! ti r, trt ei !» et n. i« e* r et et ?ie a- :i» iet ii» i« al al ,ii il' i-r n« st' 'S- le. iS' Tt* W Jl' 'N« n> hli iit i'« 8 in' n>« it< K« 0» 4« lt» ifl* in' «* ei* j«t jt* rs Jt* rt4 k» !t* e* te» it« n* e* -l ft* ■ff e' tt et p' -i ki n> k* »« et k* t« et •« tt S- n» t* i« t. i, n ie ,! ß t, IBHTRALORSAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung nag xii.,fochova«r. Telefon sm. HERAUSGEBER^ SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Einzelpreis 70 Hellei (einschlieftlich 5 Heller Porto) 15. Jahrgang Dienstag, 20. August 1935 Nr. 193 Konferenz abgebrochen Weitere Aussprache auf„diplomatischem Wese“ Paris. iE. B.) Der Berhandlungspause, welche Samstag das Scheitern der Pariser Drei mächtekonferenz angekündigt hatte, folgte im Laufe des Sonntags nach einigen kurzen Ausspra chen der Hauptdclcgiertrn das offizielle Eingeständnis des Berhandlungsmißrrfolges selbst. Baron Aloisi' sprach um 19 Uhr 15 auf dem Quai d'Orsay vor. Sein Besuch dauerte nur fünf Minuten. Kurz darauf legte Laval den Pressevertretern ein amtliches Kommuniquee folgenden Inhalts vor: „L a v a l, als Vertreter Frankreichs, Eden als Vertreter Großbri tanniens und Baron Aloisi als Vertreter Italiens waren in Paris zusam mengetreten, um nach einer Möglichkeit für die friedliche Regelung des abessinisch-italienischen Streitfalles zu suchen. Wir haben noch nicht eineVerhandlungsgrundlage finden könne«, welche die Lösung des Konflikts erlauben würde. Die Schwierigkeit, auf die man bei der Prüfung der im Laufe der Erörterungen gemachten Anregungen gestoßen ist, lassen eine Vertagung der eingeleiteten Prüfung not wendig werden. Diese wird auf diplomatischem Wege fortgesetzt werden." Bereits vormittags hatte Baron Aloifi' Laval noch einmal über den Standpunkt der italie nischen Regierung informiert, worauf Laval eine Konferenz mit Minister Eden hatte. Die dar aufhin für 15 Uhr 30 angekündigte Sitzung aller drei Delegierten fand zwar statt, war aber nm 18 Uhr bereits beendet. Eden und Aloifi verließen das franzöfische Außenministerium unter all gemein gedrückter Stimmung. Das oben angeführte Ergebnis der Aussprache wurde jedoch erst vier Stunden später der Oeffcntlichkeit mitgeteilt. Minister Eden hat Montag den abesfinischen Minister Hawarirta empfangen und ihm über alle bei der Dreier-Konferenz»erhandelten Fragen im einzelnen Aufklärung gegeben. Sowohl Baron Aloifi als auch Minister Eden hatten Montag vormittags noch Besprechungen mit dem Ministerpräsidenten Laval, doch handelte es sich nurmehr um Abschiedsbesuche vor der Abfahrt der beiden Delegationen. Rach einer Havas-Mrldnng hat jedoch Laval anch bei dieser Gelegenheit sich nm eine Bersötznun» beider Ansichten bemüht und über die bevorstehende Sitzung des Bälkerbundrates verhandelt, in welcher die Lösung des Konfliktes erfolgen soll. SAD für Sperrung des Suezkanals Brüssel. Die sozialistische Arbeiterinternationale mit dem Sitz in Brüssel hat eine gegen die italienischen Absichten in Abessinien gerichtete Proklamation veröffentlicht. Die Arbeiterinternationale erklärt darin, daß sie nicht gesonnen sei, einem Kriege zuzustimmen und fordert sämtliche befreundeten Organisationen auf, alle ihre Mittel in der Richtung zu verwenden, daß Italien seinen Pflichten als Mitglied des Völkerbundes nachkomme. Die Proklamation schlägt schließlich vor, den Suezkanal für italienische Kriegsschiffe zu sperren und fordert eine wirkliche aber nicht lächerliche Arbitrage. Dann fordert die Arbeiterinternationale ihre Mitglieder auf, vor dem 4. September große Demonstrationen zu veranstalten, in welchen zum Ausdruck kommen soll, daß der italienischen Forderung zu entsprechen mit einer Aufmunterung Hitler- Deutsch, lands gleichbedeutend wäre. An der Sitzung nahmen teil: Bracke, Zirom- L ssy, Longuet und Grulübach für Frankreich, Gil- Mlies mrd Crampton für England, Huysmans, Bauchcry und Van Roosbroek für Belgien, Soukup und Kogler für die beiden Parteien in I dcr Tschechoslowakei, Albarda für Holland, An. 1‘■'ictfEn für Dänemark," Grimm für dieSchweiz MPictro Renni und Modigliani für Italien, Abramowitsch(Menschewiki), Wels, Hilfcrding und Mkrummenerl(Deutschland). brand in der Funkausstelluns |. Berlin. In den Ausstellungshallen am Kaiserdamm, die augenblicklich die 12. große deutsche Funkausstellung beherbergen, brach am Montag Abend gegen 20!lhr 30 infolge von Kurzschluß Feuer aus. Der Brand nahm bald nach dem Entstehen sehr große Ausmaße an. Die Hallen 3,4 und 5 wurden innerhalb - einer Stunde von den Flammen fast ■ restlos vernichtet. Das Feuer schlug annähernd 50 Meter hoch zum Rachthim- rnel empor und setzte auch das Restaurant auf dem Funkturm in Brand. Die Berliner Feuerwehr wurde in Alarmzustand versetzt. Sämtliche Berliner Wehren wurden, soweit möglich, nach dem Messegelände am Kaiserdamm beordert. Auf Anordnung der Drandbekämpfungsleitung wurden so- fort Kommandos der Schutzpolizei, des Arbeitsdienstes, der SA, der SS und j des Reichsheeres zur Hilfeleistung her- angezogen. Es galt besonders, die Menschen, die sich zu Hunderttausenden um das Gelände herum eingefunden hat- } ten, von der Straße fernzuhalten, um eine wirksame Bekämpfung des Brandes zu ermöglichen.- Durch das mutige Verhalten zweier Feuer- I Wehrleute gelang es, eine Schlauchleitung vom i Erdboden bis zu dem in etwa 50 Meter Höhe be- | kindlichen Funkturm-Restaurant zu leiten, in das | sich etwa zehn Personen geflüchtet hatten und das, | Ivie gemeldet, durch die hochlodernden Flammen ß ebenfalls in Brand geraten war. Die Feuerwehrfi leute kletterten an den eisernen Masten des Funk- k turms hoch und brachten auf diese Weise die u Schlachleitung bis unmittelbar an die in Brand k geratenen Teile des Restaurants heran. Es gelang » auf diese Weise, die Funkturmbesucher, die nach Ausbruch des Brandes im Sprechchor mehrfach r heruytergerufen hatten»Rettet unsl" in Sicherheit zu bringen. M Inzwischen konnte man ziemlich einwand- [ frei feststellen, daß das Feuer in der Halle 4, k wahrscheinlich bei dem Stand der Firma Siemens, WAwSgebrochen ist.■■ Er höhnt die Diplomaten Neue Brandrede Mussolinis Rom.(Stefan!.) Ministerpräsident Mussolini, der in Jsrrnia eine Defilierung der Devi- sion„23, März" abnahm, die zur Einschiffung nach Ostafrika bestimmt ist, verließ Sonntag früh die Stadt und begab sich ins Fliegerlager» wo sich die Schwarzhemdcndivision„28. Oktober" versammelt hatte, die ebenfalls zur Abfahrt bereitsteht. Der Duce betont in seiner Ansprache an die Schwarzhemden, daß der gegenwärtige Augenblick ein« feierliche und entscheidende Bedeutung für das italienische Volk hat.„Es ist a n d e r Z e i t, daß die Reden aufhöre n", sagte Mussolini.„Ihr werdet vorwärts gehen nntrr Nrberwindung aller Hindernisse dis zum Endziel, das Euch bestimmt ist." Englische Vlatten für Abessinien? Aenderungen der englischen Ausfuhr* bestimmungen London.(Reuter.)„Das tatsächliche Embargo auf den Export von Waffen nach Italien nnd nach Abessinien war eine Maßnahme, die zn dem Zwecke ergriffen wurde, um eine günstige Atmosphäre für die Beratungen der drei Großmächte in Paris zu schaffen", beginnt der diplomatische Berichterstatter des Reuterbüros seinen Artikel und fährt fort:„Nunmehr wird dir gesamte Frage des Waffcncxportcs aus Großbritannien wahrscheinlich überprüft werden." Arme Kommission! Paris. Die Arbitragekommission für die Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes ist Montag um 17 Uhr zusammengetrrten. Erster Punkt des Programmes ist die Bestellung des fünften Schiedsrichters, welches Amt wahrscheinlich Politis übernehmen wird. Pas Scheitern der Konferenz von Italien herbeisefiihrt In einer ergänzenden Darstellung, welche der Pariser Korrespondent des Tsch. P.-B. über die letzten Stunden der Konferenz gibt, heißt es: Die Informationen, welche Baron Aloisi aus Rom erhalten hat, waren trotz des ausdrücklichen englischen Ersuchen nicht positiv genug. Die Unnachgiebigkeit Italiens zeigte sich vor allem in den strittigen politischen Angelegenheiten. Rach den französischen Ber« gleichsvorschlägcn forderte Italien noch weitergehende Konzessionen, so daß eine Austragung auch im Rahmen des Völkerbundes nicht möglich war. Diese Unnachgiebigkeit bewog die britische Delegation, einen gleichermaßen unnachgiebigen Standpunkt einzunehmtn. Im Urteil der Presse Französische Stimmen Die Pariser Blätter verhehlen nicht ihr« Enttäuschung über das Scheitern der Konferenz, stellen jedoch mit Genugtuung fest, daß es Laval gelungen ist, die Freundschaft mit London und Rom, unversehrt zu erhalten. Vielfach wird darauf hingewiesen, daß weder auf englischer noch auf italienischer Seite die Lage richtig aufgefaßt wurde. Trotz der Hoffnung, daß es Lavals Bemühungen gelingen werde, bis zur Völkerbundssitzung am 4. September noch eine stiedliche Lösung zu finden, dringen doch stark« Befürchtungen über die gefährlichen Rück- wirkungen eines Krieges in Afrika auf die europäische Politik durch. '■ j e e I f i o r" macht darauf aufmerksam, daß während der Pariser Verhandlungen in den Ber- liner Blättern nicht ein einzigesmal Stimmen gegen England erhoben wurden.„Echo d e Paris" fürchtet«ine Gefahr für ganz Europa, wenn Italien das Abenteuer in Abessinien wagt, ,,L' O e uv r e" verweist darauf, daß Deutschland bezüglich seiner auf Südtirol und den Anschluß gerichteten Wünsche einer großen Verlockung ausgesetzt sein werde.„M a- tin" faßt seinen Eindruck in dem Titel zusammen „Noch sprechen nicht die Kanonen, ab«r die Diplomaten haben auch nicht viel zu sagen." Dasselbe Blatt erwartet, daß das englische Parlament zu einer vorzeitigen Sitzung znsannnentreten werde, um zu dem italienisch-abessinischen Konflikt Stellung zu nehmen. „Paris Soir" bemerkt, daß, wenn sich Italien auch in Genf für eine militärische Aktion entschließe, dann, müsse es gewärtig sein, daß Sanktionen gegen Italien angewendet werden würden. „T e m p s" befaßt sich in einem„Ein schlechter Tag" betitelten Leitartikel mit dem Kern des ganzen Konfliktes. Es sei nicht gerecht, daß Großbritannien Italien dessen koloniale Expansi onsbestrebungen vorwerfe, da es selbst die größte Kolonialmacht der Welt sei. Der als Verteidigung gegen einen drohenden Krieg ins Leben gerufene Völkerbund, sagt -,Temps" weiter, sei«in Organismus, der hauptsächlich in der gegenwärtigen Situation, nicht geschwächt werden dürfe. Deshalb müsse Frankreich trotz aller seiner Freundschaft zu Italien Rom warnen, damit es durch einen überstürzten Entschluß die Genfer Organisation nicht schädige. (Schluß auf Seit« 2). Der rasche Abbruch der Pariser Konferenz der drei Mächte, die den Vertrag von 1906 über die Interessensphären in Abessinien abgeschlossen haben, braucht niemanden zu überraschen. Die zwei Verhandlungspartner England und Italien, zwischen denen Frankreich in einer leider wenig glücklichen Vermittlerrolle stand, sind mit Ansichten und Forderungen nach Paris gegangen, die von Haus aus unvereinbar waren. Mussolini hat wiederholt erklärt und es durch seine Presse auch während der dreitägigen Konferenz immer wieder versichern lassen, daß er kein Kompromiß sucht, daß er jede halbe Lösm>g— also wirtschaftliche Zugeständnisse und Gebietsabtretungen— ablchnt, daß er vielmehr das ganze Abessinien mit Haut und Haar, Land und Leute, politisch und wirtschaftlich, dem italienischen Kolonialreich einverleiben will. Dazu war England nicht zu haben. Denn wenn England sich mit solcher Lösung abfinden wollte, hätte es der Konferenz nicht bedurft. England ist in Paris bis zum äußersten gegangen. Es hat anscheinend neuertzings eigenes Gebiet als Kom» pensationsobjckt zur Verfügung gestellt, es hat Italien goldene Brücken gebaut und ihm alles geboten, was es vernünftigerweise im Interesse seiner kolonialen Wirtschaft und Sicherheit verlangen könnte. Dennoch war eine Einigung so gut wie ausgeschlossen. Denn Italien will ja eben nicht das„vernünftigerweise"'und aus wirtschaftlichen Erwägungen zu Erstrebende— Italien will einen rein politischen, einen Prestige- E r f o lg, der das fascistische Regime und Mussolinis Nachruhm retten soll. Die glatte Absage Mussolinis an die Pariser Konferenz beweist, wie richtig wir und alle jene Stimmen die Lage beurteilt haben, die sich durch nichts weismachen ließen, daß Italien etwa wirklich Siedlungsland für seine Arbeitslosen, Sicherheit für Erythrea und Konzessionen zur Ausbeutung der Bodenschätze Aethiopiens suche. Es ist eines der schweren grundsätzlichen Mißverständnisse, die zwischen fascistischer und demokratischer Politik bestehen, daß diese mit Wahlen und rationalen Größen rechnet, während der Fascismus sich von Gründen und unwägbaren Elementen leiten läßt. So wenig Hitler Eroberungen machen will, weil er irgendein konkretes Interesse der deutschen Wirtschaft damit befriedigen könnte(das wollen höchstens die Leute, die auf der Linie Schachts operieren), so wenig will Mussolini Abessinien erobern, weil Italien und das italienische Volk zu ihrer Existenz dieses Land brauchen. Mussolini will eine Eroberung machen und zwar eine wirklich große, weithin sichtbare, auf der Landkarte nachweisbare Eroberung. Die Provinz Oga- den einzustecken, den Fleck, der auf der Karte Afrikas das italienische Somaliland darstellt, ein wenig zu erweitern, so daß er um 200 Kilometer tiefer in die Wüste reicht, das lockt Mussolini nicht, d a s ist keine Lösung. Das Kaiserreich Aethiopien einzustecken, mit zweieinhalbmal soviel Fläche, als Italien selbst bedeckt, mit 10 Millionen neuer Untertanen, mit Fürsten, Bischöfen, Negus Negesti und Patriarchen der koptischen Kirche, in Ostafrika die Landkarte so zu verändern, daß jedes Schulkind es sieht, den Italienern ein weiteres Jahrzehnt lang mit schillernden Worten das große römische Reich in Afrika vorzu- zaubern, das auf den Säulen Tripolis und Abessinien ruhend alle Wege durch den Sudan und die Sahara beherrschen, einstmals Aegypten, den Kongo, alles Land zwischen Tschadsee, Mittelmeer und Indischem Ozean umfassen würde, das allein reizt den großen Charlatan und Taschenspieler.' Bisher stand es mit Mussolinis Ruhm blamabel genug. Er hat, wovon die„liberalen" Journalisten ganz Europas brünstig schwännen, ein paar Quadratkilometer Sumpfland bewohnbar gemacht und einige Siedlungen angelegt, die nicht den Bruchteil dessen ausmachen, was eine rote Gemeinde, Wien oder Amsterdam oder die Preußenregierung Braun, an Siedlung geleistet hat,'er.hat die. Via Jmperialis angelegt, aber a'l das nimmt sich neben anderem zeitgenössischem Geschehen, sagen wir neben Stalins erstem Seite 2 DienStag, 20. August 1838 Nr. 193 Schacht und die Radikalen Wachsender Gegensatz— Wird Hitler optieren?