Samstag, 31. August 1935 Nr. 203 15. Jahrgang EJnzefails 70 Haifa (•imcMi.filich 5 Hell.r Port») 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAK1SCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii..fochova a. TELEFON»77. HERAUSGEHR« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS. PRAG, Vor der Demission der bulgarischen Regierung Sofia. Da in der gegenwärtigen Regie» rung keine einheitliche Anfchaunng über dir künftige„parlamentarische" Einrichtung herrscht» rechnet man mit einer eventuellen Demission k>ej Kabinetts T o s ch e w und mit der Bildung eines neuen Kabinetts. Als eventuelle llhefs dieser neuen wiederum übergangsmäßigen Regierung werden insbesondere Außenminister Rjsosejwanow, der gewesene Londoner Ge- knndte Hadschiminew und der Direktor der staat- kichm Landwirtegenoffenschaftsbank Radi Wasi» ikw genannt. Es wird behauptet, daß die H o s- kr r i s e darauf drängen, daß di« alte auf-' »ehobene Verfassung in ihren Brundzügen wiederhergestellt werde Kleine Entente geschlossen gegen Habsburg Volle Einigkeit In der AuBenpolltik— Ernste Besorgnisse um den Frieden Eventuell neuerliche Beratung während der Völkerbundsitzung Bled. Dir Konferenz der Kleinen Entente» die bei der gegenwärtigen gespannten außenpolitischen Lage Europas von besonderer Bedeutung war» wurde gestern beendet. Ihr wichtigsten Ergebnisse lassen sich zusammenfassen in die Feststellung der absoluten Einstimmigkeit in außen- poltischen Fragen» in der geschlossenen Ablehnung jedes Versuches einer Habsburgerrestauration» die ausdrücklich als„nicht innere Angelegenheit der betreffenden Staaten" bezeichnet wurde und di« ernste Besorgnis um die Erhaltung des europäischen Friedens. In dem offiziellen Schlußkommunique, das der jugoslawische Ministerpräsident Stojadinovii gestern abends verlas» heißt es: ir mit der sich Überschreitung bestraft und sodann entlassen, so dass sie gestern mittag wieder nach Deutschland abreisen konnten. Schiedsrichter der Hitler-Manöver verirrt sich In die CSR Hitler rüstet in der entmilitarisierten Zone Trier. Trotz der Zusicherung, dass die entmilitarisierte Zone respektiert werden falle, wird in. dem Viereck Gemünd-Wollseifen-Ruhrberg- Heimbach in der Eifel, das die Urft-Talsperre umschliesst, an riesigen militärischen Anlagen gearbeitet, die man bisher als„Schulungslager" der NSBO getarnt hatte. Dazu gehören u. a. Mannschaftsunterkünfte, unterirdische Anlagen, ein Flugplatz und ein Beobachtungsturm, der, obwohl auf einem der höchsten Punkte der Eifel angelegt, doch versteckt gehalten ist und von dem aus man bis tief nach Belgien sehen kann.| Prag. Donnerstag um 5 Uhr nachmittags wurde in Weidenau von der Finanzwache ein mit einem Offizier und zwei Soldaten besetztes reich s deut sches Automobil angehalten. An den genannten Personen wurden Hauptmann Rudolf Freiherr, zugeteilt dem Artilleriestab in Oppeln, Korporal Paul Schäffer und Gefreiter Herbert Schönwetter sichergestellt. Der Hauptmann gab an, dass er au den Manövern der reichsdeutschen Armee in dem benachbarten deutschen Gebiet teilgenommen habe und dass er als Schiedsrichter tätig war und bei Ausübung seiner Funktion sich den Weg abkürzen wollte. Aus Unkenntnis des Terrains kam er jedoch auf unser Gebiet hinüber. Alle wurden von der Bezirksbehörde wegen■ unberechtigter Grenz- 'schangkaischek gefangen? . Shanghai. Hier riefen aus japanischer Quelle Abreitete Gerüchte grosse Erregung hervor, dass MtsHall Tschangkaischek von den Kommunisten Fkangen worden sei. Anderen Gerüchten zufolge rW Tschangkaischek von aufrührerischen Osfizic- M in Tschent gefangengesetzt worden sein. » Diese Gerüchte wurden offiziell dementiert. Öffentlichkeit würde mitgeteilt, dass Marell Tschangkaischek gerade an OffizierSberatun- M in Womelutfchan tcilnchme. Verteilung von Flugblättern fünf Jahre Kerker! i, Wien. Tas hiesige Schwurgericht verurteilte £it 22jährigen Handelsangestellten C- o... Schneider zu fünf Jahren schweren Ker- tyesendeflzlt in Polen ; Warschau. Angesichts des Fehlbetrages, der den ersten vier Monaten des laufenden Rech- !^tigsjahrcs bereits 100 Millionen Zloty über- Erittcn hat, sollen die staatlichen Ausgaben verändert werden. Denn eine Einnahmenvermeh- M wird übereinstimmend als unmöglich be- ?ichnet. Angesichts dieser Lage werden die Aus- Men für die Beschaffung staatlicher Mittel zu ^destierungszweckcn und zur Ankurbelung der Ortschaft weiter verringert. brennergrenze bleibt besetzt Paris. Dem Sonderberichterstatter des„Cx- Wor" bei den italienischen Manövern, General Steffel, sagte Mussolini, er habe Vertrauen in die Schlagkraft der italienischen Truppen. Er sei der »nsicht, dass man seine Macht zeigen müsse, um ^icht gezwungen zu sein, sie anzuwenden. Anläss- lich der grossen Parade am Freitag, so betonte Mussolini weiter, würden etwa hunderttausend Aann aufmarschieren. Alle diese Truppen wür- inderNähe der Grenze bleiben. die inneren der Staaten, welche ihn unterzeichnen werden, sowie die territoriale Integrität«nd die politische Unabhängigkeit jedes dieser Staaten sicherstrllen soll, bildet weiterhin den Gegenstand einer sehr eingehenden Prüfung. 4. Was die sogenannte Frage der Gleich- Eugen b e r e ch t i g u n g in Angelegenheit d e r R ü st u n g e n, die in einem bestimmten Augenblick im Zusammenhang mit der Frage des Donaupaktes anfgetaucht ist, beharren die Regierungen der Staaten der Kleinen Entente anf ihrer übrigens auch von den drei Westgroßmächten England, Frankreich«nd Italien gebilligten Ansicht» derznfolge diese Frage nur dann geregelt werden kann, wenn auf eine entsprechende E r- höhn«gihrer eigenen Sicherheit Bedacht genommen wird. Diese Erhöhung ' Bei den in Bled am 29. und 30. August 1935 unter dem Vorsitze des jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. Stojadinovic«-gehaltenen Beratungen des ständigen Rates der Kleinen Entente beschlossen die Außenminister Rumäniens, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens, nach einer detaillierten Prüfung der allgemeinen Lage und nach einem Mrinungsaustgusch folgenden gemeinsamen Standpunkt: 1. Mit Rücksicht auf die Gefahren des gegenwärtigen Augenblickes«nd auf die Möglichkeit evrntuellrrKonflikte in naherZukunft bekräftigen die drei Minister von neuem«nd feierlich absolut««nd vollständige Einheitlichkeit ihrer Ansichten und ihre Solidarität in allen außenpolitischen Fragen. 2. Die Staaten der Kleinen Entente sind dem Frieden tief ergeben«nd stellen ihre ganze Macht«nd alle ihre Bemühungen in den Dienst des Friedens. Als dir einzige Methode«nd das einzige Instrument dieser ihrer Politik betrachten sie weiterhin die Institutionen des B ö l k e r- b« n d e s, dem sie treu bleiben, mag in Zukunft was immer geschehen., 3. Die Regierungen der drei Staaten sind überzeugt» daß die Schwierigkeiten der heutigen Situation biS zu einem hohen Maße verringert werden können und daß d«r allgemeine Friede, besonders in Europa» erhalten«nd gefestigt werden kann, wenn alle Bemühungen betreffen den Abschluß eines Ost- und DonaupaktrS so schnell als möglich und erfolgreich beendet werden. Der Gedanke des D o n a u P a k t e s, der gegenseitige Respektierung des politischen Regimes Heue Judenhatz in Berlin Berlin. In der letzten Woche wurden vor ^üem die östlichen und südöstlichen Vororte Ber- »Ms, wie Köpenick, Friedrichshagcn, Rahnsdorf, ^llhelmshagen, Erkner, Kalkberge-Rüdersdors W Rollkommandos der SA heimgesucht, die Mgd auf Juden machten., Am„aktivsten" ist "abei die Käpenicker SA, die sich schon 1933 durch Bluttaten bei der Ermordung des Reichsban- Wührers Stellin sich einen traurigen Namen tkMacht hat. Dabei wurde am Mügelsee ein Gruppenführer der SA, Sohn eines Berliner Industriellen, der wegen seines Aussehens für einen ^uden gehalten wurde, niedergeschlagen. Beeren- ixmmler fanden ihn bewusstlos auf. Seine Be- iteiterin wurde wegen„Raffenschande" inhaftiert «Nd ihre Proteste mit Hohnlachen beantwortet. M Kalkberge wurde eine jüdische Aerztin, die Eissem misshandelten, aus einer Kopfwunde blu- iknden Juden erste Hilfe geleistet hatte, schwer verletzt. I 7 H V I V L A QU 1 Ull| I^LU/LLIl U’*-* 7ts, weil er am Jahrestage der Feberunruhen Eisenstadt und anderen Städten des Burgen- Nndcs sozialistische Flugblätter verteilt hatte. der Sicherheit ist nichts anders als auf eine konkrete«nd wirksame Art denkbar. 5. Mit Rücksicht auf verschiedene in Zusammenhang mit der Familie Habsburg verbreitete Nachrichten, erechten es die Regierungen der drei Staaten der Kleinen Entente für not- weudig, definitiv ihren unabänderlichen Standpunkt in Angelegenheit der ehemaligen Dynastie der Orsterreichisch-Ungarischen Monarchie darzulegen: Der bekannte Standpunkt der Regierungen unserer drei Staaten zur Habsburgerfragt, der in den verflossenen Jahren mehrmals entweder gemeinsam oder individuell kundgegeben' wurde, hat feine Aenderung erfahre««nd . wird auch lei irr Aeuderungen erfahren. Die drei Staaten der Kleinen Entente können die Habsburgerrestauration nicht für eine innere Frage ansehen, weil sie ihre Lebensintereffen und den europäischen Frieden tangiert. Jedweder Versuch einer Restauration der Habsburger bedroht ihre Lebensinteressen, ihren nationalen Besitz, ihre territoriale Integrität und ihre innerpolitische Ordnung. Im Hinblick auf das überzeugte Bewußtsein der gesamten Bevölkerung der Staaten der Kleinen Entente würde eine Restaurierung der Habsburger imstande sein, alle Aussichten auf eine Zusammenarbeit und eine künftige Freundschaft unter den Rationen, die ehedem einen Bestandteil der Habsburger-Monarchie bildeten, vollständig zu zerstören. Deshalb sind«nd bleiben sie absolute Gegner dieser Restaurierung und aller Maßnahmen, die sie vorbereiten würden und stellen sich allen ihren Kräften gegen sie. 6. Schließlich Prüfte der Ständige Rat Kleine« Entente eingehend alle Fragen, die auf der Tagesordnung des Rates«nd der Boll Versammlung des Völkerbundes befinden. Er beschloß, die Entwicklung dieser Fragen sehr sorgfältig zu verfolgen«nd während der Genfer Tagung, wann immer dies die Situation erfordern wird, zusammenzutreten. 7. Mit Rücksicht a«f die allgemeine politische Situation beschloß der Ständige Rat, daß die drei Außenminister in den nächsten Wochen und Monaten in engerer und dauernderer persönlicher Verbindung bleibe« werden. * Bled. 30. August. Minister Dr. Benes mit Gemahlin ist samt den Mitgliedern der Delegation in der üacht auf Samstag von Bled abgereist. Vor schweren Aufgaben Die Mittwoch-Beratungen unseres Parteivorstandes und seine Beschlüsse spiegelten den Ernst der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wider, die in den sudetendeutschen Gebieten den Einzug eines neuen Krisenwinters begleiten. Die Lage unserer Wirtschaft und eines grossen Teiles der arbeitenden Bevölkerung ist wahrhaft tragisch zu nennen. Unfassbar ist der Absturz dieser fleißigen, rechtschaffenen und lebensfrohen Menschen in die Tiefen eines Krisen«otstandes, wie er in Friedenszeiten noch nie aufgetreten ist. Die Zukunstsaussichten sind trübe. Kein anderer Wirtschaftsbereich ist so wie der sudetendeutsche dermassen auf die Wiedergesundung der europäischen und der Weltwirtschaft angewiesen. Keine Regierungsform und keine wie immer zusammengesetzte Führung dieses Staates könnte unter den obwaltenden Umständen für die verlorenen Auslandsmärkte unvermittelt neue herbeizäubern. Wir stehen erst am Anfänge eines schwierigen und schmerzlichen Prozesses wirtschaftlicher Umorientierung, von dessen Gelingen Existenz und Zukunst unserer überschüssigen Menschenmaffen abhängt. Jede ernste Politik muss von den Tatsachen ausgehen. Neben den volkswirtschaftlichen Tatbeständen gibt es aber wicht minder unerfreuliche soziale Erscheinungen, die nicht übersehen werden können. Wir stehen vor einer zunehmenden Verelendung der Arbeitslosen und vor der Gewißheit, daß auch öffentliche Investitionen ihre beängstigend