l Dienstag, 3. September 1935 Nr. 205 15. Jahrgang KhziWais70 utüN (•loMhlieSlich I H«lkr Fort«! 1 Ä IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OE$ MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION und Verwaltung mag xii., fochova a. Telefon JM77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Henlein-Studenten absolvieren reichsdeutschen Irredenta-Kurs Mährisch. Ost rau.(Tsch. P.-B.) Unter dem begründeten Verdachte des Verbrechens von Anschlägen gegen die Republik«ach dem Paragraphen 2 und 17 des Gesetzes zum Schutze der Republik wurden im Auftrage der Polizeidirektion der 20jährige Student der Philosophie an der deutschen Universität in Prag Jos. Brzo- d o h a t h, der 19jährige Maturant der deutschen Realschule in Mährisch-Ostrau Alois M a t a l a, der 21jährige Absolvent der deutschen landwirtschaftlichen Schule Josef M a j o w s k i, der 20- jährige Student an der deutschen Technik in Brünn Hans Pix und zwei junge Studenten der Ostrauer deutschen Mittelschule verhaftet und in die Haft des Kreisgerichtes in Mährisch-Ostrau eingeliefert. Zu dieser amtlichen Meldung wird aus glaubwürdiger Quelle mitgeteilt, daß diese sechs Studenten trotz ihrer Jugend Mitglieder der Sudetendeutschen Partei waren. Es sind Söhne vermögender Eltern aus Witkowitz. Während. der Ferien waren sie in Deutschland als Hörer eines Kurses in Boberau, wo die Mittel- und Hochschuljugend, insbesondere aus Polen und der Tschechoslowakei, in irre- dentistischer Arbeit in, den Deutschland benachbarten Staaten geschult wird. Zwei der Verhafteten haben in Boberäu in den Kursen Vorträge über die Verhältniffe in der Tschechoslowakei geholten. Einer von ihnen ist auch der Spionage verdächtig. „Man muß Gott mehr gehorchen.. Scharfer Hirtenbrief der deutschen Bischöfe Berlin. Am Sonntag wurde in allen katholischen Kirchen Deutschlands der von der Fuldaer Bischofskonferenz beschlossene Hirtenbrief verlesen, der vom 20. August datiert ist und die Unterschrift aller deutschen Bischöfe trägt. L, In der Einleitung wird bemerkt, daß sich die deutschen Bischöfe in einer ernsten und entscheidenden Stunde an die deutschen Katholiken wenden. Seid fest im Glauben, heißt es u. a. in dem Briefe; die Zahl der Feinde des christlichen Glaubens und der katholischen Kirche ist Legion geworden. Der christliche Glaube verkünde ein obsek- iives göttliches Sittengesetz, das in den Zehn Geboten seinen kürzesten Ausdruck gefunden hat. Wenn aber die Gesetze des Staates mit dem Raturrecht und dem Gebote Gottes in Widerspruch stehen, gelte das Wort: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wir verurteilen alle Bergehen gegen bestehende Staatsgesetze, aber scnen pharisäischen Hochmut, der bei Gesinnungsgenoffen alles verzeiht und mit dem Mantel des Schweigens bedeckt, während die Vergehen einzelner Katholiken der Gesamtheit der deutschen Katholiken angekreidet werden. U. a. wird es auch als„sittlich verhängnisvoll" erklärt, wenn man die Ehe einzig unter dem Gesichtspunkt der Reinerhaltung der Rasse betrachten würde. Der Vorwurf, die Katholiken kümmerten sich zuviel um Politik, könne nur auf urteilslose Menschen Eindruck machen. Man müsse fragen, warum wan so viel von den Dienern, der Kirche spricht, die angeblich in das Staatsgebiet übergreifcn und niemals von denPolitikern.die »ufdas kirchliche Gebietübergreisen. Die Bischofskonferenz von Fulda habe daher an den Führer und Reichskanzler ein« Denkschrift gerichtet, die auf dir Grfah- rcn des Mißbrauches und auf andere Angriffe und Bedrängungen am christlichen Gewiffen Hinweise. !. Der Hirtenbrief schließt: Seid geduldig in der Trübsal und beharrlich im Gebet. Wir sind nicht in Sorge um unsere Kirche, aber in großer Sorge um unser Vaterland. Unsere Kirche hat das alte Heidentum überwunden und sie wird auch vom Neuheidentum nicht überwältigt werden. Wohl aber kann von einzelnen Ländern, die in dieser Stunde der Prüfung versagen,»dir Leuchte des Glaubens weggrrückt" werden Oer Gestapo-Spitzel Berthold gesteht alten erhielt die Angelegenheit rin» Rom besteht auf Annullierung dazu, in Abessinien reinen Tisch zu macken. sich n e n g e r Berthold hat drei Hitler- Gegner In denlod gelockt bewacht, da seine Erzählung daß der Versuch eines Feme» Kurz nach dem Erscheine» des Buches„Das braune Retz", welches den Nachweis führt, daß die Geheime Staatspolizei Görings in alle» europäischen Ländern ihre Vertretungen hat und auch in der Tschechoslowakei einige Dutzend Agenten beschäftigt, haben diese Enthüllungen durch einen Fang der Prager Polizei eine se»sationelle Bestätigung gefunden. Der 23jährige aus Dresden kommende Gestapo-Agent Berthold hat sich, nachdem er einige Menschen ans Messer geliefert hatte, in seinem„braune» Netz" nun selber gefangen. Heber diese« politischen Skri- minalfatt, der wiederum die organisierte Menschenjägerei der Hakenkreuzbanditen unter Beweis stellt, werden folgende Einzelheiten gemeldet: zu täuschen, vorausgesetzt allerdings. Die von der Polizei mit großem Eifer ein» geleitete Untersuchung führte zu einer Bestätigung der Meldungen, welche die„Rote F a h n e" über Berthold brachte. Der angebliche politische Flüchtling entpuppte sich als ein Agent der Gestapo, welcher den Auftrag hatte, die reichsdeut- sche Emigration in der Tschechoslowakei zu bespitzeln und einzelne Emigranten womöglich nach Deutschland zu locken. Der Gestapo-Agent stellt sich unter Polizeischutz Prag. In der Nacht auf Freitag alarmierte in der Zeltnergafse m Prag II ein Plan» die Polizei mit der Angabe, daß er von drei Männern, vermutlich Agenten der Gestapo» überfallen worden sei. Er nannte sich Gerhard Berthold, behauptete aus Deutschland geflohen zu sein und von der Gestapo verfolgt zu werden. Er«nd seine grau wurden von der Polizei in einem Hotel üi der inneren Stadt untergebracht und während der ganze« Nacht darauf hindeutete, mordrs vorlag. Kurz darauf überraschende Wendung. Auf die Nachricht in den Zeitungen hin meldete sich em Chauffeur, welcher folgendes aussagte: In der kritischen Nacht aus Samstag fuhr er drei Männer in die Nähe der Stelle, wo der Ueberfall angeblich erfolgt warr dort hießen ihn die Männer warten. Kurz darauf hörte er Geschrei, als ob jemand um Hilfe rufen wollte. Aus diese» Angaben schloß di» Polizei, daß Berthold an dem verlaffrnen Ort eine Zusammenkunft mit den Angreifern vereinbart hatte, diese also keimen mußte. Da es unwahrscheinlich war, daß ein bedrohter politischer Flüchtling mit nicht ganz verläßlichen Bekannten solche Zusammenkünfte vereinbaren würde, tauch» ten Zweifel an der Richtigkeit von Bertholds Erzählungen auf. Rach einem eingehenden Verhör gab Berthold dies alles zu und gestand auch, an dem Tode von drei rrichsdeutschen Emigranten mitschuldig zu sein, die er bei Teplitz zur Ueberschreitung der Grenze veranlaßt hatte, wo sie von der Gestapo erwartet und ermordet wurden. Dieser Mord wird von der„Roten Fahne" in folgender Weise geschildert: Berte hold trat in Teplitz mit den reich-deutschen Flüchtlingen Max Niklas, Max Richter und A. T i r r m a n n in Verbindung, von welchen er antifastistisches Material erbat. Als er ihr Ver- traucn gewannen hatte, organisierte er im Auftrag» des Gestapolommiffärs G e i ß l e r in Dresden einen Transport von antifascistischen Schriften über die Grenze. Auf sächsischem Gebiet wurden die drei Opfer, in deren Gesellschaft sich Berthold befand, von einer SS-Truppe erwartet. Die Emigranten wurden vor den Augen Bertholds von den Gestapoleuten Geißler, Weser und Dachfl niedergemacht. Einige Zeit später wurde das Ehepaar Berthold wieder in die Tschechoslowakei geschickt. In Emigrantenkreisen schöpfte man gegen die beiden Verdacht und die Polizei hält es nicht für ausgeschlossen, daß Berthold zwar nicht ermordet werden, aber einen Denkzettel bekommen sollte. Heber Berthold und seine Fra« wurde nun die ordentliche Untersuchungshaft wegen 88 2«nd 5 des SchutzgrsrtzeS verhängt. Gleichzeitig mit ihnen wurde daS Ehepaar Manfred«nd Hertha LieberSwirth unter dem Verdacht, gemeinsam mit Berthold für die Gestapo gearbeitet z« haben, nach Pankraz eingeliefert. Vorübergehend war es Berthold gelungen, die Polizei auf eine falsche Spur zu lenken. Auf Grund seiner ersten Angaben wurde eine Hausdurchsuchung in der Redaktion der satirischen Zeitschrift„Simp'l" vorgenömmen. Es wurde der Chefredakteur Hermann Budiszlavsky, die Mitarbeiter der Zeitschrift Julius A x c l r a d und Ursula L i t t m a n n und auch der Hausdiener Aales verhaftet. Eine Konfrontation mit Berthold ergab aber, daß alle vier von ihm nicht erkannt wurden, daher auch keinen Anteil an dem Ueberfall haben konnten. Daraufhin wurden sie wieder freigelassen. Stelle erklärt, daß der Vertrag über die Oelkonzeffionen unter allen Umständen rückgängig gemacht werden müsse, da er„jeder Rechtsgrundlage entbehre und die mtt Italien eingegangenen Verpflichtungen mit Füssen trete". Italien werde und könne unter keinen Umständen dulden, dass durch die Manöver einer sogenannten Wirtschaftsgesellschaft, deren Hintermänner vorläufig noch nicht ganz erkennbar seien, ihm die Ziele, um derent- willen das ganze Vorgehe« gegen Abeffinen eingeleitet worden sei, im Brauner Menschenräuber in Prag verhaftet Rom. Hier wird an zuständiger> letzten Augenblick unerreichbar gemacht werden sollten. „Giornale d'Jtalia" schreibt zu der abessi nischen Konzessionsangelegenhcit, die Erklärungen der englischen Regierung verschwiegen ab sichtlich wichtige Punkte. Sie präzisieren nicht die Position, die die verantwortlichen Kreise in Lon don einnehmen. Als besonders bedeutsam be zeichnet das Blatt das Datum des Bertragsav- schlusses, den 11. Juli. Die abessinische Regierung habe eS daher von vornherein darauf abgesehen, Italien zu betrügen und die englische RegierungI__,. zu täuschen, vorausgesetzt allerdings, daß der'der Mittelmächte im Weltkriege. Wenn diese'eine englische Gesandte in Addis Abeba wirklich nichts Niederlage erlitten, dann erfolgte, wie in den von der Angelegenheit Ricketts gewußt habe. Das Generalstabsberichten zu lesen war, eine Um« Blatt schließt, Italien habe immer mehr Recht gruppierung. Die stolzen Heere der Hohenzollern dazu, in Abessinien reinen Tisch zu macken. und Habsburger gruppierten sich ko lange um, bis Umgruppierung in Haida Nach den Wahlen am 19. Mai haben die Wortführer der Sudetendeutschen Partei sowohl in ihren öffentlichen Kundgebungen als auch in kleinerem Kreise den tschechischen Parteien— insbesondere einzelnen tschechischen Agrariern— gegenüber die Bereitwilligkeit zur positiven Mitarbeit im Staate kundgegeben und als dies höflich abgelehnt wurde, haben sie von der„konstruktiven" pposition gesprochen, wcitzurch sie dem von Krisennot schwer heimgesuchten sudetendeutschen Volk Hilfe bringen wollten. Diese Mäßigung nach außen, welche Herrn Konrad Henlein in Prag hoffähig machen sollte, scheint nun aufgegeben zu werden, die Henleinleute ziehen den Frack aus und behängen mit den Bärenhäuten, die ih das Aussehen wilder Krie gebensollen. Die eine Ursache zur Rückkehr zum radikalen Spietzbürgernationalismus, wie er durch Georg Schönerer und Karl Hermann Wolf glorreich begründet wurde— der Unterschied besteht allerdings darin, daß man Wolf die Pferde seiner Kutsche ausgespannt hat, wozu im Zeitalter des Achtzylinder-Autos Henleins keine Gelegenheit ist—— ist die außenpolitische Spannung in Europa. Der italienischabessinische Streit hat Europa in Unruhe versetzt, der Völkerbund etlebt kritische Tage, am Brenner manövrieren zehntausend« italienischer Soldaten, Deutschland rüstet zu Lande, zu Wasser und in der Luft— man riecht förmlich die Giftschwaden des kommenden Krieges. Für diese Zeit der Katastrophe bereitet sich die Sudetendeutsche Partei vor, sie glaubt das staatliche Schicksal des sudetendeutschen Gebietes könne neugestaltet werden, Henlein fährt in Europa umher. Wer die Zeitungen der Partei liest— einschließlich ihres Witzblattes— merkt, daß der Marsch der Sudetendeutschen Partei alle Winkelzüge der reichsdeutschen Außenpolitik mitmacht..Nimmt Mussolini Stellung gegen Deutschland, wird der italienische Fascismus getadelt, droht die Habsburger-Restauration Hitlers Donaupläne zu durchkreuzen» werden die Habsburger verhöhnt, obzwar die Ascher Herren nicht gerade Leute sind, die für die Republik zu sterben bereit sind wie Berrina in Schillers„Fitsco". Je gefahrdrohender Europas Situation ist, desto wildere Wölfe werden die Henleinmannen, um sich den Anschein frommer Lämmer zu geben, wenn die Kriegsgefahr wieder abflauen sollte. Die Schwenkung, die Henlein in Haida vollzogen hat oder die Drohung„Ich kann auch anders", die er ausgesprochen, hat allerdings auch Ursachen, die wir nicht jenseits der Grenzen suchen müssen. Henlein und die seinen sind enttäuscht. Sie haben gehofft, daß die tschechische Rechte sie mit offenen Armen aufnehmen und daß sie in die Regierungs- laube werden wenigstens schieben können. Heute aber sind' sie von der Teilnahme an der Macht weiter entfernt als nach der Wahl und da glauben sie, es sei gut, wenn man sie nicht hören will, einmal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Ein Teil ihrer Anhänger hört das gern und— man kann nicht wissen— vielleicht wirkt es. Es werden wohl alle Berbindungsfäden, die zwischen einigen tschechischen Agrariern und den Henlein- leuten laufen, noch nicht abgerissen sein, es kann auch die Zeit kommen, wo diese Fäden wieder dichter geknüpft werden, aber augenblicklich schaut es mit den Partnern der Sudetendeutschen Partei schlecht aus. Die Herren um Henlein haben monatelang mit einem Manne verhandelt, dec nun sagt, es müßten 90 Prozent der Industrie des Landes in tschechische Hände kommen. Der Herr Dr. Rosche, der die industriellen Interessen des Henleinlagers vertritt, muß sich vorkommen wie das Rot- bezw. Braunkäppchen, das der Großmutter milde Gaben bringt und urplötzlich sich vor dem Rachen des Wolfes sieht. Wie die Geschichte ausfallen wird, ob der Wolf das Kind fressen wird oder nicht und ob sich ein freundlicher Jäger findet, der das arme Kind tvieder aus dem Bauche des Untiers befreit— das wird die Zukunft lehren. Die Henleinpartei macht es wie die Heere Seite 2 Dienstag, 3. September 1935 Nr. 205 der Krieg verloren Ivar und das deutsche Volk eine Katastrophe erlebte, wie sie unsere Nation seit dem Dreißigjährigen Kriege nicht betroffen hatte. Herr Henlein wandelt den Weg der Katastrophe und ein großer Teil des Sudetendeutschtums mit ihm. Die Sozialdemokratie war die einzige deutsche Partei, die im alten Oesterreich gewarnt hat. Die sudetendeutsche Sozialdemokratie macht die ganze Bevölkerung aufmerk- Paris. Unterstaatssckretär General Valle im italienischen Ministerium für Flugwesen erklärte dem Redakteur des Pariser Blattes„Le Journal" über das italienische Flugwesen folgendes: Die italienische Regierung werde in nächster Zeit nach Erythrea und nach Somaliland 300 der modernsten Flugzeuge, die mit drei Motoren versehen sind, entsenden. Der Aktionsradius dieser Flugzeuge betrage 2000 Kilometer mit einer Belastung von 1000 Kilogramm Bomben. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von 350 Kilometern pro Stunde. Die Flugzeuge können eine Höhe von 8000 Metern erreichen und in dieser Höhe fliegen. In Abes- *« England distanziert slchl London. Der britische Botschafter in Rom, Sir Erie Drummond, hat Staatssekretär Suvich offiziell in Kenntnis gesetzt, daß ihm«nd seiner Regierung nichts von dem Abschluß des anglo-amerikanischen Konzessionsvertrages in Abessinien bekannt sei. Wie in amtlichen Kreisen erklärt wird, hat dir brisische Regierung eine strenge Untersuchung ungeordnet, um festzustellen, ob bei der abeffiNischen Konzession mittelbar oder unmittelbar britisches Kapital beteiligt ist. Der Gesandte beim Nesus London. Der britische Gesandte in Addis Abeba, Sir Sydney Barton, hatte mit dem Kaiser von Abessinien eine Unterredung, in der er dem Kaiser die Ansicht verdolmetschen sollte, daß die britische Regierung es begrüßen würde, wem» die Konzession für die„Afriran Development and Ex- ploation Corporation" nicht verwirklicht würde. Ueber das Ergebnis der Besprechung liegen bisher noch keine Meldungen vor. ES wird jedoch angenommen, daß der Ratschlag der britischen Regierung keine Annahme finden wird, da er sich auf den englisch-franzüsisch-italienischen Vertrag vom Jahre 1905 gründet, dessen Gültigkeit Abessinien niemals anerkannt hat. Eine Million Dollar In bar für Kriegsmaterial ßkach abessinischen Meldungen«»acht sich die omorikanische Gesellschaft erbitig, der abessinischen Regierung in vorhinein eine Million Dollar zu zahlen. Eine Summe wird natürlich für Einkäufe von Waffe« »nd Munition verwendet werden. Mau nimmt an, daß bereits Brrhandlumgen über Lieferungen von Gewehren und Munition aufge- unmmctt wurden. sam auf die Hege, die die Herren Henlein und» Brand, Sandner und Sebekowsky wandeln und die in den Abgrund führen. Je früher sich die Sudetendeutschen dessen bewußt werden, desto besser unb wir sind überzeugt, daß uns die Geschichte einst recht geben wird. So wie Wolf und Teufel in der Geschichte des altösterreichischen Deutschtums mit Ingrimm genannt werden müssen, so wird auch Herr Konrad Henlein fortleben als des Sudetendeutschtums Verderber. sinien werden die Flugzeuge zu Kundschafterdiensten verwendet werde». Auf die Frage, ob Italien die Flugzeuge zur Einschüchterung der Bevölkerung benützen werde, erklärte der italienische General, daß sie keine Barbaren wären. Im Gegenteil, die Flugzeuge würden niedrig fliegen und Lautsprecher würden die Bewohner darauf aufmerksam machen, sich zu decken. Italien werde in diesem Falle ans den englischen Aktionen im Irak und Britisch-Somali lernen. Nach Addis Abeba»nd zurück zur italienischen Grenze brauche ein Flugzeug fünf Stunden.. Noch kein Italienischer Einmarsch... Rom. Bon zuständiger italienischer Seite werden die in englischen Blättern nufgetnuchten Gerüchte, nach denen stärkere italienische Truppenkontingente in abessinisches Gebiet emgedrun- gen seien, entschieden dementiert. Ebenso wird eS als unzutreffend bezeichnet» daß nach diesem Bormarsch italienischer Truppen zahlreiche Abessinier fluchtartig ihre Dörfer verlassen hätten. Derartige Meldungen werden zum mindesten als stark de» wirklichen Tatsachen vorauSeilend bezeichnet. Zwischenfalle In Addis Abeba Einer englischen Agenturmeldung aus Addis Abeba zufolge wurden am Montag nachmittags verschiedene Häuser, die von Italienern bewohnt werden, von einer Menschenmenge, die später von der Polizei vertrieben wurde, mit Steinen bombardiert. Der italienische Gesandte hat dagegen bereits Protest eingelegt. Er soll ferner erklärt haben, daß am Sonntag die italienische diplomatische Post von unbefugter Hand geöffnet worden sei. Die Post wurde später im Läuft des Tages ausgeliefert. ein salomonisches Urteil Für Ual-Ual der abessinische Ortskommandant verantwortlich? Genf. Wie es heißt, bezeichnet der fünfte Schiedsrichter, Gesandter P o l i t i s, in seinem Gutachten den örtlichen abessinischen Kommandanten als verantwortlich für den Zwischenfall von Ual-Ual. Da der abessinische Kaiser versprach, Italien volle Satisfaktion zu geben, falls der Spruch der Schiedskommission gegen ihn läutet, hofft man in' abessinischen Kreise», daß durch das Gutachten Politis der Weg zu weiteren Verhandlungen geöffnet wird. Eden in Paris Paris. Laval empfing Montag um 17 Uhr in Gegenwart des Generalsekretärs des Außenministeriums Leeger am Quai d'Orsay den britischen Minister Eden, der sich in Begleitung deS britischen Botschafters in Paris, George Clerk, und des Chefs der BölkerbundSabteilung im englischen Außenministerium, Strang, befand. Die Unterredung dauerte bis*419 Uhr; ein amtlicher Bericht hierüber wurde nicht ausgegeben. Der französische Ministerpräsident empfing sodann den italienischen Botschafter in Paris, C e r u t t i, und den spanischen Botschafter de Bardenas. Nach einem halbamllichen Kommentar verhandelten Laval und Eden über die Lage im italienisch-abessinischen Konflikt und zogen die verschiedenen Möglichkeiten in Betracht, welche die Genfer Institution für die Lösung des Konfliktes bietet. Gleichzeitig prüfte»» beide Staatsmänner auch den Bericht, den sie dem Rate über die jüngst in Paris stattgefur»dene Dreier-Konferenz vorlegen werden. Laval reist Montag um 23 Uhr 20 mit Minister Eden nach Genf ab. Ein Bilderbuch von 700 Seiten Paris. Die Dokumente, welche Italien dem Völkerbunde vorlegen wird, werden Informationen aus Rom zufolge, Bände von 700 Seiten füllen. Sie werden von zahlreichen Photographien begleitet sein. Noch 200.000 Rom. Weitere 200.000 Mann, die diesen I Manat unter die Waffen«erden gerufen werden, gehören den Jahrgängen 1911, 1913»nd 1914 an. Sie werden in der zweiten Hälfte dieses Monats die Kasernen beziehen,«nd zwar wie es im amtlichen Kommunique heißt, für die beschränkte Dauer von drei Monaten. Haifa unter dem Schutz von Kriegsschiffen London. In Haifa, der Endstation der Oelleitung aus dem Irak, sind am Montag die drei englischen Kriegsschiffe„A r e t h u S", „De l h i" und„Durban" eingetroffen. Die Ankunft von acht Zerstörern wird erwartet. Der„Star" berichtet in diesem Zusammenhang, daß besondere BotsichtSmaßnahmen zum Schiche dieses wichtigen Hafens gegen überraschende Angriffe aus der Lust oder von der See her getroffen wurden. Heiteres aus Danzls Danzig. Anläßlich der Anwesenheit des deutschen Panzerschiffe-„Admiral Scheer" veranstaltete auch der Völkerbundkommissär für Danzig eine»» Empfang, zu dem aber nicht nur die offiziellen Persönlichkeiten, sondern auch der frühere nationalsozialistische Senat-Präsident Dr. Rausch» igg, den die Partei bekanntlich in Acht und Bann getan hat, und sogar, wie das DNB wutschnaubend mitteilt,„ve rschiedene Marxisten und andere Vertreter der Danziger Opposition" eingeladen waren. Senat-Präsident Rauscher verließ daraufhin sofort mit seinen Trabanten das ungastliche HauS und auch der Kommandant des deutschen Kriegsschiffes verabschiedete sich kurze Zeit darauf und zog mit seinen Offizieren ab. Das Begräbnis des Genossen Dr.Lev Winter Sonntag vormittags fand im neuen Prager Krematorium das Begräbnis des Schöpfers des Systems der Sozialpolstik in der Tschechoslowakischen Republik, Genossen Lev Winter, statt. Obwohl das Begräbnis»»ach dem Wunsche des Verstorbenen, sowie seiner Familie gar»z einfach gehalten war, bewirkte doch die große Verehrung und Liebe, deren sich der Verstorbene nicht nur in der Arbeiterbewegung, sondern auch im ganze» öffentlichen Leben, sowie im Auslande ersteute, daß die letzte Verabschiedung von ihm sich zu einer eindrucksvollen, gewaltigen Feier seiner Arbeit und seiner Persö»»lichkeit gestaltete. Schon lange vor Beginn der Trauerzeremonie war der geräumige Saal des Krematoriums von zahlreichen Trauergästen aus Prag, allen Teilen der Republik, sowie aus dem Auslande erfüllt. Der Katafalk, auf welchem der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des Verstorbenen ruhte, lvar mit roten Nelken geschinückt. Unter den zahlreichen Kränzen befand sich auch ein großer Kranz der Sozialistischen Arbeiterinternationale und ein Kranz des ExekutivauSschuffes der tsche- choflowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Bor dem Sarge hatten die Familienangehörigen des Verstorbenen, seine Gattin, seine Kinder, die übrigen Bertva»»dten, Aufstellung genommen. Bon den Mitgliedern der Regierung waren der Stellvertreter des Vorsitzenden der Regierung, Eisenbahnminister Genosse B e ch h n i, Justizminister Genosse Dr. Derer, Minister für soziale Fürsorge Genosse Jng. R e c a s und Unterricht-minister Dr. K r t m a f, anwesend. Von den Mitgliedern der Nationalversammlung waren anwesend der Vorsitzende des Senates Genosse Dr. Soukup, die Vize- präsidenten des Abgeordnetenhauses Gerwffe Taub, der unsere Partei vertrat, Gerwffe Dr. Markoviä und Dr. Patejdl, sowie zahlreiche Abgeordnete und Senatoren. Insbesondere»varen die Abgeordnetea und Senatoren der tschechossowakischen sozialdemokratischen Partei fast vollzählig erschienen, ebenso die Abgeordneten und Senatoren der deutschen sozialdemokratischen Partei und der tschechoslowakischen nationalsozialistischen Partei. Das Internationale Arbeitsamt war durch den Direktor Butler aus Genf und da- Mitglied der Sozialversicherungssektion Oslvald Stein vertreten. Von den Sozialversicherungsorganisationen Nxrren zahlreiche Funktionäre u. Beamte der Zentralsozialversicherungsanstalt erschienen. Die tschechoflowakische sozialdemokratische Partei war durch den Parteivorsitzenden Abg. Hainpl und Dep»»tationen aus zahlreichen Städten, ebenso die Gewerkschaftsorganssationen mit dem Vorsitzenden der tschechoslowakischen Gewertschastsvereinigwig Senator Rimeäek, die Genossenschaften mit Direktor Lustig, der Verband der Arbeiter-Turnverbände (DA8). her deutsche sozialdemokratische Arbeiter« TurNerveroand„AtUS", verkrtteni Die Trauerfeier wurde nach einem Waldhörneroktett mit einer Gedenkrede des Ministers für soziale Fürsorge Jng. NeöaS eingeleitet. Der Direktor deS Internationalen Arbeitsamtes in Genf Harold Butler betonte in seiner französischen Ansprache, daß sich Dr. Winter nicht nur um den tschechoslowakischen Staat, sondern auch um die internationale Gemeinschaft große Verdienste erworben habe. Namens der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei, welcher Dr. Winter 40 Jahre angehörte, verabschiedete sich von ihm der Vorsitzende des Senates Dr. Soukup. Nach der Jntonierung der Staatshymne wurde sodann der Sarg der Kremation übergeben. VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dahit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Irma sprang auf, doch die Beine knickten unter ihr zusammen^ Sie stammelte: „Tuberkulös? „Im letzten Stadium. Sie müßte fort von hier. Ich habe dem Arzt erflärt, das sei unmöglich. Er hat mich gefragt, ob sie Pflege hätte." „Zu Haus?" „Ja. Nur tauge ich nicht dazu, eine Schwester um mich zu haben und in einer Apotheke zu leben... Was hast du, Dicke? Krieg mir nur keinen Anfall. Ich werde die Sache schon in Ordnung bringen." „Weißt du auch, daß man sich anstecken kann?" „Während das Mädel sich anzog, hat der Arzt mit mir gesprochen. Ein tüchtiger Mann. Er wird dich auch behandeln. Bei dir wären eS die Jahre, meinte er. Kurz, er hat mir erklärt: Seien Sie vorsichtig. Mit einer so anfälligen Frau ist nicht zu spaßen. Besser wäre, sie brächte die Kleine ins Krankenhaus." „Ach..." „Im Grunde wird sie schneller gesund und ist ebenso gut dort aufgehoben wie in einem Sanatorium. Freilich ist das nicht lustig. Aber die Hauptsache ist doch: du kriegst dein Mädel wieder." „Jetzt verstehe ich, weshalb meine Schwester sie nicht behalten wollte. Sie hat ja Kinder." „Ich habe gleich