i Donnerstag, 29. August 1935 Nr. 201 15. Jahrgang BflztHmls 70 Henn (•fancMMlich 5 Heiter Porte) DER H JeUT§HEN5OZIALDEMOICRAT»CHEN ARBEITERPARTEI IH PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xil.pochova a. teleeon non. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Arbeit und Brot, Einheit und Geschlossenheit! Eine Kundgebung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der CSR. Parteivorstand stellt fest, da st diese Wendung, die eine glänzende Rechtfertigung des s ozialdemokrati- schen Standpunktes bedeutet, ernstliche Beachtung verdient. Der Parteivorstand kann aber nicht an der Tatsache vorubergehen, das; die Kommunisten noch immer nicht bereit sind, in ihrem Verhalten gegenüber der Sozialdemokratie die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Das Bekenntnis der Kommunisten, ganz besonders der KP§, zur Republik und zur Demokratie ist keineswegs frei von Vorbehalte«, welche für dir Parteien des demokratischen Sozialismus unannehmbar sind. Die Kommunisten haben sich zu einer offenen Unterstützung der sozialdemokratischen Politik noch immer nicht bereit erklärt. Sie beharren darauf, die folgen der Wirtschaftskrise für die Arbeiterklasse und die Folgen des von ihnen selbst verschuldeten machtpolitischen Uebergcwichtes der bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie als Verschulden anzulasten und so weiteres Mißtrauen gegen die demokratische P o l i t i I z u schüren, M deren Verteidigung sie angeblich entschlossen sind. Sie setzen ihre Aufforderungen zu Einzelaktionen, die an lokale Stellen der Arbeiterbewegung gerichtet sind, fort, sie verzichten also keineswegs darauf, die von ihnen angerichtete Verwirrung in der Arbeiterbewegung weiterzutreiben. Dieser Haltung der Kommunisten gegenüber, die nach wie vor die Arbeiterbewegung als Manövrierfeld für ihre agitatorischen Bedürfnisse behandeln, ruft der Parteivorstand alle Organisationen der Partei zur strengsten Disziplin und zur entschiedensten Ablehnung aller Sonderaktionen auf. Der Parteivorstand seinerseits wird, im engsten Einvernehmen mit der tschechischen Bru- drrpartei, alles daransetzen, um die ideologische Einheitlichkeit und politische Geschlossenheit der Arbeiterklasse zn fördern und die grosse Sache der proletarischen Einheit dem Ziele nährrzubringen. Der Partrivorstand der Deuts chcn sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik hat in seiner gestrigen Sitzung die nachfolgende Entschließung gefaßt, in der z« alle« aktuelle» und bedeutsame« Probleme« de« Innenpolitik Stellung genommen wird: Kampf der Teuerung Die andauernde Lähmung der Produktion «nd die Senkung der Einkommen aus Löhnen und Behältern verschärfen das Missverhältnis zwischen der Kaufkraft der Massen und ihren tatsächlichen Bedürfnissen. Rn dieser Situation ist die zum Teil bereits eingetretene, zum Teil noch drohende Verteuerung wichtiger Lebensmittel unerträglich und macht ein rasches Eingreifen der Regierung unbedingt notwendig... Diese Erscheinungen werden besonders schmerzlich in den sudetendeutschen Krisengebieten fühlbar, wo jahrelange Arbeitslosigkeit eines -rossen Teiles der Bevölkerung einen Grad der Verelendung erzeugt hat, der im Hinblick auf den bevorstehenden neuen Krisenwinter zu grössten Besorgnissen Anlass gibt. Alle verantwortlichen Faktoren mögen sich dessen in vollem Umfangt bewusst sein, dass die TeuerungSwirkungen mit unerbittlicher Härte gerade jene bedauernswerten Krifenopfer treffe«, die alS Arbeitslose oder Kurzarbeiter schon bisher den schlimmsten Entbehrungen ausgesetzt waren. Die gespannten sozialen und politischen Verhältnisse in den Grenzgebieten erfordern in der nächsten Zeit die ernsteste Aufmerksamkeit der Gesamtregierung nicht nur hinsichtlich einer erträglichen Lebensmittelversorgung der konsumierenden Bc- dölkerung, sondern auch mit Rücksicht auf die drrzweiflunqsvolle Lage der Arbeitslosen. Der Parteivorstand fordert daher eheste Vorkehrungen zum Schutze der arbeitenden Massen und der Arbeitslosen, insbesondere wirksame Vorkehrungen gegen alle Massnahmen, die zu einer Verteuerung von Brot und Mehl führen müssen: Einfuhr von Vieh und Fett: Erhöhung des KunstfettkontingentSr Sicherstellung ausreichender Mengen do« Kartoffeln für den Konsum; Ermöglichung der Einfuhr billiger Fut- tormittel; strengste Anwendung der Regierungsverordnung«egen unbegründete Verteuerung. für Arbeitsbeschaffung I Ei- Diese Massnahmen können jedoch nur der »lohenden weiteren Verelendung entgegenwirken, nicht die grossen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben lösen, vor welche die demokratische Zusam- Utenarbeit in der Tschechoslowakei gestellt ist und von deren erfolgreichen Bewältigung der Fortbestand der Demokratie abhängig ist. E Die Sozialdemokratie anerkennt die Notwendig- k«it der durchgeführten planwirtschastlichen Maß- üahmen in der Landwirtschaft, zu.deren Berwirk- uchung sie selbst vielfach die Initiative ergriffen bat. Sie fordert aber ihre unerlässliche Ergänzung burch gleich wirksam« Massnahmen zur Belebung der industriellen : Produktion, zur Vermehrung der Arbeitsgelegenheit« n und zur Hebung der M a s s e n k a u f k r a f t. , Der Parteivorstand urgiert daher die Er- wllung des sozialpolitischen Programmes der Regierung, vor allen die Verkürzung der Arbeitszeit■ und die Verwirklichung der obligatorischen »cheitsvermittlung, damit die Zahl der ArbeitS- blcch« vermehrt, ihre Vergebung an die Bedürf- Men sichergestellt und die Arbeiter gegen den «esinnungSzwana in den Betrieben geschützt Werden. Die planmässige Durchführung öffentlicher Arbeiten muss fortgesetzt und gesteigert werden, wobei die Gebiete des außerordentlichen Notstand«- i« erster Linie berücksichtigt werden müssen. Die von der Regierung angekündigt« Hilfsaktion für die Notstandsgebiete ist ehestens durchzuführen. Die Belebung der Industrie ist nicht möglich ohne Förderung des Exportes. Der Partcivorstand fordert daher den Abbau der Ein« und Ausfuhrhemmnisse, insbesondere des Bewilligungsverfahrens. Im Verein damit müssen auch die von der Partei wiederholt geforderten Massnahmen zur Beschaffung und Verbilligung langfristiger Kredite verwirklicht werden. Für Ideologische Einheit, politische Geschlossenheit der Arbeiterklasse! Der Weltkongress der Kommunistischen An- ternationale hat sich zur Verteidigung der bürgerlichen Demokratie und zur Anpassung der proletarischen Taktik an die konkreten Verhältnisse jedes einzelnen Landes bekannt. Die Kommunisten haben damit die Richtigkeit der von ihnen jahrelang in der gehässigsten Weise bekämpften sozialdemokratischen Taktik anerkannt, sie haben ihre eigene Spaltungspolitik, ihre Tattik des Kampfes gegen den»Sozialfascismus" verurteilt. Der Parteivorstand bedauert, dass diese Erkenntnis, die in einem früheren Zeitpunkte unermessliches Unglück von der Arbeiterbewegung abgewendet hätte, erst gekommen ist, als aussenpolitische Interessen der Sowjetunion sie erzwangen. Der Frankreich will den Völkerbund Auffällige Wendung der Politik Lavals verteidigen Warnung an Mussolini— Freundliche Geste gegen England Paris.(Tsch. P.-B.) Nach dem amtlichen Bericht haben sich an dem Mittwoch im Palais Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Lebrun, abgehaltenen Ministerrat sämtliche Minister mit Ausnahme des Ministers Flandin beteiligt, der sich auf einem Erholungsurlaub befindet. Ministerpräsident Laval erstattete in seiner Eigenschaft als Aussenminister ein Expose über die internationale Lage, namentlich aber über den Verlauf der französisch-italienisch-britischen Konferenz in Paris. Der Ministerpräsident legte die Liste der Delegationsmitglieder für die Genfer Verhandlungen zur Genehmigung vor, welche äusser den bereits mitgeteilten Namen, wr« Laval, Herriot, Paul Boncour und der Ersatzmitglieder Beranger und Bastid auch den Namen deS Handelsministers Bonnet enthält. Der Mini st errat befasste sich vor allem mit aussenpolitischen Fragen. Nach dem ExposS des Ministerpräsidenten Laval wurden seitens der Regierungsmitglieder die allgemeinen Umrisse der Instruktionen festgesetzt, nach denen sich die französische Delegation in Genf zu richten haben wird und eS ist erklärlich, dass ««ter allgemeiner Zustimmung empfehle« wurde, alle Bemühungen zur Aufrechterhaltung des Friedens anzuwenden. Sowohl England wie Frankreich find für die Einhal- tungderDSlkerbundsver- Pflicht»«gen, die nach französischer Ansicht den Krieg verhindern können. Ebenso wichtig ist eS, den Völkerbnndpakt zu respektieren, namentlich im Hinblick auf die letzte Erklärung Mufsolinis, daß nämlich die Anwendung von Sanktionen gegen Italien als eine feindliche Maßnahme angesehen und eine« Konflikt bedeuten würde. Di« der französichcn Delegation für Genf gegebenen Instruktionen sind Nicht ftprr festgelegt, sondern belassen ihr ziemliche Freiheit. Gleichzeitig wurd betont, dass Frankreich alles tun werde, um das Prestige des Völkerbundes aufrechtzuerhalten, ebenso wie auch das freundschaftliche Verhältnis mit England und Italien im Mallen Dollfuß’ In Wien findet seit gestern wieder einer jener— im autoritären Regime bereits üblich gewordenen— Prozesse statt, in denen die„vordringlichste" Aufgabe des Berichtes darin besteht, die Wahrheit nicht zu finden. Der ehemalige Chef des Wiener Sicherheftsbüros, Hofrat Otto S t e i n h ä u s l steht nun, da alle Bemühungen der Ankläger, den Prozess niederzuschlagen, vergeblich gewesen sind, vor dem Militärgericht, um sich gegen die Anklage des Hochverrates, begangen durch Teilnahme am Juliputsch des vorigen Jahres, zu verantworten. Man erinnert sich— viel besser als manchen Mitgliedern der österreichischen Regierung lieb ist— der ebenso dramatischen wie mysteriösen Vorgänge dieses Tages: Ein Nazitrupp hatte am Vormiftag das Sendegebäude des Rundfunks gestürmt, wenige Stunden später die Wachen des Bundeskanzleramtes verhaftet und das Gebäude auf dem Ballhausplatz besetzt, in dem sich Dollfuss und Fey befanden. Bei all diesen Aktionen beriefen sich die Nazi auf Befehle, die sie vom „Kanzler der Revolutionsregierung" R i n t e» len und vom„Polizeipräsidenten der Revolutionsregierung" Hofrat Steinhäusl erhalten hätten. Der Ueberfall auf das Bundeskanzleramt ging ohne alle Schwierigkeiten vor sich, obgleich(oder weil) eines der beiden dort anwesenden Regierungsmftglieder, nämlich Herr Fey, schon eine Stunde vorher von dem geplanten Putsch verständigt worden war. Dollfuss wurde von den Putschisten erschossen—- während er im Sterbe« lag, forderte Fey vom Balkon herab das Bundesheer auf, die Putschisten zu schonen, als er bereits tot war, verhandelte Fey mit den Mördern und sicherte ihnen ehrenwörtlich freies Geleite zu» als er begraben(und Fey in Sicherheit) war, brach Fey sein Ehrenwort und ließ seine Verhandlungspartner hängen. Dies sind die wenigen sicheren Einzelheiten eines Kriminaldramas, dessen Held seither die gewiß schwierige Rolle zu spielen versucht, darin keine Rolle gespielt zu haben. Aus dem Prozeß gegen die Dollfußmörder und dem Rinte- lenprozeß ging er dank einer halbwegs erfolgreich bemühten Justizregie mit ramponierter Ehre, aber sonst unverhältnismässig heil hervor. Man kann verstehen, dass die neuerliche Belastungsprobe seiner Nerven durch diesen jetzigen Prozeß ihm stark zusetzt und könnte sich für den Nervenschock, der ihn soeben befallen und wohl vernehmungsunfähig gemacht hat, auch andere Gründe als den angeblichen Autounfall vorstellen. Herr Fey hat mit Zeugenaussagen schlechte Erfahrungen gemacht und es ist unter gewissen Umständen für Zeugen nicht angenehm, wenn Angeklagte, so wie es Steinhäufl tut, ihre lakonische Verantwortung dahin zusammenfassen: man solle doch Herrn Fey fragen; er wisse über all das weit besser und genauer Bescheid. Vielleicht wird es vermiüels des zu rechter Zeit gefundenen Autounfalls oder irgend eines zu rechter Zeit verlorenen Gedächtnisses gelingen, auch in diesem Prozeß den Zeugen vor dem Allerärgsten zu bewahren. Aber nicht darum