15. Jahrgang Mittwoch, 4. September 1935 Nr. 206 EfrnlpnftTt) Hellii (•kMchlltSllch 5 Haller Portal 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, moaktion UNO Verwaltung PtAO xiu fochova u. Telefon«77. HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAU*. CHEHtlDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS. PRAG, amtes, Wright, empfing am Montag auf der bri Öer Konflikt von Ual-Ual von keinem Staat verschuldet? den, daß das Urteil konstatiert, daß weder dir eine nach die andere Partei eine moralische»der finanzielle Brrantwortnng für de« Zwischenfall von Ual-Ual sawie für alle nachher eingetretenen Ereignisse trügt. ES treffe also weder Italien»och Abessinien eine Schuld. O Paris. Der fünfte Schiedsrichter in der Schiedskommission für den italienisch- abessini- «heir Konflikt» der griechische Gesandte in Paris Kolitis, hat DienStag sein Urteil verkündet. Ob» ^>hl die Mitglieder der Kommission sowie die Regierungsvertreter sich verpflichtet habe«, daß den Wortlaut des Urteils direkt dem Rate drS Völkerbundes mitteilen werden, kann laut Mit- ^ilungen aus sehr guter Quelle mitgeteilt Werdas fast das halbe Kaiserreich umfaßt, ist auf dieser Kartenskizze schraffiert eingezeichnet. Man sieht deutlich, daß dieses Gebiet außer der abessinischen Hauptstadt noch die entscheidenden Punkte deS Landes, um die es in dem internationalen Konflikt vor allem geht, insbesondere den Tanasee und damit den Angelpunkt der Wasserversorgung deS britischen Sudan- umfaßt. Das neue„Konzessionsgebiet** In Abessinien Pa^is. Der Pressechef dxS britischen Außen- durch den Konzessionsv^rtrag einkommenden Gel- ....'.......?~,J«>| der ihren Widerstand ausbauen könne. tischen.Botschaft di» Vertreter der Pariser Presse, denen gegenüber er im Wesen die Erklärung abgab,bgß die Angelegenheit RickettS eine rein amerikanische S a ch e sei. Die britische Regierung habe die Angelegenheit, eingehend untersuchte Sollte es sich um die Beteiligung britischen Kapitals handeln, so werde die englische Regierung ihr Veto gegen die Ausfuhr dieses Kapitals in Anwendung bringen. Dschibuti. Der Unterhändler Rickett erklärte dem hiesigen Vertreter des Reuter-Büros, daß die Gesellschaft, die die Konzessionen in Abessinien erhalten hat, eine Hundertprozenti g a m eri k an i s che Gesellschaft ist. Er dementiert energisch das Gerücht, als ob der abessinischen Regierung bereits eine bestimmte Summe für die Erteilung der Konzessionen bezahlt wurde, für welches Geld, wie die Gerüchte weiter besagens Abessinien bereits Waffen angr- kauft habe. keine diplomatische Intervention Addis Abeba. Der hiesige italienische Gesandte hat von der geplanten Demarche wegen deS Oelvertrages Abstand genommen. In der europäischen Kolonie in Addis Abeba ist man aber der Auffassung, daß Italien angesichts des unerwarteten Vertragsabschlusses seine Absichten in Abessinien b e s ch l e un i g e n werde, um zu verhindern, daß die abessinische Regierung mit Hilfe der StoiadlnovK* Pariser Besuch PariS. Zu einem vorläufigen Bericht über Verhandlungen des jugoslawischen Minister Präsidenten Stojädinoviä in Paris sagt das Tsche ^»slowakische Korrespondenz-Büro: Nach mehr Rindigen Verhandlungen gab Laval in Anwesen heit StojadinoviL's den Pressevertretern folgende Erklärung:„Wir prüften gemeinsam alle Fra- 9?n, die unsere beiden Länder interessieren. Da «Ministerpräsident Stojadinoviö. gleichzeitig amtierender Vorsitzender des Ständigen Rates der Kleinen Entente ist, berieten wir auch über sämtliche Fragen, die sich auf die Verhandlungen und lk« Abschluß des mitteleuropäischen Paktes bezie- «n. Die Unterredungen wurden im herzlichsten Reifte geführt. Wir stellten die vollkommene Einigkeit in den Auffassungen fest, im’ Geiste engster Zusammenarbeit fortgeschritten werden müsse, die auch wefterhin zwilchen unseren beiden Staaten traditionell bleibt/ . Ministerpräsident Stojädinoviä fügte dieser Erklärung Lavals hinzu:„Ich stimme vollkommen mit der Erklärung des Ministerpräsidenten >aval überein. Mein erster Besuch im Auslande halt Paris und das bedarf keines Kommentars." Ein zweiter Konzessionär! Ein New Yorker Makler besitzt Vertragsrechte In Abessinien R«« N»»k. Ein New Korker Makler namens 6 h e r t» k, der van sich behauptet, Vertreter amerikanischer Jndustrieorganisationen z« sein, erklärt, es sei ihm zuerst die Konzession zur Ausbeutung aller Prtroleumvorkommen, Fundstätten von Gold, Silber und anderen Metallen in Abessinien erteilt worden. Chertok behauptet weiter, der Bertrag Über feine Konzession sei am 20. Juli in der abeffinischrn Gesandtschaft in London abgeschlossen worden. Der Bertrag verliere dir Rechtskraft, sofern er nicht binnen 90 Tagen zur Ausführung komme und binnen derselben Frist nicht zu Händen der abeffinischrn Regierung eine Million Dollar erlegt würden. Chertok erklärte, daß er durchaus beabsichtige, seine Option auszuüben. Er erklärte weiter, daß diese angebliche Konzession privater Natur sei und er sei bereit, die Million Dollar jederzeit zu hinterlegen. Oberstleutnant Jervrs, rin Mitinhaber der Londoner Ingenieurfirma HitchinS, JervrS& Co., teilte einem Preffrvrrtrrter mit, daß seine Firma im Auftrage des Rew Dorker Maklers Chertok bei dem gemeldeten Abkommen die technische Beratung übernommen habe. Er fügte hinzu, daß hinter der Gruppe, für die Chertok arbeite, einige Persönlichkeiten mit britischem Kapital stünden. Die englische Regierung wird Rickett nicht decken? Was wird Genf bringen? Das Schiedsgericht hat den Italienischen Standpunkt nicht anerkannt Genf. Mit der Ankunft deS ftanzöfischen Ministerpräsidenten und Außenminister Laval >wd deS britischen Minister- für den Völkerbund «de« ft, Genf wurde eine wichtige Periode der ssylitifchrn Beratungen verschiedener internatio- baler Fragen eröffnet. Im gegenwärtigen Augen- «ich ist die gesamte Aufmerksamkeit der interna- Üonalen Oeffentlichkeit auf dir Lösung des abes- Kisch. italienische« Konflikts gerichtet, dessen Behandlung heute im Bölkerbundrat beginnt. Die kürzliche» Ereignisse in Afrika, Italien *hd England haben de« abessinisch-italienischen Ronflikt derart beeinflußt, daß der Bölkerbund- ftt vor weit kompliziertere Probleme gestellt sein Ard, als bei der Behandlung dieses Konflikt- im Rai und August d. I, .. Alle Staatsmänner, di« an der Lösung des Gessinjsch-italienischen Konflikt- ein Interesse «bt« und alle RatSmitglirder werden, wie dies schon au- den heutigen ersten diplomatischen Be- Wtnge« ersichtlich ist, mit größter Umsicht in ^enf handeln, weil dir Gefahr eine- ern- ssen Bruche- zwischen Italien ßüd dem Völkerbünde droht. -v Gesandter Dr. Osuskh, der heute vormit- s»gs eine lang« Unterredung mit dem Minister- chkßsidenten Laval hatte, wird gemeinsam mit dem «»sandten Kiinzl-Rzerfth während der Abwesrn- «it de- Minister- Dr. Benes, der Freitag in Venf eintreffen dürfte, die Tschechoslowakei ver» Iftte«. I« London verlautet, daß di« Berhandlun- tat in Genf folgende Reihenfolge haben dürften: 1. Verlesung deS Berichte- de- SchlichtungS- »vsschuffeS über Ual-Ual, ' 2. Vorlegung deS Berichte- über die Pari- Itt Dreimächte- Besprechungen, 3. Rede des abessinischen Vertreter- und 4. Rede dr- italienischen Verttetrr». .• De Brouckäre und Douhaux nach Genf Genf. Bei der gegrnwärfigen Genfer Ratstagung wird al- Beobachter für die zweite Sozialistische Internationale dr Brouckärr und für die Gewerkschafts-Internationale Leo« Jouhaur fungieren. Hitlers Milliardenanleihe Mit der angefündigten Auflegung der Milliardenanleihe vollzieht das nationalsozialistische Deutschland seit Beginn dieses Jahres die dritte groß eKredit operativ n. Im Jänner wurde den Sparkassen eine Zwangsanleihe von 600 Millionen Mark auferlegt. Drei Monate später wurden unter starkem Druck die öffentlichen Versicherungsanstalten und die privaten Versicherungsgesellschaften gezwungen, dem Reich in größerem Umfange Kredite zur Verfügung zu stellen. Ter Betrag, der von ihnen erpreßt worden ist, ist amtlich bisher nicht genannt worden. Es steht aber fest, daß 600 Millioi en Mark von ihnen gefordert worden find.. Sehr wahrscheinlich hat das Reich sie annähernd erhalten. Und vier Monate später fordert Hitler wieder eine runde Milliarde Mark!, Das sind in acht Monaten z w e i M i I l a r- d e n M a r k, die die Nationalsozialisten offen vor aller Welt z u r F i n a n z i e r u n g ihrer Arbeitsbeschaffung, oder sagen wir es doch gleich richtig: ihrer Kriegsaufrüstung fordern. Denn von Anfang an war. im. Dritten Reich die Arbeitsbeschaffung nichts anderes als Aufrüstung. Sie ist es bis heute geblieben. Die großen Hoffnungen, daß die durch Rüstungsaufträge berichtete Ankurbelung einzelner Wirtschafts' zweige eine Belebung der ganzen Wirtschaft auslösen würde, hat sich nicht erfüllt. Die für die Wirtschaft verantwortlichen Nazihäuptlinge können heute nicht mehr bestxeiten, daß die deutsche Prydüktiynskonjunktur nur eine R ü st u st g s k.o n j u n k t u r ist. Werden die Rüstungsaufträge eingeschränkt, so geht die Konjunktur zurück; bricht'der Schwindel mit der„fast völlig beseitigten Arbeitslosigkeit" vollständig zusammen! Schon der Gedanke an die außerordentliche Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, die sich daraus für die fascistische Diktatur ergeben müssen, bringt über die Nationalsozialisten das Grausen. Es kann darum nicht überraschen, daß sich zurzeit ihre-Anstrengungen darauf konzentrieren, die weitere Finanzierung der Aufrüstung ficher- zustellen. Und zwar sicherzustellen auf einer solideren Basis als die Finanzierung sie bisher hatte und dann möglichst auch so, daß die Kreditwürdigkeit des Dritten Reiches im Ausland nicht noch mehr Schaden nimmt. Denn noch immer— und man muß leider sagen: nicht ohne Gründe hoffen Hitler und Schacht, daß sie Ausländsanleihen erhalten werden, mit denen sie dann das weitgc- steckte Rüstungsprogramm bis zum letzten Flugzeug, zum letzten Kreuzer und zum letzten Tank ausführen können. Darin liegt auch die Erklärung dafür, warum sich Dr. Schacht in seiner Königsberger Rede eingehend mit dem Finanzierungsproblem und die Aufmerksamkeit, die es im Ausland gefunden hat, beschäftigte. Er sagte da: „Auch sehr maßgebliche und sachverständig« Leute im In- und Auslande zerbrechen sich den Kopf darüber, woher denn eigentlich das Geld für die Arbeitsbeschaffung kommen soll. Ich kann diese Frage, die mich selbst täglich beschäftigt, nicht verübeln, aber ich kann versichern, daß weder Hexerei noch Trick dabei ist. DaS Geh eimnis beruht lediglich auf der einheitlichen und st raffen Zusammenfassung der gesamten F.i» nanz-undWirtschaftspolitik, wie sie nur ein autoritäres Staatsgefüge ermöglicht. Mit einem demokratischen Parlament würde diese Aufgabe nicht zu lösen sei«... Mit dieser letzten Feststellung hat Schacht unzweifelhaft recht. Ein demokratisches Parlament, in dem auch die Arbeiterschaft Einfluß auf die Gestaltung des gesamten staatlichen Lebens nimmt und das der Kontrolle des ganzen Volkes untersteht, würde eine so grandiose Finanzmiß- tvirtschaft, durch die die Schuldenlast Deutschlands in zweieinhalbjähriger nationalsozialistischer Herrschaft beispiellos vermehrt worden ist, nicht ermöglicht haben. Diese Mißwirtschaft, die die durchwegs von Nationalsozialisten beherrschten amtlichen Stellen mft öffentlichen Geldern treiben, geht selbst dem Dr. Schacht zu weit, so daß er an ihre Adresse sogar den folgenden Appell für notwendig hält: „Die Größe der Summen, die für die Arbeitsbeschaffung ausgegehen werden, könnte an Seite 2 Mittwoch. 