hohe Zähl nur teilweise zu mindern vermögen. Wir stehen vor Teuerungserscheinungen, die zwar zum geringsten Teil auf die Wirt- sbaftspolitik des Staates'zurückgehen: die aber mit schmerzlichen Peitschenschlägen eine schlecht verdienende oder auf Unterstützung angewiesene Konsumentenschast treffen. Teilweise machen sich in den schon mehrfach an dieser Stelle registrierten Preissteigerungen die ersten Anzeichen der von Mussolini herausbeschworenen Kriegs- t e u e r u n g bemerkbar, teils die Folgen dieses regenarmen Sommers und teils auch— soweit die Brot- und Mehlpreise in Frage kommen— die Wirkungen der starren Preispolitik der Agrarier. In wochenlangen beispiellos zäh geführten Verhandlungen um die diesjährigen Getreidepreise haben die sozialistischen Vertreter unzähligemale auf eine fundamentale volkswirtschaftliche Wahrheit hingewiesen: Die Konsumenten könnem nicht mehr Geld ausgeben als sie haben. Diesen Satz werden die agrarischen Parteien auch bei der Stellungnahme zu den Forderungen beachten müssen, welche nacheinander die beiden sozialdemokratischen Parteien ausgestellt haben. Die Begründung dafür liegt in den Verhältnissen selbst. Hunderttaufende von Familien können einfach die Preise für Fleisch und Fett, wie sie heute verlangt werden, nicht mehr erschwingen. Ja dreiviertel Millionen Arbeitsloser mit ihren Angehörigen kennen Fleisch und Wurst, Butter und Schweinefett als tägliches Nahrungsmittel nicht mehr. Sollten für diese weiten Kreise der Bevölkerung in Hinkunft auch Kartoffeln und Margarine ein unerreichbarer Luxusartikel werden, dann sind die sozialen Folgen dieses Zustandes nicht auszudenken. Es kann einfach nicht im Interesse der Landwirtschaft liegen, einen so g r o- ssen Sektor ihrer früheren und künftigen Abnehmer dem Hungertode auszuliefern. Mit vollem Recht weisen die um die Beseitigung oder zumindest um die vernünftige Aenderung des Margarine-Kontingents kämpfenden Konsumgenossenschaften darauf hin, dass es genug Kleinbauernfamilien gibt, die Butter verkaufen und für den eigenen Bedarf Margarine einkaufen. Ein solcher unnatürlicher Zustand kann doch ohne schwerste Schäden für die Gesamtheit nicht verewigt werden. Und schliesslich-kann kein verantwortungsbewusster Politiker an dem bisherigen, aus dem Ueberfluß der früheren Jahre geborenen Mischzwang von Kartoffelspiritus und Benzin festhalten, wenn die Kartoffelversorgung gerade der ärmsten Konsumentenschichten durch eine Minderernte gefährdet ist. Die Beschlüsse der sozialdemokratischen Parteien in der Teuerungsfrage sind keineswegs aus Lizitation eingestellt. Sie sprechen nur die nächsten und minimalsten Bedürfnisse der verelendeten Konsumentenschichten aus. Alle RegierungS- Seite 2 Tomstag, 31. August 1935 Nr. 203 faktoren mögen wissen, daß sich die Behandlung und Erfüllung dieser Forderungen nicht auf die lange Bank schieben lägt. Gleiches gilt für-bi« in der Regierungserklärung gegebene Zusage, daß im kommenden Winter für die am schwersten heimgesuchten Notstandsgebiete besondere Hilfsaktionen durchgeführt werden sollen. Wir wissen, daß Fürsovgeminister N e L a s, genau so wie seine Borgänger von ehrlicher Hilfsbereitschaft und von bestem Willen erfüllt ist. An der Unterstützung seiner Bestrebungen durch die sozialistischen Parteien'wird«S nicht mangeln. Worauf eS diesmal wieder ankommen wird, das ist das BerantwortunySbewußtsein der bürgerlichen Koalitionspartner für eine weitere ruhige Entwicklung des Staates. Man muß an» gesichts ihrer bisherigen Haltung offen fragen: sehen all« verantwortlichen R e g i e r n n g s f a k t o r e n d e n vol» l e n E r st d e r B e r h ä l t n i s s e in den Krisenherd en'und besonders in den Jndustriefriedhö» fenander Grenze odernicht? Es wäre höchste Zeft, daß die außerordentlichen sozialen Aufgaben, die dort gestellt sind, wo die Gemeittden längst ausgeblutet und die seit Jahren arbeitslosen Menschen aller Reserven, auch der seelischen, entblößt dastehen, nicht mehr durch getrübte Parteibrillen, sondern mit dem Blick für das Wichste Staatsinteresse gesehen und gelöst werden. Wir deutschen Sozialdemokraten haben in sechsjähriger schwerer Mitverantwortung in der Regierung den vielfachen Beweis geliefert, daß wir es verschmähen, die entsetzliche Not in den sudetendeutschen Gebieten zu politischen AgitationSzwecken auszuschraten. Dafür sollen die Worte der Mahnung und der Warnung, die wir an-der Schwelle dieses neuen Kn» senwintcrs aussprechen auch rechtzeitig gehört werden. Ein besonnenes Wort ist in diesem Zusammenhänge auch an unsere Parteiöffentlichkeit zu richten. Der Parteivorstcmd war sich in seinen Beschlüssen— auch soweit sie die kommunistischen Einheitsangebote behandelten— in vollem Umfange der schweren Lage unserer Arbeiterschaft bewußt. Die Berufung von Betriebsarbeitern in die höchsten Parleikorperschastchr hat noch eine Sicherheit mehr geschaffen, daß sich alle Segnungen der Massenseele getreu in» ihren Berhand- lungen abspiegeln. Gerade diese Betriebsarbei- ter haben in der Mittwoch-Sitzung.des Parteivorstandes bewiesen, daß sie den beamteten und parlamentarischen Funktionären der Partei an tiefem Verantwortungsgefühl für die Zukunft der isudetendeukschen Arbeiterbewegung nicht nachstehen. Es gab nur eine Ueberzeugung: wir können und dürfen mit dies er herrlich en Partei, di« auch die schwersten Stürmeunerschüt-- kert üb e^r"st'a'n"d en Hirst," ü'st'ch t basardieren. In Deutschland ist di« Sozialdemokratie, einer Massenstimmung folgend, wegen untergeordneter Streitfragen aus der Reichsregierung gegangen. Unermeßliches Unglück ist seither Wer tsie Arbeiterklasse und alle werktätigen Vollsschichten des Nachbarreiches hereingebrocheN. Millionen deutscher, auch kommunistischer Proletarier würden heute ein Regime, wie daS Hermann Müllers, mit den Fingernägeln tief aus der Erde graben. Deshalb können auch wir die Realität eines noch so unbefriedigende« Einflusses in der Regierung nicht für daS Trugbild gemeinsamer Kundgebungen mit den Kommunisten eintauschen. Wir können du Linie unserer Politik der Verteidigung, der demokratischen Freiheiten am wenigsten in dein Augenblicke verlassen, da sievon der Tribüne des Moskauer Weltkongresses aus allen kommunistischen Parteien zur Nachahmung empfohlen wurde. Politik zur Rettung der Demokratie kann aber nicht nur mit agitatorischen Künsten betrieben werden. Sie erfordert vor allem vpn ihren Trägern die Fähigkeft zur Verantwortung. Solange diese bei der kommunistischen Führung nicht vorhanden ist, muß dieses Minus der sozialistc- schen Politik durch gesteigertes VerantwortungS-, bewußt sein jedes Sozialdemokraten- für. das Schicksal der Gesamtarbeiterklasse ausgewogen werden. Mit eiserner Geschlossenheit und gestützt auf die Solidarität der tschechischen Dru« derpartei wollen wir den kom- wenden schweren Aufgaben« nt• gegengehn und si« durch unsere Unbezwinglichkeit bez w i n g e n. täre Regime" geschaffen hat, eines eisernen Charakters für den Arbeiter, um zu widerstehen, wenn der Gegner mit dem Versprechen auf Arbeit lockt oder gar ein paar Schillinge dem Verräter Winken. Viele, wunderbar viele halten stand und bleiben treu, und aus ihren ausgemergelten Gesichtern leuchtet fanatisch ein brennendes Feuer: „Rache" und^Kampf um.die Freiheit!" Zurück aus Berlin Eindrücke eines Engländers vom Strafrechtskongreß Wir haben gestern berichtet,' wie die schwedW Genossin.Branting bei ihrer Heimkehr vom Berliner Juristenkongreß ihre Erfahrungen geäußert hat. Heute siegt ein-^Interview des ai l ytze« rald" mit dem Londoner Rechtsanwalt G. H. G. Bing vor. der gleichfalls an diesem Kongreß teil« genommen hat. Immer wieder, so sagt der Engländer, wurde» wir pon.den deutschen Justizbehörden aufgefordert, uns doch von der totalen Unrichtigkeitaus- ländischer Presseber i ch t e über'dideutschen'Rechtszustände' zu- überzeugen. Endlich wurde uns das Moabiter Gefängnis geöffnet.(& ist das Untersuchungsgefängnis, wohlgemerkt, weder das Columbiahaus der Gestapo, noch«in Konzentrationslager, noch«ine Strafanstalt. Die Red.) Dort aber bekamen wir trotz aller Bitten nicht die Akten zu scheu, um uns ein Bild machen zu können, warum die Leute sitzen. Es wurden alle unsere Ersuchen, mit den Gefangenen oder selbst ihre« Wächtern reden zu können, abgelehnt. Die Besichtigung ging in raschem Tempo, Immerhin habe ich deutlich genug geschen, daß die Gefangenen un- glücklich, ängstlich und e rs ch r e di aussahcn. Den uns als Thälmann bezeichnete« Gefangenen,, der allein unter Bewachung in einem Hof turnte, haben wir nur einen Augenblick vo« 'einem Stockwerkfenster aus sehen können. Sprechen durften wir nichtm i t i h m. So kann ich nur sagen: Ich war als bevorrechteter ausländischer Gast und Kongreffist in Deutschland— aber ich habe mir kein Bild auf Grund eigener Erkundigung von der Lage der Gefangenen und von der Rechtmäßigkeit ihrer Haft mache« können p darum kann ich auch den Wunsch des Reicht- justizministers, den Darstellungen der Auslandspresse entgegenzutreten, nicht erfüllen. Als auf dem Kongreß vorgeschlagen wurde, de« nächsten in.fünf Jahren in R o m abzuhalten,, erklärten sich die Engländer, Amerikaner und andere Ausländer dagegen, und zwar mit der Begründung, der 8«tabstand sei zu groß, um jetzt schon den Ort des nächsten Kongresses zu bestimmen. Dar war natürlich wieder so eine international« Höflichkeit, die man sogar einer derartigen Gesellschaft schuldig zu sein glaubte.,.......... Abg. Didor verurteilt. Dor einem Pressesenat des Kreisgerichtes in Bratisiava hatte sich gestern der Abgeordnete der slowakischen Bolkspartei Karl Sidor als verantwortlicher Redakteur des.„Slo- Vak" wegen der nach der Pribina-Feier in Neutra erschienenen Artikel zu verantworten. Sidor würde wegen Störung des allgemeinen Friedeng und Aufreizung zum Haß gegen eine, andere Nation schuldig erkannt und zu drei Wochen Siääts- gefängnis verurteilt. Staatsanwalt und Angc- llagter erbaten sich eine dreitägige Bedenkzeit. Der Verhandlung wohnten unter Führung Hlin« kaS fast alle Senatoren und Abgeordneten der Partei bei. Schuschniggs Arbeiter schlafen auf nacktem Stroh Fahrt durch das vernichtete Industriegebiet von Wiener-Neustadt Ein österreichischer Genosse, der im Ausland lebt und eben von einer Urlaubsreise in seine frühere Heimelt zurückgekehrt ist, stellt uns diesen Bericht zur Verfügung, der mit erschütternder Klarheit das vielgerühmte„Aufbauwerk" des-österreichischen FasciSmuS schildert. Eine Urlaubsreise nach Oesterreich! Man freut sich, nach Jahren wieder einmal daS herrliche Land mit seinen Bergen und Seen zu sehen. Freudig erwartet man die Ankunft des Zuges in Wien, wie in di« alte Heimat will man einziehen und die Brüder von damals begrüßen. Da stehen sie und warten, die treuen Genossen, die uns eingeladen haben. Doch ernst sind ihre Gesichter und nur ein mattes Lächeln der Wiedersehensfteude spiegelt sich schüchtern darauf. Ein still geflüster- tes„Freundschaft"! begrüßt uns und unsere Augen weiten sich und sehen mit Staunen das „neue" Wien, das gleichsam erstarrt und ausgestorben uns ernst entgegenblickt. Wir wenden uns den Bergen entgegen, hinaus aus dieser sttllgewordenen Weltstadt und fahren mit der Südbahn auf den Semmering. Doch das Schweigen begleitet uns. Stumm ragen die Fabriksschlote in die Lust, kein einzig«! sendet Rauch aus und die dazu gehörigen Fabriken find dem Verfall geweiht. Da ragt der Rosenhügel- Sender in di« Lust, der täglich der Welt verkündet, wie die Wirtschaft aufwärts geht und die Arbeitslosigkeit abnimmt. Die Wienerberger Ziegelwerke liegen umheimlich still und ruhig da, kein Arbeiter ist dort beschäftigt. Jeden Sonntag konnte früher Bürgermeister Seitz einen neuen Gemeindebau dem Gebrauch übergeben. Da war noch Arbest und Leben hier. Jetzt stehen die jungen Burschen un» tättg herum oder sie spielen Karten oder„an- mäuerln", oder„Kopf und Adler" in der Sonne. Magere,-schlecht