handelt es sich in allererster Linie. Die dramatische Geschichte des Herrn Fey tritt— so interessant und Aufschlußreich sie auch sein mag— hinter der noch dramatischeren Geschichte deS heutigen Europa zurück. Und mag die erstere auch zum Teil noch im Dunkel liegen, die zweite liegt mit einer erschütternden Klarheit vor uns, die keinen Zweifel übrig läßt. Es sind nackte Tatsachen dieser Geschichte, daß gerade in dem Land, das vielleicht für die Welt die Entscheidung Krieg oder Frieden bringt, eine Regierung am Ruder ist, die sich autoritär nennt, obgleich sie alle paar Monate wieder einmal von der wohlwollenden Diskretion angeklagter Putschisten in ihrem Bestand bedroht ist. Unter der Parole, er müsse endlich„Ruhe und Ordnung" im Herzen Europas herstellen, hat Dollfuß im Feber des vorigen Jahres den Befehl zum Feuern auf wehrlose Arbeiterhäuser gegeben. Das Ergebnis? Eine autoritäre Regierung, deren Chef wenige Monate später von Naziputschisten abgeknallt wird» eine autoritäre Regierung, deren italienischer Gesand- ter als politischer Führer dieser Putschisten zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wird, eine autoritäre Regierung, deren Polizeichef als Verbündeter der Putschisten angeklagt wird, eine autoritäre Regierung, deren Vizekanzler von Prozess zu Prozess um seine eigene Entlarvung zit- Seite 2 Donnerstag, 28. August 1935 «r. 20f tern muß, eine autoritäre Regierung, die auszog um die Nazigefahr in Oesterreich zu bekämpfen und sie erst rechtgeschaffen, bis in ihren eigensten engsten Kreis hinein geschaffen hat... Das ist der Erfolg der Kanonen des Feber gewesen. All das ist schon oft gesagt worden. Aber eS kann nicht oft genug gesagt werden, nie zeitgemäßer gesagt werden, als in dem Augenblick, in dem wieder einmal ein politischer Prozeß die ganze Hinfälligkeit, moralische und politische Zerrüttung dieser autoritären Regierung ins Gedächtnis ruft. Europa hat die Bewachung seines Pulverfasses politischen Brandstiftern anvertraut. Noch ist der Funke nicht geflogen— wenn er erst gezündet hat, wird's zum Erkennen zu spät sein. Wichtige Parteiberatunsen Prag. Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt am Mittwoch unter dem Vorsitz des Genossen Abg. I a k s ch eine Sitzung ab. Der Parteivorstand nahm zunächst den Bericht de» Gen. Abg. ftög» ler über die Tagung und die Beschlüsse der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale entgegen. Nach dem Berichte des Gen. Falsch und de» Parteisekretärs, Gen. Abg. Taub über die innerpolitische Situation, die einmütig zur Kenntnis genommen wurden, beschäftigte sich der Parteivorstand in eingehender Beratung, an der auch Vertreter der genossenschaftlichen Organisationen teilnahmen, mit wirtschaftlichen Fragen, insbesondere mit der Teuerung. Der Parteivorstand beschloß, mit den Gewerkschaften und der tschechoslowakischen Sozialdemokratie in Beratungen wegen des weiteren gemeinsamen Vorgehen» einzutreten. Die unmittelbaren Forderungen der Partei wurden in der gesondert abgedruckten Resolution zum Ausdruck gebracht. Sehr eingehend besch^tigte sich der Parteivorstand mit dem Problem der proletarischen Einheit, wobei sowohl die Ergebnisse der Brüsseler Beratungen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale gewürdigt, als auch die Stellungnahme de» Kongresses der Kommunistischen Internationale einer gründlichen Prüfung unterzogen wurden. In der Debatte zu diesem Punkte sprachen die Genossen U l l m a n n, Seidl, Dr. Wiener, Reitzner, Zischka, Taub, Schweichhart, Kratena, Geißler, Paul, Dr. Heller, Zinner, Möckl, Müller und Stark. Der Parteivorstand gelangte schließlich zu einer einmütigen Auffassung, die ebenfalls in der Resolution niedergelegt wurde. Nach Erledigung einer Reihe lauftnder Angelegenheiten wurde die Sitzung geschloffen. Heilte Besinn der Konferenz In Bled In Bled ist bereit» der jugoslawische Ministerpräsident und Außenminister Dr. Stojadi- n o v i 6 mit dem Chef des Kabinett» de» Außenministeriums P r o t i 6 und dem Chef de» Kabinetts de» MinistcrpräsidiumS G a s ch i r eingetroffen. Auch die jugoflawischen Gesandten in Paris Dr. Purii und in London Dr. Grujii weilen bereit» hier. Dienstag ist aus Bad Gastei« der rumänische Außenminister Titulescu mit seiner Begleitung eingetroffen und Donnerstag früh kommt der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benes hier an, worauf die Ministerkonscrenz im Hotel Belvedere ihren Anfang nehmen wird. Putschist Steinhäusl beschuldigt Fey SensationsprozeB um den DollfuBmord— Geheime Untersuchung gegen Fey— Fey verlangt Internierung StelnhMusls Wien.(Eigenbericht.) Bor dem Wiener Militärgerichtshof begann gestern der H o ch- verratsprozetz gegen den ehemaligen Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Hofrat Otto S t e i n h ä u s l, der in der Anklage beschuldigt wird, mit de« Juliputschisten und Dollfußmördern gemeinsame Sache gemacht zu haben. Rach der Anklage könnte über den Polizeidirektor lebenslänglicher Kerker verhängt werden. Man weiß aber, daß es den Behörden in der Boruntersuchung nicht gelungen ist, Steinhäuft der Mittäterschaft oder Mitwisserschaft an den Vorgängen de» 28. Juli 1934 durch Zeugenaussagen zu überführen. Es liegen bisher nur die Aussagen von Polizisten vor, die selbst in der Putschaffäre verwickelt waren und behaupten, ihnen sei von dritter Seite eröffnet worden, daß Steinhäusl das Wiener Polizeipräsidium übernehmen werde. Der Ex-Chef des Gefangenenhauses auf der Rofsauerlände hat es während seiner nunmehr 13 Monate dauernden Haft beharrlich abgelehnt, sich zu dem ihm gemachten Vorhaltungen zu äußern und sich Konsequent darauf beschränkt, die verhö- renden Beamten aufzufordern, ihre Fragen an de« General staats- Kommissär Feh zu richten, der in der Lage sei, die entsprechenden Antworte« zu geben. Steinhäust forderte beständig, Feh gegenüberge» stellt zu werden, dann werde er reden. Er lehnte jede Protokollierung seiner Angaben ab und verweigerte die Anterfertigung. Seine Haltung hatte zur Folge, daß Feh mtt steigendem Nachdruck Steinhäust- Internierung in der Irrenanstatt Steinhof und die Einstellung des Strafverfahren- gegen ihn forderte. Dagegen nahmen die fterikalen Kreise, besonder» der Minister R e i t h e r, entschieden Stellung. Die Position der Klerikalen hat zu dem durch die Unterstützung, die sie bei de« Fetz feindlich gegenüberstehenden, Heimwehrführer fanden, eine entscheidende Stärkung erfahren. DaS ist die erst« Folge und vermutlich der eigentliche Zweck der gegen Steinhäuft angesetzten Militärgerichtsver» handlung. E» geht also in Wahrheit gar nicht um Steinhäusl» sondern«mFey. Ueber Auftrag der Regierung hat der Staatssekretär Karwinsktz bald nach dem Raziputsch eine geheim« Untersuchung gegen Fey. eingeleitet, der sich wiederholte Male vor dem eigen» abberufene« staatsanwaltschaftliche» Beamten zu verantworten hatte. Ueber da» Ergebnis dieser und insbesondere der mit dritte« Personen angestellten Verhöre wurde ein umfangreiche» Dossier angelegt«nd von dem Adjutan ten Karwinftp», dem ehemaligen politische« Referenten bei der Wiener Staatsanwaltschaft Dr. F e r o der Regierung übergeben. Es hat seine Rolle bei der Bersetzung Fey» an die Peripherie der Regierung gespielt. Eine weitere Etappe in der Kaltstellung Fetz» soll der Prozeß sein, in welchem nach außenhin Steinhäusl als Angeklagter anfzulre» ten hat. Schon die bloße Ausschreibung de» Verhandlungstermine» gibt Fev» Gegenspieler« alle Trümpfe in die Hand. Darin liegt die politische Bedeutung des Prozesses. Bezeichnend für die innere Unwahrhaftigkeit Steinhäusl» ist übrigen», daß er sich von einem glühenden Habsbur. geranhänger in einen Nazipolizi» sten verwandelte, jetzt aber den jüdischen RechtSanwalt Dr. Leopold Bester» mann zum Verteidiger erwählte. Besterman« hat sich in Wien seinen„Namen" al» beruf», mäßiger Vertreter aller Lank- und Devisenschieber gemacht, die bi» zum heutigen Tage feine nahezu ausschließlichen Klientel bilden. „Ich«eist von gar nichts** Bei der gestrigen Berhandlnng, die znm größten Teil von der Verlesung der Anllageschrift in Anspruch genommen war, erllirte sich Steinhäuft nichtschnldig. Er habe von dem Putschplan nicht» gewußt«nd sich auch niemandem al»„Polizeipräsident einer revolutionären Regierung" zur Verfügung gestellt, wie es die Anftageschrift behauptet. Rom. Papst Pius XI. hat anläßlich deS Empfange» des internattonalen Kongresse» katholischer Krankenpftegerinnen Ansprachen ge» Hatton, m denen er zunächst an die Greuel des letzten Kriege» erinnerte«nd dann sagte, man müßte mit allen Mitteln den Frieden erflehe«. Im Ausland spreche man augenblicklich viel von einem Eroberung»-«nd Angriffskrieg. Ein solcher Krieg sei ein ungerechte» Unternehmen, fei etwa», was außerhalb jeder Borftellung stehe und unbeschreiblich traurig«nd schrecklich sei. Wenn man auch t« Italien von einem gerechten Krieg der Verteidigung«nd Grenzsicherung spreche, der zur Expansion und Sicherung der materiellen Bedürfnisse notwendig sei, setzte der Papst dem die dringende Hoffnung entgegen, daß man die bestehenden Schwierigkeiten nur mit Mitteln lösen dürfe, die nicht Krieg bedeuten, Wenn dies nicht leicht sei, so dürfte es doch nicht unmöglich sein. Bei aller Anerkennung der Ex« pansionsnotwendigkeitm Italiens müsse das Recht der Verteidigung in Grenze« gehalten werden»nd gemäßigt sein, damit sich nicht die Verteidigung selbst schuldig mache. Auf die Frage des Vorsitzenden nach de« Beziehungen zwischen Steinhäusl und R inte l e n, erklärte Steinhäuft, daß er Rintele« überhaupt nur dienstlich kenne und es ans- drücklich vermieden habe, mit ihm privat zusam- menzukommen. Auf den Vorhalt, daß einige an dem Putsch leteUigte Polizisten, insbesondere der Polizeiinspektor Johann Döbler(welcher nach seiner Verhaftung im Polizeidirektionsgebäude Selbstmord beging) ihre am Puttch nicht beteiligten Kollegen mit der Begründung verhaftete«, sie handelten im Anstrage des neue« Polizeipräsidenten Steinhäusl, erllärt der Angeklagte:«Ich habe einen solche« Auftrag nie erteilt. De« Inspektor Döbler kenne ich überhaupt nicht. * Der Prozeß wurde nachmittag» kurz nach der Aufnahme des Zeugenverhör» auf Donnerstag vertagt. Fey nicht vemehmungsflhlg? Autounglück zur rechten Zelt Wien.(Tsch. P. B.) Minister Fey hat bei dem Automobilunfall nicht einen Nervenchok, sondern eine schwereKopfverletzung, verbunden mit leichter Gehirnerschütterung, ferner einen Nasenbeinbruch, sowie eine Prellung de» linken Armes erlttten, so daß er gezwungen ist, noch in Pflege der zweiten Unfallstation zu verbleiben. Der Minister befindet sich jedoch auf dem Wege fortschrettender Besserung. Der Ministerrat In Bozen Bozen. I» den späte« Nachmittag»- stunde« de» Mittwoch ist im Rathau» der mit Spannung erwartete Mintsterrat unter Borsitz de» Duee in Anwesenheit von sech» Ministern»nd 13 Staatssekretären zusammengetreten. E» handelt sich hierbei um den ersten Ministerrat des sosei- stischen Italien, der außerhalb Roms stattfiudet. Ueber de« Inhalt der Beratungen verlautet von amtlicher Seite weder offiziell noch offiziös irgend etwa» über die laufenden Besprechungen. Zur Stunde dauern die Beratungen noch an. Der fünfte Schiedsrichter herangezogen Pari». Die Schiedskommission für den Konflikt in Ual-Ual konnte in den Hauptfragen zu keiner Einigung kommen. Deshalb stellten die KommiffionSmitglieder fest, daß der Zeitpunkt gekommen sei, wo die Berufung eine» fünften Schiedsrichter» notwendig wird. Zu diesem fünften Schiedsrichter ist bekanntlich bereit» früher der griechische Gesandte in Pari» P o l i t i s gewählt worden. Gesandter Politt» hat erklärt, Papst verurteilt Angriffskrieg Deutliche Spitze gegen Mussolini 10 VILLA OASE oder: PIE FALSCHeN BOBOCB Roman von Eugene Dab Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot So ging es übrigens Helene mit allen Bildern ihres Onkels. Die Fülle der Verwandlungen vertoirrte sie. Julien im Mädchenkleid, Julien als großer Junge mit kurz geschorenem Kopf, starrem Blick, mächtigen Fäusten, die wie Keulen auf den Schenkeln ruhten, Julien im Reisekostüm mit karierter Mütze, Julien im Sonntagsstaat, mit aufgewirbeltem Schnurrbart, den Hal» in einen Stehkragen gezwängt. Hier sah er au» wie ein Handlungsreisender. Helene kannte einen ungezwungenen Julien, stark wie ein Stier, wie Berthe sagte. „Warum ist Onkel so viel gereist?" „Gott", erwiderte Berthe,„wie dein Vater hoffte er, in Amerika sein Glück, zu machen. Aber arm wie eine Kirchenmaus ist er zurückgekommen. Erst im Kriege hat er eS zu Geld gebracht. Jetzt hat er ein schönes, einträgliches Geschäft: las Hotel Montbert neben den FolieS-BergireS. Hat er e» dir noch nicht gezeigt?" „Die Eltern haben so viel zu tun, daß ich sie nur stören würde." „Na ja, das Hotel ist eben... du hast ja auch noch Zeit, das Leben kennen zu lernen." Sie zeigte farbige Ansichtskarten, die Julien ihnen geschickt hatte: aus BuenoS-AireS, Montevideo, Kapstadt. Helene studierte sie neugierig, dann las sie, waS auf der Rückseite stand:„Liebe Schwester, ich werde Wohl nicht das Vergnügen haben, Neujahr mit euch zu feiern. Ich verbringe also den Tag unter den Schwarzen." Oder:„Ich tin in Colonia Suiza, an der argentinischen Gresize. 