Freitag, 23. August 1935 Nr. 196 15. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova«. Telefon»77. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Hellei (•ImcNießlidi 5 Haller Feit«) Die Sozialdemokratie in Aktion Für den Schutz der arbeitenden klonCPhon Zusammentritt der sozialpolitischen Ivlvlldwllvll Ausschüsse gefordert Prag. Donnerstag nachmittags tagte im Volkshause eine gemeinsam« Sitzung her Partei- und Klubpräsidien der tschechoslowakischen Sozial« demokratie. an der sich vier Vertreter des deutschen sozialdemokratischen Parteivorstandes beteiligten. Es referierten die Genossen Hampl und Dr. Meißner, welche sich eingehend mit der politischen und wirtschaftlichen Situation, namentlich aber mit dem andauernd kritischen Arbeitslosenproblem und mit den besorgniserregenden Preisbewegungen auf dem Lebensmittelmarkte befaßten. An der Debatte beteiligten sich Vertreter der Genossenschaften, der Gewerkschaften, sowie der Brünner, Ostrauer und Kladnoer Industriegebiete und von unserer Seite die Genossen Dr. Heller und I a k s ch. Das Ergebnis der Aussprache wurde in einer Entschließung zusammcngefaßt, welche vor allem die Anträge auf eine systematische Krisenbekämpfung urgiert, die von den sozialdemokratischen Vertretern in der Regierung und in der Nationalversammlung schon vor längerer Zeit betrieben worden sind. Mit Rücksicht auf das weitere Anwachsen der Arbeitslosigkeit in einzelnen Gebieten wird verlangt, daß dort großzügige Jnvestitions- aktionen des Staates und der Selbstverwaltung eingreifen sollen. „Wir tragen es schwer, so heißt es in der Entschließung weiter, daß die Vorlagen über die Verkürzung der Arbeitszeit und die Arbeitsvermittlung nicht in die Tat umgesetzt wurden, wodurch die Einreihung Zehntauscnder in das Arbeitsverhältnis ermöglicht worden wäre." Bezugnehmend auf die Teuerungserscheinungen der letzten Zeit wird auf den engen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und allge- Ensland trifft Maßnahmen Segen deutsches Dumping Eine Milliarde Mark Exportprämien London. In der Londoner City hört man aus Schachts Hinweisen auf die großen Finanzschwie- rigkeiten des Dritten Reiches die Ankündigung eines weiteren und verstärktendeutschen Dumpings heraus. Die britische Regierung ist von den Industriellen aufgefordert worden, dem deutschen Dumping entgegenzutreten. Es wird angekündigt, daß das Parlament in seiner Herbsttagung sich damit zu befassen haben Wird. Die Handelskammern haben sich dafür bereits die Unterstützung verschiedener Abgeordneter gesichert. Der Subsidienfonds, den die deutsche Industrie zur Gewährung von Exportprämien aufbringen muß, dürfte zur Zeit weit über eine Milliarde RM enthalten. Es Wird von Woche zu Woche mehr mit Export- meiner Kaufkrastschrumpfung hingewiesen und verlangt, daß dieses Mißverhältnis beseitigt und nicht noch Vergrößert werde. Die Entschließung fährt dann fort: Die gemeinsame Beratung haft es für notwendig, daß diese Probleme«nd eine Reihe anderer wichtiger Frage» mit größter Beschleunigung von den parlamentarischen Stellen behandelt werden. Wir verlange» daher vorläufig, daß die sozialpolitischen Ausschüsse beider Kammer» ehestens einberufcn werden. Als Maßnahmen, welche sofortige Hilfe bringen können, werden dann angeführt: Zollerleichterungen bei der Einfuhr von Rindvieh, Schweine»«nd Fett. Erhöhung des Margarinekon» tingents; Sicherung der Kartoffelverso r- «««g; Einfuhr billiger Futtermittel; Rigoroses Einschreiten gegen unbegründete Preiserhöhungen? Ernähr ungs-»nd Hilfsaktionen im kommenden Winter. Angesichts der anßenpolitische« Spannungen verlangt die Resolution eine entschiedene Friedenspolitik. Die Außenausschüsse der Nationalversammlung mögen im geeigneten Augenblick zur Entgegennahme eines Berichtes über die außenpolitische Lage einberufen werden. Abschließend fordert die Resolution, eine weitere Festigung des bisherigen Vorgehens der demokratischen und sozialistischen Parteien. Prämien gearbeitet. Verschiedene Artikel deutscher Herkunft werden in England trotz dem hohen Einfuhrzoll h a I b s steuer verkauft als inländische Erzeugnisse. Ende September halten die britischen Handelskammern in Angelegenheit des deutschen Dumpings eine Tagung in Derby ab. So bekürnpft Schuschnigg die Nazi Wien. Kürzlich wurden vier Nationalsozialisten, die am Jahrestag der Kriegserklärung Italiens an Oesterreich antiitalienische Flugblätter verteilt und aufgeklebt hatten, in Linz f r e i g e s p r o ch e n. Gestern hat sich in Steyr in Oberösterre.ich ein ähnlicher Fall abgespielt. Vor dem dortigen Schöffensenat waren der Nationalsozialist Friedrich F r o e ch und drei seiner Kameraden wegen Verbreitung' derselben Flugschriften angeklagt. Der Steyrer Schöffensenat gelangte zu demselben Urteil wie der Linzer. Die Angeklagten wurden freigespro- ch e n. ßen die Geltendmachung sogenannter mineralischer Santtionen, d. i. im Wesen ein Einfuhrverbot für Minerale(Kohle) und zweitens di« Schließung des Suez- Kanals. * ÖL. Dem Reuterbüro zufolge verlautet, •?B in der Kabinettssitzung Minister Eden über W Beratungen der drei Großmächte in Paris ^gehenden Bericht erstattet habe. Es ist noch in Wer Erinnerung, daß nach der Pariser Verarg erklärt wurde, die britische Regierung beab- Wige, in ständiger und engster Verbindung und Mammenarbeit mit der französischen Regierung tu verharren und beide Regierungen wollen bis W Sitzung des Bölkerbundrates am 4. Septembk zusammen mit der italienischen Regierung ^Möglichkeit prüfen, auf welchem Wege eine Mliche Regelung der italienisch-abessinischen W« erreicht werden könnte. Es verlautet, daß Beschlüsse im Kabinett eine starke Unter- Wung erfahren haben. Im Hinblick auf diese ?Weinsame Prüfung der Lage auf diplomati- Wm Wege mit der italienischen Regierung ^urd« beschlossen, daß für den Augenblick ?v dem Beschluß vom Monat Juli, die Waffenausfuhr aus Großbritannien nach ^vlien und Abessinien zu verbieten, ch t s g e ä n d e r t werde. Reuter erklärt ??zu, daß dies noch nicht unbedingt bedeute, daß M«r Beschluß bis zum 4. September aufrecht ^halten bleibe. Weiter will Reuter erfahren haben, daß Mlestellt wurde, daß nicht der geringste Grund Erliege, an der Politik, soweit es sich um den Standpunkt Großbritanniens gegenüber dem ?alkerbund und dem Völkerbundpakte handelt und Df bei mehreren Gelegenheiten angekündigt ^rde, etwas zu ändern. M.Die Agence Havas erfährt, daß die Mische Regierung entschlossen ist, bis zum 4. ^Eptember sämtliche Mittel zur friedlichen Bei- Wng des italienisch-abessinischen Konfliktes zu sslchöpfen und erst wenn diese versagen, in Genf 2 e strenge Anwendung des Bölkerbundpaktes zu Erlangen. Das britische Kabinett habe darauf Bedacht Kommen, daß die Bemühungen um eine fried- 'he Beilegung insbesondere was Italien betrifft, ?kch nichts beeinträchtigt werden, und hat dessen auch lieber keine Verstärkung der britischen Mitärstreitkräfte in den an Abessinien grenzen- Kolonien beschlossen. Die britische Regierung !"t sich alleüdings, wie der Korrespondent der ?idaz-Agentur berichtet, eine Aenderung ,^lner Beschlüsse vor dem 4. September Ms es dies für angezeigt halten werde, vorbe- ??k ten. Durch ihre fetzigen Beschlüsse fühlt sich britische Regierung in keiner Weise für den M des Scheiterns sämtlicher diplomatischer Be- ^hnngen gebunden. Das britische Kabinett hat den weiteren Informationen der Agence Ha- M auf die Möglichkeit des Ausbruches eines N-assenkrieges in Afrika Bedacht Kyommcn. Desgleichen hat es den Inhalt der Roosevelt fordert freie Hand Washin,t»«.(Tsch. P.-B.) Im Wei- Hanse fanden zwischen Roosevelt, H» l l und dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses Besprechungen über die Neutralitätspolitik der Bereinigten Staaten statt. Das Staatsdepartement macht groß« Anstrengungen, um das Gesetz über die Neutralitätspolitik so zu ändern, dass dem Weißen Hause die Befugnis zusteht, den Zeitpunkt und de« Staat zu bestimmen, gegen den die Bereinigten Sperrmaßregeln zu ergreifen die Ab- Eine letzte Chance für den Abwartende Haltung des englischen Kabinetts Frieden? Sanktionen erwogen, aber noch nicht beschlossen Zu Verhandlungen bereit London.(Reuter.) Die Sitzung "es Ministerrates wurde am Donuers- um 16.30 Ahr nach fast fünfstün diger Dauer beendet. Weitere Sitzungen vor der Genfer Ratstagung am ^»September sind nicht vorgesehen. Premierminister Baldwin kehrt noch ay» Abend nach Aix-les-Bains zurück. P«ch die anderen Minister begeben sich Ferien. Erklärung des südafrikanischen Ministerpräsidenten S m u t s berücksichtigt. Weiters wurden die wirtschaftlichen Verhältnisse Südafrttas und schließlich— laut Havas— die Gefahr, die durch einen Konflikt zwischen zwei Völkerbimdmitgliedern entstehen würde, in Erwägung gezogen. Auch die Möglichkeit der Anwendung von Sanktionen bildete den Gegenstand, sehr gründlicher Erwägungen. Hiezu meldet die Agentur Havas, daß ttotz aller Mäßigung auch, folgende zwei Mittel erwogen wurden: zunächst I sicht haben. banzlg hat die Freundschaft nicht getrübt Warschau. Gestern traf in Gdingen der l'u tsche Kreuzer„Königsberg" ein, um den Auch der polnischen Kriegsschiffe in Kiel zu erlern. Die polnischen Blätter betonen bei dieser Wegenheit, daß der Besuch des deutschen Kreu- in Polen eine neue Kundgebung der nahen /achbarbeziehungen zwischen Deutsch- Md und Polen ist. Schicktaltwende für Europa Die Ereignisse der letzten Tage— insbesondere das Scheitern der Pariser Konferenz— haben auch denjenigen, der ein« friedliche Regelung des italienisch-abessinischen Streitfalles erhoffte, darüber belehrt, daß der Krieg in Afrikavor der Türeste h,t. Es, scheint, daß Mussolini, selbst wenn er wollte, die Geister nicht mehr bannen kann, die er rief. Dreizehn Jahre hat er die nationalen Leidenschaften seines Landes aufgepeitscht, gerüstet, den Krieg als Mittel der Politik verherrlicht— er braucht den kriegerischen Erfolg, um seine Herrschaft aufrecht zu erhalten. Fascismus und Diktatur haben, wenn die inner» Schwierigkeiten wachsen, keinen andern Ausweg als den Krieg. Das gift vom deutschen Fascismus wie vom ftalienischen, von Hitler ebenso wie von Mussolini. Von den Gesetzen seiner innern Entwicklung getrieben treibt Italien in den Krieg und vielleicht in die Katastrophe. I n diesem Krieg wird es um Sein oder Nichtsein des italienischen Fascismus gehen. Für Italien ist das Spiel bedenflich, wie auch fein Feldzug in Abessinien endet. Verliert Italien den Krieg, so wird Mussolini die Niederlage nicht überleben. Endet der Kampf für Italien nicht mit einer Niederlage, dann wird der Feldzug opferreich sein und lange dauern. Was inzwischen politisch und wirtschaftlich in Italien geschieht, ist die Frage. Eine wirtschaftliche Katastrophe wird keinesfalls ohne politische Nückjvir- kungen für Italien und den Fascismus sein. Für alle Fälle erwächst hier eine Chance für die italienische Demokratie. Von unmittelbarer Bedeutung ist der kommende Krieg in Afrika für England. Begnügt sich Mussolini mit dem italienischen Einfluß im Osten Abessiniens, dann brauchte er keinen Krieg zu führen. Will er aber das ganze Reich des Negus zur italienischen Kolonie machen, dann bedroht er Englands Stellung in Aegypten, denn das britische Weltreich kann es keinesfalls zulasten, daß Mufso- lini seine Hand auf das Quellgebiet des Nils legt» von dessen Bewässerung Aegyptens Baumwollkultur abhängt. Aegypten ist aber eine Station auf dem Wege von London nach Indien, d. h. ein Stück der Lebensader des englischen Imperiums. England sieht sich also in die Lage versetzt, feine Lebensinteressen gegen den italienischen Diktator zu verteidigen. Man kann nicht sagen, daß die Minister seiner britischen Majestät ihr Land schuldlos in diese Lage gebracht haben. Sie haben das fasci- stische Italien jahrelang gehätschelt und durch das Liebäugeln mit Italien oft verhindern wollen, daß Frankreichs Macht allzu sehr steigt. Die Herren Baldwin und Eden jammern darüber, daß Italien den Völkerbundpakt gegenüber einem Mitglied der Genfer Institution(eben Abessinien) verletzt, obwohl