IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Ehnlpnli 70 Hslln (alMchllaSüch 5 Haller Porta) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung nag xii,fochova«r. Telefon 0077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEUR: WILHOM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS. PRAG, 15. Jahrgang Freitag, S. August 1935 Nr. 184 Vie Streikwelle in Frankreich Einzelne Streiks beiseiest— Einsreifen der sozialistischen Parteien In später Nachtstunde: neue blutise Zusammenstöße Italienischer Minister in Ostafrika absestürzt Acht Tote In einem Militärflugzeug Rom. Der italienische Minister für öffentliche Arbeiten Luigi Razza ist auf Einer Dienstreise nach Ostafrika einem Flugzeugunglück zum Opfer gefallen. Auf der Strecke Rom—Massua stürzte das Flugzeug des Ministers aus bisher unbekannten Ursachen kurz nach Einer Zwischenlandung 14 Kilometer hinter Kairo »t. Hiebei fanden vier Mann der Besatzung und außer dem Minister drei weitere Insassen den Tod. Bei dem abgestürztrn Tlugzeug handelt es sich um das gemeldete italienische Militärflugzeug, das gestern in Rom nach Maffaua startete und seit seinem Abflug von Kairo vermißt wurde. Der im Jahre 1892 geborene Minister gehörte feit 1919 zu den Mitbegründern der fasei- stischen Partei. In den ersten Jahren der Errich- tung des Fasrismns in Italien leistete er als bersSnlicher Freund und Mitarbeiter Mussolinis brm Fascismus große Dienste. Insbesondere setzte ee sich für die syndikalistischen Organisationen Ein. Nach längerer politischer Wirksamkeit wurde Et zum Unterstaatssekretär im Ministerpräfidium und später zum Minister für öffentliche Arbeiten Ernannt. Konflikt Danzig-Polen grundsätzlich beiseiest Danzig.(DNB.) Zwischen der Danziger und der polnischen Regierung ist DonnttS- lag ein Abkommen über die Aufhebung der bei- öEtsritigen Kampfmaßnahmen paraphiert wor- öen. Danach macht die polnische Regierung die oillverordnung vom 17. Juli rückgängig. Danzig örbt seinerseits die als Folge der polnischen Ber- urdnung getroffene Maßnahme der zollfreien Einfuhr bestimmter Waren aus Deutschland auf. 3« übrigen werden die Berhandlungen über die Regelung der zwischen Danzig und Polen um- sttittenrn Einzelfragen fortgesetzt. Usnadiste Hakenkreuzler Wien. Bundespräsident Millas hat vier nach »em Sprengstoffgeseh zum Tode verurteilte Nationalsozialisten begnadigt. Georg Heimerl st>ürde die Todesstrafe in 15 Jahre schweren Ker- >ers, Fuchs, Meßner und Harnitz in 10 Jahren schweren Kerkers umgcwandelt. Henlelnleute sollen Hakenkreuz* Propaganda In Oesterreich leiten? Wien. Die„Oesterr. Zeitung am Abend" "ringt aus Reichenberg eine Meldung über die Zusammenhänge zwischen der SdP und den reichsfutschen und österreichischen Nationalsozialisten, "ach dieser Darstellung— welche wir nicht überprüfen können— ist aus gewissen Aeusserungen den Leuten aus der Umgebung Henleins zu ent- WMen> dass sich die Sudetendeutsche Partei in derlin bereit erklärt hat, die nationalsozialistischen "tstrebungen in Oesterreich soweit als möglich zu "uterstützen. Es scheine, dass sich Henlein ursprüng- üch gegen derartige ihm in Berlin gestellte Zumutungen gewehrt hat, und zwar mit der Begründung, dass seine Partei noch zu sung sei und alle Kräfte für ihren eigenen Aufbau benötige, schliesslich habe er aber dem immer fühlbarer Erdenden Druck der reichsdeutschen NSDAP Nachgeben müssen. Man beabsichtige in der Tsche- Wslowakei, nicht allzu weit von der österreichischen Grenze, in einem Gebiet, wo die Henlein-Partei Elativ zahlreiche Anhänger besitzt, eine Stelle zu Mchtcn, die mit der Oberleitung und Kontrolle ""r unterirdischen nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich betraut werden soll. Bon die- Jji Stelle solle auch Propagandamaterial nach ^kstcrrcich geschmuggelt werden. Versteigerung des Ottakringer Arbelterhelms verschoben Wien. Donnerstag sollte die öffentliche Rersteigerung des Arbeitrrhrims im 16. Bezirke stuttfinven. Sie wurde jedoch im letzten Augenblick »uf den 15. September verschoben. Pari«.(Tsch. P.-B.) Die sozialistische und die kommunistische Partei veröffentlichen in ihren Blättern Aufrufe, in denen sie die Schuld des Marinepräfekten an den Brester Ereignissen feststellen, der die Arbeiter dadurch reizte, daß er bei der Auszahlung der gekürzten Löhne Militär und Gendarmerie ins Arsenal berief. Im Namen der Sozialisten hat Leon Blum, im Namen der Kommunisten der Abgeordnete R a m e t die Vertreter der übrigen Linksgruppen der Kammer für Freitag zu einer Sitzung eingeladen, deren Zweck eine Prüfung der Zwischenfälle von Brest und Toulon und die Unterschriftensammlung für ein« Einberufung der Kammer ist. * In B r e st dauerten nach einer Meldung des Tsch. P.-B. die Unruhen Mittwoch bis in die späten Abendstunden an. In der Umgebung des Bahnhofs kam es zu zahlreichen Zusammenstössen zwischen Polizei, Gendarmerie und Demonstranten, die an einigen Stellen Barrikaden errichteten. Am Abend zertrümmerten in einigen Strassen Gruppen von grösstenteils jugendlichen Demonstranten Fensterscheiben. In der Stadt kampieren Gardisten, Gendarmen und Kolomaltruppen. Unter de« verhafteten Personen ist auch rin reichsdeutfcher Staatsangehöriger, bei welchem Waffen gefunden wurden. As Arbciterkreisen wird darauf hingewiesen, daß verdächtige Personen die berechtigte« Abwehrmaßnahmen der Arbeiter für ihre Zwecke mißbraucht haben und daß die nächtlichen Ausschreitungen von diesm Menschen hervorgerufen wurden. Donnerstag fand die Beisetzung des bei den dienstägigen Unruhen getöteten Arbeiters unter zahlreicher Beteiligung der Arbeiter statt. Der Allgewerkschaftliche Verband war bei dem Begräbnis- durch eine Delegation vertreten. Die Arbeiter, die da,s Leichenbegängnis organisierten, hatten sich verpflichtet, für die Wahrung der Ordnung zu sorgen. Die Polizeibereitschaft zog sich deshalb zurück. Das Arsenal war geschlossen. . In Brest herrschte vis in dir späten Nachmittagsstunden des Donnerstag überall Ruhe. Die sozialistischen und kommunistischen Grwerk- schaftsverbände fordern die Streikenden durch Erwacht Deutschland wirklich? Düsseldorf.(DNB.) Nach einer Mitteilung der Gebiets-Hitlerjugend-Führung haben etwa 20 Unbekannte in der Nähe von Bochum bei Krefeld eine Gruppe von Hitlerfungen zunächst beschimpft und sie dann tätlich angegriffen. Der Gefolgschaftsführer erhielt eine schwere Kopfverletzung durch einen Schlag und Fusstritte gegen den Bauch. Er musste mit einem Auto ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Kameradschaftsführer erhielt einen schweren Schlag mit einer Stange über den Kopf. Als der Gefolgschaftsführer besinnungslos zusammenbrach, flüchteten die Angreifer und entkamen unerkannt. Die Polizei, die von dem Vorfall sofort unterrichtet wurde, hat mittlerweile die jugendlichen Angreifer ermittelt und festnehmen können.(Früher war die preussische Reaktion nicht so schlampig, dass es hätte geschehen können, dass man im ersten Satz, einer Meldung von unbekannten Tätern und im letzten von ihrer Ermittlung und Festnahme spricht. Anm. d. Red.) Zeder Tag ein Schlag... Berlin.(DNB.) Wie die Geheime Staatspolizei mitteilt, sind die Landesverbände Berlin- Brandenburg, Pommern und Ostmark des„Stahlhelm" einschliesslich aller Untergliederungen mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden. Zugleich wurde das Vermögen der genannten Landesverbände und ihrer Gliederungen vorläufig beschlagnahmt. Flugblätter auf, Freitag um 8 Uhr die Arbeit im Arsenal wieder aufzunehmen. Ende des Streiks in Toulon und Le Havre Auch inLeHavre und in Toulon ist eine Beruhigung eingetreten. Der Streik des Personals der Transatlantik-Gesellschaft, an dem die Mannschaft der Dampfer„Normandie",„La- fayette" und„Champlain" beteiligt war, wurde beigelegt, so daß die,Schiffe aus Le Havre auslaufen können. Der Minister für die Handelsmarine hatte nachmittags die Vertreter der Streikenden empfangen. Es heißt, daß der Streik beigelegt wurde, nachdem man sich auf eine teilweise Zurückziehung der Gehaltskürzungen geeinigt hatte. Auch die Belegschaft des Marinearsenals in Toulon hak Donnerstag fast durchwegs die Arbeit wieder ausgenommen. Vor der Aufnahme der Arbeit streikte die Belegschaft eine viertel bis eine halbeStunde lang, indem sie an ihremArbeitsplatz mit verschränkten Armen seierte. Am Nachmittag wurde die Arbeit wiederum auf eine Viertelstunde unterbrochen, und zwar im Zeitpunkte des Begräbnisses des bei den Demonstrationen in Brest getöteten Arbeiters. « Parts.(Tsch. P.-B.) Mittwoch abend traten die K i n o o p e r a t e tt k e der Pariser Lichtspieltheater knapp vor Vorstellungsbeginn zum Zeichen des Protestes gegen die Lohnkürzungen in den Streik. Zahlreiche Kinos waren gezwungen, dem Publikum die Eintrittsgelder zurückzugeben und zu schließen. Neue Unruhen in den Kriesshäfen? Nach Meldungen englischer Berichterstatter sind in den gestrigen Abendstunden in Brest und Toulon neue schwere Zusammenstöße erfolgt, bei welchen in Toulon sogar drei Menschen getötet worden sein sollen. Auch aus Marseille meld«: englische Blätter, daß sich dort Donnerstag abends ernste Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Arbeitern im Arsenal ereigneten. Die Polizei unternahm einen Angriff gegen die versammelten Arsenalarbeiter, etwa 3000 an der Zahl, hiebei wurden zahlreiche Revolverschüsse abgcfeuert. Eine größere Zahl von Personen wurden schwer und sehr viele wurden leicht verletzt. Verhaftete und verurteilte Pfarrer Koblenz. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Die Landesstelle Koblenz-Trier des Propagandaministerium teilt mit: Der Pater Isidor, mit dem bürgerlichen Namen Peter Hart, aus dem Franziskanerkloster Waldbreitbach wurde verhaftet, weil er an Schwachsinnige den Auftrag erteilte, in der Dunkelheit die Plakate der Gauleitung gegen den politischen Katholizismus abzureissen. In der Nacht zum Dienstag waren in Gladbeck die vom Gau Westfalen-Nord der NSDAP zum Aushang gebrachten Plakate gegen den Katholizismus an verschiedenen Stellen gewaltsam abgerissen worden. Als Täter ermittelte die geheime Staatspolizei den Pfarrer Reckmann und den Kaplan der St. Josephspfarre. Das Schnellgericht verurteilte den Pfarrer Reckmann zu vier Monaten Gefängnis und den Kaplan Holtkamp zu zwei Monaten Gefängnis. kein Kredit kür Friedensbrecher Wafsington.(Reuter.) Die Bank für Exportkredite gibt bekannt, dass sie Kredite zur Finanzierung von Baumwollsendungen nach Italien nur nach eingehender Prüfung, ob die Sendungen Nicht für die Kriegsproduktion bestimmt sind, gewähren werde. Die Bank wird jeden Kredit verweigern, soferne sich der Verdacht bestätigt, dass die Baumwollsendungen in Italien für Kriegszwecke verwendet werden solle«. Im 16. Jahr... Die Siegesfanfaren vom 19. Mai sind verstummt. Der graue Alltag mit seinem sorgenvcr- grämten Gesicht ist wieder eingezogen.in die sudetendeutsche Politik. Die nationale„Erneuerungsbewegung" Henleins ist am Ziel. Seine Partei hat die Stimmen der eingeseiften Wähler, seine Trabanten haben die Mandate. Und Henlein selbst darf als Parteiführer durch die wette Welt reisen. Fünfzehn Jahre— so hieß es tausendmal im Wahlkampf— hätten die verfluchten alten Parteien nur geredet. Das sollte gründlich anders werden. Nach dem Wahltag würde endlich mal gehandelt. Man war allseits gespannt. Die Henlcin- bauern warteten auf die Abschreibung der Schulden. Die genarrten Arbeitslosen auf die 30 bis 50 Kronen wöchentliche Ernährungshilfe, die ihnen großzügig versprochen worden war. Die existenzlose hitlerbegeisterte Jugend frPite sich schon aus die 40.000 Beamtenposten, die Henlein kraft des nationalen Schlüssels freimachen sollte. Freudig sagte sich der Durchschnittswähler von den „Systempolitikern" los. Wer wollte heute nicht, daß es ihm morgen besser ginge? Auf welche- nationalistischen Verheißungen sind die Sudetendeutschen noch nicht hineingefallen? Es zog also die„junge sudetendeutsche Generation" ins Parlament ein. Jung sein ist eine schöne Sache. Befähigte und kenntnisreiche Jugend ist auch in der Politik sehr vonnöten. Wenn aber gesetzte Vierziger ihre Jugendlichkeit nur durch totale Unkenntnis in politischen und wirtschaftlichen Fragen erweisen können, dann muß dieser Umstand nicht unbedingt zum Heil des Volkes beitragen. Die, was Erfahrung anlangt, mit ganz wenigen Ausnahmen sehr jugendliche Henlein» fraktion machte im Parlament eine für sie epochale Entdeckung. Nämljch die, daß sie nicht aflein auf der Welt sei. Jede Partei ryuß sich im demokratischen Staate einordnen in ein durch manche historische Tatsachen vorbestimmtes