4. September 1833 Nr. 20« dieser oder jener Stelle leicht zu der Ansicht verleiten, datz es auf ein paar Millionen mehr oder weniger nicht ankommt. Zu einer Zeit, die es uns verbietet, an eine Verbesserung der Löhne heranzugehen, ist jeder unnötig ausgegebene Pfennig eine Erschwerung der Gesamtlage, und es kann nicht genug an daSBerantwor- tungsgefühl aller geldauSge- benden Stellen appelliert werden*,.. Die neueMilliardenanleihe i st, wie die ihr in diesem Jahre schon vorauSge- gangenen zwei Anleihen, der krampfhafte Versuch, die Finanzierung derAufrüstung aus der Sphäre der bedenklichsten Manipulationenherauszubringen. Selbst nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes haben sich die kurzfristigen Schulden Deutschlands unter der nationalsozialistischen Herrschaft um 10,7 Milliarden Mark vermehrt; nach anderen sorgfältigen Berechnungen, die aus detaillierten Angaben beruhen, beträgt die Last der schwebenden oder kurzfristigen, Schuld etwa 18 Milliarden Mark. Davon entfallen 3% Milliarden auf Schatzscheine» 1% Milliarden aus Steuergutscheine, 6 Milliarden auf Arbeitsbeschaffungswechsel und 6 bis 8 Milliarden auf Rüstungswechsel. Mit dieser neuzugewachsenen Schuldenlast ist die Rüstungsfinanzierung noch nicht erschöpft. Die mehr als 800 Millionen Mark, die bei der Machtübernahme Hitlers die Reichsbank als Goldreserve auswies, sind ebenfalls zum größten Teil für diesen Zweck verwendet worden. Die mit der Ausgabe von Steuergutscheinen,, ArbeitSbeschaffungs- RüftungS- und Solawechseln betriebene Politik derKreditauswei» tung hat die wirtschaftlicheEnt« Wicklung Deutschlands immer tiefer in eineSackgasse hineingebracht. Sie hat zu Inflationserscheinungen, vor allem zu einer Preis st eigerung geführt, an der kein Reichspreiskommissar etwas ändern konnte und sie muß bei ihrer weiteren Fortsetzung den Z u- sammenbruch derWährungSpo- l i t i k zur Folge haben, die bis heute noch am Goldstandard festhält, obgleich die Mark im Ausland, wie die starke Unterbewertung der verschiedenen Sperrmark soeben beweist, durchaus nicht mehr als stabile Goldwährung gelten kann. Aus dieser heiklen Situation soll die Anleihepolitik der Retter sein. Die eine Milliarde» die im ersten Halbjahr schon hereingekommen ist, und die weitere Milliarde, die die neue Anleihe bringen wird, sollen angeblich zur Konsilidierung der ttirzfristigen Schulden dienen. Vielleicht werden sie auch dazu teilweise verwendet. Aber eine Verminderung der schivebenden Schuldenlast bringen sie nicht. Schon im ersten Halbjahr 1935 hat die Rüstungsfinanzierung wieder mehr verschlungen, als die Sparkassen und die Versicherungen dem Reiche geben mußten. Und da das RüstungS- tcmpo seither nicht langsamer geworden ist, Wirtz auch die neue Milliarde kaum hinreichen, um die neuen Rüstungsausgaben zu decken» für die Abtragung alter Schulden dürfte kaum ein Betrag übrig bleiben. Die Lösung des Finanzierungsproblemt der deutschen Aufrüstung scheint uns nach alledem mit dir Milliardenanleihe ebensowenig gefunden wie der Ausweg aus der Sackgasse. Wohl können Schacht und Hitler den Sparkassen und Versicherungen noch einige Male Zwangsanleihen auftr« legen und so den Sparern und Versicherten ihre. Ersparnisse und Versicherungsprämien abknöpfen — aber ewig läßt sich dieserDieb- stahl en gros nichtfortsetzen. (Auch bei dieser Milliardenanleihe handelt eS sich wieder um eine Zwangs anleihe: Die Sparkassen müssen 500 Millionen Mark zeichnen und für die anderen 500 Millionen müssen die Banken und wieder die Versicherungen einstehen.) Trotz der Mahnungen Schachts an die Sparer, ihre Ersparnisse für die Aufrüstung„leihweise" herzugeben und sie nicht in Sachwerte „flüchten" zu lassen, trotz seines Hinweises: „...wir sitzen alle in einemBoot und es wird niemandemGelegen- heit gegeben,auszusteigen", wird der Griff nach den Sparguthaben doch Folgen haben, die seine häufige Wiederholung ausschlirßen. Die Hoffnung aber, die Rüstungen aus den Ueber- schüffen der Wirtschaft zu finanzieren, muß sich vollends als illusionär Herausstellen, nachdem die Konjunktur schon jetzt Ermüdungserscheinungen zeigt, die sich in vermehrter Kurzarbeit(Ruhrbergbau, Textilindusttie, Lederindustrie) äußern. Auch die Zwangsanleihen deS Dr. Schacht macht«das deutsche Reichsschiff", wie er sich ausdrückte, nicht seetüchtig. Es treibt unter dem FascismuS der Katastrophe entgegen. Es ist die Aufgabe der Besatzung— des deutschen Volkes— dasSchiff zu retten, der Diktatur aber und ihrem Sy st em die Katastrophezubereiten. Albanien In die Balkan-Entente? Belgrad. Nach einer noch unbestätigten Meldung hat die albanische Regierung die jugo- slawische ersucht, sich für die Aufnahme Albaniens in die Balkan-Entente einzusetzen. Wie es weiter heißt, habe die türkische Regierung diesen albanischen Wunsch günstig ausgenommen und ihre diplomatischen Vertreter in den Balkanstaaten angewiesen, ihn zu unterstützen. Albanien habe, so heißt eS, die Bedingung gestellt, daß ihm Jugoslawien, Rumänien und die Türkei eine Anleihe von 40 Millionen Goldftancs gewähren, zu deren Deckung das Tabakmonopol verpfändet werden würde. Zwangsarbeit für Bettler Im Ständestaat Wien. Am 307 August wurden kn Oberösterreich von motorisierten Streifen der Hei« m a t s ch u tzorgani s a t i o n e n Razzien auf Bettler veranstaltet. Es wurden dabei 915 Menschen perlustriert, davon 488 aus Oberösterreich. Die übrigen wurden ab geschafft. Die nach Oberösterreich zuständigen Personen luurden in ein Bettlerlager bei Schlögl gebracht. Sie werden dort ein zwei Kilometer langes Teilstück der sogenannten N i- belungenstrahe Herstellen müssen. Oesterrelchlsches Wien. Im 5. und 12. Bezirk wurden am Donnerstag und Freitag zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet. Nach einer anderen bisher noch unbestätigten Version find bei mehreren der Verhafteten Waffen und Druckschriften gefunden worden. Paris. Wie HavaS aus Brüssel berichtet, hat der SatzungSausschutz der Fidac mit allen Stimmen(Belgien, Tschechoslowakei, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Jugoslawien und Bereinigte Staaten) gegen die Stimme Großbritanniens beschlossen, die ehemals feindlichen Frontkämpfer nicht in die Fidac aufzunehmen. Rom. Der Gouverneur von Italienisch-Somaliland hat einen Erlaß bekanntgegeben, nach dem jede Nachrichtenverbreitung aus den italienischen Kolonien in Zukunft einer Zensur unterliegen: Moskau. In Irkutsk wurden drei Weißgardisten zum Tode durch Erschießen verurteilt," Sie waren angeklagt, nach Instruktionen aus dem Auslande terroristische Akttonen und Sabotage durchgeführt und mit der Militärmission einer auswärtigen Macht in Verbindung gestanden zu haben. Tokio. Der japanische Botschafter in Moskau, Ohta, hat im Auftrage seiner Regierung den Protest gegen die in den Reden der japanischen Kam- munistcn auf dem Moskauer Kongreß der Komintern zum Ausdruck gekommene kommunistische Propaganda überreicht. Klagenstrt. Dar Militärgericht in Klagenfurt verurteilte den 35jährigen Schneider Andreas Linzer aus Wolf-berg wegen Beteiligung an der Juli- Revolution und schwerer Körperverletzung zu ackr Jahren schweren Kerker- Vie Organisation der Gestapo So groß der Schrecken ist, den die Gestapo bisher verbrettet hat, so wenig ist im Grunde über sie bekannt. Sie ist eine ureigene Schöpfung des nationalsozialistischen Regimes. Als Göring an ihre Errichtung heranging, da leitet« ihn nicht nur das Motiv, der gesamten Opposition aller Schattierungen einen Schlag zu versetzen und auch alle Nichtnationalsozialisten aySzuschalten, eS kam ihm auch darauf an, ein parteipolitisches Gegengewicht gegenüber der alten Polizei zu haben, die nicht nur nicht nationalsozialistisch war, sondern auch über bestimmte, nunmehr als„libe- ralistisch" verschrieen« Auffassungen von Recht verfügte. Vor allem sollte damals auf diese Weise daS Vorhaben der Deutschnationalen, die Nationalsozialisten in der Regierungskoalition vom 80. Jänner 1933 zu erdrücken, paralysiert werden. Göring wollte Preußen zu einem national- sozialisttschen Block zusammenschweißen. Dazu hatte er die Hilfspolizei geschaffen, dazu den Erlaß herausgegeben, datz sie sich gegenüber der SA keine»feindseligen" Handlungen zuschulden kommen lassen dürfe, was auf deutsch hieß, datz sie bei Gewalttätigkeiten nicht einzugreifen hab«. AN das genügte aber noch nicht, und so wurde die Gestapo jene- Instrument, das aNe Lücken auS- zufüllen hatte. Der ehemalige Domokrat Dottor Diels, der sich schon unter Papen die Sporen verdient hatte, indem er einen hohen Beamten provoziert«, eine kommunistische Delegation zu empfangen, und ihn dann denunzierte, half Göring dabei. Die Gestapo bildet einen Staat im Staate und ist sakrosankt. Sie bat dar Recht, Haussuchungen vorzunehmcn, Verhaftungen durchzuführen und„mit den Verhafteten nach Gutdünken zu verfahren". Sie kann aber auch militä- rische Hilfe an fordern und verlangen, daß ihr politische Angelegenheiten von der Polizei abgetreten werden. Der Auslandsdienst mutz nach den Instruktionen der Leitung in Räumen, die von der Gesandtschaft getrennt sind, untergebracht und als privates Geschäftsunternehmen getarnt fein, doch muß der Leiter jeweils der Gesandtschaft zugeteilt sein und Exterritorialität genießen. Sein Stabschef ist zugleich Leiter des getarnten Büros. Ihm unterstehen auch bei kleineren Gesandtschaften drei bis vier Referenten und ein Heer von Agenten, die in eigenen Kursen ausgebildet werden. Diese bedienen sich dann noch ihrer Konfidenten, die nur die Agenten kennen. Jede Gestapostelle hat einen Techniker und einen Telegraphisten, einen Radioempfangsapparat für Kurzwellen, Langwellen und Ultrakurzwellen sowie eine eigene funktelegraphische Verbindung. Jeder Gestapomann besitzt eine Contax- Kamera, einen Schlagring und eine Maschinenpistole. Jedes Amt hat einen Theaterfriseur, der die Agenten unkenntlich machen kann. Ueberflüs» sig zu erwähnen, datz eS allenthalben Einrichtungen zur Ermittlung von Geheimsendern und Phonographen zur Aufnahme von Gesprächen auf Schallplatten gibt. Bon Interesse ist die Einteilung. Der Innendienst hat folgende Dezernate: 1. Organisationsangelegenheiten, Landessckmtz, 2. Marxistische Bewegung, 3. Alle politischen Bewegungen nutzer 2» 4 und 8, kulturelle und weltanschauliche Bewegungen, Beobachtung entlassener Beamter, insbesondere Polizei. 4. Nationalsozialistische Bewegung und Nahestehende, Stahlhelm, Arbeitsdienst, Luftschutz, wirtschaftliche und sozialpolitische Angelegenheiten, 4. Ein» und Ausbürgerung, Aberkennung der Staatsangehörigkeit, Aufenthaltserlaubnis, Ausweisungen, Einreiseerlaubnis, Patz- und Sichwermerke, Namensänderungen, eingetragene Vereine. 5. Legale Presse, Waffen-, Munitions- und Sprengstoffvergehen, Druckschriften, politische Büchereien. 7. Schutzhaft, 8. Beschränkung des Eigentums, Eingriffe in Vereinsrecht, Verwertung beschlagnahmten Vermögens, Logen, Freimaurer, Juden, Emigranten, Postgeheimnis. Der Autzendienst verfügt über folgende Inspektionen: 1. Abwehr, 2. Marxisten, Juden, Emigranten, illegale Press«. 3. Alle polttischen Bewegungen außer Marxismus, Kirchenangelegenheiten. 4. NSDAP, Stahlhelm, Arbeitsdienst, Luftschutz, Wirtschaftspolitik, Wirtschaftssabotage, 5. Ein» und Ausbürgerungen, Aufenthaltserlaub-- nis, Pässe. 