— Auf dem Wege zu einem neuen 30. Juni Fünfjahrplan aus tote ein Ameisenhau- fen neben einem Wolkenkratzer. Und vor allem ist eine in ihrem Chauvinismus, in ihrem nationalistischen Ehrgeiz gekitzelte Nation durch derlei Mätzchen nicht zu befriedigen. Mussolini hat hun- dertemale versprochen, ein Diehrer des Reiches zu sein. Er feierte das große Jahr der Erinnerung an Octavianus Augustus, den Schöpfer des römischen Imperiums. Aber tatsächlich hat Mussolini für Italien nichts erobert als Schulden. Und es ist ein auf die Dauer für ihn untragbarer Zustand, daß unter liberalen Politikern, unter der„schwächlichen" Parlamentsherrschaft, datz unter Crispi, Giolitti, Orlando die Kolonien Erythrea, Tripolis, Somali, die neuen Provinzen Tirol und Istrien, Gärz und Gradisca, die Städte Triest, Fiume, Zara, die Inseln vor dem Quarnero und der Dodekanesos gewonnen wurde, unter Mussolini, dem all das zuwenig war, aber nichts, buchstäblich nichts, was auf der Karte zu sehen wäre, was in den Schulbüchern festgehalten werden kann. Dalmatien und Savoyen, Nizza und Korsika, Tunis und Malta sind nicht ohne einen lebensgefährlichen Krieg zu haben. Abessinien ist der Punkt des schwächsten Wider st ands getoesen. Vielleicht nur scheinbar. Was es kostet und ob es nicht Mussolinis Thron sein>vird, der in Gegenrechnung gestellt wird, bleibt abzuwarten. Daß Mussolini nicht im Traum daran dachte, sich mit den Briten als Kaufmann zu einigen, daß die ganze Konferenz für ihn nur Zeitgewinn war, merken langsam sogar die Franzosen. Sie geben jetzt ihren Besorgnissen um die Folgen eines afrikanischen Krieges in Europa bewegten Ausdruck. Dabei ermißt Frankreich noch immer nicht, worauf es ankommt. Daß Mussolini nicht mehr stark genug sein wird, Europa vor Hitler zu schützen, wäre das größte Uebel nicht, höchstens das Ende einer läppischen Illusion. Nur das aber sieht man heute in Frankreich. Wichtiger ist, daß Mussolinis Raubkrieg in Afrika für Hitler eine gar nicht abzumessende moralische Stärkung bedeuten wird. Hitler wird Kolonien fordern— will Frankreich sie ihm dann verweigern?! Hitler wird sich seines Austritts aus dem Völkerbund rühmen, den Bund wie einen toten Hund behandeln— wie will Frankreich seine Schöpfung verteidigen?! Hitler wird der Welt erklären, daß die Mächte, die angeblich wegen der Vergewaltigung Serbiens und Belgiens den Weltkrieg geführt haben, der Vergewaltigung Abessiniens mit Behagen zusehen. Man wird ihm antworten, aber die Antworten werden klägliche Ausreden sein. Und wenn dann Hitler Oesterreichs„Selbstbestimmungsrecht" reklamiert, dann werden den andern weniger Mussolinis Divisionen fehlen, als die Argumente, mit denen sie der Welt weismachen wollen, daß sie für eine Rechtsordnung kämpfen, die niemand, wirklich niemand verletzen dürfe... Laval hat diplomatische Verhandlungen versprochen. Können diese Verhandlungen noch retten, was in Paris verloren ward? Sie können den Frieden noch immer sichern unter einer Voraussetzung: daß England unter vier Augen, von Kabinett zu Kabinett den Trumpf ausspielt» der Mussolinis Karten allesamt sticht und den Lord Eden am Quai d'Orsay noch nicht auf den Tisch legen konnte— dieDrohungderKriegs- erklärung Englands an Italien. Vor ihr allein würde Mussolini weichen. Sie allein kann den Frieden retten oder den werdenden Krieg im ersten Aufflackern ersticken.. Die laufende Krise des Systems, die ihren Ausdruck einerseits in den wüsten Ausschreitungen des Mobs gegen Juden und Katholiken, im Kirchenkrieg der Radikalen und in dem Aufstieg des Poriwgraphen.Streicher zur historischen Figur, andererseits in dem wachsenden Gegendruck der Wirtschaft und der Reichswehr findet, nähert sich ihrem Höhepunkt. Die Entfernung Reichenaus aus dem Reichswehrministerium zeigt, daß die sogenannte„Reaktion" den Gegenstoß bereits vortreibt. Nun hat Schacht, um deffen Person anscheinend der Hauptkampf tobt, in Königsberg anläßlich der Eröffnung der Ostmesse eine Rede gehalten, die in vielen Punkten an die berühmte Marburger RedePapens erinnert, die dem 30. Juni 1834 vorausging. Schacht wandte sich zwar gegen den Klerus und die Juden, aber doch in wesentlich höflicherem Tone, als es das offizielle Deutschland sonst in der jüngsten Zeit getan hat. Er forderte den Klerus auf, der Politik fernzubleiben, die Juden, sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß sie ihre Rolle in Deutschland ausgespielt hätten. Dann aber erklärte Schacht, in Deutschland sei niemandrechtlos. Zu dem Kampf gegen die staatsfeindlichen Mächte sagte er: Aber die Lösung dieser Aufgaben kann nichtungeregelten Einzelaktionen überlassen bleiben, die eine schwere Beunruhigung der Wirtschaft bedeuten und die deshalb auch immer wieder von den staatlichen wie von den Parteiorganen verboten worden sind. Da unsere Wirtschaft auf das engste mit der der Auslandes verflochten ist, so kann es keinem von uns gleichgültig sein, welche Folgen die erwähnten Störungen im In- und Auslande haben. Es ist für die Führung unserer Wirtschaftspolitik unerläßlich, daß das Vertraue» in Deutschland als einen Rechtsstaat«»erschüttert bleibt. Mit deutlicher Spitze gegen die Radikalen wände er sich dann gegen die Geldtheoretiker, die„K u n st st L cke" präsentieren möchten. Sehr schärft nahm Schacht gegen alle Abwertungspläne Stellung. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bericht, den Otto"Strassers „D rutsche Revolution" in ihrer letzten Ausgabe bringt und der besagt: Wie wir aus besonderer Quelle erfahre«, habe« zahlreiche hohe Funktionäre der Hitlerpartei unter Führung der Abteilungsleiter im Braune« HauS eine« Schritt bei Hitler unternommen» der in geradezu ultimativer Form di« Absetzung Schachts forderte. Borausgegangen war dem Schritt eine Sitzung im Braune« Haus, in der eine Fülle von Klage» gegen Schacht erhoben wurde; neben feiner Intervention für Jude« und Freimauer(«»bei di« Entsendung des jüdischen Bankiers Jakob Goldschmidt als Unterhändler des„Dritten Reiches" nach Amerika ein« besondere Rolle spielte!) wnrdr Schacht besonders von den Wirtschaft-- und Sozialreferenten der Partei als„d e r eigentliche Feind des Nationalsozialismus" angeklagt und seine sofortige Absetzung als Voraussetzung der weiteren Aufrechterhaltung der Partridiktatur bezeichnet. Rach Rückkehr von der Unterredung mit Hitler berichtete di« Delegation dem gleichet» Parteigremium i« München, daß Hitler dir Ent- lassungSchachtSfr st zugesagt habe! Die Delegation konnte folgende- von der Haltung und der Taktik Hitler- berichten: Hitler habe Schacht zum Wirtschaft-diktawr auf Befehl der internationale« Hochfinanz machen müssen, dir erklärte, nur unter dieser Bedingung die Stillhalte-Abkommen zu verlängern und auf die Zwangsmaßnahmen des Aoung- Plane» zu verzichte«. Zähneknirschend habe stch Hitler fügen müssen, da der damalig« RüstungSstand Deutschland eine erfolgreich« Ablehnung der au-ländischen Er- prrffung nicht zngelassen hab«.— Deshalb habe Hitler auch die Anmaßungen Schachts und der Kapitalisten solange ertragen müssen, bis di« Ausrüstung beendet sei. Im Urteil der Presse (Schluß von Seite 1) Englische Stimmen Die englischen Blätter nehmen dar Pariser Resultat mit Zurückhaltung auf. Ohne den Ernst der Situation zu verschleiern, sprechen einige Kommentare doch die Hoffnung aus, daß noch nicht das letzte Wort gefallen ist.„Daily H e r a I d" wünscht, daß der Völkerbund mit glücklicher Hand eingreifen möge.„Daily Telegraph" sagt, daß die Tagung des Völkerbundrates sich jetzt noch schwieriger gestalten werde, datz jedoch die Möglichkeit einer Annäherung bestehe.'„Time s" hält es fi'rr optimistisch zu glauben, datz diplomatischen Verhandlungen gelingen werde, war der direkten Fühlungnahme der drei Staatsmänner nicht gelungen ist. Von allen Zeitungen werden aber die Bemühungen Lavals um eine gerechte und uitparteiische Lösung anerkannt. Und die Italiener... In der Sonntagszeitung des halbamtlichen „Giornale d'Jalia"„Voce d'Jtalia" schreibt Gagda u. a., es gebe heute nur noch ein Mittel, um die abessinische Gefahr zu beseitigen, nämlich seine militärische Macht, die sich als für alle bedrohlich herausgestellt habe;" derart niederzuschlagen, datz sie niemehr schaden könne. Italien sei entschlossen, die abessinische Frage ein für allemal zu lösen. Schuschnigg» Propagandamlnhter verletzt Wien. Der Generalsekretär der„Vaterländischen Front", Bundeskommissär Adam erlitt gestern unweit Baden bei einem Unfall, dessen Einzelheiten bisher nicht bekannt sind, durch Glasscherben Schnittwunden am Kopfe und im Gesicht. Ta dies im Herbste der Fall sei, fiele nunmehr die Rücksichtnahme auf da- Ausland weg und Hitler verspreche seinen Parteiführer«, daß Schacht noch tm Herbst diese» JahreS entlassen werde, worauf der langersehnte antikapitalistische Kurs gesteuert werde. Dir laufende Aktion gegen Stahlhelm, Kirche und Frrimaurertum sei bereits der Auftakt des nrnen Kurse- und der Führer bitte alle Fnnkfio- näre» sich noch einige Wochen zu gedulde« und ihm zu vertrauen. Wie vor dem 30. Juni versuchen also die Radikalen, Hitler zu einer Option für sie zu bewegen. Die Reaktion stößt wie damals rücksichtslos zurück. Wird Hitler optieren? Wird er diesmal für die Radikalen oder wieder für das Bankkapitalentscheiden? Das sind die Fragen, die in Deutschland zur Diskussion sichen. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Hitler wieder für Schacht entscheiden und die Radikalen ans Messer liefern wird. Dies um io mehr, als man in wachsendem Maße den Eindruck gewinnt, daß Hitler gar nicht mehr kür die Radikalen optieren könnte, ohne seinen eigenen Kopf zu riskieren, da die Reichswehr heute weit stärker ist als am 30. Juni 1934 und zwischen Reichswehr, Schacht und den Morarchisten ohne Zweifel ein Kampfbündnis besteht. StraBenkämpfe zwischen deutscher Kriegsmarine und SS Königsberg. Hier kam es zu einem erbitterten und blutigen Straßenkampf zwischen Matrosen eine- deutschen Kreuzer-, die in einem jüdischen Geschäft, namenS Lach- manski, in der Junkerstraße, Einkäufe mache« wollten, und S S-Lentrn, die sie daran zu hindern suchten. Die Matrosen bahnten sich mit ihren Fäusten den Weg inö Geschäft und setzte« ihren Willen durch. Die SS holte Verstärkung, worauf auch die Matrosen Verstärkung holten. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen den Matrosen und den SS-Lentrn, bei denen die SS-Leute unterlagen. Besondere Erbitterung rief bei de« Seelänten hervor, als sie in einem Schaukasten, der Photos von Käufern in jüdischen Geschäften enthielt, daS Bild eines Offizier- ihres Schifies entdeckten. Sie zertrümmerten diesen Schankosten. Am nächsten Tage wiederholten sich dir Zusammenstöße, bei denen wieder die SS-Leute den kürzeren zogen.' Zahlreiche Personen wurde« schwer verletzt.— Im übrigen kam es in den letzten Tagen mehrfach in Königsberg zu antisemitischen Exzessen. Jn Jiiirxc O ÄMBKHManHWOBUMV MoSka«. Der Vertreter der Polnischen Telegraphenagentur und Korrespondent der offiziösen „Gazeta Polfla" in Moskau, Jan Otmar, wurde aus Sowjetrutzland ausgewiesen. Ti« Ausweisung erfolgte wegen kritischer Abhandlungen über die Akno» der Komintern in Europa. Tofio. Wie aus Peiping gemeldet wird, hat dachinesische Außenministerium am Samstag bei dek japanischen Botschaft in Nanking gegen das zahlreiche Ueberfliegen japanischer Flugzeuge überTientsin ohne vorherige Bewilligung der chinesischen Behörden offiziellen Protest eingelegt. KI VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot „Monge, Julien Monge. Ich habe Sie schon von weitem erkannt. Nach der Photographie. Ich bin nämlich Physiognomiker, müssen Sie wissen." Sie hatte sich den Mann anders vorgestellt, von einem besseren Empfang geträumt. Seine plumpen Bewegungen und der rauhe Klang seiner Stimme kühlten sie etwas ab. Sie erlebte die erste Enttäuschung. Ein Glück, daß ihre Mutter nahe war! Sie warf sich in ihre Arme und fühlte sich in der weichen Wärme ihres Pelzes geborgen wie in einem Rest. Ein lärmender Dialog ließ sie auffahren. Julien war im Begriff, einen Träger abzuweisen. „Die paar Kleinigkeiten trage ich allein", schnauzte er.