t Freitag, 30. August 1935 Nr. 202 15. Jahrgang 1 A BizeW* 70 HiHw (•hwrtli.filish» Heller Porto) IE NT CALOR GAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH,»edAktion und Verwaltung frag xii., fochova«r. telefon«77. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICH» REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG, Auto-Tod der belgischen Königin Der König am Volant leicht verletzt Luzern. Bei Merlischachen in der Nähe von Küßnacht ereignete sich gestern vormittag« ein schweres Automobilunglück, bei dem die König in vonBelgien umS Leben kam und der König einige Kopfverletzungen erlitt. Das Königspaar hatte nach 8 Uhr die Billa Halishorn in Horw bei Luzern verlaffen, wohin es Montag nach dem Besuche des französischen Präsidenten Lebrun zurückgekehrt war. Der König befand sich am Steuer des offenen Wagens, neben ihm der Hilfschauffeur. Die Königin fast hinten im Wagen. Im zweiten Auto fuhren einige Persönlichkeiten des belgischen Hofes. Die Gesellschaft war für eine Bergtour ausgerüstet. Das Unglück ereignete sich an o f f e- n er geraderStraße. Der Wagen fuhr mit etwa 80 Kilometer Geschwindigkeit über den Straßenrand hinaus. Die Königin wurde zuerst aus dem Wagen gegen einen Baum geschleudert und blieb mit zertrümmertemSchä- d e l liegen. Auch der König fiel aus dem Wagen, erlitt aber nur geringfügige Kopfverletzungen. Das Automobil streifte einen Baum, ü bersch l u g sich und rollte dann die Böschung hinunter und in den See hinaus, der an jener Stelle nur wenig tief ist. Der Chauffeur wurde ins Wasser geschleudert, konnte sich aber herausarbeiten. Bon Kühnacht eilten sofort Leute zur Hilfe herbei. Die Leiche wurde sofort zugedeckt und bald darauf in einem von Kütznacht herbeigeschafsten Sarg nach der Billa Haslihorn bei Luzern zurückgebracht. Steuerdefekt oder Unachtsamkeit des Lenkers? Es gelang bisher nicht, den stark zertrümmerten Wagen aus dem See zu bergen. Die Arbeiten werden aber fortgesetzt, da man Wert darauf legt, festzustellen, ob etwa ein Ste«erde f e k t das Unglück verursacht hat. Eine andere, jedoch nicht verbürgte Version geht dahin, der König habe einen Augenblick zum Rigi hinaufgeschaut, worauf das Automobil auf die Seite geraten und durch eine etwa 3 Meter breite Lücke der Straßenmauer auf die Straßeneinfassung gefahren sei. Die Mauer zeigt in der Tat etwa 40 Meter vor Beginn des eigentlichen Abgleitens Stoß- und Schürfspuren. Luzern. Die Leiche der toten Königin von Belgien wurde Donnerstag abends mit dem fahrplanmäßigen Zuge, der 22.18 Uhr Luzern verläßt, nach Brüssel Lbergeführt. Im Salonwagen reist auch der König mit seiner Begleitung nach der belgischen Hauptstadt zurück. Im Laufe des Donnerstag Nachmittag wurde eine Sektion der Leiche der Königin vorgenommen, wobei als Todesursache eine Schädelfraktur und eine Verletzung innerer Organe festgestellt wurde. Die Todesnachricht In Brüssel Brüssel, 29. August. Die Nachricht vom tödlichen Unfall der Königin Astrid ist in Brüssel zuerst durch den Rundfunk bekannt geworden. Vor den Ausgängen der großen Zeitungen standen dicht gedrängt Menschenmasscn, die auf nähere Nachrichten und die Extraausgaben der Blätter warteten. Auf der Welt-Aus st ellung verstummte jedweder Betrieb. Die Nachricht wirkte besonders niederschmetternd, weil man im ersten Augenblick, glaubte, daß auch der König bei dem Unglück ums Leben gekommen sei. Auf den Ministerien und öffentlichen Gebäuden sind die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Beileidstelegramm Masaryks Prag. Der Präsident der Republik sandte dem belgischen König Leopold nach Brüssel folgendes Beileidstelegramm: ,»Tief ergriffen von der traurigen Nachricht über das tragische Ableben Ihrer Majestät der belgischen Königin, bitte ich Euere Majestät, meine aufrichtige Anteilnahme an Ihrem großen "Schmerze entgegenzunehmen"., Gezeichnet T. G. Masaryk. * Königin Astrid Die Königin von Belgien Astrid war noch nicht ganz dreißig Jahre alt. Sie war eine Nichte des König Gustav V. von Schweden. Prinzessin Astrid hatte vor ihrer Che einen Pflegerinnenkurs besucht und war vier Monate in einem Krankenhause beschäftigt gewesen. Im November 1926 hatte sie in Stockholm den ehemaligen belgischen Kronprinzen Leopold geheiratet. j Mussolini versichert: Geänderte Situation? Englands Interessen nicht bedroht Neuerliche Warnung vor Sanktionen Bozen. Der Ministerrat, der am Mittwoch in Bozen unter dem Borfitz Mussolinis ab- Aehaltem wurde, nahm zunächst eine ausführliche Darlegung der internationalen Lage durch den Regierungschef entgegen. f' Mussolini teilte mit, daß Italien an der Bolkerbundsratssitzung am 4. September teil- uehnien werde. Die italienische Regierung werde ihren Standpunkt zur abessinischen Frage darlegen. Sie werde fernerhin eine a u s f ü h r- licheDenks chrift über die italienischabessinischen Beziehungen in den letzten 60 Jahren vorlegen, aus der hervorgehen werde, daß feit dem Vertrag von Uccialli Italien stets ein „koloniales Protektor«tsrecht über Abessinien" sugestanden worden sei. Der Denkschrift werde eine kleine Auswahl der neuesten ausländischen Literatur beigegeben, die die„Zivilisation" Abessiniens beleuchte. Italien wolle seine Auffassung W) sein Lebensinteresse bis zum letzten verteidigen und jedes Völkerbundsmit- tzlicd müsse die Verantwortung für die mögliche Entwicklung der nächsten Zukunft übernehmen. Der Regierungschef erklärte weiters, dass Großbritannien von der künftigen Politik Italiens gegen Abessinien nichts zu be- „ fürchten hab». Die Politik Italiens bedrohe weder direkt noch indirekt die Interessen , des britischen Imperiums, weshalb der in gewissen Kreisen hervorgerufene Alarm absurd " sei. Italien habe eine Frage mit Abessinien zu lösen, ober es habe und wolle keine Frage , mit Großbritannien erörtern, mit dem es im Weltkrieg, in Locarno und jüngst in Stresa in einer für die europäische Sicherheit unzwei- . felhaft wichtigen Weise zusammengearbeitet habe. Die fascistische Regierung glaube, daß ihre Kolonialpolitik keine Rückwirkungen auf . die europäische Lage haben dürfte, es sei den«, daß man einen neuen Weltkrieg entfessel« wolle,«m z« verhindern, daß eine Großmacht, wie Italien, in einem weiten Lande '„Ordnung schaffe", in dem die härteste Sklaverei und primitive Lebensbedingungen - herrschten. gy Im Hinblick auf„Sanktionen", die Völkerbundsrat möglicherweise beschließen »önnte, erklärt der Ministerrat dem italienischen Volk und den anderen Völkern, daß von Sanktionen zu sprechen soviel bedeute, wie eine schiefe Ebenezu betreten, auf der ,man in schwierigsten Verwicklungen geraten könne. Die fascistische Regierung glaube, daß sich ■ im Bölkerbundsrat verantwortungsbewußte Männer finden würden, die jeden gefährlichen Sanktionsvorschlag gegen Italien zurück- weisen würden. Die fascistische Regierung erfülle jedoch ihre Pflicht, indem sie dem italienischen Bolk mitteile, daß die Frage der Sanktionen von den höchsten militärischen Stellen > unter allen Gesichtspunkten geprüft worden sei und daß schon seit geraumer Zeit alle Maß- nahnlen getroffen worden seien, um Sanktionen militärischer Art eutgrgentreten zu können. Papier» sowie der im Ausland ausgegebenen Wertpapiere in Schatzanweisungen. Die Kredite werden gegen Barzahlung in Lire auf Grund des am Tage der Veröffentlichung des Gesetzes fälligen Kurses abgetreten. Der Ersatz der Wertpapiere wird in neunjährigen Schatzanweisungen zu fünf Prozent erfolgen. 2. Zeitweise Herabsetzung der Dividende« der Handelsgesellschaften. 3. Eine zehnprozentige Steuer von Dividenden und Gewinnen aus Jnhaberpapieren. 4. Pflichtgemäßer Verbrauch von Ersatz- brenn st offen durch alle im öffentlichen und privaten Betrieb benützten Kraftfahrzeuge. Bis zum 31. Jänner 1937 müssen alle Kraftfahrzeuge aus den Betrieb mit Ersatzbrennstoffen umgestellt sein. London. Wie Renter ans Rom berichtet, bemüht sich die britische Regierung derzeit über die Erklürung Mussolinis eine Aufklärung zu erhalten, daß Großbritannien wegen der italienischen Aktion in Abessinien „nichts zu befürchten" habe und daß die italienische Politik weder direkt noch indirekt eine Bedrohung der britische« Reichsinteressen darstelle. Ma« glaubt, so berichtet der Reuterkorrespondent, daß eine neue Verständigung durch die neue Lage zwischen Großbritannien und Italien erreicht würde, und zwar in Bezug auf den Tanasee, bevor noch der Bölkerbundsrat zusammentritt. Eine Bestätigung dieser Meldung durch Londoner amtliche Stelle» liegt jedoch bisher nicht vor. Es seien alle Probleme geprüft worden» die pt« wirtschaftlichen Widerstand Italiens und die Sicherung der Lebensbedürfnisse des italienischen Bolles betreffen. Die Nahrungsmittel bleiben durch die außerordent- sich gute Ernte gesichert. Hinsichtlich der für die Industrie notwendigen Rohstoffe hat der Mini- mrrat beschlossen, daß die gegenwärtigen und zu« einstigen Bedürfnisse der Kriegsindustrie den Vorzug vor den Bedürfnissen der Friedensindu- sirie erhalten. Umstellung aut Kriegswirtschaft Der Finanzminister trug im Anschluß daran lvlgendr vier Gesetzentwürfe vor, die vom Mini- sierrat beschlossen und angenommen wurde«: 1. Zeitweise Abtretung der ÄuSlandskreditq und Zwangskonversion ausländischer Wert- Lev Winter Die organisierte Arbeiterklasse der Tschechoslowakischen Republik— nicht nur die tschechischen auch wir deutschen