s i e es waren, welche durch den Abschluß des Seerüstungsabkommens mit Deutschland sich ebenso leichtfertig über die Verträge hinweggesetzt haben wie Mussolini. Daß England nur klagt, wenn Verträge zu seinen Ungunsten verletzt, werden, wird die Achtung vor der Vertragstreue der Briten nicht erhöhen. Die Engländer haben— wie auch andere Staaten— bald dem einen, bald dem anderen Fascismus freundliche Worte gesagt, den deutschen durch den italienischen, also denTeu- fel durch B c e l z e b u b a u s t r e i b e n w o l l e n und sehen nun, wie weit sie damit gekommen sind. Mer nicht nur England, sondern ganz E u r o p a ist durch den Krieg im schwarzen Erdteil in Mitleidenschaft gezogen. Daß Italien in Abessinien beschäftigt ist, wird Hitlers Aktivität in Mitteleuropa steigern und rückt damit wieder das Schicksal Oesterreichs in den Vordergrund. Wenn die österreichische Regierung nicht mehr auf den Spitzen der italienischen Bajonette sitzen kann, so bricht das Kartenhaus: von welchem Herr Schuschnigg Europa einreden will, es sei aus Beton gebaut, rasch zusammen und wenn Hitler es selbst nicht wagen follte, den Anschluß zu vollziehen, so w i r d e r ausOester- reich ein zweites Danzig machen. Die Franzosen können jetzt sehen, was sie angestellt haben, als sie Dollfuß auf die Sozialdemokratie schießen ließen und es zugelassen haben, daß aus Oesterreich eine italienische Kolonie wurde. Sette 2 Freitag, 23. August 1935 Nr. 196 Und in welche Lage die Tschechoslowakei gerät, wenn Oesterreich gleichgeschaltet ist, das zu erkennen, wird selbst einem Volksschüler leicht fallen, wenn er einen Blick auf die Landkarte wirft. Es gibt eine Möglichkeit, die furchtbaren Gefahren, die für den Frieden, die Freiheit und die Demokratie bestehen, abzuwenden und dieses Mittel gibt Lwn Blum in einem Artikel des „Populaire" vom 20. August an:„In einem solchen Zustand kann Europa nicht anders geschützt werden als durch eine engliich-fränzüsisch-sowse- tistische Politik". An diesen Block könnte sich die Kleint Entente und die Balkanentente anschließen und so würde eine gewaltige Kräftekongentration erfolgen, der gegenüber Mussolini und Hitler nichts vermögen. Die Allianz gegen den Fascis- mus und für den Frieden allein kann Europa retten. Der Fascismus bedeutet Krieg, tausende Tote, Verwundete, Verkrüppelte, namenloses Elend, Bedrohung der Kultur, die Demokratie ist der Frieden und Fortschritt. Die Politik Frankreichs, Englands und Rußlands braucht nur, wie Blum schreibt„genug Kühnheit und Größe" um Europa zu retten. Wirstehenan eineMWende- punkt der Geschichte, und die Demokratie mußnur kühn sein, dann wird sie das Spiel ge- w i n n e nl Finnische Reaktion Der Verteidiger Antikainens verhaftet Vor einiger Zeit ist der Finne Toivo Antikainen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt worden. Erst 17 Jahre alt, war er zur Zeit der Oktoberrevolution nach Rußland gegangen und in die Rote Armee eingetreten, in der er es bis zum General gebracht hat. Später kehrte er nach Finnland zurück und organisierte die kommunistische Propaganda. Antikainen ist Sowjetbürger. Auf unbewiesene Anklagen hin machte man ihm den Prozeß: tr soll 1922 die Verbrennung eines finnischen Gefangenen befohlen haben. Antikainen hat gegen das Urteil berufen. Sein Verteidiger R u d l i n g fuhr nach Nordrußland, um Beweismaterial für die Unschuld Antikainens herbeizuschaffen. Bei dec Rückkehr nach Finnland wurde der Verteidiger an der Grenze von finnischer Polizei verhaftet. Offenbar will man das Material zur Unterstützung der Berufung verschwinden lassen. Die finnisch« sozialdemokratische Partei befürchtet, daß dit Berufung Antikainens zur Wiedereinführung der Todesstrafe mißbraucht werden soll. Einheitspartei der Opposition In Jugoslawien Belgrad. Die„Pravda" hebt hervor, daß die Schaffung der neuen Partei der jugoslawischen radikalen Union mit allgemeiner Sympathie ausgenommen wurde. Das Blatt beschäftigt sich weiters mit dem Standpunkt der oppositionellen Presse zur S ch a f- fung der neuen Partei und sagt, daß die Bildung dieser Partei eine engere Gruppierung derOpposition ermögliche und daß es möglich ist, daß es zu einer Koalition gewisser oppositioneller Parteien, ja vielleicht zur Schaffung einer großen Union der oppositionellen Parteien kommt. Ole„Bohemia“ weiß nichts von der Teuerung In der Sonntag-Nummer bringt die „Bohemia" eine Abhandlung mit der Ueberschrift „Lebenshaltungskosten mäßig gestiegen— starke Fleisch- und Kart.offelteuerung durchPreis- fall bei Gemüse fast voll st än- dig ausgegliche n." Wer diesen Artikel liest und die Teuerung dank eines gefüllten Geldbeutels nicht fühlt, kann also vollauf beruhigt sein. Die arme Hausfrau aber, die mit jedem Heller zu rechnen hat, fühlt mit aller Schwere die Verteuerung der Lebenshaltung, die da entsteht teils durch die künstlichen Eingriffe in die Marktentwicklung und teils auch durch die katastrophale Dürre der letzten zwei Jahre. Die„Bohemia" vergleicht die Indices der Lebenshaltungskosten des Juli gegenüber dem Vormonat und konstatiert„ein geringes S t e ig e n" bei der Arbeiterfamilie um 0.4% und bei der Beamtenfamilie um 0.2%.- Dieser Vergleich sagt gar nichts, und die„geringe Steigung" im Juli ist nur ein Glied in der Kette der seit lang« andauernden Verteuerung der Lebenshaltung. Man muß da fchon für längere Zeit Vergleiche anstelle», wo man dann zu anderen Ergebnissen gelangt. Vergleichen wir einmal die Juni-JndieeS des Großhandels„der Lebens-, Genuß- und Futtermittel" in den Fahren 1933, 1934 und 1Ö35. Es ergibt sich folgendes Bild: Im Fahre 1933 Indexziffer(Basis Juni 1914 100) 719 iM Fahre 1934 und heuer 754. Die Indices für „Jnduftriestoffe und Fabrikate" sind von 676 im Vorjahr auf 687 heuer gestiegen. Der Gesamtindex der letzten drei Fahre beträgt 672, 698 und 722. DaS Verhältnis ist also doch wesentlich anders, als von der„Bohemia" dargestellt. Dabei berichtet aber die„Bohemia" selbst über die Preiserhöhungen für Kartoffeln, Eier, Fleisch und Fett. Sie schreibt dann weiter, daß„der erwähnte Preisanstieg fast vollständig ausgeglichen wurde durch die Verbilligung von Butter um 5% und das bedeutende Sinken der Preise vbn GeMüse und Obst um 20—25%. Richtig ist, daß die Butter gegenüber dem Vorjahr um etiva 5% billiger ist, doch fragen wir den Redakteur der„Bohemia", welche Bedeutung es für den Haushalt der breiten Verbraucher- Maffen hat, ob die Butter in Brünn im August 1934 KL 19.50 notiert oder wie im heurigen Jahr KL 18.50. Auch im heurigen Jahr ist der Artikel bei dem Preise für den Arbeiterhaushalt unerschwinglich. Vielleicht sind die Aepfel gegenüber dem Vormonat etwas billiger geworden, bestimmt aber werden die Obstpreise heuer wesentlich teurer sein wie im vergangenen Jahre. Es ist gewiß keine Uebertreibung, wenn wir feststellen, daß Obst infolge' der Mißernte heuer wahrschejylich.zu einem, Luxusartikel für die breiten Konsumcntenmassen wird. Ob irgendwelche Gemüsesorten billiger geworden sind, ist der Untersuchung nicht wert, weil dies für die Beurteilung dieser Frage ganz belanglos ist. Sehen wir also hier keine wesentliche Verbilligung, die für den Haushalt der breiten Verbrauchermasten irgendwelche Bedeutung hat, so sehen wir eineganz bedeutende Verteuerung der„Gemüse" der Arbeiterhaushalte, nämlich bei Kartoffeln und Kraut. Das sind d i e Lebens- urtb Nahrungsmittel der Masten und deren Preise sind enorm gestiegen. Kartoffeln kosten heuer um 40% mehr als zur selben Zeit des Vorjahres und Kraut um 200 bis 300% Mehr. Dazu die Verteuerung von Fleisch und allen Fleischwaren, wobei immer wieder festgestellt werden muß, daß gerade die billig st en Konsumsorten ver hä l t n i s« mäßig am alle r m eisten verteuert werden. So beträgt die Verteuerung der billigen Konsumwurst 100% gegenüber den Preisen des Vorjahres, während Schin- kensälami nur um 20% teurer wurde. Sicherlich behelfen sich hier die Erzeuger zum Teile mit Her- abfetzung der Qualität, während bei der Konsumwurst eine QuakitätSverschlechterung einfach nicht mehr vorgenommen werden kann. Die Teuerung wirkt sich aber noch viel ärger aus, als dies die Indices und Preistafeln in den Berkaufsläden zeigen, denn in der gleichen Zeit sind die Einkom- menSverhältniste noch wesentlich schlechter geworden. Bon einem PreiSauSgleich der starken Preiserhöhungen bei Fleisch und Kartoffeln durch andere Artikel kann nicht gesprochen werden. Wem zuliebe die„Bohemia" diesen Artikel geschrieben hat, wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß dessen Inhalt den traurigen Tatsachen nicht entspricht. Tür die Vieheinfuhr Mittwoch fand eine Sitzung des Viehsyndikates statt, in welchem für August ein Ergänzungskontigent von 8000 Fettschweinen und für den September ein Kontingent von 12.000 Fettschweinen bewilligt wurde, welche zur Einfuhr gelangen. Für industrielle Verarbeitung wurden, und zwar für die Zeit von September bis März 15.000 Fettschweine bewilligt, außerdem wurde für September noch ein Einsuhrkontingent von Schmalz in der Höhe von 160 Waggons bewilligt. Die Konsumentengruppe verlangte, eS solle an die Regierung die Forderung nach der Einfuhr l e i ch t e r S ch w ei n e und von Rindvieh gerichtet werden. Dafür trat auch die Handels- und Fndustriegruppe ein, während sich die landwirtschaftliche Gruppe gegen den Antrag, und zwar unter dem Hinweis auf die genügende Jnlandsproduktion stellte. Die Konsumentenvertreter nahmen gegen dieses Anbot Stellung und betonten ihrerseits, daß der Auftrieb von heimischem Vieh stark zurückgegangen ist und daß die Erhöhung der Preise zu einer fühlbaren Senkung des Fleischkonsums geführt hat. Es ist zu verlangen, daß die Regierung den Forderungen der Konsumentenvertreter nach Einfuhr von Fleischschweinen und Rindvieh Rechnung trägt, damit die Preise wenigstens einger- maßen heruntergehen. Fleisch- und Fettkonsum sinkt Als ein« Begleiterscheinung der Krisenwirt- kungen auf di« breiten Bevölkerungsschichtcn war in den vergangenen Jahren eine bedeutende Verminderung des Fleisch- und Fetwerbrauchs fest- zustellen. Das Jahr 1934 brachte infolge stark sinkender Fleisch- und Fettpreise den Konsumrückgang zum Stillstand und wies, da der Verbrauch besonders in der zweiten Hälfte zunahm, im Durchschnitt sogar eine Steigerung auf. In den ersten Monaten des laufenden Jahres hat dies« Entwicklung zunächst noch angehalten. Jetzt hat die neuerliche Verteuerung der Fleischund Fettpreise wieder zu einer erheblichen Einschränkung des Konsums geführt. Im Monat Juni ist der Fleischverbrauch gegenüber dem vor hergehenden Monat um 3 Millionen Kilogramnt auf 33 Millionen Kilogramm zurückgegangen. Der Fettverbrauch verminderte sich in der gleichen Zeit um saft 2 Millionen Kilogramm von 7 auf 5,1 Millionen Kilogramm. Wenn nicht sofort Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung gegen die Teuerung getroffen werden, muß mit einem weiteren Anhalten des Konsumrückganges ge« rechnet werden, so daß der Fleisch- und Fettverbrauch weit unter den des Vorjahres sinken würde. Internationaler T ransportarbeiter-KonsreB Sonntag, den 18. August, wurde in Kopenhagen der 9. Kongreß der Internationalen Transportarbeiter-Föderation(JTF) eröffnet. 