Dienstag, 13. August 1935 Nr. 187 15. Jahrgang ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xikfochova«2. telefon 0077. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEURS WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICH« REDAKTEURS DR. EMIL STRAUSS, FRAG« Einzelpreis 70 Hellei (•InschliaBlidi 5 Heller Porto) Stolz weht die Fahne purpurrot Die eisernen Kaders der deutschen Sozialdemokratie in neuem Angriff Herrliche sozialistische Manifestationen in Bodenbach, Reichenberg und Braunau Der Internationale Arbeitertag In Reichenberg Die srö&te sozialdemokratische Kundgebung seit der Spaltung Tausende marschieren.— Jubelnde Begeisterung der Massen Machtvolle Grenzlandkundgebung der Eisenbahner Tas der internationalen Solidarität In Bodenbach Es war ein großer Tag der sozialdemokratischen Arbeiterschaft des Kreises Reichenberg Die rührige Agitation der Funktionäre zeitigte einen prächtigen Erfolg, auf den alle Zweige unserer Bewegung mit berechtigtem Stolz zurückblicken können. Die große Tragödie der nordböhmischen Arbeiterbewegung, ihr namenloses Unglück, das mit der Spaltung über sie hereinbrach, erzeugte jenen lähmenden Druck, den nur hingebungsvolle Arbeit zu überwinden vermag Und er wurde überwunden! Der Aufmarsch am Sonntag, dem 11. August 1935, hat es jedem bestätigt. Freund und Feind erstaunten vor Bewunderung über diesen wirklich gelungenen FreihcitStag, dessen internationales Gepräge und geschlossener Appell mahnend und werbend wirken wird für die nächsten, großen Aufgaben. Arbeitslose, abgehärmte Textil- a r b e i r, schwer um ihre Existenz kämp- sende Proleten der Glasindustrie, Metallarbeiter, Angestellte, Menschen die unter dem Betriebsterror seufzen. Jugendliche, die noch niemals das Erlebnis der Arbeit empfinden bürsten, Tschechen und Deutsche, vereint in brüderlicher Solidarität— so marschierten fi«, so bekundeten sie ihren Willen, jetzt erst recht dix Fahnen der Sozialdemokratie Hochzureißen und weiter zu tragen, in bessere Zeiten... Mit der Bahn, zu Fuß in mitgenommenen Schuhen, auf dem verbreitetsten Berkehrsmittel der Arbeiter, dem„Auto" der Proleten, in Autobussen» ein Stückchen Brot in der Tasche, so kamen sie von fern und nah bereits am Samstag nachmittag und am Sonntag früh, angewalzt. Eine imposant« Borfeier im»Lidovh düm" leitete am Samstag den Arbeitertag ein. Bis auf das letzte Plätzchen war der geräumige Saal gefüllt. Das Programm war ausgezeichnet» seine Abwicklung flott, seine Tendenz klar, die Wirkung hinreißend. Musst und Gesang, Sprache und Sport, Bild«nd Bewegung, Gesang und Tanz; in bunter Folge wechselten di« herrlich«», exalten Darbietungen und gestalteten d-n Abend zu einem g r a n d i o- sen Erlebnis. Die Sonne lachte, als 150 Wettkämp- s e r und Wettkämpf er innen auf dem Festplatz in stöhlichem Sport tätig waren. Schon in den ersten Vormittagsstunden kamen Hunderte von Menschen, die So n d e rzü ge aus Gro t- tau, Kratzau und Friedland fuhren ein, die stattlichen Hundertschasten aus Ga b l o n z wurden sichtbar, die R e i ch e n b er- il e r sammelten sich und gegen halb 11 Uhr formierte sich der F e st z u g. Wer diese anmarschierenden Massen sah, hundert rote S t u r m f a h n e n, sechzehn Transparente mit unseren Forderungen, Fugendliche in blauen Blusen, Metallarbeiter in der Arbeitstracht, Männer der Republikanischen Wehr in ihrer bekannten Uniform, unsere Turnermädel ustd Frauen, die Männer und Burschen im grauen Hemd, die tschechischen Fr e u n d e im Dreifarb, viele Hundertschaften Genossinnen und G e n o s- sen aus den Bezirken, rote Radler, Musikkapellen und di« schweren Banner der B e w e g u n g, dem lachte das Herz vor Jubel«nd Freude. In Sechserreihen marschierten die Tausenden auf den M a s a r y k p l a t z Kopf an Kopf standen sie und grüßten ihr« Fahnen, grüßten die Flagge desStaa- tes, grüßten seinen verehrten Präsidenten und die Hymne, mit deren Klängen die Mas- senversapimlung eingeleitet wurde. Minister Jng. N e c a s sprach tschechisch und deutsch für unsere Bruderpartei und Senator Gen. M ü l- l e r für die deutsche sozialdemokratische Bewegung. Stürmische Begeistenrng folgte ihren markanten Sähen, tausendstimmige Freiheitsrufe bezeugten den stahlharten Willen eines kämpfenden Geschlechts. Minister Genosse Necas verwies auf die im Reichenberger Gebiet zum Zwecke der Belebung der Wirtschaft in Gang befindlichen Aktionen«nd weiter- auf die Unterstützungen, die unter dir ArbeitS- loffcn aufgeteilt werden. Die böswillige» Nachrichten über die angebliche wirtschaftliche Unterdrückung«nd Vernachlässigung NordböhmenS feie» schon durch die Tatsache hinsällig, daß überall im Norden starke tschechische Minderheiten leben, die unter der heutigen Lage eionso leide« wie di« Bevölkerung deutscher Rationalität. Genoss« Necas betonte in seiner Red« weiter-: Wir leben in einem Staat« der Demokratie, die vom Geiste Masaryks beherrscht wird. Tie Tschechoslowakische Republik fleht da- System der Demokratie als ein« bei weitem höhere Form an, al- andere Regierung-susteme. Di« Diktatur ist nicht- Reue-, wie die- einige Propheten der Menschheit einreden wollen. Bom Altertum bi- zur Neuzeit kennt die Geschichte bereit- ein« Reihe von Diktaturen, den« dir Diktaturen tauche« immer nach Revolutionen und nach Kriegen auf. Alle find zusammengetrochcn, wurden beseitigt»der haben stch allmählich z» einem höhere« Regierungssystem umgcbildet. Der Aufmarsch durch die Stadt erregte großes Aufsehen. Tausende standen Spalier, grüßten mit Freiheit, Freundschaft und Rot-Front und auch der verbissenste Gegner mußte neidvoll erkennen, daß die„Sterbende Sozialdemokratie" sehr frisch, jung und kampffroh ist. Mehr als 10.000 Personen marschierten im Festzug mit. Auf dem Fe st platz wurde ab 1 Uhr ein reichhaltiges Programm abgewickelt: die M u- s i k konzertierte, die Jugendlichen vermittelten einen Sprechchor, Gesang erklang, Sportler liefen um die Kampfbahn, Radler fuhren einen Reigen, Turnerinnen zeigten gefällige Gymnastik, die allgemeinen Freiübungen lösten jubelnde Zustimmung aus, der flatternde Rhythmus von 100 großen Sturmfahnen schuf tiefe Symbolik und lebendigste Maffenfreude und als gar zum Schluß alle uniformierte Abteilungen zu einem Appell antraten, als sie unserer Sache unverbrüchliche Treue schwuren, als ein Tel e- gramm der roten Falken aus Paris ihre Grüße brachte und die Tausenden in den Gesang der Internationale einstimmten, da gab es Tränen der Freude, laute, Helle, wahre Begeisterungsstürme, die in den Herzen der Arbeiter nachklingen werden..— Die Fußballer beschlossen den programmatischen Teil dieses prächtigen Arbeitertages, der für die sozialdemokratische Arbeiterschaft ein großes Erlebnis war und auf den auch die Gesamtpartei mit Recht Stolz sein kann. Wir marschieren! Wir kämpfen! Mit«ns find die Beste« und Treuesten der Arbeiterklasse! Als Auftakt zu der wuchtigen und eindrucksvollen Manifestation der Eisenbahner, die Sonntag in Bodenbach stattfand, traten die Eisenbahnervertrauensmänner Samstag abends in der Bolkshalle zur Beratung ihrer wirtschaftlichen und politischen Probleme zusammen. Der Bodenbachr Bürgermeister Genosse K e ß l e/r, der die Tagung begrüßte, wies auf die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Vertreter der Arbeiterklasse beider Nationen im Grenzgebiet hin. Das Ergebnis der Beratungen, in welchen die Genossen Senator Grünzner und Senator Bro de cky referierten, wurde in einer eingehenden Resolution zusammengefaßt. Den Höhepunkt der Tagung bildete die Manifestation am Sonntag vormittag, an der gegen 20.000 Menschen teilnahmrn. Von Samstag abends an liefen ununterbrochen Sonderzüge in Bodenbach ein, welche di« Massen der Eisenbahner und ihrer Angehörigen an den Ort der Kundgebung brachten. Der Festzug, in dessen Reihen an 15.000 Teilnehmer marschierten, nahm seinen Weg durch Bodenbach über die Elbebrücke zum Tetschener Marktplatz. Ueber 35 Minuten dauerte dieser prachtvolle Aufmarsch, der »on sechs Eisrnbahnerkapellrn«nd drei anderen Kapellen begleitet war und an dem sich die RW in Uniform, die Sozialistisch« Jugend und Mitglieder des Atus und des Aruk beteiligten, von allen Seiten wur- Samstag«nd Sonntag stand Braunau vollkommen im Zeichen des roten Aufbruchs, der internationalen Solidarität. Dor Erfolg der Veranstaltung übertraf selbst die hochgespannten Erwartungen. Schon am Samstag füllte stch die alte ostböhmische Stadt mit Proletariern, die aus dem ganzen ostböhmischen Gebiete zusammenkamen. Samstag.rachmittogs begannen bereits die turnerischen und sportlichen Darbietungen«nd Wettkämpfe, Samstag abends setzte sich vom Färberplan bis zum Festplatz ein kollos- saler Fackelzug in Bewegung, an dem gegen 5000 Menschen teilnahmen. Auf dem Festplatz fand sodann eine eindrucksvolle T r a« e r f e i e r für die gefallene« und gemordeten Freiheitskämpfer statt. Die Teilnehmer, insbesondere die tschechischen Ge» n o f s e n, die im Fackelzug stark vertrete« waren, wurden namens der Festleitung vom Genossen Rambauske begrüßt, dann sprach namens des Parteivorstandes Genosse Abgeordneter I a k s ch, der auch einige Worte in tschechischer Sprache an die tschechischen Genossen richtete und mit feiner Aufforderung zum Gelöbnis für die sozialisttsche Idee stürmischen Beifall erntete. Die Frier wurde dann auf überaus schöne Art künstlerisch abgeschlossen. Den Sonntag-Morgen füllten die Leistungs- prüfungen der Arbeitrrradfahrer» ein 15.000 ! Meter-Straßenrennen, ei« Kculenzielworfcu,, den die Manifestantin aus dem Spalier mit begeisterten»Freiheit"- und»Nazdar"-Rufen begrüßt. Die große Versammlung auf dem Marktplatz wurde mit der Staatshymne und der Internationale, hierauf durch Chorvorträge der Pilsner Eisenbahner und des Bodenbacher Volkschores eröffnet. Im Namen des Verbandes der Eisenbahner begrüßte Genosse Schöder, im Namen der „Unie" Genosse Stanök, im Namen des Parteivorstandes Genosse R e y z l die Versammlung. Genosse N e m e c versicherte in seiner mit großen: Beifall aufgenommenen Rede, die deutschen Sozialdemokraten in ihrem Kampfe für die Erhaltung der Demokratie der unbedingten Solidarität der tschechischen Arbeiterklasse. Auch die Worte des Genossen Senator Grünzper, der-darauf hinwies, daß das deutsche Proletariat der Grenzgebiete schon einigemal bewiesen habe, daß es für seine Freiheit zu kämpfen versteht und diesen Beweis, wenn es sein müsse, noch einmal liefern werde, wurde ebenso wie die Rede des Genossen Senator Brodecky mit jubelnder Zustimmung ausgenommen. Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmer der Riesenkundgebung auf dem Festplatz und in den VoUshäusern. Auch Fürsorgeminister Genosse Jng. Necas traf nachmittags in Bodenbach ein und besuchte den Festplah, wo er von den Massen, die zu der prachwollen Kundgebung gekommen waren, stürmisch begrüßt wurde. Wettkämpfe der RW«nd andere sportliche Ber- anstaltungen aus, während auf dem Ringplah die tschechische Arveiterturnerkapelle aus Rachod ein Platzkonzert abhielt. Gegen 11 Uhr begann der F e st z u g seinen Aufmarsch: Kinder, Radfahrer, Jugendliche mit Fanfarenbläsern, RW mit der Brannauer Schützenkapelle, tschechische Skauts, tschechische Arbeiterturnrr, unsere Atus- männer«nd-Frauen, Bergknappen, Naturfreunde«nd die große Zahl der übrigen Genossen«nd Genossinnen. Bor etwa 8000 Menschen sprach nach den auch an die anwesenden tschechischen Genossen und Kommunisten gerichteten Bcgrüßungsworten des Genossen Rambauske wiederum Genosse I a k s ch, der die großartige Kundgebung als eine neue Kampfansage an die Sieger vom 19. Mai bezeichnete. Es sprachen dann noch für die tschechische Sozial- demokratte Genosse Temltk-Rachod«nd Ry- t t k-Königgrätz. Nach dem Abspielm der Staatshymne«nd der Internationale marschierte der geschlossene Zug auf den Festplatz zum Mittagessen. Am Nachmittag gab es wieder sportliche und künstlerische Darbietungen, um 6 Uhr abends fand der Tag des Roten Aufbruches seinen Abschluß, nachdem in herrlicher Weise bewiesen worden war, daß der Sozialismus in den Herzen der ostböhmische« Arbeitsmenschen tief ver- alttcrt ist. vcr rote Tau Ostböhmcns! Geile 2 Dienstag, 13. August 1935 Nr. 18? Wieder im Vormarsch Der 19. Mar 1935 hat der sudeteirdeutschen Arbeiterbewegung den schwersten Nackenhieb versetzt, der sie seit ihren kampferfüllten Anfängen getroffen. Wie eine Dampfwalze war eine Welle des National-Fascismus über unser Grenzland hinweggegangen. Einige deutschbürgerlich« Parteien sind seither vom Erdboden verschwunden, andere wurden so arg dezimiert, daß ihr Dasein in weiten