1 Donnerstag, 15. August 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•in«chli.6lich 5 H.ll.r Fort«) TENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiupochova a. Telefon wr< HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Erste Fühlungnahme in Paris Die enslische Plattform: Wirtschaftliche Zugeständnisse— kein politisches Protektorat London. Das britische amtliche Radio meldet: Die britische Regierung hat in den letzten Wochen alle Seiten des italienisch-abessinische« Konfliktes, u. a. auch dessen wirtschaftliche Seite, sorgfAtig geprüft. Deshalb wird Minister Eden bei den heutigen Beratungen in Paris imstande sein, de« anwesenden Delegierten bestimmte konstruktive Bors chlüge zu unterbreite«, deren Behandlung für die Lösung des Konfliktes von Bedeutung sein kann. Trotz allem: j illegale Schutzbundarbeit Wien. Gestern hatten sich vor dem Wiener Schwurgericht die ehemaligen Angehörigen des Republikanischen Schutzbundes Genosse Josef K u b i L e k und Genosse Maximilian Wurf wegen des„Verbrechens des Hochverrates" z« verantworten, weil sie im 9. Wiener Bezirk eine neue Gruppe des aufgelösten Republikanischen Schutzbundes zu gründen versuchten. Mit- ougeklagt waren wegen„Geheimbündelei" und „Sammlung von Unterstützungen für die ringr- krrkerten Schutzbundmitgliedern" die ehemaligen Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, Gen. Stanislaus G r o m r k und Genosse Karl Taus. Dir Grundlage der Anklage bildete hauptsächlich rin Flugblatt, das bei der» Angeklagten gefunden tvurde und in dem als Ziel der neuen illegalen Arbeiterbewegung in Oesterreich die Diktatur des Proletariats angegeben war. Die Anklage wegen Hochverrates wurde vom Gericht verworfen» doch wurden alle vier Angeklagten wegen„Ge- ; trimbündclei" zu zwei bis fünf Monaten strengen Arrests verurteilt. Hitlers Anti-Habsburg-Agent Berlin.(AP.) Der frühere Landbund- whrer und östeoveichische Vizekanzler Winkler, der seinen offiziellen Wohnsitz jetzt in Zürich hat, M jedoch hauptsächlich in Deutschland aufhält, ' befindet sich, von Berlin kommend, auf einer Reise < durch jsie südosteuropäischen Hauptstädte, Budapest, «rlgrad und Bukarest. Seine Reise«folgt im »iiftrag amtlicher Berliner Stellen. Zweck seiner Mission ist, den Widerstand gegen die habsbnrgi- ichen Rcstaurationsbcstrcbungen zu schüren. I Schuschniggs Erfolge •ls„Damm gegen die Hltlerflut" I Wien. An den österreichischen Mittelschulen Mlrde Ende des verflossenen Schuljahres ein BW ettbewerb um den besten Artikel über r vgend ein»vaterländisches" Thema : veranstaltet. Diese Gelegenheit benützten zahl- k Weiche Mittelschulstudenten zu D e m o n- MMätionen gegen Oesterreich, für i den Anschluß an Deutschland und für Adolf Hitler. Die Schulbehörden waren gezwungen, i n I ganzen Reihe von Fällen I kinzuschreiten. Wie erst jetzt aus Bruck a. M. mit- 1 geteilt wird, schrieb bei diesem Wettbewerb fast I k»e ganze Klasse der dortigen Staatsrealschule s begeisterte Artikel für den Anschluß Oesterreichs r das nationalsozialistische Deutschland. Das k>Äeltblatt" macht auf diesen Fall aufmerksam i vnd verlangt die Schließung der Schulanstalten, |®} denen die Schüler ein solches Verhalten an den | Dag legen.(Wenn schon das Leibblatt S'uschniggs solche Zustände eingestehen muß, n man sich vorstellen, wie es in Oesterreich, I ho. die Klerikofascisten angeblich einen Damm | Kgm den Nazismus errichtet haben, wirklich | i Aussicht.) Katholische Verbände in Württemberg aufgelöst M. Stuttgart. Bon„zuständiger Seite" I jd»s heitzt von Hitlers amtlichen„Deutschen >"achrichtenbüro") wird mitgeteilt:„Die Neber- ' Kiffe und Ausschreitungen von Angehörigen der !^Eholischrn Jugendverbände haben in den letzten I Wochen nach wiederholten Ueberfällen auf An- Khörige der Hitlerjugend ein Ausmaß angenom- I?ttn, das polizeilich nicht mehr geduldet werden Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen ^«he, Sicherheit und Ordnung wurden daher die ' Acholischen Jungmännervereine Württembergs Aufgelöst nnd verboten und ihr »"er mögen beschlagnahm t." ^er tägliche Orden-ProzeK Berlin. Das Berliner Schöffengericht hat k Gestern abends das Urteil in dem Prozeß gegen die | netzen Angehörigen des Ordens vom„Guten Hir- i wegen Devisenvergehens gefällt. Die ange- Mte Oberin Birkhahn aus Berliw wurde zu vier k Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe I^-Urteilt. Die übrigen Angeklagten wurden zu L Geldstrafen von 4500 bis 1200 RM verurteilt. Die französischen und die englischen amtlichen Kreise bewahren über den Inhalt und den Verlauf der Mittwoch früh stattgefundenen Unterredungen größtes Stillschweigen. Trotzdem scheint, einigen Anzeichen zufolge, nach englischer Ansicht der Vertrag vom Jahre 1906 und der Notenaustausch zwischen Großbritannien und Italien vom 20. Dezember 1925 die Grundlage der Unterredungen gebildet zu haben. Die beiden genannten diplomatischen Dokumente sichern den interessierten Mächten die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Einflußnahme in Abessinien zu und sollen eine gegenseiige Konkurrenz ausschalten. Insbesondere der Notenaustausch vom Jahre 1925 sichert Italien eine größer» Expansionszone in Abessinien zu und schränkt dir britischen Rechte auf den Tana-See rin. Frankreich und Großbritannien suchen keine neuen VorteUe in Abessinien und deshalb scheint dir Londoner Regierung bereit, die Bereitwilligkeit des Kaisers von Abessinien, Italien wirtschaftliche Begünstigungen zu gewähren, z« unterstützen. Die Londoner Regierung kann jedoch keine politischen Begünstigungen gewähren, und zwar schon mit Rücksicht darauf, daß Abessinien ein souveräner Staat und Mitglied des Völkerbundes ist. Auf diesen Umstand hat auch voraussichtlich Minister Eden hingewiesen, der hiebei die Gefahr betonte, die dem System der kollektiven Sicherheit in dem Falle droht, wenn ein Bölkerbundsmitglied zu einem bewaffneten Einschreiten greifen würde. Außer diesen allgemeinen Bemerkungen wurden bei den Beratungen Mittwoch früh keine weiteren Einzelheiten behandelt. Der französische Ministerpräsident Laval betonte lediglich die Notwendigkeit einer friedlichen Lösung des italienisch-abcffni- schcn Konfliktes, die jedoch nur im gegenseittgen Envernehmen zu erreichen ist. Bei der ersten Fühlungnahme des britischen mit dem französischen Delegierten wurden also nur die Grundfragen geklärt, die nach der Donnerstag stattfindenden Unterredung mit den italienischen Delegierten die Grundlage für die Verhandlungen am Freitag bilden werden. Kapitulationen nach Vorkriegsmuster? London. Zu den bevorstehenden Pariser Drri-Mächtr-Bcsprechungcn schreibt der Berichterstatter der„Times" in Paris u. a., ein wirtschaftliches Mandat über Abessinien würde Italien nicht ermöglichen, in Abessinien einen Platz für seine überschüssige Bevölkerung zu finden. In manchen Kreisen glaube man daher, daß eine direktere und radikalere Lösung gefunden werden könnte. Eine Anregung, dir Anklang zu finden scheine, sei, in Abessinien ein System von Kapitulationen nach dem Borbilde der Kapitulationen in der BorkriegS-Türkei rinzurich- ten. Die politische Unabhängigkeit des Kaisers ustd seiner Regierung würde dabei aufrrchtcrhaltrn bleiben, aber jede der interessierten Mächte würde das Recht haben, die Ansiedlung ihrer Staatsangehörigen in ihrem Gebiete zn erleichtern und sie zu beschützen. Da Frankreich und England bereits erklärt haben, daß sie keine weiteren Zugeständnisse von Abessinien wünschen, würde ein Kapitulationsabkommen, welches diese Mächte mit Italien und Abessinien unterzeichnen würden, praktisch nur Italien zugute kommen. Wenn Abessinien einen solchen Vorschlag mit einem Hinweis auf sein nationales Ansehen ablchnen würde, so könnte es darauf aufmerksam gemacht werden, daß es bereits einem Kapitulationsregime unterworfen sei, da sieben europäische Länder und die Vereinigten Staaten konsulare Rechtsprechung innerhalb seiner Grenzen habe». Wie weit will England gehen? London, Die„Time s" umschreiben den birttschen Standpunkt bei den bevorstehenden Pariser Dreier-Verhandlungen und berichten, Eden werde sicher alles Mögliche tun, um begründete italienische Forderungen mit den Grundsätzen des Völkerbundes und der politischen Unabhängigkeit Wessiniens in Uebereinstimmung zu bringen. Er werde aber keine Zustimmung dazu geben, daß zur Machtanwcndung geschritten werde. Die britische Oeffentlichkeit sei ehrlich bei der Unterstützung des Völkerbundes und einer neuen internationalen Moral. Anderseits dürfe natürlich die Völkerbundsatzung nicht , zu ei.new bloßen W er! 1?« g d e r Erhaltung des Status guo wer- d e n. Deshalb sollten außer dem Artikel X noch andere Artikel der Völkerbundssatzung benützt werden, um Aenderungen in Abessinien herbeizuführen, welche die soziale Stellung dieses Landes heben und die kommerziellen und wirtschaftlichen Ansprüche Italiens, zu denen frühere Vereinbarungen mit Abessinien ihm ein Recht geben, anerkennen würden. Es verlautet, daß die britische Regierung die Gewährung beträchtlicher wirtschaftlicher Zugeständnisse an Italien begünstige, vorausgesetzt, daß Abessinien keine Schmälerung seiner Souveränität zugemutet werde. Wirtschaftliche Zugeständnisse könnten sogar begleitet sein von dem Rechte Italiens, einige der an Bodenschätzen reichen und spärlich bewohnten Gebiete Ober-Abessiniens zu besiedeln. Es würde dem Geiste des Artikels XXll der Völkerbundssatzung entsprechen, wenn Italien die Erlaubnis erhielte, einen Bettrag bei der Entwicklung eines zugegebenermaßen rückständigen Landes zu leisten. Eine solche Aenderung in den- italienisch-abessinischen Beziehungen würde der Völkerbundssatzung und früheren Verträgen nicht widersprechen, besonders wenn Abessinien als Gegenleistung einen freien Ausgang zur See erhielte. Was Mussolini recht Ist, wird Hitler billig sein... London.„News Chronicle" schreibt über die Pariser Konferenz zur Beilegung des italienischabessinischen Konfliktes, daß es geboten wäre, das Kolonialgebiet von neuem zu verteilen und daß es anderersetts notwendig wäre, den Italienern und Deutschen zu ermöglichen, mit den Kolonien Geschäftsbeziehungen anzuknüpfen. Aus diesem Grunde schlägt „News Chronicle" vor, daß die Kolonialmächte einige Kolonien aus freien Stücken einem Mandat des Völkerbundes unterstellen würden, wodurch ein gleichberechtigtes Vorgehen gegenüber Italien und Deutschland(I) gesichert würde. Und noch ein Mobilisierungsbefehl Mussolinis Paris. Nach einem Havas-Bericht aus Rom wurden bereits die im Jahre 1914 Geborenen zu den Waffen zu dreimonatigem Dienst einbe- rüfen Einbcrufen wurden auch diejenigen Wehrfähigen, die gerade im Auslande weilen. Hallens kulturelle Sendung Athen.- Die Bevölkerung des von Griechen bewohnten, von Italien beherrschten Dodekanes steht unter strenger Kontrolle. ES wurde dort das Kriegsrecht proklamiert. Neue Wege Die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes in diesem Sommer hat nicht die Hoffnungen erfüllt, die Optimisten im heurigen Frühjahr gehegt haben und die auch in einzelnen Zeitungen zum Ausdruck gekommen sind. Eine Besserung der Konjunktur ist leider nicht eingetreten. Im Jahre 1934 ist die Anzahl der Arbeitslosen vom Feber, da die Arbeitslosigkeit erfahrungsgemäß den Höhepunkt erreicht, bis Ende Juli von 844.284 aut 569.450, im heurigen Jahre in derselben Zeit von 833.194 auf 566.522 zurückgegangen, so daß im Vorjahr im Laufe des Sommers 274.834, heuer 266.672 Arbeiter eingestellt werden konnten. Daraus geht hervor, daß es sich auch heuer nur um die übliche saisonmäßige Belebung der Wirtschaft und nicht um einedauernde A u f w ärtsbewegung handelt. An dem langsamen Aufstieg der Weltwirtschaft nimmt die Tschechoftowakei nur wenig teil. Wir haben zlv^r den Tiefpunkt der Krise seit dem Winter 1932/33 hinter uns, aber im A u f sti e g d e r W e l t- produktion stehen wir an einer derletztenStellen neben Belgien, Oesterreich, Polen und Ungarn, während in England, ganz Nordeuropa und Frankreich günsttgere wirtschaftliche Verhältnisse herrschen als bei uns. Diese Situation stellt uns—- die Faktoren des öffentlichen Lebens ebenso wie diejenigen der Privatwirtschaft— vor ernste Aufgaben: w i r dürfen in der Entwicklung aufwärts nicht hinter demeuropäi- fchen Durchschnittzurückbleiben. Die Regierung mußte sofort nach den Wahlen darangehen die Getreidewirtschaft für das heurige Erntejahr zu regeln. Sie tat es durch die Erneuerung des Getreidemonopols, welches den Getreidepreis stabilisiert, und dem Bauern einen gewissen Ertrag seiner Arbeit sichcrstellt, wobei dec Getreidepreis derselbe geblieben ist wie im Vorjahre. Damit ist die Regelung im landwirtschaftlichen Sektor der Wirtschaft erfolgt und e s v e r- bleibtnun noch der eigentliche Krisensektor, die Industrie. Der