gekleidete Gestalten sind es. Sind doch am' 1. Full durch das neue SMawersiche- rungS-Gesetz alle Burschen bis 25 Jahre ausgesteuert worden. Da mußte ja die Arbeitslosenziffer heruntergehen! Doch dort im Industrie-Zentrum, wie sieht es da aus? LeoberSdorf, die alle Maschinen-Fabrik ist fast gänzlich stillgelegt, mit ihr die Böhler Werke. Nur Hirtenberg arbeitet und liefert Munition für Italien. Blumau, Felixdorf, alles ohne Leben. Und Wiener-Neustadt!' Die älteste Lokomotiv-Fabrik Oesterreichs erzeugte dort ftüher für das In, und Ausland gesuchte Fabrikate, die Daimler-Werke beschäfttgten 2 bis 3000 Arbeiter, die Flugzeugfcchrik, die Radiato- ren- Fabrik waren vollbeschäftigt und gar erst Wöllersdorf war ein« Stadt für sich mit 10.000 Arbeitern, auch Tschechen und Slowaken und Rumänen. Wohin ist das alles gekommen? Wir besuchen die Lokomotiv-Fabrik. Da gehen ja Arbeiter hinein? Ja sie montieren die Maschinen ab, die ein Interessent billig erworben ins Ausland befördert. Die Daimler-Werke, erst mit der Flugzeug-Fabrik verbunden, wurden nun nach Steyr verlegt. Eine kleine Anzahl Arbeiter konnte dort eingestellt werden, die anderen blieben zurück— arbeitslos. Von hier sind die stolzen Kämpfer des Jän- ner-Streikes im Jahre 1818 ausgezogen, um dem Morden ein Ende zu machen, sie demonstrierten für den Abbruch des Krieges, sie verlangten mehr Brot für ihre hungernden Kinder. Damals wurden sie von bosnischem Militär wieder zurückgejagt in die Munitions-Werkstätten, aber im No- vomber 1918 haben sie doch gesiegt und in Wiener-Neustadt eine Hochburg des Sozialismus errichtet. Siegreich hat sie jahrelang dem Angriff des Fascismus stand gehalten. Zehntausende jubelnde Schutzbündler und Arbeiter aus dem Industriegebiet haben am 7. Oktober 1928 dem Heimwehraufmarsch zum Trotz fteudig ihr Bekenntnis zum Sozialismus abgelegt. Jetzt kämpfen sie den zermürbenden Kampf gegen die täglich wachsende Not, gegen den Hunger, die steigende Arbeitslosig- keit. Jeden Tag zu wenig zu essen. Bon einer Kürzung zur andern immer knapper einteilen. Zum Schluß langt es kaum noch auf Brot und schwarzen Kaffee. Aller Hausrat ist schon versetzt, zuletzt auch noch die Betten. Sie schlafen auf Stroh. Nicht mehr einzelne Familien, sondern viele hunderte in elenden Holzbaracken. Wenn sie eine alte Decke geschenkt bekommen, ist daS ein köstlicher Schatz, bis er auch ins Leihhaus wandert. Die Versatzscheine können nie ausgelöst, die Miete nicht bezahlt werden. Wenn einer noch ein Fahrrad hat, ist er ein Krösus, denn er kann noch .hr di« weiter« llmgegend fahren, um Beeren und zu brisiEM-Poch: einen Handkarren hat, wird beneidet. Er kann aus dem Walde Holz holen, um es weiter zu verkaufen und Brennmaterial für den Winter zu versorgen. Er kann den Wagen seinem Nachbar nicht borgen, weil er ihn nicht mehr ersetzen kann und seine Lebenshaltung um eine Stufe tiefer sinkt, wenn er ihn einbüßt. Im Sommer kann man auch Gemüse« und Obst-Abfälle am Markt sam- .meln und hin und wieder aus einem Garten etwas Kohl oder Salat geschenkt bekommen. Aber der Winter! Wie viele bleiben ohne warme Mahlzeit und ohne warme Stube! Trotz Sammlungen und „Winterhilfe". So stirbt der swlze Arbeiter dieses Industrie-Viertels langsam den Hungertod. Es bedarf in dieser Hungergegend, die das„autoriVILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Sie setzte sich ans Fenster und zog den Vorhang auf. Vor sich sah sie ein« Reihe grauer Häuser. Frauen, über das Gitter der Küchentreppe gebeugt, schüttelten Decken aus. Nach zehn gab es nicht mehr viel zu sehen. Ein Kater lief in einer Dachrinne hin. Wolken und Rauch verfinsterten den Himmel. Mitunter öffnete sie auch das Fenster. Aber dann blies der Wind, und sie zog den Kof wieder zurück.-Durch die Scheiben sah sie nur bekannte Bilder, die sie nicht mehr interessierten. Sie wünschte den Abend herbei mit den brennenden Lichtern und den Schattenspielen hinter den Vorhängen. Wenn sie lang« saß, befielen sie Schmerzen. Sie stand auf, ging hin und her und kehrte zu ihrem Platz zurück. Es war die einzige Stelle, die noch etwas Abwechslung bot. Sie konnte, die Arme über der Brust gekreuzt, zum Himmel starren und sich vergessen. Der Aufschrei einer Sirene gellte. Sie warf einen Blick auf die Wanduhr: zwölf. Die Portiersfrau, der Julien den Auftrag gegeben hatte, die täglichen Besorgungen zu erledigen. mußte jeden Augenblick kommen. Sie wartete im Flur, und wenn es endlich klopfte, war sie froh, die Türe öffnen zu können. Die Mutter Virot legte ihre Pakete aus der Hand. Dann klatschte sie über die Mieter, die Mädchen, die Kaufleute des Viertels, über ihre enge Welt, von der Helene so gut wie nichts wußte. Widerwillig kochte sie sich ihr Essen. Es war ihr gleich, was man ihr brachte: diese Dinge hatten für sie keine Bedeutung. Sie hatte versprochen, viel zu essen. Wer ssie konnte das. Versprechen ebenso wenig halten wie das, eine bestimmte Medizin zu nehmen. Sie aß ein paar Bissen, tat sich Gewalt an, doch der Ekel zwang sie, das meiste unberührt zu lassen. Gelegentlich warf sie ein paar Brocken Fleisch durchs Fenster und beobachtete, wie sich die Katzen darum balgten. Zu ihrer eigenen Beruhigung sagte sie sich jeden Tag aufs neue:„Ich war ja nie eine starke Esserin, selbst als ich arbeitete." Im übrigen waren ihr die Mahlzeiten als Unterbrechung angenehm. Sie erinnerten sie an die Spielküche, die sie als Kind beglückt hatte. Nur hielt das Vergnügen nicht lange vor» und es begann ein trüber, endloser Nachmittag. In der ersten Zeit nähte sie. Mit großer Geduld hatte sie sich aus einem alten Kleid Irmas ein Abendkleid zurechtgeschneidert. Das war eine Arbest, bei der sie den Gedanken, freien Lauf lassen konnte. Trotzdem hatte sie bald genug und zog vor, zu lesen. Die Bibliothek bestand aus Bänden, die Julien gelegentlich kaufte. Die einen» weil sie dick, die anderen» weil sie reich vergoldet waren. In einer Ecke hatte sie Romane aufgestöbert, meistens Liebesromane, aber auch Kriminalgeschichten aus dem dunklen Paris. Eine triebhafte Neugier erhitzte ihr Blut wie ein plötzliches Fieber und drängte sie, die Seiten schnell umzublättern, bis sie die Stellen fand, an denen Wollust und geile Wünsche geschildert wurden. Wenn sie zu Ende gelesen hatte, fand ihre aufgepeitschte Phantasie noch lange keine Ruhe. Jetzt erst ward ihr der Sinn gewisser Worte klar, die sie von Julien und seinen Freunden aufgeschnappt oder auf der Straße gehört hatte. Bor sich sechst errötend, erinnert« sie sich, daß sie zuweilen vor irgend einer Schmiererei stehen geblieben war, die sie an einer Hauswand, auf einem Plakat entdeckt hatte, und deren schmutziger-Sinn sich ihr erst jetzt offenbarte. Ob man nun bei Achille Demante war oder in Paris: dem Laster konnte man nicht entgehen. Zuletzt mußt: sie es noch als ein Glück schätzen, allein hier oben leben zu können. Mitunter kam Julien auf einen Sprung herauf. Ueberraschte er sie auf dem Diwan, ein Buch in der Hand, rief er ihr zu:„Gut so, ruh dich nur aus." Einmal schrie er sie an, weil sie die Küche gescheuert hatte. Er wünschte, sagte er, daß sie gesund sei, wenn Irma am Monatsende nach Hause käme. „Hast du gehustet? Brav die Medizin genommen?" Sie zeigte ihm die Flasche, von der sie jeden Morgen ein paar Eßlöffel voll wegschüttete'. Er blieb nie lange. Er lief höchstens einmal durch alle Zimmer, nahm dies oder jenes mit, drückte den Hut auf den Kopf, drehte sich an der Türe um und brummte:„Ich werde also der Mutter berichten, daß es vorwärts geht. Das wir- sie freuen. Du kennst sie ja. Sorgen kann sie nicht brauchen." Und dann rannte er die Treppe hinunter und rief:„Wenn der Laden halbwegs still ist, komme ich morgen vielleicht mit Irma," Eine Weile noch hörte sie seine Schritte. Dann war wieder jene bedrückende Stille. Juliens Reden und Versprechungen gingen ihr im Kopf herum, und sie sah ihn vor sich, wie er mst dem Handrücken den Staub von einem Möbelstück wischte, mit dem Schlüsselbund Kirrte, behutsam einen Schrank aufschloß. Sollte sie nun traurig sein oder froh, daß er gegangen war? Onkel war ein Brummbär und oft nicht leicht zufriedenzustellens aber in seiner Nähe fand man wenigstens nicht die Zeit, über sich zu grübeln. Und doch: je länger sie allein war, desto deutlicher empfand sie den Abstand, der sie trennte. Jedesmal, wenn Julien kam, die Hände in den Taschen, den schwe-1 ren Leib vorgeschoben, ütfiel sie Schwäche, und sie kroch instinktiv, wie vor einer brutalen Gewalt, in sich zusammen. Gedanken drängten sich ihr auf. Ihre. Eltern weigerten sich, sie ins Hotel mitzunehmen und sie in ihre Geschäfte einzuweihen. Weshalb diese Geheimnistuerei, deren Hintergründe sie zu ahnen begann? Sie hielten sie wohl für zu jung und unerfahren? Vielleicht auch für zu dumm? Sie über« trieben auch die Schwere ihrer Krankheit. Sie hätte schon Dienste leisten können. Wer Julie" wollte nichts davon hören.„Im Montbert ist sei" Platz für ein junges Mädchen." Und Irma hatte hinzugefügt:„Ja, wenn es uns allein gehörte. Aber wir haben Mitbesitzer. Später vielleicht- Vorläufig erhole dich." Es kam eine Stunde, da ihre Glieder schwer wie Blei wurden, die Rückenschmerzen nicht mehr nachließen, und die Bewegungslosigkeit sie ermüdete. Ihr Husten, wie ein Feuer, das lange fl** schwelt hat, verbrannte ihr die Brust. Und wenn der Abend kam, überfielen stk traurige Gedanken. Eine an Verzweiflung gre"' zende Schwäche ließ sie zurückblicken in die Bec- gangenheit. Sie sah sich, gut eingemummt, im Schn^ umhertollen» Mamina rief nach ihr. Sie musst? ihr in der Küche helfen, mußte fegen, aufwische"- Sie tat es wie im Spiel. Abends saß Lagorio m" den Freunden am Feuer und würfelle. T'£_' c Zeit kam nie wieder. Und der Zukunft war nicht mehr so sicher wie nach ihrer Ankunft i" Paris. Das einzige Glück, das sie jetzt kannte, wat- zweimal wöchentlich zu den Arenoud zu gehe"- Sie wattete, bis es dunkel wurde, den" Berthe kam erst um sechs Uhr von der Arbeit zu» rück. Und dann erlebte sie das Familienglü^- von dem sie tagsüber geträumt hgtte. Erst erschien Etienne, dann Ernest. Die Hängelampe warf einen goldgelben Schein auf den Tisch- Beim Essen erzählte jeder, was er gerade wollt?- Helene hörte zu.. Sie selbst hatte ja nichts 3" sagen. Und beim Anhören der anderen fühlte st- sich in das arbeitsame Leben von einst versetzt- Etienne mit seiner Begeisterung, seiner Aufleh- nyng, seinen Plänen fesselte sie besonders. Wenn et sprach, sah er sie unverwandt an. Ihr allein schienen seine Worte zu gelten. .(Fortsetzung folgt.) Nr. 203 Gamstag, 31. August 1838 Sette 3 Henri Barbusse gestorben Moskau.(Taß.) Ter französische Schrrft- steller Henri Barbusse starb hier Freitag früh um 8 Uhr 55 an einer Lungenentzündung im Alter von 62 Jahren. Der französische Dichter, dessen plötzlicher Tod aus Moskau gemeldet wird, wurde gegen Ende des Weltkriegs weltbekannt durch sein Buch .Das Feuer", eine leidenschaftluhe Darstellung der Kriegsschrecken, die eine erschütternde Anklage im Namen der Menschlichkeit war. Mit diesem Buche hat Barbusse das erste Werk der großen Antikriegsliteratur geschaffen, die später auch in Deutschland durch Toller, Arnold Zveig, Remarque und Ludwig Renn fortgeführtt wurde. Barbusse ist bis ans Ende ein Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit geblieben, ein rastloser Ankläger gegen Unterdrückung und Völkerverhehung, gegen Reaktion und Barbarei. In seinem Werke »Äs Enchaknemcnts"(Die Kette) hat er di« Geschichte der immer neuen Versklavungen der ihrer Kraft nicht bewußten Völker darzustellen unternommen, und in zahlreichen anderen Romanen und Novellen(die zum größten Teil auch in deutschen Uebersetzungen erschienen sind) hat er das Schicksal der Unterdrückten in allen Ländern der Welt, die Leiden des Weltproletariats und der Äpfer europäischer Kolonialpolitik mit leidenschaftlicher Anteilnahme und bezwingender Be» redsamkeit erzählt. Ein Dichter wie Barbusse hat sich von Anfang an nicht auf das Gebiet der »reinen Literatur" beschränkt, er trat als Politiker vor die Oeffentlichkeit, als Organisator von Schriststellerkongressen, als Redner und als-Herausgeber der Pariser Wochenschrift»Monde", mit der er ein Organ für die fortschrittlichen uyd revolutionären-Intellektuellen aller-Nationen schaffen wollte. Insbesondere widmete sich Barbusse in den letzten Jahren der geistigen Unterstützung des Kampfes der um ihre Freiheit ringenden Kolonialvölker in Afrika und Asien, der Propaganda für die Sowjetunion und der Organisierung des äntifascistischen Kampfes. Vas Begräbnis des Genossen Dr. Lev Winter findet Sonntag, den 1. September, um 11 Uhr vormittags vom Zeremoniensaal des Prager Krematoriums statt. Gemäß dem Wunsche des Verstorbenen wird das Begräbnis in aller Einfachheit und ohne Trauerkondukt erfolgen, x Der plötzliche Tod Dr. Winters rief in Genf insbesondere in den Kreisen des Internationalen Arbeitsamtes einen tiefen Eindruck hervor. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Butler ist nach Prag abgereist, um an dem Begräbnis Dr. Lev Winters teilzunehmen. Sorgen der Chrlstllchsozlalen um uns Die»Deutsche Presse", das Hauptblatt der Christlichsozialen, macht sich Sorgen darüber, daß die deutschen Sozialdemokraten an der gemeinsamen Beratung der tschechischen Sozialdemokraten mit den Nationalsozialisten nicht teilgenom- men haben, was nach Meinung des Blattes ein Beweis dafür sei,»daß die deutschen Genossen im sozialistischen Block nicht als gleichwertige Glieder gewertet mrd betrachtet werden". Wie weit es mit dieser Behauptung der»Deutschen Presse" her ist, deren Redakteure andere Zeitungen nicht ordentlich lesen können, lehrt die von uns bereits am 23. August gebrachte Nachricht, daß am vorhergehenden Tag eine Beratung der tschechischen Sozialdemokratie im Beisein einiger Vertreter der deutschen Sozialdemokratie stattgefunden hat, in der in Bezug auf die Teuerung und Wirtschaftspolitik das entsprechende Einvernehmen erzielt wurde. Die Bettachtungen, die also die»Deutsche Presse" anstellt, sind müßig und jedes politische Kind wird wissen, daß der Einfluß der deutschen Sozialdemokratie im sozialistischen Block doch etwas größer ist als der Einfluß der Vhristlichfozialen in der klerikalen Internationale dieses Landes. Im übrigen möge sich das Blatt gesagt sein lassen, daß die Zusammenarbeit zwischen den tschechischen Genossen und den Nationalsozialisten von uns begrüßt wird, da dadurch gerade die Forderungen, die wir angesichts der Teuerung erheben und die in der gleichen Richttmg laufen wie jene der tschechischen Sozialdemokraten, an Nachdruck gewinnen. Hitler-Kopie in den Schichtwerken! Nun ist in den Schreckensteiner Schichtwerken zum Heile Hitlers und Henleins alles gut geraten. Die Betriebsausschußwahlcn brachten bekanntlich mit aller möglichen Wahlhilfe einen glorreichen Sieg der SHF. Dieser ist der nationalsozialistischen Garde im Betriebe, wie man allenthalben sieht, gewaltig in den Kopf gestiegen und die Nazi scheinen jetzt der Ueberzeugung zu sein, daß es bis zur Aufrichtung des Dritten Reiches bei uns gar nicht mehr weit sei. Am Morgen nach der Wahl begrüßten sich die Macher der Nationalsozialisten ostentativ mit»Sieg Heil". Die Schicht-Nazi betonen eben auch nach außen hin, daß sie sich mit dem Dritten Reiche eng verbunden fühlen. Einen dokumentarischen Beweis dafür lieferten die Herren nach der Konstituierung des neuen Betriebsausschusses, als der neue Betriebsausschuß im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen die neu gewählten Funktionäre des Betriebsausschusses durch Anschlag der Arbeiterschaft bekanntgeben mußte. Diese Kundmachung lautet: Verlautbarung In der am 27. d. M. stattgefundencn konstituierenden Sitzung des neu gewählten A. B.-Ausschusses wurden zu Amtswaltern ernannt: Vorsitzender Hecke Adolf(Deutsche Art. Liste) Sttllverttrter Huschner Ferd.(Sozialdemo- ttat) Schriftführer Habicht Jos.(Deutsche Arb. Listt) Stampiglie Heck« Adolf. A.«. A. Sie sieht also eine Kundmachung des Arbeiter-Betriebsausschusses der Schichtwerke im Jahre 1835 aus. Es fehlt nur noch„Heil Hitler" darunter und der sozialdemokratische Stellvertreter ausgesttichen, dann könnte man glauben, der Gau IX sei schon Wirklichkeit. Diese bezeichnende Verlautbarung hat die Tarnkappe der neuen Mehrheit im Betriebsausschuß etwas gelüftet. Die Schicht-Nazi werden sich jetzt vor Freude keinen Rat wissen. Denn der erste Erfolg ist da. Man hat jetzt keine Funktionäre mehr im Betriebsausschuß, sondern waschechte Amtswalter. Was bekümmert es diese Leute und ihre bekannten Hintermänner, daß das Betriebsausschußgesetz keine Ernennungen kennt, sondern daß alle Funktionäre ordentlich zu wählen sind. Der Verfasser und seine Hintermänner scheinen vergessen zu haben, daß sie auf Grund des demokra- tischen Betriebsausschußgesetzes, welches von den verhaßten Sozi errungen wurde, gewählt wurden. Die Herrschaften schätzen die Schichtarbeiter doch sehr niedrig ein, wenn sie glauben, daß ihre Nazikniffe nicht bemerkt werden. Aus dem Anschläge der Schicht-Nazi stechen eigentlich drei Momente hervor: 1. Die Unwissenheit. Denn es ist ein Unsinn, großsprecherisch von der Ernennung von Amtswaltern zu sprechen, wenn das Gesetz demottatische Wahlen vorschreibt. 2. Die Naivität, mit welcher man den Schichtarbeitern zu glauben zumutet, daß wirklich ein Wechsel des Systems eingetteten sei. 8. Das Raffinement, mit welchem man sein eigenes politisches Bekenntnis wegläßt, aber den verhaßten Vorsitzendenstellvertreter vor der Arbeiteröffentlichkeit und der Direttion als Sozialdemokraten dellariert. Für unseren Vorsitzendenstellvertreter Genossen H u s ch n er ist es gewiß ein Ehrentitel «Sozialdemokrat" genannt zu werden. Aber an dieser Stelle als solcher bezeichnet zu werden, gehört doch in ein anderes Gebiet. In der ganzen Aufmachung liegt eine deutliche Demonstration nach mehreren Richtungen hin. Einmal um den Begriff„deutsch" nur für sich in Anspruch zu nehmen und um andererseits nach oben und außen hin unseren Genossen Huschner zu brandmarken. Diese offensichtliche Demonstration wird den Schicht-Nazi nur das eine einbringen, daß man sie in ihrer vollen Gänze allgemein erkannt hat. Es ist besser, sie lassen ihre Tarnkappe fallen und zeigen sich offen als das was sie sind. Ihr überschäumcndes Nazigefühl bringt sie halt immer mehr zur Selbstentlarvung. Denn man kann doch nicht annehmen, daß die mit Rechtswissen so gut„beratenen" deutschen Recken so beschränkt sind, um nicht zu wissen, daß politische Parteien in den Arbeiter-Betriebsausschuß nicht kandidieren können, sondern daß nur Gewerkschaftsorganisationen im Betriebe zur Wahl Listen aufstellen dürfen. Ihre Berater werden sie wahrscheinlich mehr im„Furor Teutonicus" unterrichten, als über die Auslegung unserer demokratischen Gesetze. Jene Schichtarbeiter und nicht zuletzt Arbeiterinnen, welche ihre Interessen in die Hand dieser neuen„Beglücker" legten, sind jedenfalls zu bedauern. Die klassenbewußten Arbeiter und deren Organisationen werden sich von diesen Herrschaften und ihren Kinkerlitzchen nicht beeinflussen lassen. Der Jubel und das„Sieg Heil" der Schicht-Nazi und deren Anhänger, wie Aufseher, Meister und Betriebsleiter werden auch wieder ihr Ende finden. Der Leitung der Schichtwerke aber kann man zu so einer fabelhaften Reklame nur gratulieren. Nun waltet fröhlich, frisch und fromm darauflos, wir kommen wieder. Kriegsmaterial kür Malta London.»Daily Telegraph" berichtet: Der Berkehrsdampfer„Bellcrophon"(9000 Tonnen) ist gegenwärtig im Hafen von Portsmouth eifrig damit beschäftigt, Geschütze und sonstiges Bkaterial für die Verstärkung der Flugzeugabwehr für Malta au Bord zu nehmen. Marineinfanterie und Fußartilleriston sind mit der Verladung beschäftigt. Die beurlaubten Offiziere und Mannschaften der Flughäfen Gosport und Ler- On-Solent sind zurückberufen und alle Nrlaubs- bewilligungen aufgehoben worden. Dem Lust- fahrtskorrespondenteu des»Daily Telegraph" zufolge haben die Flugzeug-Mutterschiffe„Fu- rious" und„Eouragcous" außer ihrer normalen Ladung von Flugzeitgen(33 vzw. 48 Maschinen) noch eure große Zahl weiterer Flugzeuge verladen. Italienische Gegenmassnahmen Paris. In Besprechung der Vorbereitungen zu großen italienischen Manöver» im Mittelmeer befaßt sich„Paris Midi" des breiteren mit einer Meldung des„Matin", derzu- folge 60 italienische N-Boote den Befehl erhalten habsn, zur Abfahrt in die Gewässer südlich von Sizilien, d. i. in die Nähe der Insel M a l t a» sich beveit zu halten. Es scheint, heißt es auch in der Depesche, daß große italienische Luftstrritkräste an der sizflischen Küste konzeirtrtvrt werden. Einer Meldung ans Alexandria zufolge Haden währeird der letzten 48 Stunden Transportschiffe mit mehr als 10.000 italienischen Sol. daten den Duezkanal nach Süden durchfahren. Mussolini wäre enttäuscht, wenn er sein Ziel ohne Krieg erreichte London. Die Kommentare der britischen Presse zu dem amtlichen Kommunique über den italienischen Ministerrat in Bozen sind zum Teil sehr scharf, insbesondere, soweit über die wirtschaftlichen Maßnahmen der italienischen Regierung und über die Zwangskonversion der Ausländsanleihen gesprochen wird. Einige Blätter schreiben, daß allerdings bereits seit einigen Monaten irgendwelche Zahlungen auf italienische Anleihen sehr schwer zu erhalten waren. Die größte Unzufriedenheit bekunden die Seehandelsplätze. Das Wochenblatt für Handelsschiffahrt,„Syren and Shipping" schreibt offen, daß Italien deutsche Methoden zur Finanzierung seines abessinischen Feldzuges anwendet.„Daily Telegraph" führt aus, die Zeit sei nicht fern, in der Italien auch nur ein einziges Schiff werde anheuern und auch nur eine einzige Tonne englischer Kohle kaufen können. Auch der unternehmungslustigste englische Reeder oder Bergwerksbesitzer, schreibt das Blatt, wttd zögern, Geschäfte mit Italien abzuschließen. Wir werden sehen, ob sich Italien wird ohne englische Kohle und.ohne englische Schiffe behelfen können. Mussolini will den Krieg Die„Times" schreiben zu dem amtlichen Kommunique über den in Bozen abgehaltenen Ministerrat: Die Erklärung fördert nicht die Sache des Friedens, sie klärt aber wenigstens einigermaßen die Lage, vor welches sich der Völ- kerbuttdsrat gestellt sehen wird. Mussolini will einen Krieg. Es wäre kaum unfair, zu behaupten, Mussolini würde enttäuscht sein, wenn er seine Absichten in Abessinien ohne Krieg erreichen könnte. Das Blatt hält es für zweifelhaft, ob Mussolini sich über irgendein koloniales Mandat freuen würde, denn er scheine entschlossen zu sein,„die Faseisten zu einem billigen Siege über einen schlechtbewaffneten aftikanischen Staat zu führen." „News Chronicle" schreibt: Sollten die Genfer Verhandlungen mit einem Mißerfolg enden, dann wird Deutschland längstens innerhalb 10 Jahren in einen Krieg getrieben werden. Wie könnte sich auch Deutschland eine so herrliche Gelegenheit zur Ausbreitung, seiner Macht entgehen lassen? Wird jedoch, sagt das Blatt, sichtlich an Paris gerichtet, Genf einen Erfolg haben, wird Deutschland nichts gegen den Völkerbund wagen, wenn es diese Organisation verstehen würde, mit Erfolg sich Italien entgegenzustellen. Baldwin kehrt nach London zurück Paris. Der englische Ministerpräsident Baldwin wird seinen Kuraufenthalt in Bad Aix les Bains abkürzen. Er wird am Donnerstag nächster Woche in London erwartet. In London behauptet man, daß seine Anwesenheit in London zwar durch keine dringende Angelegenheit erfordert wird, daß man es aber für wünschenswert erachtet, daß er in London anwesend sei, wenn die wichtigen Beratungen des Völkerbundes in Genf stattfindcn werden. Mussolini am Brenner Theatralische Pose an der Zollschranke Bozen. Mussolini begab sich am Donnerstag in Begleitung des Generalsekretärs der fascisti- schen Partei Starace auf den Brenner. Dort