„Macht schon Schluß mit der Schnäbelei. Es regnet und es wird sowieso nicht leicht sein, einen Wagen zu kriegen." Der Bahnsteig war schon fast menschenleer. Helene ging, mager und krummrückig, zwischen Julien, der mühelos ihr Gepäck trug, und Irma, die sich hohtitsvoll aufreckte. Sie schielte scheu nach dem reich aufgetakelten Elternpaar. „Haben Sie Ihre Fahrkarte?" fragte Julien. Sie öffnete ihre Handtasche und blätterte, während ihr der Onkel unverwandt auf die Finger sah. nervös in einem Notizbuch. MaminaS Bild, Lauras Bild... Endlich! Die Fahrkarte stak in einem Brief Irmas. Sie traten aus dem Bahnhof. Julien fetzte die Sachen aufs Pflaster.' „Bleib hier stehen. Ich hole ein Auto." Der Vorplatz war wie leergefegt. Hinter dem Gitter sah man den windgepeitschten Boulevard, auf den der Regen niederprasselte. Helene mußte wieder husten. „Drücke dich ganz fest an mich, Kleine", sagte Jvma.„In einem Pelzmantel ist man geborgen. Ich kaufe dir auch einen. Bist du denn deine Erttiltung noch immer nicht los?" „In der Bahn war es so zugig, Mama." Julien sprang von einem Wagen ab, ergriff das Gepäck und schrie: „Einsteigen, Kinder! Setzen Sie sich auf den Klappsitz, Helene. Für mich reicht er nicht aus." „Gern, Onkel." „Nennen Sie mich Julien. Und ich sage du zu Ihnen. Bin kein Freund von Fisimatenten. Deshalb duze ich alle Welt." Jedesmal, wenn ein Lichtschein ins Auto fiel, sah Helene das Gesicht ihrer Mutter mit seiner faltenlosen Stirn, der geraden, ausladenden Nase, den roten, etwas aufgeworfenen Lippen, ein Gesicht, das Ruhe ausdrückte und majestätische Ueber- legenheit. Auch Julien imponierte ihr. Sie konnte ihn nur verstohlen betrachten. Einmal bemerkte er es. Er lächelle, legte ihr seine schwere Hand, an der zwei Ringe glitzerten, auf dit Schulter und fragte sie: „Na, bist du zufrieden?" Jetzt sah sie ihn groß und ohne Scheu an. Nein, Angst brauchte sie vor den gerunzelten Brauen, den schweren Lidern, dem bürstenförmig gestutzten Schnurrbart und den breiten Kinnbacken nicht zu haben. Wenn sie dagegen an die bestialischen Züge Achille Demantes dachte... Nein, mit ihm war Onkel Julien nicht zu vergleichen. Er strotzte vor Kraft, und in der rauhen Stimme, die sie zuerst iiberrascht hatte, lag nicht nur Energie, auch Güte. Mit ihrer Mutter aber verband sie schon eine Sympathie, als wären sie sich nie fern gewesen in all den Jahren. Sie strahlle vor Freude. Und heiser, doch mit einem unverkennbaren Jubellaut, gab sie zur Antwort: „Ja, ich bin sehr, sehr zufrieden." „Und du. Irma? Nun hast du deine Kleine, brauchst sie nie wieder hinzugeben... Du mußt nämlich wissen, deine Mutter kann nicht die geringste Aufregung vertragen. Als der erste Brief von ihrer Schwester kam, dachte ich, sie würde verrückt. Mir hat die Sache übrigens auch keinen kleinen Stoß versetzt. Was, Dicke?" Er beugte sich zärtlich über sie. „Nur immer mit der Ruhe! Ta sind wir ja auch schon zu Haus." Der Wagen hielt vor einer grauen Mietskaserne. Irma stieß die Tür auf, schaltete die Nachtbeleuchtung ein, rief ihren Namen und führte Helene in einen mit Spiegeln und Blattpflanzen dekorierten Flur. Langsam sttegen sie die läuferbelegte Treppe hinauf. Hinter sich hörten sie Schritte, einen keuchenden Atem, dann Juliens Stimme: „Noch zwei Stock höher, Helene. Fünfte Etage." Als sie oben waren, steckte Julien den Schlüssel ins Schloß, öffnete und bemerkte brununend: „Zeit, datz ich ein Sicherheitsschloß anbringen lasse." Helenes Augen wanderten von ihm zur Tür. Neugier und Freude lagen ihr in den Gliedern, aber auch Müdigkeit. Hinter ihrer Mutter trat sie vorsichtig in die Diele, die bläuliches Licht erhellte. „Hier bist du nun zu Hause, mein Kind," sagte Irma.; Sie ging auf einem Wolltephich, in den ihre Füße einsanken, zögernd ins Eßzimmer, das nicht viel geräumiger zu sein schien als das Auto, das sie hergebracht hatte. In einem Spiegel sah sie ihr Gesicht. Es war sehr häßlicki, erhitzt und so verkrampft, daß sie es kaum erkannte. Wie gebannt blieb sie stehen und brachte kein Wort über die Lippen. „Das gefällt dir wohl," fragte Julien. „Schöne Möbel, was? Alles massiv." Ein monumentales Büfett mit geschnitzten Füllungen, eine Anrichte, ein Tisch, sechs Stühle, eine Krone. Der Kamin beladen mit Nippsachen. „Komm nur weiter. Der Salon ist noch feiner." „Laß sie doch erst sich ausziehen," sagte Irma. „Sie soll nur einen Blick hineinwerfen." Er zerrte Helene, die noch nie im Leben ihren Fuß in einen Salon gesetzt hatte, hinter sich her. Offenen Mundes, als hätte sie ein Zauberitab berührt, wackelte sie mit dem Kopfe, wäh- Julien mit ausholenden Gesten ihr den Emp.re- sekretär, den Glasschrank, die Bibliothek, jede« einzelnen Sessel und die an den Wänden prangenden Bilder zeigte. „Darauf warft du nicht gefaßt, was?" .Sie ließ sich in einen Sessel fallen upd strich« zusammenhanglos lallend, mit der Hand über die Sttrn. Irma beugte sich über sie. „Komm, jetzt will ich dir dein Zimmer zeigen." „Vielleicht will sie erst essen," meinte Julie«. „Es gibt ein gebratene» Hühnchen." „Ich habe keinen Hunger," murmelte Helene. „Ich möchte lieber mein Zimmer sehen." Sih gingen hinein. Vorhänge, Tapeten und Diwandecke waren himmelblau. Helene jubelte.. „DaS dachte ich mir. daß es dein Geschmack sein würde," erklärte Irma. Blond und blau paßt zusammen.„Onkel wollte lieber alles in Rot/ „Na ja, das ist Frauensache. Aber das Bett habe ich ausgesucht. Gute Federn! Darin liegst du wie im Himmel. Früher war das hier die Rumpelkammer. Bis ich mich eines Tages mit meinet Schwester dahintergeklemmt habe. In unserer Familie saßt man zu, mußt du wissen. Und nun ist es dein Reich. Wenn du nachts ettvas brauchst- kannst du klopfen. Das ist die Türe zu unserem Zimmer." Er streckte den Kopf vor und hielt ihr die Wange hin. lFortsetzung folgt.) 5fr. 193 Tienst-g, 20. August 1935 Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Periode dem Bezirk Karlsbad sechshu n e- ui nein men vir juucuei fuiiiuiucif wie uivcuw’>... jugcnd und die RW beteiligten. Die Warnsdorfer I Wahlziffer erreichte und mandatslos blieb. Zündkopf enthielt überhaupt lernen Phosphor mehr. Sie brannten nur an der zugehörigen Reib» fläche, die in geringen Mengen den ungiftigen roten Phosphor enthielt. Es waren die weihen Stäbchen, mit dem braunen Kopf, von denen wir nun auch Abschied genommen haben. Die Macht des schwedischen Zündholzkrustes ist vorbei, die unter dem Namen Ivar Kreu- g e r dreiviertel der Weltzündholzerzeugung und dazu noch Goldgruben und andere Unternehmung gen kontrollierte. Diese Macht ist mit Selbstmord und Betrugsenthüllungen zusammengebrochen. Vielleicht ist aber überhaupt auch die Mackit des Zündholzes vorbei, das eininal angebrannt, schon weggeworfen werden muh. Auf seine Stelle wartet schon der Zündstab, das„ewige Zündholz", das diese Arbeit ein paar hundert Mal ausführen kann, ehe es abgebrannt ist. Leider sind die Kapitalinvestitionen in der Zündholzindustrie diesem neuen billigeren Verfahren hinderlich. Man legt bei den Produzenten nicht allzuviel Wert auf den Ausbau dieses neuen Verfahrens, während allerdings der Verbraucher ein entscheidendes Interesse daran hätte. Diese Zündstäbe wären nicht mehr aus Holz, sondern aus einem Produkt der Weiterverarbeitung, aus Zellulose. Diese Zellulose wird schwach nitriert und in dem Brei werden dann die heute gebräuchlichen Zündmassen gleichinähig, aber in kleinerer Menge verteilt. Dazu kommen dann noch Zusätze, die die Brebrennung weiter verlangsamen. Daraus werden dann Stäbe gepretzt, die an den Reibflächen entzündet, aber immer wieder ausgeblasen werden können. Ein einziger solcher Zündstab leistet uns dann die gleichen Dienste, wie eine ganze Schachtel unserer heutigen Streichhölzer. Kurt Doberer. derttausend Kronen zugeteilt wurden. Das ist die überhaupt h ö ch st e Quote, die je ein Bezirk erhielt. Und diese Erhöhung— das letzte Mal betrug die Quote für dem Bezirk Karlsbad 450.000 Kronen— ist den Bemühungen unsere Partei zu danken. Betriebsausschuhwahl. In der staatlichen Munitionsfabrik in Povazskä Bystrica(Slowakei) fanden Betriebsausschuhwahlen statt, wobei die tschechischen Sozialdemokraten und die Nationalsozialisten je drei, die tschechischen Christlich sozialen zwei Mandate erhielten. Die Agrarier hatten eine eigene Liste ausgestellt, welche jedoch nicht dir wenn ich wache, daß damit wir von Japaner sollte Kulturtas Im nordböhmischen Niederland Einem richtigen„antimarxistischen" Sauwetter zum Trotz wurde der Kulturtag, zu dem die Partei am 17. und 18. August ihre Mitglieder und Anhänger aus dem nordböhmischen Niederland nach Schlückenau gerufen hatte, eine wahrhaft gelvaltige und eindrucksvolle Kundgebung. Von überall her waren die Genossen und Genossinnen, keine Strapazen scheuend, zu Fuh, per Rad und in Wagen gekommen, um dem Ruf der Partei zu folgen. Als Samstag der Aufmarsch der Teilnehmer in das Karlthal, wo die Bunde s f e i e r stattfinden sollte, vollendet war, erhob sich ein furchtbares Gewitter mit strömendem Regen, so datz die Abhaltung der Feier im Freien ausgeschlossen war. Sie muhte in das Gasthaus Adler verlegt werden, wo sie nach einer Begrü- hungsansprache des Genossen W e ih b a ch und unter Mitwirkung der RW einen ausgezeichneten Verlauf nahm, obwohl die Räume die Teilnehmer kaum fassen konnten. Dann fanden die grohen Schauübungen statt, an denen sich nebst den Turnern und Turnerinnen die Arbeitersamariter, die Arbeiter» Deutschlands Pläne für den Fall des österreichischen Anschlusses Der„VIII. Gau Deutschlands“ soll verpreußt werden Wien. Der„Tag" veröffentlichte Sonntag den Inhalt eines Dokuments, das in den hohen Aemtcrn des Dritten Reiches kursiere und das Programm Deutschlands Oesterreich gegenüber enthält. Das Dokument stammt aus der neuesten Zeit und bezeichnet Oe st erreich als VIII. GauDeutschlands, der in Wien einen dem deutschen Reichskanzler unterstehenden Reichs st atthalter haben werde. Dieser Statthalter könne nur ein Reichsdeutscher sein. Die derzeitigen österreichischen Ministerien würden aufgehoben, die Beamten entlassen oder pensioniert werden. Anstelle der bisherigen Ministerien würden Gau-, Finanz-, Handels- und Schulbehörden etc. treten, die der Berliner Zentrale unterstehen würden. Leiter dieser Gaubehörden könnten nur Beamtemitpreuhischer Beamtenpraxis sein. Die Landesregierungen und die Landtage würden aufgehoben und durch Landesverweser erseht werden. Die Bürgermeister und die Gemeindevertretungen würden suspendiert und die neuen Bürgermeister vom Reichskanzler ernannt werden, l Für ein Außenhandels-Ministerium Das„Prävo Lidu" setzt sich in seinem Sonntagsblatt für einen Vorschlag ein, den der Vorstand der wissenschaftlichen Abteilung des Exportinstitutes P i st o r i u s gemacht hat und der dahin geht, dah alle handelspolitische Agenda, die heute zwischen dem Auhenministerium, dem Handelsministerium und einer Reihe anderer öffentlich-rechtlicher Institutionen aufgeteilt ist, in einem Auhenhandelsministerium vereinigt werde. Das Handelsmnisterium entwickelt sich immer mehr in ein Gewerbeministerium und das Auhenministerium ist zu viel mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, als dah es die nötige Initiative in der Auhenhandelspolitik entfalten könnte. Die seinerzeitige Liquidierung des Auhen- handelSamtes war ein Fehler. DaS Exportinstitut ist ein berheihungsvoller Anfang, um in st>er Handelspolitik initiativ vorzugehen, aber es genügt nicht. Man braucht eine politische Institution, es ist also ein Auhenhandelsministerium notwendig. Arbeltslosen- Demonitratlonen in Fischern Am Freitag kam es vor dem Bürgermeisteramte in Fischern zu Krawallen, bei denen ganz affcnkundig einige Henleinleute ihre Hand 'M Spiele hatten. Schon tags vorher war bekannt geworden, dah eine Aktion im Gange sei, die Arbeitslosen zu veranlassen, die LebenSmittelzuwei« lungen nicht anzunehmen, und tatsächlich wurde am Freitag in diesem Sinne auf die Arbeitslosen eingewirkt. Es bildeten sich bald grohe Ansammlungen im Bürgermeisteramte und auf der Ter- rasse vor dem Gebäude. Schmährufe wurden laut, einige Frauen kamen untereinander in Streit und bielfach wurde das Verlangen geäuhert, zur Bezirksbehörde zu ziehen. Den Polizeiorganen gelang es, die Menge zum Verlassen des Platzes zu bewegen, ohne dah es Widerstand gegeben hätte. Aegierungskommiffär Dr. N a a f f lieh zwei Mauen und zwei^MänstSr bestimmen, mit"denen sich zur Bezirksbehörde begab, um dort eine Erhöhung der Zuweisung zu verlangen, k Samstag vormittags wurde von einigen venleinleuten neuerdings versucht, die zur Karstnausgabe erschienenen Arbeitslosen aufzuput- schen, die Karten nicht zu nehmen. Wieder schritt bst Polizei ein, die ohne Gewaltanwendung die «enge, aus der lebhafte Pfui-Rufe laut wurden, zerstreute. Dr. Naaff hat bei seiner Borsprache auf der Bezirksbehörde erklärt, dah er vonseinem * m t e zurücktrete, da er nicht in der Lage sch, es Unter solchen Umständen