144 Delegierte von 51 Organisationen aus 22 Ländern sind erschienen, den Vorsitz führt L i n d l r>> (Schweden). Begrüßungsansprachen hielten der Vertreter des dänischen Verbandes Olsen, namens des Internationalen Gewerkschastsbunde? Schevenels und andere. Der Geschäftsbericht wurde am 19. August, dem zweiten Verhandln» gstag, erstattet. TS Delegierte der illegalen österreichischen Organisation König übergab dem Kongreß die Fahne der JTF, die tapfere Mitglieder in Sicherheit gebracht haben. Fimmen dankt für die Rettung der Flagge, die JTF wird sie als kostbare Reliquie folange aufbcwahren, bis sie den österreichische« Kameraden für immer zurückgegeben werden kann. Der Geschäftsbericht und Kassenbericht wurde gutgeheißen. Dänemarks kämpf um die Währung Kopenhagen. Als Grundsatz der geplante« Valutaaktion wird bervorgehoben, daß der Nationalbank der Zugang ausländischer Valuta'« größtmöglichem Umfange entzogen werde, die Landwirtschaft sich sewst zum Herr« ihrer eigenen Valuta mache und auf diese Weise in Zukunft nur darüber bestimmen könne, unter welchen Bedingungen diese Valuta veräußert werden soll. vlmltrokk— Generalsekretär des Ekkl Moskau. Gestern wählte das erste Plenum des neugewählten Exekutivkomitees der Komintern einstimmig Dimitroff zum Generalsekretär des Exekutivkomitees. DaS Plenum wählte auch dal Präsidium und das Sekretariat des Exekutivkomitees. Jn Htürre D Konstantinopel. Im September wird in de« türkischen Häfen eine griechische ESkadre zu einem Freundschaftsbesuche einlaufen. Die rumänische Lufteskadre wird zur gleichen Zeit mit der griechischen Marineeskadre eintrefstn, so daß dieses Zusammentreffen zugleich eine Kundgebung der Signatare des Balkanpakte S bilden wird. Athen. Der frühere griechische Staatspräsident Admiral Konduriotis ist Mittwoch gestorben. Admiral Konduriotis hat in der Geschichte Griechenlands eine bedeutende Rolle gespielt. I VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot ,r ,i. Helene folgte ihm. Jn der Mitte des großen Bettes, in Decken eingewickelt, sah sie einen massigen Körper, und ein verquollene- Gesicht mit gespitztem Mündchen wandte sich ihr zu. „Gut geschlafen, Liebling?" Irma legte Juliens Kopfkissen auf ihr eigenes, richtete sich auf und lehnte sich behaglich an. Dann streckte sie die Hand aus und nahm ein Päckchen englischer Zigaretten vom Nachtttsch. „Natürlich, schon am frühen Morgen", brummte Julien, ein Tablett aufs Bett absetzend. „Die Aufwartefrau scheint nicht zu kommen. Ich gehe selbst einkaufen. Brauchst dich nicht zu beeilen. Ticke, es ist noch nicht elf." Während sie den Rauch der Zigarette einzog, fragte Irma ihre Tochter aus. Ob es ihr in Paris gefiele, was sie von Julien halte. Helene antwortete schüchtern, mit leiser Stimme. DaS Durcheinander von Wunderbarem und Wirklichkeit ließ sie fast an ihrer Existenz zweifeln. Seltsame Eindrücke hielten sie in ihrem Bann. Sie schüttelte sich, als wollte sie sich von ihnen befreien. Dann ließ sie ihren verzückten Blick schweifen: von zu der mit Kristall und Elfenbein überladenen Fri- zu der mitKristall und Elfenbein überladenen Frisiertoilette und zu dem Garderobenschrank, dessen Spiegel ihr das eigene traurige und beschämende Bild zeigte. Sie sah aus wie ein Bettelweib von der Gass«. Wie gern wäre sie ihrer Mutter um den Hals gefallen I Doch sie hatte Angst, etwas Amzuwerfen und das Bett zu beschmutzen. Sie war ja so ungeschickt in ihren Bewegungen, und wenn sie ihre Liebe äußern wollte, stotterte sie. Zuweilen war e» ihr Bedürfnis, sich ihr Glück zum Vorwurf zu machen. Wem sollte sie dafür danken, daß sie nicht mehr Hunger und Kälte zu leiden hatte, nicht mehr einsam war? Dem lieben Gott? An ihn glaubte sie nicht recht. Nein, sie mußte sich ihr Glück verdienen. Das war ihre neue Aufgabe, da sie nicht mehr zu arbeiten brauchte. Ihr Herz war so voll, daß ihr der Mund überlief. Sie stammelte Worte, die Irma nicht verstand. Aber sie waren auch so lange getrennt gewesen. Weshalb nur? Ihre Mutter hatte ihr versprochen, es ihr zu sagen. Sie trug das Kaffeegeschirr in die Küche. Als sie zurückkam, saß Irma im Morgenrock vor dem .Spiegel und polierte mit schnellen Strichen ihre Nägel. Ohne das Instrument aus der Hand zu legen und ohne sich nach Helene umzusehen, sagte sie: „Bleib ruhig da, Liebling. Du störst mich nicht." Sie knetete ihre Hände, schob den Kopf vor und musterte sich kritisch. Dann goß sie eine milchige Flüssigkeit auf ein Tuch und rieb sich damit das Gesicht ein. Nachdem sie sich gepudert hatte, befeuchtete sie eine Fingerspitze mit Speichel und strich die Augenbrauen glatt. Zwischen Bürsten, Flaschen und Nadeln suchte sie ihren Lippenstift. Helene betrachtete sie. Sie gab ihr die Erklärung:„Jn Paris muß man sich hübsch machen, zumal in unserem Beruf. Man muß, weißt Du, etwas vorstellen. Dann haben die Gäste gleich mehr Vertrauen." „Ihr habt wohl nur reiche Kundschaft?" „Das will ich glauben. Arbeiter wohnen nicht im Montbert. Die müssen sich schon eine andere Bleibe suchen. „Ich darf doch mtt euch hingehen?" Irma biß sich auf die Lippe und schwieg. Nach einer Weile lenkte sie ab: „Komm her. Du frisierst dich miserabel. Solltest dein Haar einmal auflockern lassen. Das ist immer kleidsam für eine Blondine. Jetzt, wo du in andere Kreise kommst, muß ich dich erst mal in die Mache nehmen. Wir gehen bald zusammen einkaufen." Plötzlich bemerkte sie, wie blaß Helene war. Sie wurde ängstlich. Sie war doch ihr Kind. Jn Helenes Gesicht fand sie einige ihrer eigenen Züge wieder: die niedrige Stirn mit den leicht geschwungenen Brauen, die gerade Nase, die allerdings bei ihrer Tochter weniger fleischig war. Die untere Gesichtshälfte, zumal der dünnlippige Mund, erinnerte, fand sie, mehr an Lagorio. Die Augen hatte sie bestimmt vom Vater und auch den Blick, der sie einmal betört hatte, diesen Blick, der zugleich neugierig war und träumerisch, und der auch zuweilen Funken sprühen konnte. Alles in allem war sie, wie ja auch Julien meinte, mehr nach dem Vater geraten. Sie hätte gern etwas Näheres über Lagorios Tod gehört, doch das schlechte Aussehen ihrer Kleinen ging ihr zunächst nicht aus dem Kopf. Das andere hatte Zeit. Irma dachte: „Sie hat ein Armeleutedasein geführt, wie auch mir beschieden wäre, wenn ich nicht die Schlauheit besessen hätte, ihrem Vater davonzulaufen. Na, jetzt kann sie sich erholen." Sie zog sie an ihre Brust und hätschelte sie. Diesen Augenblick hatte Helene herbeigesehnt. Sie lieh sich von ihrer Liebe hinreißen, und während sie die Arme um Irmas Schultern schlang, stammeüe, weinte, lachte sie vor Glück und war völlig fassungslos. „Mama, meine richtige Keine Rama..." Irma war solchen Ausbrüchen nicht gewachsen. Sie wollte sich befreien, doch Helene klammerte sich an sie. Sie mußte also die kindlichen Geschichten ihrer Tochter über sich ergehen lassen, die Schilderung ihrer Reiseerlebnisse, ihre von Schluchzen und Ausrufen unterbrochenen Geständnisse. Allmählich begann di« Leidenschaft auch sie zu entflammen. Sie spürte die Frische der Jugend eine reinere Lust, und die Schrankenlose Bewunderung, die ihr entgcgengebracht wurde, erfüllte sie mit jubelndem Stolz. „Wieder mal beim Schnäbeln?" Julien war unbemertt ins Zimmer gekoM' men und lachte nun, daß er sie überrascht hatte, i „Wenn ihr noch auSgehcn wollt, müßt stc euch bald anziehen. Um vier ist es finster. S* koche indessen etwas Extrafeines." Nach einer Weile klatschte er in die Hände und schrie: „Suppe.... faßtl" Helene öffnete die Türe. Er rief ihr lustig ö«' „Du wirst mir beim Tischdecken helfen." Als sie damit fertig waren, wies er ihr de« Stuhl vor dem Ofen an. Er selbst setzte sich Inn« gegenüber, teilte das Brot aus, füllte di« Glästr- Schnitt das Fleisch, tat jedem auf und unterbrach sich nur, um Helene zu sagen:„Ganz still, bedienen tue ichl" Sie fah ihre Mutter an, die ihr bestätigte: „Ja, das macht ihm Spaß." Julien trank ost sein Glas leer, doch er«8 langsam und nicht sehr viel. „Für einen Mann von zwei Zentnern hat er wenig Appetit", dachte Helene. Sie bat um Verzeihung, daß sie so trödle. Als Julien ihr noch eine Scheibe Fleisch auflegen wollte, lehnte sie ab. Ec goß ihr ein Gläschen Bordeaux ein. Eine Art Ve- täubung bestel sie, eine Wärmewelle stieg in idr auf, da- Wunder nahm kein Ende. Einen Kassie mit Kognak schlug sie nicht aus. Doch Irma protestierte. „Ich tauche dir ein Sttick Zucker ein", erklärte Julien.„Mein Kognak ist echt. Der tut nicht wch- Er trank die Schale in einem Zuge leerschnalzte mir der Zunge, knöpfte die Hose auf und murmelte: ,„Du siehst, Helene, bei uns gibt's keine Not." (Fortsetzuno folat.) Nr. 196 Freitag, 23. August 1933 Seite 3 Ein Jagdunffall— und beinahe ein Kriegsanlass! Italiens Konsul In Abessinien schient sich selbst an Donnerstag nachmittags langten sensationelle Nachrichten rin, die von einem Attentat ans den italienischen Konsul in Addis Abeba, M« z i F a l c o n i(übrigens ein Schwiegersohn des britischen Gesandten in Addis Abeba) z« melden wußten. Falroni sollte von einem Ausflug nicht zurückgekehrt sein. Weitere Meldungen besagten, er sei angrschossen worden. Sofort tauchte auch die Nachricht auf, der Zwischenfall werde für Italien der Anlaß sein, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Die Vermutung lag nahe, daß es sich um rin bestellte- Attentat handelt. linis schwebt. Eine falsche Nachricht» eine abficht? lich erzeugte oder zufällig entstehende Panik— und die Lawine ist im Rollen. Man erinnert sich angesichts des Unfalles, der beinahe zum Attentat umgelcgen wurde, eines anderen Konsuls, des österreichischen Beamten Prohaska in Prizrend, der 1913 angeblich von den Serben verstümmelt worden war. Die Nachricht erwies sich als eine Falschmeldung, zu deren Verbreitung allerdings nicht nur Wien, sondern auch Belgrad, indem es eine rechtzeitige Klarstellung unterließ, das seine beigetragen hatte. In gewissem Sinne erinnert der merkwürdige Zufall des Unglücks Falconis auch an den Tod des russischen Gesandten H^a r t w i g in Belgrad im Jahre 1914. Hartwig starb kurz nach dem Mord von Sarajewo auf der österreichischen Gesandtschaft während eines KondolenzAm Abend wurde zunächst privat, dann aus amtlicher italienischer Quelle gemeldet, daß Falconi einen I a g d u n f a l l erlitten hat. Sein Gewehr entlud sich, als er es nach einem Versager prüfte, und der Schuß traf ihn in dir Brust. Falconi ist nicht ungefährlich an der Lunge verletzt worden. besucheS. Auch dieser plötzliche Todesfall wurde politisch ausgemünzt. Im übrigen wird Mussolini seinen Krieg Der Vorfall zeigt die große Gefahr, I führen, wann er will, auch ohne Jagdunfall und in der die Welt durch dir Abenteurerpolitik Muss»- I Attentat. Ole Krise in der japanischen Armee (A. P.) Die Ermordung des Generals Na- gata ist keineswegs ein nebensächlicher Vorfall, sondern ein ernstes Sturmzeichen. Mit Blitzesschnelle wird der Vorhang weggerissen, und eS zeigen sich ernsthafte Gegensätze. Trotz der Beseitigung des Shogunats durch die Aera „M e i j i" i. I. 1868 könnten sich die hauptsächlichen Träger des S h o g u n a t s» des j a- panischen Feudalismus, in der Offizierskaste erhalten. Sie ist festgefügt, straff organisiert und nach außen hermetisch abgeschlossen. Diese Samurais und S h i z o k u, der kleine Schwertadel, wahrten sich, trotz Abschaffung aller Privilegien, ihre Sonderstellung und zeichneten sich durch eine gewisse Selbständigkeit gegenüber dem Thron, Widerstand gegen die Demokratie und Ablehnung des Kapitalismus(aber natürlich von der Warte des Feudalismus aus) sowie Verwerfung des modernen Individualismus aus. Diese Fronde vermochte bisher keine Macht zu brechen. Mit A r a k i, dem typischen Vertreter des kleinen Schwertadels, saß sie jahrelang an der Macht. Wenn Araki auch als Kriegsminister zurücktreten mutzte, so beherrschte er doch weiter durch seine Freunde, insbesondere den General M a z a k i, den Chef des militärischen Erziehungswesens, die Armee und auch die Politik. Aber groß war die Zahl der Gegner, die, unter sich völlig uneinheitlich, doch durch den Gegensatz zu dieser Fronde zusammengehalten wurden. Bor allem find eS die Konservativen, die im Abwehrkampf gegen diesen ungebärdigen, frondierenden Militarismus stehen, wie der alte Fürst Sa« j o n j i, der älteste Politiker Japans genannt, der Generalstabschef Prinz K a n- I n, der Kriegsminister H a y a s h i. Mit ihnen gehen aber, wenn auch oft aus anderen Motiven, konform solche Realpolitiker wie Außenminister H i r o t a, der Finanzminister Takahashi und erst recht die zwar zur Zeit von der Macht verdrängten Liberalen wie der ehemalige Ministerpräsident Shidehara. Die Radikalen hatten eS dahin gebracht, daß der Schwerpunkt der politischen Entscheidungen sich immer mehr von Tokio nach Mandschukuo verlagerte. Der Schlag gegen die Extremisten und National-Radikalen erfolgte gerade, als die Kwantung-Armee im Begriff stand, sich noch weitere Machtvollkommenheiten anzumaßen. In Nordchina und in der Mongolei hatte man die Regierung zu einem ihr unerwünschten Zeitpunkt vor vollendete Tatsachen gestellt. Deshalb hatte Hayashi gehandelt, und die Ermordung seiner Vertrauensmannes N a g a t a war die Antwort der extremen Terroristen darauf. Das T r i u m v t r a t, das die Armee in dör Hand hat, bestehend üus'Hah^shi, dem genannten Prinz enKan-Jn und dem Oberfickornman- dierenden General Watanabe, bezeichnete es als Hauptaufgabe, die Armee zu ihren Pflichten zurückzuführen. Ueberdenkt man die Argumente dieser frondierenden jüngeren Offiziere, ihr nationalistisches Ungestüm, ihre fascistischen Parolen, ihre Forderung nach Politisierung der Armee, so drängen sich Parallelen mit Deutschland auf, wo der Kamps zwischen Fritsch und Reichenau jetzt auch mit der Niederlage des letzteren endete. Und der Vergleich paßt auch insofern, als die Hayashi und Watanabe dieselben Expansionsziele haben wie die Araka und Mazaki, nur daß sie für ein bedächtigeres Tempo eintreten und sich darum mit Realpolitikern wie Hirota und auch mit solchen Wirtschaftlern Ivie Takahashi, die Abenteuern abgeneigt sind, verbünden müssen. Französische Delegation bei den Sowjetmanövern Paris. Blättermeldungen zufolge wird an den sowjetrussischen Herbst- manövern in der Ukraine die französische Militärmission mit General L o i s e a u an der Spitze teilnehmen. Geschäft geht über Rasse Berlin.