und Sitzung«»». Ich arbeitete damals im Pazifistischen Studentenbund und war al» dessen Vertreter Mitglied im Deutschen Friedenskartell, dem „Obersten Kriegsrat" aller pazifistischen und kriegsgegnerischen Verbände. In diesem kleinen Kreis habe ich Gerlach gut kennengelernt. Er war meist auf dem„rechten" Flügel deS Pazifismus, ich auf dem„linken"; ich war überhaupt ost anderer Mei- nung als er u»»d habe mich im Laufe der Jahre i»nmer weiter von seinen taktischen Auffassungen ent- fernt— aber da» konnte nicht- an der Wertschätzung unb Verehrung ändern, di« ich ihm entgegenbracht«. Gerlach war allezeit, in jeder Situation, ein mufiger, aufrichtiger, loyaler, kameradschaftlichhilfsbereiter Mensch— und daS ist sehr viel. Wie er während deS Krieges zu den ganz wenigen aus dem bürgerlichen Lager gehört«, di« im„Bund NeueS Vaterland" scharf gegen Krieg und BurgfriedenS- politik kämpften, so stand er auch in der Nachkriegszeit i»nn»er in vorderster Reihe. Kaum ein zweiter wurde von der Reaktion so gehaßt, verleumdet und verfolgt wie«r. Es gab in den ersten Rachkriegs- jahren keine nationalisttsche Versammlung in Deutschland, in der nicht in der infamsten Weise gegen Gerlach gehetzt wurde. DaS trug blutig« Früchte. Mehr al» einmal wurde er von politischen Gegnern tätlich angegriffen und derletzt: in einer pazifisti schen Versmrunlung mitten in Berlin wurde er von Baltikumern überfallen und buchstäblich niedergetrampelt i— nur der Mut seiner Fvau und einiger anderer Versammlungsbesucher rettete ihn vor einem , entsetzlichen Tode unter den Stiefeln dieser Vorläufer der braunen Mörder. Wochenlang war er schtver krank, aber dann stand er wieder in den Ver- sammlungssälen und käinpste gegen Krieg u»»d Reaktion. Ein tapferer Mann. Ein aufrichtiger und loyaler Mann. WaS er aussprach, war seine Meinung, diplonmtische Künste lagen ihm fern. Daß er in so kurzen Sätzen schrieb und sprach, war charakteristisch nicht nur für seinen Sfil, sondern für ihn. Und er hatte in»mer etwas zu sagen. Die„W- a. M." wurde mit den Jahren schwächer: der Verleger fleinlich und verständnislos u»»d die Mitarbeiter waren nicht immer glücklich ausgewählt. Aber viele zehntausend Menschen aus allen Lagern kauften fie jeden Montag, um zu sehen, was dieser H. v. G. geschrieben hatte. Seltene, ganz selten« Macht eines Journalisten in Deutschland. Er war ein scharfer Gegner, auch gegen AnderS- denkende auS dem eigenen Kreis. Aber immer loyal, immer auf den anderen hörend, immer ihn »mr mit geistigen Waffen bekäu»pfend. Ich erinnere mich an eine fleine Studentenversammlung, in der er unter meinem Vorsitz sprach. Di« Diskussion ging lange und lebhaft— da kam ein Antrag, die Rednerliste zu schließen. Ich wollte dem zustimmen, aber Gerlach widersprach energisch: nie werde er zu- laffkn, daß in einer Versammlung, in der er gesprochen habe, ein so undemokratischer Beschluß gefaßt werde. Eine Marotte? Vielleicht. Aber auch ein sehr charakteristischer Zug für einen Kaim, der ei» Kämpfer und sehr gerecht war. Wenn er h«lfen konnte, hat er eS immer ge-, Johny Weißmüller und Mauveen O'Sullivan in dem MGM-Film.Tarzan, der Sohn der Wildnis". einzustellen. Wie weit sich diese Erfolge bei einem Fortdauern der schweren Krisenwirkungen in allen Ländern ausbauen lassen, das ist nicht sicher zu beurteilen. Zunächst jedenfafls bietet sich nach Uebersee, vor allem nach den volkreichen asiatischen Staaten unserer Ausfuhr noch manche günstige Möglichkeit. Der Produkttonsindex Der vom„Obsor Närodohosp." berechnete Index der industriellen Produktion zeigt für die ersten fünf Monate 1935 diese Entwicklung. (1928 ist gleich 100.), Jänner,,■■ 64.6 Feber«..