Sozialdemokraten— ist von tiefer Trauer erfüllt ob des Hinscheidens eines der besten Männer, welche die tschechische Arbeiterbewegung je zu den ihren zählte: Lev Winters. Das erste Wort, das wir unseren tschechischen Genossen und Mitkämpfern sagen wollen, ist, daß wir in dieser Stunde mit ihnen fühlen, daß ihr Schmerz auch unser Schmerz ist, denn Lev Winter hat sich nicht nur um die tschechischen Proletarier sondern auch um die deutschen Arbeitssklaven dieses Landes unvergängliche' Verdienste erworben, die ihm ein Denkmal sichern auch in den Herzen der sudetendeutschen Arbeiter. Erst beim Tode dieses wunderbaren Menschen kann man ermessen, wie reich dieses Leben gewesen ist. Wenn nach den Worten Masaryks jener Mensch glücklich ist, der einen reichen Lebensinhalt hat und wenigstens teilweise seine Ideale zu verwirklichen imstande ist— dann hat gestern ein glückliches Leben geendet, ein Leben, das einen Sinn gehabt hat, denn es ist ein Mensch von uns geschieden, der seine reichen, großen Geistesgaben, sein warmes Herz, wie seinen kühlen Kopf, seinen Idealismus, all sein Sehnen und Empfinden einer heiligen Sache gewidmet hat. Mit eiserner Konsequenz, mit zähem Eifer ist Lev Winter seinen Weg gegangen, geradlinig.iegt dieses Leben vor uns, klar und eindeutig, unbefleckt, rein. Wenn es für den Menschen überhaupt ein Trost, ist, daß alles Irdische vergänglich ist, dann muß in ünserem Schmerze das Bewußtsein lindernd wirken, wie herrlich das Leben war, oas nun abgeschlossen, viel zu früh abgeschlossen, vor uns liegt. In dem Dorfe Hroby bei Täbor wurde Winter am 26. Jänner 1876 geboren. Er studierie am Gymnasium der heimatlichen Bezirksstadt, ging dann an die Universität in Prag, wo er 1899 zum Doktor der Rechte promoviert wurde. An der Hochschule galt sein Interesse volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen und ec hatte die Absicht, die wissenschaftliche Lausbahn zu ergreifen. Aber sein Herz zog ihn zur Arbeiterbewegung, der er seit früher Jugend angehärte. In der tschechischen Sozialdemokratie gewann ec bald durch seine Sachkenntnis allgemeine Achtung» so daß er 1907 31jährig als jüngster sozialdemokratischer Abgeordneter in den Wiener Reichsrat gelangte. Er vertrat den Wahlkreis Smichov, für den er auch 1911 im ersten Wahlgang gewählt wurde, bis zum Ende der Monarchie und hat sich schon in der gesetzgebenden Versammlung Altösterreichs hervorragend betätigt. Bei den Vorbereitungen zur Einführung der Sozialversicherung, die zur Zeit Oesterreichs freilich nicht verwirklicht wurde, hat er zusammen mit unserem unvergessenen Mathias Eldersch seine glänzenden Fähigkeiten, die ihm üb^r den Kreis seiner Parteigenossen hohe Achtung verschafften, bewiesen. Während des Krieges zeigte er seinen Mut als Verteidiger in politischen und militärischen Prozessen, nach dem Umsturz wurde er der erste Fürsorgeminister der Republik, welches Amt er im Kabinett Kramär wie in den beiden Regierungen Seife 3 Freitag. 30. August 1933 Nr. 20? Erfreulicher Zuwachs für die amerikanische Gewerkschaftszentrale Detroit. Die amerikanische Gewerkschaftizen trabe„American Federation of Labour", deren Vorsitzender William G r e e n ist, hat an Zahl und Bedeutung zugenommen, nachdem ihr am Montag die Union der Automobilarbeiter mit 35,000 Angestellten der Automobil-Industrie alö Mitglied beigetreten ist. Tusar vom 14. November 1918 bis zum 15. September 1920 innehatte. Er hat das Fürsorge» Ministerium organisiert und dort eine Tradition geschaffen, auf der alle seine Nachfolger weitergearbeitet haben. Auf alle sozialpolitischen Gesetze der ersten Nachkriegsjahre, Achtstundentags-, Betriebsausschutz-, Arbeiterurlaubsgesetz hat er teils als Minister, teils als Abgeordneter — er gehörte der Nationalversammlung von 1918 bis 1935 an— den stärksten Einfluß geübt und vor allem sein grötztes Werk, daS Sozialver» sicherungsgesetz von 1924 geschaffen. Dieses Gesetz war in der Tat sein Werk. In schwierigen Verhandlungen hat er durch seine überlegene Sachkenntnis, seine Ruhe, seine Liebenswürdigkeit — er hatte alle Vorzüge eines Verhandlung», leiters— die Vorlage durch alle Klippen parlamentarischer Schwierigkeiten hindurchgeleitet und all die offenen Angriffe der bürgerlichen Gegner abgewehrt, all die Schwierigkeiten, welche die Feinde der Sozialpolitik der Gesetzwerdung der Vorlage bereiteten, hinweggeräumt. Mit dem großen Werke der Sozialversicherung in der Tsche- choslowakei bleibt Winters Persönlichkeit für immer verbunden, er hat sich den unauslöschlichen Dank aller Arbeiter dieses Landes verdient. Nach der Gesetzwerdung der Sozialversicherung wurde Winter abermals Fürsorgeminister, um sein große- Werk ins Leben zu führen, er leitete neuerlich dieses Ministerium vom 28. März 19?5 bis zum 8. März 1926, bi» zum Austritt seiner Partei auS der Regierung. Seither war er nicht mehr Minister, er hat aber als Abgeordneter und führender Mann der tschechischen Sozialdemokratie weiter bestimmenden Einfluß aus alle sozialpolitischen Vorlagen genommen und als Obmann des sozialpolitischen Ausschusses des Abgeordnetenhauses alle» getan, um zur Weiter- entwicklrmg der Sozialpolitik beizutragen. So har er noch bis in die letzte Zeit für die Durchsetzung der 40-Stundenwoche gekämpft und noch auf der letzten Internationalen Arbeitskonferenz in Genf diese Forderung mit Energie und Umsicht, mit Verstand und Klugheft vertreten. Bei den Wahlen am 19. Mai d. I. hat er nicht an wählbarer Stelle kandidiert, seine geschlvächte Gesundheit, er war herzkrank, bewog ihn dazu, sich ans dem parlamentarischen,— nicht aber politischen— Leben zurückzuziehen. Er hat einen längeren Ab- schiedSbrief an seine Wähler gerichtet, in denen er seine parlamentarischen Erfahrungen niederlegte und erklärte, jüirgeren Menschen Platz zu machen, der warme Ton des Briefes, der hohe Ernst, der daraus sprach, hat die Zuneigung zu Winter noch verstärkt, die Achtung vor ihm noch erhöht. Zweifellos hätte Winter— auch ohne Ab« tzeördnetenmaNdat— für die Arbeiterklasse und sein Land noch viel leisten können. Seine großen sozialpolitischen Kenntnisse und Erfahrungen hätten dem tschechoslowakischen Proletariat noch manche» gebracht. Aber nicht nur auf sozialpolitischem Gebiet hätte er bedeutendes getan: er verfolgte sehr aufmerksam auch das Gebiet der Autzenpolftik, das gerade jetzt von so schicksalsschwerer Bedeutung für die tschechoslowakische Bevölkerung ist, sprach über außenpolitische Frage» im Parlament, vertrat seine Partei öfter» aus internationalen Konferenzen» war seit 1929 Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale und war auch mechreremal» Delegierter der Tschechoslowakei bei den Verhandlungen des Völkerbünde» in Genf. So liegt ein reiches Leben abgeschlossen vor uns, ein Leben voll Arbeit für die ärmeren Bevölkerungsschichten, denen all die Sorge Lev Winters galt, für die er seine Geistesgaben, seine Arbeit, sein Leben einsetzte. AuS kleinbürgerlichen Kreisen kam er, der Intellektuelle, zur Partei der Arbeiter— er wollte nichts andere» sein als der Vertreter ihrer Interessen, er ist auf» gegangen in der Arbcstt für daS Proletariat, er hat gezeigt, welch hohe Aufgaben einem Intellektuellen in der sozialdemokratischen Partei gesetzt sind. An seiner Bahre trauern nicht nur die tschechischen Arbeiter— auch wir deutschen Sozialdemokraten senken unsere Fahnen, al» ob e» einer der Unseren gewesen wäre. Mit Lev Winter ist einer der besten Männer jener sozialistischen Generation gestorben, die bereits im alten Oesterreich an führender Stelle gewirkt haben und deren| Fähigkeiten sich erst in der Nachkriegszeit voll entfalten konnten und wir wünschen am Sarge de» bedeutenden Sozialisten, de» guten Menschen, daß er Vorbild werde den sozialistischen Kämpfern von heute, unserer tschechischen Bruderpartei— und un». Nicht nur seine Werke werden Lev Winter überleben, er wird als Beispiel eine» vorbildlichen sozialistischen Menschen weiterleben in der Armee de» Sozialismus diese» Lande», da» in Zukunst große Aufgaben zu erfüllen haben wird für die Sache der Freiheit und Menschlichkeit ganz Europas. Leo Winter war seft längerer Zeit krank. Auf der Rückreise au» der Slowakei, wo er seinen Urlaub verbracht und sich sehr gut erholt hatte, hielt er sich in Gräfenberg(Schlesien) au» wo er sich eine Verkühlung zuzog. ES traten Komplikationen auf, die zu seinem Tode führten, der am Donnerstag um 9 Uhr stütz eintrat. Winter hinterläßt Frau und Kinder sowie zwei Brüder, welche gleichfalls in der tschechischen Sozialdemokratie tätig find. Der eine, Ernst, ist Senator, der andere, Gustav, Pariser Redakteur des„Prävo LiduDie Dispositionen über das Leichenbegängnis werden erst heute getroffen werden. ver Kongreß der Jugcndintcrnottonalc Schluß der Verhandlungen K Kopenhagen, 27. August. Der Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale natzm am Dienstag zu den am Vorabend erstatteten Referaten über die Einheitsfront(Referenten E o- ch o y und H. C. H a n s e«— nicht, wie irrtümlich berichtet wurde, Wallentheim) Stellung. Die Aussprache wurde durch die einhellige Annahme einer Entschließung beendet, die di« übereinstimmende Haltung aller Verbände in dieser Frage zum Ausdruck bringt. In dieser Entschließung wird festgestellt, daß da» Verhältnis zu den Kommunisten von allen Verbänden im Geist« der Loyalität zur Sozialistischen Jugendinternatio- nale erörtert werden wird. Die Jugendinternationale tritt in diesem Punfte dem Beschluß der Sozialistischen Arbeiterinternationale bei. Da» Büro der Sozialistischen Jugendinternationale wird beauftragt, die Materialien über die Haltung der Kommunisten zu sammeln und sie unter dem Gesichtspunkt der erneut bestätigten demokratischen Grundsätze der Sozialistischen Fugendinternationale zu prüfen. Erft diese Prüfung wird ergeben, ob sich die Verhältnisse so geändert haben, daß die Beziehungen zu den Kommunisten neuerlich geprüft werden müßen.