Kräftespiel. Kein kleines Land kann im Zeichen der großen Weltkrise Wunder wirken. Die Vertreter einer nationalen Minderheit können es am allerwenigsten. Das haben wir den Henleinleuten in so mancher Versammlung gesagt. Sie antworteten mit Hohngelächter und Heilgebrüll. Sie woflten den verrotteten Parteipolitikern beweisen, daß es auch anders gehe, wenn nur die Sach frisch-fromm- fröhlich-frei angepackt werde. Die Mehrheit der Wähler war der gleichen Meinung. Nach dem großen Wahlsieg Henleins konnte endlich das„sudetendeutsche Wunder" geschehen. Im sechzehnten Jahr sollte das Reden aufhören und das Handeln beginnen. Das„Handeln" begann aber mit neuen Reden. Der brave Wähler meinte, das sei der Anlauf zur. richtigen Tat. Nun sind einige Monate seit dem 19. Mai verflossen. Jetzt muß doch schon bald was geschehen. Der Ungeduld ihrer erwartungsvoUen Leser Rechnung tragend, veröffentlicht daher die„Rundschau" den ersten Tätigkeitsbericht der Henlein- Fraktion. Man erfährt daraus Erstaunliches, Nochniedagewesenes. Sogar einige Interpellationen überreichten die ruhmbekränzten Sieger vom 19. Mai. Es wird nicht mehr geredet, sondern auch geschrieben. Ein historischer Fortschritt in der sudetendeutschen Politik. Und noch mehr, es wird auch interveniert. Die parlamentarischen Herolde der Volksgemeinschaft machen sich mit solchen Lappalien, die Einzelschicksale oder Gemeindesorgen betreffen, allerdings nicht die Finger schmutzig. Wenn der Führer am Genfer See oder am Themsestrand, lust- wandelt, werden sich doch die Herrn Unterführer auf den mitunter steilen Stiegen der Prager Aem- ter keinen Fuß brechen. Die Henlein-Parlamentarier sind, wie man da erfährt, von der gewiß aufteibenden Jnterventionstätigkett befreit. Sie beziehen also in der tagungsfreien Zett ihre Diäten sozusagen als politische Arbeitslosenunterstützung, oder dafür, weil sie eben in den Versammlungen wetter-reden und nicht handeln. Das Handeln wurde vorläufig den Angestellten eines Interventions-Sekretariats überlassen. Wie die „Rundschau" nicht ohne bescheidenen Stolz mitzuteilen weiß, hat diese Kanzlei schon 293 Fälle„bearbeitet". Es kommen also auf einen Parlamentarier der Henleinpartei in zwei Monaten vier bis fünf Beanspruchungen. Wer den Arbeitsbetrieü eines sozialdemokratischen Abgeordneten oder Senators kennt, wird dieses Ausmaß der Vertrauensbekundung ohne Reid zur Kenntnis nehmen. Unserem braven Genossen Taub— im Henleinjargon auch einer der faulenzenden mar- Seite? Freitag, 9. August 1935 Nr. 184 xistifchen Bonzen— wäre aufrichtig zu wünschen, daß ihm im kommenden Arbeitsjahr nicht mehr Interventionen zufallen mögen, als dem ganzen Schock von Parlamentariern der SdP. Zur Sache■ wäre noch ein grundsätzliches Wort zu sagen. Die Interventionen der Mitglieder unserer gesetzgebenden Körperschaften sind ein wunder Punkt im politischen Leben dieses Staates. In der Krisenzeit haben sich die persönlichen und kollektiven Ansprüche an die einzelnen Parlamentarier kolossal gesteigert. Keiner kann allen an ihn gerichteten Wünschen gerecht werden. Das liebel liegt aber in der Zeit, nicht an den vielen hilfesuchenden Menschen. Es liegt auch an der Schwerfälligkeit unserer Administrative, die in ihrer heutigen Verfassung nicht immer die Gewähr einer raschen und objektiven Sacherledigung bietet. Oftmals ist eine parlamentarische Intervention unerläßlich, um einen rm Kompetenzstreit verfahrenen Akt flottzumachen und dem mit der ganzen Existenz interessierten armen Teufel zu seinem Rechte zu verhelfen. Würden durch eine entsprechende Reform, etwa durch die Schaffung demokratischer Verlvaltungssenate oder durch eine armenrechtliche Vertretung auch in administrativen Streitfällen wenigstens die vielen kleinen Interventionen überflüssig, niemand hätte mehr Ursache, dies aufatmend zu begrüßen als die Parlamentarier selbst. Solange aber interveniert werden muß, können sich die Vertreter der nationalen 'Minderheiten zu allerletzt dieser Aufgabe entziehen. Denn hier geht es um die Durchsetzung der Minderheitsrechte in der täglichen Praxis eines fremdnationalen Staates und seiner zumeist andersnationalen Bürokratie. Schon der Bienenfleiß der tschechischen Parlamentarier und ihre Sachkunde auch in der Behandlung kleinerer Sorgen des Bürgers erzwingen einen nationalen Wettbewerb auf diesem Gebiete. In völliger Verkennung dieses sonnenklaren Tatbestandes hat eine der erfolgreichsten Wegbereiterinnen Henleins, die „Reichenberger Zeitung", seinerzeit die Losung ausgegeben:»Weg mit den deutschen Jnterventionsministern." Ihr und Henlein ist inzwischen insoweit Rechnung getragen worden, als die deutschen Minister nach der Wahl von den wichtigsten Ressorts weichen mußten. Dem sudetendeutschen Volke dürfte verflucht wenig damit geholfen sein, wenn an Stelle eines deutschen Arbeitenministers, der über die national gerechte Verteilung der Straßenbau-Subventionen wacht, ein bebrillter Jüngling von der Interventionskanzlei der Henleinpartei die deutschen Belange in den Aemtern vertritt. Soweit sind wir glücklich im 16. Jahr der sudetendeutschen Politik gekommen. War es der Wille von fünfviertel Millionen Wählern, daß sich ihre parlamentarischen Vertreter künftig ganz anfs Reden verlegen und das„Handeln" einigen Klub» angestellten überlasse«? Eine Fünfiahresbilanz: Zwölf Milliarden Kronen Lohnverlust Welche ungeheueren Lohnsummen verloren gegangen sind, mögen einige Ziffern beweisen. Nach den statistischen Jahresausweisen der Zentralsozialversicherungsanstalt betrug d i e Zahl derbeiihrVersicherten: 1929 2,505.537 1980 2,444.690 1931 2,314.589 1932 2,069.014 1933 1,887,650 1934 1,877.994 Wir beobachten also eine ständig sinkende Ziffer der Versicherten. Betrachten wir vorerst noch den durchschnittlichenVerdienstpro Versicherten. Dieser bettug: 1929 5979.86 XL 1930 5984.52„ 1931 5836.96„ 1932 5545.43„ 1 1933 5232.21„ 1934 5097.53„ Die Zahl'der Beschäftigten ist im Jahre 1980 60.847 geringer gewesen als tut Jahre 1929. Wären sie in'Beschäftigung geblieben, so hätten sie in den nachfolgenden Jahren je den Durch- scknittsverdienst eines Beschäftigten in den Jahren 1930 bis 1934 erzielt, oder pro Versicherten Kä 27.696.65. Der Lohnausfall beträgt daher bei den im Jahre 1930 schon arbeitslos gewesenen ehemaligen Beschäftigten die enorme Summe von 1.684,261.000 XL. Wenden wir dieses Beispiel auch auf die folgenden Jahre an, so kommen wir zu wahrhaft astronomischen Ziffern. Die Zahl der in den einzelnen Jahren neu arbeitslos Gewordenen und deren Lohnausfall pro Versicherten beträgt: Jahr Zuwachs an Arbettslosen LohnauSsall pro Arbeitslasen bis Ende 1934 1930 60.847 27.696.65 1931 130.101 21.712.13 1932 245.576 15.875.17 1933 181.364 10.329.74 1934 9.656 5.097.53 Unter Anwendung des oben angeführten Beispieles kommen wir für die einzelnen Jahre zu folgenden Lohnansfallssnmme«: 1930 1.684,261.000 XL 1931 2.824,779.000 1932 3.898,544.000„ 1933 1.873,453.000„ 1934 49,221.000. Zusammen 10.330,258.000 XL Dazu kommt noch der Lohnausfall der noch in Beschäftigung stehenden. Der durchschnittliche Verdienst eines Beschäftigten betrug im Jahre 1929 XL 5979.86, im Jahre 1934 nurmehr XL 5097.53, ist'älso um 882.38 zurückgegangen. Umgerechnet auf die Zahl der im Jahre 1934 noch beschäftigten 1,877.994 Versicherten ergibt dies wiederum eine Summe von XL 1.657,010.000, so daß der Gesamtverlust an Löhnen in den vergangenen fünf Jahren d i e r u n d e S u m m e vo n 12 Milliarden XL beträgt. Die rückläufige Bewegung der durchschnittlichen Löhne ist aber auch im heurigen Jahre nicht zum Stillstand gekommen, sonder« schreitet fort. Der Ausweis der Zentralsozialversicherungsanstalt über den Stand der Versicherten im Monat April 1935 legt darüber beredtes Zeugnis ab. Das 90 koman von Emil V* f hek, Deutsch von Anna Aurednltek „Bitte, hier sind hundert Stück." Beinsteller suchte auf dem Wandbord. Während er die Schachteln wendete, dachte er an das, was sich bei ihm zu Hause abspielte. Seine Hand tappte ins Leere. Er wußte nichts davon. Nach einer Weile drehte sich Beinsteller um und sagte erstaunt:„Du meine Güte, verzeihen Sie, Herr, ich habe gar nicht bemerkt, daß Sie noch da sind." „Sie wollten mir doch hundert Slavie aussuchen 1" sagte der Käufer Und blickte wieder ängstlich zur Tür, ob er schnell genug hinauS- gelangen könnte. „Verzeihen Sie, aber ich bin heute so zerstreut!" entschuldigte sich Beinsteller.„So, da sind die Zigaretten, ich bekomme dreißig Kronen." „Dreißig? Sie haben soeben vierzig gesagt!" „Na ja, vierzig, ich habe mich schon wieder geirrt, heute schon zum fünftenmal." Beinsteller nahm von dem Kunden fünfzig Kronen in Empfang, öffnete die Schublade, träumte weiter und gab dem Wartenden— achtzig Kronen zurück. „Aber passen Sie doch auf; so werden Sie zugrunde gehen. Sie schenken mir hundert Zigaretten und geben mir dreißig Kronen als Draufgabe. Soll ich nicht den Doktor holen?" „Den Doktor?" erschrak Beinsteller.„Glauben Sie, daß man den Doktor brauchen wird? Wird die Hebamme nicht genügen?" Der Herr verließ den Laden und wunderte sich, daß das Tabakmonopol die Trafiken offenkundig geisteskranken Menschen anvertraute. Er war übrigens nicht der erste, der dies dachte. Seit dem Morgen irrte sich Beinsteller immer wieder. Er hatte gewiß schon 100 Kronen zugesetzt, und seine Bekannten sagten:„Herr Beinsteller, Sie sind nicht ganz richtig im Oberstübchen." Eingeweihte aber fragten:„Also, wird es heute sein?" Beinstcller blickte zur Zimmerdecke und antwortete:„Jawohl, heute. Es hat bei der Armen schon in der Nacht angefangen. Glauben Sie mir, Herr Malina, ich wäre lieber der Watschenmann im Wiener Prater. Wenn man ein Frauenzimmer, für das man den letzten Blutstropfen hergäbe, so jammern hört, das übersteigt menschliche Kraft. Die Arme beherrscht sich ja! Sie zwingt sich, zu lächeln und sagt:„Mach dir nichts draus, Ferdinand, ich bin nicht mehr die Jüngste, da geht es immer schwerer." Aber dieses Lächeln tut noch mehr weh als ihr Klagen. Ich habe aufgeatmet, als ich um halb sieben ins Geschäft gehen mußte; Sie können mirs glauben, Herr Malina." „Ich glaub's schon, Herr Beinsteller, das ist nichts für uns Männer. Wie die Reihe an meiner Alten war, bin ich immer lieber davongelaufen. Da wird einem leichter." „Leichter? Keine Spur! Ich mach ja hier alles mit, und es ist zehnmal ärger, als wär ich zu Hause. Ich bin so außer mir, daß ich am liebsten morden möchte. Wieviel Grobheiten mußte ich heute schon einstecken, Herr Malina. Ich'kann mir doch nicht eine Tafel mit der Inschrift umhängen: Bitte um Geduld, meine Frau ist im Wochenbett." „Vielleicht ist es schon da, Herr Beinsteller", tröstete Malina. „Das glaub ich nicht, Herr Malina, ich habe zu Hause befohlen, daß mgn mir jede Stunde eine Botschaft schickt. Vor einem Moment war die letzte da. Wir haben besprochen, daß mich der Nachbar antelephoniert, sobald es auf der Welt ist. Ist es ein schlechtes Zeichen, Herr Malina, daß die Geschichte schon seit drei Uhr dauert?" Absinlen des Versichertenstandes in die niedrigeren Lohnklassen schreitet auch weiterhin. fort. Auf 10.000 Versicherte entfallen jeweils im April: Lohnklasse 1935 1934 1 1202 1087 2 2482 2357 3 1759 1667 4 1190 1277 5 936 1022 6 614 677 7 377 415 8 312 331 9 266 293 10 862 874 Auf den durchschnittlichen : Tagesverdienst umgerechnet, ergab die Tageslohnsumme dieser 10.000 Versicherten im April 1934 XL 162.596.— April 1935 XL 157.613.— Das Lohneinkommen ist also pro Tag neuerlich um XL 4983.