38 Grad im Schatten. Faules Geschäft." Endlich erfuhr sie doch etwas au» Onkels Leben. „WaS war er denn? Bauarbeiter wie Vater?" Berthe schüttelle den Kopf. Als junger Mann war Julien in einer Tapetenfabrik. Er war das älteste von drei Kindern, die eine alte Tante, die einen Kaufmannsladen führte, nach dem Tode der Mutter Monge zu sich genommen hatte. Als er Soldat geworden, war Julien weggegangen, und später hat er das Haus nie wieder betreten. „Man sieht sich nicht eben ost", fügte Berthe hinzu.„Julien legt keinen Wert darauf. WaS soll man tun? Er und deine Mutter sind eben feine Leute geworden." Ernest rauchte seine Pfeife, Etienne war in Schweigen versunken. Berthe schtoatzte unaufhörlich, und Helene hörte ihr zu. Immer wieder mußte sie husten, wenn auch nicht so heftig wie nach dem Essen. Ihr war heiß. Am liebsten wäre sie nicht mehr fortgegangen, so wohl fühlte sie sich in dieser stillen, einfachen Häuslichkeit. Um fünf mußten sie aufbrechen. In den Straßen drängte sich die sonntägliche Menge. Helene und Etienne gingen voran, die Arenoud folgten. Sie gingen denselben Weg, de« sie am Morgen gegangen waren, nur in umgekehrter Richtung und ganz still. An der Place Clichy stachen ihnen blendende Leuchtreklamen in die Augen, darunter auch die de» Cast des Tourses. Helene hatte ihren Onkel hier schon öfter getroffen. Aber es machte ihr keinen Spaß. Da» Lokal war protzig aufgetakelt mit Spiegeln, GipSfigu- ren, Kristallkronen, monumentalem Büfett, Polsterbänken und Lackstühlen, die um wuchtige Marmortische standen. Als sie eintreten wollten, empfing sie das Geschrei erhitzter, lärmender, Karten spielender Menschen, und sie trauten sich nicht über die Schwelle. Plötzlich hörten sie Juliens Stimme das Getöse übertönen: „Hallol Hier sind wir, Kinder," Er saß, zwischen Alfted ChazeS und Irma, in Papa Adams Ecke, über die die Kellner jedem Fremden gegenüber mit ArguSaugen wachten. Auf einer roten Decke lagen Karten und Zigarettenpäckchen; die Uittersätze waren schon zu Türmen von ansehnlicher Höhe angewachsen. Julien stellte Papa Adam, der auf dem Sofa thronte wie ein Versammlungsleiter, die Familie Arenoud vor. Der Alte verteilte Händedrücke. Er kam von Auteuil. Sein Freund Tharlier hatte ihn im Auto mitgenommen. „Die Kameraden haben gute» Geld gewonnen", sagte er. Dabei swahlten seine Augen. „Wer mir seinen Zaster anvertraut, kann ruhig schlafen. Ich bin kein Gauner. Und erwischen läßt er sich auch nicht, der Papa Adam. Nicht ein Wort wird ausgeschrieben. Habe alle» im Kopfe." „Geh mir ab mit den Rennen", räsonierte Alfred ChazeS.„Gute TipS, schlechte Tips, reiu- fallen tust du zuletzt doch." „Reinfallen? Ja, wenn ich russische Karnickel züchte. Denn mit den Fellen ist das immer so eine Sache." „Du meinst, weil mir die Luder krepiert sind? Aber ich kann dir da» Diplom zeigen, das ich auf der Landwirtschafts-Ausstellung bekommen habe." Julien runzelte die Stirn. Er liebte nicht, daß seine zwei besten Freunde sich stritten. Alfted war, bei all seiner Intelligenz, auf Papa Adam» Autorität eifersichtig und machte sie ihm bei jeder Gelegenheit strettig. Julien rief nach dem Kellner. „Julien", bemerkte Papa Adam,„wir wollen nicht die Stunde des Pernod versäumen." Die Kellner schlängelten sich zwischen den Tischen durch. Immer mehr Gäste kamen. Eine Dunstwolke hing in der Lust, und Tabak- und Alkoholdüfte schwängerten sie. Helene konnte kaum atmen. Sie hustete in ihr Taschentuch. Auf EtienneS Fragen gab sie nur durch Zeichen Antwort. Dabei wurde sie sedeSmal rot und schielte !nach ihrer Mutter. Zum Glück schwatzte Irma unablässig mit Alfted. Alfted sah auS wie aus dem Ei gepellt. Er war tadellos rasiert und frisiert und trug eine elegante Krawatte. Seine Gesichtszüge waren etwas verschwommen, dabei aber war ihr Ausdruck beängstigend zweideutig und durch- stieben. Auch er war ein strammer, breitschultriger Bursche, dabei nicht fett. Er war einarmig. Den linken Arm hatte er verloren. Er drehte de» Freunden den Rücken zu und erzählte Irma Geschichten. Don Zeit zu Zeit blinzelte er zu Helem und Ettenne hinüber und beugte sich dann noch dichter zU Irma. Einmal schnappte Helene die leis« geflüsterte Bemerkung auf:„Er fängt sich da» Mädel ein." Zwei neue Mitglieder der Tafelrunde tauchten auf. „He, Charlier", rief Julien.„Nonoche, alter Knäbel" Nonoche hatte ein feuchtfröhliches Gesicht mit runden Augen, glühender Nase. Er war schlampig angezogen, im Gegensatz zu Tharlier, der gut in Kluft war. Tharlier hatte ein kantige» Gesicht, einen amerikanisch gestutzten Schnurrbart und eine verdammt entschlossene und unerbittliche Miene. „Ich habe den allen Knaben in Larenm aufgegabelt", sagte er.„Und dann sind wir loö- gesaust, mit Vollgas." „Bis du eines Lage» mit kaputter Schnauz« im Graben liegst", bemerlle Julien. „WaS soll ich tun? Laufen kann ich nicht mehr mtt meinen dämlichen Haxen." Tharlier hinkte. 1914 eingezogen, war er sechs Monate später bei einem nächtlichen Pro- viantierungSritt vom Pferde gestürzt. Mit Absicht? Niemand wußte es, höchsten» Papa Adam. Nonoche, der in der Bannmeile wohnte, schlug ihm auf die Schulter und wiederholte:„Dir kann keiner." Dann llatfchte er in die Hände und verkündete: „Die Runde zahle ich." .(Fortsetzung folgt.). «r. 201 Donnerstag, 29. August 1935 Lette 3 fudetendeutscftev Xcitspiegcf »Der größte Volksbetrug in der sudetendeutschen Geschichte“ Von Deutschland aus bestätigt Der zugkräftige Wahlschlager der Henlein- Partei in den Trenzbezirken des BöhmerwaldeS mit ihrer verelendeten Wanderarbeiterschaft war das Versprechen, daß nach der Wahl Inhaber einer SdP-Legi- timation ohneweiteres in Deutschland Arbeit finden werden. Es wurde in der Zwischenzeit schon mehrfach darüber berichtet, daß solche Arbeitsucher sodann von ihren reichsdeutschen Gesinnungsbrüdern sehr schlecht behandelt, nämlich eingesperrt und ohne Federlesen über die Grenze heimschubiert worden sind. Nun wird diese brutale Vorgangsweise gegenüber den notleidenden„sudetendeutschen Volksgenossen" von einer gleichgeschalteten Zeitung des Dritten Reiches ausdrücklich bestätigt. Die„Bayerische Ostmark" vom 25. Juli brachte folgenden Lokalbericht: Weiden. Häufung derPatzver- zehen. Dieser Lage wurde wieder ein tschechischer Staatsangehöriger wegen Paßvergehens in Weiden festgenommen. Die Zahl der Fest« nahmenwegenPatzvergehenS häufensichinderletztenZeit ganz beträchtlich. Die ungeheure Notlage der Bevölkerung jenseits der Grenze verleitet die Leute, in das Dritte Reich zu gehen, weil sie hier bessere Arbeitsmöglichkeiten erhoffen. Die„besseren Arbeitsmöglichkeiten", denen die bedauerntverten Opfer der Wirtschaftskrise nachgezogen sind, haben eben nur in der verlogenen Flüsterpropaganda der Henlein-Partei existiert. Nur die Mandatare der SdP sind durch diese Methoden zu„besseren Arbeitsmöglichkeiten" gekommen. Sie haben ihre Mandate und die gefoppten Wähler können in den Schubarresten des Dritten Reiches darüber nachdenken, ob man noch ein zwei- teSmal fascistischen Wahlversprechungen Glauben schenken darf. Die oppositionellen Henlein-Proleten haben recht, wenn sie die Wahlagitation ihrer Partei als den„größten Bolksbetrug in der sudetendeutschen Geschichte bezeichnen". nur daß man hierzulande die„Miesmacher" nicht ins Konzentrationslager sperren kann. Tschechoslowake In Deutschland verurteilt Berlin.(Tsch. P.-B.) Der erste Senat del Volksgerichtshofes verurteilte den 28jährigen Ern st Wabra aus Chemnitz, einen tschechoslowakischen Staatsangehörigen, zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Vertreterder Reichsanwaltschaft hatte sogar lebenslängliches Zuchthaus beantragt. Wabra hatte sich, wie die Anklageschrift ausführt«, nach der nationalen Erhebung zur Fühlungnahme mit ausländischen Kommunistenkreien nach Prag begebe». Als er wieder zurückkehrte, stellt« er sich sofort erneut in den illegalen Dienst des kommunistichen Jugendverbandes Deutschlands. Er wurde als Instruktor des Zentralkomitees nach Westdeutschland berufen. Ende 1983 reiste er wiederum nach der Tschechoslowakei und wurde dort, wie die Anklage weiter behauptet, von der kommunistichen Zentrale mit Geldmitteln versehen. Dann soll er sich nach Moskau begeben haben, wo er über die illegale Arbeit der Jugendbewegung Bericht erstattete. Ueber Prag kehrte er sodann nach Deutschland zurück, wo er im August vorigen Jahres verhaftet wurde. Zur Abwehr der Wahrheit muß die von Enttäuschung und Cliquenstreit zerfressene Henlein-Partei bereits besondere Maßnahmen treffen, wie aus folgendem in der WarnSdorfer„Bolksstimme" veröffentlichten Zirkular ersichtlich ist: Bezirl HainSpach Werbeamt Groß-Schönau, 10. 8. 1985. Werte Kameraden! Betr. Lügenabwehr. Die in den letzten Tagen von noch nicht einwandfrei festgestellten Kreisen in großer Zahl in Umlauf gesetzten unwahren Gerüchte, die zum Zwecke haben sollen, Unzufriedenheit innerhalb der Mitglieder der SdP. und Mißtrauen gegenüber AmtAväl- ' tern hervorzurufen, veranlassen uns, nunmehr diesen Lügenmeldungen mit allenMitteln an den Leib zu rücken. Wir beauftragen alle Mitglieder, wo immer «in Verbreiter oder Weitererzähler von Lügennachrichten austritt, diesen sofort festzustellen und sich sofort schriftliche Aufzeichnungen zu machen. Wenn er nicht selbst als Erfinder dieser Nachrichten in Betracht kommt, ist Name und Wohnort dessen zu verlangen, von dem die Nachricht übernommen wurde. Auf diesem Wege müssen wir schließlich zum AuSgangspunst« der Lügennachricht kommen. Ist die Stelle ermittelt, so ist sofort der genaue Tatbestand an die OrtSleitung zu geben, die wieder die Anzeige dem Bezirke unverzüglich weiterleitet. Gegen Außenstehende haben wir nur noch die ordentlichen Gerichte, sollten auch Mit« gliederalS solche Schädlinge ermittelt werden, ist deren sofortiger Ausschluß zu veranlassen. Rasche- Durchgreifen tut not. Mit deutschem Gruß: Bezirksleitung HainSpach. Die Bezeichnung„Lügenabwehrstelle" ist von den lammfrommen Henleinpatrioten unbesehen aus dem Wortschatz der reichsdeutschen Nazipartei übernommen worden, hat aber bei uns die gleiche Bedeutung wie im Reiche, nämlich Stelle zurBekämpfung der W a h t'f) e i t. Die wachsende Opposition gegen die Bonzenwirtschaft in der SdP. erfordert schon einen eigenen Bespitzelungsapparat. Als„Wahr« heit" wird nur anerkannt, was den neugebackenen SdP-Bonzen frommt. Wahrheiten, die ihnen unangenehm sind, werden als„Lüge" gebrand« markt und verfolgt. Ganz wie im Dritten Reich, Genf.