bemerkt, daß sie krank ist. Ich habe einen Blick dafür. Dir kann man keinen Vorwurf machen. Schuld ist die Mutter La gorio und ihr Man», der Katzelmacher. Wahrscheinlich haben sie gesoffen und unhygienisch gelebt, wie das bei dem Volk so gang und gäbe ist. Hör auf zu weinen. Mit zwanzig Jahren kommt man noch davon. Wenn e- uns passierte, wär's schlimmer." Er nahm Irma bei den Schultern, wiegte sie und wischte ihr die Träne» ab. „Du wirst mir nicht krank, Dicke. Hörst Du?" Und da sie schwieg, küßte er sie auf Augen und Wangen. „Ich spreche mit dem Mädel. Natürlich aanz vorsichtig." „Mein Gott» dann hat sich das Wiederfinden ja kaum gelohnt." „Der Arzt hat nicht gesagt, sie wäre verloren. Sieh Charlier an. Saust er nicht um- h. r wie ein Junger? Hör zu, ich will nicht, daß du über die Sache nachgrübelst. Ich werde alles tun, was nötig ist und Helene aufklären." Beim Abendessen fanden sie sich wieder zusammen. Helene sah in gerader Haltung auf ihrem alten Platz am Ofen. Sie war sehr blaß uni> schweigsamer als sonst. Auch Irma, mit ihren geschwollenen Augen, ihren fahlen Wangen, ihrer müden Stimme, glich einer Kranken. Nur Julien aß mit Appetit. Er sprach, teil- aus Genugtuung über seine Entschlossenheit, teils au- Furcht vor der Stille. Er erzählte sogar Geschichten, über die Helene lachen mußte. Als er zum Dessert seinen Bordeaux trank, erklärte er: „Jetzt, da man weiß, worum eS sich handelt, kann man beruhigt sein." Irma seufzte auf. Helene tröstete sie: „Aengstige dich nicht, Mama. Im Krankenhaus wird man schnell gesund." „Eine Angelegenheit von drei Monaten", bestätigte Julien. „Ich werde euch doch Donnerstag- und Sonntags sehen?" „Jeden Tag, wenn es dir Freude macht. ' Wenn du zurückkommst, habe ich ein Auw, und dann fahren wir gleich aufs Land. Aber jetzt muß ich gehen, Kinder. Ich habe eine Verabredung im Cast des CourfeS." Helene kam näher. Da ihre Mutter heute nicht la-, legte sie den Kopf zärtlich an ihre Schulter und schilderte ihr mit zitternder Stimme ihren Besuch beim Arzt. Sie gestand, daß e- ihr peinlich gewesen, ihm ihre nackte Brust zu zeigen. „Es war zu deinem Besten", sagte Irma. Onkel hatte dieselben Worte gebraucht. Zu ihrem Besten brachte man sie in- Krankenhaus. Aber es betrübte sie, daß sie die Mutter nicht mehr jeden Morgen umarmen konnte. Sie schlang die Arme um ihren HalS, als wolle sie sich an ihr festklammern. Irma war zwar nicht für solche Ueberschwänglichkeiten, aber sie ließ sie gewähren. Die begann sogar zu plaudern und erzählte von dem lärmenden, schwer in Ordnung zu haltenden Betrieb im Hotel Montbert. „Kannst du verstehen, daß ich mich, wenn ich meinen Monat hinter mir habe, nach Ruhe sehne? Jetzt pfeif ich natürlich auf- Geschäft und besuche dich, so ost ich kann, Liebling. Du darfst von mir verlangen, was du willst. Ich bin reich genug, alle deine Wünsche zu erfüllen. Julien hat auch nichts dagegen. Er ist im Grunde eine seelensgute Haut." „Am liebsten bliebe ich bei euch, Mama." „Noch bist du nicht fort." Sie sah ihre Tochter an. Helene war weiß, zart, durchsichtig wie ein WachSpüppchen. Mit der Sorge stahl sich Furcht in ihr Herz. Ihr war, als fehle ihr die Lust, als erstarre ihr Körper, heimgesucht von der gleichen Krankheit, plötzlich zu Eis. Sich gewaltsam aus HeleneS Armen lösend, stand sie auf. „Ich will den Tisch abräumen", stamrnelte sie. Im selben Augenblick trat Julien über die Schwelle. „Rocki nicht im Bett? Das sollte der Arzt wissen, Helene!" „Ach, Onkel, im Krankenhaus werde ich lange genug liegen müssen." Er beugte sich väterlich zu ihr hinab und erwiderte mit etwas schwerer Zunge: „Da- glaube ich nicht. Alle meine Freunde meinen, du würdest bald zurückkommen." V. Am Ende eines Hofes sahen Julien und Irma drei auS Holz gebaute Pavillons in einer Front. Julien zeigte auf den rechts liegenden. „Hierher hat man sie vorgestern gebracht. Sie ist besser aufgehoben als in dem alten Hauptgebäude. Achtung, Dicke, fall nicht über die Stufen." Er stieß eine Türe auf. Irma blieb stehen. In der Mitte des Saales standen Betten, einhinter dem anderen. Andere standen an den Wänden. Zwischen dem Weiß der Decken und Leintücher wirkten die schmalen Gänge wie dunkle Alleen. Ueberall Kranke. Man atmete gewiß ihre Mikroben ein. Es roch nach Aether und Phciwl. „Komm", sagte er,„das Mädel winkt unschön." Je weiter Irma die Augen öffnete, desto fratzenhafter erschienen ihr die Gesichter. Wenn sie husteten, klang es wie ein Röcheln.„Erschrick nicht", mahnte Julien. Sie ging hinter ihm und preßte die Lippen zusammen. Am liebsten hätte sie nicht- gesehen, nichts gehört, wär« sie weit von hier gewesen. Aber schon sagte Julien: „Ach, da ist ja auch die Familie." Irma setzte sich auf Berthes Stuhl und gab ihrer Tochter einen Kuß. Apothekendüfte schlugen ihr entgegen. Sie fuhr zurück und roch an den» Taschentuch, das sie in der Hand hielt. Dann fragte sie mit schleppender Stimme: „Wie fft eS dir seit Freitag ergangen?" „Helene richtete sich auf. Unter dem dünne- Hemd sah man ihre Brust arbeiten. (Fortsetzung folgt.). Nr. 205 Dienstag, 3. September 1935 Leite 8 tfudetendeutsdter Xeitepicgcf Zur Frage der Einheitsfront Vor der Stellungnahme des Sozialistischen Jugendverbandes Zur Frage der Einheitsfront wird der Der- landsvorstand des Sozialistischen In« gendverbandes in seiner nächsten Sitzung Stellung nehmen. Er wird gewissenhaft prüfen, ob die Beschlüsse der Kommunisten eine Aende- rung in dem bisherigen Verhältnis zwischen den beiden Organisationen als notwendig und wünschenswert erscheinen lassen, und dabei insbesondere die noch gültigen Beschlüsse der kommunistischen Jugendinternationale hinsichtlich des B e r- nichtungSkampfeS gegen die sozialistische Jugendbewegung unter Zuhilfenahme der Ein- heitSsronttaktik in Betracht ziehen. Es wird vom Berbandsvorstand eine ausführliche Materialsammlung vorbereitet, die in den nächsten Wochen der Orffentlichkeit übergeben werden wird. Da damit zu rechnen ist, daß dir Kommunisten nicht gewillt find, auf eine Stellungnahme des Brrbandsvorstandes zu warten, sondern gemäß ihrer bisherigen Taktik die Untergliederungen gegen den LrrbadSvorstand aufzuwiegrln versuchen werden, gilt erst recht die Weisung, daß für alle Untergliederungen die Beschlüsse deS Ler- bandsvorstandes maßgebend sind und daß es daher in jedem Falle notwendig ist, die Kommn- nisten mit, ihren Angeboten an den Berbandsvorstand zn verweisen. Die Kommunisten können und dürfen nicht erwarten, daß sich etwa unsere Kreis- und Bezirksleitungen in langatmige Diskussimrrn mit ihnen rinlassen, statt den kürzeren und klareren Weg der Berufung auf die bisherigen Beschlüsse der Partei und des Partei- I vostandes zu wählen. nadeln appelliert an das Ausland Kundgebung der Sudetendeutschen Partei in Halda Haida.(Eigenbericht.) In Haida wurde am Sonntag eine Kundgebung der Sudetendeutschen Partei abgehalten, die vornehmlich den Führern dieser Bewegung Gelegenheit geben sollte, zu den brennendsten innen- und außenpolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Die Leitung der Sudetendeutschen Partei hatte in Zeitungsankündigungen darauf aufmerksam gemacht, daß Henlein, der sich bekanntlich seit Wochen auf Reisen befand, selber eine sozusagen staatsrechtliche Erklärung der Partei abgeben werde, und so durfte man denn erwarten, daß nun endlich eine Antwort auf die Frage gegeben werden würde, wann die Sudetendeutsche Partei ihre Versprechungen wahrzumachen gedenkt und welche Methoden sie wählen wird. Die Kundgebung ist nun vorbei. Die Menschen haben den Reden der einzelnen Führer Beifall geklatscht. Die Anhänger Henleins sind so klug als wie zuvor, die anderen aber haben Stoff zu neuen Fragen bekommen. Dem Aufmarsch am Sonntag gingen am Samstag Tagungen der einzelnen Berufsgruppen voraus. Es war eine Arbeiter- und eine Bauerntagung, sowie eine Tagung für die übrigen Gruppen. Es ist bemerkenswert, daß es in der Arbei- trrtagung ziemlich heftige Opposition gegeben hat, die sich insbesondere auch gegen den Abgeordneten Sandner richtete, und deren Grundtendenz war, daß nun nicht allein mehr versprochen, sondern auch gehandelt werden soll. Eine Amtswaltertagung benützte Herr Henlein dazu, seinen Gläubigen wieder einmal das Gelöbnis der Treue ab- zunehmen. Die Kundgebung selbst begann mit beträchtlicher Verspätung. Man kann sie nicht als eine Kundgebung des Leipaer Kreises allein ansprechen, sondern eS waren Teilnehmer aus den entlegensten Gebieten der Republik anwesend. Als der Aufmarsch beendet war, erschollen Komman- das, denen vor allem die alten und jungen Weiblein mit Feuereifer Folge leisteten:„Wer seinen Platz verlassen hat, hat sich sofort im Laufschritt wieder dahin zu begeben!" und schon rannten die Menschlein gehorsam. „Alles Habt Acht!"„Keiner rühre sich!". Und alle Leute standen stramm.„Niemand hat den Platz vor der Defilierungzuverlassen l"— Man sieht, der Führergedanke ist nicht so ohne. Sein sinnvollster Inhalt ist, daß alte Frauen Habtacht stehen, wenn man es ihnen befiehlt. Bor Henlein sprachen verschiedene KreiS- führer, deren einer sagte, daß die Sudetendeutschen Henlein und seiner Partei so lange treu bleiben werden, solange die Schneekoppe stehen wird. Dagegen verblassen selbst die tausend Jahre, die Hitler für seine Bewegung in Anspruch genommen hat. Dann aber traten die führenden Mitarbeiter Henleins auf, namentlich Sandner und Sebe- kowsky. Sandner führte den Wahlerfolg seiner Partei auf die Not der Sudetendeutschen zurück und meinte, daß die Sudctendeutsche Partei durch de« 19. Mai zu einer europäischen Angelegenheit geworden sei. Wenn man darauf Hinweise, daß 66 Parlamentarier der Sudetendeutschen Partei bisher nichts erreicht haben, so spreche das nicht gegen die Sudetendeutsche Partei, sondern gegen das in diesem Staate herrschende System(I). Wenn eS um den deutschen Arbeiter geht, müsse man im kommenden Krisenherbst wieder zu„marschieren" bereit sein. Sandners Rede war eine Klage darüber, daß der Wahlerfolg der Sudetendeutschen Partei von den Tschechen nicht zur Kenntnis genommen, d. h. daß die Sudetendeutsche Partei nicht in die Regierung berufen worden ist. In ähnlichem Ton waren die Darlegungen Sebekowskys gehalten, der recht anmaßend meinte, daß die Sudetendeutsche Partei nicht zerfallen könne, weil ein Boll nicht zerfallen kann. Sebe- kowsky scheute sich nicht, vor den vielen zehntau senden Menschen mit der niedrigen und dummen Lüge zu operieren, es sei der Plan der Marxisten, daß die Mandate der Sudetendeutschen Partei annulliert und den Marxisten übertragen würden. Es sei ein Zeichen für die Schwäche des Staates, wenn es ihm nicht gelinge, mit einer solchen Partei, wie der Sudetendeutschcn auch nur zu sprechen oder sie zu sich heraNzrrziehen. Man müsse bedenken, daß man mit solchen Methoden der Sudetendeutschen Partei nur einen Gefallen tue.(Weshalb dann die Klage über die Nichtbeachtung? Die Red.) Hinsichtlich der Oppositionsströmungen in seiner Partei sagte Sebe- kowsky, es sei leicht, mit Geld und gelieferten Konzepten neue Parteien zu bilden. Dadurch beschuldigte er alle, die mit der Führung der Hen- leinpartei unzufrieden sind, der Bestechlichkeit. Die Sudetendeutsche Partei habe nichts zu revidieren. Die sudetendeutsche Partei nehme in Anspruch, eine staatliche'Sendung zu haben. Zu den der Sudetendeutschen Partei feindlich gesinnten tschechischen Parteien gewendet, sagte Sebekowsky: Die Tschechen müssen nicht nur loyal zu ihrem Boll, sondern auch zu ihrem Staate sein. Diese Loyalität zum Staate^fordere aber die Herstellung eines anderen Verhältnisses' zur Sudetendeutschen Partei. Die einzige Arbeit der bisherigen Regierung sei die Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes gewesen. Konstrukfive Opposition heiße schärfste Oppo. fition gegen daS jetzige Regierungssyftem. Die Sudetendeutsche Partei führe einen grundsätzlichen Rechtskampf. Es gehe nicht um Jnter- ventionserfolge, sondern um das Schicksal des gesamten Volkes. Sebekowsky nahm auch das Wort „Menschlichkeit" in den Mund, das bekanntlich bei den Leuten, die er und seine Parteifreunde nicht erwähnten, deren Geist aber bei dieser Kund- Erfolgreiche Betriebsausschußwahlen bei der Firma 8. Fischmann Söhne A.