Hebung unserer Jndustriewirtschaft muß nun unsere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dabei muß man sich eines vor Augen halten: unsere Jndustriewirtschaft von 1929 wird nie mehr Wiedererstehen und wer da glaubt, wir könnten genau dieselben Waren in genau dieselben Länder auSführen wie vor dem Einbruch der großen Krise, der kennt die heutige Welt nicht. Die Hebung unseres industriellen Exports— und das sollten die alten und jungen Unternehmer und Fabriksdirektoren endlich einsehen— kann nicht mit den alten Mitteln und den alten kaufmännischen Erfahrungen erfolgen. Unsere Industriellen dürfen auf ihren Ledersofas nicht sitzen und warten, bis der BesteUer, für den sie ein paar gute Zigarren vorbereitet haben(so weit reicht oft ihre Voraussicht), ihnen ins Haus geschneit kommt. Sie müssen neue Exportgebiete a u f- suchen oder wenigstens aufsuchen lassen— wobei es selbstverständlich Aufgabe des neuen Exportinstitutes sein muß, ihnen mit Rat und Tat, vor allem mit Informationen, zur Seite zu stehen. Unsere Industriellen und ihre Organe sind über die Exportmöglichkeiten in vielen Ländern— insbesondere in Uebersee, wo es keine Devisenbeschränkungen gibt— nicht genügend orientiert und sind hinter den Unternehmern jüngerer Industrieländer zurückgeblieben. Jahrzehntelang haben japanische Kaufleute und Ingenieure von uns gelernt, warum sollen wir nicht auch einmal von den Japanern etwas lernen, die systematisch die noch aufnahmsfähigen Länder wie z. B. Südamerika bereisen, die Bedürfnisse von deren Bewohner studieren und kollektiv den Export organisieren? Die deutschböhmischen Industriellen haben ftüher vielfach durch Vermittlung Wiener Großhändler exportiert, es wäre höchste Zeit, wenn sie initiativ und energisch vorgehen würden. Mögen die Verteidiger der kapitalistischen Ordnung doch zeigen, was Unternehmerinitiative heute noch leisten kann. Die Debrdenz unserer führenden Privatwirtschaftler trägt einen großen Teil der Schuld daran, daß die Tschechoslowakei an dem wenn auch langsamen Auftrieb der Weltwirtschaft nahezu keinen Anteil hat. Sicherlich hat die staatliche Wirtschaftspoli- tik gewisse Voraussetzungen zu schaffen für eine Belebung des Exports, ohne welche wir mit dem furchtbaren Problem der sudetendeutschen Arbeitslosigkeit ja der nächsten Zeit nicht fertig werden Seite 2 Donnerstag, 15. August 1938 Nr. 189 I können. Aber auch da muß man den tschechischen und den deutschen Industriellen den Vorwurf machen, daß ihre Politik alles andere geeignet ist als der Industrie zu helfen. Den Herrn Doktor Hodäc, den ehemaligen Generalsekretär des Industriellenverbandes, dem auch die deutsche Industrie angehört, haben die Insignien der Universität viel mehr interessiert als das Schicksal unserer Glas-, Porzellan- und Textilindustrie und unsere sudetendeutschen Industriellen haben viel mehr Geld übrig für den Wahlfonds des Herrn Henlein als für das Aufsuchen neuer Exportgebiete. Die Herren Industriellen und ihre Leib- journalisten— man lese nur die montäglichen Ergüße des Herrn Fischer, die in ihrer eintönigen Gedankenlosigkeit geradezu Ueblichkeiten Hervorrufen— werfen den sozialistischen Parteien Nachgiebigkeit den Agrariern gegenüber vor, aber was tun sie, um die Interessen der Jndustriewirt- schaft zur Geltung zu bringen? Die fascistische Politik der Industrie ist es, die dir Industrie selbst mehr ins Verderben führt als die Arbeiter, gegen deren demokratische Freiheiten sie gerichtet ist. Diese Feststellung enthebt uns freilich nicht der Erkenntnis, die wir zu Beginn dieser Darstellung ausgesprochen haben, daß nach der Regelung der landwirtschaftlichen Fragen dieSorgeum die Jndustriewirtschaft und die Arbeiter die Wirtschaftspolitik der nach st en Monate lenken muß. Die sozialistischen Parteien nehmen diese Sorge auf sich, aber was geschehen muß, liegt nicht nur im Interesse einer einzelnen Bevölkerungsklasie, sondern im Staatsinteresse, auch im Interesse der bäuerlichen Schichten, die ja ihre Erzeugnisse verkaufen wollen und des gewerblich-kaufmännischen Mittelstandes, dem es nur gut geht, wenn die Arbeiter Verdienst haben. Vereinigen wir uns alle, nm endlich mit kühner Initiative die industrielle Krankheit, die insbesondere die Sudetendeutschen trifft, zu bekämpfen, denken wir an den kommenden Winter, der ansonsten schweres Unheil über uns bringen wird. Für Mindestlöhne Das„Rärodni Osvobozeni" befaßt sich in seinem gestrigen Leitartikel mit dem Lohnproblem in der ESR. Es stellt znächst fest, daß die Arbeiter sich nur schwer des Lohndrucks erwehren können. Das hat darin seinen Grund, daß der Unternehmer Hunderte von Angeboten erhält, wenn ein Arbeiter zu einem bestimmten Lohn nicht mehr arbeiten will. Die Unternehmer suchen ihre Machtposition immer mehr auszubauen, die Löhne zu drücken, die Anforderung an die Leistungen dagegen zu erhöhen, Kollektivverträge werden abgelehnt, Anträge auf Sanierung der Unternehmungen durch LohUherÄbst^ung^n gestellt,' gvlbc'Orgn- nisationen gezüchtet usw. Das ist rin Zustand, der nicht zu ertragen ist, insbesondere, wenn man be« denkt, daß der Staat gewißen Schichten der Bevölkerung die Preise ihrer Produkte garantiert, wie das bei Getreide. Spiritus, Zucker, Mineralöl usw. geschieht. Dagegen werden Löhne und Gehälter dem freien Spiel der Kräfte auf dem Arbeitsmarkt überlassen. Wenn der Staat Minimalpreise für gewiße Produkte schafft, ist er auch verpflichtet, Minimallöhne zu verordnen. Die Prager Handelskammer hat unlängst einen Antrag ausgearbeitet, wonach der Preisunterbietung in gewißen Branchen ein Ende gesetzt werden soll. Ebenso müßte nun verlangt werden, daß der Lohnunterbietung Einhalt getan wird. Die Legende■ von Florus, Agrippa und■M Menahem, dem Sohne Jehudas Von Wladimir Korolenko■■ Aua dem Russischen von Nina Stein|'>’ Ms der Mond untergegangen war und die Erde im Dunkel lag, verli^ Florus düster, mit schamgesenkten Augen, den Palast und führte schweigend seine Legionen aus der Stadt. Am nächsten Morgen gab es keinen Römer mehr in der heiligen Stadt. Ueber der Stadt Gamala sank die Sonne... Still und friedlich war es im judäischen Land... Die Menschen frohlockten. Die Legionen des Florüs hatten den Rückzug angetreten, und Cesti us hatte eine Niederlage erlitten. Es schien, als seien die bösen Zeiten zu Ende, und die Töchter Galiläas flochten Kränze und sangen Lieder. Doch Gamaliot nahm nicht teil an der allgemeinen Freude. Er wußte, daß der Krieg noch bevorstand, daß der römische Adler seine Krallen wetzte. Darum hatte er Jerusalem verlaßen und zog durch das Land, das Volk zu den Waffen rufend. Nun war er müde in sein Haus zurückgekehrt, um sich auSzuruhen. Er sah die Abendröte und den blauen Himmel und weinte, denn der klare Himmel sprach von dem ewigen Gesetz des Friedens, und sein Herz ersehnte den Frieden auf Erden und schrak zurück vor Blut und Streit. Wie Balsam war die sanfte Abenddämmerung und Friede erfüllte sein Herz. Hoch aufatmend sagte er: „Die Menschen müßen Brüder sein, und die Well Gottes ist schön..." Abessinien protestiert Genf. Der Delegierte Abessiniens beim Völkerbund Havariat sandte aus Paris an den Generalsekretär des Völkerbundes Avenol eine Rote, in der er namens der abessinischen Regierung Beschwerde dagegen erhebt, daß die italienische Regierung ohne Rücksicht aus das im Sinn« des Beschlusses des Bölkerbundrates wiederaufgenommene Schiedsverfahren die Entsendung von Truppen nach Ostafrika sowie die Produktion von Waffen, die— nach den vorliegenden feierlichen Erklärungen— für den Kampf gegen Abessinien bestimmt sind, fortsetzt. Die abessinische Regierung ist heute überhaupt nicht imstande, sich außerhalb ihrer eigenen Grenzen Vertridigungsmittel zu beschaffen, denn sie stößt überall auf ein W a f f e n- ausfuhrverbot. JstdieS wirklich Neutralität, wenn dieses Verhalten der Gerechtigkeit widerspricht? Bleibt der Rat des Böl- kerbmides unbewegt angesichts dieser Situation, die sich ständig verschlimmert? Wird der Rat gestatten, daß dieser ungleiche Kampf zwischen zwei Bölkerbundmitglie- d e r n andaucre, von denen das eine olle Macht besitzt und die Möglichkeit hat, alle seine Hilfsquellen auf die Vorbereitung eines AngrifteS zu konzentrieren, während der andere Staat schwach und friedlich ist, seine internationalen Verpflichtungen einhält und nicht imstande ist, sich dir Mittel zur Organisierung seiner Verteidigung zu beschaffen? Wird der Rat vor der Welt die Verantwortung dafür übernehmen, daß er die Vorbereitung eineS blutigen kriegerischen Angriffes gegen ein Volk, das niemanden bedroht hat, zuläßt, ohne dagegen ernznschreiten? Die Rote der abessinischen Regierung hat in Genf großes Aufsehen hervorgerufen, wenn auch die abessinische Regierung nicht direkt ein Einschreiten auf Grund irgendeines Artikels deS Völkerbundpaktes verlangt. In den Papierkorb London. Der abessinische Protest gegen das Verbot der Waffenausfuhr nach Abessinien wird, wie die englischen amtlichen Kreise ankündigen, den Standpunkt Englands bis zum Abschluß der Pariser Dreimächteverhawdlungen in keiner Weise ändern. „Todesstoß für die Sicherheit“ London. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" stellt fest, daß Minister Eden dem Ministerpräsidenten Laval darlegen werde, daß ein Krieg zwi- schenItalienund Abessinien ei« Todesstoß für das Genfer Sicherheitssystem wäre und auch die Scheidung Großbritanniens von den Verhandlungen über europäische Angelegenhetten bedeuten würde. Das größte Hindernis für eine Vereinbarung erblickt das Blatt in dem Bestreben Mussolinis, eine politische nud militärische Kontrolle über Abessinien zu erreiche«. Hitler liefert an Abessinien Giftgas gegen Ungeziefer 'S ■— B 64$ S S * jz Wenn die Semiten mit Devisen zahlen, dann weiß die rechte Hand nickt, was die linke tut Doch da erblickte Gamaliot in der Ferne eine Staubwolke, die sich seinem Hause näherte, und er erkannte eine Schar von Menschen. Es waren Boten aus Jerusalem, die ihm Nachricht zu überbringen, hatten, und Bürger von Galiläa und Essäer in Weißen Gewändern. Sie stritten miteinander, und der Lärm ihrer Stimmen zerriß die sanfte Stille des Abends. Sie machten Halt vor Menahems Haus, und dieser fragte sie nach der Ursache ihres Streites. Da traten die Boten vor und sagten: .„Wir bringen dir Nachrichten aus Jerusalem. Höre uns an." Und sie erzählten: „Nachdem du und viele andere Jerusalem verlaßen habt, um im übrigen Land Unterstützung zu suchen, ist König Agrippa, der abwesend war, nach Jerusalem zurückgekehrt. Als er sah, daß das Volk das römische Joch abzuschütteln gedachte, wurde er betrübt, denn er dachte an seine Macht.. Denn wenn er sich den Juden anschließt, so werden ihn die Römer, falls sie siegen, absetzen. Dasselbe werden die Juden tun, wenn er sich auf die Seite der Römer stellt. König Agrippa hat einen Thron und ist bereit, die Sklaverei zu ertragen. Er versammelte das Volk und begann auf die Leute einzureden. Er stand oben und unten stand das Volk. Sich gegenüber hatte er seine Schwester Berenike, die vom Volke wegen ihrer Sanftmut sehr geliebt wird, hingestellt und ihr befohlen, angesichts des Volkes Tränen zu vergießen. So wollte er mit seiner Redekunst das Volk verwirren und mit Frauentränen den Zorn des Volkes verlöschen. In seiner Rede.nannte er Nero einen„milden Herrscher" und die Römer„großmütige Sieger".. Und auf viele haben seine Worte gewirkt, im ganzen Lande werden sie wiederholt und säen Zwietracht im Volke, das sich doch einmütig erhoben hat. Und auch die, di« mll uns kamen, streiten mit uns...* Als die Boten ihren Bericht beendet hatten, traten zwei Kaufleute vor und sagten zu Mena- „Agrippa hat recht, während ihr Böses tut. Dein Vater ist im Krieg umgekommen und ist schuld am Tode unsrer Väter, die unschuldig am Aufruhr sind. Und setzt willst du auch uns, friedliche Kaufleute, ins Verderben bringen. Du schätzest dein Leben nicht, wefl du nicht reich bist, aber wir schätzen es. Sei gerecht, Weiser Menahem, Sohn des gefallenen Jehuda." Kalt erwiderte Menahem den Kaufleuten: „Mein Vater ist umgekommen und eure Väter find umgekommen... Mein Vater ist mit den Waffen in der Hand gefallen, und eure Väter haben di« grimmigen Sieger umgebracht. Aber ich sage euch: nicht mein Vater hat eure Väter ins Verderben gebracht, sondern im Gegenteil, sie waren es, die dem tapferen Jehuda zum Verhängnis wurden." Die Kaufleute sahen ihn fragend an, und Menahem erklärt«:- „Jehuda erfüllte seine Pflicht, indem er der Gewalt der Eroberer Widerstand leistete. Wenn alle diese Pflicht erfüllt hätten, so hätte Rom es nicht gewagt, seine Grenzen zu überschreiten. ES würde Frieden auf der Erd« herrschen, und die Völker würden nicht unter dem Joch stöhnen. Und mein Vater würde noch am Leben sein. Aber eure Väter, wie auch die Kleinmütigen der anderen Volker, haben ihren Verteidigern ihre Hilfe versagt, und so find sie gefallen. Wir aber, die Söhne jener Mäner, müssen die Schmach der Sklaverei ertragen. Dies ist meine Antwort, Händler.... Geht nun!" Nun traten die Essäer in weißen Gewändern zu ihm heran und sagten: „Du säest eine böse Saat, weiser Menahem, mit deiner Lehre, die in ihrem Hochmut danach strebt, alles zu durchdringen, was war, was ist und was sein wird. Genügt es dem Menschen nicht, die Gesetze Moses zu kennen und zu wissen, wie man den Boden bestellt?... Du säest auch eine böse Saat mit deiner Lehre, die zum Kampf ruft!... Wehe dir, Menahem ben Jehuda! Wenn Internationale Falkenführertagung In Vemeuil bei Paris In 31 tunen der internationalen Falken« 1 republik in Berneuil fand Freitag, den 9. und| Samstag, den 10. August, eine wichtige Fallen« 1 führertagung statt. Es nahmen an ihr mehr all 3 40 Helfer aus allen Ländern Europas teil. De« I Vorsitz führte Genosse Kurt Löwenstein, der I auch das Rxferaf über das wichtigste Thema der fl Tagung„Arbeit mit den 14- bis löjäh« I r i g e n" erstattete. Der Vertreter der sozial!