(Havas.) Die Völkerbundsmandatskommission wurde bei der Prüfung des Berichtes der japanischen Negierung über ihr Mandat bezüglich der Inseln deS Stillen-Ozeans., auf. die. großen Aufglchen aufmerksam gemacht, welche die Tokioter Regierung dort gemacht hat. Da die erste Darlegung japanischerseits nicht überzeugend war, wurde die japanische Regierung ersucht, detailliert anzuführen, wozu sie die großen Beträge verwendet hab e. Es bestand die Befürchtung, ob r- sich nicht um Befestigungen und um den Bau von Marine- und Flug, zeugstützungspunkten handelt. Nunmehr ist ein Bericht der japanischen Regierung eingelangt, in welchem detailliert angeführt wird, daß die betreffenden Beträge hauptsächlich zur industriellen und wirtschaftlichen(!) Entwicklung der Inseln des Stillen Ozeans verwendet wurden. London.„D a i l h H e ral d" meldet, die japanische Regierung treffe Vorbereitungen zur Eröffnung diplomatischer Verhandlungen mit Großbritannien, Holland und anderen Mächten, um die Erlaubnis zur Einwanderung „Volksgruppen" tagen. Im Gablonzer Rathaus wurde am 27. August die Tagung des Verbandes der deutschen Volksgruppen in Europa durch den Vorsitzenden Max Richter-Mildenau eröffnet. Die Tagung ist von etwa 100 Vertretern aus folgenden Staaten besucht: Belgien, Dänemark, Lettland, Estland, Litauen, Palen, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, Sowjetrußland und der Tschechoslowakei. Di« Tagung befaßt sich vor allem mit derzeit aktuellen Fragen des Schutzes der I Minderheitenrrchte. japanischer Staatsangehöriger auf den Fidschi- Inseln in Niederländisch-Jndien und in dem britischen Teil von Borneo zu erhalten. Die Nach- richt sei am Montag gleichzeitig mit der japanischen Antwortnote auf die britische Flottendenk- schrist in London eingetroffen. Das Blatt spricht in diesem Zusammenhänge den Verdacht aus, daß das japanische Kriegsministerium mit dieser Kolonisationspolitik auch strategische Ziele verfolg«, weil das die Entstehung japanischer Kolonien inmitten der Kolonialbesitzungen anderer Länder bedeuten würde. „Privatgespräche“ mit dem Exkönig Georg Athen. Dienstag fand in London eine Zusammenkunft-wischen dem gewesenen König Georg und dem Finanzminifter PeSmazoglu statt, der inan in politischen Kreisen Athens große Bedeutung beimißt. Ueber den Inhalt der Unterredung ist nichts Näherer an die Oeffentlichkeit gedrungen. Der Sekretär des Exkönigs lehnte jede Erklärung ab und betonte nur, daß es sich um Privatgespräche gehandelt habe. Japanische Stützpunkte im Stillen Ozean Riesenausgaben für die Mandatslnseln Der Exekutor ist im Dorfe Eine dicke Aktentasche unter dem Arme, geht der Exekutor suchend durch das Dorf. Er vergleicht die Nummern über den Hauseingang Mit der Nummer eines Aftenstückes und tritt ein. Der Exekutor ist ein bekannter Mann. Wenn «r in ein HauS eintritt, hat alle Heimlichkeit und Verschwiegenheit ein Ende. Im Dorfe verbreitet sich die Nachricht von seiner Ankunft mst Windeseile. Wer noch Zeit hat, zu retten, der rettet. Da gibt es viele Möglichkeiten. Der«in« läßt sich verleugnen, der andere sperrt ab und„ist über Land". Wieder ein anderer rückt einen alten Schrank vor die Tür zur guten Stube und beteuert seine Armut, während der nächste gerade noch Zeit findet, das Schubfach zu entleeren. Das Dorf brodelt. Das eine Mal fallen die, di« ihre Steuer restlos bezahlt haben, über die Schuldner her, reißen sie in den Dreck und üben unbarmherzige Kritik an ihrem verwirtschafteten Leben, ein andermal stellen sie sich neben der Vergandeten und erklären sich mit ihnen solidarisch. Krampfen die Fäuste in der Hosentasche und fixieren mit Kennerblick„Halsweite, MuSkel« stärke und die geringen Chancen" der Exekutors im gottverlassenen Dorfe an der Grenz«. HauS für Haus, so wie di« Akten es fordern, trete ich mit ein. Bor meinen Augen ziehen Bilder grauer Not vorüber, kahle Wohnungen, armselige Möbelstücke. Ich sehe Tränen, erbarmungsvolles Händeringen, vernehme verhaltenes Schluchzen, sehe ein bangendes Kind in Großmutters Schoß. Rot sind die Augen der Men, umrändert, die müde, uns beide fremde Männer anstarren. Gestern noch sagte der Arzt, das Kind sei sterbenskrank, und heute muß es mit der Großmutter in Taglohn auf den Meierhof eines Neureichen. Ich bin mit in der Wohnung eines Mannes, der buchstäblich tobt. Auf seiner Stirne perlt Schweiß, in seinen Mundwinkeln sitzt Speichel. Er schlägt seine Brieftasche auf den Tisch und schüttet den ganzen Inhalt hin. Sieben Kronen rollen über die Tischplatte, verlaufen sich in der kleinen Stube. „Herr, ich hungere!" schreit er dem Exeku« tor zu,„ich Weitz nicht, wie lange ich das aushalte l" Er schlägt mit der Faust auf den kleinen Tisch, während er mit überschlagender Stimme schreit:„Aber verhungern will ich nicht— und tu ich nicht!" Beide Arme drohend gegen das winzige Fenster erhoben, starrt er ins Leere. Sein ganzer Körper zittert vor Haß— der Mann hat den Glauben an alles aufgegeben. Und ich trete mit ein in Häuser, deren Besitzer vollgepfropft sind mit allen Finessen dörflicher Winkeladvokatur. Sie sind wie Katzen, stehen immer auf den Füßen. Erst wenn der kleine Zettel an ihrem Besitz klebt, beugen sie sich dem Recht und der Pflicht. Ich komme mit zu einem Bauer. Der Mann verdient den Namen längst nicht mehr. Seine Felder sind verwahrlost, seine Wiesen verfilzt, sein Stall leer. Mit der ortsüblichen Landarbeit ist er drei Monate hinterher. Der Winter frißt das Haferfeld, die Kartofftln erfrieren. Die Steuerschuld bleibt und wächst. ES gibt kein Gesetz, das den Mann unter Kuratel stellt, diesen Bauernhof rettet. Erst mutz alles verwirtschaftet sein, dann kommt die Gemeinde mit dem Armenhaus und einer erdrosselten Fürsorgetätigkeit. Der Mann legt einen Hundertkronenschein als Teilzahlung seiner Steuerschuld auf den Tisch. Es ist ein Tropfen auf einen heißen Stein. In längstens sechs Wochen kommt der Exekutor wieder— und einmal kommt der Hof auf die Gant. Ich trete mit ein in ein lichtübergossenes Chefkontor. Da ist nichts zu machen. Da laufen Rekurse bei der höchsten Steuerstelle. Da häufen sich kleine Berge von Papieren, die ständig auf der Reise zwischen Prag und der Provinz sind. Berbindlichst lächelt der Chef und sagt selbstverständlich zu,„sofort zu bezahlen, wenn von oben herab die Sache entschieden ist." Und es wird Abend, das Dorf ist durchgegangen. Von sechszehntausend XL fälliger Steuerschuld sind achthundert XL bar eingegangen. Ein Drittel der verbleibenden Summe ist„angeklebt", ein weiteres stärkeres Drittel verfällt der Uneinbringlichkeit. Der Rest ist verkappte Sabotage. Der Exekutor ist leer, ist seelisch ausgepumpt. Er sagt, er hält diesen Dienst nicht mehr lange aus. Ich glaube es ihm. Auf diesen Posten gehört ein rücksichtsloser Mann mit Nerven wie Hanfseile und einem steinernen Herzen in der Brust. Tagelang geifert das Dorf noch, dann ist auch dieses Ereignis von einer neuen Sache abgelöst— und vergessen. Josef Egerer. Sozialpolitischer Ausschuß einberufen Begrüßenswerte Initiative des Vorsitzenden Gen. Dr. Meißner Prag. Der Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses der Abgeordnetenkammer, Genosse Dr. Alfted Meißner, beruft den Sozialpolitischen Ausschuß für Dienstag, den 10. September, um 9 Uhr 30 zu einer Sitzung rin. Aus dem Programm der Sitzung werden sich Verhandlungen über die Arbeitslosigkeit und über die wirtschaftliche Stellung der arbeitenden Schichten befinden. Gemeinsames Wirtschaftsprogramm der tschechischen Linksparteien Weder Einheitsfront noch Arbeitsgemeinschaft mit den Kommunisten. Prag. Am Mittwoch fand im Parlament unter dem Vorsitz des Senators Klofäö eine gemeinsame Sitzung von Vertretern der tschechischen Sozialdemokraten und Nattonalsozialisten statt. In dem auSgegebenen Kommunique« heißt es: Die Vertreter beider sozialistischen Parteien äußerten übereinstimmende Ansichten über die Lösung der aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Beide Parteien setzten sich für die beschleunigte Durchführung gewisser Maßnahmen zur Verbessern» gder Beschäftigung und zur Belebung der Wirtschaft ein. Sie werden darauf dringen, daß eine unbegründete Verteuerung derLebensbedürfnisse hintangehalten und Wucher und Spekulation mit den schärf st en Mitteln verfolgt werden. In sozialpolittscher Hinsicht treten sie für den ordentlichen Schutz der Angestelltenein und werden darauf achten, daß endlich die Frage der ge« schlichen Regelung derArbeitsvermitt- l u n g und der Arbeitszeitverkürzung erledigt werde. Beide sozialistische Parteien halten es für unbedingt notwendig, daß in Fragen der K o m- munalpolitik die Angehörigen beider Parteien gemeinsam vorgehen. Die Vertreter beider sozialistischen Parteien sind einig in der Angelegenheit des kommuni« 'schen Angebotes nach Schaffung einer sozialistischen Arbeitsgemeinschaft. Sie werden mit der kommunistischen Partei weder eine Einheitsfront noch eine A.r beitsge- m ein schäft bilden. Alle'Ihre'Mäste widmen sie der Arbeit für die tmrtschaftllche und soziale Besserstellung der arbeitenden Schichten und für die Verbesserung der beklagenswerten Stellung der Arbeitslosen. Wer hat gesiegt 7 Abschluß der ostslowakischen Manöver• Kaschau. Die Manöver in der Ostflowakei wurden Mittwoch früh abgoblasen. Während i» der ersten amtlichen Verlautbarung festgestellt wurde, daß die Manöveraufgabe der(roten) Nrrdarmec, nach Süden vorzttdringen, nicht gelungen sei, da der Vormarsch der Nordarmee durch die zähe Verteidigung der(blauen) Südarmee aufgehalten worden sei, wird nachträglich gemeldet, daß in der letzten Nacht der Koin- mandant der roten Armee ein Reservercgimment auf den rechten Flügel bei Zipov verschob, wo er einen schwachen Punkt des Gegners erkannte. An dieser Stelle ließ er Mittwoch früh einen Angriff eröffnen, durch den die Front der blauen Armee durchbrochen lvurde. -— Von den rund 20.000 Soldaten, die an den Manüvern teilnahmen, wurden 52 ins Krankenhaus gebracht; nur in fünf Fällen tragen die Erkrankungen ernsten Charakter. Führerkonterenz In Kiel Paris. Der Berliner Korrespondent des Blattes.^Information" teilt mit, daß die von Hiller einberufene Konferenz nach Kiel sehr wichtig sei» werde, wie schon aus der Anzahl der hervorragenden Persönlichkeiten aus militärischen und Marinekreisrn, die an ihr teilnrhmcn werden, ersichtlich sei. Autoritäre Justiz am laufenden Band Wien. Bor einem Schöffensenat standen gestern die Druckereibesitzer G r o d e r und Rot- t e r, die auS dem Wöllersdorfer Konzentrationslager vorgeführt wurden. In der den beiden Angeklagten gehörenden Druckerei wurden seinerzeit verschiedene illegale sozialistische Zeitschriften hergestellt, wie„Der Schutzbündler", „D er n e u e A u f st i e g" ferner eine Druckschrift„Gruß und Dank an die spanischen Helden", und schließlich auch falsche Einladungen zu dem am 2 Feber ds. I. abgehaltenen Ball der Stadt Wien. Grober wurde zu 5 Monaten strengen Arrest verurteilt. Das Verfahren gegen Reuter ist vorläufig ausgeschieden worden. Bei der österreichischen Justiz versteht es sich von selbst, daß diese Strafe er als Zusatzstrafe• zu der willkürlich langen Haft im Konzentrationslager gilt. Seite I Donnerstag, 29. August 1935 fit. 201 Otto Strasser zi (AP.) Otto Strasser hat in längeren Ausführungen zur Judenfrage Stellung genommen, was gerade jetzt, im Zeichen der Hetze Streichers, von einiger Bedeutung ist. Strasser bezeichnet die Judenfrage als einen Teil des großen europäischen Minderheitenproblems, was automatisch dm Grundsatz auch der gleichartigen Behandlung aller anderen europäischen Minderheiten, z. B. der Wenden in Deutschland, beinhalte. Dem Ziomismus Theodor Herzls gegenüber empfinde er die Sympathie gleichartiger Grundanschauung. Schon von Anfang an habe er sich im schärfsten Gegensatz zu dem ebenso dummen wie unappetitlichen Antisemitismus der Streicher, Ley, Grohö und Konsorten befunden. Bereits auf dem Parteitag 1927 habe er als Pressereferent der Partei in schärfster Weise dies Treiben angegriffen und diesen Angriff auch 1928 in der von seinem Bruder hcrausgegebenen, von ihm geleiteten „Berliner Arbeiterzeitung" programmatisch untermauert. Dort habe er geltend gemacht, daß er und seine Frmnde die Andersartigkeit des jüdischen Volkes anerkenne, aber die unwahre und