Gebieten ausgelöscht erscheint. Auch die deutsche Sozialdemokratie hat vom Kampfplatz tiefe Wunden davongetragen, die um so mehr schmerzten, als ihre Kaders in den Sturmjahren zuvor von Freund und Feind als Muster von echter Gesinnungstreue und politischer Diszipliniertheit bewundert worden sind. Henlein buchte einen über alles Erwarten großen Sieg. Mit der Eroberung von zwei Dritteln aller deutschen Stimmen und Mandate ist eine Partei dem angestrebten Totalitätsziel einen gewaltigen Schritt nähergekommen. So war es dann eine Schicksalsfrage für die anderen deutschen Parteien, ob ihre Reftbestände unter neuen Angriffen des sudetendeutschen FascismuS dahinschmelzen werden, oder ob sie Grundlage und Ausgangspunkt ihrer neuen Wiedererhebung zu sein vermögen. Diese Frage ist auch für die weitere Gestaltung der Innenpolitik von hoher Bedeutung, denn die Sudetendeutsche Partei legte nach ihrem Siege alles darauf an, auch in Prag als Wortführerin und Sachwalterin des gesamten Sudetendeutschtums anerkannt zu werden. Für unseren Teil ist diese Frage nun eindeutig beantwortet. Die sudetendeutsche Arbeiterbewegung hat sich keinen Augenblick innerlich geschlagen gegeben. Nun lag es an ihr, auch nach außenhin den Beweis ihrer unzerstörbaren Lebenskraft abzulegen. Dieser Beweis ist durchschlagend erbracht worden bei den wuchtigen Aufmärschen in D u x, in B o- denbach, in Reichenberg, in Brau- Nau. Da nun die Berichte von diesen Kundgebungen vorliegen, darf ohne Selbstüberhebung gesagt werden: es wird in der politischen Geschichte wenig Beispiele einer so stolzen Wiederaufrichtung einer vom Mißgeschick eines Wahlentscheids so hart getroffenen Bewegung geben. Das Märchen von der„sterbenden" Sozialdemokratie ist abgetan. Nein, diese eisernen Kaders der sudetendeutschen Arbeiterbewegung sind einfach nicht umzubringen. An der herrlichen Treue, an der grenzenlosen Aufopferung dieser Gesinnungs- und Schicksalsgemeinschaft müsien alle feindlichen Anstürme zuschanden werden. Hier steht Qualität gegen Quantität, da streitet sturmerprobte Elite gegen die bunt zusammengewürfelten Heerhaufen der JNflationShewinner bet sude- trndeutschen Not. Der Beweis ist erbracht» daß die deutsche Sozialdemokratie als Partei und Organisation nicht nur völlig intakt geblieben ist, sondern ihre historische Funktion alS stärkste Gegenkraft des sudetendeutschen FascismuS auch auSzu- üben vermag. War Dux hochbedeutsam als offenes Bekenntnis und Treugelöbnis der sozialistischen Jugend zur Partei, so ist in politischer Hinsicht der unerwartet große Erfolg des Reichenberger Arbeitertages nicht hoch genug anzuschlagen. Doppelt ist in Nordböhmen die deutsch» Arbeiterbewegung heimgesucht worden durch eineinhalb Jahrzehnte erbitterten Bruderkampfes und durch die Hochflut des Nationalismus. Die Kommunisten waren es, die entgegen ihrer heutigen Einheits- sronttaktik unsere Organisationen im Reichenberger GÄiet nicht oft genug als bedeutungslose Tischgesellschaften von Krankenkaffen- und Gewerkschaftsangestellten verhöhnen konnten. Wir wollen nicht alte Wunden aufreißen, doch wenn in dieser gefahrvollen Feit kommunistische Arbeiter von ehrlicher Sehnsucht erfüllt sind, sich unseren Aufmärschen anschließen zu dürfen, so liegt darin eine historische Rechtfertigung des Widerstandes,, den wir allen kommunistischen Anstürmen entgegengesetzt haben. Hätte sich die deutsche Sozialdemokratie nicht behauptet in schwierigstem Fweifrontenkampf und hätte sie nicht im Bunde mit der tschechischen Bruderpartei entscheidend zur Rettung der Demokratie in diesem Lande beigetragen, dann kämen die neuen und hoffentlich auch ehrlich gemeinten Erkenntniffe des Kongrcffes der Komintern längst zu spät. Unter den großen Leistungen des vergangenen Sonntags ist auch der Tag des roten Aufbruches in Braunau zu nennen. Das Braunauer Ländchen ragt als eine ostböhmische Enklave in das Dritte Reich hinein. Seit Jahr und Tag liegt es unter dem unerhörten Druck der braunen Propagandamethoden, denen auch das deutsche Bürgertum fast ausnahmslos erlegen ist. Aber Druck erzeugt Gegendruck. Gerade die Sozialdemokraten des Braunauer Ländchens gehören zu den militantesten Kerntruppen der Partei. So ist auch der„Tag des roten Aufbruchs" zum Ausdruck ihres Trotzes und ihrer unbesieglichen Kraft ge- Ivorden. Die roten Proleten der angrenzenden ostböhmischen Bezirke beispiellos leidend unter der Krise, entsandten trotz alledem mächtige Heerhaufen in die Metropole der ostböhmischen Henlein- spießer. Rote Jugend, rote Turner und klaffen- In manchen sudetendeutschen Henleinzeitun- gen wird in der letzten Feit Klage darüber geführt, daß trotz aller Bemühungen und Zusagen die aus Deutschland kommenden Reisenden nur 10 Mark über die Grenze nehmen dürfen. Mit diesem geringen Betrag kann man natürlich im Ausland keine großen Sprünge machen. Die starke Schädigung des tschechoslowaki- sen Fremdenverkehrs durch diese bezeichnende Maßnahme Hitler-Deutschlands liegt auf der Hand. Die auf den Fremdenverkehr seit jeher angewiesenen Grenzgebiete gegen Deutschland haben am 19. und 26. Mai vielfach mit größer Mehrheit die Henleins in der Hoffnung gewählt, daß deren Blutsverwandtschaft mit den Braunen eine günstige Wendung der miserablen Geschäftslage herbeiführen werde, d. h. der Fremdenverkehr durch Erleichterung der Devisenbestimmungen seitens Deutschlands sich wesentlich heben werde. In dieser Erwartung haben z. B. in dem bekannten Ausflugsort Herrnskretschen a. E. 90 Prozent der Bevölkerung für Henlein gestimmt. Aber es waralles für die Katz! Hitler- Deutschland droffelt nach wie vor bewußt den Fremdenverkehr, von dem tausende deutscher „Volksgenoffen", respektive„Volksgemeinschaft- ler", leben wollen. Alles wird in Deutschland angewendet, um den reisenden Staatsbürgern den Uebertritt in die bewußte Arbeiterfrauen waren wie bei allen anderen Aufmärschen auch in Braunau stattlich vertreten, die Frauen in besonders großer und erfreulicher Fahl. Abordnungen der tschechischen Partei- und Turnbelvegung waren aus Nachod, Hronov und Königgrätz gekommen, um den deutschen Republikanern im Grenzgebiet ihre Solidarität zu bekunden. Auch einige hundert kommunistischer Arbeiter schloffen sich dem Festzuge an, ohne daß das neidvoll zuschauende Bürgertum Anlaß gefunden hätte, sich über die geringste Störung zu freuen. Es sind wahrlich Tage eines roten Aufbruches gewesen, die Braunau am Samstag und Sonntag erlebte. Bodenbach, die Jndustriemetropole am Ekbetor, hat seinen alten Ruhm als Hochsitz der nordböhmischen Arbeiterbewegung wieder neu befestigt durch eine internationale Grenzlandkund- gebung der Eisenbahner, die durch die Maffenbe- teiligung der einheimischen Arbeiterschaft zu einer imposanten Heerschau des Sozialismus wurde. Bor den Toren des Dritten Reiches legten zwan- zigtausend Menschen ein Bekenntnis zur Freiheit ab, die wir uns, brüderlich verbunden, bewahren wollen, bis sie in den Nachbarländern wieder aufersteht. In Bodenbach kam neben Reichenberg und Braunau am stärksten, zum Ausdruck, daß die Kampfgemeinschaft der tschechischen und deutschen Sozialisten eine feste Brücke zwischen unseren zwei Landesvölkern ist, die auch die stärkste Belastung der nationalsozialistischen Auspeitschung der Massen auszuhalten vermag. Das waren Tage des neuen Vormarsches nach einer verlorenen Schlacht, das war ein Aufbruch zu neuem Siegen. Denn die Parole, die von diesen Kundgebungen unserer eisernen Kaders ausgegangen ist, sie wird ihren Weg durch das ganze sudctendeutsche Grenzland nehmen: Wir sind die Minderheit von heute, wir wollen die Mehrheit von morgen sein! Tschechoslowakei zu verekeln. Fu den Devisenschikanen kommen andere bis zu mehr oder weniger versteckten Drohungen an die Reiselustigen,' die unter dem früheren System alljährlich gern ins„Böhmische" reisten. Daß sogar derRund- funkin den Dienst der Gegenpropaganda gestellt wird, bewies der„Deutschlandsettder" am Samstag, dem 10. d. M., abends 20 Uhr. Unter seinen Nachrichten des„Drahtlosen Dienstes" befand sich eine ganz ausgewachsene Warnung an jene Hörer, welche die Tschechoslowakei besuchen wollen. Rn sehr durchsichtiger Weise wurde behauptet, daß den in die Tschechoslowakei reisenden deutschen Staatsbürgern die Gefahr drohe, monate- lang eingesperrt zu werden, wenn sie gewiffe Objekte photographierten, den Hitlergruß anwendetcn oder mit(politisch) verdächtigen Personen sprechen würden. Nun fällt natürlich den wirklichen reichsdeutschen Touri st en nicht im Traume ein, sich in der Tschechoslowakei unbeliebt zu machen. Die meisten sind todfroh, einmal aus dem Nazitrubel auf kurze Feit herauszukommen. Wer photographiert und spioniert, das sind ganz andere Elemente. Daß dies hierzulande in ausreichendem Maße geschieht, ist wahrlich nichts neues und gerichtsordnungsmäßig längst bewiesen. Ebenso ist uns sehr wohlbekannt, daß die Photographien der führenden Sozialdemokraten und Kommuni st en aus dem tschechoslowakischen Grenzgebiet drüben ist Deutschland in den— Vertehrsalbums prangen! Unter solchen Umständen ist die korrekte Haltung der Tschechoslowakei, die ungehindert zehntausende ihrer Staatsbürger über die reichsdeutsche Grenze läßt(mit je 1000 Xäl) für die Henlein- blätter ein Vorwand für Vorstellungen an Deutschland. Sie verweisen darauf, daß viele Extrazüge(von Reichenberg, Tetschen und Bodenbach usw.) nach Deütschland geleitet werden, daß bei dem großen Schießen in Neu-Gersdorf in Sachsen jüngst mehr Tschechoslowaken wie Reichsdeutsch« anwesend waren, daß viel mehr tschechoslowakische AutoS in Deutschland zu finden sind wie reichsdeutsche bei uns usw. Aber auch diese sanften Rippenstöße der Hen« leinpreffe verfängt bei den braunen Machthabern absolut nicht. DaS ablehnende Verhalten der reichsdeutschen Follbehörden, einschließlich der Reichssendeleitung beweist dies schlagend. So ist die unsere deutsche Grenzbevölkerung, die ihre Hoffnung ganz und gar auf Henlein baute, um diese gründlich getrogen worden. Oder glaubt man etwa, Herr Konrad Henlein werde auf seiner Europa-Erholungsreise demnächst bei Hitler „Ordnung" machen? Aber Hoffen und Harren macht die Menschen zu— Narren... Helmatfront— nicht der einzige Repräsentant der Deutschen Urteil der»Lldovi Noviny« Die„Lidove Noviny" schreiben über unsere sonntägigen Kundgebungen: Im böhmischen Grenzgebiet haben beide sozialdemokratischen. Parteien und-ihre Gewerk- I schaftsorganisationen drei große Kundgebungen sveranstaltet. Ihre Bedeutung geht weit über den Parteirahmen hinaus. In Bodenbach und Tetschen» in Reichenberg und Braunau hat die große Teilnahme der Deutschen an den Umzügen und Kundgebungen bezeugt, daß der demokratische republikanische Gedanke auch unter ihnen genug treue Anhänger hat. Und die begeisterte Zustimmung. bei jeder Erwähnung der Demokratie in der CSR und des Präsidenten Masaryk war der beste Beweis, daß die Heimatfront nicht der einzige Repräsentant unserer Deutschen ist. Die Kundgebungen haben so die deutschen Demokraten im Kamps gegen die uridemokratischen Bestrebungen gestärkt und haben zur Propaganda des Staatsgedankens im Grenzgebiete Böhmens beigetragen. Die deutsche Sozialdemokratie, welche heute das Rückgrat der Demo- k r a t i e unter unseren Deutschen ist, hat sich anscheinend von der ersten Erschütterung nach dem überraschenden ErfolgHenleins in denWahlen erholt. Der Verlust unsicherer Konjunkturanhänger wurde ausgeglichen durch erhöhte Entschlossenheit in einem Kampf, welchen die deutschen Sozialdemokraten allerdings vor allem allein durchkämpfen müssen. Die Henlein-Leute agitierte» überall eifrig, daß durch Nichtteilnahme der Bevölkerung die Bedeutung der Kundgebungen verwischt werde, die Zahl der Teilnehmer war die beste Antwort auf die Agitation, welche sehr tadelnswerte Mittel anwendet— besonders unter den Arbeitern. Vie„Zukunft“ des„Stahlhelm“... Berlin.