weiter auszuüben. Es besteht kein Zweifel darüber, dah diese Krawalle von SHF-Leuten ins Werk gesetz» stnrden, die auf diese Weise sich in der Fischerner stiemeindepolitik in Szene setzen wollen. Und angesichts dieser Tatsache muh erst recht fest» Mellt werden, dah für die mit gestern begonnene Brüxer Arbeitertag Der Bezirks-Turn- und Arbeitertag in Brüx vereinte am Samstag und Sonntag Hunderte Genossinnen und Genossen bei Sport, Gesang, Spiel und Musik. Die Abendfeier am Sportplatz zeigte beim Scheine roter Lampions die Turner, die Turnerinnen, Sänger und Musiker, deren Darbietungen mit grohem Beifall ausgenommen wurden. Sonntag vormittag fanden di« Wettkämpfe des Turnbezirkes statt. Gegen 1 Uhr formierte sich vor dem Bergarbeiterhause ein stattlicher Festzug, desien buntes, farbenprächtiges Bild überall große Bewunderung auslöste. Zuerst fuhren unsere Radfahrer, dann kamen die Jugendlichen mit ihrem Spiclmannszug, anschließend die gut formierten Abteilungen der Republikanischen Wehr. An sie schloh sich eine Abordnung unserer tschechischen Bruderpartei mit der DT2 an, worauf ein langer Zug unserer Turnerinnen und Turner mir Fahnen und Musik sich anreihte. Den Abschluß bildeten die Vertreter aus den Lokalorganisationen und eine Gruppe der Kinder. Am Festplatz sprach nach den Begrühungs- ivorten des Genoffen Lang, Senator Genoffe Dr. Heller unter stürmischer Zustimmung der Massenversammlung, worauf die Freiübungen der Turnerinnen und Turner, die Gesangsvorträgc, das Konzert und verschiedene Belustigungen ungefähr 1500 Menschen einige Stunden fröhlich und gesellig vereinte. Auch dieses Fest war ein Tag der S a m m l u n g, ein A p p e l l zu neuer Arbeit, an die wir gestärkt und entflammt Herangehen in dem Bewußtsein, dah nur geschlossene, begeisterte und arbeitsfreudige Kaders unserer Bewegung diese schweren Zeiten durchbrechen und dem grohen Ziele zustreben können. Vom Schwefelhölzchen rum ewigen Zündholz Werfe jeder noch einen Blick des Abschieds °uf seine Schachtel Zündhölzer mit den schoko- stdebrauncn Köpfen. Diese dunklen Köpfe auf strihen Stäbchen, die uns so lange treu gedient haben, sind nun auf den Aussterbeetat gesetzt. Nur "st alten Vorräte werden noch aufgebraucht. In den S o l o- Fabriken aber klettern aus den "ädern schon unsere neuen bunten Diener mit eisten oder grünen Schäften und gelben Köpfen. 2ie haben sich mit dem Farbcnwechsel zugleich einige entscheidende Fehler abgewöhnt. M Dadurch, dah die alten Hölzchen nach dem »lttblasen und Wegioerfen oft noch weiter glimm» stn, daß von ihren Köpfen manchmal ein glühendes Stück absprang, ivurde viel Unheil angerich- stt. Mancher Waldbrand, manches Schadenfeuer ist auf die Unvorsichtigkeit von Menschen, aber auch auf die Unvollkommenheit unserer Streichhölzchen zurückzuführen gewesen. Die neuen bun- stn Hölzer sind nun durch ein besonderes Berühren imprägnier t, worden, so dah sie nicht mehr Nachglühen, wenn sie einmal ausge- dlasen sind. Auch werden keine Funken mehr von Hnen abspringen. Dah mit diesen grohen Feh» lern auch zugleich ein kleinerer mit ausgebesiert stird, ist erfreulich. Bei den weihen Hölzern und den braunen Köpfen war ein abgebrannter Kopf kaum von einem unverbrannten zu unterscheiden. Bei der neuen Farbenzusammenstellung gelb und wt oder gelb und grün, fällt ein schwarzge- drannter Kopf sofort auf. Es ist intereffant, dah die Einführung dieser Entscheidenden Verbesserung am einhun- „Es ist heute klar: Imperialismus araeu die der gegebenen Situation Angriffskrieg Neuaufteilung der Welt zur Vernichtung der Selbständigkeit der tschechischen Ration, ein Krieg, der alle Rationen der Tschechoslowakei der faseisti- schen Diktatur unterorimen soll. Dir Verteidigung der Tschechoslowakei gegen den HitlrrimperialismnS wäre m der gegebenen Situation rin gerechter Krieg, ei» Verteidigungskrieg, der an der Seite der Sowjetunion gegen dir Haupwertreter der faseistischen Konterrevolution geführt wird.“ Man wird sich diese durchaus vernünftig klingenden Worte des Abq. Sverma gut merken und sie endgültig danach beurteilen, welche Politik der Tat ihnen folgen wird.— Im Gegensatz zu diesen realpolitischen Feststellungen steht die nebelhafte und in der gegenlvärtigen politischen Situa» tio» stark illusionistische Forderung nacki der„E r» richiung einer antifascistischen Volköwebr", die sich Sverma als irgendeine nur sehr unklar umriffene„Wehrorganisation aller proletarischen und fortschrittlichen Schichten" vorstellt. Soll diese Forderung, etwa nur die Brücke bilden, auf der sich Svermas Partei gegebenenfalls von ihren eben erst verkündeten Grundsätzen zurückzsthcn kann?... Zum Narren gehalten Es ist noch gar nicht so lange her, daß der Herr Hilgenreiner die große Kanone der Christ- lichsozialcn war und in allen grohen Wählerversammlungen seiner Partei die nationale Trommel geschlagen hat, weil er glaubte, in dem Rennen mit Henlein, so am besten bestehen zu können. Daran erinnert in ihrer Sonntagsfolge die „Deutsche Landpost". Sie schreibt: .„Wir hatten in den letzten Monaten zu Wiederholtenmalen Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie nahe und wie parallel die Politik Hilgenrei- ners und seines journalistischen Sprachrohrs, der „Deutschen Presse", mit der Hcnleinschen ideologischen Konzeption läuft. Henlein und Hilgenreincr sind durch die gemeinsame, lvenn auch mit taktischem Geschick etwas verschiedenartig vorgetragenen Totalitätsideologie innerlich zweifellos sehr stark verwandt. Zudem hat ja die Praxis des letzten Wahlkampfes eklatant gezeigt, daß die wechselseitige Respektierung der ideologisch gemeinsamen Linie Henle n—H ilgenrei- ner eine ausgemachte Sache ist, dir im Wahlkampf einem Nichtangriffspakt— ob vereinbart oder nicht— gleichsam." Der Nichtangriffspakt hat der Partei des Herrn Hilgenreiner nichts genützt. Die„Landpost" glaubt zwar einen steigenden Einfluß des„demokratischen" Flügels der Christlichsozialen und eine sanfte Abkehr dieser Partei von der Bewunderung des Dritten Reiches feststellen zu können— ob die„Besserung" der Christlichen aber dauernd seist wird, ist die Frage. Die„Deutsche Presse" veröffentlicht zwar— ebenfalls am Sonntag— die Aeuherung eines reichsdeut'chen Prälaten: „Die Nationalsozialisten haben uns Katholiken zum Narren gehalten. Um den staatlichen Machtapparat in die Hände zu bekommen, haben sie den Katholikon Wohlwollen und Schutz iw resigiösen Bereich feierlich zugesagt und in ihrer Treuherzigkeit haben die Katholiken den schmeichelnden Versprechen geglaubt." — aber daß der Henlein den Hilgenreiner zum Narren gehalten hat, zu dieser Erkenntnis sind die Christlichsozialen noch nicht gelangt. Vie Flüsterpropaganda Was alles Uber BeneS erzählt wird In der südböhmischen Gemeinde R e p_ 's chin bei Prachatitz scheint der Henleintvahn die Bauern um den Rest ihres politischen Verstandes gebracht zu haben. Die„Zukunft" reproduziert unter Namensnennung des Erzählers nachstehende Aussprüche eines dieser Henlein-Bauern: „Die Demokratie hat uns zugrunde gerichtet. Auf jeden Kopf der Bevölkerung haben wir 40.000 KJ Schulden. Die hohen Herren schmuggeln ihr Geld inS Ausland. D i e T o ch- ter des Außen mini st erS Benes wolltemittelSFlugzeug etliche Millionen»n die Schweiz schmuggeln. Sie verirrte sich jedoch auf reichsdeutschem Gebiet und wurde dort mit elektrischen Strahlen heruntergeholt. Das Geld wurde beschlagnahmt und für Schneeschanfeln verwendet. Mein Wunsch wäre, eines Morgens er reichsdeutsches Militär hier ist, den Tschechen los wären. Der näher bei Hitler sein.“ Solche verrückte Anschauungen können nicht einmal auf dem Mist des dümmsten Bauern wachsen. Sie sind ihm natürlich durch die bekannte Flüsterpropaganda eingetrichtert worden, die in der Erziehung zum politischen Jdiotentmn ihre einzige Aufgabe erblickt. Verteidigung der Tschechoslowakei— ein gerechter Krieg Abg. Sverma über die Stellung der KP zur Landesverteidigung Auf dem Weltkongreß der Dritten Internationale in Moskau sprach der tschechoslowakische kommunistische Abgeordnete Sverma über die Stellung seiner Partei zur Landes- v e r t e i d i g u ng. Er muhte zugeben, daß seine Partei gezwungen ist, ihre Einstellung zu dieser Frage(wie sie es— wenigstens in den Reden ihrer Führer— auch in den meisten anderen Fragen getan hat) zu ä n d e r st. Die Kommunisten erkennen heute, führte er aus, dah die Tschechoslowakei ein Bestandteil der Friedensfront ist, in welcher auch die Sowjetunion steht. Die Selbständigkeit der Tschechoslowakei werde durch die imperialistischenZiele des Dritten Reiches bedroht. Hand in Hand mit diesen imperialistischen Zielen des HitlerrcichcS arbeite die im Henleilager stehen de Sudetenbourgeoisie, welche einen offenen irredentistischen Kampf gegen die gegenwärtige Außenpolitik des Landes führt. Die Kommunisten hätten erkannt, daß in der Tschechoslowakei der Kampf um die Erhaltung des Friedens ein wesentlicher Bestandteil des Kampfes gegen die fascistische Reaktion sei und es sei deshalb notwendig, dil Masten des werktätigen Volkes für diesen Kampf zu mobili» sieren. Wörtlich erklärte Sverma: der Angriff des Hitler- Tschechoslowakei kam» in nur ein imperialistischer fein, ein Krieg um die Turneriimen zeigten Stabübungen und Kampf-, spiele, die Schönlindner Turner»md Turnerinnen Gemeinschaftsspiele, die ungeheurer» Beifall fanden. Außerdem führten die Warnsdorfer Turnerinnen einen Bauerntanz und ein ausgezeichnetes Gruppenbild vor. Mit Rezitationen und Chorvorträgen des Arbeitersängerbundes Schluk- kenau schloffen die Vorführungen. Sonntag um 11 Uhr zog ein imposanter Demonstrationsmarsch der Teilnehmer des Kulturtages durch die Straßen von Schluckenau. Auf dem Festplatz wurden wieder zahlreiche gelungene Schauübungen vorgsführt. Genoffe ReyzI hielt die Eröffnungsansprache. Die ausgezeichnete Stimmung der Kundgebung hielt auch bei den Nachmittagsfeiern an. Im Anschluß daran nahm Genoffe Kunig-Aussig einen A p- p e l l der Turner vor. !dertzehnten Geburtstag des Streichholzes geschieht. Vor einhundertzehn Jahren, um 1825, soll der Engländer Coo- p e r die Erfindung der Streichhölzer gemacht haben. Ihre fabrikmäßige Herstellung begann jedoch erst nach 1830. Zwanzig Jahre später wurdest jedoch in B ö h m e n jährlich schon über drei Millionen Kisten Zündhölzer, jede Kiste zu fünftausend Stück, erzeugt. In zehn Fabriken waren rund zehntausend Arbeiter beschäftigt. Diese Zündhölzer wurden damals bis zur halben Holzlänge in flüffigen Schwefel getaucht und mit einem Zündkopf versehen, der den sehr giftigen gelben Phosphor enthielt. Außer den vielen Unglücksfällen, die dadurch entstanden, daß solche Schwefelhölzchen in die Hand spielender Kinder kamen, war in den ärmeren Schichten der Bevölkerung der Selbstmord mit Zündholzköpfchen weit verbreitet. Dazu waren sie noch, weil sie an jeder beliebigen Reibfläche entzündet werden konnten und nicht einmal in Schachteln verkauft und verwendet wurden, allzu feuergefährlich. Zündhölzer, die alle diese Nachteile nicht hatten, wurden schon 1848 von dem Frankfurter Profeffor B ö t t g e r erfunden. Das Verfahre»» wurde nach Schweden verkauft und man nannte in der Folge, die dort hergestellten Sicherheitszündhölzer einfach Schwedenhölzer. Diese Schwedenhölzer drängten langsam die alte»» giftigen Schwefelhölzer zurück. Als aber in den Jahren nach 1905 in den Kulturstaaten das giftige Schwefclholz überhaupt verboten wurde— in Böhmen geschah das 1808— war die Führung Schwedens in der Zündholzerzeugung gesichert. Diese Zünhölzchen waren nun nicht mehr in Schwefel, sondern mit Paraffin getränkt. Ihrs Seite l DienStag, 20. August 1935 Nr. 193 Ak WM l«l MWWilUsAii SMw 60.000 Mann bei den Schlußübungen geschütze gegen dieTanks zum direkten Schuh zu bringen. Das ergibt effektvolle Manöverbilder, die an den verlustreichen Be- Senica(Eigenbericht). An den militärischen Echluhübungen dÄ Armee im Raume nördlich M y a v a an der mährisch-slowakischen Grenze, die seit Montag nachmittags im Gange sind, nehmen 60.000 Mann aller Waffengattungen teil. Es sind demnach die gröhten Manöver, die bisher in der Tschechoslowakei stattgefunden haben. Die Uebungen leitet der Generalstabschef der Arme«, Armeegeneral K r e j L i persönlich. Die beiderseitigen Armeen, die „blaue" auf mährischer, die„rote" auf slowakischer Seite führen die Landesmilitärkommandanten Armecgeneral Vojcechovskh(Stabschef Oberst F a s f a t i) und Div.-General V o t r u b a (Stabschef Brig.-General Kun es). Als Manövergelände wurde wie General Krejöi in einer kurzen Besprechung gegenüber den Pressevertretern ausführte, absichtlich ein stark hügeliges und unübersichtliches Terrain mit verhältnismäßig wenigen Kommunikationen gewählt, so dah sowohl an die Kommandanten als auch an die Mannschaft ziemlich hohe Anforderungen gestellt werden. Wer Sieger oder Besiegter sein wird, ist unwesentlich und liehe sich mit einiger Wahrscheinlichkeit nur nach genauer Ueberprüfung aller von den einzelnen Kommandanten von der kleinsten bis zur gröhten Formation getroffenen Anordnungen feststellen. Der eigentliche Zweck der Manöver liegt, wie General Krejöi ausführte, darin, das Zusammenspiel der Kommando- stellen von der niedrigsten Einheit bis hinaus zum Armeekommando in der Praxis zu erproben und ebenso alle Verbindungsmittel zu überprüfen.