-G. In Kleinaugezd Teplitz. Der Ausgang der Wahlen bei der Firma Fischmann läßt sehr deutlich erkennen, daß die Arbeiterschafi dort, wo sie nicht dem fascisti- scheu Terror ausgesetzt ist, frei sein will und dementsprechend wählt. Die von den Henleinleute» eingebrachte Liste mußte, da sie Diängel aufwies, zurückgestellt werden. Innerhalb 24 Stunden sollten die Mängel behoben sein. Da dies nicht der Fall war, wurde die Zulassung zur Wahl abgelehnt. Die Nazi gaben nun an ihre Mitglieder die Parole aus, leere Kuverte abzugeben. Damit wollten sie ihre Stärke prüfen. Diese Prüfung ist sehr schlecht ausgefallen und bedarf keines weiteren Kommentars. Auffallend ist die große Wahlbeteiligung. Bon 673 Wahlberechtigten beteiligten sich an der Wahl 645 Wähler, die wie folgt abstimmten: Die Bereinigten Glasarbeiterverbände und der Internationale Ntewllarbeiterverband erhielten 417 Stimmen» d. i. 6 Mandate,(39 Reststimmen), Kommunisten 141 Stimmen, 2 Mandate(15 Reststimmen), Fcdnota(tschcch. Nationalsozialisten), welche zum erstenmal kandidierten, 64 Stimmen, 1 Nkandat, 21 leere Stimmen und zwei ungültige. Die Arbeiterschaft hat mit diesem Bekenntnis llar und eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß sie es ablehnt, nach Henleins Methoden geführt zu werden. Mit diesem Bekenntnis ist aber auch die Lie">äugelei einiger Angestellten mit dem Dritten Reich zerschlagen worden. Es»pfeift" nun wieder eine gesunde Lust. Wichtig ist noch festzustellcn, daß den freien Gewerkschaften keine Stimme durch die Nichtbeteiligung der Henlein- partei zufiel, sondern daß die für sie abgegebenen Stimmen tatsächlich von ihren eigenen Mitgliedern und Anhängern kamen. Ihre Liste war.mit gebung zugegen war, nämlich den Nationalsozialisten, in schlechtem Geruch steht. ' Kamen die Redner vor Henlein über eine Negation des jetzigen Regierungssystems nicht hinaus und fanden sie kein Wort über den Weg, der sie aus der Enttäuschung führt, so konnte man von dem Führer selbst, von Henlein erwarten, daß er das Rezept verkünden werde, nach dem den Sudetendeutschen zu helfen sei. Aber Henlein hat weder em Wort über die außenpolitische Haltung seiner Partei gesagt,— eine in der jetzigen Situation des Staates immerhin auffallende Tatsache — noch sagte er ein Wort, wie seine Partei ihre Versprechungen einlösen wird. Diese Versprechungen wurden seinerzeit in völliger Kenntnis der Sachlage gegeben und ihre Erfüllung in sicherere Aussicht gestelll. Daß sich die Henleinleute über den Weg der zum Ziel führt, nicht klar waren, spricht wahrhaftig nicht gegen das von ihnen so verachtete Regierungssystem— sie meinen wohlgemerkt nicht die jetzige Regierung, sondern eben das demokratische System— sondern einzig und allein dafür, daß die Sudetendeutsche Partei unfähig ist, Realitäten richtig einzuschätzen. War ihnen der Weg zur Regierungsteilnahme versperrt, so mußten die Henleinleute doch eine Methode haben, in der Opposition ihre Versprechungen zu erfüllen. Waren sie jedoch über die Methode nicht klar, dann war das Versprechen ein bodenloser Leichtsinn, ja ein glatter Volksbetrug, für den das demokratische RegierungS- system schuldig zu sprechen den„Politikern" der Sudetendeutschen Partei kaum gelingen dürste. Cs ist eine seltsame Methode nach einer so astmaßenden Wahlkampagne, wie sie die Sudetendeutsche Partei geführt hat, Sündenböcke für das Ausbleiben der versprochenen Erfolge zu suchen. Immerhin hat Henlein einen Weg gezeigt: er will das Ausland einer internationalen Hilfeleistung für das sudetendeutsche Gebiet auftufen. Dieses Einbekenntnis, daß er es aus eigener Kraft nicht schaffen kann, schließt eine außenpolitische Kampfansage gegen die Tschechoslowakische Republik in sich, mit der sich auseinanderzusetzen Aufgabe der tschechischen Parteien ist. Sie müssen sich allerdings auch darüber klar werden, daß die Fortdauer der Not und das Ausbleiben wirklicher Hilfsmaßnahmen für das sudetendeuffche Gebiet eine starke Förderung der sozialen Demagogie ist, die die Henleinpartei nach den Wahlen genau so hemungslos treibt wie vorher. Die Henlein-Partei, deren fascistisches Programm bekannt ist, meint, nichts zu revidieren zu haben. Revidieren die tschechischen Parteien dcrs Verhältnis zu ihr, so revidieren sie ihre Stellung zur Demokratie. Es ist aber kaum anzunehmen, daß sie sich den Wünschen der Henlein-Partei nach einer Systemänderung, also nach einer Gleichschaltung mit den reichsdeutschcn Verhältnissen fügen werden. Die staatspolitische Notwendigkeit, die mit der größten Beschleunigung durchzufiihren wäre, ist die Beseitigung der Ursachen, die der Demagogie der Henleinbewegung täglich neue Nahrung'geben, nämlich die Beseitigung der sudetendeutschen Not. den Kommunisten gekoppelt und es fehlten nur zehn Stimmen zu einem weiteren siebenten Mandat. Sudetendeutsche Kloake Unter dem Titel»Krach um Kopatschek" beschäftigt sich Herrn Henleins»Rundschau" mit unserer Nachricht über die Entschließung ron der Sudetendeutschen Partei angehörenden Arbeitern in Aussig, in welcher gegen die Politik der SdP Stellung genommen wird. Welch sittlichen und ästhetischen Aufbruch die Bewegung des Herrn Henlein bedeutet, zeigt die Bemerkung der „Rundschau", ter Artikel unseres Blattes hätte in sozialdemokratischen Kreisen solche"Freude hervorgerufen, daß sich die Schöpfer des Artikels „das Papier überall mit hingenommest hätten, vielleicht sogar dorthin, wohin es gehört". Mit diesem Tone will Herr Konrad Henlein offenbar zeigen, daß er sich mit jenen gleichschaltet, die alle Anstandsorte mit Hakenkreuzen beschmieren. Ein deutscher Sektionschef im Gesundheit-- Ministerium. Zum Sektionschef im Gesundheitsministerium wurde der Dozent MUDr. Rudolf Ziel ernannt. SekfionSchef Ziel leitet die sozialhygienische Sektion. es gärt überall... OSlo. Im»Dagbladet" schreibt der von einer Studienreise durch Deutschland zurückgekehrte norwegische Prof. I. S. W o r m, Dozent für Geschichte an der Universität Oslo, die deutsche Bevölkerung sei des ewigen Marschierens und Demonstrierens müde. ES gäre überall, und man habe von Göring, Goebbels und allen sonstigen Führern genug. Die Stimmung habe sich im Vergleich zum Vorjahre, wo es noch immer hieß, daß auf Hitler das Chaos folgen werde, ungeheuer geändert. Die Wirtschaftsverhältnisse seien für das Regime eine große Gefahr. Machtvolle Kundgebung in Graslitz Gegen Teuerung und Kriegsgefahr Graslitz. Montag nachmittags 4 Uhr fand hier eine von unserer Partei und den freien Gewerkschaften einberufene Kundgebung gegen Teuerung und Kriegsgefahr statt» die sich zu einer überaus machtvollen Manifestation gestaltete. Tausende marschierten in einem imposanten Zug durch dir Stadt zum Marktplatz. Die Zahl der Teilnehmer am Marktplatz wurden vorsichtig auf rund 6000 geschätzt. ES sprach Abg. Genosse Katz» der di« von unserer Partei ausgestellten Forderungen im Kampf gegen Teuerung und Wirtschaftskrise ausführlich behandelte und schließlich über die drohende Kriegsgefahr sprach. Dann sprachen noch für dir Frauen Genossin G ü n z e l und für die Jugend Genosse M o d e s. Genosse Wunder- l i ch verlaS eine Entschließung» welche dir von den Rednern erhobenen Forderungen enthält und einstimmig angenommen wurde. Genosse Götz betonte dann in seinem Schlußwort: Wir Arbeiter des GraSlitzer Bezirkes hatten nie den Ehrgeiz, unnötige Krawalle zu machen. Wir sind ein Element der Ordnung, wolle» ater in dieser Ordnung nicht verhungern. Die heutige Kundgebung sei eine ernste Mahnung an die maßgebenden Faktoren: Wird sie nicht gehört» damr kommen wir wieder! entschlossene Kriegsgegner Südafrikanische Hafenarbeiter verweigern Löschung Italienischer Ladungen Kapstadt. Die Hafenarbeiter von Kapstadt haben sich geweigert, eine Ladung Gefrierfleisch für die italienische Armee auf dem italienischen Dampfer„Sabbia" zu löschen. Dieser Beschluß wurde bei einer Versammlung des Verbandes der Hafenarbeiter gefaßt. Der Verband erklärt, seine Mitglieder wollen nicht an einer Aktion teilnehmen, die dem Kriege Vorschub l e i st e t. Auch in Durban haben sich die farbigen Löschmannschaften geweigert, Gefrierfleisch in dem italienischen Dampfer„Perla" einzulagern. Das Schiff konnte später mit Hilfe anderer Ladearbeiter seine Ladung doch aufnehmen. Der Verband der südafrikanischen Gewerkschaften beschloß, einen Auftuf an das Gewissen Südafrikas zu richten, in welchem der kriegsfeindliche Standpunkt der Hafenarbeiter in Kapstadt verteidigt werden soll. Dieser Beschluß wurde dem Ministerpräsidenten Hertzog mitgeteilt. Der Gewerkschaftsverband fordert auch die Arbeiter in anderen Häfen aus, diese Aktion zu unterstützen. Fasdstischer Waffenschmuggel in Frankreich London. Die französischen Schwarzhemden legen, wie dem„Daily Herald" berichtet wixsi, im ganzen Lande Waffenlager an. Aus einer Poli- zeikascrne in Dieppe stahlen sie eine große Menge Gewehre. Diese Waffen wurden später bei einem fascistischen Ladeninhaber gefunden, aber der untersuchende Beamte unternahm trotz polizeilicher Anzeige keinerlei Maßnahmen. Schon vor einiger Zeit hat dieser Gehaltsbezieher der Demokratie es abgelehnt, gegen Fascisten vorzugehen, die bei der Verladung von Waffen von einem Auto überrascht worden waren. Besonders in den Schlössern fasei- ftischer Besitzer werden immer mehr Waffen aufgestapelt. In der Burg von Gaylle Fontaine bei Dieppe liegen große Munitionsbestände der dortigen Fascistenorganisation. Ole Helmwehr erschient wieder einen Kommunisten Wien.(Amtlich.) Am 81. August um 8 Uhr abends veranstaltete eine Gruppe kommunistischer Parteigänger in der Wattgasse unter Abtrennung eines Sowjetsterns eine„lärmende" Demonstration. Ein auf dem Heimweg befindliches Mitglied des Schuhkorps versuchte einen der Demonstranten festzunehmen, Ivurde aber von einer Anzahl Gegner umringt, durch Mißhandlungen am Kopf leicht verletzt und gab in seiner Bedrängnis aus seiner Dienstpistole mehrere Schüsse ab. Durch einen dieser Schüsse wurde ein Demonstrant tödlich getroffen. Die übrigen Demonstranten ergriffen die Flucht. Ihre Ausforschung wie auch die weiteren Erhebungen zur Klarstellung deS Sachverhaltes sind im Zuge. Der Tote ist nach einer bei ihm vorgefundenen Legitimation mit dem in Wien 16. Bezirk wohnhaften Handelsangestellten Franz Otto identisch.(Ein objelliver, also wahrer Bericht über diesen neuen Mord an einem Antifascisten liegt zur Stunde noch nicht vor. Red.) Warenmangel In Danzig Danzig. Wie die Blätter melden, macht sich in Danzig der Mangel an Waren, insbesondere Textilwaren, bemerkbar, deren Bedarf die Danziger Firmen kaum zu 16 Prozent decken können. Die Presse erblickt hierin eine Folge der Beschränkung der Einfuhr aus Polen, die der Danziger Senat verfügt hat« Gelte 4 DienSta-, 3. Tetztembrr 193S 9!t. 205 Internationale Konferenz der„Naturfreunde“ Wiederum hat der Internationale Ausschuß der„Naturfreunde" Prag als Ort seiner Beratungen gewählt. Es waren anwesend: Die Vertreter der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland und der Tschechoslowakei. Aus den Berichten geht hervor, daß in den einzelnen Ländern der Natur- freundegedanke festen Fuß gefaßt und eine sehr gute Entwicklung erwartet werden kann. Die Hauptträger der Bewegung sind die freiheitlichen, demokratischen Elemente der Arbeiter- und Angestelltenschaft. Damit ist die kulturelle Tätigkeit dieses Zweiges der modernen Arbeiterbewegung dokumentiert. Durch das Verbot der Tätigkeit der„Naturfreunde" in Deutschland und Oesterreich ist wohl die Internationale in der Mitgliederzahl bedeutend verringert worden, doch ist in den anderen Ländern ein Aufstieg zu verzeichnen und auch die Ferienheime und Bcrghäuser nehmen an Zahl alljährlich zu. Die Schweiz steht mit ihren 60 Häusern an der Spitze. Holland hat bereits in 100 Gruppen zirka 8000 Mitglieder und ein ganze Reihe von Ferienheimen. Die Tschechoslowakei 105 Gruppen mit 9500 Mitgliedern(hievon 9000 Deutsche). Aus den übrigen Ländern lagen schriftliche Berichte vor und ist daraus zu ersehen, daß die sogenannten nationalen Regime den fortschrittlichen kulturellen Geist in einem Teil der Arbeiter wyhl hemmen, jedoch nicht aushalten können. Es sind gute Gruppen in Polen, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien vorhanden. Die Zeitschrift„Der Naturfreund" wird allgemein als sorgfältig geleitetes Blatt anerkannt und für Dcutschsprechende wird Pflichtbezug auferlegt. Außerdem werden in den einzelnen.Ländern entweder selbständige Mitteilungsblätter oder Mitteilungen in Kulturzeitschriften der Arbeiterorganisationen gebracht. Auch der.zwischenstaatliche Verkehr(Fremdenverkehr) der Naturfreundemitglieder ist stark im Anwachsen begriffen. Den Delegierten wurde Propaganda-, material für die international bekannten Gebiete der Tschechoslowakei überreicht, ebenso durch Vermittlung der tschechischen Arbcitertouxisten ein? gut ausgestattete Propagandaschrift der Hauptstadt Prag. Nach Abschluß der Arb-itskonfercnz und auch in den freien Abendstunden besichtigten die Delegierten die Stadt. Wiederum Geistliche wegen „Devisenvergehen** verurteilt Berlin. Das Berliner Sondergericht verurteilte sieben Geistliche des Redemptoristenordens, die sich unter der Anklage des Devisenverbrechen» zu verantworten hatten, zu Strafen von vier Monaten Gefängnis bis zu sechs Jahren und einem Monat Zuchthaus. Ein Angeklagter wurde frcigesprochen, ein Verfahren abgetrennt. Außerdem wurden Geldstrafen in der Höhe von 250.000 Mark verhängt und 435.000 Mark„Wertersatz" vorgeschricben. Für die Geldstrafen und die Kosten des Strafverfahrens wurde die Mithaftung der Redemptoristenklöster Bochum» Trier und Heiligenstadt ausgesprochen. Polnische Gewalttaten gegen tschechische Schulen. Die systematische Hetze, die seit der Verbrüderung des offiziellen Polen mit dem Dritten Reich von polnischer Seite gegen die Tschechoslowakei betrieben wird, hat jetzt dazu geführt» daß in mehreren Orten im Teschener Gebiet die tschechischen Schulen demoliert wurden. Sonntag früh wurden in Dolni Listna bei Trinec die Fenster der tschechischen Schule eingeschlagen. Die Täter drangen in die Klassenzimmer ein, rissen die Karte des Teschener Gebietes von den Wänden und zerrissen sie. Auf den Globen jvurde die Stelle, wo Teschen liegt, beschädigt. Ferner wurde das tschechoslowakische Staatswappen in Stücke gerissen und die Schulbücher vernichtet. Die Gendarmerie hat als Täter zwölf Mitglieder der polnischen Lesehalle in Trinec verhaftet, die bereits mehrere solcher Provokationen auf dem Gewissen haben sollen. In der Rächt auf Montag wurden in Tschechisch-Tcschen selbst im Gebäude des tschechischen Staatsrealgymnasiums 16 Fenster eingeschlagen. Auch in drei weiteren Orten wurden die Fenster der tschechischen Schulen eingeschlagen. Vom Rundfunk iMptahltMwtrtat aus dan PraaraniMam Mittwoch Prag: Sender L.: 6.00 Gymnastik. 