8. Legale Presse, Waffen«, Muni« tionS- und Sprengstoffvergehen, Politisch« Füh- rung. 7. Zur besonderen Verwendung. Paradies Deutschland Berlin. Der stellvertretende Leiter der ReichSbctriebSgemeinschaft der freien Berufe, Dr. Strauß, teilte in einer Versammlung in Hamburg mit, daß die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse bei einigen freien Berufen erschütternd seien. Im ganzen üben in Deutschland etwa 1.6 bis 2 Millionen Menschen freie Berufe auS. Gänze Gruppen von ihnen hätten ein monatliches Einkommen von 20 bis 30 Mark als Durchschnittsverdienst angegeben. VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabll Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot „Ich glaube, ich werde mich bald einleben. Man ist nett zu mir. Und, weißt du, der Arzt hat mich untersucht und gesagt, ich solle Radio haben.", Alfred und Rose, seine Frau, tauchten auf. »Hast ja schöne rote Backen", stellte er fest. Er war hoffnungsvoll. Wie ihre Eltern und Onkel und Tante Arenoud. Sie hatte in der ersten Nacht vor Stöhnen nicht schlafen können und gesehen, daß man einen Wandschirm vor eins der Betten schob. Am Morgen hatte ihre Nachbarin auf ihre Frage geantwortet:„Es ist schon die zwölfte, die gestorben ist. Fünf Monate hat sie sich gequält." Alle die gesunden Menschen, die sie heute umgaben, gehörten zu einer Welt, aus der sie vertrieben war. Sie sah sonst nur noch langgestreckte Körper, fleischlose Gesichter, sie hörte nur Wehklagen, Rufe und diesen furchtbaren Husten, der, bald in der einen, bald in der anderen Ecke des Saales ausbrechend, hier nachließ, um dort mit verdoppelter Gewalt aufs neue zu beginnen und pfiff und keuchte wie ein Winterwind. Durch di« Fenster, die man morgens an der Nord-, nachmittags an der Südseite öffnete, drangen die Geräusche des Lebens. ES war unmöglich, ihre Kümmernisse» ihre Klagen los« zuwerden. Gewiß, Etienne hätte sie geteilt. Aber da er schon Tränen in der Stimme hatte, als er sich ihrer Spaziergänge erinnerte, hatte sie ihm ebenso zugeläcbelt, wie sie jetzt ihrer Mutter zulächelte. „Man machte Platz für Papa Adam, den sie- in seinem schwarzen Anzug schon von weitem erkannte. Unter der Weißen Weste wölbte sich sein runder Bauch. In der einen Hand trpg er seinen steifen Hut, in der anderen einen Strauß Mimosen. Als er am Bette stand, verkündete er mit tönender Stimme: „Ich bringe dir die Sonne, mein Kind." Sie roch an dem Strauß. Sie hörte auf das Stimmengesumm. Freundliche Hände legten ihr ein Kränzchen um die Sttrn. Man liebte sie, bemühte sich um sie, während so viele allein gelassen wurden. Dieses Bewußtsein gab ihr neuen Mut. Sie richtete sich wieder hoch, sprach mit fiebriger Leidenschaft, bot von ihren Kuchen und Orangen an und war beleidigt, wenn man nichts nehmen wollte. Sie streichelte Irmas Hand und sagte: „Ich habe noch nie so viel Schmuck an deinen Fingern gesehen." Sie wandte sich nach Rose um, die sie zum ersten Male sah, und beobachtete Berthe, die ihren Nachttisch aufräumte und sie schalt, datz sie so schlecht Ordnung hielt. Am Fußende erörterte man die Heilungsaussichten und lächelte ihr zu. Sie dankte durch ein Kopfnicken, das besonders innig war, wenn es Etienne galt. Sie warf ängstliche Blicke auf die Saaluhr, deren schwarze Zeiger vorrückten. Am liebsten hätte sie sie angehalten oder doch wenigstens die Kalenderblätter abgerissen, denn am Donnerstag begann das Fest von neuem. Ein Riefe erschien, mit dunkelrotem Gesicht, mächtigen Schultern, eingezwängt in einen hellen Ueberzieher. Der große Felix, Juliens Teilhaber. „Ich habe meine Ellbogen brauchen müssen, um noch hereinzukommen", sagte er.„Guten Tag, Helene. Entschuldige, daß ich mich verspätet habe." Sie hatte gerade noch Zeit, ihm zu danken, als eine mahnende Schwester austauchte. Man küßte sie, empfahl ihr, brav zu sein und versprach, sie bald ivieder zu besuchen. Sie umfaßte den Arm ihrxr Mutter. Ernest, Alsted und der große Felix entfernten sich. Julien und Papa Adam folgten nach, schwer und stark wie das Leben selbst. Berthe und Etienne wandten sich um. Da küßte sie Irma zum letzten Male. „Jetzt muß ich fort, Liebling, alle anderen sind schon draußen." „Nun find die Krank-n wieder unter sich", dachte Helene,„und statt der Freunde sind nur die beiden grämlichen Schwestern übriggeblieben." Die folgte ihrer Mutter mit den Blicken. Irma fand ihre Gesellschaft am Portal. Julien faßte sie unter. „Bist ja so blaß, Dicke?" „Sie soll nicht so oft hierher gehen", meinte Alfred.„Das greift sie zu sehr an. Wie wär's. wenn wir eine kleine Stärkung zu uns nähmen?" „Kein dummer Gedanke", pflichtete Papa Adam bei.„Die Luft da drinnen! Man wagt kaum, den Mund aufzumachen.** Sie gingen in ein Cast. Nach einem solchen Besuch verlange der Körper Alkohol, erklärte Julien und bestellte einige steife Grogs. Der Duft von Rum und Tabak, den sie gierig in die Nüstern zogen, tat Wohl. Sie tauschten ihre Eindrücke aus, die vorwiegend günstig waren. Helene hatte fast nicht gehustet, und der Husten war überhaupt lockerer geworden. Das war ein sehr guter Zeichen, ein Beweis, daß er sich löste. Dann sprachen sie von Krankenhäusern. Von Saint-Louis, wo der große Felix, wie er ohne Erröten gestand, sich hatte spritzen lassen müssen, von Bichat, wo Alfred einmal mit einer Bauchfellentzündung gelegen hatte. Julien schüttelte sich. Er setzte den Fuß nur ins Krankenhaus, um dott Freunde zu besuchen. Lachend erzählt« er bei der Gelegenheit, man habe ihn in der Jugend für sHvindsüchtig gehalten. „Mit dem Brustkasten", prahlte er,„werde ich hundert Jahre alt. Die Aerzte sind alle.. Er tränk aus. Es war ihm eingefallen, daß seine Frau nicht gern von solchen Dingen reden hörte. Eine richtige Jungfer, seine Dickel „Na, vielleicht können wir uns was Besse' rcS erzählen?" „Ohne mich", sagte der große Felix. muß ins Montbert zurück. Die Miß ist allein." Als er hinaus war, äußerte Julien feint Begeisterung über den Freund. Er wäre bet feinste Kerl, den man sich vorstellen könne. Chor' lier dagegen, der während des Krieges sein Teil' Haber in Säint-Dizicr gewesen war, habe immer geschimpft und schlechte Laune gehabt. „Trotzdem hast du mit ihm Geld gemacht" wandte Alsted ein. „Da müßte ich wett ausholen... Ich wollte nicht weg. Das Hotel, das mir Adam empfahl» lag mir zu nahe an der Front." Sie ließen ihre Erinnerungen aufleben. Ernest war der einzige unter ihnen, der den Krieg mitgemacht hatte. Alfred war einarmig' Felix herzkrank. Julien hatte damals an Asthiph gelitten, Papa Adam war über das Atter hin/ aus gewesen. Alle hatten sie verdammt geschul' tet, um es zu etwas zu bringen. Glücklicherweise» Denn heute gingen die Geschäfte nicht mehr st glänzend. Die Hochkonjunftur war vorbei, und ob die Deutschen je zahlen würden, war keines' Wegs sicher. „Wollen wir jetzt den Aperitif genehm!' gen?" fragte Ernest. Papa Adam und Julien tranken ihren Per' nod nur im Cast des Tourses. Sie standen aut Man beschloß, sich am nächsten Besuchstag wiebel am Bett des Mädels zu treffen. Am Donnerstag sah Helene ihre Eltern- Rose, Alsted, den großen Felix, Charlier und Nonoche. Und am Sonntag die Familie Ärenoub- Julien» in Begleitung der Portiersfrau, und Papa Adam, der, seinem Mündel zuliebe, a 11' das Rennen verzichtet hatte. (Fortsetzung folgt.)' Nr. 20« Mittwoch, 4 September 1035 Seite 3 FnÄSterickeuEsLker Zeitepie^ef Auch daran darf man nicht vorübergehen: Die Kartelle als Ursache der Teuerung In der Konsumgenossenschaft» vom 2. September veröffentlicht Genosse Rudolf K r e j• s t y einen interessanten Artikel, in welchem er eingehend darlegt, daß die Kartelle eine der Ursa« chen der Teuerung sind. In erster Linie wird auf de» Zucker hin gewiesen, dessen Preis von einer solchen Höhe ist, daß er für hunderttausend« von Menschen unerschwinglich geworden ist und diese gezwungen sind auf den Ge« nutz von Zucker zu verzichten. In einem solchen Zuckerlande, wie in der Tschechoslowakei ist der Zuckerverbrauch weit geringer als in anderen Ländern. So beträgt der Verbrauch in Dänemark 52 Kilogramm pro Kopf im Jahre, in England 45 Kilogramm, in der Schweiz 42 Kilogramm, in Holland 37 Kilogramm und in der Tschechoslowa« kei nur 25 Kilogramm. Bei Annahme eine- Fabrikspreises von KC 5.70 verbleibt nach Abzug der Zucker- und Umsatzsteuer ein JnlandpreiS von KL 3.60. Die Zuckerindustrie verschleudert aber den Zucker zu einem Preis von höchsten» 80 Heller auf dem Weltmarkt, zu einem Preise, der weit unter den Gestehungskosten liegt. Di« daraus entstehenden Verluste, die alljährlich hunderte von Millionen Kronen betragen, werden dem inländischen Verbraucher in Gestalt überhöhter Preise ohne Rücksicht auf seinen durch die Wirtschaftskrise in katastrophaler Weise angegriffenen Lebensstandard aufgebürdet. Hier ist eine wesentlich« Preissenkung am Platze. Durch den zweifellos da« mit erzielten höheren Jnlandverbrauch würde dem Staat ein weit höherer Gesamtbetrag an Einnahmen erwachsen. Das Eisenkartetl wieder macht infolge seiner hohen Preise nicht nur den Absatz unserer metallverarbeitenden Industrie auf dem Weltmarkt unmöglich, sondem erschwert sogar trotz des Zollschuhes ihren Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz auf dem Jnlandmarkt. Line neue Zirkusreise der SdP Dienstag rief Henlein di« Vertreter der reichsdeutschen Hakenkreuzblätter in Prag rusammrn und veranstaltete mit ihnen eine Rundfahrt durch einige nordböhmische Orte. In Dux z. B. fuhren vier groß« Auto» mit Großwürdenträgern der SdP und den Gleichgeschalteten vor. Mit der Stoppuhr in der Hand studieren die Herren da» sudetendeutsche Elend, nachdem sich Herr Henlein am Genfer See so gut erholt hat. Die sudetendeutsche Bevölkerung hat schon lange nach dem Anblick von autofahrenden Hen» leinbonzen gelechzt. Um ein« Tätigkeit nachzuweisen und wieder einmal ein Schauspiel zu bieten, wird also die Rundreise mft den Hitlernazi» veranstaltet. Niemand in der Henleinpartei denkt aber daran, vom Dritten Reich die Aufhebung der Maßnahmen zu verlangen, welche im ganzen Grenzgebiet durch Unterbindung des Grenzver- kehrS tausende Menschen um Verdienst und Arbeit gebracht haben. Als Beispiel für die Schädlichkeft der PreiSpolftik des Eisenkartells wird der Grundpreis de» BetoneisenS angeführt, der 144 Xi ab Werk beträgt. Im nichtkartel- lierte» Ausland kostet die gleiche Warr zwischen XL 60 und XL 70, Parität tschechoslowakische Grenze. Bei Zement betrug der Kartellpreis KL 20 bis 24, nach dem Zerfall des Kartells siel der Preis auf XL S bis 14, nach Gründung des böhmischen RumpfkartellS stieg der Zementpreis auf etwa KL 16. Das Papierkartell hat die Preise für die wichtigsten Pa« Pierwaren derart erhöht, daß sie derzeit annähernd da» dreifache der Preise deS Auslandes für die gleichen Waren betragen. Nach der Auflösung des Spinnerkartells wurde das Garn um etwa 15 Prozent billiger verkauft. Unsere Tafelglaspreise betragen annähernd da» Doppelte der Weltmarkt- preise. Die Glühlampenfabriken diktieren weiter ihre Preise nach Belieben. AuS allen diesen Gründen wird von Genossen Krejsky mit Reibt ein Eingreifen der Regierung gefordert, um dem Treiben der Kartelle ein Paroli zu bieten und die Bevölkerung zu schützen. Die hohen Töne, die am Sonntag in Haida angeschlagen wurden, sollen darüber hinwegtäuschen, daß im Lager der sudetendeutschen JnflationSgewinncr Nervosität, Führerzank und Enttäuschung grassieren. Man fürchtet die Abrechnung der gefoppten Henleinproleten und darum müssen wieder verlogene Flugblätter gegen die„Roten"— die doch angeblich am 19. Mai mausetot besiegt worden sind— unter» Volk geworfen werden. In einem solchen Flugblatt, betitelt„Sudetendeutsche!".lesen wir: ES werden„Demonstrationen" veranstaltet und die rote Presse wettert mit großen Worten gegen Elend und Teuerung. Für diese Aktion fließt viel Geld au» trüben Quellen. Mit dieser schmutzigen Verdächtigung wollen sich die Herrschaften um eine Stellungnahme zur Frage der Teuerung herumdrücken. Halda im Spiegel der Presse »Cesk£ Slovo«: „Militärischer Geist“ Das„Cestt Slovo" hebt vor allem den militärischen Charakter der Haidaer Kundgebung hervor: „Ordnung muß man den Henleinleuten zuerkennen, auf der anderen Seite aber besteht die ständig bedeutsame Frag«, ob der herrschende und betonte militärische Geist und die militärische Or- ganisatton er erlauben auf die Henleintruppen al» auf eine normale polittfche Partei eine» demokratisch eingerichteten Staate» zu blicken. Gibt es doch unter den tschechoslowakischen polittschen Parteien keine Analogie eine» solchen parteipolittschcn Organismus. Bei un» besteht keine Lust dazu, in da» polittfche Leben diese militärischen Manöver, Märsche, Habtachtstellungen und Paraden— den Henleindeutschen soll aber dieser durchsichtige Anschluß an das Dritte Reich anerkannt werden... Wir glauben, daß man da» dauernd nicht übersehen kann. Bei un» spricht man viel von Wehrerziehung. Hier ist eine Probe, wie diese Wehrerziehung auSschaut und wie sie bei unseren Deutschen verwirklicht ist. Dann folgt eine Kostprobe de» polittschen Analphabetismus der SdP, wie folgt: „Die Herrn haben in der Regierung a ch i sozialistische Ministe r." Wieso vier Sozialdemokraten und zwei tschechische Nationalsozialisten, wovon där eine noch in der überparteilichen Funktion des