Sonntag, 18. August 1935 15. Jahrgang Nr. 192 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Henn (•hnchllaBlich 5 Haller Fortei ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag dl, fochova«2. TELEFON M77. HERAUSGESER, SIEGFRIED TAU». CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Kampf der Teuerung! Das Steigen der Fleischpreise— Drohende Fettnot Entweder Aufhebung des Margarinegesetzes oder wenn das nicht möglich ist. sofortige Erhöhung des Kontingent- für daheurige Jahr um 2000 Waggons, Aufteilung dieses Kontingents nur an jene Fabriken, welche billige Sorten erzeugen, restlose Sicherstellung des Bedarfes an Kunstfetten für die Konsumgenossenschaften durch Zuweisung von 200 Waggons. Für das Jahr 1836 verlangt Genosse Svojse eine Produktionsquote v o n 1 0.0 OOWaggons, wobei den Konsumgenossenschaften 700 Waggons zur Verfügung gestellt werden, Aufhebung derZölle für Schweinefett und Butter, wenigstens für die Dauer der hohen Preise und freie Einfuhr dieser beiden Fettarten. Genosse Svojse schließt seinen Aufsatz mit den Worten: »Die Konsumenten vertragen keine weitere Verelendung und Belastung ihrer ohnehin schon bis auf das niedrigste Minimum eingeschränkten Lcbenshaltimg mehr!" Hitlers Vertrauensmann aus der Reichswehr ausgeschlossen General Reichenau— ein Opfer der Cllquenkämpfe Im Regime Das statistische Staatsamt gibt soeben die Ergebnisse der Statistik der Lebenshaltungskosten . im Juli und den Index der Großhandelspreise nach h dem Stand vom 1. August bekannt, aus denen das besorgniserregende Steigen der Nahrungsmittel- - Preise hervorgeht. Im Juli sind vor allem die 8 Rarwffelpreise gestiegen, in Prag hat nach diesen Feststellungen im Juli wohl das Steigen der ; Fleischpreise ein Ende erreicht, aber in der Pro- t vinz hält das Steigen der Fleisch- und Selch- t ivarenpreise an. Infolge dieser Verteuerung stieg / auch der Preis vonSchweinefett und eben so haben sich die Selchwarenpreise den Fleischpreisen ange- [ glichen. Außerdem verzeichnen Eier eine Verteuerung von zehn Prozent. Hinuntergegangen sind wl Juli die Preise von Butter(um 5 Prozent) Und die Preise von Gemüse(um 20 bis 25 Pro- szcnt), was der Saison entspricht. Der Index der ^Großhandelspreise zeigt wieder, daß zum 1. August sich Rindfleisch um 7.2 Prozent, Schweinefleisch um 10.5 Prozent, Kalbfleisch um 3.2 Prozent und Schöpsenfleisch um 10 Prozent verteuerte und daß der Eierpreis um 10.1 Prozent . gestiegen ft. Bon den übrigen Nahrung?- und Genußmit- leln festigte sich Rohzucker um 3.4 Prozent, Kaffee Um 3.5 Prozent, sowie Tee, Hopfen und Malz. Man ersieht daraus, daß nun auch die amt- »che Statistik zugeben mutz, daß der Preis der Nahrungsmittel sich nach aufwärts entwickelt. 8as das in der heutigen Zeit zu bedeuten hat, ist Aar. Ein Teil der Bevölkerung ist arbeitslos, ist auf den Bezug der Unterstützung und der Lebens- iuittelkarten angewiesen und empfindet jede Verteuerung auf das empfindlichste. Die ohnehin unerträgliche Lebenshaltung dieser Menschen, welche eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben einer großen Bevölkerungs- ' schichte ist, wird nun neuerlich verschlechtert. Aber auch diejenigen, die noch Arbeit haben, läßt fiese Entwicklung nicht unberührt. Die Löhne sind auf einem außerordentlich niedrigen Niveau und «eswegen trifft jede Krone Mehrausgabe für die Notwendigen Nahrungsmittel die Arbeiter furchtbar. Wir haben schon unlängst an leitender Stelle auf diese Entwicklung hingewiesen und jene Ver- tvaltungs- und gesetzgeberischen Maßnahmen be- A Zeichnet, die Abhilfe schaffen könnten. Es ist höchste Meit, daß der von uns bezeichnete Weg betreten wird! Sofortige Erhöhung des Margarine-Kontingents notwendig I Wir haben th dem bereits erwähnten Leitartikel auch auf die drohende Fettnot, die bevorsteht, hingewicsen. In der neuesten Nummer der »Konsumgenossenschaft" beschäftigt sich Genosse vojse an leitender Stelle mit diesem für die Mrnährung der Bevölkerung so wichtigen Problem. Es wird darauf hingewiesen, daß das Handelsministerium in jüngster Zeit ein Rundschreiben on ? bi« Fabriken herausgegeben hat, worin strengste ^Einhaltung des Margarine-Kontingents gefordert ^ird. Die Festsetzung des Kontingents erfolgte auf Mund der um 26 Prozent gekürzten Produktion bcs Jahres 1833, während schon der Bedarf im 8ahre 1834 um 25 Prozent höher war und im , heurigen Jahr der Bedarf an Kunstfett noch um *0 Prozent höher ist als im vergangenen Jahre. Die Bevölkerung ist infolge ihres geringen Ein- ^onimens gezwungen, zum Konsum des billigeren Kunstfettes überzugehen. Gerade dieses billige «Aahrungsmittel aber soll der Bevölkerung noch weggenommen werden. Schon jetzt erzeugen die Fabriken die billigen Konsumsorten nicht, weil ihnen diese zu wenig rentabel sind. Dazu kommt sistch das verringerte Angebot am Schweinefett- M^rkt, eine Folge der Dürre. Es droht die Ge- Mr, daß das Schweinefett auf den Preis von 15 bis 16 XL hinaufgeht. Aber die Dürre und die Dadurch bedingte. Not an Futtermitteln, wird auch Futtermangel und höher« Preise der Butter zur Folge haben. _ Genosse SdojZe gelangt auf Grund dieser Erörterungen zu einer Reiche von Forderungen: General v. Reichenau von Reichenau seines Postens bei der Reichswehr begebe. Rach einer anderen Nachricht, verläßt Reichenau nur das Wehrmachts- Wir haben vor einigen Tagen ein Interview unseres P. M.-Mitarbeiters mit dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Schwedens gebracht und drucken nachstehend ein Gespräch desselben Berichterstatters mit dem sozialdemokratischen Finanzminister Norwegens ab, aus dem unsere Leser erfahren werden, mit welchen Mitteln auch diese Arbeiterregierung die Krise bekämpft. D. Red. Oslo, im August. Die zweite norwegische Arbciterregierung, die nun seit einigen Monaten im Amt ist, steht vor keiner leichten Aufgabe. Bon Jahr zu Jahr hat sich die Zahl der Arbeitslosen in Norwegen erhöht. Heute sind in Nortvegen rund 150.000 Menschen bei einer Einwohnerzahl von zweieinhalb Millionen zur Arbeitslosigkeit verurteilt. Während im Lahre 1020 57.000 unterstützte Familienerhalter und Selbständige gezählt wurden, sind es heute mehr als 150.000, so daß wir nun damit rechnen müssen, daß 300 bis 350.000 Menschen in größerem oder kleinerem Grad auf das Fürsorgewesen angewiesen sind. Gleichzeitig leben tausende unserer Bauern unter den schlechtesten Bedingungen. So wie in der ganzen Welt hat die ökonomische Krise auch in unserem Land in hohem Grad den Charakter einer Landwirt- s chaftskxis e angenommen. Am härtesten sind inzwischen die Fischer und Forstarbeiter betroffen. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß die Anzahl der Fürsorgeempfänger auf dem Lande seit 1828 um 50 Prozent gestiegen sind. Das ist| ' amt der Reichswehr und wird in di« Provinz versetzt werden. Die außerordentliche politische Bedeutung dieser Nachricht liegt darin, daß General von Reichenau der eigentliche Dertranens- mann Hitlers in der Reichsweh r ist. Er vertrat dort den nationalsozialistischen Flügel in oft schärfstem Gegensatz zu anderen deutschnationalmonarchistischen Teilen der Reichswehrgenera- lität. Er war es auch, der vor allem jenen Kampf gegen oppositionelle Strömungen in der Reichswehr führte, der schließlich mit der Ermordung Schleichers endete. Auch auf die Beziehungen zwischen dem Regime und General Blomberg nahm er oft entscheidenden Einfluß. In der letzten Zeit nahm er besonder- scharf für feinen Grundsatz,„die Reichswehr muß nationalsozialistisch werden", in den Parteiblättern den DNDAP Stellung. Sein plötzlicher HinanSwurf, der offensichtlich mit dieser Aktion gegen die monarchistische Reichswchrgenrralität in engem Zusammenhang steht, bietet ein bezeichnendes Bild der immer erbitterten Machtkämpfe unter den Cliquen der Herren des Dritten Reiches. das Resultat einer jahrzehntelangen Herr s ch a ftder bürgerlichen Parteien. Die bürgerlichen Parteien in Norwegen haben jederzeit die Mehrheit im Storting und dje Leitung des Landes in ihren Händen gehabt. Ihre Politik war geprägt von der Auffassung, daß die Krise von selbst verschwinden werde. Die norwegische Arbeiterpartei hat die entgegengesetzte Auffassung von der Krise. Sie hat längst erkannt, daß bloße Fürsorge nicht weiter führen kann. Sie hat weitgehende Maßnahmen verlangt, das Volk in Arbeit zu setzen und radikale Vorkehrungen zu treffen, um denen ein mögliches Auskommen zu sichern, die Norwegens harten Boden und Wald bearbeiten oder täglich Leben und Gesundheit auf dem Meer wagen. Bei den Wahlen hat das Volk der Politik der Arbeiterpartei ein Vertrauensvotum gegeben. Lange haben die bürgerlichen Parteien versucht die deutliche Sprache des Volkes zu' sabotieren. In diesem Jahr nun mußten sie notgedrungen die Leitung des Landes in die Hände einer Arbeiterregicrung legen. Noch hat iüesc Regierung keine Mehrheit im Storting. Gleichwohl hat sie es zustandegcbracht ein Budget vorzulegen, das einen historischen Wendepunkt für Norwegen bedeutet. Die Arbeitslinie hat gesiegt.' Durch das.Krisenbudget der Arbeiterregierung werden vorläufig 30.000 Man» in Arbeit gesetzt. Wir werden vor allem das Straßennetz ausbauen. Man muß in Betracht ziehen, daß wir in Nord- norwegen bis heute keine Durchgangsstraße haben, Kritische Lage in Paris Verhandlungen unterbrochen, da Mussolini schweigt Paris.(Tsch. P. B.) Eine neue Sitzung der Vertreter der drei Großmächte hat heute nicht mehr stattgefunden. Der italienische Delegierte Baron Aloisi ist gegenüber den beiden anderen Delegierten, dem Ministerpräsidenten Laval und dem Minister Eden im Nachteil, da diese Vollmachten besitzen, während Baron Aloisi sich über jeden neuen Punkt mit seinem Regierungschef ins Einvernehmen setzen muß. Mussolini hat Rom jedoch am Samstag nachmittag offiziell wegen einer Truppeninsprk- tion verlassen, so daß die Pariser Konferenz lahmgelegt wurde, obzwar nach den letzten Meldungen England und Frankreich sehr weitgehende neue Zugeständnisse an die italienischen For- derungen gemacht haben. Auch im Budget für die Eifenbahnbauten schlägt die Arbeiterregierung beträchtliche Erweiterungen vor. Neben dem Ausbau und Neubau einer Reihe von Bahnstrecken werden wichtige Strecken elektrifiziert. Durch den energischen Kampf der Arbeiterpartei erhält Norwegen als letzter der europäischen Staaten jetzt auch ein Flugnetz. Fünf Millionen Kronen hat die Regierung als Staatsgarantie zum Start neuerLndu- striebetriebe oder zur Erweiterung und Modernisierung alter zur Verfügung gestellt. Das erste Resultat dieser Bewilligungen wird eine neue Kunstseidenfabrik auf Notodden sein. Eine weitere Staatsgarantie wird für ein geplantes Stahlwerk bei Kristiansand erteilt. Die Arbeiterregierung^at auch den ersten Schritt dazu getan, das Mißverhältnis zu beseitigen, daß neun Zehntel der norwegischen Handelsflotte im Ausland gebaut werden. Die Stellung der noxwegischen Schiffwerften gegenüber der ausländischen Konkurrenz soll gestärkt werden. Die Arbeiterregierung hat eine Kommission eingesetzt, welche neue Arbeitsmöglichkeiten in Norwegen untersuchen soll, darunter auch die Bedingungen für die Errichtung moderner Schiffswerften. Selbstverständlich legen wir auch großes Gewicht auf die Bauindustrie. Neue Rathäuser werden gebaut— eine Million Kronen stellen wir zum Hausbau zur Verfügung. Mittel zum Bau von Sportplätze», Bibliotheken, Bädern werden aufgebracht. Zum ersten Male werden auch Mittel bewilligt, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Unsere wichtigste Sorge ist natürlich auch die Landwirtschaftskrise. Die Lebensmittelpreise, die 1828 einen Index von 150 gegenüber 100 des Vorkriegsniveaus auswiesen, sanken bis 1033 auf 110. Gleichzeitig aber hielten sich die Industriepreise viel besser, gar nicht zu schweigen von den Ausgaben für Steuern, Renten, Abzahlungen etc. Die Einnahmen für den Bauern wurden also bedeutend vermindert, während die Ausgaben fast die gleichen blieben. Unser Kleinbauer bezieht sein Haupteinkommen aus Molkereiprodukten, dann Speck uns Eiern. Die Arbeiterregierung hat nun für einen Minimalpreis für Milch gesorgt. Um diesen Preis zu halten, bewilligt die Arbeiterregierung nicht weniger als 5.4 Millionen Kronen, davon werden 3.5 Millionen durch eine Kraftfutterabgabe gedeckt, die auf jenen Betrieben lastet, die einen großen Verbrauch an ausländischem Kraftfutter haben. Um den Verbrauch von Butter zu steigern, sorgt die Arbeiterregierung dafür, daß Butter an Stelle von Margarine in Krankenhäusern, Sanatorien, Tuberkuloseheimen, bei der Militärverpfle- ' gung etc. tritt. Sie will auch eine energische Aufklärungsarbeit führen, um den Kleinproduzenten die Produktion von Qualitätsbutter zu lehren. Ein außerordentlich wichtiges Glied