(Dsch. P.-B.) Der Stadtrat von Köln hat alle antisemitischenPlakate und Transparente, die von der nationalsozialistischen Partei angebracht worden waren» entfernen lassen. Die Kölner Kaufmannschaft hatte nämlich infolge der Exodus der ausländischen Besucher der Stadt an den Bürgermeister ein Gesuch gerichtet, diese Inschriften schleunigst beseitigen zu lassen. Juden dQrfen nicht Ins Klnol Berlin. Auf Veranlassung der deutschen Arbeitsfront, u. zw. der Baubetriebe der Gemeinschaft freier Berufe hat das„LichtHriel-Burg- theater" in Weimar als erstes deutsches Lichtspielhaus mit sofortiger Wirkung Juden den Zutritt verboten. Sie verbieten Ihre eigene Presse Berlin-(Tsch. P.-B.)-Der Regierungspräsident von Düsseldorf hat in seinem Amtsbezirk nicht weniger als zehn Zeitungen für drei Tage, u. zw. vom 23. bis einschließlich 25. August verboten. Das Verbot ist sehr auffällig, da sich unter den verbotenen Blättern sogar die »Rheinisch-Westphälische Zeitung" befindet, die größte Zeitung des Rheinlandes, die im allgemeinen Wortführerin der nationalsozialistischen Bewegung ist. Polens Gehässigkeit gegen Rußland Moskau. In den„Jswestija" schreibt Radek über die Ausweisung des polnischen Journalisten B e r s o n aus der Sowjetunion, daß Berson sich„auf die Vorbereitung böswillig verleumderischer Meldungen über die Sowjetunion spezialisiert habe, die an ein politisches Rowdytum grenzen, und gegenüber der Sowjetunion sich einen beispiellos frechen und beleidigenden Ausfall erlaubt habe". Im Zusammenhang mit der Verweigerung der Einreisebewilligung für den Korrespondenten der Taß-Agentur, Kowalski, nach Polen weist Radek darauf hin, daß weder die polnische Regierung noch die polnische Presse imstande sind, auch nur einen einzigen Fall einer böswilligen Informierung der Sowjetpresse durch Kowalski anzuführen. Die Verweigerung der Einreisebewilligung ist eine nackte Repressalie. I Die Provokationsmanöver beginnen Rom.(Tsch. P.-B.) Di» diesjährigen großen Manöver haben Donnerstag in den nördlichen Grenzgebieten begonnen. Sie werden sich hauptsächlich in der Gegend von Bozen ab- spielew. Hilfsaktion für Abessinien Paris. Die Blätter melden aus Le Havre, daß dort ein Schiff vor Anker ging, an dessen Bord sich ein« Expedition befindet, die von dem bekannten amerikanischen Archäologen Byron de Prorok in den Bereinigten Staaten zur Unterstützung Abessiniens organisiert wurde. Der Gelehrte sammelte durch Borträge in Frau en- klubs drei Millionen Dollar. Der Expeditionsleiter hofft, noch rechtzeitig ans Ziel zu gelangen, da nach seiner Ansicht die Feindseligkeiten nicht vor dem 15. September beginnen dürsten. Die Expedition soll auch dem»Le Jour" zufolge alle notwendigen Schutz- und Heilmittel gegen Giftgase besitzen. Dis Kehrseite der„Kriegsbegeisterung** Rom. Im Zusammenhang mit der unruhigen Stimmung unter den Eingeborenen von Italien isch-Ostafrika geht man jetzt dazu über, die Eingeborenentruppen äuszutau scheu. D. h. man schickt die Kolonialtruppen aus Erythräa und Somaliländ nach Tripolis und umgekehrt die Spahis aus Tripolis nach Jtalienisch-Ost- afrika.— Um zu vermeiden, daß der Rücktransport von so vielen tausenden von Kranken in Italien die Stimmung der Bevölkerung beeinflußt, wurde Rhodos, die größte Insel des Dodekanes, zur Spitalsbasis eingerichtet und die zwei größten Hotels in Lazarette umgewandelt.— Wegen der- massenweisen Desertionen haben die Abteilungen der Schwarzhemden, die den Grenzdienst versehen, den Auftrag erhalten, auf jeden Verdächtigen zu schießen. „ProgrammgemSS“ London. Wie Reuter aus Malta meldet, seien alle Einheiten der brftischen Mittelmeer- flotte zur Zeit mit der Uebernahme von Proviant und Munition beschäftigt. Diese Maßnahme stelle nichts Außergewöhnliches dar, da die Flotte programmgemäß Ende dieses Monats zu einer Uebungsfahrt auslaufen werde. Der erste Kongreß„Für die Einheit der Wissenschaft“ in Paris, 15. bis 22. September 1935. Auf dem Prager Philofophenkongreß im Herbst 1934 hat sich das Vorhandensein einer starken Strömung gezeigt, die in schärfster Opposition Segen die sogenannte Wiedergeburt der Metaphysik steht, wie sie von manchen Seiten als charakteristisch für da- 20. Jahrhundert angesehen wird, eine Wiedergeburt, die von gewissen Regierungen unterstützt wird, die sich auf eine mystische Auffassung der Politik stützen. Diese, gegenüber der offiziellen Universität-« Philosophie, wie sie besonders in Mitteleuropa getrieben wird, oppositionelle Strömung, hat ein konstruktives Programm ausgearbeitet, dar sich so andeuten läßt: Keine Zerspaltung der geistigen Arbeit in Wissenschaft und Philosophie, keine Lehre von der doppelten Wahrheit, keine grundsätzliche Trennung von Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, sondern Aufbau der ganzen menschlichen Wissens nach einem einheitlichen Plan, nach einheitlichen Grundsätzen, die sich an dem Muster der weitest fortgeschrittenen Wissenschaften orientieren müssen. Diese neue Bewegung für die Einheit der Wissenschaft fußt in ihren Grundanschauungen zum Teil auf den pragmatischen Lehren ber Amerikaner, den positivistischen der Franzosen und der mitteleuropäischen Schule von Ernst Mach. Sie unterscheidet sich von diesen Lehren aber grundsätzlich durch die große Bedeutung, die sie der logischen Analyse zuschreibt, allerdings nicht der alten scholastisch-aristotelischen Logik, sondern der modernen, insbesondere von Bertrand Russell begründeten Logistik. Diese neue Bewegung wurde deshalb beim Prager Kongreß als.Neopositivisten" oder auch, nicht ganz zutreffend, als.Logisten" bezeichnet. Zur weiteren Diskussion und Verbreitung ihrer Anschauungen haben di« Anhänger dieser Bewegung beschlossen, u. zw. schon in Prag, von nun an wo, möglich jährlich einen Kongreß fü.r die Einheit der Wissenschaft(unitt de la scienee) abzuhalten. Der erste soll diesen Herbst in Paris stattfinden und den Namen„Tongis de Philosophie scientifique"(Kongreß der wissenschaftlichen Philosophie) tragen. Der Kongreß, dem auch der Begründer der modernen Logistik, LordBertrandRus- s e l beiwohnen wird, ist von einem in Prag eingesetzten internationalen Komiti veranstaltet, dem u. a. C a r n a p und Ph. F r a n k aus Prag, Morris aus Chicago, Schlick aus Wien, Lukasiewicz aus Warschau, R o u g i e r aus Besancon, Reichenbach aus Istanbul angehören. Dem großen wissenschaftlichen Komiti gehören noch viele namhafte Wissenschaftler, insbesondere französische an, so der Physiker Langevin, der Psychologe Janet, die Mathematiker Ha, d a m a r d und F r i ch e t u. a. m. Zu der neuen. Bewegung, die den Kongreß veranstaltet, gehören insbesondere der sogenannte „Wiener Kreis", die logistische Schule von Polen, die jüngere pragmatistisch« Schul« aus Amerika und di« empiristischen Gruppen auS Skandinavien. Die gereinigte türkische Sprache. Bekanntlich hat Atatürk, der Präsident der türkischen Republik, die Erneuerung der türkischen Sprache durch Ausmerzung der darin vorkommenden arabischen oder persischen Worte angeordnet. Dies« Sprachreinigung ist jetzt abgeschlossen. Die neue offizielle Sprach« seht sich auS 48 Prozent spezifisch türkischer Worte, auS 15 Prozent französischer Worte oder Worte lateinischen Ursprungs und aus 40 Prozent von Worten aus verschiedenen abendländischen Sprachen zusammen. Unglücklicherweise ist diese fabrizierte Sprache für die meisten Einwohner unverständlich und man mußte zur Herausgabe von Wörterbüchern Zuflucht nehmen, von denen die ersten hunderttausend Exemplare dieser Tage in den Buchhandlungen der wichtigsten Orte zum Verkauf ausliegen. Demokratie und Selbstverwaltung Von Otto Friedrich Die deutsche Reichsverfassung ist formal biS zum heutigen Tage nicht außer Kraft gesetzt worden. Wohl aber ist dank jenes Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933 ihr Charakter in allen entscheidenden Punkten ins gerade Gegenteil entstellt worden. Aus einem parlamentarisch-demokratischen Staaisgebilde ist eine Despotie geworden, in der von oben bis unten der unumschränkte Wille Adolf Hitlers regiert. Das Merkwürdigste dabei ist, daß das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht nicht angetastet worden ist und daß Hitler selbst sich immer noch darauf beruft, daß die Staatsgewalt, die er repräsentiert, vom Bolte ausgehe, da ja das Volk sie in seinen Abstimmungen sanktioniert habe.« Wir wissen, daß diese Tatsache nur formal zu Recht besteht und daß die Wahlen nur nach Ausschaltung aller gegnerischen Meinungsäußerungen und häufig unter unverhülltem Terror zustandegekommen find. Aber trotzdem kommen wir um die Tatsache selbst nicht herum, daß offenbar das Plebiszit kein ausreichender Schutz der Demokratie ist, sondern daß Ivie es auch schon bei Napoleon des Dritten der Fall war und sich auch jetzt bei anderen Diktatursystemen gezeigt hat, die Demagogen die Demokratien zu mißbrauchen vermögen, wenn wir als einzigen Beweis für denen Fortbestehen die Aufrechterhaltung eines allgemeinen Wahlrechtes betrachten. In Wahrheit war das Wahlrecht kein ausreichendes und nicht einmal ein entscheidendes Kennzeichen der Demokratie. Demokratie, das heißt BolkSherrschast, besteht nur dort, wo nicht nur der einmalige Wahlakt, sondern auch die dauernde Herrschaftsaktion der Kontrolle und Mitwirkung breitester Volkskreise unterstellt ist. Mit anderen Worten, Kennzeichen der Demokratie darf für uns nicht nur das allgemeine Wahlrecht sein, ihr entscheidendes Kennzeichen ist vielmehr die Aufrechterhaltung einer. wirklichen Selbstverwaltung. Die aus dem englischen Verfassungskampf und auS der französischen Revolu- tivn hcrvorgegangene westeuropäische Form der Selbstverwaltung ist in Deutschland ebenso wie in anderen Diktaturstaaten beseifig worden. In den Kommunen war sie vor weit mehr als hundert Jahren die gepriesene Errungenschaft des Freiherrn von Stein. Heute ist an ihrer Stelle die unumschränkte Gewalt eines Bürgermeisters nach Art des italienischen Podesta errichtet wordtn. i Er und seine Beigeordneten sind lediglich au-füb- rende Organe der staatlichen Bürokratie. Die Länderparlamente, Reichsrat und Reich-Wirt« schafrSrat sind abgeschafft, Reichsstatthalter und Landesregierungen hängen von dem Willen der zentralen Führung ab. Der Reichstag ist einer einzigen Partei überantwortet, die statutenmäßig ebenfalls dem„Führer und Reichskanzler" ohne Oppositionsmöglichkeit unterstellt ist, im Reichskabinett haben die Angehörigen der gleichen Partei die Majorität, und so läuft alles darauf hinaus, daß in sämtlichen Institutionen und Instanzen der Wille Adolf HttlerS allein maßgeblich ist, eine Despotie von Ausmaßen, wie sie die letzten Jahrhunderte nicht mehr gekannt haben. Aller dar ist möglich geworden, weil jegliche Selbstverwaltung in Deutschland aufgehört hat. Man wird also in Zukunft, wenn man einen Staat als Demokratie bezeichnen will, nicht allein danach ftagen dürfen, wie sein Wahlrecht beschaffen ist, sondern wie seine Herrschaft funktionell sich auswirkt, ob er eine Selbstverwaltung hat oder nicht. Machen wir die Selbstverwaltung zu einem entscheidenden Merkmal zwischen demokratischen und fascistischen Staaten, so ergibt sich, daß die alten Demokratien des Westens und Nordens und auch die jüngeren Demokratien innerhalb und auch außerhalb Europas auf der gleichen Linie stehen, auf der sich auch heute die Sowjet-Union, insbesondere nach ihrer neyen Verfassungsrevision, bewegt. Dieses Unterscheidungsmerkmal zwischen fascistischen und nicht- fascistischen Staaten ist nicht nur äußerlicher Art. In der Anerkennung der Selbstverwaltung spricht sich mehr noch als in der Freigabe des Wahlrechtes der Grundsatz aus, daß jeder Bürger eines Landes die Möglichkeit haben müsse, an den Staatsgeschäften durch aktive Mitarbeit, mindestens in Gestalt einer freien Kontrolle, teilzunehmen. Dem Bürger wird damit nicht nur ein einmaliges Recht, sondern eine dauernde Aufgabe zuteil, er wird aus dem Untertan des Staates zu seinem Funttionär. Nur so wird der Obrigkeitsstaat zum Volksstaat. Nur durch die Selbstverwaltung wird er zur Demokratie. Seite 4 Freitag, 23 August 1935 Nr. 196 Drei Militärflieger-Unfälle Drei Lote Prag.