hetzerische Behauptung seiner Minderwertigkeit verwerfe, wie überhaupt jede Wertigkeitsskala zwischen Völkern zu bekämpfen sei. Diese grundsätzliche Einstellung habe er auch nach der im Juli 1930 erfolgten Trennung von der Hitlerpartei beibehalten und nun umso größeren Wert auf eine möglichst gerechte, dauerhafte und menschenwürdige Lösung der Judenfrage gelegt. ; Nun zur Lösung der Judenfrage: Er gehe davon aus, daß die Ideallösung der Unterbringung aller nationalen Minderheiten Europas ir eigenen Nationalstaaten aufGrund der historisch gewordenen Verhältnisse nicht mehr möglich sei. ES würden also zahlreiche völkische Minderheiten in den verschiedensten Staaten Europas bleiben, wobei gerade die deutschen und jüdischen Minderheiten zahlenmäßig besonders ins Gewicht fielen. Er sei als Anhänger der völkischen Idee von dem Rechte, ja der Pflicht jedes Volkes durchdrungen, seine Eigenart zur höchstmöglichen Entfaltung zu bringen und ihr in allen staatlichen und kulturellen Firmen Ausdruck zu geben. Daraus ergebe sich zwangsläufig die S ch e i d u n g in Staatsvolk und nationale Minderheiten. Die nationalen Minderheiten seien von gewissen Rechten und Pflichten des Staatsvolkes entbunden, genössen aber gewissermaßen als„Untermieter" eine bestimmte Rechtsstellung, die durch einen eigenen Minderheitenkommissar, der der größten Minderheit zu entnehmen sei, kontrolliert werde. Die aktive und unmittelbare M i t w i r- k u n g der Vertreter aller völkischen MiUdet- heiten in Deutschland an der gesetzlichen Regelung dieses Minderheitenschutzes sei eine zwingende Pflicht. Für Deutschland würde das Amt des Minderheitenkommissars demgemäß einem I u d en zukommen, der als Staatssekretär dem Innenministerium beigeordnet sei und dem außerdem die Vertretung der nationalen Minderheit in Deutschland konstituierten, könnten käme. Jene Juden, die sich als jüdische nationale Minderheit in Deutschland konstituierten, könnte nicht Beamte und Lehensträger des deutschen Staates werden. Dagegen seien ihnen diese Berufe innerhalb ihrer nationalen Autonomie (eigene Schulen und Universitäten etc.) zugänglich. Die menschliche, juristische und moralische Gleichberechtigung sei selbstverständlich gegeben. Jeder volljährige Angehörige einer völkischen Minderheit habe in seiner eigenen Willenserklärung demgemäß zu entscheiden, a) ob er Auslände r, d. h. Staatsangehöriger seines Stammvolkes werden wolle, was bei den Juden allerdings die Schaffung eines jüdischen Nationalstaates zur Voraussetzung hätte, b) ob er nationaler Minderheitsangehöriger werden wolle, mit den verringerten Rechten"und Pflichten eines solchen Untermieters, c) ob er völlig im Staatsvolt aufgehen und demgemäß nicht nur Staatsbürger, sondern Volksbür- g c r werden wolle. Diese letztere Willenserklärung sei aber an die Einhaltung gewiffer Aufnahmebedingungen gebunden, durch die das Aufgehen im Staatsvolk zu einem effektiven werde. Ein« solche Bedingung werde zweifellos die Vorschrift einer Verheiratung mit einem Angehörigen des Staatsvolkes sein, um das Aufgehen auch biologisch sicherzustellen. Gerade hier werde der diametrale Gegensatz zur hitlcrischen Lösung deutlich: Die Eheschließung zwischen Deutschen und Juden, die bei Hitler strafbar sei, werde hier gerade gefordert für jene Juden, die in den deutschen Volksverband ausgenommen werden wollten. Für diese Kategorie beständen also die genannten Einschränkungen nicht, bei ihnen handele es sich um vollberechtigte Volksbürger, deren jüdische Rasiebestandteile keine andere Rolle spielten wie die dinarischen, ostischen nnd sonstigen Rasiebestandteile der anderen. Die Kategorie b) sei den Einschränkungen der Minder- heitcngesctzgebnng, die Kategorie a) den Einschränkungen der Ausländergesetzgebung unterworfen. So würden die Menschenwürde der Persönlichkeit wie das Wohl der Allgemeinheit berücksichtigt. Der Kämpf gegen den barbarischen Antisemitismus sei nicht nur eine Pflicht der Juden, sondern eine Ehrensache jedes anständigen Menschen. Am meisten hätten gerade die Deutschen, die ir Judenfrage das größte Kontingent an den nationalen Minderheiten Europas stellen, Jnteresie daran, daß die Stellung der nationalen Minderheiten eine günstige sei. Denn wenn die Judengesetze des Hitlersystems auf die deutschen Minderheiten in Europa angewandt würden, dann wäre auch dem verblendetsten Hitlerdeutschen die Schmach und Unhaltbarkeit dieser Ordnung klar. Gemäß der Beschränkung der Schwarzen Front auf Deutschland sei diese Lösung, der Judenfrage natürlich n u r f L r Deutschland berechnet. Doch enthalte sie seiner Meinung nach alle Elemente, um zu einer gesamteuropäischen Minderheiten- Gesetzgebung erweitert zu werden, in deren Aufstellung eine wichtige Aufgabe der Europäischen Föderation bestehe. Gewiß würden von deutscher und von jüdischer Seite gewichtige Bedenken erhoben werden, albet in der Politik könne es immer Der»Rachemord" in Schönfeld — ein Bluff Um die„Schande" des Selbstmords zu vertuschen... Die Untersuchung des angeblichen Mordes an dem Gastwirt G a r e i s in Schönfeld bei Karlsbad hat eine sensationelle Wendung gebracht. Die Recherchen der Behörden ergaben, daß es sich um einen Selbstmord handelt und daß der Mord fingiert worden war. Die Kinder des Wirtes hatten in dem Selbstmord eine„Schande" erblickt und deshalb der Polizei das Märchen von dem „Rachemord" erzählt. Als eine„Schande" hatten sie es aber nicht angesehen, daß durch dieses Verhalten Unschuldige unter schwe- st e m B e r d a ch t in Haft genommen wurden. Oberst Lawrences Geheimnis kostet 10 Millionen Rew Aork. Gestern wurde absichtlich zu dem unerschwinglichen Presse von 500.000 Dollars ein Manuskript, das von dem britischenFliegeroffi- zier Shaw, hinter welchem Pseudonym sich das >Mitglied der Jntelligance-service Lawrence verbirgt, hinterlasien wurde, herausgegeben. Die Verleger erklären, das Werk trage einen so s e n- sationellen Ch a r a ti,e r, daß es in 'England niemals werde veröfMtlicht werden dürfen, keinesfalls aber früher, bevor nicht alle Persönlichkeiten, über welche in dem Manuflript gesprochen wird, gestorben sein werden. Die gegenwärtige Ausgabe zu dem unerschwinglichen Preise von 500.000 Dollars(ungefähr zehn Millionen XL) wurde lediglich zu dem Zwecke veranstaltet, damit die Gesellschaft sich das Copyright auf Grund der amerikanischen Gesetze wahre. Bisher 12 Todesopfer des Berliner Einsturzes Berlin. An der Unglücksstelle in der Hermann-Göringstraße hat man im Laufe der gestrigen Nacht einen neunten Verschütteten ausgefunden und gegen 4 Uhr morgens geborgen. Morgens stießen die Rettungsmannschaften auf drei weitere Verschüttete, an dessen Bergung noch gearbeitet wird. Man hat mithin bisher zwölf Verschüttete aufgefunden. Hitler henkt Berlin. Der vom Volksgerichtshof wegen „Verrates militärischer Geheimnisse" zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wilh. Müller- Heinecke aus Berlin ist gestern morgens in Berlin h i n g e r i ch t e t worden. »Maulkorbzwang" auf dem Berliner Strafrechtskongreß Stockholm. Die Tochter des hervorragenden schwedischen Staatsmannes des verstorbenen Genoffen B r a n t i n g erklärte nach ihrer Rückkehr von dem Internationalen Strafrechtskongreß in Deutschland einem Berichterstatter des„Socialdemokraten", das Deutsche Reich habe diesen Kongreß zu Propagandazwecken mißbraucht. Als Frau Branting nach Dr. Goebbels das Wort ergreifen wollte, wurde ihr dies mit dem Hinweis darauf, daß es der„Tradftion widerspreche", daß jemand gegen den Regierungsdelegierten spreche, verwehrt. Professor Dr. Nzach gestorben. Gestern ist in Prag der pensionierte Universitätsprofessor und Vorsitzende des Prager Volksbildungsvereines„Urania", Profeffor Dr. Alois R z a ch gestorben. Rzach hat das hohe Alter von 85 Jahren erreicht, war seit 1876, also seit 59 Jahren, Lehrer an der Universität, mehreremals Dekan und einmal Rektor. Noch nach seinem Uebertritt in den Ruhestand(1923) hat er als Honorarprofessor Vorlesungen gehalten. Sein Fach war griechische Sprache, er war ein glänzender Vor nur auf Durchführung einer möglichen Lösung ankommen. Gewiß würden viele Juden den Rechten der Emanzipation nachtrauern, viel« Deutsche eine radikalere Lösung verlangen. Den einen erwidere er, daß es töricht sei, gegebene Voraussetzungen zu ignorieren, die anderen aber verweise er auf das alte Wort: Was du nicht willst, das man Dir tu, das füg' auch keinem änderen zu. Diese Lösung wolle im übrigen nicht als philosophische und moralische, sondern als gesellschaftliche und politische gewertet werden. Gibt auch vieles in diesem Programm der Schwarzen Front zu Bedenken Anlaß und wird man als Sozialdemokrat durch Strassers Ausführungen wiederholt zu Widerspruch herausgefordert, so ergibt sich doch eine Diskussionsgrundlage, da Straffers Vorschläge offensichtlich mindestens nicht antisemitisch gemeint und von Hitler und Streicher weltcnweit entfernt sind. tragender und verstand es, seine Hörer für die griechische Kultur und Literatur zu begeistern. Er hat eine Reihe wiffenschaftlicher Werke geschrieben, hat viele volkstümliche Vorträge gehalten, war einer der Begründer der volkstümlichen Hochschulkurse und hat sich um die„Urania", deren Leitung er seit ihrer Gründung, zuletzt als Obmann angchört, große Verdienste erworben. Ebenso hat er sich um die Schaffung des dritten deutschen Studentenheims, das seinen Namen trägt, verdient gemacht. Ucberschwemmung in Troppa«. Dienstag abends wütete über T r o p p a u ein heftiges Gewitter, dar von starken Regengüssen begleitet war, durch diezehnKellerwohnun- gen'in tiefer gelegenen Teilen der Stadt unter Wasser gesetzt wurden. Die Feuerwehr war bis in die späten Nachtstunden damit beschäftigt,' das Wasser aus den überschwemmten Wohnungen zu pumpen. Ein lljähriger begeht Selbstmord ans Liebesgram. In der Nähe der Station Lukawctz auf der Strecke tllmüss—Böhm.-Trübau fand man die schrecklich verstümmelte Le i ch e eines vierzehnjährigen Knaben namens B. Banal, der bei einem Landwirt beschäftigt war. Unglückliche Liebe hat das Kind in den Tod getrieben. Mauereinstnrz auf dem Schulhof. Im Südosten Londons streifte ein Lastkraftwagen die Mauer eines Schulhofes, hinter der sich eine große Anzahl von soeben aus den Ferien zurückgekehrten Kindern mit ihren Angehörigen befanden. Die Mauer stürzte unter dem Druck zusammen und begrub mehrere Kinder und Erwachsene unter sich. Nach hey bisherigen. Feststellungen wurden drei .Kinder,.darunter ein im Kinderwagen liegendes Baby, getötet und sechs weitere Schullinder und Erwachsene mehr oder weniger schwer verletzt, Wie man in einer Halden Stunde 50.000 XL verdient. Bor einigen Tagen wurde der Schneidergehilfe Mayer-Zuckcrmänn in Wien das Opfer eines ungewöhnlichen Gaunerstreiches. Er wollte bei einer Länderbankfiliale 10.000 Schilling (50.000 XL) in tschechoslowakische XL umwechseln und wurde bei dieser Gelegenheit in der Schalterhalle von einem Unbekannten angesprochen, der ihm einen besseren Wechselkurs anbot, wenn er ihm in sein Büro folge. Dort wurden dem Mayer-Zuckermann die 10.000 Schilling abgenommen; er selbst wurde in der Wohnung eingeschlossen und der Täter flüchtete mit einem Komplizen. Die Polizei hat nun den Gauner, einen gewissen Hilarius D e w a l d aus T e plitz-Schönau verhaftet. 