im Krisenplan der Arbeiterregierung ist die erweiterte Begünstigung der Neuerrichtung von Bauernhöfen und Urbarmachung unkultivierten Bodens. Norwegen verfügt heute Vie norwegische Arbeiterregierung im Kampf gegen die Krise Von Adolf Indrebb, norwegischem Finanzminister Seite 2 Sonntag, 18. August 1933 Nr. 192 noch über mehr unkultivierten aber brauchbaren Boden als über bisher kultivierten. Das Tempo der Neukultivierung ist sehr langsam. Bei dem gegenwärtigen Tempo wäre erst in 100 Jahren unser kultivierbarer Boden in Gebrauch genom» men. Wenn man bedenkt, daß wir gegenwärtig nm ein Zehntel unseres Bedarfes an Roggen und Weizen decken können, so wird man die Bedeutung einer Intensivierung der Urbarmachung norwegischen Bodens erkennen. Die arbeitslose Landjugend soll ihr Auskommen auf norwegischem Boden finden. Eine weitere Ursache für die Mißstände in der norwegischen Landwirtschaft ist die Kleinheit der Bauernhöfe. Durch die staatliche Unterstützung der Neuordnung soll auch hier Abhilfe geschaffen werden. Die außerordentliche Bewilligung für die Schaffung neuer Güter und die Erweiterung der Äleinöauernhöfe wird von der Arbeiterregierung auf fünf Millionen Kronen festgesetzt. Für Wohnhausbau auf dem Lande, Betriebsmittel und Beiträge für Hausreparaturen der Kleinbauern, die keinen Wald besitzen und ähnliche Zwecke werden weitere zwei Millionen Kronen angesetzt. Bedeutende Summen verwenden wir auch zur Erleichterung der Schuldenlast der Kleinbauern. Vielleicht am schärfsten hat die Krise in unseren Walddistrikten g'wütet. Auch hier seht die Arbeiterregierung durch Arbeitsbeschaffung mit bedeutenden Mitteln ein, natürlich auch direkte Unterstützung und Förderung und auch in den Walddistrikten sollen neue Waldbauernhöfe erstehen. Die Fischerbevölkerung war lang genug Norwegens Stiefkind. Die Lebensverhältnisse unserer 100.000 Fischer sind denkbar schlecht. Neun Zehntel aller Fische, die in mühevoller Arbeit von unseren Fischern geborgen werden, werden aus ausländischem Markt verkauft. Durch die scharfe Konkurrenz der anderen fischproduzierenden Länder, Zolle, Restriktionen gingen die Preise ständig nieder. Seit Jahren liegen die Fischpreise nun bis zu 60 Prozent unter dem Borkriegspreis. Gleichzeitig sind aber die Fischereigeräte um rund 200 Prozent teurer. Die bisherige Hilfe bestand darin, daß die Fischer Kredite zur Anschaffung neuer Geräte bekamen, nun sollen vier Milliosten Kronen als B e i t r a g für Fischereigeräte und Kleinboote der Fischerbevölkerung gegeben werden, di: nicht zurückgezahlt werden brauchen, während gleichzeitig der Storting auch die bisherigen Schulden gestrichen hat. Weiters wird ein Beitrag zur Anschaffung von Motorfahrzeugen und ein Neuausrüstungskredit vorgesehen. Auch der Fischhandel wird reorganisiert. Schließlich sind-für den Bau neuer Fischereihafen noch eine Million Kronen vorgesehen und überdies sollen die Schuldner der Fischereibanken ebenfalls Erleichterungen ihrer Schuldbürde erhalten. Insgesamt sind es 80 Million«» Kronen— ■ rund 450 Millionen tschechoslowakische Kronen — die von der Arbeiterregierung zum Kampf gegen di« Krise bereitgestellt«erden sollen. Die Deckung dieser bedeutenden Mittel soll durch eine Anleihe in der Höhe von 13 Millionen, durch eine außerordentliche Krisen st euer von ebenfalls 13 Millionen und durch eine Um- sahabgabe 17.5 Millionen Kronen, der Rest wird aus den ordentlichen Staatssteuern, Zöllen und Abgaben erfolgen. Es ist bemerkenswert, daß die Arbeiterregierung auf der anderen Seite die breiten Massen belastende Steuern, wie die Margarineabgabe senkt. Für die»kleinen Leute" wird die Belastung durch die für die Krisenbekämpfung notwendigen Mittel nur ganz geringfügig sein. Von der Krisensteuer sind überhaupt nur jene be troffen, die über 2000 Kronen im Jahr cinneh- men, also viele zehntausend« Arbeiter, Fischer, Landarbeiter sind völlig befreit, und auch die Umsatzsteuer bedeutet nur eine ganz geringfügige Belastung, wobei jedenfalls der durch die Krisenbekämpfung«rziellbare Erfolg in keinem Verhältnis zur Belastung durch die Krisenabgaben steht. DaS Krisenabkommen zwischen der Arbeiterpartei und den Bauern dominiert heute auf dem politischen Gebiet in Norwegen. Ueberall ist brennendes Interesse für alle die Maßnahmen vorhanden, die von der Regierung mit dieser starken parlamentarischen Stütze auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens vorgenommen werden. Ueberall zeigt sich erhöhtes Vertrauen zur Arbeiterpartei und vor allem zunehmende politische Beruhigung — eine Beruhigung, die auch innerhalb des Wirt- schafslebenS zu konstatieren ist. In politischer Hinsicht hat die Regierungspolitik die Veränderung Köln.(F. K.) In welchem Maße in Deutschland alle Entscheidungen auf wirtschaftlichem Gebiete vom Standpunkte der Kriegstüchtigkeit und -Vorbereitung aus getroffen werden, dafür gibt der folgende Vorgang einen besonders drastischen Beweis: Die Handelskammer in Aachen hatte als Jn- tcreffenvertreterin von Handel und Industrie eine Beschwerdeschrist an die Zentralinstanzen in Berlin gerichtet und Klage geführt, daß die Industrie im Aachener Bezirk bei den Aufträgen für die Heeresleitung fast völlig ausgenommen werde. Die Handelskammer teilte jetzt den in Frage kommenden Firmen mit, daß die Regierung das linke Rheinufer als R ä u m u n g s g e b i e t betrachte und daß deshalb kein Interesse vorliege, in dieser Zone Rüstungsbetriebe zu unterhalten, resp. zu errichten. Außerdem sei eS wegen der Spionagegefahr nicht opportun, in diesem Gebiet Materialien, die der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes dienen, herzustellen. In den Kreisen der Industrie hat die Definition„Räumungsgebiet" für das linke Rheinufer wie eine Bombe eingeschlagen. Was aber hier von amtlicher Seite mit dürren Worten offen ausgesprochen wurde, hat seit langer Zeit bei allen Entscheidungen der Regierungsstellen die Richtlinie abgegeben. Auf zwei Wegen wurde erreicht, daß im linksrheinischen Gebiet die industrielle Expansion unterblieb. Erstens gab der Hauptarbeitgeber, das ist das Kriegsministerium mit seinen Riesenaufträgen, nur unbedeutende Rüstungsaufträge in» linksrheinische Gebiet. Zweitens würden Subventionen"im wcscntuchen nur an solche Firmen gegeben, die nach der Meinung der militärischen Sachverständigen kriegswichtig sind und weitab von der Grenze liegen. Diese Tatsachen haben bewirkt, daß jahrzehntelang im Rheinland ansässige Firmen mit ihrem ganzen technischen Apparat sich aus die Wanderung ins Reich begeben haben oder daß sie stillstehende Fabriken im Reich auflauften und einrichteten, um dann dort zu produzieren. Wenn militärisches Interesse am Betriebe vorlag, dann flössen auch die Mittel, die zur Verlegung gebraucht wurden. Roch in der neuesten Zeit sind di« weiter untenstehenden folgenden Verlegungen von Firmen erfolgt: Dürener Metallwerke sind jetzt bewirkt, daß die politische Einstellung in hohem Maße arbeiterfreundlich wurde, was vor allem in der Bauernpartei und der bürgerlichen Linken merkbar ist. Man bedenke nur, mit welcher Leichtigkeit es möglich war, die arbeiterfeindlichen Gesetze zu beseitigen, die in den letzten zehn Jahren zustandegekommen waren. DaS»Zuchthausgesetz" — ein norwegisches Antigewerkschaftsgesetz— wurde ja mit den Stimmen der Arbeiterpartei, der Dauern und der bürgerlichen Linken weggefegt. Die Wahl im nächsten Jahr wird der Eroberung der Arbeitermajorität im Storting gelten. Rtan kann natürlich den Ausgang der Wahl nicht ein Jahr voraus prophezeien, aber im bürgerlichen Lager glaubt man deutlich an einen Sieg der Arbeiterpartei und ihre Storting»- Majorität. Daß die Arbeiterpartei alle ihre Kräfte anspannen wird, um dieses Ziel zu erreichen, ist selbstverständlich. fast restlos umgesiedelt. Sie unterhalten jetzt zw^r Werke, in D e s s a u und in B e r l i n. Lro Lammerts, die größte Nadelfabrik, verlegt ihren Betrieb zum größten Teil nach Bayern. In A a ch e n wird nur ein kleiner Tc:l verbleiben. Vorgesehen ist, von 800 auf 800 Mann zu reduzieren. Zur Erledigung der Auslandsaufträge soll ein Betrieb in Holland eingerichtet werden.(Lammerts hatte seinen Betrieb auf die Erledigung bestimmten Rüstungsbedarfs umgestellt, s Kranz, Maschinenfabrik, Aachen— cs handelt sich um den größten Betrieb dieser Art im ganzen Bezirk—wird in rechtsrheinisches Gebiet verlegt. Die Firma hat mehrer: tausend Arbeiter und zwar ausschließlich für das Heer, beschäftigt. Die Rheinmetallwerke, Düsseldorf, haben ihren Zweigbetrieb in Sömmerda(Bezirk Erfurt) außerordentlich erweitert und auf die Erzeugung von Maschinengewehrteilen eingestellt. Die abwandernden Industrien siedeln sich in der Hauptsache in Mitteldeutschland an (Anhalt, Thüringen, Provinz Sachsen). Sie entfernen sich au» der Nähe ihrer alten Kohlen- und Rohstöfsbasis: dem westfälischen und Aachener Kohlen- und Hüttengebiet und zugleich auch von den alten Absatzgebieten und Hauptexportländern. Der im heutigen schweren Konkurrenzkampf nicht entbehrliche Vorteil des kurzen Transportweges der Rohstoffe und der Fertigware geht verloren. Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe muß sinken. Solange der NüftungStaumel mit den großen Gewinnen anhält, mag alle» gut scheinen. Wenn aber eines Tages die ReichSstellen nicht mehr in der Lage find, mit Rüstungsaufträgen und Subventionen nachzuhelfen, wird er sich Herausstellen, daß Deutschland in der Zeit, als eS seine Auslandsschulden nicht bezahlte, sich nicht nur den LuxiS einer forcierten Ausrüstung, sondern Auch den einer riesigen industriellen Fehlinvestition leistete. Die RüstungSbetriebe de» linken RheinuferS wurden verlegt, damit sie der Fernwirkung von Artillerie und dem Luftangriff entzogen fein sollten. Ist aber das Gebiet, in dem sie sich jetzt befinden, bei der Leistungsfähigkeit moderner Flugzeuge überhaupt wesentlich sicherer? Liegt hier nicht neben dem wirtschaftlichen teilweise auch ein militärischer Fehlschluß vor? Internationaler LehrerkonsreB Gründung einer internationalen pädagogischen Zeitschrift Am 9. und 10. August fand in Bern unters dem Vorsitz von L. Z o r e t t i der Internationale Kongreß der Lehrer statt. Die Lehrer-Internationale(JBL), zählt 108.000 Mitglieder auS 12 Ländern. Zur Zeit der Gründung des JBL im Jahre 1926 umfaßte> die Internationale sieben Länder. Vertreten waren Frankreich, die Niederlande, Belgien, die beide» tschechoslowakischen Organisationen, Spanien, die Schweiz und durch den niederländischen Vertreter s auch Niederl. Indien. Weiterhin waren auch Vertreter Oesterreichs sowie der emigrierten deutschen Lehrer anwesend. Im Namen des Internationalen Gcwerk- schaftsbundes hob Genosse Stolz in seiner Ansprache die enge Zusammenarbeit der Lehrer-Internationale mit dem JGB hervor, aus der auch das Internationale Schul- und Erziehungsprogramm hervorging. Es wurde mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß die dem JGB zugekommene Einladung zum Kongreß der amerikanischen Lehrer- s schäft, die er dem JBL überg:ben hat, die Möglich-• leit bietet, mit der amerikanischen Lehrer-Organisation in Verbindung zu treten. Der vom Sekretär B r a c o p s erstattete Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genonimen und, um den Einfluß auf die noch nicht angeschlossenen Länder englischer und spanischer Sprache zu erweitern, beschlossen, das Bulletin in diesen beiden Sprachen herauSzugeben. In jedem Land werden Korrespondenten für das internationale Büro bestellt. Die seit Jahren bestehende und überaus erfolgreiche Internationale Sommerschule der Lehrer wird auf Grund der bisherigen Erfahrungen erweitert. Nach den Ausführungen des tschechoslowakischen Vertreters P k i h o d a faßt der Kongreß den Beschluß, eine internationale wissenschaftliche pädagogische Zeitschrift herauszugeben, die schon deshalb notwendig geworden ist, weil eS zwar mehrere internationale pädagogische Zeitschriften gibt, die entweder neutral oder sogar ausgesprochen reaktionär, sind, wie die Internationale Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, die gleichgeschaltet wurde. Mit dieser Zeitschrift sollen die freigewerkschaftlichen sozialistischen Lehrer ein eigenes Organ cr- halten, das auch das Programm der»Sozialen Erziehung" vertreten soll. Im Sinne des Berichtes der Genossin Louise Eavalier über den internationalen Austausch und Auslandsreisen der Jugend wurde beschlossen, für die internationale Annäherung der Jugend zu wirken, und zwar 1. durch eine intensive Propaganda unter den Junglehrern und-Ichrerinnen für die internationale Sommerschule; 2. durch Zusammenarbeit der angeschlossenen Orgamsatio- nen mit den weltlichen Jugendherbergen Frankreichs; 3. durch Gründung eines besonderen Dienstes beim