— gesunken, was bei Umrechnung auf ein volles Jahr beim Gesamtstand der Versicherten einen neuerlichen Lohnverlust von rund 281 Millionen XL ergibt. Die vorstehenden Ziffern müssen allen, die guten Willens sind, zeigen, daß es Höck steZeit ist, radikal einzugreifen, umdie DingezumBesserenzubringen. V. D i t t r i ch. Kladnoer Revier Revision der amtlichen Untersuchung notwendig Am Mittwoch wurde im Ministerium für öffentliche Arbeiten eine Deputation der Bergarbeitervertreter des Kladnoer Revieres empfangen, um dem Ministerium ihren Stanopunü gegenüber dem Ergebnis der amtlichen Untersuchung der Verhältnisse im Kladnoer Revier zu geben. Wie bekannt, handelt es sich da um die Existenz von 779 Bergarbeitern, von denen di? amtliche Kommission festgcstellt hat, daß sie im Revier überzählig sind. Wegen der Verhältnisse im Kladnoer Revier wird schon längere Zeit verhandelt. Im vergangenen Winter beabsichtigten die Bergwerksbesitzer im Revier etwa 2000 Arbeiter zu entlassen. Damals schritt die Regierung eins ordnete die Erhaltung des bisherigen Belegschastsstandes an und setzte eine Untcrsuchungskommission ein. Diese Kommission hat ihre Arbeit am 26. Juli beendigt und ist zu dem oberwähnten Ergebnis gelangt. Die Unternehmer haben dazu noch einige Forderungen gestellt wie die Herabsetzung her Koh- lenabgäbe von Lehn auf sieben Prozent, Verbilligung der Sprengstoffe, Erhöhung der staatlichen Lieferungen, Vorzugtarife für Prag, Herabsetzung der Löhne um 20 Prozent und Entlassung der 779 überzähligen Bergarbeiter. Dagegen nehmen nun die Bergarbeiter aufs schärfste Stellung. Sie wenden gegen die amtliche Untersuchung ein, daß seit 1. Jänner die Anzahl der Bergarbeiter im Revier um 215 gesunken sei, welche man zumindest von den 779 Ueberzähligen abzählen müßte. Weiter bemängeln sie an dem Bericht der amtlichen Kommission, daß diese ihre Untersuchung auf Grund der Annahme von 301 Arbeitstagen im Jahr vorgenommen hat, während im vergangenen Jahre im Revier pro Arbeiter nur „Was fäll? Ihnen ein", tröstete Herr Malina,«das geht nicht anders." „Jetzt, wo uns alles so gut ausgeht und wir das Kindchen bekommen, schickt uns das Schicksal so eine Prüfung! Wenn es schlecht ausfällt— ich müßte ja verrückt werden!" „Es wird gewiß gut ausfallen, Herr Beinsteller. Sie werden sehen. In einem Weilchen wird man Sie anrufen und sagen:„Der junge Beinsteller ist schon auf der Welt!" „Ich wünsche mir so sehr einen Buben", seufzte Beinsteller andächtig.„Ich halte gar nichts von Frauenzimmern, und Buben hab' ich immer gern gehabt. Mer alte Eheleute kriegen, wie ich höre, immer Mädel, nicht wahr?" fragte er ängstlich. „Das ist richtig", meinte Malina,„aber immer muß es nicht so sein. Es kommt auch auf die Eltern an. Ist der Vater ein fescher Kerl wie Sie, und die Mutter gesund, kann es auch ein Bub sein." „Mir sagt eine innere Stimme, daß es ein Bub sein wird",, flüsterte Beinsteller. „Ich glaub' schon, daß es ein Bub sein wird. Trafikanten haben beinah' immer Buben. Ich kenne eine Menge Trafikanten und alle haben Jungens. Advokaten aber haben Mädel. Ein junger Anwalt, den ich kenne, hat drei Mädel hintereinander gekriegt. Die Natur läßt sich da nichts dreinreden, Herr Beinsteller. Aber erlauben Sie die Frage— gibt es kein böses Blut, daß die beiden Schwestern, die einander nicht mögen, auf einem Gang wohnen?" «Natürlich. Es gab keine Ruhe; seit dem Tag aber, da ich der Magda sagte, daß ich ihren Kräutler die Stiegen hinunterwerfen werde, wenn sie es noch einmal wagt, meine Frau zu belästigen, ist es aus mit der Streiterei. Sie keppelt überhaupt nicht mehr. Mit dem Mädel ist nämlich eine große Veränderung vorgegangen, lieber Herr Malina. Sie ist fett wie eine Wachtel, wahrscheinlich von den vielen Pillen, und hat 255 Schichten geleistet wurden. Danach würde nicht ein Ueberfluß, sondern ein Mangel an Bergarbeitern im Revier bestehen. Es müßte ferner die finanzielle Situation der einzelnen Unternehmungen untersucht werden. Wenn das alles nicht genügen würde,.müßte eine Herabsetzung der Arbeitszeit auf sechs Stunden Platz greifen. Daraus ist ersichtlich, daß die Untersuchung der amtlichen Kommission einseitig erfolgte und daß eine Ueberprüfung ihrer Angaben sich alt notwendig erweist. vemolcrstie und Planwirtschaft In der amerikanischen Wochenschrift „Europe" wird ein Interview mit dem Außennrinister Dr. Benes veröffentlicht, in dem sich dieser zur Krise der Demokratie äußert. Er verkennt die außergewöhnliche» Schwierigkeiten der Zeit keineswegs, kommt aber dann doch noch zu einem optimistischen Resultat: „Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir in einer außergewöhnlichen Epoche leben. Wir wohnen einer Revolution bei, die bereits vor dem Weltkriege begonnen hat, und stehen an der Wende zweier Zeitalter. Der Weltkrieg hat geendet mit einem Siege des demokratischen Gedankens, der zur Befreiung zahlreicher Völker geführt hat. D i e europäischenDiktaturen sind nur eine vorübergehende Reak- tionsers cheinung. Das demokratische Regime ist nur in Ländern zusammengebrochen, die auf die Freiheit nickt genügend vorbereitet waren. Die Schwierigkeiten, denen sich die Demokratie gegenüber sieht, kann eine Diktatur nur provisorisch und nicht endgültig beseitigen, meistens aber werden diese Schwierigkeiten durch die Diktatur nur noch größer und bisweilen unüberwindlich. In Zukunft muß man mit einer Evolution rechnen, die den richtigen Teil Autorität mit dem richtigen Teil individueller Freiheit zu verbinden weiß. Sie wird die Gestalt einer modernen politische» und wirtschaftlichen Demokratie mit einem planvollenwirt- schaftlichenSystem annehmen." Madrid.(AP.) Das Parlament stimmte dem Regierungsantrag zu, wonach die Großgrundbesitzer für das Land, das nach Ausrufung der Republik a» landarme'Bauern verteilt worden war, eine Entschädigung von 500 Millionen Peseten erhalten sollen.— Für den Neubau von Kasernen in Asturien wurden 12 ÜüillioneN Peseten bewilligt. Rom.(AP.) Nach den Berechnungen der Suez- kanalgesellschasi sind bis jetzt 6000 italienisch« Soldaten wegen Erkrankungen aus Ostasrika zurückgeschafft worden. Kapstadt.(AP.) In den Häfen von Kapstadt, Durban, Port Elizabeth und East-London wurden Aufrufe verteilt, den Transport aller Güter nach Jtalienisch-Ostafrika zu verhindern. —— I I I I■!!■■■ I—Mg ihn so unter dem Pantoffel, daß er ihr wie ein Hündchen nachläuft." „Na, Herr Beinsteller, ich glaube, daß jeder Mann unter dem Pantoffel steht." „Halt— da möcht' ich schon bitten!" entgegnete Beinsteller.„Von mir werden Sie das nicht behaupten. Bei mir im Haus bin ich der Herr und das Familienoberhaupt... Ich berate mich natürlich immer mit Sophiechen, helfe ihr und bin froh, wenn sie zufrieden ist. Ist sie schlechter Laune, so geh' ich ihr lieber aus dew Weg...." „Mit andern Worten, Herr Beinsteller, Sie sind unter dem Pantoffel! Aber Ihre Frau ist vernünftig und brav, deshalb spüren Sie es nicht." „Ich werde mit Ihnen nicht stteiten, Herr Malina. Wenn mir Sophie aber einen Bube» schenkt und dieser Bub ein fester kleiner Kerl ist« so geh' ich auch unter den Pantoffel." „Warum sollte er kein fester Kerl sein, Herr Beinsteller?" „Ich will Ihnen was sagen, Herr Malina. Ick fürcht' mich ein wenig", flüsterte Beinstellek, „am Ende hat der Bub zwei meiner Eigenschaften geerbt." „Das wäre ja alles in schönster Ordnung, Herr Beinsteller, Sie haben doch nur gute Eigenschaften." „Und was ist's mst meinem Buckel?" frag!« Beinsteller voll Angst. «Was fällt Ihnen ein, Herr. Beinsteller 1“ beschwichtigte Herr Malina,„ein Buckel ist doch nicht erblich wie Krebs oder Herzfehler!" „Hoffentlich behalten Sie recht, Herr Malina! Wer jetzt kommt noch die zweite Eigenschaft. Schauen Sie sich doch meine Hände an, Herr Malina!" „Das sind abgearbeitete Hände, die erbt man nicht", sagte Malina etwas verlegen. (Schluß folgt.) Nr. 18» Freitag, 9. August 1935 Seite 8 lich unter Wahrung seiner Nerikalen Reaktion auch seine Beziehungen zu der nationalen des Turnlehrers nicht gefährden will. Und um die Henleins nicht zu verstimmen, wird auch gleich hinzugefügt, daß man die„religiös-sittlichen" Kräfte der deutschen Christlichsozialen»für die Volkserhaltv^z(Geburtenregelung) des Sudc- tendeutschtuuls braucht". Also, bitte Herr Henlein, wir tun doch, was wir können, und halten uns als Hüter des„Mutterschaftsgrundstockes" der Hei« matsront bestens empfohlen. Uns wenige Leiten später führt die„Deutsche Presse" bittere Klage über eine Abfuhr, die sie in her„Rumburger Zei- tung" bekommen hat, nicht ohne entschuldigend, hinzuzufügen, daß sie sich diese Polemik nur erlaube, weil die„Rumburger Zeitung" kein Organ der Sudetendeutschen Partei ist und sie sich bewußt außerhalb der von den Sudetendeutschen Pressebriefen Henleins geforderten„Volksgemein- schaft" gestellt habe". Und um nur ja Gnade vor den Augen des„Führers" zu finden, wird noch hinzugefügt, daß sa auch im Reich die Katholiken keine Feinde des Dritten Reiches sind, weil ihnen die» ja schon„durch die katholische Autoritätslehre" nicht gestattet wäre. Wir erlauben uns, an die„Deutsche Presse" auf diese„Klare Antwort" die klare Frage zu stellen, ob sie wirklich meint, durch solche würdelose Anbiederungen an die Hcnleinfascisten sich retten zu können? Iraglsckes Ende eines langen Lebens Eine HundertzweijShrlge vom Zus überfahren und getötet ' Donnerstag nachmittags wurde die in Her- rcnwalde(Pilzdörfel) bei Rumburg wohnhafte, 102 Jahre alte, etwa» schwerhSrigr Marianne Pech, als sie unweit der Station Niedergrund auf einem Nebenweg das Eisenbahngeleise überschritt, von dem kurz nach 2 Uhr gegen Warnsdorf fahrenden Zuge erfaßt und auf der Stell« getötet. tfudctcndeutscfier wegen großen Schmerzen vom Arzt untersuchen. Dieser stellte eine Blinddarmentzündung fest und schickte die Frau in das Krankenhaus. Im GraS- litzer Krankenhause mußte man ihre Aufnahme verweigern, weil kein Platz vorhanden war. Man riet der Frau» in das allgemeine Krankenhaus in Prag zu fahren. Das aNeS, trotzdem die Krankheit eine sofortige Operation notwendig machte und trotzdem man wußte, daß die Frau kaum die Kosten für die Bahnfahrt nach Prag aufzubringen vermag. Die zunehmenden Schmerzen zwangen di« Klare Anfrage auf eine unklare Antwort «Für einen, der zwischen zwei Stühlen aus der Erde sitzt, ist es nicht leicht, Haltung zu bewahren. Das muß man der„Deutschen Presse" der Christlichsozialen zugute halten; aber ein bißchen mehr Fassung sollte man doch auch in ihrer gewiß peinlichen Situation an den Tag legen. Es hilft in jedem vorgeschrittenen Stadium von politischer Zerfahrenheit und Lächerlichkeit, in dem sich die Partei Hilgenreiners befindet, nichts mehr, wenn man durch aufgeregte Schlagzeilen über die „hemmungslosen" Demonstrationen in Brest die Aufmerksamkeit der Leier abzulenken versucht und in flammender französischer Staatstreue sich darüber ereifert, daß in Brest„Demonstranten die französische Staatsflagge entfernen", während man den Dingen im eigenen Staat tunlichst auszuweichen sucht. Und noch weniger hilft eS, wenn man in der gleichen Nummer der„Deutschen Presse"— freilich ein wenig weiter hinten— ein sehr unklares und verlegenes Gestammel mit der bombastischen Ueberschrift„Klare Antwort an dir Pressebriese— Auf eine Anfrage" versieht. In auffallendem Widerspruch zu den Versprechungen dieses Titels versucht dort die„Deutsche Presse", die von allen Seiten hagelnden Aufdeckungen ihrer Kriecherei vor Henlein zu widerlegen, ohne dabei ihr gutes Berhältnis zu gefährden. Bei dieser Gelegenheit erfährt man also, daß Herr Hilgenreiner„die Uebertragung des reichsdeutschen Kirchenkonfliktes aus unser« Verhältnisse ablehnt", was ja eben nichts anderes bedeutet, als das, was man ihm von<»llen S-iten vorwirft, daß er näm- Frau, den Rat zu befolgen, sie kam nach Prag, wurde sofort operiert, aber sie war bereits so start vereitert, daß man die Wunde nicht mehr schließen konnte und es ist eine Frage, ob sie wieder gesunden wird. Hätte man die arme Frau an Ort und Stelle auf den Operationstisch gebracht, wären ihr unnötige Schmerzen, große Auslagen und vielleicht auch der vorzeitige Tod erspart geblieben. Alles das weiß man an den zuständigen Stellen und trotzdem kann infolge der unlösbaren Finanzfrage der Zustand nicht abgeändert werden. Man bringt die Mittel für die Erweiterung des Krankenhauses nicht auf. Und das zu einer Zeit, da die Zeitungen berichten, daß es in Böhmen allein mehr als zweihundert Menschen gibt, die mehr als eine Million Kronen jährlich an Einkommen beziehen. In einer Zeit, da bei den oberen Zehntausend ein unerhörter Lebensaufwand festzustellen ist und für alle möglichen und unmöglichen Dinge von der öffentlichen Verwaltung Riesenbeträge verbraucht werden. Mildes Urteil gegen Frau Rzymanovä Mährisch-Ostrau. Vor dem Strafsenat des hiesigen Kreisgerichtes hatte sich Donnerstag die «öjährige Sophie Rzymanovä, eine Beamtens- llättin aus Kattowih in Polen, wegen des Vergehens der Störung des allgemeinen Friedens, « 14, Absatz 5 des Gesetzes zum Schutze der diepublik.zu verantworten. Frau Rzhmanovä leiste mit ihrem neunjährigen Sohn durch die «eskiden und übernachtete auf dem SlaviL, wo ffe in das für die polizeilichen Anmeldungen be- Kimmte Gästebuch ein Spottlied auf die Tschechen Einschrieb und sich als 70jährige Frau eintrug, mau Rzymanovä wurde am 3. d. M. auf der ^hsä Hora betreten und verhaftet. Ihr Sohn wurde W Bezirksjugendfürsorge übergeben, von wo ihn das polnische Konsulat in Mährisch-Ostrau nach Polnisch-Teschen entsandte. Frau Rzymanovä behauptete, sie habe die Tschechen nicht beleidigen sollen, gab aber zu, das Spottlied geschrieben zu haben. Sie wurde zu acht Tagen Arrest verschärft