100. Geburtstag einer Eisenbahn. Diese Woche wird in England der hundertste Jahrestag der Gründung der größten englischen Eisenbahnstrecke, der Great Western Railway, gefeiert werden, die durch ein Gesetz des Parlamentes im Jahre 1935 geschaffen worden war. Ein teuerer Sturm. In Saint Johns(Neu- Fundland) forderte ein Sturm, der.Sonntag über die Insel hinwegfegte, 15 Todesopfer. Der Schaden wird auf 250.000 Dollars geschätzt, lieber 200 Fischerboote wurden beschädigt oder zerstört. Zwei zloeisitzige Flugzeuge der britischen Reichs-Luftverkehrsgesellschaft, die von einer großen Firma in St. Johns gemietet worden waren, sind zerstört worden. Die Nückwairderung der Türken. Im Rahmen eines FLufjahresplancs betreibt die Türkei die Rückwanderung aller Türken aus den Ballanländern, deren Gesamtzahl auf 650.000 beziffert wird. In der ersten Zeit hatte die Regierung zum Ziel gehabt, die dünnbevölkerten Gebiete aufzufüllen, und den Rückwandererstrom nach dem Innern, insbesondere nach den Wilajots Mersina und Adalia dirigiert. Das Klima war jedoch den Neuankömmlingen nicht zuträglich, das Milieu lvar zu verschieden, so daß die Rückwanderer schnell verzagten und überhaupt nur unter dem Druck der Behörden arbeiteten. Dadurch entstand seinerzeit eine Unterbrechung in dem Rückwande- rungsprozeß, bis man sich dann entschloß, die Einwanderer nach Thrazien zu lenken. Dies fruchtbare Gebiet war nämlich nur von 615.000 Personen bewohnt. Im ersten Jahre sollen im Wilajet Adrianopel(Edirne) 15.000, Rodosto(Tekir- dagh) 15.000, Kirkarkli 30.000 und im Darda- nellen-Wilajet(Tschanakaleh) 30.000, insgesamt 90.000 Rückwanderer angesiedelt werden. In der gleichen Zeit sind 10.000 Häuser zu erbauen. An unauSgenuhter Bodenfläche stehen 2,275.000 Quadratmeter zur Verfügung. Durch Trocken- legungsarbeiten soll dies Gebiet noch erweitert i werden. Die Ausgaben werden mehrere Millionen. türkische Pfund erfordern. Die Regierung wird! während der ersten Zeit für den Unterhalt der Rückkehrer sorgen und ihnen die nötigen Geräte ü liefern. Jeder Rückwanderer wird automatisch'z türkischer Untertan. Inzwischen ist die Rückwan« W derung, vor allem aus der rumänischen Do- i brudscha, bereits im vollen Gange. Ein Dieb schnell gefaßt. Mittwoch früh ent-, wendete ein unbekannter Täter aus der Woh-' nung der Helene Korn in Brünn verschiedene Schmuckgegenstände im Werte von 30.000 XL. Der Brünner Polizei gelang es bereits zu Mit«'' tag, den Täter auf dem Bahnhof in dem Augen«. blick zu verhaften, als er Brünn verlassen wollte.\ Der gesamte ge stöhlen« Schmuck wurdebeiihmgefunden. In dem Täter wurde der 36jährige Kaufmann Naftali Balbierer aus Rymanov in Polen fcstge«;■ stellt. Er wurde in die Haft des Gerichtes ein- a geliefert. Doppelhiurichtung in Polen. Der Präsident der Polnischen Republik hat das Gnadengesuch der durch J das Bezirksgericht in Czortkow wegen der Ausrot«? tung einer jüdischen Kaufmannsfamilie zum Tode verurteilten Ukrainer B o r c z u k und Lopa-, szczenko abgewiesen. Die beiden verurtellten ukrainischen Bauern werden Donnerstag ftüh auf dem Gefängnishofe in Czorckow durch den Strangs hingerichtet werden. Der„Führer" und die Naturgesetze. In den Programm-Mitteilungen des Gaues Groß-Berlin, von Kraft durch Freude befindet sich anläßlich der Anpreisung von verbilligten Eintrittskarten für den Berliner Zoo ein Schreiben des Aktien-Bcr« eines des zoologischen Gartens zu Berlin, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Das erheiternde Zeitdokument lautet: „Für die NS-Gemeinschast„Kraft durch Freude" öffnet der Berliner Zoologische Garten s gern seine Pforten. Die Gesetze allen Natur« g e s ch e h e n s, die auch das Schicksal der Völker bestimmen, hat unser großer Führer klar erkannt und ihre Wirkungen durch zielbewußte Maßnahmen noch verstärkt. Dem Großstädter wird innerhalb einer Häusermeeres ein Stück Natur und insbesondere Tierleben durch den Berliner Zoologischen Garten 1 vermittelt. In bester Weise wird er belehrt und sein Herz im Umgang mit diesen vielen verschiedenartigen Geschöpfen erfreut. Deswegen sollen möglichst viele Volksgenossen an dieser Stätte Erholung finden! Heil Hitler! gez. Dr. Lutz Heck." .Soviel.Philosophie für eine kleine Preis-!!! ermäßigungl Die Abstimmungsmogelei des Reichsgerichtspräsidenten Bumke auf dem, Internationalen Strafrechtskongreß in Berlin hat viele ausländische Delegierte so empört, daß sie den Kongreß vorzeitig verließen und die Beteiligung an der darauffolgenden Rundreise durch deutsche Strafanstalten ablehnten. Sinngemäß müßte diese Reise in einem der neuen Gefangene n z ü g e erfolgen, die das Dritte Reich als Beweis der„sinkenden Kriminalität" statt der früheren Gefangenenwagen eingeführt hat. Fachschule für Frauenberufe, Teplitz-Schöuau. Die Einschreibungen für die einjährige Familien« schule und den ersten Jahrgang der dreiklassigen Anstalt werden mn 31. August(täglich von 10 bis 12 Uhr) abgeschloffen. Wetterverschlechterung. In Westeuropa ist die Temperatur in andauerndem Rückgang begriffen. Ick Frankreich und der Schweiz war er Mittwoch nach«', mittags bei regnerischem Wetter durchschnittlich um' volle 15 Grad kälter als in unseren Gegenden, wo. noch 24 bis plus 29 Grad erreicht wurden. In der Nähe der Wärmegrenze hat sich der Himmel in Böh« men teilweise mit Gewittergewölk umzogen, sonst ist es vorwiegend heiter. Der Luftdruck ist nunmehr sehr niedrig. Die Wetterverschlechterung dürfte von Südwesten her Fortschritte machen, trotzdem wird voraussichtlich anfangs noch ein großer Teil des Staatsgebietes im Bereiche der südlichen; Äarmluftftrömung verbleiben.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Westen und Süden der Republik allmähliche Wetterverschlechterung, vereinzelt Gewitter, später strichweise Regen und etwas kühler. Sonst noch heiter bis halbheiter, wann, bei südlicher Luftbewegung.— Wetteraussichten für i Freitag: Unbeständig, strichweise Regen, kühle- Vom Rundfunk BinpfeNunswertes aus den Programmen! Freitag Prag, Sender L: 6.00: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatten, 12.30: Konzert des Musiksalonquartetts, 13.30: Arbeitsmarkt, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Vorbach: Kunstwanderung durch das Höhm. Mittelgebirge, 18.50: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.30: Uebertragung aus dem Nationaltheater„Dalibor" von Smetana, 22.40: Schallplatten. Sender S: 7.80: Salonorchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 14.50: Deutsche Rundfunkmeldungen.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Besuch in der Brünner Kapuzinergruft. 18.45: Negerbariton RobeS auf Schallplatten, 19.25: Salon-Trio, 20.30: Violoncello.— Mähr. Ostrau: 15.00: Orchesterkonzert.— 17.40: Ballettmusik, 18.20: Deutsche Sendung: Manjong: Vorlesung, 21.40: Unterhaltungsmusik.— Prejrburg: 20.80: Violinkonzert. Nr. 201 Donnerstag, 29. August 1935 Seite 8 Zwei Rehe Von Richard Rax. Der Miger brachte aus dem Walde zwei verwaiste Rehe. Sie mochten drei Wochen alt sein und waren von rührender Hilföbedürstigkeit. Die Krau des Landhauses wollte sich bemühen, sie mit der Milchflasche aufzuziehen, der Mann aber, der den Garten zu betreuen hatte, schüttelte den Kopf: „Hab'n S' a Ahnung, gnä Frau, was so Viecher für an Schaden machen?" Sie hatte keine:„Die Rehe bleiben doch nur so lang, bis sie der Milch entwöhnt sind. WaS können zwei so hergige kleine Tierchen schon für Schaden machen in dem grasten Garten." Anfangs ging alles gut. Die Rehlein gewohnten sich bald, die Milch aus der Flasche zu saufen, die die Frau ihnen darbot, Sie gewöhnten sich so sehr an die Frau, dast sie— die Begriffe Milchspenderin und Mutter offenbar vereinend— ihr nachliefen auf Schritt und Tritt. Gegen andere Menschen aber blieben sie scheu. AIS der Gärtner, anläßlich eine» für eine Woche gedachten Aufenthaltes der Frau in der Stadt, den Tieren, die Milch reichen sollte, nahmen diese keinen Tropfen, schnupperten nur und wandten sich von dem beleidigten Gärtner beleidigt ab. Sie wären verhungert, hätte man nicht die Abwesende telegraphisch zurückberufen. Dem vielen, vielen Grünfutter im Barten schenkten sie vorerst keinen Blick. Nur Fangen spielten sie bei Sonnenuntergang durch und über alle Beete. Erst nach drei Wochen versuchten die Rehlein hie und da und dann und wann ein garte» Blatt abzubeißen. Da die» mistlang, begannen sie shste- matischx Frestversuche im Stiefmütterchenbeet unweit ihrer Hütte. Awei Tage hatten ihre Bemühungen kaum merkbaren Erfolg. Am dritten gab» kein« Stiefmütterchen mehr, nicht Blatt, nicht Blüte. Da» war Mitte Juli. Danach fanden auch eine Rispe Gras, ein, wenig feinsten Klee» sind Blätter von niedrigen Obstbäumen Beachtung. Trumpf jedoch wurden die Nelken. Binnen einer Woche waren alle, auch die verstecktesten, ausgerottet bi» auf die Wurzelstöcke. Der Gärtner schnitt ein schief Gesicht. Di« Frau, die sonst heikel war auf ihre Blumen— wie der Teufel, wenn dies von einer Frau zu sagen erlaubt ist— blieb gefaßt:„Wegen der paar Nelken! Mitte August kann man die Rehe in den Wald laffen, sagt der Läger." Ende Juli waren alle Buschrosen und die ktibiselsträucher kahl, Dohnen und Erbsen vernichtet.„I meinst, jetzt'n war'» höchste Aeit, dast ma F in Wald lastet, die Ludern." Doch die Rehe lächelten nur über den Gärtner. Sie wustten, dast Linder obsiegen, denen die Mutter heimlich Nel- lrnknospen aus fremden Gärten bringt, da es im eigenen Garten keine mehr gibt. Zum Dank frästen sie in eines unbewachten Stünde die Fächerpalme., nür den Gärtner aber, der oft„vergast", die Gartentür zu schließen, damit„die Ludern" sich in den Wald verlaufen sollten, hatten sie nur mitleidig triumphierende Blicke und fuhren, die schönsten Phloxblüten im Maul, ihm zwischen die Leine. Vom Walde war nicht mehr die Rede. Bis zum Herbst war alles abgefresten, wa» tst Rehe erreichen konnten und nicht gewöhnliche» «ald« und Wiesengewächs war. Solche» verachteten sie. Aepfel, Pflaumen und Birnen jedoch Kasten sie mit Leidenschaft, dast der Saft spritzte. Vom Walde war zwar nicht mehr die Rede, °och wurde ein großer Platz unter den Linden, wo kein Schaden anzurichten war, nach vielem Wmn und Aber von dem Obst-, Zier- und Gemüsegarten durch ein Gitter ahgetxennt, obwohl der Gärtner schwur, dast diese Rehe imstande wären, auch die Linden zu fressen. Er hatte tagelang zu tun, bis auch die kleinste Lücke zwischen Boden und Gitter vermacht war. Immer wieder fanden die Rehe den Schlupf zurück in» Paradies. Sie waren sehr ungehalten, als sie endgültig merkten, dast e» sich nicht mehr um ein Spiel, sondern um eine ernsthafte Freiheitsbeschränkung handle, und gingen läng» de» Gitter» auf und ab wie die gefangenen Bären, um der Mutter Herz zu brechen, bi» diese verreiste. Nun haben sich die Rehe an den Napf mit Kukuruz gewöhnt und stampfen zornig mit den zarten Beinen, wenn sie den Napf unerhörter Weise leer finden. Da die» nur selten vorkommt und ihr Winterpelz ihnen zu sagen scheint, dast auch außerhalb de» Gitter» feine» Grünfuttcr nicht mehr gedeiht, sind sie zufrieden, zumal sie fest glauben: sobald wieder Stiefmütterchen und Nelken knospen, werde ein sehnsüchtiger Blick auS ihren dunklen Augen genügen, das Herz der Mutter und damit des Gitters Tür weit zu öffnen. Die Städte Abessiniens. Abessinien besitzt nur ganz wenige Städte. Außer der Hauptstadt Addis Abeba kommt im Grunde nur noch H a r r a r, die Hauptstadt der Provinz Ogaden, in Frage. Denn G o n d a r, die alte Kaiserstadt, besteht nur aui Kaiserpalästen, die in der Portugiesenzeit zerstört wurden, und einigen Hütten. A n k o b e r, da» in Kaiser MenelikS Jugendjahren eine Rolle spielte, ist ein Ort mit zahlreichen Hütten, aber ohne Bedeutung, und das vielgenannte Ual Ual besteht nur au» ein paar ärmlichen Hütten. Harrar, 600 Kilometer von der Grenze entfernt, ist eine uralte Handelsstadt. ES war schon im 12. Jahrhundert die Hauptstadt de» großen Adal-Reiche», da» bi» zum Indischen Ozean reichte. Im Mittelalter floß viel Blut um den Besitz dieser Stadt. 1875 besetzten die Aegypter Harrar,' doch mußte der Khedive Ismael Pascha ei wieder aufgeben. Friedenrorgauisatto« 1935 Friedenstaube: Ich könnte mir auch ein stabileres Fundament vorstellen,,■ Jn Kürze Rom.