JBL, der mit den angeschloffenen Organisationen den internationalen Austausch und die Auslandsreisen besorgen wird. AuS dem Bericht des Kassiers Moerman gebt hervor, daß die Lehrer-Internationale im weiten Ausmaß den emigrierten deutschen Lehrern uni auch den eingekerkerten Lehrern Spaniens und ihren Familienangehörigen beigestanden hat. ! Linkes Rheinufer: Räumunsssebiet Marschrichtung der deutschen Wirtschaft: Kries | VILLA OASE W oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt W Berechtigte Uebertragung aus& dem Französischen von Bejot O Erster Teil. Helene i. In der Dämmerung war der Zug über die Grenze gefahren. Helene Lagorio wischte' die beschlagene Scheibe ab, an die sie ihre Stirn preßte. Sie sah die Lichter einer Stadt, die erleuchteten Fenster einer Fabrik und längs der Strecke, große, schillernde Wasserflächen. „Jetzt bin ich also in Frankreich", dacht« sie. Sie warf einen Blick auf ihre Mitreisenden, zwei schäbig gekleidet« junge Burschen, deren Schwatzen und unaufhörliches Lachen sie reizten. Dann drückte sie sich in ihre Ecke, verschränkte die Hände über dem Mantel und verhielt sich ganz still. Sie wollte schlafen. Das Rattern des Wagens rüttelte sie wach, und zuweilen auch schlug ihr Kopf hart gegen die hölzern« Rücken, lehne. Sie lauschte auf das Rollen des Zuges, zählte im Rhythmus der Räder mit, bis ein Pfiff die Reih« der Zahlen zerriß. Sie las die französischen und italienischen Texte der Schilder. Und als es in dem Abteil nichts mehr gab, woran ihr Auge haften konnte, war sie wieder allein in ihren Erinnerungen. Sie ergriffen gleichsam Besitz von ihrem Geiste, wurden deutlicher, ließen die Linien eines Gesichts erkennen, die Geräusche einer Menschenmenge, die Konturen einer Stadt. Eine ver drängte die andere. Sie glichen Menschen in ihrem Geltungstriebe. Sie schloß die Augen, um sich zu sammeln. Ein schwarzer Dampfer, auf dessen Deck sie mit ihrer Familie untergebracht war, tauchte vor ihr auf. Sie waren auf der Rückreise nach Europa, woher vor siebzehn Jahren ihr Vater nach Kanada ausgewandert war. 1913 war er gestorben. Ihre Mutter, eine Pelznäherin, hatte sich bald wieder verheiratet: mit Achill« Demante, einem Landsmann. Sie hatte ein Mädchen von ihm gehabt. Ihr Leben war elend gewesen, und eines Tages hatten sie beschlossen, nach Italien zurückzukehren. In Angrogna, Maminas Heimatsdorf, hatten sie ein Häuschen gemietet. Mamina, erschöpft durch Krankheit und Entbehrüngen, mußte sich bald niederlegen, um nie mehr aufzustehen. Kurz vor ihrem Ende hatte sie Helene das Geständnis gemacht: „Du bist nicht meine Tochter, Helene. Du warst sechs Monate alt, als deine richtige Mutter davonlief. Lagorio hat mich geheiratet, und ich bin ihm nach Kanada gefolgt." Solange sie in Angrogna wohnte, trug Helene jeden Morgen Blumen auf Mamina» Grab. Dann ging sie nach Hause, um für ihren Stiefvater, einen dürren, mundfaulen Mann, der in einer Ziegelei arbeitete, das Frühstück zu bereiten. Wenn er kam, pflegte er ihr einen Kuß zu geben. Dabei stachen sie seine harten Bartstoppeln, und seine Knochenfinger zerquetschten ihr fast die Schultern. Eines Abends hatte Achille Demante sich Über sie geworfen. Sie hatte gerade noch Zeit gehabt, in ihr Zimmer zu entkommen und die Türe hinter sich zu versckließen. Laura, ihre kleine Schwester, fest an sich drückend, hatte sie noch lange den Schritten des ruhelos auf- und ablaufenven Mannes gelauscht. Dann, eines Sonntags, nachdem er ihr ein hübsches Kleid zum Geschenk gemacht, hatte er sie zum Tanz geführt. Er hatte viel getrunken. Als sie heimkehrten, hatte er die kleine Laura, die vor dem Hause spielte, mit groben Worten davongejagt. Zum zweiten Male hatte Helene diese tierisch verzerrte Maske mit den glühenden Augen gesehen und war kurzerhand querfeldein geflohen. Lagorio hatte ihr ein Stück Land hinterlassen, das sie zu Gelde zu machen beschloß. Ein Notar hatte an Lagorio» Heimatbehörde geschrieben, und damit hatte das Abenteuer begonnen, das sie von Achille Demonte befreien und in die Arm« Irma MongeS, ihrer wirklichen Mutter, führen sollte. Verwandte, die noch im Orte lebten, hatten Irmas Schwester unterrichtet. Zu ihr, nach Lausanne, war Helene gefahren, und dort hatte sie ihre Mutter zum ersten Male gesehen. Nur eine kurze Woche lang. Am liebsten wäre sie ihr gleich nach Paris gefolgt. Aber erst mußte Julien Monge einverstanden sein. Nach einer Weile, die sie endlos dünkte, hatte Irma ihr das entscheidende Telegramm geschickt. Und jetzt sollte bei ihrer Mutter ein glückliches Leben für sie beginnen! Sie würde einen neuen, besseren Stiefvater finden. Irma hatte ihr sein Bild gezeigt und dabei gesagt:„Du wirst ihn Onkel nennen".„Onkel Julien", flüsterte sie vor sich hin. Er hatte versprochen, sie später zu adoptieren. Lächelnd formten ihre Lippen den Namen Helen« Monge. Sie buchstabierte ihn. Er flang wie schmeichelnde Musik, aus der Zukunftsbilder erblühten. Bisher hatte sie nur Enttäuschungen erfahren und Kümmernisse, und von der Welt kannte sie nur ein paar traurige Kleinstädte und schmutzige Dörfer mit all ihrem Elend. Immer hatte sie auf die erlösende Minute gehofft. Neunzehn lange Jahre! Jetzt, endlich, war sie an der Reihe. Sie fühlte sich fähig, ihren Platz ebenso gut zu behaupten, wie die Reichen. Sie war erwacht und voller Wünsche. Ein leiser Freudenschrei entfuhr ihr. Sie trat an das Fenster. Ein Windstoß traf ihr Gesicht, der Regen netzte ihre Stirn, aber beides störte sie nicht. Sie neigte sich hinaus und verzehrte das Land mit den Augen. Im Hintergründe funkelten hellere Lichter. Eins leuchtete, besonders strahlend, am rötlichen Horizont und ihm fuhr sie entgegen, hoffnungsvoll wie die Drei Weisen aus dem Morgenlande. Sie sah Eisenbahnwagen mit Verdecksitze» vorübergleiten, sah die Flammenschrift der Reklamen über die Häuser laufen, die Lichterkcttcn langer. Straßenzüge. Ihre Reisegefährten schrien: „Paname I" Sie neigte sich noch weiter hinaus. Der Wind zauste in ihrem Haar. Ein Hustenanfa» erschütterte ihren Körper. Der Zug fuhr langsamer. Sie ordnete ihre Frisur und nahm ihre Sachen auS dem Gepäcknetz: einen Handkoffer aus Wcidenrohr und eine Leinentasche, die noch aus Kanada stammte. M Seitengang stauten sich die Reisenden. Sie schloß sich der Reihe an und blieb, mit von der Last all' mählich ertaubenden Armen, unbeweglich stehe». Sie wußte, ihre Mutter und Onkel Julien erwarteten sie, und sie verging vor Ungeduld, sie z» sehen. Der Zug hielt. Sie stieg aus. Unmögluh, Irma in dem Gedränge zu finden. Sie setzte ihre Sachen ab, hob sich auf die Fußspitzen, reckte ihre» Hal», doch sie sah nur in fremde Gesichter. Plötz' lich warf sie mit einem Freudenruf dm Arm in die Höhe. Doch nein, das war nicht ihre Mut' ter. Man stieß sie. Enttäuschung und Unruhe schnürten ihr Herz zusammen. Sie bückte sich, um ihr Gepäck wieder aufzunehmen. In dem Auge»' blick trat ein dicker Mann an sie heran. „Hallo, Irma", rief er, den Kopf wendend- „hier ist dein Mädel". „Onkel", stammelte Helene. Er küßte sie auf beide Wangen. .(Fortsetzung folgt.). «r. 192 Sonntag, 18. Angnst 1935 Sette 3 Betrugsversuch an Arbeitslosen Als vor einigen Monaten die Glasfabrik in Holeischen als Opfer der internationalen Kartellpolitik stillgelegt wurde, mutzte die Firma gewisse soziale Verpflichtungen gegenüber den erwerbslos gewordenen Arbeitern übernehmen. Von einem Teil dieser Verpflichtungen suchen sich die kapitalistischen Unternehmer zu drücken. So sind statt der hundert Arbeiter, die in Schwaz beschäftigt werden sollten, bisher nur sechs eingestellt worden. Während die Besitzer von Holleischen und die Aktionäre keinerlei Schaden durch die Stillegung erleiden, sollten die zur Arbeitslosigkeit verurteilten Menschen um die ihnen zuerkannten Rechte geprellt werden. Gegen diesen Versuch sind die Gewerkschaften mit Unterstützung der unter sozialdemokratischer Leitung stehenden Gemeindebehörde von Holleischen vorgegangen und haben ein neues Abkommen mit der Firma getroffen. Darin verpflichtet sie sich, bis Ende Oktober weitere 85 Arbeiter zu übernehmen, die längstens bis zum 15. Jänner 1936 als Hilfsarbeiter verwendet und später in Fachkategorien eingereiht werden sollen. Den Arbeitern, die bis zu diesem Termin nicht zur Arbeit berufen werden, mutz di« Firma einen Lohn von 2.90 Kronen für den ledigen und 3.15 Xi für den verheirateten Arbeiter nach der Zahl der tatsächlichen Schichten bezahlen, in die der Arbeiter eingereiht worden wäre. Außerdem mutz die Firma 30.000 XL zugunsten nicht übernommener Arbeiter zur Verfügung stellen. Die Rettung deS Arbeitsplatzes für 100 Arbeiter und die weitere Hilfe für einen Teil der früheren Belegschaft sind ein Erfolg der Gewerkschaften und der sozialdemokratischen^Vertrauensmänner. Das Verbrechen der Betriebsvernichtung durch die KarteUpolitik konnte freilich nicht wieder gutgemacht werden. das Einkommen sinkt weiter Es ist eine bemerkenSlverte Feststellung, datz die Kurse einer großen Anzahl von Industrieaktien in der letzten Zeit fortgesetzt steigen, daß die Jndustrieunternehmungen höhere Gewinne als in den letzten Jahren abwerfen und demzufolge die Kapitalisten steigende Profite einstccken können, gleichzeitig daS Einkommen der arbeitenden VevöNerungsschichten aber weiter zurflckgeht. DaS «gibt sich auS der Entwicklung der Einkommensteuer in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. Obwohl die Einkommensteuer um den Wehrbeitrag erhöht worden ist, hat sie in der Zeit vom Jänner bis Mai 1935 nur einen Ertrag von 386 Millionen Kronen gebracht. Ohne Wehrbeitrag wurden >n der gleichen Zeit des Vorjahre- 403 Millionen Kronen Einkommensteuer bezahlt. Die Statistik der Zentralsozialversicherungsanstalt unterstreicht diese Entwicklung. Sie hat im April 1934 65 Millionen Kronen an Prämien für die Krankender« stckerung vorgeschrieben. In dem gleichen Monat diese- Jahre- waren es nur noch 55 Millionen Kronen. Im Verhältnis noch stärker ist der Rück- gang der für die Invalidität-- und Altersversiche« vung vorgeschriebenen Beiträge: sie sind von 39 Millionen Kronen im April 1934 auf 30 Millionen Kronen im April 1935 gesunken. -Da sich die Arbeitslosigkeit in diesem Jahre bisher im wesentlichen auf der gleichen Höhe wie im Vorjahre hält, so zeigt der in diesen Ziffern zum Ausdruck kommende Rückgang des Einkommens an, daß die Kurzarbeit weiter gestiegen ist und die Löhne und Gehälter gegenüber dem Vorjahre in diesem Jahre weitere Kürzungen erfahren haben. Es ist darum auch kein Wunder, daß für eine Reihe wichtiger NahrungS- und Genußmittel der Konsum in diesem Jahre ebenfalls nicht unbeträchtlich zurückgegangen ist. Dr. Groß, der Leiter des Rasieamtes der NSDAP hat an die Rajsenpolitiker der Gauleitungen ein Geheim rundsch reiben herauSgegeben, das das„Pariser Tagblatt" im Wortlaut reproduziert. Der Raffen-Wteilungs- Chef Deutschlands wendet sich in diesem mehr als überraschenden Erlaß gegen Begriff und Wort„deutsche Raffe" als„sachlich und politisch fehlerhaft und schädlich". Das„rasiische Denken an sich" sei zwar selbstverständlich richtig, aber die„Tatsache der verschiedenen Rassen innerhalb der deutschen Bevölkerung" dürfe nicht geleugnet werden I Wörtlich heißt es weiter: Wer von„deutscher Raffe" spricht, verläßt den Boden des Tatsächlichen. ES gibt eine deutsche Sprache, ein deutsche- Volk«. dgl., rassisch jedoch ist Deutschland eiuRas- sengrmisch, und wer von der Seite der Raffe her eine Beschreibung des Deutschen unternimmt, mutz die gesicherten Ergebniffe der Raffen- künde zugrundelegen und danach eben von nordischer, dinarischer, ostischer«sw. Rasse sprechen. Wer das vermeiden will, mao vom deutschen Bolk, vom deut- s chen Menschen»der dergl. rede«, soll aber den ganz scharf»mriffenrn Begriff Rasse in diesem Zusammenhang vermeiden. Un der Schluß dieses denkwürdigen Rundschreibens lautet also: Ich selbst habe vor einem Jahre in aller Schärfe dagegen Stellung genommen, datz'durch «ine zum Teil sachlich falsche und außerdem in der Form denkbar ungeschickte einseitige Propagierung der äußerlichen Merkmale der nordischen Rasse Minderwertigkeitsgefühle erweckt und da- eben beginnende Gefühl der Volksgemeinschaft gefährdet wurde. Ich habe mich dafür eingesetzt, von den verschiedenen Raffebestandteilen des deutschen Volkes in der O e f f e n t l i ch k e i t zunächst nicht oder nur wenig und in einer solchen Form zu sprechen, daß schädliche Auswirkungen in angegebenem Sinne unmöglich sind. Diese Forderung kann aber niemals dahin ausgelegt werden, Grundlagen unserer raffekund- Bund der Frontsoldaten vom Bund der Kriessverletzten abgelehnt In der letzten Zeit habere die Henleinblätter Propaganda für einen Bund der Frontsoldaten gemacht, für dessen Gründung man insbesondere in Hitlerdeutschland vielJntereffe zu haben scheint. In diesen Bund der Frontsoldaten sollte insbesondere der Bund der KriegSverletzten einbezogen werden. Der aber hat nun festgestellt, datz er mit der Sache nichts zu tun hat und nichts zu tun haben will. Die geplante neue Organisation sei völlig unnötig und die Propaganda für ihn trage nur Verwirrung in die Reihen der ehemaligen Kriegsteilnehmerschaft, für die„die beabsichtigte Gründung in keinem Falle in Frage kommt". — Diese erfreuliche Abfuhr gönnen wir den SHF- Drahtziehern vom Herzen. lichen Erkenntnis und unserer politisch-weltanschaulichen Programmatik über Bord zu werfen und die Erziehungsarbeit zu einem nordischen Ideal durch das Phantom einer „deutschen Rasse" zu zerstören. Ich bitte deshalb heute, gegen dieses ent- gegeiigesehte Extrem sofort und in aller Schärfe Front zu machen. Dabei ist selbstverständlich, daß dieOeffentlichkeit von diesen inneren Auseinandersetzungen nichts zu erfahren hat, sondern datz die Beseitigung der unklaren Vorstellungen einer„deutschen Raffe" durch unmittelbare Fühlungnahme mit Schulungsleitern, Rednern u. dgl. erfolgen soll,»fit« öffentliches Aufsehen zu«regen. Soweit schriftliche Auseinandersetzungen, etwa in der Preffe, über diese? Thema erforderlich erscheinen, werde ich sie selbst veranlaffen. Ich bitte im Jntereffe der notwendigen Einheitlichkeit gerade in dieser nicht einfachen Frage von lokalen Diskuffionen in der Oeffentlichkeit abzusehen. 