« 1 stischen Jugendinternationale betonte den Willen 1 seiner Organisation zur Zusammenarbeit mit der M Erziehungsinternationale und gab seine Zustim« 1 mung zu den vorgeschlagenen Thesen, die später I von der Führertagung beschlossen wurden. An der| Aussprache beteiligten sich in sachlicher Weise die| Helfer aus allen Ländern.(Bei uns wurde die 1 Lösung dieses Problems der Schulentlassenen be« I reits im Einverständnis der Kinderfreunde und I sozialistischen Jugendorganisation mit Erfolg ver« 1 sucht.) Am zweiten Tage wurden die Falken« 1 geböte besprochen. Eine Kommission wird ver« 1 suchen, Vorschläge für Fallengebote zu erstatten, A die dann für alle der Internationale angeschlosse« J neu Länder gelten sollen. Zum letzten Punkt der ij I Tagesordnung„Internationaler Austausch" j sprach Genöße Willi H o ck e für das Ostbüro. Er I berichtete ausführlich über den Vertrieb unserer 1 Abzeichen usw. und erstattete neue Vorschläge über 3 Verlagsartikel für den internationalen Austausch. 1 Genosse Kurt besprach die vielen Möglichkeiten,■ wie Organisierung einer internationalen Korre« 1 spondenz der Helfer und Fallen, Helferaustausch A usw. Alle diese Dinge würden zur Vertiefung del j Gedankens wesentlich beitragen. Genosse Willi I Hocke schlägt vor, einen internationalen I Kinderaustausch vorzubereiten. Alle Bor« Ä schlüge und Anregungen wurden einmütig be«.3 schlossen und deren Durchführung dem Büro der 1 sozialistischen Erziehungsinternationale über« 3 tragen. Nichtangriffspakt Deutschland—Belgien? Brüssel. Nach im Auslande verbreiteten^ Nachrichten soll Belgien einen NichtangrifSpast W mit Deutschland abzuschließen planen. Minister« 1 Präsident Van Zeeland soll darüber angeblich 1 mit dem deutschen Botschafter verhandelt haben, t Die Brüsseler kompetenten Stellen behaupte«' j jedoch demgegenüber, daß diese Meldungen über! E den Abschluß eines Nichtangriffspaktes zwischen 1 Belgien und Deutschland reine Erfindungen f sind. vlutjustlr In Spanien Madrid. Im Zusammenhang mit de« vorjährigen Oktober-tknruhen fand in Leon ei« Prozeß gegen 6b Aufständisch« statt. Tas Gericht beantragte für einen Angeklagten die Todes' strafe und für di« übrigen 64 lebenSlänglicheö Zuchthaus. Bom Kriegsgerichte in San Sebastian wurde der stellvettretende Bürgermeistrr zu» I T o d e, weiter« sieben Angeklagte zu Freiheit!' I strafen von 12 bis 20 Jahren verurteilt. BSSBSSSBBBBSBBBBSSBS•BBSBSBBSS’SB&i eine Stadt belagert wird und Widerstand leistet« so schenken die Belagerer den unterwürfigen Ein' wohnern das Leben, jene aber, die Widerstand ge« leistet haben, werden getötet. Wir predigen de» Bolle Unterwürfigkeit, damit es dem Untergang entgehe... Aufrührer aber müßen sterben..- Und deshalb sind wir Männer des Lebens, ihr aber seid des Todes... Wessen Lehre ist also besser?" Und sie erzählten ihm ein Gleichnis, das ck aufmerksam anhörte, und noch ein zweites und ei" drittes, in denen gezeigt wurde, daß der Kamp! ein Uebel sei. „Man trocknet nicht Wasser mit Wasser und löscht nicht Feuer mit Feuer. So wird auch ff« Gewalt nicht durch Gewalt überwunden, denn st- ist selbst von Uebel..." * Und die Schüler Menahem ben Jchudaö waren verwirrt..,, Doch Menahem selber war nicht verwirrt und erwiderte: „Ihr habt recht, ihr sanften Essäer: wen« eine Stadt Widerstand leistet, so richten die Be« lagerer ihre Waffen gegen die, die sie verteidige«, denen jedoch, die bereit find, sich zu ergeben, ver« sprechen sie das Leben, um eine um so größere Zahl dazu zu bewegen... Ja, das ist richtig! Aber wenn eine Stadt von Räubern überfallen wird und niemand es wagt, Widerstand zu leisten,— was tun die Ge« walttäter dann?... Metzeln ste dann nicht alle unterschiedslos nieder?... Denkt an Florus! Haben seine Legionen nicht auch diejenigen nieder« gemacht, die mit sanftem Willkommengruß ihnen entgegengingen? Unbegreiflich sind Gottes Weg« dem Sterblichen: vielleicht werden wir» dir Kämpfer für die Freiheft, fallen, ihr aber werd«! leben mit euren Kindern und Kindeskindern. Werdet ihr dann nicht, ihr sanften Essäer, mit Dank« barkeit der Aufrührer gedenken, die den Zorn dcr Gewalttäter ans sich gelenkt haben und mit ihre!« Tod euren Frieden erkauft haben?..." (Fortsetzung folgt.) Nr. 189 Seife 3 DonnerStag, 15. August 1935 Vom Rundfunk ■empfehlenswertes aus 4u Programmen! Freitag: Prag. Sender L.:10.05: Deutsche Presse. 11.00: Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt, 18.30: Konzert de- SalonouartetrS. 18.20: Deutsche Sendung: Das bringt dir Reichenberger Messe? 18.30: Heidrich: Sudetendeutsche Theaterlage, 19.00: Deutsche Preffe. 21.18: Konzert des Prager FunkorchefterS, 22.30: Tanzmusik.— Mähr. Ostrau: 12.30: Mittags!»»« zeit, 18.20: Deutsche Sendung: Remenh: Quer durch die Slowakei,— Pveßbnrg: 18.00: Violinkonzert, Geänderte Parolen? Wir lesen in der Warnsdorfer„Volksstimme": w Die Leute von der SHF, Pardon, SdP., Vorsitzender Konrad Henlein, waren, weil sie nicht an Geldmangel litten, vor den Wahlen äußerst rührig. Nachts zogen Kolonnen aus, die oft in mehr als einem Meter hohen Buchstaben ihre Henlein-Parolen auf die Strafen, Gehsteige und andere paffende oder unpassende Stellen aufpinselten. Spuren dieser Nachtmalerei sind heute noch hie und da erkennbar. Nun gibts wieder Malereien, deren Ausführung fener vor den Wahlen verteufelt ähnlich sieht. Die Texte aber sind so, daß man annehmen must, sie müssen von enttäuschten SHFern entworfen worden sein. Einige Arbeiter aus Niedergrund berichten uns, dast z. B. auf der Straste bei der Richterschen Fabrik zu lesen stand: »DHF-Kameraden, unsere Führer haben uns betrogen!" Ungefähr zehn Minuten Weges weiter, beim Jahn-Stein, neben der sogenannten„Adlers- Schmiede, war wieder zu lesen: „Schande unserem Führer, weg mit dem Landdienste für 10 XL wöchentlich!" Auf der Straste hinaus nach Buschdörfel bei der Talsperre wieder war gemalt: „Henlein in der Schweiz. Und Du, Arbeitsloser, sollst für 10 XL die Woche arbeiten. Wo bleiben die Versprechungen? Wo denn???" Im selben Strastenzuge, ein Stück weiter brausten, lautet eine Aufschrift: „SHF-Arbeiter, spürst Du nun, daß Du der Betrogene bist?" In einer nahen Bergrestauration ist in dem Fremdenbuche u. a. zu lesen: „Bonzeit im Speck, Bolk im Dreck und Henlein in der Schweiz." Ob damit die Unmutsäusterungen der Enttäuschten schon erschöpft sind, wissen wir nicht, glauben aber kaum. Jedenfalls darf man mit Recht annehmen, dast bei vielen SHF-Lcuten der Rausch aus der Wahlzeit verflogen ist und sich bereits der politische Katzenjammer eingestellt hat. „Kleine Entente unzerstörbar fest“ Minister Benes anläßlich des 15jährigen Jubiläums Anläßlich deS fünfzehnjährigen Bestehender Kleinen Entente äußert sich Außenminister Dr. Benes im„Teske Slobo" folgendermaßen über Bedeutung und Politik der Kleinen Entente: Ich möchte daran erinnern, daß das im Rahmen der Kleinen Entente abgeschlossene Bündnis die einzige Nachkriegsschüpfung ist, welche so lange dauert, schon 15 Jahre, das ist fast seit der Beendigung des Weltkrieges und daß diese Bündnisschöpfung zum Unterschied von anderen derartigen Bereinigungen sich Jahr für Jahr befestigt, bis es im Jahre 1938 durch die Unterschrift eines besonderen Statuts einen Gipfelpunkt erreicht hat, wodurch die Außenpolitik unserer drei Staaten völlig vereinheitlicht wurde. Cs gibt nirgends ein anderes Beispiel eines solchen Bündnisses und einer solchen politischen Entwicklung seit dem Kriege... Ich möchte auch besonders Nachdruck darauf legen, daß es auch im letzten Jahre nicht den geringsten Streit gegeben hat. Das gilt von der Frage der Restauration der Habsburger und von dem Verhältnis der Kleinen Entente zu Italien, zu Deutschland, zu Polen und zu Rußland. Das gilt auch vom Donaupakt und allen anderen Fragen, welche die Interessen unserer Staaten betreffen. Wir waren einig, wir sind einig und wir bleiben einigl Ich sehe die Zukunft der Kleinen Entente unbedingt gesichert und unzerstörbar fest. „Gruppe Spartakus" Differenzen in der kommunistischen Partei? Dem„Prävo lidu" ist ein Flugblatt in die Hände gefallen, welches zweifellos kommunistischen Ursprunges ist und entschieden Einwendungen gegen die jüngste Politik der Bolschewiki erhebt. TaS Flugblatt das„Gruppe Spartakus" unterzeichnet ist. beginnt folgendermaßen: Genosse«! Der Sache der Arbeiterklasse und der kommunistischen Partei, deren Mitglieder und Kämpfer wir sind, droht eine furchtbare Gefahr! In der letzten Zeit wird in der Politik der kommunistischen Parteien in einer Reihe von kapitalistischen Ländern still und heimlich hinter dem Rücken der Mitglieder und der Arbeiterschaft ein großer Umsturz durchgeführt. Berlassen wird die Linie des unversöhnlichen Kampfes gegen jeden Imperialismus, für welchen die Kommunistische Internationale von Lenin gegründet worden ist und ersetzt wird fie in den bürgerlichen Staaten, welche mit dem Sowjetverband zeitwellige Bündnisse abgeschlossen haben, durch die Politll der Landesverteidigung.. Dann werden die konkreten Anzeichen dieses Umschwunges in der französischen und tschechoslo«, iwakischen kommunistischen Partei dargelegt und vor allem auf die Unterredung Stalins und Lavals hingcwiesen, in der Stalin„volles Verständnis und Zustimmung zur Politik der Verteidigung des Staates, die Frankreich durchführt" zum Ausdruck gebracht hat. Es heißt dann weiter: „Es ist ein Unssun, wenn man behauptet, eS sei dies eine bloße diplomatische Phrase. Stalin ist nicht Mitglied der Sowjetregierung und er ist vom Standpunkt deS internationalen Rechtes und der diplomatischen Gepflogenheiten eine Privat- Person. Keine Rücksicht auf diplomatische Höflichkeit oder Gewohnheit konnten ihn zwingen, an den Verhandlungen mit Laval teilzunehmen und seinen Namen und seine Ansichten über die Berteidi- gung Frankreichs im Prrtokoll anzuführen. Im Gegenteil, eine solche Anführung ist eine äußerst ungewöhnliche und ausnahmsweise Sache. Sie konnte nur haben und hatte nur eine» Zweck: außer der Sowjetregierung auch die kommunistischen Parteien und die Kommunistische Internationale zu binden. Stalins im Kommunique angeführten Worte, mußten bedeuten und bedeuteten die Weisung an die französischen mrd tschechoflo- Warschau. Im Laufe des heutigen Tages fanden auf dem ganzen Gebiete Polens, u. zw. in 104 Wahlkreisen, die Sitzungen der sogenannten Wahlkreisversammlungen statt, in welchen auf Grund der Bestimmungen der neuen polnischen„Wahl"ordnung die Namhaftmachung von Abgeordnetenkandidaten erfolgte. Im Sinne des neuen„autoritären" Wahlgesetzes in den Sejm können zu Abgeordneten nur diejenigen Kandidaten gewählt werden, deren Kandidaturen in den Wahlkreisversammlungen angenommen wurden. Der Verlauf der Kandidatenwahlen in den heutigen Wahlkreisversammlungen, welche den eigentlichen Wahlakt darstellen, da am 8. September(d. h. am Abstimmungstage) lediglich von den durch die Wahlkreisversammlungen angenommenen Kandidaten in jedem Wahlkreise die Wahl von 2 Abgeovdneten erfolgen wird, war im ganzen Lande ruhig. In der Hauptstadt wurden besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen und die Lokale, in denen Die„Prager Presse" erfährt aus Boston: Das Abgeordnetenhaus von Massachusetts faßte ohne vorhergehende Debatte folgende Resolution: „Da zuverlässig berichtet wird, daß gewisse Bewohner Deutschlands wegen ihrrS Glaubens und ihrer Nationalität in einem Ausmaß verfolgt werden, daS der modernen Zivilisation Abscheu emflößen muß, beschließt das Haus, daß es an seinem Glauben festhält, daß Freiheit und Gleichheit ohne Rücksicht auf Rasse, Farve und Glauben für die Aufrechterhaltung jeder modernen Zivilisation unentbehrlich