(AP.) Alle Inseln des Dodekanesos wurden unter Kriegsrecht gestellt. In vielen Orte» dürfen die Einwohner ihre Häuser nach acht Uhr abends nicht mehr verlaffen. Jn Lero» ist jede Landung verboten. Diese Insel ist zu einer Festung umgestaltet, und alle Anhöhen sind mit Geschützen gespickt. Sämtliche Garnisonen des Dodekaneso» haben Verstärkung erhalten. Es heißt, daß es sich meist um Soldaten slawischer Nationalität au» Venezia Giulia handele, die man nicht in Ostafrika verwenden wolle. Hamburg. Das dritte deutsche Flugzeug« 'sicherungsschiff wurde Samstag von Stapel gelassen. Das Flugzeugsicherung»- und Bergungsschiff, das den Namen„Krischan" erhalten hat. hat eine Länge von 70 Metern und eine Breite von 11 Metern. Berlin. Mit Bezug auf di« Meldung deS„Pari» Soir", wonach der Chef de» Protokolls im Auswärtigen Amt Graf Bastewttz plötzlich au» Berlin verschwunden sei, schreibt der.Lokalanzeiger", daß Graf Bassewitz seinen ordnungsmäßigen Urlaub angetreten habe und vor drei Tagen Nach Süddeutschland abgereist sei. Wim. Unweit vom Grandhotel in Reumarkt ist Dienstag«in österreichisches Militärflugzeug der Fliegerschule in Graz in den See abgestürzt. Der Pilot und sein Beobachter wurden tot aufgefunden. Tirana. Riza G e r o v a, einer der Führer der jüngsten Revolte in Fieri, wurde am Sonntag bei einem Zusammenstoß, zu welchem es zwischen seinen Anhängern und der Polizei in Südalbanien kam, erschossen. Moskau. In der türkischen Stadt Neistli ist, wie die Blätter aus Moskau melden, die Grundsteinlegung zum zweiten großen Textilwerk erfolgt, da» von der Sowjetunion erbaut und mit Sowjekmaschinen ausgestattet werden soll. China» Luftverkehrsnetz (AP) China baut fieberhaft sein Luftver« kehrsneh au». Dabei spielen politische Momente ein« große Rolle, werden doch auf diese Gebiete, di« infolge ihver Welten Entfernung fast autonom geworden waren, der Regierung nähergerückt. Fluglinien existieren z. B. jetzt nach der Provinz Szetschwan, die sich ziemlich selbständig gemacht hatte und lokalen Beherrschern Steuern zahlte, sowie nach Uünnan, dessen Bevölkerung bereits einen birmanischen Einschlag hat und .französischen EinWffeu. unterliegt. Projektiert ist• schließlich sogar ein« Fluglinie nach T üb e t, wo seit dem Tiwe des Dalai Lama ein politische» Chaos herrscht, zumal der al» prochinesisch geltende Panchen Lama infolge de» englischen Widerstandes nicht die Nachfolge antreten konnte. Die Schaffung einer ständigen Verbindung zwischen Nanking und Lhasa würde die Einsetzung eine» eigenen Gouverneurs in Tibet ermöglichen, der die chinesische Autorität wiederherzustellen hätte. Bekanntlich geht Tschiang Kai Schek davon au», nach dem Verlust Rordchinas das verbleibende Gebiet straff zu organisieren und fest an die Jen« tralregierung zu ketten. Der Faulpelz „Alwine," sagte der Posthalter Feodor Vlukrnpohl in Dobroschin,„Mwine, reiche mir E>"e Zigarre." Er kehrte sich ächzend auf dem äianzledernen Kanapee um und schlug ärgerlich ’M einer Fliege:„Vieh!" Alwine, die behende Frau des Poschalter», sistierte auf einen Stuhl und holte eine Zigarren- siste vom Schrank. Sie nahm eine Zigarre heraus, Mitt sorgfältig die Spitze ab, steckte ihrem Gat- M den Glimmstengel in den Mund und strich ein vindholz an:„Die siebente heute, Feodor!" „Warum sagst du mir da»?" Feodor pafft« "nd sprach llagend.„Verbitterst mir meinen einzigen Genuß. UebrigenS ist es nur wegen der «siegen. Ach, dies Ungeziefer, die» infame! Man Möchte eine Stunde ruhen. Da setzt sich einem ein Biest auf die Nase, auf die Stirn, auf ">e Augenlider, piekt hier, piekt da, gönnt einem x«ht eine Minute Schlaf. Bestie!" Seine Faust 'Uhr in di« Luft. Ach, wenn ich euch doch alle Massakrieren könnte! Warum, lieber Herrgott, du diese Brut geschaffen? Sind zu nichts W, geben weder Honig noch Butter, schmutzen u«r überall herum und bringen Aerger über ^krger." Das Kanapee krachte. Herr Glukenpohl mit einer besonderen Kraftanstrengung seine ^age verändert und kehrte nun dem Zimmer seine Ucksest« zu. Jn dicken blauen Schwaden stieg "fauch an der Wand empor. k Frau Glukenpohl setzte sich gleichmütig ans «safter und blickte auf die Dorfstraße hinaus, fahrend in ihren Händen die Stricknadeln klap« perlen. „Ist bald Kaffeezeit, Alwine?" -„Noch eine halbe Stunde. Du denkst wirklich "Ur an Essen, Trinken und Rauchen." „Oho!" Feodor warf sich herum.„Glaube Mr nicht, daß ich müßig bin, während ich hier sisile. Alle» überdenke ich. alle». Eben zum Bei« 'viel kam e» mir in den Sinn: arbeiten die Leute »uf dem Felde? Was machen Vera und Joschka?" „„Sie sind beim Raupenabsuchen auf dem »shlackcr, dar weißt du." „Ja, aber sind sie fleißig?" „Sieh nach Feodor!" „Sieh nach, steh nach!" äffte er.„Was macht Josef?" „Gr schneidet das Grummet auf der Bachwiese." „Siehst du. Kann ich überall sein? Was nützt es, auf den Kohlacker zu gehen, wenn ich nicht auch auf der Bachwiese sein kann?" „Zehn Minuten Weg, Feodor!" „Ohne Baum und Strauch— in dieser Hitze!" Die Glocke der Haustür schlug an. Dann llopfte es an dem kleinen Schalterfenster, dar nach dem Flur ging. „Post, Alwine!" Frau Glukenpohl stand gemächlich auf und öffnete da» Schalterfenster. Ein Bauer stand dort und forderte eine Briefmarke. „Gib sie ihm, Alwine!" Sie tat es, schloß das Fenster, während ihr Gatte sagte:„Gibt es ein geplagteres Geschöpf als einen Posthalter? Um jeden^Pfifferling möchte man aufstehenl Jeden Knecht, jede Rotznase mußt du bedienen!" „Du stehst ja nicht auf, Feodor." „Weil ich andere Dinge im Kopfe habe, die viel wichtiger sind. Eben fällt mir ein: was macht Fritz, der Schlingel? Hab' ihn wahrhaftig den ganzen Tag noch nicht zu Gesicht bekommen." „Weil du dich seit dem Frühstück auf dem Kanapee herumwälzt statt nach dem Rechten zu sehen." „Mutest mir allerlei zu— wo einem bald daS Gehirn schmilzt." Er blieS einen dicken Rauchstrahl in di« Luft.„Ist die halbe Stunde noch nicht herum?... Du haft mir noch nichts vom Fritz gesagt." Frau Glukenpohl wickelt« ihr Strickzeug zusammen:„Erinnere dich doch. Gestern abend schicktest du ihn mit der Extrapost nach Klinzow; um drei in der Früh war er zurück. Um sieben kroch er aus den Federn, um die Pferde zu füttern. Danach muhte er mit der Stute zum Hufschmied. Tann holte er Grummet von der Erlenwiese herein. Bis Mittag war keine Minute zum Verschnaufen," «Verschnaufen! Sind da» Arbeiten: Pferde füttern, Stute zum Hufschmied. Das mach ich im Schlaf." «Tust du, Feodor— im Schlaf machst du alles." „Und nach dem Esten?... Reiche mir einen Aschenbecher, Alwine." Frau Glukenpohl hielt ihrem Gatten den Aschenbecher hin:„Er hat seine übliche Arbeit." „Uebliche Arbeit!" Feodor lachte gekränkt, paffte und paffte.„Was heißt das? Ich zerbreche mir hier den Kopf, und du sagst: übliche Arbeit! Man muß den Leuten auf die Finger sehen, Alwine. Ordnung, unermüdlich für Ordnung sorgen! Nur so kann eine Wirtschaft gedeihen." Frau Glukenpohl räumte den Tisch ab, legte ein neues Leinen auf:«Sorg« nur, Feodor." «Alles lastet auf mir, dem Herm... Gib mir ein Streichholz, Alwine. Di« Zigarre brennt schief... Ich sage: die Arbeit muß so eingeteilt werden, daß niemand müßig geht. Daß man in jeder Minute weiß: was macht das Gesindel Verdient es auch seinen Lohn, sein Esten, sein Logis?" Frau Glukenpohl strich da» Leinen glatt: „Teile eS ein, Feodor." «Teile es ein! Das sagst du so, als ob es nichts wäre. Den ganzen Tag denk« ich darüber nach— schon für morgen und übermorgen. Peinige meinen armen Schädel bis zum Zerplatzen. Und da— verfluchte Wanze!" Er schlug sich auf die Nase.«Zur Höll« machen dies« Bestien einem das Leben. Du kannst keinen ruhigen Gedanken fasten." «Gleich gibt eS Kaffee." „Ruf mir den Fritz, Alwine." „Was soll er?" „Er soll— kurz: hereinkommen soll er!" Frau Glukenpohl begab sich langsam auf den Hof und rief:„Fritz!" Si« trat in die Remisei „Fritzi... Fritzi" Steckte den Kopf in den Stall und rief, wandt« sich zum Heuboden hinauf: „Fritz, zum Herrn kommen!" Vergeblich. Sie kehrte ins Zimmer zurück:„Er meldet sich nicht." „Aha! Meldet sich nicht! Ist gewiß bei der „Wlichen Arbeit", wie?" Feodor lachte schadenfroh. Jndeffen war in der Luke des Heubodens ein breites, rotes, verschlafenes Gesicht, erschienen, das vorsichtig herablugte. Dann kletterte Fritz herunter, wusch sich am Brunnen, benutzte fünf Finger als Kamm und trat ohne Uebereilung ins Haus:«Haben Sie gerufen, Frau?" Frau Glukenpohl, die in der Küche mit dem Kaffee beschäftigt war, nickte und wies mit einer Bewegung des Kopfes nach der Stube. „Hahaha!" Feodor lachte.„Bist du da, mein Sohn Fritz? Tritt nur ganz herein. Wo haben euer Gnaden gesteckt, wenn man fragen darf?" „Herr..." Fritz kratzte sich den Schädel. .Ich..." „... war bei der üblichen Arbeit, he? Komm näher, Fritzing, komm näher. Was sind da» für Halme hier?" Er griff einige Heufasern von Fritzens Kittel. Rief zur Küche hin:«Frau Alwine Glukenpohl, sehen Sie sich mal diesen Rücken an. Er zeugt von der üblichen Arbeit— im Heu, was, mein Sohn Fritzing?" „Herr Posthalter," stammelte Fritz,«ich war so müd von der Nacht.'" «Müd vom Schlafen, was?" Herr Glukenpohl richtete sich mit einem Ruck halb auf. „Schämst du dich nicht vor Gott und den Menschen? Müßiggang ist aller Laster Anfang, da» merke dir!" Fritz grinste über das ganze Gesicht und schwieg. „Er lacht! Alwine, er lacht!" Frau Alwine, die mit dem Kaffeegeschirr hereintrat, lächelte auch. «Aus meinen Augen, du Tagedieb, du Faul« pelz! Nie wird etwa» Gescheites aus dir, nie!" Herr Glukenpohl ächzte, während Fritz verschwand: „Ach, was für ein Leben! Aerger über Aerger.'.." Und Frau Glukenpohl fragte, den Kaffee in die Taffen füllend:„Trinkst du im Liegen— oder stehst du auf?",■« Ernst Preczang. Seite 6 „Sozialdemokrat" — 29. August 1935. Nr. 201 Rebellische Bauern In Holstein Kiel.(AP) In Holstein, dem ehemaligen Sitz der radikalen Landvolkbeivegung, sind die Bauern erneut auf der ganzen Linie in Opposition zum Regime getreten. Eine Zeitlang hatten die Nationalsozialisten die Landvolkbewegung aufgesogen und die Bauern, die auf Hitler ihre Hoffnungen setzten, für sich gewonnen. Das ist inzwischen längst vorüber. Dabei zeigt sich, daß die alten Verbindungen der Landvolkorganisation noch völlig intakt find. Der Widerstand gegen die Musterungen, der in Itzehoe zum Einsatz von Polizei nötigte, ist bekannt. Das ist aber nur ein Symptom von vielen. In manchen Ortschaften hat sich ein regelrechter Guerillakrieg entwickelt, wobei die Landvolk-Leute von den Stahlhelmern unterstützt werden. In Friedrichskog wurde der nationalsozialistische Ortsgruppenführer überfallen und schwer verletzt. Als man ihn nach Hause brachte, .fand man sein Anwesen demoliert und sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Aehnliche Meldungen kommen aus Meldorf, Hademarschen, Niebüll und Tönning. In Albersdorf, einem alten Kampfboden, gehörte der Ortsgruppenführer, ein Tierarzt, selbst zu den Opponenten. Er wurde von den Nationalsozialisten daraufhin schwer mißhandelt und der Polizei übergeben. Darauf kam es zu Racheakten der Landvolkleute und der Stahlhelmer, so daß Polizeiverstärkung nach Mersdorf gelegt werden mußte. Die Unruhen haben aber kein Ende genommen. Die Bauern fordern stürmisch den Abzug der Polizei, widrigenfalls sie die ganze Umgegend in Aufruhr zu versetzen drohen. Spanien, Portugal und der ostafrikanische Konflikt (KP.) Spanien und Portugal werden durch den ostafrikanischen Konflikt indirekt außerordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Das beweisen die militärischen Vorbereitungen Spaniens, das seine Truppen auf den Balearen und gegenüber Gibraltar verstärkte, ustd die Versicherung Portugals, daß es seinen kolonialen Besitzstand zu wahren gewillt sei. Die Hauptsorge beider Länder erstreckt sich darauf, daß die englisch-italienische Spannung noch weiter ansteigen könnte. Denn die beiden Pyrenäenstaaten könnten dann unversehens leicht hineingezogen werden. Aehnliche Befürchtungen hatte ja Spanien lange Zeit gehabt, solange es noch eine französisch-ttalienische Spannung gab. Jetzt ist an Stelle dieser Sorge eine andere getreten. Spanien will bewaffnete Neutralität üben und seine Unabhängigkeit dokumentieren. Dazu kommt noch, daß mtt der Verlagerung der Macht nach rechts im Gegensatz zu dem früheren traditionellen profranzösischen Kurs der Linken die Sympathien für Italien, ähnlich wie zu Zeiten de Riveras, wieder stark gestiegen sind. Die Mobilisierung, die auf Befehl von Gil Roberts erfolgte, stellt daher eine gewiffe Gest« gegen England dar. Portugal ist fteilich nach wie vor englisch orientiert. Aber nicht ohne Grund hat es durch seinen Außenminister Monteiro eine intensive Ver- mittlertättgkeit entwickelt. Den portugiesischen Kolonien droht ja nicht nur die oben angedeutete Möglichkeit von Kompensationsgeschäften zugunsten Italiens und auchDeutschlands. Portugal versteht sehr Wohl das Wort von der schwarzen Gefahr, die es bereits vom Weltkrieg her kennt. In Mozambique hat das Wort des Negus„Unsere Hautfarbe ist unsere Fahne" bereits gezündet. Portugal hat die gleichen Sorgen wie England in Un- ganda und Rhodesia sowie Belgien am Kongo. Deutsch-österreichischer Pressefrieden? Wien. Auf Grund von gegenseitigen Beschwerden über eine„verleumderische Preffe- kampagne" kam es am Dienstag zu einer Aussprache zwischen dem deutschen Gesandten von P a p e n und dem Außenminister Berger- lich gemeldet wird, Uebereinstimmung dahin, daß es ernstlich zu mißbilligen sei, wenn die Presse des einen oder des anderen Landes sich Ausschreitungen oder Verleumdungen bei der Behandlung| des anderen Landes, seiner Einrichtungen und Staatsmänner zuschulden kommen läßt, und dav vlezut.yr öa^.n zu wiuen|ti, oic P^eqe beider Länder der Herstellung normaler Beziehungen mehr als bisher nutzbar zu machen." Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab 1938 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GoMalftemotrat" Verwaltung Prag XU., Fochova ti. 62, zum Preise von 16 KC monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt deS Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse: ,,,,,,,,,,, Letzte Post: Unterschrift: Trager Zeitung Keine Bookmaker mehr bei Fußball-Wettspielen. Durch Entscheid des Innenministeriums hat ein Beschluß des Landesamtes in Prag nunmehr Rechtskraft erlangt, durch den den Inhabern der Wett- buraus„Sposa" und„Vernontote", Zdenek Zadak und Georg Rübenstein, die Befugnis zum Abschluß von Wetten über den Ausgang von Fußbalstvett- kämpfen entzogen wurde. Der Beschluß gilt auch für die Filialen der genannten Kanzleien in der Provinz. Die Polizeidirettion warnt das Publikum vor dem Abschluß derartiger Wetten, da nach den geltenden Vorschriften nicht nur die Inhaber der Kanzleien, sondern auch deren Kunden sich einer strafbaren Handlung schuldig machen. Ferner erinnert die Polizeidirektton daran, daß nach dem Lizenzentzug keinerlei Garantte mehr besteht, daß etwaige Gewinne auch wirklich ausgezahlt werden. (Paragraph 879 ff. ABGB.»über unerlaubte und unsittliche Verträge.) Sturm- und Rotfalken vom Internationalen Lager in Frankreich kommen am Donnerstag, dem 29. August, um halb 7 Ahr abends auf dem Wllsonbahnhof an. Bor dem Meffegelände nicht parken! Während der diesjährigen Herbstmeffe vom 30. August bis zum 8. September ist das Parken zwischen der Bel-- eredistraße und der Sttojniekä gelegenen Abschnitt der Bölflh-Straße verboten. Dort parkende Wagen werden auf Kosten des Eigentümers entfernt. Das Parken ist in der angegebenen Zeit nur in den Nebenstraßen erlaubt. Zeitungsausträger überfahren. Der 18jährige Bäckerlehrling Josef Pelikan aus Prag-Weinberge, der gestern früh von seiner Werkstatt in der Foch- straße in die Torgafse fuhr, stieß beim Museum den 58jährigen Zeitungsausträger Josef Janda aus Smichov, der eben die Fahrbahn überqueren wollte, mit seinem Rade nieder und fiel selbst auf ihn. Beide wurden verletzt und von der Rettungsstatton auf die Klinik Jiräsek gebracht, wo Janda mit einer schweren Gehirnerschütterung in Pflege belaffen, Pelikän aber, der nur Hautabschürfungen erlitten hat, verbunden und in häusliche Pflege entlassen wurde. Das zuständige Verfahren wurde eingeleitet. Tödliches Telephongespräch. Gestern nachmittags verlangte der 29jährige Wiener Kaufmann Karl Pfeftermann, der im Hotel Imperial am Porte wohnte, ein Telephongespräch mit Wien. Nach Beendigung des Gespräches zog er sich in sein Zimmer zurück, wobei er einen offensichtlich erregten Eindruck machte. Kurz nachher jagte er sich aus einer Repetterpistole zwei Kugeln in den Kopf. Er wurde auf die'Klinik Jirasek gebracht. Seine Verletzungen sind tödlich. XunstuftdWksov Sommerspielzrit Kleine Bühne. Das Gastspiel der„Pfeffermühle" Erika Manns wurde bis zum Sonntag, dem 1. September, prolongiert. Gleichzeittg wurde für Sonntag nachmittags 15.30 Uhr eine Vorstellung zu volkstümlichen Preisen(4 bis 25 KC) angesetzt. dua cler Tarter Rotfalken haben ihren ersten Heimnachmittag am Scunstag, dem 31. August, um 1 Uhr nachmittags n der Kamenicka. Veremsnackinckten Mit Montag, dem 2. September 1935, nehmen wir den Turnbetrieb in unserer Turnhalle. im Deutschen Realgymnasium. in der Stepanska 28. wieder auf. Di« Einteilung des Uebungsbetriebes ist folgende: Montag von 7 bis 9 Ahr Turnerinnen, Dienstag von 7 bis 9 Uhr Turner, Mittwoch von halb 5 bis 6 Uhr Kinder. Mittwoch von halb 7 bis 8 Uhr Frauen, Donnerstag von 7 bis 9 Uhr Turnerinnen, Freitag von 7 bis 9 Uhr Turner.,— Reben dem Hallenturnen bleiben die Trainingsstunden für Leichtathletik jeden Mittwoch und Samstag auf der Hetzinsel bis auf weiteres aufrecht. Wir machen besonders auf das Frauenturnen aufmerksam, das wir heuer in unserem UebungSbetrieb aufnehmen. Wir laden alle Frauen herzlichst ein, die Turnstunden zu besuchen. Desgleichen laden wir alle älteren Genossen zum Besuch unserer UebungSstunden ein. Eine eigene Altersriege ermöglicht jedem die Der 6eiÄc$«ftde trfogeclwin ist rur SezaWung- der zu uerwendeft 1 Iller im Xudtetaade WeiU, schädigt die Partei und deren Tresse Die Verwaltung. Teilnahme. An die Eltern richten wir die Bitte, ihre Kinder ausschließlich an den Turnstunden del AtuS teilnehmen zu lassen. Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Roberta." A.— Alfa:„Der erste Kuß."— Avion:„Ein junges Mädel— ein junger Mann." D.— Beränek:„Der Schlafwagenkontrollor."— Fenix:„Mata Hari." Grete Garbo. R. Novarro. A.— Flora:.Letzte Liebe/ M. Meinl. A. Bassermann. D.— Gaumont:„Die Katz' im Sack." Schneider. Retty. D.— Hollywood: „Der Kosak und die Nachtigall." Novotna.— Hvczda:„Polizeiwagen 99." Detekttv-Film. A.— Julii:„Das Töchterchen des Herrn Bürgermeisters." D.— Koruna:„Der weiße Adler." Btzck Jones. A.— Kotva:.Tarzan, der Sohn der Wildnis." Weißmüller.— Lncrrna:„Mata Haft Greta Garbo. Novarro. A.— Metro:„U-Boot A. L. 14."— Olympic:„Back Street— Seitengasse." I. Boies. A.— Passage:„Die Katz' ün Sack." Schneider, Retty. D.— Praha:„Pique- Aß." Bob Steele. A.— Skaut:„Das größte Spiel." — Svctozor:„Der Kosak und die Nachtigall."•->? Alma:„Achtung! Taufe!" A. Sandrock. Lingen. D- — Belvedere:„Madelen ClaudetS Sünde."& Stone. A.— Beseda:„Großreinemachen." Annh Ondra. D.— Carlton:„Zirkus Barnum," W. Beery, Ad. Menjou. A.— Illusion:„Die CsardaS- füfttin," Martha Eggerth. D.— Maceöka:„Dal größte Spie'."— Sport-Smichow:„Der Fall del Kommissärs Tolt." A.— U. Bejvodü:„Schwarze Flamme.'l Valdek:„Achtung! Taufe!" Sandrost. Alexander. D.— Urania-Kino:.Mebe und die erste Eisenbahn." Dar Bolksbilvungshaus„Urania" in Prag gibt hiermit geziemend die tief betrübende! Kunde von dem plötzlichen Hinscheiden seines hochverdienten Präsidenten, des Herrn Anin.-Prof. Dr. Alois Rzach Der Verewigte hat durch viele Jahre seine volle Kraft und ganze Persönlichkeit als Obmann sowie als Vorsitzender deS wissenschaftlichen Beirates in den Dienst deutsches Volksbildungsarbeit gestellt. Sein Andenken wird bei allen, die den gleichen kulturellen Zielen zustreben, für immer hochgehalten l Prag, am 28. August 1935, 3067 Kakteen mtt„äauOerftutis" begoßen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns Kc 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung. den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Berwaltnng„Frauenwelt", Prag XU., Fochova tr. 62, und durch alle Kolporteure erhältlich. Shirley Tcmpl« und James Dünn in dem amerikanischen Film„Strahlende Augen". Weltstadt Buenos Aires Mtt feinen 2% Millionen Einwohnern vermag Buenos Aires heute Wohl unter den Weltstädten zu rangieren. Es ist so internattonal wie New Jork— wie sein Gepräge überhaupt stark nordamerikanisch ist—, und in den Straßenbahnen und Autobussen schwirren einem manchmal 5 bis 6 Sprachen ans Ohr. Ungeheuer ist das Völkergewimmel, wenn auch die Schwarzen wett geringer vertreten sind als in Rio de Janeiro und von den indianischen Ureinwohnern nur spärliche Reste, meist Mischlinge, aufzufinden sind. Sonst aber trifft man alles: Spanier und Italiener, Deutsche und Engländer. Skandinavier und Holländer, Schweizer und Franzosen, Griechen und Jugoslawen, Rumänen und Türken, Japaner und Chinesen, Araber und Armenier, dazu natürlich Nordamerikaner und Angehörige anderer südamerikanischer Länder. Das wogt alles durcheinander. Die einzelnen Nationen bevorzugen wie in New Aork bestimmte Stadttelle: die Deutschen Belgraiw, die Engländer Hurlingham, die Chinesen die Bocca. Argentinisches hat Buenos Aires wenig an sich. Es ist anders wie Mendoza und Cordoba, Mifiones und Corrientes, wo man das echte Argenttnien studieren kann. Buenos Aires ist eine Großstadt mit unzähligen Häuserblocks und gradlinigen Straßen, mit vielen großen Plätzen und öffentlichen Denkmälern, mtt Hafenanlagen und Schifferkneipen, in denen es genau so zugeht, wie in Rotterdam oder Hamburg, Neapel oder Liverpool, Sidney oder Shanghai. Wie in allen Großstädten findet man neben ungeheurem Reichtum bittere Not. Das Leben braust dahin wie in einem Höllentempo, das scharf mit der sonstigen Gelassenheit Südamerikas kontrastiert. Grade dadurch erhält Buenos Aires das nordamerikanische Profil, das ihm viel von seiner Eigenart raubte, auf das die Einheimischen aber stolz sind. Buenos Aires ist eine Stadt der Arbeit. Das feuchte Klima der Stadt ist nicht gesund, und die Verbreitung der Tuberkulose steht in einem Gegensatz zu dem Namen der Stadt der „guten Lüfte". Kenner rühmen die vorbildlichen Anstrengungen der Regierung sowie der Stadtverwaltung in kultureller Hinsicht, von denen die Museen und Bibliotheken, die Schulen und Hochschulen sowie die wissenschaftlichen und künstlerischen Veranstaltungen Zeugnis ablegen. Dir„Queen Mary" macht ihr eigenes Wetter. Der neue Riesendampfer der Cnnard-Linie, die „Queen Mary", wird sich auf der Reise über den Ozean ihre eigene Lust fabrizieren. Nur zwei Schiffe, die„Normandie" und der Orientdampfer „Orion", haben eine ähnliche Einrichtung, um die Luft auf einer gewünschten Höhe in den Räume» des Schiffes zu halten. Durch diese Spezialanlag: kann die Luft entweder trocken oder feucht, kühl odek warm, wie es am zweckmäßigsten und gesündeste» der Außentemperatur gegenüber erscheint, regulier werdest. Die Anzahl der Räumlichkeiten auf der» Riesendampfer zeigt, daß die„Queen Mary" die weitaus größte Anzahl Passagiere wird beherberg^ können, die sich je einem solchen Ozeanriesen anvertraut haben. ES wird dort besondere Decks sii» Sonnenbäder und Spiele geben. Das Schwimmbad wird das größte sein, das bisher auf einem Dampft» eingerichtet worden ist. Der Hauptzug der Jnneu- cinrichtung ist Einfachheit und Sachlichkeit. Borübergehende Stilarten sind ausgemerzt worde», Uebertteibungen sind geschmackvoll vermieden, dek größte Effekt ist auf die Beleuchtung und die Fensterdekoration gelegt worden. Außerdem hat man al» Schmuck eine neue Art von gefärbten Metällbeklei- dungen verwandt. Durch einen Druck auf eine» Knopf kann der Ballsaal in verschiedenes Licht getaucht werden. Die Dekorationen und Bilder sind von erstklassigen Künstlern auSgeführt. Sicherungen gegen Feuersgefahr sind so ausreichend wie nur irgend möglich gettoffen worden. Die Decks find fast ganz aus Stahl und mit einem besonderen, nicht entzündbarem Belag versehen. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarke».— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tele« graphendirettion mtt Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags« und Zeitungs-A.-G„ Prag.