(DNB.) Reichskanzler Hitlek empfing den Bundesführer des Stahlhelms- Reichsminister Seldte, zu einer Besprechung über die Zukunft des Stahlhelms. Enttäuschte Hoffnungen der Hcnldnwählcr Hltlerdeutsdiland drosselt nadi wie ror den Fremdenverkehr 2 Die Legende von Florus, Agrippa und Menahem, dem Sohne Jehudas Von Wladimir Korolenko■■ Aus dem Russischen von Nina Stein Cestius stand auf erhöhtem Platze inmitten dex Menge, die flehend die Arme zu ihm emporstreckte, und sann nach. Er war ein rauher Krieger und fürchtete nicht den Tod, doch den Zorn seiner Gebieter scheute er. Sein Herz schlug nicht schneller im Schlachtengetümmel, aber es erbebte vor einem ungnädigen Blick des Cäsaren. So sind die Herzen jener, die der Gewaltherrschaft dienen. Cestius überlegte: wenn ich sie in Schutz nehme, so kann ich in Neros Ungnade fallen, denn Florus ist mächtig am Hofe, und Nero hat seit langem die Wahrheit vergassen. Wenn ich sie nicht in Schutz nehme, so wird ihre Geduld schließlich reißen, und das Volk wird sich erheben. Dann wird es ein Blutvergießen geben, und ich werde meine Legionen gegen sie führen müssen. Das ist schon besser. Legionen sind dazu da, um zu kämpfen und zu siegen. Und während er dies dachte, reckte das Volk flehend seine Arme. Neben ihm stand Florus und machte sich lustig über die Tränen und die Hoffnungen der Juden. Er wußte, daß sie keine Gerechtigkeit finden würden. Nachdem Cestius ihnen Schweigen geboten hatte, tröstete er sie heuchlerisch, indem er ihnen sagte, daß Florus selber die Absicht habe, Milde walten zu lasten. Heber die Gerechtigkeit jedoch ließ er kein Wort verlauten. Er fuhr ab, und Florus begleitete ihn bis Cäsarea zum Zeichen seiner Gunst für den Fürsten, der auf seiner Seite stand. Danach schickte er seine Krieger nach Jerusalem mit dem Befehl, 17 Talente*) aus dem Tempelschah zu nehmen. Das war die Gnade des Gewalttäters. Unter den Römern gab es einen gewissen Aulus Catull, den Führer einer Tausendschaft. Es war ein alter Krieger, der sich noch der Zeiten des Kampfes und der Taten rauher, aber vernünftiger Führer entsann. Als er Florus' Absichten durchschaute, erhob er seine Stimme im Angesicht der Legionen und sagte:, „Gessius Florus, erinnerst du dich noch, weshalb du in dieses Land geschickt worden bist? Um das Volk zu bedrängen und dir unermeßliche Reichtümer zusammenzuraffen oder um durch eine weise Regierung die Einheit des Imperiums zu stützen? Wenn sich das unterdrückte Volk erheben wird, wenn andre ihm folgen werden, welche Antwort wirst, du dem Senat dann geben?" Doch Florus, trunken von dem Bewußtsein seiner Macht und voller Verachtung für die Juden, lachte nur über die Worte des Aulus Catull und sagte: «Ich kenne die Juden. Wird dieses feige Volk es wagen, sich gegen uns, die tapferen Römer zu erheben? Oh nein, die Macht Roms werden sie nicht ins Wanken bringen, aber wir Tapferen werden leicht zu einer guten Beute kommen. Dir Juden sind feig und uneinig. Wenn sie sich selbst erheben werden, so bietet sich uns, nach leichtem Sieg, um so mehr die Möglichkeit zu Eigennutz Eigennutz ist das Recht der Tapferen, das Los der Demütigen dagegen ist die Arbeit für andere... Du, Catull, bist kleinmütig und deshalb nicht würdig, Männer zu befehlen. Du wirst dich unter die einfachen Krieger einreihen und andere werden die Legionen zum Reichtum führen." Laute Rufe ertönten in der Menge der *) Höchste Einhett für Geld. Römer. Und obwohl es unter ihnen Krieger gab. die Catull liebten und so wie er dachten, so waren ihrer doch wenige und sie wagten nicht zu widersprechen. Catull nahm" seine Rangabzeichen ab und ging in die Reihen der einfachen Soldaten. Auch in Jerusalem herrschte große Unruhe im Volk. Die Menschen, uneinig untereinander, stritten sich und lärmten. Die einen sagten: „Wie länge noch sollen wir diese Willkür und Gewalt ertragen? Es ist doch klar, wohin der Eigennutz und sein böses Herz Florus treiben! Er wird nicht ruhen, ehe er sich nicht des Heiligtums bemächtigt hat. Und wenn er es erst hat, so wird ihn das zu neuen Gewalttaten anspornen. Florus wird sich sagen: wenn dieses Volk nicht imstande war, sein Heiligtum zu schützen, was kann es dann schon für einen Widerstand leisten? Können wir das wollen? Können wir wollen, daß die beutebeladenen Legionäre nach ihrer Rückkehr in die Heimat ihren Kameraden sagen:„Geht nach Judäa. DaS Volk dort ist kleinmütig, und dem Krieger drohen keine Gefahren im Kampf. Die Juden verteidigen die Ihren nicht. Im Gegenteil, die Väter bringen demütig ihre keuschen Mädchen zum Lager des Soldaten." Die so sprachen, suchten Gefühle des Aufruhrs in dem Volk zu wecken und viele sagten: „Lieber sterben im Kampf um die Verteidigung des Heiligtums! Florus will das Schwert, möge er es haben I Wir finden keine Gerechtigkeit beim Cäsaren, so möge Gott entscheiden zwischen uns und Florus!" So dachten viele aus dem Volke. So dachten auch viele Weise unter den Gelehrten, und unter anderen auch Menahem, der Sohn Jehuda Gamaliots, der sein Blut im Kampf um die Freiheit des Vaterlandes vergossen hatte. Der Vater hinterließ seinem Sohn als Vermächtnis seine Liebe und seinen Hatz. Seine Liebe war die Liebe zur Freihe-t. sein Haß— Haß gegen die Unterdrückung. Menahem sagte gleiä seinem Vater:„Es ist unwürdig, sich vor de» Allären der römischen Cäsaren zu verneigen, den» die Cäsaren sind Menschen. Verehrung gebühlt nur Gott, dem Allmächtigen, der die Menschen fii f die Freiheit geschaffen hat." Der weise Menahem. voll Schmerz über di« Machtlosigkeit seines Volkes, vertiefte sich in da» Studium der Bücher. Aus den Gesetzcsbücher» und aus fremdländischen Werken erkannte er allcs- was in der Welt geschah, sah ein, was das Gute und das Böse war, worin die Kraft der starke» Völker bestand und woher die Schwäche der schwachen kam. Er wsehr weise, aber sein forsch«»- der Geist suchte unmer weiter unermüdlich naä der Wahrheit, strebte stets vorwärts, nie zurück. Und immer größer wurde der Ruhm Mena- hems im Volke, und selbst in fremden Länder» wurde der weise Gamaliot ein Philosoph vo» durchdringender Schärfe genannt, denn fein* Zunge zerschnitt gleich einem Schwert jeglich«* Lügenbild. In seinem Herzen hinwieder bräunst die Liebe und der Haß gleich einer hellen Flamm«, Mit mächtiger Stimme rief er die Judäer Z» den Waffen.„Erhebt euch." sagte er,«do»» wird Florus' Stunde schlagen." Doch gab es in Jerusalem auch solche, dst andrer Meinung waren. „Da doch Florus", so sagten sie,„den Krieg sucht, so müssen wir im Gegenteil unsre Geduld und unsre Demut bewahren, um nicht auch dal noch zu verlieren, waS uns noch geblieben ist." So sprachen die Priester und die Fürste» und all die. die vom Tempel lebten. So spräche» die Reichen, die ihren Reichtum zu verlieren fürchteten. Sie mengten sich unter das Volk, sie fiele» dem einfachen Mann zu Füßen und umklammerten demütig seine Knie, um ihn so zur Dem»! und zur Geduld zu bewegen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 18} Dienste-. 13. August 193'» Seite 3 Lande über ungezählte Güter Verfügt und einen Luxus.entfaltet, den nicht einmal Wilhelm jl. öffentlich zu zeigen gewagt h ä t t e. Unter der Republik hat der Finanzmini» ster dem Reichskanzler Brüning vor seiner Reise nach Genf die Entsendung eines vierten Sekre- Tokio.(Renzo.) Das japanische Kriegsministerium hat Montag vormittag ein Kommunique verlautbart, in dem im amtlichen Stil der sensationelle Ueberfall eines Armeeoffiziers auf den Direktor der Personalabteilung des Kriegsministeriums, denGeneralTetsuzanNa- g a 1 a, geschildert wird, der von seinem Angreifer mit dem Säbel so schwerverletzt wnrde, daß er seinen Brrletzungen erlag. Der Ueberfall ereignete sich Montag nm 9 Uhr 40 Minuten. Der Angreifer, der Oberlentnant im aktiven Dienste ist, wurde auf der Stelle von der Feldgendarmcrie verhaftet, die ihn nunmehr verhört. Die durch diesen in den Annalen der japanischen Armee ganz vereinzeltem Vorfall hrrvorgerufene Sensation steigert sich immehr mehr. Sämtliche japanische Blätter haben Sonderausgaben veranstaltet, in denen sie den Vorfall eingehend beschreiben. Das Blatt„Asabi" kommentiert in keiner Sonderausgabe dir unermeßliche Tragweite und Bedeutung dieser Angelegenheit. Die Motive des Ucberfalles find nicht bekannt, doch erinnern die Blätter daran, daß General Ragata, der eigentlich der administrative Chef der japanischen Armee ist, den KriegSminister Hahaschi aus allen Kräften in dessen Plane radikaler Personalverände- rungen im Offizierskorps der japanischen Armee unterstützte, welche Arbeit er Ende Juli d. I. begann und deren Ziel es war, die Kontrolle der Armee zu vereinheitlichen und eine schärfere Disziplin durchzusetzen. Die Blätter schreiben, daß Kriegsminister Hayaschi wahrscheinlich seine Demission einreichen werde, da er sich für diesen alarmierenden Zwischenfall für verantwortlich hält. Gut informierte Kreise behaupten aber, daß es wahrscheinlich gelingen werde, den Kriegsminister znm Widerrufe seines eventuellen Rücktrittes zu überreden, da es wahrscheinlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu einer Krise des Gesamtkadinettes kommen könnte. Allgemein hält man dafür, daß dieses Attentat die Stellung des Krieg-Ministers Hayaschi«och stärken. * Die Bedeutung de? blutigen Zwischenfalls im japanischen Kriegsministerium reicht doch weit über einen persönlichen Zwist der zloei Offiziere hinaus. Wie schon die aufgeregten Pressekommentare beweisen, handelt es sich um den A u s b r u ch eines schweren und tiefen Gegensatzes in der japanischen Armee. Gegen die von tärs abgeschlagen, mit der Begründung, die Reisekosten seien zu hoch, um die Reise des möglicherweise überflüssigen Mitarbeiters zu rechtfertigen. Heute reisen die Minister Hitlers im Flugzeug durch ganz Europa, und ihr Gefolge ist so groß, daß ein Verkehrsflugzeug niemals zum Transport ausreicht I Ragata repräsentierten Tendenzen setzten sich zahlreiche Offiziere zur Wehr. Angeblich soll das Ministerium auch bei den Aktionen in China gebremst haben, während die jüngeren Offiziere den nationalistischen Imperialismus ohne Rücksicht auf kriegerische Folgen Vorwärtstreiben wollen. Es steht hier, ähnlich wie in allen Ländern mit starker sozialer Krise und werdenden fascistischen Bewegungen, die alte Wehrmacht gegen die s u n g f a s c i st i s ch e n Tendenzen. Während die Generalität die Armee in der Hand behalten und als Waffe der Monarchie von Gottes Gnaden handhaben will, paart sich bei den jungen Offizieren Nationalismus und Militarismus aufs engste mit gewissen rebellischen Strömungen. Es ist kein Zweifel, daß die japanische Regierung eben mit stärkstem Druck gegen eine neue staatsrechtliche Lehre, die»Organ-Theorie" vorgegangen ist, die dem Kaisertum seinen göttlichen Charakter abspricht und es als»Organ des Staates" anspricht. Die sozialökonomischcn Umschichtungen Japans im letzten Halbjahrhundert, das fieberhafte Tempo seiner Entwicklung seit dem Weltkrieg finden ihren moralischen und geistigen Niederschlag in Politik und Armee. Der Totschlag im Kriegsministerium zeigt, dass die Stimmung zum Reisten gespannt ist. Insofern ist er ein beachtenswertes Symptom. Paris. Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in Addis Abeba hat sich an den Negus mit der Frage gewandt, ob Abessinien geneigt fein würde, gebietsmäßige Zugeständnisse zu machen im Austausch für eine finanzielle Hilfe, die das Werk der Zivilisation und der Wirtschafts, förderung Abessiniens beschleunigen würde. Der Negus erwiderte u. a.: an der Unabhängigkeit unseres Landes darf nicht gerührt werden. Meine Regierung hat immer Anleihen zur Beschleunigung des-zivilisatorischen Werkes gewünscht; eines der Drittel, daS zur Wirtschaftsfördcrimg Abessiniens beitragen könnte, wäre die Gewinnung Rutte in Toulon Blutiges Nachspiel der Kämpfe Eine Gruppe von jungen Leuten geriet Samstag abends mit zwei Unteroffizieren in Streit. Einer derselben, der in den Letzten Tagen eine Militärabteilung befehligte, die den Ausruhr unterdrückte, gab einen Schutz auf einen der Leute ab, der seinen Verletzungen heute früh erlag. Der Untersuchungsrichter ließ den Unteroffizier, der erklärte, datz er in Selbstwehr ge-. handelt habe, verhaften. Im Krankenhaus ist heute früh ein weiterer Arbeiter, der bei den Unruhen am vergangenen Donnerstag verwundet wurde, seinen Verletzungen erlegen. Sonntag nachmittag fand unter der Beteiligung von ca. 20.000 Personen das Begräbnis der zwei bei den donnerstägigen Demonstrationen getöteten Arbeiter statt. Die Führer der Gewerkschaftsvereinigungen hatten einen Aufruf zur Aufrechterhaltung der Ruhe erlassen.'Die Blassen gingen nach dem Begräbnis in voller Ruhe auseinander. Die wichtigen staatlichen und öffentlichen Gebäude in Toulon werden auch weiterhin von der berittenen Garde und von Kolonialtruppen bewacht. Russische Offiziere bei den Manövern Prag.