5) Dieses Rundschreiben ist al- vmtranlich z« brfiandeln. Es soll nur den Mitarbeitern zugänglich gemacht werden, die an der Schulung-- und Propagandaarbeit auf dem einschlägigen Gebiet unmittelbar beteiligt sind. Heil Hitler I gez. Dr. G r o tz, Leiter des Raffenpolitischen Amte- der NSDAP. Für die Richtigkeit: gez. S ch n e i d e r. Durch Veröffentlichung des Geheimrund« schreibens wäre nun daS gefürchtete„öffentliche Aussehen" doch da— tvenn nämlich die deutschen Menschen im Reich ausländische Zeitungen erhielten. Aber auch so wird diese höchstamtliche wissenschaftliche Bestätigung eines verbrecherischen Schwindels, der unzählige Opfer gekostet hat und noch kosten wird, dennoch allmählich durchsickern. Aber auch das wird noch nichts helfen. Diejenigen, die sich im Namen Hitlers, Goebbels' und Groß' als„deutsche Menschen" im hakenkreuz« lerischcn Sinne fühlen, werden fortfahren, die „Untermenschen" zu, drangsalieren und abzukillen. Kundgebung der Präser Metallarbeiter Gegen Arbeitslosigkeit und Teuerung, Appell an die Kommunisten Am Freitag fand in Prag die Sitzung des sogenannten 21er-Ausschufses der Metallarbeiter statt, welcher die Vertretung der größten Metallbetriebe in Prag ist. In einer Entschließung wird auf die Zerrüttung der Wirtschaft hingewiesen und festgestellt, datz sich die besitzenden Kreise mit allen Kräften gegen eine neue Ordnung der Wirtschaft und der sozialen Verhältniffe wehren.„Die fascistische Bewegung", so heißt es dann wörtlich, „welche offen als Exponent der wirtschaftlichen Reaktion auftritt, hat in fast allen bürgerlichen Parteien ihre Anhänger, wa- die Gefahr schwerer politischer und wirtschaftlicher Konflikte erhöht. Dieser Stand wirtschaftlicher Destruktion, deren Folgen die Verarmung der Welt ist, ruft schwere Konseguenzen für die Arbeiterklasse hervor; es ist vor allem die dauernde Massenarbeitslosigkeit und die allmähliche Erhöhung der Preise aller Lebens« bedürfniffe, wozu systematische Versuche der Her» absetzung der Löhne hinzutreten." Aus diesen Gründen wendet sich der Lier- Ausschuß an die Arbeiterschaft, ihre organisatorischen Reihen zu schließen und dadurch aktionsfähig zu werden. Weiters tritt der Ausschuß in engste Fühlung mit den Gewerkschaftszentralen und den parlementarischen Vertretungen der sozialistischen Parteien, damit man auf dem Wege der Gesetzgebung der Arbeitslosigkeit und der Teuerung entgegentrete. Schließlich wendet sich der Ausschuß mit einem Appell an die kommunistisch orientierte Arbeiterschaft, um aus der herrschenden Not und den veränderten politischen Verhältnissen die Folgen zu ziehen und uneingeschränkt und voll auf den Boden der Republik, ihrer demokratischen Grund« sähe und der aktiven Zusammenarbeit in den gesetzgebenden Körperschaften zu treten, damit durch gemeinsames Vorgehen der Arbeiterklasse die Voraussetzungen einer ziclbewußten, erfolgreichen Aktion geschaffen werden können. Die Kommunisten werden darauf aufmerksam gemacht, daß eS auch im Jntereffe Sowsetrußlands ist, wenn der mitteleuropäische Damm gegen den FasciSmuS,. welchen die Republik darstellt, von inneren Kämpfen erfüllt würde, die nur dem Klaffenfeind und dem auswärtigen Feind nützen könnten. Relchenberser Messe Sonderausstellung:„Die Frau in der Hauswirtschaft“. Heute findet die Eröffnung der 16. Reichenberger Mustermeffe statt. - Die'Messe dauert heuet erstmalig vom 18. bis einschließlich den 25. August und ist täglich in der Zeit von 8 Uhr ftüh bis 6 Uhr abends für den Meffebesuch geöffnet. In elf vollbesetzten Meffehäuscrn sind in reichhaltiger Schau 18 Wa« reugruppen untergebracht. Die Messe gliedert sich wie in den früheren Jahren in Textil und Textilmaschinen, die technische Meffe mit ihren Untergruppen und Erfindungen uird Neuheiten etc. Die allgemeine Meffe umfaßt Glas, Porzellan, Galanterie«, Leder- u. Spielwaren, kunstgewerbliche Artikel, Möbel und Klaviere, Büromaschinen und Bürobedarf. Radio, Nahrungsmittel und Markenartikel. Außerdem ist der allgemeinen Meffe eine besonders interessante und lehrreiche Sonderausstellung„Die Frau in der Hauswirt« schäft" angegliedert. „Rassisch ist Deutschland ein Rassengemisch“ sagt der Leiter des Rassenpolltischen Amtes In Berlin I Götter im Gras Unterhalb Königinhof durchfließt die Elbe «och einmal, bevor sie in die weite Flachlandschaft les nordböhmischen Kreidebeckens eintritt, ein nur knapp vier Kilometer langes, aber landschaftlich sehr ausgeprägtes, steiles Engtal im Quadersandstein von Kukus. Alte Beschreibungen wissen lang und breit don dem„so heilsamen als berühmten Kutusbade" zu erzählen, das mit mancherlei Bequemlichkeiten und Ergötzlichkeiten; mit Badehäusern, Springbrunnen, Wasserfällen und Lustgärten ausgestattet war. Hören wir den begeisterten Chronisten:„Bey diesen so köstlich aufgeführten Gebäuden leidet nichts an dem, was zur Lust und Gemütserquickung der Bad« und Curgäste dienen kann, einigen Abgang. Hierher gehöret der von bem Badhaus an durch schattige Gebüsche vier hundert und fünfzig Ellen in die Länge sich erstreckende schwibbögige Lust« und Spaziergang; bas Rauschen der zwey auf jeder Seite der grossen Stiege aus steinernen Muscheln sich ereignender Wasserfälle; der zwischen der gebrochenen Stiege durch die Kunst des Wassers verschiedene Arien Tag und Nacht fortspielende PolyphemuS oder flrofee Riese; die unterschiedlichen künstlich aus Stein gehauenen, sowohl auf der Stiege als auf der Elbebrücke aufgestellten Statuen und Bildnisie. samt vielen andern raren Wasserkünsten mehr, tvelcheS alles lauter angenehme Ergötzungen deS Menschenichen Gemüts heissen mögen. Hierzu kan noch gerechnet werden, datz den Badgästen mit Tagen, Schiessen, Fischen und Vogelstellen, sich zu Mehrerer Bewegung und Zeitvertreib zuergötzen, ganz frey gestattet und zugelaffen ist." So weiß der Schilderer von damals noch viel zu rühmen. Auch„zween absonderliche labgesonderte) Bäder für die armen Leute" gab es. So war eS vor zweihundert Jahren. KukuS glänzte als künstlerisch auSgestattete Residenz des Grafen Franz Anton von Sporck. Bekannter als er ist Wohl fein Vater, der aus Westfalen stammende Reichsgraf und Reitergeneral Johann von Sporck, dec sich im Dreißigjährigen Kriege mit den Schwedengeneralen Königsmark und Torsten« son und später mit den Türken vor Wien herumschlägt, in Friedenszeiten aber, nach eigenem Ausspruch„mehr Sporck al» Graf", auf seinen Gütern wirtschaftet. Blieb der Vater zeitlebens des Lesens und Schreibens unkundig und auch im Generalsrock eher ein Bauer, so wird sein Sohn Franz Anton als Zögling der Kuttenberger Jesuiten und der Prager Universität und als späterer Anhänger der französischen Jansenisten ein Mann verfeinerter geistiger Bildung, der für alles Interesse hat, was das kulturelle Leben seiner Zeit bewegt. Er steht in lebhaftem Briefwechsel mit den bedeutenden Männern seiner Zeit, gründet den ersten Freimaurerorden in Böhmen, treibt die Pflege der Musik mit seiner eigenen Jagdkapelle, die, was musikgeschichtlich interessant ist, von Paris her das Waldhorn in die deutsche Musik einführt; er hält sich mit einem Aufwand von Riesensummen ein eigenes Operntheater in der Hyberner« gaffe und dann am Pokiö in Prag, legt Bibliotheken in KukuS, Lissa und Prag an und richtet in KukuS eine eigene Druckerei ein, in der u auf seine Kosten die von Pfarrer Bojan ein Leben lang gesammelten geistlichen Volksgesänge, Zeugnisse böhmischer Musikalität, dann aber auch freigeistige Bücher drucken läßt, die er in alle Welt verschickt. Das bringt ihn in Konflikt mit den Jesuiten, die ihm die Verbreitung ketzerischer Schriften vorwerfen. Sporck wird eine Zeitlang in die berüch- 'tigte Daliborka, das Gefängnis auf dem Hrad- schin, eingekerkert; seine Druckerei wird, gesperrt. Es ist das nicht der einzige Streit, den er zu bestehen hat; immer wieder verstrickt ihn das vom Pater vererbte Draufgängertum in zahllose Prozesse. Denn bei allem geistigen Schliff ist er, so schildert ihn Oskar Schürer,„kein Heiliger; er spielt und trinkt Md jagt und pocht auf feine Herrenrechte. Sinkt doch vor der gekrönten Majestät in- Knie, ist glücklich iiber ihre Huldbeweise. Die Gegensätze seiner Zeit schütteln auch ihn, ja schütteln diesen kernigen Charakter heftiger als alle andern. Aber er ist ein Kerl. Wo er auftritt, wirft er sein ganze» Leben in die Schranken. Was er anpackt, was er treibt, ist mit persönlichster Note gefärbt." Es spricht für seine soziale Einsicht, datz er mit der Erleichterung der Robot für seine Leibeigenen seiner Zeit ein gutes Stück vorausgeht. In Kukus gründet er nicht nur das Bad, sondern gleichzettig auch ein Hospital für alte gebrechliche Leute; diese Sporcksche Stiftung besteht heute noch; sie hat allen Glanz überdauert. Mit der künstlerischen Ausschmückung feiner fleinen Residenz betraut Sporck als großzügiger und kunstverständiger Mäzen keinen Geringeren als den Bildhauer Matthias Braun, den er auf einer Reise in Tirol entdeckt und mit nach Böhmen gebracht hat. Braun stattet Kukus mit reichem Figurenschmuck aus, reiht längs der Stiftsterraffe eine ganze Galerie von Statuen auf, die, mit Emblemen beladen, die Tugenden und Laster symbolisieren, kokette Barockgöttinnen, deren sinnenfrohe Uevpigkeit die Laster nicht weniger verlockend erscheinen läßt als die Tugenden; das schmückende Beiwerk verspottet in allegorischen Anspielungen die Prunksucht des zeitgenössischen Adels, die Geldgier der Ordensgeistlichkeit. In die Felswände und Sandsteinblöcke des Parks meiselt Braun phantastische Figurengruppen, biblische Szenen, Heilige mit knorrigen MuÄeln und wallenden Bärten wie wilde Männer. Seine Schöpfungen im Auftrage Sporcks gewinnen dem Künstler auch' in Prag Aufträge; seine Luidgard, sein St. Ivo auf der KarlSbrücke. seine Giganten am Clam-Gallas-PalaiS in der Husgaffe, die gewaltigen Adler am Palais Thun in der Neruda- gaffe sind Krönungen der Prager Barockplastik, die Prag dem Mäzenatentum Sporcks verdankt, denn er hat als Erster dem Künstler die Möglichkett reicher Entfaltung geboten. So bringt Sporck sein kleines KukuS in vielfältige Beziehung zur Kultur seiner Zeit. Aber — wir zitieren wiederum Schürer— sein Schicksal war doch Niederlage.„Niederlage gegen die Zeit und auch Niet^rlage der Zeit selbst. Mit seinem Tod stürzt auch die Adelswelt in Prag zusammen. Eine neue Epoche, der er nur halb angehören durfte und die er auch nur mtt halbem Herzen ersehnen konnte, zieht herauf: die Aus- Ilärung, die im Bürgertum ihre Stütze findet." Denkmal seines Wirkens ist Kukus. Ein Denkmal, halb vergessen, fast im Unbekannten liegend und langsamem Vergehen preisgegcben. Vieles von der alten Pracht ist schon verschwunden. Das Schlößchen, in dem Sporck residierte, ist vor Jahrzehnten abgetragen worden. Die hohe Freitreppe, die zu ihm aufstieg, führt nur ins Grüne. Verwitterung nagt an den Bildwerken im Park, wildes Wachstum umwuchert sie— Götter im Gras. Fern dem heutigen Leben und schwer erreichbar verträumt Kukus seine Tage in der Ruhmlosigkeit dieser Landschaft, durch die sich die Elbe in zahllosen Windungen schlängelt, vorüber an unscheinbaren Dörfern. In einem dieser Dörfer, in Hermanitz, dem letzten deutschen Dorf an der Sprachgrenze und einem der unansehnlichsten, wurde Wallenstein geboren. Das Haus der Waldsteins ist längst verschwunden. An der Kirchenmauer stehen noch die Grabsteine der Familie, die der Eltern, die Wallenstein selbst hat setzen lassen, und die der sämtlich jung gestorbenen Geschwister. In seinem zwölften Lebensjahre wurde Wallenstein Waise. Aus der einsamen Landschaft seiner bäuerlichen Heimat kam er ins AdelSichlotz des Onkels und damit an die entscheidende Schwelle seines Lebens. Bon der Wiege in Hermanitz bis ins Mordzünmer in Eger— der Weg führt quer durch Böhmen. Und in der Mitte, in Prag, steht Wallensteins Palais.