verließ er seinen Wagen und begab sich an dje Zollschranke. Er begrüßte die österreichischen Zollbeamten, schüttelte ihnen die Hände und unterhielt sich freundschaftlich mit ihnen: er ließ sich auch von ihnen photographieren und verteilte Unterschriften. Darauf besichtigte der Regierungschef die Kaserne der Grenzwache, auf der er die italienische Trikolore hissen ließ, und begab sich dann sofort mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug nach Bozen zurück. Das Ergebnis des Strafrechtskongresses in Berlin Die Gerechtigkeit wurde von der Hakenkreuz-Mehrheit nledergebrUllt «ritt t Samstag, 31. August 1835 Nr. 283 Hopfenpflücke Wieder ist die Ziit gekommen, die tausende Menschen herbei sehnten, um einige Kronen zu verdienen, die H o p f e n p f l ü ck e. Denn alle können diese Arbeit leisten, Männer, Frauen und Kinder, wenn sich nur die Hände fleißig regen. Alle Not, die eine sechsjährige Wirtschaftskrise zu erzeugen vermag, tritt jetzt kraß in Erscheinung. Die kleinen Bahnhöfe in den Dörfern des Saazer Gebietes waren anfangs dieser Woche überfüllt. Jeder Zug brachte hunderte von Menschen in das Hopfengebiet. Alle Dialekte vom Döhmerwald bis Reichenberg kann der Beobachter hier vernehmen. Ganze Familien, Frauen mit drei bis vier Kindern, Arbeitslose, alle erwarten für kurze Zeit eine Besserung ihrer trostlosen Verhältnisse, aber noch niemals war die Enttäuschung der Hop- fenpflücker so groß als in diesem Jahre. Das Angebot an Arbeitskräften ist auch für diese Saisonarbeit viel größer alS die Nachfrage. Durch die große Trockenheit in diesem Jahre Hai auch der Hopfen sehr gelitten. Die Ernte ist deshalb geringer als im Vorjahr und wird von der Genossenschaft der Hopfen- und Produkten- Händler auf rund 90.000 Zentner per 50 Kilogramm geschätzt, also 10 bis 15.000 Zentner weniger als im Vorjahr. Die Dolden find allgemein kleiner als im Vorjahr, was für die Hopfenpflücker vom besonderen Nachteil ist, weil sie dadurch weniger Vierteln pflücken und deshalb auch weniger verdienen. Die geringere Ernte hat auch bedingt, daß weniger Hopfenpflücker aus den weiteren Gebieten angefordert werden, da in den Bezirken Komotau, Brüx, Dux und Teplitz viele tausende Arbeitslose sind. Biele, die durch die Bezirksarbeitsvermittlungsanstalten und durch die Partieführer nicht mehr ausgenommen werden konnten, haben einen langen Fußmarsch nicht gescheut und sind ins Hopfrngebiet gewandert, mußten aber nach langer ergebnisloser Arbeitssuche hungrig und«Ne eine Hoffnung ärmer wieder mit zerriffentn Schuhen di« Hrimwandcrung antreten. Zwei Burschen aus dem Reichenberger Gebiet haben als Hopfenpflücker ihr Glück versuchen wollen. Bon den Strapazen und der langen Fußwanderung ganz erschöpft, aller Geldmittel entblößt, waren sic hier auf die Mildtätigkeit der Menschen angewiesen. Ein Genosse, Instrumentenmacher aus Silberba.ch imErzgebirge, hat mitderFrauundzwei schulpflichtigen Kindern denzweiTagelangen Weg nicht gescheut, um hier Beschäftigung zu finde«..Den Podersamer und Saazer Bezirk ist er mit der Familie abgewandert, ohne Arbeit zu bekommen, auch nicht bei demjenigen Landwirt, bei dem er in früheren Jahren als Höpfenpflücker tätig war. I n Rudig, Bezirk Podersam, wäre«in B a u e r so gnädig gewesen und hätte ihn mit seiner Familie ausgenommen, wenn er das Mitgliedsbuch der S. d. P. hätte vorweisen können. Er ist aber seiner Gesinnung trotz aller Not nicht untreu geworden. Mit hungrigem Magen muß er weiter wandern, nur die karg« Unterstützung der Organisation, die er sich im Parteisekretariat geholt hat, in der Tasche. Er mutz weiterhin mit seiner Familie im freien kampieren und in einem Strohschober bei Nacht Unterschlupf suchen. Drei Gras- litzer Genoffen wandern vergebens von Ort zu Ort, ohne Arbeit zu finden. Sie haben schon die Hoffnung, Arbeit zu finden, aufgeben und auf Schuster- Rappen treten sie wieder den Heimweg an. Bei einer Wanderung durch das Hopfengebiet im Goldbachthal finden wir, daß in den Tieflagen der Hopfen halbwegs entspricht, wäh- rtnd in den Feldlagers die Dolden ganz klein sind. Bon allen Pflückern hören wir dieselbe Klage: „Heuer gehtS schlecht, es wollen keine Vierteln werden. So schlecht war es noch nicht." Obwohl der Lohn für rin Viertel Hopfen mit Kd 1.50 bis 1.75 festgesetzt ist, finden wir, daß auch in den schlechte» Lagen nur KL 1.50 br- zahlt wird und nur selten gibt es Landwirte, die mehr zahlen. Ueberall haben wir von Pflücker» Erkundigungen eingeholt und dabei festgestellt, daß durchschnittlich 6 bis 7 Vierteln Hopfen per Tag gepflückt werden— bei einer Arbeitszeit von 13 bis 11 Stunden täglich. Im Morgengrauen ziehen die Pflücker schon auf die Felder und erst bei einbrechender Dunkelheit kehren sie wieder zurück. Ihr Tagesverdienst sind gewöhnlich 9 dis 11 Kronen. Die fremden Pflücker erhalten in der Regel Unterkunft(ein Strohlager in einem Raum) früh Kaffee und Brot und abend Suppe und Brot. Mittageffen gibt es für die Pflücker nur in seltenen Fällen bei den kleineren Hopfenbaucrn. Während in de» früheren Jahren die Hopfen- pflücke 14 Tage bis 3 Wochen gedauert hat, ist sie heuer in 8 Tagen beendet. Täglich bringen dir Züge hunderte von Pflücken: wiüder in ihre Heimat. In einem Bahnhof, wo wir auf den nächsten Zug warten, warten ebenfalls sehr viel« Hopfenpflücker, um die Heimreise anzutreten. Wir fragen sie über dar Ergebnis und ihren Verdienst und schon werden wir von allen Seiten umringt, nachdem sie sich vergewissert haben, daß wir keine Bauern sind. Alle klagen über den schlechten Verdienst. Sie kommen aus dem Duxer Bezirk und sind seit vielen I Jahren bei denselben Landwirt als Pflücker beschäftigt.„Die Kost wird immer schlechter", erzählt die eine Frau,„aber auch die Behandlung", sagt ein« andere,„die Bauern glauben, die Hopfenpflücker sind.Viecher" und müssen sich alles bieten laffen." Die beiden besten Pflückerinnen von der Partie haben beide mitsammen 200 KL in 8 Tagen verdient. Diesen Betrag bringen sie aber nicht nachhaus«, da sie ja kein Mittagessen bekamen. Mehrere erklären, nie mehr würden sie unter solchen Bedingungen als Hopfenpflücker gehen. Auch die Herren vom Landesbeirat, die den Hopfenvertrag abgeschloffen haben, blieben nicht verschont und die Pflücker sagen, die Herren sollten selbst einmal Hopfenpflücken gehen, dann würden sie einen anderen Vertrag abschlietzen und mehr Verständnis für die Pflücker aufbringen. Die von der Sudetendeutschen Partei eingeführte Arbeitsvermittlung hat sich nicht bewährt, viele, die sich auf diese Vermittlung verlassen haben, erhielten keinen Pflückerposten. Auch der Rückkehr nach Brüffel Dienstag Beisetzung der belgische« NSnigin Brüssel. Der Sonderzug, mit welchem der belgische König und die Leiche der Königin nach Brüssel zurückkehrt«n> traf Freitag früh in der Stadt ein. Der Kondukt trat sofort den Weg zum königlichen Palais an. Der Ministerrat hat die Beisetzungsfeierlichkeiten für die Königin Astrid auf Dienstag angesctzt. Die Königin wird in der Königsgruft der Kirche von Laaken bei Brüffel beigesetzt werden. * Der Sonderzug hatte Donnerstag abends Luzern verlassen. Die Abreise erfolgte ohne Zeremoniell. Nach 6 Uhr früh hatte der Zug die belgische Grenze erreicht, wo Vertreter der Behörde, Mitglieder des Parlaments und eine große Men- chenmenge warteten. In der Hauptstadt wurde der Platz vor dem Bahnhof geräumt, erst in den angrenzenden Straßen wartete ein dichtes Spalier von Zuschauern auf das Erscheinen des Trauerzuges. Der König stieg bereits an der Stadtgrenze aus und fuhr von dort direkt in das Palais, dessen Vorplatz ebenfalls menchenleer war. Erst gegen 10 Uhr wurde die Bevölkerung in die Halle gclaffen, in welcher die tote Königin aufgcbahrt ist. Küßn«cht. Das Lastschiff zur Bergung des Autos, mit welchem das belgische Königspaar verunglückte, schleppte Donnerstag abends den mit Ketten ausgehängten Wagen über die Seebucht zum Landessteg, von wo ein Lastauto das stark beschädigte Auto in die Garage brachte. Hier bleibt es zur Verfügung der Behörden. Die Lenkstange des Autos ist sehr stark verbogen, die rechte Wagenseite ist zerstört, die Türen sind wie Karten zuiammengelegt. Freitag vormittags hat die Küßnachter Behörde an die Stelle, wo die Königin Astrid starb, ein Kreuz aufgestellt. Schreckenstat eines Geisteskranken Pyromane schießt auf Polizei und tötet sich dann selber Am 30. August, gegen 11 Uhr vormittags hat sich der nach T e t s ch e n zuständige 44 Jahre alle, Oskar F., in der Stadlerstratze in Tetschen, mit einer deutschen Armeepiswle, die er, wie mittlerweile festgestellt wurde, kurz vorher in Bodenbach gekauft hatte, erschossen. Oskar F. war als Phromane schon vor einigen Jahren in der Landesanstalt für Geisteskranke in Kosmanos, wurde von dort als gebessert entlassen und lebte seit dieser Zeit verhält- nismätzig ruhig in Tetschen. In letzter Zeit zeigten sich jedoch abermals Anzeichen seiner Geisteskrankheit, weshalb er zwecks Feststellung seines Geisteszustandes dem Krankenhause zugeführt und eventuell abermals nach KosmanoS eingeliefert werden sollte. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus gelang cs ihm jedoch zu entspringen. Er wurde von zwei Sicherheitsorganen verfolgt, am Masarykplatz angetroffen, worauf er abermals die Flucht ergriff und durch die Bräu- hausgaffe, das Bräuhaus gegen die Stadlergasie flüchtete. Im Bräuhause schoß er auf kurze Distanz auf die verfolgenden SicherheitSorganc, die sich nur durch einen raschen Seitensprung retten konnten. Bei der weiteren Verfolgung richtete Oskar F. plötzlich die Waffe gegen sich selbst und traf sich so gut in die Stirn, daß er augenblicklich tot zu Boden stürzte. Seine Schreckenstat rief in Tetschen große Aufregung hervor. Tragödie in der Nacht Pardubitz. Freitag nach zwei Uhr früh wurde auf der Strecke Pardubitz—Böhm.-Trüban bei der Haltestelle Pardubitz ein unbekannter toter Mann aufgefunden. Nach den Vorgefundenen Volksgemeinschaftsgedanke wird bei den Pflückern keinen besonderen Anklang gefunden haben, denn die Volksgemeinschaft der Henleinbauern reicht nur bis zum Geldbeutel. Während in früheren Jahren die Landwirte froh waren, wenn sie aus dem eigenen Ort genügend Pflüllrr bekommen konnten, finden wir heute Landwirte, di« ihren Haß gegen unsere Genossen dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie dieselben nicht einmal zur Hopfenpflücke in dir Arbeit nehmm. Wir haben Genossen, die im eigenen Ort keine Arbeit währmd der Pflücke finden konnten und erst durch unsere Vermittlung bei Kleinlandwirtrn in weit entlegenen Orten Beschäftigung erhielten. In ein paar Tagen verlassen alle die fremden Arbeitskräfte wieder unser Gebiet mit einem kargen Lohn in der Tasche. Ihre Wunfchträmne, mit denen sie hieher gekommen sind, wurden nicht erfüllt. Wie leicht wäre eS möglich, auch hier Wandel zu schaffen, besseren Lohn und Arbeits- bedmgungen zu erkämpfen, wenn alle diese Proletarier organisatorisch erfaßt werden könnten. Sie könnten dann mehr Lohn mit nachhause bringen und brauchten nicht mit grollenden Herzen von hier Abschied nehmen. Fl. Riedl. Dokumenten kann eS sich um den 41jährigen Loko, motivführer Thomas Eisler aus Novs Zamky tn der Slowakei handeln. Bei dem Getöteten wurde auch außer einer Barschaft ein Emlagcbuch über 25.000 Kronen gefunden. Der Unbekannte fiel offenbar aus dem Zuge und wurde überfahren. 