— In der Aussprach eMahmen auch. die.. Genossen Raus und Kern aus der Tschechoslowakei»Stellung, die auf die vollkommen unveränderte Manöverbereitschaft der tschechoslowakischen Kommunisten hinwiesen. Am Nachmittag tagten die Kommisiionen. Die Arbeit der politischen Kommission endete in vollem Einvernehmen. An die Kommissionßberatungen schloß da» Referat des schwedischen Genoßen Wallentheim über den Kampf um den Jugendschutz an. Dieses Referat, da» sich auf die vorbildliche Arbeit in Skandinavien stützt und die letzten Verhandlungen des Internationalen Arbeitsamte» in Betracht zieht, enthält eine Fülle von Anregungen, die noch im einzelnen den angeschloffenen Verbänden und der Oeftentlichkeit der einzelnen Länder zur Kenntnis gebracht werden. Der Bericht de» internationalen Sekretariats, der gedruckt vorlag, gab Anlaß zu einer umfangreichen Diskussion, die mit der Annahme des Berichte» durch den Kongreß abgeschloffen wurde. Eine von der französischen und belgischen Delegation zum Bericht vorgelegte Entschließung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Sodann wurden die Berichte der Kommissionen genehmigt. Darunter befinden sich ein Aufruf an die Jugend zum Kampfe gegen den Krieg, die Stellungnahme zum Kampfe gegen Fascismus und Kriegsgefahr, eine Enschliehung zur Frage des Jugendschutzes. Wir werden über diese sehr bemerkenswerten Entschließungen» die die Arbeft der Jugendinternationale in den nächsten Monaten bestimmen wird, noch ausführlicher berichten. Ein Antrag der holländischen Organisation auf Beschränkung der Zahl der Bürositze wurde angenommen. Das Büro wird künftig au» dem Vorsitzenden, dem Sekretär und einem Beisitzer bestehen. Zum Vorsitzenden der Internationale wurde H. C. H a n s e n(Dänemark), zum Sekretär wiederum Erich O l Le.,n haue^Deutschland) sind züfn Beisitzer G ü b e f r a i d"(Velgien)"ge- wählt. Nach einer kurzen Ansprache des abtretenden Vorsitzenden V o r r i n k sprach H. C. Hansen unter stürmischem Beifall des Kongresse» dem scheidenden Vorsitzenden und den ausscheidenden Mitgliedern des Büro» den Tank der Jnternatio^ nale aus und sprach kluge Worte zur Uebernab- me seiner hohen Amte». Dem neuen Vorsitzenden wurde eine herzliche und begeisterte Kundgebung des Kongresse» bereitet. Der Vorsitzende Borrink schloß mit einem flammenden Aufruf zur weiteren Zusammenarbeit den Kongreß. Die Delegierten sangen die »Internationale". man von Eugene Dabit chtigte Uebertragung aus Französischen von Bejot VILLA OASE Oder: Die FALSCHEN BDRQeR Ernest, Alfred und Julien hatten schon eine ausgegeben. Papa Adam schien über ein alte» Privileg zu verfügen. Er spendierte nie. Die Frauen tranken ihre Gläser nicht mehr leer. Man verhöhnte Etienne, daß er sich von ihnen ansteckey ließ. Ein Mann, pfui Teufel! Nonoche rief also den Kellner. Fm selben Augenblick erschienen zwei neue Kameraden, die selbstverständlich mittun mußten. Sie waren alle Kollegen, alle Hotelbesitzer, und man sprach natürlich vom Geschäft. Papa Adam hörte, die Zigarre im Mundwinkel, väterlich zu. Seine Schüler! Er hatte für sie die Objekte ausbaldowert, ihnen da» Geld verschafft, und heute waren sie auf dem Wege, ihr Glück zu machen. Abgesehen von Alfted, der den Ehrgeiz hatte, seine Stelle im Taft de» Tourse» einzunehmen, zeigten sie sich ihm nicht undankbar. In diesem Kreise fielen die Arenoud peinlich auf. Auch Helene fühlte sich nicht zugehörig. Julien hatte sie seinen Freunden vorgestellt, doch sie spürte bald, wie sie sich aufbliesen, wie sie renommierten und nur cm den Geldsack dachten. Jeder wollte den Rentier spielen und hielt mit diesem Lebensziel nicht hinterm Berge. Dazu rauchten, tranken, spuckten und fluchten sie ununterbrochen. und wenn sie ihr einmal da» Wort gönnten, fo geschah e» mit der Herablassung, die einer armen Verwandten gebührte. Zu ihnen würde sie nie eine Beziehung finden. Die Arenoud würden ihre einzigen Freunde bleiben. „Nanu, du hustest ja so", sagte Charlier, der hinter ihr stand. „Da» macht der Rauch." „So, glaubst du? Ich nicht." Er schlug sich auf die Brust.„Ich war selber krank, ich weiß Bescheid. Irma. Ihr Mädel hat eine ganz scheußliche Bronchitis." Auf die Heiterkeit war Ermüdung gefolgt. Alle schivieqen, und Charlier» Bemerkung wirkte in der Stille wie ein Unkenruf. Irma, die noch an Alfreds Zoten denken mußte, fuhr hoch: „Was, eine Bronchitis?" „Sie hustet, seit sie in Pari» ist", erklärte Julien.„Da» macht die Luftveränderung." „Ich habe einen Freund, der Arzt ist", sagte Papa Adam,„Kein Quacksalber! Er hat mir mal Spritzen gegeben. Bring doch daS Mädel zu ihm hin." „Jetzt haben wir im Montbert zu tun. Nächsten Monat ist wohl auch noch Zeit." Helene warf Charlier einen Wutblick zu. Es ging ihr gut. In ihrer instinktiven Abneigung gegen diese derben und großsprecherischen Kerle zuckte sie geringschätzig die Achseln. Alle, bi» auf Papa Adam, standen auf. Der Kellner steckte sein Trinkgeld ein. Der Wirt machte einen tiefen Bückling. Es waren seine besten Kunden, Draußen standen sie noch ein« Weile vor Charlier» Auto. „Soll Ich dich nach Hause bringen, Julien?" »Ja, aber sachte, wenn ich bitten darf. Berthe, wtr müssen uns verabschieden." Seine Schwester tuschelte mit seiner Frau. Irma fragte:„Du hältst sie für krank?" Er lauschte. Berthe antwortete:„ES steckt etwas in ihr. Ich halte sie für schwindsüchtig." Helene stand etwas abseits bei ihrem Vetter. Julien sah sie ängstlich an. Beim Anblick ihres schmächtigen und zerbrechlichen Kinderkörpers mußte er an die Befürchtungen denken, die er am ersten Tage gehabt hatte. Zu Hau» erklärte Julien: „Charlier tut sich dick mit seinem Auto. Ich werde mir auch eins anschaffen, aber ein größeres. Ich warte nur noch bi» zur nächsten Ausstellung. Helene, komm effen." Sie saft, mit gekrümmtem Rücken und schlaffen Armen, auf einem Stuhl unp träumte vor sich hin. Als sie sich aufrichtete, stöhnte sie. „Was?" fuhr er sie barsch an,„ich glaube gar, du bist müde. An einem Sonntag!" Er sah ihr nach, wie sie sich hinau» schleppte. Als sie in ver Küche war, sagte er: „Sie wird uns noch zu schaffen machen. Ich habe aber nicht da» Zeug zur Krankenschwester." „Ich auch nicht. Berthe hat mir einen mächtigen Schreck eingejagt." Sie aßen schweigend. Irma, von plötzlicher Unruhe bedrückt, beobachtete Helene und sah, daß sie heimlich ihr Brot in der Serviette versteckte. Sie zögerte einen Augenblick, dann mahnte sie bittend: „Mutzt effen, Liebling. Dann wirst du bald gesund." „Ja", stimmte Julien ein,«effen ist die Hauptsache. Du wirst un» doch keine Geschichten machen? Wenn wir im Geschäft sind, können wir dich nicht pflegen. Verstehst du mich? Ich rede nur zu deinem Besten." „Ich bin doch mittags so gefüttert worden. Glauben Sie nur nicht, was Ihr Freund Charlier sagt. Onkel." „Aber du hustest doch in einemfort," wandte Irma ein. „Nicht sehr, Mama." „Gott, wenn man sich auf Schritt und Tritt beobachten wollte", rief Julien, indem der Optimismus wieder die Oberhand gewann.„Du hörst, wie ich jeden Morgen krächze und spucke. Man könnte glauben, ich bin am Verrecken. Na, und? Ich bin noch immer halbwegs auf dem Posten. Los, trink einen Schluck Bordeaux. Davon kriegst du Kräfte." Irma stocherte in den Zähnen. Dann brannte sie eine Zigarette an und schlug da» Abendblatt auf. Julien blieS Wolken aus seiner Zigarre und Prozess Steinhäusl vertagt Hat die Vertuschungsregie nicht geklappt? Wien. Zm Steinhäusl-Prozeß gab der Staatsanwatt gestern zu Begin» der Verhandlung plötzlich bekannt- daß sich ein„neuer Zeuge" gemeldet habe, der behauptet, den Angeklagten am 25. Zuli v. Z. Vormittag in der innere« Stadt nahe der kritische» Stelle i« Hotel„Imperial" bei dem gewesene« Gesandten Dr. Rintelen bemerktz« habe«. Steinhäufl behauptet aber fest, daß er auf der Polizeidirektion weilte was einige Zeugen bestätigen. Der Staatsanwalt beantragte die Vertagung, um neue Zeugen einvernehme« zu können. DaS Gericht gab dem A«' trag des Staatsanwaltes statt, ver« tagte den Prozeß und stellte di« Akten dem Antersuchungsrichter zu« rück. ES ist vollkommen klar, daß diese Verte« »nng in Wahrheit nicht» anderes ist als ein politisches Bertnschungsmanöver. Der Untersuchungsrichter Has für die Boröereiitunr diese» Prozesses mehr als ein Jahr Zeit gehabt und eS ist ausgeschloffen, daß man rrst während der Verhandlung dahinter gekommen ist, daß das Anklagematerial zu einer Verurteile«! nicht ausgeicht und dass sich zu diesem Prozess, von dem seit einem Jahre die ganze Welt sprach, erst jetzt«in neuer Zeuge gemeldet habe.