• Im Laufe der Manöver soll unter anderen, soweit der Friedensstand das gestattet, die Verschiebung und Konzentration einer ganzen Division per Eisenbahn durchgeführt werden. Auch die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden und der Bevölkerung soll wie im Ernstfall durchgeführt werden. Demgemäh sind auch in ziemlich ausgedehntem Matze requirierte Autos und Fuhrwerke eingereiht worden. Im Gegensatz zu den früheren Gepflogenheiten, genaue Dispositionen über die Ausgangsstellungen der beiden Parteien zu erlassen, wurden Heuer die Dispositionen von der Manöverleitung auf das geringstmögliche Matz beschränkt. Die beiderseitigen Kommandanten, die wirklich über Armeen, Nämlich über einige Divisionen, verfügen, wußten über den Gegner nur, dah er irgendwo im Unbekannten stecke und vor ihnen stehe. Die Ausgangssituation war nicht für beide Armeen gleich. Das entspricht etwa der Situation, vor die sich ein Armeekommando vielleicht noch vor der formellen Kriegserklärung im Falle plötzlicher Ile Verfälle durch starke, motorisierte feindliche Kräfte gestellt sieht. Neu war außerdem, daß die Uebungen bei beträchtlich verkürzter Ausgangsposition der beiderseitigen Haupttruppen begannen. Während diese früher ungefähr.60 bis 80 Kilometer voneinander entfernt, waren, kamen.die Armeekommandanten Sonntag nachmittags, als um 13 Uhr die Fliegerausklärung einsetzte, darauf, daß sie einander bloß auf 20 bis 30 Kilometer gegenübergestellt waren. Dar hindert die Kommandanten selbstverständlich, durch ausgiebige Fernaufklärung genaue Daten über den Gegner einzuholen, und sie wurden augenblicklich auf Grund sehr unsicherer Nachrichten vor ihre Entscheidung gestellt. Die Fliegeraufklärung am Sonntag nachmit- kags lieferte nur ein ziemlich oberflächliches Bild ter beiderseitigen gegnerischen Aufmarsch-Verhältnisse. Daher wurden sofort nach Beginn der allgemeinen Feindseligkeiten Montag früh um 6 Uhr die Auftlärnngstruppen mit aller Kraft nach vorn geworfen. Im Vorjahr war durch verfrühte ZeitungS- meldungen, daß dieser oder jener Kommandant da oder dort diese und diese Division habe vor sich defilieren lassen, die Aufklärung sehr erleichtert. Die Meldungen über die fehlenden feindlichen Divisionen konnten die beiderseitigen Stäbe aus den Prager Frühblättern lesen. Von der Press« wird darum diesmal nachdrücklichst verlangt, keine wie immer gearteten, näheren Angaben über Truppen-Dislozierungen sowie über taktische Erwägungen zu veröffentlichen, bevor sich nicht die Manöverleitung überzeugt hat, datz die Stäbe sich die Nachrichten durch eigene Aufklärung verschafft haben. Tie Aufklärungstruppen bestehen aus Kavallerie, Radfahrern, aber auch aus leichten Tanks. Noch Montag vormittags gerieten ohne die sonst üblichen Vorpostengefechte nördlich von Myava die Aufklärungstruppen hart aneinander. Die Kämpfe entwickeln sich in einer Gesamtfrontbreite von 60 bis 80 Kilometern, was eine Uebersicht sehr erschwert. Die Manöverleitung meldet, dah sich um 14 Uhr, nach dem Eingreifen der beiderseitigen Hauptkräfte, bereits eine Front gebildet habe und dah sich an einzelnen Punkten heftige Kämpfe abspielen. Die Berichterstatter können von dem ihnen zugewiesenen Sitz in Senica aus das Kampfgelände nur nach langer Autobusfahrt erreichen und müssen sich daher im allgemeinen auf Beobachtungen von Details beschränken.-Von diesen war ein Tank- angriff der Blauen Wohl das interessanteste. Die Infanterie ist den unheimlich schnellen und beweglichen Tanks gegenüber ziemlich machtlos, da den gepanzerten Riesen mit Maschinengewehrfeuer kaum beizukommen ist. Da für Artillerie-Sperrfeuer im Bewegungskrieg die nötige Munition nicht herbeigeschafft werden kann und eine indirekte Beschießung Wenig Erfolg verspricht, versucht man Gebirgswegungskneg der ersten Monate des Weltkrieges erinnern. Jedem, der den Stellungskrieg der späteren Jahre des Weltkrieges mitgemacht und noch in Erinnerung hat, mutz dieses Gefechtsbild freilich ganz unwahrscheinlich vorkommen. Das Wetter ist den Uebungen ungewöhnlich günstig. Die Temperatur ist bei Heller Sonne erträg- lich. Die Truppen haben zum Teil schon sehr erheb- K r e m s i e r. Sonntag nachts ereignete sich im Militärwachtzimmer des 2. Genieregimentrs in Kremsier unweit von Bajan ein M o r d, den der auf Posten stehende 21jährigc Soldat Hugo Zech dieses Regimentes, an seinem Wachkommandanten, dem Aspiranten Alois Kabrt, beging. Kurz vor Mitternacht fiel ein Schuß, der den im Zimmer sitzenden Aspiranten Kabrt zu Bodrnstrcckte. Der Militärarzt konnte nur mehr| 3agmeuigfceiten Doppelmord aus Eifersucht Prag. In M o d r a n n bei Prag verletzte gestern früh um 3 Uhr der 30jährige Gemüsehändler Anton K d o l s k h den gleichaltrigen Gemüsehändler Staniflav Stipänek und den Arbeiter Karl Stupka durch Messerstiche so schwer, daß Stkpynek auf der Stelle to t zu Boden sank. Stupka, der ins Krankenhaus gebracht wurde, ringt mit dem Tode. Zu der Tat, deren Ursache in E i f e r s« ch t zu suchen ist, kam es bei der sogenannten„Kapliäka" auf der Straße nach Libus. Kdolfkh lauerte dem Sikpänek, welcher sich mit feiner Frau und Stupka, der bei ihnen übernachten sollte, auf dem Heimwege befand, auf. Der Täter wnrde von der Gendarmerie verhaftet und in das Kreisgericht Zbraslav gebracht. Nazi-Propaganda mit Lebkuchen Linz. In Gmunden wurde eine geheime! Nationalsozialistische Sturmabteilung ausgeforscht.' Es wurden mehrere Personen verhaftet. In Laakirchen wurden mehrere Nationalsozialisten verhaftet, welche in der Weise demonstrierten, daß sie Lebzeltherzen mit nationalsozialistischen Aufschriften oder Losungen verkauften oder verteilten. In einigen anderen Gemeinden Oberösterreichs wurden Nationalsozialisten wegen Sabö- tierung des Fremdenverkehres verhaftet. Mord am eigenen Kind— als Versicherungsschwindel Wien. In Altcnmarkt bei Hollabrunn brannte vor kurzem ein Güt nieder. An der Brandstätte wurden die Leichen der fünfjährigen Tochter des Gutspächters Alois Fürst und der 5jährigen Töchter,' des benachbarten Landwirtes Föderier aufgefunden. Anfangs war man der Ansicht, daß die Kinder mit Zündhölzchen gespielt und den Brand. verursacht hätten. Nun wurde aber festgestellt, daß der Gutspächter Alöis Fürst d' e beiden Kinder ermordet und das Gut angezündet hatte, um die Versicherungsgesellschaft zu hintergehen, wobei er es darauf abgesehen hatte, die Kinder als die Anstifter des Brandes hinzustellen. Fürst wurde verhaftet und gestand, die beiden Kinder ermordet zu haben, um seine Schuld an der Brandlegung zu verwischen. Et« Borfichttger Buenos AirrS. Der argentinische Minister für auswärtige Angelegenheiten Carlos Saavedra Lamas lehnte am Sonntag die Einladung ab, in der September-Session der Völkerbundversammlung den Vorsitz zu übernehmen und begründete dies mit„unaufschiebbaren Verpflichtungen in seinem Lande". Die neue Trrrorwelle im Dritten Reich hat das Weltgewissen wieder erweckt. Auf der Tagung siir akademische Freiheit zu Oxford hat soeben Professor Lascelle Abercrom- b i e besonders auf jene Lehrkräfte in den Fascis- musländern hingewiesen, die vor Aushungerung oder Ermordung sich dadurch zu retten suchen, daß sie gegen Wissen und Ueberzengung sich in den Dienst der befohlenen Jugenderziehung zu Unduldsamkeit und unkritischem Kadavergehorsam gestellt haben. Professor Norman Bentwich berichtete, datz die Naziherrschaft rund 1200 Professoren und Lehxer um Stellung und Existenz, wenn nicht um Freiheit und Leben gebracht hat. Man beschloß, das Britische Hilfs- k o m i t e e f ü rde utscheLehrer auf- rechtznerhalten und seine Tätigkeit auf andere Länder von gleichem Tiefstand auszudehnen. liche Marschleistungen hinter sich.(Artillerietrains bis 45 Kilometer.) Tas Pressequartier ist in Senica weit bom Schuß und da Exkursionen ins Gelände nur unter Führung und im Autobus möglich sind, ist es schwer, direkte Informationen über Leiden und Freuden der eingesetzten Truppe zu erhalten. Um so mehr hat die Manöverleitung die Pflicht, genaueDaten über-den Gesundheitszustand und das Befinden der Truppe auszugeben und nicht etwa Hausnummern, wie es früher auch schon vorgekommen sein soll. Montag vormittags waren auf dem Beobachtungsstand der Manöverleitung einige Mitglieder der Sowjetmission und der jugoslawische General Stcfanoviö sowie ein rumänischer Gast zu sehen. den Tod konstatieren, da das Projektil durch das Gehirn gedrungen war. Die Soldaten, die im Zimmer mit anwesend waren, erspähten den Soldaten Zech, der mit dem Gewehr in der Hand, in den nahen Wald floh. Montag früh um acht Uhr wurde er dort erschossen im Dickicht aufge- funden. Das Motiv des Mordes bildete die erbitterte Feindschaft zwischen dem Soldaten Zech und seinem Zugsführer. Todesopfer der Motorraserei. Montag nachmittags kam es bei Leitmeritz zu einem schweren Motorradunfall, bei dem der Steuerexekutor des Wegstädtler Bezirksgerichtes Josef K l o u c e k tödlich verunglückte. Knapp vor Molschen kam dem Motorrade Klouceks ein Lastauto entgegen. Klouöck fuhr mit voller Geschwindigkeit direkt in den Lastwagen hinein, obwohl dieser vorschriftsmäßig auf der linken Straßenseite fuhr. Der Zusammenprall war furchtbar. Der Kopf des Motorradfahrers würde vollständig zertrümmert, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Das Unglück ist offenbar dem Umstande zuzuschreiben, daß Kloucek das Motorrad erst eine Woche lang besaß und mit der Lenkung noch wenig vertraut war.— Der Wiener Polizist Karl Wunderer fuhr Sonntag mit seiner Frau auf einem Motorrad von Klein-Wehdorf nach Ziersdorf auf dem Marchfeld. Infolge eines Motordefektes fiel er und seine Frau auf das Pflaster. In diesem Augenblick fuhr ein Lastauto vorbei und trennte der Frau des Polizisten den Kopf vom Rumpfe. Wunderer selbst wurde schwer verletzt. In glühender Schlacke lebend verbrannt. In Mähr.-Ostrau übernachten trotz des strengen Verbotes in kühlen Nächten häufig Landstreicher auf den an der Ostravica gelegenen Schlackenhalden, aus. welche'die''glühende'Hochofenschlacke aus. den Witkowitzer Eisenwerken entleert wird. Gestern morgens, als wieder die Arbeiter glühende Hochofenschlacke-entleerten, spürten sie den üblen Geruch verbrannten Fleisches und fanden beim Nachsehen einen verkohlten m e n s ch l i ch e n K ö r p e r. Später wurde festgestellt, daß der Unglückliche der 65jährige Landstreicher Anton Prokop war. Ein Mörder richtet sich selbst. In der Gemeinde Törökszentmiklös wurde die 26jährige Rosa Nyitrai und ihr vierjähriges Söhnchen in bestialischer Weise ermordet aufgefunden. Der Körper der jungen Frau und des Kindes waren durch Stichwunden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Gendarmerie verdächtigte den ehemaligen Geliebten der Nyitrai der Tat. Wenige Stunden später warf sich dieser vor den Budapester Schnellzug und wurde auf der Stelle getötet. Er schützt seinen Mörder. In Jglau ist der 19jährige Schlosser B. Homolta unter verdächtigen Umständen gestorben. Er hatte ein^ eiternde, blutunterlaufene Stelle an der Stirn und eine Gehirnhautentzündung. Er gab zwar an, sich die Verletzungen durch das Anstoßen an einen Türrahmen zugezogen zu haben, doch führten die Ermittlungen zu dem Ergebnis, daß seine Angaben nicht richtig sind. Die Verletzungen brachte ihm der 22jährige Soldat L. Dvoräcek aus Mokrä bei Brünn bei, der ihm bei einer Rauferei mit einem Ebonitring den Schädel einschlug. Dvoräcek wurde verhaftet. Schiffskatastrophr im Rebel. Infolge des äußerst dichten und undurchdringlichen Nebels ereignete sich Sonntag früh in der Irischen See, 60 Meilen von Liverpool entfernt, ein schweres Schiffsunglück. Der mit 620 Personen besetzte englische Vergnügungsdampfer„Laurentic" und der englische Frachtdampfer„Napier— Star" stießen mit solcher Wucht zusammen, daß die beiden Schiffe, die einander festgerammt hatten, losgeschweist und ins Dock gebracht werden mußten. Sechs Matrosen verlorenbeidem Unglück das Leben. Fünf wurden verletzt. Motorradfahrt in den Tod— kurz vor der Hochzeit. Sonntag abends fuhr der W i e n e r Kriminalbeamte, Inspektor Karl Bräuer, mit seinem Motorrade, auf dessen Soziussitz seine Braut fuhr, durch G>. n» tramsdorf. Bräuer wurde von einem anderen Motorrad überholt, gestreift und kam zu Fall. In dem Augenblick kam aus der Gegenrichtung ein rasch fahrendes Personenautomobil, das Bräuer überfuhr und tötete. Seine Braut erlitt einen Nervenschock. Die beiden jungen Leute standen unmittelbar vor der Hochzeit. Sport vom Sonntag Kleinaugezd gegen A«tkma«1el 1:2(1:1) Vorrunde um den Kreismcistrr Vor einer ansehnlichen Zuschauermenge stand-» sich am Sonntag diese beiden Vereine ini Vorrun- denkanipf gegenüber. Ter Platz in Pihanken ist aber für solche Spiele doch etlvas zu klein und wurde dadurch die Spiclweise beeinträchtigt. Trotzdem entwickelte sich ein ziemlich lebhafter Kampfs der besonders in der ersten Hälfte die ganze Euer«' gie des Schiedsers beanspruchte.' In der zweiten Hälfte war der Dampf beiderseits schon verpufft, zudem m>:ßte ein Kleinaugezder infolge einer alten Verletzung austreten, ein Umstand, der sicherlich zum glücklichen Sieg der Zuckmantler mit beb' trug. Kleinaugezd war entschieden die technisch heisere Elf, hakte aber einen schußunfähigen- Sturm zur Stelle. Auch war die Verteidigung die erste halbe Stunde reichlich unsicher. Anders Zuckmantel, die frisch-fröhlich drauf losspielten und auch mit dem Schießen nicht lange fackelten. So dauerte' e» nicht lange und Z. führt durch ein effektvolles Tor. 10 Minuten später kann. Kl. mit einem Strässtoß ausgleichen. Kl. ist tvohl weiterhin leicht im Vorteil, vereitelt sich aber selbst weitere Erfolge durch Ueberkombination. In der zweiten Hälfte ist dal Spiel ausgeglichen, doch ist es nur den Z. möglich, aus einem Strafttoß. nach schlechter Tormannabwehr den Siegestreffer herauszuholen.