10.05 Deutsche Presse. 10.10 Schallplatte»: Dvorak. 11.05 Salonorchesterkonzert. 12.10 Schallplatte»: Strauß. 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt. 16.30 Konzert. 18.20 Deutsche Sendung: Aktuelle Viertelstunde. 18.35 Arbeiterfendung: Dr. Wiener: Aus dem praktischen Rechtsieben. 18.55 Sozialinformationen. 19.00 Deutsche Presse. 19.30 Uebertragung aus.dem Rationaltheater: Die Brüder Karamasoff.— Sender Str.: 7.30 Salonorchesterkonzert. 14.00 Ouvertüren auf Schallplatten. 14.15 Deutsche Sendung: Kinderstund«. 14.50 Deutsche Presse.— Brünn: 13.30 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 15.00 Konzert des Brünner Rundfunkorchesters.' 17.40 Deutsche Sendung: Südmährische Bauernhochzeit.— M..Ostrau: 13.40 SmetaniS Opern auf Schallplats 4en. 22.30 Tanzmusik, Der„erste Tod" ist nicht endgültig Experimente um die Wiederbelebung Toter Moskau. Der Sowjetgelehrte Brjucho« nknko führte beim 15. Internationalen Physiologenkongreß seine Versuche mit dem k ü n ft- lich'en Blutkreislauf und der Belebung toter Tiere mit Hilfe eines von ihm konstruierten„Autojektor" genannten Apparates vor, der aus einem Pumpwerk besteht, in welchem die Temperatur und der Druck des Blutes konstant erhalten werden kann. Der Forscher tötete einen narkotisierten Hund und pumpte ihm das Blut aus. Der Hund war bereits zehn Minuten tot, als der„Autojektor"-Apparat an ihn angeschlossen wurde, der in seine Adern neuerlich Blut pumpte..Fünf Minuten später begann das Herz des Hundes schwach zu schlagen, schließlich atmete der Hund mit seinen eigenen Lungen und gab Laute von sich. Er war also wieder lebendig» nachdem er zehn Minuten laut ärztlicher Konstatierung tot gewesen war. Nach der Theorie Dr. Brjuchonenkos hat der Tod zwei Phasen: Eine nichtendgültige und eine endgültige, die mit dem Zeitpunkt der Zerstörung der Gewebe beginnt. Solange die Gewebe nicht zerstört sind, kann ein toter Organismus wieder zum Leben erweckt werden. Diese Zeitspanne zwischen dem nichtendgültigen und dem endgültigen Tod dauert nach dem russischen Forscher 35 bis 40 Minuten. In dieser Zeit ist eine künstliche Wiederbelebung möglich. Begin« der Manöver in Westböhme« Rakovnik. Die Hebungen der dritten Manö- vergrüppe der tschechoslowakischen Armee beginnen Dienstag, den 3. September, und werden bis zum 6. September dauern. Die Feindseligkeiten werden um 4 Uhr früh eröffnet werden. Mit diesem Zeitpunkt beginnen auch die Bewegungen der Truppen, die teils durch Fußmärsche» teils durch Eisenbahn oder Automobiltransporte in das Manövergelände geschafft wurden. Die Manöverennahmen wurden den Kommandanten der beiden Parteien am 2. September um 9 Uhr eingehändigt.' Der Schauplatz der Manöver der dritten Gruppe ist Nordwestböhmen. Die großen Waldkomplexe der D u p p a u e r B e r g e, das Gebiet des Zban- Berges, die Wälder von Kkivoklät, dgS E g e r t a l, die Täler zahlreicher tiefeingeschnittener Bäche gestalten das Manövergelände dieser Gruppe sehr interessant. Es ist zu erwarten, daß die erste Phase der Manöver das Bestreben der Gegner bilden wird, sich an der Eger, die ein wichtiges Terrainhindernis bildet und weiter im Zban-Massiv zu konzentrieren. Die Leitung der Manöver hat der LandeS- militärkommandant in Böhmen, Divisionsgeneral Kop al inne. Die rote Partei, die auS mehreren höheren Einheiten besteht, befehligt Divisionsgeneral Lin h a r t; die blaue Partei, die aus höheren Infanterie- und Kavalerieeinherten besteht, steht unter dem Kommando des Divisionsgenerals Hrabäik. Im ganzen bestehen die Manövergruppen aus etwa 40.000 Mann. Der Minister für Rationawerteidigung Mach- nll veranstaltete Montag nachmittags auf dem Bär- randov in Prag zu Ehren der rumänischen und der jugoslawischen Militärdelegation, welche an den Schlußübungen der tschechosiowakischen Armee teilnehmen, ein Dejeuner. Lepej erbeutet wieder 12.000 Kk Ujhorod. Der von Jura Kleve c begleitete Räuber JIto Lepej; drang in der Nacht äuf Samstag in das Gebäude eines vermögenden ruthenischen Bauern in der Gemeinde B e r e z o- v ä, Bezirk Chust, ein. Durch Drohungen zwangen die Räuber den Landwirt, ihnen 12.000 Kc bar auszufolgen, worauf sie in den Bergey verschwanden. Der Ueberfastene hat aus Angst den Rauh erst Sonntag nachmittags der Gendarmerie angezeigt. Dynamitexplosion in einer mexikanischen Grube Mexiko City. Beiteiner Dynamitexplosion in einer Grube bei Villa de La Paz wurden'20 Personen getötet. Zahlreiche Geschäfts- und Privathäuser wurden verwüstet. Man befürchtet, daß sich unter den Trümmern noch zahlreiche Tote befinden. Das Unglück wurde durch einen Kurzschluß herbeigeführt.. 38 Kinder bekamen niemals Mich..... Heber das untragbare Elend im sudetendeutschen Gebiet ist schon viel gesprochen und viel geschrieben worden. Aber nichts von allem, was je gesagt wurde, reicht in seiner erschütternden Klarheit an ein Dokument heran, das im Bericht der Kinderfcrienäktton der Karlsbader Kinderfreunde enthalten ist. In dem ärzüichen Befund über die Untersuchung der Kinder schreibt-der behandelnde Arzt Dr. Stephan Jes- scl auS Gießhübel-Sauerbrunn:... „Zirka 75 Prozent.der mifzknommenen Kinder zeigten dri der Lnfna-M« dir Symptome einer auch objektw wahrnehmbaren Unterernährung: Blaffe, Caries der Zähne, UntergeNncht, trocken« Schilferhaut, müdes Wesen.. In vielen Fällen wurde auch eine Vergrößerung der Schilddrüse wahrgenouunen.als wahrscheinliche Folge einer Jnsuffienz. des gesamten endokrinen Apparates; jedoch wurde derzeit von einer Jodbehandlung in allen Fällen wegen der allg e m ei nen s chw a- chen Körperbeschaffenheit Abstand genommen."- Drei Viertel aller sudetendeutschen Kinder sind unterernährt, zahlreiche, sind zu schwach, um auch nur die Behandlung, deren sie dringend bedürfen, aushalten zu können. Ist das genug? ES gibt in diesem Bericht noch eine zweite Sta- ttfttk, deren erschütternde Zahlen das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung fast noch in den Schatten stellen: 27 Kinder konnten sich daheim nie satt essen, . 19 Kind« kannten-überhaupt' kein ge« sch m i e rteS B r o t, 38 Kinder bekamen nie Milch zu trinken, 31 Familien haben n ie vermur Sonntag ein Stückchen Fleisch, 19 Kinder bekommen n i« e i n E i zu essen, 24 von den. 40 Kindern weisen ein Unter- gewicht bis zu.16 Kg. auf, 31 Kind« besitzen nur ein Paar Schuhe, davon di« meisten schadhaft, 19 Kinder haben nur ein Hemd. 32 Familien bewohnen nur einen Raum, 37 Kinder müssen das Bett mit Geschwistern teilen. Kinder, die noch niemals Milch getrunken haben, Kinder, die noch nie ein Ei aßen, SHn- der, die sich nicht erinnern, satt gegessen zu haben, Kinder aus dem Hungergebiet klagen an! Großfeuer bei Isla«. In P e t r o to i tz bei Stecken entstand am Montag um einhalb 10 Uhr in der Scheune des Landwirtes Kutlvasr ein Brand, der sich auf sechs benachbarte Höfe ausdehnte, die vollständig verbrannten. Bei mehreren stürzten auch Gewölbe und Zimmerdecken ein. Nahezu der ganze Nordteil des Dorfes wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Auch in der Dorfkirche' verbrannte der Turm und stürzte auf die Straße. Das Kirchenschiff-wurde gerettet. 17 FeuerwehrkorpS aus dem ganzen Gebiete von Stecken und zwei Feuerwehren aus Jglau, die telephonisch herbeigerufen wurden, löschten nach fünfstündigen Bemühungen das Feuer. Der Schaden ist beträchtlich..Die Löscharbeiten wurden durch den Dkangel an Wasser, sowie durch die große Hitze erschwert!,/./, Aus dem Fenster gestürzt. In der Wohnung der Anita Jichovä in Pilsen siel in der Nacht zum Montag die der Jichopä zur Erziehung anver- traute zehnjährige Schülerin Marie Leberovä auS dem. Fenster de» dritten Stockwerkes und blieb.auf dem Balkon im ersten Stockwerk desselben Hauses in einer Blutlache liegen. Das Mädchen hatte durch den Sturz einen Bruch der Schädeldecke und einen Bluterguß ins Gehirn erlisten und war auf der Stelle tot. Man vermutet, daß das Mädchen in schlaftrunkenem Zustande statt die Tür das Fenster öffnete und hinausfiel. In der Thaya ertrunken. Nachmittag ertrank in Lundenburg in der Thaya der Zugssührer- Aspirant B. Vesely auS Jablonöv, der trotz dem strengen Badeverbot den Fluß überschwimmen wollte. Plötzlich stieß Vesely einen Schrei aus und versank, in den Fluten. Wiewohl er kurz darauf ans Ufer gezogen- wurde, blieben alle Wiederbelebungsversuche ergebnislcS, Der Vorfall ist um so tragischer, als Vesely den Militärdienst seiner. Beendigung seiner philosophischen Studien antrat und die einzige Hoffnung und Stütze, seiner Mutter war, der vor einem Monat der Gatte gestorben war. Auto vom Zug erfaßt. Montag um 17 Uhr 25 erfaßte beim Km, 98.679 der Strecke Lunden- jchurg—Znaim auf einem ungeschützten Bahnübergang der Zug Nr. 458 mit dem rechten Puffer das Lastauto M 38.197,-das dem Fleischhauer Ferdinand Langer aus Nikolsburg gehörte. Der Chauffeur Benno Krohn wurde auf der Stelle getötet,, das Auto zertrümmert. Die Ursache des Unfalles untersucht der Staatsbahndirektton in Brünn. H. G. Well- verletzt. Der bekannt« englische Schriftsteller H. G- W e l l S zog sich Samstag.beim Sturz von einer" Leiter ein« Gesichts; Verletzung zu'. . Tschechoslowakische Rehhühner fliege« nach Paris. Sonntag ist auf dem Pariser Flugplatz der tchecholowakiche Flieger Chladek gelandet, der 1000 Rebhühner äüs der Tschechoslowakei an Bord hatte, dir in der Pariser Markthalle verkauft werden sollen. Ein unersittlicher Brandstifter? Im Gebiete von Kunjak wurde seit 1. Juli bereits der fünfte Brand verzeichnet.- Man vermutet, daß sich in dem genannten Gebiete ein Brandstifter aufhält, der seinen Mitbürgern die Häuser in Brand steckt. Zuletzt ist dieser Tage in Terezin bei Jan Swlinger das gesamte Anwesen mit dem Wohngebäude, ferner.-Ställe, eine Scheune, die Heu- und Getreideernte,, verbrannt. Der Materialschaden wird auf 100.000 XL geschätzt. DaS Gebiet I von Kunjak weist alljährlich die größte Zahl von Bränden des. Neuhauser Bezirkes auf und es Spork vom Sonntag Kleische— Fußballmeister im 5. Kreis BFA Gporitz unterliegt 2:1(1:1) Aussig. Kleische hat es geschafft und feinen letzten Widersacher aus der Konkurrenz geworfen. Damit erhält der 5. Kreis des Atus einen Fußballmeister, der würdig ist, diesen Titel zu tragen. Das Spiel befriedigte jedoch keineswegs. Im 5. KreiS sind wir andere Endkämpfe gewöhnt. Es war ganz offensichtlich, daß der neugebackene KreiS- meister weit unter seiner sonstigen Form spielte. Die Verteidigung hatte keine schwere Aufgabe, war aber dennoch reichlich unsicher. Half, besonders MiÜe, schwach und ohne System. Der Sturm nur links entsprechend, im allgemeinen aber auch schwach. Die Sporitzer fanden sich am Anfang auf dem Grasboden nicht zurecht. Erst später klappte es ein bißchen beffer. Tie Mannschaft ist hart und zäh, ab«r technisch nicht durchgebildet. Die knappe Niederlage ist ein Erfolg ihres vorzüglichen Tormannes und d«r energischen Verteidigung. Sporitz spielte hoch und die Kleischer machten es sofort nach. Bei dem geringen Einsatz an Energie, der sonst solchen Spielen innewohnt, ging es ziemlich flau und ruhig zu. Die Spieler benahmen sich diszipliniert und spielten sehr fair. Das Publikum hatte keine Gelegenheit zur Aufregung, um so mehr nicht, als auch Genosse Richter als Schiedsrichter einwandfrei amtterte. Der Besuch, zirka 600 Personen, ließ sehr zu wünschen übrig. Es fehlte eben der richtig« Endspielgegner, der im vorhinein schon eine große Spannung ausgelöst hätte. Spielverlauf: Beiderseits zu Beginn sehr zerfahrenes Spiel. Kleische ist ständig im Angriff, ohne jedoch zu überzeugen. Einige gute Schüffe werden eine sichere Beute des Sporitzer Torers. In der 16. Minute fällt der erste Treffer für Kleische. Smetana war der Schütze. Von nun ab wird daS Spiel lebhafter. Die Sporitzer finden sich nun und drängen auf Ausgleich, erzielen aber nur eine Ecke. Der Kleischer Linksaußen unterbindet die meisten Angriffe durch Abseits. Gute Aktionen scheitern an dem vorzüglichen Tormann. Ueberraschend fällt der Ausgleich. Ein blitzschneller Angriff der Sporitzer, ein scharfer Schrägschuß und der Ausgleich ist her- gestellt. Die restlichen zehn Minuten sehen wieder die Auffiger im Angriff. Schon die ersten Minuten nach der Pause bringen Kleische einen billigen Erfolg und damit Sieg und Titel. Ein weiter schwacher Schuß wird zwar vom Sporitzer Tormann gehalten, aber;r läßt ihn über dem Arm ins Tor rollen. Darnach sieht«S aus, als ob nun Kleische einen hohen Sieg erringen wird. Aber das Puwer ist bald verschoss«». DaS Spiel bleibt offen, ein weiterer Erfolg ist keiner Partei mehr beschicken. scheint, daß eine verbrecherische Hand am Werke ist. Kongreß für Handelswiffenschaften. Im Sitzungssaal des Prager Abgeordnetenhauses wurde Sonntag der 6. internationale Kongreß für Han« delswiffenschaften, veranstaltet von der tschechoslowakischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Handelswiffenschaften unter dem Protektorat des Präsidenten T. G. Masaryk und der Patronanz der Vorsitzenden der beiden Häuser der Nationalversammlung B. Bradäc und Dr. Soukup, der Mitglieder der Regierung mit dem Vorsitzenden I. Malypetr an der Spitze und in Anwesenheit von Verttetern von 28 ausländischen Staaten eröffnet. Hitzwelle in Bulgarien. In der Umgebung der südbulgarischen Städte Jambol, Haskovo, Kirdschali und Harmanli ist die Temperatur auf 38 Grad im Schatten gestiegen. Eine ähnliche Hitze wurde auch in Plowdiw, in Bulgarisch-Mazedonien und im Ostteil der nordbulgarischen Tiefebene verzeichnet. Es ist das die größte Hitze, die heuex zu verzeichnen war. Autounglück im Salzkammergut. Sonntag abends ereignete sich bei Loibichl im Bezirk Vökla« druck ein schweres Automobilunglück, bei welchem sieben Personen ernste Verletzungen erlitten. Ein mit 15 Personen, darunter vier tschechoslowakischen und vier italienischen Staatsbürgern besetztes Automobil, das sich auf einer Rundfahrt durch das Salzkammergut befand, geriet, als der Chauffeur einer Radfahrerin vorfahren wollte, in einen Straßengraben und fuhr gegen einen Baum. Der Chauffeur und fünf Insassen des Autos soivie das Radfahrerin wurden schwer verletzt. Ueber das Schicksal der tschechosiowakischen Staatsangehörigen fehlen bisher Nachrichten. Die Verletzten befinden sich im Spital von Salzburg. Kühlere Lust kommt. In Böhmen, wo die Temperatur Montag nachmittags auf 29 bis 82 Grad anstieg, hat die Wärmewelle anscheinend ihren Höhepunkt erreicht. Vom Ozean her dringt nunmehr etwas kühlere Lust, welche bereits bis zu den Westgrenzen des Staates gelangt ist. Paris hatte Montag nachmittags nur mehr 22 Grad, London und Frankfurt am Main 19 Grad. Die Abkühlung war in Frankreich und Westdeutschland von Lokalgewit- tern, aber nur von geringfügigem Regen begleitet. Auch bei uns dürfte eS noch zu keiner durchgreifenden Wetterverschlechterung kommen, da noch nicht mit dauerndem Luftzufluß aus höheren Breiten zu rechnen ist.