■■ 64.5 März a a■ a a 64.9 April■■■■■ 66.1 Mai■«•■■ 68.2 Diese Erhöhung des Produktionsindex im Mai um mehr als 2 v. H. stimmt mit der Entwicklung im vorigen Jahre überein. 1933 erreichte die ansteigende Linie im Mai ihren höchsten Punkt. Es scheint, als ob in diesem Jahre der Produk- tionsindex auch auch dem Mai»wch weiter ansteigen dürste. Wenigstens ist das aus den für den Juni bereits vorliegenden Indexziffern einzelner Jirdustriezweige zu schließen. So wird für die Steinkohlenförderung ein Juni-Index von 59.5 gemeldet^ IE. dis^RüheüerttzroduktiüN. der Aistow mobilabsah»-die- Ziegeleien,- die Papiererzeugung und noch andere JndustrieAveige melden für Juli einen etwas höheren Index. Illegale Tätigkeit Weitere Prozesse In Wien Wien. Dienstag wurde der 19jährige Juwelierarbeiter Otto Spitz wegen Störung der öffentlichen Ruhe, begarrgen dadurch, daß er Flugzettel verteilte, zu einem Jahr Arrest verurteilt. Sein Mitangeklagter, der 20jährige Elektrotechniker Wilhelm BezdiLek wurde freigesprochen. Der 51jährige Hilfsarbeiter Michael Klu so» v i c wurde wegen Verbreitimg der illegalen Zeitschriften„Der Bauarbeiter" und»Die Freie Gewerkschaft" zu 14 Tagen Arrest verurteilt. tan. Sicher verdanken ihm viele junge Journalisten Anregung und praktische Hilfe. Meine ersten Berichte und kleinen Artikel erschienen in der„Welt am Montag" und Gerlach hat später gern davon gesprochen, daß ich mir bei ihm meine journalistischen Sporen verdient hätte. Meine politische Entwicklung führte mich ziemlich west fort von seinem Standort, ich habe später auch gegen ihn gesprochen in öffent» jichen Versammlungen— aber das hinderte ihn nie im geringsten, mir eine Empfehlung an einen Kollegen oder einen Rat zu geben oder aufs freundschaftlichste mit mir zu diskutier«»». Als der Umsturz kam, konnte er gerade noch au» Berlin entkommen. Wochenlang nmßte er sich.in Bayern verborgen halten, bis er durch List und Glück und dank der Duinmheit der Grenzbeamten den braunen Banden entkommen konnte. Sie hätten ihn zertran»pelt oder ihm daS Schicksal Ossietzkys bereites In der Emigrafion, in die er»mr das mitbrachte, was er bei seiner Flucht auf dem Leib« hatte,.führte er sein einfaches, arbeitsreiches, tapferes Leben weiter. Unzähligen hat er. in diesen Jahren geholfen, sich in dem ftemden Lande, daS er schon von vielen Vortragsreisen gut kannte, zurechtzufinden. Niemand ging unberaten von ihm. Bor einigen Monaten»vurde er bei einem Vortrag in der französischen Provinz schwer krank. Aber er erholte sich wieder, arbeitete, beriet, half— buchstäblich bi» zur letzten Minute seine» Leben». Vor ein paar Tagen habe ich ihm in einem Brief meinen Besuch angekündigt. Noch in der Woche vor seinem Tod, war ein Freund, den ich ihm geschickt hatte, bei ihm»md fand ihn lebhaft und aktiv wie immer. Nun ist er tot. Wer ihn gekaimt hat, wird ihn nicht vergessen. Walter Fabian. Seite 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 7. August 1935. Ar. 182 Iümst und Wissen ein Ertrunken. Gestern morgens wurde in Karolincntal die Leiche des'30jähtigen Raseurgehilfen Eduard Dladik aus Pratz-Weinberge aus der Moldau gezogen. Die Leiche' wurde dem Institut für gerichtliche Medizift überstellt. der Marie Oswald in Nufle und verlangte ein Glas Milch und zwei Semmeln. Da die Geschäftsinhaberin abwesend war, gab die zufällig anwesende Bäckersfrau Cäcilie Suk aus Holle- schowih dem Gast das Verlangte, worauf dieser noch Käse und Lebkuchen kaufte.