„Lauernest in unentschiedenen Jahren" und prunkvoller Schauplatz der Lebenshöhe. - E. H. Seite 4 Sonntag, 18. August 1835 Ne. ISS VI« Schlufiübunsen der ersten Manöversruppe In Südmähren und in der Westslowakei ha« ben die Bewegungen der an den Schlußübun« g e n der ersten Manövergruppe teilneh« wenden Truppen begonnen. Die Truppenverschie« billigen erfolgen etwa zurHälfte durchFußmärsche, während der zweite Teil der Einheiten, deren Gar« nisonen vom Manövergelände zu weit entfernt sind, mit der Eisenbahn an ihren Bestimmungsort befördert werden. Die Leitung der Schlußübungen hat ihren Sitz gemeinsam mit der Direktion des Schiedsrichterdienstes in M y j a v a. Der Gene« ralstabschef der tschechoslowakischen Wehrmacht, Armeegeneral K r e j k k, der Leiter dieser Gruppe der Schlußiibungen, ist am Samstag in Myjava eingetroffen. las des Roten Auf bruches In Braunau Scufresneuigelten Ein Lustmörder wird aufgegriffen Die Brünner Polizei verhaftete bei einer Streife einen seit über einem Monat gesuchten L u st m ö r d e r, den 22jährigen Josef Farka, der im Juli dieses Jahres die 82jährige Josefa Hirsch in Okrouhlitz bei Deutsch-Brod in bestialischer Weise umgebracht hatte. Die englische wird vollkommen unabhängig und Wahlen gehen und auch mit den keine Einheitsfront Telegramm, daß seine Frau plötzlich g e st o r- b e n sei. In höchster Aufregung fuhr er zurück und fand seine Frau völlig wohlauf. Er selbst aber brach, als er den wahren Tatbestand erfuhr, vom. Schlag getroffen, t o t zu Boden. Kein Wahlpakt zwischen Labour Party und Lloyd George Aach keine Einheitsfront mit den Kommunisten „Daily Hcrald" dementiert entschieden die in der letzten Zeit verbreiteten Gerüchte, daß zwischen der Labour Party und der Gruppe Lloyd Georges Verhandlungen über ein Wahlabkommen für die bevorstehenden englischen Parlamentswahlen stattfinden sollen. Ein solches Angebot, sagt„Daily Herald", würde abgelehnt werden, wenn es erfolgen sollte. Arbeiterpartei allein in die Kommunisten eingchen. Bulgarien wird„Ständestaat* Auftakt der„Autorität“: Schimpforgien Sofia. Die bulgarischen Regierungskreise befassen sich intensiv mit zwei Fragen. Durch die künftige Verfassung, die eine„Kombination" der aufgehobenen Verfassung und der neuen Verfassungen der„autoritären Staaten" darstellen wird, soll der Ständestaat eingeführt werden. Der bulgarische Ministerpräsident T o- s ch e w richtet heftige Angriffe gegen die ehemaligen politischen Parteien, die er„Aktiengesellschaften für Erpressungen am Staate" nannte. Einer der Parteiführer, der ehemalige liberale Minister Bojan S m i l o w, richtete in diesem Zusammenhänge ein scharfes Protcsttelegramm an den Zaren Boris. louloner Polizeikommissär amtsenthoben Paris. Das Amtsblatt veröffentlicht die Nachricht, daß der Polizcikommiffär von Toulon vorläufig seiirer Funktionen enthoben und an seine Stelle der Polizcikommiffär von Dijon ernannt wurde. Vor bedeutsamen Teilwahlen In Frankreich Paris. Für den 20. Oktober ist die Wahl von 107 Senatoren ausgeschrieben. Von den hervc-rragenden Politikern werden Ministerpräsident Laval, der ehemalige Ministerpräsident Steeg, der ehemalige Präsident der Republik Millerand u. a. ihre Mandate verteidigen. Die Wahlmänner für diese Wahl werden schon in allernächster Zeit durch die Gemeindevertretungen. in geheimer Abstimmung gewählt werden.'Nach den heurigen Gemeinde- und Bezirkswahlen und nur wenige Monate vor den Parlamentswahlen— die im Frühjahr 1936 stattfinden werden— wird diesen Senatorenwahlen große politische Bedeutung beigemessen. Auto-Wildlinge aus dem Dritten Reich Der aus Rudelsdorf bei Brüx stammende Maschinist Vaclav Svoboda wollte sich in Saaz um Arbeit umschen. Zwischen Tattina und Stan- kowitz wurde er von einem reichsdeutschen Auto überfahren und verletzt liegen gelassen. Zeugen des Vorfalles behaupten, daß der Verletzte auf dem Gehsteig und sich nur fünfzig Zentimeter von dem Straßengrabenrand entfernt befand, als das Unglück geschah. Ein Saazer Autobesitzer schaffte Svoboda auf die Saazer Gendarmerie und dann ins Saazer Krankenhaus. Durch Rundfunk wurden die Grenzbehörden verständigt, das Auto anzuhalten und die gewissenlosen Insassen dingfest zu machen. Es grenzt ja schon an Gangstermethoden» einen Menschen zu überfahren und ihn dann liegen zu lassen. Nichts hat sich geändert... In dem Dr- richt des römischen Berichterstatters eines Prager Älattes heißt es: England zeigt sich intransigenter denn je und Italien folgt ihm. Wer aber möchte die furchtbare Verantwortung für einen neuen Weltkrieg auf sich nehmen? Das italienische Volk, das im abessinischen Konflikt nur ein italienisches Problem erblickt, fragt sich erstaunt, ob das Objekt des Geschehens, Abessinien, überhaupt den vollen Einsatz Englands bedingt. Genau dasselbe hat man 1914inWienüber Serbien, in Berlin über Bel- g i e n gedacht. Dann hat der Krieg mehr Men- schciUeben gekostet, als Serbien und Belgien zusammen an Einwohnern zählten. Die Auffassung, daß die„Objekte" einen Krieg nicht wert seien, herrscht merkwürdigerweise immer bei denen vor, die doch nm der„Objekte" willen — welch schönes Wort für Millionen lebendiger Menschen!— dm Krieg beginnen. Da die anderen, die Objekte und alle diejmigm, die an ihnen nicht minder interessiert sind als Rom es ist und Wien es war, die Logik der Angreifer nicht verstehen, kommt es zum Krieg. Aber man merkt immerhin, daß die Menschen fest 1914 um nichts gescheiter geworden sind. Das Ergebnis Arbeit für. den Henker in Albanien Belgrad. Inoffiziell werden die Verluste bei dem Zusammenstoß der albanischen Aufständischen mit den Rcgierungstruppen auf Seite der Aufständischen auf 60 Mann und auf Seite der Rcgierungstruppen auf 11 Mann geschätzt. In der betreffenden Gegend wurden Militärstandgerichte eingesetzt und man erwartet, daß eine ganze Reihe von Hinrichtungen erfolgen wird. Der Todesstug Posts und Rogers Washington. Den neuesten Nachrichten zufolge ist der amerikanische Flieger Willey Post,, der bei dem Absturz seines Flugzeuges den Tod; fand, in Fairbanks deshalb gelandet, um die dort lagernden Eskimos nach der Richtung auf Point. Barrow zu fragen. Als ihm diese angegeben wor- i den war, startete er sofort zum Weiterflug, doch stürzte sein Flugzeug gleich nach dem Start aus einer Höhe von nur 20 Metern aus vollkommen unbegreiflichen Gründen ab. Die New Dorker Blätter veröffentlichen rühmende Gedächtnisartikel für den verunglückten Flieger Willey Post und für Will Rogers sowie die eiugclaufenen Beileidskundgebungen, vor allem die des Prinzen von Wales. Charlie Chaplin hat, als er die traurige Nachricht vom Berichterstatter des Reuterbüros erfahren hatte, seine Arbeit für einen Tag eingestellt. In Netv Doxf sprachen Führer politischer Parteien, bekannte Schriftsteller, Flieger und Sportler im Rundfunk zum Gedächtnis der beiden Verunglückten. Es wurden Schritte unternommen, um eine Sammlung zur Errichtung eines Denkmals für Will Rogers einzuleiten. Der Komiker Will Rogers Der Begleiter des einäugigen Weltfliegers Willey Post, der mit dem Piloten vorgestern in der Nähe von Alaska den Fliegertod fand, war eine der bekanntesten, beliebtesten und amerikanischesten Figuren der Vereinigten Staaten. Man sagt zu wenig, wenn man ihn einen Schauspieler nennt, obwohl er in Europa nur als solcher und bisher nur durch einen einzigen, aber sehr erfolgreichen Film bekannt wurde: es war die Filmsatire„Ein Nankee als Hofrat" nach Mark Twains Erzählung„Ein Uankee am Hofe des Königs Artus". Drüben aber in USA war Will Rogers mehr als ein sympathischer und wirklich witziger Komiker: er war ein Volksmann, der als Schriftsteller und Politiker großen Einfluß hatte, ohne je ein Buch geschrieben oder ein politisches Amt bekleidet zu haben. Dafür erschienen fast alltäglich in den größten amerikanischen Zeitungen ein paar aktuelle Sätze von ihm, in einem so amerikanischen Stil gehalten, daß sie der ausländische Leser oft gar nicht verstehen konnte.— Bemerkungen zu Tagesereignissen und Zeitproblemen, die in ihrer kurzen, witzigen und volkstümlichen Art stärker wirkten als Leftartikel. Man sagte Will Rogers nach, daß seine Propaganda für Roosevelt entscheidend zum Wahlsieg des jetzigen Präsidenten beigetragen habe und Roosevelt hat sich der Freundschaft dieses Mannes auch immer gerühmt, der einst— ähnlich wie Chaplin— im Variete begonnen hatte und ursprünglich Cowboy im Staate Oklahoma gewesen sein soll. Am beliebtesten war Will Rogers in Amerika als Ruudfunkredner geworden, als welcher er mit dem„Kingfish" Huey Long wetteiferte, der jetzt Senator von Louisiana ist und die Ab- sicht hat, bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahre zu kandidieren. Soviel politischen Ehrgeiz hat Will Rogers nie besessen. Dafür hatte er den Ehrgeiz, einer der wenigen Filmstars zu sein, die Wert darauf legen, keine Kitschrollen zu spielen. Sein letzter Film hieß„Das Leben beginnt mit 40" und hat auch in einigen europäischen Städten bei seinem Erscheinen wieder starken Erfolg gehabt. Gerüchte um Bethlens England-Rebe London. Der ehemalige Ministerpräsident von Ungarn, Graf D e t h l e n, der Freitag abends in L o n d o n eintraf, stellte in einem Prcfseinterview die G e r L ch t e in Abrede, daß er als Sendbote des Erzherzogs Otto für eine Wiedereinsetzung der Monarch i e tätig sei.(Manchmal werden bekanntlich auch wahre Nachrichten dementiert. Red.). Vom Hunger in den Tod getrieben Der ledige Arbeitslose Kaufmann Andreas Maier aus Brüx ließ sich auf der Bahnstrecke Brüx—Tschausch vom Zug überfahren. Er konnte später, gräßlich verstümmelt, nur mit Mühe indentifiziert werden. Hunger hat den stellungslosen Kaufmann in den Tod getrieben. Fascistischer 11 Präsidentschaftskandidat in USA New Bork. Der demokratische Senator HoocyLong richtete gestern erneut heftige Angriffe gegen Roosevelts„Reuen Plan" und erklärte, sollten die Republikaner Hoover und dit Demokraten Roosevelt aufstellen, so würde er als„Unabhängiger" kandidieren und sich dabei auf seine„Share the Wralth"-Bewegung stützen, die zehn Millionen Anhänger habe. Senator Long ist der„Führer" einer mit übelster Drnmgogie aufgezogene« fascistischen Bewegung, die unter der Parole„Share Ihr wralth!"(Teilt den Reichtum auf!) besonders unter der Provinzbevölkerung der Bereinigten Staaten wirkt. Ihr phantastischer Vorschlag ist, man solle,„um die Kaufkraft der Bevölkerung zu heben und dadurch die Krise zu bannen" aus dem großen Vermögen jedem Staatsbürger einen Betrag zur Verfiigung stellen» mit der Verpflichtung ihn sofort auszugeben. In Wahrheit ist diese Parole— ganz nach dem Muster Hitlers— nichts als der demagogische Deckmantel für rein fasciftilchet arbeiterfeindliche Pläne.> Die Fluglinie Prag—Karlsbad—Marienbad und zurück wurde in der Zeit vom 1. Juni bis 12. i August d. I. von 548 Personen benützt» obwohl die tschechoslowakische staatliche Aerolinie ab 1. Juli den Dienst auf dieser Linie auf ein Flugzeug täglich in beiden Richtungen eingeschränkt ja hat. Dieses Flugzeug war an jedem der 58 tat-» sächlichen Flugtage durchschnfttlich von 9 bis 10] Personen frequentiert. Da infolge der Ein- a stellung des Frühflugzeuges in der Richtung Prag t und des Abendflugzeuges in der Richtung Karls« j bad—Marienbad eine Reihe von Anschlüssen aufgegeben werden mußte» war eine große Anzahl, g von Passagieren gezwungen, ihren Flug in Prag j zu beenden, beziehungsweise von Prag aus anzutreten. In Anbetracht der ausgezeichneten 1 Frequenz der Fluglinie in die westböhmischen’ Kurorte wird die tschechoslowakische staatliche ,1 Aerolinie im nächsten Jahre wohl wieder zwei Flugzeuge täglich Verkehren lassen. Sudetendeutsch« Flugpionier. Der Teplitzer 1 Flugzeugkonstrukteur Professor Hans H o ck e hat eine Flugmaschine konstruiert, die es dem Piloten< gestattet, vollkommen senkrechtzu landen. Kuhherde attackiert Motorrad!«. Einem ungewöhnlichen Unfall fiel auf der Straße von I g l a u nach Z n a i m in der Nähe von Ranzern der 25jährige Franz Mojzaschek aus Friede! zum Opfer, der mit seiner Braut eine»'> Motorradausflug machte. Eine Herde Kühe rannte in das Motorrad hinein, wobei Mojzaschek I unter die Hufe der Kühe geriet. Aufs schwerste verletzt wurde er ins Jglauer.