Außenministers gebunden ist, zusammen acht sozialistische Minister' ergeben, mögen die Herrn Flugblattschreiber aufklären, wenn sie nicht als berufsmäßige Lügner und Fälscher dastehen wollen. Ein weiterer Satz dieses Lügenwisches spricht von der „gutgeschmierten roten und grünen Presse". Dieses Flugblatt ist. gezeichnet: Sudeten- deutsche Partei, Eger, Bahnhofstraße 63. Für seinen schmutzigen Inhalt trägt also die Sudetendeutsche Partei, deren Vorsitzender und Führer bekanntlich KonradHenlein heißt, die Verantwortung. Wir fräsen also Herr« Henlein r An« welchen Drüben Quellen" fließt„viel Geld" für de« sozialistischen Teuerungskampf? Womit wagt man die dreiste Fälschung und Irreführung der De- völkerung zu begründen, daß acht sozialistische Minister in der Regierung sitzen? WaS soll die Anspielung von der„gutgeschmierte»" rote« und grünen Presse heiße»? Heraus mit der Sprache« Herr Henlein I Die sudetendeutsche Sudelküche — genannt Volksgemeinschaft Die Lüsen des Konrad Henlein Sommer im Dorf Ella war damals erst siebzehn Jahre alt. Ein verträumtes phantasiereiches Kind; sie liebte Bücher, Freunde, schöne Landschaften und das Leben überhaupt. Ihre Heimat lag weit, weit von hier, sie war irgendeine klein« stille Provinzstadt auf der Balkan-Halbinsel. Die Sommerferien verbrachte Ella gewöhnlich mit ihren Eltern und Geschwistern auf dem Lande in einem primitiven altrumänischen Dorfe. Es war eines jener Dörfer, wie man sie nur noch auf dem Balkan findet, voll urwüchsiger Primitivität; kein Laut der lärmenden Zivilisation kann die tiefe stille Harmonie und ländliche Schönheit des Ortes stören. Die Bauern gingen wortkarg ihrer Arbeit nach, die Bäuerinnen voll Anmut in ihrer malerischen Tracht, führten still und sinnvoll daS Hauswesen, sobald sie von der Feldarbeit heimkchrten. ES lag so still und verschlafen im Sommer, dieses entlegene Dorf, im Sommer— trotz dem emsigen Leben auf dem Ackcrfelde. Es war ein hartes Leben, das diese Bauern führten, aber sie bewahrten dennoch ein frohes Gemüt. Ihre wunderschöne ländliche Tracht und ihre angeborene Anmut hatten schon viele Maler begeistert. Die Bauernhütten in„Ungheni" waren zwar klein, aber von malerischer Schönheft in ihrer Farbenpracht: die Wände blendend weiß ge« tüncht, die Türen und die zierlichen kleinen Fen« sterchen bunt bestrichen; meistens blau, grün oder rot. Jede solche Hütte war von einer schwarz gestrichenen Bank ummauert und schön war es, in den heißen Sommertagen auf dieser Bank zu ruhen. Das Innere der Hütten war mit bunten selbstgewebten Teppichen, mit reich gestickten Tisch« tüchern und Vorhängen, die von einem erlesenen Geschmack zeugten, geschmückt. Da» Ganze glich von der Ferne einem niedlichen Schmuckkästchen, so niedrig war die Diele. Bedeckt waren die Hütten meist mit Stroh oder Schilf und nur die reichen Bauern hatten ein-Dach aus Ziegeln. Der Hof war gewöhnlich von einem geflochtenen Zaun umgeben und der Obst- und Gemüsegarten war stets riesig groß und bot genug Raum zum Schleudern und Herumtollen. Nun, in einer solchen Bauernhütte verbrachte die kleine Ella gemeinsam, mit den Ihren— alljährlich die Sommerferien. Sie genoß mit Freude und stiller Bewunderung das ganze Getriebe eines solchen Bauernwesens; beobachtete insgeheim das emsige Leben der Bauern und es erfüllte sie mit Ehrfurcht die menschliche Arbeit. Sie fand den Naturmenschen voller Harmonie im Besitze seiner Kraft und seiner Schönheit. So gab es um sie herum genug Stoff für ihr verträumtes, aber eindrucksfähiges Gemüt und genug Raum für ihre weiten Spaziergänge. „ES war an eurem dftser trunkenen Sommertage"— so erzählte mir Ella—„an denen die Lust blau und durchsichtig ist, betäubende Düste der Erde- den Bäumen und den Pflanzen entströmen, man von der strahlenden Sonne sich ganz durchglüht fühlt und der Mensch— mall und betrunken— sich am liebsten in'S grüne saf- tige Gra» niederwerfen möchte, um so gedanken- und wunschlos zum bläulich-milchigen Himmel zu starren, sein Wolkenreich zu verfolgen,— von dem ganzen Getriebe dieser. Welt losgelöst, sich nur noch ein» mit der allmächtigen Natur zu fühlen".„Gegen Abend schlich ich mich von zuhause weg— diese Stunde war für mich immer die unruhevollste— und wandte mich der Landstraße zu. Unsere Bauernhütte lag ganz nah« dem Ackerfeld, das nur durch einen geflochtenen Zaun vom Dorf getrennt war. Ich sprang über ihn hinweg und befand mich mitten im Felde. Die Sonne begann schon zu sinken, die Luft wurde kühler und tiefe Stille beherrschte den Raum. Ich ging über das Feld der Landstraße zu und wanderte entlang. Zu beiden Seiten wogten leise und sanft die Maisfelder, kein Menschenwesen war mehr zu sehen; sttll, lautlos sttll war eS ringsherum. Himmel und Erde, Pflanze und Tier, alles schien sanft zu ruhen. Ich ging, ging traumverloren durch dieses Geteridemeer» vom Sonnen« untergang wie von einer magnetischen Kraft angezogen. Stille. Man atmete tief, die Düfte der saftigen fruchtbaren Erde in sich ein, hatte über sich den gewölbten Himmel und vor sich die ufer« lose Weite. Am Horizont zeichneten sich die Umrisse einiger kleinen Hügel ab, hinter welchen sich das grandiose Schauspiel des Sonnenuntergänge» abspielte. Ich ging immer wefter und weiter, wie von einer unsichtbaren Macht getrieben, von diesem erhabenen Anblick wie gebannt. Die Dunkelheit schlich sich lautlo» heran und umhüllte mich wie in einem Zaubermantel". „Da plötzlich blieb ich stehen. Himmel, Erde und ich, nur ich allein. Keine lärmende Welt mehr— keine Menschen mehr. Uferlose Einsamkeit. Die Unendlichkeit de» Welträume» begann mein kindliches Gemüt zu ahnen und ich erschauerte. Wie— blitzte eS mir durch den Kopf — wenn ich so ganz allein auf der Welt bliebet Himmel, Erde und ick«— nur ich allein. Ich erschrak. DaS tiefe Geheimnis der Natur erfüllte mich mit, Ehrfurcht, aber zugleich auch mit unsagbarer Angst und ich lief atemlos den Weg zurück. Von dunflen Ahnungen wie von unsichtbaren Schatten verfolgt, beschleunigte ich meine Schritte, um nur schneller, schneller zur Mutter, zu den Geschwistern, zum Teetisch— zum Alltag zurückzukehren. Dort zu Hause ist alles so einfach und verständlich— aber hier, diese geheimnisvolle Sttlle, diese Einsamkeit, diese große Einsamkeitl Mir bangte eS vor ihr.., Recha Katz. Aloisi wird Italien in Genf vertreten »Prävo Lidu«:„Henlein ruht“ „Prävo Lidu" schreibt: „Alle», WaS wir an dem Verlauf der großen Kundgebungen der Henleinwähler beobachten, be« zeugt nur, daß die Nebel noch immer nicht zerstreut sind, daß die Schwaden bleiben, daß sich allerdings im Innern unklare Drohungen abzuheben beginnen... In das Henleinlager rufen wir, daß die demokrattsche Tschechoslowattsche Republik die Drohungen de»„Führer»" und der „Unterführer" nicht fürchtet. Wir drohen nicht, aber wir lassen un» auch nicht drohen, wir lassen auch den Staat nicht bedrohen. Die militärische Terminologie ist den Henleinleuten am verständlichsten. Deshalb sagen wir: Henlein ruht! Und an die tschechoslowakische Adresse: Achtung! »Venkov«: Kein Vertrauen Im„Venkov" bemerkt Dr. Kahänek: Ein interessantes Moment gab et in der Kundgebung Henlein», al» er sagte, e» gäbe bei un» in der Republik keinen Staatsmann, der die Loyalität der Sudetrndeutschen Partei anzweifcln könnte. Das ist wieder die legendäre Selbsttäuschung, weil das Vertrauen erworben werden muß. Zum Vertrauen ist Ueberzeugung notwendig und glauben die Führer der Henleinbewe- gung, daß auf ttchechoslowakischer Seite Vertrauen zu ihrer Bewegung ist, unterliegen sie einer gefährlichen Täuschung. Mißtrauen erweckt das,-was sie.als ihre vorzügliche Eigenschaft betrachten: Die Disziplin und die sozusagen militärische Disziplin der Bewegung wie auch die Unbestimmtheit ist den Kundgebungen, da» Rätsel, >oie sie wirtschaftliche und politische Fragen lösen wollen ohne ihren Inhalt und ihr Programm feftzulcgen. In einem hat Henlein recht, als er verkündete, er könne nicht mehr zurück. Dieser Ausspruch hatte das lebhafteste Echo. Ein« Bewegung wurde hervorgerufen, von der die Führer nicht mehr Weglaufen können. Line vergebliche Anbiederung der„Bohemia“ ist eS, wenn sie in ihrem Kommentar und Bericht zu dem Haider Bolkstag von 70.000 Teilnehmern erzählt. Wer da» kleine nordböhmische Städtchen Haida kennt, weiß da auf den ersten Blick, daß wieder einmal die Brillen der Goebbelspropaganda aufgesetzt worden sind. Sogar Herr Sandner hat in seiner Ansprache nur von 60.000 Versammelten geredet. Soweit kann man sich auf diesen Herrn verlassen, daß er die Zahl bestimmt nicht zu niedrig gegriffen hat. Der Versuch, selbst die Phantasie des Herrn Sandner noch zu überbieten, wird der„Bohemia" nicht» nützen. Es kommt doch zur Gründung eineeigenen Tagblattes der SdP in Prag. Die Quartiermacher der Konkurrenz sind bereit» eingetroffen. Und sie erzählen e» unverhohlen in öffentlichen Lokalen, daß man mit tineM abgt- stempelten Blatt, wie eS die„Bohemia" ist, nichts anfangen wolle. Neuer LandesvIzeprMsident von Böhmen Der Präsident der Republik ernannt« de« RegierungSrat Dr. Jan Glanz zum Biztpräfi. denken des Landes Böhmen. Der Präsident de» Abgeordnetenhauses Po- humir Bradäk beftndet sich bereit» auf dem Weg« allmählicher Genesung, darf aber auf dringenden Rat der Aerzte außer seinen Familienangehöri« gen noch niemanden empfangen. Sparkommiffion eröffnet die Herbstsrffion. Die Korrespondenz der Nationalversammlung teilt mft: Der Ausschuß der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission hält am 4. September 1935 um 10 Uhr eine Sitzung ab. Aufgehobene Zeitungsverbote. DaS Innen« Ministerium hat die aus dem Gebiete der Dsche« choflowakei seit 1938 verbotenen reichsdeutschen Blätter u. zw.»Deutsche Allgemeine Zeitung", „Frankfurter Zeitung",„Kölnische Zeitung" und „Münchener Neueste Nachrichten" wieder zuge« lassen. Stift£ Mittwoch, 4 September 1935 Nr. 208 Iin Schatten des Krieges Französischer Graf als Spion verhaftet Paris. Am Montag verbreitete sich die Meldung, daß in Abessinien zwei Franzosen, und zwar ein Dänin und eine Frau, wegen Spionage verhaftet worden seien. Die Pariser Morgenblätter von Dienstag bestätigen diese Nachricht. ES handele sich um den Grasten de Roq u.e f e u i l l e und seine Gattin. Das Journal" schildert den verhafteten Adeligen als einen Abenteurer, dessen, Tätigkeit bereits längere Zeit hindurch von der abessinischen Polizei verfolgt worden war, bevor diese zur Verhaftung schritt. Die Angelegenheit prüft die französische Gesandtschaft in Addis Abeba. Unverfroren... Addis Abeba. Wie die italienische Gesandtschaft meldet, hat sie die abessinische Regierung um die Erlaubnis gebeten, 200 Eingeborene Soldaten aus den italienischen Kolonien nach Addis Abeba zum Schutz der italienischen Gesandtschaft einberufen zu dürfen. Die abessinische Regierung hat bisher noch nicht geantwortet. Terroristen als Kanonenfutter für Ostafrika AP. Rom. Zahlreiche kroatis ch e Emigranten, die Beziehungen zur Terrororganisation„U st a» a" unterhielten, die sich entweder in Italien aufhielten oder aber nach der im Zusammenhang mit dem Marseiller Königsmord erfolgten Ausweisung aus Frankreich, Belgien und anderen Ländern nach Italien gekommen waren, wurden nach Ostafrika geschickt. Das gleiche Schicksal teilten zahlreiche mazedonische Emigranten. Aegypten wird vorseschlckt In der Fräse des Tana-Sees Paris. Wie gemeldet wird, verhandelte die ägyptische Regierung im Ministerrate über die Schaffung einer Konvention zwischen Abessinien, Aegypten und dem Sudan, zwecks Gründung einer Gesellschaft für die Ausbeutung des Tana-Sees. Kairo. Die ägyptische Regierung hat den fremden Mächten eine Note zugeftellt, in der darauf hingewiesen wird, datz jedes Gesuch nach Ueberfliegung ägyptischen Gebietes durch italienische Militärflugzeuge mindestens 15 Tage vor Antritt de? beabsichtigten Fluges im Besitz der ägyptischen Reglerüng sein mutz. Vinnen vier lasen »ollen die englischen Staatsbürger Abessinien verlassen Dschibuti.