Mich einen Fasttag und zu 200 XL Geldstrafe Unbedingt verurteilt. Die Haft wurde eingerechnet, ?d daß sie Sonntag in Freiheit gesetzt werden wird. Die Verurteilte hat die Strafe angenommen und erklärt, daß sie ihre Tat bedauere Dr. Hampl wurden noch den Herren Richter, Zwirner und einem dritten Funktionär die Funktionen aberkannt, während drei andere„Kameraden", Roman P l e p l a, Franz M a s ch» wer und Alois Kelln er, gar ausgeschlossen wurden. Diese letzten drei sollen Führer des sogenannten„radikalen" Flügels gewesen sein der aus Arbeitern besteht, die unklug genug waren, der Henleinpartei ihre sozialen Phrasen zu glauben. Hoffentlich ist diesen Jrregeführten jetzt nach dem Ausschluß ihrer Wortführer klar geworden, wie dreist man sic mit den„arbeiterfreundlichen" Versprechungen zum Besten gehabt hat. Es scheint übrigens, daß die Zerwürfnisse im schlesischen Henleinlager schon zu sehr Hand« g r e i f l i ch e n Auseinandersetzungen geführt haben: am vergangenen Dienstag soll es in der Kanzlei der Henleinortsgruppe in Troppau zu einer Rauferer gekommen sein, bei der ein Teil der Einrichtung und der Fensterscheiben in Trümmer ging. Die Prügelei hat solches Aufsehen hervorgerufen, daß die Henleinkanzlei nun übersiedeln muß, da die Gäste des Kaffeehause?, in dem die Kanzlei untergebracht ist, sich durch solche»„Brauchtum",in HenlkingmtSräumep. in ihrer Sicherheit bedroht fühlen. Wenn das so weitergeht, wird man recht bald das erbauliche Schauspiel erleben können, daß etliche Dutzend„Heimatfronten" einander befehden und prügelnd dem sudetendentschen Boll ein lehrreiches und erbauliches Schauspiel von „ewiger Volksgemeinschaft" darbieten. Wir haben schon einigemal darauf hingewre, sen, daß sich'S die„Vollsgemeinschäft" des Turnlehrers sichtlich angelegen sein läßt, eS den vor» hergegangenen reaktionären„Volksgemeinschaften" gleichzutun und möglichst bald durch i n n e- renZwistun d Häd e r in Scherben zu gehen. Besonders schlimm steht«S in dieser Beziehung mit der schlesischen Henleinbewegung. Die Dinge, die sich— wie man hört— in jüngster Zeit im Kreise der Troppauer „Amtswalter" abspiclcn, können kaum anders, denn als sehr ernste Zeichen eines beginnenden Verfalles bezeichnet werden. Die Henleins find dort in zwei Gruppen, eine„linientreue" und eine oppositionelle gespalten, die einander wie Hund und Katze befehden. Leute, die eS wissen müssen, bezeichnen als den wichtigsten Grund der Nnzufriedenheit des Oppositionsführer» Dr. Hampl. hinter dem angeblich die Mehrheit der Mitglieder steht, den Zank um die Kandidatur für den Troppauer Bürgermeisterposten. Dr. Hampl soll sich große Hoffnungen auf dieses Amt gemacht haben, während die Oberbonzen, wie man hört, nicht daran denken, die Hoffnungen zn erfüllen. Infolge dieser, Konflikte tpurd.e,Ar. Hampl.-die, Fähigkeit, Funktionen zu bekleiden, für ein Jähr aberkannt, woraus er die Konsequenzen zog und aus der Partei a u s t r a t. Uebrigens haben di? Zänkereien in der Partei noch zu einer Reihe anderer Maßregelungen geführt, durch welche die Verwirrung unter den schlesischen Henleins nur noch gesteigert wurde. Gemeinsam mit Krankenhauselend im Graslitzer Notstandsgebiet Kranke in der Waschküche— Lungenschwindsüchtige bei Syphilitikern— Skandalöse Zustände im Infektionspavillon Statt Isolleruns— Ansteckung i. Es ist nicht das erstemal, daß wir uns mit den Verhältnissen im Graslitzer Bezirkskranken- ^ause'befassen. Wenn wir es aber wieder tun, dann deshalb, weil Zustände wie in dieser Krankenan stalt, in einem Notstandsgebiet, wie es der Gras- üher Bezirk darstellt, von weittragender Bedeu tung sind und deshalb solange der öffentlichen Kritik unterzogen werden müssen, bis sie ausge merzt worden find. Es ist ganz llar, daß die Kran- kenziffer in einem Notstandsgebiet weit höher ist als in einem Gebiet mit normalen wirtschaftlichen Verhältnissen, daß deshalb auch einer Krankenan stalt eine wichtigere Funktion in einem solchen Ge- öiet zukommt und daß eben deshalb Zustände wie d>ir sie in GraSlitz feststellen, im Interesse der Kranken und der Volksgesundheit überhaupt nicht arduldct werden dürfen. ' Das Krankenhaus in GraSlitz hat einen Be lag von 60 Betten. In Wirklichkeit befindet sich die doppelte Zahl von Patienten in der Anstalt, dar einiger Zeit wurden sogar gegen 160 Kranke gezählt. Wie man die Kranken bei einem derarti gen Stande unterbringt, ist an und für sich schon ein Skandal. Sie liegen auf den Gängen der ^Krankenzimmer, aber auch auf dem Fußboden der Hausflur und der Borräume, jo sogar auf dem Kementbelag der Waschküche wurden sie placiert. Daß bei diesem chronischen Platzmangel die pri- Wivsten Regeln der Hygieni außer acht gelassen Werden, versteht sich fast von selbst. Leichteckrankte liegen bei Schwerkranken, blutjunge Menschen un- inittelbar bei Sterbenden, infektiös Erkrankte bei solchen, die sich einem chirurgischen Eingriff unter- giehen mußten, Lunkenkranke in der Nähe von Syphilitikern. Welche Gefahren dabei für den Hei- ltzngsuchenden austauchen, muß nicht erst erwähnt Werden, welche seelische Qualen unnötiger Weise !ür oft ganz leicht Erkrankte herbeigeführt werden, Ebenfalls nicht. M, Aber noch schlimmer ist es auf der Jnfek- lionsabteilung. Ob diese Bezeichnung überhaupt »«gewendet werden darf, oder ob diese Abteilung dicht zutreffender Ansteckungspavillon heißen iNiißte, wäre noch za untersuchen. Jedenfalls aber steht es hier sehr bös aus und die Mütter, deren Kinder hierher gebracht werden müssen» weil eS unsere Gesundheitsgesetze bedingen, werden allge mein bedauert. Denn, wenn ein scharlachkrankes Kind auf den Jnfektionspavillon des Graslitzer Krankenhauses kommt, dann besteht die große Ge- sahr, daß das Kind, Noch bevor die erste Krankheit geheilt ist, einer zweiten ansteckenden Krankheit unterworfen wird. Hier wird nicht isoliert, son- bern zusammengep^rcht. Oder besser gesagt, wer ben muß. Denn der Arzt ist gegen die im Kranken- bause herrschenden Zustände machtlos. Es ist schon ihopzekommen, daßein scharlachkrankesKind in eine Badewanne gebettet wurde und nachdem man auf dieses sonderbare Krankenbett einen Holzdeckel gelegt hatte, ein zweites an Diphtherie erkransteS Kind chlf diesen Deckel zu liegen kam. Die Szenen, die sich bei einzelnen tieftraurigen Vorfällen, welche durch die rückständigen Verhältnisse im Krankenhause GraSlitz bedingt sind, schon abge- spielt haben, wenn die Angehörigen von kranken Indern von diesen Mißständen erfuhren, lassen stch nicht beschreiben, haben aber schon vielfach für "ie in der Anstalt tätigen Menschen sehr unan- grnehme Formen angenommen, obzwar gerade »iese Personen, ganz gleich ob Aerzte oder Pflege- stersonen, an den herrschenden Zuständen völlig schuldlos sind. Wohin der Raummangel im Graslitzer Krankenhause führen kann, zeigt ein dieser Tage in verzeichnender Fall. Eine arme Frau ließ sich Anbetern, von den Henleinjüngern irreführen lassen? Ach nein!: und darf sich nicht von politischen Sentiments-und Ressentiments von der Bahn objektiver Kritik drängen lassen, am allerwenigsten deshalb, weil die nationale Kurzsichtigkeit gewisser Elemente heute eine allgemein«, keine Ausnahmen anerkennende Verurteilung alle- dessen wünscht, was in Deutschland gearbeitet und geschaffen wird." Ist also Herrn F. B.S Artikel für die Leser geschrieben, die die„Bohemia", oder'für die Mitglieder, die die„Deutschdemokratische Frei- heitspärtei" noch hat? Sackers Eiertänze haben im gestrigen Leitartikel der„B o h e m i a" wieder einmal einen Höhepunkt erreicht. Herr F. B. wendet sich da einerseits gegen alle, die die „Vcrbindungsfäden" des SudetendeuffchtumS zu seinen„Volksgenossen im Reich" nicht gerne sehen, anderseits scheint er— wir wissen nicht, ob als Demokrat oder aber als Nichtarier— sich verpflichtet zu fühlen, den Sudetendeutschen doch ein„scharfes Auge" für gewisse Dinge in Deutschland zu lechen. Da man aber nicht Welf und Weibling zu gleicher Zeit sein kann und Herr F. B. schließlich doch vor allem Redakteur der „B o h e m i a" ist, fällt das an etlichen Stellen seines Artikels so aus: „ES gibt ein« auf alter nationaler Tradition aufgebaute und sich auf gewaltige kulturelle Schätze stützende Gemeinschaft aller deutsch denkenden und deutsch fühlenden Menschen,-für die dieses Erbe«in heiliges, unantastbares Gut darstellt, von dkm sie nichts auf der Welt zu trennen vermag, gleichgültig, wer in Berlin oder in Wien oder anderswo am Steuer sitzt. Alles tendenziöse Gezeter, das die Loslösung von dieser Gemeinschaft fordert, wird bei national fühlenden Menschen bis zum letzten deutschen Arbeiter wirkungslos^erhallen, ebenso wie solche Appelle von den Tschechen abprallen würden, wenn etwa durch ihren Volkskörper hindurch eine Grenze liefe." Die Grenze zwischen anständigen und unanständigen Menschen, zwischen Menschen und Barbaren scheint es also für Herrn F. B. nicht unter allen Umständen zu geben. Oder doch? Vielleicht findet man sie hier: „Etwas anderes ist natürlich die weit ernstere Frage der B e w e r t u n g des deutschen Kulturschaffens, der Bewertung dessen, was Förderung und war Hemmung, war Fortschritt und was Rückschritt, was Bereicherung und war Talmi ist, mag eS sich nun um Weltanschauung, Recht, Wissenschaft, Literatur, um Musik, Malerei, Architektur oder welcher Gebiet menschlicher Kulturbetätigung immer handeln. Hierin aber ist daS Sudetendeutschtum autonom und darf sich nicht..." und darf sich also nicht von hierländischen Hitler- Es kracht im Henleinlager Cllquenkämpfe und Prügelei unter den Troppauer„Kameraden“ Das rncdcnsfcsl In der FalhenrepabllK Der erste Sonntag in der Falkenrepublik „Trotz alledem" in Berneuil(Frankreich) gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung„gegen den Krieg" und„für den Frieden". Schon die Morgenfeier, zu der sich die Falken aller Kommunen versammelten, verlief im Zeichen der Frieden- und der Völkerverständigung. In einer symbolischen Darstellung gab di« rote Jugend impulsw ihrem Abscheu gegen dar Völkermorden und der Notwendigkeit ihrer internationalen Verbundenheit Ausdruck: In den Nachmittagsstunden fanden in den Kommunen der Sturm- und Rotfalken Antikriegsfeiern statt. An diesen Feiern nahmen viele hundert Kameraden und Kameradinnen von Paris, Berneuil und Umgebung teil. Die große Friedensfeier am Platze der Republik war besonders feierlich. Den Opfern, welch« der FasciSmus von der Arbeiterklasse forderte, wurde in Ehren gedacht. Ein französischer,«in englischer und ein deutscher Genosse hielten die Feierreden: Krieg bedeutet Verwüstung und Elend; Krieg ist der schlimmst« Feind der Arbeiterklasse; die Kinder der Proletariates kämpfen gegen den Krieg; sie sind bereit, so wie ihre tüten Helden Jean JaureS, Liebknecht, Koloman Wasiisch und die vielen Namenlosen, aller für den Neuaufbau der Welt und des SozialiSmur, der Solidarität und des Friedens zu wagen. Am Montag nachmittags wurde das Lagerparlament eröffnet. Die Zeltgemeinschaften begleiten ihre Abgeordneten zum Schloß, wo in einem geräumigen Saal daS Parlament tagen wird. Genosse Monnet hielt die Eröffnungsansprache: Unser Parlament ist keine Volksvertretung, wo Klassenkämpse ausgetragen werden, wir sind nur die Angehörigen einer Klaffe. Unsere große Aufgabe ist eS, das Beste für alle zu erringen. DaS Schlechte muß abgeschafft und das Gute noch Verbeffert werden. Zu ParlamentSpräsidenteiv werden die Falken Poldi aus der Schweiz(Sturmfallen), Reihs aus der Tschechoslowakei(rote Fallen) und Fourcad« aus Frankreich(Jungfallen) gewählt. Der erste Verhandlungspunkt beschäftigte sich mit der Frage„Wir Fallen sind Schützer der Natur" und müffen dafür sorgen, daß der an Raturschönheiten reiche Park und Wald, welcher der Fallenrepublik zur Verfügung gestellt wurde, geschont und nicht beschädigt wird. Ein Antrag, für Vergehen Strafen einzuführen, wurde mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt« Gutes Beispiel, Belehrungen und Ermahnungen müffen genügen, um alle Arbeiterkinder zum Guten und Rechten zu erziehen. Biele Falkenmädeln und -Burschen ergriffen während der Verhandlungen das Wort und gaben kurz aber klug und vernünf- tag ihrer Meinung Ausdruck und werwolle Anregungen. Die Abgeordneten wollen und werden gute, von wahrem sozialistischem Geiste bestelle und begeisterte Vertreter ihrer Fallenrepublik„Trotz alledem" seinl E. M. Seife 1 Freitag,'S. August 1935 Nr. 184 Agesneuigkeiten Wildwest-Denkzettel für Streikbrecherinnen New Dort. In Dallas in Texas streiken seit einiger Zeit die Schneiderinnen. Am Mittwoch kam es nun zu größeren Ausschreitungen von Streikenden gegen