sind." Der deutsche Generalkonsul hat gegen diese Resolution beim Staatsgouverneur Curley und beim Sprecher des Hauses formellen Protest ein- Das Programm des Nürnberger Parteitages Nürnberg. Auch bei dem diesjährigen Parteitag der NSDAP vom 10. bis 16. September stehen die Aufmärsche und Schaustellungen im Vordergrund. Am Dienstag, dem 10. September, wird der Parteitag durch die Glocken sämtlicher Kirchen eingeläutet, die Spitzen werden im Rat- hauSsaal empfangen, im Opernhaus werden die „Meistersinger" aufgeführt. Am 11. September ist die Grundsteinlegung der Kongreßhalle sowie Standkonzert am Adolf-Hitler-Platz. Am 12. September erfolgt wieder wie im vorigen Jahre ein Appell und Vorbeimarsch des ReichSarbeits- dienstLs, durch den Oberst H i e r l offenbar wiederum vor der Reichswehr dokumentieren will, daß seine Organisation anders ist als die SA und durch die Wehrpflicht nicht überflüssig wird sowie trotz Geldknappheit nicht abgebaut werden darf. Oberst Hier! weiß sich bei solchenGelegenhciten in Szene zu setzen. Am Abend findet ein Fackelzug der Politischen Leiter statt. Am Freitag haben die Auslandsorganisationen, der Studentenbund, die Schriftleiter der Parteipreffe usw. ihre Sondertagungen. Außerdem wird noch ein Appell der Politischen Leiter abgebalten. In der LuitpoldHalle findet ein Frauenkongreß statt. Erst an diesem Tage treffen Hitlerjugend, SA, SS und NSKK(Kraftfahrer) ein. Am 14. September wird in der dritten Jahrestagung der Arbeitsfront der Reichsarbeits- und Wirtschaftsrat, eine Neugründung von L e y, eingesetzt. Das Schulungsamt und die NS-Bolkswohlfahrt halten Tagungen ab. Am Abend findet ein Volksfest mit! Feuerwerk statt. Am Sonntag, den 15. September, I erfolgt ein Appell von SA, SS und NSKK, deren j wakische» Kommunisten, mit Rücksicht auf daS Bündnis mit der Sowjetunion sich des unversöhnlichen Kampfes gegen den eigene« Imperialismus zu begebe«." Dann folgen in dem Flugblatt Lenin- und Stalinzitate, die bezeugen sollen, daß die gegenwärtige Politik der russischen Kommunisten jener der früheren Jahre entgegengesetzt sei und geschlossen wird mit der Aufforderung an die Mitglieder, die Parteidisziplin nicht weiter aufrecht- zuerhalten. Stfibm? klagt Kramäf? Das in Bratislava erscheinende Blatt„Slo- venskä Politika" bringt die Nachricht, daß Strk- brnh die Klage gegen die Nationaldemolratie wegen Bezahlung von 300.000 XL für Ausgaben zu Wahlzwecken eingeleitet habe. Sollte die Nachricht den Tatsachen entsprechen, würde dies den Zerfall des„Närodni sjedno- eeni", bezw. die Trennung Stribrnhs und der Nationaldemokraten bedeuten. die Sitzungen der Wahlkreisversammlunqen stattfanden, wurden durch verstärkte Polizeiabteilungen besetzt. In den Wahlkreisversammlungen in Warschau(die Hauptstadt wivd 12 Abgeordnete zu wählen haben) wurden u. a. folgende Spitzenkandidaten „bestätigt": Ministerpräsident S l a w e k, Innenminister Koseialkowski, Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium S i e d l e c k i, der ehemalige Abgeordnete Wierzbicki u. a. m. Bon den anderen Kabinettsmitgliedern kandidiert in Czentochowa Arbeitsminister P a c i* orkowski, in Bialystok Handelsminister Rajchman und in Radom Bizeminister für Heerwesen Generalfeldmarschall Skladkow- s k i. Die meisten von den Wcchlkreisversamm- lungen in 104 polnischen Wahlkreisen bestätigten Abgeordnetenkandidaten sind selbstverständlich Mitglieder des Regierungsblocks, wie es angesichts solcher Scheinwahlen, die jeder Demokratie Hohnsprechen, zu erwarten war. gelegt, in dem er gegen»Einmischung in innere Angelegenheiten Deutschlands" Einspruch erhebt. In dem Protest wird weiter auSgeführt, daß das Haus keine Befugnis dazu besitzt. Nach Erhalt deS deutschen Protestes gab der Sprecher dem Generalkonsul folgende Erklärung ab: «Ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, daß ich eine von Ihrer Interpretation der Resolution abweichende Ansicht habe. Rach meiner Ansicht bedeutet sie in keiner Weise eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten ihres Landes. Sie sollte vielmehr lediglich den Ausdruck von Ansichten einer Gruppe von Bürgern von Massachusetts über eine Frage bilden, die I in der ganzen Welt Interesse erregt hat." Rolle, wie man sieht, schon sehr bescheiden geworden ist, mit anschließendem Borbeimarsch am Führer. Am 16.September gibt es noch Tagungen der Gauleiter, der Propagandaleiter, des Agrarpolitischen Apparats, der Kommission für Wirtschaftspolitik, des Amtes für Technik, des Amtes für Kommunalpolitik und des Amtes für Volksgesundheit sowie deS NS-Lehrerbundes. Im Mittelpunkt stehen die Vorführungen der Wehrmacht auf der Zeppelinwiese. Hitler wird an die Truppen dabei eine Ansprache halten. Alzawa zum Tod verurteilt Tokio.(Reuter.) Der Mörder deS Generals Ragata, Oberstleutnant Aizawa, wurde vom Kriegrat verurteilt. Wie verlautet, wurde er zum Tode verurteilt. „Bringen Sie mir rin Schnitzel, Herr Ober. Aber bitte ein recht großes— loh Mn nämlich so nervös— jede Kleinigkeit regt mich auf.“ München. Aeropreh erfährt zuverlässig, daß es in zahlreichen bayrischen Garnisonen gärt. Die monarchistische Propaganda— in Bayern natürlich im Sinne der Witte.'Sbacher— greift um sich. In nationalsozialistischen Kreisen ist man besonders über die Haltung der bayrischen Generalität besorgt. Wie». Der mehrfach verschobene Prozeß gegen den ehemaligen Wiener Polizeidirektor Otto Steinhäusl ist definitiv auf den 28. d. M angesetzt worden. Madrid. In Spanien nimmt die Arbeitslosigkeit in der letzten Zeit sehr rasch zu. Der letzten Statistik zufolge, gibt es in Spanien 805.382 Arbeitslose. Besonders ist die Landwirtschaft, die Metallindustrie und das Baugewerbe von der Arbeitslosigkeit betroffen. Athen.(Tsch.. P.-B.) Die griechische Regierung hat in England 45 Bombenflugzeuge und 25 Schulflugzeuge in Auftrag gegeben. 0er Außenhandel Im Juli Nach der soeben veröffentlichten Statistik hat die Gesamteinfuhr im Monate Juli 1938 489,088.000 XL, die Ausfuhr«09,852.000 XL betragen gegen eine Einfuhr im gleichen Monate des Vorjahres von 568,011.000 XL und eine Ausfuhr von 616,659.000 XL. Demnach ist also die Einfuhr um 78,923.000 XL, die Ausfuhr um 6,807.000 XL kleiner als im Juli 1934. Anders ist es, wenn man den gesamten Zeitraum Jänner bis Juli 1935 mit jenem von 1934 vergleicht. Die Einfuhr betrug in den ersten sieben Monaten 1935 3374,576.000 XL, die Ausfuhr 3929,351.000 XL, im vorigen Jahr die Einfuhr 3621,425.000 XL, die Ausfuhr 3767,783.000 XL. Es ist also Heuer wohl die Einfuhr um 246,849.000 XL geringer, aber die Ausfuhr um 161,568.000 XL größer als im Vorjahr. Die Steigerung der Ausfuhr betrifft vor allem die Fertigwaren(1934 2655 Millionen, 1935 2781 Millionen), was eine erfreuliche Erscheinung ist, während der Rückgang der Rohstoffeinfuhr um etwa 200 Millionen unerfreulich ist, denn er deutet darauf hin, daß die Hoffnungen auf eine bessere Konjunktur gering sind. Sehr groß ist das AußenhandelSaktwum, das voriges Jahr(in den ersten sieben Monaten) 146.4 Millionen XL, Heuer aber 554.8 Millionen beträgt, was aber mehr aus den Rückgang der Einfuhr als auf das Steigen der Ausfuhr zurückzuführen ist. Oer erste äeutsch-tschschischv Sprachkurs für Volks- und Bürgersdwllehrer wurde eben inNiemeS eröffnet. Der Kurs wirb vom Deutschen Lchrerbunde im tschechoslowakischen Staate gemeinsam mit dem Sbaz uLitelstba Lesko- slovensköho(dem tschechischen Lchrerverbande) veranstaltet. Es nehmen an dem Kurs Volks- und Bürgerschullehrer beider Nationen teil. Für die deutschen Lehrer tragen die bekannten tschechischen Schulreformer Dr. Nykl und Fachlehrer Disman, für die tschechisch:» Teilnehmer Frau Fachlehrerin Marie Vogl und Fachlehrer Edmund Bergmann vor. Die administrative Leitung besorgt Fachlehrer Rudolf Sagaster. Der Sprachkurs wurde mit einem Begrüßungsabende eröffnet, an dem auch der Bürgermeister der Stadt Niemes, Prade, teilnahm. An den Präsidenten der Republik und an den Schulminister wurden Begrüßungsttlegramme abgesandt. Der Kurs, der einen anregenden Verlauf nimmt, dauert bis 25. August. Zeichenkurz für Lehrpersonen In Haindorf, der schön gelegenen Jser- gebirgSsommerfrische, ist in den letzten Tagen ein Zeichenkurs für Volks« und Bürgerschullehrer eröffnet worden. Der Kurs wird veranstaltet vom Deutschen Lehrerbunde im tschechofiowakischen Staate. AlS Vortragender wurde Schulrat Richard Rothe gewonnen. Der Kurs dauert bis zum 25. August. Hydrobiologischer Kurs Der Deutsche Lehrerbund im tschechoslowaki- schen Staate veranstaltet in der Zeit vom 18. bis 25. August in Hammer am See einen hydrobiologischen Kurs für Volks- und Bürgerschullehrer. AIS Vortragende sind gewonnen worden: Umversitäts- professor Emanuel Trojan, Universitätsdozent Dr. Ackert, Fachlehrer Josef Böser und Fachlehrer Rudolf N e st l e r. Der KurS hat die Aufgabe, neben Fragen der allgemeinen Biologie das Leben der Kleintierwesen unserer Heimat kennenzulernen und außerdem die Pflanzenwelt des Kursories zu studieren. Scheinwahlen in Polen Regierungsblock wählt sich unter Pollzelasslstenz selbst Hitlerdeutschland— ein Abscheu für die moderne Zivilisation Eine Resolution des Parlaments von Massachuetts Seife 4 DmmerStag, 15. August 1935 Sir. ISS Jog^neuigleiten Dammbruch fordert Hunderte Todesopfer Schreckliches Unglück in Ober-Ztalien Ovada. In den Morgenstunden des Mittwoch bot die Gegend um Ovada(Provinz Alexandrien), in der Dienstag das furchtbare Unwetter niederging, einen trostlosen Anblick. Durch den Dammbruch am SeeOrbi- eella sind ein Mertel der(zehntausend Einwohner umfaffenden) Stadt Ovada und die Ortschaften Caprietta und Molare, die Stadt Carrara und die Eisenbahnstation San Martino hart betroffen worden. Wo sich die Waffermaffen Bahn schafften, steht jetzt tiefer Schlamm. Ueberall sieht man zusammengefallene Häuser, Möbelstücke liegen umher. Leichen von Menschen und Tieren sind zu sehen. Etwa 200Meter des Dammes sind ein* gebrochen, der an dieser Stelle eine Höhe von etwa 4V Metern hat. In Ovadawurden 15V Häuser zerstört. In Caprietta und Molare steht kaum ein Stein auf dem anderen. Aeberall herrscht tiefe Niedergeschlagenheit und unbeschreibliche Verzweiflung. Menschen irren umher, die nach ihren vermißten Angehörigen suchen. Es ist äußerst schwierig, die genaue Zahl der Todesopfer festzustellen, unter denen sich hauptsächlich Frauen und K.inderbefinden. Die Zahlenangaben schwanken zwischen 2VV und 1VVV Opfern. Zahlreiche Leichen sind bereits geborgen und in den umliegenden Krankenhäuser« aufgebahrt worden. Die Gefahr wurde'dadurch erhöht, daß viele Leute wegen der Wolkenbrüche panikartig in die dann überihrenKöpfenzus de« Häusern Zuflucht suchten, ammenbrachen. daß der Verkehr der Straßenbahnen an mehr als 30 Stellen und in einigen Vororten unterbrochen wurden. Ein Teil der Ofener Bezirke -blieb stundenlang ohne Licht. Von den zerrissenen Leitungen, herabstürzenden Dachziegeln und Mauerstücken wurden etwa 50 Personen verletzt. Mehrere Pferde- und Krafüoagen wurden von dem heftigen Sturm umgeworfen. Ein Teil der Tribüne des Sportplatzes des Ferenz-Varos wurde von dem Sturm hinweggefegt. Ein Teil der internationalen Hochschulmeisterschaften konnte nachmittag nicht ausgetragen werden, weil die Sportplätze unter Wasser standen. Auch viele Bäume wurden entwurzelt. Noch größer als in Budapest sind die in den Vororten angerichteten Schäden. In Rahospalota sind drei, in Uj p est fünfzehn, in Cse p el ein Haus c in* gestürzt. • Paris. Die Blätter verzeichnen Stürme, welche in der Nacht zum Mittwoch an vielen Orten Frankreichs tobten, so einen Tornado, der über Bordeaux wütete.