- Als die Suk sich bückte, um die Ware einzupacken, schlug sie der Unbekannte plötzlich mit der Faust in die Stirn, packte sie bei der Kehle und begann sie zu würgen. Die Suk begann um Hilfe zu schreien, worauf der MaNN sie loÄietz, auf die Straße lief und ebenfalls um Hilfe zu rufen begann. In dem Men- schenauflauf, der nun entstand, gelang es ihm, zu entkommen. Er hat seine Mütze im Laden vergessen. Die Suk ist nur leicht' verletzt.' Unfall bei Kanalisationsarbeiten Gestern morgens war in der Husgaffe in Smichow der 87jährige Arbeiter Josef Svoboda aus Wrschowitz bei den dort durchgeführten Kanalisierungsarbeiten beschäftigt und wollte gerade einen Förderkorb mit dem Aufzug nach oben schicken, als dieser plötzlich herunterfiel und Svoboda aus einer Höhe von 4 Meter auf den Rücken traf. Der Arbeiter wurde in bewußtlosem Zustand von der Feuerwehr herausgezogen und auf oie Klmu Jirckset gebracht^ wd eine Quetschung des Rückgrats und ein Bruch des Schlüsselbeins festgestellt wurde. Das zuständige Verfahren wurde eingeleitet. zugegeben, daß die Frage der Abwehr von Sturzbombenangriffen noch ungelöst erscheint". Das heißt: der SturKomber stößt mit solcher Schnelligkeit und Ueberraschungswirkung durch den Bereich der Flak und Jagdflieger, daß die Abwehr aussichtslos ist. Da haben wir die volle Ueber- legenheit des Angriffs über die Abwehr. Und die deutschen Flieger? In anzunehmen, daß die reichsdeutsche Fachliteratur aus rein wissenschaftlichem Interesse diese Vorgänge mit großer Aufmerksamkeit verfolgt? Die Anzeichen sprechen dafür, daß"es dem Flug- Oberbefehl im Dritten Reich gelungen ist, auch diese Sache zu leisten und sie, so wie viele andere, geheimzuhalten. Die Anwendung des Sturzflügs scheint hier noch mit einer neuen Note zu erfolgen. Frau Woodman, die verdienstvolle Verfasserin des Buches„Hitlers Luftflotte startbereit", macht auf eine Literaturstelle aufmerksam, wo dem Sturzflieger noch eine besondere Aufgabe zugewiesen wird: jeder erhält schon in Friedenszeit ein bestimmtes, militärisch sehr wichtiges Ziel im Feindesland zugewiesen, hat dessen Lage und Beschaffenheit genau zu studieren und es schon im Frieden mindestens einmal zu überfliegen. Wie dies möglich ist? Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Verkehrsflugzeuge der reichsdeutschen Ueber- landlinien stets Militärflieger in Zivil mit sich führen— die haben reichlich Gelegenheit, das künftige Feindesland unter Fernrohr und Kamera zu nehmen. Vor einem Jahr erregte eine Enthüllung des angesehenen englischen Journalisten Wickham Steed großes Aufsehen: danach bereiten die Deutschen durch Geheimagenten Bakterienangriffe auf London und Paris dort, an Ort und Stelle, vor. Wie man sieht, scheint diese Art von Kriegsrüstung kein vereinzelter Fall zu sein. Auch Sturzbombenangriffe dürften an Ort und Stelle vorbereitet werden. E. B. Bier neu« Wiener Filme. In der neuen Saison bringt die Meißner-Film folgende Wiener Großfilme auf den heimischen Markt:.Ewige Maske" mit Olga Tschechowa und Matthias Wiemann,„Süße klein« Angelika" mit Susi Lanner. Wolf Albach-Retty und Hans Moser..Donauwellen" mit Gusti Huber und Rolf Wanka und.Liebeszauber