16 Häuser in Flammen Kattowitz. Von einem riesigen Feuer wurde Freitag die Ortschaft U j e s c e im Dom- browner Revier heimgesucht. Infolge eines schadhaften Schornsteines brach in dem Hause eines Bauern Feuer aus, das bald das ganze Anwesen erfaßte. Ein heftiger Wind trug den Brand dann über das ganze Dorf. In zurzer Zeit standen 60 Bauernhäusermit all en Neben- Bauernhäuser mit allen Neben- ren aus dem ganzen Revier und auch aus dem benachbarten Ost-Oberschlesien eilten zur Hilfeleistung herbei, waren jedoch dem rasenden Element gegenüber machtlos. Nach mehrstündiger aufopferungSvpller Arbeit konnte aber wenigstens ein Teil deS Dorfe- erhalten bleiben. Der erste Flug durch Meuschenkrast Frankfurt a. M. Auf dem Flughafen Rebstock bei Frankfurt a. M. gelang am 29. August, um 18 Uhr 10 Minuten, der erste Flug durch Meuschenkrast. Der Flugzeugführer Dünnbril-Frankfurt a. M. legte in einem von den Diplom-Ingenieuren Haeseler und Villinger konstruierten mit Propeller betriebenen Muskel» Flugzeug 195 Meter in einer Flughöhe von einem Meter zurück. Bei einem wetteren Flug am Freitag früh um 7 Uhr 45 Minuten wurde eine Strecken länge von 235 Meter, wiederum in einer Flughöhe von etwa einem Meter erreicht. Dec Start erfolgte durch ein vom Piloten selbst gespanntes verhältnismäßig schtvaches Gummiseil nach Auslösen eines Erdankers, der in das Flugzeug heineingezogen wurde. Beim ersten Start wurden 195 Meter in einer Flughöhe von einem Meter zurückgelegt. Man konnte genau beobachten, wie der Führer durch Treten des Propellers das Flugzeug betätigte. Ein weiterer Flug wurde Freitag früh 7 Uhr 45 Minuten unternommen, dessen Erfolg eine Streckenlänge von 235 Meter wiederum in einer Flughöhe von etwa einem Meter war. Die Konstrufteure des Hochdeckers sind die Diplom-Ingenieure Haeseler und Villinger. Die Versuche werden fortgesetzt. Haus Kelsen zum ordentliche« Professor ernannt. Die Nachricht, daß der Präsident der Republik das Ernennungsdekret Kelsens unterschrieben hat, wird in der ganzen freiheitlichen Oeffentlichkeit große Genugtuung erwecken. Die Deutsche Universität gewinnt damit einen Lehrer und Forscher von internationalem Ruf. Gehört doch Kelsen als Begründer der normativen Staatstheorie zu den allerersten Männern der Rechtswissenschaft. Kelsen ist kein Marxist. Aber seine unbestechliche Rechtslogik hat ihn zu einem unbeugsamen und glänzenden Theoretiker der Demokratie gemacht, der auch vor den sozialistischen Konsequenzen der folge- richtig zu Ende gedachten demokratischen Gedankengänge keineswegs zurückschreckt. Er ist zudem ein Widersacher des Marxismus, wie wir uns deren viele wünschen würden: ein Mann, mft dem sich geistig auseinanderzusetzen nicht nur hoher Genuß ist, sondern auch die wissenschaftliche Erkenntnis befruchtet und vorwärts bringt. Kelsen ist nicht bloß Theoretiker und Lehrer. Die republikanische Verfassung Oester- reichs, vom AustrofasciSmus in: Jahre 1929 zunächst verstümmelt und im Jahre 1934 zertrümmert, aber in ihrer ursprünglichen Fassung ein wahres Kunstwerk angewandter Wissenschaft, verdankte ihm ihre durchdachte Systems- tik. Später entwickefte er als Mitglied des Der- fassungsgerichtshofeS eine fruchtbare Wirksamkeit. Als die Reaktion ihm daS Wirken in Oesterreich verleidete, ging er nach Frankfurt. Von dort vertrieb den konsequenten Demokraten Aus der Arbclter-Turn- und Sportbewegung Am Samstag, dem 24. August 1935, wurde die neugeschaffene Tennis-Platz-Anlage des AtuS Settenz eingeweiht. In dreimonatlicher anstrengender Arbeit und unter Aufwand von viel Mühe und Fleiß, Ausdauer und Opfermut haben die Settenzer Atus- Sportler eine Leistung vollbracht, welche über den Rahmen des Vereines hinaus für das gesamte Verbandsgebiet beispielgebend ist. Aus eigener Kraft und aus eigenen nur geringen Mitteln wurde eine Tennis-Platz-Anlage geschaffen, welche nunmehr Arbeiterinnen und Arbeitern die Nützlichkeit der Ausübung dieses herrlichen Sportes geben wird. Die Platzanlage wurde nach Ansprachen des Vorstehers Genossen Bund, d«S Genoffen Aron für den Arbeiter-Turn« und Sporwerband und die Tennisabteilung Atus-Auffig und des Genossen Löwe für die Bezirkspartcileitung mit ExhibitionSspielca der Auffiger AtuS-TenniSspieler eröffnet. Nahezu 200 Zuschauer umsäumten die herrliche Anlage und verfolgten mit großem Jntereffe die einzelnen Propagandaspiele. Der Anfang ist gemacht, wer folgt nach? und auftechten Mann die braune Barbarei. Nun wird er in seiner Geburtsstadt Prag, die seit dem Abgang Rauchbergs unbesetzte Lehrkanzel des Völkerrechtes einnehmen. Die siiri- stische Fakultät der Deutschen Universität, die ja leider anderen Idealen nachhängt, hat sich nicht leicht entschlossen, Kelsen zum Ordinarius vorzuschlagen und als es soweit war, gab es langwierige bürokratische Hindernisse. Nun sind sie überwunden und wir freuen uns auftichtig der großen Bereicherung, die das geistige Leben Prags erfährt. Radfahrer unter einem Lastaut». Freitag stürzte in Pardubitz der 15jährige B. Skala au* Chrast bei Vsetaty vom Rade und wurde von einem Lastautomobil,. das mitten über seinen Körper hinwegging, lebensgefährlich verletzt. Des Chauffeur wägt an dem Unfall keine Schuld. Nach einer im hiesigen Krankenhaus vorgenommenen Bluttransfusion hat sich der Zustand deS Knaben gebessert. Wichtige Kundmachung für die Bevölkerung, insbesondere die Lenker von Fahrzeurpm. Die Militärverwaltung macht im Interesse der Sicherheit die gesamte Bevölkerung und insbesondere die Lenker von Motorfahrzeugen aufmerksam, daß im Raume der Schlußübungen in der Zeit vom 3. September bis 6. September sowohl die Militärmotorfahrzeuge als auch die Militärgespawne in der Dämmerung und in der Nacht meistens ohne Lichter oder mit stark gedämpften Lichtern fahren werden. Diese Maßnahmen beziehen sich in Böhmen auf die Bezirke Karlsbad, Kaaden, Komotau, Laun, Schlau, Kladno, Hokovice, Prag-Land, Saaz, Podersam und Rakonitz. Volks- und Bürgerschule« in der Tschechoslowakischen Republik nach dem Stand« vom 31. Otto- der 1934. Die soeben herausgegebene Nummer 97 bis lvl der»Mitteilungen des Statistischen Staats« amtes"(Jahrgang XVI— 1935) bringt eine eingehende Statistik unserer Volks- und Bürgerschulen nach dem Stande vom 31. Oktober 1934. Die Veröffentlichung enthält Daten über die Volks- und Bürgerschulen, die Kindergärten, Kinderbewahranstalten und Krippen und schließlich über die Schulen an Anstalten für nicht vollsinnige Kinder. Eine Nachtragstabelle gibt eine eingehend« Uebersicht über die Unterrichtssprache an den Volks- und Bürgerschulen. — Preis der Veröffentlichung 5 llö. In Kommission bei der Firma Burskk u. Kohout, Prag II, Wenzelsplatz. Schönes Wetter bevorstehend. Die Reste der Störung über Rumänien, unter deren Einfluß in den mitüeren Teilen der Republik heute, Freitag, nachmittags regnerischer Wetter herrschte, schreiten allmählich ostwärts fort. Vom Südwestcn her drei« tete sich nach unseren Gegenden ein Hochdruckstreifcn aus. DaS Wetter dürfte sich daher bei uns nunmehr von neuem bessern, vorerst aber in den böhmischen Ländern. Der Wind wikd sich voraussichtlich nach Südwesten drehen. Wahrscheinlich,«s Wetter Samstag: Im Westen des Staates Be- wölkungSabnahme, tagsüber etwas wärmer, im Osten zunächst ohne größere Aenderung. Wetteraussichten für Sonntag: Im ganzen schön, Temperaturzunahme, nur im äußersten Osten deS Staate? zeitweise noch ziemlich bewölkt. Vom Rundfunk amprahlcniwertes aus Han Prooramman« Sonntag. Prag, Sender L: 7: Uebertragung aus Karlsbad. 3.80: Orgelkonzert, 9.15: Konzert der Mu.sik« salonquartetts, 12.20: Mit Andula in die neue Saison, Reportage, 13.45: Schallplatten:. Smetana, 14.15' Zur Nachmittagssiesta, Wandervogellieder, 15: Deutsche Sendung: Uebertragung aus dem Hartenberger Kinderland, Hörbcricht vom Ferienheim in Hartenberg, 17.45: Esiländische Musik, 18: Deutsche Sendung: Ferdinand Raimund: Die gefesselte Phantasie, Zauberspiel, 19: Deutsche Presse, 22.35: Schallplatte», 22.40: Deutsche Preffe und Sport. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung, Arbeitcrfunk: R. Korner: Blut und Gold, 15: Schallplattenkonzert.— Brünn 9.15: Tanz in der tschech. Klaviermusik.— Mährisch-Ostran 19.50: Leichte Musik.-— Preßburg 20.35: Proben auS der Operette„Kinder träumen"., «r. 203 SttmfUt, 31. August 1933 Seite 3 Ter jüngst« Motorrad-Rennfahrer der Welt ist der elfjährige Amerikaner Ian HoSkinS, der feit seinem vierten Lebensjahr Motorrad fährt. Dater und Sohn abgestürzt Bozen. Der 80jährige Militärarzt Dr. Arigi R ii f f i ans Mailand bestieg Donnerstag in Begleitung des 14jährigen Jungen G i e t o eine Spitze im Ortlergebiet, wobei er tödlich abstürzte. G i« t o eilt« zur Touristenhütte, um Hilfe her» beizüholen, stürzte aber auf dem Wege dahin gleichfalls ab und erlitt schwere Verletzungen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Auch die Leich« Dr. R u f f i s wurde geborgen. Catilina im Zylinder Oslo erlebte dieser Tage ein sensationelles künstlerisches Ereignis. Eines der größten Theater der Hauptstadt brachte das Erstlingswerk des großen norwegischen Dichters Henrik Ibsen,„Ca- tilina" zur Aufführung. Das Werk hatte der 20» jährige Ibsen vor 85 Jahren geschrieben. Die Ausstattung des Stückes war übrigens sehr originell.. Die Dekorationen waren stilvoll und einfach. Durch ihre betonte Einfachheit sollten sie zum Ausdruck bringen, daß die in dem Stück behandelten Probleme ewige und von jeder ZeitstrÄnung unabhängige seien. Catilina und die übrigen Römer trugen in dem Stück Zylinder, es wurde Champagner getrunken und ein Jazz- Orchester spielte. Pari- will Ruhe haben. Paris schreitet jetzt zu einer neuen verschärften Bekämpfung des Lärm». Den schweren Motorfahrzeugen werden Nachtfahrten in bestimmten'Gebieten der Stadt verboten. Die Benützung von Autömobilhupen ist in der Zeit von 21 bis 7 Uhr früh nicht gestattet. In den Industrie- und Gewerbebetrieben wirs in der Zeit von 22 bis 7 Uhr jede lärmverur» fachende Tätigkeit verboten. Exkursion von Prager ThcaWrOcirSsn nach der Sowjetunion. Freitag begab sich eine Exkursion von Prager Theaterleuten nach der Sowjetunion, um am dritten Theaterfest in Moskau teilzunehmen. Raub über fall auf cfa*n Bahnhof. Donnerstag drangen zwei bis an die Zähne bewaffnet« Männer in den Bahnhof des kleinen mazedoni» Die Worte Ein Märchen von Oskar Mari«Graf. Einmal— bas Jahr und die Zeit kann ich nicht m«hr sagen— in einer lauen Spätsommernacht trafen sich tief in einem verborgenen Walde alle ausgesprochenen, alle gedruckten und alle geschriebenen Worte der Menschen. Entgeistert sahen sie einander an, denn sie kannten sich kaum mehr. Verunstaltet und von den Menschen unkenntlich gemacht war jedes. Die Liebe glich dem Hasse, die Macht der Schwäche, der Friede dem Unsinn— kurz und gut, jedes war anders, als es hieß. Wie Verbrecher, wie Ausgestoßene, wie schwere Sünder standen sie da und hatten alle schmerzliche Gesichter. Man sah es auch jedem von ihnen an, daß es heimatlos war. Gar erbarmungswürdig sahen d i e Wort« aus, die einstens ein Menschenmund leichtfertig hinausgcjagt hatte und die in keinem Ohr ein t Unterkommen fanden. Vergrämt und vertrocknet kauerten die gedruckten Worte auf dem weichen Moosboden, und ihrer Schar entströmte ein erstickender Modergeruch. Selbst daS jüngste von ihnen, das erst gestern auf ein Zeitungsblatt gepreßt worden war, hatte nichts Lebendiges mehr an sich. Und endlich die geschriebenen Wort«, die ' waren vollends nur noch Hauch. Länge, lange schwiegen di« Worte. Still umgab sie der Wald, und der Mond übergoß ihre klägliche Schar. Nichts hörte man al- das Seufzen der Legion.