(Tfch. P.-B.) Bei den Schlußübungen und bei Aebungen mit anderen Waffen kam es Mittwoch und Donnerstag zu einigen ernsten Fliegerunfallen. Am 21. d. M., stürzte bei einem Luftgefecht in der Slowakei aus dem Flugzeuge„Da 33-22" infolge Lockerung der Halteriemen der Zugs- führer-Pllot Vaclav C o u k vom Fliegerregiment Rr. 1. Er verwendete den Fallschirm und rettete sich, wobei er nur eine leichteVerlet- z u n g erlitt. Das Flugzeug fiel den ersten eingetroffenen Meldungen zufolge auf das Dach eines Hauses. Am 22. d. M., vor 7 Ahr früh havarierte auf dem Feldflugplatz H o l i c das Flugzeug S 16r-3" mit der Besatzung, dem Piloten-Gefreitcn Rudolf H a n i s ch und dem Beobachter Korporal-Aspiranten M. K u l i k, beide vom Fliegerregiment Rr. 2. Bei der Havarie geriet das Flugzeug in Brand und die Besatzung verbrannte. Am 22. d. M., gegen 1v Ahr vormittags stürzte in der Rahe des Flugplatzes Dorh bei P i l s e n das Flugzeug„S 2V-97" ab. Der Pilot Rottmeister Martin S k a l k a vom Fllegerregiment Rr. 4 wurde tödlich verletzt und ins Divisionskrankenhaus in Pilsen geschafft. Die Ursachen der Anglücksfülle werden von Militärkommiffionen untersucht. i——— Flugzeugschuppen begräbt 40 Arbeiter.. Bukarest. In der rumänischen Flugzeugfabrik BAR in Kronstadt ereignete sich gestern ein schweres Unglück. Ein neuerrichteter Flugzeugschuppen stürzte ein und begrub 40 Arbeit ter unter sich. Bisher wurden sechzehn Schwerverletzte und sechsTote geborgen. Die Manöver abgeblasen (E. B.) Donnerstag vormittags um 9 Uhr wurden die Manöver vom Beobachtungsstand der Manöverleitung auf der Kote 452 bei Bukovec nördlich von Brezova in der traditionellen Form durch drei recht feldmäßig aussehende Trompeter abgeblasen, die das von den Kämpfenden sicher mit Sehnsucht erwartete Signal in alle vier Weltrichtungen hinausschmetterten. In diesem Augenblick war gerade in nächster Nähe ein schwerer Lufttampf im Gange und es dauerte noch geraume Zeit, bis die Flugzeuggcschwader voneinander abließen. In der Schlußphase der Manöver gab es am Mittwoch nachmittags nur örtliche Kämpfe. Dagegen gingen am Donnerstag früh beide Parteien unter Einsatz der letzten Reserven zum Angriff vor. Die heftigsten Kämpfe spielten sich im Raum M t> j a v a—B rezova ab. In dem Augenblick, als der Gegenangriff der bisher in die Verteidigung gedrängten roten Partei dank den von ihr tagsvorher herangeführten starken Reserven sich günstig entwickelte und die Roten das Aobergewjcht erlangten, wurden die llebungen abgeblasen. Auf dem Beobachtungsstand der Manöverleitung gab Verteidigungsminister M a ch n i k der Presse eine Erklärung ab, in der er hervorhob, daß man sich über den Verlauf der Hebungen, die die ersten dieser Art in der Westslowakei waren, mit doller Befriedigung anssprechen könne. Die Soldaten hätten Kampfgeist bekundet und ihre Widerstandskraft bewiesen; in dieser Hinsicht könne sich die Bevölkerung auf die Armee verlassen. Der Minister dankte auch der gesamten Bevölkerung im Manöverraum für die gute Aufnahme der Truppen, wobei kein Unterschied zwischen Tschechen und Swwaken gemacht worden sei. Kurz vor dem Abblasen hatte sich die russische Militärmission vom Minister und von der Generalität verabschiedet. Der Führer der Delegation, General Schaposchnikow, dankte dem Minister für die bewiesene Gastfreundschaft und betonte, daß die tschechoslowakische Militärdele- gation, die nach Sowsetrußland entsendet werden wird, dortselbst freudig erwartet werd«. Die russische Delegation habe bei Verfolgung der Manöver erkannt, wie sorgfältig sie vorbereitet und wie vorzüglich sie geleitet und geführt Wurden. Der rumänische Militärdelegierte, Kommandant der rumänischen Kriegsschule, General S p i- r o i u, sagte beim Abschied von Minister Machnik, daß das rumänische Volk ebenso wie das tschechoslowakische Volk seine Armee liebe und ebenso wie das tschechoslowakische Volk bereit sei, im Bedarfsfälle für seine Freiheit zu sterben. Bon dem' Mnifter verabschiedete sich ftrner sehr herzlich ein jugoslawischer Gast, der Kommandant der Belgrader Kriegsschule, General§ t e- fanov. In einem offiziellen Bericht wird der gesundheitliche Stand der an den Manövern beteiligten Truppen als»über alle Maßen befriedigen" bezeichnet, da von den rund 60.000 an den Manövern beteiligten Soldaten nur 142 ins Krankenhaus geschafft wurden. In vielen Fällen handelte es sich um Blinddarmreizun- g e n. • Nach Beendigung der Manöver fand auf dem Berg B r a d l o bei Brezova, auf dem sich ein mächtiges Grabmal des ersten tschechoslowakischen Kriegsministers Dr. S t e f a n i k erhebt, eine Gedenkfeier statt, an der die Minister Machnik, B e ch t) n i und Dr. Fg: a n k e, ferner die Manöverleitung und ihre Gäste, die Wehrausschüsse der beiden Kammern, die höheren Offiziere der Kommandostellen und zahlreiche Deputationen aus den umliegenden Ortschaften teilnahmen. Der Verteidigungsminister schritt die Ehrenkompagnie ab, worauf die Staatshymnen intoniert wurden. Unter den feierlichen Klängen des russischen Chorals»Chol slaven" wurden an dem Grabmal fünf Kränze im Namen des Präsidenten der Republik, für die Regierung, für die Wehraus- schüsse der beiden Kammern, für die Armee und schließlich namens der an den Manövern beteiligten. Journalisten niedergelegt. Die Feier war vielleicht gerade dadurch um so eindrucksvoller, als keine Reden gehalten wurden und außer den wenigen militärischen Kommandos kein Wort die tiefe Stille störte.* Vom Rundfunk lm*tahl«niwwi«i aus 4m ProaramMMi SamStag Prag, Sender L.: 10.08 Deutsche Presse. 11.00 Schallplatten: Schumann, 11.05 Schram- melkonzert, 12.10 Leichte Musik, 12.30 Jazzorchesterkonzert, 15.00 Tanzmusik, 16.30 Militärkonzert, 19.00 Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.28 Tief drin im Böhmerwald, Bilder aus dem Leben des Glasmachers Hartauer, 19.00 Deutsch« Presse, 22.30 Chansons. Sender S.: 7.40 Leichte Musik, 14.50 Deutsche Sendung: Labitzky. der Karlsbader Walzerkönig, 14.50 Deutsche Presse.— Brünn: 17.40 Deutsche Sendung: Schrammel-Trio, 18.10 Operettenlieder 18.45 Harmonika-Solos, 20.55 Wie der Schlager entsteht und stirbt.— Mähr.-Ostro«: 20.10 Unter- haltungsmufik.— Kaschau: 18.55 Kinderlieber, 23.30 Orchesterkonzert. Raubmord wegen 15 Kronen oder Rachemord? Der Gastwirt Josef Gareiß in Schön- f e l d bei Karlsbad ist einer mysteriösen Bluttat zum Opfer gefallen. Dienstag nachts wurde der 74jährige Mann mit einem Schuß in das Auge in der Küche tot aufgefunden. Das Küchenfenster stand offen, auf dem Fensterbrett lag ein ausgeschossener Trommelrevolver, Kasten und Laden waren durchwühlt, der Inhalt der Geldschatulle des Greises— fünfzehn Kronen— fehlte. Es scheint, daß der alte Mann, bei dem in letzter Zeit schon einigemal Einbrüche versucht wurden, obwohl seine trostlose materielle Lage in der Gegend bekannt lvar, in der Nacht durch ein Geräusch in der Küche erwacht ist, nachsehen ging und dabei von dem Einhrech;x„e r s ch o s s e n wurtze., Da,Dareiß vor lurzem' eine in Schönfeld^ aufgegebene anonyme Karte erhalten hatte, in der ihm angedroht wurde, der Schreiber werde ihm»die seinerzeit erhallenen Hiebe mit Zinsen und Zinseszinsen zurückzahlen" ist cs auch möglich, daß es sich um einen Rachemord handelt, besten wahres Motiv vielleicht nur durch den gleichzeitigen Raub verschleiert werden sollte. Bisher fehlt aber von dem Mörder jede Spur. Abschied von der internationalen Falkenrepublik Bcrneuil. Zwei Tage nach einem schönen Kameradschaftsfest feierten die französischen roten Fallen mit denen aus der Tschechoslowakei Abschied. Der Lagerpräsident Genoffe M o n n e t hob in einer Rede besonders die vorbildliche Disziplin der roten Falken aus der Tschechoslowakei hervor. Im Namen der Delegation aus der Tschechoslowakei richtet nun Genoffe Willi Hocke Worte des Dankes an die uns sehr liebgewordenen französischen Freunde und überreicht ihnen eine schöne große rote Falkenfahne zum Zeichen der dauernden Freundschaft. „Sprechende Bücher" London. Ter bekannte Automobilfabrikant Lord Nuffield widmete dem Nationalinstitut für Blinde den Betrag von 5000 Pfund Sterling, um die Schaffung einer Bibliothek„sprechender Bücher", bestehend aus Platten zum Zwecke der mechanischen Reproduktion, zu ermöglichen. Es werden besondere Reproduktionsapparate für Blinde geschaffen. Vorläufig werden 25 Bücher, beginnend mit dem Evangelium Johannis und mit einem spannenden modernen Roman endend, ausgenommen. Untersuchen genügt nicht! So oft im Lande ein Unglück geschieht— und die Tschechoslowakei ist natürlich in diesem Punkte nicht besser daran als andere Länder— wird der Meldung amtlicherseits die Bemerkung beigefügt, daß amtlich untersucht wird. Das wäre gut und richtig— aber das allein genügt wirklich nicht. Wenn beispielsweise an einem Tage drei Militärflieger-Katastrophen sich ereignen, dann ist's wohl selbstverständlich, daß die Dinge untersucht werden. Und wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, daß solche Untersuchungen auch wirklich gewissenhaft und unparteiisch durchgeführt werden. Aber wir betonen immer wieder: das allein genügt nicht. Die Oeffentlichkeit hat auch ein Anrecht darauf, i über das Ergebnis solcher Untersuchungen etwas zu erfahren. Und damit scheint es bei uns nicht gerade vorbildlich demokratisch bestellt zu sein. Wenn wir uns einmal der Mühe unterzögen, etwa einen Jahrgang unseres Blattes daraufhin durchzusehen, bei wie vielen Unglücksmeldungen der amtliche Vernier! eingelefteter Untersuchung beigefügt war, über wie wenige Untersuchungsergebnisse aber dann auch an die Oeffentlichkeit berichtet wurde— es käme da ein arges Mißverhältnis zutage. Wir meinen hier natürlich nicht die ganz großen Katastrophen, wie etwa die im Nelson-Schacht, über deren Untersuchung die Oeffentlichkeit alles Wissenswerte und Wichtige erfuhr. Aber die tägliche Katastrophe, die meinen wir! Denn in diesem Punkte erinnert die Praxis an das bekannte Wort: Operation gelungen, Patient gestorben: Untersuchung ^ingeleitet, Fall erledigt. Er ist cs dann ja wohl auch leider für die breite Oeffentlichkeit. Um so mehr aber neigt sie dann da^u, die Klischee-Meldung'^Von her'^emgelinteten' Un-' tersuchung" als eisten bloßen Versuch der Beruhigung hinzunehmen und hält dann von den Untersuchungen selbst weniger, als sie verdienen. Also entweder soll man die Redaktionen und damit die Oeffentlichkeft mit dem Schimmelsatz von der sofort eingeleiteten Untersuchung verschonen oder aber in jedem Falle später das Untersuchungsergebnis mitteilen! Darlehen für die Stadt Rrichenberg. Die Stadt Reichenberg hat von der Landesbank ein Darlehen von 8.6 Millionen XL bekommen, welches vor allem dem Ausbau des Elektrizitätswerkes und der elektrischen Straßenbahn dient. Schwierige Bergung. Aus Berlin wird berichtet: Die Aufräumungsarbeiten in der Gö- ringstraße, wo die Decke der Untergrundbahn einstürzte, schreiten ziemlich langsam vorwärts, da sich immer neue Schwierigkeiten ergeben. Abteilungen der Genietruppe und auch Gruppen von^öergleuten mit modernen Maschinen machen alle Anstrengungen, um die Einsturz- maffen zu durchdringen und endlich das Schicksal der verschütteten Arbeiter kennen zu lernen.