« Krankenhaus eingeliefert. Ein mörderischer Radfahrer. Der Landwirt Josef N i g l in H ö d n i tz bei Znaim wurde auf dem Gehsteig von einem Radler, der die Herrschaft über sein Rad verloren hatte, z u T o d e gefahren. Rigl wurde umgerissen und so schwer verletzt, daß• er auf der Stelle verschied. Der mörderische Fah rer, ein Johann Kottinger aus Hödnitz, wurde in Hast genommen. Die Prüfungen für Bühnenanwärt«. Der Verband deutscher Bühnenleiter in der Tschechoslowakei und der Bühnenbund in der Tschechoslo«■< wakischen Republik geben bekannt, daß die zwischen beiden Verbänden vereinbarten Paritätischen Prüfungsstellen am 25. September 1935 die Prüfungen für Bühnenanwärter in Prag und Brün» abhalten. Sämtliche Prüfungsanwärter werde» aufgefordert, sich bis spätestens 10. September 1935 beim Bühnenbund in der Tschechoslowaki« j schen Republik, Brünn, Janacckplatz 2a, zu den Prüfungen anzumelden. Später einlangende Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Den angemeldeten Prüfungsanwärtern werden die notwendigen Unterlagen vom Bühnenbund eingcsandt. Rcvolvcrübcrfall aus Eifersucht. In Grün bei Wildstein verübte der Hilfsarbeiter Georg Platzer auf den 21jährigen Bahnangestellten ' Karl Rauch einen Revolveranschlag. Während einer Unterhaltung zog er plötzlich einen ‘ Browning und schoß Rauch in den Kopf. Rauch ' wurde schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Eifersucht dürfte das Motiv der Bluttat sein. Vom Rundfunk lM»taM«niw«rtes«ns den Programmen! Montag: Prag, Sender L.: 6.00: Gymnastik, 10.05 Deutsche Presse, 12.10 Schallplatten, 12.30 Mittagskonzert, 18.08: Revellers singen auf Schallplatte». 18.20 Deutsche Sendung: Jarosch: Jungen fahre» auf den Balkan, 19.25: Schrammeikonzert, 21.15: Konzert des Prager Rundfunks, 22.30: Tanzmusik, 22.45: Deutsche Nachrichten. Sender S.: 7.30: Sa- lonorchesterkonzert, 8.00: Frauengymnastik, 14.00: Liederkonzert.— Brünn: 13.25: Arbeitsmarkt uns Sozialinformationen, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Becera: Josef Suk.— Mährisch Ostrau: 11.00: Schallplatten, 15.00: Nachmittagskonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Wolowicz: Gesetzlich bezahlter Arbeiterurlaub, Klavierkonzert, 22.30: Tanzmusik.— Kascha«: 10.05 Schallplatte». Dienstag: Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10: Schallplatte»: Smetana. 13.40: Schallplatten: Offenbach, 18.00 Französische Chansons, 18.20 Deutsche Sendung: Horner Wirffchaftliches Relief, 18.30: Egerländer Lieder zur Laute, 19.00: Deutsche Presse, 22.30: Englische Lieder auf Schallplatten. Sender S.: 7.30 Leichte Musik, 14.15: Deutschs Sendung: Dr. Hahn: Der Gebieblitz: Geburt großer Erfinder.— Brünn: 11.00: Schallplatte», 16.30: Salonorchester, 17.40: Deutsche Sendung. Soziale Information, Dr. Brügel: Der Kampf gegen Betriebseinstellungen und Massenentlaffungen.— Mährisch-Oftran: 1220: Mittagskonzert. 19.55: "populäre Musik.— Kascha«: 18.55: Liederkonzert. Opfer einer Falschmeldung Ein t r a gisches Schicksal traf den pensionierten GerichtÄieamten Franz Winkel- bauer aus Brüx. Winkelbauer, der sich in Alt rohlau bei Karlsbad zur Sommerfrische aufhielt, erhielt— irrtümlicherweise— eiy wird darnach sein! Große Unterschlagungen im Trautenauer Rentamt? Im Rentamt in Trautenau sollen, wie Gerüchte besagen, Malversationen eines früheren Beamten aufgedcckt worden sein. Den Schaden, den die Gemeinde dadurch erleidet, beziffert man auf mehr als 150.000 Kd. Hr, 192 Sonntag, 18. August 1938 Seite 5 Ansiedlung in Ecuador Ein Hoffnungsschimmer für Heimatlose Der deutsche Devisendallrs. Ein Prager, der eben von einer größeren Auslandsreise zurückge- lehrt ist, erzählt uns u. a.: Finnland ist sehr deutschenfreundlich. Das Bürgertum schtvärmt von den deutschen Truppen des Generals v. d. Goltz, die 1918 das Land von den Bolschewiken»befreit" haben. In ihrem Landungshafen Hangö hat man ihnen ein Denkmal gesetzt, Helsingfors wird bald folgen. Aber wer mit Reichsmark nach Finnland kommt, kann dort bei voller Brieftasche regelrecht verhungern. Keine Wechselstube, auch die Nationalbank nicht, wechselt Reichsmark ein. Das ist durch eine besondere Verordnung verboten. Entrüsteten oder verzweifelten Markbesitzern wird geraten, doch zu ihrem Konsulat zu gehen, um wenigstens soviel finnisches Geld zu erhalten, daß sie etwas essen, das Hotel und die Abreise bezahlen können.— In Berlin wollt« der Mann von einer 100-Schweizerfrankennote einen kleinen Teil Wechseln und den Rest in Schweizerfranken her- «usbekommen. Das gelang ihm weder in der Deutschen Bank noch in irgendeiner der Wechselstuben auf den größten Bahnhöfen. Die Wechsler erklärten übereinstimmend, gar keine Aussicht zu haben, die Hundertfrankennote wieder loszuwer- drn, da stets nur ganz kleine Beträge ausländischen Geldes von der Devisenstelle zugeteilt und eingewechselt werden.— 50 deutsche Sportler haben im letzten Moment telegraphisch ihre längst jugesagte Beteiligung an der internationalen kportwoche in London abgesagt. Das Telegramm enthält zwar keine Begründung, aber die Veranstalter haben doch erfahren, daß die Reise von der AeichSbank verboten worden ist, die kein Geld aus Deutschland herauSlaffen will. Im März war die englische Einladung durch die deutsche Botschaft an ta Reichssportführung übermittelt und angenommen worden. Später wurde die Teilnehmerzahl von 70 auf 50 herabgesetzt und nun kommen sie überhaupt nicht. Rabiater Delinquent. Vor dem Strafsenat her KreisgerichteS in Mähr. Ostrau hatte sich der ^jährige polnische Staatsangehörige Michal Hob« lotvsli wegen verschiedener Betrügereien, darunter auch wegen Heiratsbetrugs und wegen öffentlicher Gewalttätigkeit an einem Sicherheitswachmann zu verantworten. Hoblowski wurde zu zehn Monaten schweren Kerker verurteilt. Bei der Urteilsverkün- bimg geriet Hoblowski in Wut, riß ein schweres eisernes Kreuz vom Tisch und schleuderte es gegen den Gerichtsrat Fiser, der je, doch zumGlück dem Wurf entging. DerBerurteilte lobte weiter und konnte erst von zwei Wachleuten «nd dem Aufseher gefesselt und inS Gefängnis geschafft werden. Hoblowski war schon neulich in Rei- benberg zu zwei Monaten bedingt auf drei Jahre verurteilt worden, so daß er nun auch diese Strafe loird abbühen müssen. Neber die Katastrophe von Ovada ist eine Eiche DätsstellMg äuSghgWn iööpden». in der. er u. a. heißt: Zm ganzen betrauert man. den Dod von 111 Menschen. Die bisher geborenen Leichen betragen 82, von denen 62 identifiziert werden konnten. DaS Feuer bringt eS an de« Tag. In der kölnischen Ortschaft Tereszow brach ein Feuer aus, das drei bäuerliche Anwesen vernichtete, während der Löscharbeiten explodierten zahl- teiche von den Bauern versteckte Karabiner- Se.schosse und Granaten, wodurch ein Feuerwehrmann getötet und zahlreiche andere verletzt wurden. Blutige Messe. Während einer Messe kam ev in dem Dorfe Zclisew bei SiedloS zwischen zwei Bauerngruppen zu einer blutigen Schlägerei, in deren Verlapfe einer der Zauern getötet wurde. Zwei Bauern, welche die llcheber deS Mordes waren, flüchteten nach der Dat und verbarrikadierten sich in einem Wohnhaus, auS welchem fie die alarmierte Polizei, welche ihre Verhaftung vornehmen wollte, auS Revolvern beschossen. Im Verlaufe des Feuer- SefechteS wurde ein Polizeibeamter sowie ein Bauer, der den Polizisten bei der Verfolgung der Mörder assistierte, erschossen. Außerdem wurden vier weitere Bauern, welche ebenfalls an der Belagerung der beiden Mörder teilgenommen hatten, durch Rcvolvrrlugeln schwer verwundet. Erst viner starken Gendarmerieabteilung, die aus Siedler angefordert wurde und welche mit Stahlhelmen und Brustpanzern ausgerüstet war, gelang eS, das Versteck der Mörder zu stürmen und ste festzunehmen. Kühle Tage. Der Luftdruck ist über dem Sinnenland sehr gleichmäßig verteilt und der 8ind infolgedessen allgemein schwach.‘ In Deutschland treten jedoch an vielen Orten Regenschauer auf und auch bei uns hat es im Nordesten der Republik strichweise geregnet. In Schatzlar trat Samstag nachmittags ein Gelvitter auf. Nach den Regenfällen hat es sich in einigen Srten unter 15 Grad abgekühlt. Sonst macht sich >n unseren Gegenden eine langsame Er« Wärmung geltend, die allerdings durch die veträchtliche Bewölkung in den Tagesstunden g e- hemmt wird. Ein« durchgreifende Minderung der allgemeinen Wefterlage ist »och nicht zu erwarten.— Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Im Nordosten des Staates noch etwas unsicheres Wetter und vereinzelt Neigung zu Regenschauern, sonst halbheiter, nachts verhältnismäßig kühl, tagsüber etwas wärmer, ruhig.— Wetteraussichten für Montag: Starke lokale Wetterunterschiede, Temperatur im allgemeinen wenig geändert. Die Nachricht, die vor einigen Wochen als eine mit großem Zweifel begrüßte Veröffentlichung durch die Zeitungen ging, hat sich bewahrheitet. Die Republik Ecuador stellt tatsächlich Landflächen in größerem Ausmaß zur Besiedelung zur Verfügung und hat diese Bereitwilligkeit bereits in einem Vertrag niedergelegt. Der Vertragspartner der südamerikanischen Republik ist ein„Komite zum Studium des Ackerbaus, der Industrie und der Einwanderung für die Republik Ecuador". Bevor wir uns mit diesem Komite und dem Vertrag befassen, wollen wir uns jedoch erst mit der Republik Ecuador beschäfttgen, die immerhin den Vorzug hat, eine Bresche in die gemeinsame Phalanx der südamerikanischen Staaten gerissen zu haben, die europäischer Einwanderung mehr oder weniger große Widerstände entgegensetzen. In einer Veröffentlichung des Prager Konsuls der Republik Ecuador wird die Größe dieses Staates mit 715.000 Quadraüilometer und die Einwohnerzahl mit 8.2 Millionen Seelen angegeben. An sich sind dies« Zahlen nicht von sehr erheblicher Bedeutung, denn bei der Ausdehnung des südamerikanischen Kontinents spielen 50.000 Quadratkilometer mehr oder weniger für di« Größe einer Republik keine wesentliche Rolle. Immerhin ist es interessant sestzustellen, daß alle europäischen Handbücher sich auf Angaben beschränken, die zwischen 300.000 und 450.000 Quadrattilometer liegen und die Einwohnerzahl mit ettva 2.5 Millionen angeben. Von diesem Gebiet wird sogar noch ein erheblicher Teil der östlichen Teile als umstritten genannt. Da auch nach Angaben des Koiisuls der Osten als zum größten Teil unerforscht bezeichnet wird, so geht man nicht fehl in der Annahme, daß die Größe von 715.000 Quadrattilometer eine sehr willkürliche Angabe ist, da kaum in den unerforschten Urwäldern des Amazonas Vermessungen stattgefunden haben werden oder gar Grenzziehungen erfolgt sind. DaS gleiche wäre über die BevöllerungSgröße zu sagen. Aber sechst 300.000 Quadrattilometer sind wirklich groß genug, um vielen Tauserchen von Einwanderern Raum zur Niederlassung bieten zu können. Ecuador liegt an der westlichen Küste Südamerikas zwischen Kolumbien und Peru, und zwar dicht nördlich des A«quatorS. Zwei Gebirgszüge der Kordilleren durchziehen das Land von Süd nach Nord, und teilen es in drei klimatisch verschiedene Teile. An der über achthundert Kilometer längen Küste erstreckt sich das etwa 75 bis 120 Kilometer breite Küstenland- die»Costa". Hieran schließt sich ein becken- .