(Den man übrigen», wen« er Nicht erfunden wäre, hätte se« fort rinvernehmen können.) Die wirkliche Ursache der Bartagung ist vielmehr darin zu suchen, daii der Prozess angesichts deS hartnäckigen Leugne«« TteinhäuslS eine Wendung zu nehme« drohte, bei welcher Dinge an de« Tag kommen musste«, an der«« Verschweigung die österreichische Regierung und vor alle« wohl Herr Fetz das allergrösste Interesse haben. Will man nun nach der missglückten Prozetzregie nun doch wieder dr« Plan FetzS erwägen, die Anflage gegen Stein« Häusl«iederzuschkagen und den all»«« viel wissende» Angeklagten in ein I r r e n h a n« zu stecken? Die Nazispione aus dem Bundeskanzleramt kommen glimpflich davon Wien. Vor den) Wiener Schwurgerichte sta«« den der 33jährige Heinrich Riegler, früherer Hilfsbeamter des Bundeskanzleramtes, und seine zwei Komplizen^ der 21jährige Walter KainS und der 30 Jahre alte Franz N i e- derhöfer. Alle drei waren des Hochverrates angeklagt, da Riegler Dokumente des Bundes« kanzleramteS mit sich nahm und sie seiner in der nächsten Nähe seines Amtes gelegenen Kanzlei ab« geschrieben hatte, worauf das Material nach München gesandt wurde. DaS Gericht verurteilte alle drei Angeklagte nur wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung und des Dokumentendiebstahls zu je zwei Jahren schweren KerkerS. Vom Hochverrat wurden alle drei freigesprochen, sah dem Rauch« nach. Der sorgenvoll übelgelaunte Ausdruck war aus seinem Gesicht verschwunden. Helene aber war aufgewühlt. Um ihre Eltern 5« beruhigen, log sie. Und daS Gewicht der Lüge be« drückte sie ebenso wie ihre Krankheit. In ihrer Reisetasche verbarg sie blutige Taschentücher. Eines Tage» würde die Wahrheit sich nicht mehr verheimlichen lassen. Sie räumte ab. In der Küche hielt sie eine» Lappen vor den Mund und hustete, hustete ft lang«, bi» sie sich wieder ins Zimmer wage« könnt«. Julien sprach sie freundlich an. Er fragte, ob sie sich nicht langweilen würde, wenn sie allein wäre. Ehe sie antwortete, fügte Irma hinzu: „UebrigenS wirst du uns auch mitunter sehen. Das Geschäft geht natürlich vor. Das mußt du begreifen. Bist ja kein Kind mehr." Helene begriff. Wie gern hätte auch sie ge« arbeitet, um Julien und ihrer Mutter ihre Dans« barkeit zu beweisen! Aber ein Monat war ft schnell um. Und dann waren sie wieder bei« sammen. IV. Wenn Helene jetzt erwachte, hörte sie nur d«d Klingen der Stille. Sie vermißte di« ihr so ver« trauten Lebenszeichen: Julien» Gepolter, daö Kommen der Aufwartefrau, Irma» Rufen. R«k ein einziges menschliche» Geräusch drang an ip Ohr: ihr Husten. Und, wenn sie angespaw" lauschte, die Stimmen der Straße. Julien halft sie gefragt, ob sie Angst hätte. Richt vor Diebe«. Doch vor der Einsamkeit. Wenn sie ihr Zimmer gesäubert und Kohle« in den Ofen geschüttet haft«, lag noch der ganz* Tag vor ihr. Früher hatte die Arbeit nie ein E«^ genommen, hatte sie nie Zeit gefunden, ihren danken nachzuhängen. Heute war da» ihre einzig Beschäftigung. (Fortsetzung folgt.) Wr. 202 Freitag, 30. August 1935 Seite 3 fadefcndenterter Xeitspie^el Antwort an die Kommunisten Ole tiefe Kluft kann nicht von heute auf morgen überbrückt werden Bekanntlich haben die Kommunisten al» Gegenkundgebung gegen den geplanten Henleintag in Teplitz für den 81. und 28. September nach Teplitz-Schönau einen „VerbrüderungStag" einberufrn, zu dem sie die sozialdemokratische Partei offiziell einluden. Gemäß den Richtlinien, die von unserem Parteivorstand in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen wurden, hat unser Zentralsekretariat den Kommunisten nunmehr folgende Antwort erteilt: An da- Krei-sekretariat der K. P. C. Leplitz-Schöna« Grüne Ringgaffe 15. Werte Genossen! I« Beantwortung Eurer Zuschrift vom 28. August 1935 verweisen wir vor allem auf de» Beschluss des Paririvorstandes, der in der Sitzung vom 28. August d. I. gefasst wurde. Im übrige» stellen wir noch folgendes fest: 1) Ihr habt, obwohl noch mehr als 3 Wochen 8«it ist, bereit» in der„Roten Fahne" vom 24. August 1935 dos vollständige Programm de» Aktion veröffentlicht. Dieses Programm ist vollständig einseitig, ohne unsere Antwort abzuwartrn und oh»,«ns einen Einfluss einzuräumrn, festgelegt. ES handelt sich als» nicht mehr um rin» gemeinsam« Aktion, sondern«m ein« Aktion der 9. P. E., der sich die andere« Parteien einfach anschliessen und unterwerfen soll««. 2) Durch Eueae Jahre andauernd« Hehr»egen die sozialdemokratischen Parteien, durch Euere seit 15 Jahren betriebene Politik, welch« Euer«iaener stongress erst kürzlich als eine für di« Arbeiterschaft Der Arbeiter und die Schule Ehre den Holeisdiner Glasmachern Tief im Unglück steht der Gla»macheror1 Holeischen bei Pilsen. Die Stillegung der großen Spiegelglasfabrik ist Tatsache geworden. Alle Be- wühungen um die Sicherung einer Ersatz-Industrie hatten bisher keinen Erfolg. Die Ueberfüh- schidlich« bezeichnet hat, habt Ihr rin« Kluft zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern ausgerissen, deren Ueberbrückung nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Dir Boranssetzrmg hior- für ist dir restlose Einfügung der K. P.E. in jene Politik, welch« die sozialdemokratischen Parteien seit Jahren verfolgen. Sie betrifft die Stellung zur Demokratie, zum Staate und zur KoalitiouSpolitik. Dor reftloscr Klärung dieser entscheidenden Fragen kann die Einheitsfront nur eine Irreführung der Arbeiter sein, müssen gemeinsame Aktionen der Arbeiterschaft rin« Einheit vortäuschen, die in Wahrheit nicht vorhanden ist. 3) Eure Partei steht in Opposition zu einer Regierung, deren Bestandteil unser« Partei ist. AuS allen diesen Gründen- ist der Parteivor- stand nicht in der Lag«, Eurer Aufforderung nachzukommen. Dieser Beschluss gilt für alle etwaigen wetteren ähnlichen Einladungen, welche in Zukunft an uns ergehen wvrdrn, bis zu dem Zeitpunkt«, zu welchem unserer Ansicht nach dir Voraussetzungen für rin grmrinsameS Vorgehen gegeben sei» wird. Mit sozialistischen Gruß; Dav». rung eines Teiles der Arbeiter in die Schwager Weimannwerk« verzögert sich, doch scheint wenigstens in diesem Punkt das energische Eingreifen deS Fürsorgeministeriums und der Glasarbeiterverbände die Einhaltung der gegebenen Zusagen zu sichern. In schwerster Not hat sich die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung entschlossen, noch ein letztes Kulturwerk zu schaffen. Bon rückständigen Schulumlagen, dir bei der BetriebSverlegnng hereingebracht werden konn ten. wurden noch 125.000 Kronen für eine vollständige Renovierung der Schule aufge- wendet. Die Schule soll unter dem verfall nicht leiden, der dieser einst blühenden Jndustriegemeinde drohend bevorsteht,"leben den Ruinen, die der Kapitalismus hinterläßt, hat die Arbeiterschaft noch ein Denkmal ihres Kulturwillens aufgerichtet. Das ist ein Beitrag zur Geschichte unserer Zeit. Die renovierte Schule wird am Sonntag feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Ule Unterschlagungen Im Trautenauer Rentamt Die peinliche Unterschlagungsaffäre in der Trautenauer Kommunalverwaltung, welche von den antimarxistischen Korruptionstötern am liebsten mit dem Mantel des Stillschweigens zugedeckt worden wär«, wird nun doch an das Liebt eines Gerichtsverfahrens gelangen. Die Gemeindever- tretuna beschloß über Antrag der Dilrivlinar- kommission, die Verfehlungen der Beamten G u d r a und Walter dem Gericht zu überantworten. Damit wurde der einzig richtige Weg beschritten, so wie die? die sozialdemokratischen Funktionäre von allem Anfang an verlangt haben! Wenn sich zwei Sozialdemokraten für einen Fehlbetrag Von mindestens 150.000 Kronen zu verantworten hätten, dann wär« die Schriftkeiter- presse wochenlana mit einer großen Sensation versorgt gewesen! Die betrogene« Arbeitslos«« machen Krach. Wir lesen im„Freigeist": Die BolkSgemein- schaftSstrategsn erlebten am 22. August in E n- aelsdorf die erst« Revolte der Arbeitslosen. Dös« fragen sollten die Herren.Kapitalknechte beantworten. Sie konnten sich winden und drehen, «s nützte nichts, man konnte eben die Einlösung trüberer versnrechungen nicht in Aussicht stellen. Trotz der in Aussicht gestellten Winterhilfe verließen die Arbeitslosen und aernde die in der Agitation tätigsten die Varteil Bold werden weiter« folgen. ES kriselt bier bedenklich unter Konrads Mannen. Bald wird im unteren Wittigtal di« BalkSgemeinschqst nur noch aiiS verärgerten ehemaligen Landbündlern und Gewerbcpartcilern bestehen. die Internationale zur Kriegsgefahr Neue Beratungen am 6. September Die Gemeinsame Anti-Kriegs-Kommission des Internationalen Gewerkschaftsbundes(JGB) Und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale lSAJ), die am 86. August 1938 in Parts zu einer Sitzung zwecks Festlegung ihrer Haltung in der gegenwärtigen Phase des italienisch-abessinischen Konfliktes zusammentrat, beschloß u. a„ den Ausschuß des JGB sowie die E x e- kutive der S A I am 6. September zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen zur Besprechung der in der Kommission eingehend behandelten Vorschläge. Vie nordischen Länder füi Einhaltung des Völkerbundpaktes Oslo. Wie das norwegische Außenministerium weidet, haben die Außenminister von DäNewark, Finnland, Schweden und Mor- wegen die wichtigsten Fragen erörtert, die in den Sitzungen des Bölkevbunde» behandelt werden dürften, vor allem den Konflikt zwischen Italien Und Abessinien. Sie sind davon auSgegangen, daß dieser Konflikt in völliger Uebereinstimmung mii den Vorschriften des BölkerbundpakteS zu behandeln sein wird, und sie werden alle Arbeit stützen, die dazu dienen kann, den Frieden zu schützen und die Rechtsprinzipien