an der Adria" mü Liane Haid und?chan Petrovich. Die gefährliche Rothaarige Das Gefährlichst« an der Rothaarigen(die in diesem Hollywood- Film in«ine hinterindische Gummi-Plantage hineinweht, um sich den Besitzer zu angeln) ist ihr Mundwerk, das viele dreiste Deutlichkeiten von sich gibt. Aber es ist nicht nur für die Plantagen-Bewohner gefährlich, sondern auch für den Film, der auf diese Art allzu geschwätzig wirkt, an dem jedoch nicht viel zu verderben ist, weil er außer der Rothaarigen nur haarsträubenden Unsinn bietet. Jean H a r l o w spielt die„rote Gefahr" mit ihrer Begabung fürs reizvoll Ordinäre, die wir zum ersten Male in dem Film„Abends um acht" kennenlernten— und die in Amerika inzwischen schon hochberühmt geworden ist. Man darf hoffen, fie bald in einer bedeutenderen Rolle wiederzusehen, denn von der kaltschnäuzigen Realistik dieser Schauspielerin darf man einen Fettczug gegen den senttmentalen Kitsch und die liebliche Verlogenheit erwarten.-—eis— Einbruch bei Bahlsen Ein Detektiv, der in der Nacht auf gestern nach Mitternacht durch die Bredauergasse ging, hörte, als er bei der Samenhandlung Bahlsen vorbeikam, ein verdächtiges Geräusch, das aus dem Lagerraum der Firma zu. kommen schien. Da er sofort annahm, daß ein Einbrecher an. der Arbeit sei, holte er zwei andere Detektive, mit denen er in den Lagerraum eindrang. Dort, überraschte er den mehrfach vorbestraften Einbrecher Josef Dokoupil aus Smichov, der gestand, durch das Fenster in den Lagerraum eingedrungen zu sein, um sich der Handkafse, in der er noch den Tagesumsatz vermutete, zu bemächtigen. Tatsächlich enthielt die Kaffe einen größeren Geldbetrag. Dokoupil wurde nach Pankratz eingeliefert. schauer auf seinem bequemen Sitz steht den Kampfpiloten alle Kräfte des Körpers und des Geistes im Augenblick, der über den Erfolg seines Fluges und über sein eigenes Leben entscheidet, einsetzen. — Wie groß mag die Fallgeschwindigkeit sein? Ueber den„freien Fall in der Luft" ist bekannt, daß die Abwärtsbewegung vom Ort des absichtlichen Kippens des Flugzeugs bis zu einer Tiefe von mehreren hundert Metern mit zunehmender Geschwindigkeit erfolgt, um dann infolge des steigenden Luftwiderstands zu gleichbleibender Ge- schwindigkeit überzugehen. Vom Fall des menschlichen Körpers(beim Absprung mit Fallschirm, vor deffen Entfaltung) weiß man, daß er hiebei etwa dreifache Eilzugsgeschwindigkeit erreicht! Aehnlich schnell muß die Bewegung sein, während welcher der Sturzflieger, im freien Flugwinde sitzend, sich in kürzester Zeit orientieren, genau zielen und wieder hochgehen muß. Daß solche Arbeit nicht viele treffen, ist verständlich. Eine deutsche Fachzeitschrift meint bei der Besprechung des Fliegeyschutzes gegen die Luftabwehr:„Einige Sachverständige, besonders in Amerika, sehen im Sturzbombenangriff die Lösung. Nun scheint aber der Sturzbomber noch ein« schwierige Angelegenheit zu sein. Er erfordert Spezialmaschinen mit ihren naheliegenden Rachschubschwierigkeiten, sowie Piloten von besonderem Format, die auch in einer großen Luftarmee nicht zu häufig sein dürften." Jedoch, die„Piloten von besonderem Format" finden sich auch in England. In einem englischen Manöverbericht desselben Blattes heißt es: „Leichte Bomber wendeten viele Sturzflüge an". Den entscheidenden Punkt aber nennt der erstgenannte Bericht mit den Worten: Andrerseits wird Di« Banerntrnppe„Lilly Löwinger" ist für ein achttägiges Gastspiel für die Sommerspielzeit der Klein«» Bühne verpflichtet. Sie bringt vier Stück«. Eröffnungsvorstellung„Der Jogl vom Wegscheidhof" am Freitag 8 Uhr. Preise XL 8 bis Kd 35.