(Reuter.) Die in Abessinien wohnhaften britischen Staatsangehörigen erhielten von ihren Konsulaten die Instruktion, binnen vier Tagen das Land zu verlassen. 35 Flugplätze In Erytrea Rom. In der italienischen Kolonie Ärythrea find weitere Maßnahmen getroffen worden, dieses Gebiet zu einem starken Flugstützpunkt zu machen. So sind jetzt 35 Flugplätze verfügbar, von denen zehn eigentliche Flughäfen sind, während 25 als Bedarfslandeplätze werden können. Italienische Bestellunsen In Paris Paris.„Se Matin" teilt mit, datz der italienische Marschall B a l b o in Paris mit den Vertretern französischer Jndustriekreise über Lieferungen für die italienische Armee verhandelt habe, u. zw. im Hinblick, datz die italienischen Bestellungen in England hauptsächlich infolge des Embargos auf'grohe Schwierigkeiten stutzen. Gleichzeitig hebt das Blatt hervor, datz Balbi) auch im Kriegs- und Luftfahrtministerium verhandelt habe. Bittgottesdienst in der Westmlnster*Abtel London. In der Westminster-Abtei wurde Dienstag abends anläßlich des Zusammentritts des Bölkerbundsrates ein besonderer Bittgottesdienst zur Erhaltung des Friedens unter den Völkern abgehalten. Grenzzwischenfall Paris. Der Sonderberichterstatter der Agence Havas in Addis Abeba berichtet ergänzend zu seiner Meldung über einen angeblichen Zwischenfall an der Grenze von Französisch- Somaliland, daß es sich hiebei um die Auswirkung eines alten Streites zwischen zwei Ein- geborcNenstämmen handle, die kaum politische Folgen haben dürfte. Der in Französisch-Somaliland seßhafte Eingeborenenstamm der Issaas begebe sich häufig auf abessinisches Gebiet, um an einer bestimmten Stelle die Wasservorräte aufzufüllen. Dabei komme es dann häufig zu Auseinandersetzungen mit dem Stamm Asmara. Schlägereien und Schießereien seien dabei nicht selten, ohne datz es immer möglich sei, die Verantwortlichen festzustellen...< Der Duce und seine Donankolonie Wie wir berichtet haben, begab sich Herr Mussolini anläßlich,der italienischen Manöver höchst persönlich an den, Schlagbaum der Brennergrenze, winkte— mit dem Recht des Kolonialherrn i— die österreichische Grenzwache heran und ließ sich gemeinsam mit ihr photographieren, Hier das Bild des Duce mit seinen unterwürfigen österreichischen„Eingeborenen", ein denkwürdiges Dokument der österreichischen„Unabhängigkeit". Großer Einbruch in Karlsbad Karlsbad. In der Nacht auf Dienstag wurde bei dem-Bäckermeister Georg Steidl in Karlsbads Haus„Jawa", eingebröchen, wobei den Tätern sechs Sparkassenbücher sowie verschiedene. Wertpapiere im Gesamtwert von 210.000 Kd in die Hände fielen. Die nordböhmischen Manöver Rakovnik.(Tsch. P. B.)-Nach dem schönen sonnigen Wetter begannen am Dienstag die Uebungen der dritten Manövergruppe. in Nord- westböhmen an- einem nebligen- Morgen. Die SicheruNgSabteilungen der, Blauen,, der Südpartei, stehen mit der Roten Arme«, der Nordpartei, im allgemeinen auf der-Linie Koma t aai—N ordra n d d e r D u.p Pauer Berge in Fühlung. Der Kommandant der Roten Partei wußte, daß sich größere Kräfte der Blauen irgendwo im Raum Prag—Unhost—Be- raun erst konzentrieren und datz sich an der Front zwischen der Eger und den. Duppauer Bergen nur schwächere Kräfte der Blauen befinden.. Der Kommandant der Roten beschloß einen Durchbruch der Front der Blauen,, um mit Hilfe eines energischen Vormarsches möglichst weit über Po- dersam vorzudringen. Der Kommandant der Blauen beschloß, ein R L ck z u g s gefecht so lange dürchzuführen, bis seine neuen Kräfte werden eingreifen können. Bis 11 Uhr sind die Roten am weitesten südlich der Eger und in der Nähe von Saaz vorgerückt.' Sie.haben die Linie Pke- skalsky Vrchy—-Libotih erreicht und dringen in der Richtung gegen P o d e r s ä m vor. Der Vormarsch des Südflügels der. Roten ist durch die Duppaüer'B'e^ge gehemmt. Insgesamt halten di« Bläuen'.den Vormarsch' der Röten dadurch auf, daß sie beim Rückzug planmäßig die wichtigsten KomMumkationsobjekte'zerstören- und'-'so die Kampfeinheiten der Roten zur neuen Herstellung der Kommunikationen, zum Bau von Ersatzpro- sckten(Brücken) oder zu weiten Umgehungen zwingen.. Den'bei den Schlüßübungen anwesenden Pressevertretern.wurde Gelegenheit gegeben, di« das ganze- Armeekorps mit Brot versehende Feldbäckerei in voller Arbeit zu sehen. Sie seht sich aus zwei Sektionen zu je acht Fahr-Backöfen zu-, sammew von denen jede-50 Laib Brot-in.einer Stunde, d. i. 100 Tagesrätionen Herstellen kann.' Die Fahr-Backöfen sind, für Pferdezug, für Verschiebungen mit Antomobilfahrzeugen eingerichtet und sind imstande, durchschnittlich 20 Kilometer in der Stunde zurückzulcgen. »'----....... d! Dienstag vormittags' traf Minister für Nätionalverteidigung Machnik in Rakovnik ein. Geheimgesellschaft»Rache" verurteilt zum Tode Gablonz. Die Gendarmerie, hat.die 65 Jahre alte Glasschleiferin Julie Sch w.e d l e r aus Ober-Maxdorf wegen eines ungewöhnlichen Vergehens verhaftet. Seit dem Jahre-1833 erhielt ein GlaSwaxenerzeuger in Ober-Maxdorf regelmäßig anonyme Briefe, in denen ihm angekündigt Wurde,.daß er. und drei andere Personen sowie deren. Frauen h i n g e r i ch t e t würden. Als Begründung wurde angegeben, daß sie eine gewisse Frau Schwedler verfolgten, obwohl diese unschuldig sei. Briefe ähnlichen Inhalts erhielten auch andere Bewohner in Groß-Semmering bei JohanncSberg, denen ebenfalls die Hinrichtung angedroht wurde. Die Briefe waren unterzeichnet „Geheimgesellschaft Rache". Die Briefe wurden an die Schriftüberprüfungsstellen in Prag eingesendet, von denen festgestellt wurde, daß sie alle von der Hand der Glasschleiferin Julie Schwedler stammen. Königin Astrids letzter Weg Brüssel. Die'Leiche'der Königin Astrid wurde gestern mit größtem Pomp unter Waffenhaficr Beteiligung der Bevölkerung beigesetzt. An der Spitze- des gewaltigen Leichenzuges schritt mit verbundenem Arm der König unmittelbar hinter dem Sarge, während das übrige Trauergefolge im Wagen fuhr. Als sich der Trauerzug in Bewegung setzte,'kreuzten, zwölf Flieger-Eskadrillen über dem Platz vor der. Kirche. Um halb 2 Uhr nachmittags kam der Trauerzug in der Kirche in Laeken an- Der König legte die ganze Strecke von der St. GudularKirche bis zur Kirche in Laeken ganz alleiü zu Fuß zurück. Er. blieb mit entblößtem Haupte stehen, während der Sarg vom beweglichen Katafalk gehoben und unter dem Salut von Kanonenschüssen in die'Krypta von Laeken getragen wird. Trommelwirbel ertönte und zum letztenmal spielte die Musik die Brabaneanne Unter den Klängen der belgischen Nationalhymne wurde der Sarg in die. Krypta gebracht. Gin Kirchturm eingestürzt Warschau.. In der Ortschaft Boleslaw im chemaligeü^ongxeßpolen stürzte während eines heftigen Gewitters der Türm einer. 300 Jähre alten Kirche ein. Die Einsturzkatastrophe forderte glücklicherweise keine Menschenopfer, da die Kirche zur Zeit des Gewitters leer. war. Enthüllung einer Chopin- Gedenktafel in Karlsbad/Anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr'von/ Chopins Kuraufenthalt in. Karlsbad, wird am 4. September, am Hause„Havanna" in der Sprudelstratze in. Karlsbad eine Gedenktafel für den großen polnischen Komponisten enthüllt werden...” . Henri Barbusse- letzte Fahrt auS Rußland. Montag'würde der Sarg mit den irdischen Ueber- resten des- französischen Schriftstellers Henri B a-r',b. u s s e auf den Baltischen Bahnhof in Mqskäu gebracht, von wo er nach Paris überführt wurde. Um. dem Verstorbenen das letzte Geleite in Rußland zu geben, waren zahlreiche Schriftsteller,"Wissenschaftler und zehntausend« Werktätige Moskaus erschienen. Zwischen zwei Waggons zermalmt. Beim Zusammenkuppeln von Eisenbahnwaggons in der Station Opratany geriet Montag der Eisenbahnbcdienstete C e k a l zwischen die Wag- gonpuffer, wobei ihm die Beine zer- q.u e t s ch t wurden. C e k a l, der Familien« vaterist, ist auf dem Wege ins Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Wertbriefe von der Tschechoslowakei nach der Sowjetunion, Ab 1. September 1935 können Wertbriefe aus der Tschechoslowakei nach SSSR. und umgekehrt gesandt werden. In diesen Wertbriefen dürfen aber k e in e r l ei Schriftstücke eingelegt werden, die den Charakter einer wirklichen und persönlichen Korrespondenz tragen; erlaubt sind bloß Anmerkun-. gen über den Inhalt. Kongreß der Radiohändler in Prag. Dienstag vormittags wurde im Smetanasaale des Gemeindehauses zu Prag der l. ganzstaatliche Kongreß der Radiohändler aus der Tschechoslo- wakischen Republik eröffnet, der unter dem Protektorate des Handelsministers I. B. N a j» man vom 2. bis 4. d. M. in Prag abgehalten wird. Eine tschechoslowakische Luftkriegs-Zeitschrift. D er„Zentralausschuß zur Verteidigung der Bevölkerung" hat zusammen mit dem Verband der tschechoslowakischen Offiziere eine eigene illustrierte Monatsschrift gegründet, welche alle technischen, hygienischen, chemischen und organisatorischen Fragen, die mit dem Schuh gegen Flieger- und Giftgasangriffe zusammenhängen, systematisch behandeln wird. Das Blatt„Obrana obyvatelstva" wird bereits in den ersten Tagen des September erscheinen. Scheune durch Blitzschlag entzündet. In Luka bei Jglau ging Dienstag nachmittags ein schweres Gewitter Nieder, wobei gegen 17 Uhr der Blitz in die Scheune des Großgrundbesitzers Wiedmann-Sedlnicky einschlug, die in Flammen aufging und vollkommen niederbrannte. Da die Scheune mit Ernte- und Flachsvorräten gefüllt war, ist der Schaden groß. Die schwarze Chronik der Berkehrsunfälle in London weist am Ende der letzten Woche folgende Ziffern auf: 200 Tote und 200 Schwerverletzte, von denen der größte Teil der Fälle auf Automobilunfälle zurückzuführen ist. Eine neue Insel im Polargebiet. Der Sowjeteisbrecher„S a d k o", der gegenwärtig eine Polarexpedition im nördlichen Eismeer unternimmt, entdeckte Montag eine Insel in 80 Grad 51 M. Breite und 78 Grad 25 Minuten östlicher Länge. Die Insel ist mit Gletschern bedeckt und soll den Namen des Führers der Expedition Uschakow erhalten. KriegSminister contra Löwin. Der Minister für Nationalverteidigung der südafrikanischen Union, Piron, geriet bei einer Jagd im Nationalpark in größte Lebensgefahr. Er verwundete nämlich eine Löwin, die Reißaus nahm, plötzlich jedoch wieder zurückkehrte und sich auf den Minister stürzte. Dieser konnte noch im allerletzten Augenblick die wütende Bestie durch einen Gewehrschuß erlegen. Mandschurische Spione vor dem Moskauer Gericht. Sonütag begann die Verhandlung des Obersten Gerichtes der Sowjetunion gegen eine Gruppe von Weißgardisten, die im Auftrage auS-„ ländischer'Mächte zum Zwecke der Spionage über die Mandschurei nach der Sowjetunion gekommen waren und auch Terrorakte ausführen sollten. Bei den Angeklagten wurden Waffen, Bomben und antirevolutionäre Literatur gefunden. Sie bekannten sich schuldig. Der Tornado, der in der Nähe von Florida toüiete, hat einige Meilen von Miami entfernt eine ganze Ortschaft verwüstet. Etwa 100 Fami« lien sind obdachlos. Man befürchtet, daß zahlreiche Personen ums Leben gekommen sind. In Südflorida wurde die Eisenbahnstrecke in einer Länge von 80 Meilen vernichtet. Endlich Regen! Die Zone höherer Temperaturen weicht nach Südosteuropa zurück. In Italien und auf der Balkanhalbinsel stiegen die Temperaturen mn Dienstag noch vielfach über 30 Grad, auch in Preßburg und Uzhorod wurden nachmittag» noch 29 Grad verzeichnet. Dagegen ist in die böhmischen Länder vom Westen her kühlere Luft vorgedrungen. Die gewitterigen Regenschauer, die in den Morgenstunden aufgetreten waren, sind hier in länger dauernden Regen übergegaugen. Im Weftteil Böhmens hat die Temperatur Dienstag nachmitagS stellenweise nicht einmal mehr 20 Grad erreicht. Die Wetterverschlechterung, die' sich nach Südosten ausbreitet, dürfte nur vorübergehend sein. In Westeuropa klärt es bei etwas steigender Temperatur wieder langsam auf.— Wahrscheinliche- Wetter von heute: Im Westen der Republik allmähliche Befferung, aber noch unbeständig, Tem« perawr wenig geändert oder etwas wärmer. Im Karpathengebiet des Staates stärkere Bewölkung, strichweise Schauer oder Gewitter, leichte Abkühlung- — Wetteraussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, im allgemeinen ruhig, vergrößerte Temperawrschwankung zwischen Tag und Nacht, morgens strichweise nebelig. Vom Rundfunk ■■pMlaMwartM mm 4m Programmen i Donnerstag Prag: Sender L.: 10.08 Deutsche Presse. 