„Matin" veröffentlicht einen Bericht aus Grenoble, demzufolge sich dort im Verlaufe eines Unwetters eine Wasserhose bildete. Aeberschwemmung auch im Gebiete des Ganges Simla. Wie aus Bardwan gemeldet wird, ist der D a m o d a r-Fluß(rechter Nebenfluß des Ganges) über die Ufer getreten und hat Weit- Gebiete überschwemmt. In der Stadt Bardwan mußten sich große Teile der Bevölkerung aus die Dächer flüchten. Tausende von Menschen sind obdachlos geworden. Mehrere Personen sind in den Fluten umgekommen. Das Wasser steigt noch immer. ! VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BÜRGER Dieser Roman des französischen Schriftstellers Eugene Dabit, mit dessen Abdruck wir Sonntag in unserem Blatte beginnen, spielt in der Welt der Pariser Kleinbürger,»kleiner Leute", die emporgekomme» sind und klein geblieben sind. Da ist Julie», Mitbesitzer eines Hotels, dessen Fra« sich nach vielen Jahren einer Tochter erinnert, die sie mit einem anderen Manne hatte, der längst wieder geheiratet hatte und gestorben war und das Mädchen bei irgend einem Verwandten zurückließ. Dieser Tochter erinnert sich Fra« Irma und nimmt sie zu sich. Eine ganz kurze Freude blüht dem kränkelnden Mädchen— wie rührend ist die Gestalt Helenens, die so bald die neugefundene Mut- gja ter für immer verlieren muß! In der Erin- nerung dieser etwas leichtfertigen Durch- W fchnittskleinbürgrrin aber wird sie, je länger sie tot ist, um so lebendiger— bis auch Irma > 1 scheiden muß. Eng ist das Leben dieser„falschen" Bürger, dieser eingebildeten Bürger. I Sie trinken fleißig ihren Aperitif(„appetit- > I anregendes" Getränk), sie reden von Ge- j schäften und machen Geschäfte, haben die W große Sehnsucht, einmal Rentner zu werden ’ I und werden es manchmal auch, und wissen I dann mit sich nichts Rechtes anzufangen. Sie |n| betrügen einander in aller Freundschaft und tun das nicht nur in Grlddingen. Und in I dieser eng umgrenzten Welt leben und wir- I ken alle kleinen und großen menschlichen ; 1 Eigenschaften und Triebe, unverhüllter nun ' I als in der Welt des großen Bürgertums. LZ Französisches Kleinbürgertum— aber es ist nicht so sehr verschieden von den gleichen Ge- W sellschastsschichten anderer Länder» anderer H| Völker. Bielleicht finden unsere Leser an de« W Gestalten dieses Romans Züge, die ihnen 'j. I bekannt erscheinen... Karpathorußland" den Wanderpreis von Karpa- thorutzland gewann. Baader verschwand vor drei Tagen aus UZHorod. Aus hinterlassenen Briefen scheint hervorzugehen, daß er den Selbstmord aus Familiengründen verübt hat. Todessprung eines Meisterschwimmers. Der bekannte polnische Schwimmer G r a j e w s k i trainierte auf dem Flusse Warta Sprünge von einem Sieben-Meter-Brett. Bei einem Sprung geriet ermitdemKopfindenSchlamm und blieb in dieser Lage einige Minuten stecken. Er wurde in bewußtlosem Zustand geborgen. Trotz aller Bemühungen konnte er nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Faltbootfahrt in den Tod. Gestern fuhr der 3Sjährige Schachtbergmeister Robert Walter in einem Faltboot auf den Homboldtsee bei Nic- dergeorgental hinaus. Infolge des herrschenden starken Winkqs kenterte das Boot bei einer Wendung. Walter stürzte ins Wasser und es gelang ihm nicht, schlvimmend das Ufer zu erreichen. Er e r t r a n k vor den Augen zweier Studenten, die ihm zwar zur Hilfe schwammen, aber bereits zu spät kamen. Mit dem Kind in den Tod. Die 36jährige Johanna B a r v i k aus Salzburg sprang Dienstag mit ihrem 1% Jahre alten Töchterchen in selbstmörderischer Absicht von der Humpold- Terasse auf dem Mönchsberg in die Tiefe. Mutter und Kind wurden auf der Straße unter dem Mönchsberg tot aufgefunden. Frau Barvik verübte den Selbstmord, weil sie in den nächsten Tagen aus ihrer Wohnung delogiert werden sollte. Milliarden-Z ollbetrug in Le Havre Le Havre. Die französischen Blätter befassen sich bereits seit einigen Tagen eingehend mit einer großen Schmuggelaffäre im Hafen von Le Havre. Der„Populaire" bemerkt zu der Meldung über Zollhintergehungen in diesem Hafen— durch die der Staat um Zölle von Waren im Werte von nahezu einer Milliarde Franken gebracht wurde—, daß es sich um kein Geheimnis handelt, sondern um eine bereits allen Hafenarbeitern schon seit langem bekannte Angelegenheit. Die öffentliche Meinung Frankreichs verfolgt diese neue Affäre mit großem Interesse und mit Besorgnissen, zumal, wie es scheint, hoheZoll- b r a m t e in die Angelegenheit verwickelt sind. Millionenraub in Monte Carlo Monte Carlo. Dienstag wurde hier ein I u- weliergeschäft ausgeraubt, wobei Pretiosen im Werte von acht Millionen Franken entwendet wurden. Die Einbrecher haben den Raub gut vorbereitet. Sie hatten die Möglichkeit geprüft, von einem benachbarten Hotel aus in den Laden einzudringen, und die Scheidewand durchbrochen. Der betreffende Juwelier ist seit dem Jahre 1932, seit er von einem spanischen Marquis um einige Millionen Franken betrogen wurde, nicht versichert. Entmenschte Schanghai. Nach einer Meldung aus Tschangtschung haben etwa 200 Banditen die Wachposten von Holzlagern im Ostabschnitt der Ostbahn überwältigt und die Lager in Brand gesteckt. Drei Russen verbrannten bei lebendigem Leibe. Ein russisches Kind wurde indenArmender Mutter erstochen. Zwei Russinnen trugen schwere Verletzungen davon. In Kreisen der Kwantung-Armee wird die Zahl der Banditen in der Mandschurei auf 2 8.0 0 0 geschätzt. Die Bewegung verboten— die Idee lebt An einer unserer großen nordböhmischen Veranstaltungen— nähere Angaben können aus begreiflichen Gründen nicht gemacht werden— beteiligten sich auch Gäste aus dem Hitlerreich, die schwarz über die Grenze gekommen waren. Sie. wurden von unseren Genossen erkannt und bestürzt gefragt, ob ihnen das Risiko dieser Festteilnahme nicht denn doch zu hoch sei. Darauf antworteten die Wackeren:„Uns ist schon alles egal, wir wollten wieder einmal rote Fahnen und blaue B l u s en sehe n." Für dieses Erlebnis setzten sie ihre Freiheit aufs Spiel, riskierten sie Mißhandlung und Konzentrationslager. Wie groß mutz doch die Sehnsucht der geknechteten Proleten sein, wieder rote Fahnen frei im Winde flattern zu sehen und freie sozialistische Menschen in festlicher Gemeinschaft zu sehen! Diese Treue zur Idee, diese Sehnsucht nach Wiederbefreiung der arbeitenden Massen, sie bürgen dafür, datz auch über Deutschland und Oesterreich wieder rote Fahnen wehen werden. Amerikanische Tragödie. Unsere Zeit, abgestumpft durch das tägliche Erlebnis staatlich legalisierter Willkür, autoritären Rechtsbruches und höchst offizieller Maffenfolter, pflegt über Einzelschicksale, die vom stahlkalten Walzwerk der Justiz zermalmt wurden, gleiMültig hinwegzugehen. Was will es heutzutage schon bedeuten, wenn aus Amerika die Nachricht kommt, der„F a l l T o m Mooney" sei dadurch geklärt worden, datz der Kronzeuge gestand, einen Meineid geschworen zu haben. Die erschütternde Tragödie Mooneys hat seinerzeit alle Blätter beschäftigt. Am 22. Juli 1916 fand in San Francisko eine große Truppenschau statt, um dadurch Stimmung für den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg zu machen. Mitten in die Parade hinein wurde von unbekannter Hand eine Bombe geschleudert, deren Explosion einige Todesopfer und zahlreiche Verwundete forderte. Was lag näher als den Arbeiterführer von San Francisko, Tom Mooney, den Mann der seit Wochen eine unerbittliche Antikriegspropaganda führte, der Tat zu beschuldigen. Mooney erfährt von dieser Beschuldigung, er stellt sich der Polizei, versichert in keinem Zusammenhang mit dem Attentat zu stehen, wird aber dennoch verhaftet und angeklagt. Die Staatsanwaltschaft setzt ihren ganzen Ehrgeiz darein, ein Todesurteil gegen den Angeklagten zu erwirken. Es ist ja schließlich ein Arbeiterführer und in solchen Dingen verstehen die Staatsanwälte, die ihre Auftraggeber kennen, keinen Spaß. Bier Zeugen bringt der Staatsanwalt auf, die sämtlich beschwören, sie hätten Tom Mooney am Tatort gesehen: einen Kokai- n i st e n, eine Prostituier t e, einen mehrfach aügestraften Verbrecher und den arbeitslosen KellnerMacDonald. Die Geschworenen wissen, daß alle Zeugen unsichere Kantonisten sind, aber wenn es gegen einen Proletenführer geht, nimmt man's nicht so genau: Mooney wird zum Tode verurteilt—. Jeder Mensch in Amerika, Das Unglücksdorf Molare Durch das schwere Unwetter, das am Dienstag nachmittag nach zwei Uhr ausbrach, schwollen die Wassermassen des 20 Millionen Kubikmeter umfassenden Sees Orbicella stark an und brachen den Damm, der den See von dem tiefer gelegenen Dorf Molare trennt. Fast sämtliche Häuser des Dorfes stürzten ein. Man nimmt an, daß von den 700 Einwohnern etwa 500 ertrunken seien. Das Dorf ist von jedem Verkehr abgeschnitten. Vier Brücken sind durch die Waffermaffen f ort- gerissen worden. Die Fluten überschwemmten die Landschaft und zerstörten eine große Uferstraße auf einer Länge von über 20 Metern vollständig. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine große Panik, als die Wassermassen begannen, zahlreiche Häuser zu zerstören und Vieh und Menschen wegzuschwemmen. Badeorte überschwemmt Das Unwetter hat auch in P a d u a Verheerungen angerichtet. Viele Bäume wurden entwurzelt und Verkehrsverbindungen wurden unterbrochen. In Brescia wurde eine Hochspannungsleitung umgeworfen, wobei ein Mann getötet wurde. Groß ist auch der Schaden an, der Ligurischen K L st e, wo mehrere Badeorte, darunter auch der östliche Vorort von Genua, Bolter, überschwemmt wurde. * Wetterkatastrophe in Budapest Budapest. Mittwoch nachmittag entlud sich über Budapest und Umgebung ein heftiges Gewitter, von orkanartigem Sturm und Hagel begleitet. Der heftige Sturm und die plötzlich niederstürz enden Waffermaffen haben in Budapest und Umgebung große Verwüst ungen angerichtet. Die elektrischen Leitungen wurden an mehreren Stellen zerrissen, so jeder Mensch in der Welt weiß, daß es ein Iu« st i z m o r d ist, Präsident Wilson verhindert die Vollstreckung des Todesurteils— aber der Schuldspruch bleibt bestehen, Tom Mooney wandert in den Kerker. Wenige Jahre später gestehen der Kokainist und die Prostituierte einen Mein- e i d geschworen zu haben. Sie hatten Tom Mooney am Tage des Attentates überhaupt nicht gesehen. Kurz darauf wird der dritte Kronzeuge des Staatsanwaltes des Meineides überführt: er gesteht an dem Tag des Attentats gar nicht in San Francisko gewesen zu sein. Alle Geschworenen, die seinerzeit den Schuldspruch gegen Mooney gefällt hatten, unterzeichnen eine Petition um Wiederaufnahme des Prozesses: das Gericht l e h n t a b. Begründung: die Aussage des vierten Kronzeugen, Mac Donalds genüge als Schüldbeweis. Man läßt in der Welt des Geldsackes einen Sozialistenführer, den man einmal hinter Schloß und Riegel hat, nicht so leicht wieder aus... Neunzehn Jahre sind nun seit dem Urteil vergangen; seit neunzehn Jahren sitzt Tom Mooney im Kerker. Nun kommt die Nachricht: der letzte Kronzeuge gegen Mooney, der einzige, auf den das Urteil sich bisher noch berufen konnte, Mac Donald, hat als alter gelähmter Mann gestanden, daß seine beschworene Aussage gegen Mooney falsch war. Er habe dem damaligen Staatsanwalt gesagt, datz er Mooney überhaupt niemals gesehen habe; der Staatsanwalt aber habe ihn angewiesen, zu beschwören, daß Mooney an dem Bombenattentat beteiligt gewesen sei... Vielleicht wird man jetzt doch den Prozeß Mooney ivieder aufnehmen und den Mann, den man neunzehn Jahre lang unschuldig eingekerkert hatte, wieder in Freiheit setzen. Vielleicht aber wird man all das auch nicht tun. Denn in dieser vom Bankscheck regierten Welt, sind oft die Wege der Justiz noch dunkler, als die Gottes. Die Richter, die den Justizmord decken, werden sich damit legitimieren können, daß ihre Methode inzwischen Schule gemacht hat. Nur ist das Verfahren seither verbessert und rationalisiert worden: vor neunzehn Jahren mußte man sich die Mühe machen, Zeugen gegen einen Sozialistenführer zu kaufen— heute arbeiten die Kanonen, Konzentra- tionslager und Dolche der Hitler, Dollfuß und Mussolini so rasch und gründlich, daß man dortzulande über die veralteten Methoden Amerikas lächelnd den Kopf schüttelt. Der Präsident der Republik empfing gestern in Läny den Stellvertreter des Vorsitzenden der Regierung Eisenbahnminister R. B e ch y n e. Die Reichenberger Mustermesse wurde zum erstenmal von Sonntag bis inkl. Sonntag(18. bis 25. August) festgesetzt, so daß Heuer zwei Messesonntage den Einkäufern und Messebesuchern zur Verfügung stehen. Es ist damit Gelegenheit geschaffen, insbesondere den Kaufleuten und Gewerbetreibenden, welche wochentags von ihren Unternehmungen nicht abkommen können, einen der beiden Meffesonntage zum Einkauf auf der Messe zu benützen. Es steht zu erwarten, daß dadurch das Messegeschäft eine besondeer Belebung erfahren wird. Selbstmord alter Leute. Dienstag sprang das alte Ehepaar Andrlik in Königqrätz in selbstmörderischer Absicht in die Elbe. Andrlik war Inhaber eines kleinen Zuckerwarenladens. Beide Eheleute wurden aus dem Fluß tot geborgen. Auto-Unglück. In Ujjhorod ssicß ein mit sechs Personen besetzter Kraftwagen, der von dem Bürgermeister der Gemeinde Esen, Koloman Szabo, gelenkt wurde, mit einqm Auto des Gutsbesitzers Ernst Klein aus der Gemeinde Minaj bei UZHorod zusammen. Der Kraftwagen Kleins stürzte in den Straßengraben und der Gutsbesitzer erlitt schwere Verletzungen. Szabo fuhr weiter, nach etwa 20 Metern überschlug sich sein Auto. Von den Insassen wurden mehrere verletzt, darunter einer schwer. Selbstmord des Rennsiegers. Gestern nachmittag erschoß sich in dem Hotel„Sport" am UZo- ker Patz der Chauffeur Alois Baader aus Uzhorod, der beim ersten Automobilwettbewerb„Quer durch Moltkes Sohn als Geldfälscher?