—' Für Kreismeisteranwärter mutz man aber doch bißchen mehr Disziplin verlangen. Ball ins Aus schieße», mit Entscheidungen des Schiedsers nicht immer einverstanden sein, in besonderen Momenten stab Kamerad, scharfer Rivale sein, das sind keine schönen Tugenden. Nur dem energischen Eingreifen des Schiedsrichters.(Gen. Strohbach-Böhm. Leipa) ist es zu danken, daß er das Spiel von Anbeginn fest in der Hand hatte. Beide Mannschaften traten unter Protest an(wegen Mitwirkung noch nicht berechtigter Spieler). Falls diese Protest! zurechtbestehen, würde damit der Teplitzer Bezirk von den weiteren Endspielen ausgeschaltet sein.' j Im Vorspiel zeigten di« Jungen, von Zuckmantel gegen die Bezirkself den„Alten", wie Fußball gespielt werden soll. Die Bezirkself siegte 2:0.' Dank Allen Genossen, Freunden und Gönnern der Kinderfteunde-Bewegung sei auf diescin Wege der beste Dank ausgesprochen für die finanziellen Spenden anläßlich der Sammlung: Kinder in Not. Diese Hilfen haben zu dem Gelingen des Zeltlagers wesentlich beigetragckn. Der Ausschuß der Kinderfteunde. 16. Rrichenberger Mustermesse eröffnet. Sonntag wurde die 16. Rcichenbergcr Messe eröffnet. Die zahlreichen Gäste wurden durch de» Präsidenten der Reichenbergcr Messe Theodor Lic- bieg und den Bizebürgermeister der Stadt Reichenberg Anton Richter begrüßt, worauf sich ein Rundgang durch die Messe unter Führung des Direktors der Messe, Otto Maresch, anschloß. Entsprechend der Wirtschaftsvcrhältniffe sind die Hofs- nungen der ausstellenden Firmen auf ein entsprechendes Messegeschäft zuwartend, doch kann na« den bei der Messe einlaufenden zahlreichen Nachfragen auf ein größeres Einkaufsintereffe rückgc- schlossen werden. Die elf Messehäuser sind dur« die ausstellenden Firmen voll besetzt. Auffallend bemerkbar bei der diesjährigen Messe ist das hochstehende Niveau der ausstellenden Firmen hinsichtlich der Ausschmückung der Stände. Die groß* Sonderausstellung»Die Frau in der Hauswirtschaft" bildet durch die Schönheit und Gediegenheit ihres Aufbaues sowie durch ihren lehrreichen und volkserzieherischen Wert den besonderen Anziehungspunkt der diesjährigen Messe. Tödliches Knock-out unter Zwölfjährige». Beim Boxen mit den Kameraden fiel der^jährige B. Neslädek aus Recany auf eins scharfe Kante eines Geländers so unglücklich aui- daß er sich das Genick brach. Neslädek, ein Student der Realschule in Pardubitz, war sofort t o t. Sein Kamerad, mit dem er geboxt hatte- ist an dem Unglück völlig schuldlos. Eine neue Petrolruniqurlle in der USSN» In dem Petroleumgebicte G u r j c v a quoö eine neue Naphthaquelle hervor, die täglich 220 Tonnen Petroleum und 22.000 Kubikmeter Gase auswirft. Wetterbericht. Die allgemeine Wetterlage ist noch nicht vollkommen stabil, doch dürfte bei uns i» den nächsten Tagen im ganzen schönes W et- t e r herrschen. Wahrscheinliches Wetter heute: Fortdauer des ruhigen Und meist schönen Wetters! in der Nacht noch ziemlich kühl, tagsüber weiter! Erwärmung. Wetteraussichten für Mittwoch: Kein! größere Aenderung.• Vom Rundfunk ■■OlaMMiwwtM au*«an ProgrimM*« 1 Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatten: Dvokäk. 12.30: Konzert des Mujik-Salonquartetts. 13.30: Arbeitsmarkt. 15: Konzert auf Schallplatte». 16.30: Dvorikb und seine Melodv boys spielen zum Tanz auf. 18.15: Schali- platten, 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle Viertelstunde, 18.35: Arbeiterfunk: Grete Schneider: Fra» und Kriegsgefahr. 18.55: Sozialinsormationen. 19: Deutsche Presse. 20.45: Szenen aus dem Ballett nack einer Volksballade.— SenderS.: 7.30: Konzen des Salonorchesters, 8: Frauengvmnastik. 14.15: Deutsche Sendung:.Kinderstunde.— Brünn: 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.40: Deutsche Sendung: Feierabend im Schönhengstek Dors. Hörspiel.— Mähr.-Ostrau: 18.05: Blasmusik.— Kaschau: 20: Dudelsackpfeifer-Quartett. Ein Soldat ermordet seinen Zugsführer Furchtbare Bluttat im Kremsierer Genieregiment Nr. 193 Dienstag, 20. August 1935 die der *>lrfe werde sich nunmehr ein aus einigen Uni-'umliegen sehen. Das in Nummer 189 unseres Blattes veröffentlichte Ergebnis unseres Außenhandels für den Monat Juli 1935 zeigte, daß gegenüber dem Bormonat im Gesamtumsatz eine Steigerung eingetreten ist, an der die Ausfuhr und die Einfuhr teilhaben. Trotz dieser Besserung konnte aber der tschechoslolvakische Gesamtaußenhandel die Höhe vom Juli 1934 nicht ganz erreichen. Etwas anders gestaltet sich das Bild bei einem Vergleich der Monate Jänner bis Juli 1935 mit demselben Zeitraum des Vorjahres. Während auch für die ersten sieben Monate der Gesamtwert der Einfuhr hinter dem der gleichen Zeit von 1934 zurückbleibt, ergibt fich bei der Ausfuhr im reinen Warenverkehr 1935 ein Mehr von knapp 87 Millionen Kronen. Rechnet man dazu noch di« Ausfuhr von Edel- Die Einfuhr zeigt demnach für die wichtigsten Warengruppen außer in Eisenerzen, Mineralölen, Kohle und Oelfamen gegenüber 1934 einen weiteren Rückgang. Die Einfuhrschrumpfung ist am stärksten bei Getreide, Mais und— würde hier wieder die wertmäßige Einfuhr berücksichtigt—, bei einer Reihe weiterer agrarischer Erzeugnisse. Bemerkenswert ist, daß di« Baumwolleinfuhr 1935 noch unter der von 1933 und 1932 liegt imperialistischer Kriege einen inneren Schwierigkeiten zu steht die konsequente Frieder Sowjetunion gegenüber. Sine Maschine, die eine ganze Stadt«nfichtdar mache« kann Ter Prager Ingenieur Jirotka mit seiner Rauchentwicklungsmaschine, die pechschwarze Rauchwollen in solchen Mengen zu enwickeln imstande sein soll, daß eine ganze Stadt gegen Fliegersicht verborgen werden kann. (Deutsche Presse-Photo-Zentrale, M.) Mehrzahl der wichtigsten Warengruppen dir mengenmäßige Ausfuhr in diesem Jahre höher liegt als im Borjahre. Bedeutend ist die Steigerung der Ausfuhr in Holz, Zucker, Eisenerzen, Eisenwaren, Stabeisen und Bausteinen. Einen erheblichen Rückgang unter den angeführten wichtigsten Warengruppen weist dagegen die Ausfuhr von Papierzeug, Glas, Malz u. Getreide auf.(Ein Vergleich d?r w e r t- Wifsenschaft und Frieden— gegen Bestialität und Krieg Molotows Schlußrede auf dem Phystologen- Kongreß Moskau. Samstag trafen die Teilnehmer der internationalen Physiologentagung aus Leningrad zur Schlußplenarsitzung in Moskau ein. Der Vorsitzende des Volkskommissariates Molotow wies itf einer Ansprache auf die große Sympathie hin, mit der die Sowjetöffentlichkeit die Tagung verfolgte. Der Sowjetöffentlichkeit, sagte Molotow, ist jene Angst um die Lage der Gelehrten in den kapitalistischen Ländern und um das Schicksal der Weltwissenschaft tief innerlich verständlich, da Agenten der Reaktion des bestialischen Nationalismus mit Unterstützung herrschender Cliquen ihre Häupter erhoben haben. Bei uns, stellte Molotow fest, ist ein enges Bündnis der Arbeit und Wissenschaft geschlossen und die werktätigen Massen sehen in der Entwicklung der Kultur aller Nationen und Rassen, in der Blüte der Weltwissenschaft ihre lichte Zukunft. Die Gefahr neuer imperialistischer Kriege, schloß Molotow, wurde jetzt besonders aktuell. Bor aller Augen werden neue Kriege und imperialistische Ueberfälle vorbereitet. Die herrschenden Klassen einiger Länder glauben in der Entfachung neuer Ausweg aus ihren finden. All dem denspolitik Wir sind stolz darauf, daß die Sowjetunion ein großes Bollwerk der Wissenschaft und des Friedens würde. sich Bergkletterer und eine Exkursion von Rili- iärbeobachtern auf dem Vulkan. Alle blieben jedoch unversehrt. ’■ Sechs Morde— als Nachspiel der Ermordung Jone'S. Hauptmann Tschanyuntschi, d«r am 14, August von den Behörden in Kalgen uls Unterhändler zwecks Befreiung von Geresch Jone s zu den chinesischen Banditen geschickt worden war, ist von diesen ebenfalls ermordet worden. Hitler— der„Retter der Geistrskultur der Auf dem Berliner Strafrechts- und Ge« längniskongreß erklärte Reichsminister Dr. «rank in einer Rede über die Aufgabe der Nationalsozialistischen Juristen,„die deutsche» Vertreter würden unter der Devise„Rettung "er Geisteskultur der Welt vor dem ^undesbedrohenden internationalen Judentum Bolschewismus" kämpfen". Jetzt weiß man's... 150 Fallschirmabfprünge zu gleicher Zeit, dem Flugplätze Tuscht n o bei Mos- "iu fanden in Anwesenheit von 100.000 Zuschau- Kn die Jahresflugfestlichkeiten statt, bei denen groben der erfolgreichen sowjetrussischen Luft- 'uhrt dargcbracht wurden. Stach der Vorfühlung des technisch vervollkommneten Flugwesens Wurden Flüge mit dem Publikum in Motor- und Segelflugzeugen vorgenommen sowiein Autogiro- üugzeugen Figurenflüge ausgeführt. Den Höhe- dunkt deS Programmes( bildeten die Fal l- sch j r m s p r ü n g e, mit verspäteter Oeffnung "er Schirme. 150 Fallschirmspringer sprangen °us sechs Flugzeugen ab. Zum Schluß überflogen "rei Luftschiffe den Flugplatz. L Revolution— um den Kalender. In dem ^»rfe Aldinesti in Bessarabien wollten Gendar- Mi einen religiösen Agitator und seine Anhän- verhaften welche sich nach dem alten Ka- e»der richten. Diese griffen die Gendarmen '"t und töteten zwei von ihnen durch Re- das e n. versitätsprofefsoren gebildeter Sonderausschuß befassen, welcher vor der endgültigen Redigierung des Textes des Gesetzes sein Gutachten erstatten wird. Rette Ueberraschung. In R e n n e s (Frankreich) kroch während des Ausladens von aus Kolumbinen eingetroffenen Bananen aus dem Waggon eine 1.60 Meter lange armstarke Pythonschlange. Ein Amerikaner charakterisiert Europa- Hauptstädte. Ein Amerikaner, der von einem Europatrip nach Hause zurückgekehrt ist, gibt seinen Eindruck von den großen europäischen Städten folgendermaßen wieder:„Madrid ist amüsant, wenn man sich nicht gerade im Bürgerkrieg befindet; Rom ist immer angesichts seiner Denkmäler aus der Vergangenheit bewundernswert; Venedig ist originell, aber überschätzt, in seinen Kanälen ist das Wasser immer schmutzig; Berlin gibt einen selt- samm Eindruck von Größe und— von 11 Uhr abends ab— von heimlicher Niedrigkeit und Korruption; L o n d o n ist ein Muster an Regelmäßigkeit und Komfort; Brüssel ist eine reich« Stadt, sie atmet Wohlhabenheit und Behaglichkeit, aber ein gewisser kleiner Brunnenkerl sollt« verschwinden, der sich in aller Oeffentlichkeit erleichtert, ohne daß die Polizei einschreitet; Paris hat«inen übertriebenen Ruf, es ist eine schreiende und geschwätzig« Stadt, ab 8 Uhr abends trübe und langweilig. Der Frohsinn flüchtet sich in die Höhe, auf den Montmartre, wo man sich je nach Gefallen betrinken kann. Am Tage ist die Stadt schlecht gehalten; man ' kann fettiges Papier in den größten Straßen her ersten sieben Monate von 1933 und 1932 heran, so ist festzustellen, daß insbesondere gegenüber 1933 dir Ausfuhrbes- ferung noch stärker in Erscheinung tritt, wobei auch hier wieder neben der Baumatorialien- indnstrir die Eisenindustrie den höchsten Anteil hat. Auf der E i n f u h rseite wird bei einigen Warengruppen der Umbruch in der mengenmäßigen Entwicklung während der letzten Jahre noch deutlicher. metallen und Münzen, dann beträgt die Wertsteigerung der Ausfuhr gegenüber 1934 sogar 125 Millionen Kronen. Dieses nicht unerhebliche Mehr ist nur zu einem kleinen Teil auf die Abwertung der Krone zurückzuführen. Auch nach ihrer Berücksichtigung ist also noch eine tatsächliche Wertsteigerung unserer Ausfuhr zu buchen. Die mengenmäßige Entwicklung unseres Außenhandels unterstreicht diese Feststel- lung. In der nachfolgenden Tabelle sind, um den Ueberblick über einen größeren Zeitraum zu ermöglichen, die Ein- und Ausfuhrmengen der wichtigsten Warengruppen in jeweils der ersten sieben Monate der letzten vier Jahre zusammengestellt. Betrachten wir zuerst die Ausfuhr: Jänner bis Juli Großer Radio-Wettbewerb anläßlich der Präger Radiomefse. Aus Anlaß des 10jährigen Bestandes der Prager Radiomesse wurde beschlos sen, eine umfangreiche Werbung für den Rund funk in der Tschechoslowakei in die Wege zu leiten. 8nter anderem werden mehrere interessante Wettbewerbe zur Durchführung kommen, für die Zahlreiche wertvolle Preise vorgesehen sind. Be reits in den nächsten Tagen werden an die Radio geschäfte eine halbe Million Flugzettel verteilt Verden, die zur Beteiligung an dem Wettbewerbe berechtigen, für den über 50.000 XL in Prämien Msgesetzt wurden. Die Flugzettel können bis zum Schluß der diesjährigen Prager Radiomefse(1. bis 8. September) abgeführt werden. Die Ver losung, findet am 1. Oktober statt. Vulkanausbruch in Japan. Der Vulkan, 8L.„-.. Assa m a ist seit Sonntag in Tätigkeit und^mäßigen Ausfuhr in Textilwaren, die in dem speit Rauch und Asche weit über das ganze Ge- Mengenausweis der wichtigsten Warengruppen biet hinweg. Zur Zeit des Ausbruches befanden, nicht aufgeführt sind, ergibt, daß der Textilexport—........ sich Bergkletterer und eine Exkursion von Mili- etwas höher ist als 1934.) l Es betrug die Einfuhr: Jänner bis Juli Mengenmäßige Ausfuhr steigt Für wichtige Warengruppen höher als in den Vorjahren bolverfchüfse. Die Gendarmen erwiderten «wer und erschossen 4 Person fitere 12 Personen wurden verletzt. Patermord— um die Mißhandlung Mutter zu. rächen. In Budapest würde der ?^jähr. Bäckermeister I. Güllach in seinem Bette, £ einer Blutlache liegend, t o t aufgefunden. Die Mizei hat die Gattin der Ermordeten und plfen Stiefsohn Stephan Takacs vcrhaf- jji- Nach längerem Verhör legte Takacs ein Geständnis ab und gab an, den Bäckermeister mit "'Nem Hclzscheit erschlagen zu haben, da er /essen brutales Verhalten nicht mehr länger mit Aschen konnte. Güllai, der dem Trünke ergeben war, mißhandelte des öfteren seine Frau, ^lkacs gab an, daß er die Tat ohne Wißen seiner butter verübt habe. s, AntikorruptionSgesetz in Jugoslawien. Der Nvoslawische Justizminister Auer empfing die ^ertreter der Presse und teilte ihnen mit, daß er °*r Regierung einen Gesetzentwurf gegen die Korruption unterbreitet habe. Mit diesem Ent- und daß auch die Einfuhr von Rohwolle nur unbedeutend über die der beiden genannten Jahre gestiegen ist. Der erhebliche Einfuhrrückgang von 1934 auf 1935 läßt darauf schließen, daß gerade in der fiir unsere sudetendeutschen Arbeiter einst so wichtigen Textilindustrie die Aussichten für Produktion und Export für die nächste Zeit nicht besonders günstig beurteilt werden. 1935 1934 in Tonnen 1933 Nettogewicht 1932 Kohle.■ a ■■ 1,910.935 2,043.400 1,781.446 1,837.550 Holz.■ B ■■ 894.727■ 853.359 482.248 616.609 Zucker.. a ■ 118.263 83.426 132.718 234.421 Eisenerze. a ■ 52.286 38.862 41.802 53.100 Eisenwaren a a fl 62.994 58.325 50.066 39.112 Papierzeug a 48.602 56.654 44.064 39.837 Bausteine. *• 43.607 34.563 . 24.644 20.553 Stabeisen. 37.058 20.728 6.140 —.— Eiserne Bleche und Platten 29.271 28.083 11.794 16.919 Tafelglas. • • a a 28.394 32.660 24.728 32.416 Malz.. a ■ ■■ 38.978 48.906 48.693 44x966 Hohlglas. a f ■■ 18.655 19.149 19.632 20.900 Papier.. a ■ ■■ 18.165 17.467 19.508 21.014 Eisendraht. a ■ n 15.172 14.949 14.297 19.290 Getreide. 9 9 17.701 26.915 87.413 86.817 Aus dem Vorstehenden geht hervor, daß für Ziehen wir vergleichsweise noch die 1935 1934 in Tonnen 1933 Nettogewicht 1932 Kohle".», a 821.087 763.792 726.444 1,156.934 Meneme... --r ... 361.243.„ 201.512-‘ 206.190 220:545 Mineralöle.. 219.780 191.625' ' 174.756 209.188 16^531 'Holz?., a '57.264 ‘• 8082 Kochsalz.. 64.499 69.859 74.637 68.131 Mais..■ 77.578 159.751 101.562 —.— Getreide a» a 36.937 163.128 376.622 632.040 Oelsamen., ■ M 85.182 69.944 69.849 67.400 Baumwolle, a 9 9 37.434 49.876 41.826 48.231 Reis... 35.306 84.471 33.956 28.367 Roheisen.. 18.760 46.168 18.766 23.245 Unedle Metalle a 26.144 23.803 21.183 18.415 Dnngmittel a » W 21.646 30.018 30.660 12.537 Felle und Häute E M M 14.076 26.025 21.183 12.585 Wolle... 15.030 19.165 14.671 14.787 «Seite-?. Das Jubiläum der belgischen Sozialdemokratie Brüsse l. Anläßlich des bvjähri- gen Gründungsjubiläums der belgischen sozialistischen Partei fand Sonntag in der belgischen Hauptstadt ei» Amzug statt, der dreieinhalb Stunde« dauerte. Umdruck des Partelensystems in Kanada (R. F.) In fünf Wochen werden die Neuwahlen in das kanadische Parlament stattsinden. Das Ergebnis steht heute bereits fest: eine gewaltige Niederlage des konservativen Kabinetts Bennett und ein entsprechend großer Sieg der Liberalen unter M a ck e n z i e K i n g. Einige Wahlen zu den Volksvertretungen in Einzelstaaten haben diese Entwicklung bereits mit einer solchen Deutlichkeit vorgezeichnet, daß kein Zweifel mehr möglich-ist.' Aber das wäre an sich Nicht so wichtig. Kanada ist jetzt das einzige Land des britischen Weltreichs, wo das vom Mutterland übernommene Z w e i p a r t e i e. n s y st e m(Liberale und Konservative) noch spielt, nachdem^in Großbritannien selbst und.in allen übrigen Dominions das Auftreten von Arbeiterparteien das politische Leben durchgreifend verändert hat, Ginge es in Kanada nur darum, daß.das Pendel zur Abwechslung wieder einmal nach der liberalen Seite ausschlägt, ohne daß dadurch—.wie bisher— an der Politik Wesentliches geändert wird, dann brauchte man von dieser Wendung keine Notiz zu nehmen. Aber die neue Entwicklung in Kanada wird dem Wahlsieg der Liberalen einen, ganz anderen Inhalt geben, neue Ausblicke eröffnen, die von dem bisher Gewohnten völlig abweichen. Seit zehn Jahren besteht im Staate Ottawa eine Arbeiterpartei unter Führung von I. Woods Worth und AgnesM c P h fl i l. Diese Partei, die sich erst langsam zu programmatischer Klarheit durchringen mußte, hat bis jetzt ein wenig beachtetes Dasein, geführt. Ihr Aktions- radius blieb auf die Jndustriearbeiterschaft beschränkt, die gegenüber der großen Masse der Farmerbevöllerung nur wenig ins Gewicht fiel. Das wurde anders, als es im Jahre 1932 gelang, eine Fusion der Arbeiterpartei mit den Farmerparteien der Staaten Alberta und SaSkatche« war durchzuführen, in Winnipeg wichtige Stützpunkte zu gewinnen Und der so entstandenen neuen Partei ein Programm der„c o mm o n w ea l.t h. .b o o p'e j^öl t k o ls^' der:,,jjenieinüDichen ge-, nofsenschaftlichen Zusammenarbeit", zu geben; das. ein K a m p f b ü n d n i s' z W i s ch e.n d e r In d u st riear beit erschüft und der Landbevölkerung gegen den Jndustrie- und Finanzkapitalismus hergestellt hat. Dazu koMmt als Zweites die Rebellion des alten konservvativen und früheren Handelsministers Steven s'. Stevens hatte im Anfang des letzten Jahres eine aufsehenerregende Rede gehalten. worin er die Industrie und die Banken der Unfähigkeit, der Wucher- und Ausbeutungspolitik beschuldigte. Wie sehr er damit breiten Volksmassen aus dem Herzen gesprochen hatte, beweist die Tatsache, daß der Ministerpräsident Bennet eS nicht wagte, das Demissionsangebot seines-Handelsministers anzunehmen. Dagegen ernannte er ihn zum Vorsitzenden einer Kommission, deren Aufgabe es war, die„price spreads", d. h. Unterschiede zwischen den Gestehungskosten und den Verkaufspreisen, zu untersuchen. Bor- einigen Monaten veröffentlichte Stevens dje Untersuchungsergebniffe. Dabei scheute er sich nicht, die zahlreichen.Fälle von Preiswucher unter Anführung des Namens der betreffenden Firmen zu publizieren. Der gewaltige Entrüstungssturm, der daraufhin durch die kapitalistische Presse ging, ztvang den Ministerpräsidenten, das neuerliche Demissionsangebot von Stevens diesmal anzunehmen. Dieser hat nun eine„Partei des Wiederaufbaus" gegründet, mit der er selbständig in die Wahlen geht, und die aller Voraussicht nach in b e N> e bisher festgefügte Parteien eindringen wird. Es ist allerdings vorauszusehen, daß weder die Sozialisten unter Woöds- worth(deren Programm sich heute stark an die neuen Richtlinien der englischen Labour Party annähert),-. noch die Wiederaufbaupartei unter Stevens(der den Sozialismus ablehnt und auch einen Rooseveltschen„New Deal" überflüssig machen will) die Bildung einer überwiegenden liberalen Mehrheit in Frage stellen wird. Diese Bewegungen sind noch zu jung, um schon jetzt maßgebenden Einfluß im Parlamente erhalten zu können. Die Sozialisten rechnen mit einer Verdoppelung ihrer Mandatszahl(von 7 auf 15); für die Aussichten von Stevens sind überhaupt keine genaueren Schätzungen möglich. Aber es ist wesentlich, daß die liberale Partei sich gezwungen gesehen hat, den in diesen beiden Bewegungen verkörperten Tendenzen Rechnung zu tragen und soziale und wirtschaftspolitische Forderungen in ihr Wahlprogramm aufzunehmen, die dort sonst nicht zu finden wären. Und für die Zukunft ist es sicher, daß das klassische Zweiparteiensystem auch in Kanada' z u E n d e ist und die' Grundlagen für eine sozialistische. Massenbewegung geschaffen'worden find. Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 20. August 1335. Nr. 193 Trager feitwm Kopf in Flammen. Gestern vormittags erschien die 48jährige Emilie Cat aus Rusle in einem Weinberger Friseurladen, um sich die Harre mit Petroleum behandeln zu lassen. Beim Trocknen des Kopfes entzündeten sich die dem Haar entsteigenden Petroleumdämpfe am glühend gewordenen Trockner und der Kopf der Frau Cak stand im Nu in Flammen. Sic erlitt Brandwunden 2. und 3. Grades im Gesicht; der 20jährige Friseurin Bozena Hersl, die sie bediente, wurde die linke Hand verbrannt. Beide Frauen wurden auf die Klinik Prof. Samberger gebracht, von wo die Hersl in häusliche Pflege entlassen wurde. Das zuständige Verfahren wurde eingeleitet. Die Telbstmordchronik. Gestern vormittags erhängte sich die 23jährige Kellnerin Elisabeth Lecht aus Smichov im Abort ihrer Wohnung. Das Motiv der Tat ist Eifersucht.— Gestern früh wurde auf der Eisenbahnstrecke in Michle die Leiche des 23jährigen Soldaten Karl Schwarz aus Kladno gefunden. Aus einem hinterlassenen Brief geht hervor, daß er aus Gram über eine langwierige Krankheit Selbstmord verübt hat. Dir Leiche wude ins Divisionsspital am Karlsplatz gebracht.— Gestern um 9 Uhr früh sprang die 3 l jährige Tischlersgattin Marie Valenta aus dem Fenster ihrer im 2. Stock des Hauses Nr. 309. Palackhstggße, Wrschowitz, gelegenen Wohnung und erlitt beim Aufschlagen aufs Pflaster eine schwere Gehirnerschütterung. Sie wurde von der Rettungsgesellschaft ins Weinberger Krankenhaus gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Runst und Mssen Todesfall im Deutschen Theater. Sonntag starb an den Folgen einer Operation der Theatermeister des Prager Deutschen Theaters Will» Hartmann im 38. Lebensjahr. Hartmann, ein überaus fleißiger und tüchtiger Mensch, der dem Deutschen Theater seit etwa zehn Jahren angehörte, hatte noch bis zum Mittwoch der Vorwoche in der Kleinen Bühne gearbeitet und mußte sich dann plötzlich wegen VerschMnmerung eines bösen Halsleidens in ärztliche Behandlung begeben: aber leider war ihm auch durch den Eingriff nicht mehr zu helfen. Eine Witwe trauert um ihn. Sein Leichnam wird Mittwoch um halb elf Uhr im Prager Krematorium den Flammen übergeben. „Di« Pfeffermühle" in der Kleinen Bühne täglich 8 Uhr. Preis 5 bis 45 Kd. Vorverkauf: Deutsches Haus, Neues Deutsches Theater, M. Trubar. Atus Prag Leichtathletik. Mt dem am Samstag stattgefundenen Fünf-Kampf in den Disziplinen: 100 Nieter, Hochspruna. Diskus, Dreisprung und 1300 Meter fand der Vereinsausscheidungs-Zehner-Kampf seinen Abschluß. Aus technischen Gründen mußte die Abwicklung des Zehner-Kampfes auf zwei Samstage ausgedehnt werden. Die Ergebniffe vom vorhergehenden Samstag haben wir bereits veröffentlicht. Bei Beurteilung der Ergebniffe, besonders der Laufzeiten, müssen die ungünstigen Platzverhäliniffe berücksichtigt werden. Schon die 100 Meter-Laufbahn enthält zwei scharfe Kurven. Die Ergebniffe vom Samstag: 100 Meter: 1. Nossek 12.7, 2. Amsler 13.6, 3. Steidl und Jütt- ner beide 13.7. Hochsprung: 1. Nossek 1.50, 2. Amsler und Steidl beide 1.45. 3. Vollmann 1.40. Diskus: 1. Nossek 26.28. 2. Vollmann 25.30, 3 Ullmann 21.45. D r e i s p r u n g: 1. Nossek 12.35. 2 Amsler 10.22, 8. Ullmann 9.88. 8 0 0 M e t e r: 1. Steidl 2:23, 2. Jüttner 2:26.5. 3. Ullmann 2:32. Demnach belegte Genosse Nossek mit 324.25 Punkten den ersten. Genosse Steidl mit 296.80 Punkten den zweiten und mit 296.78 Punkten Genosse Amsler den dritten Platz. Ergebniffe des Zehn-KampfeS: In der Ge- samtklassifikation siegte Nossek mit 626.14 Punkten. Seine Einzelergebnisse waren: 100 Meter: 12.7. 200 Dieter: 27.3. 800 Meter: 2:44.5. 1500 Meter: 5:52, Weitsprung: 5.65, Dreisprung: 12.35(Atus- BundeLbestleistung 12.34).Hochsprung: 1.50. Kugel: 10.52, Diskus: 26.28, Speer: 35.36. Die weitere Reihenfolge ist folgende: 2. Amsler 575.53 Punkte. 3. Ullmann 565.62 Punkte. 