„Was sind wir doch für mißachtete Geschöpfe!" weinte endlich ein uraltes Wort auf. Und alle nickten und alle weinten. Die Stunden verrannen. ES verging eine lange Zeit. Keines fand einen Rat. Der Mond und die Sterne verloren langsam ihren Glanz, mattfarben hing schon der unendliche Himmel über den hohen Bäumen. „Was wollen wir denn tun gegen unser« Schmach!" schrie.wieder ein gesprochenes Wort: scheu Städtchens Jzvorite ein und zwangen den Station-Vorstand zur Herausgabe des vorhandenen Geldes. Dann fesselten sie ihn und entkamen mit einem Betrage von etwa 6000 Lewa. Borbereitunsen zu ein«m Stratosphärenflug. Die national-amerikanische geographische Gesellschaft und die amerikanische Flugvcreini» gung gaben gestern bekannt, daß sie noch im Monat Oktober einen Rekordflug in die Stratosphäre versuchen wollen, wobei der abgeänderte Ballon „Explorer II" verwendet weiden soll. Eü« nmn«rus clausus an Herr Sofioter Hochschulen. Im Hinblick auf die Ueberproduktion an Intelligenzlern wcvdeit heuer an der Sofioter Universität nur 1233 Neu-Inskriptionen zugelassen, hievon nur 310 für weibliche Studierende. An der Handels-Hochschule werden nur 500 neue Hörer ausgenommen. Kongreß des britischen Gewerkschaftsbundes (R. F.) Der Jahreskongreß des britischen Gewerkschaftsbundes, der am 2. September in Margate zusammentritt, steht im Zeichen der konunenden großen Auseinandersetzungen, die im Verlaufe der nächsten Monate wichtige Entscheidungen bringen werden. Im Mittelpunkt dieser Fragen stehen die W a h l e n, die im Jänner 1936 stattfinden sollen und an denen die englischen Gewerkschaften schon deshalb stark beteiligt sind, weil ein großer Teil von ihnen der Partei kollektiv angeschlossen ist. Daher sind auch die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses von großem Einfluß auf die der Labour Party, welche ihren Parteitag etwa einen Monat später abhalten wirb. In der Labour Party hat sich bekanntlich seit dem Eiche der zweiten Arbriterregierung (August 1931) eine deutliche Wendung zum „konstruktiven Sozialismus" bemerkbar gemacht, die schon vor dem Erscheinen der„Sozialistischen Idee" von Hendrik d« Man durchaus in deren Richtung lag und ihr geistiges Zentrum in der Soeialist League fand. Der britische Gewerkschaftsbund hat den „planistischen" Bestrebungen der Soeialist League gegenüber bisher eine starke Zurückhaltung bewährt, was bewirkte, daß sie sich auch auf den Parteitagen nur teilweise durchsetzen konnten. Es ist nun bescnderS bemerkenswert, daß di« Anträge, die die Führung des.Gcwerkschaftsbundes dem Kongreß in Diaryate vorlegt,«ine wesentliche Annäherung an die Gedankengänge des „PlaniSmus" bedeuten. Vor allem beinhalten si« eine weitgehende planwirtschaftliche Regelung der Baumwollindustrie sowie ein bis ins einzelne ausgearbeitetes Projekt für die Verstaatlichung deS Kohlenbergbaues. Das ist ein« Entwicklung, welche die Ausarbeitung eine- klarsoziali» stischen Wählprogramms bedeutend erleichtern wird. Unter den übrigen politischen Anträgen ist als besonder- bemerkenswert hervorzuhebrn, daß die leider fast ganz vergessene Parole des B o y» kotts gegen Hitler- D eütsch land von neuem in aller Schärf« wieder aufgestellt wird. Auch die Frage des KampfeS gegen dieKriegSgefahr wird unter dm heutigen Verhältnissen in den Diskussionen einen großen Platz einnehmen. Zu den übrigen wichtigen Fragen, die aus diesem Kongreß zur Sprache kommen werden, gehört auch das Problem des Berhältniffes zu den Kommunisten und di« Frag« der Einheit-- Db Mlschwachߣampen! Kaufen Sie nur technisch hochwertige Lampen, die den Strbm ! 1, 31 oee JL ■■ r■-■■■-ii 1 Iki 1 bestens in viel Licht umformen. Ihre Augen brauchen viel Lieht. OSRAM-0-Lampen geben, je nach Type, bis 20% mehr Licht für ein Watt. Das Licht ist jetzt also billiger. Verlangen Sie immer ausdrücklich Osta/n-0 tfcunficn getoi vi&t füMtfoniq. QM, f r o n t. Vor einigen Monaten hatte die Leitung des GewerkschaftSbundes an die angeschloflenen Organisationen ein Rundschreiben erlassen, worin es ihnen verboten wurde, kommunistische Parteimitglieder mit Funktionen zu betrauen oder sie als Delegierte zu wählen. Als von einigen Seiten dagegen Protest eingelegt wurde, führte der Gewerkschaftstat eine Enquete unter den ängeschloffenen Gewerkschaften und lokalen Gewerkschaftskartellen durch, wobei es sich her- auSstellte, daß sechs Siebentel aller Organisationen den Schritt der obersten Leitung billigten. Unter diesen Umständen kann Wer das Schicksal der kommunistischen EiUheitsfrontangebcte auf diesem Kongreß kmnn ein Zweifel bestehen. Schlietzlich wird noch ein Problem besprochen werden, das für die weitere, bisher außerordentlich günstige Entwicklung der englischen Gewerkschaftsbewegung von weittragender Bedeutung sein wUd: der für den Oktober drohende K o n- f l i k t im Kohk e nb e rg b a u..; Die Arbeitsverhältnisse in den Kohlengruben konnten bisher nicht befriedigend geregelt werden, iveil alle Abkommen nicht das ganz« Land umfaßten, sondern regional waren. Da es einige Bergwerksgebiete gibt, wo di« Arbeiterschaft mangelhaft organisiert ist, verstanden eS die Unternehmer, immer wieder unter Berufung aus die Unterbietung durch diese Bergwerke die Arbeiterschaft zu Zugeständnissen zu zwingen. Di« Bergarbeitergewerkschaft fordert daher den Abschluß eines das ganze Land umfassenden Tarifvertrages, ivas vcn der Unternehmerorganisation so schroff abgelehnt wird, daß sie sich nicht einmäl zu irgendwelchen Verhandlungen herbeilassen will. Da die Gewerkschaft mit derselben Entschiedenheit auf ihrer Forderung beharrt, kann im Oktober, den die Bergarbeiter als letzten Termin angesetzt haben, ein Konflikt entstehen, dessen Bedeutung der des großen Bergarbeiterstreiks von 1927 nicht nachstehen würde. Die englischen Gewerkschaften haben in den letzten Monaten eine ganze Reihe sehr erfolgreicher Lohnkämpfe durchgeführt und dabei ihre Mitgliederzahl zum erstenmal seit 1930 wieder steigern können. Der Kongreß van Margate wird im Zeichen des Wiederaufstiegs der englischen Arbeiterklasse stehen, der vielleicht in einigen Monaten zur Bildung der ersten, wirklich die Macht in den Händen haltenden Arbeiter-, regierung führen wird. «.Wilde Juden** In Abessinien? Paris.„ParisMidi" berichtet, daß auch di« wilde st«n Eingeborenen- st ä m m« nördlich des Tanasees, die sogenannten„wilden Hyänen" den Kaiser von Abessinien gelobt haben, gegen den Feind zu kämpfen. Diese Stämme, die laut'„Paris Midi" völlig wild leben, sind jüdischer A b st a m m u n g und leben bereits seit Jahrtausenden in Abessinien. „Der Tag wird wieder kommen, und di« Tiere werden uns zertreten. Kehren wir lieber wieder zurück zu den Menschen, hier droht uns ganz und gar der Tod!" Da aber erscholl ein millionenfaches Hohngelächter seiner Lcidensgenoffen, so jäh, daß der Wald sich zu regen begann, daß die Blätter an den Aesten der Bäume sich rührten, daß die aufgewachten Vögel schüchtern ihr Morgengetriller anstimmten, und Reh und Hase,: Fasan und Eichkätzchen ihre schlafmatten Glieder streckten. Viele Worte erschraken darob und rotteten sich zusammen; es sah auS, als wollte» sie sich wirklich hinwegheben und zurückkehren in ihre Sklaverei. Andere widerstrebten, es entstand ein unentschlossenes Hin und Her. Keines wußte recht, was eS wollte und viele riefen:„Was sollen wir hier eigentlich?" Jetzt äber erhoben sich die Worte„Liebe" und„Friede". Unzählbare Geschwister hatten sie auS allen Gattungen, und ihre Schar rief mit einem Male:„Bleibt! Es gibt ein« Rettung für uns alfe l" „Rettung? Wie denn? Was sollen wir denn tun?" frägten alle erstaunt und zitternd.. „Nicht wieder zurückkehren zu unseren Peinigern, zu den Menschen!" war die Antwort. „WaS denn dann?" fragten all« Wort« entsetzt. „Sterben! Lieber sterben, als weiter so mißachtet zu sein!" schrien die Scharen der„stiebe". „Nein, nicht sterben— nicht sterben— bloß nicht sterben!" wimmerte fast die ganze Schar, „gibt eS denn gar keinen anderen Ausweg?" Und ein großes Ratschlagen ging an, doch es schien keinen Weg zu geben, der aus der Verwirrung führte. „Seht doch," rief da plötzlich ein ganz kleines Wort,„die Nebelschwaden steigen schon au- dem Laden; setzen wir uns doch einfach auf ihren Rücken und lassen uns zum Himmel kragen." Und obgleich die alten und gesetzten Worte heftig widersprachen, weil es ihre Würde kränkte, einem so kleinen Naseweis folgen zu sollen—- niemand hörte auf sie. Alle sprangen auf die Rücken der Nebelschwaden— und aufwärts ging's in den Himmel. Sankt Peter wär nicht sehr erbaut von einer solchen Schar neuer Ankömmlinge und fragte Ziemlich unwirsch:„Was wollt Ihr hier! Woher kommt Ihr?" Und schon winkte er den Engeln, daß sie die ungebetenen Eindringlinge aus dem Himmel jagen sollten. Diese aber hätten Mitleid mit den armen abgehetzten Worten und sagten:„Ach, laß sie doch da!" Und sie gaben ihnen einen Unterschlupf. Und merkwürdig— als die Worte. nun einander betrachteten, da kannten sie sich wieder als die, welche sie vor vielen tausend Jahren gewesen waren, ehe Mißbrauch mit ihnen getrieben wurde. Und jedes sah so aus, wie es hieß. Furchtbares geschah von da ab auf der Erde. Die Menschen erwachten in derselben Frühe, wollten reden und konnten nicht mehr. Ohnmächtig sahen sie einander in die Augen. Sie rannten aus den Häusern, auf die Strätzen und Plätze und wollten aufschreien, aber jeder von ihnen ward stumm. Sie warfen di« Arme verzweifelt, sie stürzten durcheinander, sie gaben sich Zeichen, aber sie verstanden sich nicht. Einer nahm ein Papier und wollte etwas schreiben, aber in seinem Innern fand sich kein Wort. Bor Grauen fiel er wt um. In den mächtigen Hallen der Zeitungsdruk- kereien herrschte der ärgste Tumult. Die Redakteure konnten nicht mehr schreiben, die Setzer wützten die Bedeutung der Lettern nicht mehr und wurden so verwirrt, datz sie auf einmal alles durcheinander warfen, mit Picken und Hämmern die RotationSmäschinen demolierten und wie wahnsinnig ins Freie rannten. Anfangs wußten die Menschen vor Entset zen nicht mehr« was ,jre tun follren und began nen, in wilder Panik aufeinander loszugehen. Sie töteten einander ohne Grund und vernichteten alles, was ihnen einstens lieb und wert gewesen war. Gewalttaten und Zerstörungen erfüllten die Tage und Nächte. Aber als sie schlietzlich sahen, auch so kommt das Wort nicht mehr, als ihre Stummheit nicht aufhörte, und sie müde und erschöpft wurden, da ging jeder der Ueberlebenden wieder an seine Arbeit und langsam kam eine grotze Ruhe, ein nie gekannter Friede zur Welt. Keinen Streit gab eS mehr, kein Gezänk— Glück und Eintracht herrschten. Wohlgefällig sahen die Worte auf die Menschen herab, und es fatzte sie eine grotze Sehnsucht, wieder zurückzukehren. Eines Nachts entwichen sie aus dem Himmel, hockten sich auf die Regenwolken und fielen mit dem Regen auf die EÄe nieder. Allsobald hoben die Menschen die Worte wieder auf Und freuten sich sehr. Einer aber sagte:„Brüder, latzt uns alle Worte in ein grotzes Haus einsperren, damit sie uns nicht wieder entkommen." Und das taten sie. Kaum jedoch waren die Menschen des Wortes wieder mächtig, da fing das alte Elend von vorn an. Alle finsteren Gewalten waten tpieder ausgewacht. Hatz und Zwietracht, Lüge und Betrug beherrschten die Erde wie ehedem. Wieder waren die armen Wort« zu niedrigster Sklaverei verdammt, und ein Entkvmmen wär unmöglich. „O Gott im Himmel!" klagte die„Liebe* einmal:„Wie sind wir geschlagen!" Der graue „Hohn" aber spottete finster:„Ihr hattet ja solche Angst por dem Sterben! Hätten wir unlieber damals von den Tieren des Waldes zertreten lassen und wären nicht mehr!" Und:„Ja! Ja! Ja!" stöhnten sie alle, doch jäh verstummten sie— denn schon wieder kam ein Mensch, der sie brauchte— und sie mußten gc- Lorchey, Sette 6 „Sozialdemokrat" Gam-tag, 31. August 1935. Nr. 203 Sport- 8piek- Lörperplkegr 81 Niederlassungen. Ws» 5 Die Kreisleitmrs. Kunst und Wissen dus der Jarlei Verünsnacftriclitea a(t. PRAG Kakteen Durchführung aller Geldgeschäfte. Abonnements- Bestellschein. Verwaltungs-Kapital 830 Millionen KC. Haftungs-Kapital 82 Millionen Ke. mit,r3auBerfttmo" begaffen, werden zauberhaft schön. 