—. Vorverkauf: Deutsches Haus, Neues Deutsches Theater, M. Truhlär. Gustav Fröhlich und Rose Stradner in dem Film„Die Nacht der Verwandlung" lleberfall im Geschäft Gestern um 3 Uhr nachmittags kam etwa 30jähriger unbekannter Mann stärkerer Statur in braunem Anzug in die Milchhandlung Ein Amerika-Film Und nun wird«ine Angriffsart mit Flugzeu- gen ausgebfloe!, welche deren Ueberlegenheit über die Verteidigung ins Unerreichbare steigert Sie besteht im S t u r z f l u g, im steilen Niederstoßen aus größter Höhe bis in die Nähe des Angriffsziels und Loslösung der Bomben vor dem Wie- deraufftieg. Vor einiger Zeit wurde diese neueste Errungenschaft des Luftkampfes in einem amerikanischen Film gezeigt, der in unseren größeren Städten lief: mit Verbergung der technischen Einzelheiten natürlich, aber mit deutlichster Vorführung der erhöhten Kampfkraft. Der Film„Wolkenstürmer" bedeutet einen Gipfelpunkt der modernen Technik in zweierlei Hinsicht: die gezeigten technischen (und auch die soldatischen) Leistungen sind selbst für den sachlich eingeführten Züschauer von imponierender Großartigkeit; und ebenso muß die Kameraarbeit in den Begleitflugzeugen, die den ätembeklemmendsten Flug und Sturz mitmachen, um ihn zu photographieren, bewundert werden. Jedoch, noch in einer Hinsicht ist der Film ein Zeichen unserer Zeit: selten hat man so drastisch den beschämenden und fluchwürdigen Gegensatz aufgezeigt gefunden, der den Militarismus unserer Zeit kennzeichriet, den Gegensatz zwischen dem Mut und der technischen wie persönlichen Höchstleistung der Soldaten auf der einen und ihrer Unbildung und Roheit auf der anderen Seite. Hat doch das amerikanische Ministerium, welches am Film offiziell mitwirkte, es nicht verschmäht, eine Spielhandlung mitzumachen, die ebenso sentimental-kitschig wie gemütsroh ist. Da werden die Flieger von ihrest Vorgesetzten mit Fäusten geprügelt; da balgen sie sich selbst in den freien Stunden in der Kneipe raufend, am Boden herum; da steigern sie ihre Neckereien bis zur bedenkenlosen Gefährdung des Lebensglücks des Kameraden; da zeigen sie gegen die Vorgesetzten eine Anhänglichkeit von hündischer Art. Jede Freude an der Geistesgegenwart und Entschlossenheit dieser Menschen, an ihrem Heldentum wird dadurch vergällt und entwertet. In diesem Film also steht der Sturzflug im Mittelpunkt des technischen Geschehens. Die Schilderung, welche wir in Fachwerken finden, wird hier aufs Lebendigste bestätigt.„Das Flugzeug stößt aus Höhen von 6 bis 12 Kilometern in 70 bis 80 Grad Neigung aufs Ziel herunter und wirft seine Bomben aus einer Höhe von einem bis eineinhalb Kilometer über dem Ziele ab. Hierauf geht es in weites, flacher Kurve in den Wagrechtflug über, um daran anschließend Meder zu steigen. Die Materialbeanspruchung ist dabei sehr groß und Festigkeit ist eine Hauptforderung an den Sturzbomber. Der Fürst zeigt, daß die Ansprüche nicht bloß an das Material, auch an di« es meisternden Menschen ganz besondere sind. Der ZuDie unabsehbaren vernichtenden Wirkungen der modernen Angriffswaffen haben immer wieder zur Frage an die Militaristen der Gegenwart geführt: wie könnt ihr es verantworten, einen Krieg vorzubereiten, der die Bewohnerschaft der Städte, die Blüte der männlichen Bevölkerung nicht nur, sondern die Gesamtheit auszurotten droht? Ungerührt hält die Sorte von Menschen in Uniform und Zivil, welche noch immer kriegsfreundlich ist, ihre Antwort bereit: zu jeder Waffe noch sei die entsprechende Abwehr erfunden worden und so werde man in einem künftigen Kriege auch Luftangriffe, auch solche mft Gift- und Brandbomben, abzuwehren wiffen. Bereitet den Luftschutz vor und ihr werdet nicht stärker gefährdet sein als es in früheren Kriegen der Fall war!