(TNO.) An dm hrurigm Schluß- übungm der tschechoslowakischen Armee werdm bei der 1. Manövergrupp« die jugoslawische, die rumänische und die sowjetrussische Militärdelegation, vertreten durch die Kommandanten der Kriegs- schulen dieser Staaten, tcilnehmru. Die Sowjetdelegation wird ziffernmäßig stärker und aus mehreren hohen militärischen Würdenträgern zusammmgesetzt sein. Außer der Teilnahme an den Schlußiibnngen werden dir ausländischen Militärs auch einige bedeutende militärische und zivile Unternehmen und Fabriken besichtigen. einesHafenS. Wenn wir diese beiden Bcstre. buiigcn verwirklichen könnten» würden wir gegen die Abtretung eines Teiles der ProvinzOgaden nichts einzuwendm haben. Auf die weitere Frage,»selche Hoffnungen er auf die Pariser Konferenz und dm Zusammentritt des Völkerbundratrs vom 4. September setze, erwiderte der Negus:„Die Pariser Konferenz wird von dem Grundsatz des Vertrages von 1906 ausgehen, an dem wir nicht beteiligt sind. Aber wir hoffen, daß die Mächte auf der Pariser Konferenz Abessinien schützen werden." Ein japanischer General von seinem Adjutanten niedergestochen Totschlag mit hochpolitischem Hintergrund Eine Provinz für einen Hofen Der Negus wünscht ein Kompromiß Die wahren Feinde des Httlerresimes Im„Journal des DÄbat?" beschäftigt sich ^der Berichterstatter des Blattes in Deutschland mit den Schwierigkeiten des nationalsozialistischen Regimes. Er stellt zunächst fest, wie*schwer es ist, sich im Dritten Reich zu informieren, vor allem in Berlin. Er habe seine Informationen sorgfältig in der Provinz gesammelt. Dann erklärt der Journalist, warum der Widerstand des „Stahlhelms" und der der Katholiken zwar vorhanden, aber zur Ohnmacht verurtellt sei. Der wahre Feind sitze anderswo: »Wenn sich daher unserer Meinung die gefährlichsten Feinde des nationalsozialistischen Me« gimes weder in den Kasernen der irregulären Armee noch in den katholischen Kirchen befinden, so zählen die Feinde in denFabriken nach Millionen. Der Arbeiter ist enttäuscht und unzufrieden. Entgegen allen von der nationalsozialistischen Partei immer wieder abgegebenen Versprechungen sind die Löhne gekürzt worden, das Leben ist teurer geworden, eine unter der Republik unbekannte Günstlingswirtschaft verschafft Vorteile und große Einkünfte lediglich den Bewunderern der Hitlerpolitik. Zur Zeit, da Ebert Reichspräsident war, verdiente der Arbeiter unter der Weimarer Republik in zwei bis drei Tagm, was er heute unter dem Hakmkreuz knapp in einer Woche verdimt. Die Zahl der Arbeitslosen ist zweifellos zurückgegangen. Aber gewisse Deutsche waren der naiven Meinung, der„Führer" habe eine geniale Methode entdeckt, deren Anwendung genügen würde, um Millionen von Arbeitslosen, die die Wirtschaftskrise brotlos gemacht hatte, wieder in den normalen Arbeitsgang einzuschalten. In Wirklichkeit bestand diese Methode in der Aufrüstung. Der deutsche Arbeiter war zu intelligent, um die Gefährlichkeit eines solchen Systems nicht zu erkennen. Er weitz sehr gut, datz diese unproduktive Arbeit Deutschland früher oder später an den Rand des Abgrunds bringen mutz. Er ist der Meinung, datz Aufrüsten keine Lösung des Arbeitslosenproblems ist. Er ist sich Kar darüber, datz, wenn Deutschland noch einige Monate oder sogar noch einige Jahre Geschütze, Munition, Stahlhelme und Uniformen fabriziert, der Arbeiter sich ihrer früher oder später wird bedienen müssen: das heitzt, datz der Arbeiter wird die Fabrik verlassen müssen, um in de.y Schützengraben zu gehen. Und daher sind sie unruhig und enttäuscht. Fügen wir noch hinzu, datz der Anblick des nationalsozialisti-, scheu Staates nicht dazu angetan ist, die Arbeiter zufriedenzustellen. Früher haben die Hitlerredner, als sie noch in der Opposition waren, sich nicht genug tun können, den Luxus der sozialdemokratischen Bonzen zu geißeln, die sich in ihren Aemtern .Marmorschränke zur Kühlhaltung ihrer Zigarren erbauen ließen; diese Phantasien wären noch billig gewesenem Vergleich zu den verschwenderischen Ausgaben der Minister des Herrn Adolf Hitler und der nationalsozialistischen Würdenträger, zum Prunke eines Göring, der als Preußischer Ministerpräsident in Berlin über vier Palais, auf dem Polttische Romane Langhoffs und Bredels Bücher sind eher Berichte als Romane, wenn auch Bredels Buch den llntertttel trägt:„Roman aus einem Konzentrationslager". Romanhaft frellich ist die Handlung '— ach, im wildesten Schauerroman hätte man vor zweieinhalb Jahren nicht Szenen schildern dürfen, deren Erzählung jetzt doch nie ganz der grauenvollen Wirklichkeit gerecht wird! Der Wirklichkeit der deutschen Konzentrationslager, der Wirklichkeit nationalsozialistischer Heldentaten an wehrlosen polittschen Gegnern. Nach Gerhard Segers streng sachlicher und gerade durch die Beschränkung auf unausgeschmückte Wiedergabe eigener Erlebnisse und eigener Erfahrungen so stark wirkender Schrift „Oranienburg"(Verlagsanstalt Graphia, Karlsbad), und dem Sammelband.ganzen- tzationslager"(Verlagsanstalt Graphia),, sind nun drei wettere Bücher erschienen, die Schicksale Gefangener in deutschen Konzentrattonslagern schildern- Man ist der Greuelberichte müde? Es kann nicht oft genug, nicht eindringlch genug erzählt werden, was in Hitler-Deutschland geschieht I Jedes neue Buch ein neues.Kultur"-Dokument I Das wichttgste dieser Bucher ist das von Wolfgang Langhoff:„D i.e M o o r- foldaten".(Schweizer Spiegel-Verlag, Zürich.) Langhoff war Schauspieler in Düsseldorf, nie politisch tätig, aber er hatte in Arbeiterveranstaltungen vorgetragen. Gedichte vor Arbeitern sprechen— das konnte nicht ungeahndet bleiben.' Langhoff wurde verhaftet, nach langer Haft und schrecklicher Mißhandlung wurde er ins Konzentrationslager Börgermoor gebracht. Die. Erlebnisse in diesem Lager bilden den Großteil seiner Erzählungen. Langhoff schrieb ohne schriftstellerischem Ehrgeiz, sein Buch sollte kein Kunstwerk sein, er mußte es schreiben weil er die Wahrheit sagen mußte. Weil er so wahrheitsgetreu erzählt, wirkt das Buch so ungemein stark, so erschütternd. Auch dann, wenn er nicht von Mißhandlungen erzählt, auch dann, wenn er von kleinen Vergnügungen berichtet» die hie und da doch uwglich waren, wie der Zirkus„Konzentrazani, — auch dann, wenn er nicht von grausamen SA- und SS-Leuten erzählt, sondern von ihren„menschlicheren" Seiten. Denn auch das ist erschütternd. daß Menschen die Mißhandlungen, die sie mit ansehen müssen, mißbilligen— und doch an die national sozialistische Revolutton glauben! Im allgemeinen— es ist nicht anders möglich— kommen die„Soldaten der nationalen Revolution" schlecht weg: Landsknechte. Ihre Vergnügungen: Saufen, Saufen, Roheiten, Brutalitäten. Langhoff hat. in Börgermoor auch die dort eingelieferten Sozialdemokraten Ebert, den Sohn des Reichspräsidenten, H e i l m a n n, den früheren hessischen Innenminister Leuschner und den Reichstagsabgeordneten Dr. Mierendorff kennen gelernt. Er berichtet von sehr tapferer, kameradschaftlicher Haltung Eberts, weiß gleiches auch von Leuschner und Mierendorff zu berichten— nur auf Heilmann ist er weniger gut zu sprechen. Aber Heilmann, der arg mißhandelt und schließlich angeschossen wurde, war ein Mensch mit schwächeren Nerven. Im allgemeinen kann wohl gesagt werden, daß sich Gefangene aller Richtungen gleich gut und gleich schlecht bewährten, daß sich in Börgermoor unter den Gefangenen schöne Solidarität entwickelte und das, was die Nazis als den Zweck der Gefangenhaltung in den Lagern angeben, die„politische Erziehung", die Gewinnung„Verführter" für den nationalsozialistischen Staat, in keinem Falle erreicht wurde. Das zeigen auch die beiden anderen noch zu nennenden Bücher. Die Konzentrationslager konnten Menschen zerbrechen, vernichten, sie haben niemanden für den Nationalsozialismus gewonnen.— Ungemein bezeichnend ist, was Langhoff über eine Revolte der Bewachungsmannschaft zu erzählen weiß. Sie sollte abgelöst werden und wollte sich nicht ablösen, nicht kaltstellen lassen. Sie suchten Verbindung mit den Gefangenen, durchwegs politisch geschulter als ihre Aufseher, lehnten ab— und es kam, wie es ihre Kenntnis des Wesens der Hitler'schen Landsknechte ihnen vorauSgesagt hatte: die Rebellen unterwarfen sich bedingungslos.— Langhoff wurde nach dreizehnmonatiger Haft entlassen. Was nun? Er bekam nirgends eine Stelle, bekam keine Unterstützung, aber auch keinen Paß, um ins Ausland gehen zu können. So blieb ihm kein anderer Weg als der der Flucht inS Ausland. Auch Willi Bredel, dessen Buch„DiePrü- f u n g" im Malik-Verlag erschienen ist(Preis geb. 43 KL, kart. 30 KL), war, verhaftet am Tuge nach dem Reichstagsbrand, dreizehn Monate im KonzenftationSlager. Sein Buch ist in der Form I glatter, Bredel ist fchreibgeübter. So wie Langhoffs Buch, erschüttert es durch die erzählten Tatsachen: diese Freude der SA an gemeinem Sprechen, an Schweinigeleien, ihre Freude an Grausamkeiten, diese ausgetüstelten Systeme von Mißhandlungen — eS ist das gleiche Bild, das alle Berichte, das alle diese Bücher bieten. Bredel war bemüht, auch die Hitler-Leute zu verstehen, ihr Wesen zu erfassen. Gerade weil er nicht schwarz-weiß zeichnet, wird das Grauen vor ihnen umso stärker. Aber: Bredel ist Kommunist! Und daS bestimmt die Tönung seines Buches. Jq, die Gestalt des sozialdemokratischen Redakteurs Dr. Kolltwitz, der von der SA so lange gemartert wird, bis er aus dieser Tortur in den Freitod flieht, dieser Dr. Kolltwitz, der in so inniger Lieb« an seiner Frau hängt, die ihm die rührendsten Liebesbriefe schickt, ist eine ergreifende, sehr plastisch und gewiß mit starkem Mitgefühl gezeichnete Gestalt. Aber— im allgemeinen ist's bei Bredel doch so, datz di« Kommunisten tapferer sind, ja, und datz sie natürlich den Sozialdemokraten auch geisttg überlegen sind. Und das wirkt nur noch als handgreifliche, agitatorische Tendenz. Karl Billingers Roman„S chutz- häftling Rr. 88 0"(Edittons du Carrefour, Paris Vl., 88, Boulevard du Monparnaffe) gleicht in der Darstellung der Lagerverhältniffe den beiden anderen Büchern, weiß aber auch viel von der Korruption unter der SA zu erzählen. Er schildert den Weg eines Kommunisten von der Verhaftung über die bekannte Ouälereistatton Columbia- Haus und das Konzentrationslager zur Freilassung und dem Untertauchen in der Illegalität. Viele bemerkenswerte Einzelheiten. Die Parteimißstimmung gegen die Sozialdemokraten ist noch deutlicher als in Bredels Buch. Fehler gemacht haben von allem Anfang an nur die Sozialdemokraten, die Kommunisten niemals! Ein sehr frisches, sehr interessantes Buch ist der Roman„Söldner und Soldat" von Bodo U h s e, der gleichfalls im Verlag Carrefour in Paris erschien. In WirKichkeit auch kern Roman, sondern die Lebensgeschichte eines jungen Deuffchen der Nachkriegszeü, der früh in die Freikorpsbewegung gerät, das Leben in diesen militaristischen Bünden sehr anschaulich schildert, die Kämpfe, gegen die Arbeiter, die innere polttische Unklarheit. dann den Weg deS jungen Mannes zu den Nationalsozialisten, zu deren linken Flügel er zählt und als dessen Vertreter er Redakteur eines Keinen nationalsozialistischen Blattes in Itzehoe, einer Stadt in Schleswig-Holstein, wird. Uhse lernt viele nationalsozialistische Führer kennen und den Kliquenstreit in ihren Reihen,— er macht die Auflehnung der holsteinischen Bauern mit, blutige Zu- saunnensröße mit Arbeitern, lernt den großen„Führer" aus der Nähe kennen— und weil er an den unklaren, aber sehr radikal betonten Scheinsozialismus der Bewegung geglaubt hatte, mußte er schließlich enttäuscht werden und nach links abwandern. Das Buch ist deswegen so interessant, weil es tiefe Einblicke in die verschiedenen Richtungen deS deutschen Nationalismus der Nachkriegszeit bietet, alle Phasen seiner Entwicklung miterleben läßt, uns manchen führenden Mann— manchen auch der zu den von der fascistischen Feme ausgelöschten!•— kennen lernen läßt: den Dr. Bell. Gregor Sttasser, Otto Straffer, viele andere. Und weil es beffer, eindringlicher, klarer als wissenschaftliche Untersuchungen die entwurzelte, so leicht Beute des radikalen Nationalismus werdende Jugend Deutschlands zeigt! Leider kann man von AnnaSeghers' Roman„Der Weg durch denFebruar" (Edittons du Carrefour, Paris) nur sagen, daß er schlecht ist, sehr schlecht, weil ihn nicht die Dichterin SegherS geschrieben Hai, sondern die Kommunistin, die eine in Romanform gekleidete Agita- ttonsschrift geliefert hat. Linientreue und eine kurze Reise durch Oesterreich genüg«» eben nicht, einen österreichischen Revolutioasroman zu schaffen. Nirgends ist eS SegherS gelungen, die österreichische Atmosphäre zu erfassen. Wo sie versucht, die Arbeiter mundartnahe sprechen zu lassen, mißlingt der Versuch kläglich.„Verstatten, Herr Doktor", läßt sie einen Wiener Arbeiter sprechen.