unorganisierte Streikbrecherinnen, denen die Kleider heruntergerissen wurden. Sie wurden dann unbekleidet durch die Straßen getrieben und von den Streikenden mit den Fingernägeln blutig gekratzt. »Bremens-Nachspiel New Jork. Im New Uorker Polizeigericht kam es am Mittwoch zu lärmenden T u m»u ltszenen. als sieben im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf die„Bremen" Verhaftete zurVernehmung vorgeführt werden sollten. Das ansich schon starkePolizeiaufgcbat mußte noch weiter verstärkt werden. Der Verteidiger der Verhafteten verglich das Polizeigericht mit einem Gericht im„fascistischen Italien" und im„Nazi- Deutschland" und erklärte, man werde nicht den Mut haben, ihn aus dem Gerichtssaal zu weisen. Zahlreiche im Zuhörerraum anwesende Personen begleiteten die Ausführungen des Verteidigers mit zustimmenden Zurufen und Trampeln. Nach längerem Hin und Her mußte die Verhandlung vertagt werden. Kleine Ursachen... In Wien hat sich am 20. Juli die Gattin des Handelsangestellten Leopold Ballauf, Berta Ballauf, mit ihren zwei kleinen Kindern mit Leuchtgas vergiftet, da ihr Mann wegen eines kleinen Diebstahls verhaftet worden war. Leopold Ballauf wurde Mittwoch aus der Haft entlassen, kehrte in seine Wohnung zurück und vergiftete sich ebenfalls mit Leuchtgas... Vergifteter Meßwein Der zelebrierend« Priester tot Wie dem„Daily Herald" aus Rom gemeldet wird, ereignete sich dort in der Augustinus-Kathedrale am vergangenen Sonntag eine furchtbare Szene. Dekan Monsignore Ermin io Stuani führte gerade vor Hunderten kniender Gläubiger den Kelch zum Munde, als er auch schon auf die Altarstufen sank, um nicht mehr äufznstehen. Der Meßwein war vergiftet, Spritzer davon hinterließen auf dem Marmor Aetzspuren. Die Polizei nimnrt einen Akt von „Vendetta"(Blutrache) an und hat zwei Leute verhaftet, doch ist ihre Täterschaft noch nicht erwiesen. Bor einiger Zeit wurde derBischofvon Cremona, der an einer Prozession teilnahm, von einer Frau aus der Menge angeschossen, jedoch nur leicht im Gesicht verletzt. Der Papst hat die Cremoneser Hauptkirche schließen lassen; sie soll erst neugeweiht werden. Brände In dem Orte Lalovo im Bezirke Mukaöevo brach beim Getreidedreschen mit einer Dreschmaschine durch die Unvorsichtigkeit der dabei beschäftigten Arbeiter ein Brand aus, der sechs Wohnhäuser und acht Wirtschaftsgebäude sowie das noch ungedroschene Getreide vernichtete. Der Gesamtschaden beträgt ungefähr eine Viertelmillion Kc. Bei den Löscharbeiten assistierten fünf benachbarte Feuerwchrkorps. Zwei Personen erlitten schwere Brandverletzungen. Donnerstag um Mitternacht brach in Oberhaid in einem Wirtschaftsgebäude ein Brand aus, der sich auf die umliegenden Gebäude ausbreitete, wobei vier Wirts chaftsgebci u d e sowie einige Scheunen und Ställe eingeäschert wurden. Dabei verbrannte eine größere Zahl Schweine und Rindvieh. Der Brand konnte erst in den Morgenstunden lokalisiert werden. $t Südwestfrankreich wütet ein großer Waldbrand. Mehr als 500 Hektar Fichtenwald sind bereits verbrannt. Zwei Schlösser sind in Gefahr. Mehrere Häuser mußten bereits aus Sicherheitsgründen geräumt Iverden. Ein 60jähriger Mann, der im Walde arbeitete, ist in den Flammen umgekommen. Gendarmerie und Truppen sind zum Eindämmen des Feuers eingesetzt worden. In der mazedonischen Stadt Edassa wurden von einem Großfeuer 80 Häuserei»geäschert Die Einwohner, besonders die Frauen und Kinder, fliehen aus der Stadt. Da der Wind sehr stark ist, befürchtet man eine weitere Ausdehnung des Brandes. Ob Menschen zu Schaden gekommen sind, ist bisher unbekannt. Unwetter Madrid. Weite Landstrecken in Spanien sind von Unwettern heimgesucht worden. Ganze Dörfer sind zum Teil unter Wasser gesetzt, die Ernte durch Hagel vernichtet und die Felder überschwemmt worden. Aranda del Duero ist besonders schwer vom einem dreistündigen Gewitter heimgesucht worden. Registratur mit Fahrstuhlbetrieb In der tschechoslowakischen Arbeiterversicherung in Prag wurde eine riesige Registratur -eingerichtet, in deren Schubladen nicht weniger als 50 Millionen Rechnungsbelege von fast 3 Millionen versicherten Arbeitern feuerfest untergebracht sind. Um die Arbeit in der Registratur möglichst schnell und mühelos durchzuführen, sitzen die Registraturbeamten in elektrisch betriebenen Fahrstühlen, mit denen sie ohne Anstrengung einschließlich ihrem Pult auf- und niedersteigen können. Der Eisenbahnverkehr wurde auf viele Stunden unterbrochen; die gesamte Kartoffel-, Mais- und Rübenernte ist vernicht et worden. In Arenas de San Pedro wurde ein K i n d von den Wassermassen fortgerissen und ertrank. Der durch das Unwetter angerichtete Schaden wird allein in Caceras auf sieben Millionen Peseten geschätzt. Rew Jork. Schwere Wolkenbrüche haben verheerend« Ueberschwemmungen in weiten Gebieten Ohios und West-Birginiens angerichtet. Das Hochwasser hat zahlreich« Ortschaften von jeglichem Verkehr abgeschnitten. In den betroffenen Gebieten ist die Ernte völlig vernichtet worden. Der Schaden geht in die M i l l i o n e n D o l l a r. In d«r Nähe von Massillon im Staate Ohio sind bisher zweiMenschenleben zu beklagen, die in den Fluten ertrunken sind. „Greuelmeldung" Stuttgart. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet:„Der Kaufmann Richard Haeberle aus Stuttgart wurde durch das Landespolizriamt wegen*•' Verbreitung von Greuelnachrichten in Schutzhaft genommen. Er hatte seit längerer Zeit zusammen mit einem Ausländer planmäßig im In- und Auslande die ungeheuerlichsten Lügennachrichten über Zustände in Deutschland und insbesondere über Mißhandlungen von Gefangenen verbreitet." Italienisches Militärflugzeug vermitzt Kairo.(Reuter.) Das italienische Militär- 'flugzeug, das mit einer viergliedrigen Besatzung und drei Passagieren an Bord in Rom nach Massaua startete,'wird seit dem Abflug von Kairo vermißt. Britische Militärflugzeuge fahnden nach dem vermißtest Flugzeug. Jm brennende« Hanfe eingeschlofsen Ein scheußliches Verbrechen verübten zwei maskierte. Räuber an der Witwe Marie R e p p in Dedov bei Berehovo. Sic überfielen die Frau, fesselten sie, stahlen ihr 110 XL(ihr gesamtes Vermögen) und steckten dann, aus Aerger über den geringen finanziellenErfolg ihres Ueber- falls das Haus in Brand. Auf die gellenden Hilferufe der Frau drangen ihre Nachbarn in die Wohnung und retteten hie Gefesselte im letzten Augenblick vor dem sicheren Flammentod. Der Brand konnte gelöscht werden. Nach den Banditen wird eifrig geforscht. Der deutschen Kultur entkommen. In Nord- böhmen kam dieser Tage ein Mädchen aus Seifhennersdorf über die Grenze. Es ist nach der Lausitz zuständig, wohnte dort und stand in Arbeit. Da dieses Mädchen ein uneheliches Kind hat, dessen Vater ein Bursche mrs Oberhenners- darf in Böhmen ist, wollte man die junge Mutter st e r i l i si e r e n. Die Verbindung mit dem Tschechoslowaken, der übrigens so gut ein Arier ist wie die Führer des Dritten Reiches, war Grund genug, um einen Menschen zu verstümmeln, eine Mutter unglücklich zu machen. Dem Mädchen war es gelungen, noch aus dein Spital zu entfliehen und in der Tschechoflowakei Zuflucht zu suchen. Dieses Deutschland wandelt sich in eine Welt, die den Europäern immer weniger vorstellbar wird. Wer hätte sich vor fünf Jahren ausmalen können, daß aus dem Lande Goethes und Kants eine junge Mutter entfliehen würde, um dem Messer des akademischen Henkersknecht tes zu entgehen, der sie in amtlichem Auftrag zu verstümmeln hat! Die Romantik der Wildwest- büchel verblaßt neben der Wirklichkeit eines Lan- des, dessen Führer nicht umsonst Karl M a y als seinen Lieblingsautor bezeichnet. Ein Masaryk-Denkmal in Karbitz. In Kar- bitz hat sich ein Ausschuß für die Errichtung eines Masaryk-Denkmals konstituiert. Der Stadtrat hat die Erweiterung des Parkes beschlossen, damit das Denkmal eine würdige Lage und Umgebung erhalte. Wieder heiße Tage. Unter dem Einfluß eines Druckhochs über Mitteleuropa ist bei uns äußer in der Oftslowakei und in Karpathorußland bereits überall eine Ausbesserung eingetreten. Gleichzeitig steigt die Temperatur vom Westen her an. In Frankreich und auch in den Alpenländern wurden gestern nachmittags vielfach mehr als plus 30 Grad Celsius verzeichnet und auch in Böhmen erreichte die,Temperatur stellenweise sogar plus 29 Grad Celsius. Dagegen ist es nun in Osteuropa noch immer kalt und dabei regnerisch. Aus Innerrußland werden bloß 11 bis 15 Grad Celsius gemeldet. lieber Frankreich haben sich kleine Gewitterstörungen ausgebildet, deren Einfluß sich bei uns jedoch erst später äußern könnte.— Für h e u t e wird vorausgesagt: Schön und warm; für morgen: Im Westen der Republik Neigung zu Lokalgewittern, sonst noch Fortdauer des'schönen und warmen Detters. Wer gewinnt 50.000 XL? Anter diesem Titel verbreitet das Tsch. P. B. folgende Nachricht: Der Verband der Sommerfrischen der Tschechoslowakei hat für diejenigen, die ihren Urlaub in der Republik verbringen und unserer Bevölkerung die Möglichkeit von Arbeit und Erwerb bieten, eine ganze Reihe von Preisen ausgeschrieben. Wer auf einen Preis Anspruch zu haben glaubt, möge sofort mittels Korrespondenzkarte seine Adresse mit Angabe des Ortes, wo er den Urlaub verbracht hat, schriftlich bekanntgeben an die Adresse: Verband der Sommerfrischen der Tschechoslowakei/ Prag II., Vla- disiavovä 2. Opfer der Autoraserri. Auf schreckliche Weise kam in Mährisch-Oftrau der Straßenkehrer Innozenz M e s i c ums Leben. Während der Arbeit wurde er von einem Auto, das in schnellstem Tempo vorüberfuhr, erfaßt und 27 Meter weitgeschleift. Als der Wagen zum Stehen gebracht war, konnte nur noch Mesic's zerstückelter Leichnam geborgen werden. Er wollte„Ordnung machen"! Aus der Zwangsarbeitsanstalt in Mähr.- Ostrau brach der Zögling R. G a j d o s aus. Zu allgemeiner Verwunderung kehrte er jedoch zwei Tage nach dem Ausbruch freiwillig zurück. Er sei, so erklärte er, nur nach Mährisch- Ostrau gefahren, um seine Braut, die ihn stän- digbetrüge.„gehörig durc^uprügeln". Nunmehr habe er„O rdnung gemacht" und könne jetzt mit ruhigem Herzen den Rest seiner Strafe absitzen. Remonten-Kauf für die Arme«. Die Remonten- Kommiffion wird den Kauf von Pferden in Böhmen im September d. I. an folgenden Orten durchführen: Am 10. September in Choceü, am Viehmarktz um 8 Uhr 45; am 10. September in Königgrätz auf dem Viehmarkt um 10 Uhr 45; am 11. September in Chlumcc n. Cidl. auf dem Viehmarkt um 7 Uhr 45; am 12. September in Bensen auf dem Viehmarkt um 11 Uhr 30; am 13. September in Niemes bei Böhm.-Leipa auf dem Viehmarkt um 8 Uhr; am 14. September in Leitmeritz auf dem Viehmarkt um 7 Uhr 30. Billige Fahrt zur Prag« Messe. Die Gültigkeitsdauer der für die Besucher der Prager Messe von den tschechoslowakischen Staatsbahnen eingeräumten Fahrpreisermäßigung von 33% wurde im Hinblick auf den früheren Beginn der Messe folgendermaßen erweitert: Zuerkannt wird sie für die Reise nach Prag vom 26. August bis einschließlich 8. September, für die Rückreise vom 30. August bis einschließlich,12. September. Die Bestimmung, daß Legitimationen, die, nicht für die Fahrt zur Messe benutzt wurden, für die Rückfahrt ungilltig sind, bleibt bestehen. Aus der Arbctter-Turn- und Sportbewegung Gelungene gemeinsame Schulnngswoche Jm Jugendheim des Internationalen MetaU arbeiterverbandcs in Kleinhan(Erzgebirge) fand i« der Zeit vom 20. bis 27. Juli eine Schule statt, a« der sich zwölf Schüler des Atus, 14 Schüler de- JMB und drei Schüler des Aruk beteiligten. Tat Programm setzte sich zusammen aus Vorträgen uv» Diskussionen, turnerischer und sportlicher UobungS« arbeit. Einstudieren von Liedern und Lernen vo» Spielen. Die Schule nahm einen sehr guten Verlauf und wird sich sicher im Interesse der gesamt« Bewegung günstig auswirken. Leistungsprüfungen um das Sportabzchchctr Nach gründlichen Vorbereitungen finden di« Leistungsprüfungen um das Sportabzeichen der Jugendlichen(männlich) in den Monaten September und Oktober statt. In allen Bezirken des Atus siiü bereits die Prüfungskommissionen eingesetzt, den« die Durchführung der Prüfungen verantwortlich obliegt. In einzelnen Bezirken laufen bereits di« Schulen für die in Betracht kommenden Jugendlichen. Der Seestadtler Bezirk veranstaltet in einem Lager mit diesen Jugendlichen eine Wochenendschule, in anderen Bezirken sind mehrere Zusammenkünfte festgesetzt. In den ersten Jahren der Leistungsprü- fungen kommt es nicht darauf an, daß sich viel« Iw gendliche daran beteiligen, maßgeblich ist ihre Qualität und Verläßlichkeit. Di« Prüfung besteht aut fünf körperlichen Leistungs- und Mutproben uni fünf BereisschastS- und Fähigkeitsübungen. An d«» Prüfungen können alle Jugendlichen unter 21 Iah' ren aller dem Reichserziehungsbeirat« angeschlossenen Organisationen teilnehmen, die durch ihr bisheriges Verhalten dazu qualifiziert sind. Auskünfte durch alle AtuS-Funktionäre. Arbeitsplan 1935/36' Alle Spartenausschüsse des Atus arbeiten seht an der Festlegung des Arbeitsplanes 1835/36. Naci der Durchberatung der Vorschläge der Sparten im Technischen Hauptausschuß und im Bundesvorstand« wird in einer Konferenz des erweiterten Bundesvorstandes mit den Bezirksobmännern der Arbeitsplan endgültig beschlossen. Die Vorarbeiten musst» besonders gewissenhaft getroffen werden, da ja iM nächsten Jahre das drftte Dundesturnfest in Komatau stattfinden wird. Post's Moskauflug. Der amerikanisch« Flieger Willey Post ist auf seinem Ost-Westfluge von Amerika nach Moskau aus Alaska gelandet. 