ärtigeS Hochland, gegrenzt durch die West» und Ostkordillere. Dieses Hochland, die»Sierra" genannt, hat eine Ausdehnung vcn sechs- bis siebenhundert Kilometer Läng« und hundertfünfzig bis zweihundert Kilometer Breite und geht mit schroffem Abfall der Ostjordillere in das Gebiet des»Oriente" Wer. In der Costa finden wir eine Vegetation aller Abstufungen. Es ist ein ständiger Wechsel von feuchten und tropischen Landstrichen, deren besiedelte Flußniederungen das wirtschaftliche Herz des Lande- sind. Die größt« Stadt der Costa ist die Hafenstadt»Guayaquil" am gleichnamigen Golf. Während südlich von Guayaquil noch ein gelvissermaßen mildes Tropenklima herrscht, wird es nördlich von Guayaquil für Europäer fast unerträglich. Während der Trockenmonate von Juni bis Dezember bringt der Südwest-Passat noch halbivegs erträgliche Temperaturen mit, in der Regenzeit erschwert jedoch die Windstille und die enorm« Luftfeuchtigkeit den Aufenthalt bis zur Unmöglichkeit. In den ausgedehnten Waldungen und Plantagen hat das Land einen schier unerschöpflichen Reichtum; hier gedeiht Zuckerrohr unr Mais, Bananen, Vanille, Tabak, Kaffee, Reis und viele Südfrüchte. Hier wächst die Tagua- Palme, deren Elfenbeinnüsse gesammelt werden und einen wichtigen Exportartikel bilden. Die mittlere Jahrestemperatur in Guayaquil beträgt etwa 26 Grad Celsius; trotzdem ist diese Stadt der wirtschaftliche Mittelpunkt des Landes, da über sie fast die gesamte Ausfuhr geht. Die Be- vötterung Ecuadors setzt sich nur zu acht bis neun Prozent aus Weißen zusammen, fast 50 Prozent sind Indianer, etwa 30 Prozent Mischlinge der verschiedensten Abstufungen, und der Rest Neger. In den Händen der Abkömmlinge der weißen Eroberer befindet sich in Form riesiger ausgedehnter Plantagen ein erheblicher Teil des Landes. Trotz freiheitticher Verfassungen und Gesetze kann man jedoch die Indianer als unterdrückt, ja fast als H ö r i g e bezeichnen. Von der ursprünglichen Bevölkerung sind in den Stämmen der„Clyapas" und„Kolorados" nur geringe Reste übrig geblieben. Es sind Waldbewohner, die auf niedriger Kulturstufe stehen. Eine der wichtigen Industrien ist die Herstellung der weltberühmten Panama-Hüt« oder, wie sie dort heißen,„Jipijapa-Hüte". Für den Europäer am interessantesten ist das Hochland der Sierra, das von der Ost- und Westkordillere gebildet wird. Neben dem gewaltigen Chimboraffo finden wir mehrere Dutzend riesiger, zum Teil noch aktiver Vulkane. Hier liegt die Hauptstadt Quito, die die politische und kulturelle Metropole der Republtt ist. Die Jahresmitteltemperatur in Quito beträgt nur 12.6 Grad, und zwar mit so geringen Schwankungen, daß man tatsächlich von einem»ewigen Frühling" sprechen kann. In der ganzen Sierra ist ebenso wie in Quito die Temperatur gemäßigt und schwantt zwischen 8 und 18 Grad. In den Kordilleren findet man Gold, Silber, Blei und Platin. Ebenso Kupfer und Zinn. Am bekanntesten sind die Goldgruben von Zaruma. In der Sierra folgt auf die große Trockenheit»Berano", die von Juni bis September dauert, eine kleine Regenzeit, die wieder etwa im Dezember von einer kleinen Trockenzeit unterbrochen wird. Die große Regenzeit dauert dann von Jänner bis Mai. In zwei- bis dreitausend Meter Höhe finden wir in diesem Hochland kornreiche Becken, wo Ackerbau und Obstkultur vorherrschen. Hier weiden schwarz-weiße Kühe auf immergrünen Wiesen, Eukalyptus und Trauerweide grünen hier, an den Bäche« und Flüssen wachsen Erlen und Krvschbäume und alles ist beherrscht von der düsteren Schneelandschaft der zahlreichen Vulkane. Die Bevölkerung von Sierra, dreimal so zahlreich wie die der Costa, besteht zum größten Teil aus Indianern. Es sind ernste, nüchterne, fleißige AÄeiter, ganz im Gegensatz zu den lebenslustigen»CosteoS". Ueber dreitausend Meter Höhe beginnt sodann die Region der Paramos, Hier finden wir fast keinen Feldbau mehr, sondern nur Weideland, auf dem dj« indianischen Viehhirten ihre Schafe, Pferde und Rinder weiden. Auf dem ParamoS herrscht ein rauhes und unbeständiges Wetter, das an nordeuropäisches Märzwetter erinnert. Wetter nach Osten beginnt das ausgedehnte Waldland des Oriente, das vom Kamm der Kordilleren jäh nach den Tälern des Amazonas absinkt. Hier in den ausgedehnten, unerforschten Urwäldern der grünen Höll« herrscht immerwährende Feuchtigkeit, ein mörderisches, für Europäer unerträgliches Klima. Hier hausen Zapparos und JivaroS(Kopfjäger), über die man sehr wenig weiß, die aber sicherlich auf tiefster Kulturstufe stehen. Im vorigen Jahre wurde unter Führung des bekannten früheren Berliner Rechtsanwalts Dr. Frey in Paris ein Komitt gebildet, das sich mit eventueller Ansiedlung von Flüchtlingen und anderen Auswanderungslustigen in Ecuador beschäftigte. Nach Verhandlungen mit dem damaligen Gesandten EcuadorS in Paris fuhren zwei Mitglieder des Komitös nach Ecuador, um sich an Ort und Stelle mit den Verhältnissen vertraut zu machen und mit der Regierung zu verhandeln Diese Studienreise dauerte mehrere Monate und beanspruchte erhebliche Mittel. Zweifellos hatte dieses Komitt ernste Absichten und mit Recht die Hoffnung, bei Gelingen dieses Projekts Unterstützung durch Geldgeber zu finden. Als während der Studienreise eine Knappheit der Mittel eintrat, vermocht« man glücklicherweise die große jüdische Organisation»Ort" für d«n Ansiedlungsplan zu interessieren. Das Komiti wurde unter Einbeziehung dieser Organisation umgebildet und' schloß mit dem Gesandten EcuadorS einen Vorvertrag, auS dem uns nur Auszüge be- kannt sind. Ein abschließendes Urteil läßt sich natürlich erst nach Vorliegen deS genauen Ber^ tragötexteS fällen. Wie der Generalkonsul der Republik Ecuador in Prag erklärt, bietet seine Regierung auch unabhängig von dem Konnte jedem Einwanderer, der über Mittel verfügt, die Möglichkeit der Einwanderung und Ansiedelung. Man ist berett, das für di« Ansiedlung nöttge Land jevem Einwanderer, der es bebauen will» kostenlos zu geben, macht jedoch die endgültige Eintragung in das Grundbuch von der Größe des innerhalb von fünf Jahren tatsächlich unter Kultur gebrachten Umgruppierung der Sowjetflotte MoSkan.(AP.) Die ruisiche Krieasftotte besteht auS 3 Linienchifien, 2 schweren Kreuzern, 37 Zerstörern, 54 U-Booten, 3 Flugzeugträgern und 276 kleineren Einheiten, wie Minenleger, Minensucher. Wachboote, Hilfsschisse usw.. insgesamt aus 375 Einheiten. Diese verteilten sich auf die Ostsee, das Schwarze Meer und den Femen Osten. Im Weißen und Kaspischen Meer befinden sich nur geringe Streitkräfte. Es besteht setzt die Absicht, auch mit dem Bau größerer Schiffsttwen zu beginnen und den Bau von Linienschiffen und Schlachtkreuzern wieder aufzunebmcn. Ueberra- schend ist, daß Moskau im Schwarzen Meer ver». hältniSmäßig viel große Schifte liegen hat, da dies Meer ein geschlossenes Meer iit und die besten Beziehungen zwischen der USSR, der Türkei uns Rumänien bestehen. Die USSR bat daher auch di.' Absicht, einen Teil der Schwarzmeerflotte nach der Ostsee zu überführen, zumal Frankreich kürzlich die bisher in Biserta internierte Wranael-Flotie an die Sowjetunion auslieferte. Nach der geplanten Umaruvvierung und der Fertigstellung verschiedener im Bau befindlicher Schisse dürfte dann allein die Ostseeflotte 3 Linienschiffe, 2 schwere Kreuzer, 12 große und 10 kleine Zerstörer, 40 bis 50 Torpedoboote und 20 bis 30 U-Boote umfassen. Landes abhängig. Der Betrag, der infolgedessen zur Einreise und zur Niederlassung einer mittleren Familie notwendig ist, dürfte sich immerhin auf rund 15.000 bis 20,000 XL belaufen. 'Von den Familien, die über das Komitt eine Niederlassung in Ecuador erstreben, wird ein Kapital von ettva 5600 XL verlangt, hierzu treten noch die Kosten der Reise, die pro Person etwa 2600 XL betragen. Soweit sich jedenfalls bisher ersehen läßt, steht und fällt der Ansiedlungsplan des Komitts mit der GÄndung der projettierten Export« und Hypotheken-Bank, die mit fremdem Kapital die Niederlassung der eingewanderten Familien finanzieren soll. Trotz des ttefen Standes der Sucre in Ecuador(10 Sucre gleich ein USA- Dollar) und trotz der niedrigen Lebenshaltungskosten müßte das Kapital für die Besiedlung der bis jetzt zur Verfügung gestellten Flächen von zirka 500.000 Hektar— also für sechs- bis siebentausend Familien— mindestens 5 Millionen USA-Dollar betragen. Es ist die große Frage, ob es gelingen wird, dieses Kapital für die Bank aufzubringen. Immerhin wäre es notwendig, daß alle Institutionen, die an der Schaffung von Heimstätten für Tausende von Familien interessiert find, sich ernstlich mtt dem Problem Ecuador befassen. Niederländisches Pankgebet i. Goebbels„Vom Kafferhof zur Reichskanzlei": „4. März 1933... Der Führer redet mit letzter Glut und Hingabe. Als er am End« davon spricht, daß der Reichspräsident und er sich die Hände gereicht hätten, der eine, der Ostpreußen als Feldmarschall vom Feinde befreite, während der andere unterdessen als einfacher Grenadier im Westen seine Pflicht tat, da liegt über der ganzen Versammlung eine feierliche Stille, Rührung und tiefe Ergriffenheit. Mächtig klingt in den Schlußakkord der Rede das Niederländische Dankgebet. Ueber den Rundfunk schwingt diese Hymne durch den Aether über ganz Deutschland," H. Berlin, 8. August 1935. Der Präsident der Reichsmusikkammer hat in öffentlicher Erklärung das NiederländischeDankgebetin Verruf erAärt. Es hat einen nur halbarischen Textdichter, Joseph Wcyl, Sohn eines Börsensensals. (AuS dem„Neuen Vorwärts") Aus dem Schwarzen Kaiserreich Abessinische Landesfürste» im Kriegerschmuck Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 18. August 1935. Nr. 192 IrageeZMmg ein eckt kltler6eutsckes NSrcken Die„Rote Fahne" druckt ein„Gedicht" ab, das in einer Henleinversammlung in K r a tz a u verteilt wurde und von einem Joses Bernhard Siegel unterzeichnet ist. Man brauchte sich mit dem albernen Gereime nicht zu befassen, zeigte nicht das Machwerk, mit welcher schamlosen Offenheit die braune Filiale auch hierzulande schon die Agitation für Mord und Sadismus betreibt. Das Gesudel handelt von einem schönen Eichenwald, t der durch die Unmasse des Wildes gefährdet wurde. Da sammelte ein wackrer Jäger eine Schar: Und es begann ein großes Jagen, Und weit und breit die Büchse knajst; Man hörte bang die Leute fragen: Ist Hexensabbat denn im Wald? Zwei Sonntage das Jagen währte, Dann stellte man das Schießen ein; Das Hüfthorn man ertönen hörte. Dann würd' es still im Eichenhain. DaS große Jagen war beendet Und als die Strecke man besah Im grünen Moose lag verendet Ein großer Teil des Wildes da. War das ein Jubel, eine Freude, Ms man nun zählte Stück um Stück. Fürwahr es war'ne reiche Bent«, Man hatte selt'nes WaidmannSglück. Zumeist hat Rotwild wohl gelitten^. Manch stolzer Bock kam hier zu Fall Und es verlor, ganz unbestritten, , Die Hälfte dieses Wild an Zahl. Auch Schwarzwild wurde stark gelichtet. Das man in großen Massen sand. Und als man die Beute hat gesichtet. Fand man die Hälfte vom Bestand. Auch andres Wild lag hier erschossen. Manch selten widerlich Getier; Doch vieles Wild hat sich entschlossen Und wechselte sein Stammrevier. Das Gedicht schildert die Wiedergesundung des Waldes und fährt fort: In allen Städten, allen Orten Pries man des Mannes Name«bald. Er ist ein V o r b i l d uns geworden: Denn er rettete den Eichenwald! Das ist die Mär vom Eichenhaine, Vom schönen, deutschen Eichenwald; Denkt nach,— wen ich damit wohl meine—, Wem dieses kleine Märchen galt? Die Henleinburschen werden natürlich sagen, das geschmackvolle Poem beziehe sich keineswegs auf die Tätigkeit des Oberjägermei- sters von Preußen und seiner Schlächtergesellen, sondern einfach bildlich auf die Wahlen'vom 19; und 26. Mai. Aber die g e w ollt e Zweideutigkeit ist unverkennbar. Absichtlich sollen die Leser in einen Blutrausch versetzt werden, ihr Vorbild" Hitler bewundern und es nachahmen lernten. Die poetische Darstellung eines demokratischen Wahlaktes ist das Zeug auf keinen Fall. Und wenn es dafür ausgegeben würde, hätte der demokratische Staat um so mehr Anlaß, gegen die Verhöhnung seiner Einrichtungen einzuschreiten. Desertenre. Auf halsbrecherischen Bergtouren, manchmal auch in dunkler Nacht im Kahn über die Grenzseen kommen unausgesetzt italienische Deserteure in die Südschweiz, deren Sprache ja ihre ist. Sie hüten sich ängstlich davor. Fremden irgendwelche Auskunft zu geben, denn sie fürchten sonst, von den Schweizer Behörden ausgewiesen zu werden. Alle haffvvegs passierbaren Mpenübergänge von Italien nach der Schweiz sind äußerst streng bewacht. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Legong." Liebesroman von der Insel Bali.— Alfa:.Die Karnevalsnacht." Gustav Fröhlich. D.— Avion:„Ein junges Dlädel— ein junger Mann. D.— Beranek:„Den Himmel auf Erden."— Fen ix:„Tarzan, der Sohn der Wildnis."— Flora:„Zirkus Barnum." A.— Gaumont:„Die Katz' im Sack." D.— Hollywood: „Der Kosak und die Nachtigall." D.— Hvezda: „Das Recht auf Glück."— Julis:„Endstation." Paul Hörbiger. Nur bei uns. D.— Koruna:„Die Spur des Todes." D.— Kotva:„Die gefährliche Blonde." A.— Lucerna:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." A.— Metro:„U-Boot A. L. 14."— Passage:„Die Katz' im Sack." D.— Praha: „Kitty stiehlt sich ins Glück." D.— Radio:„Abends um 8."— Skaut:„Charlie Chans Mut." A.— Alma:„Der Palast auf Rädern."— Belvedere: „Ihr größter Erfolg." D.— Bcseda:„Brennendes Geheimnis." D.— Carlton:„Abends um 8." A. — Illusion:„Die törichte Jungfrau. D.— Louvre: „Abends um 8." A.— Maceska:„Die törichte Jungfrau." D.— Roxy:„Den Himmel auf Erden." D.— Sport, Smichov:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran."-— U Bejvodü:„Ich geh' aus und du bleibst da." D.-— Baldek:„Abends um 8." A.