12.05 Schallplatte»: Smetana. 16.30 Nachmittagskonzert. 17.45 Schallplatte»: Vlasta Burian in der Bilder« galerie. 18.00 Bajo-Trio. 18.20 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 19.00 Deutsche Presse. 20.20 Ballett« musik. 21.45 Ostrkil: Streichquartett.— Sender Str.: 7.30 Leichte Musik. 14.15 Deutsche Sendung: D. Holländer: Dai flämische Genie Leos Janakek. — Brünn: 13.35 Deutscher Arbeitsmarkt. 17.40 Deutsche Sendung: Arbeiter funk: Süß: Da» Individuum und die Gesellschaft. 18.45 Estländische Musik. 19.25 Blasmusik. 22.85 Radioschrammeln. — M.'Oftran: 11.00 Schallplatten. 18.20 Deutsche Sendung: Liederkonzert.— Preßburg: 21.45 Dio- loncellokonzert. Nr. 206 Mittwoch, 4. September 1935 Seite 5 Spanische Ritterlichkeit Betätigt an wehrlosen Gefangenen llefier die unmenschlichen Methoden der spanischen Reaktion ihren unterlegenen Gegnern gegenüber, macht im«Daily Herald" Ramos Olivera, Verfasser eines Standardwerkes über die Oktoberrevolution, folgende Mitteilungen: Nach dem Aufstand füllten sich die Gefäng« niffe in einem Matze, daß der Justizminister, der die Zahl-er Häftlinge mit 40 bi- 50.000 bezifferte, um einen Scnderkredit dazu ansuchen mutzte. Roch heute schmachten in den Verließen dieser— Republik 80.000 Menschen, die zum Teil seit vielen Monaten auf ihren Prozetz oder wenigstens auf die Angabe des Grundes ihrer Haft warten. Jeden Tag werden neue Gefangene eingeliefert, da schon der leiseste Verdacht von sozialistischer Gesinnung zum Einsperren genügt. Nach dem Gesetz genietzen politische Gefangene Vorzugsbehandlung, in Wirklichkeit geht man mit ihnen rücksichtsloser um, als mit Verbrechern. Nur wenige bekannte Persönlichkeiten werden wirklich etwas „besser" behandelt. Zum Beispiel der ehemalige Sozialminister Largo Caballero, dessen Zelle kein Fenster besitzt, dafür aber einen Vorraum in Form eines dunklen, engen Ganges hat; öffnet der Unglückliche einen Augenblick die Tür zu diesem Gang, etwa um„frische" Luft zu schnappen, so füllt sich die Zelle mit hunderten Ratten! Er hat kein« Aussicht» dies« Hölle zu verlassen, wenn es auch den Richtern bisher nicht gelungen ist, seine Beteiligung an der Revolufton des letzten Jahres zu beweisen. In Oviedo sitzt seit dem Vortag« der Kämpfe in dieser asturischen Bergarbeiterstadt der scziali« stische Redakteur B u e n o. Die Behandlung in den Gefängnissen, di« unheimlich überfüllt sind, ist empörend. Man ftndet fünf Häftlinge in einer engen Zelle, von deren Decke und Wänden Wasser rieselt. Sie müssen hier ohne Unterlage schlafen. Zu den ersten Matzncchmen der sozialistisch-republikanischen Regierung gehörte die Schließung einiger baufälliger Gefängnisse. Seit dem letzten Oktober dienen sie alle w i e d er ihrem allen Zweck. So sind in Chinchilla, einer mittelalterlichen Wasserburg, viele Sozialisten, u. a. Don Gabriel M o r o n, ein führender Abgeordneter, eingesperrt. Da Mangel an Gebäuden, sind auch Schiffe als Gefängnisse eingerichtet worden. In ihren dunklen Bäuchen schmachten tausend« Arbeiter. Sie liegen vor Santander, Gijon und Bilbao. Selbstmordversuche sind häufig. So gelang es dem Bruder eines Arbeiterführers aus Asturien, bei der Ueberführung von Oviedo nach Gijon auf einer Brücke auS dem- Zuge zu springen/ und sich in einen Fluh zu stürzen, wcbei er um kam. In San Sebastian brachte sich Don Guillermo TorrijoS, ein aller Sozialist, mit einem Taschenmesser viele Wunden bei. Bon den häufigen Ueberführungen wird besonders Gonza- l e z P e n a betroffen, ein zum Tode verurteiüeS, aber dann begnadigtes Mitglied der Cortes. Er war erst in Cartagena, dann in Chinchilla und ist nun in Burgos. Seine Familie begleitet ihn von einem Ort zum anderen. 30.000 Gefangen« bedeuten 80.000 hungernde Anverwandte, denen nun nicht mehr durch irgendwelche Unterstützung geholfen werden kann. Es sind schon Hungertode zu verzeichnen. Die Justiz entspricht der Behandlung der Gefangenen. So erhielt der ehemalige Sekretär deS Exministers Prieto 12 Jahre für die Herstellung und Verteilung eines Flugblattes gegen Wenn man sich heute nochmals alle Etappen des Sozialistengesetzes und vergleichend den Ablauf der„nationalen Erhebung" in.Erinnerung ruft, so stützt man auf geradezu verblüffende Uebereinsftmmungen zwischen gestern und heute, zwischen 1878 und 1933. Doch das Leben ist nicht denkbar als einfache Wiederholung seiner selbst, bedeutende Unterschiede sind auch hier vorhanden; aber sie berühren nicht das Wesen der zu vergleichenden Ereignisse, viellnehr nur die Form und die Schärfe, in der sich die sozialen Kämpfe, die gestern zum Sozialistengesetz führten, heute wiederholen. Die Gegensätze sind eben in jeder Hinsicht weitaus zugespitzter als sie 1878 bis 1890 waren, dementsprechend sind die Kämpfe heute gewaltiger, sind die Mittel ungeheuerlich und es ist das Tempo der Dinge der Zeit angepatzt. Aber entscheidend ist, dass heute dieselben sozialen Kräfte am Werke sind wie 1878. Liest man die Geschichte des Kartells Bismarcks, verfolgt man das Werden des Bündnisses zwischen Eisen und Korn, zwischen einem.Teil der Industrie und den Agrariern, ein Bündnis, das in gegenseitiger Zollsicherung seine Grundlagen hatte und über das der Konservative von Wedel- Malchow, patriotisch wie später sein Nachfolger Hugenüerg» sagte:„Der Schutz von Eisen und Roggen ist gleich unentbehrlich für das Wohl des Vaterlandes", so glaubt man die Geschichte der Harzbuvger Front vor sich zu haben. Wie diese, so kam auch Bismarcks Front von Eisen und Korn zunächst"nur etappenweise vorwärts, zeitweilig schwer bedroht, weil hart um die Quote gerungen wurde. BiSmarckS Verhandlungen mit dem nationalliberalen Führer von Bennigsen und Hitlers Verhandlungen mit den Männern des oppositionellen Reichslandbundes, sowie die entscheidende Aussprache zwischen Papen, Hitler und Baron von Schröder in Köln am 4. Jänner 1933, sind bemerkenswerte Parallelerscheinungen. Das Resultat des Bündnisses im Jahre 1878 war das Sozialistengesetz, 1933 die völlige Vernichtung der Arbeiterbewegung, auf dessen Kosten diese» reaktionäre Bündnis allein gehen konnte. Aber auch ein Flügel des deutschen Bürgertums wurde davon betroffen und stand dagegen.. WaS war der äussere Anlass dieses Bündnisses^ Beidünal die im^.Gefolge? eines'Kriege» auftreiende Krise in drr->Jndastrre> einerseits, die? Konkurrenzunfähigkeit der deutschen Junker andererseits. War der Krieg von 1871 auch siegreich ausgegangen, so bewirkten die hereinströmenden fünf Milliarden Franken Kriegsentschädigung und der Gewinn Elsah-Lothringens einen rapiden industriellen Aufstieg. ES war die Gründerzeit, di« viel böse- Blut machte und die agrarischen wie mittelständlerischen Schichten erheblich bedrohte. Prompt erleben wir damals auch die erste antisemitische Stimmung, die zu Beginn der achtziger Jahre zur Bewegung anschvillt und sowohl von Bismarck wohlwollend behandelt als auch von den die Regierung. Erschießungen finden prinzipiell vor den Augen und Ohren der Insassen des Gefängnisses statt. Dieseyl^ode sehen vier asturische Arbeiter entgegen, wenn es der öffentlichen Meinung der Welt nicht gelingt, auf die spanische Regierung einzuwirken. Konservativen sehr begrüßt wurde. Wer denkt da nicht an die nach dem Weltkrieg«"in Deutschland einströmenden amerikanischen Milliarden, mit decken die deutsche Industrie,.abgesehen von der völligen Ausraubung. des Mittelstandes durch die ■ Inflation, ihren Neuaufbau vollzog? Und wie ! eigenartig fügt sich in dieses Bild der Antisemitismus des aufkommenden Nationalsozialismus ein, der bereits 1923 seinen ersten Putsch begeht, um auch hier- wieder die Verschärfung aller Gegensätze anzudeutenl ■ Der Jubel der Industrie währte nicht lange. Nach der Gründerzeit kam— trotz des siegreichen Krfegsausganges— det Katzenjammer wie 1918, die Enttäuschung der Massen über Kapitalismus und Schiebertum. Ueberproduktion verursachte Absatzkrise, man schrie nach Zöllen.. Die.Junker, bisher freihändlerisch orientiert, sind der Konkurrenz der Ueberseestaaten und Russlands in keiner Weise mehr gewachsen, so werden auch sie zu Anhängern des Zollsystems. Allmählich entsteht dqs Bündnis von Eisen und Korn, Schwerindustrie und Grossgrundbesitz, beide durch Bodenrente, konservative Herkunft und andere Umstände eng miteinander verfilzt. Die Auswirkungen sind bekannt. Muss man hier erst auf die Parallelität zu 1933 verweisen? Es war ja zunächst nicht die ganze Bourgeoisie, die den Nationalsozialismus für bündnisfähig hielt, es war nur eine Fraktion im Bunde mit den Agrariern, und auch hier wiederholte sich nur ein älterer Vorgang, der nämlich, dass sich konservatwe Mittelschichten mit den übrigen konservativen, um nicht zu sagen reaktive nären Schichten und sozialen Gruppen verschmelzen, um Marxismus und Liberalismus, Weltpolitik und Industrialismus zurückzudrangen. Selbst die Einleitung des Sozialistengesetzes- ist nur ein Vorläufer zum Reichstagsbrand von 1933 gewesen- Wie gerufen kam auch damals, ganz wie 55 Jahre später, ein Narr, der am 11. Mai 1878 einen Vorwand zum Losschlagen gegen die Arbeiterschaft gab. Der van der Lubbe von damals hiess Hödel. Er war Klempnergeselle. Bismarck erreichte sein Ziel damit noch nicht ganz: konnte man damals auch noch keinen Reichstagsbrand erwarten, so war das doch Pfuscherei. Selbst der bürgerliche Bennigsen sprach^-„Dummenjungenstc^ich^, eines Nichtsnutzigen jugendlichen Tubjelts". Es ist nicht uckwiKtig, darauf hinzckweisen,-ätz-di« Krise damals ebenso wie 1933 ein solches für die Herrschenden notwendiges Subjekt hervorbrachte. „Intellektuelles, moralisches und physisches Elend" schreibt Mehring ihm zu; wie hat er doch da zugleich van der Lubbe gemalt! Mehring kennzeichnet auch die Torheit der Liberalen, die vielfach heuchlerisch entrüstet taten, obwohl Bismarck die„Entrüstung des Volkes" gerade nötig hatte, um die Liberalen an die Wand zu. drücken. Wieder eine Parallele! Bismarck brauchte zwar noch keinen Reichstagsbrand, aber immerhin, Hödels unqualifi- Bo« Bismarck bis Hitler Da» So-ialifteagefetz«ad die„nationale Erhebung" Ist es gleich Wähnst««... Bon Werner Jlberg. Nach meiner Einlieferung in die SA-Kaserne hatte ich zunächst die üblichen LeidenSsta« tionen zu durchlaufen. AIS ich schließlich in den Bunker entlassen wurde, sank ich auf die dünne Strohdecke und schlief etwa eine Stunde. Dann weckten mich die Schmerzen. Ich sah mich um. Tie Kameraden saßen um den einzigen Tisch herum. Kein lautes Wort war zu hören. Einige lagen, gleich mir, auf dem Stroh. Wenn sich einer von ihnen bewegte, stöhnte er laut. In dies« dumpfe Halbstille brachte einer Leben. Er ging mit schweren, eisenbenagellen Schuhen hallend auf dem Steinfussboden im Kreise. Er sang dabei vor sich hin. Di« wulstigen Lippen öffneten sich dabei. Gelbe, verrottete Zähne wurden sichtbar. Den Riesenkopf wiegte er im Takte. Plötzlich drehte er sich zu den Kameraden, knallte die Hacken zusammen und stand in strammer Haltung vor uns. Der Keine, breite und gedrungene Körper stand unbeweglich. Die wäßrigen Augen blickten stumpf geradeaus. Ich fragte unter Schmerzen flüsternd den Kameraden:„Wer ist das?" Der Kamerad war einen Tag vor mir verhaftet worden und wußte schön Bescheid. Er blickte mich aus seb-cn dick verschwollenen Augen an und sagte mit verzerrtem Lächeln:„Gustav Nagel, unser Naturbursche." In den fragenden Tagen konnte ich Gustav Nagel beobachten. Er hiess eigentlich Heinrich Mittag. Der Spitzname traf aber das Wesen dieses Manner. Es war ein triebhafte- Natur- bürschentum. Der etwa 50jährige Mann war Artist gewesen. Er war mit zirkusartigen Unternehmungen gewandert. Zuletzt war er arbeitslos auf Tippelei gewesen. Er wollte ein Unterkommen haben. Früher hatte er zu diesem Zwecke einen Polizisten beleidigt. Jetzt hatte er eS einfacher. Er hatte