100 Millionen Lehrbücher in NTTR. Del Rat der VolkSkomwiffäre hat eine Verordnung verlautbart, nach der für die Volksschulen in' Schuljahre 1935 nachträglich 52 Millionen Lehrbücher außer den 50 Millionen planmäßig vorgesehenen und bereits im Druck befindlichen Lehrbüchern ausgegeben werden sollen. Während der letzten zwei Jahre wurden in der Sowjetunion über 150 Millionen Exemp-Iare von Lehrbücher^ ausgegeben, von denen 80 Millionen in den verschiedenen Landessprachen der einzelnen Republiken und Gebiete des Sowjetverbandes geschrieben sind. Bettler-Tragödie. Zwei jüdische Bettler haben in Karpathorußland auf tragische Weise de» Tod gefunden. Die Bett!« erhalten in den karpatho- ruffischen Orten bestimmte Tage angewiesen, a" denen sie erscheinen dürfen. Als zwei jüdische Bettler, die noch rechtzeitig zum festgesetzten Termin de» Ort Groß-Olisch erreichen wollten, in großer Eile die Theiß überqueren wollten, gerieten sie i* eine Untiefe und wurden vom Wasser verschlungen. Herbeieilende Passanten kamen zu spät. Er? nach mehrstündigem Suchen konnten die Leichen geborgen werden., Einen Wanderrckord stellte ein junger ManU aus Schlackenwert bei Karlsbad auf. Er hat io 43 Tagen eine Strecke von 1890 Kilometer zu Fuß durchwandert. Tabakschmuggel. Die Zollfahndungsstelle Köln, die erst kürzlich eine elfköpfige Tabakschmugglel- band« hinter Schloß und Riegel brachte, hat nunmehr erneut einen Tabak-Großschmuggel aufgedeckt- Der Schmuggel war diesmal von einem Ehepaak organisiert worden. Das Ehepaar wurde in dcM Augenblick verhaftet, als es mit einem Kraftwagen mit holländischem Kennzeichen vor feinet Wohnung vorfuhr und Schmuggelpakete ausladen wollte. Ein dritter Insasse des Wagens, ein Holländer, konnte entkmnmen, obwohl ein Zollbeamte« von seiner Schußwaffe Gebrauch macht«. Der Kraftwagen missamt der Schmuggelware verfiel der Beschlagnahme. Insgesamt sind der Zollbehörde vier Zentner eingeschmuggelten Tabaks in die Hände' gefallen. Vom Rundfunk dmpfehlans wertes au*«en Programmen* Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deussche Pxesst, 12.30: Mittagskonzert, 13.35: Chansons, 15: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Bunte Stunde: Musikalische Reise durch die Tschechoslowa- kische Republik, 19.10: Schallplatten: Dvorak, 21.80: Negerlieder, 21.50: Schrannnelkonzert- Sender S: 7.80: Leichte Musik, 14.10: Deutsch* Sendung: E- Janesschek: Musikalische Zeitgeschichte- Brünn 17.40: Deussche Sendung: Sommerpoesie, 18.45: Lieder auf Schallplatten.— Mährisch' Ostrau, 17.50: Schallplatten: Smetana, 18.20t Kleiner spielt Saxophon. 19.30: Overetten-Wed- Jlt. 184. Freitag, 9. August 1935 Sozialdemokrat". Seite 5 Volhswlrtsdiait und Sozialpolitik Der Außenhandel-er Sowjetunion Strnktnrelle Aendernngen— Industrielle Ausfuhr steigt Ei» Unikum Addis Abeba. Hunderte abessinischer weiblicher Notablen, darunter auch eine Reihe von Prinzessinnen, nahmen Donnerstag an einer patriotischen Kundgebung teil. Bei der Versammlung sprach eine Reihe von Rednerinnen, die feurige Ansprachen für die Verteidigung Abessiniens hielten. Den Männern war der Besuch der Versammlung nichtgestattet. Sie durften lediglich durch die Fenster in den Saal blicken. Ein Kongreß der Internationalen Vegetarier-Union Fand in(Daugard Dänemark) unter Beteiligung von Delegierten fast aller europäischen Länder unter der Leitung des Schulinspektors Egerot aus Kopenhagen statt. Unter den 200 Teilnehmern befanden sich 75 Teilnehmer aus der Tschechoslowakei. Die Leitidee des Kongresses war:„Natürliche Nahrung, Abstinen, Nnchtrauchen, Freiheit und Verbrüderung aller Völker". Aus der Tschechoslowakei sprachen auf dem Kongresse Vonka aus Prag, Schnitzer aus Warnsdorf(deutsch) und Simon KupLik aus Prag. Zwölf Menschen ertrunken. Bei JamShedfur ^Vorderindien) kenterte auf dem Khorkei-Flutz ein Boot. Bon den Insassen ertranken?Ji Personen, darunter mehrere Frauen. Zwei andere Boote eilten den Ertrinkenden zu Hilfe, fie konnten jedoch nur den Führer des Unglücksbootes retten. Das neu« Moskau. Das riefige Projekt der baulichen Erneuerung MoSkauS bringt eine Diskussion zum Abschluß, di« schon seit langem im Bange war und der Frage galt, wie man Moskau Su einer repräsentativen modernen Hauptstadt Wachen und ihm die dörflichen Reminiszenzen, daS immer wieder zum Vorschein kommende Gepräge der Hauptstadt eines mittelalterlichen Großfürsten- iums nehmen könne. Man hatte erwogen, die Hauptstadt wiederum. nach dem repräsentativeren, sroßangelegten Leningrad zu verlegen, man.hätte daneben Pläne geschmiedet, Moskau zu konservieren und in der Nachbarschaft eine neue Hauptstadt Su errichten, schließlich war der ganz radikale Vorschlag gemacht worden, ganz Moskau abzutragen und an seiner Stelle eine neue Stadt zu errichten Jetzt hat man nunmehr einen Mittelweg eingeschla- sen. Die historische Einteilung der alten Stadt und das architektonische Bild bleiben gewahrt. Rings um den Kreml aber soll schon alle- abgetragen werden. Die Ufer der Moskwa und der kleinen Jausa Werden in Granit gefaßt. Die beiden Flüsse sollen die Hauptmagistralen der neuen Stadt werden. Die Stadtgrenze wird dann dort abschliehen, wo in der Sommerfrische von Zarizhno die Ruinen del unvollendet gebliebenen Schlosse- der Kaiserin' Katha- kina I I. liegen. Die Boulevard- werden die Regie- kung-gebäude enthalten. Die Bahnhöfe sollen in Zukunft direkt, nicht mehr, wie bisher, auf dem Um- Wege über das Zentrum, miteinander verbunden Werden. Nach dem Abschluß des russisch-tschechoslowakischen Kreditabkommens sind bereits einige größere Aufträge von Rußland an tschechoslowakische Firmen erteilt worden. Es ist schon jetzt gar kein Zweifel mehr, daß die tschechoslowakische Ausfuhr nach Rußland im Jahre 1035 die der Vorjahre bedeutend übersteigen wird. In den ersten sechs Monaten der letzten drei Jahre betrug 1935 1934 1933 in Millionen XL Einfuhr nach Rußland, 25 55 84 Ausfuhr nach Rußland. 31 10 41 tJünner di« IM) Während die ganzjährige Ausfuhr der Tschechoslowakei im Jahre 1934 nur knapp 32 Millionen XL erreichte, beträgt sie 1935 in den ersten sechs Monaten schon beinahe so viel. Diese Rusfuhrerhühung fällt um so stärker ins Gewicht, als Sowjetrutzland seit dem Jahre 1932 die Einfuhr stark drosselte. Es hat dadurch eine Aktivierung seiner Handelsbilanz erzielt, während es'm Handelsverkehr mit der Tschechoslowakei, wie die obenstehenden Ziffern zeigen, im ersten Halbjahr 1935 passiv war. In einem Bericht im Organ des Volkskommissariats,„La Jndustrjalisazin", wurde kürzlich eingehend auf die im Außenhandel der Sowjetunion eingetretenen strukturellen Aendernngen aufmerksam gemacht. Danach werden fast alle Waren, die Rußland einführt, schon im Lande selbst hergestellt. Wenn sie dennoch zur Einfuhr kämen, so nur, weil sie der Sowjetregirrung. eine raschere DürchführWg,.d^s.zwesien FünsjähreSplcknes ermöglicht«^- Wer!auf-keinem Gebiete spiele die Einfuhr— so wie noch vor mehreren Fahren— eine ausschlaggebende Rolle. Der Anteil der Maschinen und Ausrüstungen sei von 51 Prozent der Gesamteinfuhr im Jahre 1931 auf nur 24 Prozent im Jahre 1934 zurückgegangen. Demgegenüber sei der Anteil der Konsumwareneinfuhr in der gleichen Zeit von 8.8 auf 15 Prozent gestiegen. Während der Anteil der landwirtschaftlichen Ausfuhr in den Jahren 1931 bis 1934 einen Rückgang von 42.2 auf 28.8 Prozent ausweise, habe sich der Anteil der sogenannten industriellen Ausfuhr von 57.8 auf 71.2 Prozent erhöht, darunter die Ausfuhr von Erzeugnissen der Schwerindustrie von 22 auf 37 Prozent und der leichten Industrie von 16.4 auf 19.7 Prozent. Für die strukturellen Aendcrun- gen im sowjetrufsischen Außenhandel sei besonders kennzeichnend, daß«ine Reihe von Waren, di« früher eingeführt werden mußten, jetzt zu den Ausfuhrartikeln gehören. Diese Ausführungen unterstreichen die jüngsten Entwicklungstendenzen im Außenhandel der Sowjetunion, deren Erkennen für die Intensivierung der tschechoslowakisch-russischen Handelsbeziehungen unerläßlich ist. Gerade die strukturellen Veränderungen in der Einfuhr bieten neue Möglichkeiten für das Rußlandgeschäft. Die Jn- dustriebranchen, die Spezialanlagen und komplizierte Maschinen herstellen, werden zweifellos stärker als noch vor kurzer Zeit als Lieferanten für russische Aufträge in> Betracht kommen. Daß besonders an solchen Spezialausrüstungen in Rußland in verschiedenen Industrien ein großer Mangel besteht, das darf man auch aus der Entsendung zahlreicher Studienkommissionen der Sowjetindustrie ins Ausland schließen. In ihren Berichten wird teilweise ganz offen zugegeben, daß Entlastung eines B.-A.-Mitgliedes In der Geschichte der Betriebsausschüffe unseres Geldwesens hat sich zum ersten Male der Fall ereignet, daß eine Bank ein Betriebsausschußmitglied auf Grund des 8 34 des Privatan- gestelltepgesetzes fristlos entlassen hat. Diese Bank ist die Böhmische Unionbank in Prag, das entlassene Betriebsausschußmitglied ist Herr Dr. Georg Winternitz. Obwohl der Entlassene keiner der Gewerkschaften der Angestellten der Geldinstitute als Mitglied angehört, haben sich alle drei Organisationen dieses Falles wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung angenommen. Lekamttlich gewsthrt das Betriebsqusschpßge- setz den Mitgliedern der Betriebsausschüffe einen gewissen Schutz, soferne der Angestellte nicht einen Grund zu seiner sofortigen Entlassung gemäß § 34 des Privatangestelltengesetzes gegeben hä). Im vorliegenden Falle sind die Organisationen zu der Auffassung gelangt, daß die Voraussetzungen für eine fristlose Entlassung gemäß 8 34 des Privatangestelltengesetzes nicht gegeben waren und fie erblicken in dem Vorgehen der Bank eine Beschränkung der Rechte sowohl des betreffenden Betriebs- auSschußmitgiiedeS wie auch der Betriebsausschüsse überhaupt. Zu diesem Standpunkte sind die Organisationen umso eher gelangt, als sie feststellten, daß das genannte Betriebsausschußmitglied zur höchsten überhaupt möglichen Strafe verurteilt wurde, ohne daß irgendeine Untersuchung durchgeführt worden wäre, bei der der Betroffene die Möglichkeit gehabt hätte, sich zu rechtfertigen. Erst auf Einschreiten aller drei gewerkschaftlichen Organisationen hat die Bank nachträglich eine Untersuchung durchgeführt, deren Ergebnis Das Geheimnis des Todesstrahls„3" Ultrakurzwellen— die Schreckenswaffe des Dritten Reiches? Immer wieder tauchen in den Zeitungen Nachrichten über sogenannte„Todesstrahlen" auf, die als die geheimnisvolle Schreckenswasse des Zukunftskrieges gelten. Im Zusammenhang mit den jüngsten Meldungen dieser Art, di« von den„Z-Strahlen" sprechen, welche im Hitlerreich erfunden worden sein sollen, veröffentlicht der bekannte ftanzösisch« Physiker Prof, Magnan einen interessanten Artikel im „Neuen Tagebuch", den wir hier auszugsweise wicdergeben. Bor kurzem wurde mitgeteilt, die Deutschen hätten einen Todes st rahl erfunden, der bon ihnen den Namen„Z-Strahl" erhielt. Er soll die Eigenschaft haben, Lebewesen auf Ent- Wrnung zu töten und die leblcse Materie in drand zu setzen. Es ist nicht das erstemal, daß man von tan Vorhandensein eines solchen Strahles spricht. Wchon vor einigen Jahren war behauptet worein, daß ein Engländer eine gleichartige Ent« »rckung gemacht hätte. Dann wurde von der gan- ?kn Angelegenheit nicht mehr geredet. Bisher habe "h nicht erfahren, worauf die deutsche Erfindung "truht. Dennoch kann man sagen, daß nach dem kkgenwärtigen Stand der Wissenschaft ein der« ^stigeS Forschungsergebnis, ja sogar dessen un- Wittelbare Nutzanwendung durchaus möglich '8. Bereits vor längerer Zeit hat Professor dArsonvaldie Wirkung gewisser Stromkreise wit Hochfrequenzladung auf Lebewesen in deren Umgebung nachgewiesen. Er stellte einen Menschen