— Diese unbestimmte Hoffnung auf die Erfindung und Ver- wirklichung geeigneter Abwehrmittel ist, wenn sie jemals richtig war, sicher falsch in der Jetztzeit, bei dem rasenden Tempo der technischen Entwicklung und der ungeheuren Wucht der neuen Waffen. Denn ehe noch ein neues Kriegmittel bis zum Ausbruch des Kampfes geheimgehalten, dem Gegner bekannt wird und seine Wwehrmittel gefunden und hergesteüt sind, kann das Verhängnis bereits abgerollt, kann ein ganzes Volk zugrunde gegangen sein. Gegenwärtig ist die Lage, das wiffen alle Generalstäbe» umgekehrt wie in den ersten Kriegsmonaten. Damals stellte es sich heraus, daß die Verteidigung in Erdgräben auch den stärksten Angriffswaffen überlegen war, der feindliche Vormarsch konnte überall vor den Schützengräben zum Stillstand gebracht werden. Dieser Bann wurde durch die Luftwaffe gebrochen. Das Flugzeug mit seiner Beherrschung des unversperrbaren Luftraumes und seinen maffenmövderischen Bomben kann einfach nicht wirksam abgewehrt werden; weder durch Flugabwehrkanonen(„Flak") noch durch Jagdflugzeuge. Wohl sind diese Verteidigungswaffen seit dem Weltkrieg.fortentwickelt worden, aber ihre Entwicklung wurde weit überholt durch jene der Angriffs?,der Bombenflugzeuge.Die Flak erreichen nicht die Flughöhen hon 7000 bis 9000 Metern, in denen.die.mgderne Luftwaffe zum Angriff erscheint; und die Jagdflieger sind um so wenig schneller als die großen Bomber, daß sie durch beten, überlegene Feuerkraft leicht in Schach gehalten werden. Seit bei den großen Londoner Luftmanövern von 1928 bloß 16 der anfliegenden 250 Flugzeuge als abgeschossen gemeldet wurden, haben alle Manöver ähnliche Zahlen ergeben. Ein neues Kriegsmittel: Der Sturzflug Angriff stärker als Verteidigung 8port-5plet-Xörperpttege Eine Frau läuft 200 Meter in 23.6 S«k. Die bekannte polnische Sportlerin Stella Walasiewicz, welche den Beinamen„Die schnellste Frau der Wett" erhielt, stellte bei«ineiu Warschauer Meeting über 200 Meter mit 23.6 Sek. eine neue Weltbestleistung auf und verbessert« damit um fünf Zehntel-Sekunden ihren eigenen Weltrekord. Erst Bürger-, dann Arbeitersport in Rußland? Moskau wünscht dringend eine Prager Auswahlmannschaft— 180.000 Uö für drei Spiele Die Verhandlungen zwischen dem tschechoslowakischen Fußballsport kommen endlich zu einem positiven Ergebnis. Der mittelböhmische(Prager) Go« des tschechisch-bürgerlichen Futzballverbandes erhielt unter sehr guten Bedingungen von Moskau die Einladung zu einem Städte- kampf Prag—Moskau und zu zwei weiteren Spielen in Leningrad und Kiew»der Charkow und Odessa. Di« finanziellen Bedingungen für die ganze Tournee sind ausgezeichnet: Außer der vollständigen Verpflegung für die ganze Expedition noch 18 0.0 0 0 Kc für drei Spiele. Am Montag, den 5. d. M.» fand nun diesbezüglich zwischen Moskau und Prag ein volle 20 Minute« dauerndes Telephongespräch statt, in dem Moskau die näheren Bringungen bekanntgab. Ei» großes Hindernis blldet jedoch der