— Auf dem Brandgclände an der Berliner F u n k- a u s st e l l u n g hat man gestern die zweite vollständig verkohlte Leiche eines Angestellten einer der ausstcllcnden Firmen gefunden. Somit ist die Zahl der Todesfälle auf drei gestiegen. Banditen in Mexiko. Der Chef der Landpolizei in Piaxtla im mexikanischen Staate Puebla teilte mit, daß seine Abteilungen einen großen Kampf mit einer starken Banditenhorde bestanden haben. Bei dem Kampfe wurden zehnRäu- ber erschösse^. Aus der ArbeMer-Turn- und Sportbewegung Leistungsprüfungen um das Sportabzeichen In den nächsten Wochen beginnen in allen Bezirken die Leistungsprüfungen um das Sportabzei-- chen für die Jugend. Die Prüfungen werden in zwei Altersgruppen durchgeführt: 15 bis 17 und 18 bis 21 Jahre. Die Prüfung umfaßt 10 Stoffgebiete. Die ersten fünf Punkte prüfen die körperliche Leistungsfähigkeit im Laufen, Springen und Werfen, Geschicklichkeit und Kraft, die zweiten fünf Prüfungspunkte befassen sich mit den Kenntnissen und der Bereitschaft, die Kennrniffe in den Dienst der Betvegung zu stellen..Im ersten Iahte der Leistungsprüfungen geht es nicht so sehr darum, eine große Anzahl von Jugendlichen zur Prüfung zu bekommen, als vielmehr um eine ganz gewissenhafte Durchführung der Prüfung. Die Prüfungskommissionen haben vor der Prüfung eine Beratung abzuhalten und dem Kreisturnwart Ort und Zeit der Prüfung anzuzeigen. Die Prüfung darf nur mit den offiziellen Leistungslisten, die beim Verband in Aussig kostenlos zu haben sind, durchgeführt werden. Die Prüfungsgebühr beträgt 5 XL. Konferenz der BezirkSobmänner des Atus. Am 21. und 22. September findet in Komotau eine Konferenz der, Bezirksobmänner mit dem erweiterten Vorstande deS Atus statt. Neben organisatorischen Fragen des Verbandes werden auch die Vorarbeiten für das dritte Bundesturnfest in Komotau 1936 behandelt werden. Die wichtigsten Beschlüsse über die Gestaltung des Festes und. seine Finanzierung werden nach gründlicher Durchberatung gefaßt werden. Tschechisch« Arbeitersportler in Aussig. Dreißig Prager Sportler der DTJ., die zu de« besten ihres Verbandes gehören, treten am kommenden Sonntag in Aussig gegen ausgetvählte Sportler des V. Kreises zu sportlichen Wettkämpfen an. Die Wettkäinpfe beginnen am Sonntag, um 8 Uhr vormittags auf dem Aussiger Stadion und werden bis Mittag beendet sein. Der tschechoslowakische Astronom Dr. Karl Hujer traf auf seiner Jndienreise Mitte Juni in Madra ein und unternahm seither eine Reihe von Reisen durch Südindien. Er besuchte auch die südindische Universität Annamalai. wohin er von der dortigen mathematischen Gesellschaft eingeladen worden war. Als südlichsten Ort Indiens erreichte Dr. Hujer die Stadt Ma« dara, von wo er wieder nach Norden zurückkehrte. Am 31. Juli war Dr. Hujer in Vardha Gast G a n d h i s, der für die Arbeiten unseres Landsmannes reges Interesse bekundete. Mitte August trat Dr. Hujec> die Rückreise nach Bombay an, um nach Europa zurückzukehren, Di« Einschreibung in die staatliche Schule für Verkehrs- und Kammerstenographie für das. Schuljahr 1935/36 findet vom 9. bis 14. September d. I. täglich von 17 bis 19 Uhr im Staatsinstitut für Stenographie in Prag I, Dusch 7, statt. Für Hörer der Prager Hochschulen dauert die Nachtragsfrist für die Einschreibung bis 12. Oktober 1935. Eröffnet wird eine Anfangsabteilung für das System Herout Mikullk, eine Abteilung für Verkehrsschrift(für Fortgeschrittene) nach dem System Herout Mikulik und, falls sich eine genügende Zahl bon Hörern meldet, auch eine solche Abteilung nach dem System Gabelsberger, ferner eine Abteilung für KannnN« stenographie nach dem System Herout Mikulik und nach Gabelsberger und eine Abteilung für deutsche Stenographie. Die Gebühren müssen bis spätestens l. Oktober d. I. entrichtet werden. Informationen in den Amtsstunden täglich bon 17 bis 19 Uhr, außer an Samstagen, mündlich und schriftlich, in der Leitung des Institutes. Die Wetterlage ist in den Grundzngen un« verändert. In der Westhälfte des Binnenlandes herrscht heiteres Wetter und die Temperatur nimmt andauernd zu. Im Osten ist es bewölkt und kühler, die Regenfälle haben jedoch bereits meist aufgehört. Der bisherige Wettercharakter dürfte anhalten. Wahrscheinliches Wetter heute: Im ganzen schön und vorwiegend trocken. Im Südwesten des Staats wärmer und geringere. Bewölkung als in den übrigen Gebieten.— Wetteraussichten für m o r g e n: Allgemeiner Wettercharafter ohne wesentliche Aende« rung. Der Suezkanal, der für italien! sche Schiffe gesperrt werden soll Nr. 196 Freitag, 23. August 1935 Leite 5 Predigt für Taube. Siebenhundert taube Menschen nahmen an einem Sondergottesdienst teil, der in London in der St. Pauls Kathedrale abgehalten wurde; in der Hauptsache waren di« .Hörer" Sportler, die an den internationalen Wettkämpfen, die in White City, London, stattfinden, teilnehmen. Eine internationale Zeichensprache— gleichsam ein Esperanto für Taube— wurde«»gewendet. Kaplane und Missionare bestiegen die Kanzel und absolvierten Gebete und Psalmen. Dann kam die Predigt, die von dem Obmann der Spiel-Exekutive, Roel Curtis Bennett»gelesen" wurde. Plötzlich erhob sich alles von den Plätzen. Eine Hymne wurde„gesungen", bei der kein Laut vernommen wurde. Fische„ersticken" vor Hitz«. Tausende von Fischen find an der Oberfläche der Seine erschienen und konnten von den Parisern mühelos gefangen werden. Die armen Tiere kamen vor Atemnot an die Oberfläche, da infolge der entsetzlichen Hitze das Wafier zu wenig Sauerstoff enthielt; sie kommen halb erstickt nahe an das llfcr, um Luft zu holen und werden so eine leichte Beute für jeden. Man fürchtet, daß der Fischbestand der Seine erschöpft werden könnte. Deshalb haben die Behörden eingegriffen. Verurteilter Nazi. Der 21jährige Tagarbeiter Erwin Dörfler aus Schwaderbach wurde vom Egerer Kreisgericht zu vier zehn Ta- genArrest mit einer Faste unbedingt verurteilt, weil er in einem selbstgeschriebenen Gedicht, daß er vertrieben hatte, die Republik in rober Weise geschmäht und herabgesetzt hatte. Dörfler, der eifriger Nazi ist, hatte sein Pamphlet auch in den angrenzenden sächsischen Gemeinden in Umlauf gebracht. Die Schlafkrankheit ist plötzlich im Bezirk Kobe und in W e st j a p a n aufgetreten. Bei etwa 200 Fällen hatten bisher 83 Fälle«inen tödlichen Ausgang. Postkarte, nach 28 Jahren zugrstrllt. Eine Postkcwte, die 1907 aufgegeben worden ist, hat jetzt erst die Adreffatin Frau Hopgood in Bromley, Kent, erreicht. Sie ist von ihrem Sohn geschrieben worden, der bereits zehn Jahre tot ist. Jugend-Elend in der Türkei. Das türkisch« Justizministerium hat beschloffen, sofort besonder« Jugendgerichte einzuführen. In Betracht kommen zunächst Konstantinopel, Ankara, Smyrna und Diarbekir. In den übrigen Städten werden sie nur im Bedarfsfälle errichtet werden. Auf Grund der Statistik werden jährlich in Konstantinopel an 8000 Kinder verhaftet. Um das Vagabundieren von Kindern einzuschränken, wurde eine Sonderkommission zur Feststellung vagabundierender Kinder beiderlei Geschlechte» eingesetzt, welche die Nächte in Opiumhöhlen verbringen, H a s a r d4 vielen huldigen, unter den Brücken, an menschenleeren Orten sowie in den Gaffen schlafen. Die meisten von ihnen werden Berufsdiebe und verursachen der Polizei viele Sorgen. Volkswirtschaft and Sozialpolitik Die Glasfabrik in Winterberg Unerhörte» Verlangen der FairikSleitmr- Da»„Prävo Lidu" wendet sich in einem ausführlichen Artikel gegen die Leitung der Winterberger Glasfabrik. Diese Fabrik gehörte früher der Firma Moser, ging aber dann in den Besitz einer tschechischen Gruppe über, die sich auf die Zivnostenskä banka stützte. Die neue Leitung, der die Freien Gewerkschaften unbequem waren, versuchte dort gelbe Organisationen zu züchten und die Löhne zu drücken. Die Fabriksleitung bezw. der BerwaltungSrat, an deffen Der Kopfschutz Bon Bruno Bogel. Dies ist ein Stück auS einem Feldpostbrief, den ein Gymnasiast an einen Schulfreund schrieb. x,... Seit vorgestern sind wir, oder besser: was von uns übriggeblieben ist, wieder in Ruhe. Die drei Wochen gehören zum Schlimmsten, was ich bis jetzt erlebt habe. Mit etwa 120 Mann war unsere Kompanie in Stellung gegangen— 31 sind zurückgekommen. Doch kann man das gar nicht schildern, wie das war, der Krieg wird von Monat zu Monat gräßlicher. Und ich Narr habe mich freiwillig gemeldet! Freiwillig gemeldet in diese Hölle! Was wußten wir armen, mißbrauchten Kinder vom Leben, was wußten wir vom Krieg! Was wußten wir von den dreckigen Zoten und Gemeinheiten, mit denen wir hier übergossen werden, von den MaffenbordellS, von der grenzenlosen Sehnsucht nach daheim, von Hunger, Läusen und Haß. Dävon, daß auf dem„Felde der Ehre" Menschen in ihren zerrissenen Eingeweide« herumwühlen, daß Menschen an ihren Wunden allmählich zu Tode eitern, nächtelang brüllend im Stacheldraht— wie es ist, wenn man jemandem das Bajonett in den Bauch rennt und der sieht einen dabei so an(wie einen ein Mensch dann ansieht! Daß man darnach über- l'aupt noch weiterleben will). So schön einfach hatte man sich das vorgestellt: An einem Sommertag stürmt man über ein Feld, das Gewehr in der Rechten, durch den Kugelregen, die Feinde fliehen nach dem Walde Spitze der Winterberger Tschechenführer Dr. Bu- dinsky steht, hat es abgelehnt, den im Jahre 1932 abgeschlossenen Kollektivvertrag anzuerkennen, trotzdem dessen Verbindlichkeit gerichtsordnungsmäßig bestätigt wurde. Nach dem Vertrag sollte ein qualifizierter Glasarbeiter wöchentlich 280 bis 340 Xc erhalten, in Wirklichkeit be- -trug der Maximallohn 239 XL, der Durchschnittslohn aber nur 200 XL, der der weniger qualifizierten Arbeiter 140 XL. Dazu kommt noch, daß der Betrieb einen Teil des Lohnes den Arbeitern einfach schuldig bleibt und einzelnen Arbeitern mehrere tausend Kronen schuldet. Die Firma hat nun angesucht, den Betrieb einzustel« len und bei den Verhandlungen hat der Bertre« Vergesst es Bericht über Dachau Von gutinformierter Seite wird uns der folgende Bericht über das berüchtigte Konzentrationslager Dachau zur Verfügung gestellt. Es befinden sich in Dachau nach wie vor etwa 1600 Schuhhaftgefangene, frühere Kommunisten, Sozialdemokraten, oppositionelle SA- Leute, Juden, seit einiger Zeit auch Landstreicher und Kriminelle, die vielfach zu Spitzeldiensten unter den politischen Gefangenen herangezogen werden. Einige hundert von diesen Schutzhäftlingen befinden sich schon seit April bis Mai 1933 in Dachau, also schon über zwei Jahre, ohne Aussicht auf Entlassung, solange das Dritte Reich besteht. Die Bewachung üben SS-Mannschaften auS, u. a. von der Leibstandarte München. Di« ohnedies eingeschüchterten Gefangenen— das Lager ist von elektrisch geladenem Stacheldraht umgeben und steht unter den Mündungen mehrerer Maschinengewehre— leiden unter einem wahren Schreckensregiment. Nach allen Aussagen gibt es nur vereinzelt SS-Leute, die die Gefangenen menschlich zu behandeln versuchen. Dagegen sind gerade unter den vorgefetzten SS-Führern Elemente, die ihre Herrsch- fucht und ihren Sadismus an den schutzlosen Gefangenen austoben— mit Wissen und oft unter Anstiftung deS Lagerkommandanten und der vorgesetzten politischen Behörden. Al» die schlimmsten Peiniger gelten die SS-Führer Spoh- rer, Erspenmüller, Dalarmi. Es ist llar, daß die Haltung der untergeordneten SS- Mannschaften von derjenigen ihrer Führer bestimmt wird, mit denen sie denn auch an Grau« famkeit wetteifern. Man kann sich den Druck vorstellen, unter dem ein Lager steht, in dem willkürliche Anlässe schlimmste Exzess« auslösen kön»< nen. Und dieses Regime wird gedeckt von den politischen Behörden, die die abschreckende Wirkung der Konzentrationslager brauchen, um di« aufkeimende Unzufriedenheft in der Bevölkerung zu ersticken. Die Gefangenen sind in den Baracken einer ehemaligen Munitionsfabrik untergebracht. Di« Baracken(und die Fußböden) find au» Beton mit einfachen Bretterdächern, durch die der Wind dringt. Infolgedessen sind die Baracken während de» Winters außerordentlich kalt, umsomehr, als Oefen nur in ganz ungenügender Zahl vorhanden find. Al» Brennmaterial steht nur schlecht getrockneter Torf in lleinen Mengen zur Verfügung. Die hygienischen Verhältnisse sind sehr mangelhaft. Die Wasch- und Aborteinrichtung ist völlig unzureichend. Da die fürS Waschen bestimmte Zeit sehr beschränkt ist, drängen sich immer zehn bi» zwanzig Häftlinge gleichzeitig um die Waschgelegenheit. Die ärzt«| zu— die Kameraden schreien Hurra!