in die Mitte einer großen Spule oder Drahtwicklung, die mittels der durch einen Unterbrecher herbeigeführten Entladung eines Konden« satcrs in dieser Spule mit elektrischen Hochfrequenzschwingungen gespeist war. Der große Gelehrte konstatierte dÄei, daß die Versuchsperson ein allgemeines Wärmegefühl empfand. Dies konnte dann der Forscher für medizinssche Zwecke nutzbar machen. Seit der Erfindung der Rundfunkröhre kann man diese elektrischen Schwingungen erzeugen und sich fortsetzen lassen, ohne zur Entladung eines Kondensators Zuflucht zu nehmen, und zwar auf eine viel regelmäßigere Weise. Als die Fortschritte der Technik die Errichtung von Sendern erlaubten, die nichts anderes sind als Röh- renerreger mit einer Wellenlänge von ungefähr 15 Metern mit einer Energie von 15 Kilowatt, stellte man fest, daß die Bedienungsmannschaften selbst merkwürdige physiologische Erscheinungen spürten. Sie wurden rasch von einem künstlichen Fieber befallen, das in gewissen Fällen bis zu 40 Grad stieg. Man konnte übrigens, besonders in den Bereinigten Staaten, in der unmittelbaren Umgebung eines derarttgen Senders kleinere, auf metallenen Flächen befindliche Tiere tüten. Wenn man sich nun nicht in den unmittelbaren Wirkungskreis dieser Schwingungskreise, das heißt, um einen technischen Ausdruck zu gebrauchen: in ihr elektromagnetisches Feld stellt, sondern statt dessen die ses Feld verändert, indem man an der zu Anfang dieser Ausführungen erlvähnten Diathermie- Spule einen spitzen Metalleiter anbringt, und wenn man die Versuchsperson vor eine Metallplatte stellt» die ebenfalls mit einem anderen Puntt der Spul« verbunden ist, so wird die Wärmewirkung derart gesteigert, daß eine Verbrennung entsteht. Man sieht also, daß man in der unmittelbaren Umgebung eines starken Senders ein Lebewesen ernstlich verbrennen oder sogar töten kann mittels der Rundfunk-Kurzwellen, die den erwähnten Hochfrequenzschwingungen entsprechen. Bei den früheren Versuchen war nur von den sogenannten Kurzwellen die Rede. Nun ist aber bekannt, daß man bei der Einteilung der elektromagnetischen sogenannten Rundfunkwellen eine Klassifizierung nach langen, mittleren und kurzen Wellen vorgenvmmen hat, die ersten mit einer Länge von 600 bis 3000 Metern, die zweiten von 600 bis 100 Metern und die dritten von 100 bis 10 Metern. Jetzt hat man zu dieser Tabelle die Ultrakurzwellen hingugefügt, die von 10 Metern bis unter einen Meter reichen. Man sieht also, daß die Erfindung eines Todesstrahls, die auf der Verwendung von Ultrakurzwellen mit hoher Stärke beruht, theoretisch möglich ist. Ist es den Deutschen gelungen, da ein tot» bringendes Werk zu schäften, wo andere seit der Geburt der modernen Physik nur rein wissenschaftliche Ziele zu erreichen suchten? Zur Stunde kann niemand auf diese Frage antworten. Aber wenn sie es wirklich dazu gebracht haben, darf man nicht vergessen, daß es andere ebenso leicht dazu bringen können. z. B. die Textfl-, Erdöl- und Gasindustrien in technischer Hinsicht im Vergleich mit dem Ausland noch sehr rückständig sind. In den ersten fünf Monaten 1935 stellte sich der Gesamwettag des Außenhandels der Sowjetunion auf 203.28 Millionen Rubel gegen 234.05 Millionen Rubel in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rückgang in den Außenhandelsumsätzen beträgt mithin 30.71 Millionen Rubel. Die Sowjetausfuhr machte dabei 116.37 Millionen Rubel aus gegen 143.53 Millionen Rubel im Vorjahr, wogegen sich die Sowjeteinfuhr auf 86.91 Millionen Rubel bzw. 96.52 Millionen Rubel belief.. Bemerkenswerterweise zeigt mithin die Söwjetausfuhr eine stärkere Schrumpfung — um 27.16 Millionen Rubel oder 18.9 Prozent— als die Sowjeteinfuhr, die um 3.61 Millionen Rubel oder 3.9 Prozent zurückgegangen ist. Im Zusammenhang mit dem stärkeren Ausfuhrrückgang hat sich der Aktivsaldo der Außen- handelsbllanz der Sowjetunion in den ersten fünf Monaten 1935 auf 29.47 Millionen Rubel vermindert gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von i 53.01 Millionen Rubel in der gleichen Zett 1934. den Betriebsausschuß in seiner Auffassung bestärkte, daß die Bank zur fristlosen Entlassung nach dem obzitierten Paragraphen des PAG nicht berechtigt war. Die Bank hat aber trotzdem die Entlassung nicht rückgängig gemacht und der ganze Fall wird auf Grund der Beschwerde des Betriebsausschusses der Angestellten der Böhmischen Unionbank in Prag am 17. August d. I. vor der Schiedskommission nach dem BetriebsauSschußge« setze verhandelt werden. Die Krise in der Glasindustrie Baach tonswerte Ausführungen des„Glas- und ', Kkvamarkeiters",^,,,,,,,... . Im Fachblatt des Verbandes'der MaS« und Keramarbeiter finden wir eine Betrachtung über die Ursache der Krise der Glasindustrie, die einige neue Gedanken enthält. Wir lassen die entscheidende Stelle hier folgen: Während wo anders aus dem Seifensieder mit seinen Gehilfen die große chemische Fabrik wurde, aus-er kleinen Schusterwerkstatt sich die Schuhfabrik entwickelte, werken und schuften di« Glasarbeiter, ob es sich nun um Drucker, Schleifer, Polierer handelt, immer noch in den kleinen Kratzen und finsteren Löchern, dunklen Schleifmühlen, immer noch bei jeden Unternehmer, der selten mehr als zwei bis drei Gehilfen beschäftigt. Immer noch herrscht der patriarchalische Geist in den Betrieben, der wohl das Du-Wort zwischen Arbeiter und Unternehmer kennt, das aber dem Arbeiter verbietet, dem Unternehmer zu sagen, was er für richtig hält, jenem aber erlaubt, dem Arbeiter„hineinzupfeifen", was ihm gerade am Herzen liegt. Mit der einen Ausnahme der Zusammenfassung der Rohglasproduktion ist in der Glasindustrie, weder im organisatorischen Aufbau, noch an der Vewollkommnung der Produkttonsmethoden etwas geschehen, sondern alles beim alten geblieben und man muß sich nur manchmal Wundern, daß die Herren Lieferanten nicht noch wie in den achtziger Jahren mit dem Schubkarren ihre Waren nach Gablonz liefern. Nicht das geringste ist geschehen, um eine gewisse Zentralisatton durchzuführen, ja, im Gegenteil, nicht zu einer Zusammenfassung, sondern immer mehr macht sich ein AuSeinandergehen, eine Verbreiterung bemerkbar, die nichts anderes bedeutet, als daß die Grundlage der sich gegenseitig zu Tode Konkurrierenden immer mehr ausbreüet, daß ihrer immer mehr werden, die glauben, wenn fie einen oder zwei Arbeiter haben, daß dies genügen müsse, um ein« auskömmliche Existenz zu finden. Immer» och klapperndiekleinenKratzenanden Bergen, genau in derselben Weise lute Hot 50 Jahren, immer noch speit die Bahn jeden Tag Hunderte von Keinen Lieferanten in der Metropole des Glasgebietes in Gablonz aus, die alle die Exporteure heimsuchen; bei den einzelne sich oft bis über die Stiegen drängen, weil sie gehört haben, daß er einen Auftrag erhalten soll. Und noch bevor der Exporteur sein« Ordre erteilt hat, es erst bei dem Wollen deS Importeurs ist, bieten und bieten dies« Lieferanten ihre Dienst« zu immer billigeren Bedingungen an. Das alles, nachdem sich der gleiche Vorgang in den Kontoren der Importeure abgespielt hat. ES wird der Preis in der Richtung bestimmt, daß man zwar noch nicht weiß, wie er sein wird, das eine«wer sicher ist, er wird niedriger sein. Seife 6 „Sozialdemokrat Freitag, 9. August 1935. Nr. 184 Die Todesfälle vo« Hollywood Don Max Winter. Heute formt Charley Chaplin ferne Bilder dort. Vor 209 Jahren war hier der Rancho des mexikanischen Großgrundbesitzers La Brea. Nach ihm heißt auch die lange Avenue auch heute noch so, aber nun flutet über die ganze Gegend welt- städtischer Verkehr mit zwei besonders lebhaften Kreuzungspunkten, dem des Hollywood- und des Wilshireboulevards. Folgt man dieser zweiten, zehn Autos breiten Straße dem Ozean zu, so kommt man bald zur Rechten zu einem der vielen Parks, die Los Angeles und besonders seinen Bezirk Hollywood so reizvoll machen. Dieser Park — Hancockpark— birgt— oder besser barg das seltenste Naturdenkmal, das durch Jahrzehntausende für uns aufbewahrt wurde— b i"e Todesfälle von Hollywood. Oel- türme dechinter und als Abschluß die Berge von Santä Monica. Das ist nichts Seltenes in Los Angeles, Oeltürmen zu begegnen. An manchen Stellen fährt man durch einen ganzen Wald von Oeltürmen, die aus den schier unerschöpflichen Erdölseen unter der räumlich größten Stadt der Erde Tag und. Nacht Oel pumpen, an anderen Stellen das Naturgas in Röhren gefangen nehmen und der Stadt als Brenn- und Leuchtgas zuführen., Schon die erste wissenschaftliche Expedition, die das damals jüngst entdeckte Land durchforschte, stieß 1769 bis 1770 zwei Meilen von der Stadt entfernt auf»Pechquellen", von denen 70 Jahre später ein französischer Forscher genauer sagte, daß in der ausgedehnten Prärie im Südwesten der Stadt vier große, mit Erde überdeckte Asphaltquellen seien.»Diese Quellen treten in der Mitte kleiner, kalter Wasserweiher zutage. Düs Erdpech weist eine höhere Temperatur auf. Das Wasser hat einen mineralischen Beigeschmack, bet aber Tiere nicht hindert, es zu trinken. Bei Sonnenaufgang sind die Mündungen dieser Quellen von riesigen Asphaltblasen bedeckt, die oft höher als eine Elle sind. Sie schauen wie Seifenblasen aus". So 1840 der Franzose Duflot de Mofras. 1849 war es ein amerikanischer Militärgeograph, 1853 ein Essenbahngeologe, die auf diese Quellen aufmerksam machten, aber erst 1875 wurden die ersten Skeletteile aus dem Asphaltgrab geholt und beschrieben. Der Besitzer des Geländes, Henry Hancock, gab einem Besucher— William Denton— einen Zahn, der sich später als ein»Hundezahn" aus dem Gebiß eines Säbeltigers erwies. Danton forschte sofort weiter und holte noch einige Knochen und das Gebiß eines Pferdes' aus dem Asphalt. Aber sein wissenschaftlicher Bericht darüber ging-unter. Er wurde nicht beachtet. Erst 1905 fanden zwei wissenschaftliche Außenseiter, die Herren O r c u t t und Anderson aus Los Angeles, Teile eines Schädels eines Säbeltigers, Kinnbacke eines Riesenwolfs(Aenocyen dires, Leidy) und Knochen eines gleich den beiden andern auch schon ausgestorbenen Erdfaultiers(Nothro- therium shastense Sinclair), und nun war es Dr. John C. Merriam von der Universstät des Staates Kalifornien, der die Bedeutung dieser Funde erkannte und sich um die Erlaubnis weiterer Nachforschungen bewarb. Er und zugleich andere wissenschaftliche Institute machten nun mit unzulänglichen Mitteln Aushebungen und reiche Funde. Aber erst in dem Augenblick, d a Europa zum Weltkrieg auszog, schlug die Grafschaft Los Angeles eine große Schlacht für die Wissenschaft. Mayor Hancock gab der Grafschaft für zwei Jahre das ausschließliche Privileg der Wissenschaft-, lichen Ausbeutung des Asphaltsees. Nun ging das Museum von Los Angeles mit großem Apparat an die Arbeit und die Ausbeute, die/seit Jahr und Tag im Museum von Los Angeles zu sehen ist, war eine so gewaltige, daß alle Museen der Welt mit Stücken davon versorgt werden konnten. Allein zweitausend Säbeltiger wurden nachgewiesen. Aus diesem ungeheuren Material konnte das Museum von Los Angeles eine Schau zusammenstellen, die einzig dasteht in dvr Welt. Sie ist mit großem Geschick und mit vorbildlicher Anschaulichkeit aufgemacht, so daß kein Besucher dem Bann, ja Zauber, dieser Vorführung aus langst vergangenen Zeiten entgehen kann. Merriam erzählt in der bei einer der Asphaltquellen angebrachten Legende, daß die Zeit, aus der die Funde stammen, nicht, weniger als zwanzigtausend Jahre zurückliegt und nicht mehr als hunderttausend Jahre. Das Museum sagt in der Erklärung des großen Wandgemäldes, das den Besucher bildlich in das ungeheuer reiche Leben dieser Zeit einführen soll, daß es etiva 40.000 Jahre her sind seit die ausgestellten Tiere in der„Todesfälle", im Asphaltsee versunken sind. . Das Kolossalgemälde stellt das Tierleben jener fernen Tage auf dem Boden Hollywoods— des„Heiligen Waldes" zu deussch— dar. Gelehrte und Künstler haben hier zusammengewirkt, um sich in jene fernen Tage des Pleiftocene, der Eiszest, die der jüngsten geologischen Erdperiode voranging, einzufühlen. Ein weites Gelände, die baumbestandene, von kleinen Steintrümmern unterbrochene Prärie, die von den Hollywoodhügeln zur See abfällt. Unterholz auch, zu Auen Kokainschmuggler verhaftet. Vorgestern nachmittags verhafteten zwei Detektive der Rauschgistabteilung den arbeitslosen Kellner Jan Lorman aus Prag II., Truhlärskä 15, der, schon früher verdächtig, beobachtet worden war, wie er einem Drogisten in der Heinrichsgasse 100 Gramm Kokain in einer Glastube zum Kauf angeboten hatte. Auf die Frage, woher das Kokain stamme, gab Lorman an, es von einer gewissen Martha Baron, Angestellte eines