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Vorübergehend stärkere Bewölkung, strichweise Gewitter. Im Westen des Staates bereits etwas kühler, im Osten noch heiß.— Wetteraussichten für Mittwoch: Neuerliche Beruhigung deS Wetters. Auch im Karpathengebiete leichte Abkühlunr Nr. 205. Dienstag, 3. TcplcmLcr 1935.. Leite,? Konsument und Mustermesse Ei« Rundgang durch die Prager Messe Seit der letzten Prager Mustermesse ist auch hier die Entdeckung gemacht worden, daß der Konsument ass Besucher auf dem Mesfegelände nicht nur ein lästiges;— allerdings Eintrittsgeld bezahlendes— Individuum tarstellt, sondern auch im Exportsektor einer Mustermesse eine wichtige Funktion zu erfüllen hat. Er ist die Zündmaffe, die eine Neuheit in der Hauptstadt und draußen im Lande einschlagen lassen kann. Einkäufer werden psychologisch mehr vom Interesse des Schaupublikums beeinflußt, als eS hier oft die Industrie anzunehmen scheint. Viele Einkäufer wollen mitten im Trubel der übrigen Messe»ihr Urteil fällen und nicht nur„in Ruhe, unbelästigt vom Schaupublikum" einkaufen. Man erweckt so. den Eindruck, als wollte sich der Produzent den unangenehmen Richter„Konsument" vom Leibe halten, dessen Urteil dann allerdings in ganzer Schärfe auf den letzten, den die Hunde beißen, auf den Einzelhandel und das Kaufhaus herunterprasselt. So zeigt zum Beispiel die Ausstellung der böhmischen Glasindustrie gegenüber der letzten Mustermesse ein viel freundlicheres Gesicht auch in. der Haltung zum Schaupublikum. Sie tut auch gut daran, mit ihrer Unmenge entzückender Muster nicht zurückzuhalten. Da gibt es Reihen der herrlichsten Glasfigürchen.. Da gibt es gediegenen modernen Schmuck aus GlaS und Chrom, der trotzdem billig ist. Da ist auch eine prächtige Kollektion der Glasfedererzeugung. Vor dem Kopieren der neuen Modelle kann man sich wirklich nicht schützen, wenn man sich vom Publikum abschließt und„die neuesten Modell- nur Interessenten" zeigt, sondern dadurch, daß man bis zur nächsten Mustermesse wieder eine Reihe neuer Einfälle hat. Vorbildlich in neuen modernsten Mustern und in der Art ihrer Anordnung und Ausstellung sind auch in diesem Jahre wieder die Taschentuchfabriken. Man hat auf diesem Gebiet erst richtig wieder die starke entdeckt. Es ist aber auch in den anderen Sparten der Mustermesse die Entwicklung zur freudigen Farbe Wester gegangen. Wir sehen Bügeleisen in neun verschiedenen Farben. Farbig sind die Küchengeräte, das Küchengeschirr und farbig. sind sogar die Telephone. Allein die Schreibmaschinen scheinen auf der Prager Messe, im Gegensatz zum übrigen Europa, noch nicht von der Farbenfreudigkcit angesteckt zu sein. Farben zeigt auch die Gummiindustrie in einer Anzahl praktischer Neuheiten. Am rührigsten in Mustern und neuen Farben sind hijer besonders di« jungen neuaufstrebenden Berke.' Bpn diesen geben, durch ihre besondere"Art'der' Finanzorganisation, ihre Einstellung zu modernen Ideen, die Gummiwerke in Böhmisch-Kam- nitz dem Konsumenten und erst damit auch, dem Großabnehmer ein Beispiel erstklassiger und zugleich preiswürdiger Ware. Die Musterkollektionen zeigen in erster Linie den erfolgrcichenKampf, den der modern getönte Gummi-Fußbodenbelag' gegen das Linoleum führt. Gummi-Fußbodenbelag war früher, als allein England ihn gut aber teuer herstcllte,- das Material für Luxushäuser und Großbanken. Heute ist er zu einem wichtigen Baustoff bei allen Neubauten geworden. In den letzten Wochen wurde das Ambulatorium einer Prager Krankenkasse, ganz in weißem Gummibelag auSgelegt, Die Böden von anderen Bürogebäuden wurden in verschiedenen Farben getönt. Eine praktische Abart dieser Bodenbeläge ist die G u m m i t a p e t e für die Küche und das Badezimmer. Abwaschbar, ist sie ein billiger Ersatz für Wandfliesen. Zwei ebensoviel gekaufte Reu- heiten für Küche und Bad sind der Gummirand für das Ausgußbecken der Wasserleitung in der Küche und der Seifensparer. Die meisten aller verwendeten Seifenbehälter lassen das Tropf- wasser, das nach dem Gebrauch von der Seife läuft, nicht oder nur unvollkommen abfließen. Dadurch entstehen jährlich den Verbrauchern Verluste, die in jedem Land viele tausend Tonnen Seife betragen. Für sich kann die Hausfrau den Kampf gegen Seifenverschwendung führen, wenn sie die Seife nach Gebrauch auf ein Gummistück mit vielen kleinen Gummiwarzen, dem Seifensparer, legt. Für die Technik ist in diesem Jahre der Kampfgegen denLärmder Haupttrumpf geworden. Diesen Kampf führt die Gummiindustrie mit. So werden jetzt Äummibandagen für Transporträder erzeugt. DaS sind Räder, die an Stelle der Zahnräder allein durch die Reibung des Gumtni‘ die Kräfte der Maschinen lautlos übertragen, Volkswirtschaftlich wichtig ist, daß die Tschechoslowakei in den letzten Jahren die Ersatzgummiwalzen für Schreibmaschinen selbst erzeugt. Das war bis dahin ein großer Exportposten für Deutschland und Nordamerika. Wie bei der Gummiindustrie, so ist auch in jedem anderen Zweig der Prager Messe die rasche Umstellungsfähigkeit der Produzenten entscheidend. Auffällig kommt diese Wendigkeit natürlich bei einer so jungen Industrie, wie es die Radioindustrie ist, zum Ausdruck. Allein von Radio- röhren-Thpen dringt die Ausstellung Hunderte Modelle und dazu natürlich eine Reihe modernster Apparate, neue Antennen und geschickte Vergleichsanordnungen für Lautsprechermodelle der berschiedensten Preislagen. Nicht so fortschrittlich erscheint die M ö befind u st r i e. Hier ist immer noch das Schlafzimmer-Nestchen mit dem obligaten Bild schwebender Elsen das Leitmotiv. Verchromte Stahlmöbel scheinen sich hier nicht durchzusetzen, obwohl fie—r mit Verlaub zu sagen— gegen die Prager Wanzen sehr empfehlenswert wären. Zum Schluß noch ein paar Worte für eine Art volkswirtschaftlich produktiver Reklame, die sich auf dieser Mustermesse zum erstenmal in größerem. Maße zeigt..Das ist die Werbung, nicht dvM teuere. überredende Werbebroschüresi,.so»-., derg^..dürch.«tz^ einfaches überzeugenoes Muster. Anders als bei Werbezesseln, die viel angenommen und wenig gelesen werden, haben die Firmen der Warcrireklame die Garantie, daß sich di«. Messebesucher auch zu Hause noch einmal an sie erinnern. Im Laufe des Montag trafen neue Einkäufer hauptsächlich aus den Nachbarstaaten, der Schweiz, Frankreich, Bulgarien, Italien und Spanien«in. In Prag langte außerdem ein Sonderzug aus Krakau ein, der viele polnische Interessenten der Messe zuführte. Auch meldeten fich weitere überseeische Einkäufer aus Brasilien, China, Aegypten, Indien, Palästina und Tunis. Der Jnlandsbesuch war heute mäßiger. Flucht aus dem Kerker— wie im Kino. Der in Oesterreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten vorbestrafte Schwindler und Geldfälscher Miller-Wagner, bekannt unter dem Spitznamen .Graf Lustig", flüchtete aus dem New Dorkcr Bundesgefängnis. Er ließ sich vom Fenster seiner Zelle mit Hilfe zusammengebundener Betttücher auf die belebte Straße nieder, wo er einen kartenden Kraftwagen bestieg. Bevor die Zuschauer chre Ueberraschung überwunden hatten, war der Wagen verschwunden. Autokatastrophe hek Wien. Eine schwere Autokatastrophe ereilte Sonntag sechs Wiener, die in einem Laftautomobil einen Ausflug unternommen hatten. Nächst Pottenbrunn brach dos rechte Vorderrad des Lastautos in dem Augenblick, als dessen Chauffeur eben einer Gruppe von Motorradfahrern Vorfahren wollte. Zwei der Autoinsassen, Ingenieur N o t i S k a aus Baden bei Wien und die Kontoristin Erna P r o k f ch aus. Wien, erlitten schwere Kopfverl«tzungen und ringen mit dem Tode. Vier weitere Insassen Kurden schwer verletzt. 25 Millionen: 8 Millionen... In So- Kssetrußland werden in diesem Fahre über 25 Millionen Kinder und 483.000 Studenten die Schulen und Lehranstalten füllen, während im zaristischen Rußland insgesamt ungefähr nur acht Millionen Kinder die Elementar- und Mittelschulen, und 124.000 Studenten höhere Lehranstalten besuchten. In den Städten ist der allgemeine siebenjährige Unterricht bereits vollständig verwirklicht, auf dem flachen Lande schreitet seine Einführung erfolgreich fort. 300 Millionen Dollar UeberschwrmmungS- schaden in China. Der von den Ueberschtvemmun» gen angerichtete Sachschaden beträgt allein, in den Provinzen Honan, Hopai und Schantung über 300 Millionen Dollar. Trotz einer sofortigen energischen Hilfsaktion herrscht unter den fünfeinhalb Millionen Flüchtlingen entsetzliche Not. In» folge deS starken Zustroms zu den Lebensmittel- Notlagern der Hilfsaktion ist es mehrmals Ban- bitenbanden gelungen, dies« auSzurauben. Gewaltige Landwirtschaftsausstellung in der stTTR. Die Landwirtschaftliche Ausstellung der Sowjetunion wird im Jahre 1937 auf dem Territorium des Ostankincer Parkes bei Moskau eröffnet werden und einen Raum von 300 Hektar rinnehmen. Ein beträchtlicher Raum wird auf der Ausstellung den Musterkollektivwirtschaften, Sowjetgütern und MTS. eingeräumt werden. Die Besucher der Ausstellung werden Biehzuchtfar- kien mit tausenden Rindern, Schafen, Schweinen und Zehntausenden von Pflanzenarten zu sehen bekommen. Vegetarier im Altertum AP. Auch das Altertum hat schon Vegetarier Selanut. Während jedoch der moderne Vcgetaris- kus im allgemeinen physiologisch und zutveilen ethisch begründet wird, trug er in der Antike Religiösen Charakter und war großenteils nicht grundsätzlicher Natur. Oft gab es nur partielle Speiseverbote. > Der griechische Mythos berichtet bereits von den L o t o p h a g c n, den LotöSessern. Im sechsten Jahrhundert war er die groß« religiöse Bc- tvegung des O r p h i s m u s, die gebot, die Nahrung auf Lebloses zu beschränken. Dabei wurden auch Eier, als von Lebewesen stammend, ab- Selehnt. In Anlehnung an die orphische Lehre sorderte Pythagoras die Enchaltung von Fleisch, Wein und Bohnen. Dies Verbot scheint durch den Glauben an eine Seelenwanderung bedingt gewesen zu sein. Dazu traten hygienische und ethische Motive. Fleisch belaste, so lehrte er, die Verdauung. Außerdem müsse man die Menschen zu einer friedlichen Gesinnung erziehen und die Tiere schonen. Darum lehnte er auch die Tier- upfer ab. Empedokles lehrte ähnlich und berwies auf das in der Urzeit vorhandene, in der Zukunft wiederkehrende goldene Zeitalter deS Friedens. SokrateS war kein Vegetarier, sondern predigte lediglich eine einfache LebcnS- tueise. Aehnlich steht eS mit Plato. Nur die Kyniker waren Vegetarier, vor allem X enokra« te s. Heraklit lehnte wiederum diese Lehre unter Berufung auf die individuelle Freiheit ab, Und Aristoteles lchrte, daß, wie die Pflanzen um der Tiere willen, so die Tiere um der Menschen willen da seien. Theaphrast be- ionte die Verwandtschaft der Lebewesen und forderte die Gctreidenahrnng. Hier tritt das reli- Süise Motiv zurück. Die Stoiker wiederum, »n sich genau so rationalistisch denkend, verwarfen den Vegetarismus, da das Tier als unvernünftig k>eit unter dem Menschen stehe. Nur M u s o- u i u s RufuS machte hier eine Ausnahme, aber S p j k t e t und Mark Aurel folgten ihm darin keineswegs. Seneca verzichtete sogar auf den Vegetarismus, dem er zuerst anhing, um nicht in den Ruf des Aberglaubens zu körn« 'nen. E p i k u r dagegen führte für sich ein vegetarisches Leben, waS manchem angesichts der mit dem Namen verbundenen Bedeutung, die aus einem Mißverständnis beruht, absonderlich erscheinen wird. Mit den NeuphythagoräcrN und Neuplato- nikern lebte das vegetarische Ideal nochmals auf. Apollonius von Thana, Porphyrios und Prokolos drängten auf strengste Askese. Mit Kaiser Julian sank der vegetarische Gedanke ins Grab, um erst in der Neuzeit durch Montaigne, Gassendi und Voltaire wieder Auferstehung zu feiern. Umgruppierung