— und dann ein Reißen in der Brust, man stürzt, Blut, ein letzter Gedanke, die Lippen formen noch einmal den Namen eines lieben Menschen— und vorbei ist alle Sehnsucht und Qual... So glatt geht das aber nicht immer: man kann zum Beispiel auch blind gefchoffen werden. Oder es zerfetzt einem das Gesicht zu einer Fratze, daß man nicht mehr wagt» sich in den Spiegel zu schauen. Mein Dienst am Vaterland besteht heute und die folgenden Tage darin, den Angehörigen der Gefallenen unserer Kompanie Briefe zu schreiben— sie also nach Kräften zu beschwindeln. Alle Kameraden müssen natürlich durch Kopfoder Brustschuß gefallen und sofort tot gewesen sein. Ach, wenn die zu Haufe wüßten, wie ihre Söhn« und Männer und Väter oft verreckt sind! Wenn man statt der Briefe, in denen von Kopf« und Brustschüffen gelogen wird, den Hinterbliebenen ein paar Hundert Meter Film und eine Grammophonplatte schicken könnte, in denen die letzten Bewegungen und Schreie ihrer.Helden an der Front" festgehalten sind— der Krieg wäre schon längst zu Ende. Bon einem Kopfschuß will ich dir etwas ausführlicher berichten: , Eines Abends mußten wir angreifen. Ein paar Dutzend Meter sind wir aus dem Graben, da packt un» das Sperrfeuer. Wir kommen nicht durch, eine halbe Stunde später hat e» uns in unsere Stellungen zurückgepeitscht. Das feindliche Feuer rast weiter, vor unseren Gräben, zwischen un». Höchste Alarmbereitschaft ist befohlen. Zitternd vor Erschöpfung ter der Fabrik Dr. Budinsky erklärt, man könne den Betrieb nur aufnehmen, wenn die Löhne um 18 Prozent herabgesetzt werden, wenn die Fabrik alle Kohlenlieferungen an die Arbeiter einstellt, wenn die Arbeiter auf den Urlaub verzichten und wenn sie sich damit begnügen, nur 50 bis 60 Prozent ihre» Luhnes in barem zu erhalten. Der Vertreter der Arbeiterschaft, Genosse Jungbauer, hat diese Anträge" zurückgewiesen, weil es sich hier direkt um eine Provokatton der Arbeiter handelt. Die Entscheidung liegt nun in den Händen des Handelsministeriums sowie des Ministeriums für soziale Fürsorge— wie das Fürsorgeministerium entscheiden wird, kann man sich denken.' E» wird das Interesse der Arbeiter energisch vertreten. niel liche Behandlung läßt auch sehr zu wünschen übrig. Im Lazarett befinden sich nur die Schwerstkranken und Schwerstverletzten, so daß viele Gefangene e» vorziehen, sich in den Barak- ken auszukurieren, um die Leiden dieser Unglücklichen nicht mitansehen zu müssen. Die Verpflegung wird als kraftlos und auch quantitativ nicht ausreichend geschildert. Die Kost der SS-Mann- schäft ist bedeutend bester. Besuchern des Lager» wird meist dieses Essen vorgeführt, von dem aber die Gefangenen nichts bekommen. Dabei ist die Arbeit, die die Gefangenen— natürlich ohne die geringste Bezahlung— leisten müssen, meist außerordentlich anstrengend. Besonders gefürchtet sind die Wald-, Straßen- und Moorarbeiten. Bei der Sttaflompagnie, bei der sich die meisten Juden besinden, erfolgt die Arbeit unter M i tz- handlungen und Beschimpfungen mit nacktem Oberkörper in größter Kälte, bis an die Knie im Master ufw. Ein Kapitel für sich sind die Arrestzellen, Bunker genannt, in die die Häftling« offiziell bei Vergehen gegen die Lagerordnunq (übrigens steht auf jeden Versuch von Meuterei die Todesstrafe) bis zu 3 Monaten gebracht werden dürfen. In Wirflichkeit aber werden die Gefangenen völlig willkürlich hinringesteckt, und es sind Fälle vorgekommen, wo sie bi» zu sieben Monaten darin verblieben. In de« meiste« Fällen aber dauert es nicht so lange, denn nach kürzerer»der längerer Zeit erliegt ein großer Teil de« fürchterlichen Mißhandlungen, die dort in völliger Abgeschlossenheit von der Außenwelt nnd den übrigen Gefangenen vor sich gehen. Besonder» gefürchtet sind in dieser Bezjr- hnng dir außerhalb des Lager» gelegenen Bunker. Manche dieser Unglücklichen— menschliche Wracks, denen zum Teil infolge der M i ß h a n d l» n g e« Gliedmaße« bei lebendigem Leib ab- faulen— wurden von Mitgefangenen gesehen, wenn st« zur Vernehmung geschleppt wnrden. Häufig wurden insbesondere oppositionelle oder sonstwie mißliebige Nationalsozialisten und SA-Männer bei ihrer Einlieferung ins Lager in diese„T o d e S z e l l e n" geführt, um z» verhindern, daß sie mit den übrigen Lagerinsassen in Verbindung kommen. Dort fanden sie dann den Tod. Einzelne Namen wurden trotzdem im Lager bekannt, so Freiherr von Hahn, der im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand genannt wurde, Hauptmann Röhrbein, der so unvorfichttg war, im Polizeige- gefängniS in München Mitgefangenen wie dem IJournalisten Waller Tschuppik von seiner stehen wir am Maschinengewehr und stieren in die Nacht. ES ist Mondschein. Manchmal flattert ein« weiße Leuchtkugel hoch. Wir sprechen kein Wort. Nur der kleine Lyschen sagt einmal ganz leise:„Der Werner ist auch tot..." Ich sehe ihn an: er weint. Hin und wieder hören wir trotz des tobenden Artilleriefeuer» von vorn den Schrei eine» Verwundeten. Da— aufpassen! Da ist was lo»l,.. Nein, da» ist kein Angriff. Mn einzelner Mann kommt auf uns zu. Langsam kommt er durch das wütende Feuer auf u«S zu. „Das wird ein Verwundeter von uns sein." „Wahrscheinlich einer mit Beinschuß, weil er so langsam gebt. Den erwischt'» noch, ehe er rankommt." ES vergehen vielleicht zehn Minuten, bi» er an unserem Graben steht. Wir helfen ihm herein. ES ist Peuticke aus unserer Parallelklasse, jetzt ist er bei der 5. Kompanie. Er trug oft in der Kantine witzige Couplets vor, er wußte unzählige. Ich habe einmal ein« Stund« zusammen mit ihm nachsitzen müssen. Er hatte damals zum dritten Male sein lateinisches Vokabelheft vergessen. Jetzt hat ihm ein Granatsplitter den Unterkiefer und die Zunge weggeriffen. Blutiger Schaum atmet vor der fürchterlichen Wunde. Er will un» etwa» sagen, doch es wird nur ein hilfloses„Arachachach..." Er tippt mit dem rechten Zeigefinger an ein« Gewehrmündung und dann an seine Schläfe. Und sieht un» der Reihe nach an. Kester kann das ttm. Beteiligung an der Ermordung des deutschnatio- nalen Führers Oberföhrrn- zu berichten. Die engen Arrestzellen, die wenig oder gar kein Tageslicht hineinlasten, sind außerdem noch großenteils ungeheizt. ES ist daher mehrfach vorgekommen, daß sich Häftlinge einzelne Glieder erfroren haben, ja, Anfang 1934 sind zwei oppositionelle TA-Leute in diesen Zellen erfro ren. Di« Kost für diese Häftlinge ist besonders schlecht. Am meisten drangsaliert werden in der Regel die jüdischen Gefangenen. Hier tobt sich der von Hitler und der Partei seit Jahren geschürte, stark sexuell gefärbte Antisemitismus der SS-Leute hemmungslos aus. Juden werden, nicht nur in der erniödrigsten Weise behandelt, zu den mühseligsten Arbeiten herangezogen unv dabei besonders gequält(bekannt ist die von menschlichen Zugtieren gezogene Straßenwalze),' sondem sie sind auch bei der Entlassung besonders benachteiligt, und hier wiederum vor allem di« Juden aus Nürnberg und Franken, wo Julius Streicher herrscht. So sind von den 17 Nürnberg-Fürther Juden, die nach Dachau kamen, bisher nur drei entlassen worden. Fünf befinden sich noch in Dachau und alle Uebrigen— in zeitlicher Reihenfolge: Benario, Goldmann, Lehrburger, Schloß, Schmitz, Dr. Katz, Stiebel, Dr. Rosenfelder, Gans und Kohn wurden er-' mordet, oft in der bestialischsten Weise. Den Angehörigen wurde in der Regel verwehrt, den Sarg zu öffnen. Der vorletzte bekannt gewordene Mord in dieser Reihe, der an dem Angestellten Erich GanS, hat sich folgendermaßen zugetragen:' Gans befand sich seit April 1934 im Arrest. Am 1. Juli kam eine Abteilung der SS-Lagerwache von ihrer Mordarbeit in München, Stadelheim und Wiessee zurück und tobte ihre noch unbefriedigte Wut an den wehrlosen Insassen der Arrestzellen aus, wobei sie u. a. einen ehemaligen kommunistischen Funktionär Walter Hänisch und den genannten Erich Gans ermordeten. Des«, sen Angehörige, seit April ohne Nachricht von ihrem Sohn, erhielten erst im Oktober auf vielfaches Drängen die Todesnachricht mit der Asche zugesandt! Um die allgemeine Lage z« illustriere«, nur noch einige Beispiele. An einem Märzabrnd 1934 schoß ohne jede«Anruf ein SS-Mann in eine debattierende Gruppe hinein» wobei zwei Häftlinge getötet wurden.—- SS-Mann Spohrer, unerschöpflich im Erfinden neuer Grausamkeiten, hat u. a. einen oppositionellen SA-Mann in der Weise umgr- tracht» daß er au» einem Hydranten durch einen Schlauch solange rinm starken Waffer- strahl in dessen Aster spritzen ließ, bis die i n gew^ide^ z r r riM t n. Seit dem Frühjahr 1935 wird" ein Teil der' Bewachung durch Landespolizei ausgeübt. Daß die Berhältniffe dadurch nicht bester wurden, zeigen schon die seüdem geschehenen weiteren Morde. Im Juni 1935 wurden plötzlich sämtliche Gefangene in eine Reihe kommandiert. Ein Uniformierter eröffnete ihnen dann, daß jetzt zwei das Leben verlieren sollten, aber wer das sein sollte, würden die Schüsse zeigen! 15 Meter vor den Gefangenen standen eine Anzahl SA-Leute mft geladenen Gewehren. Plötzlich wurde, Zehrt!" kommandiert, und die Gefangenen standen mit dem Rücken zu den Schützen. Dann fielen zwei Schüsse— aber niemand fällt um, und dir SA-Leute gröhlen vor Lachen, daß sie mit eia paar Schüssen die Gefangenen erschreckt haben. So machen sie es noch mehrere Male, bi» dann wirflich zwei Opfer ausgewählt und erschossen werden! Die Gefangenen mußten danach die beiden Erschossenen Wegtragen. Juni 1935! F. Er tritt einen Schritt auf mich zu und sagt wieder:„Arachachach!" Er legt die rechte Hand auf meine Schulter und sieht mich an. Unendlich traurig betteln seine Augen um Mitleid. , Er greift nach meiner Pistolentasche, nimmt di« Pistole heraus. Und wendet sich ab. Kauert nieder im Graben. Den lin ken Arm hält er vor die Augen. Wie er die Pistole ansetzt, wimmert er unterdrückt. Ein Schuß— auS. Und wofür, wozu, warum das alles?! Was geht das mich an, daß in Sarajevo irgendjemand irgendjemanden erschossen hat? WaS geht mich die angeblich von England angetastete Freiheit der Meere an? WaS habe ich davon, ob Triest dem Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn, Elsaß«Lothringen zu Deuffch-' land gehört? Meinetwegen mögen sie zu Siam gehören. „Der Kaiser rief und alle, alle kamen", hat man uns neulich auf einem Unterhaltungsabend von einem Clown rezftieren lassen— wenn ich gerufen hätte, kein einziger Kaiser wäre gekommen! Ich hätte noch viel über alle diese Fragen zu schreiben, aber in zehn Minuten sollen wir' entlausen gehen. So mache ich für heute Schluß... Es ist erst neunzehn Jahre her, seit dieser Bries geschrieben wurde. Der Junge, der ihn schrieb, fiel wenige Tage später. Durch Kopfschuß, wie es in der Mitteilung an die Angehörigen hieß. E» ist erst neunzehn Jahre her. grite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 23. August 1935. Nr. 196 Thomas Morus— Vorbild oder Verräter? Heinrich VIII. und Adolf der Einzige Die Heiligsprechung Thomas Morus' durch die katholische Kirche hat merkwürdigerweise für das Dritte Reich eine außerordentliche politische Bedeutung. Die darüber immer noch nicht zur Ruhe gekommene Diskussion liefert den untrüglichen Beweis dafür. Der Kampf, der sich um die . Krage: ist Thomas Morus ein Vorbild oder ein Hochverräter? entspannen hat, ist außerordentlich iutcressant und kennzeichnend für die politische Situation Deutschlands. Vielleicht läßt sich an keiner Frage besser als an dieser, der klaffende Gegensatz zwischen der übernationalen Haltung der Kirche und dem totalen Nationalismus des Fgscismus studieren. Ganz'bewußt nehmen Freunde und Gegner Morus' unter ausgesprochen politischen Gesichtspunkten zu diesem anscheinend religiösen Konflikt Stellung.