Schneiderateliers Josef Paul, Prag II., Heinrichsgasse 20, erhalten zu haben. Diese wiederum gab an, von ihrem Chef zum Verkauf des Rauschgiftes gezwungen worden zu sein. Josef Paul, der übrigens auch Morphium, Veronal und Luminal geschmuggelt und verkauft hat, wurde verhaftet. Er und Lorman wurden vorerst der verwirkten Gefällsstrasen wegen, den Finanzbehörden überstellt. Das Kokain soll angeblich über Weipert gekommen sein. Auto und Radfahrer. Gestern um 3 Uhr nachmittags fuhr der Bäckergohilfe Josef Dlouhy aus Brevnov auf seinem Rade durch die BLlohorska, als ihn der Chauffeur Josef Klacmera aus Holleschowitz auf seinem mit Holz beladenen Lastauto Nr. 4852 einholte. Der Chauffeur gab das Warnungssignal; Dlouhh wollte das Auto Vorbeilaffen, ritz aber plötzlich sein Rad nach rechts, so datz er dem Auto in die Seite fuhr, vom Rad stürzte und von einem der rückwärtigen Räder des Autos erfatzt und schwer verletzt wurde. Auf der Klinik Jiräsek wurde ein Bruch der Schulter und des rechten Futzes, eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Quetschungen festgestellt. Eine« Sonder-Ansflngszng nach Bodenbach für 38 KL veranstalten die sschechoslowakischen Staatsbahnen am Sonntag, dem 11. d. M. Anmeldungen mit Boranzahlung von 10 KL übernimmt das Referat der AusflugSzüge im Bazar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 883—35. Mitteilungen aus dem Publikum. Im Winter sehnt man sich nach dem Sommer, im Sommer— schimpft man auf die Hitze! Es ist wirklich nicht nötig, datz Sie unter der Hitze leiden I Es gibt doch ein Mittel, das so angenehm erfrsscht, so herrlich kühlt, datz Ihnen keine Sonnenglut etwas anhaben kann: den Alpa-Franzbranntwein. Sie riechen zur Alpa-Flasche, Sie betupfen Stirn und Schläfen mit ein Paar Tropfen Alpa und wie weggeblasen sind die Folgen der Hitze! Damit beugen Sie auch jeder Mattigkeit, jedem Ilebelsein vor: Ihr Arzt wird's gern bestätigen! verdichtet. In diesen Rahmen stellt der Maler getreu die Funde in der„Todesfälle". Den Löwen, Pom Laien van seinen afrikanischen Vettern, die heute noch leben, nicht zu unterscheiden, friedlich woedende Kamele, Bisons, die weidend aus dem Gebüsch treten, eine Herde Elefanten, im Hintergrund einige Imperial-Mammuts mit ihren lyraförmigen Elfenbeinzähnen, deren Riesenlast ein verhältnismäßig kleiner Schädel zu tragen hat, ein Rudel Wölfe, eine Pferdeherde(das ausgestorbene„Pferd des Westens", Equus occkdentalis Leidy). Ganz im Vordergrund der Teerpfuhl, der, umgeben von genießbarem Wasser, als Tränke diente und in dem oft und oft verfolgte Tiere, die sonst keinen Ausweg sahen, Zuflucht suchten und dadurch oft auch die Verfolger auf den trügerischen Grund lockten. Nach dem Gesetz der Schwere versanken in ihm eher die schwergewichtigen Verfolger als die leichtfüßigen oder leichtbeschwingten Verfolgten, denen die Angst ums Leben außerdem noch höhere Energien lieh. Und diese Masse von Teer, Sand, Lehm, Steinschutt bildete um die Tierleiber eine luftdichte Hülle, die wohl nicht Haut und Haare und Muskel— diese nur vereinzelt— vor dem Verfall schützen konnte, die aber Skelette und Knochen und mit ihnen das versunkene Leben jener Tage in seiner Gestaltung bis in späteste Zeit aufbewahrte. Von den flüchtigen Antilopen und Hirschen wurden wenige, von den Riesenleibern der Säbeltiger aber mit ihren riesigen Hauern,, die messerscharf aus dem Oberkiefer wuchsen, 2000 gefunden. Solche Maßnahmen der gewaltigen Raubtiere konnten natürlich nux Vorkommen, wo auch Futtertiere in Massen Vorkommen. Daß von den 4000 aus dem Grab geholten Tieren fast die Hälfte Säbeltiger waren, das drängt nach Erklärung. Asphalt erweicht bei Tag, erstarrt bei Nacht. So konnte es kommen, daß die leichtfüßigen Antilopen, die zur Abend- oder Morgentränke kamen, von Säbeltigern gejagt, über die leicht erstarrte Asphaltfläche sprangen, während die plumpen Katzen sofort einsanken und aus der klebrigen Masse nicht mehr heraus konnten. Die Säbeltiger sind ausgestorben. Die Skelette aber erzählen viel. Dieses grausamste aller Tiere konnte seinen Rachen zu gähnender Weite öffnen. So konnte es seine Hauer in die Leiber der angefallenen Tiere tief versenken. Mit diesem furchtbaren Werkzeug wagte er sich auch an große Tiere, sogar an Mammuts, an die Elefanten, an das auf der Erde lebende Riesenfaultier(My- lodon harlani Owen) und an andere Säugetiere, wie die Kamele, die damals in Hollywood heimisch waren, die Bisons, die Bären, die Wölfe, die Pferde. Eine gewaltige Plastik im Hancockpark hält eine" solche Szene aus dem Kampf ums Dasein fest. Ein Säbeltiger hat seine Tatzen auf Einmal rechtzeitig verhaftet. Gestern um 2 Uhr nachmittags verhaftete die Polizei auf dem Wil- sonbahnhof zwei eben mit dem Wiener Schnellzug angekommene internattonale Taschendiebe, bevor sie noch Gelegenheit gehabt hatten, ihre Arbeit zu beginnen. Es handelt sich um den 30jährigen Adam Surma und den 35jährigen Marian Gradka, beide aus Krakau. Beide waren schon vorher aus der Tschechoslowakei auSgewiesen worden. JuhisI und WU&en Bojta Rakous gestorben Nach langer Krankheit ist gestern nachmittags um s»6 Uhr in Prag-Lieben der Schriftsteller Vojta Rakous gestorben. Rakous wurde im Jahre 1862 in Stary Bräzdim geboren. In seinen Erzählungen schilderte er das Leben der Juden in der böhmischen Provinz, ihre Gebräuche und ihr Zusammenleben mit den christlichen Nachbarn. Am bekanntesten sind seine Geschichten betitelt„VojkobiLti a prespolni", die sich durch Realismus, Humor und eine treffende Charakteristik der jüdischen Dorfbewohner auszeichnen. Besonders populär sind die von ihm geschaffenen Figuren Mosche und Rezi. Nene EröffnangSvvrstellwng des Banen». theaterS„Cilly Löwinger". Das Ensemble eröffnet sein achttägiges Gastspiel in der Kleinen Bühne mit dem lustigen Schwank„D er Jogl vom Wegscheid h o f". Wiederholungen: Samstag, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Preise 8 bis 35 KL. Vorverkauf: Deutsches Haus, Neues Deutsches Theater, M. Truhlai. Restliche Karten an der Abendkassa. §poct-5piek-XörperpsfeHe Ar«k-Radre«nen Komotau—Tetsche« Das im vorigen Jahre aus Anlaß des 15jäh- rigen Be standes des Aruk zum ersten Male durch- geführte Radrennen K o m o t a u—T etschen wird Heuer am 18. August zum zweiten Male durchgeführt. Das Rennen sst Bundesoffen und können alle Rennfahrer des Bundes daran teilnehmen. Die Meldung mutz bis spätestens 15. August unter Beilage des Startgeldes(2 KL in Briefmarken) einem gerissenen Bison, ein anderer Säbeltiger raust mit einem Löwen um die Beute. Löwen Ubt es heute noch, wenn auch der kalifornische Löwe ausgestorben ist, aber die Säbelttger sind überall verschwunden. Das Eiszeitalter war das letzte, in dem sie lebten. Die Schädelanatomie zeigt, daß die Säbelttger ein relativ kleines Gehirn hatten. Daraus könnte man zwei Tatsachen ableiten. Die Neigung zur wildesten Grausamkeit, die diesen Schlächtern unter den Tieren eigen war. Je weniger Gehirn, destograu- samer. Und eine zweite: Vettern des Löwen leben heute noch in Astika, der Säbelttger ist überall ausgcstorben. Je wenig er Gehirn, desto sicherer dasllnterliegen im Kampf. Beide Sätze könnte man Diktatoren ins Stammbuch schreiben. Aber aus diesen beiden aus naturwissenschaftlichen Tatsachen abgeleiteten Sätzen kann man auch die Hoffnung schöpfen, daß auch Träume von tausendjährigen Reichen Träume sind. Die Entwicklung hat ein Grundgesetz: Das Gehirn überwindet. Die vier Mausarten von damals leben heute noch und die Känguruhraüe, das Futter der Klapperschlangen und Coyotten zeichnen heute noch ihre Springspur in dem weißen Wüstensand. Verhältnismäßig viel Gehirn im kleinen Körper. So erzählt uns die Todesfälle von Hollywood geradezu wunderbare Geschichten aus den alten Tagen, da nur die objektive Natur Geschichte schrieb, nicht die immer subjektiven Menschen, und stehen wir heute im Hancockpark vor dem Elefantengrab einem Asphalttümpel, aus dem ungefähr 15 Elefanten und 10 Mastodens aller Lebensalter herausgeholt werden konnten und sehen wir, wie sich auf dem Schilf, das die Ränder belebt, die Scharlachamseln wiegen, wie man die Amseln mit dem scharlachroten Federnbausch im Flügelgelenk deutsch nennen könnte(Agelaius phoeniceus), und sieht man, daß auch heute noch Asphaltblasen aufsteigen, daß das Oel in der Erde weiterarbeitet und die Oberflächen der Tümpel mit seinen irri- sierenden Farben überzieht— Wegweiser einst zur Teerfarbenfabrikation— so lernen wir auch daraus, daß die Natur nicht rastet. Mit der aus dem Teergrab geschöpften Weisheit gibt uns die Natur auch die zuversichtliche Hoffnung auf den endlichen Sieg aller großen Menschheitsivünsche. Wir müssen nur das Gehirn besser ernähren, weiter und weiter bilden. Bildung, Bildung und wieder Bildung wird der Menschheit Befreier sein. Es ist sicher, auch die Menschen werden einmal zur Kultur kommen. Clive Brook und Ann Harding in dem amerikanischen Grotzfilm „Das Recht auf Sünde" schriftlich beim Bundestechnischen Ausschuß des Aruk, Turn-Teplitz, erfolgen. Der Start erfolgt um ach! Uhr früh bei der Maut in Komotau. Das Ziel be- sindet sich in Tetschen, Bahnhofftratze. Die im Vorjahre für diese Strecke erzielte Zest betrug 2:26 Stunden. Sieger ward Syrocky(Wien) vor Just(Krochwitz) in 2:31:00. Französischer Arbeitersport. In P a ris-Dille t t e fand vor 15.000 Zuschauern ein S ch w i m m« f e st statt, daß u. a. folgende Ergebniffe aufwies: 75 Meter Brust»Frauen): Pierre(Boulogne) 1:12.4 Min.; 400 Meter Freistil(Männer): Lhuillerl (COP Paris) 6:05.4 Min.; 150 Meter Rücken (Männer): Laurent(COP Paris) 2:10.3 Mi«.; 150 Meter Brüst(Männer): Kahn(UnitL) 2:20.! Min.; 5X75 Meter Freistil(Männer): COP Paris 4:56 Min.; Wasserball: CSA Billette gegen B- Team 2:2, A-Team gegen COP Paris 4:2.— Ich Stadion zu Montreuil gelangte ein leichtathletisches Meeting zur DurchführuM von dessen Ergcbniffen zu erwähnen wären: 1500 Meter; Degand(Belleville) 4:28 Min.; 400 Meteor Rabaffe(Montreuil) 54 Sek.; Kugel(Frauen)! Nogret(US Paris) 7.73 Meter; 80 Meter: Cadoi (Pantin) 9.3 Sek. Dom sowjetruffischen Sport. In Moskau lies die Sportlerin Bykowa über 500 Meter die Zeit von 1:16.8 Min., welche beffer ist als der bürgerliche Weltrekord der Polin Walasiewicz mit 1:17.3 Min.—Vielseitig ist der Schwimme» Borrissow. Er legte im Freistil di«. 50 Meter i» 26.5 Sek., 100 Meter in 59.1 Sek., 200 Meter in 2:17.5 Min-, 400 Meter in 5:01 Min., 1500 Meter in 20:29.3 Minuten und im Rückenschwimmen die 100 und 200 Meter in 1:09.9 bzw. 2:33.2 Min. zurück. DSB Saaz gegen Mor. Slavia Brünn 2:1 (1:0). Auch das zweite annullierte Qualifikationsspiel konnten die Saazer am Donnerstag auf eigenem Platz gewinnen, trotzdem sie vom Schiedsrichter Kochmann sehr benachteiligt wurden. Mit diesem Erfolg haben sich die Saazer an die Spitze der Tabelle gesetzt. Bürgerliche Studenten-Weltspiele mit Politik. In Budapest finden bekanntlich in nächster Zeit die Studenten-Weltspiele statt. Bisher ist es schon zs politischen Reibereien gekommen, die so weit führten, daß die rumänischen Studenten ihre Anmeldung zurückzogen und zwei Sportler(Ruderer), welche sich schon in Budapest aufhielten, abberiefen — Auch gegen die tschechoslowakischen Studenten wurde in einer Budapester Zeitung ein gehässige» Artikel veröffentlicht. Da sich aver die ungarischen Veranstalter dieser Welffpiele damit nicht identist- zierten und ihr Bedauern aussprachen, haben di» tschechoslowakischen Teilnehmer daraus keine Konsequenzen gezogen.— Die italienischen Student?* »nutzten ebenfalls ihre Teilnahrne abmelden, da sie Mussolini nach Abessinien geschickt hat.., Der Makkabi-Weltverband hat seine diesjährige Welttagung nach Brünn für die Zeit vom 5. bis 15. September einberufen. Zu dieser Tagung werden ungefähr 200 Delegierte aus allen Staaten er« wartet. DeceülLnacstricstten. Leichtathletik. Sarnstag, den 10i August, findet auf unserem Sportplatz auf der Hetzinsel eis Ausscheidungswetttampf in folgenden Disziplinen statt: 1500 Meter, 200 Meter, Speetl Kugel und Weiffprung. BegiiU» 5 Uhr nachmittags. Wir erwarten Beteiligung aller Genoffen. Bei genügender Beteiligung findet am gleichen Tage ein Aus« scheidungskampf der Sportlerinnen statt: 60 Meter, Hochsprung Md Kugel.— Technischer«»Sschvß- Montag, den 12. August, im Parteiheim, Prag ll« Narodni tr. 4, 2. Stock, technische Ausschutzsitzung, Beteiligung aller technischen Funktionäre michedimp notwendig. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele« graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck«. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag. PK1G -MM.