Die Presse hat vor einiger Zeit die Vereinbarung zwischen dem japanischen General Taka« hascht, Befehlshaber der japanischen Armee in Rord-China, und den chinesischen Generälen Den Schi Chan, Gouverneur der Provinz SchaM, und Pu Tsoi D, Gouverneur von Sui Duau, angekündigt. Diese Vereinbarung, die Tschang Kai Tscheks Absichten enthüllt, bezweckt nichts anderes, als ein gemeinsaines Vorgehen gegen die chine- isrschen Sowjets, die vor kurzem in den beiden genannten Provinzen Fuß faßten. Der General Den Schi Chan■ wurde vor einigen Monaten nach Schansi geschickt, um dort die Roten zu vernichten. Dies mißlang ihm und führte nur dahin, daß die Bauern dieser Gegenden die revolutionäre Bewegung verstärkten. Bewaffnete Aufstände ermöglichten der chinesischen Roten Armee, einige Städte zu besetzen und in der Richtung von Schansi und Schensi sowie in der mongolischen Provinz Sui Jüan(unweit de: von den Japanern, besetzten Provinz Tscha- char) vorzurücken. Die chinesischen Sowjets beherrschen jetzt das östliche Gebiet— von Tibet bis zur Mongolei. Tschang Kai Tschek und seine Kuomintang sind außerstande, die Ausbreitung der revolutionären Bewegung zu verhindern. Sie können sie auch nicht zum Stehen bringen. In den Gebieten, die ihnen noch unterstehen, mehren fich Bauernftreiks und Tschang Kai Tschek sah sich gezwungen, der Nanking-Regierung zu erklären, daß Japans Hilfe und Mitwirken im Kampfe gegen den Kommunismus in China not- locndig feien. Tschang Kai Tscheks Lage sieht wirklich sehr bedrohlich aus. Die Rote Armee führt gegenwärtig ihre Aktionen in acht Provinzen durch: Sikang, Setschouen, Kuei-Tschett, Shensi, Schansi, Honan. Kansu Und Hanghuei. Die Partisanen kämpfen in Kiangsi und Fuktien sowie in der Mandschurei, in Nord-China und den mongolischen Provinzen Sui Duan und im Ferue« Oste» Tschachar. Die Unsicherheit der inneren Lage in den- Kuomintang-Gebieten und die wachsend» Strömung für die Bildung einer national-revolutionären Regierung, die gegen die Kuomintang und den japanischen Imperialismus mit.Hilfe der Roten Armee kämpfen soll, unterstreichen noch mehr die wackelnde Stellung Tschang Kai Tscheks, der einen Ausweg zu suchen gezwungen ist. Es ist also zu erwarten, daß in der nächsten Zukunft Tschang Kai Tschek die Japaner nach Setschuan und den oberen Dang Tse Kiang rufen wird. Bemerkenswert erscheint die neue. Richtung, die England in seiner fernöstlichen Politik einzuschlagen sich vorbereitet. Eine neue Annäherung Englands an Japan beginnt sich zu kristallisieren. Es wird eifrig von einem bevorstehenden Bündnis gesprochen. Folgende Voraussetzungen für dieses bevorstehende Bündnis sind zu vermerken: Japans innere politische und wirtschaftliche Lage einerseits, und Englands koloniale Besorgnisse sowie seine Stellung im italienisch-abessinischen Konflikt andererseits. Die politische Atmosphäre Japans hat sich für seine imperialistischen Gelüste sichtbar verschlechtert. Zwischen dem rechten und dem linken Flügel der Armee herrscht Uneinigkeit. Die latente politische Krise ist durch die katastrophale Finanzlage- durch die schlechte landwirtschaftliche Lage und durch die Unsicherheit der zukünftigen industriellen Expansion sehr bedroht. Die in der Mandschurei investierten Milliarden haben nichts eingebracht, sie scheinen verloren zu sein. Ein weiteres Borrücken in China lockt Nicht mehr, die Resultate sind zu ungewiß. Die japanische Bürokratie und die Banken kämpfen gegen die extremen Bestrebungen der Armee und der Trusts und be- füechten' eine Erweiterung des Eroberungs- lampfes in China. Sie suchen deshalb in Eng- Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertrcter in reichem Matze in der „Freien Gemeinde** Redaktion und Verwaltung. Prag XIl., Fochova 82/V. land Unterstützung und bieten diesem eine gemeinsame Ausbeutung der japanischen Eroberungen auf dem chinesischen Markte an. Um diese Vorschläge zu studieren, hat sich der wirtschaftliche Hauptberater der englischen Regierung Sir Leith Roß zum„Studium der Finanzlage Chinas" nach Ostasien begeben. Auf seinem Wege aber wird er zuerst Tokio besuchen, wo eine englisch-japanische Konserenz stattfinden Wird. Die Londoner City beabsichtigt nämlich eine Verschmelzung des englischen Kapitals in China mit der japanischen Ausbeutung durchzuführen. Japan wird auf dieser Konferenz England vermutlich Vorschlägen, die unter der japanischen Korttrolle sich befindenden fünf nordchinesischen Provinzen gemeinsam auSzubeuten. Den englischen Firmen in der Mandschurei sollen Erleichterungen geboten werden, und die englischjapanischen Kapitalien sollen eine gemeinsame Ausbeutung deS restlichen Chinas verwirklichen, Japan möchte aber, daß England ihm eine Wei« tersührung des Dumpings in den englischen Besitzungen erlauben. ES ist fraglich, ob England auf diesen Punkt einzugehen bereit sein wird. ES ist aber als sicher anzunehmen, daß der englische Imperialismus, angesichts der Bedrohung, der seine Interessen im Fernen Osten ausgesetzt sind, Japan als„Hüter der Zivilisation" in China zu helfen nicht abgeneigt sein wird. Dazu kommt noch die Tatsache, daß England auf der Suche nach einem Alliierten gegen Italien im abessinischen Konflikt ist, und obwohl die Interessen Japans und Englands auf diesem Gebiete entgegengesetzt sind, wird England wahrscheinlich nicht abgeneigt sein, Japan Konzessionen zu machen. Die Bedeutung eines solchen Bündnisses ist klar: Es ist eine Kette, die aus England, Japan und Tschang Kai Tschek bestehen und die chinesischen Sowjets fesseln soll. Die Entwicklung dieser gemeinschaftlichen Aktion kann sich auf die Umzingelung der Aeußeren Mongolei ausdehnen und dann... mit Hilfe Deutschlands und Polens, ein gemeinsames Vorgehen gegen die Sowjetunion im Endziele haben. I. U l e S. Japans Pläne in Nordchina (AP.) DU Aktiön Japans kn Nordchina war zwar in erster Linie auf die Initiative der japanischen Militärs, insbesondere des Generals M i n a m i, des japanischen Oberkommandierenden in Mandschukuo, und des Generalstabschefs Sakai, zurückzuführen, doch mußte sich das japanische Außenministerium nachträglich damit einverstanden erklären, um nicht in einen immer offeneren Gegensatz zur' Generalität zu geraten. Inzwischen haben diese Kräfte, die seinerzeit vor vollendete Tatsachen gestellt worden Waren, wenigstens in etwas Vorsorge getroffen, daß sich keine Wiederholungen ereignen. In Nordchina werden aber bereits aus der neugeschaffenen Lage die Konsequenzen gezogen. Es besteht die Absicht, aus Japan, Mandschukuo und Nordchina einen Wirtschaftsblock zu schaffen» an dessen Ausgestaltung einmal Japan interessiert ist, der aber auch gleichzeitig der Tatsache Rechnung trägt, daß Mandschukuo und Nordchina wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind. Eine führende Rolle wird dabei der Südmandschurischen Eisenbahn zufallen, die eine Kapitalsvermehrung um über 700 Millionen Den für neue Bahnbauten in einer Länge von 2200 Kilometern, für Instandsetzungsarbeiten und Verbesserung der bestehenden Linien sowie für neue Investierungen in Nordchina vornehmen wird. Die Handelskammer Tientsin, bisher die Hochburg der antijapa« Nischen Bewegung, ist bereits umgeftallet worden. Sie wurde der neuen Provinziairegievung von Hopei„gleichgeschaltet" und hat sich in den Dienst des neuen Wirtschaftsplanes gestellt. Ebenso wie Dairen für Mandschukuo, soll jetzt Tientsin der Hauptumschlagsplatz für das neue Wirtschaftsgebiet werden. Der Hafen von T a k u soll aus- gebaut werden. Zur Zeit finden intensive Besprechungen zwischen den Behörden von Tientsin und den interessierten japanischen Geschäftsleuten statt. Taku soll zu einem der bedeutendsten Zentren des ostasiatischen Schiffsverkehrs werden. Die Japaner sind bereit, sich an den Kosten mit 50 Prozent zu beteiligen. Tientsin und Taku sollen zu einer modernen Großstadt verschmolzen werden. Die dazu notwendigen Stratzenbauten wurden schon begonnen. Ferner legen die Japaner Wert darauf, in Nordchina Baumwolle und W o l l e zu produzieren. Beides konnten sie ja zu ihrer großen Enttäuschung au» klimattschen Gründen in der Mandschurei nicht bekommen. In Nordchina sind jedoch die Aussichten für Baumwollanbau und für Schafzucht günstiger. Auch die japanischen B e r g b ,c u-Jntereffen in Nordchina sind bedeutend. Fachausschüsse prüfen bereits alle Möglichkeiten. Die Japanisch-chinesische I n d x* stri egesellschaft unter ihrem Präsidenten Takagi untersucht ferner sonstige InvestierungSmüglichkei- ten. Chinesische Industrielle und Kaufleute werden sich in Kürze zur Besprechung dieser Fragen nach Japan begeben. €cHe S „Sozialdemokrat" Dienstag, 3. September 1935. Nr. 205 ZraAerZMmg Todesopfer eines Autounglücks in Bube- netfch In der Nacht auf Sonntag stieß ein Personenkraftwagen beim Ueberqueren der Terron- stä ulice mit einem Beiwagen-Motorrad zusammen. Das Motorrad wurde gegen ein Trafikantenhäuschen geschleudert, das Auto überschlug sich uyd begrub unter sich den tödlich verletzten Fähnrich Ernst M i l d n e r aus Dejvice. Der Lenker des Autos, der Beamte Karl Zaloudek aus Sö- berle, erlitt schwere Verletzungen, der Motorradfahrer Stanislav Sedläöek wurde verhaftet. Seine Gattin Rosa hat auch schwere Verletzungen erlitten. Sechzigjihrige führt Dicbsbande. Gestern nachmittags beobachteten Detektive beim Ausgang des Kaufhauses Ara in der Obstgafse die bekannt« 60- jährige Ladendiebin Anna Prochäzka aus Ossek bei Dux, die fich auffällig benahm. Sie schien einer größeren Gesellschaft, die gleichfalls beim Ausgang postiert war und als deren Mitglieder später der 30- jährige Josef Hulinsky und der ebenfalls 30jährige Anton Reumann, beide aus Ossek, sowie die 47- jährige Barbara Rovotna und das Ehepaar Josef imd Josefa Duchoslav, sämtlich aus Bruch bei Brüx, festgestellt wurden. Direktiven zu geben. Die Gesellschaft zerstreute sich rasch, als sie sich beobachtet sah, kam aber bald wieder zusammen und ließ sich von den Detektiven noch beim Besuch zweier weiterer Firmen beobachten. Die Diebstähle selbst wurden jedesmal von der Prochäzka ausgeführt, die dann die gestohlenen Gegenstände an die vor dem Geschäft wartenden Komplizen verteilte. Der Schaden hätte, wenn nicht die gestohlenen Stoffe den Beschädigten hätten zurückerstattet werden können, XL 1600 betragen. Sämtliche Beteiligten, die offenbar einen größeren Fischzug in Prag zur Zeit der Herbstmesse vor hatten, wurden nach Pänkratz eingeliefert. Unbekannte walle» Unterschrift erpressen. Das Opfer eines mysteriösen Ueberfalls wurde angeblich gestern vormittags die 72jährige Franziska Fischer aus Zizkov. Sie erschien auf dem Polizeikommissariat und gab an, kurz vorher von zwei unbekannten Männern in' ihrer Wohnung Überfällen worden zu sein. Die beiden hätten ihr einen Bogen hingehalten und sie unter Drohungen zur Unterschrift zwingen wollen. Als die Fischer sich weigerte, habe ihr der «ine Unbekannte mit der Faust einen Schlag in den Kopf versetzt, worauf beide geflüchtet seien. Die Fischer hat tatsächlich eine unbedeutende Verletzung auf der Stirn. Der Vorfall wird untersucht. Zwei Selbstmorde. Gestern morgens wurde in einem-Wäldchen bei Veleslavin der 46jährige Buchbinder Fr. Benes aus Stiesowitz an einem Baum erhängt aufgefunden. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht.— In der Nacht auf-gestern wurde auf der Sisenbahffstreck«-wische» Wrschowitz«iid Lieben der 21jährige Arbeiter Rudolf Medüad auS Wallachisch-Meseritsch tot aufgefunden. ES dürste sich um einen Selbstmord handeln. Die Leiche"wurde ebenfalls in? Institut für gerichtliche Medizin gebracht; das Motiv der Tat ist in beiden Fällen unbekannt. Xunst mut Mssen, Auftakt zum Internationalen Musikfest in Prag Jn memoriam Otakar L streik In feinsinniger und würdiger Weist hat das Prager Tschechische National- und Staats-Theater den Vorabend zum ersten Hauptaufführungstag des in Prag stattsindenden 13. Internationalen Musikfestes dazu benützt, seinen kürzlich verstorbenen verdienten Opernchef Otakar Ostrkil durch eine Aufführung seiner letzten O p e r zu ehren. Diese,—„Hansens Königri i ch" mit Namen,— war erst heuer im Frühjahr, also nur wenige Monate vor Ostriils Tod, unter persönlicher Leitung des Komponisten am Nationaltheater" zur Erstausführung gelangt und hatte ihrem Schöpfer einen großen Erfolg gebracht; den stärksten, den sein Opernschaffen überhaupt aufzuweisen hatte. Ostrkil gibt in dieser nach-einem russischen Märchen Tolstois gedichteten und symbolisierend in die Gegenwart verlegten Oper volkstümliche Wege, ist also zwar-modern in der Form, Gestaltung, harmonischen und instrumentalen Struktur, verzichtet aber, nicht auf das melodische Element.