des BLl- ierbundeS aufrecht zu erhalten. Auch Schweden verstärkt Landesverteidigung Stockholm. Die 13gli«tzrige Kommission für nationale Verteidigung hat den Entwurf einer Reorganisation der Nationalverteidigung m Schwaden ausgearbeitet. Einige Einzelheiten dieses Entwurfes wurden bereits veröffentlicht. Die Reorganisation betrifft vornehmlich das Flugwesen. Es soll die Zahl der Flieger Und der Apparate erhöht werden. Die Kommission für Nationalverteidigung schlägt ferner die Ernennung eines einheitlichen Kommandos und die Schaffung eines Generalstabes für alle Ressorts der nationalen Verteidigung vor. Das Budget wird 148 Millionen gegenüber den jetzigen 112 Millionen Kronen betragen. Was das die Marine anbelangt, so schlägt die Kommission die Beseitigung der veralteten Kreuzer und den Sau neuer Flotteneinheiten vor. Konferenz von led eröffnet B l e d. Im Feftfaal des Hotel-„Belvedere" eröffnete Donnerstag unt 10 vhr der jugoslawische Ministerpräsident und Aussenminister S t o- jadinovik die 15. Kon ferenz der Kleinen Entente. Um 13 Uhr waren die Minister der Kleine» Entente beim Prinzregenten Paul znm Mittagessen eingeloden. Die Aussenminister der Staatrn der Klemen Entente prüften unter Borsitz deS jugoslawischen Ministerpräsidenten und Außenminister- Stoja- dinoviä die allgemeine europäische Lage, nachdem vorher der rumänische Außenminister Titniese« über seine Reise nach Westeuropa und Außenminister Dr. Bene» über seine Steife noch Osteuropa Bericht erstattet hatten. Nachmittags wurde« die Beratungen fortgesetzt. Ein amtlicher Bericht wnrd« nicht auSgege- ben. Da- Kommnniqus über die Beratungen wird morgen veröffentlicht werden. Frledensvertrfige müssen respektiert werden Ministerpräsident Stojadinoviö veranstaltete zu Ehren der Konferenzdelegation ein Abendessen. In einem Trinkspruch wies er auf die Ergeb nisse der 18jährigen engen Zusammenarbeit der drei Staaten der Kleinen Entente hin und erklärte, daß dieses System heute eine der Grund lagen der politische« Stabilität Europas sei. Auch für die Zukunft, erklärt« Stojadinoviö, welche, wie wir hoffen und glauben, besser und erfreulicher sein wird als die Gegenwart, vertrauen wir auf eine weiter« glückliche Entwicklung unseres gemeinsamen Werkes. Wir werden uns den Bedürfnissen des Augenblicks anzupassen verstehen, von unserem Programm aber, welches ein unabänderliches Ziel anstrebt, nichtabweichen. Dieses Ziel ist der Friede. Jeder Kampf, sei es der eine« Einzelnen, oder eines Kollektivums, wird— sofern« er nur das gleich« Ziel anstrebt— bei bet Kleinen Entente B e- r e i t s ch a f t zur Mitarbeit finden. Aber hier wiederholen wir feierlich: Die einzige Bedingung dieser Zusammenarbeit mit tat übrigen ist und bleibt di« kategorische For» denmg, daß der durch die FriedenSoerträge besiegelte Zustand respektiert werden muss und daß an ihm weder direkt noch indirekt etwas geändert werden darf. Diese Tätigkeit der Kleinen Entente deckt sich vollkommen mit jeder anderen Tätigkeit, welche aufrichtig dir Erhaltung de» Frieden» an- strebt. Hllnka bleibt „In schärfster Opposition“ Pressburg. Donnerstag nahmen der Parteivorstand und die parlamentarischen Klubs der slowakischen Bolkspartei HlinkaS abschließend zur Frage eines eventuellen Negierungseintrittes Stellung. Entgegen den Vermutungen, daß die Partei ihre im Frühjahr aufgestellten Bedingungen für den Regierungseintritt, die an maßgebenden Stellen als unannehmbar bezeichnet worden waren, angemessen revidieren werde, wurde nach längerer Beratung der Beschluß gefaßt, daß di« Partei auch weiterhin gegen di« Regierung i n schärf st er Opposition bleibt, die„bis in die letzten Konse- qu e n z e n" durchgeführt werden soll. Die Partei ruft die ganze slowakische Nation zur Einheitlichkeit auf dem Wege der Opposition-Politik auf. Senator Uääk gestorben. In Zikiee bei Slanh verschied am Donnerstag der Senator der Republikanischen Partei Alois 1l s ä k im Alter von 60 Jahren. Er gehörte dem Senat seit 1929 an. Internationaler Iransportarbelter-kongreb Dieser Kongreß, über dessen Beginn wir bereits berichtet haben, hat am Donnerstag, dem 22. August(in Kopenhagen) seine Verhandlungen fortgesetzt. Der Antrag des englischen Transportarbeiterverbandes, der auf eine Reorganisation der internationalen Gewerkschaftsbewegung — Schaffung einer Zewwale, eingeteilt in Berufsgruppen, welche die internationalen Berufssekretariate ersetzen sollen— hinzielt, wurde an den Generalrat zum weiteren Studium überwiesen. Da» Sekretariat hat dem Kongreß einen Bericht über die Zusammenarbeit der einzelnen Verkehrsmittel unterbreitet. Der Referent zu dieser Frage, der holländische Eisenbahner B r a a m» b e e k legt dar, daß man den inländischen Verkehr überall als eine Einheit behandeln müsse, was in den einzelnen Ländern auf verschiedene Art und Weise auch geschieht. In dem einen Land versucht mm:, die Konkurrenzbedingungen gleich zu machen, während im anderen die Konzentration mittels des Konzession-verfahren- gefordert wird. Redner empfiehlt beide Methoden gleichzeitig anzuwenden und einen„Berckebrsrat" au fÄoffen. Schon die Siebzehnjährigen müssen In den Krieg R o m. Der Präsident der valilla hat eine Anweisung über die militärische Verwendung und Ausbildung der bi-her«och nicht zur Militärpflicht herangezogenen Jugendlichen im Alter von 17 bis LO Jahren herauSgegeben. Von hunderttausend siebzehnjährigen Avantgardisten werde« nunmehr 25.000 mit Gewehren ausgerüstet und in Europa eingehend militärisch auSgebildet, so daß sie in der Heimat verwendet und je nach Bedarf auch zum Dirnst in O st a f r i k a herangezogen werden können. Dies« Maßnahme bedeutet, daß für einen beträchtlichen Teil der italienischen Jugend die eigentlich mit 20 Jahren beginnende militärisch« Dienstpflicht um drei Jahre vorverlegt wird. Eden-Laval Persönliche Aussprache vor der Ratstagung Paris. Amtlich wird bestätigt, haß der britische Minister Eden auf seiner Reis««ach Genf am nächsten Montag in Pari- sich aufhalten wird, um mit dem Ministerpräsidenten Laval zu konferieren, Suerlcanal unter britischer Bewachung London. Die britische Mittelmeerflotte ging Donnerstag von Malta zu einer Kreuzfahrt in See. AuS dem Reifeplan der Schiff« ergibt sich, daß sich während de- Monate- September ständig britisch« Kriegsschiffe am Eingang de- Suezkanals und in Haifa befinden werden, wo die wichtige Petroleumleitung au- dem Irak endet. Auf der Insel Malta werden alle notwendigen Schutzmaßnahmen gegen GaS- und Bombenangriffe getroffen. Für die Polizei sind GaS« schutzübungen angesetzt worden. Außerdem werden Hilfspolizisten eingezogen. Ingenieure und Deckarbeiter sind eifrig beschäftigt, eine Hafensperre sertigzustellen, di« viel besser sein füll alr die Sperre, die im Weltkrieg« errichtet wurde, um die Einfahrt feindlicher Schiffe zu verhindern. Wie aus Aden gemeldet wird, trifft der britische Kreuzer„Colombo" in der Hafenstadt Ber- rera, dem Hauptort vom Britisch-Somaliland ein, um dort bis auf weiteres die Entwicklung der Dinge zu beobachten. In Portsmouth herrscht lebhafte Bewegung, weil hier Schiffe mit Material befrachtet werden, das zur Verstärkung des Fliegerabwehrdienstes auf Malta bestimmt ist. Die Militärflieger von Gosport und Lee on Dolent, di« auf Urlaub weilen, sind zurückberufen worden. Addis Abeba in Spannung Addis Abeba. Das Gesamtbild der abessini« scheu Hauptstadt ist sehr bewegt. Viele Ausländer packen ihre Koffer. Ständig rollen durch die Stadt Transporte nach dem Bahnhof. Leben-mittel werden in großen Mengen eingekauft, da man Befürchtungen wegen der Eisenbahnlinie hegt. Di« Polizeitruppen sind abermals verstärkt Worten. Di« Regierung hat eine Verordnung erlassen, durch die sämtliche Männer ohne Beschäftigung zum Militärdienst, zur Hilfeleistung beim Roten Kreuz oder zu einer anderen, zur Landesverteidigung notwendigen Arbeit verpflichtet werden. Ola Desertionen bestätigt Paris. Wie der Sonderkorrespondent de- „Daily Telegraph" aus Addis Abeba meldet, gibt eS entgegen anderslautenden Behauptungen von amtlichen italienischen Stellen unter dem italienischen Eingeborenenmilitär zahlreich« Ueberläu- fer. Au- Erythräa sind 2000 Eingeboren« und au- Ogadrn 8000 Somalesen zu den Abessiniern übergelaufe«, letztere mit ihren Gewehren und der ganze« Ausrüstung. Zwischenfall an der Grenze von Französisch* Somaliland Addi- Abeba. In Addis Abeba wurde ein offizieller Bericht über einen Kampf zwischen dem Stamme Issa aus Französisch-Somaliland und Abessiniern ausgegeben, bei welchem 60 Männer de» Issa-Stammes getötet wurden. Der Gouverneur der Provinz Aussa informierte die abessinische Regierung, daß die Issa-Leute auf abessinisches Gebiet eingedrungen seien, daß jedoch die abessinische Bevölkerung von ihnen zurückgewichen sei, um einen Zusammenstoß vorzubeugen. Da aber die Issa-Leute Vieh zu rauben begannen, kam es zu einem Zusammenstoß, nach welchem die Issa-Leute schließlich wieder auf ihr Gebiet zurückkehrten. Auf dem Kampfplatz lieb-« ii« 60 Dol« anrück. beite t Freitag, 30. August 1935 Nr 203 3i^ewid^eiten Verschärfter Boykott gegen Hitler-Deutschland in USA Die Gewerkschaften in USA sind entschlossen, den Boykott gegen Hitler-Deutschland zu verschärfen. Im Namen des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes hat sein Vorsitzender, W. Green, vor breitester Oeffentlichkeit die Hitler-Regierung an den Pranger gestellt. Green wies in seinen Ausführungen auf die großen Verdienste der ehe. maligen freien deutschen Gewerkschaften hin, auf ihre aufbauende Kultur-Arbeit sowie auf ihre Errungenschaften auf allen Gebieten sozialer Einrichtungen: Bibliotheken, Kliniken, Erholungsheime, Arbeiter-Hochschulen, Fachschulen usw.: »Alle diese Einrichtungen sind— zu ihrem Nachteil!