Wunsch der Ruffen nach einer Entsendung einer Kombination Slavia—Sparta. Da di» Sparta infolge der Mttopacup-Spiele nicht abkömmlich ist und Slavia ebenfalls wegen Ligabeginn abfagtr, ist es nicht ausgeschlossen, daß nach Rußland eine Kombination Cechie Karli«—B o- h e m i a n s fährt. Die definitive Entscheidung soll am Mittwoch, den 7. d. M., erfolgen, weil die Russen diese Spiele schon nächste Woche durchführe» wollen. Soweit die Meldung in-der Prager tschechische» Presse. Wir wiffen noch nicht, ob diese Spiele unter den gegebenen Verhältnissen zustandekommen werden Eines geht jedoch, aus dem Vorstehenden deutlich genug hervor: Rußlands Sportführer wollen zehnmal lieber den Sportverkehr mit den Bürgerlichen als mit den ihnen kläs- senmäßig nähcrstehenden sozialistischen Arbeitersportlern. Für die bürgerlichen Sportler sind nur „sehr gute Bedingungen"— siehe oben!— vorhanden. Sonst weiter nichts! Anders jedoch, wenn ei sich um Abmachungen mit sozialistischen Arbeitersportorganisationen handell. Da gibt es nämlich noch„Bedingungen", die bei den Bürgerlichen stillschweigend übergangen werden. Da spricht man von Kampf gegen den Fascismus, von der Einheitsfront und was nicht noch alles— wir kennen das ja zur Genüge— und falls die Verhandlungspartner, die deshalb gar nicht mit den Russen verhandeln wollien, dann ihrerseits»Bedingungen zu diesen Fragen stellen, dann— zeigen sich die Russen von einer weniger sympathischen Seite."Das zweite Ge- s i ch t des russischen Sports zeigt sich nur liebenswürdiger, wenn es sich um Vertreter des bürgerlichen Sports handelt, da überbietet man sich in Höflichkeiten bedingungslos und läßt die„Thesen" wohl aufgehoben in der Schublade liegen— bis wieder einmal sozialistisch« Arbeitersportler den Wunsch haben sollten, mit russischen Sportlern in Spielkehr zu treten. Unsere Vertreter, des Atus und der DTF, die vor kurzem auf Einladung seitens der Russen in Moskau weilten, waren bekanntlich nicht in der glücklichen Lage, von einem positiven Ergebnis ihrer Verhandlungen berichten zu können. In dieser Hinsicht machten die Russen keine Kompromisse- Ende dieses Monates soll ja in Prag wieder eine Konferenz der SASJ mit der RSJ stattfinden und man kann heute schon begierig sein, wie die Russe» diese neueste Allianz mit dem bürgerlichen Sport bemänteln werden. Der Sporwerkehr mit den bürgerlichen Organisationen ist in Rußland anscheinend Trumpf und der Arbeitersport ein Ding zweiter Ordnung. Doch sollen die RSJ und ihre Auftraggeber nicht die Lag« verkennen, wenn ihnen dieses„Spiel" angenehmer erscheint... E... Neue SASJ-Höchstleistungen in der Lricht- athletik. Anläßlich des leichtathletischen Wettkampfes Tul Finnland—Sowjetrußland in Helsinki wur- den von finnischen Leichtathleten drei neue SASJ- Höchstleistungen erzielt, und zwar: Im Kugelstoße n durch Bärlund mit 15 45.5 Meter: iw Hammerwerfen erreichte Sulo Heino 48.22 Meter und im Stabhoch sprang Paavo Martelius 3.81 Meter. DFC und Bohemians spielten am Dienstag unentschieden 3:3(2:2). Clus der Tarter Soz. Jugend. Heute um 8 Uhr Gruppenabend im Parteiheim. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch die Poft monatlich ttü 16.—, vierteljährig Xö 48.—. halbjährig ttö 96.—. ganzjährig liü 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele» graphendirektivn mft Erlaß Nr. 1S.800/VH/19S0 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags, und ZeftungS-A.«G„ Prag.