sich einem Nazizug in den Weg gestellt u«Ä> die Fahne nicht gegrüßt. DeAvegen war er bei uns. Er hatte schon sechsmal„Knast gehoben". Das gab ihm in unserer Situation eine gewisse Ueberlegenheit. Hatte er Hunger, sprang er auf, kramte mit affenartigen Bewegungen im Stroh und holte sich irgendetwas zum Essen dort vor. So knapp das Essen war, er hatte immer Reserve. Mit der Wache stand er güt. ES gab selbswerständlich bei unS einen Stubenältesten. Aber so sehr der sich auch beeilte, die vorgeschriebene Meldung zu machen, Gustav Nagel war vor ihm da, knallte die Hacken zusammen, ritz den Mund wie ein Nußknacker auf und brüllte die Meldung. Das war kein Strebertum, sondern pfiffige Schläue. War der Wachhabende auch noch so drohend hereingekommen, der schnurrige Bursche ließ sie ihre eingebildete Würde vergessen und machte sie lächeln. Schließlich machten sie ihn zum Stubenältesten. Der bisherige Stubenälteste war ein früherer SA-Mann gewesen. Er sprach häufig flüsternd und eindringlich mit den Wachen. Seine grctze Stunde war immer die Mittagszeit gewesen. Dann bestimmte er die Leute, die die 6 Eßgeschirre, die es für uns 40 Mann gab, sauber zu machen. Dazu nahm er die im schwersten Verletzten. So hatte er Teil an der quälerischen Gewalt seiner braunen Kameraden. Gustav Nagel war anders. Er reinigte das Geschirr im Handumdrehen selbst. Er fühlte sich auch sonst verantwortlich. Er unterhielt uns. Er erzählte Geschichten, die leider nie ganz zu versuchen waren. Sie gingen immer in einem heiseren, rostigen Lachen unter. Dies Lachen wirkte unheimlich. Scheinbar unmotiviert, sah er mit seinen wäßrigen Augen dabei starr geradeaus. ES war, als sähe er etwas aus seinem früheren Leben. So plötzlich das Lachen auch einsetzte, so plötzlich verstummte es wieder. Dann stand er in sich versunken, marschierte darauf wieder im Kreis, ging schneller und schneller, machte unversehens Halt, stand stramm, und,— ohne daß einer von uns vorher irgendetwas geahnt hätte, — schlug der schwere Mann plötzlich aus feiner Habtachtstellung heraus einen Salw. Die Schuhnägel knallten auf den Boden. Gustav Nagel stand einen Augenblick still, lief dann tänzelnd vor und verbeugte sich, die Hände spreizend, als sei er wieder im Zirkus. Sein Benehmen wurde überhaupt immer merkwürdiger. Ich glaubte zunächst an den Ausbruch einer Haftpsychose. Häufig lief er in geduckter Haltung an die Tür, legte lauschend sein Ohr daran. Dann sprang er affenartig zurück, lief zur gegenüberliegenden Wand, schwang sich auf einen kleinen SimS und äugte scharf zum Fenster hinaus. Man wußte nicht recht, ob er glaubte, Schmiere stehen zu müssen, oder ob es Erinnerungen ans Zuchthaus waren. Nachts phantasierte er jetzt viel. Er stört« unsere so notwendige Rachruhe. Wachten wir auf, so wußten wir ja nicht nur wieder um unsere eigenen Schmerzen, scndern mußten auch noch die Quälereien der Wache und di« Schreie der Opfer mit anhören. Wir sagten dem Sanitäter Bescheid. Aber der kannte nur eine Krankheit, die hieß Simulation, Dabei wurde es immer offensichtlicher, daß irgendetwas mit Gustav Nagel nicht stimmte. Häufig geschah es jetzt, daß er zu einer Meldung ansetzte, stramm brüllte, um mitten drin dann zu stocken. Wenn die Wache dann schrie und tobte, bellte er ihr mit seinem rostigen Lachen ins Gesicht. Keiner von ihnen wagte ihn noch zu schlagen. Sie merkten wohl doch die Krankheit, die in ihm saß. Geisteskranke sind gefeit. In den letzten Tagen hockte er meist still auf dem Stroh. Die Knie hatte er unter das Kinn gezogen. Dann krempette er seinen Aermel hoch und betrachtete liebevoll die Tätowierungen auf seinem Arm. Die Augen füllten sich mit Tränen. ES war wie ein Gefäß, daS überlaufen wollte. Einmal sah ich, daß er das Bild einer nackten Frau auf seinen Arm tätowiert hatte. Er ließ die Muskeln spielen. Dann hatte er wohl die Illusion, die Figur lebe. Plötzlich schoß sein Kcpf vor. Er küßte seinen eigenen Arm. Die wulstigen Lippen schmatzten mit einem widerwär« tigen Geräusch vier« bis fünfmal nacheinander. Die Träi'?n flössen über das unrasierte Gesicht. Dann versank er in Brüten. UbleHWundgeruch wirkt abstoßend; mißfarbige Zähn* entstellen das schönste Antlitz.- Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen schimmernden Elfenbeinglanz, ohne den Zahnschmelz zu beschddigen.Tu be Kc 4 zierte Klempnerarbeit reichte doch noch nicht auS; einen Monat später musste Dr. Karl Nobiling erst die richtige Stimmung gegen die Oppositton durch ein Attentat auf den Kaiser schaffen. Und jetzt folgte die Neuwahl, wie dem 27. Feber 1933 die Wahl am 5. März! Alles, alles schon dagewesen!„Durch einen Wahlkampf, der mit allen Mitteln deS weissen Schreckens geführt wurde... erreichte Hitler—- Pardon, wir zitieren ja Mehring, und da heisst eS— Bismarck!, seinen Zweck." Dennoch schlug sich die Sozialdemokratie tapfer. 1878 wie 1933! Die Parallele ist noch längst nicht zu Ende. Jetzt folgte die Zertrümmerung der sozialistischen Arbeiterorganisationen. Arbeiterpresse, Gewerkschaften, Abeitervereine, alles verschwand. Nach einem Jahr waren schon 224 Vereine geschlossen, an 500 periodische und nichtperiodische Druckschriften verboten, die Illegalität begann, in die sich die Arbeiter damals nicht weniger unvorbereitet hinüberretteten als 1933. Immerhin, die damalige Situation gestattete doch noch, eine sozialdemokratische Reichstagsfraktiön bestehen zu lassen. Es entstehen Differenzen zwischen den einzelnen Patteiströmungen, wieweit man gehen darf, um legal zu bleiben und was zu tun ist. Da- wiederholte sich 1933 in tragischer Weise, aber der Unterschied zwischen.1878 und 1933 wurde schon in den ersten Wochen offenbar; das Hitler-Regime selbst musste diesen Streit beenden, eS war kein Raum mehr fiir das Proletattat vorhanden. Dennoch, auf eine kurze Zeit konzentriert, wiederholten sich alle Phasen deS Sozialistengesetzes. Wie 1878, so entstehen 1933 Reibungen zwischen dttnnen und draussen. Es wuchs die illegale Arbeit, deren erste Anfänge so merkwürdig an die von 1933 erinnern. Die üblichen Tarnungen, die Wanderungen, der Gesangverein und vieles andere. Draussen aber wurde auf dem ersten illegalen Kongress der Partei in der Schweizer Burgruine Wehden im Jahre 1880 das Gothaer Parteiprogramm dahingehend revidiert» dass in-en Ausführungen über die Verwirklichung der sozialistischen Ziele das Wott „gesetzlich" gestrichen wurde. 1890 fiel das Sozialistengesetz. Heute sehen wir dieselbe Spyltung im Bürgertum, wobei er Bon Mchkigkeit isti.dgraüf hjvzuwessen, hass sich, -seitdem die deutsche Wittschaft schicksalhaft mit Weltwirtschaft und Export verkettet hat und die oppositionellen Kräfte darum heute weniger denn je auf den Kampf um eine Wendung verzichten können. Die Parallel« könnte noch weitaus detaillierter zu Ende geführt werden, doch sei hier nur ganz allgemein bemerkt, dass sich alle Kämpfe im heuttgen Deutschland prinzipiell um ähnliche Ziele abspielen, wie die während des Sozialistengesetzes, das 1890 fiel. F. War. Eines Tages mußten wir alle antreten. Der Wachhabende teilte uns'mit, ein SA-Mann sei ermordet. Die Täter seien entkommen. Darum müssen wir büßen. Drei Tage werde mit uns exerziert,«ine halbe Stunde Sport, ein« halbe Stunde Ruhe. Ich brauche nicht zu schildern, was das für uns bedeutete. Die Quälerei war unbeschreiblich/ Aber auch den SA- Leuten war es schließlich zu dumm. Quälen machte ja Spaß, aber mal wollten sie doch auch ausruhen. Da kam einer auf die Idee, man könne unS auch allein exerzieren lassen. Er rief nach dem Stubenältesten. Gustav Nagel sprang vor. „Du übernimmst das Kommando. Laß Freiübungen machen. Wer sich drückt, kriegt einen Tritt, verstanden?" „Jawohl, Herr Wachtmeister." Gustav Nagel baute sich vor uns auf. Er blickte stter in die Luft. Der Nußknacker öffnete die dicken Lippen. Er brüllte. Es brach aus ihm heraus, stossweise: „Die Kompa——Gustav Nagel——, Heinrich Mittag," Die Tränen drohten schon wieder zu fließen. Der Mund schnappte zu. „Na, war wird daS?" schnauzte der Scharführer.„Ein bißchen lustig, sonst exerzieren wir beiden mal alleine." „Jawohl, Herr Wachtmeister." Gustav Nagel ttß sich noch mal zusammen. „Die Kompanie hört auf mein Kommando. Weggetreten." Dann lachte er laut und rostig, aber mit untermischtem Schluchzen. Wir wagten nicht, dem Befehl Folge zu leisten. Wir blickten ängstlich und fragend geradeaus. Der Scharführer raste los: „Habt ihr nicht gehört, ihr Sauhunde? Weggetreten ist kommaitdiert. Befehl ist Befehl. Oder möchtet ihr zwei Stunden in eins durchmachen?" Nun wußten wir er. Befehl ist Befehl, selbst wenn ein Irrer kommandiett. Das Dritte Reich hatte sich uns demaskiert. Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 4. September 1933. Nr. 208- Hubscher Lackschuh, kombiniert mit Sehlangen-Imitation. 31-34 KE 25.» „BOY" KE 2. „DARLING" KE 5. Derber Sporthalbschuh mit Kem- ledersöhle. 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Sie wurden aus dem allgemeinen Krankenhaus in häusliche Pflege net- laffen. Sämtliche drei Wagen wurden stark beschädigt und zur Weiterfahrt untauglich gemacht. Der Verkehr wurde aus 12 Minuten unterbrochen. Papierdrachen in der Hochspannungsleitung. Die Direktion der elektrischen Unternehmungen ersucht sämtliche Eltern, ihre Kinder aus die Gefahr aufmerksam zu. machen, in die sie sich durch dar Spielen mit Papierdrachen in der Nähe elektrischer Leitungen und. gar durch das Klettern auf Leitungs- srangen und dergleichen begeben. Sie erinnert an die zahlreichen schweren und tödlichen Verletzungen, die sich Kinder und Arbeiter jährlich beim Herabholen von Papierdrachen und dergleichen zuziehen. Außerdem macht sie aufmerksam, daß sie für den durch den Stromentgang verursachten Schaden in allen Fällen Ersatz fordern und, wenn sie aus eigenem von einem Unfug dieser Art Kenntnis erhält, den Fall den Sicherheitsorganen übergeben wird. Jnseratenschwindel. Ein Unbekannter, der jetzt als der 41jährige Jaroslav Rudi aus Prag l., Bilkovä, festgestellt werden konnte, hatte im April mehrere Firmen besucht, bei denen er für einen angeblichen„Almanach der Stadt Prag" warb, wobei er unter der Vorspiegelung, Inserate in diesem Almanach zu veröffentlichen, außer freiwilligen Spenden noch weitere namhafte"Beträge entlockte. Die Bestellscheine, die er seinen Kunden vorlegte, waren mit einem Stempel versehen, der dem der Stadt, Prag ähnlich sah. Rudl ließ von seinen Betrügereien ab, als er in den Zeitungen las, daß der Prager Magistrat vor ihm gewarnt und eine entsprechende Kundmachung erlassen hatte. Gestern gelang es, Rudl zu verhaften. Er hat im ganzen fünf Firmen geschädigt; wegen Betruges ist er einigemal vorbestraft. Er wurde nach Pankratz eingeliefert. An der Staatsschule für Kanzlei- und Kammerstenographen in Prag l., DuSni 7, finden die Einschreibungen für das Schuljahr. 