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September, der Endkampf statt. Das Spiel wird am herrlichen Stadion in Auffig ausgetragen und wurde der Anstoß für halb 5 Uhr nachmittags angesetzt. Die beiden Halbkreismeister Kleische und Sporitz sind in bester Form und bürgen für guten Sport. Komata«(Sporitz) spielte gegen unseren Bundesmeister trotz Verlängerung unentschieden. Beide lieferten sich einen harten und zähen Kampf, jedoch immer in den Grenzen des Erlaubten. Die Spielstärlc des A. S. K. Kleische dürfte allen noch in Erinnerung vom Entscheidungsspiel Predlitz sein, wo es um die Behauptung der Gruppenmeisterschaft ging. Das Sportpublikum kann nun gespannt sein für den kommenden Endkampf. Vorher findet«in Schülerspiel statt. Unsere Arbeiter-Fußballer richten gleichzeitig an alle Partei-, Kultur- und GewerkschafiS- Genoffen die Bitte, sich diesen Nachmittag freizuhalten und ihre Veranstaltung zu..unterstützen. Die Kreisleitung. •■• „Die drei bengalischen Reiter" Franchot Tone, Richard Gronwell und Garry Cooper. Die kleinste Fliegerin der Welt ist Shirley Temple in dem Fox-Film „Strahlende Augen". Unser tägliches Brot Von allen amerikanischen Filmschöpfern ist K i n.g V i d o r der intereffanteste, und von allen seinen Filmen'ist dieser vom täglichen Brot der inhaltlich fesselndste. Er ist—> seit langem wieder— ein Film, dessen Thema nicht aus einer kostümreichen Vergangenheit oder aus der kuliffenbunten Tbeaterlvelt geholt ist. sondern mitten au? der Kris« unserer Zeit: ein Thema, das den Film deshalb eng verwandt mit dem tschechischen„Hcj Rup"-Film und am Ende als gelungene Nachahmung des Ruffenfilms „Tie Erde dürstet" erscheinen läßt. Es ist das Epos von der Selbsthilfe der Arbeitslosen, die sich auf einer heruntergewirtschafteten Sommerspielzeit Kleine Bühne.(Gastspiel d« r„Pfe fferm Lhle" Erika M a n n S Das Gastspiel wurde um einen weiteren Tag bis zum Sonntag, dem 1, September, prolongiert. Gleichzeitig wurde für Sonntag, 15.30 Uhr, eine Vorstellung zu volkstümlichen Preisen(KC 4.— bis Kc 25.—) angesetzt. Beginn der Abendvorstellungen 8 Uhr. Preise Kc 5.— bis Kc 45.—. Vorverkauf: Deutsches HauS, N. Deutsches Theater, M. Truhläk. Atus, 8. Kreis— Fußball Alle Bezirksspielleiter und Gruppenleiter des Kreisgebietes werden nochmals aufmerksam gemacht, auf die am Sonntag, dem 1. September, in Auffig im Volkshaus ftattfindende Kreiskonferenz. Beginn derselben um 9 Uhr vormittags. Pünktliches Erscheinen wird erwartet, da die Tagesordnung von wichtiger Bedeutung ist. Die Vorarbeiten für das Mustkfest Die Vorbereitungen für das Xlll. Musikfest der internationalen Gesellschaft' für zeitgenössische Musik, das in der Zeit vom 1. bis 8. September 1935 in Prag stattfindet, find in vollem Gange. Tas Orchester des RadiojoürnalS hält täglich Proben in den Räumen des Rundfunks und im Reprä- sentationShause ab. Die Kammerkonzerte sind bereits künstlerisch vorbereitet. Die Proben der tschechischen Philharmonie beginnen Montag. Soeben ist die polnische Delegation mit Professor Drzewiecki, Roman Palester, Piott Perkowski und Madame Barbora Podoska in Prag eingetroffen. Abonniere ab........ 1935 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokrattschen Arbeiterpartei „Go-Kaldernor»at" Verwaltung Prag XU., Fochova ti. 62, zum Preise von 16 Kö monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. einen Vertrag betreffs Einfuhr von Sowjet-Filmen in die Tschechoslowakische Republik abgeschlossen. Die Firma beabsichtigt, aus der neuen sowjetrufiischen Filmpro- duktion die besten und geeignetsten Werke herauszusuchen und sie nach und nach in unseren Kinos zur Vorführung zu bringen. Die Sowjetfilmindustrie erzeugt nun jährlich etwa 80 Tonfilme, von. denen etwa ein Drittel exportgeeignet ist. Vorläufig-Wird sie den hervorragenden technischen Film ,„D e r neue Gulliver" berauSbringen, in welchem neben einem einzigen Schauspieler 2P00 mechanische Puppen spielen; weiters den neuen Film des Regisseurs Alexandrow„Zirkus", den Abenteurerfilm„Der goldene See", den Film aus dem Leben der Moskauer Hochichuljugend„Das Pri- vntleven ttn Peter V i n o arado w", das filmische Tagebuch eines Bergdorfes aus den bewegten Tagen des Jahres 1919„Liebe und Haß", den Film über die neue Sittlichkeit der Sowjetjugend„Neue Jugend" usw. Und endlich: Die russischen Filme sprechen natürlich ruffisch, also eine slawische Sprache, und die Sowjet-Kinematographie ist die bedeutendste slawische Sprache der Weltkinematographie. Was das für uns und unsere Kinos bedeutet, ist selbstverständlich.„Prag-Paris" hat gleichzeitig auch die Monopol-Einfuhr der russischen aktuellen und belehrenden Filme erworben. Si wird die aktuellen russischen Aufnahmen zur Heraus gäbe einer regelmäßigen Vierzehntage-Revue„Un sere Zeit" benützen, um diesem Interesse,entgegen zukommen. Diese Filmrevuv will nicht eine gewöhn liche Tonwoche sein, sondern ein Bild dessen.. was in den befreundeten und verbündeten Staaten sowie in jenen Ländern, welche die gleichen politischen und kulturellen Ziele wie unsere tschechofiowakische Demokratie verfolgen, wirklich geschieht. Rat und Belehrung finden unser« Gemeindevertreter in reichem Maße in der .Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung Prag XI l., Fockova 62/V. Tie Einschreibungen Fortbildungsschulen des Deutschen Handwerkervereines, und zwar in die zweiklässige allgemeingewerbliche Fortbildungsschule für Lehrknaben und Lehrmädchen gewerblicher Berufes und in die zweiklässige gastgewerbliche Fortbildungsschule für Lehrknaben des Gast- und Käffeehausgewer- bes finden im Sekretariat des Deutschen Hand- Ivcrkervereines in Prag II., Smeöky 22, I. Stock, an Wochentagen von 3 bis 6 Uhr nachmittags bis zum 15. September statt. Dauer des Schuljahres: 4. September bis 28. Juni. Die Renovierung der Königsgruft im St. Beitsdom auf der Prager Burg wurde Dienstag definitiv beendet. Es wurden die letzten zwei für die Gruft bestimmten Sarkophage für die sterblichen Ueberreste der vier Gattinnen Karls IV. und Wenzels IV. in die Gruft herabgelgsien und beigesetzt. Die beiden Sarkophage sind aus einem einzigen Stück, polierten tschechischen Syenit von sehr schöner Struktur. Mustkfest-Poststempel. Die Post- und Telegraphendirektion hat zu dem 13. Festival der internationalen Gesellschaft für moderne Musik eine Stampiglie- herausgegeben, die außer der Inschrift das Gebäude des Nattonaltheaters und des Reprä- sentationshauseS aufweist. Die Postsendungen können mit dieser Stampiglie im Gebäude der Hauptpost im Parterre bei einem Schalter, der viersprachig bezeichnet ist, unb im Hause Prag II., Jin- drisskä 25, versehen werden. Auflassung d«S Interessenten-Postamtes Praha 84. Mit dem 31. August 1935, wird das Jnteres- senten-Postamt„Praha 84" in Praha II., Nä- rodni tr. Nr. 58, aufgelaffen. Name:.,.,» Genaue Adresse:, Letzte Post:.•• Unterschrift: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung MS Hgns ove» bei Bezug vurcb die Poft monatlich KS 16—. vierteljährig KC 48.—. halbjährig Kd 96— ganzjährig Kd 192.—.— Jniercte werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten.— Di« ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendireüion mit Erlaß Nr. 13,800/VII/1S30 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck». Verlags« und Leitungs-A.-G„ Prag. Russische Filme i« der Tschechoslowakei Die Firma„Prag-Paris" hat kürzlich OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy Ortsgruppe Prag. Samst den 31. August. Treffpunkt um halb 5 Uhr beim Cafe.Weitend" in Smichov. Fahrt mit dem Autobus nach Mnisek. Wanderung zur Hütte, Decken mitbringen I— Sonntag Wanderung«» in der Umgebung der Hütte. Führer: Lauer.— Sonntag, den 1. September. Zusammenkunft um halb 8 Uhr am Braniker Bahnhof. Fahrt nach M n i s e k. Wanderung zur Hütte. Führer: P l o tz. Mt Montag, dem 2. September. 1935, nehmen wir den Turnbetrieb in unserer Turnhalle, im Deutschen Realgymnasium, in der Stepanikä 28. wieder aufi Die Einteilung des Uebungsbetriebes ist folgende: Montag von 7 bis 9 Uhr Turnerinnen, Dienstag von 7 bis 9 Uhr Turner. Mittwoch von halb 5 bis 6 Uhr Kinder Mittwoch von halb 7 bis 8 Uhr Frauen. D r n- n e r s t a g von 7 bis 9 Uhr Turnerinnen, Freitag von 7 bis 9 Uhr Türner.— Neben dem Hallenturnen bleiben die Trainingsstuoden für Leichtathletik jeden Mittwoch und SamStag auf der Hetzinsel bis auf weiteres aufrecht. Wir machen besonders auf das Frauenturnen aufmerksam, das wir heuer in unserem Uebungsbetrieb aufnehmen. Wir laden alle Frauen herzlichst ein, die Turnstunden zu besuchen. Desgleichen laden wir alle älteren Genossen zum Besuch unserer Uebungsstunden ein. Eine eigene Altersriege ermöglicht jedem die Teilnahme. An die Eltern richten wir die Bitte, ihre Kinder ausschließlich an den Turnstunden des Atus teilnehmen zu lassen. Allgemeiner Angestellten-Verband(All-a-ver), Ortsgruppe Prag II, Fügnerov» näm. 4. Stellenvermittlung, Rechtsschutz, Aüskünfte.— Monat s- versammlung am 4. September, Mittwoch, 8 Uhr abends im Handwerker, Smeöch(nicht Pers- thn!)..— Anmeldungen zu den Kursen jeden Mittwoch in der Kanzlei. Jüdisch« Emigranten! Sonntag, den 1. September 1935, um 9 Uhr morgens findet in Zäbehlicc, Restaurant„Goldlust" eine Besprechung aller Emigranten statt, die vom Jüdischen Hilfskomitee in Evidenz geführt lverden. Die behördliche Bewilligung ist nachgesucht, Ausweis ist mitzubringrn. Bis dreiviertel 9 Uhr Treffpunft Endhaltestelle der Linien 4 und 11 in Strasnice. Die Veranstalter erwarten vollzähliges Erscheinen. Verlanget überall Volkszünder Deutsche sozialdemokratisch« Vrzirksorgani- sation Prag: Exekutiv«. Montag, den 2. September, findet um halb 7 Uhr eine Sitzung der Exekutive in I der Redaktion des„Sozialdemokrat" statt. Rotfalken hüben ihren ersten Heimnachmillaa. am Samstag, dem 31. August, um 1 Uhr nachmittags i der Kamenicka. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Roberta". Ausstattungskomödie. A.— Alfa:„Der erste Kuß". Regie: Slavinskh. Tsch.— Avion:' King Vidor:„Unser tägliches Brot". A. Farbige Disney-Groteske:„Die Porzellanprinzes- fin":— Bcränek:„Casta Diva".(Bezaubernde Augen). D.— Fenix:„Mata Hari". A.— Flora: „Karussell auf dein Ozean". A.— Gaumont: „Strahlende Augen". Amer. Foxfilm.— Hollywood:„Strahlende Augen". A.— Hvezda:„Poli- zeiwagen 99". Sensations-Detektiv-Film. A. 7* Julis:.Meine Mutti". D.— Koruna:„Der weiß« Adler". A.— Kotva:„U-Boot A. L. 14". Amcrik. Marinefilm.— Lacerna:„Mala Hari". A.— Metro:„Tas 11. Gebot". Lustspiel. Tsch.— Olympic:„Die ganze Welt lacht". Für die Jugend zugänglich. R.— Passage:.Meine Mutti". D.— Praha:„Der Kriegsreporter". Abenteuer. A.— Radio:„Die gefährliche Blonde". A.— Skout: „Casta Diva".(Bezaubernde Augen). D-— Svi- to-,or:„Das 11; Gebot". Lustspiel. Tsch.— Alm«: „Die gefährliche Blonde". A.— Bajtal:„Cäcorka'• Ausgezeichnetes Lustspiel. Tsch.— Belvedere:„Nonette und rhre Verehrer". D.— Beseda:„Batet sein dagegen sehr...." D.— Carlton:„T«t moderne Robinson".— Jllufion:„Die blonde Venus". Ä.— Lido-Bi» II., Havltökovä 5(Ho- bernsta 7): Eröffnung mit dem Film.Liebling". A.—- Louvre:„Moskauer Nächte". Fr.— Maceska: „Casta Diva".(Bezaubernde Augen). D.— 8! oxy' „Der Schlafwatzenkontrollor". Nur bis 2. September.:— Sport-Smichov:„Cäcorka". Heimisch^ Lnstspiel.■—n Brjvodü:„Warum lügt Fräulein Käthe?". D.— Boldek:„Die große Chance". D.<—i Urania-Kino:„Bürgermeisters Töchterlein". D„. in di« gewerblichen Farm ansiedeln und dort eine Kooperativ-Gemeinschaft gründen, den Kampf gegen die drohende Versteigerung und gegen einen selbstsüchtigen weiblichen Eindringling bestehen und schließlich auch gegen die Dürre Sieger bleiben, indem sie sich mit übermenschlicher Anstrengung eine eigene Wafferzufuhr schaffen. Vieles an diesem Epos'ist sehr amerikanisch: die Mischung aus Materialismus und puritanischer Frömmigkeit, die es zum Ausdruck bringt, die Naivität und der Humor, mit denen hier zuweilen schwierige Probleme gemeistert werden, die Abhängigkeit von den Ideen Upton Sinclairs, der solche Arbeits- losen-Kollektive mit selbstgewähltem Führer schon lange als Lösung der' Krise propagiert. Und daß die Arbeitslosen zum großen Teil noch einen allen Ford- Wggen besitzen, der sich als Wohnhütte oder als Traktör verwenden läßt, das gilt gleichfalls nur für jenseits des Ozeans. . Aber da King Bidor ein Künstler ist. ist sein Film Mehr als amerikanisch geworden: eine sichtbare Erzählung von Menschen unserer Zeit.. eine Dichtung vom Wert der Arbeit, von der Größe der