„Hansens Königreich" ist daher auch mehr eine v oll stüm- liche als eine komische Oper. Die dichterische Idee des Werkes, daß der Mensch dem Menschen Helsen, nicht aber ihn vernichten soll, findet- auch in der Musik Ostrcils stärksten Ausdruck. Sie ist ethisch im schönsten Sinnen des Wortes, edel tnt dramatischen und von abgeklärter Reinheit im lyrischen Sinne, von zwingender Klarheit und Schönheit der Form und von vornehmster instrumentaler Gewandung. --- Die musikalische Leitung des Werkes hat nach seines Meisters Tod Fr. S k vor übernommen, ein ebenso warmherziger Musiker wie- stabkundiger Kapellmeister, dem das interpretierte Werk nicht Diener ist für das eigene Ich, sondern der selbst dem Werke in treuer Liebe und Achtung dient. Die pietätvolle-Gedenkrede" für Ostrkil hielt Dr. Zdenek N«je dl ist Der Aufführung wohnten unter andere» Schulminister Dr. K r k m a k und der Präsident der Internationalen. Musikgesellschaft, der englische Musiker Ed. Dent. bei." E. I. Neue- Deutsches- Theater: Samstag, den 7. September. Eröffnungsvorstellung„Jenufa"(anläßlich de» internationalen MusikfesteS). Einmalige Aufführung. A—1. Besetzung: Kindermann, Pauly, Wanka, Rayn, Sommer, Medak, Andersen. Fischer, Fuchs, Preger. Dirigent: Szell, Regie: Mordo. Klein« Bühne: Samstag, den 7. September, zum ersten Male„K iki", Komödie von Picard- Blum, mit Moncasi, Warnholtz, Dudek, Götz in den Hauptpartien. Regie: Mordo. Vorverkauf täglich. Theaterriege: Mittwoch und Freitag 8 Uhr Bettelftudent, Afrikanerin. Variete Der„Magier" Dante. Im Theater Variete hat der Zauberkünstler Dante Einzug gehalten, der übrigens kein Landsmann des Dichters ist. dessen Namen er trägt, sondern ein Engländer, der seine Kunststücke mit munteren Reden in einem Gemisch aus Deutsch. Dänisch. Englisch und Italienisch begleitet und. wie er behauptet, alle Sprachen außer „tschechoslowakisch" spricht. Was er einen ganzen Abend lang den verblüfften und belustigten Zuschauern vorführt, das bedarf allerdings keiner sprachlichen Verständigung, denn es bleibt' in jedem Falle unverständlich, wie dieser spitzbärtige Herr es fertig bringt, junge Damen verschwinden und wieder auftauchen zu lassen. Trauring« in eine vielfach ver- schloffene Kassette hineinzuzaubern, Gänse und Tauben(die einem freilich ein wenig leid tun) in Tischplatten und Tücher zu praftizieren,— und wenn er gar aus einem hohlen Faß erstaunliche Quantitäten schäumenden Bieres herausholt und sich in einer glänzend aufgemachten Friseur-Szene unversehens in feinen Partner verwandelt, dann bekommt man wirklich Respekt vor so schwindelhaftem Könne». Mister Dant« macht das alles mit humorvoller Ueberlegenheit und kann es sich leisten, einen ganzen Abend auf den Brettern zu stehen, weil er etwas von Abwechslung versteht und sein fingerfertiges Handwerk mit unterhaltsamem Beiwerk versieht, das„nicht nötig, aber schön" ist— wie die ganze „schwarze Kunst".—eis— Der Mm, Der Kriegsberichterstatter Ein Abenteuerroman nach dem üblichen Schema verdiente keine besondere Beachtung,— aber wenn er den Kampf eines mutigen und eines listigen Mannes um ein doppelt begehrtes Mädchen ausgerechnet auf den chinesischen Kriegsschauplatz verlegt (wie es in diesem amerikanischen Film der Fall ist), dann, wird man-eine solche Art der spannenden Unterhaltung bedenklich finden dürfen, zumal djk Handlung von Brutalitäten nur so wimmelt. Es ist ein schwacher Trost, daß der Chinesengeneral..der die Brutalitäten begeht(und von dem Sensations- darsteller Jack Holt verkörpert wird) am Ende de» Heldentod findet, damit der pfiffige Kriegsberichterstatter(den Ralph Graves spielt) die umstrittene Dame heimführen bum. I—eis— Kleine Mntti Ein deutschsprachiger Franziska Gaal-Film aus Budapest, ein unwahrscheinliches Lustspiel also mft rührseligen Einlagen, weil es immer wieder.für das Talent der Gaal zurechtgemacht wird, die mit Geschick Temperament und mit weniger Erfolg auch Gemüt zu mimen pflegt. Diesmal spielt sie ein Mädchen aus dem Pensionat, das man irrtümlich als Kindesmutter verdächtigt. woraufhin sie mit dem gefundenen Baby in die Welt hinauszieht, um lustige Streiche zu begehen, zu singen u»d mütterliche Liebe zu bekunden. Man darf keinen sehr entwickelten Geschmack haben, wenn man sich an dieser Art Unterhaltung erquicken will und noch dazu die Musik deS Herrn Brodsky und die„Sprechtechnik" des Herrn Otto Wallburg in Kauf nehmen muß, der nun wirklich zum Emigranten geworden zu sein scheint— trotz seiner guten Beziehungen zu Herrn Göring. —eiS— du» der Partei Ausweis für den Monat Juli (Die erste Zahl, bedeutet ParteifondS, die einge- 'klammerte Wahlfonds:) B o d e n b a ch: XL 4000(1000), Brünn: XL 600(ISO), KarlSbad: XL 4680(1170). K e s m a r k: XL 40(10), Landskron: 240 (60). P i I s e n- B u d w e i s: XL 1060(230), Pr« ßburg: XL 40(10), Reichenberg: XL 800"(200), S t e r n b e r g: XL 940(200), Teplitz-Saaz:XL 2800(700), T raute n a u: XL 800(200, T r o p p a u: XL 2000 (500). Ausweis für den Monat August Bodenbach: XL 4480(1120), Brünn: 1000(250), Karlsbad: 3840(960), Kes- mark: XL 40(10), L a n d s k r o n: XL 400 (100), P i l s« n-Budweis: XL 880(220), Prag: XL 880(220), P r e tz b u r g: XL 56 (14), Sternberg: XL 1200(300), Teplitz- S a a z: XL 2000(500), T r o p p a u: XL 1960 (490). Freitag, den 6. d. M., um 7 Uhr abends im Parieiheim wichtige Sitzung des BezirkSfrauenkomiters. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. §port-§piek-XörperpKege Rußland und Bürgersport Mil Bewilligung der Fifa Wie bekannt und auch von uns mitgeteilt wurde, hatten die Russen zu Anfang vergangenen Monats die Einladung an den tschechischbürgerlichen Fußballverband ergehen lassen, eine Auswahlmannschaft, bestehend aus S l a v i a—S parta-Spielern, nach Rußland zu senden. Die finanziellen sowie die übrigen Bedingungen waren bekanntlich überaus verlockend und daher weiter nicht verwunderlich, daß die bürgerlichen Sportmacher sich sehr anstrengten, diesen fetten Brocken zu erhalten. Da aber die erstgenannten Klubs ihre Spieler als nicht abkömmlich bezeichneten, war man bestrebt, den Russen eine Kombination B oh em i ans—Eechie Karlin bei entsprechender Minderung der geldlichen Entschädigung anzubieten. Das schlug erstmals fehl und die Russen versuchten Rapid Wien für die Tournee zu gewinnen, die jedoch von Star- hemberg kurzerhand zunichte gemacht wurde. Es wurde dann von feiten der Russen nach bürgerlichen Blättermeldungen auch bei den Polen angeklopft, jedoch wie sich zeigte— ebenfalls erfolglos. Nun griffen die russischen Sportmacher wieder auf das Projeft des tschechischen Fußballverbandes zurück und nach langen Verhandlungen akzeptterten sie den Vorschlag zur Entsendung eines Aukwahlteams aus Spielern der Bohemians, Eechi« Karlin und SK Kladno. Die finanziellen Bedingungen wurden mit 100.000 XL sowie freier Bahnfahrt, Unterkunft und Verpflegung in Rußland für drei Spiele bemessen. Die tschechische Auswahlmannschaft— Prager Team— hat nun am Sonntag die Reise ins„gelobte Land" angetrcten. 17 Spieler und vier(!) Reisebegleiter umfaßt diese Expedition. Am 5. September findet in Leningrad das erst« Spiel statt, am 8. in M o s k a u das zweite und das dritte Match wird am 11. in Kiew absolviert. Interessant ist auch, daß diese Expedition nach der SSSR zehn Diplome, 200 Abzeichen, drei herrliche Flaggen und drei Pokale mitgenommen hat. Eine Schuhfirma widmete den Teilnehmern gelbe Schuhe und eine andere Firma stattete sie mit Mützen aus. ' Die tschechische Presse ist boll Stolz, daß die tschechoslowakischen Fußballer es sind,' die in die SSSR fahren und wünschen ihnen guten Erfolg sowie eine siegreiche Rükftehr. E. Die sozialistische Jugend veranstaltet Mittwoch, den 4. September, um 8 Uhr abends im kleinen Saal des Handwerkervereines in Prag H-, Smcöky, eine Lagerfeier, zu welcher Gäste herzlichst willkommen sind. Eintritt frei. Um die DTIä-Meisterschast im Hazena und Wolleyball Die entscheidenden Spiele um den Meistertitel von Böhmen im Hazena und Wolle h b a l l wurden am Sonntag in Prag ausgetragen. Die Prager Kreismannschaft holte fich den Meistertitel im Hazena mtt einem Siege von 4:2(3:2s über die Kreismannschaft König- grätz. Die Königgrähcr gewannen dagegen im Wolleyball den Titel, da ihnen die Prager mit 3:1 unterlagen. Ein Propaganda-Straßenrennen der Arbeiter- Radfahrer veranstaltete der DKC Miskovice auf der 25 Kilometer langen Strecke Miskovice—Milo- Vice. Sieger wurde Vlad. Mestek(DKC Smichov) in 43:17.2 Min. vor Jar. Zeman(DKC Prosek) in 45:47.2 Min. In der Kategorie der Anhänger blieb I. JedliLka(Chvala) mit 45:20.3 Min. erfolgreich. 16 Fahrer starteten., Anerwartete Ergebnisse in der Liga In Prag fand als einziges„großes Spiel" die Begegnung Spart a—D F C statt. Die Spartaner gewannen verhältnismäßig leicht mit 5:0(3:0). Beim DFC versagte der Sturm, der die Chance des einen oder anderen möglichen Tores nicht wahrnehmen konnte und dazu auch vor der allzu hart arbeitenden Sparta-Vertxidigung großen Respekt erwies. Stotz(DFC) wurde ausgeschloffen. Slavia hatte in Pilsen gegen Viktoria keinen leichten Stand und verlor schließlich mtt 0:2 (0:2). Ueberraschend wie das Ergebnis ist aber auch, daß Planikka einen Torschuß aus 40 Meter Distanz nicht verhüten konnte. Unerwartet ist ebenfalls das Unentschieden, das ZideniceinNachod erzielte: 4:4(2:2). Ein Elfer knapp zum Schluß verschaffte den Brünnern den Ausgleich und die Erhaltung eines Punktes. Der Teplitzer FK verlor wiederum und noch dazu aus eigenem Platze gegen SK Kladno mit 1:3(0:1). D S B S a a z, deffen Mannschaft den Spitznamen„die Fremdenlegionäre" erhielt, hat sich anscheinend von der katastrophalen Niederlage gegen Slavia noch nicht erholen können und spielte daheim gegen den AFK Kolin nur 1:1(1:0).* In Proßnitz konnte die M o r. Slavia gegen den SK ein 2:2(1:1) erzielen und in Preßburg schlug der E S K, welcher mit dem Ungarn Jakube (Ujpest) als Mittelstürmer antrat, den SK Pilsen isiatt mit 4:0(2:0). Kathleen Burk und Garry Cooper in dem Film „Drei bengalische Reiter". Aus den Divisionen DFB: SpVg Bodenbach gegen VfB Tc plitz 5:0(2:0), Warnsdorfer FK gegen BDK Gablonz 2:0(1:0), DFC Jglau gegen DSV Brünn 6:2. Mittelböhmen: Viktoria Zizkov gegen Meteor VIll 6:2, Bohemians gegen Sparta Koöit 5:1, Cechie Karlin gegen CAFC 3:1, Union Zijkw gegen Slavoj Vlll 0:2, SK Nusle gegen Viktoria Nusle 3:2, Nuselsky SK gegen Sparta Kladno 4:3, Lissa gegen Rapid Prag 2:3. Böhmen-Land: SK Königgrätz gegen CSK Budweis 4:3, SK Rakonitz gegen Jungbunzlauer SK 2:0, SK Königinhof gegen Petfin Pilsen 2:1, Slavia Karlsbad gegen Polaban Nimburg 2:1, SK Pardubitz gegen SK Kopisty 1:1, AFK Pardubitz gegen Snkhaii TauS 6:2. Mähren: Kral. Pole gegen Zabovresky 6:?, SK Olmütz gegen Moravia Brünn 6:0, SK Prerau gegen Bata Zlin 4:3, Slovan M.-Ostrau gegen Slavia Ostrau 3:0. Han. Slavia gegen Polonin Karwin 1:1. Sonstige Fußballergebniffe. Brux: Schwalbe gegen DSK 2:1.— Komotau: DFK gegen DSK Weipert 5:2.— Reichenberg: DSV gegen DSV Trautenau 3:2.— Gablonz: DSK gegen SK Röchlitz 2:0.— B.- Leipa: TSV gegen SK Grottau 6:0.— Budapest: Ujpest gegen Fcrenc- varos 3:2.— Wien: Rapid gegen Hakoah 1:0, Vienna gegen Wacker 2:1, Austria gegen Fav. All 2:2, Admira gegen Liberias 4:0, Sportklub gegen Flor. AC 2:0.— Dresden: Reichenberger FK gegen Dresdensia 6:3.— Stockholm: Schweden gegen Rumänien 7:1. Die Leichtathletik im Dritten Reich am toten Punkt In Berlin fand ein leichtathletischer Fünfländerkamps zwischen Schweden, Japan, Ungarn, Italien und dem Nazi-Reich statt. Jedes Land stellte einen Athleten in jeder Disziplin. Als Sieger ging Schweden mit 56 vor Nazi-Reich 52.5, Ungarn 40, Japan 33 und Italien 26.5 Punkten hervor. Die Nazi- Athleten wurden bekanntlich vor kurzem von den Finnen geschlagen und nun erging es ihnen daheim auch nicht besser. Er zeigt sich, daß es mit dem Sport im Dritten Reich statt auf- langsam abwärts geht. Bon den insgesamt 19 Konkurrenzen gewannen nämlich die Nazi vier und einen weiteren Sieg geteilt, während die Schweden als Vertretet der echten nordischen Rasse ganze sechs Siege buchen konnten. Die tschechoslowakische Zehnknmpfmeisterschast gewann am Sonntag in Budweis mit 6292 Punkten Kratty(Slavia Prag). Seine Einzelergebniffe sind: 100 Meter: 11 Sek., 400 Meter: 52.1 Sek., 1500 Meter: 4:31 Min., 110 Meter Hürden: 17.5 Sek-, Kugel: 0.68 Meter, Diskus: 34.29 Meter. Speer: 39.05 Meter, Hochsprung: 1.83 Meter, Weitsprung: 6:53 Meter, Stabhoch: 3.20 Meter. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Roberta". Ausstattungskomödie. A.— Alfa:„Der erste Kuß". Regie: Slavinskh. Tsch.— Avion: King Vidor:„Unser tägliches Brot". Ä. Farbige Disney-Groteske:„Die Porzellanprinzei- sin".— Beränrk:„Casta Diva".(Bezaubenide Augen). D.— Fenix:„Mata Hari". A.— Flora: „Karussell auf dem Ozean". A.— Gaumont: „Strahlende Augen". Amer. Foxfilm.— Hollywood:„Strahlende Augen". A.— Hvkzda:„Polizeiwagen 99". Sensations-Detektiv-Film. A.— Julis:„Kleine Mutti". D.— Koruna:„Der weißt Adler". A.— Kotva:„U-Boot A. 2, 14". Amerik. Marinefilm.— Lucerna:„Mata Hari". A.— Metro:„Das 11. Gebot". Lustspiel. Tsch.— Radio:„Die gefährliche Blonde". A.— Skaut: „Casta Diva".(Bezaubernde Augen). D.— Svi- tozor:„Das 11. Gebot". Lustspiel. Tsch.— Alma: „Die gefährliche Blonde". A.— Bajkal:„Cäcorka". Ausgezeichnetes Lustspiel. Tsch.— Belvedere:„Ra- nette und ihre Verehrer". D.— Brsedar„Vater sein dagegen sehx..." D.— Carlton:„Der moderne Robinson".— Illusion:„Die blonde Venus". A.— Lido-Bio II., HavliLkovä 5(Hy- bernskä 7): Eröffnung mit dem Film.Liebling". A.— Louvre:„Moskauer Nächte". Fr.— Maceska: „Casta Diva".(Bezaubernde Augen). D.— Roxy: „Der Schlafwagenkonirollor". Nur bis 2. September.— Sport-Smichov:„Cäcorka". Heimisches Lustspiel.— U Bejvodü:„Warum lügt Fräulein Käthe?" D.— Baldek:„Die große Chance". D.— Urania-Kino:„Bürgermeisters Töchterlein". D. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Xü 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post, und Tete, graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt."— Druckerei:.Orbis". Druck,. Verlags« und Ziitungs-Ä.«G„ Prag.