„Verstatten" ist durchaus unwienerisch. Hie und da eine gut erzählte Episode, das ist alles. Die aufdringliche Art, in der sie immer wieder Kommunisten als die Klügeren, Tatkräfttgeren, Revolutionäreren erscheinen läßt, wirkt tnnso peinlicher, als die Kommunisten in Oesterreich vor dem Februar und während der blu- ttgen Februarkämpfe absolut bedeutungslos waren, nirgends, an keinem Orte und in keinem Falle, eine Roll« spielten. Anna SegherS, die doch einen guten Namen zu wahren hat, hätte einen so leichfferttg konstruierten Roman nicht schreiben dürfen! rite 4 Dienstag, IS. August 1835 Nr. 187 Autobus rast i« eine Legionärsabtellung Bier Todesopfer, zahlreiche Schwerverletzte JagestmügLeiten- Schlechte Reklame für die Tschechoslowakei! Immer häufiger dringen in letzter Zeit in die Oeffentlichkeit Beschwerden über Unlie- bc ns Würdigkeiten und mangelndes Entgegenkommen auf den tschechoslowakischen Bahnen. Leider muß man, wenn man öfters im Lande und besonders über die Grenze reist, diese Klagen bestätigen. Am vergangenen Samstag spielte sich wieder einmal in Bieclav(Lundenburg) ein sehr unangeneh- ister Fall ab. Bei der tschechoslowakischen Paßkontrolle wurde festgestellt» daß das Visum einer Dame bereits vor mehreren Tagen abgelaufen war. Es handelt sich um die in Paris lebende Gattin eines amerikanischen Staatsbürgers. Tatsächlich hatte das tschechische Konsulat in Paris den Aufenthalt in diesem Falle nur bis„28. ker- vence" im Paß selber bewilligt, zweifellos irrtümlicher Weise, da ein anderes, in Paris ausgestelltes Reisedokument der betreffenden Person bis September Gültigkeit in der Tschechoslowakei hat. Der im Zug kontrollierende Beamte machte die Reisende sofort mit einer gänzlich unangebrachten Entrüstung auf den Ablauf ihres Visums aufmerksam und wurde noch ungehaltener, als die fo unsanft Behandelte überzeugend einwendete, daß sie im guten Glauben gewesen sei, da sie tschechisch nicht verstehe. Wer in noch gröberer Form wies der Beamte diesen Einwand zurück und forderte, den beanstandeten Paß in der Hand, die Frau auf, ihm ins Büro zu folgen. Er stürmte davon, chne der Reisenden, die doch wenigstens die Obhut über ihr Gepäck einem Mitreisenden übergeben wollte, auch nur weiter anzuhören, ließ aber dann so lange auf sich warten, bis er die übrige Kontrolle im Zug durchgeführt hatte. Und oblvohl man der nervös gewordenen Frau erst zugesichert hatte, daß der Zug gewiß nicht eher wegfahren werde, als bis alle Reisenden abgefertigt seien, wäre die Reisende, die im Büro umständlich zur Nachzahlung von fünfzig Kronen verpflichtet wurde, zweifeUos in Lundenburg geblieben und hätte dem Zug, in dem sich ihr Gepäck befand, nachsehen können, wenn nicht ein Mitreisender dafür gesorgt hätte, daß die Abfertigung des Zuges ein bißchen hinausgezögert werde. Es sieht hier gar nicht zur Untersuchung, ob die ganze Angelegenheit nicht einfacher hätte erledigt werden können. Aber unstrittig ist, daß der Ton, in dem der Beamte sprach und handelte, unstatthaft und wirklich nicht geeignet ist, die Reisenden zu Schwärmern für die Tschechostc- wakei zu erziehen. Ist es denn wirklich ein Unglück für die Tschechoslowakei, wenn eine Ausländerin ihren Kuraufenthalt in Marienbad— darum handelte es sich— um ein paar Tage ver-- längert? Wäre das so verurteilenswert, selbst wenn die betreffende Perscn gewußt hätte, daß ihr Visum abgelaufen ist? Sollten wir uns nicht viel mehr mit jedem freuen, der ein paar Tage länger bei uns bleibt? Für jeden in der Tschechoslowakei Lebenden ist es peinlich, solcher Szene beizuwohnen. Leute, die nicht wußten, worum. es geht, hätten am Samstag in Lundenburg annehmen können, daß jemand bei einem Verbrechen erwischt orden seil Und noch eines: Wäre es nicht im Interesse aller gelegen, wenn unsere Konsulate in anderen Ländern solche Visa nicht nur tschechisch, sondern auch in einer Weltsprache ausstellen würden? Es scheint uns an der Zeit zu sein, daß man sich einmal an den entscheidenden Stellen mit der Frage befaßt, wie die Beamten im Verkehr zu instruieren wären, damit dieser sich mit weniger Reibungen und mit mehr internationaler Höflichkeit abspiele I Es geht bestimmt auch bei uns— ein Beispiel bieten die Schaffner, die durchaus zuvorkmnmend sind. Bon anderen Organen kann man das eben leider nicht immer behaupten. Und es ist betrüblich, wenn man dann sagen hört, die Reisenden seien froh, wenn sie beispielsweise im Ocsterreichischen angelangt sind, weil dort Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit im Verkehr herrscht. Man wird das auch bei uns lernen müssen, wenn man den Fremden die Hebung der Schätze unseres Landes zu einem Vergnügen machen will! Millionenprämie für einen Erfinder Der Ingenieur M a k h o n i n e, der ein Flugzeug mit zerlegbaren Flügeln erfunden hat, das eine Mindestgeschwindigkeit von 75 Meilen je Stunde entwickeln kann, er- hiel! für seine technische Großleistung vom französischen Luftfahrtministerium eine Prämie in Höhe von einer Milli o n Francs. Ncichenberg. Die Spaltung im Jahre 1921 schlug unserer Partei im Kreis Reichenberg die schmerzlichste, blutendste Wunde. Fast die ganze Kreisorganisation, eine der stärksten im Orga- nisationskörper, wurde damals mit Presse und Sekretariaten eine Beute der Kommunisten. Ungeheuer mühsam war dann der Wiederauf, bau der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in diesem Kreisgebiet. In der Werbung von Mann zu Mann mußten die wenigen Treuen ge- sammelt und wieder zu Organisationen vereinigt werden. Eebenso schwierig war der Neuaufbau In der Nähe von Prag, auf der Staatsstraße zwischen Stichovirr und Prag ereignete sich Sonntag abends eine furchtbare AutobuSka- tastrophe. Ganz so wie bei dem Unglück auf der Hlavka-Brücke» das npch in jüngster Erinnerung ist» fuhr der Kraftwagen in rasendem Tempo in eine marschierende Trupp«, die der Chauffeur bis zum letzten Augenblick übersehen hatte, hinein. Die Wirkungen der Katastrophe waren aber diesmal noch furchtbarer. Während es auf der Hlavka- Brücke nur e i n Todesopfer gegeben hatte» forderte die Katastrophe bei Zbraftav deren vier. In Branö n. B. fand Sonntag die feierliche Enthüllung der Gedenktafel für den russischen Legionär Fr. Z a m r a z i l aus Brane n. V. statt. Von Zbraslav aus wurde am Nachmittag ein Umzug von Legionären, Sokoln und Häuslern veranstaltet, der Zbraslav mit Musik um 13 Uhr verließ und nach 20 Uhr zurückkehrte. Unterhalb der Ueberfuhr bei Brank, wo der Umzug auf die Staatsstraße Prag—Stkchovice einbog, kam von Stkchovice ein Autobus der Gesellschaft Vladimir Neroma gefahren. Den Autobus lenkte der Chauffeur Emil P e j d l aus Slapy. Pejdl übersah den auf der Straße marschierenden Umzug, die Gefahr bemerkte er erst, als er nur noch zehn Schritte von ihm entfernt war und nun konnte er das Unglück nicht mehr verhüten. Der Autobus fuhr von Hinte» in den Zug. Drei Personen wurden hiebei getütet; ein Legionär starb während der Urberführung ins Krankenhaus. Bier Personen wurden außerdem schwer und einige leicht verletzt. Der Chauffeur wurde verhaftet. Getötet wurden EmilKorynta(Mo- dkan), Milostav V a n L ä k, Angestellter der Stromverwaltung(Zbrastav), der Briefträger Antonin B n r i a n(Zbrastav) und Bohustav P a v l i t e k. Auf die chirurgische Klinik Prof. Dr. Schlaffer im Allgemeinen Krankenhaus wurden gebracht: Der Schuhmacher Karel Kordik(Zäbehlice) der eine Gehirnerschütterung, Rißwunden an beiden Beinen, eine Freilegung der Kniegelenke und verschiedene Abschürfungen am ganzen Körper erlitt; der Maurer Karl Marek(Zbrastav) mit der Kultur-» Erziehungs- und Sportorganisationen, und die Errichtung einer unabhängigen Genossenschaftsbewegung. Im Zwei- und Dreifrontenkrieg hatten da unsere treuen Pioniere, unterstützt von der Hilfe wackerer Gewerkschafter, eiye gigantische Arbeit-zu leisten, von derem Ausmaß nur wenige Kenntnis haben und deren Schwere doppelt empfunden wurde, weil ihr ein weithin nach außen sichtbarer Erfolg versagt blieb. Den über ein großes Kreisgebiet verstreu- ten Kämpfern fehlte das beglückende, immer neue Kraft weckende Gefühl der Masse. Sie mußten Tag um Tag und Jahr um Jahr in den Dörfern des Gebirges und in den Industriezentren nur ständig Begeisterung verbrauchen und konnten nie im Massenerleben neue schöpfen. Der Kreisarbestertag am letzten Sonntag hat diesen Zustand beseitigt. Zum ersten Male nach fünfzehn Jahren des Wiederaufbaues war die Sozialdemokratie des Reichenberger Kreises zu einer gewaltigen Manifestation ihrer Kraft und ihres Mistens versammelt! Welches unauslösch- liches Erlebnis dies für die Genossen war, läßt sich nicht schildern, da muß man schon die freudestrahlenden Gesichter gesehen haben, wenn man es nachempfinden will. Da waren jene Alten und Jungen, die unentwegt zu ihrer Überzeugung standen, als man über die„sozialdemokratische Tischgesellschaft" spottete, deren Treue den Keim des neuen Vormarsches bildete, da waren aber auch so manche, die nach jahrelangem Weg in die Irre zur sozialdemokrattschen Mutterbcwegung zurückgekehrt sind und nun mtt verdoppeltein Eifer in unserer Partei für die Arbeiterklasse wirken. Da waren neben zahlreichen jungen Menschen viele Frauen, solche, die um Schundlöhne in den Textilfabriken schuften und andere, die mit ihren Familien den Qualen der Arbeitslosigkeit ausgesetzt sind. Sie alle waren beglückt und froh, daß sie einmal sich und den Gegnern, wenige Wochen nach einer schmerz- lichen Wahlniederlage, die gesammelte, ungebrochene und sich ewig erneuernde Kraft der Sozialdemokratie vor Augen führen konnten. Sie wissen es nun und die Gesamtpartei nimmt es mit Genugtuung und Dank zur Kenntnis: die blutende Wunde ist verheilt und Reichenberg ist auf dem besten Wege, den guten Namen, den es in der Arbeiterbewegung hatte, zu neuen Ehren zu führen. Einmal gerettet und doch getötet. Ein b e- sondere sPech hatte ein Mann namens Gustav Bauer, der auf der Sandhöhe bei Rum- burgdicht hintereinander von zwei Autos überfahren wurde. Während das. erste über ihn hinwegfuhr, ohne ihn auch nur im mindesten zu verletzen, wurde er vom zweiten so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Rumburger Krankenhaus starb. Der Fall liegt insofern besonders tragisch, als Bauer, im Begriff, sich nach dem erste» Unfall unverletzt zu echeben einer Rißwunde am Kopfe, Gehirnerschütterung und verschiedenen Wschürfungen; der Postange- stellte Franz Lazniäka(Zbrastav) mit Gehirnerschütterung, Ritzwunden im Gesicht«, Quetschungen an beide» Beinen; der Postunterbeamte Wenzel Talafous(Zbrastav) mit Quetschungen pnd Wschürfungen im Gesichte und einigen Rippenbrüchen. Auto gegen D-Zug Walldorf. Ein Autounglück ereignete sich Sonntag nachts am Bahnübergang St. Ilgen— Walldorf. Ein mit vier Personen— jungen Leuten aus Walldorf und St. Ilgen— besetzter Kraftwagen kreuzte gegen halb elf Uhr den Bahnübergang. Im gleichen Augenblick näherte sich der Schnellzug D 194 Heidelberg—Karlsruhe. Der Kraftwagen wurde von der Zugsmaschine von hinten erfaßt und vollständig zertrümmert. Sämtliche Insassen des Kraftwagens wurden auf der Stelle getötet. Autounfall des jungen Horthy Budapest. Ein Privatauto, in' dem der Direktor der Englisch-Ungarischen Bank Nikolaus H o r t h y j u n i o r, ein Sohn des Landesverwesers fuhr, stieß gestern früh in Raab mit einem Lastkraftwagen zusammen. Der Sohn des Landesverwesers fiel auf die Straße, wobei er eine leichte Verletzung an einem Bein erlitt. Ein Autobus stürzt von einer Brücke Warschau. Unweit L o m z a stieß ein Autobus beim Ueberfahren der Brücke gegen das Geländer, durchbrach es und stürzte vierMe- tertiefab. Der Chauffeur wurde getötet und neun Reisende verletzt. Ein Lastauto stürzt in ein Fährboot Kairo. Ein Lastauto stürzte in einen Schisfahrtska n.a l und fiel auf ein mit zahlreichen Personen besetztes Fährboot. Das Fährboot kenterte, wobei 20 Personen ertranken und zahlreiche Personen verletzt wurden. und zur Seite zu weichen, bereits vom zweiten Wagen erfaßt wurde. Bergmannstod. Der 36jährige Bergmann Karl M a r e s ch geriet am Masaryk-Schacht in T e i n i tz l im Pilsner Steinkohlenrevier in von der Halde abrutschendes Material. Fieberhaft arbeitete man an seiner Freilegung. Als man ihn fand, gab Maresch noch schwache Lebenszeichen von sich, doch starb er kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Entmenschte Eltern. Die Gendarmerie nahm in der Gemeinde Balas kovöe bei Humenau den Bauern G a s ch i o Vs und keine Frau fest, die ihre geistesschwache 22jährige Tochter fett zwei Jahren im Stall unter den Kühen gefangen hielten. Die Schwachsinnige befand sich in einem unbeschreiblichen Zustand. Ihre Bekleidung bestand aus stinkenden Lumpen, ihr Lager aus angefaultem Stroh. Als der Fall im Ort bekannt wurde, versuchte die wütende Menge, di« Rabeneltern zulynchen. Fallschirmabsprung aus 8000 Meter Höhe. Die Mitglieder des Verbandes kommunistischer Jugend Galina P j a s e z k a j a und Anna Schischmarewa stellten einen neuen Weltrekord im Fall sch irmabsprung ohne Sauerstoffapparat auf. Sie sprangen aus einer Höhe von 7923 Metern vom Flugzeug ab. Der Sprung dauerte 30 Minuten. Bevor sie die Erde erreichten, durchflogen sie vier Wolkenschichten. Beide Meisterinnen sind Studentinnen am Moskauer Institut für Körperkultur. Ein Radioapparat wiegt sieben Gramm. Der 15jährige Erfinder Jskoveckyj in Moskau hat einen Miniaturradioempfänger konstruiert, der nur aus 16Teilen besteht und nur sieben Gramm wiegt.’ Die Apparate sollen so klein sein, daß 12 in einer Zündholzschachtel Platz finden. Acht einträgliche Ehen. Die Bukarester Polizei verhaftete den 28jährigen Konstantin Ma- neu, welcher sich im Laufe von fünf Jahren mit acht Frauen verheiratete. Maneu, welcher es verstand, über Frauen großen Einfluß zu gewinnen, heiratete, brachte die Frau ums Geld und verließ sie dann wieder. Blutrrsatz— fast wie echt. Wissenschaftliche Mitarbeiter des physikalisch-chemischen Laboratoriums am ukrainischen Institut für Arbeitspathologie erzeugten eine künstliche Salzlösung— „Ukrinfusin"— die bei Bluttransfusionen als E r sa tz f ü r n a t ü r l i ch e s B l u t verwendet werden kann. Die Lösung steht in vielen Beziehungen natürlichen Menschenblüt nicht nach. In Glasröhren kann„Urinfusin" unbegrenzte Zeit konserviert werden, ohne seine Wirksamkeit zu verlieren. Der beleidigte Mikado, lieber Ersuchen des Generalkonsuls verboten die chinesischen Behörden in Schanghai den Verkauf der Augustnummer der amerikanischen Revue„Banity Fair", welche eine Karikatur des Kaisers von Ja- p a» enthielt. Sport vom Sonntet Die Fußballmeisterschaft des V. Kreises: 110 Minuten torlos Klein-Augezd—Dporitz 0:0. Wi Sonntag fand, vor rund 500 Zuschauern; in Komotau 2, das Ausscheidungsspiel um dre Meisterschaft-wischen Klei n-A u g e z d und F. K. S p o r i tz statt. Das Ergebnis besagt jedoch, daß tS dem Bundesmeister überraschenderweise nicht gelang, seinem Rufe ganz gerecht zu werden. Für ihn war es ein Spiel der verpatzten Gelegenheiten. In der ersten Hälfte hatte er eine klare Ueberle- gessheit die aber von der Stürmerreihe nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte, da diese, um auf„Nummer Sicher" zu kommen, bis ins Tor kombinieren zu müssen glaubte. Was technisch und taktisch» bei den Klein-Augezdern ins Treffen geführt wurde, das machten die Sporitzer durch ein wohl aufopferndes, aber planloses Spiel wett. Wer aber glaubte, daß die Klein-Augezder nach der überlegen geführten ersten Halbzeit' nach der Pause die Sporitzer aus dem Rennen werfen werden, wurde enttäuscht. Eine lleine Umstellung bei Sporitz führte dazu, dah diese den Klein- Augezdern hart zufetzten; doch auch ihrerseits gelang kein Torschutz. Das ganze Spiel endet« torlos und die folgende Verlängerung von Lmal 10 Minuten brachte auch keine Entscheidung. Wie schon erwähnt, war Klein-Augezd technisch und auch im Aufbau seiner Angriffe sehr gut, versagte aber vor dem Tore. Bei Sporitz war nichts ebenbürtiges, ihr ungestümes, planloses Stürmen und Ball dreschen hatte gegenüber der ruhigen, wenn auch manchmal zu abgeklärt scheinenden Arbeit der Klein-Augezder wenig Chancen. Für Sporitz mag das 0:0«in Erfolg sein, er wurde aber in der Hauptsache von ihrem Tormann erreicht, der viele Chancen des Gegners zunichte machte. Schiedsrichter Genosse Haase(Aussig) leitete den Kampf sehr genau und sicher. Nun müssen beide Mannschaften zu einem neuen Spiel antreten, das am kommende« Son n t a g i n Z u ckmantel stattfinden wird. Sporitz hat gegen obiges Spiel Protest eingebracht, weil bei Klein-Augezd ein Spieler nicht spielberechtigt gewesen fei. Wie die Sachlage steht, wahrscheinlich mit wenig Aussicht auf Erfolg.—en— S. K. Nesterfitz gegen 8. K.„Fels" Steinschöna« 5:0. Beide Gruppenmesster lieferten einander ein schönes flottes Spiel, doch mutzte Steinschönau der technisch besseren Mannschaft den Sieg überlassen. Nesterfitz hat nun Gelegenheit, seine Spielstätte neuerlich unter Beweis zu stellen und tritt am Sonntag, dem 18. August, gegen den A. S. K. Kleischc an. Das Spiel findet nachmittags 5 Uhr am Aussiger Stadion statt. Reservisten mit Motorfahrzeugen zur Beachtung.(Amtliche Nachricht.) Reservisten, die heuer waffenübungspflichtig sind und die Waffenübung mit ihrem Motorfahrzeug zur Zeit der Schlußübungen zu Beginn September 1935 mitmachen wollen, mögen sich unverzüglich mittels Korrespondenzkarte beim eigenen Stamm-(Ersatz-) Körper melden. In der Anmeldung ist anzuführen: Vor- und Zuname, militärischer Rang, Geburtsjahr, Assentjahrgang, Heimatszuständigkeit und ständiger Wohnort. Daraufhin wird der Stammkörper den Bewerbern die detallierten Bedingungen und die Höhe der Entschädigung be- kanntgcben. Die Militärveüvaltung wird nämlich den Reservemännern für jeden Tag der Benützung des Motorfahrzeuges einen Pauschalbetrag bezahlen, u. zw. bei einem Personenauto 100 bis 140 Kö, bei einem Motorrad 35 bis 60 KL Herr Leutnant als Schimpfbold. Das Pilsener Divisionsgericht verurteilte den Leutnant des 35. Jnfanerieregiments Wenzel Vesely wegen Beschimpfung seiner Untergebenen zu drei Wochen Profosenarrest mit einjähriger Bewährungsfrist. Vesely hatte die Gewohnheit, hjc Soldaten in der Kaserne und auf dem Exezier- platz in übler Weise als»Lumpen" und„Trottel" zu beschimpfen. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen der Republik Zunahme der Bewölkung und später auch der Gewitterneigung, warm, jedoch untertags etwas kühler? Im übrigen Gebiet wechselnd bewölkt bis, ziemlich heiter, wärmer.— Wetteraussichten für Mittwoch: Unbeständig, vow Nordwesten her fortschreitende Verschlechterung und Abkühlung, zeitweise windig. Vom Rundfunk ■notalilMHNrtei au d«n PragriMMil Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05 Deutsche Presse, 12.30 Salonorchcstcrkonzert. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.55: Schallvlatten: Debussy, 18.20: Deuttche Sendung: Dr. Moucha: Reue Bücher, 18.35: Arbeiterfunk: Dr. Emil Franzel: Zum 40. Todestag Friedrich Engels, 18.55: Sozialinforma« tionen,'19.25: Schallplatten, 20.45: Uebertra- gung aus Turin: Puccini; Sender S: 7.30: Salonorchester, 14.0» Philharmonisches Orchester. 14.15: Deuttche Sendung: Kinderstunde.— Brünn: 18.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationew 17.40 Deutsche Sendung: Dr. Fest«: Aktuelles vom Film.— Mähr. Ostrau: 15.00: Orchesterkonzert. 17.55 Unterhaltungsmusik.-— Kascha»: 18.55 Violinkonzert, Nr. 187 Di-nStas,13. August 1935 Seite 5 Vater erschlägt im Streit seinen Sohn. Sonntag mittag spielte sich in der Ortschaft Hautgendorf in Niederösterreich eine blutige Familientragödie ab. Der 24jährige Schlossergehilfte Loreng Rogier kam in angeheitertem Zustand nach Hause und begann mit seinem Vater, dem Eisenbahnangestellten Loreng Rogler gu raufen. Der Vater ergriff gu seiner Verteidigung einen Holgprügel und schlug auf seinen Sohn ein, der schwer verletzt gu Boden stürzte und in einigen Minuten verschied. Vater Rogier stellte sich selbst der Gendarmerie. Royalisten überfallen eine BenizrloSzeitung. Die Büros der vcnigelischen Zeitung„Patris" wurden von 30 Royalisten überfallen, die die Einrichtung gert kümmerten und gwei Mitarbeiter des Blattes leicht verletzten. Die Tat erfolgte als Protest gegen die unversöhnliche Haltung des Blattes gegenüber den Monarchisten. Ein Bezirksrichter gesteht Unterschlagung von 78.000 Kö. Der wegen Unterschlagung in Haft genommene Bezirlsrichter Dr. Juras aus Dunaszerdahely hat vor dem Preßburger Untersuchungsrichter ein G e st ä n d n i s abgelegt. Er gestand, 78.000 KL veruntreut zu haben. Der Tod hält in den Bergen Ernte. In der Umgebung von Salzburg sind gwei reichsdeutsche Touristen zu Tode gestürzt. Auf dem Grünstein stürgte der in Berchtesgaden auf Urlaub weilende Hans Z e u m e r aus Leipzig ab und«schlug sich.— Auf dem Trattach fiel der Kaufmann I. Wolf aus Augsburg in eine Schlucht und wurde tot aufgefunden.— Auf einem Ausflug im MonteRose-Gebiet stnd am Mont Nery drei spanische Je- suite», ein Geistlicher mit gwei Seminaristen, guTode gestürzt. Die Leichen wurden von italienischen Bergführern geborgen. Flugzeuge in Flammen. Unweit von Toussus le Noble, in der P a r i s e r Umgebung,.stürzte Montag ein B e r t e h r S f l u g z e u g-ab,'wovor drei Personen verbrannte n. In der Nähe der Stadt Worthington(USA.) stürgte ein Handelsflugzeug ab und fing Feuer. Die v i e r Reisenden und der Pilot sanden in den Flammen den Tod. Ein neuer Flugrekord. Der amerikanische fliegende Kreuzer„Flying Clipper" ist gestern in seinem Ausgangspunkt Honolulu wieder einge- troffcn. Er legte die 2100 Meilen lange Strecke in einer Rekordzeit zurück, wobei er seinen früheren Rekord um 50 Minuten schlug. Fliegensturm über Neapel. In der Fliegenfa r m des Professors M o n a c e l l i in Neapel, in der 10.000 Fliegenart e n aus aller Welt zu wissenschaftlichen Zwecken gezüchtet werden, öffnete ein entlassener Mitarbeiter aus Rache alle Türen und Fenster. Ein riesiger Fliegenschwarm flüchtete ins Freie. Unter den»geflüchteten" Fliegen-' arten befinden sich mehrere s e h r g i f t i g e, sodaß die Bevölkerung in größter Beunrichigung ist. Der Täter wurde in Haft genommen. Reue Konkurrenz für Europa. Die sochjetrus- sische Gesellschaft für den Aufbau von Fabrikanlagen in der Türkei,„Turkstroj", ist mit der Einrichtung des Textilkombinats in Kaiser!(Türkei) fertig. Das Kombinat besteht aus drei Fabriken, nämlich einer Spinnerei mit 33.000 Spin deln, einer Weberei mit 1000 automatischen Webstühlen und einer Färberei. Es wird über 30 Millionen Meter Baumwollstoffe jährlich produzieren können. Seinerzeit war bezweifelt, worden, ob es der Sowjetindustrie gelingen werde, das Kombinat zu bauen. Es wird jedoch von türkischer Seite versichert, daß die eingeführte Ausrüstung hochwertig sei und in kürzester Frist montiert wurde. Gleich- zeitig wurden die notwendigen Arbeitskräfte ausgebildet. Turkstroj errichtete eine Schule für Fabriklehrlinge. An der Ausrüstung haben über 80 Fabriken gearbeitet, die von der Dampfturbine bis zum kleinsten Detail afles lieferten. Grausiger Tod. Der 58jährige Häusler Anton Skvasek in Podoli bei Ungarisch-Hradifch kam auf fürchterliche Weis« umS Leben. Swasek war Epileptiker. Bei.einem Anfall fiel er in die Düngergrube, wurde vom M o r a st begraben und erstickte,.ehe ihm jemand Hilfe bringen konnte... Rue Dean Daurös In Brest der Schauplatz der Zusammenstösse in den letzten Tagen. Exekutive der Erziehunssinternatlonale Die Exekutivsitzung am 8. August in Ber- neuil bei Paris war von einigen Ländern beschickt,' insbesondere von Frankreich, Schweiz, England, Oesterreich, Deutschland und der Tschechoslowakei (Hocke und Lehneret). Das Hauptbüro der SEI wurde endgültig nach Paris verlegt und die Leitung dem Genossen Kurt Löwenstein übertragen. Das Büro der SEI setzt sich nunmehr aus den Genossen Löwenstein, Schweitzer und zwei von der ftanzösischen Bewegung zu bestimmenden Genossen zusammen. Es wurde eingehend die Lage in den einzelnen Ländern besprochen und insbesondere von dem Genoffen Monnet, den Führer der französischen Bewegeung betont, daß die Länder wie Frankreich und England nach der Fascisierung von Oesterreich und Deutschland eine besondere Pflicht haben, die sozialistische Bewegung in ihren Ländern auszubauen. Auch Henri Fair von der englischen Bewegung unterstützte stark diese besondere Pflicht. Die Bewegung hat durch den Beitritt von Norwegen und England eine erfreu- liche Stärkung erfahren. Einstimmig wurde von den Vertretern der SEI und den Delegierten der SJJ der Gedanke einer einheitlichen großen sozialistischen Bewegung vertreten. Die Konferenz beschloß weiter den Ausbau des„Helfer" als Organ der SEI und die Fortsetzung der Heraus- gabe von Arbeits- und Schristenmaterial. Die SEI soll nicht nur eine organisatorische Vereinigung darstellen, sondern den gemeinschaftlichen Ausbau einer sozialistischen Erziehungsbewegung übernehmen. Außerdem ist es Pflicht der SEI. und der ihr angeschloffenen Länder, die Genoffen in den fascistischen Ländern in ihrem Kampf moralisch und- materiell zu unterstützen. Ein entsprechender Beschluß, der diese Solidarität ausdrückte, fand einstimmige Annahme. Die Verhandlungen, die'von großem-Ernst, aber auch pon geschlossenem Willen getragen waren, bedeuten eine starke Festigung der