„Paris Midi" bringt eine Meldung aus New Uork, der- zufolge dort der Sohn des berühmten deutschen Generals von Moltke, während des Weltkrieges ein hervorragender Flieger, verhaftet wurde, als er eine falsche Fünf-Dollar-Note einwechselte. Er erklärte, er sei nach New Uork gekommen, um dort eine Beschäftigung zu finden. Von allen seinen Geldmitteln seien ihm nur einige Banknoten übriggeblieben. Gangsterüberfall auf einen Zirkusdirektor. In L o d z wurde gestern nachts der Direktor des großen Zirkus„Arena", Hermann Rosenthal, von zwei Banditen in seinem Büro überfallen und erschossen. Die beiden Mörder raubten die in der Kanzlei befindliche Kassa, in welcher sich die Losung der letzten Abendvorstellung befand. Unmittelbar nach der Aufdeckung des Mordes gelang es der Polizei, die beiden Raubmörder festzunehmen. Einer derselben ist ein vielfach vorbestrafter Schwerverbrecher, der einen Tag vorher aus dem Gefängnis entlassen worden war. Fliegerunglück. Bei Los Mcazares stürzte ein Militärflugzeug des Stützpunktes Melilla in Spa- nisch-Maroflo brennend in das Meer. Die aus vier Personen bestehende Besatzung kam in den Flammeb um. Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Unbeständig, strichweise Regenschauer, relativ kühl, Nordwestwind. Im Osten der Republik nach Gewittern allmählich kühler werdend. Im Westen später leicht» Besserung.— Wetteraussichten für F r e i t a g: In den böhmischen Ländern erneut etwas besseres Wetter und tagsüber ein wenig wärmer, im Karpathengebiet noch unbeständig. Nr. 189 Donnerstag, 15. August 1935 Seite 5 Henker gegen Opium Ehinas Berzweiflungskampf mit-er Rauschgiftsenche Von Peer John. Als vor einigen Wochen in Genf das Rausch- giftkomitee des Völkerbunds tagte und Mister Bi c t o r H o o, der chinesische Delegierte, den Beschluß seiner Regierung bekanntgab, die Todesstrafe über Opiumsüchtige zu verhangen, zeigten die europäischen und amerikanischen Delegierten unverhohlenes Entsetzen. Nach überaus vorsichtigen Schätzungen, die wahrscheinlich hinter der Wirklichkeit weit Zurückbleiben, sind in China zwei Millionen Menschen dem Opium verfallen. Will Tschang-Kai-Schek, Chinas Diktator, die alle aufknüpfen, erschießen lasten? Mister Victor Hoo, ohne das Gesicht zu verziehen, erklärte, daß bisher„b l o ß" 263 Personen aufGrund der neuen Opiumgesetze hingerichtet worden seien, darunter viele, die am Opiumhandel beteiligt gewesen seien; vor ihrer Hinrichtung habe man die 263 auf Schinderwagen durch die Hauptstraßen geführt, zur Abschrek- kung der Bevölkerung. Auch das ist eine offizielle Zahl, die sicherlich zu niedrig gegriffen ist. Wer chinesische Zeitungen zu lesen vermag, kann täglich Nachrichten über Hinrichtungen von Rauschgiftsüchtigen in 'Nanking, Pciping oder anderen Städten des von Tschang-Kai-Schek beherrschten chinesischen Gebietes finden; Kulis und Polizeiosfiziere sind unter den Opferri, hohe Beamte bisweilen, auch Frauen. Meist fügen die Zeitungen ihrem Bericht hinzu, daß es sich um Leute gehandelt habe, denen die Regierung in ihrer unerschöpflichen Weisheit Gelegenheit gegeben habe, sich ihres Lasters zu entwöhnen, die aber wieder rückfällig geworden seien. Und sie schließen mit der drohenden Warnung, daß in Hinkunft unnachsichtlich jedem der Garaus gemacht werden würde, der dem Opium fröhne... In der Republik und unter den Generalen Mit dem Schlagwort von„asiatischer Grausamkeit" kommt man nicht aus, wenn man verstehen will, was da vorgeht. Man muß wisten, daß das Opium eine wahre Geißel für China ist, die das Elend und die Ohnmacht des zahlreichsten Volkes der Erde in hohem Grade mitverschuldct hat. Vor hundert Jahren hat China, um sich der Versuchung zu erwehren, einen Opiumkrieg gegen England geführt und— verloren. Danach erschlaffte seine Abwehrkraft, bis vor mehr als zwanzig Jahren die morsche Mandschu-Dynastie vom Throne gestürzt wurde und ein neuer Geist durch das Riesenreich brauste. Es war der Geist des großen BolksfteuntzS Sun- Aa t-Sen, es war das Heldenzeitalter, dec jungen chinesischen Republik. Es gelang, den Anbau von Mohn saus dessen Milchsaft das Opium bekanntlich gewonnen wird) im Lande selbst rasch einzuschränken und zugleich von der britischen Regierung die Zusicherung einer schrittweisen Verminderung derOpium- einfuhr aus Indien zu erreichen, die im gleichen Tempo wie der Anbau in China gedrostelt und nach zehn Jahren überhaupt verboten werden sollte. Aber so überraschend schnell war der Fortschritt in China selbst, daß England acht Jahre vor dem vereinbarten Termin die ganze indische Opiumeinfuhr einstellte. Jung-China raste vor Begeisterung— das große, heißersehnte Ziel, das chinesische Bierhundertmillionenvolk vom Opium zu erlösen, war zum Greifen nah! Da zerriffen innere Wirren die noch unge- festigte junge Republik. Es kam die Zeit der Ge- neralSkriege und alles wurde noch viel schlimmer als vorher. Das Opium, eben noch von den republikanischen Behörden in Bann getan, wurde wit einemmal wieder zum begehrten und gehegten Landeserzeugnis», besten Anbau von den lokalen Machthabern eifrigst gefördert wurde. Denn es war Kvar ein verderbliches Volksgist, aber zugleich ein ideales Steuerobj.kt, oft das einzige, das in den verelendeten, vom Bürgerkrieg verivünsteten Landstrichen noch aufgetrieben werden konnte. Infolge der Drosselung des Anbaus und deS Verbots der Einfuhr war Opium ja selten geworden und sein Preis phantastisch hoch. Nun ftel zwar dank der neuen Opiumförderung durch die Generale der Preis, aber zugleich erweiterte sich im selben Ausmaß det Markt, je mehr das allgemeine Elend und die Verzweiflung stiegen und die Zahl der Hoffnungslosen vermehrten, die iw Opiumrausch Vergessen suchen. So blieb die Opiumkultur rentabel und noch viel rentabler ihre Besteuerung. Tschang-Kai-Schecks Opiumpolitik Da sage man noch, daß das Opium nicht nahrhaft seil Die meisten Armeen des Generalkriegs find aus dem Ertrag der Opiumsteuern ausgerüstet und ernährt worden. Die Riesensumme von 100 Millionen Dollar ist im Aangtse- Tal allein im Jahre 1934 von den offiziellen Steuerämtern aus dem Opium gepreßt worden, und der Opiumhandel von Aunnan nach Ktoan- kung muß in der Durchzugsprovinz Kwangsi 18 Millionen Dollar jährlich bloß an Transitgebüh- ren zurücklaffen. Ungerechnet die außertourlichen, aber um so ausgiebigeren Schätzungen, die bei Vorstößen und Einfällen freundnachbarlicher Heerführer oder Banditenhäuptlinge(der Unterschied ist nicht groß) vorgenommen zu werden pflegen. Auch Ts chang-Kai-Schek, der Ge- neralistimuS über den Generalen, und seine Zentralregierung in Nanking lebten zu einem nicht unbeträchtlichen Teile von Opiumsteuern, obgleich sie offiziell wie so vielen anderen unausrottbaren Uebeln auch dem Opium den Kampf angesagt und die bestehenden Verbote niemals aufgehoben hatten. Wenn nunmehr aber Tschang-Kai-Schek in jäher Wendung den rücksichtslosesten Ausrottungskrieg gegen das Opiumlaster eröffnet hat, so waren es vor allem machtpolitische Gründe, die ihn dazu bewogen haben. Er versucht, dem immer wieder aufflammenden Generalskrieg, den Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Provinzen und den Widerständen gegen die Zentralregierung dadurch ein Ende zu setzen, daß es den lokalen Machthabern ihre ergiebigste finanzielle Basis entzieht. Noch reicht seine Macht nicht zu, um die Opiumkultur in dem ganzen formell der Nankingregierung unterstellten Gebiet Chinas zu unterdrücken — für zehn Provinzen zunächst wurde ein strenges Anbauverbot erlassen—, aber um so drastischer sind darum die Mittel, die er anwendet, um den Opiuminteressenten den Markt zu ruinieren. Die Durchführung der neuen drakonischen Opiumgesetze wurde der Zivilverwaltung entzogen und den Militärbehörden unterstellt. Tschang-Kai- Scheks eigene Leute sind da also an der Arbeit, seine Militärgerichtshöfe sind es, die die Opiumsüchtigen hinrichten lasten wie die Fsiegen— zur Abschreckung. Abschreckung genug! Bor wenigen Monaten noch durften sie in Nanking, in Peking, wo immer, in aller Behaglichkeit ihre Opiumpfeife rauchen— jetzt plötzlich macht der Henker ihren seligen Räuschen ein schreckliches Ende. Hilft Abschreckung gegen Süchtigkeit? War das Schicksal der dem Opium Verfallenen nicht selber schon abschreckend genug? Menschliche Wracks, abgezehrt, die Haut in Falten um klapprige Knochen, apathisch, unfähig zu jedem Entschluß, ist ihnen das Leben eine lange Qual, aus der sie nur in ihren Opiumräuschen kurze Erlösung finden! Wohl denen, die wenigstens imstande sind, sich die unselige Seligkeit des Opiums nach Belieben zu verschaffen; verkürzt ihnen auch jede neue Opiumpfeife das Leben, so macht sie es ihnen doch überhaupt erst lebenswert. Aber der Opiumgenuß in China ist eine Volksleidenschaft, der unglücklicher Weise auch die Aermsten hingegeben sind. Sie hungern— das Opium läßt sie ihren Hunger vergessen, ersetzt ihnen Speise und Trank. Uebermenschliche Lasten haben die ausgemergelten Ku li s'zy schleppen; wenn sie zusammenzubrc- chen drohen, tun sie ein paar Züge aus ihrer Wunderpfeife und nehmen ihre Arbeit mit neuem Mute wieder auf, in einem Zustand schwebender Heiterkeit, der sie die schier erdrückenden Bürden kaum spüren läßt. Gewiß, in immer kürzeren Abständen kehren die Erschöpfungszustände wieder und mit dreißig Jahren sind diese Burschen verfallene Greise. Fehlen ihnen aber die paar Cents für eine Opiumpfeffe, dann sind sie überhaupt zu keiner Arbeit fähig, dann lungern sie matt und kraftlos in den Gassen, bis sie irgendwo in einem Winkel verhungern. Wohl gibt es Entwöhnungskuren. In Spitälern, bei entsprechender Behandlung, vermag man die Unglücklichen dem Opiumteufel zu entreißen, und die chinesffche Regierung tut ihr bestes, um solche Heilstätten zu errichten und auszubauen. Wer man darf füglich bezweifeln, daß es ihr möglich ist, mehr als nur einen Bruchteil der Opiumsüchtigen zu erfaffen und so gründlich zu kurieren, daß sie nach ihrer Entlastung nicht sofort wieder rückfällig werden. Im Regelfall ist eben doch das Schwert des Henkers die radikalste und billigste Entwöhnungsmethode. Immerhin wäre es denkbar, daß.auch diese barbarische Methode in einem Lande, wo Menschenleben so billig sind wie Brombeeren, schließlich zum Ziele führen könnte, wenn es zugleich gelänge, auch die E i n f u h r und den Handel mit Opium wirksam zu bekämpfen. Aber gerade dagegen wirken Kräfte, mit denen Tschang-Kai- Schek nicht so leicht fertig zu werden vermag, wie mit den Köpfen seiner Untertanen. Die Löcher in der chinesischen Mauer Durch die Städte und Dörfer ganz Nord« chinaS ziehen scharenweise Hausierer. Sie verkaufen„Medizin". Die Medizin ist Opium, oft auch Morphium, Kokain, Heroin. Wollen die chinesischen Behörden sie verhaften, so zücken sie ver- ächtlich ihren ja Panis chenPaß und verbitten sich die Behelligung. Einem dummen chinesischen Polizisten, der trotzdem daran ging, einen koreanischen Rauschgifthändler zu verhaften, ist es übel ergangen; seine Vorgesetzte Behörde mutzte ihn nicht nur sofort entlasten, sondern auch empfindlich bestrafen, wollte man nicht einen neuen Konflikt mit Japan riskieren. Denn auch Kroea- ner und Mandschuren stehen unter japanischem Schuh, und wenn sie mit Rauschgiften handeln, unter ganz besonders wirksamen. Selbst auf die chinesischen Kunden dieser Händler erstreckt sich oft der unfehlbare Schuh des Mikados; mehr als einmal sind die Japaner in ihr beliebtes„Boy- kott!"