1935/36 ab 8. bis 14. September stets von 17 bis 19 Uhr statt. Es wird eine Abteilung für Anfänger, eine solche für Kanzlei-, Kammer- und deutsche Stenographie eröffnet. Die Klarsche Blindenanstalt in Prag III., Pod Letnou Nr. 627, hat neuerdings ihre Schwimmschule eröffnet, die neu hergerichtet worden ist. U. a. wurde das Dampfbad neu erbaut. Die Besuchsstunden und Eintrittspreise sind unverändert geblieben. Dir Abteilung für AussiugSzüge de« Tschechoslowakischen TtaatSbahnen veranstaltet, folgende^ Exkursionen:" In den Tagen vom 5. bis 26. September nach Luhacovice 970 Kc, nach Trenkianskt Teplice 940 KE, nach Pieötany 1010 KE; in den Tagen vom 7. bis 15. September ins Riesengebirge 370 KE, vom 7. bis 19. September nach Karpatho- rußland 560 KE, vom 15. September bis 6. Oktober nach Karlsbad 1120 KE, vom 21, bis 29. September in die Hohe Tatra 555 KE. Anmeldungen- im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383-85, und in der Paffage am Vaclavfle nam. Nr. 60, Telephon Nr. 350-55. Xunst und Wissen. I. Orchesterkonzert des Internationalen Musikfestes Die Kürze der Zeit, die den Veranstaltern des 13. Internationalen Musikfestes in Prag für ihre Konzertarrangements zur Verfügung stand, mag Schuld daran sein, daß das Programm dieses ersten Orchesterkonzertes nicht ganz dem Sinn und Zweck eines modernen Musikfestes, entsprach: einen Ausschnitt durch die allerjüngste Musikmoderne zu geben. Denn unter den fünf symphonischen Werken, die zur Aufführung gelangten, waren zwei nicht allerneuesten Ursprunges,— Arnold Schönbergs geniale, aus dem Jahre 1928 stammenden Orchestervarationen und des Ruffen B. Sebalin im Jahre 1929 entstandene zweisähige zweite Symphonie—; und«in Werk,— das Klavierkonzert mit Blasorchesterbegleitung von dem Südslawen Slavko Öftere,—- hat man bereits vor eineinhalb Jahren im Prager Rundfunk gehört. Immerhin dürste Se- balins Symphonie besonderes Interesse beanspruchen, weil wir über das Musikschaffen der Ruffen in den letzten zehn Jahren fast gar nicht unterrichtet sind. Sebalins Symphonie ist aber keineswegs modern; ein formal klar gegliedertes Werk, deffen Tonsprache reich an gangbarer Invention ist und deffen Gestaltung dem symphonischen Normalprinzip der Gegensätze im rhythmischen und dynamischen Sinne entspricht, das auf thematischer Grundlage aufgebaut ist und sich einer sehr gemäßigt modernen, eher konservativen Ausdrucksweise bedienst Wirkliche Neuheiten des Konzertes waren eine symphonische Dichtung„Miserae" von dem jungen Münchner Tonsetzer Karl AmadenS Hartmann und ein Cello-Konzert mit Orchesterbegleitung von dem Tschechen Karl H ä b a. Hartmanns symphonische Dichtung ist bildliche Programm-Musik,«ine mit raffinierten, modernsten Orchestermitteln bewirkte symphonische Darstellung der Qual, Not, Verzweiflung und Resignation der„Elenden" des Lebens oder der Hölle, wie sie sich die Phantasie des Hörers vorstellen will. HäbaS Cello-Konzert, in der. üblichen Dreisatz-Form geschrieben, ist echt konzertante Musik neuesten Stiles, Konzertmusik im primären solistischen Sinn des verwendeten Instrumentes. Die reproduktive Orche- sterleitung bei diesem Konzerte lag in den Händen fünf verschiedener Dirigenten,— Hermann Scheichen, Danilo S v a r a, Heinrich. I a l o w e tz, Robert Brock und Otakar Jeremias; das Cello-Konzert spielte mit schönem Ton und sauberer Technik Bohus Heran, während das Klavierkonzert durch Dr. Karl Reiner interpretiert wurde, der mehr auf konzertant«. Großzügigkeit Wert legte als auf Klarheit des Spieles, im übrigen auch vielfach durch das begleitende Blasorchester gedeckt wurde. Das den Smetana-Saal festlich füllende Pu- blikuin folgte allen Darbietungen mit sichtlichem Interesse und kargte nicht mit Beifall. E. I. Neue Saison im Nationaltheater Das tschechische Nationaltheater hat für die kommende Wintersatson ein umfangreiches Repertoir zusammengestellt. das nicht nur eine Reihe llrausfüh- rungcn heimischer dramatischer Produktion, sondern auch bedeutende Stücke ausländischer Literatur— älter und moderner— enthält. Es hat eine Uraufführung von Edmond Konrad, Vst VaEura und auch die Uraufführung des neuen Stückes von Fr. Langer: .Die Refterpatrouille" in Aussicht gestellt; das letzte Stück wurde aber auch im Repertoire des Weinberger Stadttheaters angekündigt. Es ist abzuwarten, welches von den beiden Theatern in diesem Streitfälle siegen wird. Auch eine stattliche Reihe fremder dramatischer Produktion verspricht" das Rationalthcater entweder in Uraufführung oder Neueinstudierung auf die Bühne zu bringen, darunter Schillers„Kabale und Liebe", auch Shaw, Moliöre, Lope de Bega etc. Die Auswahl fft reichhaltig und würde eine lebhafte Theatersaison versprechen. In einem Zyklus beliebter Stücke, die jetzt im Nationältheater und Ständetheaier zu volkstümlichen Preisen ausgeführt werden, hat das Ständetheater „R o zk o 4 n ä p i sh ob a"(Ergötzliche Geschichte) von Caillavet, de Flers und Rey in Neubesetzung frisch einstudiert. Dieses an sich anspruchslose Gesell- schafrslusrspiel. das bezeugen soll, daß sich das Leben nicht systemffieren oder mechanisieren läßt, solange in den Menschen der Wunsch nach Romantik lebt, sollte der Frau Raskovä Gelegenheft geben, die Reihe ihrer Königinnen und Damen der Gesellschaft zu unterbrechen und ihre Kunst im Fache der verstorbenen Frau Hübnerovä zeigen. Die Rolle der Großmutter gelang ihr unter starkem Applaus des Publikums. Lachsalven erntete wie immer Herr Haas in der Rolle des betrogenen unpathetischen Bräutigams. Auch Frau Scjbalova hatte Erfolg. m. st Neues Abonnement Die Ausgabe der Karten für bisherige Abonnenten beginnt Donnerstag. Vormerkungen für neueintretende Abonnenten werden bereits jetzt entgegengenommen. Lpielplän des Reuen Deutschen Theaters. Samstag, den 7. September, EröffnungSvor- st e l l u n g e n u f a". Einmalige Aufführung anläßlich des Internationalen Musikfestes(Ä 1). llmtauschrecht für Viertelabonnenten.— Sonntag, neu inszeniert„Die heilige Johanna" von Bernard Shaw.(BI). Wiederholung Dienstag (A 2)..— Montag„S ervu s! S« r v u s!" Zum erstenmale.bei-volkstümlichen Preisen. KE 2.50 bi- KE 20'—’ Gutscheine täglich außer Montag. Spielplan der Kleinen Bühne: SamStag, den 7. September, Erstaufführung„K i k i", Komödie von Picard-Blum. Wiederholungen Sonntag und DienStgg. Samstag Gutschein« D 1, D 2. Sonntag C st, C 2, und Dienstag B 1, gültig.— Montag geschlossen l Sportliche Würde und Berliner Olympiade Der Olympiade-Reklame-Apparat des Driften Reiches ist in vollem Gang«. Während man in Deutschland jede freie Regung in Mut und Kerker erstickt, tönen, große heuchlerische Phrasen in die anderen Länder, um möglichst viele Dumme einzufangen. Bestder Berliner Olympiade geht es aber diesmal nicht um sportliche und olympische Ehren, sondern um eine Riesenpropaganda für Deutschlands Herrlichkeiten und für die deutsche Gewaltdütatur. Mit süßen Worten bemüht man sich, die Vertreter der einzelnen Staaten enffprechend einzuwickeln, spricht von Kultur und olympischem Frieden, während man-im eigenen Lande alle Kultur vernichtet. In Deuftchland gibt«S Höchstleistungen in Brutalität und Grausamkeiten, Mord und Totschlag, Raub rechtmäßigen Eigentums, Konzentrationslager, völlige Rechtlosigkeit der deutschen" Aebeitsmenschen. Ist daS ein Rahmen für ein Völkerolympia? Deuftchland verhöhnt die ganze Welt, Goebbels versucht sogar, die AuSlandspreffe niederzuhalten. AuS dem Kulturreich der Deutschen ist ein Reich brutaler Sklaverei geworden, und darüber soll nun die Friedensglocke der Olympiade läuten? Fühlrn die Sportler der anderen Länder nicht diesen nieder- trächftgen Hohn, fühlen sie nicht die Schmach und den Spott? Wir Arbeitersportler werfen bei dieser Gelegenheit die Frage auf: Seht ihr nicht, daß tausende Plätze, Bäder, Sportanstalten, die in treuer, aufopferungsvoller Arbeit zum Wohle des deuftchen Volkes geschaffen wurden, gestohlen und geraubt wurden? Seht.ihr nicht, daß staatliches Richtertum diesen Raub sanktioniert? Kein Sportler, der noch etwas Würde in sich fühlt, geht nach Berlin! Und unser Staat, die Tschechoslowakei? Man veranstaltet eine Lotterie, deren Reingewinn die Teilnahme an der Olympiade ermöglichen soll. Man denft vielleicht sogar daran, öffenüiche Mitte) des Staates und der Länder für diese Hitler- Olympiade bereitzustellen. Die allgemein geachtete Organisafton des Sokol hat unbegreiflicherweise die Absicht, mit 1000 Männern und Frauen den Glänz der Hitler-Olympiade zu steigern und unter Die sozialistische Jugend veranstaltet Mittwoch- den 4. September- um 8 Uhr abends im klemm Saal des Handwerkerver» eines in Prag II.- Smcöky- eine Lagerfeier,.4 zu welcher Gäste herzlichst willkommen sind, r■ Eintritt frei. tückisch grinsenden SA-Gesichtern aufzumarschieren. Hat man alles vergeffen? Hat man vergeffen, daß über die Grenzen herüber auf unterirdischen Wegen die großdeuftche Propaganda just von den gleichen Leuten genährt wird- die Schutzherren der Olympiade sein werden? Hat man den Mord an Lessing vergeffen? Hat man vergessen, daß selbst in unserer Hauptstadt die Mordbuben aus Deutschland Formis ermordeten? Hat man den Menschenraub in Eisenstein vergessen? Ist die Ermordung des Tschechoslowaken Neumann, die Drangsalierung unserer Menschen an der Grenz« nicht noch frisch in Erinnerung? Vergißt man, daß durch die hinterhältige Devisenpolitik der Hitler und Goebbels unsere Bäder bewußt und in raffinierter Weise den reichsdeutschen Kurgästen verrammelt werden? Denkt man nicht daran, daß di« Menschen, die aus Deutschland in unser schönes Land wandern wollen, bespitzelt werden und einen lächerlich geringen Betrag über die Grenze bringen dürfen, während allsonntäglich tausend« unserer getarnten Nazi tschechoslowakische» Geld ins Deutsche Reich hinüberbringen? Haben die Beschimpfungen der Tschechoslowakei durch daß Radio nicht Empörung hervorgerufen? Hat man in den reichsdeutschen Zeitungen nicht von den Tschecho« siowakcn als von einem„Zigeunervolke" geschrieben, obwohl dieses tschechische Volk bestimmt auf einem turinhoch höheren Kulturstande steht als die heutigen Herren von Deutschland, die di« deutsch« Kultur erdrosselt haben? Müffen nicht heute di« Deutschen in unserem Lande und in anderen Ländern die deutsche Kultur schützen und erhalten? Die ganz« Welt wendet sich voll Abscheu gegen die deutsch« Herrscherklaffe. Biele Länder hegen Bedenken, an der Olympiade t«ilzunehmen. Kann Drang und Sinst zu sportlichen Wettkämpfen oder der Wille zum Repräsentieren jede politische Selbstachtung ersticke»? Glaubt der Sokol, deffen Bedeutung und Leistungsfähigkeit doch in aller Welt bekannt find, daß er vor den Tribünen eines Göring, Goebbels und Kumpane, bei deren Anblick man an Brandstiftung, Mord(mit und ohne Todesurteile), an Martern und Verzweiflung in den Konzentrationslagern denken muß, seine Ehre und Bedeutung vergrößern kann? Will der Sokol jenen Leuten, die die Träger wahrer deutscher Kultur ins Ausland trieben, jenen brutalen Verfechtern der Gewalt Propaganda machen? Wir können heute noch nicht daran glauben! Eine weitere Frag«: Wird man in unseretn Staat« aus öffentlichen Mitteln für die Hitler« Olympiade Gelder geben? Wir verwahren uns schon jetzt dagegen, daß mit öffentlichen Mftteln diese Olympiade, die mir zur Propaganda für die deutschen Gewaltmenschen- dient, gefördert wird. Dies« Gelder sind für die Unterstützung der Leibesübungen in unserem eigenen Staate viel beffer angebracht und können bessere Verwendung finden. Verzichtest wir auf die zweifelhafte Ehre, eine staatliche Sportvertretung zu einer Olympiade zu senden, die unter der Patronanz von Männern sieht, von Friedensstörern,. die von der ganzen gesitteten Welt verachtet werden. Denken wir daran, daß der olympisch« Gedanke, auch vom bürgerlichen Standpunkte gesehen, in Berlin nur ein« Schändung erfahren kann und wird. Rufen wir uns all das, was in Deutschland in den letzten Jahren vor sich ging, in? Gedächtnis! All das Brutale, Unmenschliche. Entsetzliche, daS die ganze Welt mit Ekel und Abscheu erfüllt. Denke« wir ernsthaft nach und alle anständigen Menschen müffen sich sagen: Kampf dieser Berliner Nazi-Olympiadel Keinen Sportler, keinen Heller Geld dafür! Denn eine Olympiade kann nur in einem freien Lande staüfindenl H. M. 0m& dec Partei Bezirksorganisatio« Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wir machen unsere Parteimitglieder auf die heute abends im kleinen Handwerker- Saal Smeckä, von der Sozialistischen Jugend veranstalteten Lagerfeier aufmerksam, zu der alle Mitglieder cingeladen sind. Beginn 8 Uhr abends. Die Bezirksvertrelung. Dereinsnacstcicsikn Allgemeiner Angestcllten-Berband(All-a-ver)- Ortsgrnppe Prag II- Fügnerovo nam. 4. Stellenvermittlung, Rechtsschutz, Auskünfte.— Monats« Versammlung am 4. September, Mittwoch, 8 Uhr abends im Handwerker, SmeEky(nicht Per§- tyn!).— Anmeldungen zu den Kursen jeden Mittwoch in der Kanzlei. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in» Sau» oder bei Bezug durch die Post monattich KE 16.—vierteljährig KE 48.—. halbjährig KE SS.—. ganzjährig KE 192.—.— Inserate werden laut Laris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:^HrbiS". Druck-. BerlagS- und ZeitungS-A.-G„ Prag.