SEI. Die Einladung der dänischen Genossen in ihrem Lande eine internationale Falkenrepublik zu errichten, wurde einstimmig angenommen. Ferner wurde die Betreuung des Ostbüros wieder in die Hände des Genossen WM Hocke, Bodenbach, gelegt. DieTagung schloß, nachdem sie noch die internationale Falkenführertagung vorbereitet hatte, mit dem Gesang der Internationale, Geflüster am Hochzeitstag Diese kleine Geschichte ist nicht erfunden Es liegt ihr eine wahre Begebenheit zugrunde, die sich dieser Tage im Egerlande abgespielt hat und über die vielleicht doch noch Genaueres durchsickern wird— vielleicht aber auch nicht! » r„Hochzeit machen, das ist wunderschön..." So singt das alte Lied. Und in den meisten Fällen stimmt es sogar. Freilich, was nach den Flitterwochen kommt, das steht auf einem andern Blatt. Wer aber Pech hat, dem sind nicht einmal die Flitterwochen gegönnt. Und wenn gar dem Bräutigam hinterm Brautbetthimmel als drohende Bision„Schwedische Gardinen" erscheinen, so wird er für den Spott nicht sorgen brauchen, wenn kr und seine Hochzeitsgäste den Spott so reichlich berdient haben wie in dieser Geschichte. ES lebt« da in einer egerländischen Stadt, »n rußgeschwärzten Zentrum des westböhmischen Kohlenreviers ein Brautpaar, dem ganz beson- oere Ehren zugedacht waren. ES traf sich näm- «ch, daß in dieser Stadt der Gesangverein und die Egerländer Gmoi zugleich ihr Gründungsest feiern konnten. Und nicht nur zugleich, auch gemeinsam wollten sie es feiern. Natürlich war es ein gut, sogar sehr gut bürgerlicher Gesangverein, wie cS zu einer schollenfesten Egerländer Gmoj paßt. Denn mit einem powren Arbeitergesangverein, der statt hymnisch„Stimmt an mit hellem, hohem Klang... zu singen die„Internationale" zu singen wagt, mit einer solchen »lotte singender Marxisten lvird sich eine Egerländer Gmoi nie und nimmer einlassen l Und da man solche Gott und dem„Führet" /wohlgefälligen Feste nicht alle Tage feiert, dachte man darüber nach, auf welche. Weise man dem Feste eine besonders sinnige Weihe geben lönnte. Und da kam man auf einen nusgezeich- "iten Gedanken: es sollte gleichzeitig auch eine Hochzeit gehalten werden, die ja schließlich auch kine Art Gründungsfest ist. ES war wirklich ein ausgezeichneter Gedanke: so würde ein Braut« j kxanz gleichsam die Krone des Festes sein, und für das Brautpaar würde sein Hochzeitstag auf unvergeßliche Weise mit der Geschichte, der Stadt verbunden sein; es würde mit samt den Hochzeitgevattern in die Chronik der Stadt eingehen. Eine solche Ehre durfte natürlich nur einem würdigen Brautpaare zuteil werden. Man brauchte auch gar nicht erst lange Umschau zu halten, denn wer konnte als Bräutigam wohl würdiger sein als der Sekretär der Sudeiendeutschen Heimatfront? Schon die Frage ist zuviel; trug nicht wohl jeder der Sänger und jeder der Gmot — deutsch bis ins Mark!— das in so und so vielen Saalschlachten gegen rote Proleten geweihte Wappen der SHF auf der Brust?.War nicht der ehrenwerte Bräutigam Blut vom gleichen Blut, Geist vom gleichen Geist? So war alles nach Wunsch beisammen. Am Vorabend des hohen Festtages brachten die Sän- tzxr dem ausertvählten Brautpaare ein Ständchen, und auch die Gmoi war dabei. Zwar hatten einige der Sänger gemurrt und beim Ständchen nicht mit singen wollen. Es wurde da irgendetwas gemunkelt. Gott— Neid und üble Nachrede gibts eben überall; wer ist davor sicher? Doch das Ständchen stieg, und die„Macht der Musik" übertönte das Gemunkel. Strahlend kam der Sonntag, der Festtag. Die kirchliche Trauung des gefeierten Paares war ein Schaustück fürs ganze Städtchen, ausgenommen natürlich die Marxisten, die- ja keine Ahnung haben, was wahre Volksgemeinschaft ist. Wir können nicht sagen, welchen Text der Pfarrer dem Brautpaare als Lebensspruch mitgegeben hat. Wars vielleicht der Bibelvers Hiob 1, 21: „Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt"? Von der Kirche zog die Hochzeitsgesellschaft, von fröhlicher Dudelsackmusik geleitet, ins Haus des Bräutigams und labte sich weidlich, denn so ein Tag strengt an. Höhepunkt des Festes aber war der Festzug. Auf dem Marktplatz begann er. In seiner Mitte schritt das Brmitpaar, hinter ihm der Erzdechant und noch ein Geistlicher. Und natürlich die.Pro-, minenten des Gesangvereins und der Gmoi. Auch einige Veteranen schwangen ihre mürben Knochen, und sogar die Feuerwehr marschierte mit. Warum die? Nun, es gab allerhand zu löschen —Durst zum Beispiel. Freilich, was dann aufflackerte und sengerich roch— das hat sie nicht zu löschen vermocht. Doch das ist nicht ihre Schuld; seien wir gerecht. Auf geschmückten Wagen fuhren Burschen und Mädchen in bunten egerländischen Trachten mit. Im ganzen Städtchen wehten di« Flaggen. Es war einfach eine Pracht.' Auf dem Festplatze ging es dann erst recht hoch her. Drei Musikkapellen dudelten, schram- meltrn und bliesen ins Blech, daß es eine Lust war. Die Paare drehten sich im Tanz und die andern tranken noch eins. Das Brautpaar war von Gratulanten umringt. Aus dkr ganzen Umgegend, ja sogar von weither waren sie herbeigekommen, denn es kann nur von Vorteil sein, einem so einflußreichen Mann«, wie es ein Sekretär der. SHF doch ist, an seinem Glücks- und Ehrentage die Hand zu schütteln und Geschenke zu bringen. Merkwürdig— nur der Bräutigam sah nicht ganz so strahlend aus', wie es sich an einem solchen Tage doch gehört hätte. Ja, manchen kam eS sogar vor, als ob er von einem heimlichen Kummer geplagt würde. Machte er sich— auch in dieser Stunde— Sorgen um das Wohlergehen seiner SHF? Sah er im Geiste seine Getreuen vom inneren Feinde umringt und bedroht? Aber da war auch wieder das Gemunkel, das schon am Vorabend die Stimmen der Sänger getrübt hatte. Geflüster, Getuschel raunte durch den frohen Trubel. Und die Mimmen wurden lauter und deutlicher. Und schließlich legte eS sich wie tödlicher Reif auf die heitere Stimmung aller— es war eine unausdenkbar schreckliche Kunde, die sich da von Mund zu Mund auf dem Festplatz herumsprach: der Bräutigam,. den man eben noch so gefeiert hatte, der Sekretär der SHF. deff«n.Hochzeit doch das Gründungsfest der beiden Vereine verschönern sollte, saß plötzlich schwarzer Sünde verdächtig inmitten der ganzen Festpracht. Nicht etwa, daß er seiq handfestes Volkstum verraten und heimlich mit den Marxisten konspiriert hätte! Nein, so verworfen war er nun wieder nicht. Aber da wollten einig« wiffen, daß der Herr Sekretär die ihm anvertraute SHF-Kaffe nicht in der wünschenslverten.Ordnung haben solle, j Andre wurden deutlicher und sagten:„10.000 Kronen sollen fehlen!" Manche aber munkelten: Nein, die fehlende Summe sei noch viel höher! Zwei Tage vor diesem Feste habe man bei einer Revision die Geschichte entdeckt. Deswegen sei der Sekretär ja auch beurlaubt worden. Und deshalb habe der Bräutigam so bedrückt neben seiner Braut gesessen... So munkelten die Stimmen. Andre aber meinten: Ach, deshalb werde doch das Fest auch am nächsten Tage noch weitergehen. Es sei doch schließlich das Fest der beiden Vereine. Na, und die dumme Geschichte mit dem Geld— die werde ja Wohl der Schwiegervater in Ordnung bringen. Der habe es ja dazu. Mittlerweile hatte sich di« Nacht auf den Festplatz gesenkt. Und da in der Nacht gut munkeln ist, ging das Geraune weiter. Es hieß, am nächsten Tage sollte, noch umtönt von Festmusik, eine Beratung abgehalten werden, wie die Geschichte ins Reine zu bringen sei. Und nun wartet man im Städtchen darauf, etwas Genaueres zu. erfahren. Ist die Sache mit dem Gelde wahr? Und wenn, sie wahr ist — was wird mit dem ungetreuen Fridolin geschehen? Wird die Geschichte vertuscht werden — wie schon so manches vertuscht worden sei» soll? Schließlich ist der Herr SHF-Sekretär doch kein Prolet! Ja, wenn sich ein Marxist an frem- dem Geld« vergriffen hätte! Es braucht gar nicht viel sein; ein paar Kronen nur— aber das wäre ein Fressen! Da hätte die ganze Henlein-Press« Stoff zum Tratschen für ein paar Wochen. Und immer wieder, bei jeder Gelegenheit könnte daS aufgewärmt werden. Aber so— ein Sekretär der SHF! Ich bitte Siel Da ist es doch das Beste, eine solche Geschichte bleibt„hübsch unter uns". Denn wir sind doch Leute von der'Heimatfront, Henleins tapfere Scharen, volksverbunden— in Treue fest l Deutsch bis ins Mark! Und was jetzt„deutsch" heißt-— na, daß wißt Ihr doch alle. Da haben wir doch unser hehres Vorbild jenseits der Grenze, drüben, im Dritten Reich, wo noch ganz andere Dinge gedreht werden. Also: pst! Kein Geräusch gemacht! Breitet den Schleier der Nächstenliebe über die dumm: Geschichte. Und den Brautschleier dazu... ^Sozialdemokrat" Dienstag, 13. August 1935. Nr 187 Seite 8 Trage«'Geltung Mit einem Bierglas. In der Nacht auf gestern! etwa um 1 Uhr, gerieten am Moldaukai in Lieben der 3vjährige Landarbeiter Karl Täborik aus Ziz- kob und der 83jährige Mechaniker Adolf Hnilicka aus Lieben in Streit. Täbokik holte sich aus einem nahe gelegenden Gasthaus ein Halbliterglas und schlug es Hnilicka ins Gesicht. Dieser wurde mit einer Verletzung des Schädelknochens und einigen tiefen Schnittwunden im Gesicht ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht. Der Täter wurde vom Postbeamten Slanina angehalten und der Wache übergeben. Auch er ist verwundet. Ein weggeworfenes Zündholz. Gestern mittags geriet durch ein weggeworfenes Zündholz«in Stoppelfeld bei Schloß Stern in Brand. Das Feuer verbreitete sich mit großer Schnelligkeit, so daß in kurzer Zeit 38.000 Quadratmeter Stoppelfeld verbrannten. Durch den Brand wurden zwei große Strohschober und eine Scheune mit Getreide bedroht. Die Polizei konnte allein des Feuers nicht Herr werden und auch mit Hilfe der Feuerwehr gelang ihr dies erst in einer Stunde. Durch den Brand wurden 26 Bäume vernichtet. Der Gesamtschaden steht augenblicklick noch nicht fest. Zwei Selbstmorde. Gestern nachmittags wurde der 64jährige Oberleutnant d. R. Arnold Roubicet in seiner Wohnung in Prag II., Skolfkä. schwer verlebt aufgefunden. Er hatte sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern ausgeschnitten. Auf dem Wege ins Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen. Das Motiv ist, nach den hinterlassenen Briefen, Angst vor geistiger Umnachtung.—_ Gestern um 3 Uhr nachmittags sprang der 49jährige arbeitslose Kellner Wenzel Moser vom 3. Stock eines Hauses in ZiAov übers Geländer. Er starb Ebenfalls auf dem Wege ins Krankenhaus. Motiv: nach Angabe der Verwandten Geisteskrankheit. Bon einer herabfallonden Zange wurde gestern der 23jährige Kinooperateur Ferdinand Turins!« verletzt, der an einem Haus am PoriL vorbeiging, auf dessen Dach zwei Klempsner arbeiteten. Seine Verletzung ist leichterer Natur. Nicht abspringen! An der Nacht auf gestern sprang das 19jähriqe Dienstmädchen Rüjsena Hosto- vec auf der Belcredistraße aus einem fahrenden Straßenbahnwagen und brach sich das Schlüsselbein. Sie wurde aus dem allgemeinen Krankenhaus in häusliche Pflege entlassen. Einen Ausflug nach Trencin Trplicr, Lnhaco- vice und Pistyan veranstaltet dieStaatsbahndirektion in Prag. Anmeldungen werden noch angenommen. Ausgabe der Fahrkarten am 14. August von 8 bis 15 Uhr. Der Zug fährt ab Prag-Wilsonbahnhof am 15. August um 8.37 Uhr.(Vom Referat für Ausflugszüge in Prag, Basar, neben dem Wilsonbahn- hof, Tel. 38s—88.)' genkommen und die Art Wirklichkeit akzeptieren werden, die sie zustandebringt. Und es ist sehr leicht möglich, daß wir dann eines Tages feststellen werden, den Schwarz-Weitz-Film nicht mehr„sehen" zu können— weil wir uns diese Art des Sehens abgewöhnt haben werden.—eis— Endstation Es genügt, von diesem Film zu berichten, daß es einer der üblichen deutschen Lustspielfilme ist, der die Zuschauer mit der Liebe eines Straßenbahnschaffners zu einer Modistin erfreuen will und weder bei der Aufrichtung komischer Hindernisse noch bei ihrer Ueberwindung irgendwo in die Nähe des Wahrscheinlichen gerät. Der Regisseur Emo hat sich— wie immer— an bewährte Vorbilder gehalten, die Hauptdarsteller Paul Hörbiger, Oscar Sima und Hans Moser spielen die Typen, für die sie zuständig sind und di« dem Prager Theater- publikum wohlbekannte Maria Andergast zeigt ein gefälliges Aussehen.,-—eis— Johnny Weißmüller in dem Sensationsfilm„Tarzan, der Sohn der Wildnis". Atus Prag Iümst umt Msseer Sommerfpielplan der Kleinen Bühne.