-Geschrei auSgebrochcn und haben Represta- lien angedroht, wenn die chinesischen Behörden gegen ihre eigenen Bürger, die mit japanischen Drogen handelten, einzuschreiten versuchten. Und auch reiche chinesische Opiumraucher entgehen dem Schwert des Henker» und allen sonstigen Unannehmlichkeiten, wenn sie sich um ein gutes Stück Geld ein japanisches Zertifikat zu verschaffen wissen. Kein Wunder also, daß trotz Tschang-Kai- Scheks Ausrottungsfeldzugs gegen das Opium, die Opiumseuche im Norden Chinas sich neuerdings ausbreitet. In Tienffin allein gibt es nach offiziellen Angaben heute mehr als 120.000 Opiumsüchtige, in Peiping mehr als 60.000 und die sieben Millionen chinesischer Bauern an der Großen Mauer, die unter der japanischen Invasion und der darauffolgenden Mißernte furchtbar gelitten haben, greifen in immer größerer Zahl zu der«Medizin", die ihnen die gefälligen Hausierer anbieten. Tag für Tag rollen Wagenladungen Opium durch die 14 von chinesischer Zollwache vorschriftsmäßig gehüteten Tore der Großen Mauer von Manschukuo nach China. Sie tragen die japanische Flagge und vor der japanischen Flagge stehen die chinesischen Zollbeamten vorschriftsmäßig Habt- acht. Das im Waffenstillstandsvertrag von 1933 geschaffene Puffergebiet südlich der Großen Mauer ist zum riesigen Rauschgiftreservoir für ganz Nordchina geworden. Eine eigene Fluglinie befördert die kostbare Ware in die entfernteren Provinzen. Hunderte offene Läden sorgen für den Lokalbedärf. In Engros-Magazinen decken sich die Hausierer ein, die sich von hier aus wie ein Heuschreckenschwarm über das Land ergießen. Schlimme Aussichten Tschang-Kai-Schek darf nicht einmal protestieren. Die chinesischen Zeitungen dürfen den In den einzelnen Zweigen der tschechoslowa- kischen Industrie ist entsprechend ihrem Umfang und der Intensität ihrer Produktion der Kohlenverbrauch sehr verschieden. In den Jahren der Wirffchastskrisse hat er infolge der durch sie erzwungenen Produkfionseinschränkung einen starken Rückgang erfahren. Seit den Tiefstand im Jahre 1933 zeigte sich schon im Vorjahr eine leichte Steigerung, die sich jetzt im Jahre 1935 fortgesetzt hat. Wir stellen die bis Mai 1935 vorliegenden Ziffern des Kohlenverbrauchs der Industrie mft den Ziffern des gleichen Zeitraumes der Fahre 1934 und 1933- zum Vergleich. Kohle, Koks und Brikefts sind umgerechnet auf'Steinkohle nach beit durchschnittlichen Heizkrast. Es betrug demnach der Kohlend er- brauch in den Monaten Januar bis Mai in tausend Tonnen: Jndustrieunternehmungen 3421.8 3257.0 3177.3 1935 1934 Tonnen 1933 Bergwerke 55.4 64.0 42,8 Eisen- und Hüttenwerke 885.1 719.5 667.0 Maschinenwerkstättcn 91.0 93.6 89.1 Elektrizitätswerke 534.4 545.0 550.8 Gaswerke 111.6 98.7 109.1 Wasserwerke 10.5 10.1 10.9 Zuckerfabriken 68.5 79.9 79.4 Chemische Industrie 214.5 185.2 190.8 Bierbrauereie undn Malz- fabriken 94.3 88.6 92.9 Spiritusbrennereien und Hefefabriken 58.1 57.3 55.3 Glasfabriken 159.2 158.8 136.7 Porzellanindustrie 46.3 41.7 41.1 Keramische Industrie 40.7 36.5 37.6 Ziegeleien 52.2 72.6 83.3 Baumaterialienindustrie 32.2 32.4 36.1 Zementfabriken 119,6 97.7 96.2 Textilindustrie 303.9 319.9 294.6 Holz, Papier Zellulose 166.8 167.4 156.5 Versch. Jndustriebranchen 392.0 391.1 402.8 Gesamtlieferungen an Das»Wunder an der Weichsel" (AP.) Am 15. August fand in Radzymin bei Warschau die Feier des 15. Jahrestages der Schlacht bei Warschau statt. Das Festkomftee steht unter der Leitung des Generals Zeligowfti, der die Schlacht im Vorfeld von Warschau leitete. Das „Wunder an der Weichsel"— unter diesem Namen ging die Schlacht in die Geschichte ein— entschied 1920 den polnisch-russischen Krieg. Es brachte den mit Ungestüm vorangetragenen Vormarsch der Sowjetarmee zum Stehen und führte zu einer Wendung, die niemand erwartet hätte. Denn die Lage der polnischen Truppen war verzweifelt, Warschau schien verloren, und dann kam plötzlich der schier unerflärliche Umschwung. Die Roten Truppen waren in vier Wochen 600 Kilometer vorgedrungen und standen unweit von Warschau. Im Norden waren 18 russische Divisionen zwischen Witebsk und Orsha durchgebrochen. Gleichzeitig überschwemmte im Süden Budjennys Kavallerie die Ukraine, die General Rydz-Smigly widerwillig räumen muß. In Warschau herrscht trübe Stimmung, als General W«y- gand am 25. Juli eintrifft. Kn Belvedere überlegt man, ob Warschau geräumt und der Rückzug auf die Linie Posen—Thorn befohlen werden soll. Pilsudski aber ist dafür, den Krieg vor Warschau Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. japanisch-koreanisch-mandschurischen Rauschgiftfeldzug gegen China nicht einmal erwähnen. Geschäftsgeheimnis, sozusagen! Die Japaner sind in der Tat kluge Geschäftsleute und sie wisten das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: fette Handelsprofite mit einer weiteren Schwächung des geschwächten chinesischen Volkskörpers, die ihn verdaulicher macht für den hungrigen japanischen Magen! - Unter diesen Umständen wird auch der Henker wenig gegen das Opium helfen. Zwar hört man, daß im Aangtse-Tal und besonders in Nanking und seiner Umgebung der Opiumverbrauch merklich zurückzugehen beginnt. Aber was bedeutet die Schließung der 1800 Opiumhöhlen, die aus diesem Gebiete gemeldet wird, gegen die neue Verseuchung, die im Norden durch oie Chinesische Mauer dringt? Es ist sehr zu befürchten, daß der grausame Verzweiflungskampf, den China jetzt gegen die übermächtigte Rauschgiftplage führt, kein anderes Ergebnis haben wird als Grausamkeit und Verzweiflung. Diese vergleichende Tabelle zeigt, daß bereits in den ersten fünf Monaten des Jahres 1934 der Kohlenverbrauch bei der Mehrheit der Industriebranche gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme erfahren. Von Jänner bis Mai 1935 ist er bis auf einige Ausnahmen in allen Industriezweigen höher. Diese wenigen Ausnahmen, di« 1935 einen geringeren Kohlenverbrauch als 1938 verzeichnen, sind: Elektrizitätserzeugung. Wasserwerke, Zuk« kerfabriken, Ziegeleien, Baumaterialienindustrie und die Gruppe„Verschiedene Jndustriebranchen". Die Gesamtlieferungen an Kohle für Jndustrieunternehmungen wären von Jänner bis Mai 1935 um rund 250.000 Tonnen höher als im Jahrs- 1933. Am stärfften ist der Kohlenverbrauch der Eisen- und Hüttenwerke gesfiegen; nämlich vo» 667.000 Tonnen auf 885.000 Tonnen, daß ist ein Mehr von Wer 30 Prozent! In dieser Vermehrung des industriellen Kohlenverbrauchs kommen die günstigen Rückwirkungen der Rüstungskonjunktur auf den Kohlenbergbau zum Ausdruck. Bedeutend ist die Zunahme außerdem in der Chemischen-, der Zementindultrie u. der Glasfabriken. ES sind daS die gleichen Jndustriebranchen, die ge« gcnüber 1933 die günstige Erholung aufweisen. So läßt sich also an der Entwicklung deS industriellen Kohlenverbrauches ganz allgemein di« Konjunkturentwicklung für die einzelnen Industriezweige ablesen. Die Leistung einer Gewerkschaft Dem„Bekleidungsarbeiter"(Reichenberg)' entnehmen wir, daß der Verband der Bekleidungsarbeiter im ersten Halbjahr 1935 fast 1,806.000 XL an Arbeitslosenunterstützung an die arbeitslosen Mitglieder zur Auszahlung brachte. Davon ist eine halbe Million aus Vcrbandsmitteln allem geleistet worden. Von 1930 bis 1934 hat der Verband Wer 12 Millionen XL an Arbeitslosenunter- stützung ausbezahlt. Davon, allein in den Jahren 1933 und 1934 XL 6,362.000.—. zu entscheiden, und dringt durch. Zwei Manövrierzonen werden geschaffen, im Norden zwischen Weichsel und Narew, im Süden zwischen Weichsel und Wieprz. Wenn die Rote Armee Warschau angreift, soll sie der Gegenstoß in beiden Flanken treffen. DaS ist ein Hasardspiel, denn dieser Plan entblößt die Widerstandszone. Zuerst schlägt alles fehl. Denn im Norden bricht Kavallerie ein, ehe sich die Polen formiert haben» und bedroht die Polen im Rücken. Die geschwächte WiderstandS- zone im Zentrum aber wird so wütend attackiert» daß die Kernstellung, die Ortschaft Radzymin, zeit, wellig verloren geht und zurückerobert werden muß. Sn diesen gewitterschwülen Augusttagen, als alles zu wanken beginnt, tut ein französischer Generalstabsoffizier den Ausspruch:«Wir brau« chen ein Wunder!" Wer er ist zu skeptisch, um daran zu glauben. Aber PUsudfti glaWt schier abergläubisch an dieses Wunder. Und wenige Tage später ist eS— erst die Kriegsgeschichte wird es einmal erklären— tatsächlich geschehen. Die abgekämpften Divisionen vermögen sich zum Gegenangriff zu formieren. Die Offensiv« beginnt» die den Krieg zugunsten Polens entschied. Das war daS„Wunder an der Weichsel", eine jener Entscheidungen im Hasardspiel des Krieges, die wie Wunder aussehen, aber doch aus einer Summe sehr realer Ursachen zu erklären sind. Volliswlrtsdiafl end Sozialpolitik Die Industrie als Kohlenkonsument Bisher stärkerer Kohlenverbrauch als im Borjahr Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 15. August 1838. Nr. 188 Der letzte der Eremiten Oberst Lawrence Wenn wir die Biographien der großen Einsamen des Altertums lesen, so haben wir manchmal«das Gefühl, daß ein solches Leben in unserer Zeit nicht mehr möglich wäre. Es ist dennoch so, und gerade jetzt ist ein Mann gestorben, der im Laufe seines höchst seltsamen Lebens versucht hat, sich vom gesellschaftlichen Zwang freizumachen, und zwar ebenso hartnäckig wie nur je ein Diogenes. Beim Ableben des OberstenLaw- r e n c e hat man wohl seiner erstaunlichen Karriere gedacht; aber ich glaube, daß nicht genug über seine Geisteshaltung, über seine Weltauffassung und über sein Ziel gesagt worden ist. Man stelle sich ein englisches Kind zu Beginn dieses Jahrhunderts vor, ein Kind von, sehr kleiner Statur, sehr schweigsam und von einem leidenschaftlichen Hang zur Einsamkeit. Noch ein Schüler, reist er allein nach Frankreich, und zwar zu Fuß; später, als Student, bereist er, immer zu Fuß, Syrien, um die Schlösser der Kreuzfahrer zu studieren, denn er liebt die Archäologie; dann durchquert er auf die gleiche Art Mesopotamien, Palästina, Aegypten. Da er sehr arm war, ging er immer dort hin,„wo es billig war", er lebte mit den Arabern und bezahlte sein Essen mit Arbeit, er führte die Kamele, half bei der Ernte. „Meine Armut ermöglichte es mir, das arabische Volk kennen zu lernen, von dem der reiche Reisende immer durch sein Geld und durch seine Diener ferngehalten wird." Bald kann er das Arabische so gut, daß die Eingeborenen selbst ihn für einen der ihren halten. Er konnte sich ihrer Lebensart umso leichter anpassen, sagt M. Liddell Hart, als er für die Freiheit dieselbe leidenschaftliche Liebe hatte wie sie, die gleiche Verachtung des Reichtums, das gleiche tiefe Gefühl für die Gleichheit. Bei den Arabern des Hedschas gibt es zwischen Herrn und Diener keine Kluft. Um ein geachteter Häuptling zu sein, muß er mit seinen Leuten die Nahrung keilen, er muß die gleichen Kleider tragen wie sie, und wenn er hervorragt, so tut er dies nicht durch den Rock, durch Komfort oder Reichtum, sondern durch die Eigenschaft seines Geistes. Als der Krieg ausbrach, hatte Lawrence diese Häuptlingsqualität erlangt. Allerdings ist es weniger leicht, einen Stamm unter den Europäern zu befehligen als unter den Arabern. In einer regelrechten Armee muß auch ein Heiliger oder ein Genie Auszeichnungen oder Tressen haben. Lawrence hatte Kriegskunst studiert, wenigstens aus Büchern. Er hatte Klausewitz, Jomini und die Korrespondenz Napoleons gelesen. Aber er hatte nicht das vorschriftsmäßige Militärmaß. Er hatte große Schwierigkeiten im Jahre 1915 im„Nachrichtendienst" auf untergeordnetem Posten beschäftigt zu werden. Die romantische Periode seines Lebens beginnt an dem Tage, als der junge Leutnant «ingeladen wurde, mit dem Chefkommandanten das„Breaksast" einzunehmen. Er legte diesem, dem General Allenby, den Plan eines arabischen Aufstandes dar und verlangte Millionen von ihm. Allpnby hatte die Klugheit, ihn anzuhören und ihn zu verstehen und versprach ihm Geld zu beschaffen.„Wenn ich wie Lawrence Gold in siebenstelligen Ziffern hätte verteidigen können", sagte ein. Lokaladministrator,„so hätte ich keine arabischen König gemacht; ich wär« selbst König geworden". Aber Lawrence hatte die Seele eines Königmachers, nicht die eines Ehrgeizigen. Er suchte Kontakt mit dem Emir Faisal, wurde sein Freund, eroberte sein Vertrauen; er half ihm die Armee zu organisieren und machte ihm begreiflich, daß die Türken in diesem armen Lande ganz von ihrer Eisenbahn abhingcn.„In der türkischen Armee waren die Männer leicht zu ersetzen; das Material aber war rar und kostbar. Die Vernichtung einer Schiene war uns nützlicher als der Tod eines Soldaten. Unser Krieg muß ein Abteilungskrieg sein, ganz darauf abgestellt, die verwundbaren Stellen der Schienenwege zu suchen... Ohne Konserven war die feindliche Armee verloren. Die Erfindung des Büchsenfleisches hat den Landkrieg gründlicher'umgewälzt, als die Erfin- dung des Schießpulvers". i Das sind intelligente Ideen, die beweisen, daß der Romantiker nach Bedarf realistisch sein kann. Er war genügend realistisch, um zu siegen und um in Damaskus einzuziehen, wo er drei Tage lang unumschränkter Herrscher war. Aber eine Eigentümlichkeit Lawrence' ist es, daß sein Interesse für die Sache erlischt, sobald er sie erreicht hat. Seine große Absicht war es jetzt, eine arabische Nation zu schaffen, die„vom Mittelmeer bis Mössul und vom Roten Meer bis Schatt-el- Arab reichen sollte." Nun war dies aber unmöglich, denn„andere Romantiker träumten andere Träume. Balfour träumte davon, die Juden nach Palästina zurückzuführen und Mark Sykes hatte den Plan, Syrien den Franzosen zu geben." Umsonst belagerten Lawrence und Faisal die Friedenskonferenz. Lawrence erreichte für seine Freunde Kompensationen Hedschas, Irak, aber er glaubte, daß er gegen seinen Willen die Araber verraten habe und wollte sich nicht länger mit den Handlungen seiner Vorgesetzten identifizieren. Man hatte ihn zum Oberst gemacht. Er reichte seine Demission ein und verpflichtete sich als einfacher Soldat im Lustdienst. Er legte sogar seinen Namen ab; aus dem Obersten Lawrence wurde der Soldat Shaw. Warum dieser Verzicht? Um einen poliftschen Fehlschlag zu vergessen? Teilweise eigentlich aber, um das Glück wiederzufinden, das, wie Lawrence entdeckt hatte, mit Macht unvereinbar war. Dieser Mann hatte keine Wünsche. Eine Mahlzeit am Tag, und diese noch ganz einfach, genügte ihm. Er