4. Steidl 549.58 Punkte, 5. Jüttner 515.35 Punkte, 6. Mally 502.37 Punkte. An dem Ausscheidungskampf beteiligten sich 13 Genossen. Die Organisation muß künftig straffer sein. Vor allem fehlt es an genügend geschulten Kampfrichtern. Helfet daher mit.am Ausbau unserer Sportorganisation, reiht euch ein in die Reihen der Aktiven und wir werden geschlossen und gestärkt dem Ziele der Arbeitersportbewegung entgegenschreiten. Die neue Liga begann Der erste Start der Liga begann für die deutschen Klubs erfreulich; sie gewannen ihre Spiele und buchten damit auch ihr« ersten zwei Punkte Das Hauptinteresse nahm natürlich wieder, wie schon so oft, die Begegnung Spartä-Slavia in Anspruch. DFC. Prag trug sein Spiel mit der Brünner M o r. Slavia schon am Samstag aus und blieb mit 1:0(1:0) glücklicher Sieger. DSB. Saaz schlug daheim den SK. Pilsen mit 4:2(2:2) nach einer überlegenen zweiten Halbzeit. Teplitzrr FK. hatte in SK. N a ch o d keinen gar zu schweren Gegner und siegte mit 4:1(3:0). Viktoria Pilsen und SK. Kladno spielten unentschieden 3:3(3:2). SK Proßnitz gewann'gegen AFK. K o l i n sicher und verdient 3:0(1:0). Zidenice vermochte in Preßburg keinen großen Eindruck zu machen und es schon eine klein« Ueberraschung, daß das routinierte Ligateam der Brünner gegen den Neuling C SK. nur ein 1:1 (0:1) herauszuholen imstande war. Sparta siegte verdient über die Slavia mir 2:1(1:1). Es war wieder ein Spiel, das die Zuschauer„begeisterte": Diesmal waren sie fast ganz auf Sparta eingestellt und begleiteten einzelne Fauls der Slavia-Leute mit ihren„Protee sten", während ihre Lieblinge wohlwollend bei solchen Gelegenheiten geschont wurden. Die CsAF. und di« deutschen Vertreter. Samstag hielt die CsAF. in Prag eine Vorstandssitzung ab. Die. deutschen Vertreter, die seinerzeit wegen der Saaz-Nachod-Affär« ihre Funktionen niederlegten, wurden ersucht, diese wieder auszuüben, was sie denn auch taten. Sie verbrämten die Wiederannahme mit der Erklärung, daß sich ihr Standpunkt in dieser Angelegenheit nicht geändert habe. So, jetzt kann es wieder gemütlich weiter gehen— bis eines Tages das Spiel von neuem beginnen kann... SK. Nachod wurde bekanntlich von der Strafkommission der CsAF. wegen seiner„Renitenz" bestraft. Nun hat die Vorstandssitzung der CsAF. diese Strafe sistiert und die Angelegenheit eineneuerlichen Behandlung zugewiesen— um wahrscheinlich, wenn schon nicht gänzlich, so doch weniger „schmerzlich" alles zu liquidieren und dazu brauch: man eben Zeit... Die Studenten-Weltspiele wurden am Sonntag in B u d a p e st beendet. Der Gesamtbesuch war wenig erfreulich für die Veraii- stalter. Die tschechoslotvakischen Vertreter kamen in der Gcsamtklaffifizierung auf einen ehrenvollen vierten Platz. Sieger wurde Ungarn mit 481 Punkten. Samstag gab es wiederum ein„bedauerliches" Intermezzo durch den österreichischen Sportler Rinner, der bei der Siegerehrung als Vertreter des christlich- fascistischen Landes mit dem Hitler-Gruß dankte und hielt es so auch bei jedem Nazi- Sieg. Das nimmt man ihm jetzt sehr übel, obwohl sich die„Obersten Sportführer" aus dem Dritten"und aus dem Klöster-Reich bei der Eröffnung der Spiele sehr gut unterhielten. Der Deutsche Schwimmverband in der Tschechoslowakei trug, in. St. Pölten einen Länderkampf mit Oesterr.eich aus und verlor ihn mit 50:71 Punkten. Im Wqffetzball gqbs eine katastrophale 13:0-Niederlag«, obwohl nicht die erste Garnitur der Oesterreicher anträt. Die tschechischen Divisions-Meisterschaften begannen am Sonntag ebenfalls und brachten den ehemaligen Liga-Klubs keine Lorbeeren. Die Ergebnisse lauteten u.'a. M i t't e'l b ö h m e n: Ccchie Karlin gegen Meteor VIII 8:3; SK Liffa gegen Bohemians 3:3,- Viktoria Zizkov- gegen SK Russe 5:3.— Böhmen: SK Königgrätz gegen AFK Pardubitz 2:0, CSK Budweis gegen SK Königinhof 4:1, SK Pardubitz gegen Slavia Karlsbad 4:0, Jungbunzlauer SK gegen Snehaki Taus 1:1, Petrin Pilsen gegen Polaban Nimbnrg 2:0, SK Kopisty gegen SK Rakonitz 2:2.— Mähren- Schlesien: SK Zabovkesky gegen Slavia M.- Ostrau 3:2, Moravia Brünn gegen Slovan M.- Ostrau 2:2, Han. Slavia gegen Kral. Pole Brünn 4:2, SK Prerau gegen SK Schles.-Ostrau 3:2, §SK Freistadt gegen CSK Olmütz 4:4. Sonstige Fußballergevniffe. Brüx: DSK gegen DSH Weipert 5:1, CSK gegen SK Sous 3:2. — Komotau: DFK gegen DSB Oberleutens- dorf 5:1.— T ü r m i tz: DFK gegen VfB Tep- litz 4:1.— B-- Leipa: DSB gegen Rumburger FK 4:0.— Gablonz: DSK gegen DSV Reichenberg 5:2.— Reichenberg: RFK gegen Dresdensia Dresden 3:3, DSB Trautcnau gegen SK Röchlitz 5:3.— Warnsdorf: WFK gegen FK Zittau 9:0.:— Wien: Rapid gegen Hun- garia Budapest 4:4. WAC gegen Red Star 5:1.— Warschau: FC Wien gegen Städttteam 1:3.— Lemberg: Hqkoah Wieg gegen Hasmoneq 3:0. — Kättdw: tz: Jugoslawien gegen Polen 3:2. — Bukarest: Austria Wien Argen Venus 7:2. —T emesvar: Admira Wien gegen Städtemannschaft 7:2.— Bern: Vienna Vien gegen FC. 1:0. — Paris: Sportklub Wien gegkn Red Star 2:4. Literatur Juden, Christen,.Heiden im III.Reich. Unter diesem Namen hat jetzt der Simpl-Verlag in Prag eine Sammlung von Karikaturen her- Greta Garbo in der Titelrolle des MGM-Films„Mata Han' ausgegeben, als einen beredten Protest gegen di: neudeutsche Schande, nicht nur durch die von N namhaften Zeichnern aufgewandte Kunst und Gesim nung, sondern auch durch die Dreisprachigkeit dtt Bildtexte. Im großen ganzen handelt es sich hier um Bilder, die man bereits kennt(die meisten W im„Simplicus" erschienen, der sein Erscheinen M zwischen eingestellt hat). Wir wünschen der SaniE lung recht guten Erfolg, fürchten aber, daß er nicht sehr groß sein wird und daß daran auch das Vorwort, das Alfred Kerr geschieben hat, nicht virl ändern wird. Denn so gut und notwendig es ist, W Fascismus auch im Bild zu bekämpfen, und so fehl auch der Witz ein Ventil ist, durch das sich die pörung Luft machen kann— in der Häufuni scheint mir dieses Mittel doch nicht recht tauglich i» sein. Hie und da eine Anekdote, hie und da cim satirische Zeichnung— das ist wohl richtig unä wirksam; Sammlungen aber von Flüsterwitzen M ganze Mappen von Karikaturen dürften nur gr> teilten Beifall auch oder gerade bei den entschiede»« sten Feinden des Hitlerismus finden. I. g. Kundmachung. Der Jagdausschuß in Holeischen hat in seine! am 18. August l. I. stattgefundenen Sitzung beschlossen, die Genossenschaftsjagd i» Holeischen im Offcrtwege auf die Dauer»»» sechs Jahren, d. i. vom 1. Feber 1936 bii 31. Jänner 1942, z u vergeben. Die Offerte sind bis längstens 1. September 1935 um 9 Uhr vormittags einzubringen. Die Vergabe erfolgt denselben Tag um 10 Uhr vormittags. Jagdausmaß 756 Hektar. Mindestangebot 3000 ffk. Die Bedingungen liegen zur Einsichtnahme b» Gemeindeamt« auf. Die Jagd wird mit Jagd- und Wildschaden vergeben.* 30k» Der Gemeindevorsteher: P sch i erer. «er inseriert- verkauft! densschnalle. Wir erfahren, wie man die Orden trägt, wir lesen von großen Uniformen und von kleinen Uniformen, und ganz genau wird uns erklärt, lvelche Abzeichen der alleinseligmachenden Partei in-den Kreis der gesellschaftsfähigen Orden wilhelminischer Provenienz gehöre. Das alles ist sehr wichtig und so stehen immer würdige Greise und heldentumsbeflissene Jünglinge vor den Auslagen und stellen anscheinend tiefsinnige Betrachtungen und Berechnungen an über den Umfang der groooßen Ordensschnalle und die Breite und Aufnahmefähigkeit des eigenen Brustkorbes. Bei den meisten reicht es ja noch nicht zu einer großen Dekoration, aber wenn Gott und der Führer es lenken— wer kann es wissen I In Prag in einer Passage am Graben hängen auch Orden. Zwar hat der Besitzer dieser Herrlichkeiten es nicht für nötig befunden, das Geheimnis zu verraten, Ivie man alle diese Orden so wohlgeordnet tragen kann, daß keiner sich beleidigt fühlt, aber cs liegt schon ein gewisser Sinn darin, wie er sie da aufgehängt hat. Da hängen TapfcrkeitSmedaillcn Kaiser Franz Josephs neben russischen Kreuzen. Da sieht man, wie die Perser und Türken ihre Helden auszuzeichnen pflegten. Japanische und chinesische Auszeichnungen hängen verschämt zwischen dem eisernen Kreuz und t>M l und Raffenstolz, von Rejierung und Wehrhoheit, von geraubten Kolonien und„Bersaich"! Immer noch mal Versaichl Und alles das, um einen bil ligen Füllfederhalter zu verkaufen. Am Wenzelsplatz steht auch ein Straßen händler und verkauft Füllfederhalter. Er erzählt einfach und schlicht von den Vorzügen seines Hal ters. Er weiß vielleicht gar nichts von Blut und ■ Boden. Ihm ist bestimmt die geile Zitrone sym pathischer als der erdriechendc Rhabarber. Und Ivas den Lebensstandard anbetrifft, so mißt er ihn ganz unklompliziert an der Anzahl der verkauf ten Federhalter. Aber dafür ist er nicht in einer! nur bei feierlichsten Gelegenheiten zu tragen, Fachschaft, dafür haben ihn noch nicht die Seg-' beim Geburtstag des Führers und bei Eröffnung nungen der Führung beglückt und dafür denkt er\ einer Autobahnstrecke— die ganz groooße Or- das, was er will, und nicht das, was man ihm vorschreibt. Wenn man von der Straße„Unter den Linden...". Apropos:„Unter den Linden". Die Linden sind verschivunden, man hat sie ausgegra ben und bewahrt sie irgendwo für den geeignet^ Zeitpunkt der Wiedereinpflanzung auf. Jetzt ist vom Brandenburger Tor bis zur Friedrichstraße ein TohuwÄbohu von Bauzäunen, Sandbergen und Baugruben und anstatt„Unter den Linden" müßte man die Straße„Ueber der Baugrube" nennen. Wenn man also von Unter den Linden nach der Friedrichstraße„lustwandelt", dann stößt man immer wieder auf Gefchäftsauslagen, die den Untertanen des Führers sehr genqp erklären, wie man Orden trägt. Orden tragen ist die große Mode im Dritten Reich. Der Führer zwar trägt keinen, aber das merkt man nicht, wenn er spricht. Der Reichs wehrminister trägt viele, er ist ja die bewaffnete Macht, und Wilhelm der Verflossene trägt alle. Aber das sieht man nicht, denn er ist nicht da. Ob Wilhelm von Hohenzollern das Eiserne Kreuz trägt, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Das Kreuz für Waisen und Witwen ist es bestimmt nicht, das tragen nur die trauernden Hinter bliebenen in Deutschland. Bon der Friedrichstraße -nm Grabe« Richt ganz unpolitische Betrachtungen zwischen Berlin miv Prag Eigentlich ist es ja nur ein Katzensprung von Berlin nach Prag und wenn diese Katze zufällig■ ein Flugzeug ist, dann kann sie bequem diesen Sprung in 45 Minuten ausführen. Welche Vorstellung! Ich beginne einen Gedanken zu denken in der Hauptstadt des Dritten Reiches. Mein Gehirn arbeitet völlig unter dem Bann des vorgeschriebenen und amtlich verfügten Gedankenapparates, meine Gehirngansslien kriechen gleichsam geduckt unter den gestrengen durchbohrenden Augen der Gestapo-Agenten dahin und haben Mühe, sich zloischen den mannigfaltigen Blut-, Rasse-, Boden-Theorien hindurchzuwinden und plötzlich denke ich diesen Gedanken zu Ende in der Hauptstadt einer der freiesten Republiken der Welt. Oder aber ich beginne mein Diner in Berlin. Beileibe kein schlechtes Diner, aber doch allzusehr mit Erdgeruch und Rhabarbergemurmel, mit autarkem Chesterkäse und arteigenen Saucen und ick» kann dieses Essen mit einem kleinen Schwarzen auf dem Wenzelsplatz beschließen, einem„Schwarzen", der nichts von„Raffe" weiß und der einfach ein anregender, heißer, starker Kaffee ist, gänzlich unberührt von tausend Gesetzen und Verboten, völlig gleichgültig gegen die Verfügungen eines Reichspropaganda-Ministeriums, ein kleiner Schwarzer, der einfach und schlicht nach Kaffee duftet und auch wirklich nach Kaffee schmeckt, ohne den Beigeschmack der Valutaschwierigkctt und ohne mir drohend entgegenzusummen:„Deutsche— trinkt deutschen Kaffee!" Oder der Straßenhändler in der Friedrichstraße. Wie er donnert in seinen Ansprachen, wie er gelehrig seine großen Herren und Meister kopiert, wie das da wimmelt von Lebenstandaaart Seitdem also„links Lametta— rechts Lametta" von beinah„Allerhöchster" Stelle des Dritten Reiches lebensnotwendig„vorgetragcn" wird, ist es ohne Zweifel die Pflicht, das Tragen von Orden in geregelte Bahnen zu„ordnen". So sehen wir also, was der brave Bürger zum Smoking trägt, der Arbeitslose auf der Windjacke und ! womit der gehorsame Untertan seinen Morgen- ! rock schmückt. Kleine Schleifen, große Schleifen, !Schleifen mit kleinen Orden, Schleifen ganz ohne Orden, die kleine Ordensschnalle, die mittlere ! Ordensschnalle und als Krönung des ganzen— Kamelstiftungsorden der Pisenia. Dekorationen der Schlaraffia liegen friedlich neben unzähligen Medaillen. Und sieh da I eine Plakette: „Gott strafe England und Italien!" Summarisches Verfahren! Vielleicht ließen sich sollte Plaketten bei dem nächsten WinterhilfSwcrk i» Deutschland verwenden. Es ist doch anzunchmen, daß die Spenden reichlicher fließen würden, wenn man Gottes Strafe damit erkaufen könnte. M den sechs Monaten der Wintersammlungen tväreN allerhand Staaten durch Gott zu bestrafen. DW könnte es auch summarisch machen, indem mH vielleicht im Oktober die Katholiken und Italic» Gott zur Bestrafung empfehlen würde, im AH vember wären dann die Juden und die Franzose» an der Reihe und so lustig fort, um vielleicht il» März mit den Radfahrern endgültig alle Feinde und Widersacher des Dritten Reiches plakettarisä und summarisch abgestraft zu haben. Neben den Orden hängt und liegt da ww allerlei Sonderbares und JnteresseanteS>» unserem Lädchen in Prag. Wie wäre es, Herl Schacht, mit Geld auf Ledersohlen gedruckt? Ms meinen Sie zu Banknoten aus Aluminium? sehen wir Notgeld aus Bielefeld. Für Zehntausend Mark wird da auf Seide der„Gott del Eisen wachsen ließ" angerufen, und zur Bckräs- tigung des Zitates:«Wir wollen sein ein» einig Volk von Brüdern" reitet Don Quichote gcge» Windmühlenflügel. Man war 1923 sehr proPhH tisch in Bielefeld. Da sind Geldmünzen, wie sie fünfhundert Jahre vor Christi Geburt kursierten, und Geldstücke neuesten Datums. In den zweieinhalb Iah» tausenden der Menschheitsgeschichte, die da vor meinen Augen sich ausbreiten, hat es alles gegeben: Tyrannen und Despoten, Kriege und Revolutionen, Aufstieg und Niedergang, und trotzdem, trotz Rückschlägen, trotz Terror und Stachel- drahizäunen, kann man heute im Dritten Rfi« einen verbotenen Gedanken beginnen und ib» 45. Minuten darauf in der freien Luft Prags laut aussprechen l A. B., Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS HmiS oder be« Bezug durch die Poft monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserat« werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Post« und Tele« grapbendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.OrbiS" Druck«. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.