— Urania-Kino:„Jugend voran!" Waldsanatoriiiin Dr. Schweinburg ZUCKMANTEL, Schlesien Erstklassige, physikalisch-diätetische Heilanstalt für innere, Nerven- und Stoffwechsel-Krankheiten Mäßige Pauschalkuren MA Richtlinien für Ausgabe von Medikamenten. Die Erste Prager Krankenversicherungsanstalt der, Handels- und Privatangestellten in Prag II., Jung- mannova 29, hat für die Verordnung der Medikamente neue Richtlinien hexausgegehen, die sie ihren Aerzten in den nächsten Tagen zustellen wird. Diese Richtlinien haben nicht nur einen allgemeinen Charakter, sondern beinhalten auch ein reiches Verzeichnis heimischer Spezialpräparate, die auf Rechnung der Krankenversicherungsanstalt verordnet werden dürfen. Bei der Fassung deS Verzeichnisses war die Krankenversicherungsanstalt von dem Bestreben geleitet, den Wünschen der Mitglieder als auch der Aerzte nachzukommen, denen hauptsächlich ein Behelf in die Hände gelangt, nach welchem sie Spezialpräparate verordnen dürfen. Die Krankenversicherungsanstalt verfolgte durch die Herausgabe der Richtlinien auch, den Zweck, die heimische pharmazeutische Erzeugung zu unterstützen und so den Beamten und Arbeitern der heimischen pharmazeutischen Fabriken Arbeit zu verschaffen. Auto gestohlen. In der Zeit zwischen Mittwoch und vorgestern wurde aus der geschlossenen Garage des Ingenieurs Jan Benes, Nad Visinkou 1256, ein zweisitziges Automobil" der Werke Wikow P-284 im Werte von KL 40.000.— gestohlen. In der Nacht auf gestern wurde auf der Schwarz- kosteletzer Landstraße vor dem Hause Nr. 964 in Straschnitz dem Beamten Viktor Zvelebil aus Prag XII ein Motorrad der Marke„Harley Davidson" im Werte von KL 6500.— gestohlen. Die Nummer des Motorrades ist 6046-P. Inhalt von Auws gestohlen. In der letzten Zeit hatten sich die Fälle auffallend gemehrt, in denen Auws, die von ihren Besitzern vor öffentlichen oder Vergnügungslokalen in der inneren Stadt stehen gelassen worden waren, ausgeraubt wurden, ohne daß man der Täter hätte habhaft werden können. Gestern gelang dies doch; es handelt sich um den 19jährigen Bäcker Anton Slezäk und den LOjähri- gen Kellner Justin Vlk, beide aus Straschnitz, sowie den zur Zeit beim Prager Kreisgericht in Hast befindlichen 33jährigen Arbeiter Franz Hoffmann. Da die drei auch Fahrräder zu stehlen pflegten, beläuft sich der von ihnen angerichtete Gesamtschaden etwa auf KL 10.000.—. Als Hehlerin fungierte die 35jährige Philomena Lukes, Prag II., Skolskä 36, di« leugnet, die Herkunft der gestohlenen Gegenstände gekannt zu haben. Die Mehrzahl von diesen konnte auch bei ihr beschlagnahmt werden,' doch warten die Sachen vorläufig im PslizeipräMüum darauf, daß sich ihre Eigentümer melden. Iümst un4 Wtesm Die Pfeffermühle Man freute sich herzlich, ihr wieder zu begegnen (diesmal in der Kleinen Bühne). Geblieben ist der unvergleichliche Charme, mit dem Erika Mann, Wortführerin ihrer eigenen Dichtung, an die Gewissen einer gewissenlosen Welt zu rühren sucht, geblieben ist. die wundersame Art, mit der sie den Klangschönheiten unserer Sprache neuen Reiz gibt. Unverändert trifft man Lotte Goslar an, die groteske soziale Ausdruckstänzerin, und vor allem The res e G i eh s e, die stärkste künstlerische Persönlichkeit des fleinen Ensembles, ein packendes und ergreifendes dramatisch-karikaturistisches Talent von ungewöhnlicher Reichweite. Sie braucht nichts mehr als den entschiedenen und unverkennbaren Willen des Dichters zur Anklage, zur Satire, zur Menschlichkeit, um selbst auf einer künstlerischen Grundlage von geringerer Klarheit und Dichte zu eindeutig mitreißender Wirkung zu gelangen. All das ist also wieder gut und schön und notwendig, anerkennenswert und vom Publikum be- dankt. Und es ist schon reicher Gewinn, daß Erika Mann mit ihrer Truppe die absolute Antikriegs linie scharf einhält. Dennoch dürfen wir wohl, gerade weil wir diese Theater-Arbeit so hoch einschätzen, feststellen, daß die Pfeffermühle diesmal mit dem scharfen Gewürz vorsichtiger umgeht, als wir es von ihrem ersten Erscheinen her in Erinnerung haben. Mag sein, daß das zu großem Teil von äußerem Zwang bedingt ist. Aber es will doch auch scheinen, als ob hie und da ganz freiwillig in den Pfeffer. auch Zucker und Zimmet gemischt wären. Vieles ist nur schwach angedeutet, eigenartig verschwommen, weicht der Pointe, auf die man wartet, zum Schluffe aus. Kraft und Lust zum Angriff stecken wohl auch jetzt in jeder dieser fleinen Dichtungen— aber der kühne, radikale Angriff bleibt aus. Von der Pfeffermühle durfte man doch wohl Aktuelles und Aktualisiertes erwarten, künstlerische Verwertung zeitgeläufiger Begriffe und Erscheinun- „en. Aber man hört nicht einmal die Worte Deutsch« land, Arbeiter, Revolution, Fascismus. Warum diese allzu groß« Zahmheit? Anklagen und unterhalten zugleich ist gewiß ein schweres Ding. Aber wenn jenes zugunsten des anderen so sehr gedämpft wird, dann lahmen Räder und Flügel der Pfeffermühle doch ein wenig und ganz große Wirkung stellt sich nicht«in. Hoffen wir, daß die Mühle wieder ihren' alten Schwung bekommt. Bis dahin wollen wir die auf jeden Fall Liebenswerte in hester Erinnerung behalten. L. G. Taktische Fragen zum Wasserballspiel Wer soll Wasserball spielen? Auf diese Frage ist eine Antwort bald gegeben, denn sie lautet kurz und dennoch ganz richtig: Jeder gesunde und wasserfreudige Schwimmer kann ein guter Wasserballer werden. Es gibt nämlich keine„Figur" des Wasserballers. Der langaufgeschossene Kerl wie der untersetzte Typ mit breitem Oberkörper können das Zeug in sich haben. Das Urteil über sich selbst: „Ich bin nicht zum Wasserballer gebaut" hat seine Begründung nicht darin, wo sie der Betreffende sucht, sondern in der Auffassung und im Trainingswillen. Die Haltlosigkeit dieser Anschauung ist schon dadurch widersprochen, daß z. B. Holland, England und Belgien den stark gebauten, massiven Typ in ihren_ Auswahlmannschaften bevorzugen. Im Gegensatz dazu ist es in Deutschland, Schweden und in den südlichen Ländern Brauch, in den Landesmannschaften vorwiegend sehnige, hagere und gelenke Leute einzustellen. Und die Ungarn, die eigentlich di« Wasserballer Europas sind(sie besitzen nur sehr wenige Hallenbäder), haben keines dieser Dogmen zu Gebrauch genommen. In ihren Mannschaften sieht man als Torleute meist stämmige, hochgewachsen«, fast Riesen zu nennende Kerl«. Als Backs fungieren ebenfalls solche„Bäume", um die hermnzukommen keine leichte Sache sein soll. Meist ist dann noch einer von ihnen ein schneller Schwimmer, während der andere eher die„Mauer" zu mimen hat. Als Zenterhalf ist nur ein zäher, verbissener Routinier zu gebrauchen, schon deshalb, weil er meistens eben den gegnerischen Zenterforward zu dämmen hat.' Seine Tugend soll vor allem darin bestehen, auch bei brenzligen Situationen nicht ans der Rolle zu fallen, um im gegebenen Augenblick den Ball seinen Forwards senden zu können. Denn ist mal hei einer wirklichen fleinen Schlacht vor dem Tor(manchmal spielt sich so etwas ganz rm 2 Meter-Raume ab) der Ball durch irgend eine Hand abgeschlagen worden, so ist meistens niemand da, der sozusagen die Vermittlerrolle der dadurch im Spielfeld entstandenen Distanz übernimmt. Der Zenterhalf nun nützt beim /Salat" vor dem eigenen Tor nicht viel, weil hier schon der Zufall eine starke Rolle spielt, wer schließlich die Oberhand behält. Was aber nicht etwa heißen soll, daß ein Torschuß aus dieser Distanz eine unverdiente Sache zu sein braucht! Die Stürmer sollen die eigentlichen Pferde der ganzen Mannschaft sein. Ganz selbstverständlich, daß hier nur schußgewandte, lungenkräftige, junge Leute in Frage kommen sollten. Daß sie ebenso der schnellstschwimmeade Teil des Teams sein müffen, geht schon aus ihrer Aufgabe hervor. Als Zenter-Forward nimmt man meistens dea schußgewaltigsten und sichersten dieser Drei, da bei Aktionen des Sturmes ganz gut einer der beiden Flügel unbeteiligt sein kann(Platzmangel).. Der Mittelstürmer jedoch wird immer dabei sein müssen. Den Außenstürmern gelingt manches besser, wenn der Linke reckits und der Rechte links zu schießen imstande ist. So unverständlich diese Behauptung im ersten Augenblick auch sein mag, in der Praxis hat sie sich dennoch bewahrheitet. Es ist nicht näher zu begründen, daß ein besserer Schwimmer stets auch ein besserer Wasserbauer ist. Außer, dem Tormann sollten alle Spieler die 50 Meter in höchstens 42 Sekunden schwimmen. Wenn Leute in einer Mannschaft sind, die diese Leistung nicht erbringen, wirkt sich so etwas immer hemmend auf den Fluß des Spiels aus. Ebenst selbstverständlich sollte es sein, daß 400 Meter in 7:30 Minuten hinter sich zu bringen sind. Was darüber ist, spricht nicht von einer guten Lmrge. ßii solches Schwimmtraining ist die Grundlage für di« Leistungsfähigkeit beim Spiel. Das Idealbild eines Wasserballers ist zweifellos ein sehr schneller Schwimmer, dessen rassiger und genauer Schuß den Gegner stets aus dem Konzept bringt. Um eine annähernd gute Form dieses Ideals zu sein, braucht es jahrelanges Training. Ohne Zweifel spielt hier Prädestiniertheit eine Rolle. Fehlt aber das Training, wird auch der veranlagteste Mann nie zur Entfaltung seiner Talente kam-, men. Ueberall hat man die Erfahrung gemacht daß an einem Ort, der einen Stock guter Wasserballer sein eigen nennt, sich dieses Spiel wie Tradition weiter erhält. Das heißt, daß sich die Heranwachsende Jugend eines solchen Vereins Technik und Routine viel leichter zu eigen machen kann. Fehlt hingegen dies« autoritativ« Aussicht, ist sozusagen im ganzen Verein kein Genoss« ein langjähriger Wa>- serballer, gestaltet sich die Sache schwieriger. Mängel bleiben unentdeckt, taktische Frages für Anglist und Verteidigung müffen mühsam erlernt und«in- geimpft werden. Nachstehend einige Winke für die Gestaltung eines vorteilhaften Trainings. Dabei soll als Regel gelten, daß stets ein Mann aus einem etwas erhöhtem Orte auf dem Trockenen die Sache leitet. 1. Tormann im Tor, Placieren der Stürmet im Halbkreis, abwechslungsweises Schießen. Aber ständig die Ecken des Tores anschießen! Nie den> Tormann in die Augen seihen! 2. Gleiche Ausstellung, Distanz acht bis zehn Meter, eigenes Vorlegen und nach einem schnellen Spurt den Schutz aus aufgerichteter Schwimmul» abgeben. Schnelles Handeln! 3. Gleiche Ausstellung, gleich« Distanz, gesamtes Anschwimmen aller Drei, Zuspiel von Man» 5» Mann, abschließend Schuß. Alles soll fließen, kein Stürmer darf bei der Ballabgabe die Schwimmlagk verändern. 4. Spielen auf ein Tor, Verteidigung gegen Sturm, aber unter Aussicht eines Schiedsrichters- Taktische Fehler sollen gleich Regelverstößen abg<- pfiffen werden. Wird«ine Mannschaft zwei, drei Jahr« lang unter Disziplin so trainiert und werden absolviert! Spiele mit anderen Mannschaften nachher diskutier- kann ein Fortschritt nicht ausbleiben. Vor allem soll aber der Geist der Kameradschaft wach gehalten werden. Ernst K u b l i im„Satussport".•;• Der Mm. Der Kosak und die Nachtigall Die stimmlichen und weiblich«» Reize der Jas- mila Novotnä, ein paar Bilder aus Aegypten und ei" paar aus Griechenland(wobei die Ruinen von Athen allerdings mit Schlagergesang begrüßt werden),—: das sind die empfehlenswerten Einzelheiten diestt Wiener Films, der ansonsten eine nicht gerade geistreiche und oft unfreiwillig komische Spionagegeschichte ist. Der Manuskriptautor Dr. Clären und der Regisseur Phil Jutzi haben den Fehler begangen, ihre Einfälle ernst zu nehmen, obwohl sich aus ihnen ehcs eine Groteske hätte machen lassen. Der Kainff zweier spionierender Diplomaten, die stolz daram sind, wenn sie einander heimlich Photographie" haben, die sich für sehr tüchtig und gefährlich halte», aber den größten Teil ihrer Zeit mit umständliche» und noch dazu stadtbekannten Liebesaffären 8»' bringen— und schließlich, als sie ein levantinischcr Wassenschieber bemogeln will, Freundschaft schließe» und damit den Frieden retten und ihre Bräute versöhnen,— diese Handlung hätte man nicht, wie es hier geschehen ist, mit Pathos und Gefühl, sonder» höchstens mit Ironie vortragen dürfen. Dazu wäre allerdings ein anderer Hauptdarsteller nötig gewest» als Iwan Petrowitsch, der wie ein Tenor ohne Stimme wirkt. Und auch Gerda Maurus als Gegenspielerin der Novotnä ist ein« Fehlbesetzung. —cis— Die Spur deS Todes. Das ist— wie ja sch»» der Titel vermuten läßt— einer von den amerikanischen Wildwestfilmen, die sich ebenso gleich bleiben wie das Publikum, das sich an ihnen belustigt» Es wird also wieder gerauft, geritten und geschosst»- man sieht Muskeln, Fäuste, Pferde und eine» romantischen Backfisch, man hört Flüche, Drohungc» und Verschwörungspläne— und wenn man nicht zu dem erwähnten Stammpublikum gehört, weiß man bei alledem nicht so recht, ob man sich wundern, langweilen oder entrüsten soll.—eis— VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsum Vereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie.. PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen 4^5 sind die allerbesten! Iva» Petrovich und Jarmila Novotnä in dem Wiener Film„Der Kosak und die Nachtigall". Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tel«« graphendireftion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS" Druck-. Verlags» und ZeitungS-A.-G.. Prag.