hatte einen Abscheu vor allem, das nach Wetteifer, nach Kampf zwischen Menschen aussah, selbst, wenn er triumphieren konnte. Als Soldat in einem Lager der Luftfahrtabteilung pflegte er mit glücklicher Hand einen kleinen Garten. Da kam ein Lagerkommandant voll guter Absichten; er veranstaltet eine Gartenkonkurrenz und setzte Preise aus für die schönsten Gärten. Sofort hört Lawrence mit der Gartenarbeit auf. Er schreibt seine Erinnerungen. Das Buch hat einen ungeheueren Erfolg. Er begreift, daß er damit ein Vermögen machen kann. Sofort hält er den Verkauf auf. Er weist alles von sich, was andere Menschen erstreben. Er schreibt an Robert Graves:„Erinnern Sie sich, was ich ihnen sagte, als ich mich für die Luftschiffahrt verpflichtete: daß ich das moderne Aequivalent für den Eintritt ins Kloster bei den Menschen des Mittelalters wähle. Das stimmt in mehr als einem Sinne. Ein wahrer Mechaniker sein, heißt, sich jeder wirklichen Verbundenheit mit Frauen enthalten. Es gibt keine Frau, die die Freude verstehen kann, die ein Mechaniker empfindet, wenn er seine einzelnen Maschinenteile und ihr Getriebe betreut". Die Einsiedler waren immer etwas frauenfeindlicher, und Lawrence ist der Eremit der Werkstatt. Das Recht auf Selbstmord. Gestern um 10 Uhr vormittags versuchte der 29jährige Drechsler Jan VobeckL sich in feiner Wohnung in Podol, Pankracka Nr. 75 zu erhängen. Der 14jährige Schüler Franz Zvolänek, der im selben Hause wohnt, hatte jedoch sein Vorhaben beobachtet, drang in die Wohnung ein und schnitt den Selbstmorchkandidaten ab, worauf er ihm die Schlinge um den Hals lockert«. Der dem Leben Wiedergegebene quittierte seine Rettung jedoch sofort mit einer kräftigen Ohrfeige, worauf er aufs neue Anstalten traf, sich die Schlinge um den Hals zu legen. Zvolänek rief Hilfe herbei, die Vobeckh in seinem Vorhaben hinderte und ihn auf die Klinik Professor Hynek transportierte. Als Motiv seiner Tat gqb er ein Herzleiden an. Industrielle! Kaufleute! Gewerbetreibende uw. kaufen gut und billig auf der XVI. Relchenberser Muster*Messe 18.—25. August(Sonntag-Sonntag) ggW Bis auf dm Badeanzug. Im vorigen Monat waren mehrere Badende auf der Kaiserwiese in Smichow nacheinander von einem unbekannten Täter so völlig ausgeraubt worden, daß sie nichts als den Badeanzug auf dem Leibe behielten. Der Dieb wurde nun gestern in der Person des 21jährigen Gärtnergehilfen Alois Krömäk aus Wyfoffchan sichergestellt, der im ganzen sieben derartiger Diebstähle eingeftanden hat. Krcmär wird außerdem von der Gendarmerie in Slatina wegen eines Fahrraddiebstahls bei dem dortigen Restaurateur Josef Dvorak gesucht. Gleichzeitig mit Krcmab wurde der 20jährige Klempfner Jan Strnad aus Whsotschan verhaftet, der die gestohlenen Sachen gekauft hat. Wenn man zu schön sein will. Gestern um 11 Uhr vormittags erschien das 25jährige Dienstmädchen Marie NovÄ aus Lieben im Laden eines dortigen Friseurs, mit dem sie in einen heftigen Wortwechsel geriet, da sie behauptete, er habe ihr Haar ruiniert, das sie sich am Tage zuvor bei ihm habe entfärben lasten und das nun büschelweise ausgehe. Der Friseur berief sich darauf, daß er ihr ausdrücklich von der Prozedur abgeraten habe. Uebri- gens werde der Schaden schon wieder gut werden. Die Roväk wurde aber immer wilder, warf dem Friseur ein« Brennschere ins Gesicht und zerschlug einen Spiegel. Es mußte die Polizei verständigt werden, die sie abführte. Der Dim- Volksabstimmung über den englischen Film Die größte englische Filmgesellschaft„London Films" hat in den lebten Tagen an sämtliche Zeitungen Großbritanniens als ganzseitiges Inserat einen Fragebogen für das Publikum veröffentlicht, um dessen Meinung über die bisherigen Leistungen und die zukünftige Gestaltung des englischen Films zu erfahren. Er beginnt mit der Frag«, ob die britischen Filme in den letzten fünf Jahren besser geworden seien, er bittet um die Angabe der drei bisher besten englischen Filme und ebenso der drei besten Filmschauspieler, Filmschauspielerinnen und Regisseure. Daneben enthält er einige grundsätzliche Fragen, zum Beispiel, ob Filme ohne Liebesaffäre langweilig seien, ob Filme nur unterhalten oder auch ernste Probleme behandeln sollen, ob di« Handlung oder die Besetzung wichtiger sei, ob man farbige Filme Er hatte noch einen anderen Grund, sich in der Maste der Mechaniker so zu verlieren, wie er sich früher unter den Eingeborenen in Arabien verloren hatte. Er glaubt, daß ein Mann wie er, wenn er sich unter die Menge mischt, nützlicher wirken kann, als auf einem Kommandantenposten. „Ich bin überzeugt, daß in unserer Zeit der Fortschritt nicht dem Genie eines Einzelnen zu verdanken ist, sondern den Bemühungen der Maste. Das Genie bringt ein Einfall zur Reife, aber die große Masse nimmt das Terrain und die Ausbeutung für sich in Anspruch. Darum stehe ich in den Reihen und versuche besonders meine Kameraden von der Luftschiffahrt stolz zu machen auf ihre anonyme Leistung. Ich habe versucht, es ihnen begreiflich zu machen, und es ist mir ziemlich gut gelungen." Es ist eine natürliche Reflexbewegung der großen Geister, einem Mann auf den Fersen zu folgen, der sie flieht und man fragt sich schließlich, ob nicht gerade inmitten der allgemeinen Geschäftigkeit ein moderner Einsamer Ruhe finden kann, ebenso wie während des Krieges der von einer Batterie visierte Punkt der einzige war, der niemals getroffen wurde. Lawrence, der von der Presse bis nach Indien verfolgt wurde, mußte schließlich nach Europa zurückkehren; bei den Luftschiffen von seinen Verfolgern gestellt, mußte er sich zu den Tanks versetzen lasten. Ruhm ist für einen Eremiten keine geringere Gefahr als Reichtum. Lawrence' Tod ist ein seltsames Abenteuer und ein merkwürdiges Symbol. Der große Abenteurer, der in den wildesten Ländern alle Gefahren auf sich genommen hatte, starb auf einer englischen Landstraße an einem Unfall, der von einem Kinde verursacht wurde. Allah ist groß. Andrö Maurois. zu sehen wünsche und ob man Kostümfilme oder moderne Filme bevorzuge. Ms letzte von 15 Fragen wird die Verfilmung von Shakespeare-Dramen zur Diskuffion gestellt. Da dieser in der gesamten englischen Preste veröffentlichte Fragebogen am Ende noch eine Preisfrage nach einem zur Verfilmung geeigneten Buch. Theaterstück oder historischen Stoff enthält, und für die besten Antworten Preise von 100 bis 150 Pfund ausgesetzt sind, ist damit zu rechnen. daß diese englische Volksbefragung über den Film eine sehr«roße Teilnahme finden wird und so wirklich ihren Zweck erfüllen kann, nach den Geschäftsleuten. den Fachleuten und den Kritikern des Films auch einmal das Publikum selbst zu Worte kommen zu lassen. Zwar ist das Publikum des englischen Films längst nicht mehr auf England beschränkt. und man müßte die Frage-Aktion eigenüich auf ganz Europa und Amerika ausdehnen, um sicher zu gehen.— aber auch so wird das Ergebnis der Volksbefragung gewiß schon sehr aufschlußreich für die Erkenntnis des„Publikumsgeschmaks" sein, auf den sich die Filmhersteller so ost berufen, ohne ibn zu kennen. Internationale Normung auf dem Gebiete der Kinemawgraphie. Anläßlich des diesjährigen Internationalen Kongreffes für wissenschaftliche und angewandte Photographie, der in Paris im Monat Juli stattfand, wurde auch über die internattonale Normung auf dem Gebiete der Kinematographie beraten. Den Anstoß zu diesen Verhandlungen gaben die voneinander abweichenden amerikanischen und deutschen Tonfilm-Normen. Bei dem Kongreß wurde vereinbart, daß bei der Jnternattonalen Normungsgesellschaft eine Sonderkommission errichtet werden wird, die sich mit diesem Problem zu befassen hat. Bei dem Kongreß wurden mehrere Empfehlungen besonders über die Lage des Tonstreifens auf dem Film sowie über die Perforierung der Negattv- und Positivfilme angenommen.Die tschechoslowakische Normungsgesellschaft, die Mitglied der Internationalen Normungs-Föderation ist, wird eine Beratung der Interessenten«inberufen, in der diese zu den verschiedenen Vorschlägen Stellung nehmen sollen, da es sich um eine Sache von großer wirtschaftlicher Tragweite handelt. Xunst ittul Mssen Kurzes Gastspiel der„Pfeffermühle" in der Kleinen Bühne. Die..Pfeffermühle" kommt, nach ihrer erfolgreichen Höllandtournee. die sie über drei Monate lang durch ganz Lolland fichrte und nach einem Gastspiel in den tschechoslowakischen Bädern, nun wieder nach Prag in die Kleine Bühne. Erika Mann bringt«in vollständig neues Programm, in welchem wiederum Therese Giehs«. Lotte Goßlar. Magnus Henning in führenden Partten mitwirken. Da bei dem lebten Gastspiel, im Jänner dieses Jahres, sämtliche Vorstellungen ausverkauft waren, empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu lösen. Premiere: 16. August. 8 Uhr. Preise KL 5.— bis Kd 45.—. Vorverkauf: Deutsches Haus. Neues Deutsches Theater. M. Truhlär. Vkrelnznachächten. Internationales Grenztreffen am»Betty SaSov" Bei äußerst zahlreicher Beteiligung aus den Gruppen Ostrau-Privoz, Liskowetz. Fulnek. Neu- Titschein, Odrau, Troppau, Tschechisch-Teschen, Bie- Helene Buschovä in dem kürzlich ferttggestellten heimischen Film> „Jana". litz und Alexanderfeld fand anläßlich des internationalen Grenztteffens Samstag, den 10. August, i« Schutzhaus am„Belky Sosov" ein Begrüßungsabend statt. Nahezu 200 Wandergenosten und-genostinnen hatten sich einqefunden, um einige Stunden gemeinsam mit den polnischen Freunden zu verbringen. Sonntag ftüh setzte sich ein riesiger Zug von Touristen vom Schutzhaus Velky Sosov in Bewegung, um das Schutzhaus Cantorh nach zweistündiger Wanderung zu ereichen, wo unsere Festversammlung und der Abschied von unseren polnischen Freunden erfolgen sollte. Hier hatte sich auch Reichsobmann Genoss« Theodor Dietl aus Auffig, Mitglied der Natur« freunde-Jnternattonale in Zürich, eingefunden und konnte nach einer kurzen Begrüßung zu den nahezu 250 Personen sprechen. Ausgehend von der Bedeutung der bisherigen Grenztreffen gedachte er der Länder, in denen es keine fteie Arbeiterschaft und daher auch keine Naturfreundebewegung in unserem Sinne mehr gibt, seitdem dort der Fascismus seinen Einzug gehalten hat. Dadurch wurde unser« International« geschwächt. Nach der Neukonstttuierung der Hauptleitung im März 1983 in der bis jetzt noch freien Schweiz, geht es wieder vorwärts und die Naturfreund« der Tschechoslowakei sind als Kern der Bewegung anzusehen. Er freue sich teilnehmen zu können an diese« imposanten Kundgebung der Naturfreunde Polens und der Tschechoslowakischen Republik und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese Grenztteffen dazu bei- ttagcn möchten, der Völkerverständigung den Bode« zu bereiten. Namens der polnischen Naturfreunde sprach Genoffe Ka r ch dem Genosten Dietl den Dank aus für seine interessanten Ausführungen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Ärenztreffen nicht das letzte gewesen sein möge. Aua clee Drrttt Dank Die Bezirksorganisation der Sozialistische« Jugend Mies ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Wir danken den Prager Jugendgenoffinne« und Genosten für ihre geleistete Arbeit im Zeltlager. Und wenn wir mit schweren Herzen■ auseinandergingen, irgend in ein fleines Böhmerwolddorf oder nach Prag oder anderswohin, so haben wir doch eins gelernt: Kameradschaft. Es war ein Kameradschaftslager, denn zwischen den Studenten von Prag und den Landarbeitern, den Proleten des Böü- merwalds, bestand ein inniges Bündnis. Gemeinsam haben wir nicht nur schöne Stunden verbracht, sondern auch gelernt, und dies werden wir in unserem Gebiet« prastisch verwerten. Nochmals viele Freundschaftsgrüße. §pHrt-§piet-Xörprrpskege Am den Kreismeister spielen am Sonntag, dem 18. August, nachmittags 5 Uhr die beiden Gruppenmeister Kleinaugezd und Zuckmantel auf dem Sportplatz in Pihanken. DaS zweite Spiel Kleische gegen Nesterfitz findet an« selben Tage in Auffig(Stadion) statt. Der Anstoß wurde ebenfalls für 5 Uhr nachmittags festgesetzt. Die Kreisspielleitung.. Handballmannschaftcn! Achtung! Die Verein« Karlsbad-Donitz. Altrohlau und Fischern suche« Gegner auf eigenen oder ftemden Plätzen. Zuschriften an Genossen Willi Rudert in Fischern Nr. 385 bei Karlsbad. Mit„Zauberdung“ behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang’ nicht Hexerei 1 Paket zu K<5 5*60 durch die Verwaltung der „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Aaqer feitunq Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in» Haus oder ber Bezug durch die Post monatlich KL IS.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL SS.—, ganzjährig KL 192.—■.— Inserate werden laut 'Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten.— Die Zeitungsftankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 1S.800/VH/1SS0 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.