— von den Nazis gestohlen worden". Di» Zeit ist gekommen, wo Hitler-Deutschland nicht nur von den Arbeitern und ihren Freunden, sondern vom ganzen amerikanischen Volk boykottiert werden soll. Im Lichte der historischen Entwicklung ist der Augenblick gekommen, wo unsere Regierung jene Maßnahmen ergreifen soll, die die gegenwärtige Sachlage erheischt, um der brutalen und unmenschlichen Behandlung der Arbeiter, Juden und Katholiken in Deutschland ein Ende zu setzen" Taifun-Verheerungen in Japan Tokio. Der Westen von Japan wurde von einem Taifun heimgesucht. Besonders groß sind die Schäden in den Häfen; in Kobe, Osaka und Tokio sind 21 Tote zu verzeichnen. Im ganzen Taifungebiet wurden über 25.000 Häuser überschwemmt. Das Unwetter hält noch an. In USA wie in Italien Dammbruch vernichtet eure Ortschaft tzkew Jork. Im Staate Colorado haben schwere Wolkenbrüche großen Schaden angerichtet. Die Ortschaft Holly in Ost-Colorado ist metcrtief überschwemmt, nachdem ein in der Nähe gelegener Damm geborsten war. Durch die rechtzeitige Warnung der Deichbeamten koinite die Bevölkerung in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Häuser sind durch die Fluten fortgeschwemmt worden. In Kansas wurde ein Eisenbahndamm unterspült, mehrere Brücken fortgerissen und verschieden» Landstraßen überflutet. 10.000 Jahre alte Siedlung Aus Moskau wird uns geschrieben: Eine Expedition der Akademiker der Wissenschaften, die bei dem Dorfe Urkust bei Baidartal auf Krim Ausgrabungen vornimmt, hat dortselbst eine uralte Niederlassung entdeckt. Bei früheren Ausgrabungen an dieser Stelle in den Jahren 1927 und 1928 wurde hier das Gerippe eines vor 10.000 Jahren gestorbenen Menschen gefunden. Es wurden auch Waffen aus Stein und Tier, knochen gefunden, die einen wertvollen Beitrag zum Studium der europäischen Quartärzeit bilden. Die Ausgrabungen wurden jetzt wieder ausgenommen, um Material für die Bestimmung dieser prähistorischen Niederlassung und ihrer Bewohner zu erhalten. Milchkannen klappern nicht mehr In London wird es ruhig. London. Die im Vorjahre durch Mitwirkung hervorragender Aerzte ins Leben gerufene Anti- ilärm-Liga hat ihren ersten Jahresbericht veröffentlicht. Zahlreiche örtliche Institutionen haben die neue Methode der amtlichen Kontrolle von Radio- und Grammophon-Lautsprechern übernommen. U. a. haben auch die' Molkereien der Liga ihre Mitarbeit zugesichert und die älteren Typs ihrer Fahrzeuge durch geräuschlose elektrische Wägen ersetzt, die Räder ihrer Pferde-Fuhrwerkc mit Pneumatiks versehen und auch an ihren Glas- und Metallgefäßen einen Gummibelag angebracht, um unnötigen Lärm auszuschalten. Wie der Bericht besagt, nimmt die öffentliche Meinung zu dieser Aktion der Lärmbekämpfung einen günsti. gen Standpunkt ein. „Das System Brann-Severing muß weg!" Ein zufälliger Griff in ein Bündel alter Flug, blätter spielt uns den Aufruf der KPD, anläßlich der preußischen Landtagswahl 1932 in die Hände. Unsere Leser erinnern sich, daß es Hitler damals um die Auslieferung des größten deutschen Landes an den Nationalsozialismus ging. Es war zur Zeit seiner größten Machtentfaltung vor der Machtcrschwindlung. Hören wir, womit die KPD in dieser Situation ihren Wahlaufruf einlcitete: Männer und Fronen des arbeitenden Belkes! Der eine Kampf ist vorüber, der Kampf um die Reichspräfidentenschaft. Der neue'Kampf hat begonnen. Jetzt geht es um Preußen. Sehr richtig! Also was stellen die Kommunisten an die Spitze ihrer Forderungen in diesem Kampfe um Preußen? DaS System Brann-Severing muß weg! Diese Parteiherrschaft von SPD.- und Zentrumsbonzen zu Nutzen des Geldsacks l Diese stärkste Stütze der Brüning-Diktatur und des Not- Kleinbahuzug rammt Autobas in Oesterreich In Piesting in Nieder-Oesterreich wurde an einem unbewachten Uebergang ein mit 36 Aus- flüglern besetzter Autobus von dem Kleinbahnzug erfaßt und gerammt. 11 Fahrgäste fanden dabei den Tod. Unser Bild zeigt die Unglücksstätte. Verordnungsregimes! Dies Eldorado von Polizeiwillkür und Justizschmach! Dieser Hort einer bankrotten Kapitalistenbande l Dieses Zuchthaus des werktätigen Volkes! Wörtlich zitiert! Man greift sich an den Kopf, wenn man jetzt, nach drei Jahren, diese Worte liest. Gewiß, daß„System BraunSevering" hatte manche Schönheitsfehler, aber nach den Erfahrungen mit dem Eldorado von Polizeiwillkür und Justizschmach des Dritten Reiches, das die Kommunisten mit ihren Wahnsinnsparolen mtt herbeiführen geholfen haben, wird sich wohl auch der Verfasser dieses Flugblattes, falls er noch nicht auf der Flucht erschossen oder im Konzentrationslager zu Tode gemartert wurde, mit seiner damaligen Einschätzung der bürgerlichen Demokratie nicht mehr identifizie- ren wollen. An solche Dinge, an solche Exzesse einer politischen Haß» besessenheit, muß in dieser Stunde erinnert werden. So Tjöb'dn die Kommunisten g?ss)röchtt?Ünd göfchkie-' ben. Unter solchen Parolen haben sie m i t d e n Nationalsoziali sie n zusammen ein Volksbegehren zum Sturz der demokratischen Preußen-Regie r ung eingeleitet. So haben aber auch un sere Kommuni st en argumentiert. Haben sie nicht noch im Vorjahr gegen die Wiederwahl Masaryks mit dem blödsinnigen Schlagwort„Nicht Masaryk, sondern Lenin!" agittert und die These aufgestellt, ihre Stellungnahme zur Präsidentenwahl entspreche der Parole„Klasse gegen Klasse"? Nun ist das alles nicht mehr wahr. Nun sind demokratische Regime nicht mehr„Horte einer bankrotten Kapitalistenbande", sie sind nicht mehr„Zuchthäuser des werktättgen Volkes", sondern sie ermöglichen, wie Sverma noch vor dem Moskauer Kongreß im Parlament erklärt hat, den Arbeitern die freie Führung des Klassenkampfes. Wir Sozialdemokraten, die wir, von den Kommunisten beschimpft,verdächtigt und verlemndet, ungezähltemal und insbesondere in der Zeit, da rings um uns der Fascismus an die Macht gelangt war, den arbeitenden Menschen gepredigt und klargemacht hatten, köwlten uns dieser Rechtferttgung unserer Politik freuen. Doch die Sinneswand- lung der Kommunisten, gleichgültig, ob sie aus freien Stücken erfolgte oder von Moskau^diktiert wird, könnte sich nur dann zum Heil der arbeitenden Menschen, die unter der Spaltung der Reihen des Proletariates so unsäglich zu leiden haben, auswirken, wenn die Kommunisten aus dieser ihrer besseren Erkenntnis, die unsere Erkenntnis ist, auch diese letzten notwendigen Konsequenzen ziehen. Dazu ist aber Voraussetzung, daß sie vor der ganzen proletarischen Oeffentlichkeit den Wahnwitz einer Politik, die in zMlster Stunde der Machtergreifung Hitlers das Postulat noch der Besei- ttgung eines dcmokrattschcn Regimes an die Spitze ihrer Forderungen stellte, offenes n- bekennen. Der Weg zum Wiederaufftieg des Proletariats führt nicht über taktische Manöver und ausgeklügelte Formulierungen, sondern erheischt volle Klarheit über die Auffassungen und das restlose Einbekenntnis der begangenen Fehler. Darum wird die KP§, will sie in Zukunst anders als bisher als ernster polittscher Faktor gewertet werden und nicht weiterhin proletarische Kräfte bloß lahmlegen, bei aller Spitzfindigkeit, die ihren Wortführern eignet, nicht hcrumkommen l Soldatentod. Am vergangenen Mittwoch nachmittag fand bei Jundorf eine militärische Hebung des Art.--Reg. Nr. 106 statt, bei welcher die Soldaten die Aufgabe hatten, mit ihren Pferden den Schwarzafluß zu durchqueren. In der Mitte des Flusses verschwand plötzlich der 23jäh- rige Soldat Franz Appel unter der Wasserfläche, während das Pferd allein ans Ufer schwamm. Die übrigen Soldaten begannen ihn sofort zu suchen, doch konnten sie ihn erst mit Hilfe der statischen Feuerwehr nach einer halben Stunde aus dem Wasser ziehen. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Ursache des Unglücks wird von einer Militärkommrssion untersucht. Immer mehr Tote in Berlin. An der Un- fallstclle in der.Hermann-Göring-Straße hat man bisher 16 Tote äufgefunden, von denen bisher 15 geborgen werden konnten." Große Tevisrnschicbung in Budapest. Nach wochenlangen Beobachtungen hat das Valuten- dezernat der Budapester Polizei mehrere Verhaf- ! hingen in einer großangelegten Dkvisenschie« bungsafsäre vorgenommcn. Es wurde festgestellt, daß auf dem Luftwege Wertpapiere im Gesamtbeträge von 200.000 Pcngö aus der Schweiz nach Ungarn eingeführt wurden. Der Gegenwert dieser Wertpapiere wurde gleichfalls auf illegalem Wege ins Ausland gebracht. Bisher wurden 3 Personen verhaftet. Es stehen jedoch noch weitere Verhaftungen bevor. Neuer Prozeß gegen Hauptmann? Der Verteidiger Hauptmanns, der Advokat Fisher, erklärte gestern, es sei ein Gesuch um Wiederaufnahme des Prozesses gegen Bruno Richard Hauptmann, der wegen Entführung des Kindes Lmdberghs verurteilt worden war, eingebracht worden. Das Gesuch wird damit begründet, daß der im Bergland Söürland gefundene tote Knabe nicht das Söhnchen Lmdberghs war. Neuer Flugrekordversuch. Der Flieger T. Campbell Black, der im Vorjahr gemeinsam mit W. A. Scott das Flug rennen England— Australien gewann und der zu Beginn des Monats seinen Rekordflugversuch England—Kapstadt bei Kairo wegen Motorschadens aufgeben mußte, weilt zur Zeit in Irland, um dort einen geeigneten Startplatz für seinen Flug nach Kanada und zurück auszusuchcn. Es handelt sich um einen von vier Fernflügen, die Black in nächster Zeit auf einem neu überholten Flugzeuge, dem Eindecker Comet„Boomerang", unternehmen will. Das Flugzeug soll bei günstigen Wetterve rhält- niffen mit einer einmaligen Betriebsstostüllung einen Aktionsradius von 3000 Meilen besitzen. Der Rückflug über den nördlichen Atlantischen Ozean soll in weniger als 24 Stunden zurückgelegt werden. Es geht auch ohne Hohr Preise. Im Laufe von zehn Wochen seir der Senkung des englischen inländischen Telegraphen-Tarifs ist die Zahl der ausgegebenen Telegramme gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 2,128.000 gestiegen. Dies entspricht einer Zunahme um 29.4 Prozent. Sie spielen die Beleidigte«... Wie der „Reichsärzteführer" bekannt gibt, werden sich keine deutschen Aerzte an der vom 9. bis 14.Sep- tember in Montreux stattfindenden internationalen medizinischen Woche beteiligen. Als Begründung wird angegeben, daß die Schriftleitung der„Schweizerischen medizinischen Wochenschrift", bei der sich auch das Sekretariat befindet, im Juli dieses Jahres ohne redaktionellen Kommentar eine Abhandlung des Wiener nichtarischen Professors Dr. Julius Bauer veröffentlicht hat, der eine scharfe Polemik gegen die Maßnahmen Deutschlands zur Verhütung erbkranken Nachwuchses darstellt. Pest in Chine Peiping. Aus dem Distrikt von Taoan, westlich von Charbin, werden 70 Todesfälle an Pest gemeldet. Die Pestepidemie wütet auch in den Gebieten von Fuju, Schuanschan und Tschanlin. Der abessinische Oberbefehlshaber.(AP.) Zu seinem militärischen Stellvertreter hat der Negus, wie bekannt, den ehemaligen türkischen General Wahib Pascha ernannt, der somit im Kriege das Oberkommando haben würde. Wahib Pascha steht im 48. Lebensjahre. Er wurde in der damals türkischen Festung Janina geboren und absolvierte die Kriegsakademie in Konstantinopel, die er als Generalstabsoftizier verließ. Nach dem türkisch-italienischen Kriege wurde er Direktor der Kriegsschule. Im Balkankrieg war er Kommandant seiner Geburtsstadt Janina, die von den Griechen belagert und erobert wurde. Nach dem Friedensschluß wurde«r Kommandant der arabischen Provinz Hcdschas. Im Weltkrieg befehligte er zuerst die Truppen an den Dardanellen und später die im Osten kämpfende dritte Armee. Infolge seines Widerstandes gegen den damals allmächtigen Enver Pascha wurde er seines Postens enthoben. Bei den Kämpfen zwischen Republikanern und Anhängern des Sultanats nach dem Waffenstillstand wurde er verhaftet. Nach seiner Freilassung flüchtete er nach Italien, später nach Deutschland und Rumänien. Später begab er sich nach Aegypten, um dann eine Stelle als Instruktor der abessinischen Armee anzunehmen, in der er jetzt einen raschen Aufftieg gemacht hat. Verwechslung von Gepäck. Am 28. d. M-. gegen 10 Uhr abends wurde in der Gepäcksaufbewahrungsstelle auf dem Masarykbahnhof in Prag einer Dann irrtümlich ein Koffer mit einer Aktentasche ausgefolgt. Da die beiden Stücke für den Eigentümer «inen großen geschäftlichen Wert haben, ersucht die Prager Staatsbahndirektion di« Empfängerin, di« für sie wertlosen Stücke zurückzustellen und die Station Prag-Masaryk-Bahnhof telegraphisch davon zu verständigen. Die Spesen werden vergütet. 51 tödliche Unfälle durch den elektrischen Strom. Aus einer von Jng. Vesely ausgearbeiteten Statistil über die Unfälle durch den elektrischen Strom geht hervor, daß es im Jahre 1934 in der Tschecho- ssowakei 92 solcher Unfälle gab, von denen 51 tödlich verliefen. Durch eigene Schuld wurden 49 Unfälle verursacht, durch Zufall etc. 43. Auf Hochspannungsleitungen entfallen 19 Unfälle, auf niedrigere Spannungen 73. In 89 Fällen kamen Elektrotechniker selbst zu Schaden. Außerdem wurden 14 Selbstmordversuche durch Elektrizität verzeichnet, von denen 7 tödlich verliefen. Das Erklettern von Leitungsmasten durch Kinder ergab weitere 25 Unfälle, von denen 9 mit dem Tode endeten. Freikarte« der Staatsbahnen warten auf den Gewinner. Bei der Verlosung-der Kupons der Taschenkalender der Staatsbahnen wurden im Juni u. a. folgende Gewinne gezogen, die noch nicht behoben find: eine Freikarte für 2000 Km. Schnellzug, 1. Klasse(Kupon Nr. 252.690), zwei Freikarten zweiter Klasse für 2000 Km. Schnellzug(23.818 und 248.513), zwei Freikarten 3. Klasse für 2000 Km. Schnellzug(53.243 und.179.561); ferner Freikarten für alle Autobuslinien der Stäatsbahnen, und zwar: eine für einen Monat (196.198), zwei für 15 Tage(212.765 und 229.210), und zwei für acht Tage(144.811 und 189.901). Die Freikarten sind bei der Staatsbahndirektion in Prag, Masarykbahnhof, gegen Vorlage des Gewinstkupons ehestens zu beheben, da ihre Gültigkeit mit 31. Dezember d. I. endet. Die übrigen kleineren Gewinste sind aus einer Ziehungsliste ersichtlich, die für 50 Heller beim Drucksortenlager der Staatsbahnen, Prag-Smichov, Bahnhof, erhältlich sind. Kühl und unbeständig. Ueber ganz Westeuropa und über den größeren Teil Mitteleuropas herrschte am Donnerstag verhältnismäßig kühles Wetter mit Nachmittagstemperaturen um 15 Grad Celsius herum. Dagegen hat der Ostteil Mitteleuropas und ganz Südeuropa Temperaturen im allgemeinen oberhalb von plus 25 Grad Celsius, in der Ungarischen Tiefebene und auf der Balkanhalbinsel bewegten sich die Temperaturen stellenweise sogar um plus 30 Grad Celsius herum. Längs der Wärmegrenze, die am Donnerstag die Westslowakei durchzog, dürften vom Südwesten her kleine Störungen mit einer Regenzone fortschreiten, welche Donnerstag über den Alpen lag. Kn ganzen ist in den nächsten Tagen bei Westwind unbeständiges Wetter zu erwarten.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, zeitweise ziemlich bewölkt und Regenneigung, mäßig kühl, nur im Osten des Staates noch im ganzen ohne Aenderung und warm. — Wetteraussichten für Samstag: Ohne, größere Aenderung, auch im Osten des Staates Wetterverschlechterung. Vom Rundfunk ■mpfehlenawertes«n den Programme«! SamStag Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Chansons, 13.35: Schallplatten: Wagner, 16.00: Dvokäk: Humoreske, 16.80: Buntes Programm, 18.20: Deutsche Sendung: Uebertragung aus GraSIitz, 19,00: Deutsche Presse, 19.30: Schrammelkonzert, 22.30: Tanzmusik, Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Dr. Netti: Prager SchuUieder auS Mozarts Zeit, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn: 11.00: Schallplatten. 17,40: Deutsche Sendung: Leichte Musik. — Mähr. Ostrau: 18.45: VoSkovec und Werich.— Kascha«: 12.30: Orchcsterkonzert, 22.45: Orchesterkonzert./ «r. 202 Freitag, 30. August 1935 7 Seite 5 Der deutsche Flottenbau Berlin. lieber den Fortgang des deutschen FlottenbauS erfährt Aeropretz folgende Einzelheiten: Von mancher Seite werden die Nachrichten über das Tempo des deutschen Flottenbaus angezweifelt. Dazu ist jedoch zu sagen, daß die Vorbereitungen für di« forcierte Erweiterung der deutschen Marin« schon seit Jahren im Ganstr find. Di« notwendigen Zeichnungen für die vorgesehenen Gchiffstypen waren längst vorbanden. Auch die Versuche zur Feststellung der günstigsten Schiffsformen waren bereits zu einem gewissen Abschluß gelangt. In der kleinen ReichS- marine hatte man schon ein Experimentierfeld zur Erprobung aller Neuerungen und Verwertung aller gewonnenen Erfahrungen. In diesem Zusammenhang sei an das bekannte drahtlos gelenkte Zielschiff„Zähringen" für Schießübungen erinnert. Ein Moment von Bedeutung ist der Stamm von 15.000 Instrukteuren, die der bisherigen Reichsmarine entnommen werden können. Die Kriegsmarine-Aviatik läßt sich in kurzer Zeit ertcnsiv entwickeln. Mit Flugzeugmutterschiffen find weitgehende Versuche— man denke an den umgebauten Dampfer Westfalia— durchgeführt worden. Eine Schwierigkeit bildet freilich dir Ausbildung der notwendigen Mannschaften, die man nicht in%— 1 Jahr durchführen kann. Freilich rekrutiert sich die Mannschaft überwiegend aus den Reihen der seefahrenden Bevölkerung und aus erstklassiger Facharbeiterschaft. Der forcierte Kriegsschiffbau aller Art ist auch deshalb leicht möglich, weil die Werften fast ohne jod« Neubautätigkeit für Handelsmarinezwecke find(bzw. wo doch ein« solche vorliegt, dient sie eben auch versteckten Rüstungszwecken, nämlich für HilfSschiffe). Die Werften sind nach dem letzten Stand der Technik ausgerüstet und rationalisiert, und eine erstklassige, seit Jahrzehnten eingeübte Facharbeiterschaft ist auch vorhanden. Die Schwerindustrie kann infolge ihrer Ueberkapazität die nötigen Schmiedestücke, Panzerplatten, Stahlgußformstücke und Kanonen in kurzer Zeit liefern. Es werden nur genormte Materialarten verwandt. Di« Normen der Verbindungsglieder wie Schrauben und Nieten sowie der Blech« etc. finden weitgehend« Anwendung. Ueberwiegend wird das elektrisch« Schweißverfahren durchgefichrt, das eine Gewichtserspar- niS bringt, die für vermehrte arttlleristische Ausrüstung und vermehrte Brennstoffvorräte auSge- »uht werden kann. Auch bei den Dampffesseln, Dampfturbinen, Dieselmotoren, Elektrodynamos, Elektromotoren, Kühlanlagen und Ventilatoren findet die Normung Anwendung. Di« artMeri- stisch« Ausrüstung ist genügend vorbereitet. Eine