(Leitung Dr. A.. Hohenberg.) Ab 16. August gastiert im Rahmen der Sommersvielzeit der Kleine,, Bühne Erika lvkann mit der»Pfoffermühle" mir vollständig neuem Programm. ÄrrMm- ■■■■■■■■■ „Legong"— ein gefärbter Südseefilm Wenngleich das— nach vorsichtiger Schätzung — schon der dreißigste Film von der Südsee-Jnsel Bali ist(deren filmspielende Bewohnrr dem Kinobesucher schon sehr bekannt Vorkommen), vermag er doch wieder den Zuschauer in einen träumerischen Zustand zu versetzen. Denn traumhaft bleibt die Schönheit dieser Menschen, die Anmut ihrer Bauten und Geräte, der Adel ihrer Bewegungen und die Helle Herrlichkeit der Südseelcmdschaft. Wir sind zwar längst darüber belehrt, daß Bali sich in Wirklichkeit von dem Paradies sehr unterscheidet, für das es im Film immer wieder erklärt wird. Aber wenn der Film auch noch so sehr fälschen(und färben) kannr etwas von der Schönheit, die er zeigt, muß dort noch vorhanden sein. Und man wünscht sich einen Bali-Film, der wirklich nur diese Schönheit zeigt— und nicht wie dieser„Legong"(und seine Vorgänger) eine Liebesgeschichte dazu erfindet(die hier/sogar mit Selbstmord endet). Und dann möchte man noch einen letzten Bali-Film sehen der das wirfliche Leben der Eingeborenen zeigt, dieser zauberhaften Menschen, die für hoUändische Kolonialwarenhändler schuften und für den.amerikanischen Filmtrust liebliche und tragische Posen annehmen müssen, was sie übrigens mit einem kindlich schönen Anstand tun, der die Routine unserer Stars weit hinter sich läßt. Der amerikanische Filmtrust hat es für gut befunden, diesen(stummen) Bali-Film nach dem Technicolor-Verfahren zu färben, so daß wir zum ersten Male Gelegenheit haben, einen farbigen Film zu sehen, der kein Kurz- u. Trick-Film ist. Der erste Eindruck ist, daß diese Filmfarben samt und sonders scheußlich sind, weil sie mehr an Limonaden und Rostflecke als an Haut, Stoff und Natur erinnern. Aber war nicht der Eindruck von den ersten .Tönen im Film ähnlich negativ? Tatsache ist, daß sich das Auge nach einer Viertelstunde schon an die erst so beleidigenden Farben gewöhnt hat. und es ist durchaus wahrscheinlich, daß auch in diesem Fall unsere Sinne der Technik auf halbem Wege entge- Leichtathletischer Fünfkampf Samstag fand auf der Hetzinsel der Vereinsausscheidungskampf in den fünf Disziplinen: 200 Meter. Kugel, Weitsprung. Speer und 1500 Meter statt. Die Ergebnisse bei der Gesamtwertung waren: 1. Nossek 301.89 Punkte. 2. Amsler 279.75 Punkte, 3. Ullmann E. 275.59 Punkte. In den Einzeldifziplinen: 2 00 Meter: 1. Nossek 27.3. 2. Steidl 28. 3: Amsler 28.4. Kugel: 1. Nossek 10.82. 2. Ullmann 7.97. 3. Weiß 7.77. Weitspruna: 1. Nossek 5.65. 2. Jüttner 5.29. 3. Amsler 5.14. Speer: 1. Amsler 38.50. 2. Nossek 35.26. 3. Ullmann 34.58. 1500 Meter: 1. Steidl 6.08. 2. Jüttner 5.20. 3. Mally 6.23. Samstag, den 17. August, setzen wir den Ausscheidungskampf fort. Ausgeschieden sind für diesen Tag folgende Diszipline: Hochsprung, Dreisprung, Diskus. 100 Meter. 800 Meter und Schleuderball. Wir erwarten Beteiligung aller Genossen. Rachad kommt in die Liga Viktoria Zizkov— Division Das Oualifikationsturnier um den Aufstieg in die Liga endete in seiner letzten Runde für die Nachoder im guten Sinne. Die Saazer verloren nämlich in Nachod 3:0(1:0). In Preßburg siegte CSK. gegen Viktoria Ziz- kov mit 2:1(1:0). Die Prager müssen also weiter in der Division bleiben, wo sie diesmal aber sehr starke Konkurrenz habens die ihnen nicht noch einmal Gelegenheit zur Liga geben wird. DFC Prag wurde am Sonntag in Zlin von der Baka-Mannschafl überraschend mit 1:4(1:2) geschlagen. Kein guter Anfang für die Liga. Viktoria Pilsen verlor in Karlsbad gegen die dortige Slavia mit 1:2(1:2), obwohl den Siegern kurz vor dem Spiel einige Spieler gesperrt wurden. Slavia Prag mußte sich in Hokowitz sehr anstrengen. um über den Divisionsverein mit 6:3 (4:3) Sieger zu bleiben. Sonstige Fntziallergebnisse. Königin- h o st: S, K. Kladnü gegen SK. 4:3(2:2).— Brüx: Deutscher gegen tschechischer Nordwestgau 6:1(3:0).—Teplih: TFK gegen Cechoslovan Kosik 7:1(3:1).— Bodenbach: SpVg gegen AFK Kolin 3:2(2:1).— Gablonz: BSK gegen Philips Eindhoven 2:2(2:2).— Reichen- herg: SK Grottau gegen DSV 4:1(2:1).— Trautenau: DSV gegen DSV B.-Leipa 3:2 (1:0).— Brünn: Zidenice gegen Vienna Wien 5:2(2:2).— Prerau: SK gegen Cechie Wien 7:0(2:0).— Pistyan: PFK gegen Budai Bu dapest 8:8(2:4)'.— RZHorod: Hungaria Budapest gegen Rusj 6:4(3:1). Reue tschechoslowakische Schwimmrekorde. Bei einem Preßburger Meeting stellten über 200 Meter Rücken für Frauen die Preßburgerin Freund in 3:01.6 Minuten und Heiling(Preßburg) über die gleiche Strecke in 2:48.2 Minuten neue tsche- choflowakische Rekorde auf. Di« englischen Leichtathleten trugen in München mit den Nazi-Sportlern einen Länderkampf aus, den sie.mit 61:75 Punkten verloren. Die Studenten-Weltspiele wurden in Budapest eröffnet. Das Turnen gewann in der Länderwertung Ungarn vor Japan(l) und dem Dritten Reich. Im Schwimmen gewann der Ungar Czik die 100 Meter Freistil in 59.4 Sekunden. Die Tschechoflowakei schlug im Wasserball die Oesterreicher 4:1(1:1). Ungarn gewann das Fußballmatch gegen Lettland mit 5:2(2:0). Bei der Eröffnungsfeier gaben sich die„Sportdiktatoren" aus Ungarn, Oesterreich und dem Dritten Reich mit den übrigen Machern ein gut in Szene gesetztes Stelldichein. Mitteilungen ans dem Publikum. Tomaten-Marmelade aus reifen Früchtan. Zutaten: 1% Kg. reife Tomaten, 1% Kg. Zucker, Saft von 5 Zitronen(etwa 250 Gr.), nach Belieben etwas Ingwer und Abgeriebenes von 2 Zitronen, 1 Flasche Opekta. Den Tomaten fehlt die natürliche Fruchtsäure. Aus diesem Grunde muß man den 1% Kg. Tomaten zirka'/« Kg. Zitronensaft beifügen, die Fruchtmenge beträgt also zusammen 1)h Kg. Die Tomaten werden zirka 1 Minute in kochendes Wasser gelegt, damit sich die Haut gut abziehen läßt. Man entfernt die Haut und schneidet die Früchte in Stücke. Die Fruchtmasse wird nun mit 1)4Kg. Zucker(keinesfalls weniger), etwas Ingwer und dem Abgeriebenen von 2 Zitronen zum Kochen gebracht(abschäumen). Man läßt dann 10 Minuten sprudelnd kochen(keinesfalls kürzer) und rührt danach eine Flasche Opekta und den Saft von 5 Zitronen in die noch kochende Masse ein, läßt nochmals 5 bis 6 Sekunden aufkochen und füllt dann sofort heiß in Gläser. 2928/1 Literatur Zwischen Herkunft nnd Zukunft steht des Menschen Wesen, dessen Wille die Fahrt des Schicksals lenkt. Durch jeden ehrlich und furchtlos zu Ende gekämpften Seelenkampf geht der Weg zurBollstrckunge — zur Vollstreckung des Schicksals eines Menschen, eines Volkes, einer Klaffe, einer Generation, der Menschheit. Keines Menschen Schicksal ist zu gering, um nicht auf diesem Wege ins Ganze des menschlichen Geschlechts einmünden zu können; keines so über» menschlich groß, daß es dieses Weges zum Ganzen enthoben wäre. Diese Gedanken legt Hans M ü h l e st«i n. der bekannte Schweizer Wissenschafter und Schriftsteller einem tiefschürfenden Artikel zugrunde, der im Augustheft der Zeitschrift„B L- ch e r g i l d e" erschienen ist. Dieses Heft bringt zugleich die Ankündigung von Mühlesteins großem Roman„Aurora", der in Bälde im Verlag der Büchergilde Gutenberg erscheint.»Aurora oder das Antlitz der kommenden Dinge" ist ein Roman aus dem Westen, ein Zeitroman, der in Svanien spielt und zu einer großen Parabel wird für das künftige Schicksal des Westmenschen. In dem Artikel»Die Weltfront der Schriftsteller" berichtet Hans Mühlestein über den Pariser Weltkongreß der Schriftsteller zur Verteidigung der Kultur. Als zwei von den Hauptbaumeistern dieser neuen Weltfront läßt er Andre Gide und Andre Malrapx selber zu Worte kommen und beweist damit die Tragweite dieses Kongresses. Als Neuerscheinungen des Verlages Bücher- 9toter Äugendaufvruey ist die Parole des Kreisjugendtages der Sozialistischen Jugend am 24. und 25. August 1935 in Bensen. 7 Bezirke der RW, die Partei, Turner, Falken und Turnerkinder, Naturfreunde und die Sozialistische Jugend nehmen teil. Wir erwarte« auch Dich! gilde werden in der Zeitschrift, die jedes Mitglied der Buchgemeinschaft kostenlos erhält, angezeigt: das billige Sommcrbuch»Ditz Hühnerfteige". Heins Scheibenpflug:»Berge um uns". Pearl S. Buck: .Söhne". Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:»Legong."— Avion:»Letzte Liebe." (D.— Michiko Meinl.)— Brranek:„Madelon Claudets Sünde."(A.)— Fenix:„Tarzan, der Sohn der Wildnis."(A.)— Flora:„Madelon Claudets Sünde."(A.—Htzlen Hayes.)— Gan« mont:„Vater Karafiat."(Tsch.— Pistkk.)— Hollywood:„Letzte Liebe."(D.)— Hvkzda:„Das Recht auf Glück."(A.)— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.()42—)H10.)— Koronar „Vor Sonnenaufgang."(A.)— Kotva:„So ein Hundeleben."(Tsch.— Hugo Haas.)— Lucerna: »Tarzan, der Sohn der Wildnis."(A.)— Metro: „Die gefährliche Blonde."(A.— Harlow.) Praha:„Der Held der Arena,"„Bei Kerzenlicht.- (A.)— Radio:„Die Schule der Liebe."(A.)■" Staut:„Der Fall des Kommissärs Colt."(A.)— Svitozor:„Eva."(D.)— Alma:„Die Schult der Liebe."(A.)— Carlton:„Der Himmel auf Erden."(D.)— Louvre:„Madelon Claudets Sünde."(A.)— Sport:„Katharina die Große." (Engl.— Elisabeth Bergner.)— Bio Beletrhd (vormals Favorit):„ Der Himmel auf Erden."(D.) LSM52L25LSSSLL525S5S52L2L2L2L252L2L25LS2S Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Blumen-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kö 5 60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XU.. Fochova tr. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich IbdbdbdhdbdhdhdbdhdhdbdiidhdhdbdhdbdhdhdhiihtÜ!« „Nehmen Sie uns das Brot nicht weg!" Wird die japanische Prostitution „europäisiert"? Als Oguri zum Chef der Tokioter Polizei Ende v. I. ernannt wurde, erklärte er, seine wichtigste Maßnahme werde die Abschaffung des sogenannten Lizenzsystems des Bordellwesens sein. Dieses System war in den 70er Jahren vorigen Jahrhunderts mittels eines Dekretes eingefühü ui)£ die Freudenhäuser der bekannten Tokioter Stadtviertel Dossivara und Sindziku dann zu halbstaatlichen Unternehmen erhöht worden. Sie standen im Bereiche des Innenministers und lieferten dem Staat ein bedeutendes Einkommen. Gleichzeitig mit der Einführung dieses Systems wurde ein anderes Dekret, über die Verfolgung der privaten Prostitution, verkündet. Dieses Dekret erlaubte aber eine Ausnahme, die sich nur auf die. weiblichen Angestellten der Kaffeehäuser (Sjakufu) ausdehnte, denen neben ihrem Hauptberuf auch die Prostitution erlaubt wurde. Ogurr begründete seine Maßnahme folgendermaßen: die Aufrechterhaltung der bekannten und offiziell unterstützten Prostitution in Aossi- vara und Sindziku komprommittierten Japan vor dem Ausland, weil die ausländischen Touristen, Journalisten und Schriftsteller dec Lizenzprostitution einen„zu großen Platz" in ihren Artikeln und Büchern erteilten. Außerdem ändere sich auch das Verhalten der Japaner selbst zum Vorhandensein einer offiziell unterstützten Prostitution, und endlich... der Besuch der Lizenzhäuser verringerte sich. Die. japanische Zeitschrift„Äsachi" schreibt« daß die gegenwärtige kapitalistische Entwicklung Japans einen so gewaltigen Drang vorwärts*'* wirken daß„der gesellschaftliche Geschmack und die Nöte" der Bevölkerung sich änderten. Die neuge« schaffene Lage fordere eine Aenderung der Pro« stitutionsausbeutung. Eine Aenderung, und kein totales Verbot der Prostitution.„Asachi" sagt aber nicht, daß mit der Verarmung des japanischen Bauerntums, besonders im Nordosten, sich die so« genannte Privatprostitution sehr stark erweitert hat, die für die„Konsumenten" viel billiger ist» Oguris Prostitutionsplan erlaubte den Bordellbesitzern, ihre Unternehmen in Restaurants, Cafes und Bars umzuwandeln, wo die früheren Bordefl« insassinnen nach europäischer Art weiter ihre Gewerbe neben dem„Hauptberuf" ausüben könnten: Das wichtigste in diesen Maßnahmen ist nach Oguri die Tatsache, daß von den Bewohnerinnest der Lizenzviertel der schändliche Name„Prostituierte" abgenommen wird. Dieser Plan rief aber einen Sturm der Unzufriedenheit und Proteste bei den Verteidigern des vorhandenen Systems hervor. Auch die Bordeflbesitzer protestierten unter der Parole:„Nehmen Sie uns das Brot nicht weg". Am 19. Feber dieses Jahres wurde in Tokio eine Konferenz eröffnet: Im Restaurant- Klub„Aojama Kajkau" versammelten sich 2500 Bordellbesitzer, die eine Resolution über die Aufrechterhaltung des Lizenzsystems der Prostitution annahmen. Der Haupteinwand der japanischen Presse und einiger offizieflen Persönlichkeiten gegen Oguris„Reform" wurde in folgender Erklärung formuliert:„Die japanische Familie kann nur durch das Bestehen des Lizenzsystems der Prostitution ganz und unberührt verbleiben." I. K. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Poft- und Tele« ^raphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis" Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.