„... deshalb kann ihm auch nicht die Märtyrerkrone zugebilligt werden, denn sonst könnten später auch gewisse aus Deutschland geflüchtete Prälaten darauf pochen," schreibt.Nordland". Um sedoch zu erkennen, wie ähnlich der Konflikt Morus—Heinrich VIII. jenem Katholizismus—Adolf Hitler ist, seien einige Tatsachen vorausgeschickt. König Heinrich VIII. von England wollte sich von seiner Gattin Katharina von Aragonien scheiden lassen, um sein schönes Hoffräulein Anna Boleyn zu heiraten. Nach röm.-katholischem Recht war aber die Scheidung abhängig von der Zustimmung des Papstes. Heinrich VIII. erklärte, als der Papst den Konsens verweigerte, die englische Kirche für unabhängig von Rom und sich selbst zum Oberhaupt der unabhängigen englischen Kirche. Lordkanzler Thomas More und der Bischof von Rochester, John Fisher, versagten diesen Bestrebungen Heinrichs ihre Zustimmung, worauf beide Opponenten auf Befehl des Königs im Jahre 1535 hingerichtet wurden. Aber dieser Kirchenftreit hatte andere Hin- tergründe als eine Scheidungsgeschichte. Diese Gründe zu erkennen, ist wichtig auch zum Verständnis des deutschen Kirchenstreites. Wahrscheinlich nicht ohne Hintergedanken hat ein Heinz Luedecke in.Der Reichsbote" die folgende Betrachtung darüber angeftellt: „Aber der Dreivierteltakt fürstlicher Herzen ist in Wahrheit nicht der Rhythmus, der die Weltgeschichte bewegt, und auch hinter den Gefühlen der Könige wirkt ein überindividuelles Kräftespiel. Man wird sich also vor dem breitgewalzten Hofklatsch hüten und vielmehr diejenigen politischen Faktoren suchen müssen, welche den fesselnden Kampf des Tyrannen mit dem heiligen Philosophen ursächlich bedingt haben... die Dynamik diner große» Zeitenwende in der britischen Entwicklung muß der eigentliche Gegenstand der Lebensskizze eines Thomas Morus sein." Dann malt Luedecke ein plastisches Bild vom damaligen England, das im Begriffe stand, von der traditionellen Bauern- und Pächterwirtschaft zu einer Schafzucht kapitalistischen Stils, begünstigt durch den aufblühenden Wollhandel, überzugehen. Das Feudalsystem erhielt seine ersten Schläge. Dieser innere Strukturwandel bestimmte auch Heinrichs Außenpolitik. Unter anderem sah sich Heinrich genötigt, die Auseinandersetzung mit dem maritimen Nebenbuhler Spanien vorzubereiten. Mit diesen Zielsetzungen unvereinbar war die mittelalterliche Idee von der Einheit d e r K i r ch e,.die Logik der Geschichte und die gesellschaftliche Lage Englands forderten den Zeitung Bruch mit, Romund Habsburg-Spanien". Und immer deutlicher in die Gegenwart vorstoßend, heißt es weiter:--, .Indem der König, deffen persönliche Motive sicher nicht die reinsten waren, seine erste Gattin, die spanische Katharina schlug, traf er di« katholische» Mächte, und zugleich mit Anna Boleyn wählte er den Kurs der nationalen Unabhängigkeit. Ist es blinder Zufall, daß der zweiten Ehe Heinrichs schon im Jahre 1533 jene Elisabeth Tudor entsproß, unter deren gesegneter Regierung Spaniens Armada vernichtet, di« Anglikanische Kirche gegründet und die überseeischen Eroberungen begonnen wurden?" Damit wird für das Dritte Reich außergewöhnlich deutlich auf den imperialistischen Charakter des Religionskampfes verwiesen. Und fast wird dem Leser zugerufen: weißt du nun, warum der arteigene Gottesglaube notwendig wird? Es tobt ein Kampf, der in seinem Wesen weit mehr ist als ein Religionskampf. Der deutsche Katholizismus ist dem Nationalsozialismus nicht chauvinistisch genug, er kann keine Ideologie dulden, die über die Grenzpfähle hinausweist. Der Kapitalismus kann seinem Wesen nach aber Nicht im Sinne des Nationalsozialismus national sein, darum flüchtet sich das deutsche Weltbürgertum heute in einem hohem Maße in die religiöse Opposition, wie der Katholizismus andererseits Halt und Unterstützung bei dem industriellen, auf Tod und Leben mit der Weltwirtschaft verbundenen Teil des Bürgertums sucht. Vie Zahl der Teilnehmer In Nürnberg Nürnberg.(AP.) lieber die Teilnahme am Nürnberger Parteitag werden folgende Zahlen genannt: 13.000 Mann der Wehrmacht, 3000 Mann der Luftwaffe, 150.000 politische Leiter, 100.000 SA-Männer, 54.000 Arbeitsdienstmänner, 18.500 SS-Männer, ferner 11.000 SS-Männer zur Absperrung, schließlich 50.000 Mitglieder der Hitlerjugend. Bon allen Parteiangehörigen wird eine Sonderspende erhoben. Der Neinste Beitrag beträgt 2 Mark, der größte 20 Mark und mehr. DetrLsereie» mit Eis Die Braniker Bierbrauerei hat die Gewohnheit, ihre Beliebtheit bei den Kunden dadurch zu erhöhen, daß sie jedem Wirt, der ihr 1 Hektoliter Bier abnimmt, eine Gratisanweisung auf 25 Kg. Eis als Zugabe gibt. Die Eisverkäufer der Firma, die deren einzelnen Kunden auf ihren Rundfahrten das Eis anbieten, geben ihnen dieses dann gegen Barzahlung oder gegen Anweisung. Ein leitender Beamter der Firma, Franz Müller, hatte jedoch schon im August vorigen Jahres Verdacht geschöpft, daß mehr Gratiseis geliefert werde, als dem Bierverkauf entsprach; eS gelang, einige gefälschte Anweisungen aufzufangen und der Verdacht richtete sich daraufhin gegen einen Angestellten der Firma, Josef Heidler. Dieser behautztete jedoch, die Anweisungen von einem Unbekannten, der sich als Gastwirt ausgegeben habe, bekommen zu haben und konnte, dies, so unwahrscheinlich es klang, beweisen. Bei einer kürzlich durchgeführten Kontrollaktion gelang eS der Firma jedoch, einen Manipulanten mit Eis-Anweisungen zu überraschen, als er gerade im Hotel Steiner seine Geschäfte abwickelte. Er wurde als der 30jährige Jaroflav Zeleny aus Zdärky bei Hronov identifiziert; gleichzeitig wurde die Druckerei entdeckt, wo die falschen Anweisungen hergestellt wurden und auch der Drucker, namens Josef Machäcek, festgenommen. Zeleny sucht die Hauptschuld auf Machäöek zu schieben, dieser jedoch leugnet, überhaupt gewußt zu haben, welchen Zweck die von ihm gedruckten Anweisungen dienen sollten. Es handelt sich um ausgezeichnete Fälschungen, die Mitteilungen aus dem Publikum. Unangenehme Kopfschmerzen können durch einfaches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Alpa- Franzbranntwein gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumatische Schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. nur daran zu erkennen find, daß sich beim Anseuch- ten di« Druckerschwärze verwischt. Uebrigens ist di» ganze Angelegenheit noch ziemlich unübersichtlich, so daß man nicht weiß, wer eigentlich dabei profitiert hat; fest ftefct nur, daß die Firma vom August bis zum Dezember vorigen Jahres allein einen Schaden von 10.000 K£ erlitten hat. Die Roten Falken kommen an* Resselfleck Sonntag nachmittag um 16 Ahr 4 Min. am Denisbahnhof an. Allgemeiner Angestellte».Verband Reichender«, Ortsgruppe Prag II, Fügnerobo nmn. 4. Unsere Kreiskonferenz findet am 29. August in Bud- Weis(Handwerkerheim) statt. Abfahrt der Delegierten 6.25 Uhr vom Wilsonbcchnhof.— Ausschuß- Sitz u n g der Ortsgruppe Mittwoch, den 28. August. 7 Uhr. Närodni trida 4.— Versammln ngder Jung-Angestellten: am Mittwoch, den 28. August. 8 Uhr abends, Närodni tiida 4.— Versammlung der Ortsgruppe am M i t t w och. den 4. September, 8 Uhr im Gewerkschaftshaus, Pcrswn. Berichte über die Kreiskonferenz. Herbst- und Win« terprogramm. filme in Prager Liditspielhäusern Adria:„Roberta." A.— Alfa:„Der erste Kuß."— Avion:„Ein junges Mädel-—«in junger Mann." D.— Beränek:„Der Schlaswagenkontrol- lor." D.— Feniz:„Mata Hari." Greta Garbo. R. Rovarro. A.— Flora:„Letzte Liebe. M. Meinl. A. Bassermann. D.— Gaumont:„Die Katz' im Sack." Schneider. Retty. D.— Hollywood: „Der Kosak und die Nachtigall." Novotna.-- Hvizda:„Polizeiwagen 99." Detekfiv-Film. A.—« Julis:„Das Töchterchen des Herrn Bürgermeisters." D.— Koruna:„Der Weiße Adler." Buck Jones. A.— Kotva:.Tarzan, der Sohn der Wildnis." Weißmüller.— Lurerna:„Mata Hari," Greta Garbo. Rovarro. A.— Metro:„U-Boot A. L. 14."— Olympier„Back Street— Seitengasse." I. Boles. A.— Passage:„Die Katz' ini Sack." Schneider, Retty. D.—r Praha:„Pigue- Aß." Bob Steele. A.— Staut:„Das größte Spiel." — Svktozor:„Der Kosak und die Nachtigall."—- Almar„Achtung! Taufe l" A. Sandrock. Lingen. D- — Belvedere:„Madelen Claudets Sünde." L. Stone. A.— Besrda:„Großreinemachen." Ann» Ondra. D.— Carlton:„Zirkus Barnum,". W. Beery, Ad. Menjou. A.— Illusion:„Die Csardasfürstin," Martha Eggerth. D.— Mareska:„Das größte Spiel."— Sport-Smichow:„Der Fall d«» Kommissärs Colt." A.— U. Bejvodü:.„Schwarze FlarnMe." Baldek:„Achtung! Taufe!" Sandrock. Alexander. D.— Urania-Kino:„Siebe und die erste Eisenbahn." Urania-Kino, Klimentxkä 4. Fernsprecher 61628. Liebe und die erste Eisenbahn Lusispieloperette mit Kari« Hardt, Ida Wüst, Liedtke usw. Billige Sommerpreife. Jikina StepniLkovä in der Titelrolle des neuen heimischen Filmes„M a r y s a", der dieser Tage in den Barrandov-Ateliers fertiggestellt wurde. Eher von vielen Heftiges Klingeln und Pochen, anschwellend zu wildem, dröhnendem Hämmern, reißt mich aus dem Schlaf. Was war geschehen? Hatte ich mich nicht eben erst niedergelegt? Die Klingel schrillt weiter, das Pochen dauert fort, es wird so stark, mir scheint es so stark zu werden, daß die Ohren schmerzen. Jetzt bin ich ernüchtert: So lärmt nur die'Polizei! Meinem Wirt flüstere ich zu:.Es bleibt nichts anderes übrig als aufzumachen, geh, laß sie herein! Flitzen kann man nicht mehr, vom zweiten Stock kann ich nicht hinunterspringen.— Ter Wirt schlurft zur Türe und öffnet sie. Sofort springt uns der Ruf entgegen: Hände hoch! lind die Frage, die im Befehlston gesprochen wird: Haben Sie Waffen? Nein, der Wirt hat keine Waffen, und seines Wissens hat auch keiner seiner Mieter Waffen. Wer hier wohnt? Der Wirt will erklären, aber schon kommt eine neue Frage: Wer von euch heißt Hans?— Nun trete ich vor und nenne meinen Hamen., Ich muß an die Wand treten, auch der Wirt, und mein Mieikollege bleibt gleichfalls nicht verschont. Hausdurchsuchung wälzt alles durcheinander, wird peinlich genau durchgeführt, so daß kaum eine Winzigkeit den Augen der Beamten entgehen könnte. Peinlich genau wird gesucht, weniger genau wird es mit der Ordnung der Wohnung, gehalten. Sie ist bald kaum wiederzuerkennen.— Wir müssen alle drei mitgehen... Das war am 24. September. Ich hatte nach der Arbeit noch ein paar Freunde aufgesucht und war dann gegen zehn Uhr heimgekommen. Nach dem Abendesien war ich gleich ins Bett gekrochen. Mit meinem Wirt unterhielt ich mich ganz allgemein über die Wirtschaftslage. Ueber politische Fragen zu sprechen hütete ich mich. Ich wohnte illegal in Berlin, und den zweiten Mieter kannte ich zu wenig, um vor ihm das Wagnis eines politischen Gespräches aus mich zu nehmen. Ich hatte mit meinem Mißtrauen recht gehabt. Er hat mich belastet, als er bei der Gestapo vor mir einvernommen wurde. Er konnte freilich nichts wirklich Nachteiliges sagen, weil er nichts wußte. Aber nachdem er mit ein paar Ohrfeigen empfangen worden war, suchte er krampfhaft nach einer Belastung, damit er gelinder davonkomme. Erfunden hat er nichts, dazu reichte wahrscheinlich seine Phantasie nicht aus. Er erzählte bloß, daß ich meist erst spät abends heimgekommen sei und daß ich immer viel zu. erzählen hatte, wenn ich nach Hause gekommen war, aber nie vor ihm, und deshalb müsse-er annehmen, daß ich Politik getrieben habe. Er wurde abgeführt und ich kam nun zum Verhör. Ein schmächtiger SS-Mann,