schwache Stelle bildet die B r e n n st o f f verso r g ü n a der Schiff«, di« mit flüssigem Brennstoff betrieben werden. Hier herrscht noch ein gähnendes Loch. Bestimmt« technische Einzelheiten werden ganz besonder» streng gehiimgehalten. Dazu gehören u. a. die Ausführung der Quer- schnittprofile de» Schiffskörper»(Gchiffrumpf- form), di« Ausführung der Schiffshaut, die Kon« stvuttionSeinzelheiten der Schweißstellen, di« Herstellung der Panzerplatten und di« Art de» Härte- Eta Bürge wird gesucht Von Jaroslav Hasel. lieber den Postbeamten Dhkast brachen traurige Zeiten herein. Fräulein Mitzi, sein« Geliebte, drohte ihm mit einem großen Skandal, wenn er ihr nicht unverzüglich fünfzehnhundert. Kronen zahle. Da» war eine äußerst unangenehme Situation, um so mehr, al» Fräulein Midi unerbittlich aus ihrer Forderung beharrte, die mit Rücksicht auf dar Gehalt de» Postbeamten zumindest unermeßlich zu nennen war. Die gute Seele, die ihn einst: »Mein goldiger, süßer Junge" zu nennen pflegt«, schrieb ihm eintn Brief. „Ja, Pater werden ist nicht schwer, aber Kinder ernähren. Wenn ich wenigsten» Mutter eine» Kinde» geworden wäre, aber da» Schicksal hat e» gewollt, lieber Freund, daß wir mii Zwillingen gesegnet wurden. Da» eine hat blaue Augen, da» andere schwarz«. Der Doktor meint, sie werden am Leben bleiben und daß e» ein ganz merkwürdiger Fall ist. Ich glaube wahrhaftig, lieber Freund, e» wird das Beste sein, wenn ich aü» dem Leben scheide. Zum Unglück hat jedoch die Mutter meine Absicht bemerkt und sie mir au»zu« reden begonnen. Nun besteht st« darauf, daß Sie fünfzehnhundert Kronen zahlen. Wir haben einen ' Juristen als Zimmerherrn, der hat meiner Mutter geraten, ich soll Jchnen nur ein einziges Wort schreiben und zwar: Paternität. Sie werden angeblich zufrieden fein, wenn Sie es lesen und sich darnach richten. Weiter» möge ich Ihnen noch schreiben, daß Sie sich al» Staat»- beamter gewiß nicht gern an dem Ort zeigen wer den, den ich ebenfall» in einer eigenen Zeil« schret- , ben soll, nämlich: bei Gericht. Di« Mutter kann alle» bezeugen, ste weiß alle». Sie hat mir gesagt, daß auch die Wände Ohren haben. Ich weiß nicht, lieber Freund, welchen Namen ich den Kindern geben soll. Da» eine wird Ferdmand Tyr-st heißen, da» andere vielleicht Wenzel oder Aloi» Dhkast, aber Dhkast werden sie beide heißen. E» wird jedoch gut fein, wenn Sie im Laufe der Woche die fünfzehnhundert Kronen bringen, damit wir un» wegen der Namen einig werden. Ihre verlassene Mitzi." verfahrens, die Lagerung der Geschütztürme(u. a. die Detail» der Neuerungen, die beim Abschuß den Rückstoß auf den Schiffskörper vermindern und dadurch ein ruhigeres Schießen ermöglichen), die Geschützverschlüsse und die Lesegeschwindigkeit, die Zieleinrichtungen(Uebertragungsorgane und Uebertragungsweise der Befehle vom Zielstand aus nach den Geschützorten, insbesondere der op tische Teil), speziell die Luftabwehrzieleinrichtungen.(eventuell elektrische Uebertragipig dec Zieleinstellung auf die,Höhen? und Seitenrichtorgane der Lustäbwehrgcschütze— bei der „Deutschland" erfolgt sie heute durch Kehlkopftelephone), die Selbstladevorrichtungen der Lustabwehrgeschütze, die Ausführungsart des Unterwasserschutzes und viele andere'Dinge. Volhswlrtsdia» und Sozialpolitik Wohin geht unser Textilexport? Der Wert der tschechoslowakischen Textilausfuhr im ersten Halbjahr 1935 betrug KC 933,400.000.—. Gegenüber dem Vorjahre ist | das eine Steigerung um 54,537.000 Kronen oder 6.2 Prozent. Von dem gesamten Textilex- I Port entfielen auf: Rohstoffe...... K£ 33, 345.000.— Garne K£ 244, 930.000— Fertigwaren....» KC 653, 959.000.— 1935 3.4% 26,2% 70.1% 1934 4.8% 29.1% 66.4% k» hat demnach die Ausfuhr von Rohstoffen und Garnen ab-, die von Fertigwaren zugenommen. In der Richtung, die der tschechoslowakische Textilexport im ersten Halbjahr 1985 genommen hat, ist eine Veränderung eingetreten. Die Ausfuhr in die Nachfolgestaaten hat im ganzen um rund 8 Millionen Kronen zugenommen. Diese Steigerung konnte erreicht werden, obwohl die Textilausfuhr nach Oesterreich um über elf Millionen Kronen, und auch die nach Rumänien und Ungarn, allerdings um wesentlich geringere Summen, zurückgegangen ist. Südslawien nahm in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für beinahe 10 Millionen Kronen mehr Textilwaren auf als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Nach Polen konnte im selben Zeitraum unser Textilexport um mehr als 6 Millionen Kronen, da» sind 51 Prozent, vermehrt werden. Die Ausfuhr von Tex- tilien nach den Bereinigten Staaten konnte um 52 Millionen Kronen erhöht werden, und die nach Großbritannien um 10,300.000 Kronen. Dagegen hat Deutschland um fast 50 Millionen Kronen weniger Textilien abgenommen als im Vorjahre. Es betrug die Ausfuhr nach: 1. Halbjahr .Kronen Oesterreich 148,171.000 Vereinigte Staaten v. N.,, 133,252.000 Deutschland...... 113,964.000 Jugoslawien■««•■■ 70,495.000 Rumänien 58,108.000 Großbritannien«•••■ 54,741.000 Polest...... 17,921.000 Ungarn...■•■■ 4,341.000 U«brige» Ausland..., 337,403.000 Hatte der Textilaußenhandel im ersten Halbjahr 1934 einen Einfuhrüberschuß von 138,700.000 Kronen ergeben, so brachte er der 1935 1. Halbjahr 1984 in% Kronen in% 15.3 154,251.000 17.6 14.3 81,247.000 9.2 12.2 163,843.000 18.6 7.6 60,685.000 6.9 6.2 59,704.000 6.8 5.9 44,431.000 5.1 1.9 11,864.000 1.4 0.5 4,655.000 0.5 36.2 298.735.000 84.0 Tschechoslowakei im ersten Halbjahr 1935 einen Ausfuhrüberschuß von 182,476.000 Kronen. »Valutastreik" in Dänemark (CNF.) Da» politische Leben Dänemarks steht gegenwärtig unter dem Zeichen des von der „Landbrugernes Samenslütning" CSS.,„Bereinigung der Landwirte", proklamierten„B a- lutastreik»"...- Die L. S. ist eine ausgesprochen agrarkapitalistische Organisation, die, wenn sie auch den Anspruch erhebt, die Interessenvertreterin der gesamten dänischen Landwirtschaft zu sein, doch nur die organisatorische Zusammenfassung der Teile der dänischen Bauernschaft ist, welche al» Milch-, Butter« und Schinkenexporteure wirtschaftliche Unternehmungen geschaffen haben, die der Form nach genossenschaftlich, inhaltlich aber genau so kapitalistisch sind wie eine industrielle Aktiengesellschaft. Es kann gewiß nicht bestritten werden, daß die von der Ausfuhr der Viehzuchtprodukte abhängigen Großbauern heute in einer weniger günstigen Lage-jind-als^ früher- Ihr. gesamter. Export ging nach England, dessen im Zeichen der „Empire"-Politik stehenden Absperrungsmaßnahmen die dänische Ausfuhr empfindlich getroffen haben. Der Versuch der L. S. jedoch, dies« Schwierigkeiten ohne Rücksicht auf die Interessen der übrigen Bevölkerung zu lösen, und die ziemlich unverhüllt fascistischen Tendenzen der L. S.-Füh« rer haben dieser Bewegung alle Sympathien genommen, so daß die unnachgiebige Haltung der sozialdemokratisch-radikalen Regierung Stau« n ing die.Billigung der-überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung findet. Auch der Klein- hauernverband, der zahlenmäßig bedeutend stärker ist als die L. S., hat sich mit aller Entschiedenheit gegen deren egoistische Politik gewendet und. der Regierung seine volle Unterstützung zugesagt. Worin besteht nun das Wesen des„V a l u», t a st r e i k e s"?., Seit zwei Jahren ist der gesamte dänische Devisenherkehr im sogenannten„Valuiakontor" zentralisiert, einer Amtsstelle, deren Aufgabe es ist. die aus dem Export hereinkommenden Devisen zu sammeln und so zu verwenden, daß die Jmportbedürf nisse de» rohstoffarmen Landes befriedigt werden können. Der entscheidende Teil dieser Devisen wird durch den Export von Viehzuchtprodukten gestellt, wobei die englischen Kunden ihre Verbindlichkeiten stets so- f o r t, d. h. binnen acht bis zehn Tagen beglichen. Um die Regierung zu zwingen, den Forderungen der L. S.«Führer nach einer Inflation ent- gegenzukommen— durch die der Export zeitweise etwas gehoben werden könnte— wollen die der L. S. angeschlossenen Bauern ihre englischen Guthaben absichtlich während drei Monaten in England stehen lassen, wodurch die Versorgung Dänemarks mit Devisen gedrosselt werden würde. Der Ausfall an Devisen würde während dieser drei Monate 200 Millionen dänische Kronen betragen, während der Goldschatz der dänischen National- bank yur 133 Millionen beträgt, den Mangel an Devisen also nicht zu ersetzen vermöchte. Daß damit auch dieRohstoffversorqungder Industrie gefährdet und die Gefahr eines enormen Anwachsens der Arbeitslosigkeit gegeben ist, leuchtet ohne weiteres ein. Aber es paßt in das Charakterbild der fascistischen Groft- bauernpolitik, daß sie sich auch dadurch nicht beirren läßt. Er steht aber auch fest, daß die L. S. den Boden übersvannt hat und die öffentliche Meinung sich nicht gegen die Regierung Stauning, sondern gegen die gewissenlose Politik des Agrarkapitals richtet. Gestützt auf diesen Druck der Oeffentlich- kcit hofft dieRcgierunq, die alles ihrmögliche getan hat, um die Krise der agrarischen Exportindustrie zu mildern, dm Anschlag der Großagrarier, deren Mentalität ruhig mit der der ostelbischen Junker Verglischen werden darf, abschlagen und die Gefahr einer Zerrüttung der gesamten Wirtschaft bannen zu können. Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit BlHien-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kö 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei ollen Kol’'